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164 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 57 Rezensionen

krimi, kinderheim, england, mord, thriller

Silent Scream – Wie lange kannst du schweigen?

Angela Marsons , Elvira Willems
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2016
ISBN 9783492060349
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine ertränkte Schulleiterin. Der vergiftete Hund eines Archäologieprofessors. Ein ehemaliger Koch mit durchschnittener Kehle. Auf den ersten Blick scheinen die kurz hintereinander verübten brutalen Morde nichts miteinander zu tun zu haben. Doch bald schon zeichnet sich für Detective Kim Stone und ihr Team eine Spur ab. Auf einem Stück Brachland in Rowley Regis, einem Ort inmitten des Black Country, sollen Ausgrabungen durchgeführt werden. Das Stück Land auf dem nach historischen Münzen gegraben werden sollte war das Gelände eines ehemaligen Kinderheims. Beide Opfer hatten zum Personal der vor zehn Jahren abgebrannten Einrichtung gehört. Das erste Opfer hatte sogar versucht, den Professor von der Ausgrabung abzuhalten. Es ist klar dass jemand dringend verhindern will, das auf dem Gelände gegraben wird. Eine Bodenanalye per Radar erklärt auch warum. Es sind keine Münzen auf die die Ermittler stoßen, sondern die menschlichen Überreste dreier Mädchen.


Black Country, der Name des Landstrichs in dem die Serie über Kim Stone spielt, scheint Programm. Düster sind die Geheimnisse denen die eigenwillige junge Ermittlerin auf die Spur kommt. Unerwünschte Kinder, die von ihren Eltern ungeliebt, achtlos weggegeben und obendrein missbraucht werden von jenen denen sie zur Fürsorge anvertraut waren. Die Knochen berichten von grauenvollen Taten.


Es geht weit über einen Krimi hinaus, was Angela Marsons ihrem Leser zumutet. „Silent Scream“ ist eher ein Psychothriller mit sozialkritischen Ambitionen. „Eines Tages würden die Namen der Mädchen auf einer Wikipedia-Seite stehen. Achtlos würden die Leser über die Geschichte des Black Country hinwegscrollen, denn diese würde angesichts einer so sensationellen Überschrift wie „Dreifachmord“ zur Bedeutungslosigkeit verblassen.“ Immer wieder lässt Marsons ihrer Hauptfigur solche Gedanken durch den Kopf gehen. Denn Kim Stone, selber ein ehemaliges Heimkind mit bedrückender Vita, ist fest entschlossen das „Monster“ zu finden, dass für die bestialischen Taten verantwortlich ist. Und wie sie diesen Entschluss in die Tat umsetzt, ohne Rücksicht auf Vorschriften und Reglements, ist lesenswert.


Marsons Sprache liest sich einfach und flüssig, ist aber dennoch nicht trivial. Ihre Figuren sind kraftvoll und wirken echt. Die toughe Kim, deren Dämonen aus der Vergangenheit sie zu einem sehr eigenwilligen Charakter machen. Ungehobelt und manchmal grob, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Bryant, ihr Team-Kollege, ein gutmütiger Bär, der die Launen seiner Chefin mit Humor trägt und sie oft vor ihrem eigenen Schwächen bewahrt. Aber auch die zahlreichen anderen handelnden Figurgen sind gut ausgearbeitet. Jede(r) für sich hat ihren Auftritt, der im Gedächtnis bleibt.


Marsons zeigt auf der einen Seite die Verwahrlosung einer heruntergekommenen Gesellschaft, um im nächsten Moment lichtvolle Ausnahmen menschlicher Wärme und Güte zu schildern. Ein Wechselbad der Gefühle zum Lesen, mitleiden und mitfiebern.Der Spannungsbogen bricht nie ab. Einfallsreiche Dialoge, ein bildhaftes Szenario und gut platzierte Orts- und Zeitwechsel machen das Buch zu einem Schmöker mit Umblätterzwang. Hier freut man sich am Ende auf den nächsten Fall mit Kim Stone.



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Tags: archäologi, black country, gesellschaft, gespaltene persönlichkeit, kinderhei   (5)
 

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267 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 97 Rezensionen

cornwall, familie, liebe, england, eve chase

Black Rabbit Hall

Eve Chase , Carolin Müller
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 29.02.2016
ISBN 9783764505608
Genre: Romane

Rezension:

Die richtige Hochzeitslocation zu finden kann sich als schwieriger herausstellen als den richtigen Partner zum Heiraten. Knapp 60.000 Locations findet Google in weniger als einer Minute. Und zwar nur für Bayern. Sucht man nach „Wedding Locations“ in Cornwall finden sich sogar noch mehr Treffer. Kein Wunder, dass Lorna sich freut Pencraw Hall gefunden zu haben, auch wenn ihr Verlobter nicht gerade begeistert ist von dem heruntergekommenen Haus. Lorna jedoch glaubt den alten Landsitz zu kennen. Sie erinnert sich diesen mit ihrer Mutter schon einmal besucht zu haben. Und so macht sich die junge Lehrerin allein auf den Weg um die Hochzeit vorzubereiten. Doch schon bald entdeckt sie, das sich hinter den alten Mauern ein Geheimnis verbirgt, das mit ihrer eigenen Identität zu tun hat. Und so macht sie sich auf die Spurensuche in die eigene und die Vergangenheit der Familie von Black Rabbit Hall.


Die Geschichte beginnt im Sommer des Jahres 1968 als die Familie Alton während ihres Urlaubs in Pencraw, das von allen nur Black Rabbit Hall genannt wird, ein schrecklicher Schicksalsschlag ereilt. Erzählt wird dieser Teil von Amber, der ältesten Tochter der Familie. Parallel dazu wird aus der Sicht von Lorna das Heute geschildert. In Black Rabbit Hall lebt nur noch die Dame des Hauses, die mit den Einnahmen aus den Hochzeitsfeiern das Gebäude erhalten und sanieren will. Lorna soll als erste Braut für schöne Fotos sorgen, die dann im Internet zu Werbezwecken genutzt werden können. Dazu lädt die alte Mrs. Alton Lorna ein das Haus und die Geschichte der Familie besser kennen zu lernen.


Eve Chases Roman ist die Mischung einer tragischen Familiensaga mit einer Liebesgeschichte. Durch die verschiedenen Zeitebenen der beiden Erzählerinngen ist die Geschichte abwechslungsreich und unterhaltsam. Richtig spannend wird es jedoch nicht. Zum einen lassen sich die Geschehnisse ziemlich bald erahnen. Zum andern wird die Handlung immer wieder durch ausufernde, wenn auch sehr schöne, Landschafts- und Naturschilderungen in die Länge gezogen. Mir hat der Roman dennoch gut gefallen. Wenn es zu langatmig wurde, habe ich einfach einige Seiten querlesen. Verpasst habe ich dadurch trotzdem nichts.


Besonders gut gelungen ist der Autorin, wie ich finde, vor allem der zeitgeschichtliche Part aus den späten 1960er Jahren. „Wie in einem Kate Bush Song“ heißt es an einer Stelle. Das fand ich sehr treffend, auch wenn Kate Bush erst in den 1970er Jahren berühmt wurde ist die Stimmung dieses Teils tatsächlich wie Musik der britischen Singer Songwriterin. Phantasievoll, romantisch, poetisch. Aber auch voller Tragik, Gefühl und tiefen Emotionen.


Eve Chase beschreibt das Familienleben während der Ferien auf dem Landsitz bis hin zu dem schrecklichen Unfall der die Familie von Grund auf erschüttert. Sie erzählt von der ganz eigenen Trauer jedes Familienmitglieds und von dem Weg den das Schicksal der Familie nimmt. Sie lässt alles lebendig werden und findet schöne Spachbilder. Wer englische Landhausromantik im Stil von Rosamunde Pilcher mag, kann hier beruhigt zugreifen. Auch weil Chase sich an den Grundsatz von Shakespeare hält: Ende gut. Alles Gut!

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Tags: cornwall, englan, famili, geheimnis, hochzeit, kate bush, landhausroman, liebesgeschichte, romantik, rosamunde pilch   (10)
 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

superkräfte, tollpatsch, kinderbuch;, schule, schussel

Super Sarah

A. B. Saddlewick , Karen Gerwig , Franziska Harvey
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei KeRLE, 09.02.2016
ISBN 9783451713408
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Sarah ist der Unglücksrabe vom Dienst. Jede AG ihrer Schule die sie bislang besuchte, hat sie alsbald wieder verlassen. Ihre Aktivitäten standen bislang unter keinem guten Stern. In der Koch AG setzte sie aus Versehen die Eistorte in Brand, in der Poesie AG schaffte sie es während einer dramatischen Lesung alle Bücherregale umzuwerfen und in der Bogenschieß AG mussten nach ihrer ersten Stunde die Verletzten mit Salben und Verbände verarztet werden. Die Turmspring AG verlässt sie daher auch noch vor ihrem ersten Einsatz. Als ihre beste Freundin Kelly jedoch bei einem Wettkampf auf dem Turm erstarrt eilt Sarah ihr zur Hilfe und landet dabei unfreiwillig im Wasser. Ihr Flug wieder willen erregt großes Aufsehen und plötzlich findet sich Sarah in einer ganz neuen AG wieder.


A.B.Saddlewick, das Pseudonym des britischen Autors Tim Collins wie ich dem Internet entnehmen konnte, hat bereits mit der Serie um „Monster Mia“ großen Erfolg. „Super Sarah“ ist nun der Beginn einer neuen Serie für weibliche Leser in der Altersgruppe 8 – 10 Jahre. Mir hat dieser erste Band sehr gut gefallen. Er hat allerdings einige Längen.


Der Anfang ist gut. Sarah „fällt“ vom Sprungturm und erhält trotzdem Traumnoten. Es wird nicht so ganz klar, was eigentlich während des Falls passiert ist, aber es muss außergewöhnlich gewesen sein. Ihr Klassenkamerad Ben lädt sie daraufhin in die AG „Fliegen lernen“ ein, die sich als Superhelden Lernanstalt herausstellt. Sarah soll getestet werden um herauszufinden, was genau ihre Superkraft ist. Hier beginnt es dann langweilig zu werden. Denn bis zum spannenden Showdown am Schluss wird nicht klar, was Sarah nun so besonderes kann. Und Sarah selber wird nicht müde zu betonen, dass sie nie und nimmer über irgendwelche Superkräfte verfügt. Stets betont sie nur wie tollpatschig sie ist und stellt dies auch in schöner Regelmäßigkeit unter Beweis. Und das wird mit der Zeit langweilig, denn das Buch zieht sich über 185 Seiten.


Der Schluss hat mich dann wieder versöhnt, denn es ist wirklich spannend zu lesen, wie Sarah mit ihren Freunden der Superhelden AG das große Musik-Event am Wasserstauwerk vor dem Bösewicht „Tsunami“ rettet. Und schließlich wird ganz am Ende auch klar, was ihre besondere Fähigkeit ist. Und die ist so außergewöhnlich, dass man tatsächlich gespannt ist, wie die Serie weitergeht.


Ich hatte überlegt „Super Sarah“ zum Vorlesen in der Grundschule einzusetzen, in der ich als ehrenamtlicher Lesepate tätig bin. Davon bin ich jedoch abgekommen, als ich zu Hause eine Probelesung gemacht habe. Der Erzählfluss eignet sich nicht gut zum Vorlesen. „Super Sarah“ ist eindeutig ein Buch zum selber Lesen. Ich würde es für Mädchen ab etwa 9 Jahren empfehlen.

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Tags: a.b. saddlewick, humor, kinderbuch;, serie;, superhelden, superkräfte   (6)
 

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hund, romanze, trennung, freundschaft, werbung

Warten auf Doggo

Mark B. Mills ,
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 10.09.2015
ISBN 9783431039276
Genre: Romane

Rezension:

„Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“, „Tatsächlich Liebe“ so heißen die Filme mit Hugh Grant, die seit den 1990er Jahren das Publikum begeistern. Zuerst im Kino und bis heute auf DVD oder Streaming Dienst für Abende romantischer Popcorn-Unterhaltung mit einer gesunden Portion britischem Humor stehen. „Warten auf Doggo“ von Mark B. Mills geht eindeutig ebenfalls in diese Richtung. Wäre Hugh Grant noch etwas jünger, könnte man ihn sich sehr gut als Verkörperung von der Hauptfigur Daniel Larsson vorstellen. Diesem sympathischen Londoner Werbefachmann, der nach außen etwas spröde wirkt. Dessen Herz aus Gold sich dem Leser aber sehr bald schon offenbart.


