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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

silber, stefan steinmetz, misshandlung, expedition, dinosaurier

Aufziehmädchen Emma: Ein Steampunkroman

Stefan Steinmetz
E-Buch Text: 735 Seiten
Erschienen bei null, 21.10.2015
ISBN B0170JSQ40
Genre: Sonstiges

Rezension:

‚Hättest du nicht Lust, einen Steampunkroman zu lesen‘, fragte mich der Autor per Mail. ‚Klar gerne‘, antwortete ich und dachte erst nach Erhalt des Buches ‚Was ist eigentlich Steampunk?‘. Inzwischen, nach der Lektüre dieses Buches, weiß ich es und keine Sorge, wenn ihr weiterlest, werde ich es euch auch verraten.

Alles dreht sich um Emma. Emma ist die Tochter eines Professoren Heisenberg, der sich ein Luftschiff mietet, um einen neuen Kontinent zu ent- und sich mit Silber von dort einzudecken. Emma assistiert ihrem Vater, spricht zahlreiche Sprachen, zeichnet exzellent und ist generell stets an der Seite ihres Vaters. Und, was man auch recht schnell merkt, sie ist halb mechanisch. Nach einem Attentat auf sie hat ihr Vater ihr ein mechanisches Herz, eine mechanische Lunge und ein künstliches Auge eingebaut. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass ihr Vater diese Mechaniken nutzt, um sie zu konditionieren, um sie gefügig zu machen – denn er hat die Kontrolle über ihren Aufziehschlüssel. Auch die Luftschiffbesatzung wird darauf aufmerksam und so nutzt sie die Situation auf dem Luftschiff auf, um Emma im Rahmen ihres Möglichen einige Freiheiten zu gewähren. Immer mehr Ungereimtheiten treten auf und es wird klar, dass der Professor nur ein herrschsüchtiger Jäger nach Silber ist, er keine wissenschaftlichen, sondern nur kommerzielle Motive hat. Nach der Entdeckung des Kontinents dort wird die Besatzung von den Einheimischen festgenommen, Emma kann durch ihre Mechanizität ihre Befreiung veranlassen; die Einheimischen sehen sie als Göttin an und sorgt dafür, dass ihr Vater mit seinem Assistenten gefangen gehalten bleibt. Nach einem Aufenthalt dort und einem Showdown auf der Rückreise ist der Vater besiegt, doch Emma wurde getroffen und muss operiert werden – Christian, der Bordkapitän, der auch in sie verliebt ist – hatte schon unterwegs ein neues Uhrwerk angefertigt. Doch nach der Operation ist Emma wie nach einem Schlaganfall kaum ansprechbar. Nach der Rückkehr nach Bayern kehren sie bei einem Bergvolk an einer heilenden Quelle ein, wo Emma geheilt werden soll – doch das Wasser der Quelle allein reicht noch nicht. Und auch nach dieser Episode vergeht noch einige Zeit, bis sich schließlich alles zum Guten wenden kann.

Mit fast 300 Wörtern ist das eine unfassbar lange Zusammenfassung gewesen – und doch habe ich das Gefühl, kaum einen Eindruck vom Buch wiedergeben zu können, weil das Buch einfach enorm umfangreich ist. Meine Ausgabe hat 450 Seiten, die Schrift ist winzig und die Seiten groß. Inzwischen gibt es eine Ausgabe mit 700 Seiten, die eine etwas größere Schrift hat, aber auch an dieser wurde noch die kleine Schriftart bemängelt. Der Roman ist einfach irre umfangreich und es passiert jede Menge – was aber nicht unbedingt negativ zu verstehen ist. Ich finde, an einigen Stellen hätte man kürzen können, hätte man gut und gerne etwas weglassen können, einige Situationen neigen auch dazu, sich zu wiederholen. Andererseits ist es durchaus nachvollziehbar, dass Steinmetz sich in Details verstrickt, weil es in einer Parallelwelt spielt, in der alles erklärungsbedürftig ist. So war das auch gar nicht störend, lediglich Kleinigkeiten sind eben irgendwann redundant. Ganz persönlich hätte ich noch anzumerken, dass ich Verschriftlichungen von Dialekt nicht mag. Das ist so eine Eigenheit von mir, die mir im Buch aber das ein- oder andere Mal aufgefallen ist.

Insgesamt aber fand ich das Buch mehr als gelungen. Es fühlt sich an, als befänden wir uns im frühen 19. Jahrhundert, Dampfmaschine und Elektrizität sind die Neuerungen der Stunde, Mechanik und Elektrik die dominierenden Motive des Buches. Und ziemlich genau dieser Geist der Weltausstellung von Chicago, der Eisenbahnen und Luftschiffe ist es, der das ganze Steampunk-Genre ausmacht. Es ist eine wahrhaft faszinierende Zeit, auch mein Lieblingsautor Hohlbein siedelt seine phantastischen Geschichten oft in dieser Zeit an.

Die Charaktere sind klar definiert und machen im Prinzip nur wenig an Entwicklung durch. Heisenberg als zunächst versteckter Antagonist, Emma als die Hauptfigur, die auch tatsächlich eine emanzipative Wandlung durchmacht, viele weitere Charaktere bleiben allerdings eher unverändert – und das ist auch gut so, weil sie einen festen Bezugsrahmen für die ohnehin schon sehr dynamische Handlung mit häufigen Orts- und Besetzungswechseln bieten. So ist es dann auch in der Natur der Sache, dass trotz eines umfangreichen Epilogs und vieler abgeschlossener Enden einige Handlungsstränge unvollendet bleiben. Aber wirklich dramatisch ist auch das nicht, denn die enorm starke Handlung und die vielen guten Ideen des Romans trösten über diese kleinen Schwachstellen bei weitem hinweg.

Wer also gerne Steampunkromane, also quasi die industrialisierte Form von Fantasyromanen, die ja gerne in einem stilisierten Mittelalter angesiedelt sind, liest, findet im Aufziehmädchen Emma einen wirklich gelungenen Vertreter seiner Art, bei dem man sich auf eine lange Reise einlässt, aber mit einer wahnsinnig starken Geschichte belohnt wird. Für das Buch vergebe ich so gut und gerne 4/5 Sternen. Überflüssig zu erwähnen, dass man dem Buch höchstens am Satz ansieht, dass es ‚nur‘ von einem Indie-Autor stammt, oder?

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gesellschaftskritik, gesellschaft, zweiseiteneinermauer, dystopie, zombies

Zwei Seiten einer Mauer

Alexander Stapper
Flexibler Einband: 348 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 02.12.2015
ISBN 9783739212074
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Alexander Stapper schrieb mir eine Mail, ob ich nicht Lust hätte, seinen Debütroman zu rezensieren. Er beschrieb ihn als eine Dystopie, die das Mauermotiv auf eine etwas andere Art und Weise aufgreifen würde, gleichsam für Jugendliche wie für Erwachsene geeignet. Weil das Thema Dystopie ja auch hier im Blog immer mal wieder aufgegriffen wird, dachte ich mir, dass das ein durchaus reizvolles Buch sein könnte und ich sagte zu. Und enttäuscht wurde ich wahrlich nicht.

Wir befinden uns in einer kleinen Stadt. Nach einer großen Epidemie wurde eine Mauer gebaut, um die Infizierten aus der Stadt fernzuhalten; die Bewohner organisieren sich selbstständig und versuchen – durch Ackerbau, Arbeit und Selbstverwaltung – ihre Zukunft zu sichern. Dabei werden sie von einem hohen Rat regiert. Eine Gruppe Jugendlicher, unter ihnen Theo, fängt an Fragen zu stellen. Nicht laut, aber im Geheimen fragen sie sich, warum so viele scheinbar sinnlose Regeln das Leben der Bewohner einschränken, vor allem aber, warum niemand je den hohen Rat sah und warum sie wirklich nach Abschluss der Schule 12 Stunden am Tag arbeiten müssen. Sie stoßen darauf, dass es nächtliche Transporte gibt und dass im Krankenhaus ziemliches Schweigen in Bezug auf die Patienten gibt. Und dort verschwand einer ihrer guten Freunde und kehrte nie wieder zurück. Schließlich stoßen sie auf eine Reihe von Lügen und Geheimnissen, die ihre gesamte Existenz in Frage stellt.

Zwar ist Stappers Dystopie für ein Jugendbuch schon relativ umfangreich, dennoch war mir dieses Buch entschieden zu kurz. In einer solchen neuen Welt ist einfach alles erklärungsbedürftig, weil das gesamte Leben auf eine völlig andere Weise organisiert ist, als es bei uns funktioniert. Stapper nimmt sich für die Beschreibung des Alltags und des Lebens innerhalb der Mauer viel Zeit und schafft es, ein konsistentes Bild dieser postapokalyptischen Welt zu zeichnen. Es liegt dann ein bisschen in der Natur der Sache, dass die Dekonstruktion der Welt, die darauf folgt, dann etwas kurz geraten ist. Die zahlreichen neuen Ebenen, die dann im zweiten Teil des Buches eingeführt werden, werden teilweise dann nur so weit wie nötig beschrieben, dabei wäre es unglaublich spannend gewesen, dort noch viel mehr Details zu erfahren.

Dafür jetzt aber große Abstriche in der Bewertung zu machen, wäre schlichtweg nicht angemessen. Stapper schreibt modern und lebendig, die Protagonisten, die sogar noch eine kleine Liebesgeschichte umgibt, sind durchweg in sich schlüssig und handeln nachvollziehbar, sie sind mehr als nur Mittel zur Handlung, sondern harmonieren gut mit der Geschichte. Der Roman lässt sich gut lesen, er ist spannend geschrieben und die Thematik des Romans ist höchst brisant. Ich hatte schon mehrmals davon gesprochen, dass im Moment die Jugenddystopien wie Pilze aus dem Boden schießen und es liegt Nahe, auch Zwei Seiten einer Mauer dieser Strömung zuzuordnen. Die Thematik einer Gesellschaftslüge, in der eine ganze Gruppe von Menschen gelassen wird, ist eine, die nicht grundsätzlich neu ist, aber die hier in einer Perspektive aufgegriffen wird, die ungewöhnlich ist. Der Fokus liegt hier auf der Mauer. Mauern finden sich in vielen dieser Dystopien, sie sind fast schon notwendiges Element einer Dystopie, aber oft ist die Mauer metaphorisch, in den Köpfen vorhanden oder nur Beiwerk. Hier ist sie von Anfang an handlungstragend; aus ihr entwickelt sich die Handlung und sie ist es, die den Konflikt zum Ausdruck bringt. Es ist weniger ein Roman über das Eingesperrt sein, als einer über das Herausfinden von Widersprüchen eines gesellschaftlichen Narrativs – denn nichts anderes unternehmen die Jugendlichen.

