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Liebeslang

Lara Stern
E-Buch Text: 207 Seiten
Erschienen bei Edel:eBooks, 13.11.2012
ISBN 9783955300050
Genre: Krimi und Thriller

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(80)

163 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

fantasy, abenteuer, schule, katze, gestaltwandler

Kitty Kathstone

Sandra Öhl
Fester Einband: 444 Seiten
Erschienen bei Mr. Bumblebee's House, 15.10.2015
ISBN 9783950400304
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schnell war ich mitten drin in der Geschichte. Der Grundgedanke erinnert zunächst ein wenig an die Geschichten von Harry Potter oder Magisterium, aber man kann das Rad eben nicht zum tausendsten Mal neu erfinden und die Umsetzung war in diesem Falle einfach brillant.

Kitty hat ihr Leben lang schon Probleme gehabt, sich anzupassen. Immer geriet sie in Schwierigkeiten, für die sie gar nichts konnte, bis an ihrem 15. Geburtstag alles eskalierte. Nachdem sie schon öfters mit ihren Eltern umgezogen war und etliche Schulen verlassen musste, ist vor Kurzem ihr Vater auf einer geheimen Mission verschollen und Kitty droht der Rauswurf aus der letzten Schule. Insbesondere, da ihre Mutter und Großmutter ihr am Abend verkünden, dass sie ab sofort die COG – von ihr “liebevoll” Club of Goofers getauft – besuchen wird. Eine Schule, die in ihren Augen nur Freaks besuchen.

Doch Freaks trifft es nicht einmal im Ansatz. Vielmehr besuchen diese Schule junge Menschen, die mit besonderen Fähigkeiten gesegnet sind. So zählt Kittys Familie zu einer angesehenen Art von Werkatzen, deren Aufgabe es ist, ihren Teil zum Gleichgewicht in der Welt beizutragen. Für Kitty ist das alles zuerst ordentlich zuviel und sie sträubt sich gegen ihr Schicksal, wo sie nur kann. Auch an ihren ersten Tagen am COG überlegt sie viel mehr, wie sie weglaufen kann, als sich dem neuen Weg zu stellen, den das Schicksal für sie bereit hält.

Nach und nach wird sie jedoch neugierig und beginnt sich, mit ihrer neuen Umgebung auseinanderzusetzen. In ihrer unfreiwilligen Zimmergenossin, der etwas schrägen aber furchtbar liebenswerten Nora Needle, findet sie eine Vertraute und Freundin, die ihr zwar zunächst tüchtig auf den Wecker fällt, aber ihr auch nur zu oft weiterhilft. Auch der Unterricht gestaltet sich mehr als spannend. Anstatt von normalen Lehrern unterrichtet zu werden, sitzen hier leibhaftige Gestalten aus Mythologie und Geisterwelt vor ihr: Ein Dschinn, eine Göttin der Unterwelt, Glacies – ein weiser Drache und Kitsune – nur um einige zu nennen – versuchen, dem Mädchen bei der Suche nach sich selbst und ihrer Bestimmung zu helfen.

Natürlich darf es auch an Konkurrenz nicht fehlen! Schließlich ist nicht jeder so begeistert davon, dass die jüngste Kathstone, ohne einen blassen Schimmer zu haben, ein so wichtiges Erbe antreten soll. Es bleibt spannend, denn beide liefern sich ein hitziges Kopf-an-Kopf-Rennen in einer Geschichte, bei der es nur um eines geht: Gemeinsam als 14 Guardians und jahrtausendealten Edelsteinen das Universum im Gleichgewicht zu halten. Wird dies gelingen? Lest selbst…

~

Es gibt Situationen, in denen findest du das passende Buch und dann gibt es Situationen, in denen dich das perfekte Buch findet. Schon allein die optische Aufmachung des Buches, das Design und die gesamte Erscheinung von Buch und Hörbuch ließen mein Herz höher schlagen. Dazu muss gesagt werden, dass dies alles im eigenen gegründeten Verlag auf die Beine gestellt wurde. Liebe fürs Detail und für die Geschichte merkt man in jedem Satz und schon nach wenigen Seiten ist man tief in Kittys Leben eingetaucht.

Dazu etwas zum Erzählstil vorab: Dieser dürfte bei vielen Lesern zunächst für Staunen sorgen, denn er ist nicht alltäglich. Erzählt wird nämlich von keinem Geringeren als dem very british Sir Larry Oehl. Wer das ist? Lasst euch überraschen!

Leicht gestelzt und wirklich typisch britischen Stils erzählt er uns Kittys Abenteuer anhand deren Notizen. Und ich muss euch ehrlich sagen: Ich liebe ihn abgöttisch. Auch wenn es auf den ersten Seiten etwas gewöhnungsbedürftig sein kann, ihm zu folgen, ist mein Rat an euch: Tut es! So oft musste ich herzlich über seine Sicht der Dinge schmunzeln und hat man sich einmal an diesen Stil gewöhnt – was wirklich nicht lange dauert – wird man mit einer wunderbaren dahinfließenden Geschichte in einer absolut wundervoll phantastischen und kreativen Welt belohnt.

Die gesamte Geschichte ist dicht erzählt und lässt die beschriebene Welt nahezu bildhaft vor dem Auge des Lesers zum Leben erwachen. Dabei darf man sich nicht täuschen lassen! Kitty Kathstone ist kein leichtes und dahinplätscherndes Jugendbuch. Mitdenken ist gefragt! Mythologie trifft auf Fantasie und erschafft so eine besondere Welt, in der man bis zur letzten Seite tief gefangen bleibt und die man eigentlich gar nicht mehr verlassen mag. Handlungsstränge werden abgeschlossen, viele Fragen bleiben offen – alles andere wäre ja auch merkwürdig bei einem ersten Band einer Trilogie.

Atmosphärisch dicht und mit einem angenehmen Spannungsbogen erzählt, weiß die Handlung auf gesamter Ebene zu überzeugen. Mit viel Herzblut verfolgt man das Abenteuer um Kitty und ihre Freunde, genießt die mythologischen Exkurse und ist leider viel zu schnell am Ende dieses ersten Bandes angekommen.

Die Charaktere stellen ein wundervolles Potpourri aus Mythologie und Fabelwelt dar, die man hätte nicht besser darstellen können. Alle gemeinsam leiten Kitty auf ihrem Weg zu sich selbst und sind (meist) hilfreiche Gesellen bei der ihr auferlegten Mission. Insbesondere ist mir dabei der besonnene und weise Glacies ans Herz gewachsen. Wer das ist? Das findet mal schön selbst heraus grins.

Natürlich darf auch die Liebe nicht zu kurz kommen und wenn einem Mädel schon so ein attraktiver junger Prinz vor die Füße fällt. Erwartet keinen plüschigen Kitsch, sondern eine Begegnung bei der es ordentlich knistert – aber da ist noch die Welt, die es zu retten gibt. Dass die Gedanken dabei durcheinander kommen, ist klar! Sehr authentisch beschreibt die Autorin an dieser Stelle die Gefühle eines ganz normalen Mädels in Kittys Alter, das seine erste junge Liebe erlebt.

Was soll ich mehr sagen, außer dass mich Kitty auf der ganzen Linie überzeugt, begeistert und gefesselt hat? Nix mit einfacher Lektüre, tief eintauchen musste man, manches hinterfragen, nachschlagen oder sich einfach drauf einlassen. Dinge, die sicher jeden jungen und cleveren Leser zu begeistern vermögen, der es nicht gerade dahingestrickt mag, sondern in eine fabelhafte und bunte Welt voller fantastischer Wesen und besonderer Magie eintauchen und dort ein einzigartiges Abenteuer erleben möchte. Auf jeder Seite spürt man die Liebe, die das bezaubernde Autorenduo in die Geschichte einfließen lassen hat und ich freue mich total auf Band 2, der im kommenden Jahr erscheinen wird!

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Tags: jugendbuch, kitty kathstone, mythologie   (3)
 

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3.649 Bibliotheken, 62 Leser, 4 Gruppen, 492 Rezensionen

liebe, erotik, anna todd, after passion, hardin

After passion

Anna Todd , Corinna Vierkant-Enßlin , Julia Walther
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.02.2015
ISBN 9783453491168
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

Tessa Young ist ein typisches Good-Girl. Sie hat erstklassige Noten, einen braven und treuen Freund, ist lieb und anständig und die wahre Vorzeigetochter ihrer Mutter. Und ein neuer Lebensabschnitt soll für sie beginnen, nämlich mit dem Besuch der Washington State University. Direkt am ersten Tag trifft sie auf ihre Zimmergenossin Steph, ein verrücktes punkiges Mädchen mit einem noch schrilleren Freundeskreis. Steph versucht sie sofort zu integrieren und so dauert es nicht lange, bis Tessa auch Hardin kennen lernt. Er ist der typische Bad-Boy, über und über tätowiert, unverschämt, gemein, das komplette Gegenteil von Tessa. Doch Gegensätze ziehen sich bekanntlich an und Tessa ist schon bald bis über beide Ohren in ihn verliebt. Und eins steht fest:

LIFE WILL NEVER BE THE SAME

~

Vorab muss eins gesagt werden: Die After-Serie von Anna Todd wird die Lager spalten, genauso wie es Shades of Grey, Crossfire und all die anderen Romane dieser Art schon getan haben und noch immer tun. Schwarz oder weiß ist die Devise, Grauzonen gibt es dabei nicht wirklich. Man liebt es, oder hasst es! Und ich muss sagen, ich zähle zur ersten Liga :)

Das Schema ist altbekannt: Wir haben das brave Mädchen und den Bad-Boy, an den sie ihr Herz verliert. Ein Hin und Her der Gefühle: Er liebt sie, er liebt sie nicht,… Nervig? Für manchen Leser vielleicht, für mich nicht. Ich habe die 3 CD’s fast nahtlos gehört, weil ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht und bei jeder Unterbrechung leise vor mich hingegrummelt wie ein Teenie lach

Ähnlich wie SoG hat auch “After passion” einen Suchtfaktor. Einmal angefangen, kann man nicht mehr aufhören. Man ist wie in einem Sog, trotz der Handlung, die an sich ja nicht besonders viel hergibt als Streit, Versöhnung, Sex, Streit, Versöhnung, Sex,… Aber das ist nicht das, was die Geschichte ausmacht. Das sind viel mehr die Charaktere und ihre Entwicklungen. Auf dem Cover der CD schreibt literarygossip.com sehr treffend:

“Hardin zeigt Tessa das Leben & Tessa zeigt Hardin die Liebe”

Und diese Aussage trifft es auf den Punkt. Tessa blüht auf. Aus einer Knospe wird nach und nach eine Rose und auch Hardin überrascht immer aufs Neue. Er kämpft um Tessa, will sich ändern und man freut sich, wenn er dann über seinen Schatten springt und doch liebenswerte Züge unter der harten, manchmal grausamen Schale zeigt.

Dazu kommen auch die vielen verschiedenen Nebencharaktere, die sehr lebendig und voller Charakter gezeichnet sind und der Geschichte den passenden Rahmen verleihen. Gerade auch Hardins Freundeskreis ist so bunt gemischt, dass man immer gespannt ist, welche Intrigen, Freundschaften, Begegnungen als nächstes kommen werden.

Erotik spielt natürlich auch eine große Rolle, wobei es weniger war, als ich erwartet habe lach. Vielmehr sind die Szenen sehr ansprechend und ästhetisch gezeichnet und zeigen die Gefühlslage beider Hauptprotagonisten sehr gut. Hardin zeigt Tessa, dass es mehr gibt, als Lernen und braves nebeneinander herleben und erweckt in ihr ganz neue Seiten. Sex ist für ihn eigentlich nichts besonderes, aber mit Tessa wird es das und während der gesamten Geschichte steht das Zwischenmenschliche vor dem Sex.

Am Ende wartet noch ein fieser Cliffhanger auf den Leser, was zu erwarten, aber dennoch gemein war. Ich muss allerdings sagen, dass sich dieser im Nachhinein doch ein kleines bisschen als vorhersehbar entpuppt hat. Aber: Während des Hörens wollte ich das gar nicht wahrhaben und hab die Zeichen einfach überhört!

Natürlich wird es, wie ich schon angedeutet habe, genauso viele Kritiker wie Fans der Buchreihe geben, aber gerade Freunden von SoG und vergleichbaren Büchern kann ich “After passion” klar empfehlen. Doch auch vielen anderen Lesern und Hörern wird es Freude machen können, nämlich denen, die es einfach riskieren, sich darauf einlassen eine Geschichte voller Liebe und Schmerz, Auf und Ab der Gefühle und Drama zu bekommen. Diese Leser werden gefühlvollen und lebhaften Lesestunden belohnt werden, auch wenn das Rad dabei nicht neu erfunden wurde. Es war ein sehr unterhaltsames und spannendes Hörbuch, das mir als Auftakt sehr gut gefallen hat. Ich bin infiziert und freue mich auf die nächsten Teile!

Eins muss ich abschließend noch erwähnen: Ich habe “After passion” als Hörbuch gehört und bin begeistert. Normalerweise mag ich weibliche Sprecherinnen nicht so gern wie männliche, aber Nicole Engeln hat mich sofort überzeugt. Dank ihrer vielseitigen und ausdrucksstarken Stimme gelang es ihr sehr gut, den einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen und die Geschichte mit Gefühl zu füllen.

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Tags: after passion, anna tod   (2)
 

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194 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

matthew quick, freundschaft, glück, liebe, richard gere

Die Sache mit dem Glück

Matthew Quick , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann ,
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 19.12.2014
ISBN 9783463400846
Genre: Romane

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210 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 77 Rezensionen

dresden, schokolade, liebe, rosen, familiengeschichte

Die Frauen der Rosenvilla

Teresa Simon
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.02.2015
ISBN 9783641144722
Genre: Romane

Rezension:

Dresden 2013 – Die Rosenvilla in Blasewitz

Die junge Anna Kepler hat gerade ihre zweite Chocolaterie mit selbstgemachten Kreationen eröffnet und verzaubert damit ganz Dresden. Ein Wunder? Eigentlich nicht, stammt sie doch aus einer Dresdner Schokoladendynastie, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückzuverfolgen ist. Doch nicht nur das Talent zur Schokoldadenherstellung und den außergewöhnlichen Geschmackssinn hat sie geerbt, sondern auch die Rosenvilla, die sie nun mit vollstem Herzblut restauriert.