Clara hat Daniel Knall auf Fall verlassen. Die Frau die er heiraten wollte, hinterlässt ihm nur einen flüchtigen Abschiedsbrief und einen Hund, den Daniel nie wollte. Nun sitzt er in seiner überteuerten Londoner Wohnung, die er sich alleine (als arbeitsloser Werbetexter) nicht leisten kann und muss sich noch dazu um den ausnehmend hässlichen Mischling Doggo kümmern, der ihn ebensowenig ausstehen kann, wie er den Hund. Dann aber scheint sich alles zum Guten zu wenden. Er findet einen Job, landet einen großen Werbescoop und kommt sogar seiner neuen Kollegin näher. Auf seinem Weg wird ihm Doggo zum treuen Begleiter und Freund. Bis sein seniler Großvater eine Bombe platzen lässt, die Daniels Leben in den Grundfesten erschüttert. Und er herausfindet, dass auch Doggo ein trauriges Geheimnis hat.


Mark B. Mills Roman liest sich locker und leicht. Der Ich-Erzähler Daniel ist ein witziger Typ, der seine Umgebung mit intelligentem Blick durchschaut und seine Beobachtungen humorvoll und warmherzig auf den Punkt bringt. Ich habe den Roman in einem Rutsch an einem Sonntag auf der Couch gelesen. Und genau dafür ist er ideal.


Ein bisschen eintauchen in die Londoner Singelwelt und die Intrigen einer hippen Werbeagentur. Ein bisschen schmunzeln über die Annäherungsversuche zwischen Mensch und Tier (Daniel und Doggo haben so ihre Startschwierigkeiten, aber ein Hund erkennt eben sofort wer es in Wahrheit gut mit ihm meint) und zwischen Mensch und Mensch mit einem Tier als Mittler (Daniel und seine Kollegin kommen sich natürlich nur Dank Doggo näher). Das Buch ist nicht spannend aber sehr unterhaltsam und wirklich lustig. Was wohl auch daran liegt, dass Mills aus der Werbung kommt und weiß wie man einen eingängigen Text und bildhafte Szenen schreibt. Ich nenne hier nur Megan und die Tupperdosenattacke. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich kann ihn als leichte Unterhaltung zum Abschalten und Entspannen nur empfehlen.

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Tags: humor, hund, london, romanze, werbung   (5)
 

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projekt, trennung, rom, chiara, 10 minuten

Das Zehn-Minuten-Projekt

Chiara Gamberale ,
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 05.10.2015
ISBN 9783827012623
Genre: Romane

Rezension:

Ändert es etwas an einem gebrochenen Herzen, wenn man sich die Nägel pink lackiert? Findet man neuen Lebensmut, wenn man rückwärts durch die Stadt läuft? Bekommt man sein Leben wieder in den Griff, wenn man lernt Pancakes zu backen? Chiara soll jedenfalls einen Monat lang jeden Tag 10 Minuten etwas tun, das sie noch nie getan hat. Ein Spiel mit dem sie zuerst hadert, denn sie hat wirklich andere Sorgen.


Ihr Mann hat sie vor einem Jahr Knall auf Fall verlassen. Zuvor hatte er sie noch überredet aus ihrem Elternhaus auf dem Land in eine ihr verhasste Wohnung nach Rom zu ziehen. Dort angekommen nahm er sich eine Auszeit von der Ehe, die er in Irland mit einer rothaarigen Schönheit verbrachte. Zeitgleich verlor Chiara auch ihre wöchentliche Kolummne in der Zeitung. Ihren beiden Lebensmittelpunkten beraubt, trudelte die Schriftstellerin seither mehr oder weniger haltlos durchs Leben. Bis ihre Therapeutin sie zu dem 10 Minuten Projekt überredet.


Chiara Gamberales Roman könnte man fast als Adventskalender bezeichnen. Er ist wie ein Tagebuch aufgebaut. Jeder Tag im Dezember steht im Zeichen eines 10 Minuten Projektes. Die Kapitel sind kurz und wenn man seine Neugier einigermaßen bezähmen kann, könnte man sich das Buch in 24 Kapitel einteilen und jeden Tag ein „Kapiteltürchen aufmachen“. Man kann es aber auch am Stück lesen und sich bezaubern lassen, von einer warmherzigen Geschichte die großartig in die gefühlvolle Vorweihnachtszeit passt. Aber auch in jede andere Zeit, in der man lesen möchte, wie es sein kann, jeden Tag etwas neues zu entdecken.


Das bunte schwungvolle Cover kommt ebenso leichtfüßig daher, wie der Inhalt. Gamberale schreibt luftig und leicht, ihre Sätze und Gedanken haben aber dennoch Gewicht. Je mehr man sich auf die kurzen Episoden einlässt, desto tiefgründiger werden sie. Enteckt wie wundersam scheinbar alltägliches sein kann. Eine dieser Stellen ist das Gespräch zwischen Chiara und ihrer Mutter. Im Rahmen ihrer 10 Minuten stellt Chiara ihrer Mutter zum ersten Mal die Frage wie es ihr geht. Ausnahmsweise hört sie einmal ihrer Mutter zu, statt dieser immer nur ihr eigenes Herz auszuschütten. Der Dialog den Gamberale daraus spinnt ist rührend ohne kitschig zu sein. Eine große Kunst wie ich finde, von der es in diesem Roman jede Menge gibt.


Wer noch ein Geschenk für die beste Freundin oder einen anderenn lieben Menschen sucht, ist mit diesem Roman bestens beraten. Man kann sich aber auch selber damit beschenken. Ich werde das Experiment auf jeden Fall selber auch mal testen. Vielleicht fange ich gleich mit dem pinkfarbenen Nagellack an!





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Tags: gamberale, rom, roman, zehn minuten   (4)
 

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48 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 5 Rezensionen

pflegekind, familie, tirol, sehnsucht, hotel

Sommer wie Winter

Judith W. Taschler
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Picus Verlag, 01.02.2011
ISBN 9783854526711
Genre: Romane

Rezension:

Auf die Frage nach seinem prägendsten Erlebnis aus der Kindheit, erzählt Alexander Sommer dem Therapeuten wie sein Freund Georg einen Frosch an Kreuz genagelt hat. „Geekelt hat's mich vor dem Brett mit dem Frosch drauf, mit den Nägeln darin. Und geekelt hat's mich auch vor dem Georg, aber gleichzeitig hat mich sein Verhalten so fasziniert. Ein oder zwei Jahre später, wollte ich auch einmal so was machen. Aus lauter Wut auf den Vater und die Mutter, aus Protest sozusagen. Aber ich habe es nicht zusammengebracht“.


Nach einem traumatischen Autounfall, bei dem Alexander und seine Halbschwester Manuela schwer verletzt werden, müssen sich alle Familienmitglieder einer psychologischen Betreuung unterziehen. Anhand der Gesprächsmitschriften erfährt man was die unbändige Wut des Jungen ausgelöst hat. Judith W. Taschner erzählt in Form dieser Protokolle die düstere Geschichte einer Familie, die nur nach außen harmonisch, zufrieden und glücklich war.


Alexander Sommer kommt Anfang der 1970er Jahre als Pflegekind zur Familie Winter. Diese betreibt in Tirol eine Gästepension. Statt den vollverwaisten kleinen Jungen zu adoptieren, macht der Vater aus ihm und seinem Namen eine Touristenattraktion: Sommer wie Winter! Um die Gäste bei Laune zu halten ist jeder Kalauer recht, auch wenn der sensible Junge sichtlich unter dem darunter leidet. Die Kinder, neben Alexander die drei leiblichen Töchter Anna, Martina und Manuela, werden ohnehin eher als billige Arbeitskräfte betrachtet und dementsprechend ausgenutzt. Alexander hat besonders unter der Lieblosigkeit seiner Pflegemutter zu leiden, die dagegen war ein fremdes Kind anzunehmen. Der Vater wollte unbedingt einen Sohn ins Haus holen. Doch auch er kann keine Gefühle für den Jungen entwickeln.


Taschner's Sprache ist einfach und darum umso eindringlicher. Die Sätze sind kurz und prägnant, die erinnerten Dialoge messerscharf. Für jedes Familienmitglied findet die Autorin einen Tonus, der die Figur unverwechselbar und spannend macht. Die resignierte Mutter, die rebellische Manuela, die abgeklärte Martina, die scheinheilige Anna, der traumatisierte Alexander. Alle Personen tragen durch ihre Aussagen Teile eines schrecklichen Geheimnisses zusammen, das letztendlich in dem tragischen Unfall sein Ventil und seinen Weg nach außen findet.


Mir hat das Buch meine örtliche Buchändlerin empfohlen und ich kann diese Empfehlung nur weitergeben. Es ist leichte Lektüre mit Tiefgang. Man kann das Buch flott herunterlesen. Es bietet aber dennoch genug Stoff zum Nachdenken. Wer das Buch gelesen hat, wird wohl im Urlaub demnächst auch seinen Suppenteller kritischer betrachten. Denn das eingangs erwähnte Scheitern beim Kreuzigen des Frosches hält den Jungen nicht davon ab, sich etwas anderes, nicht weniger schauriges, auszudenken.

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Tags: familie, tiro, tragik   (3)
 

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

therapie, zürich, high society, psychotherapie, schweiz

Schöne Seelen

Philipp Tingler
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.09.2015
ISBN 9783036957234
Genre: Romane

Rezension:

„Sah auch schon mal besser aus, mit ihrem letzen Gesicht.“ Es ist das reinste „Wortgift“, das Philipp Tengler in seinem Roman "Schöne Seelen" verspritzt. Oder eher sprachliches Botox. Denn zu Beginn haucht Millvina von Runkle ihr Leben in einer vornehmen Schönheitsklinik aus. Ihr Name ist nur eines der vielen schönen Wortspiele mit denen Tingler seine Protagonisten benennt. Runkle anstelle des englischen Rinkle (Falte): Millvina hat schließlich zeitlebens gegen ihre „rinkles“ und sonstigen Schönheitsfehler angekämpft, was sie nun das Leben kostet, denn die letzte Schönheits OP ist gründlich schiefgegangen. Ihr letzter Gedanke gilt dennoch ihrer Figur. Denn sie fragt, ob die Infusion "fett macht".


In dieser Spielart geht es munter weiter. Wortgewandt und ironisch seziert der Autor das Leben der Schönen und Reichen sowie deren „vermessene Versuche, die äußere Scheinwelt durch die innere Wunschwelt zu ersetzen“. Bitterböse Spitzfindigkeiten und ebenso spritzige, wie witzige Dialoge lassen das Buch zu einem echten Lesevergnügen werden. Die eine oder andere inhaltliche Länge sollte man einfach locker überlesen. Besonders amüsant fand ich den trockenen Humor der Hauptfigur, des Schriftstellers Oskar Canow. »Oskar, Liebes!«, rief sie während sie anhob, die Luft über Oskars Wangenknochen zu küssen. »Wo warst du, in Antibes? Du siehst fabelhaft aus!« »Danke«, erwiderte Oskar, »das ist ein originelles Kompliment für eine Begegnung in der Schönheitsklinik."


Originell ist auch dieser Roman. Wer beim Friseur nomalerweise die Gala liest, kann beim nächsten Mal „Schöne Seelen“ mitnehmen und vergleichen, wen er aufgrund der Beschreibungen wiederzuerkennen glaubt. Und sich darüber freuen, dass man nicht die Probleme der Menschen hat, die über zuviel Geld und zuviel Zeit verfügen dabei aber zu wenig sinnvolles zu tun haben.

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100 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

rita falk, familie, roman, leben, freundschaft

Funkenflieger

Rita Falk
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.11.2014
ISBN 9783423260190
Genre: Romane

Rezension:

„Mit der Liebe ist es wie mit dem Licht. Verliebtsein, das ist doch wie ein Feuerwerk. Sprühend und funkelnd und strahlend und hell. Wunderschön, aber eben leider auch sehr schnell vorbei. Eine kleine Kerze dagegen brennt schon viel länger. Am besten aber sind Energiesparlampen. Die brauchen zwar ein wenig Zeit, bis sie richtig leuchten, dafür verbrauchen sie wenig und geben viel Licht. Und genau so muss eine gute Ehe sein, verstehst du“.

Marvin, genannt Locke, versteht nicht, was der türkische Gemüsehändler ihm mit diesen Worten sagen will. Das liegt daran, dass er der falsche Adressat ist. Der Vater von Aicha will eigentlich an Kevin, den großen Bruder von Marvin appellieren, seine Tochter ihn Ruhe zu lassen. Ein Appell der zu spät kommt. Denn Aicha ist bereits schwanger und weder sie noch Kevin haben die Absicht ihre Liebe bzw. das erwartete Kind aufzugeben.

Rita Falk, bekannt und berühmt durch ihre „Eberhofer“ Krimis hat nachgelegt. Nach „Hannes“, dem ersten Roman der sich nicht um Mord und Totschlag in Niederkaltenkirchen drehte, hat sie nun wieder eine Geschichte aus dem „normalen“ Leben geschrieben. Und Sätze, wie die eingangs zitierten, sind es die diese Autorin so besonders machen. Denn die „Energiesparlampe“ fliegt dem türkischen Vater am Ende um die Ohren. Ich will hier nicht zuviel verraten, aber es ist eine dieser legendären „Falk-Stellen“, die einen erst einmal zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen. Wie so vieles in diesem Buch.

