Leserpreis 2018

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Stieg Larssons Erbe

Jan Stocklassa , Ulrike Brauns
Fester Einband: 488 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag, 15.11.2018
ISBN 9783958902251
Genre: Sachbücher

Rezension:

          Der Mord am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme ist, um ganz ehrlich zu sein, einer der unglaublichsten und erstaunlichsten Mordfälle. Kurz nach dem Mord hatte die zweiundzwanzigjährige Sara den angesagtesten Nachtclub Stockholms, "Alexandra’s", durch den Personaleingang verlassen, um eine Zigarette zu rauchen. Als sie die Tür zur Smala gränd öffnete, rammte sie damit fast einen Mann, der einen nervösen Eindruck machte. Ihre Blicke trafen sich, dann schlug er schnell den Kragen hoch, um sein Gesicht zu verbergen. Die Stelle war so gut beleuchtet, dass sie sich die Gesichtszüge des Mannes einprägen konnte. Kaum hatte sie am Folgetag vom Mord am Ministerpräsidenten erfahren, kontaktierte sie die Polizei, um ihre erste von mehreren Zeugenaussagen zu machen. Stieg Larsson, zu diesem Zeitpunkt noch Illustrator bei der antifaschistischen Zeitung Expo, beginnt intensive Recherchen zu dem Attentat aufzunehmen, das bis heute unaufgeklärt ist. Seine Ermittlungen setzt er über Jahre hinweg fort – bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2004. Erst 2014 stößt der Journalist und Dokumentarfilmer Jan Stocklassa auf das persönliche Archiv von Larsson. Er erhält Zugang zu dem Nachlass und entdeckt in zwanzig Pappkartons die privaten Ermittlungen Larssons zum Mordfall Olof Palme. In seinem Buch erzählt Stocklassa die bislang unbekannten Recherchen des Bestsellerautors als eine faszinierende True-Crime- Story. Sie ist geschrieben wie ein spannendes Abenteuer, aber mit nur einem Anspruch: die Wahrheit wiederzugeben. Jan Stocklassa's  Dokumentation von Larssons Recherchen ist überaus faszinierend. Er hat Stieg Larssons Theorien weiterverfolgt, tiefer gegraben und neue Puzzleteile finden und zuordnen können. Das Bild, das dabei entstand, erklärt nicht nur eine Reihe sonderbarer Umstände des Mordes an Olof Palme. Es liefert das Motiv. Der Autor erläutert was vor dem Mord am Abend des 28. Februar 1986 geschah und wer sich am Tatort aufhielt, und präsentiert eine mögliche Auflösung. Anhand der Tatsachen, die er vorlegt, kann jeder seine Schlüsse ziehen....Aber vorsicht, der Mordfall Olof Palme ist wie ein hartnäckiger Virus mit hoher Ansteckungsgefahr. Das Buch schildert eine wahre Geschichte, die unter die Haut geht. Der neue Thriller über die Recherchen Stieg Larssons zum Mord an Olof Palme gibt faszinierende Einblicke in eine verschlossene Welt - knallhart, authentisch, mit großer Ernsthaftigkeit und voller Menschlichkeit erzählt. Eine Geschichte, die uns nicht unberührt lässt und für Gesprächsstoff sorgt. Sehr unterhaltsam, authentisch und lesenswert. True Crime - sehr gelungen. Hochspannend, faszinierendes unglaubliches Thriller-Sachbuch zu einem bis jetzt wenig beachteten Thema. Ein interessantes Leseerlebnis fesselnd, realistisch und wahr (?).
       