Auch den einst so prächtigen Rosengarten möchte sie wieder mit neuem Leben füllen und macht sich direkt mit Hilfe ihres Gärtnerfreundes Jan an die Arbeit. Damit sollte ein weiter großer Schritt in Richtung persönliche Glückseligkeit gemacht werden, denn neben der Blumen und der Schokolade wünscht sich Anna nichts mehr, als den passenden Mann an der Seite und das Trappeln von Kinderfüßen in den großen Räumen der Villa. Plötzlich wird sie jedoch aus ihren Gedanken gerissen, nämlich als Jan beim Graben auf eine alte Schatulle stößt, deren Inhalt Anna weit in die Vergangenheit der Rosenvilla katapultieren soll.

Zwischen einem schmalen goldenen Armreif in Schlangenform, einer zerrissenen Perlenkette, einer roten Haarsträhne, einem Eisernen Kreuz 1. Klasse und vielen anderen Dingen findet sie einen Stapel Briefe und eine Fotografie einer ihr unbekannten Frau. Annas Neugier ist entfacht und sie stürzt sich direkt auf die Briefe.

“Ich brenne. Ich glühe. Bin wie im Fieber.
Darf ihn niemals wiedersehen und werde es doch schon bald.
Noch heute!”

Mit diesen Zeilen eines Briefes von einer gewissen Emma aus dem Jahre 1919 beginnt Annas Reise in die Vergangenheit, die sie nicht allein bewältigen kann. Zu durcheinander ist alles, von mehreren Schreibern verfasst. Zum Glück gibt es ja Freundin Hanka, Bibliothekarin und ihren treuen Kater Libro, die in akribischer Kleinstarbeit alles sortiert und gemeinsam mit Anna nach und nach entschlüsselt. Und was die beiden Frauen dabei entdecken, ist einfach unglaublich…

Knapp 450 Seiten umfasst Teresa Simons Roman. Schier hindurchgeflogen bin ich und habe dabei jede Seite tief in mich aufgesaugt. Bin gemeinsam mit Anna durch bekannte Ecken geschlendert, habe in Gedanken in der Schokoladenbar in der Neustadt Pause gemacht und mir dabei vorgestellt, wie es wäre, wenn es Annas Chocolaterie wirklich gäbe. War im Schokoladenshop an der Frauenkirche und wollte einfach nicht, dass das Buch endet.

Denn zu vielschichtig, schön, traurig, ergreifend, verrückt war das alles, was Anna auf den Briefseiten erlebte. Alle Fäden laufen zusammen in der Rosenvilla, die eine Familiengeschichte erzählt, die weiter zurück reicht, als Anna es sich hätte jemals träumen lassen. Genau wie sie in den Briefen gefangen war, war ich es im Buch. Von Seite zu Seite lüfteten sich die kleinen und filigranen Geheimnisse, die am Ende ein einmaliges Netz aus lebendigen und einzigartigen Charakteren sowie einer wundervollen und berührenden Geschichte ergaben.

Und die Protagonisten waren alle etwas ganz besonderes. Allen voran natürlich Anna, die ich vom ersten Moment an ins Herz geschlossen habe (nicht nur, weil wir beide rothaarig sind lach). Sie ist eine so liebenswerte und gefühlvolle Frau, die aber auch klare Ziele vor den Augen hat und diese auch verfolgt. Eine spritzige Mischung – wahres Elbfeuer eben. Dieses Feuer findet man auch in den anderen Frauen des Romans, über die an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll. Ihr müsst sie selbst kennen lernen, denn den Umfang dieses Buches kann und will ich nicht in Worte fassen. Man muss es lesen, wie eine Praline genießen und schmelzen lassen, langsam die Verbindungen herstellen, staunen, kopfschütteln, traurig sein, lachen, einfach den Gefühlen freien Lauf lassen.

Dieses Buch kann ich wirklich nur jedem Leser ans Herz legen, der Dresden und Schokolade liebt, der den Duft von Rosen allgegenwärtig in der Nase haben will, während er in eine Familiensaga der ganz besonderen Art und Weise eintaucht. Geschichte und Fiktion treffen aufeinander und es gibt eine Explosion der Sinne und Gefühle. Und wem das auf dem Papier noch nicht reicht, sei dazu aufgefordert, sich zuerst mit den letzten Seiten des Buches auseinanderzusetzen, selbst Trüffel zu machen und den passenden Eierlikör und es sich dann mit dem Buch gemütlich zu machen! Teresa Simon hat einfach an alles gedacht! 

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geister, graz, hass, tros, österreichische autoren

Die Geister von Graz

Robert Preis
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 24.03.2016
ISBN 9783954514465
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine ganze Weile liegen die schrecklichen Ereignisse der Ermittlungen im “Wellness-Hotel” hinter Armin Trost und seinem Team. Doch in ihm brodeln die traumatischen Geschehnisse noch stark nach, sodass er sich aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hat und nun wie ein Einsiedler inmitten seiner eigenen Familie lebt.

Doch lang sollte ihm diese Ruhe nicht vergönnt sein, denn schon wird Graz von neuen schrecklichen Geschehnissen heimgesucht. Menschen verschwinden, einzelne Körperteile von ihnen tauchen als Talismane am Hals von Immigranten  oder einfach so an öffentlichen Plätzen auf und Obdachlose werden zusammengeschlagen.

Neblig und düster die Stimmung, alte Mythen tauchen auf und Sagen werden geraunt. Die Geister der Vergangenheit seien wieder aufgetaucht und würden nun ihren Tribut fordern. Doch welche Geister? Und warum die verstümmelten Leichen? Antworten auf diese Fragen kann nur Trost mit seinem Team finden. Doch ist dieser wirklich fähig in den Dienst zurückzukehren? Wie ein Einsiedler haust er in einem Baumhaus in seinem Garten und versucht mit dem Leben klar zu kommen. Kann er in diesem zerrüttelten Zustand wirklich zwischen Wahrheit und Mythos unterscheiden und diesen Fall lösen?

Die Medien kleben den Ermittlern an den Fersen und die Ausländerfeindlichkeit wächst von Tag zu Tag. Doch der Täter scheint den Ermittlern stets eine Spur voraus zu sein. Und auch privat läuft alles aus dem Ruder, vor allem, als es Trost nicht mehr gelingt, sein Versprechen zu halten und den Fall aus der Familie herauszuhalten. Nicht mal Frau und Kinder sind mehr sicher vor dem Wahnsinnigen.

Schließlich bleibt Trost nur der Weg auf den Balkan, wo er sich den Geistern der Vergangenheit in einem wahnsinnigen Showdown stellt. Nicht nur einmal hat er bis zu diesem Zeitpunkt mit dem Leben abgeschlossen. Doch wird er dem Tod auch diesmal ein Schnippchen schlagen und sich selbst und seine Familie retten können? Es bleibt spannend, bis wirklich ganz zum Schluss.

~

Robert Preis ist es in “Die Geister von Graz” gelungen, politisch mehr als aktuelle Themen mit sozialen Brennpunkten, Mythologie und sehr viel Spannung zu kombinieren. Heraus kam ein Krimi, der voller Tiefe steckt und sich erst nach und nach wie ein Puzzle zusammenfügt. Von Seite zu Seite taucht man mehr und mehr in den Strudel aus skurrilem Glauben, schrecklichen und eiskalt berechneten Morden, krankhaften Gesinnungen und menschlicher Kaltschnäuzigkeit und man ist erschüttert, zu was die bösen Buben fähig sind und vor allem aus welchen Beweggründen heraus.

Entsetzen paarte sich mit Schockiertheit, Kopfschütteln mit Verwunderung und irgendwann fiel es mir immer schwerer, das Buch wegzulegen, da ich unbedingt wissen wollte, was nun wirklich hinter den Morden steckt und ob es den Ermittlern gelingen würde, die Täter in den Griff zu bekommen.

Auch die Stimme des Gewissens kommt oft zu Wort – dem Leser wird ein Spiegel vorgehalten. Ein Spiegel, in den man momentan permanent schauen müsste. Rassismus ist die Parole, die ganz groß geschrieben steht und Preis zeigt nicht zu wenig, zu was Menschen fähig sein können, wie manipulierbar, leicht beeinflussbar sie sind und wie eiskalt sie gegen andere agieren können, denen sie die Schuld am eigenen Unwohlsein geben. Irrational, aber leider nach wie vor aktuell.

Brandaktuell sage ich, direkt am Puls der Zeit und so real, dass man sich komplett in die Geschehnisse hineinversetzen kann. Robert Preis ist meiner Meinung nach nicht nur ein ganz besonderer Kriminalroman gelungen, dessen Stil einzigartig ist. Denn man kann ihn genauso gut als Warnung verstehen, als Anregung, um die Augen zu öffnen und zu schauen, was auf den Straßen passiert. Sicher etwas überspitzt mit all der Mythologie, aber dennoch ist Ausländerfeindlichkeit ein Thema, was leider täglich Aufmerksamkeit verdient.

Auf jeden Fall eine klare Empfehlung meinerseits für Freunde guter Kriminalromane und für diejenigen, die ihr Ohr an den Geschehnissen der Zeit haben. Realität trifft Fiktion und Spannung in einer sehr explosiven Mischung, die den Leser von Anfang bis Ende in Atem hält. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Roman aus der Feder von Robert Preis.

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humor, heiligenschein, turbulente geschichte, freundschaft, björn berenz

Heilig über Nacht

Björn Berenz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.10.2014
ISBN 9783785725160
Genre: Humor

Rezension:

Im Leben von Jonas läuft so einiges schief. So schief, dass er beschließt, sich von der Brücke zu stürzen. Was da schief läuft, fragt ihr euch? Schuld ist eigentlich einzig und allein Malena, Jonas’ große Liebe. Mit einem echt silbernen Kombinationsschloss haben beide die Liebe für immer an der Brücke geschworen und nun ist Malena weg, in den Armen vom besten Freund Pedro auch noch. Dabei ist sie doch die Traumfrau schlechthin:

Aber dann musste mir ausgerechnet Malena über den Weg laufen. Der aromatische Brie, der tatsächlich ein Auge auf mich geworfen hatte, das in Wachspapier eingewickelte Möchtegernmolkereierzeugnis. Natürlich hatte ich nie eine Chance, neben ihr zu bestehen. Doch wenn man einmal auf einer Käseplatte neben edlem Blauschimmel, Gruyère und in Schnittlauch gerollten Ziegenkäsetalern glänzen durfte, will man nicht mehr zurück als Streusel auf eine Fertigpizza, umgeben von labberigem Pressschinken. (S. 10)

Todunglücklich geht er am Abend zur Brücke und will seinem Leben ein Ende setzen, als plötzlich ein Penner auftaucht und mit seiner Lichterkette unter der Mütze kurzzeitig ablenkt. Als dieser dann schließlich auch noch in Lebensgefahr gerät, wirft Jonas seine eigentliche Mission über Bord und wird zum Lebensretter. Der Dank lässt nicht lange auf sich warten, denn am nächsten Morgen erwacht Jonas mit einem echten Heiligenschein über seinem Kopf.

Nun scheint es nur noch bergauf zu gehen: Jonas ist eine Berühmtheit, die Frauen himmeln ihn an und er bekommt Aufmerksamkeit ohne Ende. Sogar Malena zeigt wieder sehr viel Interesse an ihm und der Papst persönlich will ihn kennen lernen. Zunächst ist Jonas geblendet von all dem Ruhm, doch zu schnell kommt das böse Erwachen, als er nicht mehr unterscheiden kann, wer nun wirklich gut und wer böse, wer Freund oder wer Feind ist. Und dann ist da ja noch der wahre Besitzer des Heiligenscheins, der sein Eigentum sehr gern wieder haben möchte…

~

Nach FKK im Streichelzoo habe ich mich schon die ganze Zeit auf das neue Werk von Björn Berenz gefreut und die Freude war berechtigt. Mit Heilig über Nacht ist ihm ein weiterer wirklicher Knaller gelungen.

Da hat man die Figuren – allesamt plastisch und liebevoll gezeichnet und mit Charakteren versehen, die man nur zu gut aus dem wahren Leben kennt:

Jonas, der Pechvogel schlechthin, der seinem Leben ein Ende setzen will, da im Leben einfach nichts so laufen will, wie es soll. Er kommt zu unverhofftem Ruhm durch einen Fehltritt Gottes und genießt das zunächst – verständlicherweise. Was habe ich beim Lesen gelacht, als ich mir vorgestellt habe, wie er mit einem Handtuchturban durch Berlin läuft und sogar in VIP Clubs geht :D Dauergrinsen vorprogrammiert.

Frau Mutschler “Der Hausdrachen” – eine alte Dame, die im Haus alles und jeden überwacht und über alles Bescheid weiß. Natürlich hat sie eine ganz eigene Idee, wie sie von Jonas’ Ruhm profitieren kann! Kurios, genau so eine Dame wohnte im Haus von Freunden von mir. Egal wann man zu Besuch war oder dort übernachtete: Die Dame stand hinter den Jalousien und hat durchgelinst, im Glauben, dass niemand die verschobenen Lamellen sehen würde. lach

Malena und Pedro: die Ex und der beste Freund zusammen – eine tödliche Konstellation für Jonas. Doch Malenas Interesse an ihm ist nicht ganz erloschen, sieht sie doch nun eine Möglichkeit, mithilfe ihres ungewollt prominenten Exfreunden selbst zu Ruhm und Ansehen zu kommen.

Hans: Jonas’ bester Freund, der stets versucht, ihn an eine seiner Cousinen zu verschachern.

So könnte man noch eine Weile weitermachen, denn es gibt noch mehr von den tollen Charakteren, die einem begegnen und Gefühle von Schmunzeln über Dauergrinsen bis hin zum lauten Draufloslachen bescheren.

Das ganze wird verpackt in diese einmalig lustige Story voller Humor, Sarkasmus, Ironie, ein wenig Religionskritik und kleinen Seitenhieben auf den Vatikan, die Todsünden, Neid, Habgier und Freundschaft. Ein Buch, das locker mit Christopher Moore, Monty Python und David Safier mithalten kann und das man, wenn man es einmal begonnen hat, nicht mehr aus der Hand legen will! Wermutstropfen: Es war wieder viel zu schnell gelesen! lach

Wenn ihr gerne lacht und Mieses Karma mögt, werdet ihr Heilig über Nacht lieben! Danke für dieses mega Buch, lieber Björn und bitte bald mehr davon!!!