Die Familie von Marvin ist „erbärmlich“. So bezeichnet es der Ich-Erzähler zumindest selbst. Die Mutter Elvira, alleinerziehend und arbeitslos, hockt den ganzen Tag auf dem Sofa. Sie gibt sich ihren Depressionen hin und hat keine Ahnung vom Leben ihrer Söhne. Zum Beispiel das Robin, der mittlere Bruder, in die Fänge falscher Freunde geraten ist, die ihn erpressen und terrorisieren. Oder das der sonstige Vorzeigesohn Kevin in großen Schwierigkeiten steckt. Er steht kurz vor dem Abitur, seine minderjährige Freundin ist schwanger und ihre Eltern drohen damit, sie in die Türkei abzuschieben, wenn sie sich nicht von dem Kind und dem dazugehörigen Erzeuger verabschiedet.

Eine vertrackte Ausgangssitution die Rita Falk in gewohnt humorvoller Weise entspannt. Schicksalsschläge und Katastrophen führen bei ihr nicht zu noch mehr Elend, sondern aus so manchem „Schlechten“ erwächst bei ihr Gutes. Aus Hass wird Freundschaft, aus Depressionen neuer Lebensmut. Das dies nicht von allein geht versteht sich von selbst. Und so bevölkern auch diesen Roman jede Menge liebevoll skizzierte Originale. Wie der dicke Kunstlehrer Conradi, der im Unterricht nicht nur die Liebe zur Malerei vermittelt, sondern seinen Schülern auch im richtigen Leben zur Seite steht. Oder die Krankenschwester Annemarie und ihr Bruder, der Polizist. Ein resolutes Geschwisterpaar, das nicht nur die träge Elvira auf Vordermann bringt.

„Funkenflieger“ hat mir zwar nicht so gut gefallen wie „Hannes. Locke erinnert sprachlich sehr an Franz Eberhofer. Diese Sprache passt aber, wie ich finde, nicht zu einem Sechzehnjährigen. Dazu kommt, dass die Geschichte sehr in Richtung „Friede, Freude, Eierkuchen“ tendiert. Oder besser in Richtung Eierlikörkuchen. Denn das eine Krankenschwester, die Vollzeit arbeitet, Zeit hat täglich einen Kuchen zu backen um damit jeden Nachmittag eine sozial benachteiligte Familie zu beglücken, ist wohl eher Wunschdenken als realistisch.

Sei's drum. „Funkenflieger“ ist auf jeden Fall ein einfühlsamer Roman indem Rita Falk einmal mehr ihr Gespür für Menschen und Geschichten unter Beweis stellt. Gutes Ende inklusive. Und davon kann man schließlich nie genug haben.



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Tags: asyl;, depression;, familie, hannes;, humor;, liebe;, mobbing;, rassismus;, rita falk, schwangerschaft;   (10)
 

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82 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

krankheit, liebe, selbstmord, familie, huntington

Fünf Tage, die uns bleiben

Julie Lawson Timmer , Jennifer Merling
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 16.04.2015
ISBN 9783431039160
Genre: Romane

Rezension:

Mara, gerade einmal Anfang vierzieg, hat Chorea Huntington. Eine Nervenkrankheit für dies es kein Heilmittel gibt und die innerhalb weniger Jahre zum Tode führt. Die ehemalige Anwältin leidet seit vier Jahren unter der Krankheit. Zu Beginn des Romans tritt nun der Fall ein, für den sie ein „Ausstiegsszenario“ festgelegt hat. „Garagencocktail“ nennt sie die Freitod-Methode aus Tabletten, Wodka und Kohlenmonoxid salopp. Beim Einkaufen im Supermarkt kann sie plötzlich ihre Blase nicht mehr kontrollieren. Schlimmer als der deutliche Fleck in der Hose ist die Ohnmacht angesichts des völligen Kontrollverlustes über ihren Körper. Sie gibt sich selbst noch fünf Tage zum Abschied nehmen. Von ihren Freunden, ihren Eltern und vor allem von ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter. Und zwar so, das niemand von den geliebten Menschen Verdacht schöpft.

Julie Lawson Timmer stellt in ihrem Debüt zwei Schicksale nebeneinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch miteinander in Verbindung stehen. Scott Coffman hat mit seiner Frau Laurie ein Jahr lang die Pflegschaft für Curtis übernommen. Die Mutter des siebenjährigen saß wegen Drogenmißbrauchs hinter Gitter. Nun wird sie entlassen und ihr Sohn muss wieder zu ihr zurück. Auch er hat nur noch fünf Tage um Abschied zu nehmen.

Mara und Scott kennen sich aus einem Online Forum und haben dort trotz der Anonymität eine Art Seelenverwandschaft gefunden. Die beiden verbindet nun auch das Auseinandersetzen mit dem Unvermeidlichen, obwohl nur der Leser die Tragweite von Maras Abschied kennt. Denn Scott weiß nichts von Maras Krankheit und auch nichts von ihrem Entschluss. Die fünf Tage werden abwechselnd aus der Sicht dieser beiden Figuren geschildert. Ein fesselnder Countdown.

Julie Lawson Timmer gelingt, trotz der Schwere der Thematik, ein „leichtfüßiger“ Roman. Das Buch erinnert nicht nur in der Covergestaltung an Yoyo Moyes. Wie bei dieser Bestsellerautorin, lesen sich die rund 400 Seiten schnell, flüssig und vor allem spannend. Ich habe das Buch kaum aus der Hand gelegt, weil ich einfach wissen wollte wie es weitergeht. Ob es für Mara und Scott ein Happy End gibt oder nicht.

Der Roman bietet viel Stoff zum Nachdenken. Das eigene Leben in fünf Tagen zu beenden ist ein großes Thema. Es so stringent „abzuwickeln“ wie Mara, dazu gehört eine gehörige Portion Mut. Darüber so kurz und bündig zu schreiben ohne dabei ins Banale abzugleiten ist für mich große Kunst. Am Ende stellt sich für Mara die Frage, ob die Liebe ihres Mannes, ihrer Eltern und der kleinen Tochter nicht vielleicht doch ausreichen, sie bis zum Ende zu tragen. Wann immer das auch sein wird. Wer die Antwort wissen will, sollte das Buch lesen. Es lohnt sich!







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Tags: chorea huntingdon, krankheikt, selbstmord   (3)
 

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, mord, london, hörbuch, mark

Eine perfekte Lüge

Lucie Whitehouse , Elvira Willems , Solveig Duda
Audio CD
Erschienen bei Audio Media Verlag, 01.05.2015
ISBN 9783868044263
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hannah und Mark sind ein scheinbar glückliches Paar. Die Karrierefrau hat den erfolgreichen Gründer von DataPro in New York kennengelernt. Nach ihrer Hochzeit vor sieben Monaten ziehen die beiden wieder in ihre alte Heimat, weil der Sitz von Marks Firma sich in London befindet. Dort besitzt er auch ein luxuriöses Haus. Als Mark eines Tages nicht wie geplant nach Hause kommt und sich auch nicht gleich meldet sucht Hannah nach ihm. Sie stösst bei Ihren Nachforschungen nicht nur auf diverse Lügen sondern auch auf finanzielle Ungereimtheiten. Zunächst hofft sie auf eine harmlose Erklärung. Als Mark jedoch wieder auftaucht, erfüllt sich diese Hoffnung nicht.

„Eine perfekte Lüge“ ist für mein Empfinden weder spannend noch fesselnd. Man freut sich zwar, dass man den feuchten Novembernebel Londons lesend genießen kann und nicht selber durchgefroren der schaurigen Vergangenheit des eigenen Ehemannes hinterherjagen muss. Aber ansonsten geht einfach nichts voran. Nebensächlichkeiten verschleppen die Handlung. Das fängt beim Wetter an, wenn man förmlich spürt wie Regen und Wind durch die Straßen von Englands Metropole fegen. Und geht über Orchideen und viktorianische Buntglasfenster im Bad bis hin zum Wasserspeier im Garten weiter. Bei einer romantischen Geschichte, wären diese Bildmalereien das Tüpfelchen auf dem i. So ziehen sie das ohnehin zähe Geschehen in die Länge.

Dazu kommen unnötige Wiederholungen. Hannah findet beispielsweise heraus, was es mit dem, ihr bislang unbekannten Bruder, von Mark auf sich hat. Die Zeitungsartikel die sie bei ihrer Recherche findet, werden in zwei Kapiteln dargelegt. Diese bereits mehr als ausführliche Darstellung wird in einem dritten Kapitel dadurch ergänzt, das Mark ihr das Ganze noch einmal erzählt. Dieser Monolog ist lediglich eine Wiederholung dessen, was man ohnehin schon weiß. Auch die Figur gewinnt dadurch keine neuen Aspekte.

Schade ist auch, dass Whitehouse zwar in der Erzählperspektive schreibt, aber nur aus Sicht von Hannah. Damit schränkt sie die Tiefe des Geschehens deutlich ein. Mir fehlten die psychologische Raffinesse und die feinen Nuancen in den Figuren. Auch die Dialoge ließen für mein Empfinden viel zu wünschen übrig, was aber auch an der Übersetzung liegen mag. Mich hat zum Beispiel gestört, dass Hannah sehr oft einfach nur „Nicht“ sagt. Das Wort wird verwendet, wenn Hannah Ablehnung, Mißfallen oder auch Überforderung ausdrücken möchte. Manchmal passte das, aber einige Male habe ich darüber den Kopf geschüttelt, weil es für meine Begriffe einfach nicht richtig klang. Ich stolperte beim Lesen richtiggehend darüber.

Das Geschehen ist keineswegs „unheimlich“ oder „wunderbar schaurig“ wie auf dem Klappentext angepriesen. Wenn man „eins und eins zusammenzählt“ weiß man sehr bald auf welche Art der Täuschung das Ganze hinausläuft. Ich habe dann auch bei Seite 250 aufgehört und das Ende nur noch quergelesen, weil mich interessiert hat wie alles aufgelöst wird.

Eigentlich schade. Whitehouse hätte, wie ich finde, lieber einen Liebesroman aus dem Buch machen sollen. Schreiben kann sie nämlich. Es gibt einige stimmungsvolle Szenen. Gleich zu Beginn beschreibt sie einen Abend in New York, als Hannah und Mark ihr erstes Date vereinbart haben. Hannah, die Beziehungsscheue, sagt unter einem fadenscheinigen Vorwand ab. Etwas später am selben Abend treffen sich die beiden zufällig in einer großen Buchhandlung, wo Hannah sich gerade mit einem Schmöker für das Wochenende eingedeckt hat und die ersten Seiten gleich dort bei einem Glas Wein liest.

Wer schon mal in München im Hugendubel am Stachus im Café saß, kann sich die Szenerie ungefähr vorstellen. Wie Mark sie dort überrascht, wie die beiden übers Lesen ins Gespräch kommen und dann den Abend doch gemeinsam verbringen. Wäre das der Auftakt zu einer romantischen Liebesgeschichte gewesen, super! So ist es leider nur ein müder Thriller, der den Namen eigentlich nicht verdient.



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thriller, norwegen, engelskalt, spannung, rache

Engelskalt

Samuel Bjørk , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.04.2015
ISBN 9783442482252
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm” heißt es in einem alten Kinderlied. Samuel Björk hat diese Zeile vielleicht inspiriert. Zumindest hat er sie in einer Abwandlung für seinen Buchtitel verwendet. “Ein Engel hängt allein im Wald” lautet die wörtliche Übersetzung des norwegischen Originals. Im deutschen wurde kurzerhand “Engelskalt” daraus gemacht, was (wie ich finde) nicht passt. Viel mehr gibt es an dem gut geschriebenen Debüt, meiner Meinung nach, aber nicht auszusetzen.

Im Zentrum der spannenden Handlung steht die Suche nach dem Mörder eines kleinen Mädchens, das ein Spaziergänger tot im Wald gefunden hat. Aufgrund der Tatsache das ein Kind ermordet wurde und der bizarren Begleitumstände des Verbrechens, steht die Polizei unter großem öffentlichen Druck den Täter schnell zu finden. Holger Munch, der ermittelnde Kommissar, weiß das er die Hilfe seiner ehemaligen Kollegin Mia braucht, die sich trotz ihrer jungen Jahre bereits den Ruf einer legendären Spürnase erworben. Die junge Polizistin ist allerdings aus dem Dienst ausgeschieden und dabei sich in aller Ruhe auf der einsamen Insel Hitra mit Tabletten und Alkohol das Leben zu nehmen. Ihr ehemaliger Chef schafft es jedoch, ihr Interesse für den Fall zu wecken. Und tatsächlich genügt Mia ein Blick auf die Tatortfotos um ein wichtiges Detail zu entdecken, dass den Kollegen bisher entgangen ist.

