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geheimes forschungslabor, jugendbuch, künstliche intelligenz, beherrschung der welt, zerstörung berlins

Sieben Kugeln zum Turm der Testuden

Slov ant Gali
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Verlag neun9zig, 23.04.2014
ISBN 9783944907048
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wer hat nicht schon einmal aufgeschrien: Was habe ich da nur angerichtet?

Als die Kinder um Rahman jene leichten harten Kugeln zu ihren „Schwurkugeln“ erklären, ahnen sie nicht, dass das das Vorspiel zu einem Grauen ist, dem nicht nur Berlin zum Opfer fällt. Als Leser packte mich das Unheimliche ganz allmählich. Kein oberflächliches Splatterzeug, sondern immer neu Bangen in scheinbaren Idyllen, was denn nun DAS wieder bedeutet. Die Halluzination mit Hornissen wird im Wechsel mit einer modernen Horrorvision vom entfesselten Brei erzählt. Warum? Als Vielleser ahnt man, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt.

Der besonderen Bedeutung des Vorspiels ist geschuldet, dass die Hauptfigur erst später in Erscheinung tritt: Eine renitente Schülerin einer 10. Klasse in Eberswalde. Die ist mir wahrscheinlich deshalb so sympathisch, weil sie keine Moden mitmacht sondern welche macht – und sei es aus reinem Widerspruchsgeist. Und wenn sie wieder einmal ein Chaos verursacht hat, sagt sie „Ist ja nichts passiert!“ dazu. Insofern eignet sie sich nur bedingt zum Vorbild für den verantwortungsbewussten, strebsamen Jugendlichen. Aber sie kämpft: Als sie mit dem bevorstehenden Tod rechnet, will sie zumindest etwas tun, auch wenn sie wie alle anderen nicht weiß was, als sie sich einer entfesselten Supermacht gegenüber weiß, versucht sie scheinbar Unmögliches und spielt Superagentin.

Übrigens finde ich auch die Lehrerin Sonja interessant. Eigentlich scheitert sie immer wieder. Sie will das Beste, aber wenn es dann praktisch wird, gibt sie höchstens ungewollt der Powerfrau Petra den entscheidenden Tipp, wie sie sowohl die Welt rettet als auch ihr eigenes Imperium aufbaut. Ja, die Frauen kommen insgesamt sowieso besser weg.

Viele SF-Romane kosten eine Grundidee des Autors bis zur Neige aus, machen aus ihr unmöglichst viele Buchseiten – Slov ant Gali reiht dagegen verschiedenartige Ideen aneinander, dass man selten zu Atem kommt. Und nach dem Durchlesen merkte ich überrascht, dass sehr viele „Was wäre wenn, ...“ durchgespielt worden sind.

Ein Wermutstropfen: Die, die die Kugeln den Menschen geschickt haben, bleiben bis zum Schluss konturlos. Man muss sich an das halten, was sie aus und mit den Menschen machen, die mit ihnen in Berührung kommen.

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Tags: automatic machines, beherrschung der welt, berliner flüchtlinge, geheimes forschungslabor, kinderspiel mit folgen, kontakt mit außerirdischen, kristallraub, künstliche intelligenz, sektenguru, zerstörung berlins   (10)
 

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ausbeutung, grenzüberschreitunge, reichtum, chirurg, perlentaucher

Alexander Beljajew: Der Amphibienmensch

Alexander Beljajew
Flexibler Einband: 187 Seiten
Erschienen bei Verlag Neues Leben Berlin, 01.01.1984
ISBN B001D80TJK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Man kann es einen „Klassiker“ der Science Fiktion nennen. Wem das zu groß ist, der nennt es das Urwerk der sowjetischen Phantastik. Die Erzählung kehrt das Frankenstein-Motiv um. Der im 1. Weltkrieg traumatisierte Chirurg gibt sein Bestes, um Kranke und Verletzte zu retten überschreitet dabei aber alle Grenzen, indem er Teile von Tieren verpflanzt. Einem Jungen pflanzt er Kiemen ein. Damit wird der zum Jagdobjekt für einen Schiffseigner eines Perlentaucherkutters. Der Junge verliert letztlich seine amphibische Fähigkeit und kann im Wesentlichen nur noch unter Wasser weiterleben und damit ohne seine erste, große und u.U. einzige große Liebe. Dem Schicksal, als gefangener Meeresteufel für den Perlenkapitalisten Sklavenarbeit zu leisten entgeht er aber auch.

Die Geschichte ist einfach und klar erzählt. Der Autor zeichnet dabei ein Milieubild von einer Gegend in der Nähe von Buenos Aires, wo er nie war. Was mir als Nachteil vorkommt, sind die überzogenen Familienbeziehungen – also wer nicht verwandt ist, steht zumindest im Pflegekindverhältnis – und der Horrorzoo des Chirurgen, der heute jeden Tierschützer auf den Plan rufen würde. Eines jedoch gelingt Beljajew ausgezeichnet: Man fiebert mit dem Ichthiander mit, man versteht seine Qualen der unverstandenen und nicht zu verwirklichenden Liebe, man versteht sogar Surito, den Bösewicht, der ja auch nur sein Stück Glück festhalten will, wie er es versteht und Christo, der letztlich ein Vertrauen gerade bei dem behält, den zu betrügen er losgezogen war.

Wahrscheinlich wollte Beljajew sagen: Schaut her! So eine Welt haben wir gerade überwunden. Hier aber war er zu optimistisch ...

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Tags: ausbeutung, chirurg, fischmensch, kiemen, liebe, perlentaucher, reichtum, schoner, ungeheuer   (9)
 

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Die schrägsten Berliner Zehn-Minuten-Geschichten

Horst Bosetzky
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Jaron, 01.09.2013
ISBN 9783897737266
Genre: Sonstiges

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Rezension:  
Tags: antimaterie, asteroid, dreiecksbeziehung, jugend, menschen und der kommunismus, rassismus, südafrika, wissenschaftler   (8)
 

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Das Rätsel des Sigma

Karl-Heinz Tuschel
Flexibler Einband
Erschienen bei Verlag Neues Leben, 01.01.1979
ISBN B0054ID0Z0
Genre: Sonstiges

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zeitreise, buch zum film, gegenwart, vergangenheit, auto

Zurück in die Zukunft

George Gipe , Bob Gale , Robert Zemeckis
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 01.07.1998
ISBN 9783404130399
Genre: Sachbücher

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dystopie, zukunft, utopie, science fiction, gesellschaft

Schöne neue Welt

Aldous Huxley
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Fischer (TB.), Frankfurt
ISBN 9783596508020
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Vorweg: Das Buch ist meiner Meinung nach zurecht eine der ganz großen Dystopien überhaupt. Obwohl ich viele Auffassungen des Autors nicht teilen kann, habe ich es mit Interesse zuende gelesen. Eine starke Kulturkritik, aber … wiederholt kommt der enge Horizont des Autor zum Vorschein. Während die Idee, Ford eine Art Gottstatus zuzubilligen, genial zu nennen ist, sind die Anklänge, in denen ganz nebenbei der Kommunismus mit erledigt werden soll, peinlich komisch. Huxley scheint da nur“Gleichmacherei“ und Personenkult gehört zu haben, und so verballhornt er seine Kunstmenschen eben auch in Marxe und die Lenina. Allerdings wäre der Test angebracht, inwieweit sich heutige Menschen als „genormt“ erkennen – auch wenn diese „Normung“ im Sinne des Funktionierens schon weit verbreitet ist … vielleicht aber auch deshalb: Er beschreibt ja überzeugend, dass seine Zuchtmenschen nicht begreifen, wieso der Wilde meint, sie befreien zu müssen. Das haben die heutigen Durchschnittsmenschen, die brav Mainstreammedien konsumieren mit diesen Retortenprodukten gemein. Huxleys Hohelied auf religiöses Denken in Verbindung mit der (Nicht-)Kommunikation zwischen dem Wilden und der Lenina und die nachfolgende Selbstgeißelung wird durch die Enthüllungen sexuellen Missbrauchs infolge geistiger Kastration der Täter peinlich.