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

venedig, verrat, portia, intrige, narr

Der Schelm von Venedig

Christopher Moore , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag (HC), 26.05.2014
ISBN 9783442313280
Genre: Humor

Rezension:

Der Hofnarr Pocket reist im Auftrag der Königin von England, seiner geliebten Cordula, nach Venedig um dort den Ausbruch eines Krieges zu verhindern, den die Mächtigen der Stadt anzetteln wollen. Diese Mission gerät jedoch zunächst in den Hintergrund des Geschehens, da Cordula an einem mysteriösen Fieber starb. Pocket ist in tiefster Trauer, ahnt er doch zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Cordula Opfer einer Intrige des Senators Brabantio und des Kaufmanns Antoio wurde. Direkt nach seiner Ankunft in Venedig geht Pocket den beiden in die Falle und wird bei lebendigem Leibe in einen Keller eingemauert. Hilfe kommt von unerwarteter Seite in Form einer liebestollen Meerjungfrau (Ist es wirklich eine Meerjungfrau, oder doch etwas anderes, dass Pocket seiner Sinne beraubt und ihm aus der Misere hilft? Findet es heraus!!)

Er kann sich aus dem Kellergefängnis befreien und findet zuflucht bei Shylock, einem jüdischen Geldverleiher und seiner liebreizenden Tochter Jessica. Ihr vertraut er seine Pläne an, sich an Brabantio rächen zu wollen, und gemeinsam machen sie sich auf die Reise. Doch plötzlich taucht der oberste General des venezianischen Militärs, Othello, auf und macht den Beiden einen Strich durch die Rechnung. Denn Othello ist der Schwiegersohn von Brabantio und der Ehemann von dessen Tochter Desdemona. Sollte Brabantio also etwas geschene, würde Othello per Erbrecht Senator in Venedig werden. Das will natürlich verhindert werden, besonders von geschickten Strippenziehern wie Jago. Als das klar wird, ist es doch von großem Vorteil, dass sich Pocket und Othello kennen, denn mit einem auf Rache getrimmten Narren, kann sich das Blatt doch sicher noch einmal wenden…

 ~

Mit Der Schelm von Venedig ist Christopher Moore ein einzigartiger amüsanter Lesespaß gelungen, der perfekt an seine letzten Bücher anknüpft. Othello trifft auf den Kaufmann von Venedig und an Ende hat man einen spritzigen Roman, der dem Leser schon nach wenigen Seiten ein breites Dauergrinsen sowie gute Laune beschert. Langeweile? Nicht wenn Pocket in der Nähe ist und dem Leser mit flapsig, teils urkomisch ordinärer Ausdrucksweise zeigt, wo der Hammer hängt. Unterhaltung und spritziger Wortwitz reichen sich die Hand und legen ein Tempo vor, dem man als Leser immer weiter folgen möchte. Laute Lachanfälle sind vorprogrammiert!

Klassische Shakespeare Figuren und Grundzüge seiner Stücke bilden die Basis für diesen Roman. Doch es geht auch nicht ohne einen Geist… Und ohne eine “Meerjungfrau”, die immer dann auftaucht, wenn Not am Mann ist. Entpuppt sich die Meerjungfrau dann noch als Drache, den der Narr “gepoppt” hat, zeigt sich der Wortwitz in vollster Blüte. Ein rhetorisches Feuerwerk voller deftiger, kühler, sich teils unter der Gürtellinie  befindender und dennoch immer grandios lustiger Wörter und Sätze wird auf jeder einzelnen Seite von Moore abgefeuert und peppt die Shakespeare-Klassiker ganz schön auf!

Natürlich bleibt auch der Tragödienaspekt nicht außen vor. Betrachtet man den Tod  Cordulas, die Intrigen, schier ausweglose Situationen… Aber immer wieder trumpft Moore auf und setzt noch einen Spruch drauf, der die Situation fix wieder zur brillanten Komödie werden lässt – man denke nur an Drool! Ein Wechselbad der Gefühle: Liebe und Schmerz, Vertrauen und Verrat, Freundschaft und Hass.

Verschiedene Erzählperspektiven runden das Ganze ab und zeigen Liebe, Tod und Machtspiele im Roman auf eine ganz einzigartige Art und Weise. Ein wahrer Lesegenuss, der voller Spannung und Humor bis zur letzten Seite zu überzeugen versteht und von mir eine klare Leseempfehlung bekommt.

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(933)

2.135 Bibliotheken, 94 Leser, 8 Gruppen, 236 Rezensionen

bücher, fantasy, bibliomantik, magie, libropolis

Die Seiten der Welt

Kai Meyer
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.09.2014
ISBN 9783841421654
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Furia Salamandra Faerfax lebt gemeinsam mit ihrem Vater Tiberius, dem kleinen Bruder Pip und drei Hausangestellten in den abgelegenen Tiefen der Cotswolds. Ihr riesiger Landsitz wurde auf einer riesigen Bibliothek erbaut, und so ist es kein Wunder, dass auch Furia den Büchern verfallen ist. Ihr Vater ist schließlich ein Bibliomant und auch in ihr zeigen sich starke Züge dieser Macht. Wenn sie nur endlich ihr Seelenbuch finden würde, das sie zur vollständigen Bibliomantin machen würde! Die ganze Familie leidet noch sehr unter dem Tod von Furias Mutter und jeder bewältigt die Trauer auf seine Weise: Furia flieht in die Bücher Siebensterns, dem Lieblingsautor der Mutter, ihr Vater zog sich sehr zurück und hat sich dem Kampf gegen die Entschreibung der Bücher verschrieben. Am meisten leidet jedoch Pip darunter, der seither eine schlimme Angst vor Clowns entwickelt hat und nur mit Clownschminke durch das Haus läuft, da er denkt, dass er so unerkannt bleiben kann. Da er keinerlei bibliomantische Züge aufweist, ist er meist auf sich allein gestellt, und nur dem merkwürdigen Chauffeur Sunderland gelingt es, dem Jungen ab und an seine Fröhlichkeit zurückzugeben.

Eines Tages findet Tiberius wieder ein “leeres Buch” und nimmt Furia mit, um es zu suchen. Diese leeren Bücher müssen zerstört werden, um die Entschreibung der Welt zu verhindern. Doch dann kommt es zu einer Katastrophe: Jemand scheint Furia und ihren Vater zu erwarten und es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der Tiberius schwer verletzt wird. Furia gelingt es mit Hilfe einer Unbekannten, den Vater wieder nach Hause zu bringen, wo er jedoch in den Armen der Tochter stirbt. Damit beginnt Furias Abenteuer jedoch erst richtig, denn jemand sehr gefährliches ist ihr auf der Spur. Als dann noch Pip entführt wird, heißt es schnell zu handeln. Eine spannende Reise in die Refugien beginnt und soll zu Furias größter Mission werden…

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Was kann man zu einem Buch sagen, das alles hat, was ein gutes Buch haben muss?? Ich glaube,Meisterwerk trifft es am besten! Kai Meyer ist ein wundervoller Roman gelungen, der von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln und begeistern versteht. Er entführt den Leser in Welten, von denen jeder Buchliebhaber nur träumen kann. Da ist einmal Libropolis, ein wahrer Traumort für Bücherliebhaber. Dort findet man alles rund ums Buch und auch jedes Buch was geschrieben wurde! Dort wachsen Bäume, an denen anstelle von Blättern Lesebändchen wachsen und aus Büchern gefallene Exlibri fristen ein trauriges Leben zwischen den Bibliomanten. Schnabelbücher werden aufeinander losgelassen in Wettkämpfen, die die heutige Vergnügungssucht nur zu deutlich darstellen. Bis eines der Bücher komplett zerstört ist, werden die armen Dinger aufeinandergehetzt. Doch eines kann gerettet werden. Wie? Lasst euch überraschen grins. Auch den Wald der toten Bücher mit seinen besonderen Bewohnern, denKallixen, besucht Furia während ihres Abenteuers. Dazu soll an dieser Stelle aber nicht mehr verraten werden!

In Bezug auf die Charaktere kann man nur sagen, dass Kai Meyer eine Fülle von liebevoll gezeichneten Persönlichkeiten präsentiert, die gemeinsam mit den Handlungsräumen ein absolut einzigartiges Werk ergeben. Auf der einen Seite haben wir Furia und ihre Familie – die Guten – die sich dem Kampf gegen die Entschreibung verschworen haben und somit auch Gegner der Akademie sind. Leider wird Tiberius schon sehr zeitig aus der Welt gerissen, sodass man nicht viel mehr von ihm kennen lernen konnte, als dem Fleiß in Bezug auf seine Arbeit und die Trauer um seine verstorbene Frau. Pip, der Angst vor Clowns hat und sich deshalb als einer von ihnen tarnt, steht mit seiner Trauer meist etwas allein da. Furia ist sehr fixiert auf ihre erwachenden Fähigkeiten, die sie eng an den Vater binden, doch Pip hat keine bibliomantischen Fähigkeiten und somit auch nicht diese besondere Verbindung zum Vater. Dennoch spürt man die Liebe zwischen allen Familienmitgliedern und auch den drei Hausangestellten Sunderland, Pauline und Wackford.

Neben den menschlichen Figuren begegnet man auch noch besonderen Haushaltsgeräten und Möbeln, die ein Eigenleben entwickeln: Sessel und Tischlampe werden zu ebenso nützlichen Begleitern und Helfern, wie die kleinen staubfressenden Origami in der Bibliothek.

Außer den Guten muss es natürlich innerhalb einer solchen Geschichte auch die Bösen geben und die begegnen uns gerade in den Refugien sehr häufig, bevor sie letztendlich auch die Menschenwelt stürmen. Dabei muss natürlich allen voran Die Umgarnte samt ihrer Kavaliere genannt werden, die es von der ersten Minute an erbarmungslos auf Furia abgesehen hat und den kleinen Pip in ihrer Gewalt hat. Doch sie ist nur eine Gefahr, auf das Furia während ihres Abenteuers trifft. Aber zum Glück findet man in Notsituationen oft Freunde fürs Leben. So ergeht es auch Furia, die in Libropolis auf Cat und Finnian trifft, die treue Begleiter in allen Lebenslagen werden sollen. Auch Severin, der treue Brieffreund aus der Vergangenheit spendet Trost und unterstützt Furia auf eine besondere Weise, die sich mancher Leser sicher auch wünschen würde!

“Sich zu mögen heißt, zu entdecken, dass man dieselbe Sprache spricht. Sich zu lieben bedeutet, in derselben Sprache zu dichten. Ich weiß nicht, ob wir schon miteinander dichten, Furia, aber zumindest schreiben wir ein Buch zusammen.” (Sevrin an Furia)

Das waren bei Weitem noch nicht alle Figuren, Orte und Besonderheiten des Buches, aber mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten! Die Seiten der Welt muss man selbst erkunden, um ihre Fülle und Vielseitigkeit erkennen zu können. Mann kann diese Welt kaum in Worte fassen, die Kai Meyer da kreiert hat. Einfach nur wundervoll! Ich möchte dieses Buch wirklich jedem Bücherliebhaber empfehlen, vielleicht findet so mancher darin ja sein Seelenbuch. In meinem Herzen hat es seinen festen Platz gefunden und ich glaube zu spüren, wie sich manch ein Seitenherz zu spalten beginnt und wie sich die wohlige Wärme der Bibliomantik in mir ausbreitet, wenn ich an diesen Lesegenuss denke.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Angriff der unsinkbaren Gummienten

Christopher Brookmyre
Flexibler Einband
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 14.08.2014
ISBN 9783869710976
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jack Parlabane, seines Zeichens Journalist aus Glasgow und bekennender Atheist und Zyniker, glaubt weder an Geister noch an andere Dinge die sich nicht wissenschaftlich erklären lassen. Außerdem verabscheut er jene Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die vielen gutgläubigen Menschen mit dubiosen Vorhersagen hinters Licht zu führen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Da Jack zu keiner dieser Parteien gehört, wird ihm die Ehre zuteil, ein besonderes Experiment zu begleiten: Gabriel Lafayette,ein berühmtes Medium mit einer sensationellen Erfolgsquote, soll in einer exklusiven Forschungsreihe an der Universität komplett überwacht und wissenschaftlich belegt beweisen, dass er Übernatürliches bewirken kann. Sollte dies der Fall sein, würde der Uni ein eigener Lehrstuhl für Spirituelle Wissenschaften eingeräumt werden, der an die wissenschaftliche Fakultät angegliedert werden solle.

Parlabane nimmt an und wird dem Team zugeordnet, dass den Versuch auf Betrügereien hin überwachen soll. Scheinbar scheint dies der Fall zu sein, denn Parlabane schildert seine Sicht der Dinge aus dem Totenreich und deutet an mehreren Stellen an, dass er eines nicht normalen Todes starb, sondern Opfer eines dubiosen Verbrechens wurde.

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Brookmyres Roman ist nicht nur ein Krimi, sondern viel mehr auch ein Spiegel der Gesellschaft. Gerade in der heutigen Zeit, in der fast täglich bahnbrechende technische und wissenschaftliche Fortschritte gemacht werden, schießen die Spiritisten, Medien, Fanatiker und Sekten nur so aus dem Boden. Fernsehsender bieten – vorrangig in den Abendstunden – Wahrsagerei und Vorhersagen an und die Leitungen glühen. Menschen lassen sich aufs Schlimmste manipulieren, was der Autor am Beispiel der Zeugen Jehovas zeigen, die lieber ihr Kind sterben lassen, als ihm die lebensrettende Blutkonserve geben zu lassen. Eine klare Ansage gegen die kommerzielle Ausbeute leichtgläubiger Menschen!

Ähnlich eines Puzzles gestaltet Brookmyre seine Geschichte. John Parlabane, der einzige der Bescheid weiß, berichtet machtlos aus dem Jenseits, während sich im Diesseits die Protagonisten die Klinke in die Hand geben. Aus verschiedenen Perspektiven werden die Geschehnisse vor, während und nach des Experimentes geschildert, bis sie letztendlich ein schlüssiges Gesamtbild ergeben. Brookmyre entzaubert das Mythische und zeigt die Tricks, mit denen die Spiritisten arbeiten und belegt nicht nur einmal, wie leicht sich die Menschen veräppeln lassen – weil sie es teilweise auch gar nicht anders wollen, denn sie bekommen ja scheinbar genau die Antworten, die sie insgeheim hören wollten. Wie beruhigend ist es doch, aus “fachlicher” Hand zu hören, dass es dem geliebten Menschen im Jenseits wirklich gut geht und dass er nicht will, dass wir auf der Erde in Trauer versinken?