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Bösland

Bernhard Aichner
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 01.10.2018
ISBN 9783442756384
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Definitiv böse! Sommer 1987. Ein kleines Dorf in Bayern. Ben und Kux sind die besten Freunde. Der eine ist der Sohn eines prügelnden, arbeitslosen Alkoholikers, der andere das einzige Kind des reichen Apothekers. Wenn sie nicht gerade in Wald und Feld herumtollen, schauen sie in ihrem Geheimversteck auf dem Dachboden von Ben Filme, die sie mit der geklauten Kamera von Kux' Vater gemacht haben. Dann die Katastrophe: Ben wird auf dem Dachboden entdeckt - und Mathilda, die Mitschülerin, liegt brutal erschlagen in ihrem Blut. Auf einem Golfschläger sind Bens Fingerabdrücke. Doch der Junge erinnert sich an nichts, hat einen Blackout. Doktor Kux fühlte sich bestätigt. Hatte er nicht schon immer gesagt, dass mit diesem verdammten Bauernjungen etwas nicht stimmt? Gnadenlos wird er für Jahre in die Jugendpsychiatrie eingewiesen, so konnte der Mörderjunge niemandem mehr etwas tun. Festgezurrt an einem Bett, Medikamente in einer kalten weißen Welt. All die Jahre ohne Besuch. Weil er ein Mörder war. Minderjährig, aber gefährlich. Man hatte die Welt vor ihm in Sicherheit gebracht, man hatte Matildas Eltern gezeigt, dass es doch Gerechtigkeit gab, dass er nicht einfach mit dem Mord an ihrer Tochter davonkommen würde. Eine gerechte Strafe war es, die Psychiatrie die beste Lösung. Weil er nicht strafmündig war. Ein glücklicher Umstand war es für den Rest der Welt, dass er beschlossen hatte zu schweigen. Nach der Entlassung beginnt er ein neues Leben in einem Fotolabor in München. Als sich Ben und Kux nach 30 Jahren zufällig wiedersehen, kehren die Erinnerungen mit grausiger Wucht zurück. Dreißig Jahre lang bleibt diese Geschichte im Verborgenen, bis sie plötzlich mit voller Wucht zurückkommt und alles mit sich reißt: Der Junge von damals mordet wieder ... Die Vergangenheit holt ihn ein wie eine Flutwelle und sie gerät in einen Strudel aus Lügen und Gewalt, aus dem es keinen Ausweg gibt...Bald schon wird eine Leiche gefunden. Flashbacks, dasselbe Spiel wie damals? "Bösland" ist rasant und nicht vorhersehbar, die Wendungen und Haken sind wie eine Achterbahnfahrt des Grauens. Dieser extrem spannende, hochemotionale Roman kann es locker mit den Schweden aufnehmen. Allein der Plot ließ mich schaudern. Faszinierender Rausch aus Bösartigkeiten, Intrigen und Verletzungen. Dem Autor Bernhard Aichner ist das höchst irritierende Psychogramm eines wahnsinnigen Täters gelungen. Ganz allmählich schleicht sich das Entsetzen in das Bewusstseins des Lesers. Völlig undenkbar, das Buch vor der letzten Seite wegzulegen. Fabelhaft furchtbar. Fazit: Aichner ist nicht zimperlich und ein Buch wo Aichner draufsteht ist auch Aichner drin. Sehr souverän geschrieben, tolles Cover.
       

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42 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

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Deine Stimme in meinen Träumen

Joanna Martin
Buch: 250 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 27.11.2018
ISBN 9783945362464
Genre: Romane

Rezension:

          Freiheit oder Sicherheit? Christine möchte sich mit ihrem Freund Stefan in ihrer Heimatstadt endlich ein sicheres und stabiles Leben aufbauen. Doch dann stirbt ihre Großmutter, und alle Pläne geraten ins Wanken. Ein Stapel Liebesbriefe aus dem Nachlass ihrer Großmutter, mit dem Wunsch, diese zu ihrer großen Liebe Wilhelm in Montreal, Kanada zu bringen, veranlassen Christine zu einer Reise nach Kanada, auf der sie nicht nur ihre eigene Vergangenheit erkundet, sondern auch wichtige Weichen für die Zukunft stellt. Also lässt sie ihren Freund Stefan und ein gutes Jobangebot in Süddeutschland zurück und macht sich auf die Reise. Mit der Absicht, so schnell wie möglich wieder in ihr altes Leben zurückzukehren, reist sie nach Montreal. In Montreal trifft sie auf Wilhelms Enkel Robert und erfährt, dass Wilhelm verstorben und in Vancouver begraben ist. Da Robert Maler ist und bald eine Kunstausstellung dort hat, beschließen sie, einen Roadtrip dorthin zu unternehmen. Währenddessen lesen sie sich gegenseitig Elisabeths Liebesbriefe an Wilhelm vor und freunden sich an. Robert erzählt von Wilhelms Blockhütte im Yukon. Dort hat er die letzten Sommer seines Lebens verbracht. Inspiriert von Roberts Erzählungen, beschließen sie, dort Station zu machen. In den Weiten dieses faszinierenden Landes findet sie nicht nur sich selbst, sondern auch eine Freiheit, die sie bisher nicht kannte und da ist   auch noch Robert, in den sie sich verliebt. Und plötzlich muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen... Eine schöne Geschichte, sehr realistisch erzählt und ohne zu viel Kitsch und Übertreibungen. Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen, die Geschichte hatte alles, was für mich eine perfekte Lektüre ausmacht. Sie war witzig, spannend, tolle Story, tolle Charaktere und einfach sehr leicht zu lesen. Die Autorin zeichnet die Protagonisten so detailreich und liebevoll auf, das man das Gefühl hat, man ist irgendwann selbst dort. Sie gehört zu jenen Autoren, die es verstehen ihre Leserschaft zu beeindrucken, zu fesseln. Eine Bereicherung für alle Leserinnen und Leser. Eine Leseempfehlung für eine entspannte Lektüre mit Witz und dem gewissen Etwas!
       

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

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Der Mann am Grund

Iva Procházková
Flexibler Einband: 260 Seiten
Erschienen bei Braumüller Verlag, 01.10.2018
ISBN 9783992002221
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Iva Procházková hat einen markanten, tschechischen Kriminalroman geschrieben, der es eindeutig mit den besten zeitgenössischen Krimis aus Skandinavien aufnehmen kann. Gekonnt webt sie hier ihre Krimifäden zusammen. Eine Geschichte von ansteckendem sinnlichem Realismus und ein netter Schocker für den kleinen Hunger zwischendurch und doch schwimmt alles in einem Licht, aus dem die Albträume sind. Ein Leichenfund nahe Prag sorgt für Wirbel: Ein für seine sehr speziellen Methoden bekannter Polizist wird, tot in seinem Auto sitzend, auf dem Grund eines gefluteten Steinbruchs entdeckt. Die Spuren führen den Prager Ermittler Marián Holina und seinen jungen Kollegen Diviš Mrštík unter anderem zu einem Marihuana-Züchterpärchen, einem renommierten Architekten und der Inhaberin einer Sprachschule. Der Kreis der Verdächtigen wird immer größer, das Zweierteam braucht Verstärkung. Die wird ihm nicht nur in Gestalt der für den eher bedächtigen Holina übereifrigen Kommissarin Lída Šotolová zugeteilt, sondern auch Holinas Geliebte Sabina, pikanterweise die Ehefrau eines seiner Kollegen, wird als Astrologin zu Rate gezogen. Als im Laufe der Ermittlungen auch noch mehrere Zeugen, die etwas Licht in den Fall hätten bringen können, auf teils spektakuläre Weise ums Leben kommen, wird klar, dass der Mord mit einer Vergangenheit zusammenhängt, in der gleich mehrere der Verdächtigen etwas zu vertuschen haben. Ein raffinierter Krimi der besonderen Art: Nicht die Suche nach dem Mörder steht im Mittelpunkt, sondern die kluge und geniale Aufklärung und das Gegenspiel der Ermittler. Hier kennt man einen Täter von Anfang an bei dem man wie bei keinem anderen Roman mitfiebert, doch was dann kommt ist ein ausgeklügelter Krimi mit 1000 Puzzleteilchen, die sich ganz langsam ineinander fügen, mit einem ungewöhnlichen Ende. Wie begeht man den perfekten Mord? Geständnisse bestimmen die Handlung dieses Buches. Geständnisse welche einen schauern lassen. Sehr eindrucksvoll erzählt die Autorin einzelne Ereignisse aus der Sicht verschiedener Personen und schafft es so wundervoll eine ganz besondere Tiefe in ihrem Roman zu erschaffen. Je weiter man liest, desto öfter stellt sich die Frage, wer jetzt nun eigentlich Opfer und wer Täter ist. Ein packender, meisterhafter Kriminalroman über die Komplexität eines Verbrechens der die Mechanismen des Genres auf den Kopf stellt. Hervorragend erzählt! Jeder Charakter bringt uns etwas weiter in der Handlung und füllt das Grundgeschehen mit Details. Unsere Definitionen von Moral und dem Bösen werden hinterfragt. Dieser Roman ist wie ein Strudel, der den Leser immer tiefer in die packende Geschichte zieht. Großartig und schockierend zugleich! Ein absolutes Muss für alle, die mal etwas anderes lesen wollen! Kopf einschalten und los geht's! Einfach super!

