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star trek, science-fiction, rick barba

Starfleet Academy: Die Delta-Anomalie

Rick Barba
E-Buch Text: 246 Seiten
Erschienen bei Cross Cult, 30.03.2012
ISBN 9783864250262
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Aus irgendeinem Grund (= ich bin so doof und lasse mich mit ganzer Seele darauf ein) scheint es meine Bestimmung zu sein, mich in Fandoms zu verlieben, deren Charaktere im Lauf der Jahre mit Füßen getreten werden, bis sie noch ungefähr so viel mit ihrer ursprünglichen Version zu tun haben wie gedünsteter Rosenkohl mit einer Rocher-Praline.

Mir wurde in letzter Zeit oft von »Star Trek AOS«-Fans gesagt, die »Starfleet Academy«-Romane wären hilfreich, um die in meinen Augen teils extrem unpassende Charakterisierung bekannter »Star Trek«-Figuren in den AOS-Filmen besser zu verstehen. Nun habe ich den ersten Band »Die Delta-Anomalie« beendet und weiß bezüglich mancher Details gar nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Ein Serienmörder geht um in San Francisco – ein geheimnisvolles Wesen, das »der Doktor« genannt wird und Menschen Organe raubt, ohne sie äußerlich zu verletzen. Die Starfleet-Anwärter Kirk, Uhura und McCoy werden in diesen ungewöhnlichen Fall hineingezogen, müssen nebenbei weiterhin in ihrer Ausbildung ihr Bestes geben und zum Teil das eine oder andere persönliche Abenteuer bestehen.

Das Buch hat – wie die AOS-Filme auch – einige tolle, spannende Ansätze. Hat es wirklich. Aber es mangelt an Kontinuität und Glaubwürdigkeit, an einer inneren Logik der Gesamtgeschichte. Natürlich, auch die ursprüngliche Zeitlinie ist nicht allumfassend in sich stimmig, doch besonders zu TOS-Zeiten war ja noch gar nicht klar, was für ein Riesending mal aus »Star Trek« werden würde. Den Machern der neuen Zeitlinie dürfte aber schon bewusst sein, was für ein Erbe sie da antreten. Und statt die Chance zu ergreifen, sich von alten Widersprüchen zu befreien und neu und frisch zu starten, werden direkt zu Beginn eigene Widersprüche und Unglaubwürdigkeiten geschaffen.

Das fängt mit Kleinigkeiten an, die ich problemlos verzeihen könnte: So haben die Kadetten der Starfleet Academy im ersten AOS-Film kleine Doppelzimmer, hier im ersten Academy-Roman sind es plötzlich Einzelzimmer, mit fortschreitender Ausbildung sogar geräumige Apartments.

Dann geht es weiter mit Widersprüchen auf persönlicher Ebene: Während es im ersten Film so aussieht, als wären sich die meisten Mitglieder der späteren Brücken-Crew anfangs noch fremd, müssen einige von ihnen im ersten Roman bereits eng zusammenarbeiten. Das macht es zum Beispiel komplett unglaubwürdig, dass Jim Kirk bei dem späteren Einsatz auf der Enterprise immer noch nicht weiß, wie Uhura mit Vornamen heißt. Auch Gaila, im Film offenbar ein bloßer One-Night-Stand von Kirk, müsste er laut den Geschehnissen im Roman etwas besser kennen; zumindest dürfte ihm bekannt sein, dass sie Uhuras Zimmergenossin ist. Ach nein, halt, im Roman gibt es ja Einzelzimmer. Uff.

Im weiteren Verlauf des Romans kommen schwerwiegendere Widersprüche bezüglich der Beziehung der Figuren zueinander hinzu. Die Geschehnisse in diesem Roman (die im ersten Ausbildungsjahr stattfinden) müssten es eigentlich unmöglich machen, dass Kirk/Spock und McCoy/Spock einander nicht bewusst kennen, wie es im ersten Film dargestellt wird. Und insbesondere Kirks Entwicklung im Roman macht das »Flegel-Jim manipuliert den Test und Oberlehrer-Spock verurteilt ihn allein deshalb scharf«-Szenario, das den Grundstein für ihr anfänglich so schwieriges Verhältnis legt, unglaubwürdig. Das Gegenteil müsste der Fall sein, wenn es nach dem Roman geht: Kirks ungewöhnliche, durchdachte Herangehensweise bei einer von Spock entwickelten wissenschaftlichen Prüfung findet dessen große, wenn auch nur schriftliche Anerkennung.

Spocks Charakterisierung ist ein Fall für sich, hier im Roman wie auch in AOS allgemein. Anders, als es bei Kirk der Fall ist, wurde Spocks Kindheit und Jugend durch Neros Angriff, der die neue Zeitlinie ermöglicht hat, nicht angetastet. Demnach empfinde ich es als unverständlich, dass Spock als junger Mann, dem das gesamte Ausmaß des Dilemmas »menschliche Emotion vs. vulkanische Logik« noch bevorsteht, als Ausbilder (!) eine Liebesbeziehung zu einer Studentin eingeht.

Ich bin kein Alt-Trekkie, tatsächlich habe ich AOS lange vor TOS gesehen und fand die Beziehung zwischen Spock und Uhura anfangs ganz niedlich. Jetzt, wo ich mehr aus dem ursprünglichen Universum kenne, verstehe ich diese Liebelei allerdings nicht mal mehr im Ansatz. Es passt nicht, zumal die Uhura aus der ersten Zeitlinie romantische Gefühle für Scotty hatte, welche zugunsten der Spock/Uhura-Sache ignoriert wurden. Die Macher hätten eine glaubwürdige Romanze UND einen glaubwürdigen Spock haben können. Stattdessen hat Autor Rick Barba in »Die Delta-Anomalie« eine aufkeimende Beziehung erschaffen, die an die unbeholfenen romantischen Versuche der Nerds aus »The Big Bang Theory« erinnert. Soll vermutlich süß wirken, und das wäre es auch, wenn dadurch Spocks Charakterisierung nicht so den Bach runterginge. Denn wie gesagt, im Gegensatz zu Kirks Start ins Leben scheint Spocks Kindheit und Jugend durch Neros Eingreifen nicht beeinflusst worden zu sein, sodass nicht verständlich ist, warum er sich in jungen Jahren SO gravierend vom ursprünglichen Spock unterscheiden soll. Dessen erste echte Bezugsperson neben seiner Mutter war Jim Kirk, später dann auch Leonard McCoy, und dass das alles zugunsten einer flachen Lehrer-Schüler-Romanze in AOS komplett aufgehoben wird, macht mich fassungslos.