Ich denke, es ist offensichtlich geworden, dass ich mit Stappers Debütroman einiges anfangen konnte. Als ich den Titel las, dachte ich zunächst an eine Art Wenderoman, damit hat der Roman jedoch gar nichts zu tun. Wer also eine gut geschriebene Jugenddystopie sucht – und vielleicht nicht immer bei den großen Publikumsverlagen einkaufen möchte – ist mit diesem Indie-Roman gut bedient. Denn die für Bücher im Selbstverlag typischen Kinderkrankheiten sind praktisch nicht vorhanden, der Roman hätte genauso gut einen großen Verlag finden können. Und mit knapp drei Euro für das eBook ist das überdies noch ein Schnäppchen. In diesem Sinne vergebe ich gerne 4/5 Sternen für die gelungene Dystopie und freue mich schon auf mögliche weitere Romane des Autors.

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erotik, horror

Lillian - Straße der Sünde

Christopher Crane
E-Buch Text: 381 Seiten
Erschienen bei null, 17.01.2016
ISBN B01AS6T8VC
Genre: Sonstiges

Rezension:

Per Mail kam schon vor einiger Zeit die Frage, ob ich gerne mal einen schönen Horrorroman lesen wollen würde, was ich dann auch bejahte. Ich bekam also Lillian – Straße der Sünde zugeschickt und habe mich auf viel Blut und Spannung gefreut – und wurde nicht enttäuscht.

Lillian und Frank sind ein Paar, eine Architektin und ein studierter Florist und halten sich mehr schlecht als Recht über Wasser – bis dann eine Erbschaft kommt, die die beiden in das Dorf Shuus verschlägt. Neben einem Blumenladen, den sie dort übernehmen und einer besonderen Blume, die ihnen Reichtum bringen soll, passieren Lillian merkwürdige Dinge, sie sieht Gestalten – und schließlich kommt eskaliert die Situation. Lillian gerät in eine Art Blutrausch und tötet in wilder Hatz alle Hunde im Dorf. Vor Gericht wird sie enorm schnell verurteilt und gerät in eine Irrenanstalt, in der grausame Experimente durchgeführt werden. Und die Gestalt, die sie sieht, lässt sie nicht mehr los. Natürlich unternimmt Frank alles, um Lillian aus diesem verrückten Haus zu befreien, aber was daraufhin geschieht, gleicht einer Apokalypse – inklusive gefallener Engel und wilder Russen mit Maschinengewehren.

Ich muss sagen, mich hat das Buch zunächst etwas verwirrt. Ich konnte es am Anfang nicht einordnen, denn über die ersten hundert Seiten passiert zunächst nicht viel, Frank und Lillian haben sehr viel Sex und richten sich in Shuus ein, bauen den Blumenladen auf, haben noch mehr Sex und freuen sich, dass das Leben es so gut mit ihnen meint. Im Prinzip ist das Buch in drei Teile geteilt. Die Geschichte von Frank und Lillian, die Geschichte der Irrenanstalt und die Engelsgeschichte. Das sind im Wesentlichen drei Geschichten, die nur durch die Figur Lillian und ihren, fast schon biblisch anmutenden (einige Geistliche treten auch auf) Kampf gegen den Dämon, der sie verflucht hat. Und ich muss leider sagen, dass ich finde, dass dieser dreifache Kursus nicht völlig durchdacht ist.

Die erste Geschichte über Lillian und Frank ist schön zu lesen und es tut gut, über einige Seiten einem Pärchen einfach mal beim Leben zuzuschauen. Mir persönlich war es etwas viel Sex, aber das ist sicherlich auch Geschmackssache. Aber im Kontext des Romans, der ja kaum 500 Seiten umfasst, ist es einfach zu umfangreich geraten, vor allem, weil einige Stränge und Personen nicht zu Ende geführt werden. Es dient dazu, Shuus als Handlungsort zu etablieren und das passiert auch gut, man kann sich gut in das Leben der beiden hineindenken. Dann passiert das beschriebene Ereignis und Geschichte zwei beginnt. Und hier beginnen einige Logiklücken, das Irrenhaus selbst ist so grausam wie unvorstellbar, aber was passiert mit dem Heim danach? Die Polizei muss doch noch ermitteln, was kommt dabei heraus, wie wird der Missbrauch dort bestraft? Hier wären mehr Hintergründe und mehr Details schön gewesen – und auch etwas mehr Horror wäre nicht zu viel gewesen. Die dritte Geschichte um die Engel fand ich ziemlich verworren, es geht alles enorm schnell und Hintergründe und Details werden kaum noch genannt. Insgesamt hätte es mir gefallen, wenn diesem Teil, der in rund 100 Seiten abgehandelt wird und eigentlich der Kern des Buches ist – die anderen beiden Teile sind eigentlich nur Exposition und erregendes Moment – etwas mehr Raum zugestanden worden wäre.

Das klang jetzt erstmal alles recht negativ und auch die Charaktere sind nur teilweise schön ausdifferenziert, Frank und Lillian sind noch recht lebendige und sich entwickelnde Charaktere, aber die zahlreichen Nebenfiguren bleiben mitunter sehr blass. Dennoch heißt das nicht, dass Straße der Sünde kein lesenswertes Buch ist. Die Geschichte selbst ist nämlich ziemlich spannend angelegt, diese biblisch inspirierte Dämonengeschichte gefällt mir ungeheuer gut und Lillian und Frank sind zwei sehr sympathetische Charaktere, denen man gerne zuhört. Ich hatte auch durchaus Spaß beim Lesen und konnte mir damit zwei eher unangenehme Bahnfahrten versüßen. Trotz der oben aufgeführten Schwächen würde ich dem Roman durchaus 3/5 Sternen geben – eine tolle Idee, deren Umsetzung nicht so ganz optimal war, aber dennoch sehr lesenswert ist.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

biographien, stars, journalist

Ich, Harald Schmidt: Die ganze unfassbare Wahrheit über mein Leben

Rob Vegas
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.11.2015
ISBN 9783442158881
Genre: Humor

Rezension:

Rob Vegas ist knapp über dreißig und hat schon fast alles erreicht. Der sympathische Showmaster mit abgebrochenem Politikstudium wurde um 2006 herum zu einem der ersten Internetstars mit seiner Show bei Sevenload und schreibt mit dem falschen Twitter-Account von Harald Schmidt noch immer regelmäßig Schlagzeilen. Klamauk, Politik, Satire, Medienkritik. Und: Niemand geht so herrlich offen mit Unternehmenskooperationen, wie beispielsweise Mazda oder Ford um. Nun also ein Buch. Und zwar nicht im kleinen Selbstverlag, sondern mit durchaus ordentlicher Promotion bei Goldmann/Random House. Ich verfolge seine Aktivitäten im Netz schon seit Jahren und so kam es – natürlich über Twitter – dazu, dass er mir sein Buch als Rezensionsexemplar zukommen ließ. Danke dafür und Grüße bitte.

Rob sagt, er wollte eigentlich ein Buch über sich selbst schreiben, der Verlag fand es aber besser, wenn man Harald Schmidt aufs Cover schreiben kann und so wurde das eben auch gemacht. Das Buch ist ohne Mitwirkung Schmidts entstanden und ist sozusagen eine gefälschte Autobiographie vom Late-Night Urgestein Harald Schmidt, geschrieben von Rob Vegas, dem Betreiber des falschen Twitteraccounts, den Schmidt als Werkzeug zur ‚Verschleierung seiner Identität’ sieht. Also wühlte sich Robert Michel, wie Rob Vegas mit bürgerlichem Namen heißt durch sämtliche Interviews, sah sich alte Aufzeichnungen an und wo er Lücken fand, hat er die Inhalte, die Innenwelten und die Reflexionen schlicht dazugedichtet und dabei durchaus auch mal Anekdoten aus der eigenen Biographie ergänzt, wenn sie denn passten.

So erleben wir in diesem Buch einen fiktiven Harald Schmidt, wie er komischer kaum sein könnte. Vom Elternhaus samt Katholizismus über die Schauspielschule und Engagements im Theater, über die Anfänge im Kabarett bis zum Sprung ins Fernsehen und bis hin zur größen Samstagabendshow der ARD, über etliche Senderwechsel der Late-Night Show bis hin zum sanften Abschied mit einem fast leerstehenden Geisterstudio und zwei Wochen Traumschiff-Drehs im Jahr. Schmidt rechnet dabei nicht nur mit seinen ehemaligen Sidekicks und Sendern ab, sondern beschreibt vor allem auch, wie er die Zeiten wahrgenommen hat, was ihn angetrieben hat und wie er seine Ziele erreicht hat, er erzählt von seinen Macken und Eigenheiten, beispielsweise seinem exzessiven Konsum von freiverkäuflichen Erkältungsmedikamenten, seinen Schwierigekeiten im sozialen Umgang, er erzählt davon, wie er lange unentdeckt blieb und sozusagen als Underdog ins Kabarett kam, um dieses Sprungbrett dann für die große Karriere zu nutzen, wie sich aber auch da schnell Routine einschleicht und dieses große Late-Night-Gespenst an Reiz verliert, wenn man es jahrzehntelang tut.