“Engelskalt” ist ein, fast möchte ich sagen, beschaulicher Thriller. Samuel Björk kommt fast ohne Gewalt, Blutvergießen oder grausige Szenen aus. Das Grauen bzw. das sich steigernde unheilvolle Szenario das er beschwört, entwickelt er aus vielen kleinen Mosaiksteinchen. Jede Figur und jeder noch so kleine Handlungsfaden lässt spüren, dass er am Ende Bestandteil eines beeindruckenden Gesamtbildes wird. Bis dahin folgt man atemlos der Fährte des Täters und der Ermittler. Beides stellt der Autor in perfektem Timing und umgangssprachlich flüssiger Prosa nebeneinander.

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krimi, kommissar wexford, ruth rendell, inspektor wexfor

Mord ist ein schweres Erbe

Ruth Rendell
Flexibler Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Goldmann
ISBN 9783442447657
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Angst
ist eine der große Antriebskraft. Warum sonst sollte sich ein braver
englischer Landpfarrer auf den Weg ins vor Hitze glühende
Kingsmarkham machen um dort Privatdetektiv zu spielen. Patrick
Archery, der Sohn des anglikanischen Priesters, will heiraten.
Ausgerechnet die Tochter des vor 15 Jahren zum Tode verurteilten
Mörders Bert Painter. Tess ist zwar rein äußerlich die Unschuld in
Person. Aber wie sieht es in ihrem Innern aus? Vielleicht hat die
kluge, hübsche und erfolgreiche Studentin der Geisteswissenschaften
das böse Blut des Vaters geerbt und metzelt eines Tages die zu
erwartenden Enkelkinder nieder? Auch die Angst um seinen Ruf treibt
den Gottesmann um. Wie kann er sich als Schwiegervater eines
Mörderkindes noch hocherhobenen Hauptes in seiner Gemeinde sehen
lassen? Und so nutzt Roger Archery seinen Draht „nach oben“ und
zwingt Wexford dazu, sich der Frage zu stellen ob ihm bei seinem
ersten Mordfall nicht doch ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist.


„A
new lease of Death“ ist Ruth Rendells zweiter Fall für Inspektor
Wexford. In Deutschland kam der 1969 erschienene Krimi unter dem
Titel „Mord ist ein schweres Erbe“ auf den Markt. Sehr ruhig und
behäbig geht es zu sommerlich heißen Kingsmarkham. Dieses Wetter
scheint auch Stimmung und Handlung zu beeinflussen. Die Geschehnisse
sind nicht spannden im eigentlichen Sinn, dennoch liest man mit
gespannter Aufmerksamkeit. Es sind die Figuren und deren
Befindlichkeiten die fesseln. Archery selbst, der sich weit über
Mutter und Stiefvater der Schwiegertochter in spe erhaben wähnt. Nur
um feststellen zu müssen, dass die beiden ihm einiges an gesundem
Menschnverstand und Nächstenliebe voraus haben. Dazu kommt, dass er
sich ganz plötzlich verliebt und die romantischen Verwicklungen ihn
zusehends überfordern.


Seine
nachlassende Aufmerksamkeit dem Fall gegenüber macht sein Sohn mehr
als wett, der sich als falscher Reporter Einlass in die Privatsphäre
der Mordzeugen erschleicht und tatsächlich einige Neuigkeiten zu
Tage fördert, bevor Inspektor Wexford ihm Einhalt gebietet. In
diesem zweiten Fall spielt das Ermittlerduo Burden und Wexford eine
nur beigeordnete Rolle. Die beiden Hauptfiguren der Serie dienen dazu
die Fäden zusammenzuhalten. Sie treiben die Handlung nicht voran.
Rendell nutzt den Roman aber dazu, die Persönlichkeiten der beiden
und ihr Verhältnis zueinander näher zu beschreiben. So wird das
Bild das man sich im ersten Fall „Alles Liebe vom Tod“ gemacht
hat, noch genauer. Auch Kingsmarkham und dessen Umgebung spielt
wieder eine tragende Rolle.


Auf
die eingangs gestellte Frage, findet Ruth Rendell eine Lösung, die
man lange vor dem Ende erahnen kann. Das tut dem Lesevergnügen aber
keinen Abbruch. Es ist nicht wirklich die Frage nach dem wahren
Mörder die hier die wichtigste Rolle spielt, sondern die Zeit die
man mit dem Vergnügen dieser Lektüre verbringt. Wer sich die Zeit
nimmt, wird hier mit einem Stück Geschichte der
Unterhaltungsliteratur belohnt. Sprachlich elegant und inhaltlich am
Puls der Zeit des Entstehens. Es ist hochinteressant wie Rendell die
unterschiedlichen Protagonisten schildert. Ihre Eigenarten und
Lebensumstände zu einem bunten Bild der damaligen Zeit webt.


Am
2. Mai dieses Jahres ist Ruth Rendell im Alter von 85 Jahren in
London gestorben. Für mich ein Grund zu meinen alten Inspektor
Wexford Krimis zu greifen um mich dieser großartigen
Schriftstellerin lesend zu erinnern. Die Fälle des Kommissars aus
dem fiktiven Ort Kingsmarkham in der englischen Grafschaft Sussex,
gehörten Anfang der 1990er Jahre zu meiner bevorzugten Lektüre. In
meinem Bücherregal stehen fast alle Bände dieser Reihe, bunt
durcheinander gelesen vor über über zwanzig Jahren. Jetzt habe ich
beschlossen diese noch einmal zu Lesen. Und zwar in der Reihenfolge
des Erscheinens.


Wer
will kann mir folgen zum dritten Band der Reihe dem wieder ein
Angstmotiv zu Grunde liegt. In „Schweiß der Angst“ ist es jeodch
die Furcht um einen geliebten Menschen der verschwunden ist. Die
Rezension demnächst hier!




















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england, krimi, kommissar wexford, mord, inspector wexford

Alles Liebe vom Tod

Ruth Rendell , Edith Walter
Flexibler Einband: 219 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.01.2000
ISBN 9783442447602
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die ebenso brave wie tüchtige Hausfrau Margaret Parsons wird vermisst. Sie ist zwischen Staub wischen, einkaufen und kochen einfach verschwunden. Die Polizei versucht den verzweifelten Ehemann zu beruhigen. Dass dessen Besorgnis nicht unbegründet war, stellt sich einige Tage später heraus, als man den Leichnam der jungen Frau erdrosselt in einem Wäldchen findet. Ein Motiv ist jedoch nicht zu erkennen denn das freudlose Leben der unbescholtenen Frau war zum Sterben langweilig. Nur ein exklusiver Lippenstift, der neben der Toten gefunden wird, passt nicht ins Bild und wird so zur einzigen Spur. Chief Inspector Wexford und sein Assistent Michael Burden beginnen „zum ersten Mal“ zu ermitteln.

Am 2. Mai dieses Jahres ist Ruth Rendell im Alter von 85 Jahren in London gestorben. Für mich ein Grund zu meinen alten Inspektor Wexford Krimis zu greifen um mich dieser großartigen Schriftstellerin lesend zu erinnern. Die Fälle des Kommissars aus dem fiktiven Ort Kingsmarkham in der englischen Grafschaft Sussex, gehörten Anfang der 1990er Jahre zu meiner bevorzugten Lektüre. In meinem Bücherregal stehen fast alle Bände dieser Reihe, bunt durcheinander gelesen vor über über zwanzig Jahren. Jetzt habe ich beschlossen diese noch einmal zu Lesen. Und zwar in der Reihenfolge des Erscheinens. „Alles Liebe vom Tod“ also, einen nach dem anderen.

„From Doon with Death“ erschien 1964 und war Ruth Rendells erster Kriminalroman. Man merkt dem Roman seine Jahre an. Im guten Sinne, wie ich finde. Man hat das Vergnügen neben der spannenden Frage „whodunnit“ ein zeithistorisches Dokument zu lesen. Ruth Rendell schreibt nicht über diese Zeit, sondern steckt beim Schreiben mitten darin. Mehr Authentizität geht nicht.

Die Spurensuche des britischen Ermittlerduos wirkt heute natürlich antiquiert. Aufwändige Spurensicherungen, DNA Tests, pathologische Untersuchungen oder sonstige moderne Hilfsmittel sind hier nicht zu finden. Die Lösung des Falles gelingt ohne technischen Firlefanz. Eine Kiste mit wertvollen Büchern, Klassikern der Weltliteratur, stellt sich als Schlüssel heraus dem ein, für die damaligen Verhältnisse, gesellschaftliches Tabu zu Grunde liegt. Hier zeigt sich, wie ich finde, wie weit Ruth Rendell ihrer Zeit voraus war. Sowohl was Thematik als auch die Mittel betrifft. Ihr Erstling mündet in dem Satz: „Ein Provinzpolizist hatte verstanden, ohne zu lachen und ohne sich abgestoßen zu fühlen.“ Wexford ist mit diesem Provinzpolizisten gemeint und spätestens jetzt ahnt man, welche psychologische Tiefe die Romane im Laufe der Jahre noch erlangen werden.

Dazu kommt der idyllische Schauplatz. Nur zu gerne geht man mit den beiden Kommissaren zum Essen ins feudale „Olive and Dove“ (auch wenn einen die Speisenauswahl manchmal schaudern lässt; Ente und Rotkraut bei 30° im Schatten gefolgt von gedecktem Apfelkuchen und Kaffee mit Kondensmilch!) oder auf ein Pint ins „Carousel“. Ruth Rendell legt Wert auf Details. Häuser, Straßen, Geschäfte, Bars, Restaurants und Sehenswürdigkeiten. Alles wird bildhaft geschildert. Es war und ist für mich „anheimelnd“ der Verbrecherjagd in Kingsmarkham und Umgebung zu folgen. Je mehr man liest, desto heimischer fühlt man sich. Eine Affinität zum britischen Landleben mal vorausgesetzt.

In „Alles Liebe vom Tod“ wird das anschaulich geschildert, inklusive der Standesunterschiede die in den 1960er Jahren in Großbritannien noch allgegenwärtig waren. Ruth Rendell nutzt staubfreie Möbeloberflächen als Sinnbild für die einfache Wohlanständigkeit der Unter- und Mittelschicht und präsentiert als Kontrast u.a die wohlhabende Mrs. Missal deren frivoles Verhalten einhergeht mit fehlendem Interesse an Haus, Mann und Kindern. Oder das adelige Ehepaar Quadrant, das davon ausgeht, das Reichtum und edle Abstammung über dem Gesetz stehen.

Es steckt viel in diesem Erstling. Vor allem das Vermögen menschliche Handlungsweisen klug zu erfassen und sprachlich elegant aufzuzeigen. Nicht die Suche nach dem Täter steht im Fokus, sondern die Umstände die zur Tat geführt haben, auch wenn diese seltsam aus der Zeit gefallen scheinen.Das Aufzeigen menschlicher Tragödien ist ohnehin zeitlos. So wie die Kunst Ruth Rendells.

Wer will kann mir folgen zum zweiten Band der Reihe. In „Mord ist ein schweres Erbe“ muss Inspektor Wexford zu seinem „ersten Fall“ zurückkehren. Ein Mord dessen Unheil noch Jahre später streut, obwohl der Täter bestraft und das Opfer gesühnt wurde. Die Rezension demnächst hier!





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wahrheit, jugendbuch, freundschaft, familie, kunst

Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen

Susan Juby , Eva Müller-Hierteis
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbj, 27.04.2015
ISBN 9783570159989
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Stellen Sie sich vor Sie sind Mitglied einer Wahrheitskommission und ihre Aufgabe besteht darin, Menschen in ihrem Umfeld nach etwas persönlichem zu fragen. Der Clou aber ist, wenn man es so angeht wie die drei Jugendlichen im Buch, dabei nicht seine Neugier befriedigen, sondern der Wahrheit auf den Grund gehen zu wollen. Und hier wird es kompliziert. Denn mit der Wahrheit ist das so eine Sache. “Sie ist niemals einfach und nur selten komplett” wie es in dem bemerkenswertem Roman heißt.


Aimee, die Mitschülerin von Norm, Dusk und Neill, kommt verändert aus den Sommerferien zurück. Es ist unverkennbar, dass ihre Nase kleiner und ihre Brüste größer geworden sind. Die drei Freunde beschließen spontan nach dem zu fragen, was nicht zu übersehen ist. Neill, männlicher Teil des Trios, wird auserkoren sich nach der “neuen Nase und den frisch verlegten Brustimplantaten” zu erkundigen. Die Wahrheit auszusprechen, war für Aimee wie eine Befreiung, berichtet er seinen Freundinnen. Von diesem Erfolg beflügelt stürzen Dusk und Neill sich in die Wahrheitsfindung bei Mitschülern und Lehrpersonal. Nur Normandy zögert. Sie hat mit den Wahrheiten in der eigenen Familie schon “alle Hände voll zu tun”.