Also: Nein, dieser erste »Starfleet Academy«-Roman konnte mir diese Beziehung NICHT erklären, eher im Gegenteil. Dass Spock mit so vielen Leuten auf der Academy gut klarzukommen scheint, sich ausgiebig mit ihnen unterhält und sich über Uhuras Gespräche mit ihrer Konsole a-m-ü-s-i-e-r-t, ist so weit weg vom ursprünglichen Charakter des Spock, dass ich manchmal kurz davor stand, loszuheulen. Uh, Emotion. Der alte Spock hätte das als junger Mann höchst unlogisch gefunden, ich weiß.

Fehlt noch was? Ach ja, Hannah. Während Jim Kirk in den AOS-Filmen anfangs als schlichter, wenig geschmackvoller Aufreißer dargestellt wird – wir erinnern uns an seine plumpe Anmache gegenüber Uhura, den wenig ambitionierten One-Night-Stand mit Gaila oder seinen Dreier mit den beiden langschwänzigen Alien-Schönheiten –, wird in »Die Delta-Anomalie« eher versucht, Jim auf den Pfaden seines älteren TOS-Ichs wandeln zu lassen, das in seinen zahlreichen Affären immer auch echte, romantische Gefühle gesucht hat. Jim verliebt sich bis über beide Ohren in die flippige, selbstbewusste Hannah, die mir eigentlich ganz sympathisch war. Blöd nur, dass im ersten AOS-Film ja bereits klar ist, dass sie später keine Rolle mehr spielen wird, was die Zeit, die der Roman dieser Romanze widmet, für mich sehr anstrengend gemacht hat. Ich möchte nicht mit Infos über eine Person oder Beziehung zugeballert werden, wenn bekannt ist, dass weder die Person noch die Beziehung von dauerhafter Wichtigkeit ist.

Schade, dass die Macher Spocks Charakter so gravierend verändert haben, Jim aber wieder in das TOS-typische »Jede Woche eine Neue«-Ding gepresst wird. Dabei hat sich SEIN Leben durch Neros Machenschaften wirklich in eine anfangs ganz andere Richtung entwickelt als das des ursprünglichen Captains, während es für Spocks Veränderung keine ansatzweise logische Erklärung gibt.

Was mich zudem arg genervt hat, war, dass ständig hervorgehoben wird, wie perfekt doch alle handelnden Figuren sind. Kirk verprügelt in Rekordzeit allein drei riesenhafte Gang-Mitglieder? Klar. Uhura entwickelt im ersten Academy-Jahr im Alleingang innerhalb von zwei Stunden ein wichtiges Programm, was älteren und erfahreneren Xenolinguisten offenbar nicht gelungen ist? Klar. Spock als frischgebackener Absolvent hat überall seine Finger im Spiel und wird von Kollegen bewundert und respektiert? Aber ja.

Der Einzige, dessen Fähigkeiten nicht ganz so übertrieben dargestellt werden, ist Dr. McCoy, denn dieser war ja bereits vor seinem Eintritt in die Academy fertiger Arzt. Trotzdem erscheint es mehr als merkwürdig, dass Starfleet sowie die Polizei es vorrangig Kirk, McCoy und Uhura überlassen, einen unberechenbaren Serienkiller zu jagen; drei Anwärtern im ersten Jahr.

Die Grundgeschichte dieses ersten »Starfleet Academy«-Romans ist durchaus spannend, und es gibt ein paar tolle, lustige Momente zwischen Kirk und McCoy – ich hätte liebend gern mehr Informationen über diese tiefe Freundschaft bekommen, die in AOS bereits während der Academy-Zeit entstanden ist. Aber nein, da zeigt der Roman dem Leser die lange Nase. Dafür darf Bones/Pille Jim gegenüber noch mal explizit erwähnen, wie besonders Hannah ist. Hannah? Ach ja: Jims Flamme, die später nie wieder auftaucht.

Ich glaube, ich brauche ein Bier, Schokolade oder ein paar gute FanFictions, um über die teils haarsträubenden Ungereimtheiten des Großen Ganzen hinwegzukommen. Und meiner Meinung nach braucht absolut niemand diesen Roman, um die Charakterisierung der AOS-Figuren besser zu verstehen. Unterm Strich bewegt sich das Buch aus meiner Sicht auf mittlerem FanFiction-Niveau, und es ist ihm anzumerken, dass der Merchandise-Gedanke wesentlich größer war als der Wunsch, den Fans eine gute Geschichte zu erzählen. Der Stil ist recht plump und enthält so viele Wortwiederholungen, dass er auf FanFiction-Plattformen vermutlich Aufforderungen zur Suche nach einem guten Betaleser zur Folge hätte.

Aber hey, ich bin Masochistin. Ich habe mir den zweiten Band schon gekauft (die E-Books sind zum Glück nicht teuer) – in der Hoffnung, dass es, wenn schon nicht besser, zumindest auch nicht mehr schlimmer werden kann.

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Tags: rick barba, science-fiction, star trek   (3)
 

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raumschiff, liebe, these broken stars, jugendbuch, amie kaufman

These Broken Stars. Lilac und Tarver

Amie Kaufman , Meagan Spooner , Stefanie Frida Lemke
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 27.05.2016
ISBN 9783551583574
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eigentlich hatte ich mir »These Broken Stars« nur als Nebenbei-Buch gekauft, da ich momentan noch einen anderen Roman lese, den ich sehr mag, mit dem ich aber aus verschiedenen Gründen nur langsam vorankomme. Eine unterhaltsame Liebesgeschichte im »Titanic«-Stil, nur eben in einem aufregend spacigen Gewand – das war es, was ich erwartet hatte, und da die Leseprobe mich angesprochen hatte, wäre ich damit auch zufrieden gewesen.

Die ersten Kapitel deuteten auch auf genau so etwas hin – doch dann hat dieses Buch mich gepackt, in sich hineingesaugt und mich zwei Tage später völlig durchgerüttelt wieder ausgespuckt. Ein Jahreshighlight, ganz eindeutig. Obwohl die Liebesgeschichte zum Ende hin noch klischeehafter wurde als erwartet und mir das ansonsten gigantische Finale fast ein wenig verdorben hat.

In einer weit entfernten Zukunft: Lilac ist das reichste Mädchen des Universums, Tarver ein Kriegsheld aus einfachen Verhältnissen. Die beiden überleben den verheerenden Absturz des als absolut sicher geltenden Raumschiffs Icarus, welches von Lilacs Vater entworfen wurde, und müssen sich zu zweit auf einem fremdartigen Planeten durchschlagen. Dieser wirkt auf den ersten Blick terraformiert, ist jedoch völlig menschenleer. Als wären ehemalige Eroberungsversuche des Planeten gescheitert, als hätte irgendetwas die Menschen von dort vertrieben, die zweifellos einmal anwesend waren. Was den beiden auf diesem Planeten alles widerfährt, wohin diese Erlebnisse sie führen – das wären gewaltige Spoiler. Aber obwohl die Autorinnen keine gänzlich neuen Elemente verwenden (wer tut und kann das schon?), sind diese Ereignisse so nervenaufreibend, faszinierend und teils ernsthaft gruselig, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte, bis ich Antworten hatte.