Eine Wendung jagt die nächste und man gerät oft auf die falsche Spur. Nichts ist wie es scheint, alles ist eine große Illusion. Lafayette ist der Star dieser Illusion und die Menschen scharen sich freiwillig um ihn, denn er kennt die Antworten auf die Fragen der Menschen, er kann Trost spenden, Angst nehmen – und sich damit wunderbar bereichern. Dieses Prinzip funktioniert schon seit vielen Jahrtausenden und erinnert an die Handlungsweisen verschiedener Glaubensgemeinschaften. Wissenschaftlich belegt ist dabei nicht viel, aber die Menschen wollen ja meist auch keine Beweise, das gute Gefühl genügt.

Die Story insgesamt ist mehr als spannend, man muss aktiv dabei sein, um den verschiedenen Handlungssträngen zu folgen und die Puzzleteile zueinander zu bringen. Die lebendigen Charaktere tragen dazu viel Nützliches bei: Erfahrungen mit dem Spirituellen, Zweifel, die Suche nach der Wahrheit, aber auch Selbstbetrug und Dreistigkeit. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Humor und Unterhaltung, die das Buch zu einem tollen Gesamtwerk mit aufklärerischem Charakter machen. Für mich ein sehr informatives, spannend-kurioses und unterhaltsam-schwarzhumoriges Lesevergnügen, das ich hier nur empfehlen kann!

Anmerkung: Angriff der unsinkbaren Gummienten ist der fünfte Band der Romane um den Journalisten Jack Parlabane, aber der erste, der in deutscher Sprache übersetzt wurde. Dies tut der Handlung eigentlich keinen Abbruch, nur findet man ab und an Bezüge auf Jacks Vergangenheit, die mich, da ich das erst nach dem Lesen festgestellt hatte, leicht verwunderten.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

mäuse, fantasy, kinderbuch, erwachsen werden, familie

River Singers - Aufbruch ins Ungewisse

Tom Moorhouse , Leonard Thamm , ,
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.05.2014
ISBN 9783499212239
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Alles begann an einem Grauen Morgen, an dem das Wasser des großen Flusses besonders still war. Sylvan, einer der Jungen der Schermaus Daphne, erwachte als Erster und suchte den Weg nach draußen. Denn heute sollte es soweit sein: Die jungen Mäuse sollten das erste Mal den Bau verlassen und ihr Territorium kennenlernen. Nachdem auch seine Geschwister Fern, Orris und Avens endlich wach waren, konnte das Abenteuer beginnen. Im Hinterkopf waren dabei immer die Worte der Mutter:

“Wir sind Fluss-Sänger, ein Wasservolk, die Kinder von Sinethis. Wir leben, wie er es uns vorgibt. Er nimmt unsere Alten und schenkt uns Junge. Er stillt unseren Hunger und ernährt uns mit Gräsern. Er schützt uns in seinen Wassern und Bauen. Er zieht uns zu sich und stößt uns wieder von sich, wenn es ihm gefällt. Er singt mit uns ein Lied, so weich wie die Disteln, so hart wie die Wurzeln, so tief wie die Schatten und so alt wie die Steine. Wir singen mit ihm ein Lied, so schnell wie Gedanken, so süß wie Äpfel, so kurz wie der Tag. Wir sind Fluss-Sänger und wir gehören ihm.” (S. 14-15)

Geführt und beschützt von der Mutter und mit dieser Lebensregel im Hinterkopf wagten die vier jungen Mäuse ihre ersten vorsichtigen Schritte in die Freiheit, lernten Nahrung zu finden und trafen auch auf erste Feinde, vor denen sie sich zukünftig besser in acht nehmen sollten, wie zum Beispiel vor Fischreihern. Die Mäuse lernten, den Fluss zu überqueren und in ihm zu schwimmen, sich tragen zu lassen. Besonders Sylvan war von der Welt außerhalb des Baus stark beeindruckt und war nur schwer wieder nach drinnen zu bewegen.

Die Idylle sollte jedoch nicht von Dauer sein, denn großes Unheil droht über die Sänger hereinzubrechen. Mäuse verschwinden spurlos, die erwachsenen Sänger sind besorgt und ratlos und guter Rat ist teuer. Man spricht von einer dunklen Gefahr, die in der Nacht hereinbricht und das Volk des Flusses bald ganz zum Verschwinden bringen wird, von einer Gefahr, die der Fluss noch nie gesehen hat. Das Ausmaß wird den jungen Mäusen erst dann bewusst, als sie nachts vom Grauen aufgesucht werden. Von einem Grauen mit Krallen, das in ihren Bau einzudringen versucht und den jungen Mäusen die Mutter nimmt.

Ein Ereignis, das die vier kleinen Schermäuse tief trifft und an der Sicherheit des Territoriums zweifeln lässt. Letztendlich fällt Sylvan den Entschluss, dass der Fluss an dieser Stelle keine Sicherheit mehr birgt und dass sich die Sänger auf die Suche nach einer neuen Heimat machen müssen. Eine lange und abenteuerliche Reise beginnt, die neben vielen Gefahren auch etliche Überraschungen bereithält.

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Tom Moorhouse ist mit seinem Roman “River Singers – Aufbruch ins Ungewisse” ein wundervolles Werk gelungen. Eine Geschichte, die an die großen Bücher “Unten am Fluss” und “Wind in den Weiden” erinnert und diesen auch absolut das Wasser reichen kann.

Die Geschichte ist herzerwärmend und man begleitet die vier kleinen Mäuse von der ersten bis zur letzten Seite voller Hoffnung, Liebe, Bangen, Trauer und Freude bei ihren Abenteuern. Die Figuren sind so liebevoll und detailliert gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist, ihre Entwicklung zu verfolgen. Zunächst Sylvan, der nicht schnell genug aus dem Bau heraus in die Freiheit kommen konnte und dann vor die Prüfung seines Lebens gestellt wird. An seiner Seite die kleine Fern, voller Power und Cleverness, die den stürmischen Sylvan nicht nur einmal vor einem lebensgefährlichen Fehler bewahrt. Dazu noch Avens und Orris voller Mut, Durchhaltevermögen und Kampfgeist und man hat eine Familie, die gemeinsam alles erreichen kann. Und genau diesen Wert vermittelt das Buch: Familie ist etwas, um das es sich zu kämpfen lohnt, egal wie aussichtslos die Situation zu sein scheint. Und die vier Mäuse halten zusammen! Doch auch gute Freunde braucht man, um ein solches Abenteuer überstehen zu können. Meist sind das die, von denen man es am Wenigsten erwartet, um nicht sogar zu sagen, die, welche man nie zu seinen Freunden zählen würde. Doch wenn man ihnen erst einmal zuhört und eine Chance gibt, entstehen möglicherweise Freundschaften, die wertvoller sind, als der schillerndste Diamant.

Insgesamt eine Geschichte, die jedem, egal ob groß oder klein, nur ans Herz zu legen ist. Voller Weisheit und auf eine besonders liebevolle Art wird eine Geschichte erzählt, die man auf das eigene Leben projizieren kann. Jeder wird einmal im Leben vor eine ausweglos scheinende Situation gestellt oder mit starken Verlusten konfrontiert werden, aus der er nur mithilfe der Familie und Freunde herausfinden kann. Doch man sieht: Der Kampf lohnt sich!

Lasst Euch vom Lied der River-Singers verzaubern und begleitet die Mäuse beim Abenteuer ihres Lebens! Ich hoffe, dass es weitere Bände aus der Reihe um den kleinen Sylvan und seine Familie geben wird, und danke dem Rowohlt-Verlag für diesen Lesegenuss der besonderen Art.

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2.176 Bibliotheken, 59 Leser, 22 Gruppen, 199 Rezensionen

tod, bücher, freundschaft, 2. weltkrieg, krieg

Die Bücherdiebin

Markus Zusak , Alexandra Ernst
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 07.09.2009
ISBN 9783442373956
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wir befinden uns im Jahr 1939. Im kalten, schneereichen Winter sind Liesel Meminger und ihr Bruder Werner auf dem Weg nach Molching, um ihren neuen Pflegeeltern übergeben zu werden. Eine erste Katastrophe erschüttert Liesels junges Leben: Werner stirbt während der Fahrt und muss auf der Strecke beerdigt werden. Während der Beerdigung sieht Liesel, wie der junge Bestatter ein Buch im Schnee verliert. Die Bücherdiebin schlägt das erste Mal zu und mit dem „Handbuch für Totengräber macht sie sich auf die Reise in ihre ungewisse Zukunft. Ihr steter Begleiter ist dabei kein Geringerer als der Tod selbst, der Liesels Geschichte in allen Farben und Facetten berichtet.

Ein neuer Lebensabschnitt für Liesel beginnt in Molching, in der Straße, die nach dem Himmel benannt ist, bei Hans und Rosa Hubermann, in einem kleinen Haus mit zu niedrigem Keller. Das Erste, was das Mädchen mit ihrer neuen Familie verbindet, ist das lautstarke Fluchen von „Mama“ Rosa. SAUMENSCH heißt das neue Zauberwort, das Rosas Lieblingsbezeichnung für Liesel und auch Hans ist (da auch in der Abwandlung Saukerl). Klingt hart, findet ihr? Lest das Buch und ihr werdet den Begriff lieben, denn darin verbirgt sich auch etwas ganz anderes: pure Liebe!

„Was ist schlimmer als ein Junge, der dich hasst? Ein Junge, der dich liebt.“ (S. 59)

Genau auf diesen trifft Liesel auch: Rudi Schneider, Jesse Owens Fan und begeisterter Läufer, der zu ihrem Vertrauten, besten Freund und Seelenverwandten wurde und … der einen Kuss von Liesel wollte, den diese ihm aber niemals geben wollte.

Diese Menschen stellten also das neue Zentrum in Liesels neuem Leben dar, oder? Richtig, wenn man nicht das „Handbuch für Totengräber“ vergisst, das stets seinen Platz an Liesels Herzen hat, wenngleich sie nicht einmal weiß, was sie da mit sich herum trägt. Denn: Liesel kann nicht lesen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem neuen Papa und sie beginnt bei ihm lesen zu lernen und den Wert der Worte zu erkennen.

Eines Tages geschieht jedoch etwas absolut Unerwartetes im Leben der Habermanns: ein ausgemergelter junger Mann vor der Tür, der von Rosa und Hans im Keller versteckt wird. Im Keller? Ja, denn Max Vandenburg ist Jude, also die Gefahr Nummer 1, die man sich zu dieser Zeit ins Haus holen konnte.

Der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft und einer aufregenden Zeit im Hause Habermann, die geprägt sein wird von tiefen Gefühlen, weiteren Bücherdiebstählen, 13 Geschenken, Geheimnissen und politischen Entwicklungen…

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Die Bücherdiebin – ein Buch, über das man Bücher schreiben könnte. Markus Zusak ist damit ein Wunderwerk gelungen. Auf eine bisher einzigartige Art und Weise gelang es ihm, die Zeit des Nationalsozialismus einzufangen und dem Leser zu präsentieren. Gerade auch für Jugendliche sollte es zur Pflichtlektüre werden, spiegelt es doch so viele Werte und so viel Geschichte wieder.

Gleich zu Beginn zeigt uns der Tod persönlich, was das Verderben ist! Drei Mal ist er Liesel direkt begegnet und drei Farben begleiteten ihn dabei:

rot-weiß-schwarz: die Farben des Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus, der Liesel die Mutter und den Bruder nahm, der ihr Leben bei den Habermanns bestimmte, der ihr den Freund Max nahm, nur weil dieser der falschen Religion angehörte. Der Nationalsozialismus der Menschen in den Krieg trieb, der Menschen ausrottete. Krieg – Tod – Schmerz – Verlust – alles Dinge, die unter dem Hakenkreuz zu schlimmer Realität wurden. Der Nationalsozialismus, der Wohlstand und Frieden versprach – wenn man sich mit der Partei arrangieren konnte. Doch konnte es jeder? Hans Hubermann konnte es nicht …

Bücher als ein weiterer wichtiger Aspekt des Romans: Durch sie lernt Liesel die Bedeutung der Wörter kennen, sie lernt lesen und das Lesen wird zu einem zentralen Punkt im Leben des Mädchens. Sie erkennt die Macht der Worte. So vieles kann mit Worten erreicht werden – Gutes und Schlechtes. So bleibt auch ihr erster Bücherdiebstahl nicht der Einzige. Ein zweites Buch stiehlt sie während einer Bücherverbrennung zu Ehren Hitlers. Ein gefährlicher Akt, der ihr jedoch neue Türen öffnet – nämlich die zur Bibliothek der Bürgermeistergattin. Wo dies hinführen wird? Lest selbst und heftet Euch an die Fersen von Liesel, wenn sie sich einmal wieder auf den Weg zum Haus des Bürgermeisters macht.

Zusak zeichnet in seinem Roman wunderbare Charaktere, die plastischer nicht dargestellt werden könnten. Die Beziehungen und Verbindungen werden im Verlauf des Buches immer klarer und reißen von der ersten bis zur letzten Seite mit. Eine Handlung, so vielseitig und tiefgründig, dass sie trotz der bekannten Grundmaterie komplett überzeugt. Trotz des fiktiven Ortes gibt es so viel Realität darin, dass man sich versucht fühlt, mehr über den Ort Molching und die Schicksale der dort lebenden Protagonisten zu erfahren. Wie kann etwas Fiktives so real sein? Zusak sagte dazu in einem Interview im Börsenblatt:

„Aus dem Heimatdorf Olching, wo sich die Schlüsselszene des Romans “Die Bücherdiebin” ereignet, habe ich kurzerhand Molching gemacht. Ich wollte keinen realen Schauplatz, sondern wollte den Ort der Handlung selbst erfinden. Ich habe mich also an der Realität orientiert, sie aber fiktionalisiert. Der Name Molching stand sehr schnell fest, bei anderen Namen dauerte es länger. Manche habe ich aus bestehenden Namen zusammengesetzt, zum Beispiel von Freunden meiner Eltern oder aus dem Abspann deutscher Filme.“

Insgesamt ein Buch, welches sich sofort in die Kategorie Herzensbuch geschlichen hat. So viel Tiefe, Gefühl, Wahrheit auf so vielen Seiten, die man am Liebsten in einem Rutsch lesen möchte und die mir einige Nächte mit sehr wenig Schlaf beschert haben, habe ich bisher nicht so oft erlebt und ich danke Markus Zusak aus ganzem Herzen für dieses Wunderwerk!