Mich hatte der Klappentext neugierig gemacht: “Einmal die Woche wird abwechselnd einer von ihnen einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen”. Diese Idee fand ich faszinierend und war sehr gespannt, was wohl herauskommen würde. Herausgekommen ist, wie ich finde, ein sehr intelligenter Roman über das Suchen und Finden der eigenen Identität, über Freundschaft und den Mut den eigenen Weg zu gehen.


Normandy und ihre Freunde besuchen eine Kunstschule in Kanada. Während ihre Freunde reiche Eltern haben, die das hohe Schulgeld bezahlen können, hat Normandy ein Stipendium, dass sie ihrer berühmten Schwester Keira, einer erfolgreichen Comic Zeichnerin, verdankt. Der Erfolg dieser Comics basiert allerdings auf der negativen Überzeichnung der eigenen Familie, weshalb Normandy (die am übelsten verunstaltete) eine fragwürdige Berühmtheit als ebenso “dumme wie fette Flunder” ertragen muss.


Dazu kommt, dass die prominente Tochter das Familienleben bestimmt. Vater und Mutter haben ihre eigenen Bedürfnisse den Anforderungen des Genies der Tochter untergeordnet und verlangen dasselbe von Normandy. Als Normandy eines Tages zufällig die Wahrheit über ihre Schwester erfährt, gerät ihr seelisches Gleichgewicht vollends aus dem Ruder und sie muss sich entscheiden, ob sie ihr Leben ab sofort selber in die Hand nehmen will oder weiter fremdbestimmt leben will.


Susan Juby erzählt die Geschichte aus der Sicht von Normandy und zwar in Form eines Essays, das diese für ihren Kurs kreatives Schreiben verfassen muss. Wie eine Art Tagebuch liest sich das, leicht und flüssig. Unzählige Querverweise, Hintergründe und Fußnoten geben dem Text eine skurrile Note, ähnlich wie bei Terry Prattchett oder Douglas Adams. Mich hat das nicht gestört. Zum Verständnis der Handlung braucht man sie nicht. Man bringt sich halt um so manchen unterhaltsamen zusätzlichen Gedanken. Ich habe die Fußnoten im ersten Durchgang ignoriert. Einfach weil ich viel zu neugierig war, wie es weitergeht. Da dieses Buch aber Wert ist, wieder gelesen zu werden, hole ich dies beim zweiten Durchgang nach. Dann habe ich ja Muße dazu.




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london, eh, elisabeth von arnim, 1940er jahre, beziehun

Die sieben Spiegel der Lady Frances

Elizabeth von Arnim
Flexibler Einband: 335 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.06.2002
ISBN 9783548602486
Genre: Klassiker

Rezension:

Ein handfester Beweis für einen Bestseller, ist die Verfilmung desselben. Hohe Verkaufszahlen erfreuen den Verleger und das eigene Bankkonto. Ein Staraufgebot, “nach dem Roman von” auf Zelluloid gebannt, hebt einen Schriftsteller in den Olymp. Elizabeth von Arnims letztes Buch “Die sieben Spiegel der Lady Frances” ist ein solcher, heute leider fast in Vergessenheit geratener, Bestseller des vergangenen Jahrhunderts. Erschienen ein Jahr vor dem Tod der berühmten “Garten-Gräfin” 1940, kam der Film “Mr. Skeffington” bereits 1944 in die Kinos und bescherte Bette Davis in der Hauptrolle eine Oscar Nominierung.

Lady Frances Skeffington war einst eine gefeierte Schönheit. Jetzt, kurz vor ihrem 50. Geburtstag, ist von dieser Schönheit nicht mehr viel übrig. Die zierliche Blondine ist, nach schwerer Krankheit, nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Zu allem sichtbaren Übel gesellt sich auch noch eine überreizte Phantasie. Sie bildet sich ein ihren geschiedenen Mann zu sehen. Der eilig konsultierte Nervenarzt rät dazu, eben jenen Hiob wieder real in ihr Leben zu holen. Ihn sozusagen als Ehemann zu recyceln. Ein Rat, der die empörte Fanny aus der Praxis stürmen und ihre Verehrer von einst wieder aufsuchen lässt, um sich dort Hilfe zu suchen.

Elisabeth von Arnims letztes Buch ist zwar ein Roman, könnte aber ebenso gut als autobiographisches Dokument der “Männer ihres Lebens” durchgehen. Denn auch hier, wie in all ihren Werken, spiegelt das Buch Erlebnisse die eng mit dem Leben der Autorin verknüpft sind. “Sätze werden der Fünfzigjährigen mit dem Herzen einer Dreißigjährigen und allen äußeren Merkmalen einer weit Älteren (nämlich denen ihrer gut siebzig Lebensjahre zählenden Schöpferin) in den Mund gelegt, die wirklich Fünfzigjährigen Schauder des Entsetzens über den Rücken jagen. Hat man sich allerdings vom ersten Schock erholt, so verspricht das Buch einen Lesespaß der ganz besonderen Art”. So beschreiben es Kirsten Jüngling und Brigitte Roßbeck in ihrer von Arnim Biographie. Und sie haben Recht.

Elisabeth von Arnim zieht Bilanz. Was macht das Leben aus? Männer, Reichtum, Schönheit? Gerade dieser letzten Problematik widmet sie sich schonungslos und offen. Wo heute mit Botox, Straffungen und Facelifts Falten, Altersflecken und sonstigen Makeln zu Leibe gerückt wird, gab es in den 1940er Jahren weit weniger Möglichkeiten den nagenden Zahn der Zeit äußerlich unkenntlich zu machen. Ich gehe davon aus, dass von Arnim wusste wovon sie schreibt, wenn sich ihre Lady in die kundigen Hände von “Hèlenes Spezialbehandlung” begibt. Aber mehr als ein bisschen dekorative Kosmetik um die schlimmsten Falten zu überdecken, wird es wohl nicht gewesen sein. Weshalb Fanny an einer Stelle seufzend bemerkt: “Ehemänner mussten in guten und bösen Tagen zu einem halten, egal ob man Runzeln hatte oder eine glatte Haut.”

Dass Fanny ob ihrer ständigen Besorgnis um ihr Aussehen nicht oberflächlich wirkt, liegt an der Art die von Arnim ihr verleiht. Es ist Humor und Selbstironie, die diese Frau so sympathisch macht. Vor allem im Hinblick auf die männlichen Ex-Liebhaber des Buches, die sich allesamt als Luftnummern entpuppen. Der selbstgefällige Lord, der seine Bequemlichkeit und das Leben mit einer einfältigen Frau vorzieht. Der Geistliche, der ihre Seele durch Entmündigung retten will. Der Rechtsanwalt, der ihr rät sich mannhaft alleine um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Der Student , der lieber eine dralle Kommilitonin küsst und der heruntergekommene Gigolo, der sie heiraten will, um mit ihrem Geld seine Schulden zu zahlen.

Fanny erkennt dass das Interesse dieser Männer nur ihrer Schönheit galt und sie ihnen nicht nachtrauern muss. Sie lernt, dass ihre wahre Schönheit in ihrer reinen, kindlich unschuldigen Seele liegt. Als Hiob am Ende wiederkommt, verarmt und zermürbt von der Verfolgung in Deutschland, ist er als Einziger in der Lage dies zu erkennen, obwohl oder gerade weil er blind ist. Henning von Arnim, ihr erster Ehemann, stand Pate für Hiob. Und so schließt sich der Kreis und von Arnim schafft es einmal mehr dem Ernst des Lebens mit leichtfüßiger Heiterkeit zu begegnen, selbst im Angesicht des Todes.

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folter, journalistin, annika bengtzon, schweden, krimi

Jagd

Liza Marklund , Anne Bubenzer , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 09.03.2015
ISBN 9783550080616
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ingemar Lerberg wird übel mitgespielt. Der Ex-Vorsitzende der schwedischen Bibelpartei wird in seinem Haus in einem schmucken Vorort von Stockholm brutal überfallen. Wer hat den Mann, der sich seit einem Steuerskandal aus der Politik zurückgezogen hatte, so zugerichtet? Warum hat er vor dem Überfall seine drei kleinen Kinder zu seiner Schwester gebracht? Und wo ist seine Frau Nora? Nicht nur die frischgebackene Kommissarin Nina Hoffmann stellt sich diese Fragen. Auch Annika Bengtzon, der hartnäckigen Reporterin des Abendblattes, lässt dieses rätselhafte Verbrechen keine Ruhe.

Liza Marklund erzeugt von der ersten Seite an Spannung. Anders als die ahnungslosen Reporter weiß der Leser das Lerberg gefoltert wurde um den Aufenthaltsort seiner Frau Nora preiszugeben. Was hat es mit dem Verschwinden dieser Frau auf sich, dass Profikiller ihren Mann fast zu Tode quälen um den Aufenthaltsort einer typischen Hausfrau und Mutter herauszufinden? Wobei die Betonung auf “fast zu Tode quälen” liegt. Denn so ist “die Titelseite, die den Mann etwas voreilig bereits für tot erklärte” natürlich obsolet. Was Annika Bengtzon ihrem Nachrichtenchef gegenüber zu der provokativen Frage veranlasst: “Sollen wir jemanden ins Söder-Krankenhaus schicken und ihn abmurksen lassen?. Derart bissige Kommentare behält sich Marklund jedoch nur für besonders unliebsame Zeitgenossen vor.

Ansonsten ist der Krimi wohltuend menschlich, einmal abgesehen von den sehr deutlich beschriebenen Folterszenen. “Jagd” ist für mich einer der besten aus der Annika Bengtzon Serie. Das liegt zum einen an den interessanten Themen die Marklund im Rahmen der Ermittlungen abhandelt. Sie gewährt Einblick in die schwedische Parteien- und Politikstruktur, schildert die Uniformität der privilegierten “Latte-Macciato-Mütter“, regt das Nachdenken über ethische Grundsätze von Internetforen und Blogs an und schafft es in einigen kurzen Sätzen vielschichtige soziale Probleme verständlich anzureißen. Zum Beispiel in Form einer Artikelserie die Annikas Kollegin Berit “über die neue schwedische Unterschicht“ schreibt.

Interessanter jedoch fand ich das zum ersten Mal, wie ich meine, ein literarischer Vergleich zugrunde liegt. Mir fiel erst im Laufe der Handlung auf, dass der Name Nora für die Frau von Lerberg wohl nicht zufällig ausgewählt wurde. Ich denke hier wird auf “Nora” von Henrik Ibsen angespielt. Diese große Frauenfigur des norwegischen Schriftstellers verlässt (vereinfacht dargestellt) Mann und Kinder, weil sie erkennt, dass sie von ihrem Mann keinen Rückhalt zu erwarten hat, obwohl sie ihm einst das Leben rettete. Sie verlässt das Haus und geht in eine ungewisse Zukunft. Was heute nicht weiter spektakulär klingt, war zu Zeiten der Uraufführung des Theaterstückes im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Skandal, der die Grundfeste der Gesellschaft erschütterte. Anfangs beispielsweise durfte das Ende des Stückes auf der Bühne gar nicht gezeigt werden. Eine solche Empörung wird Marklunds “Nora” nicht auslösen. Für mich scheint aber offenkundig, dass die Autorin hier “Anleihen” genommen hat. Das finde ich bemerkenswert gut, denn es zeigt die zeitlose Aktualität der Stoffe, des berühmten norwegischen Dramatikers.

Für regelmäßige Leser der Serie sei noch erwähnt, dass die Handlung wie gewohnt an den letzten Fall anschließt und wie immer auch “alte Bekannte” auftauchen. Die Kriminalkommissarin Nina Hoffmann, die bereits im Krimi “Lebenslänglich” aus dem Jahr 2010 mit Annika Bengtzon ermittelte, ist wieder mit von der Partie. Annikas Ex-Mann Thomas kämpft nach seiner traumatischen Entführung in Nairobi mit den Nachwirkungen. Ihm wurde im letzten Fall die linke Hand abgehackt und er kann sich nach wie vor nicht an die Prothese gewöhnen. Innerlich zerfrisst ihn der Hass auf seine Ex-Frau. Annika hatte ihn nach seiner Freilassung verlassen und lebt nun mit seinem ehemaligen Chef zusammen, dem sie während der Entführung nähergekommen ist. Annika ist zwar mit Jimmy glücklich, muss sich jedoch die Anfeindungen seiner Kinder gefallen lassen. Hier ballt sich also auch privat viel Stoff für kurzweilige Leseunterhaltung.