Die Schwierigkeit des Buches liegt für mich in den negativen Extremen auf beiden Seiten (wahrscheinlich der Weltsicht auf die Blockkonfrontation geschuldet): Während Huxley den Leser das gleichschaltend primitive schwache, durch Drogen „gesicherte“, nach Kasten „genormte“ „Glück“ ablehnen lässt, stellt er ihm den Dreck, die Dummheit und Verwahrlosung des Wilden (unter den Wilden) gegenüber. Vielleicht hätte er auf dessen soziale Sonderstellung verzichten sollen, denn er ist ja besonders freudianisch krank. Seine Vorprägung als Ausgestoßener, der als Kind hätte so gern dazugehören wollen, aber stets seine Außenseiterrolle empfinden ließ, lässt ihn später, als er in dem erzählten Paradies auf – im Sinne seiner vorher angestrebten Gemeinschaftsnorm – Ekelhaftes, Unmenschliches stößt. So scheitert die entscheidende Szene, die der Frage entsprechen könnte „Hatten Romeo und Julia Sex und es lag nur in Shakespeares Takt, dies nicht im Einzelnen zu beschreiben?“ bzw. „Wäre es nicht wenigstens besser gewesen, wenn sie welchen gehabt hätten?“. Diese Option kommt im Denken des Wilden nicht vor, und so merkt er gar nicht, dass die Annäherung der Lenina bereits nicht mehr eine rein fleischliche Lust ist („Metze), wie es ihrer Normung entsprochen hätte, sondern einen sehr individuellen „hohen“ menschlichen Gefühl Platz zu machen begann. Das Mädchen, das ihn hätte verstehen wollen – und vielleicht allmählich auch verstanden hätte – verstößt er, während er primitiv Genormte meint, befreien zu können, indem er ihnen ihre Glücksdroge wegwirft. (Vielleicht ein Hinweis an künftige Revolutionäre, am Grad der Verständnisfähigkeit der Massen anzuknüpfen?)

Die durch Zufälle Abweichungen von der Normung in Richtung individuellen Handelns zeigen, werden auf Inseln verbannt. Wie viele mögen das sein? Wie werden die sich entwickeln, die Entwicklung der Erdbevölkerung beeinflussen? Huxley hält sie als Reserve.Er droht aber mit Selbstzerfleischung der Test-Alphas. Womit sich das Gedankengebäude in Widersprüche verstrickt, weil eben unterschiedliche Menschen gebraucht werden. Nur wie sieht die „schöne neue Welt“ dann aus?

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Tags: dystopie, fordismus, funktionierende menschen, glück, kastenwesen, normung, religion, retortenmenschen, zukunft   (9)
 

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bedrohte menschheit, wissensgesellschaft, rettung der erde, bevorstehende katastrophe, kernfusion

Ein Stern fliegt vorbei. Wissenschaftlich-phantastischer Roman.

Karl-Heinz. Tuschel
Fester Einband
Erschienen bei Verlag Neues Leben, 01.01.1967
ISBN B002KJP2C0
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gerade entdeckte ich, dass das Buch neu aufgelegt worden ist. Es wäre sehr interessant, die Überarbeitung mit der Urfassung zu vergleichen. Ohne wesentliche Veränderungen kann ich es mir heute nicht vorstellen ... Hier geht es um jenes in der aufstrebenden DDR entstandene: Ich habe das Buch bis zu Enede gelesen und es nicht bereut. Trotzdem habe ich mich mehrmals vergewissert: Es stammt aus dem Jahr 1967. Mit welcher Naivität darin davon ausgegangen wird, dass in einer noch lange nach uns heute liegenden Zeit mit Loch- und Magnetstreifen gearbeitet werden würde, dass man von schweren Rechnersystemen ausgeht, deren Leistungsfähigkeit weit hinter der heute erreichten liegt, dann wird das Buch irgendwie mottenfraßig. Dazu kommt, dass die Hinweise, die abstrakt zu erklären versucht, dass man, also wie man im Kommunismus lebt. Diese Passagen riechen nach vorauseilendem Gehorsam, mit dem der Autor dass Wohlwollen der Kulturfunktionäre zu gewinnen hoffte. Für mich kontraproduktiv wirkt die größenwahnsinnige Perspektive des Buches, also dass es geschrieben ist, als sei es von einem Menschen aus der Zukunft der geschilderten Zukunft rückblickend geschrieben. Das wirkt zum einen unlogisch, weil der Erzähler so tut, als wisse er etwas, was seine Zeitgenossen nicht wüssten, das nimmt aber auch viele Möglichkeiten, Spannung zu erzeugen. Es ist letztlich eine Schilderung, wie toll doch die Menschheit gewesen sei, dass sie das alles gelöst habe – womit eben viel vorweg genommen ist.

Dabei ist die Handlungsidee eigentlich extrem: Ein Materiefeld mit mehreren Planetoiden nähert sich dem Sonnensystem auf einem Kurs, der das wahrscheinliche Ende des Lebens auf der Erde bedeuten würde. Dies ist das Ergebnis einer verschlüsselten Botschaft von Außerirdischen. 100 Jahre haben die Erdenbewohner Zeit. Zeit also für Erkundungsflüge und Erfahrungen mit dem Verhalten von Menschen im Verlauf von Langzeitflügen. Da kommt zweimal auch ein wenig Spannung auf: Einmal als eine psychosomatische Lethargie-Erkrankung um sich greift und das andere Mal, als eine Virenmutation eines der Raumschiffe im engsten Sinn die Substanz eines der Schiffe angreift,
Alle handelnden Personen sind positive Charaktere. Kleine Reibereien entstehen durch (psychische) „Krankheiten“ und Selbstüberforderung bei der Arbeit. Ihre Lösung wird durch eine klärendes Eingreifen Nahestehender erreicht – wenn auch nicht immer am optimalen Zeitpunkt.
Ein Detail gefiel mir in seiner (Nicht-)Darstellung: Die familiären Nebeninfos machen klar: Lutz Gemba hat einen afrikanischen Einschlag im Äußeren, aber niemand hält für erforderlich, es in irgendeiner Weise zu erwähnen.
In erster Linie ist das Buch ein Dokument, wie man sich vor 50 Jahren in der DDR die Zukunft dachte. Traurig dabei, dass Kuschel den Zweifel des Starwissenschaftlers an der Beherrschabarkeit der Hyperfusion zu schweren Kernen keinen positiven Wert zuordnen mag, sie eher in Fortschrittsgläubiskeit untergehen.  

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Tags: bedrohte menschheit, bevorstehende katastrophe, kernfusion, rettung der erde, sciene fiction weltall raumschiff reisen, wissensgesellschaft   (6)
 

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zeitreise, einführung des kommunismus, fkk, liebesflöhe, big brother

Der lebende See

Slov ant Gali , Carola Rümper
Buch: 184 Seiten
Erschienen bei Verlag neun9zig, 31.10.2013
ISBN 9783944907017
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Eine Sammlung von Stories zu rezensieren ist immer schwierig. Bei dieser besonders, weil von keiner Geschichte auf die nächsten geschlossen werden kann. Wenigstens zwei bieten skurrile Wege an, wie Slov ant Galis Lieblingsgesellschaft, so eine Art Kommunismus, erkämpft werden könnte, beide aber sicher nicht ernst gemeint. Immerhin führen ihn in der einen die Erde im Handstreich besetzende Außerirdische ein.

Da hält der Autor wohl den Untergang der irdischen Zivilisation für ein wahrscheinlichere Zukunftsvision, die mehrere Geschichten auf unterschiedliche Weise behandeln. Darunter ist selbstverständlich eine herrlich absurde, in der die Menschheit ausstirbt, weil alle Frauen von Laborflöhen gebissen werden. Deren Wirkung ist eine ungebremste Sexlust, die alles Andere abschaltet. Der Konzern wollte doch „nur“ Profit machen. Natürlich ist auch ein bisschen Rache der Natur an den Menschen dabei – Horror mit Augenzwinkern. Immer wieder die Frage der persönlichen Verantwortung, das Mitmachen oder das Aussteigen, weil man nicht ein Rädchen sein will, das macht, was scheinbar jeder macht. Dabei wird Gegenwärtiges auf die Spitze getrieben. Big Brother und NSA-Skandal finden grausige Fortsetzungen. Allerdings empfinde ich diese Geschichte als schwächste im Band.
Gefechte zwischen Raumschiffen finden nicht statt, dafür aber eine Raumschiffentführung und Visionen zwischen Wirklichkeit und Einbildung, bei denen sich der Leser seinen Teil denken muss.
Die Titelgeschichte hätte sicher zu einer Star-Trek-Folge umgearbeitet werden können. Evolution und Absonderlichkeiten. Was passiert, wenn sich alle eingefügt haben, und erst ein von außen Kommender bemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Einem echten SF-Fan muss man das „Großvaterparadoxon“ nicht erklären. Mit ihm spielt der Autor recht naiv-freundlich.
Vielleicht sollte man mehr Didaktik von den Geschichten verlangen, eine klare Aussage, warum die jeweilige Geschichte erzählt wird und wie ernst man das nehmen soll, was man gerade gelesen hat. Mir gefällt hier aber mehr, dass manche surreale Schwebe erhalten bleibt. Mir geht es ein wenig wie dem Psychiater in der verstörenden Eröffnungsgeschichte „Abea“, der sicher ist, dass hinter der erzählten eine ganz andere Geschichte steckt. Vor der schützt sich der unheldische Held mit einem kräftigen Schuss Fantasie. Der Fantasie des Leser zuträglich ist wahrscheinlich, wenn man manche Auffassungen des Autor aus „Gemeinschaft der Glückssüchtigen“ schon kennt – aber dann weiß man vielleicht doch, was er sagen möchte …  