Der Stil ist angenehm flüssig und leicht zu lesen, jedoch niemals plump; nur manchmal holpert die Übersetzung ein wenig. Dennoch war ich positiv überrascht; viele Übersetzungen »klingen« im Gegensatz zu dieser insgesamt einfach oft unbeholfen.

Die einzige Enttäuschung war für mich die Entwicklung der Liebesgeschichte, wie gesagt. Obwohl ich keinen besonderen Tiefgang erwartet hatte, empfand ich diese Beziehung gemessen am grandiosen Rest des Romans als zu flach. Da wäre weitaus mehr drin gewesen; die Autorinnen haben mit dem Gesamtwerk bewiesen, dass sie das Zeug dazu hätten.

Uneingeschränkt empfehlen kann ich das Buch nicht, auf der zwischenmenschlichen Ebene bleibt es dafür zu seicht und das Ende ist mir in Bezug auf die Beziehung zwischen Lilac und Tarver zu simpel gestrickt. Dennoch: Vier leuchtende Sterne für dieses nervenaufreibende Highlight, das mit jeder Menge Spannung und Einfallsreichtum punktet – und der Auftakt einer Trilogie ist, deren weitere Bände ich kaum erwarten kann.

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Tags: amie kaufman, meagan spooner, science-fantasy, spannung   (4)
 

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liebe, einsamkeit, verlust, familie, tod

Vom Ende der Einsamkeit

Benedict Wells
Fester Einband: 355 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069587
Genre: Romane

Rezension:

Mein erster Gedanke, nachdem ich die letzten Seiten von Benedict Wells’ »Vom Ende der Einsamkeit« gelesen hatte, war: Da hat jemand zu viel gewollt. Und er ist damit in meinen Augen leider weitgehend gescheitert.

Ob ein Buch mich mitreißt, steht und fällt mit den Charakteren. Und obwohl der Stil und die Ausarbeitung des Buches nahezu das Wort »Perfektion« provozieren: Die Figuren blieben für mich austauschbar und beliebig. Die drei Geschwister empfand ich durchweg als Standardfiguren: der ewige Grübler, der Nerd, die Lebenshungrige. Da lebte nichts für mich, da waren nur Buchstaben. Und speziell Alva, die der Ich-Erzähler Jules als so besonders wahrnimmt, blieb für mich eine absolut hölzerne Figur, die ich einfach nicht liebgewinnen konnte. Was zeichnet diese Charaktere aus, das über Standard-Eigenschaften hinausgeht? Ich konnte nichts erkennen. Der interessanteste Charakter des Romans war für mich noch Toni, der beste Freund der Geschwister; wenigstens er hat ein wenig Leben in all die Gewolltheit gebracht. Leider ist er aber eine Nebenfigur, der nicht übermäßig viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Anstelle der perfekten Konstruktion des Romans hätte ich lieber etwas weniger gewolltes Drama und dafür lebendigere, nicht so leicht berechenbare Charaktere gehabt. Dennoch muss ich anerkennen: Besagte Konstruktion sitzt. Da gibt es keine Schwächen, keine Logiklöcher, keine sprachlichen Patzer.

Nichtsdestotrotz habe ich bereits Bücher mit wesentlich mehr derartigen Schwächen positiver bewertet als »Vom Ende der Einsamkeit« - einfach, weil sie mich tiefgreifend berühren konnten; weil ihre Charaktere lebendig waren und nicht wirkten wie maßgeschneidert. Das ist mir wichtiger als besagte Perfektion.

Dennoch werde ich Benedict Wells als Autor im Blick behalten. Was ich über ihn gelesen habe, ist mir sehr sympathisch, und der junge Autor hat mit Sicherheit das Potenzial, sich in Bezug auf Figurentiefe und -lebendigkeit noch zu steigern.

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Tags: benedict wells, dramatisch, gewolltes drama, perfekt konstruiert, roman   (5)
 

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leo aldan, squids, neugierweckend, science-fantasy, cliffhänger

SQUIDS - Wie alles begann: (Prequel)

Leo Aldan
E-Buch Text: 11 Seiten
Erschienen bei BookRix, 24.03.2015
ISBN 9783736858473
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der junge Astrophysiker Jake Forrester hat eine Entdeckung gemacht. Eine Entdeckung, die er als absolut neuartig und revolutionär empfindet. Leider teilt sein Chef Prof. Dithberry diesen Enthusiasmus nicht im Ansatz, und so setzt er Jake seinen konservativen Kollegen Paul vor die Nase. Unter dessen Leitung darf Jake aber immerhin trotzdem an einer Expedition zum neuesten Meteoriteneinschlagsort teilnehmen – einer Expedition, die ihn in höchste Gefahr bringt.

Das sehr kurze E-Book bewegt sich in realistischen Bahnen und hat einen leichten Abenteuercharakter. Gemessen am Titel und der Beschreibung des Hauptwerks gehe ich aber davon aus, dass Jakes spätere Erlebnisse von einem guten Schuss Science-Fantasy geprägt sein werden. Darauf bin ich schon gespannt. Leo Aldan bezeichnet seine Geschichte als »manchmal auch ein bisschen schräg«, und Schräges finde ich in der Regel toll.

»SQUIDS: Wie alles begann« ist wie gesagt ein Bonuskapitel zu Aldans Roman »SQUIDS: Aus der Tiefe des Alls«. Dementsprechend war es mir im Rahmen dieser kleinen Geschichte noch nicht möglich, einen tieferen Einblick in Jakes Wesen zu bekommen. Es gibt aber kurze Szenen, die vermuten lassen, dass Jake ein gefühlvoller junger Mann ist: So liegt auf der Ablage unter seinem Badezimmerspiegel auch nach zwei Jahren noch eine Haarspange von Lilja, die offenbar seine Partnerin war und verstorben ist – nähere Angaben macht Aldan dazu nicht, doch der kurze Blick auf die Spange macht Jake nahbar. Ähnlich ging es mir, als Jake auf der Straße Ron trifft, den Nachbarsjungen, und sich denkt, dass er so einen Jungen auch gern gehabt hätte. Jake scheint »ein Guter« zu sein, ein Mensch, mit dem man gern zu tun hat.