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

buchhandlung, bücher, vorgeschichte, san francisco, penumbra

Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra

Robin Sloan
E-Buch Text: 64 Seiten
Erschienen bei Karl Blessing Verlag, 03.03.2014
ISBN 9783641140656
Genre: Romane

Rezension:

Alles begann im Jahre 1969 in San Francisco mit einem jungen Mann, der enttäuscht und im festen Glauben, den ihn erteilten Auftrag nicht erfolgreich beenden zu können, auf eine kleine und unscheinbare Buchhandlung stößt. Darin trifft er auf einige langhaarige Vertreter, die sich um die Verkaufstische scharen oder aber in tiefsinnige Gespräche vertieft sind. Doch das ist nicht alles: Im hinteren Teil des Geschäfts gibt es Regale, so hoch, dass sie im Dunkeln verschwinden. Trotz eines mulmigen Gefühls bleibt der junge Mann im Laden – es ist schließlich ein Buchgeschäft. Also überwindet er seine Scheu und fragt nach dem gesuchten Buch TECHNE TYCHEON – Die Kunst der Wahrsagerei. Mit diesem Gesuch beginnt eine abenteuerliche Reise, zunächst in die Vergangenheit, denn der junge Mann ist kein geringerer als

AJAX PENUMBRA

persönlich.

Am College trifft er auf seinen Zimmergenossen Claude Novak, seines Zeichens bekennender Computerfreak und beginnt sein Studium im Hauptfach Englisch. Dabei bleibt es aber nicht, denn schon nach kurzer Zeit entdeckt er, dass es auch noch  Kurse für Studenten mit besonderen Interessen im Bereich Okkulte Literatur bei Langston Armitage gibt. Dort kommt Penumbra auch erstmals mit besonderen Büchern aus Silber und Knochen in Berührung. Kurz vor seinem Abschluss wird Penumbra zu Armitage gerufen, und bekommt das Angebot, Mitglied in seinem Bibliotheksstab zu werden. In diesem Zuge erhielt er auch den ersten großen Auftrag, nämlich das TECHNE TYCHEONzu finden.

Eine heiße Spur, ein gewisser William Gray, führt Penumbra dann nach San Francisco, wo er in der kleinen Buchhandlung landete, die ich Euch zu Beginn vorstellte und in der er seine Geschichte gerade dem Verkäufer, einem gewissen Mr. Corvina erzählte, der wiederum seinem Chef Mohammed Al-Asmari von der Suche nach dem TECHNE berichtete. Beide wollen ihn bei der Suche unterstützen, aber unter einer Bedingung: Penumbra müsse nun auf den Laden aufpassen, während Corvina auf der Suche ist. Höchstes Gebot dabei: Finger weg von den Büchern auf den hohen Regalen, denn diese sind nur für Mitglieder! Eine abenteuerliche Suche beginnt, die in eine unglaubliche Entdeckung mündet. Mehr soll dazu an dieser Stelle nicht verraten werden, lasst Euch schon von dieser Kurzgeschichte in eine besondere Welt entführen.

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Die unglaubliche Entdeckung des Mr. Penumbra ist eine wundervolle Kurzgeschichte aus der Feder von Robin Sloan und für Leser des eigentlichen Hauptwerkes ein absolutes Muss. Ob man es vor oder nach der Lektüre der Buchhandlung liest, sei dabei jedem selbst überlassen. Der Leser bekommt Einblicke in die Kindheit und vor allem in die Schulzeit Penumbras. Wir erfahren, wie er mit den Büchern in Berührung kam – nicht nur mit Büchern im Allgemeinen, sondern viel mehr mit besonderen Büchern – und wie er zuletzt doch in der Buchhandlung von Corvina blieb, die später einmal seine werden soll! Dazu kommt auch schon die erste Berührung zwischen – ich nenne es einmal so – Tradition und Innovation im Sinne von Buch trifft auf Computer oder Bibliophiler trifft auf Computerfreak. Eine Konstellation, die sich im Hauptwerk noch als mehr als wichtig erweisen soll. Wundervolles Zusatzmaterial also, das man jedem Penumbrianer nur ans Herz legen kann!

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555 Bibliotheken, 7 Leser, 4 Gruppen, 93 Rezensionen

bücher, google, buchhandlung, geheimnis, rätsel

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Robin Sloan , Ruth Keen
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blessing, 03.03.2014
ISBN 9783896674807
Genre: Romane

Rezension:

Schon seit jeher beschäftigen die Menschen die großen Geheimnisse und Fragen der Welt und des Lebens. Nicht selten stehen diese im Zusammenhang mit großen Abenteuern und Gefahren. Schon in den Ursprüngen der Literatur machen sich Helden auf die Suche nach den Reliquien des ewigen Lebens, wie zum Beispiel schon ab dem frühen 12. Jahrhundert in den Gralslegenden, die bis in die heutige Zeit überdauern. Erinnern wir uns an Indiana Jones, der unter anderem genau nach diesem Gral, der ewiges Leben verspricht, suchte. Meist stehen diese Suchen nach den großen Geheimnissen des Lebens im Zusammenhang mit einem Helden, einem gewaltigen Basiswissen des jeweiligen Bereiches, einer großen Reisebereitschaft, einer Schnitzeljagd, gefährlichen Auseinandersetzungen mit geheimdienstlichen oder politischen Organisationen, viel Action sowie der Fähigkeit Dinge zu entschlüsseln. Dabei denke ich insbesondere an den lieben Dan Brown oder – um wieder einmal auf den cineastischen Wegen zu wandeln – an Indiana Jones oder Flynn Carsen aus der“The Quest“ Reihe.

Doch auch ohne großes „Hollywood-Kino“ kann man sich auf die Suche nach dem Gral begeben – nämlich nach dem Heiligtum einer jeden bibliophilen Gesellschaft! Dabei wird man definitiv kein Zeuge von wilden und actiongeladenen Szenen, sondern nimmt viel mehr Teil an einer traditionellen Art und Weise der akribischen Entschlüsselung von Einzelteilen, die zur Lebensaufgabe wird. Aber um das zu verstehen, wendet Ihr Euch am besten an einen wahren Fachmann in diesem Bereich:

Mr. Ajax Penumbra – Inhaber der Buchhandlung Penumbra – 24 Stunden geöffnet

Durch die Tür ebendieses kleinen und unscheinbaren Buchladens tritt eines Tages der arbeitslose Webdesigner Clay Jannon, der aufgrund einer Stellenanzeige bei Penumbra vorstellig wird. Er bekommt den Job und absolviert nun die Nachtschichten in der Buchhandlung. Dass dort etwas ganz und gar nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wird spätestens dann klar, als er mit den „Hausregeln“ konfrontiert wird:

„„Erstens: Du musst immer von Punkt 22 Uhr bis Punkt sechs Uhr hier sein. Du darfst dich nicht verspäten. Du darfst nicht früher gehen. Zweitens: Du darfst die Bücher in den Regalen nicht durchblättern,  lesen oder in sonst einer Weise inspizieren. Du darfst sie den Mitgliedern holen. Mehr nicht.“ […]. „Du musst alle Transaktionen präzise protokollieren. Die Uhrzeit. Die äußere Erscheinung des Kunden. Seinen Gemütszustand. Wie er nach einem Buch fragt. Wie er es entgegennimmt. Ob er verletzt aussieht. Ob er einen Rosmarinzweig am Hut trägt. Und so weiter.““(S.22)

Die Bücher in den Regalen sind das eigentliche Mysterium der Buchhandlung, die sonst kein wirklich vielseitiges Angebot aufzuweisen hat. Kaum ein Kunde kauft etwas, nur die Mitglieder kommen in unregelmäßigen Abständen und leihen ein Buch aus den ewig hohen Regalen aus, die nur über sehr hohe Leitern erreichbar sind. Angestiftet durch seinen Freund, wirft Clay doch einen Blick in eines der Bücher und sieht nur unzusammenhängende Buchstabenreihen. Ein Code?? Komisch, genau wie das gehetzte Verhalten derjenigen, die die Bücher leihen. Clay wird neugierig und wäre nicht Webdesigner geworden, wenn er sich nicht der Technik bedienen könnte, die er nun auch benutzt um hinter das Geheimnis der Gesellschaft zu kommen. Just in diesem Moment trifft er auf Kat, die bei keinem Geringeren als bei GOOGLE persönlich arbeitet. Gemeinsam mit einigen Freunden Clays und Penumbras beginnt ein Abenteuer, dessen Ausmaß und Folgen die Beteiligten in diesem Moment noch nicht zu erkennen vermögen.

Ein Geheimnis, das bis tief zu den Wurzeln der Kunst des Buchdrucks führt, ein Geheimnis, das mit keinem anderen Hilfsmittel als dem eigenen Verstand gelöst  werden sollte, wird mithilfe modernster Technik binnen Sekunden gelöst und ebnet den Weg zur endgültigen Lösung des großen Geheimnis. Doch wie wird der innerste Zirkel der Suchenden auf diesen innovativen Schritt reagieren? Können Tradition und Innovation in diesem Fall miteinander agieren? Lasst Euch mitnehmen auf eine Reise in die Vergangenheit des Druckgeschichte, in die Buchhandlung Penumbra und versucht das Rätsel mit Clay und seinen Freunden zu lösen!

Denn etwas anderes bleibt Euch gar nicht übrig. Robin Sloan gelang ein so toller Schreibstil, der den Leser immer auf einer Ebene mit den wunderbar gezeichneten Charakteren hält. Jede persönliche Vermutung konnte auf der nächsten Seite zunichte gemacht werden. FESTINA LENTE – Eile mit Weile – wurde das Leitmotto von mir und meine lieben Mitpenumbrianern. Penumbrianer? Genau… durch Zufall fanden wir – Heike von irve liest, Arndt und Bini von Literatwo und ich zueinander. Ja, wir kannten uns schon, aber diesmal geschah es, dass wir unabhängig voneinander dasselbe Buch begonnen hatten (ohne Absprache) und schnell bemerkten, dass wir dabei auf genau derselben Wellenlänge lagen.

Robin Sloan nahm uns mit auf eine Reise bis zum Beginn des Buchdrucks. Eine Geschichte, die den Wert der Worte zu vermitteln weiß und die die Wichtigkeit der Erhaltung dieser verdeutlichte. Dazu kommt noch eine große Portion Aktualität, befinden wir uns doch jetzt gerade in einer Zeit, in der die technischen Innovationen im Buchbereich den Markt erobern und zur Konkurrenz der klassischen Bücher werden. Ist es in Anbetracht dessen so abwegig, dass sich der innere Zirkel der Suchenden im Roman so vehement gegen die Technik wehrt? Und auch die zwischenmenschliche Ebene kommt nicht zu kurz, denn ohne seine Freunde wäre dieses Abenteuer für Clay nie durchführbar gewesen.  Buchfreunde, begleitet unsere Protagonisten durch eine Geschichte, die die wahre Liebe zum Buch, zur wahren Kunst des Buchdrucks und der Typografie zeigt und macht Euch auf die Suche nach dem großen Geheimnis. Vor allem aber nehmt Euch Zeit, um tief in die wundervollen Seiten dieser vielschichtigen und tiefgründigen Geschichte einzutauchen, die zunächst viele Fragen aufwirft, am Ende jedoch keine unbeantwortet lässt.

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233 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

steampunk, fantasy, london, feen, magie

Die Seltsamen

Stefan Bachmann ,
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.02.2014
ISBN 9783257068887
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es gab einmal eine Zeit, da öffnete sich ein Portal und die Feen suchten unsere Welt heim. Es folgten bittere Schlachten mit vielen Toten und die, die übrig blieben, wurden zusammengetrieben in ihrer neuen Heimat: New Bath. Was mit der Magie geschah, fragt Ihr Euch? Sie galt von diesem Zeitpunkt an als etwas Schlechtes und wurde bedeckt gehalten. Eisen war das Heilmittel gegen die Zauber und mit dem Erwachen des Industriezeitalters hatten auch die Feen ihren festen Platz in unserer Welt gefunden, ohne dass die Magie noch groß Erwähnung fand. Da überall mit viel Eisen gearbeitet wurde und dieses zu einem Bestandteil von nahezu allem geworden war, war es auch kaum möglich auch nur einen kleinsten Zauber zu wirken. Die Feen hatten sich also mit dem normalen Leben arrangiert. Ganz anders verhält es sich jedoch mit den Sídhe, den früheren Hochelfen. Sie können ihren früheren Status nicht vergessen und haben sich geschworen, die alte Macht zurückzuerlangen.

Am schwersten hatten es jedoch die Mischlinge unter ihnen. Sie werden von niemandem gemocht, wie Ausgestoßene behandelt und Morde an ihnen sind zur schlimmen Tagesordnung geworden. Bartholomew Kettle gehört zu den Mischlingen und lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Hettie, auch ein Mischling, in einem Feen-Slum in London. Verstecken und von niemandem gesehen werden sind die wichtigsten Punkte im Leben der beiden. Eines Tages taucht jedoch eine wunderschöne und zugleich mysteriöse Dame in einem pflaumenblauen Kleid auf und nimmt den Sohn der Nachbarsfamilie Buddelbinster mit sich fort. Dies ist jedoch nur der Beginn einer grauenvollen Serie von Morden an. Mischlingskindern, die merkwürdig hohl an der Themse gefunden werden. Diese Morde lassen auch den Politiker Arthur Jelliby, einen sonst eher ruhigen und nahezu ein wenig phlegmatischen Zeitgenossen nicht kalt. Als dann auch noch Hettie entführt wird, führt das Schicksal die Wege von Batholomew und Arthur zusammen und die beiden ungleichen Weggefährten machen sich auf, um das Rätsel zu lösen und um die kleine Hettie zu erretten…

 

“Die Seltsamen” – ein ganz besonderes Buch, welches schon mit seinem Cover meine Neugier erweckt hat. Ein stilisierter mechanischer Vogel auf roten Grund entführt den Leser auf eine Reise ins London zur Zeit der Industrialisierung. Eisen erobert die Zeit, Dampf liegt über der Stadt, Lärm, Fortschritt und Mechanisierung treffen aufeinander. Eine Zeit, die ich sehr spannend finde, gerade aufgrund der vielen Innovationen und eine Zeit, die die perfekte Kulisse für diesen Roman darstellt.