       

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61 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

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Stern des Nordens

D.B. John , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 25.09.2018
ISBN 9783805200325
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Eine Exkursion ins Königreich der Lügen, ein Besuch mit Folgen. Vor 12 Jahren, 1998, verschwand ein koreanisch-amerikanisches Mädchen in den Ferien am Strand von Südkorea. Die CIA vermutet eine Entführung durch nordkoreanische Agenten. Ihre Zwillingsschwester Jenna lässt sich von der CIA undercover in das kommunistische Regime schicken, um das Schicksal ihrer Schwester aufzuklären. Jenna Williams, Halbkoreanerin, glaubt auch zwölf Jahre nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester nicht daran, dass sie ertrunken ist sondern dass sie noch lebt, irgendwo da draußen und gibt den Glauben daran auch 20 Jahre später nicht auf, sie ist fest entschlossen, die Wahrheit über ihre Schwester herauszufinden. Vielleicht erfährt sie dort mehr über das Schicksal ihrer Schwester? D.B. John verwebt meisterhaft zwei weitere Lebensgeschichten mit der Suche nach der Zwillingsschwester und auf undenkliche Weise kreuzen sich die Wege unserer drei Hauptprotagonisten. Moon, eine Bäuerin, findet ein via Ballon über die Grenze gekommenes Paket und eröffnet ein lukratives, aber verbotenes Schwarzmarktgeschäft mit dem wertvollen Inhalt. Für ihre Furchtlosigkeit wird sie von den anderen Frauen bewundert, von der Polizei argwöhnisch beobachtet. Als eine der Marktfrauen verhaftet wird, entwickelt sich Moon in der nordkoreanischen Provinz zur Stimme des Widerstands. Niemand weiß, dass es etwas in ihrer Vergangenheit gibt, das sie mehr quält, als es das Regime je könnte. Die dritte Lebensgeschichte ist die eines hohen Beamten, der zu seinem Schrecken entdeckt, dass er mit einem verurteilten Verräter verwandt ist. Das kann, wenn publik gemacht, sein Todesurteil sein. Der Autor nimmt den Leser mit in die abgeschottete marxistische Monarchie des Kim Jong-il, wo unvorstellbare Dinge geschehen. Ein faszinierender lehrreicher und beängstigend aktueller Blick hinter die Kulissen der Kim-Diktatur. Was ist Fiktion, was ist Fakt. In Nordkorea ist die Wahrheit viel skurriler, als die Fiktion es sich jemals ausdenken könnte. Das größte Thriller-Element in der Geschichte „Stern des Nordens“ ist wohl die grausame, nicht vorstellbare Lebenswelt im kommunistisch geprägten Nordkorea. Eine Geschichte, die viele Menschen erreichen kann; ob politisches Interesse bereits besteht oder nicht und die unser Wissen und unser Verlangen nach Information und Recherche aufflammen lässt. Das Buch ist kein Thriller, sondern das Bild der Gegenwart, informativ, erschütternd und authentisch erzählt, ein realistischer Einblick in politische Düsternis. Kurzum, eine atemberaubend ergreifende Geschichte, die wunderschön geschrieben ist und die ab der ersten Seite fesselt!!!
       