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Tags: big brother, desillusionierende zukunftsbeschreibung, drogenabhängigkeit, einführung des kommunismus, erwachsenwerden, fkk, fremde welt, liebesflöhe, raumflug, roadmovie, seltsame begegnungen, suche nach glück, zeitreise, zukunftsutopie   (14)
 

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fkk, schwarzer humor, kindheitserinnerungen, heiter, amüsante kriminalgeschichten

Querfeldein ist nicht immer geradeaus

Gunda Jaron , Thomas Staufenbiel
Flexibler Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Verlag neun9zig, 27.10.2013
ISBN 9783944907024
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vorsicht: In diesem Buch versuchen zwei Autoren den nichts Böses ahnenden Leser immer wieder neu durch lockeres Geplauder zwischendurch so lange einzulullen, bis er mit der nächsten Pointe nicht mehr rechnet. Vor allem Gunda Jaron lässt ihre Leser mit offenbarem Vergnügen zappeln, bis er auf die ausgelegte falsche Spur reingefallen ist. Zumindest die FKK-Psychologie durchbricht aber dieses Muster: Der Leser darf früh schmunzeln und er kann nachher nur darüber diskutieren, ob der nächste den vorigen Gedanken getoppt hat. Die Richtung aber bleibt gleich: Der FKKler ist eben … eigen. (Wobei die Erzählerin ja selbst dazu gehört.) Ansonsten wäre es unfair, die Handlung einzelner Geschichten in einem Satz zu erzählen: Entweder man verrät die Pointe, auf die alles hinsteuert oder man erzählt nicht die Geschichte, wie sie gemeint ist. Insofern sind einige Texte dabei, die sich aufdrängen, ein zweites Mal gelesen zu werden, wenn man gerade fertig ist: Man kann dann die Stellen entdecken, die schon auf die richtige Lösung hingedeutet haben, an denen man aber lesend vorbei geführt wurde. Nur eines sei verraten: Mehrmals werden Morde begangen. Und bei den Texten, die ganz ohne Verbrechen auskommen, lauern die furchtbar doofen Tücken des Alltags – kann man doofe Lieder zu singen.
Insgesamt waren die Autoren allerdings sehr in ihren „roten Faden´“ verliebt und die meisten Gedichte sind intellektuell wenig „anspruchsvoll“.
… 2.
Mit Saufen bringt Ernst, welch’ Blamage,
die Freundin tagtäglich in Rage.
Er kann nur noch lallen,
da lässt sie ihn fallen
vom Fenster der siebten Etage. …

Das ist auch der Vorzug des ganzen Bandes: Man kann beim Lesen entspannen. Wer allerdings unterwegs lesen will, der sollte aufpassen: Die Geschichten sollten einzeln im Ganzen gelesen werden.


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Tags: fkk, kindheitserinnerungen, kriminalgeschichten, schwarzer humor   (4)
 

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Liebe m.b.H.

Slov ant Gali , Gunda Jaron , Ricardo Riedlinger
Flexibler Einband: 188 Seiten
Erschienen bei Verlag neun9zig, 01.10.2013
ISBN 9783944907000
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Klar habe ich auch einige Liebesgedichte geschrieben. Das macht doch jeder mal. Aber nicht so verschiedene, nicht solche, die sich ein Paar zum Hochzeitstag schenken kann und kein Schmalz bleibt kleben, eher so ein hintergründiges Schmunzeln der Heineschen Art. Man kann das Buch auch als Lebensgeschichte lesen, angefangen mit nicht immer erfolgreicher Fühlung-Aufnahme, die Phase des Himmehochjauchzens fällt zum Glück nicht zu lang aus. Schon kommt die Zeit nach dem filmischen Happyend, bei dem im Film nach Tucholsky ausgeblend´ wird. Hier nicht. Hier gehen die Helden fremd – und sei es nur in Gedanken – oder sie mischen einander „Wohlriechende Trichterlinge“ (solche Pilze gibt’s wirklich, sollte man meiden) in ihr Zeitgulasch, tun sich weh, bereuen, entfremden sich im Alltag und enden doch in Gefühlen am Rande der Steinernen Hochzeit, es hat sich gelohnt.
Schön auch der Wechsel der Stile und „Tonarten“. Der liegt nicht nur daran, dass die drei Autoren sich ständig gegenseitig ablösen. Sie spielen ja auch mit Motiven wie dem Feuer speienden Drachen oder dem Wunsch, ihr Leben wie ein zu eng gewordenes Kleid abzulegen, den sich die Partner nicht erfüllen können. Ich fand genug „moderne Lyrik“, aber eben auch klassisch Gereimtes und Gedichte, bei denen ich über so viel mehr oder weniger schwarzen Humor mir das Grinsen nicht verkneifen konnte. Und das Heulen auch nicht. Das will schon was heißen.
Vielleicht zum Abschluss etwas „Theoretisches“. Wenn man über einen Gedichtband schreibt, darf man ja wohl ein Gedicht vorstellen:
wir alle
sind inseln
felsen im ozean
manchmal
reiten sirenen
auf unserem
sonnigen punkt
dann kuschelt sich
strandgut
an unsere
grindige haut
bevor die flut
alles fortspült 
später
nennen wir es
liebe
„Liebe m.b.H.“ sieht auch Optimistischeres …  

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literarische kritik, zeitreise, feudalherr, grotesk, heiter

Die gläserne Stadt. Phantastische Erzählungen

Klaus Möckel
Flexibler Einband
Erschienen bei null
ISBN 9783359005445
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Untertitel erlaubte sich der Verlag Das Neue Berlin „Phantastische Erzählungen“. Gerade wegen der Mehrdeutigkeit von „fantastisch“ eine Hochstapelei. Wer etwas über DDR-Literatur wissen will, sollte allerdings dieses Büchlein nicht ignorieren. Die meisten der sieben Geschichten sind eindeutige Kritiken an realen DDR-Problemen. Zumindest die Eröffnungsgeschichte „Der Irrtum“ aber halte ich für gescheitert. Sie hat einen genialen Grundgedanken: Da sich manche Entscheidungsträger zu DDR-Zeiten aufführten wie feudale Kleinfürsten, drehte Möckel den Spieß um, versetzt einen Feudalherren auf der Flucht vor den Wellen der französischen bürgerlichen Revolution ins DDR-Thüringen und zeigt, dass er sich dort als Chef breit machen kann. Also eigentlich zeigt er das nicht, denn der Hobbyforscher, der ihn auf die Zeitreise schickt, kommt erst 20 Jahre später an und merkt nur das Ergebnis. Die über 50 Seiten drehen sich überwiegend um Nebenhandlungen oder Behauptungen. Alles das, was spannend gewesen wäre, wird rausgeschnitten; anstattdessen gibt es einen besänftigenden Schluss, der aber Unlogiken in der Erzählperspektive verstärkt.

Auch „Das Märchen vom Träumen“ leidet unter der Vordergründigkeit der dick aufgetragenen Absicht. Ich wollte das Buch schon enttäuscht abtun, las dann aber mehrere kurze Texte nacheinander, die einfach vergnüglich oder richtig grotesk waren. Die jeweilige Kürze gönnte dem Autor, sich ganz auf seine eine Idee zu stürzen und Lesenswertes draus zu machen. Besonders „Flusspferde eingetroffen“ karikierte Kleinbürgerlichkeit ins Absurde. Die Idee: Die Heldin hört, es ist modern, Flusspferde zu besitzen, stellt sich an die DDR-typische Schlange an und erwirbt etwas, womit sie nichts anfangen, das sie aber auch nicht loswerden kann. Diese Geschichte besitzt dann auch noch eine diese Idee übersteigernde Pointe.

Die Titelgeschichte ist das nicht nur ihrer Länge wegen. Die Hauptstadtgläubigkeit der DDR-Führung verführt Möckel zu einer Geschichte, in der eine dreiteilige vernünftige, ruhige Welt gemalt wird. Die Heldin ist Dozentin an einer (haupt)städtischen Elitebildungseinrichtung. Ihr Beststudent düpiert sie bei der feierlichen Zeugnisübergabe damit, dass er nicht im Glanz des Glases bleiben möchte, sondern raus in die Praxis der „Bezirke“. Aus dem Wunsch heraus, ihn draußen wegen seines ihr unbegreiflichen Verhaltens zu befragen wird eine Reise in eine andere Welt. Manche Längen sind auch hier enthalten, aber das Ende der Geschichte vermeidet die vordergründig didaktische Lösung, sie ist poetisch und … also es wäre schade, hätte ich die nicht gelesen. Freunde von Mr. Spock von der Enterprise werden ihretwegen vielleicht knurren ...