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liebe, israel, palästina, krieg, hass

Ismaels Orangen

Claire Hajaj , Karin Dufner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.03.2015
ISBN 9783764505165
Genre: Romane

Rezension:

 

“Kann Liebe wachsen wo Hass gesät wird?” lautet die Frage die auf dem Rücken des freundlich gelben Einbandes prangt. Nein, muss die Antwort nach Lektüre von Claire Hajaj’s “Ismaels Orangen” eigentlich lauten. Der Erstling der britischen Autorin mit jüdischen und palästinensischen Wurzeln, kann jedoch Aufmerksamkeit wecken. Für einen uralten Konflikt um Land und Macht, um einen seit Jahrzehnten schwelenden Krieg, der offen oder im Untergrund geführt, Menschenleben kostet und Familien zerstört. Aufmerksamkeit die dazu führt sich Wissen anzueignen, das befähigt zu Verstehen oder es zumindest zu versuchen.

Mai 1948: Salim Al-Ismaeli ist 7 Jahre alt, als er und seine Eltern und Brüder ihre Orangenfarm in Jaffa unfreiwillig verlassen müssen. Palästina ist gerade zum Staat Israel geworden. Während die israelische Miliz Irgun die Stadt einnimmt, flieht die arabische Familie nach Nazareth zu Verwandten. Die Versuche das annektierte Land wieder zu erhalten scheitern. Die Familie bricht auseinander. Salim bekommt die Möglichkeit in England zu studieren. In London lernt er die jüdische Literaturstudentin Judit kennen. Die beiden werden trotz aller familiären und politischen Widerstände ein Paar. Ihre Liebe und vor allem ihre gegenseitige Loyalität wird aufgrund ihrer Herkunft immer wieder auf harte Belastungsproben gestellt. Bis das Schicksal eines Tages grausam zuschlägt.

Wann immer ich im Fernsehen oder der Presse Berichte zu Kämpfen in und um Israel gelesen oder gesehen hatte, nahm ich mir vor, mehr über das Thema zu erfahren. Der Roman von Claire Hajaj schien mir eine gute Möglichkeit diesen Vorsatz endlich umzusetzen und dabei noch einen, wie ich hoffte, guten Roman zu lesen. Diese Hoffnung wurde mehr als erfüllt. “Ismaels Orangen” ist eine spannende Familiensaga vor dem Hintergrund des Nahostkonfliktes. Das Leben der beiden Hauptfiguren Salim und Judit wird in Bezug gesetzt zu historischen Ereignissen wie der Staatsgründung Israels im Jahr 1948, der Suezkrise 1956, des Sechstagekrieges 1967 bis hin zu den Terroranschlägen der PLO und dem ersten Libanonkrieg 1982. Der Roman endet in etwa zu der Zeit der Ausbrüche der ersten Intifada 1987.

Wer möchte kann sich allein auf den belletristischen Inhalt konzentrieren. In wunderschöner Prosa beschreibt Hajaj fast poetisch den Lebensweg ihrer Figuren. Manche ihrer Sätze muten lyrisch an, wie Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Wenn der Geruch der Orangen durch die Seiten zu dringen scheint oder die Musik der Wüste zum Tanzen einlädt. Wer will, kann sich anhand der Handlung aber auch mit den politischen Hintergründen befassen. Es dient dem besseren Verständnis der schwierigen Situation von Salim und Judith, wenn man sich vor Augen hält welchen Spannungen ihre Beziehung durch eine Politik ausgesetzt ist, an der die beiden schuldlos sind und an der sie nichts ändern können.

Dieses ohnmächtige Ausgeliefertsein war für mich schwer verständlich. Es geht im Roman weniger um Glaubensfragen, denn um territoriale Macht. Mir fiel es schwer zu glauben, dass ein Vater seine Familie für ein Stück Land im Stich lässt oder seinen Sohn vernachlässigt weil er einem Haus nachtrauert. Es ist der Kunst der Autorin zu verdanken, dass man hier dennoch nicht in Versuchung geführt wird, parteiisch zu sein. Hajaj versucht allen Gesichtspunkten gerecht zu werden und beleucht viele Teilaspekte. Sie lässt alle Figuren zu Wort kommen, auch die unangenehmen wie beispielsweise den Bruder Salims, der im Untergrund kämpft.

An einer Stelle des Buches wähnt sich Salim “an der Weggabelung der Welt”. Er blickt die Küste in Beirut entlang und stellt sich vor wie sie von der Türkei und Griechenland bis zur europäischen Riviera verläuft. Während es auf der anderen Seite vorbei an Beirut, Tyros und Israel zu den großen Wüsten des nördlichen Afrikas geht. Er fragt sich, wohin er sich wenden soll. Am Ende des Buches weiß man, wie er sich entschieden hat und welche Folgen diese Entscheidung für ihn und seine Familie hatte.

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selbstbewusstsein, aussenseiter, jungs, illustriert, stark

Stark für einen Tag

Ole Lund Kirkegaard , Senta Kapoun , Ole Lund Kirkegaard
Buch: 120 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.04.2014
ISBN 9783841503121
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ivan Olsen ist klein, dünn und schwach. Er kann nicht auf Bäume klettern, nicht Fahrrad fahren, nicht Fußball spielen und Buchstaben sind für ihn wirre Ameisenkleckse. Selbst weit spucken kann er nicht. Täglich wird er von den großen Jungs an seiner Schule getriezt. Sie verprügeln ihn oder verpassen ihm eine Ladung “Hosenwasser”. Seine Eltern sind ihm auch keine große Hilfe. Sein Vater nennt ihn so gar “Gummi Tarzan”. Eines Tages begegnet Ivan einer Hexe und darf sich etwas wünschen. Er denkt sich einen so großen aus, dass die Wunschkraft nur für einen, ganz besonderen, Tag reicht.

Ich bin über das Titelbild auf das Buch gekommen. Die Illustration der beiden schrägen Typen erinnerte mich stark an die beiden Ganoven aus Astrid Lindgrens “Pippi Langstrumpf”: Donner Karlsson und sein Freund Blom. Ich fing noch in der Buchhandlung zu Lesen an und dachte mir, dass könnte etwas zum Vorlesen für meine Grundschulkinder sein.

“Stark für einen Tag” ist ein Kinderbuchklassiker aus Dänemark, aus den frühen 1970er Jahren. Ein wunderbares Beispiel dafür wie Literatur für Kinder damals funktionierte. Weitab von “politischer Korrektheit” und des “pädagogischen Zeigefingers” wird hier herrlich subversiv erzählt. Die Geschichte eines Jungen, der “eigentlich” ein “armes Opfer” ist, dies aber so gar nicht akzeptiert und daher “eigentlich” so gar nicht bemitleidenswert wirkt.

Ole Lund Kirkegaard stattet seinen Helden mit drei Dingen aus, die es ihm ermöglichen unbeschadet zu bleiben. Einer schier unerschütterlichen Gelassenheit, Sinn für Humor und einem gesunden Selbstbewusstsein (trotz aller Niederlagen und Demütigungen). Wenn die großen Jungs ihn erniedrigen, schreit er sie an und er verlässt den Ort seiner Schmach aufrecht, auch mit Hosenwasser. Wenn sein Vater ihn zu Hause einen Schwächling nennt und ihn drängt selber gewalttätig zu werden, antwortet er ganz schlicht das er das nicht könne und schlendert entspannt von dannen. Diese Lockerheit hat mir besonders imponiert. Ivan lässt sich nicht verunsichern und nicht aus der Ruhe bringen.

Durch den Wunsch, dem ihm die Hexe erfüllt, wendet sich sein Schicksal für einen Tag. Alles was ihm bisher misslang, funktioniert nun ausgezeichnet. Plötzlich kann er seine Peiniger in Schach halten, seinen Lehrer beeindrucken aber auch seinem rechthaberischen Vater eine Lektion erteilen. Am Ende bleibt zwar alles wie bisher, aber diesen einen Tag kann ihm niemand mehr nehmen. “Carpe diem” in seiner besten Form sozusagen.

An anderer Stelle las ich in einer Kritik die Frage, was eigentlich der “Sinn” dieser Geschichte sei? Auf was der Autor hinauswolle? Beginn und Ende seien schließlich von Hoffnungslosigkeit geprägt, da sich für den “armen” Ivan ja nichts ändere. Mir fehlt dieser sogenannte “Sinn” nicht. Gerade die “Sinnlosigkeit” macht das Buch für mich besonders. Es macht auch keinen “Sinn”, dass ein Mädchen mit Superkräften allein in einer Villa am Stadtrand lebt und ein Pferd auf der Veranda hat (um bei der eingangs erwähnten Pippi Langstrumpf zu bleiben). Es ist wohl gerade dieser “Unsinn” der Kinder begeistert und dazu führt, dass die Werke von Ole Lund Kirkegaard noch immer gern gelesen werden und zwar nicht nur in Dänemark.

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Tags: ,, ole lund kirkegaard, kinder, humo   (2)
 

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liebe, briefe, jojo moyes, liebesbriefe, london

Eine Handvoll Worte

Jojo Moyes , Marion Balkenhol , ,
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 04.10.2013
ISBN 9783499267765
Genre: Romane

Rezension:

Bestseller von Yoyo Moyes sind für mich typische “Bahnhofsbücher”. Das heißt, wenn ich kurz vor der Abfahrt zu einer längeren Zugfahrt noch dringend ein Buch brauche, damit mir auf der Fahrt nicht langweilig wird, kann ich ohne zu zögern in der Bahnhofsbuchhandlung zugreifen. Mit einem Schmöker der britischen Autorin liegt man (wie ich meine) immer richtig, wenn man eine Geschichte für Herz und Verstand sucht, ohne den letzteren zu sehr anstrengen zu müssen.

Als ich “eine Handvoll Worte” in unserer örtlichen Bücherei auslieh, überreichte mir die Bibliothekarin das Buch allerdings mit den Worten: “Ich bin ja gespannt, ob es dir gefällt. Ich kam einfach nicht in die Geschichte hinein!” Als ich das Buch nach einigen Tagen wieder zurückbrachte, traf ich an der Eingangstür eine Bekannte. Sie sah das Buch unter meinem Arm und fragte wie es mir gefallen habe. Sie selber sei “einfach nicht in die Geschichte hineingekommen”. Keine der beiden konnte jedoch erklären, was gestört hat. Das machte mich stutzig.

Ich selber habe das Buch in einem Rutsch gelesen und es hat mir gefallen. Ich bin problemlos in die “Geschichte hineingekommen”. Ellie eine aufstrebende Journalistin hat eine Affäre mit einem verheirateten Bestsellerautor. Die unabhängige und beruflich erfolgreiche Frau, wünscht sich sehnlich eine feste Beziehung mit ihm, ist sich aber seiner Gefühle nicht sicher. Ausgerechnet in dieser verzwickten Situation findet sie, im Rahmen einer Recherche, einen vierzig Jahre alten Liebesbrief, dem auch eine verbotene Liebe zugrunde liegt. Diese wird nun vor dem Leser ausgebreitet.

Jennifer, eine verheiratete Frau, die aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls ihr Gedächtnis verloren hat, kämpft sich mühsam in ihr Leben zurück. Was ihr, nicht nur im übertragenen Sinne Kopfschmerzen macht, ist die Tatsache, dass sie ihren besorgten Ehemann nicht zu lieben scheint. Langsam beginnt sie sich zu erinnern. An ihre große Liebe zu einem fremden Mann, der sie anscheinend immer noch liebt.

Interessanter als die Liebesgeschichte, fand ich den Stoff der dahintersteckt. Nur allzu leicht vergessen wir, in welch freien Zeiten wir leben. Heutzutage wird niemand mehr schuldig geschieden. Frauen sind berufstätig, verdienen ihr eigenes Geld und können, Dank vielfältiger Verhütungsmethoden, entscheiden, ob und wann sie ein Kind bekommen. Jenni hat diese Wahl in den 1960er Jahren nicht.

Sie wird als junges Mädchen mit einem älteren Mann verheiratet, weil er eine gute Partie und ihrer Kreise würdig ist. Sie wurde dazu erzogen, eine schöne Fassade zu bieten. Das sie als Frau auch über Intelligenz und eine eigene Meinung verfügt, interessiert niemanden. Am wenigsten ihren Ehemann, der sie offen zurechtweist, wenn sie doch einmal wagt den Mund zu öffnen. Jenni weiß dass, wenn sie ihren Ehemann verlässt, sie alles verliert. Dennoch wagt sie den Schritt. Mit fatalen Folgen.

Der Handlungsbogen reicht von den Swinging Sixties bis in das London der heutigen Zeit. Zusätzliche Spannung zieht der Roman durch die berufliche Tätigkeit von Jennis Ehemann. Seine Firma verarbeitet und handelt mit Asbest. Eine der tragischen Komponenten die den Erzählverlauf dramatisch erhöhen.