Jakes Chef Prof. Dithberry und sein Kollege Paul treten als begriffsstutzige Widersacher auf, die ihren Job zwar seriös erledigen, jedoch keinen Sinn für tiefergreifende Entdeckungen haben. Die typischen Langweiler, die es wohl in jeder Art von Betrieb gibt und deren Arbeit in geregelten, aber allzu leicht überschaubaren Bahnen verläuft.

Dann gibt es noch Sherry, die Institutssekretärin, und den namenlosen Expeditionsführer, welche für die Gesamthandlung aber keine wirkliche Rolle spielen.

Ich muss offen sagen: Als Teaser funktioniert dieser kleine Ausschnitt für mich nicht. Ich bin Jake als Charakter nicht nahe genug gekommen, um zum Schluss große Angst um ihn zu haben und unbedingt wissen zu wollen, was ihm da widerfährt. Auch die Bezeichnung »Prequel« in den Shops empfinde ich als zu hoch gegriffen – ein Prequel sollte etwas mehr zu bieten haben als eine so kurze Einführung. Auf dem Shop-Cover des E-Shorts steht jedoch ausdrücklich »Bonuskapitel«, und das passt gut, finde ich. Ein Zusatzkapitel, eine Art Prolog – ja, das ist absolut in Ordnung so. Ich glaube daher: Hätte ich den eigentlichen Roman zuerst gelesen und die Charaktere womöglich schon liebgewonnen, hätte ich mehr Freude an diesem Text gehabt. Ob Jake und seine alten und/oder neuen Gefährten das schaffen können, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch nicht sagen, aber Aldans Homepage und die vielen begeisterten Rezensionen haben mich neugierig gemacht, und ich möchte das Hauptwerk definitiv lesen.

Aldans Schreibstil in diesem E-Short ist flüssig und leicht verständlich. Hin und wieder sind mir Wiederholungen und nicht ganz so elegante Formulierungen aufgefallen, doch insgesamt ließ sich der Text sehr angenehm lesen. Und er hat mich sogar sprachlich weitergebracht: Ich hatte peinlicherweise keine Ahnung, dass das Verb »kalben« auch für das Abbrechen von Gletschern und Eisschollen stehen kann. Dementsprechend hatte ich erst mal lustiges Kopfkino, als gegen Ende des Textes ein Gletscher kalbt.

Als reines Bonuskapitel zum Hauptwerk bekommt »SQUIDS: Wie alles begann« vier Sterne von mir – es hat mich für sich stehend nicht umgehauen, war aber interessant und angenehm zu lesen. Und alles in allem hat mich der Autor neugierig gemacht, sodass »SQUIDS: Aus der Tiefe des Alls« hiermit auf jeden Fall auf meine Leseliste wandert.

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Tags: abenteuer, bonuskapitel, leo aldan, science-fantasy   (4)
 

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gay romance, coming of age, e. losian, gay, schwul

Eisprinz und Herzbube

Elena Losian
Flexibler Einband
Erschienen bei Main Verlag, 15.10.2015
ISBN 9783945118955
Genre: Liebesromane

Rezension:

Emilio ist fünfzehn und ein Hitzkopf ohnegleichen. Nicholas ist siebzehn und wirkt nach außen wie ein formvollendeter Schnösel und Alleskönner. Durch Missverständnisse und Kommunikationsprobleme geraten die beiden immer wieder aneinander – dabei haben sie mehr gemeinsam, als sie ahnen.

Der Roman »Eisprinz und Herzbube« von Elena Losian ist in der Polygon Noir Edition des MAIN Verlags erschienen und wird vom Verlag als Jugendbuch bezeichnet. Dazu, warum ich diese Einordnung nicht ganz teilen kann, komme ich später noch. Die Polygon Noir Edition insgesamt steht für »Gay Jugendbücher und New Adult«, und damit ist zumindest die Richtung schon mal passend, denn »Eisprinz und Herzbube« ist unter anderem auch ein Selbstfindungs- und Coming-out-Roman.

Losians Hauptcharaktere Emilio und Nicholas haben mich verzaubert. Was auf den ersten Blick wie eine eher oberflächliche, süße Gay Romance wirkt (und »süße Gay Romance« trifft es auf jeden Fall), entpuppt sich nach und nach als hochsensibles Porträt zweier Jungen, die in mehr als nur komplizierten Verhältnissen leben.

Achtung, leichte Spoiler:

Emilios Mutter, im Teenageralter schwanger geworden, wollte ihr Kind nicht haben und hat sich kurz nach seiner Geburt aus dem Staub gemacht. Aufgewachsen ist Emilio deshalb bei seinem Vater Julian – und dessen Lebensgefährten Phil. Mit Unterstützung ihrer Familien haben die beiden selbst noch sehr jungen Männer den Kleinen behalten und großgezogen, doch um die Umstände seiner Zeugung in totaler Zugedröhntheit und die Ablehnung von Emilios Mutter leider immer ein großes Geheimnis gemacht. Sie haben es gut gemeint und waren selbst überfordert, Emilio machen die Heimlichkeiten aber spätestens zu dem Zeitpunkt schwer zu schaffen, als seine Mutter plötzlich beschließt, ihn kennenlernen zu wollen, und seine beiden Väter darüber unterschiedlicher Meinung sind und sich zerstreiten.

Auch Nicholas’ Familie ist weit davon entfernt, heil zu sein. Seit dem Tod seiner kleinen Schwester hat seine Mutter schwerste psychische Probleme, die ihren Höhepunkt erreicht haben, als sie das Geschehene verdrängt und mehr und mehr aufhört, ihre Umwelt wahrzunehmen, ja sogar zum Teil ihren Sohn Nicholas gar nicht mehr wiedererkennt. Hier ist Losian so weise, der psychisch schwerkranken Frau keine namentlich erwähnte Diagnose aufzudrücken. Das Dunkel, das den genauen Verlauf der Erkrankung teils umgibt, macht sie glaubwürdig, während zu detaillierte Informationen womöglich für Risse gesorgt hätten. Nicholas in jedem Fall trägt eine Verantwortung, die zu schwer für sein Alter ist. Sein überforderter Vater stützt sich auf ihn, sein älterer Bruder ist ausgezogen, und Nicholas’ immerwährende Bemühungen, etwas zu leisten, sich zu beweisen, gesehen zu werden, bringen ihm zwar an der Schule Respekt und die Position als Schulsprecher ein, doch in seiner Familie ist er weiterhin nur derjenige, der übersehen wird, sich aber kümmern soll.

Emilio und Nicholas prallen mehrfach aufeinander, weil sie gemeinsam im Fußball-Team der Schule sind, und geraten fast permanent in Streit. Emilio wurde, seit er denken kann, wegen seiner schwulen Eltern gehänselt und hat nahezu panische Angst davor, ebenfalls »schwul zu werden« – Nicholas dagegen ist bekennender Homosexueller und versteht Emilios merkwürdige Reaktionen auf ihn vollkommen falsch, während Emilio Nicholas als arroganten Angeber verkennt.