Dazu kommt die Fülle an besonderen und einzigartigen Figuren. Fantastische Wesen geben den menschlichen die Klinke in die Hand! Da gibt es die unnahbaren Sídhe, dabei allen voran den sehr ungemütlichen Justizminister Lickerish, die Kobolde, Trolle, und Mischlinge, wie Barthy und Hettie. Gerade die Geschwister habe ich direkt in mein Herz geschlossen! Sie verkörpern eine Zusammengehörigkeit, die in ihrer Situation so wichtig ist und so viel Kraft gibt. Eine Zusammengehörigkeit, die Barthy vorantreibt, so aussichtslos die Situation auch zu sein scheint. Auf der anderen Seite haben wir die Menschen wie Arthur Jelliby, eine – wie ich finde – gelungene und liebevoll gezeichnete Karikatur eines Politikers, der lieber in den Tag hineinlebt, als selbst Entscheidungen zu treffen. Beides auf ihre Weise Antihelden, deren Wege sich in einer dunklen und aussichtslosen Stunde kreuzen und die nun zeigen müssen, was in ihnen steckt.

Die Handlung des Romans finde ich wundervoll. Eine Fülle an Ideen und Phantasie, die  von dem Altbekannten abweicht und eine vollkommen neue Art des Fantasy-Romans erschafft. Besonders gelungen ist dabei die Aufteilung der Handlung in die zwei verschiedenen Sichtweisen von Barthy und Mr. Jelliby, die eine Betrachtung aus zwei Perspektiven ermöglicht und das Erschließen der Handlung auf eine ganz andere Ebene hebt.  Das ist ja an sich nichts Neues, gibt dem Roman aber einen besonderen Schliff. Von der ersten Seite an konnte das Buch absolut überzeugen und hielt den Spannungsbogen auch bis zur letzten Seite aufrecht. Anhand der Entwicklung der Geschehnisse blieb am Ende viel Potential für die  Fortsetzung, auf die ich mich sehr freue und ich wage hier jetzt einfach mal die Aussage, dass “Die Seltsamen” eine wundervolle Ouvertüre zu dem Folgeband/den Folgebänden sind, da das eigentliche Kernproblem noch nahezu unangetastet geblieben ist und mit der Entführung Hetties erst richtig ins Rollen gebracht wurde. Eine spannende Hinführung zur Kernthematik, die jedoch so vielseitig, detailliert und liebevoll ausgearbeitet ist, dass sie auch dieses ganze Buch mühelos und ohne einen einzelnen Moment der Langeweile zu füllen vermochte. Freunde des Steampunk und guter Fantasy, ganz gleich ob jung oder alt, sollten sich dieses Buch zur Hand nehmen und sich einfach begeistern lassen!

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

pferde, erdmännchen, ermittlungen, tiere, zoo

Dumm gelaufen

Moritz Matthies
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 20.02.2014
ISBN 9783651000728
Genre: Humor

Rezension:

Endlich! Die Erdmännchen sind zurück! Nach einem langen Winter ruft der neue Clanchef Rocky den Frühling aus, was bedeutet, dass alle wieder nach draußen ins Freigehege ziehen. Doch Moment mal.... wieso sind da keine Frühlingsgefühle? Und wieso ist es so kalt? Und wieso sind da überall Eisblumen an den Scheiben? Schnell wird klar, dass der Frühling noch gar nicht da ist, sondern Rocky aus Verzweiflung gehandelt hat. Denn über den Winter ist viel passiert im Clan der Berliner Erdmanns: Roxane, Rockys Frau, hat vier Junge geboren (Celina, Chantal, Cindy und Colin), die dem Papa quasi den letzten Nerv rauben. Und auch Roxy selbst ist nicht mehr die, die sie einmal war. Anstatt Spaß und Vergnügen gibt es nun Übermama Roxy mit allen dazugehörigen hysterischen Anwandlungen! Da es im Winterquartier keinerlei Rückzugsmöglichkeit gibt, hilft nur die Flucht nach vorn ... oder in diesem Fall nach draußen.

Doch auch dort wartet die eine oder andere unliebsame Überraschung auf unsere Freunde. Ray, endlich wieder in der Lage seine geliebten Streifzüge durch den Zoo zu machen, trifft fast der Schlag, als er nach einer Stippvisite bei den Flamingos vor Elsas Gehege ankommt. Innerlich noch in Gedanken an die vergangene wilde Liebesnacht mit der angebeteten Chinchilladame, wird er jedoch rasch in die kalte Realität zurückgeholt. Elsa ist weg und in ihrer Burg lebt nun die peruanische Hasenmaus Erwin. Nicht gerade eine erfreuliche Entdeckung, um nicht zu sagen: eine KATASTROPHE für unseren Erdmann.

Bloß gut, dass es in solchen Situationen beste Freunde wie Phil und Brüder wie Rufus gibt. Auch er ist nach wie vor von Liebeskummer nach der kleinen Nymphomanin Nathalie geplagt und versucht Ray dabei zu helfen, Informationen über den Verbleib Elsas zu bekommen. Phil indessen ist frisch zurück aus dem (Liebes)Urlaub von Piroschka, einer früheren Bekanntschaft aus einem Fall und schlägt Ray einen Ausflug zur Pferderennbahn vor. Dort angekommen wird aus dem Vergnügen schnell bitterer Ernst, als Rennpferd Stardust während des Rennens stürzt und tödlich verunglückt. Stardusts Partnerin und auch ehemaliges Rennpferd Angel Eye glaubt nicht an einen Unfall und beauftragt unsere beiden Detektive mit der Lösung des Falls.

Eine turbulente Rätselei um den Tod des Pferdes beginnt, bei dem die zwei Detektive auch erneut tatkräftige Unterstützung von tierischer Seite bekommen. Diesmal sind es besonders die rolligen Bonobos, Maulwurf Pavel und der manisch depressive Nattern-Plattschwanz Sergeant Rick, die zeigen können, was in ihnen steckt. Und natürlich kann auch Bruder Rufus mit ein paar technischen Errungenschaften glänzen, die die Ermittler nicht nur einmal auf die richtige Spur bringen.

Moritz Matthies ist mit diesem dritten Roman um das beliebte Erdmännchen-Detektivteam eine absolut tolle Fortsetzung gelungen. Wer schon einen oder sogar beide Romane aus der Serie gelesen hat, wird hier auf bekanntes Terrain stoßen. Viel Humor, witzige Dialoge zwischen den Tieren oder zwischen Tier und Mensch sowie die drollige Beschreibung und Darstellung der Eigenarten des jeweiligen Charakters geben dem Buch den gewissen Matthies-Charme. Ich habe mich wieder köstlich amüsiert, besonders (Achtung kurzer Spoiler) als Ray seine ungeahnten Fähigkeiten als Psychotherapeut für eine Seeschlange erkennt. Unglaublich witzig - glauben doch die anderen Clan-Mitglieder, dass Pas Angst vor den Puffottern doch nicht von ungefähr kommt, als der ausgewachsene und dazu noch hochgiftige Rick im Gehege auftaucht und sich bei Ray ausweinen möchte. (Spoiler Ende). Und natürlich Elsa, die Schöne, die Unnahbare. Nie war sie so nah wie am Ende des zweiten Buches und nie so fern, wie in diesem. Was bleibt mehr zu sagen als: "You must remember this, a kiss is still a kiss, a sigh is just a sigh.... As time goes by." Lieber Ray, auch du wirst irgendwann noch die große Liebe finden und bis dahin bescherst Du uns hoffentlich noch viele tolle Romane!


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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

huhn, liebe, hochzeit, regina mengel, venedig

Hochzeit mit Huhn: Der einzig wahre Chick(en)Lit-Roman

Regina Mengel
Flexibler Einband: 294 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 14.12.2013
ISBN 9781494444846
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eigentlich sollte es der schönste Tag im Leben von Lisa sein: die eigene Hochzeit. Stattdessen bekam sie einen chaotischen Mix aus turbulenten Vorbereitungen, Chaos und dem wohl größten persönlichen Albtraum in Form ihres Ex-Freundes Simon, der zusammen mit dem Samstagshuhn Antje die Hochzeit zu sprengen versucht.

Diese findet sehr zu Simons Leidwesen jedoch trotzdem statt. Er hatte ja seine Chance, die er im wahrsten Sinne verspielt hat, indem er Lisa still und heimlich einfach verlassen hat, ohne ihr einen Grund zu liefern. Bloß gut, dass es in solchen Situationen eine beste Freundin – in diesem Fall Saskia – gibt, die Lisa aus dem tiefen Loch herausholen konnte und wieder ins Leben zurückführte. Kurz darauf begegnete ihr dann auch schon David, mit dem das Leben nahezu perfekt scheint, sodass sie seinen sehr schnellen Heiratsantrag auch annimmt. Ob das nicht eine Entscheidung sein wird, die Lisa bereuen wird? Und was hat es mit den vielen ungelesenen Briefen auf sich? Und vor allem: Was macht Huhn Antje in der Kirche?

Antworten auf all diese Fragen gibt uns Regina Mengel im weiteren Verlauf ihres herrlichen Romanes. Habe lange nicht so gelacht – eigentlich ist mir das Grinsen während fast des ganzen Buches nicht aus dem Gesicht gewichen. Eine tolle Story mit einer minimalen Schwachstelle (auf die ich hier aus Spoilergründen nicht näher eingehen möchte und die der Qualität des Romans aber keinen Abbruch tat), Humor und Situationskomik bis zum Umfallen und ein tolles Chick-Lit Happy End lassen die Leserherzen von allen Frauen und Mädels höher schlagen, die gute Unterhaltung mit einem Hauch Crime (ja, auch die Spannung kommt im Buch nicht zu kurz) und viel viel Liebe zu schätzen wissen!

Die Personen sind sehr toll gezeichnet und charakterlich fein und detailliert ausgearbeitet! Wundervoll, man denkt phasenweise, dass man direkt mit Lisa und Saskia am Tisch sitzt, man sieht die freche, geradlinige Saskia (die übrigens meine Lieblingsfigur des Romans wurde), die Lisa mit allen Kräften ins Leben zurückholt, fühlt mit Simon. Ach, man ist einfach mitten dabei!

Ich bin begeistert, liebe Regina, gib uns bald mehr wundervolle Chick-Lit 

5 von 5 Hühnereiern müssten es in diesem Falle wohl sein!!

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122 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

magersucht, lucinda, malina, jarvis, magersuch

Und auch so bitterkalt

Lara Schützsack
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 20.02.2014
ISBN 9783596856190
Genre: Jugendbuch

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

magie, fantasie, historisches, sklavenhandel, pirat

Kurtisanen leben gefährlich

Michelle Natascha Weber
E-Buch Text: 497 Seiten
Erschienen bei null, 24.10.2013
ISBN B00G6DRCVU
Genre: Fantasy

Rezension:

Wir befinden uns im Jahre 1592 in Porto di Fortuna, der Heimatstadt der wundervollen Kurtisane Lukrezia. Allseits beliebt und als gern gesehener Gast auf wichtigen Bällen in toller Begleitung lebt sie ein ruhiges und sorgenfreies Leben als strahlender Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Bis zu dem Tag, an dem Andrea Luca Santorini in ihr Leben tritt und dieses gehörig durcheinanderwirbelt. Aus der geschäftsmäßigen Liebe wachsen ehrliche Gefühle, denen jedoch Etikette und eine nicht zu unterschätzende Rivalin in Form der Verlobten Andrea Lucas – die Artista Alesia – gegenüberstehen. Scheint diese Verlobung auch nicht von Bestand zu sein, droht Gefahr von ganz anderer Seite: Eines Tages legt ein Schiff im Hafen von Porto di Fortuna an und bringt die wundervolle orientalische Prinzessin Delilah in die Stadt. Neue Pläne werden geschmiedet und Delilah wird Andrea Luca versprochen. Ein Fakt, mit dem sich Lukrezia und Andrea nicht abfinden wollen. An Bord des Schiffes von “Narbenmann” Domenico Verducci heißt es dann für die junge Kurtisane die edlen Kleider gegen Degen und Hose zu tauschen und dem Abenteuer ihres Lebens entgegenzusegeln, welches sie an weit entfernte, wundersame Orte führen wird.

Michelle Natascha Weber ist mit ihrem Roman Kurtisanen leben gefährlich ein wahres Wunderwerk gelungen. Sie entführt den Leser in ferne Welten, in denen Magie herrscht, von denen noch nie ein Mensch gehört hat. Ein Märchen von 1001 Nacht im neuen Gewand nimmt den Leser mit auf die Reise durch die Welt – Terra Edea – der jungen Lukrezia. Eine Reise, die begleitet wird von wundersamen Gestalten und besonderer Magie. Auf der einen Seite haben wir die Artiste – Künstlerinnen, deren Magie darin besteht, die Schicksale der Menschen durch ihre Pinselstriche zu beeinflussen und tief in deren Gedanken einzudringen. Auf der anderen Seite magische Lieder, die den Willen beeinflussen können und Tänzerinnen, deren Schleier die Menschen in ihren Bann ziehen und eine nicht zu verachtende Gefahr darstellen. Dazu kommt noch eine tüchtige Portion Abenteuer in Form des Wüstenprinzen Bahir und des Piraten Verducci, sowie durch kunstvoll gefochtene Duelle zwischen den Männern, die an die früheren Mantel und Degen Filme erinnern.

Die Reise führt uns jedoch nicht nur nach Marabesch, wo sie erhofft, ihre große Liebe retten zu können, sondern auch in Lukrezias eigene Vergangenheit, die im Verlauf der Handlung peu à peu aufgedeckt wird. Die Handlung: einzigartig und vielschichtig. Michelle Natascha Weber ist ein wundervoller und mitreißender Plot gelungen, der von der ersten bis zur letzten Seite mitreißt. Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen  Dazu kommen noch die vielen wundervollen Charaktere, die mit vielen Details und spezifischen Charaktereigenschaften gezeichnet wurden und eine wahre Bilderflut beim Lesen verursachen!

Allen Freunden von romantischen und phantasievollen Märchen und Abenteuern im Mantel und Degen Stil sei dieser Lesegenuss unbedingt ans Herz gelegt! Lasst Euch verzaubern und in ferne Welten entführen, die ich, nachdem ich das Buch gelesen habe, nur zu gern selbst einmal sehen würde 

Satte 5 von 5 Sterne mit Extrasternchen!!! Danke liebe Michelle und lass uns nicht zu lange auf neuen zauberhaften Lesestoff warten!!

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

magie, deutscher, verrat, fantasyroman, dunkler pfad

Magier des Dunklen Pfades II - Der Alte Bund

Peter Hohmann
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Begedia Verlag, 23.12.2013
ISBN 9783943795691
Genre: Fantasy

Rezension:

Nach gar nicht so langer Wartezeit veröffentlichte Peter Hohmann seinen zweiten Teil der „Magier des dunklen Pfades – Der alte Bund“ – sehr zu meiner Freude, konnte ich doch am Ende des ersten Teils schon kaum erwarten zu wissen, wie es weitergeht!