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Tags: ddr-sozialismus, erzählungen, feudalherr, flusspferde für zuhause, grotesk, heiter, literarische kritik, vernunft & gefühl, zeitreise   (9)
 

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u-boot, symbiose, sowjetunion, weltkrieg, utopie

Das Geheimnis zweier Ozeane (Wissenschaftlich-phantastischer Roman)

Grigorij B. Adamov , Herbert Strese
Fester Einband: 431 Seiten
Erschienen bei VERLAG PROGRESS, Moskau
ISBN B001IU2E00
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Frage, wozu SF-Romane gut sind, ob sie also einen Platz innerhalb der „richtigen“ Literatur verdienen, stellt sich mir immer wieder – gerade, weil es so viel Trash dabei gibt. Aber sind nicht mehr als 80 % aller gelesenen anderen Bücher der „Belletristik“ auch Trash: Liebes- Arzt-, Heimat- und sonstwas für „Romane“?

Der Adamow-Roman erschien seinerzeit in der DDR unter dem Label „Wissenschaftlich-phantastischer Roman“ und war auf Jungen um 14 als Leser zugeschnitten.

Das Gemeine an ihm: Er erzählt Wissenschaftliches, Historisches usw. in lockerer Vermischung mit „Fantastischem“. Einem jungen Leser kann es da schon einmal passieren, dass er nicht mehr Wirkliches von Ersponnenem unterscheiden kann. Dazu trägt natürlich seine Handlungszeit bei. Der Roman liefert nämlich eine eigene Erklärung, warum Japan im 2. Weltkrieg nicht die Sowjetunion angegriffen hat. Das lag nämlich am Einsatz eines U-Bootes mit technischer Überlegenheit, Strahlenwaffen usw. Die Reise dieses U-Bootes um die Welt von der Ostsee bis nach Wladiwostok bildet den Rahmen der Handlung. An Bort befindet sich ein Verräter, der immer neu Situationen organisiert, durch die dieses Superprodukt unschädlich gemacht werden soll. Als Held der besonderen Art wirkt Pawlik, ein Junge, den das U-Boot als Zeuge eines Schiffsunglücks an Bord genommen hat. Mal bewusst, meist unbewusst sorgt er dafür, dass letztlich fast alles gut ausgeht.

Was hier teilweise ganz nebenbei beschrieben wird, regt die Fantasie sehr stark an, und „klassischer“ kann man das Prinzip der Symbiose in der Natur nicht darstellen. Gerade deshalb nimmt man die Existenz von Tiefsee-Ungeheuern als natürlich entgegen.

Pawlik ist naiv und wissbegierig. Seine Erfindung macht viele technischen, aber vor allem biologischen Erklärungen nachvollziehbar – eine Klippe, über die viele SF-Erzähler scherzhaft stolpern. Die wissen, dass der Leser eine Menge erklärt bekommen muss und lassen dies Beteiligte einander erklären – man kann aber davon ausgehen, dass in Raumschiffen auch die Nicht-Spezialisten einen groben Überblick über Grundsätzliches haben und meist nur gesagt bekommen müssten, dass dies da xxx ist. Pawlik darf über alles staunen. Dass natürlich die Sowjetmänner in dem Buch die Guten sind, versteht sich von selbst. Dass das Buch viele Forschungsfragen von Biotechnologien vorwegnimmt, spricht für den Horizont und den Optimismus des Autors.

Es lohnt sich übrigens, eine Erdkarte zur Hilfe zu nehmen und darauf die Route des Schiffes zu verfolgen. Wie gesagt, mitunter ist es schwierig zu erkennen, wann die reine Erfindung beginnt, denn man „lernt“ viel über „Kreationsweisen“ der Natur … uns spannend ist das Buch fast durchgängig. Des Action-Vorspiels, bei dem der Leser noch nichts zuordnen kann, hätte es nicht bedurft ...

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Tags: 2. weltkrieg, biotechnologien, meeresungeheuer, rapa nui, sabotageakte, schiffbruch, sowjetunion, symbiose, u-boot   (9)
 

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lanzett x, raumschiff, riesenasseln, kapitän ahab, planet

Kompaß-Bücherei, Band 325: Im Glanz der Sonne Zaurak

Michael Szameit
Flexibler Einband: 338 Seiten
Erschienen bei Neues Leben, 01.01.1985
ISBN B002FDLIGK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was erwartet man von einem SF-Roman? Je nach dem wird man diesen gut oder vielleicht bescheuert finden. Sein unbestreitbarer Vorzug: Er strotzt von geschickt gezügelter Fantasie und ist unterhaltsam und spannend. Leider leidet darunter die Logik, vor allem aber die Psychologik. Wer den Roman gleich ohne Kapitel 2 „Leander“ liest, kommt vielleicht zu anderen Schlüssen. Nach diesem Kapitel fragt man sich, wer diese Truppe als Auserlesene der Menschheit ins Weltall zu schicken verantworten wagt – und das mit einem Raumschiff, das an der Verschrottungsgrenze liegt. Dies ist selbst bei vorfallsfreien vier Flugjahren sträflich. Das Problem ist, dass ein nicht unwesentlicher Anteil an der Spannung aus dem Spannungsverhältnis zwischen diesen spätpubertären Jungs erwächst.

Was hervorragend funktioniert, ist das Verfolgen der (späteren) Handlung aus der Sicht der mit anderen, besseren Informationen Leser mit Blick auf die ahnungslosen Handelnden. Sähe der Leser in den „Angreifern“ die Riesenasseln, die die Raumfahrer sehen, wäre die Handlung sehr einschichtig.

Die Handlung zu erzählen wäre gemein. Der Autor füttert den Leser vorsätzlich mit Infos, die eine Spannungsbrille produzieren. Nur so viel: Jenes zweifelhafte Raumschiff mit seiner z.T. zweifelhaften Besatzung soll nicht nur Vermessungsaufgaben in einem entlegenen Sonnensystem durchführen, sondern auch zwei Raumfahrer retten, von denen ein verstümmelter Spruch auf der Erde angekommen ist. In wilden Abenteuern lernen sie, einander zu akzeptieren und so sehr zu mögen, dass sie sogar eine Art Meuterei wagen.

Zu den logischen Zweifelhaftigkeiten gehört die Ahnungslosigkeit der hoch entwickelten Außerirdischen, einer genetischen Manipulation, die auf einen Zeitraum von Millionen Jahren angelegt sein soll, nicht von vornherein zuzuschreiben, dass sie ein wenig aus dem Ruder läuft – noch dazu, wo sie eigentlich das macht, was die Superklugen von ihr wollten.

Der Roman ist kein typischer utopischer DDR-Roman, in dem kommunistisch angehauchte Gesellschaftsbilder gemalt werden. Seine Helden haben so viele Schwächen, dass man ihnen auf der Erde millionenfach begegnen könnte (weshalb sie eher nicht kosmostauglich wären).

Wenn er eine „Lehre“ transportiert, dann die, wie sehr das, was wir „sehen“ von dem abhängig ist, was wir (nicht) wissen. Das macht der Erzähler wunderbar. Übrigens musste ich bei einem Wiedersehen in einer „Star trek“-Folge die „Schweigenden Engel“ wieder.

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Tags: feuer speien, kadetten, kapitän ahab, lanzett x, planet, raumschiff, riesenasseln, roboter, schwule männer   (9)
 

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abgestürztes raumschiff, naturkatastrophe, kontakt, macht, sklaverei

Duell unter fremder Sonne

Klaus Klauß
Flexibler Einband
Erschienen bei Berlin Militärverlag der DDR, 01.01.1985
ISBN B002JCPGOC
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Büchlein verdient auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit.