Was mich an diesem Buch fasziniert hat, ist, dass man zwar genau weiß, dass sich Rob Vegas viele Teile der Autobiografie ausgedacht hat, aber sie für mich immer schlüssig und nachvollziehbar klang. Ich kenne Schmidt nicht näher, vermutlich bin ich ein paar Jahre zu jung, um ihn an seinem Höhepunkt wirklich mitbekommen zu haben, ich kenne ein paar Ausschnitte aus der Harald-Schmidt Show, habe ein paar Folgen auch ganz gesehen, aber bin im Prinzip nicht wahnsinnig über diese Person im Bilde. Und dennoch fühlte sich das für mich alles total stimmig an, die Anekdoten wirken alle durchaus passend, manche Passage liest man und denkt sich ‚Ja, das klingt genau wie Schmidt’, weiß aber nie, ob das jetzt dazugedichtet wurde oder nicht.

Letzten Endes kommt es darauf gar nicht an. Rob hat mit seinen Tweets in den letzten Jahren das Bild von Schmidt wesentlich mitgeprägt, seine Tweets werden in großen Zeitungen unter Schmidts Namen abgedruckt, selbst im Fernsehen kommt er vor, er ist auf Twitter durchaus ein relevanter Meinungsmacher. Und ich vermute, kaum jemand kennt Schmidt so gut wie Rob, ohne dass er ihn einmal getroffen hat.

Alles in allem ist Rob Vegas damit ein wirklich tolles Buch gelungen, das sich nicht nur flüßig und amüsant liest, sondern vor allem die wahre Persönlichkeit von Schmidt noch weiter vernebelt und dennoch aufklärt. Gefüllt mit zahlreichen Running Gags, mit ernsten Stellen, gesellschaftlichen Aussagen und voller scharfer Kritik am digitalen Lebensstandard, ist das Buch nicht nur eine Empfehlung für alle Fans von Harald Schmidt, sondern generell für jeden, der sich ein paar schöne Stunden damit geben möchte. Besonders empfehlenswert ist übrigens auch das Hörbuch, das direkt bei fairmedia zu beziehen ist und nicht nur von Roland Baisch gelesen wurde, sondern durch die Dialoge zwischen Baisch und Rob Vegas zu einer Art Directors-Cut des Buches wird, bei der der gelesene Text oftmals noch diskutiert und weiter mit Hintergrundinfos angereichert wird. Vor allem aber ist es einfach witzig.

Rob Vegas bekommt für sein Totholzdebüt von mir eigentlich 4/5 Sternen. Das Hörbuch allerdings wäre mir glatt noch einen Stern mehr wert, sodass ich der Mischung halber auf 4,5/5 Sterne komme. Und weil ich hier nur ganze Sterne vergeben darf, werden es dann doch fünf. .  Ein sehr amüsantes Buch für zwischendurch, das zwischen Autobiographie und Roman mäandert und das verrückte Leben über einen Moderator, der noch vor 15 Jahren zu den ganz großen zählte und nun seine Karriere mit dem Traumschiff ausklingen lässt, erzählt. Gönnen wir es ihm und erfreuen uns stattdessen hoffentlich noch lange an den Tweets von Rob Vegas als falscher Harald Schmidt.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

maschinen, wolfgang hohlbein, hohlbein, science fiction, fantasy

Irondead - Der achte Tag

Wolfgang Hohlbein
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei INK, 03.09.2015
ISBN 9783863960773
Genre: Fantasy

Rezension:

Kaum eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes legt Wolfgang Hohlbein in diesem Jahr den Nachfolger vor – und das obwohl in diesem Jahr noch drei weitere Bücher vom produktiven Autor erscheinen. Auch diesen zweiten Band stellte mir der Egmont INK Verlag netterweise wieder als Rezensionsexemplar zur Verfügung – vielen Dank dafür!

Nachdem im letzten Band der Hive, die Schwarmintelligenz der Maschinenwesen, besiegt wurde, erhält Inspektor Quinn von einem Sir Arthur einen Auftrag: Er soll herausfinden, was es mit dem Offizier, der seinen Vorgesetzten ermordet haben soll, nun aber Meerjungfrauen dafür verantwortlich macht, auf sich hat. Auf dem Weg dorthin passieren aber seltsame Ereignisse, er erhält Warnungen und sieht mysteriöse Phänomene, glaubt aber noch nicht daran, dass es mit dem Hive zu tun hat.

Beim Gefangenen – illegalerweise – angekommen, setzt sich die Reihe unerhörter Ereignisse fort. Gitterstäbe verhalten sich wie Quecksilber und es öffnen sich die Tore zum versunkenen Teil der Stadt – und natürlich warten dort wieder kaum besiegbare, menschenähnliche Maschinen auf Quinn und seinen Begleiter. Vom Admiral zunächst festgenommen, zur Verschwiegenheit genötigt, kommen die beiden auf freien Fuß, ihr Weg führt sie aber – zum Zwischenbericht zu Sir Arthur – und damit in Richtung der Titanic, auf der eine Feier stattfindet.

Und es passiert, was passieren musste: Allison, die sich noch im letzten Band geopfert hat, um den Hive zu besiegen, ist wieder zurück. Und es entbrennt ein Kampf um das größte Schiff, die Titanic, auf der ein mutierter Rest des Hives sein Unwesen treibt, was vom Rest des Hives verhindert werden soll.

Wozu das Ganze jetzt führt, will ich an dieser Stelle nicht verraten, aber ich denke, wer ein bisschen mit dem Stil Hohlbeins vertraut ist, ahnt schon, was hier passiert. Ich fühlte mich – mal wieder – zwischen Lovecraft und Star Treks Borg gefangen, es kommen Tentakel vor, es kommen Maschinenwesen vor – und dass die Maschinenwesen noch die Ausgeburt von ‚tieferen Wesen’ sein soll, ist regelmäßigen Lesern dieses Blogs sicher noch aus Hohlbeins Hexer von Salem vertraut. Man könnte Hohlbein also unterstellen, dass er seine alten Ideen nur recycelt und mit neuen Charakteren anreichert. Aber ähnliches gilt sicher auch bereits für den Vorgängerband und wurde dort schon angesprochen.

Zum zweiten Band kann ich nur sagen: Er hat mich gut unterhalten. Ich habe schon oft erwähnt, dass Hohlbein keine Höhenkammliteratur schreiben möchte, sondern sich freut, wenn er es schafft, den Leser gut zu unterhalten. Und das hat geklappt. Ich hatte einige Stunden viel Spaß, konnte mich vom Stress des Alltags lösen und in die Welt eintauchen. Typisch für Hohlbein ist der Schreibstil, der dauernde Spannung erzeugt – aber in diesem Band ist das nicht so atemberaubend wie in einigen anderen Büchern, es gibt immer mal wieder Ruhepausen, wo die Protagonisten und wir Leser mit ihnen in Ruhe reflektieren können, was gerade geschehen ist.

Was die Charaktere angeht, war ich rundum glücklich. Quinn ist so ein bisschen der naive und emotional gesteuerte Protagonist, er bekommt einen fähigen Sidekick, der neben einigen dümmlichen Kommentaren auch einige wirklich wichtige Handlungselemente vorantreibt, mit Nikola Tesla ist auch der etwas eingebildetete und völlig verrückte Erfinder wieder an Bord. Spannend fand ich, wie differenziert der Hive hier dargestellt wird. Der Hive ist nicht nur einfach das Böse in Person, sondern er wird hier nochmal differenziert dargestellt. Die Wesen des Hive ähneln realen Personen, kennen ihr Schicksal und sind durch das Kollektiv sehr mächtig – unterscheiden sich aber auch von realen Menschen in ihrer Denk- und Handlungsweise. Scheinbar stehen sie sogar auf einer Seite mit den Menschen, denn sie versuchen ja, das Überleben der Menschheit zu sichern.

Wie so oft bei Hohlbein bleiben viele Fragen offen. Auf welcher Seite steht der Admiral, der ja einiges zu wissen scheint; was haben die tiefen Wesen für einen Plan – und was hat Quinn mit seiner letzten Handlung im Buch ausgelöst. Wie immer ist der Weg für eine Fortsetzung geebnet und ich würde mich freuen, wenn es – vielleicht erneut in eineinhalb Jahren – mit der Geschichte um den sympathischen Privatdetektiv Quinn und das inzwischen ziemlich differenzierte Kontinuum weitergeht.

Ist Irondead nur ein Neuaufguss von Motiven, die Hohlbein seit über 30 Jahren in seinen Büchern verarbeitet? Vielleicht. Ist der Roman trotzdem spannend und gut zu lesen? Ja. Es muss nicht immer etwas total innovatives sein, für spannende Unterhaltung sorgt Hohlbein auch noch nach über 30 Jahren. Natürlich habe ich inzwischen auch schon ziemlich viel von Hohlbein gelesen, vielleicht nimmt man das, wenn man gerade erst ein oder zwei andere Bücher von ihm gelesen hat, anders wahr und freut sich über diese coolen Ideen des Romans. In jedem Fall aber schreibt Hohlbein spannend, der Roman hat auch keine wirklichen Längen und das Ende ist durchaus zufriedenstellend. Wer Hohlbein mag, wer den ersten Band mochte, wird auch mit diesem Buch seine Freude haben – und für alle Hohlbein-Neulinge könnte der erste Band mal einen Blick wert sein. Denn für spannende, leicht zu lesende Phantastik ist Hohlbein auch im Jahr 2015 noch immer eine gute Wahl, für die ich gerne 3,5/5 Sternen vergebe. Jetzt habe ich ein bisschen mit mir gehadert, ob ich auf drei Sterne ab- oder auf vier Sterne aufrunden soll. Ich habe mich für die vier Sterne entschieden. Nur drei Sterne zu geben, finde ich schon irgendwie hart, denn dazu hatte ich gefühlsmäßig einfach zu viel Spaß beim lesen. Vielleicht ist das dann einfach der Fan-Bonus

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

game of thrones, postapokalypse, fiktion, abenteuer, dystophie

Der Untergang Europas: Erstes Buch - Vorbei und lange vergessen

Dietmar L. Kauscheder
Flexibler Einband: 380 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 04.02.2014
ISBN 9781495443756
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dietmar Kauscheder schrieb mich an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sein Buch 'Der Untergang Europas - Vorbei und lange vergessen' zu rezensieren. Und weil das Genre interessant klang, war es für mich auch kein Hindernis, meinen eBook-Reader herauszukramen und frisch aufzuladen - und ich sagte zu.