Mit dem Zitat: „Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.” beginnt dieser zweite Teil und ich bin sehr froh, dass Peter Hohmann sich auch in diesem Band für die Zitate zu Beginn der Kapitel entschieden hat.

Lorgyn versucht weiterhin verzweifelt das Leben seiner Frau Aluna zu retten, obgleich er sich auch weiterhin nach der jungen Laris verzehrt. Als er seine Frau bei den Quellen aufsucht, erwartet ihn eine böse Überraschung: Aluna hat sich komplett von ihm abgewendet und für sich beschlossen, die ihr verbliebene Zeit glücklich mit dem Mitpatienten Turdon zu verbringen. Rasend vor Eifersucht und aus blindem Hass, werden Turdon und dessen Vater zu den nächsten Opfern, die Lorgyn für seine grausamen Experimente zur Heilung Alunas betreibt. Waren es die guten Absichten, die Lorgyn einst zu diesen Experimenten bewogen, so wurden diese zu einem Wahn, der das Gegenteil mit sich brachte: nämlich die absolute Entfremdung seiner Frau. Alles Schlechte hat jedoch auch sein Gutes und so kam es, dass diese zwei Menschenopfer der Schlüssel zur Entdeckung wichtiger magischer Ströme wurden. Diese Entdeckung war jedoch so kraftzehrend, dass Lorgyn ohnmächtig und in Gefangenschaft genommen wurde. Unterdessen wurde auch Arlo von Iros-Tempelwachen verschleppt. Laris vermutet, dass ihr Vater und dessen Freund Toste im direkten Zusammenhang dazu stehen und versucht, Licht in das Dunkel zu bringen. Kann Lorgyn aus der Gefangenschaft befreit werden und werden Laris und er die Reise nach Gruvak erfolgreich durchführen können? Wird Aluna geheilt werden und welches Geheimnis steckt hinter den magischen Strömen? Lasst Euch mitreißen in diesen zweiten Band voller Geheimnisse, Magie und einer ordentlichen Portion Action!

Peter Hohmann ist mit seinem zweiten Teil der „Magier des dunklen Pfades“ ein nahtloser Übergang zu Teil 1 gelungen, was nicht weiter verwunderlich ist, da er den Roman eigentlich als ein Buch konzipiert hatte. Die Wahl der Zitate zu Beginn der einzelnen Kapitel ist ihm dabei sehr gut geglückt, geben sie doch einen ersten Hinweis auf die Kernthemen der jeweiligen Abschnitte.

Zur Handlung: Dazu fällt mir eigentlich nur eins ein! Wahnsinn!!! War der erste Teil schon prima, gibt es hier noch eine große Steigerung. Einerseits die Herausarbeitung der Beziehung zwischen Lorgyn und Aluna, die von einstiger Liebe mehr und mehr zu Hass und Wahn wurde, die Besessenheit des Magiers, hinter die alten Geheimnisse zu kommen – insgesamt eine Wahnsinnsleistung des Autors. Andererseits der Spannungsgehalt des Buches: Man möchte es ab einem gewissen Punkt nicht mehr weglegen, da sich die Spannung von Seite zu Seite mehr steigert und letztlich in ein schon als nahezu episch zu bezeichnendes Ende ufert. Zu den Charakteren ist eigentlich nichts weiter zu sagen, außer dass sie genauso liebevoll und detailgetreu gezeichnet sind, wie schon in Band 1! Toll dabei auch die Entwicklung, welche die einzelnen Figuren durchlaufen, ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen! Insgesamt ein wahrer Lesegenuss, der allen Freunden gepflegter Fantasy-Romane sehr ans Herz zu legen ist! Ich sag Danke, lieber Peter und hoffe, bald mehr aus Deiner Feder lesen zu dürfen!

5 von 5 Sternen für die Magier, die mit so vielen spannenden Wendungen zu überraschen und begeistern wussten.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

all age fantasy, fantasy, high fantasy, zwillingsbruder, mut

Pech und Schwefel

Madison Clark
E-Buch Text: 214 Seiten
Erschienen bei Madison Clark, 15.12.2013
ISBN B00HBUPBE2
Genre: Sonstiges

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44 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

freaks, lehrer, berlin, marktforschungsinstitut, freak

Bin isch Freak, oda was?!

Philipp Möller
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 17.01.2014
ISBN 9783404607587
Genre: Humor

Rezension:

Schon 2012 sorgte Philipp Möller mit seinem Roman „Isch geh Schulhof“ für Furore. Mit einem Augenzwinkern und viel Ernst beschreibt er darin die Erlebnisse seiner Zeit als Aushilfslehrer an einer fiktiven Berliner Grundschule. Dort traf er vorrangig auf Kids aus bildungsfernen Familien, die nahezu ohne Regeln, Vorbilder und Ziele aufgewachsen sind. Doch dann kam Peters letzter Tag an der Schule und neue Perspektiven mussten her.

Einerseits wehmütig nimmt er Abschied von der Schule, den Kids und vom Lieblingskollegen Geierchen, mit dem er einige Momente nochmals Revue passieren lässt. Auf der anderen Seite jedoch der Gedanke, doch irgendwo froh zu sein, diese Freak-Show hinter sich zu haben. Moment … hinter sich zu haben? Ein Gedanke, den Kollege Geierchen gleich zunichtemacht:

„Pass ma uff: Schule is  ‘ne Miniaturlandschaft der Jesellschaft. Und wenn de denkst, Möller, die Minifreaks war’n schon crazy – dann schau dir die Exemplare ma in Originalgröße an!“(S. 16)

Damit sind wir schon mitten in Philipp Möllers neuem Roman „ Bin isch Freak oda was?! Geschichten aus einer durchgeknallten Republik.“ Darin beschäftigt sich Möller mit einer großen Frage unserer Zeit und unserer Gesellschaft:

„Leben wir also wirklich in einer Freak-Republik? Wandeln wir eher zwischen Exzentrikern, Übertreibern und Paradiesvögeln durch die sechzehn Bundesländer als zwischen kultivierten Dichtern und Denkern? Und was meint dieser Begriff eigentlich: Freak? Glücklicherweise sind die Zeiten ja vorbei, in denen siamesische Zwillinge, Frauen mit Vollbärten oder körperlich beeinträchtigte Menschen als Zwerge, Riesen oder Dreibeinige im Zelt eines Wanderzirkus ausgestellt wurden. Wohin hat sich dieser Begriff also entwickelt? Was bedeutet es inzwischen, ein Freak zu sein?“(S. 27)

Los geht nun die Reise durch die Republik. Vom Termin beim Arbeitsamt – 12 Monate Zeit bleiben, um einen neuen Job zu finden, bevor die HartzIV-Falle zuschnappt – hinein in den ersten Familienurlaub mit Sarah und klein Klara in Kroatien. Endlich Idylle und Ruhe! Oder auch nicht, denn die erste Kategorie Freak lässt nicht lange auf sich warten: der Raser. Kein Tempolimit kann ihn halten und jedes Risiko ist sein Freund. Nur leider nimmt er auch keine Rücksicht auf seine Mitmenschen, sondern rast im vollsten Bewusstsein der Gefahr, die er darstellt, über die Autobahnen und scheint noch nie etwas von einer Straßenverkehrsordnung gehört zu haben. Mit Überschreitung der kroatischen Landesgrenze wurden die Freaks jedoch nicht in der „Freak-Republik“ zurückgelassen, sondern tauchten scharenweise auch im Urlaub auf: Wir treffen auf stereotype Landsmänner, die wirklich jedes Klischee erfüllen und auch auf Vertreter des Chantalismus – wir erinnern uns: Kinder aus bildungsfernen Familien, die mit besonders exotischen Namen ausgestattet wurden. Auch eine Sonderform dessen begegnet uns: die Akademikerfamilie. Diese Gattung neigt zur antiautoritären Erziehung und bedient sich vorrangig am skandinavischen Namensfundus.

Zurück in der Heimat, also zurück in der Freak-Republik: Im rasanten Tempo geht es weiter durch den nicht so alltäglichen Alltag im Leben Philipp Möllers. Eine neue Arbeit im Callcenter wurde ihm vermittelt. Zwar nicht gerade das, wovon er träumte, aber immerhin eine Basis, von der aus man sich besser umschauen kann. Neben der Arbeit begleiten wir Philipp durch sein Privatleben und seine Freizeit: Vom homöopathiebegeisterten Rockabillypärchen über Esoteriker mit wuchernden Preisen und zweifelhaften Erfolgen, über die Begegnung mit patriotischen Burschenschaftlern bis hin zur veganen ehemaligen Arbeitskollegin treffen wir dabei auf eine ganze Reihe besonderer Kategorien von Menschen, die uns der Autor auf gewohnt humorvolle Weise präsentiert, bevor das letzte große Kapitel – Glaube und Religion – einsetzt. Ein Thema, in dem ich der Denkweise des Humanisten Möllers absolut zustimme! Welten treffen nun aufeinander! Gläubige vs. Atheisten in einer Diskussionsrunde, an der er durch einen Zufall teilnehmen kann. Ein Zufall, der sein weiteres Leben verändern wird.

Mit „Bin isch Freak oda was?!“ ist Philipp Möller erneut ein absolutes Meisterwerk gelungen. Genau wie in seinem ersten Buch „Isch geh Schulhof“ gelingt es ihm, die Erlebnisse auf eine derartig einmalige Weise zu schildern, dass man das Buch gar nicht mehr beiseitelegen mag. Ich hatte es schon nach zwei Tagen komplett gelesen. Der Schreibstil ist gewohnt humorvoll und mit einem Augenzwinkern versehen, wobei die Ernsthaftigkeit der Themen aber nicht an Sachlichkeit verliert. Ein jeder von uns kann sich sicher genau in den Autor versetzen und hat beim Zusammentreffen mit manch einem Menschen schon insgeheim gedacht: „Boah, was für’n Freak.“

Auch diverse Trends der Zeit werden präsentiert, wie eben die vegane Kollegin oder das homöopathiebegeisterte Pärchen. Dies sind genau die Dinge, die unsere Gesellschaft seit 1-2 Jahren prägen. In meinem eigenen Freundeskreis gibt es sie: die Homöopathen, die auf einmal die Haare nur noch mit Vulkanerde waschen und die Zähne mit Schlämmkreide putzen; die Hipster mit einem Faible für veganes Essen, Club-Mate und den Retrolook; die Künstler – junge Freigeister voller Toleranz für alles und dauerpositivem Denken bis hin zur tiefen Melancholie oder eben die Rockabillys und Rockabellas, die mit viel Tinte unter der Haut und schicken Petticoats ihr Leben back to the 50’s bringen. Alles liebevolle Charaktere, liebenswerte „Freaks“, die unsere Gesellschaft hervorgebracht hat und die unser aller Leben etwas bunter machen. Und denken wir doch auch an die ganzen technikbegeisterten Computerfreaks, ohne die so manch wichtiges Dokument, die Abschlussarbeit oder gar der gesamte PC zum Tode verurteilt wäre. Seien wir froh, dass wir nicht in einer sterilen Welt voller uniformer Menschen leben, sondern in einer bunten Gesellschaft voller verschiedener Typen leben, die sich stetig verändert und immer neue Trends und Freakigkeiten hervorbringt. Und mal ganz ehrlich: Sind wir nicht alle ein wenig Freak?!

„„Ick sachet ja“, wiederholt Geierchen auf der Treppe zur U-Bahn. „Dit janze Land is voller Freaks – und weil in Berlin die meisten rumspringen, sinn wa och Hauptstadt jeworden.““ (S. 17)

In diesem Sinne ein riesen Dank für den Ausflug durch unsere durchgeknallte Republik, lieber Philipp, und satte 5 von 5 Punkten mit extra Sternchen für Dein neues Buch!!!

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

krimi, mord, bayern, wallner, kreuthner

Totensonntag

Andreas Föhr , Michael Schwarzmaier
Audio CD
Erschienen bei Argon, 21.11.2013
ISBN 9783839812624
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 Totensonntag ist der fünfte Roman aus der Serie um die Kommissare Wallner und Kreuthner. Eigentlich müsste er jedoch an erster Stelle stehen, beschreibt er doch den ersten Fall Wallners, der im Jahr 1992 noch ein frischgebackener Kriminalkommissar war.

Wallner begleitet Kreuthner zu einem Besäufnis auf eine Berghütte, wo beide mitten in eine Geiselnahme geraten. vom Geiselnehmer Nissel erfahren die Kommissare von einer tragischen Geschichte, die sich in der Zeit des zweiten Weltkriegs abgespielt hat und die Kreuthner die heiße Spur zu seiner ersten selbst entdeckten Leiche - einem Frauenskelett in einem verzierten Sarg mit einem Einschussloch im Kopf - liefert.

Im weiteren Verlauf des Buches gliedert sich die Handlung in zwei Ebenen: Zum einen bleiben wir im Jahr 1992 und begleiten die Kommissare bei ihren Ermittlungen und zum anderen begeben wir uns auf eine Reise ins Jahr 1945, wo wir über die Geschehnisse während des Kriegs informiert werden.

Im Zentrum steht dabei Frieda, eine Gefangene des KZ Dachau, die den SS-Mann Kieling kennt und beim Zusammentreffen kurz vor Kriegsende hofft, dass er sie nicht erkennt und ihr Leben somit verschont bliebe. Eine Fülle von Ereignissen folgt im Wechsel mit den aktuellen Ermittlungen. Ereignisse, die berühren, verwundern, dem Leser nahegehen. Eine beeindruckende Leistung des Autors, diese Geschehnisse so real und plastisch dazustellen. Man fühlte sich direkt in die Zeit zurückversetzt und konnte die Ängste der Menschen und die Hoffnung auf baldige Rettung durch die Amerikaner fast körperlich spüren. Genauso deutlich  zeigt er dem Leser das Verhalten der Nazis in Oberbayern, die begeisterten Kids, die unbedingt mitmachen wollen und zu Mitläufern werden, andere die gezwungen wurden, der Bewegung zu folgen  und die Bürger, die die Augen vor den Gräueltaten um sich herum verschließen.

