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Nichts bleibt

Willi Achten
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 10.02.2017
ISBN 9783865325686
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Der gerade erschienene Roman „Nichts bleibt“ von Willi Achten ist eine echte Überraschung. Als Krimi vom Pendragon Verlag ausgewiesen, sprengt er die Grenzen des Genres.
Erzählt wird aus der Perspektive von Franz Mathys, ein Kriegsfotograf, der nach der Trennung von seiner Frau mit Vater und Sohn zurückgezogen in einem Haus im Wald lebt und dort ein vermeintliches Idyll gefunden hat. Großvater und Enkel beginnen dort passioniert eine Brieftaubenzucht. In der näheren Umgebung leben andere der Natur verschriebene Outlaws. Das Leben in dieser Männerwelt scheint wie ein Leben im Exil. Mathys, der berühmt wurde für seine Fotografien von Steinigungen in Somalia und eine Dokumentation des Massakers von Srebrenica, der den Krieg in Afghanistan und dem Südsudan fotografiert hat, scheint im Wald den Fluchtpunkt vor dem Bösen in der Welt und den Abgründen in den Menschen gefunden zu haben – und ist doch nur  ein Scheinidyll. Mathys muss schmerzlich erkennen, dass es keinen Rückzug gibt vor dem, was auf ihn zukommt:
Mit poetisch-schöner, mal mit kühler und knapper Sprache erzählt Achten nun die  Geschichte von Verlust und Rache: Sein Sohn, der wie auch der Vater im Roman namenlos bleibt und stets nur der Junge genannt wird, erkrankt schwer an einer allergischen Reaktion gegen seine Brieftauben, die Mathys daraufhin töten muss, um eine Genesung des schwer gezeichneten Kindes zu ermöglichen und die kleine selbst geschaffene Welt aufrechtzuerhalten. Mehr noch: Nachdem der Junge erneut nur knapp mit dem Leben davonkommt, er wäre fast in einem See ertrunken, nimmt seine Mutter ihn zu sich und ihrem neuen Lebensgefährten in die Schweiz. Der Großvater des Jungen wird einige Zeit später von zwei Männern, die, wie Mathys später erfahren wird, absurde und manierierte Kunstprojekte über das Quälen und Töten von Tieren praktizieren, vor seinen Augen nieder- und in letzter Konsequenz auch totgeschlagen.
Genau dieser ist der Moment, in welchem der Protagonist beschließt zu handeln, in dem er den Schritt geht, von der Rolle des bloßen Fotografen und Dokumentators in die des Agierenden: Ein Mann, der getrieben von dem Wunsch, dass den Tätern Gerechtigkeit widerfahren möge, auf einen langen und einsamen Weg der Rache abbiegt, der letztlich für die totale Einsamkeit sorgen wird und nur wenig Erlösung bringen kann.
Um auf die einleitend erwähnten Genrefragen zurückzukommen: Achtens Roman ist letztlich ein wie Thriller konzipiertes Psychogramm einer verletzten Seele. In den langen Bewusstseinsströmen des Icherzählers wird das Bild eines Mannes gezeichnet, der vor lauter Desillusionierung letztlich nichts mehr zu verlieren hat und daher bereit ist, aufs Ganze zu gehen und Rache zu üben.
Es ist ein Roman, der das Gute und Böse im Menschen auslotet. Was den Roman so besonders macht, ist die überragende sprachliche Ausgestaltung. Auf die detaillierte Schilderung einer Steinigung folgen poetisch ausgearbeitete Naturbeschreibungen sowie höchst empathische Skizzierungen der Vater-Sohn-Beziehung. Dies alles geschieht mithilfe nicht linear verlaufender Zeitebenen, die sehr geschickt an den richtigen Stellen kreuzen und miteinander verwoben werden. 
„Nichts bleibt“ ist ein mit sprachlicher Eleganz geschriebener, literarisch anspruchsvoller Roman, der viel Spannung bietet.

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