Richtig im Trend sind ja im Moment Dystopien mit phantastischen Elementen, meistens als Jugendbuch verpackt - aber auch an klassischer Science-Fiction oder Zombieromanen herrscht kein Mangel. Was man aber beeindruckend selten findet, sind echte Zukunftsvisionen. Ohne übersinnliche Elemente oder Zombieviren, einfach eine düstere Zukunftsvision Europas. Diese baut Dietmar Kauscheder in seinem Buch auf:

Europa ist nach zahlreichen Schicksalsschlägen im 21. Jahrhundert dem Untergang geweiht. Massive Klimaveränderungen und die Polschmelze haben Europa halb untergehen lassen und halb in eine Steppe verwandelt. Die Gegend um die Ukraine ist nach Kernkraftunfällen unbewohnbar und durch einen Computervirus ist das gesamte, maschinell gespeicherte Wissen verlorengegangen und es kann nun einzig und allein auf Bücher zurückgegriffen werden. Die Anfang des Jahrhunderts diskutierte Reindustrialisierung scheiterte und so hat Europa nun nicht nur massive Probleme mit der Stromversorgung des Kontinents, sondern auch mit der Erzeugung von Rohstoffen. Es wirkt inzwischen so, als sei man größtenteils zu einem vorindustriellen Zustand zurückgekommen, durch die Auflösung der Europäischen Union und das Scheitern der Demokratien gewinnt nun die Friedenspolitik eine ganz neue Bedeutung.

In diese Situation hinein kommt Lukas, Sohn des österreichischen Monarchen, der immer wieder vom Hofe ausreißt, um die Welt draußen selbst zu erleben. Auf einem dieser Trips erzählt ihm eine gute Freundin, Karo, von ihrem Dorf, in dem Lukas' seit Jahren verschleppte Schwester von ihren Entführern gegen Entlohnung der Dorfbewohner festgehalten wurde. Kurz darauf wird Karo entführt und Lukas beginnt mit einem ihm zugewiesenen Major die Suche nach ihr und den Spuren seiner Schwester.

Gleichzeitig lässt London zum Angriff blasen und setzt mit einigen Soldaten nach Frankreich über. Eine Gruppe von Veteranen löst sich jedoch von der Armee, da sie sich mit der etwas verschobenen Soldatenethik der Jungsoldaten nicht anfreunden können. Sie schließen sich mit französischen Jungen zusammen, die auf dem Weg nach Süden sind, um mit ihnen vor dem Krieg zu fliehen.

Parallel dazu finden im Osten Verhandlungen statt, ob Sankt Petersburg nicht dem Städtebund des Baltikums beitreten soll. Hier lernen wir Agneta kennen, die mit einem Jungenanbendelt, den sie im vergangenen Sommer kennenlernte, und dann aus heiterem Himmel zum Opfer der Verhandlungen zwischen den adligen Häusern wird.

Kauscheder unterteilt sein Buch in gut ein Dutzend Kapitel und in jedem Kapitel, das aus mehreren Abschnitten besteht, wechselt die aktuelle Perspektive. Was in diesem ersten Band allerdings noch nicht passiert, ist, dass die Stränge zusammengeführt werden. Am Ende des Bandes gibt es zwar noch einige Wendungen, aber was die drei Stränge miteinander zu tun haben, wird noch nicht deutlich. Hier bin ich auf die kommenden Bände gespannt.

Mir gefiel Der Untergang Europas ausgesprochen gut. Ich glaube, ich habe selten so eine interessante Zukunftsvision gelesen. Sehr gelungen finde ich die Beschreibung der Welt. Wir wissen am Anfag noch nicht genau, was alles passiert ist, werden aber kurz in die Geschichte eingeführt. Zu Beginn jeden Kapitels erfahren wir zusätzliche Details des historischen Ablaufes. Soweit ich das überblicken konnte, sind die geschilderten Ereignisse allesamt schlüssig, nachvollziehbar und ohne Widersprüche. Natürlich wirkt das alles etwas extrem pessimistisch und die Kombination der Ereignisse ist sicherlich unwahrscheinlich, aber die Ereignisse selbst sind allesamt durchaus denkbar.

Die Geschichte, der Plot, die Handlung des Buches waren klasse angelegt. Es liest sich wie eine abgefahrene Mischung aus historischem Roman und Science-Fiction. Die Verweise auf die Vergangenheit sind äußerst amüsant und mitunter erschreckend zu lesen, es ist mal beklemmend, mal amüsant zu lesen, wie die Gesellschaft in 75 Jahren aussehen könnte, aber ich fühlte mich in diesem Buch immer gut aufgehoben. Das liegt natürlich auch an den Charakteren. Die Charaktere sind lebendig beschrieben und man hat nicht das Gefühl, sie handeln plump und eindimensional, viel mehr wirkt es so, als wären die Charaktere allesamt vielschichtig und gut durchdacht - sonst hätten die Wendungen am Ende des Bandes auch nicht so gut gewirkt. Große Charakterentwicklung ist noch nicht entscheidend passiert, an einigen Stellen klingt das mal an - aber das ist für einen ersten Band, eine Exposition ja auch ganz natürlich; ich denke, hier werden die anderen Bände ansetzen.

Noch ein Wort zur Sprache: Der Sprachstil ist sehr angenehm zu lesen. Es hebt sich jetzt nicht, wie ein Hemmingway heraus, aber die Sprache ist funktional, gut beschreibend, das Buch ist ausreichend umfangreich um die Welt schlüssig zu beschreiben (es sind knapp 500 Seiten) und insgesamt war es einfach jederzeit gut zu lesen, anspruchsvoll, aber nicht überfordernd und sehr zugänglich.

Insgesamt gefiel mir Der Untergang Europas ausgesprochen gut, es war eine klasse Geschichte, ein sehr guter erster Band und mal etwas neues im Dystopien-Einheitsbrei. Eine erfrischende Idee mit dem richtigen Maß zwischen Beklemmung und Unterhaltung, für die ich gerne 4,5/5 Sternen gebe und für Lovelybooks gerne auf fünf Sterne aufrunde. Und dass ich hier einen Indie-Autor und kein Buch eines großen Verlags lese, hatte ich nach den ersten Seiten schon vergessen. Ich freue mich schon auf den zweiten Band.

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12 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

rebellen, science fiction, weltraum, raumstation, koalitionen

Der Blutende Planet

Markus L. Stettler
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Stettler, Markus L., 15.08.2015
ISBN 9783952447918
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Vor einiger Zeit hatte ich mal angekündigt, demnächst auch mal Bücher zu lesen, die nicht von großen Verlagen beworben werden, sondern von Kleinverlagen oder Selbstverlegern auf den Markt gebracht werden, welchen dann naturgemäß wenig Aufmerksamkeit zukommt. Markus L. Stettler kontaktierte und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, sein Buch zu besprechen und schickte mir dieses dann auch prompt aus der Schweiz zur Rezension zu. Vielen Dank dafür!

Der blutende Planet ist der erste große Roman in dieser Serie, es gibt bereits eine Novelle, die als Prequel dient und frei verfügbar ist; für den Dezember ist ein zweiter Band angekündigt. Wie der Titel nahelegt, handelt es sich um eine Science-Fiction-Saga, die sich mit nichts geringerem, als der großen Frage nach Selbstbestimmtheit befasst:

In einer anderen Welt wurde nach den großen Kriegen eine neue Gesellschaftsordnung eingeführt. Um Kriege zu verhindern gibt es eine klare Trennung zwischen der arbeitenden und produzierenden Kaste, den Kriegern und der Wissenschaftsreligion. Im zweiten Lebensjahr werden die Kinder mittels DNA-Analyse einer Gruppe zugewiesen. Widerständler gibt es kaum, Geheimnisse jedoch umso mehr. Drei Individuen, Leos, ein Offizier mit besonderem Hintergrund, Franzin, ein junger, querdenkender Mönch und eine nicht registrierte Rebellin begehren zunächst unbewusst gegen diese Gesellschaft auf und decken nach und nach die Geheimnisse und Lügen auf, auf denen die Welt basiert. Dabei kommt es nicht nur zum Konflikt zwischen den Parteien untereinander und gegen geheime Hintermänner, sondern auch ganz persönliche Schicksale spielen eine Rolle. Wer ist wirklich Leos Familie, wer ist diese nicht registrierte Rebellin – und wie kann der junge Mönch, der in Unmündigkeit aufwuchs, sein Wissen für die Welt nutzen?

Wir tauchen schließlich in einen offenen Krieg ein, in dem ein ganzer Planet, der zur Energiegewinnung genutzt wird, gesprengt werden soll, um an ein uraltes Geheimnis zu kommen, welches nur noch in Märchen thematisiert wird. Doch davon weiß niemand, nur ein geheimnisvoller Unbekannter, welcher mit einer geheimen und inoffiziellen Gruppierung die Geschicke lenkt, weiß was passiert. Als dann auch noch der alte, fast vergessene Adel eingreift, ändert sich alles und die Grundlagen für eine gesamte Revolution des Universums werden gelegt.

Ich will es ganz am Anfang sagen: Das Buch ist lang. Es ist gar nicht mal die Zahl von 550 Seiten, es sind eher die ziemlich großen und eng bedruckten Seiten. Ad-hoc geschätzt würde ich vermuten, dass es in einem ‚klassischen‘ Taschenbuchformat sicherlich 700-800 Seiten umfassen würde. Das passt allerdings sehr gut zu der Geschichte, denn sie trägt sich über diese 550 Seiten wirklich gut. Wir haben es hier mit einem klassischen Science-Fiction-Roman zu tun. Es hat nichts von einer Space Opera, es ist keine bloße Weltraumgeschichte, sondern ganz im Zeichen der frühen Science-Fiction-Romane ist eine Art Dystopie miteingewoben, die zunächst in der Gesellschaftsordnung und Charakterzeichnung den Lehrbuchmerkmalen entspricht, diese aber nicht einfach nur übernimmt, sondern noch weiterverarbeitet und in einen modernen Science-Fiction-Roman überführt.