Als die beiden sich einmal mehr zornentbrannt gegenüberstehen, kommt es zu einem überraschenden Kuss zwischen ihnen, der provokativ von Nicholas ausgeht. Ab diesem Zeitpunkt erleben beide eine Achterbahnfahrt der Gefühle, fassen aber in all dem Chaos dennoch zögerlich Vertrauen zueinander. Auch für ihre familiären Probleme scheinen sich Lösungen anzubahnen.

All das klingt nach einem dichten, tiefgründigen Jugendbuch – und in Bezug auf diesen Handlungsstrang und die jugendlichen Charaktere ist es das auch. Wie schon gesagt, Milo und Nick haben mich verzaubert. Losian beschreibt diese beiden Jungs SO glaubwürdig, lässt den Leser SO nah an sie heran – ich musste sie einfach lieben und mit ihnen bangen. Und zum Schmunzeln bringt mich im Nachhinein, dass Nick, der mir anfangs tatsächlich sehr schnöselig vorkam, sich zu meinem absoluten Lieblingscharakter des Buches entwickelt hat. Durch seine fragwürdige Rolle in seiner Familie konnte ich ihn ab einem bestimmten Zeitpunkt unglaublich gut verstehen und er kam mir so nah wie kein anderer Charakter, obwohl ich Milo ebenso liebhabe.

Auch Milos bester Freund Etienne war mir grundsympathisch, genau wie Milos Eltern, ganz besonders der nach außen oft ruppige Phil, der Milo gegenüber der zwar nervigste, anstrengendste, aber auch TOLLSTE Vater ist, den man sich vorstellen kann.

Warum dieses bezaubernde Buch von mir dennoch keine vollen fünf Sterne bekommt, ist zum einen der oben schon angesprochene Punkt: Ein reines Jugendbuch ist der Roman für mich nicht. Nicht wirklich. Klar, Milo und Nick sind fünfzehn und siebzehn, und das Buch ist in Bezug auf sie sehr, sehr glaubwürdig. Aber es gibt auch Verhaltensweisen und Szenen im Roman, die ich als nicht gut genug durchdacht für ein Jugendbuch empfinde.

Einmal zum Beispiel kommt Phil an Julians Stelle zum Rektor, weil Milo mit einem anderen Schüler und ihrem gemeinsamen Fußballtrainer aneinandergeraten ist – und teilt dort erst mal eine kräftige Runde Beleidigungen aus, was vollkommen folgenlos bleibt. Auch wenn ich fluchende Charaktere liebe und Phils Zorn verstehen konnte: Eine solche Szene vor dem Rektor und dem Trainer könnte in der Realität nicht gänzlich folgenlos bleiben. Ich habe Phil gefeiert für sein Ausflippen, aber damit durchzukommen, suggeriert etwas für mich Falsches in einem realistischen Jugendbuch.

Auch ansonsten verhalten sich die Erwachsenen im Roman teils unreifer als die Jugendlichen. Das an sich ist keineswegs unglaubwürdig; es gibt mehr als genug Menschen, die so gravierend als Eltern versagen, obwohl sie es nur gut meinen. Aber all das bleibt weitgehend unreflektiert im Raum stehen, und das finde ich unglaublich schade, denn die Handlung an sich wäre problemlos ab etwa dreizehn Jahren verständlich und empfehlenswert. Als Milo dann doch endlich mal Erklärungen bekommt und Nicks Vater seine Fehler einsieht, geschieht das recht kurz und zusammenfassend, während die beiden jungen Charaktere (Milo mit seinen fünfzehn ist wirklich noch sehr jung) mehrere ausführliche Sexszenen durchleben, die für ein Verständnis der Handlung nicht nötig gewesen wären.

Natürlich, es ist Gay Romance. Und natürlich, da erwarten die meisten Leser, dass es auch mal sexuell zur Sache geht. Aber da hätte der Verlag sich meiner Meinung nach entscheiden müssen: Jugendbuch oder New Adult? Die Grundhandlung: unglaublich toll und anrührend, perfekt für ein Jugendbuch ab dreizehn Jahren. Die unreflektierten Handlungen und der Sex: für meinen Geschmack zu extrem für ein Jugendbuch dieser Art.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde auf gar keinen Fall, dass ein Jugendbuch eine heile Pillepalle-Welt zeigen soll. Im Gegenteil, ich fand sämtliche Probleme und Milos und Nicks Kämpfe damit absolut glaubwürdig. Aber ein Buch für Jugendliche herauszugeben und es als solches zu bezeichnen, umfasst auch eine Verantwortung: nämlich die, dass den jungen Lesern die Möglichkeit gegeben wird, das Geschehen wirklich zu erfassen und zu reflektieren. Auch in Bezug auf Etiennes ebenfalls schwierige und sogar von Gewalt geprägte familiäre Lage habe ich mir das oft gedacht.

Da wäre ein gutes Lektorat gefragt gewesen. Denn die für mich unpassenden Szenen waren nicht so gravierend, dass man sie nicht mit einem geübten Auge hätte anpassen können, ohne den Charakter der Geschichte und die eigentliche Handlung zu verändern. Auch stilistisch sind mir einige Schwächen aufgefallen, bei denen ich mich fragte, wer um Himmels willen das lektoriert hat.

Dennoch: Liebevoll und mitreißend – das sind genau die Adjektive, die ich für »Eisprinz und Herzbube« als am passendsten empfinde. Milo und Nick, Etienne, Milos Eltern – in diesen Charakteren steckt unglaublich viel Herzblut, und das war für mich auf jeder Seite spürbar. Das hatte zur Folge, dass ich spätestens auf den letzten 150 Seiten unglaublich große Angst um die Charaktere hatte – als wären sie Freunde, keine Figuren, wie es mir mit meinen eigenen Charakteren auch nahezu immer geht. Und das ist auch der Grund dafür, warum ich dieses Buch absolut empfehle, trotz der unleugbaren Schwächen. Weil es wundervoll ist. Weil die Charaktere lebendig sind, so sehr, dass es mich nicht gewundert hätte, wären sie plötzlich aus dem Buch herausgeklettert und in meine Küche marschiert, um mal zu schauen, was noch so im Kühlschrank ist.

Losians Buch hat bezüglich Stil und Ausarbeitung Schwächen, aber es LEBT. Als bewegten sich da tatsächlich Menschen zwischen den Buchdeckeln. Dafür vier leuchtende Sterne.