Das Grundmuster ist einfache SF: Ein kleines Raumschiff ist unterwegs zu einem Planeten, auf dem es intelligentes Leben geben könnte. Unterwegs gibt es eine Katastrophe. Der Kapitän stirbt, das Raumschiff behält nur Reste seiner Manövrierfähigkeit. Zum Überleben müssen die fünf Kosmonauten ein fast unmögliches Landeunternehmen starten, in dessen Ergebnis sie voneinander getrennt werden. Sie geraten in die Welt eines Unterdrückungssystems. Deren Machtbasis erscheint mystisch: Der Besitz von „Mondfischen“ sichert gesundes Leben. Doch dahinter steckt der Schutz vor Strahlungsschäden. Doch wichtig ist, dass ein Volk Glatthaariger das der Krausköpfigen unterdrückt und zum Arbeiten für sie zwingt. Widerstand wurde bisher gewaltsam gebrochen. Die Menschen ähneln den Bewohnern, sind ihnen aber in Körperwuchs und Entwicklungsniveau überlegen. Ihre Vorgabe, sich nicht in die inneren Verhältnisse einzumischen, ist gegenstandslos geworden, weil sie zu Teilen der Lebensgemeinschaft werden – jeder durch den Zufall des ersten Kontakts und persönliche Eigenheiten anders. Dabei wird ausgerechnet der Kosmonaut, der das „sonnigste Gemüt“ hatte, schuldig. Er wird vorübergehend zum Werkzeug der Herrschenden. Andere werden zu Kämpfern, Gefangenen, letztlich zu Führungsgestalten in einem erfolgreichen Aufstand. Die Verknüpfung von Handlungssträngen, persönlichen Interessen und Handlungen ist dabei so komplex miteinander verwoben, dass kein Nacherzählen alles angemessen erwähnen kann. Auf kein Gestaltungselement wird verzichtet. Liebe, glückliche und unglückliche, Humor, gerade in den Versuchen zu kommunizieren, wenn die gegenseitigen Missverständnisse ausgekostet werden, Spannung und Dramatik.

Dabei versucht sich Klauß sogar daran, die Theorie des „sozialistischen Realismus“ praktisch umzusetzen: Er versucht die wesentlichen, die typischen Gruppen einer Gesellschaft in ihrem Wollen und Tun möglichst genau zu skizzieren. So gelingt es ihm auch, die Unterdrücker als eben nicht von Grund auf böse zu verurteilen.

Es lohnt sich, das Buch mehrmals zu lesen. Die einzige Gestalt, die ich dem Autor etwas verüble, weil sie zu sehr Typ geworden ist, ist das Indio-Mitglied der Crew. Und für meinen Geschmack verzichtet die Randelana zu komplikationslos auf ihre Liebe zum Mann.

Ein schmaler Band, opulent ausgestaltet.  

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Tags: abgestürztes raumschiff, aufstand, ferner planet, kontakt, macht, naturkatastrophe, sklaverei   (7)
 

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antimaterie, mond, teleskop, außerirdische, höhle

Spuren im Mondstaub

Paul Ehrhardt
Flexibler Einband
Erschienen bei NEUES LEBEN, 01.01.1981
ISBN B004PLBBHG
Genre: Sonstiges

Rezension:

Was macht eine erzählte Geschichte spannend?

Also bei einem SF-Roman erwartet man ja zumindest Spannung, wenn es nicht eine sauinteressante Gesellschaftsutopie ist. Das ist „Spuren im Mondstaub“ nicht. Leider auch nur stellenweise spannend. Das liegt zum einen an der Grundkonstellation. Es gibt keinen Gegner. Beim Kampf Mensch – Natur bzw. gegen die Relikte einer fremdkulturellen Vergangenheit erwartet der Leser von Anfang an den Sieg der Menschen. Auf die Tricks der Katastrophenfilme verzichtet der Autor auch. Er kontruiert zwar eine theoretisch ungeheure Bedrohung durch die unsicher werdende Antimaterie-Lagerstätte der untergegangenen Zivilisation der „Seleniden“ auf dem Mond, die den Erdtrabanten total zerstört hätte. Aber es tickt eben nicht unmittelbar und niemand zweifelt, dass die Menschen alle nötigen Informationen entschlüsseln und verwenden können.

Den einzigen Konfliktansatz verwandelt Ehrhardt in eine dramaturgische Sackgasse. Dass die weibliche Heldin zu einem Menschen geht, weil sie ihn für zumindest moralisch schuldig am Unfalltod ihres Geliebten hält, ist eine reizvolle Idee. Dass sie sich in den verliebt, ein nicht ungewöhnliches Handlungsmuster. Aber das Buch enthält keine Handlung, die sich aus diesem Ansatz ableitete. Ira und Ben verhalten sich exakt so, wie sie das auch getan hätten, wären sie aus beliebigen Gründen in ein Forschungsteam zusammengesteckt worden.

Leider stinken auch viele SF-Ideen nach Unsinn, nur das beispielsweise Startrek mit Märchenelementen spielt für seine Handlung, während in diesem Buch viel Nonsens als wissenschaftliches Forschungsergebnis vorgeführt wird. Nicht einmal auf einigen Pathos möchte der Autor verzichten.

Dabei sind durchaus Ansätze vorhanden, wo es hätte kribbeln können. Die Beobachtungen bei der Untersuchung des Hohlraumes unter der Mondoberfläche beweist, dass der Autor fantasievoll erzählen kann. Letztlich entsteht aber wieder ein Gleichfluss, weil die Handelnden keine unterschiedlichen Vorstellungen entwickeln, deretwegen eine Teilgruppe etwas anderes anstrebt als die größere.

Die Menschen befinden sich in „kommunistischen Verhältnissen“, aber in so gleichgeschalteten, dass sie nur sehr bedingt erstrebenswert wären.

Ach, worum es geht?

Ira leitete den Aufbau eines modernen Teleskops auf dem Mond. Gerade als sie es einer Delegation vorführen will, um ein noch vergrößertes Unternehmen zu begründen, gibt es ein die Anlage zerstörendes Beben. Derjenige, der dieses Beben hätte vorhersagen können sollen, macht seine Erkundungen, denen sich Ira als Medizinerin anschließt. Sie finden eine künstliche Megahöhle mit Objekten einer versunkenen Zivilisation. Deren vor über 1000 Jahren verstorbenen Vertreter hatten versucht, auf irgendein Problem hinzuweisen. Es handelt sich um ein neutralisierendes Gas, das gewaltige Antimaterievorräte vor dem Umweltkontakt schützen soll. Das muss in Jahrtausendabständen erneuert bzw. aktiviert werden. Dazu müssen die Lagerstätten erst einmal gefunden werden, was über ein Gerät zur Übertragung komplexer Eindrücke letztlich gelingt. Die „Seleniden“ mussten vor verschlechterten Lebensbedingungen auf die Erde fliehen, wo sie als Zwerge lebten, bis sie ausgestorben waren. Ach ja. Der Mond bildete bis vor 30000 Jahren ein Doppelplanetensysten mit dem Merkur …

Zum Vervollständigen von Sammlungen nicht vernachlässigen.

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autobiografie, frieden, kommunismu, internet, materialismus

Gemeinschaft der Glückssüchtigen

Slov ant Gali
Flexibler Einband
Erschienen bei Heinen, Wiljo, 30.04.2013
ISBN 9783955140090
Genre: Sachbücher

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Gast im Weltraum

Stanislaw Lem
Fester Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Verl. Volk u. Welt, 01.01.1956
ISBN B0000BKVXC
Genre: Sonstiges

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menschlichkei, über uns, scifi, spannend

Angela Steinmüller: Andymon - Eine Weltraum-Utopie

Angela Steinmüller
Flexibler Einband
Erschienen bei Neues Leben, 01.01.1982
ISBN B003430OSS
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Grundidee ist so einfach wie genial: Die Erde hat ein Super-Raumschiff ausgerüstet. Das fliegt in fast unendliche Ferne, wo man einen besiedlungsfähigen Planeten Andymon erhofft. Als das Ziel nur noch etwa zwei Jahrzehnte Flug entfernt ist, werden die ersten Brutstätten für Menschen aktiviert. Eine Gruppe von acht Babys wird von Androiden aufgezogen – anfangs in einem künstlichen Wildpark, später dann immer mehr in der weiteren Welt des Raumschiffs und in einer simulierten Gesamtwelt von Totaloskope, durch die die Heranwachsenden eine Vorstellung der Erde und verschiedenen gesellschaftlichen Beziehungen bekommen sollen. Alle bekommen Namen, die aus dem griechischen Alphabet abgeleitet sind, mit a am Ende, wenn wiblich, ohne , wenn männlich, alle als Querschnitt des menschlichen Erderbgutes an Rassenmerkmalen. Ich fühlte mich sofort gefesselt von dem Ideenreichtum, eine solche künstliche Kindheit zu erlesen, wobei die Autoren einen besonderen Trick verwenden: Sie erzählen alles aus der Sicht eines „Beth“, der als zweiter „geboren wurde“ und im Gruppenrollenkampf auch zweiter wird hinter dem draufgängerischen Delth, der für sich stets die Führungsrolle beansprucht und auch anerkannt bekommt. Alpha wird zur Moderatorin und sie besorgt die geschlechtliche Initiation des Beth. Ein Unfall des Draufgängers während der ersten Kämpfe mit dem feindlichen Planeten zwingt Beth, die Führungsrolle zu übernehmen, was ihm aber etwas entgleitet: Auf dem Schiff einigen sich die Kinder auf eine freiwillige Hierarchie mit einem quasi Kapitän, als es letztlich darum geht, den Planeten zu besiedeln, gehen die Interessen der Einzelnen zu weit auseinander. Dort findet sich vorübergehend ein „Resth“, der in Selbstgerechtigkeit, zu wissen, was das Beste für alle sein müsse, und sich dafür berufen zu fühlen, seine Vorstellungen den anderen aufzuzwingen. Er bringt Verleumdungen und Bespitzelungen in den gegenseitigen Umgang der Gruppen miteinander ein. Praktisch wird er aus der Gemeinschaft schließlich ausgestoßen – eine der Stellen, die für mich zu reibungslos ablaufen.