Die Charaktere und deren Entwicklung gefallen mir ausgesprochen gut. Die ersten paar Seiten ist es noch etwas schwierig, hineinzufinden, aber wenn man die vier Handlungsstränge dann erstmal kennengelernt hat und auseinanderhalten kann, fühlt man sich sehr schnell wohl in der Geschichte, die nicht nur ziemlich gut zusammenhängt und deren Stränge gut zusammen finden, sondern deren Charaktere stets noch eine unerwartete Vergangenheit in sich tragen. Durch die gute Länge der Geschichte bekommen sie auch die Chance, richtig aufzugehen und sich zu entwickeln. Um nicht zu viel zu verraten, will ich an dieser Stelle nur erwähnen, dass keiner der Charaktere so eindimensional ist, wie sie auf den ersten Seiten noch scheinen mögen.

Und um noch einmal auf die Geschichte an sich einzugehen: Es sind klassische Motive der Science-Fiction dabei, keine Frage. Raumstationen, Raumschlachten, Attentate, Kämpfe auf den Planeten, groß inszenierte Einzelkämpfe, groß inszenierte Schlachten, modernste Technik trifft auf antiquierte Werte und Märchen werden zu Wahrheiten. Die Geschichte um die vier Energien und die etwas vage Vergangenheit dieser Welt gefällt mir ausgesprochen gut, das Konzept einer Wissenschaftsreligion finde ich auf verschiedenen Ebenen sehr gelungen und die ganzen Absprachen von geheimen Organisationen ist quasi symptomatisch für unsere Zeit. Ich denke, mein Punkt wird deutlich: In diesem Roman steckt für jeden etwas. Etwas Gesellschaftskritik, etwas Dystopie, etwas Science-Fiction und eine sehr harmonische Mischung aus allem.

Insgesamt bin ich von diesem Buch – meinem ersten Kontakt mit einem Independent Schriftsteller – sehr angetan. Ich freue mich wirklich darauf, einen kommenden zweiten Band zu lesen und hatte unglaublich viel Spaß dabei, den Charakteren durch ihre persönliche Wandlung und durch den eng gewobenen Plot zu folgen. Und die typischen Ängste, die man bei Indie-Autoren hat („fehlendes Lektorat, doofer Satz, schlechte Geschichten, weil sonst wären sie ja bei einem großen Verlag erschienen“) waren allesamt unberechtigt. Es ist ein wirklich tolles Buch, für das ich gerne 4,5/5 Sternen gebe und dann auch lieber noch auf 5 Sterne aufrunde.  Und ganz ehrlich: Für den günstigen Preis von 3,99€ für das eBook solltet ihr dieses Buch auch alle lesen – zumindest wenn ihr glaubt, es könnte euch interessieren.

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i, fantas, mark barnes, trilogie

Das schwarze Herz

Mark Barnes ,
Flexibler Einband: 612 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.11.2014
ISBN 9783442269983
Genre: Fantasy

Rezension:

Mark Barnes Debütroman, ‚Echos der Vergangenheit‘ rezensierte ich im Mai und war gemischter Gefühle, einerseits gefiel mir die Welt, andererseits fand ich es auch irgendwie schwer zugänglich und nicht so wahnsinnig schön beschrieben. Und ich muss sagen, meine Haltung zum ersten Band scheint sich auf die gesamte Serie übertragen zu lassen. Denn heute wird es im zweiten Band wieder genau um diese Themen gehen. Auch dieser Band wurde mir vom blanvalet-Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Corajidin möchte weiterhin Alleinherrscher werden und kämpft mit seiner Krankheit. Indris und die andere Fraktion halten dagegen und stellen ihre Gegenkandidatin auf – und sind sich ihrer Sache auch relativ sicher. Sie wissen jedoch nicht, mit welchen Methoden Corijidin nach der Macht strebt. Um seine Krankheit zu erleichtern, aber auch um zunächst seinen Sohn und am Ende auch seine Frau von den Toten zurückzuholen, bedient er sich der Macht der Hexen, eine Macht, die seit Jahrhunderten, seit den großen Kriegen unangetastet blieb – aus dem Grund, dass so etwas, wie die großen Kriege nie wieder passieren sollte. Während Indris mit Corijidins Tochter, die auf seiner Seite zu stehen scheint, eine Affäre beginnt, wird er mehrfach von den Angehörigen seiner Fraktion festgenommen, da er die Antwort auf alte Geheimnisse in sich zu tragen scheint, mit denen das Blatt noch gewendet werden kann – so muss Indris noch in seiner Vergangenheit wühlen. Dass seine verschwunden geglaubte Ehefrau dann auch noch auftaucht und enthüllt, dass es ihr Auftrag war, sicherzustellen, dass Indris dieses Wissen erhält, macht das Chaos perfekt. Corajidin unterdies lässt sich mit Hilfe der Hexen zum Alleinherrscher auf fünf Jahre krönen und genießt nun uneingeschränkte Macht. Allerdings hat das Bündnis mit den Hexen seinen Preis, der nun gezahlt werden muss.

In der Einleitung habe ich es schon angedeutet, uneingeschränkt glücklich bin ich auch mit dem zweiten Band nicht so ganz. Im Wesentlichen lässt sich meine Kritik auf zwei Punkte verdichten:

Ich habe keine Orientierung. Es ist zwar vorne im Buch eine Karte, aber es fühlt sich so an, als würde das ganze Buch in einer Stadt und Umland spielen, so schnell wie die Charaktere von Ort zu Ort zu hüpfen scheinen, am Ende ist dann Mari mit dem Schiff irgendwohin unterwegs – ich konnte die Ortswechsel nicht wirklich mitverfolgen und fühlte mich ein bisschen verloren in der Welt. Dafür verantwortlich ist auch der zweite Punkt:

Es wird unglaublich viel miteinander gesprochen. Das ist prinzipiell auch kein Problem, stumme Charaktere wären ziemlich doof, aber ich habe das Gefühl, dieses Buch besteht zu 90% aus Gesprächssequenzen, in denen eine Figur etwas mit einer anderen Figur bespricht und den Fortgang der Handlung beschreibt. Landschaftsbeschreibungen, ausführliches Beschreiben des wirklich Geschehenden und tatsächlich das Gefühl mittendrin zu sein, kommen dabei leider zu kurz – auch deswegen hatte ich Probleme, mit dem Buch wirklich warm zu werden.

Genug gemeckert, das hat das Buch nämlich eigentlich gar nicht verdient. Auch wenn ich mir wünschen würde, etwas näher bei den Ereignissen zu sein und mir die wenigen echten Kampfszenen auch gerne noch ausführlicher gewünscht hätte, ist Das schwarze Herz ein wirklich lesenswerter Fantasy-Roman. Die Geschichte selbst ist ziemlich gut angelegt und gefällt mir ausgesprochen gut, auch die Festnahmen von Indris, das Beziehungsdilemma und die Probleme mit der Familie Corajidins sind klasse gemacht. Da das Buch ziemlich charakterbetont ist, fühlt man sich zumindest bei den Charakteren schnell wohl und versteht recht gut, warum sie so handeln (müssen), wie sie es tun. Das Prophezeiungselement, von dem ich im ersten Band sprach, taucht auch hier wieder in einigen Passagen auf und lässt einen Blick aufs Ende zu.

Ich bin etwas unschlüssig, wie viele Sterne ich geben möchte, denn trotz der recht deutlichen Schwächen bleibt Das schwarze Herz ein guter und lesenswerter Fantasy-Roman, der nie zu meinen Lieblingsbüchern gehören wird, aber dennoch, gerade eben für Genrefans, die beziehungsbetonte Fantasy mit technologisch angehauchter Magie mögen, ist die Reihe wirklich toll. Aber weil ich auch die Welt etwas seltsam finde – viele Aspekte aus ‚unserer‘ Welt sind nur übernommen – bleibe ich mal bei 3/5 Sternen – werde aber natürlich dennoch das Ende lesen und hoffe auf einen tollen und ausführlich beschriebenen Showdown!

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

fantas, trilogie

Echos der Vergangenheit

Mark Barnes , Waltraud Horbas
Flexibler Einband: 612 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 21.04.2014
ISBN 9783442269846
Genre: Fantasy

Rezension:

Auf dieses Buch bin ich auf der letztjährigen Buchmesse gestoßen. Es wurde zwar gar nicht so groß präsentiert, aber es stand dort so am Stand herum und es gefiel mir ganz gut. Es ist wohl das Romandebüt eines australischen Autors, der zuvor Creative Consultant für Fernsehserien war und als Trilogie angelegt, dessen dritter Band im September dieses Jahres erscheint. Das mir vorliegende Exemplar wurde mir vom Blanvalet zur Rezension zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür. 

In diesem ersten Band lernen wir zunächst die Welt kennen, in der sich uns Indris, ein hoher Kriegsmagier vorstellt, der nach einer Schlacht dazu überredet wird, bei seinem Haus zu bleiben und nicht mit einer Freundin fortzuziehen, um weiteres Unheil abzuwenden. Ihm gegenüber steht Corajidin, ein sehr kranker Mann, der machthungrig und einem Orakelspruch folgend zum Herrscher der Stadt gewählt werden will. Doch sein Weg ist voller Terror und nur weil er Reliquien einer längst verlorenen Kultur ausgräbt und diese für seinen Zweck benutzt, schafft er es überhaupt bis dahin. Indris hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit seinen Freunden und Verbündeten gegen ihn zu intrigieren und gegen ihn zu kämpfen.