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Tags: e. losian, lebendig, liebevoll, mitreißend   (4)
 

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wunder, freundschaft, familie, mut, jugendbuch

Wunder

R.J. Palacio , André Mumot
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2015
ISBN 9783423625890
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich mag realistische Bücher. Vor allem mag ich realistische Bücher über ungewöhnliche, objektiv betrachtet in vielerlei Hinsicht heftige Schicksale. Und wenn ich die von diesen Schicksalen betroffenen Charaktere dann auch noch absolut liebgewinnen kann, weil sie sich ihren Humor bewahren oder ihn überhaupt erst entwickeln, weil sie über sich selbst hinauswachsen und sich dabei dennoch nicht fremd werden, dann mag ich realistische Bücher am meisten. Insofern war »Wunder« von Raquel J. Palacio in Bezug auf die Hauptperson August ein absoluter Glücksgriff für mich, obwohl ich auch ein paar Kritikpunkte habe.

Zuallererst: Das Buch ist zutiefst … amerikanisch. Der Umgang der Charaktere miteinander, besonders innerhalb von Augusts Familie, zum Schluss hin aber auch Geschehnisse und Interaktionen in der Schule – all das wirkte auf mich wie mit einem viel zu süßen rosa Topping überzogen. Das empfand ich mitunter als extrem anstrengend, und es gab einen Punkt, an dem es mir dann endgültig ZU viel wurde.

Was mich dazu gebracht hat, das Buch dennoch unglaublich gut zu finden? Es war der Protagonist August selbst, Auggie, der das rosa Topping wenig beeindruckt abgekratzt und humorvoll kommentiert hat. Mehrmals und ganz besonders auch noch mal zum Ende hin, wo ich meine insgesamt positive Bewertung beinahe mal zurückgezogen hätte, weil alles einfach SO überzogen war. Das Schöne war dann wirklich, dass Auggie es selbst überzogen fand, das aber ganz locker nahm. Dadurch konnte auch ich es dann einfach mit einem mentalen Stoßseufzer hinnehmen.

Auggie wirkt echt, und die anderen Protagonisten, die eine Perspektivrolle bekommen haben, ihrem Alter und ihren Erfahrungen entsprechend ebenfalls. In manchen Rezensionen wird mangelnder Tiefgang kritisiert, aber hey – das sind Kinder und Teenager. Für ihr Alter machen sie sich schon recht angemessene Gedanken, finde ich.

Ausschließlich sprachlich haben mich die jungen Leute (abgesehen von Auggie selbst und Jack) nicht ganz überzeugt. Bei Auggie und Jack hatte ich wirklich zwei Jungs ihres Alters vor mir, die restlichen Figuren klangen für mich irgendwie nicht individuell genug (woran auch die permanente Kleinschreibung in Justins Part nichts änderte, deren Sinn ich nicht so ganz begriffen habe, denn dies sind ja seine Gedanken, kein von ihm geschriebener Text). Trotzdem: Das Gesamtergebnis habe ich als stimmig empfunden, und ich fand auch jede dieser Perspektiven wichtig, um eben genau dieses Gesamtbild zu erzeugen.

Das Buch hat mich berührt, ich konnte die Entwicklung aller Figuren nachvollziehen, und besonders Auggie musste ich einfach liebgewinnen. Das Buch ist für mich ein Entwicklungsroman, den Ruf nach mehr Action mancher Kritiker kann ich so nicht nachfühlen.

Und nachdem ich mir Bilder von Menschen angeschaut habe, die vom Treacher-Collins-Syndrom oder vom Goldenhar-Syndrom betroffen sind (und Auggie hat beides), wünsche ich mir fast, dass jeder dieser Menschen etwas von dem rosa Topping abbekommt, das Auggies Umfeld auszeichnet. Ich glaube aber, die Realität sieht anders aus. Den meisten Menschen reichen weit weniger heftige Andersartigkeiten aus, um als Fremde verstört darauf zu reagieren oder als Familie daran zu zerbrechen.

Ich weiß nicht, ob ich einem so massiv entstellten Menschen wie Auggie begegnen könnte, ohne dass ein kurzer Moment des Erschreckens da und für ihn sichtbar wäre. »Wunder« brachte mich aber dazu, mir das zumindest sehr zu wünschen (mehr noch, als man sich das als nicht völlig herz- und hirnloser Mensch sowieso schon wünscht).

Definitiv empfehlenswert, wenn man ungewöhnliche Protagonisten mag!

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Tags: berührend, humorvoll, raquel j. palacio, ungewöhnlich   (4)
 

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kernstaub, marie graßhoff, glaubhaft, science, scifi

Über das Versagen der Sterne

Marie Graßhoff
E-Buch Text: 25 Seiten
Erschienen bei neobooks, 13.06.2016
ISBN 9783738073119
Genre: Fantasy

Rezension:

Viel mehr, als es die Kurzbeschreibung bereits tut, kann ich über den Inhalt von "Über das Versagen der Sterne" gar nicht verraten, ohne furchtbar zu spoilern. Außer, dass es in dieser Kurzgeschichte um eine problematische, spannungsgeladene und doch innige zwischenmenschliche Beziehung geht – und um einen schwerwiegenden Gewissenskonflikt. All das stellt Marie Graßhoff glaubhaft, berührend und sprachgewaltig dar.

Diese Kurzgeschichte lässt ein viel größeres Szenario im Kopf des Lesers entstehen, als es die eigentliche Handlung aufzeigt. Man kann sie tatsächlich komplett ohne "Kernstaub"-Vorwissen verstehen, denn wäre das nicht so, hätte auch ich sie nicht verstanden – und doch merkt man der Geschichte an, dass sie Teil von etwas Großem ist; dass da noch viel mehr in diesem Universum schlummert, als "Über das Versagen der Sterne" dem Leser preiszugeben bereit ist.

Wunderschön!

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Tags: berührend, glaubhaft, marie graßhoff, vielschichtig, wortgewaltig   (5)
 

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106 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

better life, dystopie, lillith korn, technik, computer

Ausgelöscht

Lillith Korn
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 11.07.2015
ISBN 9781512349191
Genre: Science-Fiction

Rezension:

"Better Life: Ausgelöscht" von Lillith Korn war eines der Bücher, auf die ich mich in den letzten Monaten am meisten gefreut hatte. Ein Programm, mit dessen Hilfe Erinnerungen gelöscht und ganze Persönlichkeiten neu programmiert werden können, verbunden mit einem moralischen Dilemma - das klang unheimlich spannend. Leider hat der Roman meine Erwartungen ziemlich enttäuscht.