Als ich das Buch zurückbrachte erzählte ich einer anderen Bibliothekarin, die den Roman noch nicht gelesen hatte, von den beiden eingangs erwähnten Gesprächen. Sie meinte der Grund für das “nicht hineinkommen“ könne an den verschiedenen Handlungssträngen liegen. Diese seien für viele Leser oft verwirrend. Moyes dualer Handlungsverlauf ist jedoch (wie ich meine) gut verständlich und sehr stringent erzählt. Am Ende bringt sie beide Teile auch nonchalant zusammen. Das Leben und Lieben der beiden Frauen ist auf jeden Fall mehr als eine “Handvoll Worte”.

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Tags: 1960er bis heute, affäre, asbes, ehebruch, liebe, london;, scheidung   (7)
 

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theaterstück, zwei paare, gesellschaft, lüge, beziehung

Wir lieben und wissen nichts

Moritz Rinke , , ,
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2013
ISBN 9783499245190
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Wieder einmal muss ich meinen liebsten Vampirfilm zitieren. “Koukol ich kann nicht!” jammert Yoyneh Shagal, als der bucklige Diener des Grafen Krolock ihn aus der Gruft hinauswirft, in die sich der alte Gastwirt (zu dieser Zeit längst selbst zum Vampir mutiert) heimlich geschlichen hat. Er wehrt sich gegen seine zwangsweise Umsiedelung mit den Worten „im Schweinestall sei es doch viel zu hell für ihn und es sei schmutzig und kalt“. Koukol lässt sich jedoch nicht erweichen. Ebenso wenig wie Hannah, eine der Hauptfiguren bei Moritz Rinke.

Nun ist es nicht etwa so, dass Hannah ihren Sebastian im Schweinestall unterbringen will. Die gut bezahlte Trainerin für Zen-Atmung muss lediglich aus beruflichen Gründen nach Zürich umziehen und hat aus diesem Grund einen Wohnungstausch organisiert. In einer Stunde werden die Tauschpartner erwartet. Roman, der IT- Manager, muss ebenfalls aus Arbeitsgründen den Wohnort wechseln und bringt seine Frau Magdalena gleich mit. In dieser Situation appelliert Sebastian, schutzlos seinen Neurosen ausgelieferter Germanist: „Hannah, ich kann nicht!“ Allein es nutzt ihm so wenig wie Yoyneh.

Ich habe Moritz Rinkes „Wir lieben und wissen nichts“ kürzlich im Stadttheater Augsburg in einer sehr gelungenen Inszenierung gesehen und mir hinterher das Stück zum Nachlesen gekauft. Ich war von beidem gleichermaßen begeistert. Zu Beginn vergnügt man sich unbeschwert mit der vor Sprachwitz sprühenden Beziehungskomödie. Sebastian erklärt dem staunenden Publikum wortreich, warum er auf keinen Fall „umgesiedelt“ werden will. Eine neue Umgebung und fremde Geräusche bringen ihn für Stunden und Tage aus dem seelischen Gleichgewicht, weshalb er sich die Erzeuger der “feindlichen Geräuschkulisse” menschlicher machen muss indem er sie besucht und ihre Eigenheiten kennenlernt. Das kostet ihn viel Zeit, die der freischaffende Schreiberling zwar hat aber lieber für seine (brotlose) Kunst verwenden will: Er schreibt Vorworte!

Es ist zum Schreien komisch, wenn Sebastian beschreibt, das Frankfurt (der letzte Umzug) die Hölle war, weil die Hessen und besonders jene in der Main-Metropole “Möbelrücker vor dem Herrn” seien, die den lieben langen Tag nichts anderes täten als ihre Einrichtungsgegenstände hin und her zu schieben nur um ihn zu quälen. Was mich, als von dort stammend, besonders amüsierte.

Als Roman und Magdalena schließlich da sind, wird offenkundig was sich bereits zu Anfang ahnen ließ, nämlich das bei beiden Paaren einiges im Argen liegt. Hier treffen vier Menschen aufeinander, deren Fassade Risse hat und die sich im Laufe des Abends immer weniger Mühe geben, zu verbergen was dahinter lauert. Keiner der vier ist in seiner gegenwärtigen Liebe glücklich, aber in ihrem Unglück haben sie sich bisher komfortabel eingerichtet. Bis nun die Konfrontation miteinander sie zwingt alles offenzulegen und die Schutzwälle brechen. Um die Spannung nicht wegzunehmen, möchte ich hier nicht näher darauf eingehen, was den Protagonisten das Leben schwer macht. Daher nur soviel: Im Verlauf der Handlung fallen alle Hüllen (äußerliche wie innere), die Situation spitzt sich zu und am Ende fällt ein Schuss!

“Wir lieben und wissen nichts” seziert das Wesen der Liebe. Wie verliebt man sich, wie viel Wahrheit verträgt die Liebe und welche Lügen sind tödlich. Wie geht ein Mann damit um, von seiner Partnerin finanziell ausgehalten zu werden? Macht Liebe erfolgreich oder verliebt man sich in den erfolgreichen? Wann bleibt die Liebe auf der Strecke und welche Geheimnisse müssen verborgen bleiben um die Liebe nicht zu gefährden? Der gemeinsame Nenner all dieser Fragen, die zentrale Frage nämlich was Liebe ist, wird natürlich weder an einem Theaterabend noch durch die Lektüre geklärt. Diese Frage muss Rinke gar nicht beantworten. Seine Tragikomödie ist auch so sehens- und lesenswert. Im Grunde läuft es ohnehin auf das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief hinaus: “Am Ende bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe. Diese drei. Die größte unter ihnen aber ist die Liebe.” Liebe ist und bleibt alles, auch wenn wir nichts wissen!

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Tags: liebe;, lügen, moritz rinke, sprachwitz, theaterstück, tragikomödie, zwei paare   (7)
 

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luxusdampfer, hubertus, floh, juwelendiebe, hund

Schnüffelnasen, Band 1: Schnüffelnasen an Bord

Daniel Napp , Daniel Napp
Fester Einband: 108 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 15.01.2007
ISBN 9783522179096
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Hubertus ist nicht zu beneiden. Gerade hat er noch eine Karriere als Polizeispürhund in Aussicht, als er sich auf dem kalten Boden des städtischen Tierheims wiederfindet. Und das alles nur wegen seiner “Erbkrankheit“. Ein Glück, dass Nullesockpock gerade einen neuen Hund sucht und Hubertus dazu bringt, ihm seine Geschichte zu erzählen. Der aufgeweckte Floh hat sofort eine Idee, wie man Hubertus rehabilitieren kann. Die Juwelendiebe, die ihn mit einer Fleischwurst überlistet haben, müssen gefangen werden. Dazu heißt es aber erst einmal aus dem Tierheim heraus kommen und die “Fährte” aufnehmen. Gut, dass die beiden so gute “Schnüffelnasen” sind und “Rasierwassertoni” und “Lakritzkitty” deutliche Duftmarken in der Stadt hinterlassen haben.

Kinderbücher von Daniel Napp begeistern mich immer in zweifacher Hinsicht. Zum einen weil die phantasievollen Geschichten sich auch sprachlich auszeichnen und sich noch dazu wunderbar vorlesen lassen. Mal ganz abgesehen von einzelnen herrlichen Wortschöpfungen und dem Sprachwitz. Zum andern durch die Illustrationen, die das geschriebene Wort zeichnerisch aufs Beste ergänzen.

Im ersten Band der “Schnüffelnasen” Reihe gibt es zum Beispiel ein Kapitel, dass mich durch seine originelle Idee zum Lesen begeistert hat. Der Floh Pock kann nämlich “flesen” bzw. “vorflesen”. “Flöhe sind zu klein, um ein ganzes Wort auf einmal zu lesen. Deshalb laufen wir einfach die schwarzen Linien der Buchstaben nach. Das nennt man flesen”, erklärt das aufgeweckte Insekt seinem Hundekollegen. “Wenn man zum Beispiel einen Kreis nachläuft, dann handelt es sich eindeutig um ein O. Hört der Kreis in der Mitte auf, dann ist es ein C. Wird einem beim Laufen schwindlig, so hat man ein S gefunden. Wenn man sich verirrt, und weder vor noch zurück weiß, dann steht man mitten auf einem X”.

Ich habe noch nie eine so kreative Beschreibung des Alphabets gelesen und freue mich jetzt schon auf meine nächste ehrenamtliche Vorlesestunde mit meinen Grundschülern um auszuprobieren, ob sie anhand der Erklärungen von Pock auf die Buchstaben kommen bzw. ob ihnen selber “Laufwege” für das Alphabet einfallen.

Darüber hinaus ist das erste Schnüffelnasen Abenteuer aber auch richtig spannend. Hund und Floh verschlägt es auf ein Luxuskreuzfahrtschiff, wo sie nicht nur die Gauner zur Strecke bringen und die schwedische Königsfamilie retten, sondern auch ein fürchterliches Unwetter überstehen und “eine Fleischwurst überlisten”. Als die beiden in New York vom Schiff gehen, stellen sie fest, dass der nächste Fall schon auf Sie wartet. Gut für alle kleinen Leser ab ca. 6 Jahren und für alle Vorleser, die Lesestoff für diese Zielgruppe suchen.

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scott hutchins, ki, kalifornien, selbstmord, künstliche inelligenz

Eine vorläufige Theorie der Liebe

Scott Hutchins , Eva Bonné
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.03.2014
ISBN 9783492055178
Genre: Romane

Rezension:

Neil Bassett ist Mitte dreißig, seit einigen Jahren geschieden und lebt aus “Lifestylegründen” in San Francisco. Seit seine Ehe in die Brüche ging, ist der ehemalige Werbetexter, abgesehen von seinem Kater und den “Drehtürmomenten” seines Schlafzimmers, allein. Sein Vater hat sich vor mehr als zwanzig Jahren umgebracht. Dennoch kommuniziert Neill täglich mit ihm. Sein Arbeitgeber, Amiante Systems, verfolgt ein ehrgeiziges Computerprojekt. Basierend auf den Tagebüchern von Neills Vater stellt die Firma ein komplexes Computerprogramm her, das lernen soll Unterhaltungen zu führen. Neill ist der Gesprächspartner der das Programm (bzw. seinen Vater) “trainiert”. “Von Computern verstehe ich nur wenig, aber als einziger Muttersprachler in unserem Unternehmen ist es mir immerhin gelungen, das Programm wie einen echten, wenn auch leicht verwirrten Menschen klingen zu lassen.”

“Eine vorläufige Theorie der Liebe” ist der Erstling des amerikanischen Autors Scott Hutchins. Ich fand den Roman von der Art zu Schreiben her gut. Das Buch liest sich wie eine Mischung aus John Irving und Nick Hornby. Irving aufgrund der Sexbezogenheit der Hauptfigur und den skurrilen Wendungen die daraus resultieren. Nick Hornby aufgrund der leichfüßigen, lockeren Sprache. Der Ich-Erzähler Neill verzweifelt an seinem Leben, obwohl er nach außen ausgeglichen und zufrieden scheint. Das Scheitern seiner Ehe macht ihm noch immer zu schaffen und seine Arbeit konfrontiert ihn täglich mit einer zweiten “seelischen” Baustelle, dem Freitod seines Vaters für den er sich schuldig fühlt. Während eines skurrilen Jugendherbergsaufenthaltes lernt er Rachel kennen, die in San Francisco ein neues Leben beginnen will, um die Schatten ihrer Vergangenheit zu überwinden. Zaghaft beginnen die sie ein Liebesverhältnis, in dessen Verlauf Neill die zwanzigjährige immer wieder abweist und damit in die Fänge einer obskuren Sex - Sekte treibt.

Die Entwicklung seines Privat- bzw. Liebeslebens wird parallel zur Entwicklung des Computer Programms erzählt. Beide Themen, künstliche Intelligenz und Romantik, zu verknüpfen gelingt nicht wirklich. Auf weiten Strecken ist das Buch einfach zu langatmig. Am interessantesten fand ich die virtuellen Gespräche mit “seinem Vater” die im Lauf der Handlung zu echten Dialogen werden. Auch die Beschreibung und den Ablauf des Turing Tests, einer anerkannten Methode zur Feststellung des Denkvermögens bei Maschinen, ist unterhaltsam und geistreich beschrieben. Insgesamt sind die über 400 Seiten jedoch eher ermüdend und werden auch durch die gute “Schreibe” des Autors nicht aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen.

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Tags: computer, künstliche intelligenz, lieb, liebe mit großem altersunterschied, san francisc, scott hutchins, sekte, selbstmord, sex, turing test   (10)
 

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musik;, kirche;, verschwörungstheorie;, bestseller, england;

Die Gottespartitur

Edgar Rai
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783827011497
Genre: Romane

Rezension:

“Nach ihrem ersten Jahr in der Agentur hatte Leonore ihm einmal gesagt, dass dies die Art sei, wie er ein Manuskript beurteile: dass er es betrete, wie ein Blinder einen Raum betritt, ausgestattet mit einem Sensorium, das Sehenden unzugänglich bleibe. Bis heute ist sie davon überzeugt, dass darin der Grund für seinen Erfolg liegt: die Eingeweideebene. Niemand erkenne wie er, ob die Chemie eines Romans stimme, ob die Energie die richtige sei. An der handwerklichen Ausführung könne man so lange herumschrauben, bis es passt. An der Chemie nicht.”