Ich muss sagen, ich fand den Einstieg ziemlich schwierig. Erst so nach 200 Seiten war ich langsam mit der Welt und den Charakteren warm. Bemerkenswert ist, dass die Welt nicht wirklich einem typischen ‚stilisiertem europäischem Mittelalter‘, wie man es normalerweise findet, gleicht. Es gibt scheinbar solche Sachen wie Sturmgewehre, anscheinen auch Fluggeräte… andererseits wird doch viel mit den typischen Schwertern, Bögen und Äxten gekämpft. Das fand ich etwas schwer zugänglich, weil auch nicht so wirklich erklärt wurde, wie man sich die Geräte vorzustellen hat – und wie das Setting der Welt sein soll. Außerdem wird man am Anfang mit extrem vielen Namen und Konstellationen konfrontiert. All das macht den Einstieg wirklich schwierig – vor allem, weil man auch total viel Irrelevantes erfährt, was auf die Handlung nicht wirklich einen Einfluss hat. Ich bin ja immer ein großer Freund davon, wenn man in einem ersten Band immer ein bisschen zurückfährt und erstmal die Welt ein bisschen einführt, bis man dann vielleicht an dessen Ende mal mit den ganzen Figurenkonstellationen konfrontiert wird. Aber okay, vielleicht bin ich da von der Askir-Reihe und der ganzen Urban-Fantasy der letzten Jahre etwas verwöhnt.

Später entfaltet der Band dann wieder seine ganze Spannung – und die magische Fähigkeit der ‚Disentropie‘ wird wirklich vielseitig und auf beeindruckende Weise eingesetzt. Generell gefällt mir diese Form von Magie – die im Prinzip wohl auf eine Manipulation der Thermodynamik herausläuft – ziemlich gut, weil sie relativ wissenschaftlich angehaucht ist. Und auf den letzten 300 Seiten, wenn dann das Spiel gegen Corajidin wirklich anläuft, gewinnen die Charaktere noch viel an Lebendigkeit und Tiefe und werden zu wirklichen Sympathieträgern. Die angedeuteten Liebschaften finde ich auch schön passend, generell ist die Figurenkonstellation wirklich gut ausgestaltet – wenn man sie denn erstmal herausklamüsert hat. Und mit dem wissenschaftlichen Touch und der scheinbar in Ansätzen vorhandenen modernen Technik hebt sich diese Serie auch durchaus von der üblichen Fantasy-Kost mit bösen Orks und Zwergen ab.

Insgesamt würde ich den Band nicht uneingeschränkt empfehlen. Gerade, wenn ihr bisher noch nie High-Fantasy gelesen habt, ist diese Serie sicherlich kein optimaler Einstieg. Aber alle Veteranen des Genres werden sicherlich viel Spaß haben und mal ein paar neue Akzente finden, die man so bisher noch nicht gesehen hat. Ich hoffe auf einen wahnsinnig starken zweiten Band, weil das Ende wirklich gelungen ist und die Charaktere noch viel Potenzial bieten – und wer bei den Prophezeiungen gut aufgepasst hat, kann auch so ein bisschen was voraussagen – das finde ich ja immer ziemlich spannend. Insgesamt vergebe ich also folgerichtig 3(,5)/5 Sternen für einen etwas speziellen aber ziemlich spannenden Opener einer vielversprechenden Trilogie.

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168 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fantasy, gewalt, intrigen, high fantasy, magie

Kriegsklingen

Joe Abercrombie , Kirsten Borchardt
Flexibler Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.02.2013
ISBN 9783453314405
Genre: Fantasy

Rezension:

Dieses Buch habe ich als Rezensionsexemplar des Heyne-Verlags zugeschickt bekommen, vielen Dank dafür! Es handelt sich hierbei um den ersten Band der hochgelobten ‚First Law‘ –Trilogie von Joe Abercrombie, die gerade in Deutschland ziemlich populär geworden ist.

Wir lernen im Wesentlichen drei wichtige Menschen kennen. Inquisitor Glotka, der selbst einst zum Krüppel gefoltert wurde und nun im Dienst der Inquisition dasselbe tut. Offizier Luthar ist ein relativ arroganter Adelsschnösel, der für Ruhm und Ehre fechten möchte und Probleme mit seiner Disziplin hat. Logan, genannt Neunfinger-Logan hat einst einen Finger in der Schlacht verloren und wurde von seiner Gruppe getrennt, um dem ersten der Magier zu begegnen.

Es zieht ein großer Krieg auf, die bestehenden Verhältnisse werden radikal umgemünzt, als ein Diktator aus dem Norden, ein Barbar sich entschließt, dem Königreich mit drei Schädeln den Krieg zu erklären. Logan und der Magi ziehen in Richtung der Stadt, während sich Luthar auf sein Tunier vorbereitet und Goltka gerade einige große Fänge macht und damit die Tuchhändlergilde stürzt. Dann findet das Tunier statt, bei dem Luthar gegen alle möglichen Gegner kämpfen muss und die Inquisition gerade versucht, dem Magi seinen Betrug nachzuweisen.

Alles in allem seht ihr oben schon, dass es sich hierbei um einen ganz klassischen High-Fantasy Roman handelt. Wir haben eine eigene Welt, in der die Charaktere und die Welt exponiert werden, wir haben nebenher übrigens noch die alte Gruppe von Logan, die sich wieder auf dem Weg zu ihm macht, in Ansätzen wird auch auf den mythologischen Hintergrund dieser Welt eingegangen – leider liefert der Heyne-Verlag keine Karte mit, was mitunter echt hilfreich gewesen wäre – und wir treffen insgesamt auf eine ziemlich komplexe Welt.

Spannend an diesem Buch ist, wie die Lebenswelten der Charaktere aufeinandertreffen, die gegen Ende in einer Heldengruppe zusammenlaufen. Zwei Charaktere, die wiederum völlig gegensätzlich zu allen anderen sind, habe ich noch gar nicht erwähnt, sodass die Heldengruppe am Ende aus sechs grundverschiedenen Charakteren besteht, die in den kommenden Bänden für viel Unterhaltung sorgen werden. So ist es bisher nur eine spannende Exposition der Charaktere und der Welt – wobei der Fokus absolut auf den Charakteren liegt – über die Welt selbst erfährt man nicht besonders viel, also statt langen Naturbeschreibungen gibt es tatsächlich eher Charakterstudien, besonders über ihren Hintergrund erfahren wir eine ganze Menge.

Die Charaktere selber sind tatsächlich auch so unterschiedlich wie unterschiedlich sympathisch. Aus der Protagonistin wird man nicht schlau, der Magi ist auch etwas durchsichtig, Logan ist ein absoluter Sympathieträger, bizarrerweise fand ich den Inquisitor auch sehr sympathisch – aber alles in allem sind es Helden, mit denen man gerne einige Bände verbringt. Was diesen Charakteren alle eigen ist, dass sie irgendwelche Konflikte austragen und sich in einer stetigen Entwicklung befinden. Und man erkennt schon, dass diese Charaktere – wie auch der ‚böse‘ Inquisitor allesamt vielschichtig und komplex angelegt sind und nicht klar als gute oder böse Figuren fungieren.

Eine Sache ist mir jedoch etwas (unangenehm) aufgefallen – ich weiß nicht, ob es nicht auch schon in anderen Büchern passiert ist, aber hier ist es mir wie gesagt ins Auge gestoßen. Einmal war die Formulierung ‚zu Kreuze kriechen‘ zu lesen. Das ist natürlich ein so feststehender Begriff – allerdings mit einem eindeutig christlichen Hintergrund. Diese Formulierung war hier in der Darstellung der Innenwelt eines Charakters zu lesen – was ich ziemlich problematisch finde, weil der Charakter mit seinem Hintergrund natürlich nichts mit der Kreuzsymbolik des Christentums zu tun hat. Ich weiß nicht, ob das vom Übersetzer hereingebracht wurde oder so schon von Abercrombie stammt, aber ich finde, gerade in der Fantasy-Literatur sollte man darauf achten, auf derartige christlich geprägte Formulierungen zu verzichten, weil sonst die Schlüssigkeit der neuen erschaffenen Welt gebrochen wird. Ich gebe zu, das ist schon Jammern auf hohem Niveau, aber ich wollte es gerne mal loswerden – und vielleicht schärfe ich ja den ein- oder anderen Sinn für solche Formulierungen.

Dennoch reicht das natürlich nicht aus, hier die Wertung zu verderben, maximal für ein paar kleine Abzüge in der B-Note reicht das, zusammen mit der fehlenden Karte ist das aber nicht mehr als ein halber Stern. 4,5/5 Sternen - die ich hier gerne auf volle 5 Sterne aufrune gebe ich hier gerne für einen tollen Auftakt einer Fantasy-Reihe, die mehr den Schwerpunkt auf spannende Charakterentwicklung als auf Weltenbildung oder Kampfbeschreibungen legt.

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Tags: abercrombie, charakterlastig, fantasy, high fantasy   (4)
 

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52 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

wolfgang hohlbein, fantasy, ironclad, steve, geheimnis

Der Ruf der Tiefen

Wolfgang Hohlbein
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.09.2014
ISBN 9783492280051
Genre: Fantasy

Rezension:

Einer meiner Lieblingsautoren hat wieder zugeschlagen und Pressetext und Cover legen nahe, dass sich hier wieder Ideen von Lovecraft geholt wurden – was Hohlbein ja gerne macht und auch gut zur Neuauflage der Hexer-Romane passt. Ich habe den neuen Hohlbein als Rezensionsexemplar vom Piper-Verlag zur Verfügung gestellt bekommen, vielen Dank dafür.

Wir begegnen einer jungen Frau, Janice, die ihren Mann verloren hat. Er ist spurlos verschwunden und es scheint finanzielle Unregelmäßigkeiten zu geben, die nahelegen, dass er verbrecherischen Tätigkeiten nachgegangen ist. Um das zu widerlegen und hinter das Rätsel, dass das Verschwinden ihres Mannes umgibt, auf die Spur zu kommen, macht sich Janice – mehr oder weniger unfreiwillig begleitet von Steve – auf, um das Geheimnis zu ergründen. Aus den Unterlagen hat sie eine mysteriöse Karte entwendet, die scheinbar einen bestimmten Ort zeigt, den sie verzweifelt sucht, doch keiner scheint diesen zu kennen. Beim Marsch durch die Küstenstädte begegnet sie immer wieder dem Trugbild eines riesigen Schiffes. Richtig Fahrt nimmt die Geschichte auf, als ein Arzt ihr die Tollwut diagnostiziert und sie sich nun als Opfer einer Verschwörung sieht und sich auf eine wilde Flucht begibt. Das Ende mag ich nicht verraten, aber dass ihre Flucht nicht grundlos ist, ist wohl offensichtlich.