Andymon erscheint als drastisches Beispiel des Terraforming. Die Kinder werden durch ihre sehr individuelle Erziehung und Ausbildung zu praktischen Supermenschen, deren intellektuelle Reife der rationalen Rundum-Bildung nahe kommt. Die Umgestaltung des Planeten von giftiger Unbewohnbarkeit zur Lebenswelt mittels Superalge-“Impfung“hätte ich für die wenigen Achtergruppen als unlösbare Aufgabe angesehen. Hier schlägt die Grundidee, dass die Vernunft (auch) der Menschen sich den ganzen Weltraum lebensgerecht umzugestalten nicht nur in der Lage ist, sondern dass dies auch ihr innerer Zweck sei, überhohe Wellen.

Dass Beth rückblickend in chronologischer Abfolge die für ihn wichtigen Erlebnisse beschreibt, beschränkt an keiner Stelle die Spannung der Handlungsbeschreibung, auch nicht, dass er sich endlich einmal wie ein unreifer Zwanzigjähriger benimmt und nicht wie der Präsident einer Planeten-Siedlungsgemeinschaft und bei der Vorstellung, der Fall „Andymon“ sei im Wesentlichen erledigt, es müsse sofort eine weitere Expedition zum nächsten „Andymon“ vorbereitet werden, etwas übereifrig ist. Schön dabei, wie die Verhältnisse übergehen von einer äußerlich homogenen, sich einigen Gruppe zu einer Vielzahl verschiedenster Interessengrüppchen.

Während an dieser Stelle die Dynamik von Gemeinschaften erlebbar wird, über die Resth-Gestalt die Entartung einer guten Idee durch „Stasi-Methoden“ dargestellt … und abgelöst wird, benutzen die Steinmüllers einen technischen Trick, den ich ihnen verüble: Geschrieben vor 1982 liegt dem Raumschiff ein technisches Niveau zugrunde, das erst in „fernerer Zukunft“ erwartet werden kann. Die Totaloskope ermöglichen es den Heranwachsenden, in die verschiedensten Rollen während unterschiedlicher Zeiten hineinzureisen, sich als alles Damalige „zu erleben“. Zum einen wage ich den pädagogischen Erfolg zu bezweifeln, wenn wer sich selbst als weiser Herrscher des Altertums feiern lassen kann, zum anderen lassen die Steinmüllers ALLE Daten / Informationen nach dem Jahr 2000 vollständig auf Null. Keinerlei Information zur Erde der Raumschiffbauzeit oder unmittelbar davor sind zugängig. Zwar schlussfolgern die Heranwachsenden, dass die vor dem 3. Jahrtausend aufgetretenen Menschheitsprobleme logisch gelöst sein müssten – wieso sonst dieses Raumschiff – warum aber sollte dies dann diesen Kunstmenschen verheimlicht werden? Es kann nur ein dramaturgischer Zug der Autoren sein, nicht darauf eingehen zu wollen – was schlimm ist, weil es die Neusiedler ja so beschäftigt, dass am Schluss die Idee aufkommt, eine Expedition zur Erde zu unternehmen. Übrigens eine Absurdität, weil diese „Menschen“ eben keine „Erdenmenschen“ sind und sie wissen, dass die ansteuerbare Erde nichts mit ihnen und nichts mit der Totalisatoren-Erde zu tun haben kann, weil Jahrtausende abgelegen, und die Expedition fast nur Sinn hätte, wenn diese Expedition die dann-Erde im Andymonzustand antrifft und sie wieder einem Terraforming-Prozess unterzieht …

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Div. Autoren: Der Weg zur Amalthea - Eine Anthologie sowjetischer phantastischer Erzählungen

Div. Autoren
Fester Einband
Erschienen bei MIR, 01.01.1979
ISBN B00ALDQ01O
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine Anthologie mit Erzählungen unterschiedlicher Autoren zu unterschiedlichen Thematiken setzt voraus, dass jedem Leser nicht alle Geschichten gleich gut gefallen. Anthologien aus „realsozialistischen“ Zeiten haben einen praktischen Vorteil: Sie werden nicht durch urheberrechtliche Fragen eingeschränkt. Ein weiterer: Die Herausgeber / Lektoren hatten eine gute Geschmacksbildung hinter sich. Denn eine Anthologie mit Texten aus einem „Bruderland“setzte ja einen Kenntnisreichen voraus, der die Texte aussucht und mindestens einen, der sie überträgt.

Insofern lohnen sich solche Bücher immer. Ganz ohne Perlen geht so ein Werk nicht.

Zu DDR-Zeiten gab es bereits ein Begriffsproblem: Der englische Ausdruck „Science Fiction“ (Fiktion) war verpönt. Wissenschaftlich-phantastisch üblich, utopisch häufig, wobei letzteres eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen als Schwerpunkt hatte.

Beim Untertitel zu diesem Bändchen muss man aufpassen: Da steht nur „phantastisch“ und dass das nicht als Werbung gemeint war, versteht sich von selbst. Der vorsätzliche Verzicht auf das „wissenschaftlich“ wirkt hier positiv. Alle Geschichten enthalten zumindest eine Prise verschmitztes Lächeln / Grinsen. Da darf die Idee durchaus absurd sein, Hauptsache sie ist etwas grotesk, seltsam, anregend zum Kopfschütteln. Skurril, ja, das auch. Mich überzeugten die nicht zu langen Geschichten am meisten. Sie ließen sich am Stück auf eine meist eigensinnige Pointe hin verfolgen. Ich weiß nicht, was Fans von „Per Anhalter durch die Galaxis“ tatsächlich zu diesem Band sagten. An sich müssten sie DIESE Art des feinen Humors auch mögen.

Etwas hoffentlich Unbeabsichtigtes scheint noch durch: Die Welt ist etwas sehr Sowjetunion, also die Helden selbst in fernen Galaxien stammen für mein Gefühl zu oft von dort. Aber auch dort mit Kopfschütteln: In dieser „Sowjetunion ist „Futorologie“ in.

Die meisten Pointen sind überraschend. Die am wenigsten überraschende ist die vom sowjetischen Ungeheuer von Loch Ness – man brauchte sich nur die Frage stellen, welches die absurdeste Lösung mit (hier ausnahmsweise) didaktischen Zeigefinger wäre ...

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kollektiv, planet, wetter, rostock, arbeit