Da ist zuerst einmal die persönliche Komponente: Die Charaktere habe ich als äußerst flach empfunden, keinem von ihnen konnte ich beim Lesen emotional näherkommen. Wer sind diese Menschen im Innersten, was treibt sie an, was macht sie liebens- oder auch hassenswert? Das wurde mir nicht klar; da gab es nichts, in das ich tiefer eintauchen oder wobei ich mitfühlen konnte.

Dazu transportiert die Figur Zoe einen Sexismus, den ich mir für ein Zukunftsdeutschland nicht vorstellen möchte: Ein Mann, der besonders überschwänglich-dramatisch kommuniziert, wird von ihr gedanklich sofort als »stockschwul« bezeichnet; die eigentlich hochintelligente Wissenschaftlerin setzt außerdem mehrfach ihren Sexappeal ein, um zu erreichen, was sie will - das fand ich unangenehm und unglaubwürdig.

Auch sprachlich hat das Buch wenig Aufregendes zu bieten - es lässt sich flüssig lesen, ist mir persönlich aber stilistisch zu einfach gehalten, um mich zu beeindrucken.

Am meisten enttäuscht hat mich allerdings der Umstand, dass letztlich überhaupt nicht deutlich wird, was Better Life denn nun genau tut. Mir ist klar, dass es einen zweiten Teil gibt, doch derart im Unklaren gelassen zu werden, empfinde ich bei einem Buch, in dem (laut Klappentext) eine aufregende neue Technik behandelt wird, als sehr unangenehm. Statt Erklärungen gibt es langwierige Szenen, in denen die Protagonisten durch Gänge irren, oder verwaschene technikbezogene Szenen, die so unkonkret sind, dass sie auch nicht wirklich für Klarheit sorgen können.

Ein Buch mit toller Grundidee, dessen Umsetzung mir aber leider zu schwach war. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, den zweiten Teil auch noch zu lesen. Trotzdem möchte ich Lillith Korn als Autorin im Blick behalten - spannende Ideen hat sie in jedem Fall, und wer weiß, was die Zukunft bringen wird.

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Tags: flach, lillith korn, oberflächlich, tolle idee, unkonkret   (5)
 

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

poetisch, philosophi, schonungslos, dystopie, julia mayer

Die Keime

Julia Mayer
E-Buch Text: 345 Seiten
Erschienen bei neobooks, 04.12.2015
ISBN 9783738050370
Genre: Fantasy

Rezension:

Amerika im Jahr 2074 – auf einer Erde, die der unseren einerseits gleicht, auf der andererseits aber völlig andere Voraussetzungen herrschen. In Julia Mayers Dystopie herrscht das Prinzip der Wiedergeburt, und zwar nicht als Glaubensinhalt, sondern als unumstößliche Tatsache. Seit einiger Zeit gibt es in diesem Kreislauf jedoch genau diese Wiederkehr nicht mehr, die Menschen sterben endgültig – und dafür verantwortlich gemacht werden jene Seelen, die sich auf der geringsten Stufe der Bewusstseinsleiter befinden: die Keime, die durch einen schwarzen Ring um die Iris leicht identifizierbar sind und nun hemmungslos gejagt und getötet werden, um den angeblich wertvolleren Seelen den Weg zur Wiederkehr wieder freizumachen.

Auch die junge Avery, einst bessergestellt und behütet aufgewachsen, ist so ein Keim und muss vor ihrer eigenen Familie fliehen. Begleitet wird sie dabei seit einiger Zeit von Skar, einem verschlossenen Mann mittleren Alters, der einen Traum hatte, welcher ihn zu Avery führte. Solche wegweisenden Träume sind wichtig für Keime wie Avery und Skar: Folgen sie ihnen, besteht für sie die Chance, mehr über ihre früheren Leben herauszufinden und so endlich zu Splittern zu werden, das heißt, die nächste, vermeintlich sichere Bewusstseinsstufe zu erreichen.

Averys und Skars Weg ist voller Gefahren, und während Avery sich nach Nähe und Zuneigung sehnt, ist Skar ein Mensch, der sich überwiegend abweisend und spöttisch ihr gegenüber gibt. Dennoch hält er an ihr fest, dennoch ist sie der einzige Mensch, den er langfristig erträgt – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, die in jenen hoffnungslosen Zeiten dem Alkohol oder diversen härteren Drogen verfallen, ist sie klar im Kopf und verliert ihr Ziel nie aus den Augen. Die beiden verbindet eine skurrile Mischung aus Abhängigkeit und Hassliebe, und in all der Hoffnungslosigkeit haben mich ihre Gespräche oft zum Schmunzeln gebracht.

Und ja, Hoffnungslosigkeit ist das vorherrschende Gefühl dieses Buches. Julia Mayers Dystopie ist hart, und sie beschränkt sich anders als viele bekannte Dystopien unserer Zeit nicht auf Teenager, was ich als extrem angenehm empfunden habe. Mayers Schreibstil enthält poetische Formulierungen und zugleich zutiefst abstoßende Beschreibungen von Dingen, die nun mal zutiefst abstoßend sind. Das gefällt mir sehr.

Am Ende ließ mich "Die Keime" verzaubert und verstört zugleich zurück. Wüsste ich nicht, dass die Geschichte noch weitergeht, wäre ich jetzt wohl ziemlich am Boden – so aber bin ich regelrecht euphorisch, noch weiterlesen zu können. Für mich ist "Die Keime" ein Wortdiamant für Tage, die so sind wie die vorherrschende Stimmung des Buches: grau.

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Tags: ehrlich, hart, julia mayer, poetisch, schonungslos   (5)
 

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dystopie, winterwende, science fiction, old soul, düster

So weich das Herz (Old Souls)

Julia Mayer
E-Buch Text
Erschienen bei null, 22.12.2012
ISBN B00ASCTJE8
Genre: Sonstiges

Rezension:

In "Die Keime", dem ersten Band von Julia Mayers "Old Souls"-Reihe, befindet sich die junge Avery schon seit einiger Zeit an der Seite von Skar, ihrem verschlossenen Begleiter. Doch warum bleibt sie bei ihm? Warum schlägt sie sich nicht lieber allein durch, wo er ihr doch oft so kalt und unnahbar erscheint und ihr keinerlei offene Zuneigung zeigt?

Die Kurzgeschichte "So weich das Herz" ist ein winterlicher Spin-off zu "Old Souls", der kurze Zeit vor dem ersten Band spielt, und liefert dem Leser leise, schimmernde Antworten. Averys Angst wird bereits in "Die Keime" deutlich - sie traut sich schlichtweg nicht, Skar zu verlassen (im Sinne von "ihren Weg allein weiterzugehen", die beiden sind kein Liebespaar), weil sie glaubt, allein keine Chance zu haben. Skar ist gerissen, Skar weiß und traut sich viel mehr als Avery - sie braucht ihn. Aber da ist noch mehr. Keine Verliebtheit, nein. Aber "So weich das Herz" zeigt dem Leser einen Skar, dessen abweisende Fassade tatsächlich auch einmal aufbricht. Der Avery zu einem besonderen Anlass ein winzig kleines bisschen dessen gibt, was sie sich so sehr wünscht: Verbundenheit und Gemeinschaft.