Gabriel Pfeiffer ist der erfolgreichste deutsche Literaturagent. Gerade hat ein neuer Starautor, den er entdeckt hat, den Deutschen Buchpreis erhalten. Die Verleger stehen auf der Frankfurter Buchmesse Schlange um bei ihm weitere Bestseller zu ergattern. Als der junge Mathias ihm das Exposé für ein Buch anbietet (“weil wir dieselbe Leidenschaft teilen“), bei dem es um eine “große Entdeckung im Bereich des Glaubens” geht, wimmelt er ihn kurzerhand ab. Zwei Tage später erfährt er vom überraschenden Tod des siebzehnjährigen. Ein Tod, den der Junge im Gespräch vorausgeahnt hatte. Gabriel macht sich kurz entschlossen auf den Weg in die bayerische Provinz um herauszufinden woran der Klosterschüler gestorben ist.

Eigentlich hat Edgar Rai das Urteil über seinen Roman selbst formuliert. “Dan Brown würde gelangweilt die Nase rümpfen” lässt er die Hauptfigur Gabriel Pfeiffer auf Seite 292 denken. Ein Gedanke der mir schon sehr viel früher durch den Kopf ging. Die Hoffnung, dass doch noch irgendwann der Knoten platzt und die gepflegte Langeweile weicht, ließ mich weiterlesen. Aber die Chemie, um mit dem eingangs zitierten Absatz aus dem Buch zu sprechen, stimmt einfach nicht.

Edgar Rai “kann schreiben”, wie es die Assistentin Gabriel’s Leonore ausdrücken würde. Der Stil ist zwar ungewöhnlich (Rai schreibt in der Erzählperspektive im Präsens), aber an seiner “handwerklichen Ausführung” gibt es nichts auszusetzen. Seine Sprache ist nüchtern und reduziert, die Sätze kurz und prägnant. Einzelne Sprachbilder sind wunderschön: “Er blickt seiner Assistentin nach, beobachtet, wie sich ihr der Raum unterwirft. Gabriel fragt sich, in welcher Gestalt eine wie Leonore wohl beim nächsten Mal wiedergeboren wird. Als Liebeslied vermutlich”.

Das das Buch in Schönheit stirbt, hat meiner Meinung nach mit der fehlenden Dynamik, eben jener “Energie in der Eingeweideebene“. Die ersten hundert Seiten lesen sich wie ein Blick hinter die Kulissen der Frankfurter Buchmesse. Interessant, wenn man wissen will, wie kommende Bestseller gemacht werden. Zu langatmig, wenn man diese Neugier nicht teilt. Auch die Todesnachricht des Jungen sorgt nur für einen kurzen Adrenalinschub. Danach dümpelt die Handlung weiter vor sich hin. Es wird nie ganz klar um was es eigentlich geht. Um die Aufarbeitung des Traumas des als Kind von katholischen Priestern misshandelten Gabriel? Um die Aufklärung des mysteriösen Todes des Jungen? Oder doch um die Rätsellösung eines weiteren jahrhundertealten Geheimnisses der Kirche?

Die Geschichte die Rai um den Musikhistoriker Charles Burney gestrickt hat, der im 18. Jahrhundert tatsächlich Europa bereiste um sein “Tagebuch einer musikalischen Reise durch Frankreich und Italien“zu schreiben, ist zu Ende bevor sie Gelegenheit hatte überhaupt in Gang zu kommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Verschwörungstheorie um einen vermeintlich “neuen Gottesbeweis” in den persönlichen Befindlichkeiten der Hauptfigur, die von Asthma über plötzlichen Herzstillstand bis hin zu allgemeiner Lebensmüdigkeit und ausgeprägtem Zynismus reichen, untergeht. Etwas das Robert Langdon nie passieren würde!

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Tags: bestseller, charles burney;, dan brown;, edgar rai, england;, frankfurter buchmesse;, gottesbeweis;, kirche;, misshandlung, musik;, priester;, robert langdon;, tod, verschwörungstheorie;   (14)
 

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rätsel, uhr, christoph marzi, letzten, piper

Piper und das Rätsel der letzten Uhr

Christoph Marzi , Kristina Andres
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.02.2013
ISBN 9783401068633
Genre: Kinderbuch

Rezension:

“Ein Abenteuer passiert dem, der es am wenigsten erwartet”. Dieses Zitat von G.K. Chesterton, dass Christoph Marzi seinem Buch voranstellt, passt genau. Piper erwartet nichts aufregendes. Ihre Eltern haben die elfjährige für einige Tage bei Onkel George untergebracht, damit sie in Ruhe und allein ihren Hochzeitstag feiern können. Der Wildhüter lebt im Dartmoor und kümmert sich in seiner Freizeit lieber um Bienen als um Menschen. Bei dem schweigsamen Onkel gibt es auch keinen Computer, Internet oder Handyzugang. Piper ist schon am ersten Tag so sterbenslangweilig, dass sie sich in die örtliche Bücherei verirrt. Mit den dort geliehenen Büchern macht sie es sich in einem alten Schrankkoffer bequem, den sie in einem Zimmer im Haus ihres Onkels gefunden hat. Als sie darin einschläft, fällt der Deckel zu und als Piper ihn wieder öffnet, sitzt sie mitsamt Koffer auf einer Lichtung im Wald.

“Piper und das Rätsel der dreizehnten Uhr” ist ein Abenteuerroman mit subtilen Gruselelementen, die selbst mich als erwachsenen Leser leicht schauern ließen. Allerdings kommt das Gruseln erst spät. Der Beginn ist langweilig. Ich war schon fast versucht, das Buch aus der Hand zu legen, als ich begriff , dass es sich um einen sehr guten Trick des Autors handelt, wenn es denn so gedacht war. Pipers Reise im Schrankkoffer hat mit ihrer Langeweile zu tun. Im “Septemberland” macht ihr der unheimliche Mr. Rastlos klar, dass sie genau aus dem Grund überhaupt in seinem Reich gelandet ist. Um es wieder verlassen zu können, muss sie drei Abenteuer bestehen und ihre Langeweile vergessen. Als Leser hatte man vorher Gelegenheit diese Langeweile spürbar zu erlesen. So ermüdend der Beginn ist, so spannend wird es dann. Der Gegensatz hätte nicht besser herausgearbeitet werden können.

Gut ist auch, dass Marzi seine Geschichte in Großbritannien spielen lässt. Britische Romanfiguren bewahren Haltung, auch wenn sie eine geheimnisvolle Reise in einem Schrankkoffer zurückgelegt haben und in einem fremden Wald von einem Tier im Menschennkostüm begrüßt werden. Höflichkeit ist oberstes Gebot und daran halten sich auch Piper und der sprechende Otter. Ähnlichkeiten mit “Alice im Wunderland” sind augenfällig!

Neben “Alice im Wunderland” habe ich auch Anleihen aus der “unendlichen Geschichte” und “Momo” wiedergefunden. Der Wechsel zwischen Realität und Traum, die Macht durch Phantasie Welten zu erschaffen, der Kampf gegen den “grauen Herren“ Mr. Rastlos. Inhaltlich und sprachlich ist der Roman weit von diesen großen literarischen Werken entfernt. Dennoch ist er durchaus empfehlenswert. Das liegt zum einen an der unerschrockenen Hauptfigur Piper, die sich tapfer allen Anforderungen stellt und auch bei “Gefahr in Verzug” die Nerven behält. Bewundernswert.

Zum andern liegt es an der Philosophie die der Autor einflicht. “Du siehst den Weg und siehst ihn nicht. Du kannst ihn gehen und kannst doch nicht”. Piper lässt sich auf die Bedingungen ein und löst ihre Aufgaben ( in denen sie es mit Piraten, Spinnen und einem schauderhaften “Narder” zu tun bekommt) mit Bravour nur um festzustellen, dass sie den Weg zurück doch noch nicht gefunden hat. Sie wurde ausgetrickst und muss nun das Rätsel lösen, dass sie zurückbringt in ihr eigenes Leben. Hier lernt, wer lernen will, dass dieses “Lebensrätsel” jeder lösen muss, egal ob jung oder alt.

Und dass ein “langweiliger” oder besser “alltäglicher” Weg nicht unbedingt der schlechteste sein muss, ist eine Erkenntnis die, in der heute so geschäftigen Welt, zu erkennen es sich nicht nur für Kinder lohnt. Wenn Piper am Ende stillvergnügt die Zeit damit verbringt die Beine baumeln zu lassen und ihr eigenes Spiegelbild in der Oberfläche des Dorfteiches zu bewundern, “dann ist sie genau da, wo sie sein will”. Und dass zu begreifen, ist nie zu früh und nie zu spät. Meine Empfehlung: Für Kinder ab der vierten Grundschulklasse zum Vor- oder Selberlesen.

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liebe, lebensziele, träume, tod, familie

Morgen kommt ein neuer Himmel

Lori Nelson Spielman , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 27.03.2014
ISBN 9783810513304
Genre: Liebesromane

Rezension:

Brett Bohlinger hat gerade ihre geliebte Mutter verloren. Obwohl die Trauer sie schier überwältigt, reißt sie sich zusammen. Gilt es doch einen guten Eindruck zu machen und Stärke zu zeigen. Denn jetzt, nach dem Tod der Eigentümerin von Bohlinger Kosmetik, wird sie das Millionenunternehmen erben. Bei der Testamentseröffnung kommt dann aber alles ganz anders. Die florierende Firma geht an die Schwiegertochter Catherine und Brett geht leer aus. Für sie hat ihre Mutter lediglich eine Liste mit Lebenszielen hinterlassen. Lebensziele die sich die 14jährige einmal notiert und danach weggeworfen hatte. Die Mutter hatte diese Liste gefunden und über die Jahre aufbewahrt. Nun leitet sie diese über den Anwalt Brad Midar wieder zurück an die Tochter. Mit der Maßgabe zehn der damals formulierten Wünsche und Träume innerhalb eines Jahres umzusetzen, oder das gesamte Erbe zu verlieren!

“Morgen kommt ein neuer Himmel” von Lori Nelson Spielman ist ein Schmöker, den man nicht aus der Hand legt bis man weiß, ob und wie Brett “ihre Liste” abarbeitet und umsetzt. Die besondere Konstellation macht die Spannung dieses Romans aus. Brett lebt seit einigen Jahren mit ihrem Freund Andrew zusammen. Laut der Liste, muss sie sich nun aber “in den richtigen verlieben”. Bislang hatte sie in der mütterlichen Firma erfolgreich als Werbefachfrau gearbeitet. Jetzt soll sie plötzlich “eine tolle Lehrerin werden”. Ihr Vater Charles ist schon lange tot, dennoch lautet die Anweisung auf der Liste “eine gute Beziehung zu ihrem Vater” zu haben. Verwirrung und Unglauben der Ich-Erzählerin Brett ließen mich am Anfang fast ungeduldig weiterlesen, so begeistert war ich von der Grundidee des Buches.

Das Leben einmal auf den Prüfstand stellen. Hinterfragen ob das was man bisher erreicht hat, wirklich bedeutsam oder vielleicht nur Ausdruck von Bequemlichkeit ist. Darüber nachdenken ob man noch Ziele hat, die es zu erreichen lohnt. Die Angst überwinden etwas Neues zu wagen. Brett hadert zu Beginn mit den Wünschen ihrer Mutter. Scheint ihr Leben doch bislang zufriedenstellend, harmonisch und glücklich gewesen zu sein. Gerade dieses vermeintliche Glück aber stellt der Nachlass der Mutter in Frage. Und Brett ist klug genug, sich auf ihre tote Mutter zu verlassen, die ihr im Leben immer mit Liebe, Fürsorge und gutem Rat begegnet ist. Sie lässt sich auf die Bedingungen ein und beginnt ihren persönlichen Wettlauf mit der Zeit.

Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich sage dass das Buch Hollywood Potential hat. Die Geschichte ist so rührend, romantisch, tragisch und voller Herz, dass sie förmlich nach einer Verfilmung schreit. Zumal alle Hauptfiguren in der Beschreibung vor gutem Aussehen nur so strotzen! Vom Aufbau her hat die Autorin bereits ganze Arbeit geleistet. Die Handlung führt präzise und vorhersehbar zum großen Happy End. Dabei ist der Weg das Ziel. “Morgen kommt ein neuer Himmel” ist Popcorn Literatur. Sehr zu empfehlen, wenn man leichte Unterhaltung zum Abschalten und Entspannen sucht. Kino für den Kopf!

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