Dabei nimmt sie immer wieder seltsame Sachen in Zusammenhang mit Wasser war. Grüne tentakelartige Stränge scheinen aus dem Wasser zu kommen und in traumartigen Visionen sieht sie entstellte Menschen und Wesen mit riesigen Tentakeln, denen sie dann auch noch begegnen soll.

Das eben beschriebene ist wohl der Lovecraft’sche Einfluss. Auch wenn ich immer noch kein Lovecraft gelesen habe, kommt mir das doch alles ein wenig bekannt vor, es wird aber nicht wirklich viel dazu erklärt. Man erfährt am Ende so ein bisschen was darüber, aber generell werden diese Visionen recht lange nicht erklärt und man tappt ein wenig im Dunkeln.

Ich muss ganz zu Beginn sagen, dass der Ruf der Tiefen sicherlich nicht mein Lieblingsbuch wird. Wie sooft schreibt Hohlbein ziemlich langatmig und umständlich, es wiederholen sich einzelne Szenen und Passagen fast wörtlich und Janice scheint es wirklich nicht mit Vertrauen und Dankbarkeit zu haben, was man aber auch ein bisschen verstehen kann – mitunter nervt es dennoch. Die Geschichte selbst ist eigentlich ziemlich gut gelungen, es geht ein bisschen um das Verschwinden, weil man sich mit etwas eingelassen hat, es geht um die Hüter eines Geheimnisses und Möglichkeiten, das Geheimnis zu bewahren, es hat so ein bisschen etwas von einer Verschwörung, an der Geschichte mag ich kaum etwas bemängeln, das ist zwar weniger neu noch innovativ, aber schön gemacht und eine spannende Sache. Und, was besonders schön ist: Das Ende ist gut. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich ein Buch von Hohlbein weggelegt habe und mir das Ende gefallen hat.

Es heißt ja, Der Ruf der Tiefen sei so eine Art Nachfolger von Wyrm. Ich habe Wyrm zwar mal vor Ewigkeiten gelesen und meine mich ganz grob zu erinnern, dass da mal was war – aber mir ist es während des Lesens nicht so wirklich aufgefallen. Vielleicht muss ich Wyrm einfach nochmal lesen.

Dennoch: So ganz begeistern konnte mich das Buch leider nicht. Ich habe es zwar ganz gerne gelesen und fühlte mich auch nicht schlecht unterhalten, aber bisweilen dachte ich schon, dass es irgendwie mal genug sein könnte mit dem ewigen Kampf von Steve um das Vertrauen von Janice und ihrer ewigen Zurückweisung. Ein bisschen weniger davon und mehr schöne Sequenzen mit den Großen Alten hätten dem Buch recht gut getan.

Alles in allem ist es ein recht durchschnittliches Buch. Kein Totalausfall, auch nicht „unlesbar langweilig“, wie man es Hohlbein gerne nachsagt, aber auch nichts Besonderes. Ich würde mal gerne 3/5 Sternen vergeben und bleibe dann einfach mal gespannt auf das nächste Output des Schriftstellers und beschäftige mich derweil mal mit den diversen älteren Büchern und Serien, die ich hier rumliegen habe.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

fantasy, martine, humor

Die Kompanie der Oger: Sterben und sterben lassen!

A. Lee Martinez
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei Piper ebooks, 14.05.2013
ISBN 9783492962889
Genre: Fantasy

Rezension:

Wir treffen auf Never Dead Ned. Die arme Sau kann nicht sterben. Immer, wenn er stirbt, wird er wiedererweckt. Eigentlich will er gar nicht mehr sterben – oder zumindest für immer tot bleiben. Doch dann kommt seine Versetzung zur Oger-Kompanie und da geht das Sterben erst richtig los.

So ungefähr lautet der Klappentext, das war ungefähr der Eindruck, mit dem ich an das Buch heranging. Ich hab es erst im Buchhandel gesehen, dann mal die Leseprobe gelesen und irgendwie gefiel es mir ganz gut. Also mal den Verlag angeschrieben und das Rezensionsexemplar bekommen – dafür vielen Dank an den Piper Verlag. Und was ich dann gelesen habe, war das:

Never Dead Ned wird zur Oger-Kompanie versetzt, einem unorganisierten Haufen voller wildem Armeeausschluss. Alle möglichen Rassen sind hier vertreten. Bei der Ankunft macht Ned einen gemischten Eindruck, zwei Frauen verschiedener Rassen reißen sich um ihn, er stirbt mehrmals und irgendwie schafft er es, der Armee ein bisschen auf die Beine zu helfen – das schafft er mit seinem kooperativen Führungsstil, der diejenigen, die sonst die Anführer töten und sich gegen diesen verschwören, einfach mit einbezieht, weil er genau weiß, dass diese Offiziere mehr leisten können als er.

Dann bekommt er irgendwann Besuch im Tod und man redet ihm ein, dass er das Produkt einer „Irren Leere“ sei, übermenschliche Kräfte auslösen kann, aber dafür da ist, dass diese vernichtenden Kräfte nicht ausbrechen, deshalb ist er am Leben. Bald wird er dann von den bösen Dämonen entführt, die nach seiner Macht hungern – und das ist der Auslöser für Kompanie der Oger, endlich mal in den Krieg zu ziehen und etwas aus sich zu machen.

Um es vorweg zu nehmen: Das Buch hat meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich hatte mir eigentlich eine schlüssige, aber witzige Geschichte gewünscht und nach dem ersten Kapitel auch irgendwie erwartet. Was ich dann letzten Endes bekommen habe, weiß ich leider gar nicht so genau. Aber fangen wir mal an.

Die Welt wirkt irgendwie etwas unmotiviert zusammengestellt. So ganz schlüssig wird da nichts erklärt oder näher ausgeführt, warum Sachen passieren, wird oft nicht erklärt und man weiß eigentlich gar nicht, wie die Welt so wirklich funktioniert. Das ist an sich noch nichts schlimmes, das ist oftmals bei Hohlbeins Büchern nicht viel besser, aber Hohlbein entfaltet zumindest eine Form von Spannung, denn:

Wirklich spannend ist das Buch nicht. In der ersten Hälfte geht es eigentlich nur um den sterbenden Ned und seine Probleme mit den beiden ihn anhimmelnden Frauen, im zweiten Teil passiert dann schon deutlich mehr, aber wirklich so spannend wird es eigentlich nie. Es gibt ein paar ganz nette Szenen mit der roten Frau und auch die Gefangenschaft in der schwarzen Burg hat einige nette Stellen, aber insgesamt werden die Spannungsbögen immer sehr schnell aufgelöst.

Martinez hat einige spannende Ideen, die Kompanie selbst als „Resteverwertung“ ist gut erdacht und ist mit einigen starken Charakteren besetzt und gerade Ned selber ist ein interessanter Charakter, einer, der scheinbar gar nicht selbst handelt, sondern nur passiv durch seine Umstände agiert, aber dennoch eine eigene gestärkte Persönlichkeit hat und dem auch aktives Handeln nicht unbekannt ist. Das fand ich ziemlich gut und eigentlich war es nur Ned selbst, der mich an dem Buch gehalten hat. Die Liebesgeschichte, in der sich zwei Frauen um Ned geprügelt haben, fand ich leider gar nicht witzig, sondern einfach nur nervig – auch wenn es genau so wirken sollte, war es doch etwas zu viel des Guten.

Kommen wir zum Humor: Der war leider nicht unbedingt mein Geschmack. Gerade am Anfang gibt es einige nette Seitenhiebe, die so ansatzweise die gesellschaftlichen Probleme aufgreifen und das in ihrer Form schon ganz lustig machen, aber im zweiten Teil geht mir der Humor mitunter völlig verloren.

Mein großes Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ernst sich das Buch nimmt. Der zweite Teil könnte entweder eine nicht so ganz gelungene Parodie auf alle High-Fantasy Bände sein oder ein nicht so ganz gelungener High-Fantasy Roman – ich will damit sagen, dass das Buch auf dem schmalen Grad zwischen Parodie und echter Fantasy wandert, ein Punkt, der mir nicht so wirklich geschmeckt hat, weil ich nie wusste, wie ich eine Stelle lesen sollte und mir keiner meiner beiden Interpretationsansätze so gut gefiel. Die epische Schlacht zwischen Gut und Böse am Ende beispielsweise ist so klischeehaft, dass sie durchaus parodistisch gemeint sein könnte, aber auch Martinez völliger Ernst sein könnte – ich weiß es nicht, aber für eine Parodie finde ich sie nicht überzeichnet genug und um Ernst zu sein, ist es leider einfach zu un-episch geschrieben.

Alles in Allem war das nicht so wirklich mein Buch. Aber es hat durchaus seine Zielgruppe. Für Fantasy-Einsteiger oder solche, die glauben, Fantasy nimmt sich selbst zu ernst, mag das durchaus ein witziges oder sogar spannendes Buch sein, mein Fall ist es leider nicht so wirklich. Daher gebe ich immerhin noch 3/5 Sternen. Wer mag, kann sich ja nochmal reinlesen.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der Moloch

Stella Gemmell , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 17.02.2014
ISBN 9783442269532
Genre: Fantasy

Rezension:

Stella Gemmell ist die Witwe des Autors David Gemmell, Der Moloch ist ihre erste Veröffentlichung.