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

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Lenz

Michael Theurillat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.10.2018
ISBN 9783550081989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Wie gut kennt man seine Freunde? Als Kommissar Eschenbach aus seiner Auszeit zurückkehrt, ist die Welt eine andere. Nach drei Monaten in den USA ist er nicht mehr derselbe. Oder doch? Auch in Zürich ist vieles anders: Tochter Kathrin ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und seine Stellvertreterin, die kühle Ivy Köhler, spielt nicht mit offenen Karten. Eschenbach nimmt die Herausforderung in aller Gelassenheit an. Er rollt einen Fall neu auf, der kurz vor dem Abschluß steht. Bald schon merkt er, dass er geschnitten wird, weil sein Freund Lenz zu den Verdächtigen gehört. Eschenbach hält das für einen großen Irrtum. Ewald Lenz ist ein brillanter Geist. Trotzdem hatte er nie wirklich Karriere gemacht. Er arbeitete im Polizeiarchiv Zurüch und führt ein unauffälliges Leben. Kommissar Eschenbach ist einer der wenigen Freunde, die er hat. In der Vergangenheit hat Lenz dem Kommissar immer wieder Informationen zugespielt, ohne die Quellen preiszugeben. Nun ist Lenz selbst ins Fadenkreuz internationaler Ermittlungen geraten. Er soll mit seinem enormen Insiderwissen und seinen technischen Fähigkeiten die Seiten gewechselt haben. Ivy Köhler hat ihn geradezu zum Abschuss freigegeben. Als der Kommissar seinen Freund damit konfrontieren will, ist Lenz verschwunden. Eschenbach muss sich entscheiden und ermittelt gegen alle Widerstände. Er ahnt nicht, dass dieser Fall weit über die Grenzen der Schweiz hinausreicht. Dann wird ein Toter in Zürich gefunden, er soll aus Einsamkeit Selbstmord begangen haben. Doch der Kommissar glaubt nicht daran und beginnt sich mit dem Toten fast obsessiv zu beschäftigen, ist er doch im selben Alter wie er. Lenz ist ein großartiger universeller Kriminalroman der hinter die Kulissen des drängensten Thema's unserer Zeit: den Terrorismus führt - visionär und brandaktuell! Kommissar Eschenbach gerät zwischen die Fronten und kämpft für die Wahrheit in einer Welt aus dubiosen Hintermännern, falschen Fährten und hochgefährlichen Verdächtigungen. Je weiter Eschenbach mit seinen Nachforschungen in die besseren Kreise vordringt, desto tiefer gerät er in einen Sumpf aus Intrigen, Lügen und Korruption. Ein ungewöhnlicher Blick nach Zürich. In diesem gut erzählten Krimi erfährt man einiges über Land und Leute. In der teilweise langweiligen Krimiwelt ist diese Geschichte eine echte Erfrischung, sie ist  spannend, kurzweilig und vom Stil her unkompliziert.
       