Der purpurne Planet

Karl-Heinz Tuschel
Fester Einband: 274 Seiten
Erschienen bei Neues Leben, 01.01.1971
ISBN B001B0JVWG
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auf dem Cover ist wie ein Markenzeichen zu sehen „SPANNEND ERZÄHLT“. Die das getan haben, taten etwas Wichtiges: Ohne, dass es außen drauf gestanden hätte, hätte man es nicht geahnt. Ich war überzeugt, jedes Buch, was in dem oberen SF-Regalteil steht, auch wirklich gelesen zu haben. Nachdem ich es jetzt gelesen habe, kann ich nur sagen, dass ich mich an nichts erinnern kann. Das liegt nicht an mir. Das Buch als Ganzes illustriert eine Absicht der DDR-Literatur, die von vornherein zum Scheitern verurteilt war: Der alltägliche Alltag der Arbeit sollte als aufregend und spannend gezeigt werden. So aber funktioniert keine Erinnerung. Man behält Außergewöhnliches, das besondere Gefühle hervorrief. Von den etwa 250 Seiten des Buches beschreiben etwa 200 was die Kosmonauten auf der Reise zu ihrem Zielplaneten gehandhabt haben, dass sie sich relativ gut verstanden haben, dass sie eine fremde Atmosphäre untersucht haben, sie durchdrangen, es nicht einfach war, die Expedition, die sich von dort nicht mehr gemeldet hatte, zu finden, und weil das Wetter dort auf die Psyche wirkte, mussten die Terraforming betreibenden Ansiedler die Retter finden und retten. Während all dieser Seiten vermeidet es Tuschel geschickt, irgendwo Dramatik aufkommen zu lassen.
Insgesamt ist es das einzige Buch, das durchgängig ohne „Feind“, ja eigentlich auch ohne „Gegenspieler“ auszukommen versucht – weshalb sich auch keine „Handlung“ ins Gedächtnis einbrennt.
Selbst der Schlussentscheidungskonflikt ist so angelegt, dass man bereits am Anfang ahnt, dass das Raumschiff nicht zurück zur Erde fliegen wird, sondern bei der Urbarmachung des Planeten helfen wird. Allerdings passiert da zumindest ein Unfall, dessen unmittelbare Folgen nicht von vornherein klar sind und auch die Beziehungen zwischen den Beteiligten sind nicht mehr bedingungslos glatt. Die Relevanz der wissenschaftlichen Erfindungen des Autors mag ich nicht beurteilen. Wenn sie nicht einen so überdimensionierten Umfang verschluckt hätten, wären sie mir auch belanglos erschienen – wen interessiert schon die Wetterentstehung in einer vorsintflutlichen, mit Asche angereicherten Atmosphäre unter besonderer Berücksichtigung elektrischer Ladungen, die in Wechselwirkung mit bestimmten teilkonstruierten Pflanzen treten? Immerhin bemüht sich Tuschel, die Harmonie sich entwickelnder kommunistischer Persönlichkeiten vorzuführen. Insofern ist das Buch lesbar und nirgendwo so abstoßend, dass man das Lesen aufgeben muss. Dieser Harmonismus wirkt allerdings bei den Abgeschiedenen naiv. Ich kann mir offen gesagt nicht vorstellen, dass bei wenigen, durch äußeren Zwang aufeinander angewiesenen Menschen natürliche Zwistigkeiten nicht nur nicht zu Kollisionen führen, sondern sogar überhaupt nicht auftreten. Wie vernünftig werden Emotionen beherrscht!
Letztlich ein Buch, das weniger literarisch unterhaltend zu empfehlen ist, sondern zum Verständnis beitragen kann, welche Illusionen einer Zukunftsgesellschaft in der DDR aufzukommen vermochten.

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Tags: anpassung, arbeit, energieversorgung, evolution, kollektiv, planet, rostock, terraforming, wetter   (9)
 

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erde, energieverbrauch, außerirdische intelligenz, dunkelstern, drachenflug

Stern auf Nullkurs. Spannend erzählt.

Klaus Frühauf
Flexibler Einband
Erschienen bei Neues Leben, 01.01.1979
ISBN B004DR3VB6
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mäßig oder schwach? Auf jeden Fall zu lang. Richtiger: Extrem wenig Handlung im Verhältnis zum Umfang ethisch-philosophischer Reflexionen. Und die auch nicht genau. Eigentlich erschöpfen die sich in der Frage / angebotenen Antwort „Ja!“ auf die Überlegung, ob die Menschheit ein Niveau erreicht hat, auch um den Preis der eigenen Einschränkung einer fremden Intelligenz deren Überlebensmöglichkeit zu gewähren.
Immerhin: An der Fragestellung und der Antwort ersieht man: DDR-Utopie, die voraussetzt, dass die gesamte Menschheit in kommunistischen Verhältnissen lebt. Oder eigentlich … Nein, der Autor kann sich echten Kommunismus nicht vorstellen. Er lässt eine Vertreterversammlung für die Menschen entscheiden.
Handlung?
Kalo bastelt an theoretischen Konzepten für den Kontaktaufbau mit fremden Intelligenzen, leidet darunter, mit seinem Glauben daran nicht ernst genommen zu werden. Dann wird er angefordert, auf dem Pluto bei der Annäherung eines künstlichen Dunkelsterns beratend mitzuwirken. Eklige Flugwesen versuchen dort zu landen. Scheinbar wird die Plutostation mit harter Strahlung beschossen. Zusammen mit zwei anderen Menschen startet Kalo zu dem / den Fremden, die ihm telepatischen Einblick in ihr Wesen und ihre Geschichte gewähren. Sie sind irgendwelche insektenähnlichen Imagos, die technisch hoch entwickelt sind und weil sie ihre physikalische Materie wegbrennen, nach einer Sonne suchen. Ihre Versuche, die Folgen des Eintritts ins Sonnensystem der Menschen zu testen, führen zu Komplikationen. Die Menschheit entscheidet sich für ihre Rettung, nachdem sie sich für den Weiterflug und den eigenen Untergang entschieden haben.
Einen breiten Raum nimmt Kalos Beziehungsentwicklung ein. Als begeisterter Drachensportflieger wird er Vater einer Tochter mit einer Japanerin. Sein damals ärgster Konkurrent übernimmt diese Japanerin wieder, als Kalo von einer Blondine angenommen wird, mit der die beiden Männer im All unterwegs waren. Ach ja, und als die Blondine einen Unfall hat, wird Kalo sein Gefühl klar und die „Astraten“ beseitigen den Schaden, den ihr Erscheinen erst verursacht hatte. Den Hauch von SF-Action bekommt die Geschichte durch den Einsatz eines Kyborgs als Pilot der Menschen und von „Zoomaten“ seitens der Insekten. Mit beiden kommen anfangs die beteiligten Menschen nicht recht klar.
Der Autor vermeidet es dabei geschickt, die jeweiligen Situationen bis zu dem Punkt auszureizen, an dem die Handlung selbst richtig spannend geworden wäre. Da blendet er ab.
Für das Lesevergnügen verkniff ich mir Nachforschungen zu den Existenzbedingungen auf Merkur und Pluto. Trotzdem meldete sich gelegentlich das astronomische Allgemeinwissen, das meinte, die dorthin fantasierten Formen und Bedingungen seinen nicht nur schlicht falsch, sondern der Autor hätte sich das 1979 schon denken können müssen.
Was bleibt? Die Anderen sind eben Anders, aber man kann mit ihnen auskommen. Die Menschen sind individuell und vor lauter Konflikten nicht vorausberechenbar, aber das hat sein Gutes … Die Entwicklung des Internets mit seinen Möglichkeiten ist am Ende des 3. Jahrtausends unserer Zeitrechnung noch nicht wirklich wirklich ...

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Tags: außerirdische intelligenz, drachenflug, dunkelstern, energieverbrauch, erde, evolution, gedankenübertragung, höherentwicklung, imagos, kyborg, lebensraum, merkur, pluto, raumflug, zusammenleben   (15)
 

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abenteuer, piraten, schatzinsel, jim, schwarzer fleck

Die Schatzinsel (RUB, 0242)


Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam Verlag, 01.01.1980
ISBN B004DAZ3OQ
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Nachwort ist eines der für DDR-Verhältnisse kürzesten und schlechtesten. Man möchte etwas über Autor und Werk sagen und das soll positiv sein. Aber die wahrscheinliche Wahrheit wagte man nicht nackt aufzuschreiben: R.L. Stevenson hatte einfach Spaß am Fabulieren und der paarte sich mit Talent und Gespür dafür, wie man spannende Geschichten strickt.
Anstatt dessen sucht man nach ethischen Werten wie Gerechtigkeit u.ä. Dabei ist „Die Schatzinsel“ ein politisch-moralisch total abgestanden reaktionäres Machwerk und im höchsten Maße naiv in der Moral: Ein Squire, ein Herr also, ist das Musterbild edlen Adels, der Arzt ist nur fleißig und gut, der Kapitän triefend dienstbereit, der Seemann, der zu den Guten geht, ist eben gut … und die Seeräubermatrosen sind dumm und Säufer.
Wahrscheinlich hatte Stevenson nie vor – so wie das der Nachwortschreiber ihm unterstellte, Charaktere zu schaffen. Aber seine legendäre Figur des John Silver ist das wichtigste Spannungselement. Wie schwach wäre die Geschichte geraten, wäre er genauso vorhersehbar in seinen Handlungen wie die anderen Bösewichte. Das Gruseln erwächst ja gerade daraus, dass man in jeder Situation auf sein taktierendes Hin und Her gefasst sein muss. Und er erkennt den Jungen Jim Hawkins als idealen Ich-Erzähler. Der muss naiv sein. Der darf gewitzt sein. Der darf mit dem Gedanken spielen, dass die „Dummheiten“, die er macht, zum letztlich glücklichen Ende führen. Nur einmal weicht er grundsätzlich von dieser Perspektive ab, was mich gestört hat. Ansonsten spielt Stevenson vergnügt mit dem, was der Leser noch nicht wissen kann.
Eigentlich ist die Geschichte leicht erzählt: Ein Junge gerät durch einen Gast in den Besitz einer Schatzkarte. Der Edle, der ein Schiff ausrüstet, den Schatz in Besitz zu nehmen, vertraut einem Seeräuber an, die Masse der Matrosen auszusuchen. Das sind dann also Seeräuber, die den Schatz für sich wollen. Vor der Katastrophe belauscht der Junge ein verräterisches Gespräch, sodass eine Blitzüberrumpelung scheitert. In Kämpfen und persönlichen Entscheidungen verändert sich das anfangs sehr ungünstige Kräfteverhältnis zugunsten der „guten“ Schatzsucher. Mit Hilfe eines auf der Insel Ausgesetzten bergen diese den Schatz. Der Anführer der Piraten schlägt sich auf deren Seite und sichert sich einen Anteil an der Beute.
Man mag übe die Erzählung denken wie man will – sie ist DER Klassiker der modernen Abenteuerliteratur.