In einer Welt, die so lebensfeindlich ist wie das "Old Souls"-Universum, gibt man einen Menschen, der einen auch nur einen Bruchteil dieser Verbundenheit spüren lassen kann, nicht auf. Nicht, wenn man überleben will. Und das will Avery, ebenso wie Skar.

"So weich das Herz" hat mich noch neugieriger auf Julia Mayers Dystopie gemacht, als ich es nach den ersten zwei Bänden ohnehin schon war. Und am liebsten würde ich noch mehr über Skar erfahren, über seine Vergangenheit und alles, was ihn zu dem Menschen gemacht hat, den Avery kennenlernt. Ein Charakter muss nicht nett sein, um mich zu begeistern. Aber er muss sich lebendig anfühlen, authentisch - und das schafft Julia Mayer mit Skar in diesem Spin-off auf ganz besondere Weise. Es ist nahezu unmöglich, ihm nahezukommen, aber ich konnte beim Lesen spüren, wie seine Präsenz sich für Avery anfühlt. Und wie Avery wüsste ich am liebsten alles über ihn.

Eine tolle Ergänzung zur eigentlichen "Old Souls"-Reihe, die mir - zum Titel passend - wirklich ans Herz geht.

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Tags: authentisch, berührend, düster, julia mayer   (4)
 

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düster, poetisch, psychologisch dicht, spannend, julia mayer

Die Splitter (Old Souls 3)

Julia Mayer
E-Buch Text: 307 Seiten
Erschienen bei null, 11.04.2015
ISBN B00VZU3N94
Genre: Sonstiges

Rezension:

Avery ist gesplittert, doch in Sicherheit ist sie nicht, denn nach wie vor ist sie ein Flüchtling - zwar wird sie nun nicht mehr als Keim gejagt, doch vor dem Gesetz gilt sie als Mörderin. Das Leben geht unbarmherzig mit Avery um, denn sie hat nicht nur ihren letzten Rest von Freiheit verloren, sondern auch Cash, der sich zu ihrem engsten Vertrauten entwickelt hat, sich selbst aber nur noch als Belastung für Avery empfindet.

Doch Avery gibt Cash nicht auf. Sie setzt ihre eigene Sicherheit aufs Spiel, um ihm nachzureisen - nach Eurasien, ihre alte Heimat, aus der sie vor ihrer eigenen Familie fliehen musste. Eine lebensgefährliche Reise, die sie endgültig an den Rande ihrer Kräfte bringt und doch eine neue Chance für sie und Cash beinhaltet. Und besonders Cash ist es, der in "Die Splitter - Old Souls III" eine unfassbar große Entwicklung durchmacht. Der mich wieder und wieder zum Lächeln brachte, obwohl das Buch insgesamt extrem düster ist, wie ich es ja bereits aus Band I und II kannte.

Und einmal mehr beweist Julia Mayer ihr Gespür dafür, poetische Prosa gekonnt um Grausamkeiten wie auch Alltäglichkeiten zu spinnen. Im einen Moment war ich noch völlig verzaubert von einer zarten Liebesszene zwischen Avery und Cash, und wenig später sitzt Avery auf dem Klo und wischt sich den Hintern ab. Julia Mayer lässt Körperliches aller Art nicht aus, und so störend ich das in manch anderem Buch empfinden würde, so sehr liebe ich sie dafür, weil sie es einfach beherrscht.

Vieles ist unklar am Ende von Band III, vieles verlangt nach einer Auflösung - und ich fiebere gespannt Band IV entgegen. Band III in jedem Fall war für mich der bislang stärkste der "Old Souls"-Reihe und hat mich endgültig süchtig gemacht.

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Tags: düster, julia mayer, poetisch, psychologisch dicht, spannend   (5)
 

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dystopie, poetisch, fesselnd, rebellion, julia mayer

Die Brut (Old Souls)

Julia Mayer
E-Buch Text: 273 Seiten
Erschienen bei null, 30.11.2013
ISBN 9781311276179
Genre: Sonstiges

Rezension:

Nach den schrecklichen Ereignissen am Ende von Band I geht Averys Flucht in "Die Brut - Old Souls II" weiter - mit neuen Gefährten, die ihr in vielerlei Hinsicht näher kommen als Skar und mit denen sie sich gerade deshalb regelmäßig heftig streitet. Wäre ihre Gesamtsituation nicht derart bedrückend und gefährlich, wäre es beinahe kindisch, wie sie sich zum Teil verhalten, so aber habe ich Verständnis dafür, dass die angestaute Angst und Frustration sich vor allem bei Avery endlich entlädt, auf eine Weise, auf die es ihr gegenüber Skar niemals möglich war.

Und Avery darf wachsen, sich entwickeln - vom einst verängstigten jungen Mädchen in Skars Schatten zu einer treibenden Kraft der Widerstandsbewegung gegen die Keimjagd und die Obrigkeit, von der diese ausgeht.

Auch der zweite Band von Julia Mayers verstörend schöner Dystopie konnte mich begeistern - und das, obwohl mir seine Handlung nicht immer zu einhundert Prozent logisch erschien. Erstmals wurde mir zur Gänze bewusst, was es konkret mit der bereits in Band I regelmäßig erwähnten Reinigung auf sich hat - und alles, was diesen Umbruch und das Wissen darum in der Bevölkerung betrifft, habe ich beim Lesen als nicht ganz und gar ausgereift empfunden. Hier hätten dem Roman klarere, strukturiertere Erklärungen gutgetan, finde ich, ebenso wie dem Sinneswandel einer bestimmten Figur gegen Ende des Romans.

Das ändert aber nichts daran, dass diese Dystopie-Perle eine extreme, fast unheimliche Sogwirkung auf mich ausübt. Nicht immer konnte ich die Beweggründe der Charaktere in "Die Brut" nachvollziehen, doch sie wirken auf mich trotzdem (oder gerade deshalb) extrem faszinierend. Dazu kommt Julia Mayers Schreibstil, der stellenweise nahezu an die Poesie eines Rilke-Gedichts heranreicht und dazu geführt hat, dass meine beiden ersten "Old-Souls"-Bände von vorne bis hinten mit bunten Page-Markern gespickt sind, damit ich die schönsten Stellen leichter wiederfinde.

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Tags: bedrückend, fesselnd, julia mayer, poetisch, verstörend schön   (5)
 
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