Wir befinden uns in einer Stadt. Man nennt sie die Cité. In der Cité herrscht seit geraumer Zeit Krieg, ein Kaiser, der schon seit Ewigkeiten regiert – man nennt ihn den Unsterblichen, weil er scheinbar übermenschliche Kräfte hat – lässt seine Stadt verfallen, die Stadt steht kurz vor dem Kollaps – auch wegen der Bedrohung von außen. So stellt sich unsere Welt dar. Doch wir begleiten erstmal nur ein Geschwisterpaar in der Kanalisation, später kommen weitere Charaktere dazu, die die Kanalisation eint. Nach dem Verlassen der Kanalisation gehen unsere Helden unterschiedliche Wege. Sie verstecken sich in der Stadt, sie gehen raus in die Schlacht – sie wollen jedenfalls alle ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Doch irgendwann treffen sich alle wieder. Einige sind gefangengenommen worden, andere wurden hergelockt, um sich mehr oder weniger freiwillig einer Verschwörung anzuschließen, einer feindlichen Verschwörung, die den Kaiser der Cité stürzen möchte. Und hier beginnt der wirklich spaßige Teil des Buches, über den ich nicht zu viel verraten werde. Wobei das Ende recht offensichtlich sein sollte.

Ich muss sagen, ich fand „Der Moloch“ wahnsinnig faszinierend. Diese Grundstimmung, die ich ganz am Anfang der Rezension beschrieben habe, erkennt man so wirklich erst nach über der Hälfte des Buches, man erfährt wirklich nur sehr langsam und häppchenweise etwas vom großen Ganzen – es wirkt ein bisschen dekonstruiert, wie man es vielleicht aus Medea. Stimmen von Christa Wolf kennt – natürlich dem Genre entsprechend massentauglicher aufbereitet.

So wirklich als Fantasy würde ich es nicht unbedingt bezeichnen. Es spielt in einer fiktiven Welt, klar, aber das wirklich fantastische ist eigentlich nur, dass der Kaiser (& Co) mit ihrer verlängerten Lebensdauer etwas übermenschliche Kräfte haben. Eine weitere Form von Magie wird zwar an einer Stelle mal eingesetzt, aber es wird nicht weiter darauf eingegangen, was das denn jetzt war. Generell ist der Magieanteil im Moloch sehr gering.

Am Anfang ist man quasi nur in der Kanalisation unterwegs. Später kommen mehr Schauplätze dazu, man behält jedoch das Gefühl, einen sehr begrenzten Blickwinkel zu haben und das Große Ganze nicht so wirklich zu durchschauen – ein cooler Kunstgriff, weil das genau der Perspektive der Protagonisten entspricht. Erst kurz vor dem Ende, als die Verschwörung schon am Laufen ist, merkt man, in was man hier eigentlich hereingeraten ist.

Diese Erzähltechnik ist einerseits ziemlich genial, andererseits hat es bei mir auch dafür gesorgt, dass ich in der Mitte einen ordentlichen Durchhänger hatte. Die letzten 300 Seiten vergingen dann wieder im Fluge, aber zwischendurch war es echt zäh; gerade, wenn die Protagonisten alle auf der Flucht sind, im Gefängnis sitzen und man überhaupt keinen Durchblick hat, warum und was und wie das hier gerade passiert. Das kann bei einem 700-Seiten Roman natürlich mal passieren, aber so ein bisschen trübte es meine Stimmung schon.

Es ist im überwiegenden Teil – ihr habt es sicher schon herausgelesen – sehr düster gehalten, die Bezeichnung Dark Fantasy passt eigentlich sehr gut und genau das war es auch, was der Klappentext mir suggerierte und was mich daran so gereizt hat. Es war also alles wie versprochen und mal eine schöne Abwechslung zu solchen durchgetakteten Actionknallern wie Hohlbein. Stella Gemmell kann definitiv gut schreiben und die Geschichte war von der Motivik und dem Einsatz der Stilmittel her unglaublich stark. Wenn ich böse sein wollen würde, könnte ich sagen: „Das ist ja fast schon Literatur!“ In jedem Fall bekommt man hier eine starke, eine etwas ungewöhnliche Geschichte, die zwar ihre kleinen Längen aufweist, aber zu gut angelegt ist, um sie zu verpassen. Wen es nicht stört, über hunderte Seiten im Dunklen gelassen zu werden, bekommt ein unglaublich schlüssiges und plausibles Finale geliefert, das echt nochmal Bonuspunkte sammeln kann. In der Summe würde ich dem Moloch gerne 4/5 Sternen geben, die es absolut verdient hat. Wer das Buch jetzt kaufen möchte, ist mit vergleichsweise teuren abei – ziemlich happig, dafür, dass es halt „nur“ ein Taschenbuch ist.

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90 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

wolfgang hohlbein, irland, maschinen, gänsehautaction, kampfszenen

Irondead - Der zehnte Kreis

Wolfgang Hohlbein
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei INK, 06.02.2014
ISBN 9783863960667
Genre: Fantasy

Rezension:

Der neue “große” Hohlbein ist da. Ich glaube, es gibt im ganzen Internet von Hohlbein keine halbwegs vollständige Bibliographie, der man entnehmen kann, welche die “großen” Hauptromane sind. Denn von Hohlbein wird unendlich viel neu aufgelegt, dann gibt es da mal noch einen neuen Kurzroman dazu (geschehen bei Wyrm), die Titel sind aber nicht neu. Dann gibt es die “großen” Chronikbände, die Kinder & Jugendbücher – und die Übersicht hat kaum noch jemand. Ungefähr zeitgleich zum dritten Band der Elfenchroniken ist Infinity: Der Turm entstanden und seitdem gab es meines Wissens nach keinen großen neuen Roman von Hohlbein bis jetzt zum Erscheinen von Irondead beim Egmong Ink Verlag.

Irondead klingt nach dem Klappentext zu urteilen nicht unbedingt sehr phantastisch, es geht im Prinzip um einen Privatermittler, der im Zuge von Materialdiebstählen beim Bau der Titanic angeheuert wird. Er begibt sich zu einem Treffen mit seinem Auftraggeber und wird dabei von einem merkwürdigen Metallkonstrukt überfallen. Am folgenden Tag noch begegnet er jemandem, die sich als Vertraute seines Auftraggebers ausgibt und die ihn nun für die Suche nach diesem engagiert – denn er ist verschwunden. Sie gehen zu einem Wissenschaftler, der die Titanic mitentwickelt hat und hier wird es langsam wirklich kurios. Seltsame Gestalten scheinen sie zu verfolgen und mysteriöses Ungeziefer in Form von Spinnen macht sich breit. Aber es sind Spinnen, die es nicht geben dürfte, denn sie tragen nichts Organisches in sich. Weiter und weiter begeben sich die drei Freunde, teilweise noch mit Verstärkung in die Abgründe dieses Schiffes und machen dabei höchst bedrohliche Entdeckungen, die nicht nur eine ganz unmittelbare Bedrohung für sie darstellen, sondern auch noch in der Lage sind, die gesamte Menschheit auszurotten.

Im Prinzip klingt das ja alles nach einem typischen Hohlbein. Ein potenziell apokalyptisches Szenario, in das unsere Protagonisten hineingeführt werden, so eine kleine Liebesgeschichte läuft am Rande auch noch mit und in jedem Fall gibt es sehr viel dreckige Kampfaction, unsere Protagonisten scheinen fast schon übermenschliche Kräfte zu entwickeln, wenn es darum geht, Verletzungen zu überstehen, es laufen viele schöne Intrigen dagegen – man sperrt sie alle in eine Psychatrie, damit niemand mitbekommen kann, was sie gesehen haben – und irgendwie wirkt alles sehr stimmig. Man könnte Hohlbein an dieser Stelle mal wieder vorwerfen, keine Ideen zu haben, es wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus “Der Schwarm” und der Geschichte um die “Borg” in Star Trek – aber warum sollte man das tun? Wir sprechen hier von Motiven (halborganische bzw. anorganische Intelligenzen bzw. Schwarmdenken), die durchaus verbreitete Leitmotive des Genres sind. Und genauso wie es schon dreihundert Adaptionen von Pyramus und Thisbe als Theaterstück gibt, gibt es eben hundert Romane, die sich mit anorganischem Leben beschäftigen.

Was macht jetzt aber Irondead aus? Irondead ist ein typischer Hohlbein. Um die typischen Kampfszenen entfaltet sich eine starke und fesselnde Handlung, die gut durchdacht ist und es dem Leser erlaubt, sich einfach ein paar Stunden der Wirklichkeit zu entziehen. Man streift durch das Irland von vor 100 Jahren und erlebt dann dort diese übernatürlichen Elemente, die ja ganz in der Tradition der Industrialisierung und Entmenschlichung der Zeit stehen, was der Geschichte natürlich einiges an Glaubwürdigkeit verleiht.

Nachdem Hohlbein also bei Infinity seine eigene Welt erschaffen hat, erzählt er hier eine authentische Geschichte in unserer Welt, die gerade dadurch, das sie gar nicht unwirklich wirkt, eine ganz eigene Grausamkeit entfaltet. Und für alle, die den Hohlbein’schen Horror mögen: Es gibt auch wieder einige dunkle Gänge, Kanäle und alte Gewölbe – das muss einfach sein!

Mir hat Irondead sehr gut gefallen. Hohlbein wünscht sich, dass seine Geschichten den Leser für ein paar Stunden aus der Wirklichkeit entführen und das hat Irondead bei mir absolut geschafft. Es ist eine gelungene neue Geschichte, die eigentlich sehr typisch für Hohlbein ist und zeigt, dass es ein Autor schafft, seiner Linie treu zu bleiben, aber nicht immer das Gleiche schreiben muss. Die Kampfszenen sind mir – wie immer – etwas zu extrem und zu ausschweifend, das Ende ist – wie immer – ziemlich obskur und verworren, aber genau so etwas weiß man, wenn man Hohlbein liest und lernt es spätestens nach seinem zweiten oder dritten Buch zu lieben oder zu hassen. Ich mag es und so vergebe ich gerne meine 4/5 Sternen und freue mich schon darauf, was uns Hohlbein in den nächsten Jahren noch alles präsentiert. Für mich ist Hohlbein immer ein Garant für gute und spannende Unterhaltungsliteratur und dass es das noch immer gut macht, hat er mit Irondead absolut unter Beweis gestellt.

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magie, fantasy, richard cypher, wahrheit, zeit der magie

Das Schwert der Wahrheit 1: Das erste Gesetz der Magie

Terry Goodkind
E-Buch Text: 1.025 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 04.11.2010
ISBN B004P1J6O6
Genre: Sonstiges

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