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149 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 83 Rezensionen

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Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

          Die verschwiegene Schuld. Annette Hess nimmt sich in ihrem Debütroman gleich ein Thema von Gewicht vor: das Verdrängen des Holocausts und den ersten Auschwitz-Prozess von 1963. In "Deutsches Haus" kommen für die Heldin unangenehme Wahrheiten ans Licht. Eva Bruhns muss in der Gastwirtschaft ihrer Eltern oft mit anpacken. Wenn es abends voll ist, kommt Vater Ludwig am Herd in der Küche ins Rotieren und Mutter Edith mit dem Servieren kaum hinterher. Die beiden rackern sich ab, damit es wieder aufwärts geht mit der Familie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und Eva rackert mit. Aber die kleinbürgerliche Welt ihrer Eltern ist längst nicht mehr ihre. Eva hat keine Lust, einmal das "Deutsche Haus" zu übernehmen, das der ganze Lebensinhalt ihrer Eltern ist. "Deutsches Haus" spielt in den 1960er-Jahren in Frankfurt, zu Beginn der Auschwitz-Prozesse, bei denen nicht mehr wie in Nürnberg führende Kriegsverbrecher angeklagt waren, sondern in der Öffentlichkeit weniger bekannte Täter, die im größten Vernichtungslager der Nazis am Massenmord an den Juden beteiligt waren. Eva Bruhns ist Dolmetscherin und die starke Hauptfigur in diesem Roman. Sie übersetzt die Aussagen der Polnisch sprechenden KZ-Überlebenden. Ihre Eltern, Wirte im Gasthof Deutsches Haus, sind wie ihr zukünftiger Verlobter gegen diese Anstellung. Das Thema sei nichts für eine junge Frau. Doch Eva widersetzt sich der Haltung ihrer Eltern, folgt ihrem Gefühl und nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer will die deutsche Öffentlichkeit aufrütteln, die SS-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Opfer zu Wort kommen lassen. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, wird als Dolmetscherin zu den Zeugenbefragungen hinzugezogen und ist von den Aussagen der Opfer schockiert. Und plötzlich muss sich Eva ganz persönliche Fragen stellen und muss sich entscheiden: Mache ich mit? Beuge ich mich? Oder widersetze ich mich? Warum erzählen ihre Eltern nie von ihrer Zeit in Polen? Und warum interessiert sich ihr Verlobter Jürgen nicht für die Vergangenheit? Eva wird nicht nur mit schrecklichen Details des Holocausts konfrontiert, sondern gleichzeitig mit einem Teil der deutschen Geschichte, der damals noch kaum bekannt ist, weil die Gesellschaft nichts von ihm wissen will. Nähmlich, das Verschweigen der Verbrechen gegenüber den Juden und das Davonkommenlassen der Verantwirtlichen. Genau darum geht es in "Deutsches Haus" und Eva steht stellvertretend für diejenigen, die diesen verlogenen Umgang mit der deutschen Geschichte nicht hinnehmen wollen. Am Schluss erfährt sie, dass das Verdrängen und Verleugnen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte ist, dass ihr Vater, der rückenkranke Gemütsmensch, bei der SS war und sie als kleines Kind in Auschwitz gewohnt hat, wo er als Koch im KZ arbeitete. "Deutsches Haus" ist eine Geschichte in Zeiten der Entscheidung - berührend, lebensnah, historisch genau. Mut, Verzweiflung, Verrat und Liebe im Zeichen des Auschwitz-Prozess: bewegend schildert Annette Hess die deutsche Jahrhundert-Tragödie und den Weg einer Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können. Klug und wahrhaftig beschreibt die Autorin Menschen, die sich in schweren Zeiten bewähren müssen und die doch einfach so sind wie wir.  
       