Anders als im Jahr 1992: Hier begleiten wir, wie gesagt, die Kommissare bei ihren Ermittlungen im Fall der Frauenleiche. Mit zum Teil sehr unkonventionellen, gar tollpatschigen und unbeholfenen Methoden schreiten die Kommissare stellenweise zur Tat, sodass ein glaubwürdiges Bild der Staatsmänner in manchen Szenen kaum möglich ist. Allerdings störte mich das größtenteils nicht unbedingt, konnte ich mich doch so stellenweise vor Lachen nicht mehr halten.

Insgesamt ist Andreas Föhr mit seinem Krimi ein tolles Werk gelungen. Eine perfekte Mischung aus Ernst, Humor, Lokalkolorit und Geschichte, die den Leser bis zuletzt fesselt. Die Handlung lässt auch keinerlei Wünsche offen, strotzt sie doch vor Spannung und unvorhersehbaren Wendungen bis zum Ende. Da dies mein erster Krimi des Autors und der Serie ist, bleibt mir an dieser Stelle nur ein kleiner Wunsch nach mehr Authentizität der Kommissare, die in ihrer derzeitigen Verfassung wohl eher kurz vor der Suspendierung als vorm Erfolg stehen dürften (spoil siehe bekiffte Staatsanwältin oder einen Kommissar, der sich an der Asservatenkammer bedient und mit dem dort gefundenen Sprengstoff fast ein Haus in die Luft jagt). Dennoch sind die Charaktere wunderbar geformt und liebevoll gestaltet, was dann irgendwo wieder ein uriges Gefühl vermittelt. Ach, ich mag sie alle und auch die Handlung und ich will mehr davon lesen und schauen, wie sie sich alle entwickeln.

Noch ein kleinerNachtrag: Habe dank einer Lovelybooks-Leserunde auch das Hörbuch genießen dürfen und muss an dieser Stelle noch ein großes Lob an den Sprecher Michael Schwarzmaier aussprechen. Der bekannte Film- und Theaterschauspieler macht aus dem Hörbuch viel eher ein Hörspiel. Jeder Charakter bekommt eine eigene Stimme oder einen eigenen Dialekt verpasst. Einfach nur klasse und ein wahrer Hörgenuss!!

Insgesamt: 5 von 5 Sternchen

 

 

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

fernsehen, dreierbeziehung, dd, mor, amerikane

Auf Sendung

Beate Baum
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Sutton, 01.10.2013
ISBN 9783954002221
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wir befinden uns in Erfurt im Jahr 1991. Die Wende liegt noch nicht lange zurück und vieles befindet sich noch im Umbruch oder im Aufbau. So auch die neu entstehende Medienlandschaft. Mitten drin: Kirsten Bertram, Redakteurin, die ihre Chance ergreift und einen Job im neu entstandenen "Tageskurier" annimmt. Ein Job, der aufregend und abwechslungsreich auf einmal ist.

Genau wie auch ihr Privatleben: Die Suche nach einer schönen Wohnung scheint aussichtslos, sodass die junge Frau in einer typischen 1-Raum Studentenbude in einem der bekannten Hochhäuser unterkommt, was an sich nicht so schlimm ist, da sie die meiste Zeit bei ihrem neuen Freund, dem Privatdetektiv Dale Ingram, zubringt. Jedoch haben wir hier auch schon Problem Nummer 2: Kirstens ExAndreas. Andreas ist leider nicht nur Ex, sondern auch Arbeitskollege von Kirsten, der mit der Trennung so gar nicht klarzukommen scheint. Er lebt in seiner Welt voller Trennungsschmerz, exzessivem Alkoholkonsum und Schludrigkeit.

Ein Glück, dass es einen spannenden neuen Fall gibt, den die Reporter untersuchen wollen: Junge Frauen verschwinden spurlos, nachdem sie an einer freizügigen Sendung des privaten Senders PLT teilgenommen haben. Die Chefetage besteht darauf, dass Andreas am Fall dran bleibt - eine gute Entscheidung, da er sich so aus seinem Loch befreien kann. Zumindest teilweise. Bald schon gibt es eine heiße Spur, der Andreas im Alleingang nachgeht - mit fatalen Folgen. Der Mitarbeiter von PLT, der ihn kontaktiert hat, wurde umgebracht und Andreas wird zum Hauptverdächtigen.

Kann es Kirsten gelingen, den Kollegen mithilfe von Dale aus dieser misslichen Lage befreien und wird es dem Team gelingen, den Fall zu lösen?

Beate Baum ist mit ihrem Roman "Auf Sendung" ein spritziger Krimi gelungen. Eine gute Portion Lokalkolorit, ein Spritzer Humor und eine große Dosis Nachwendefeeling machen das Lesen zu einem munteren Vergnügen.

Was die Handlung betrifft, bleibt der Mordfall an mancher Stelle hinter den privaten Turbulenzen und den persönlichen Befindlichkeiten der Protagonisten zurück, was ich aber nicht so dramatisch finde, wenn man das Buch unter dem Aspekt betrachtet, dass es die Geschichte erzählt, wie das ungleiche Trio zusammenfand und in den Folgeromanen erfolgreich zusammenarbeiten kann. Insofern ist es sogar ein Muss, dass die Charaktere so detailliert gezeichnet werden und ihr Weg ausführlich beschrieben wird.

Anders sieht es mit dem Ausgang der Geschichte aus: Begann alles vielversprechend und spannend mit dem Verschwinden der jungen Damen, wird das Ende einfach zu offen gelassen. Als ich das Buch fertig gelesen hatte, habe ich wirklich nochmals zurückgeblättert, da ich dachte, ich hätte etwas überblättert oder verpasst. Sehr schade!

 Ich werde auf jeden Fall die anderen Romane von Beate Baum lesen, da mir ihr Stil sehr gut gefällt und wer weiß, vielleicht schließt ja einer direkt an die in "Auf Sendung" so abrupt endende Handlung an. Dann würden aus den 4 Sternen, die ich aufgrund des mangelnden Endes vergebe, noch 5 werden! 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

verfolgung, picasso, familie, moderne, kunst

Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine?

Anne Sinclair , Barbara Heber-Schärer
Buch: 280 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 05.02.2013
ISBN 9783888978203
Genre: Biografien

Rezension:

“Können Sie nachweisen, dass Ihre Großeltern Franzosen waren?” Diese Frage, die heute sehr an eine dunkle Epoche der Zeitgeschichte erinnert,  wird für die in den USA geborene Französin Anne Sinclair im Jahr 2010 zum Auslöser für die Reise in die eigene Vergangenheit. Nicht nur in die eigene, vielmehr in die ihres Großvaters Paul Rosenberg – seinerzeit einer der berühmtesten Kunsthändler der ganzen Welt. Nie wollte Sie sich mit der Vergangenheit der Ihren so intensiv beschäftigen, doch als sie mit den Recherchen begann, gab es bald kein “Entkommen” mehr. Sehr schnell versank sie in der Welt aus Kunst, Politik und Zeitgeschichte, der das Leben ihres Großvaters kennzeichnete.

Anne Sinclair öffnet das Familienarchiv und begibt sich auf die Reise an verschiedene Wohnorte und Plätze, die bezeichnend für das Leben ihres Großvaters waren.

Die erste Station ist dabei die Rue de la Boétie 21, die ehemalige erfolgreiche Galerie Rosenbergs in Paris. Welch schreckliche Ironie des Schicksals, die dazu führte, dass eben dort  im Jahre 1940 das IEQJ (Institut für Studium der Judenfragen) eröffnet wurde – ein wahres Zentrum der antisemitischem Hetzpropaganda. Zu dieser Zeit war Paul Rosenberg schon ein aktiver Widerständler gegen den Verkauf “entarteter Kunst” durch die Deutschen und kam prompt auf deren schwarze Liste. Die Familie mietete ein Haus in Floirac, wo sie bis zur Ausreise ins Exil, Amerika, lebte.

Doch wer war der Mensch Paul Rosenberg? Begleiten wir Anne Sinclair durch ihre Recherchen, begegnet uns ein vielschichtiger Mann:

Der Mensch Paul:

Geboren a, 29.12.1881 in der Rue de Châteaudun in Paris, wuchs er auf als Sohn des Antiquitätenhändlers Alexandre Rosenberg und seiner Frau Mathilde Jellinek. Er wurde auf eigenen Wunsch Franzose, da man damals erst mit Erreichen der Volljährigkeit eingebürgert wurde. Im Jahre 1898 trat er ins Geschäft des Vaters ein und betrieb eifrige Kunststudien, bevor er seinen Weg in der Welt des Kunsthandels beschritt.

“War er zärtlich, war er fröhlich, dieser Großvater, der zuerst Vater gewesen war, ein Papa, der sich nie so nennen lassen wollte und von seinen Kindern verlangte, dass sie ihn Paul nannten? Das schockierte die sanfte Marguérite Blanchot, die fünfzig Jahre lang bei meinen Großeltern beschäftigt war. Sie sagte immer: “Die Leute werden noch denken, dass Monsieur nicht der Vater der Kinder ist!” Paul war tatsächlich ein ängstlicher und schamhafter, zurückhaltender Vater, der sich seiner geliebten Tochter eher in Briefen als in Gesprächen öffnete.”

Ein Mensch mit tausend Facetten: Anne vermutet hinter Paul einen heiteren Charakter mit fröhlichen Zügen, der andererseits eine nüchterne, asketische bis düstere gequälte Art nach außen zeigt. Er litt furchtbar darunter, nur der Vermittler und nicht der Schöpfer von Kunst zu sein. Fremde und Bekannte beschrieben Paul als feurig, elegant, tatkräftig und hartnäckig mit einem exzellenten Auge und besten Beziehungen in der feinen Gesellschaft. In Kunstkreisen galt er als “gewiefter, geschmackssicherer Kunsthändler” mit scharfsinnigen Ratschlägen und einem top Instinkt, dessen er sich auch stets bewusst war. Ein Beispiel dafür zeigt folgende Anekdote aus Pauls Leben. Er sendete seinen Sohn nach Paris um an einer Versteigerung teilzunehmen und gab ihm folgende Anweisung, die nur auf den Katalogabbildungen der Bilder basieren:

“”Der Renoir mit der Nummer 27 ist nicht interessant. Nummer 32, der Vuillard ist wirklich ein kleines Meisterwerk. Du kannst ihn kaufen. Der Bonnard, Nummer 82, ist nicht schlecht, aber etwas früh. Bei dem Modigliani, Nummer 91, bin ich nicht sicher, ob er echt ist, und die Nummer 95, den Renoir, auf keinen Fall kaufen, das Bild ist zu bekannt, vollständig retuschiert und schon überall auf dem Markt angeboten worden.” Für einen geschwächten alten Mann, der die Bilder lediglich in einer Broschüre sieht, sind diese Ratschläge erstaunlich scharfsinnig…”

 Der Händler Paul:

In jungen Jahren noch von einem ambivalenten Verhältnis zum Beruf der Händler geprägt, entwickelte er nach und nach eine große Leidenschaft für die moderne Malerei und begann, Bilder aus dem 19. Jahrhundert zu verkaufen, um welche aus dem 20. Jahrhundert erwerben zu können.  Besonders nach dem 2. Weltkrieg wurde er berühmt für seine Kenntnisse in diesem Bereich und begann, diese Kunst den Amerikanern nahezubringen. Er schenkte den amerikanischen Museen viele Bilder – nicht zuletzt als Dank für das Asyl, welches ihm und seiner Familie nicht zuletzt durch die Hilfe des MOMA Direktors Alfred Barr ermöglicht wurde. Bis zum Zweiten Weltkrieg galt Paul in den USA als der größte Kunsthändler Europas. Auch nach dem Krieg blieb er aktiv und kämpfte für die Wiederbeschaffung der von den Nazis geraubten Werke.

Der Politiker Paul:

Paul kämpfte von Beginn an intensiv gegen die faschistischen Ideen , die ganz Europa vergifteten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er zu einem eisernen Verfechter des kämpferischen Gaullismus und war stets empört über Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlungen zwischen den Menschen.

Der Künstlerfreund Paul:

Während seiner gesamten Schaffenszeit und auch darüber hinaus pflegte Paul intensive Freundschaften zu seinen Künstlern wie Braque, Matisse und insbesondere zu Picasso. Er begleitete die Künstler durch ihre Schaffensphasen, unterstütze sie großzügig und half ihnen auch nicht wenig bei der persönlichen Entwicklung. Er klammerte sich an seine Freunde in litt sehr darunter, wenn diese nicht ausreichend Zeit für ihm aufbrachten oder wenn sich die Freundschaft in andere Wege entwickelte, was diese Auszüge aus Briefen an Pic (Picasso) zeigen:

“”Es sind jetzt acht Tage, dass wir sie nicht gesehen haben. Ich bin unruhig und meine Freundschaft leidet darunter.” [...]. “Ich sehe Ihre geschlossenen Fensterläden, das ist traurig” [...]. “Ihre Bilder hängen an meinen Wänden und Ihr tägliches Kommen fehlt mir.”"

Das Exil:

1940 heiß es dann endgültig Abschied nehmen von Paris und im September des Jahres kam die Familie Rosenberg in New York an. Für Paul eine schwere Zeit, vermisste er Paris, die Freunde und die Kunst so sehr. Er hatte kaum Kontakt in die Heimat und fühlte sich ohnmächtig und hilflos. 1941 eröffnete er dann eine neue Galerie in der 57. Straße, die 13 Jahre später in die 79. Straße umzog und dann mehr und mehr unter der Leitung seines Sohnes Alexandre stand, da Paul schon älter und sehr geschwächt war.

All dies sind nur Bruchstücke des Werkes, welches Anne Sinclair ihrem Großvater gewidmet hat und es ist jedem Kunstfreund nahezulegen, dieses zu lesen. Anne Sinclair entführt den Leser auf eine Reise in die Vergangenheit. In ihre Vergangenheit, in die des Großvaters – eines einzigartigen und bewundernswerten Mannes, in eine Welt der Kunst. In die Welt der Kunst, die über sachliche Beschreibungen und Bildkataloge hinausgeht. In eine greifbare Welt nämlich, in der man die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Freundschaft, Schaffenskrisen, Erfolge, die gegenseitige Unterstützung und die Gefühle nahezu spürbar vermittelt bekommt. Man taucht tief ein in diese persönliche Sphäre, die so lange verschlossen blieb und man muss fast ein wenig dankbar dafür sein, dass die Nationalität Sinclairs und ihrer Familie infrage gestellt wurde. Denn wer weiß, wäre dies nicht passiert, hätte sie sich womöglich nie auf die Reise ins Familienarchiv begeben und dieses wundervolle Werk würde nicht existieren. Für mich ein absolutes Herzensbuch, welches einen besonderen Platz behalten wird.

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