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Tags: abenteuer, ausgesetzt, blockhaus, jim, john silver, kapitän, piraten, schatzinsel, schiff, schwarzer fleck   (10)
 

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junge, paris, freundschaft, geschwister, heldenmut

Victor Hugo: Gavroche

Victor Hugo
Flexibler Einband
Erschienen bei Kinderbuchverlag, 01.01.1979
ISBN B007R2W6RO
Genre: Sonstiges

Rezension:

Victor Hugo ist mir der Altmeister des Kolportage-Romans, ein emotionaler Revolutionär dazu. Bei seinnem Buch „Die Elenden“ musste ich über Einiges hinwegsehen – es klang nicht nur in einem Sinn „abenteuerlich“. Vieles erinnert an den Graf von „Monte Cristo“. So kann man den Roman auch lesen. Ein „gestohlenes“ Brot verursacht eine Kette wilder Abenteuer und Intrigen.
Als ich diesen Roman in der DDR-Reihe „Bibliothek der Weltliteratur“ las, ahnte ich nicht, dass der Text nachlektoriert, also leicht gestrafft worden war. Man griff also „Wesentliches“ heraus.
„Gavroche“ wiederum ist innerhalb dessen etwas Herausgegriffenes, das die DDR-Verantwortlichen für geeignet hielten, es zur Herausbildung eines revolutionären Geistes der Schüler zu verwenden.
Wie da in einem großen Roman herumgeschnippelt wurde, fällt einem Schüler nicht auf. Und es ist richtig: Auch heute ist der Text für jedes Alter lesbar.
„Kolportage“, man könnte auch sagen, hier hat der Autor richtig fett in die Psychokiste gegriffen, finde ich Folgendes: Gavroches Vater erkennt seinen Sohn nicht, als der ihn bei der Flucht aus dem Knast hilft – obwohl er darauf angesprochen wird und der 11jährige den Vater sofort erkannt hatte – Gavroche sorgt für einen Tag und eine Nacht für seine kleinen Brüder, ohne deren Identität zu ahnen, … und sein „revolutionärer Geist“ ist noch willkürlicher erfunden wie die Szene, in der erals Mischung aus Hans im Glück und Heiligem Martin einen Dieb beklaut, um einen bedürftigen Alten zu beschenken, ohne selbst etwas von der Beute zu behalten.
Hugo versucht dabei eine zutiefst menschliche Ethik fassbar zu machen: Gavroche hat einfach Spaß daran, heimlich einen anderen glücklich zu sehen, von dem er meint, der wäre zu schwach, um sich selbst um sein Glück zu kümmern und überhaupt sei es toll, damit groß tun zu können, Schwächeren zu helfen.
Gut. Eigentlich ist auch der letzte Auftritt nur ein künstlerisches Bild. Ein Kind, das singt, während es intensiv beschossen wird und wertvolle Munition im Schussfeld zwischen den Fronten sammelt, ist … ich weiß nicht was, aber eigentlich nur ein Versuch, dem traurigen Tod etwas Heroisches zu geben.
Während der Gesamtroman „Die Elenden“ ein sehr umfassendes Personen-Netz spinnt, bleibt bei „Gavroche“ eine Verwunderungsbotschaft übrig: Im übelsten menschlich verkommenen Schlamm erblühen Wesen, die nur einer freundlichen Welt bedürften, dann wären sie ganz Große, so sind sie tragische Große. Gavroche, der freche Pariser Junge (sein „Name“ heißt das auch), ist verblüffend wissbegierig und wissend und trotz der persönlich erfahrenen Schlechtigkeiten einfach „gut“ - man sieht es nur nicht auf den ersten Blick.
Lassen wir weg, dass das Buch 1832 spielt und dass es bestimmte drastische Formen der Armut in den europäischen Metropolen nicht mehr so gibt, so bleibt doch trotzdem: Die Verhältnisse, gegen die der Junge aufbegehrte, sind noch nicht beseitigt.
Die DDR, die aus diesem Stück Abenteuerbuch ein Stück moralische Reifung hatte machen wollte, hat den Versuch nicht zum erfolgreichen Ende gebracht. Eine Tradition, an die es anzuknüpften lohnt, hat Hugo aber auf jeden Fall begründet ...

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Tags: 1832, armut, barrikade, dieb, familie, frech, freunde des abc, freundschaft, fürsorge, gesang, geschwister, heldenmut, junge, paris, revolution, verräter   (16)
 

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raumsicherheit, raumschiff, ddr-literatur, gravitationsfront, außerirdische

Alarm im Tunnel Transterra

Michael Szameit
Fester Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Neues Leben Berlin, 01.01.1982
ISBN B001BN5RD0
Genre: Fantasy

Rezension:

Dieser Roman könnte echt spannend gelesen werden. Er strotzt vor nicht alltäglichen Ideen und ethischen Überlegungen. Aber man muss sich sehr überwinden dafür. Er leidet an seiner Grundkonstellation. 1982 veröffentlicht geht er davon aus, dass „die Menschheit“ im Wesentlichen den Kapitalismus besiegt hat, die Welt, also Erde + Weltraum, ist frei, nur ein paar extreme Kapitalisten mit Anhängern haben sich in ein kleines Inselreich Korenth geflüchtet. Von dorther kämpfen sie mit allen Mitteln des Bösen um Macht. Ein solches Mittel sind Zuchtwesen, die biologische Grundkomponenten als Mensch haben, aber an Maschinen angeschlossen werden. Ein solches Wesen ist Bob, der Pilot des kleinem Raumschiffs, das die Landungszone einer Raumflotte mit 40000 Menschen Besatzung von einem unerklärlichen Eindringling befreien soll. Bob, für sich allein irgendwie ein Dreijähriger wird mit dem Raumschiff und seiner Technik zu einem Superwesen. Außerdem fliegt ein positiver Mensch-Held mit, Emanuel Pyron genannt, und Magister Spinx als Korenther mit gelegentlichen menschlichen Anwandlungen.
Der Zweikampf zwischen den Beiden muss unter der äußeren Oberfläche bleiben, da Zufälle sie zur gemeinsamen Unternehmung zusammengesperrt hat. Allerdings ist Bob nicht so hilflos, wie dies anfangs schien …
Das gemeinsame Ziel: Eine riesige Raumflotte soll einen „Tunnel“ durchfliegen, der besonders materiearm sein sollte, in dem aber ein riesiges Objekt materialisiert ist. Das stellt sich als außerirdischer Raumflugkörper mit Kollisionsschäden heraus. Bob wiederum erweist sich als Aufständiger, der den Magister wegen erkannter menschlicher Verhaltensweisen für den Geheimbund gewinnen soll. Dummerweise bastelt Pyron ein Gerät, das zwar seinen erhofften Zweck nicht erfüllt, aber einen „Funkspruch“ abfängt, wodurch Bob vorzeitig enttarnt wird.
Der Autor spielt so ganz nebenbei mit dem Geheimnis ominöser „Sonnensteine“, das nie ganz enthüllt wird, das aber immer wieder eine Rolle spielt.
Das Abenteuer gestaltet sich von den Personen in unmittelbarem Beieinander übersichtlich. Das sind nämlich nur die drei. Dafür wirbeln äußere Umstände immer wieder deren Beziehungen zueinander durcheinander.
Es wäre unfair, die Handlung zu erzählen. Aber man könnte mit dem Wissen ans Lesen gehen, dass ein verehrter Vorgesetzter wegen eines großen gutwilligen Fehlers seines Kommandos enthoben werden wird. Und der Autor wird Zusammenhänge aus diesem Abenteuer – besonders die, die nicht restlos geklärt werden, in einem in einer späteren Generation spielenden Roman „Das Geheimnis der Sonnensteine“ wieder aufgreifen.
Ach ja … und die unfreiwillig Zusammengesperrten müssen einige ethische Diskussionen führen und handeln, obwohl sie dabei zu keiner Einigung kommen konnten … teilweise eben gemeinsam ...

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