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58 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Die letzte Terroristin

André Georgi
Flexibler Einband: 361 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 13.08.2018
ISBN 9783518467800
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Mit dem Thriller "Die letzte Terroristin" hat André Georgi einen spannenden Politthriller geschrieben, der gleichermaßen Erinnerung an den blutigen "Deutschen Herbst" und die Zeit nach dem Zusammenbruch der DDR ist. Der Roman schildert die Perspektive der Täter ebenso wie die der Verfolger. Der Start ist rasant: Ein Kommando der letzten Generation der RAF arbeitet sich durch seine Kill-Liste, ein unter Druck geratener Ermittler des Bundeskriminalamtes soll weitere Anschläge verhindern. Greift das seit Jahren gepflegte Programm der V-Männer, hat er es geschafft, den streng abgeschotteten Kreis der RAF-Unterstützerszene zu durchbrechen und einen Kontaktmann einzuschleusen? Kurz kommt Hoffnung auf, den Terroristen doch noch voraus zu sein, bis ein neues Attentat das BKA nur weiter unter Druck setzt.
Es gibt kein reines Schwarz-Weiß Schema in diesem Buch. Terroristen wie Polizisten sind Jäger und Gejagte zugleich, denn das BKA steht unter Druck von Öffentlichkeit und Politik. Was macht dieser Druck von Öffentlichkeit und Politik. Was macht dieser Druck mit den Beamten, was macht das jahrelange Versteckspiel, das Leben in der Anonymität, mit den in den Untergrund RAF-Mitgliedern?
Seit den 70er-Jahren sind zwei neue RAF-Generationen in den politischen Kampf gegangen, nunmehr nicht aus der Stadtguerilla und beflügelt vom revolutionären Kampf in Lateinamerika oder Afrika, sondern geschult von Stasi-Ausbildern, die lange ihre eigene Agenda verfolgt haben, nun aber im wiedervereinigten Deutschland an die eigene Zukunft denken müssen. Immer wieder wechselt Georgi in seinem Thriller die Erzählperspektive, schildert die Sicht der RAF-Leute und der Ermittler, zeigt auch den Preis, den sie in diesem jahrelangen, erbitterten Kampf führen. Privatleben ist ein Luxus, das sich die BKA-Ermittler nicht mehr leisten können, die Terroristen haben das mit der Entscheidung für den Untergrund ohnehin für sich verabschiedet.
Spannend wäre "Die letzte Terroristin" schon allein wegen des Katz-und-Maus-Spiels - die Ermittler jagen Terroristen, die ihren letzten Anschlag umsetzen wollen. Doch daneben geht es eben auch um die Jagd in den Köpfen der Beteiligten. Druck und Angst, Zweifel und Hoffnung, Besessenheit und Enttäuschungen - als Sieger kann sich hier keiner fühlen. Die Schrecken der Vergangenheit, so könnte man diesen Thriller nennen. Eine wirklich starke Geschichte, höchst spannend und natürlich in bester lakonischer André Georgi-Manier erzählt! Auf jeden Fall ist es ein extrem unter die Haut gehender Thriller, der einen so schnell nicht wieder loslässt! Spannend und fesselnd wie immer!
       

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90 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

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Der englische Liebhaber

Federica de Cesco
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag, 29.06.2018
ISBN 9783958900806
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

          Eine große Liebe, die viele Widerstände überwinden muss: Im November 1945 lernt die Deutsche Anna den einfühlsamen britischen Offizier Jeremy kennen. Sie verlieben sich, doch ihre Liebe wird misstrauisch beobachtet. Dann wird Anna schwanger und der Vater ihres Kindes ist auf einmal spurlos verschwunden.  Anna war nie verheiratet gewesen. Charlotte wurde 1947, knapp nach Kriegsende, geboren und war – wie man damals naserümpfend sagte – ein uneheliches Kind. Für Charlotte kein guter Start ins Leben. Sie hatte intensiv darunter gelitten. Seit frühester Kindheit musste sie vieles einstecken, und es hatte sie nachhaltig geprägt. Jahrzehnte später macht sich Annas Tochter daran, das Geheimnis um ihren Vater zu lüften. Denn sie hatte eine Zeit lang einen stets wiederkehrenden Traum: Ihr Vater hatte einen kleinen Koffer in der Hand und stieg in einen Zug. Der Hintergrund war beleuchtet, der Zug rauchig und schwarz. Charlotte wollte zu ihm, bewegte hektisch die Beine, kam aber nie vom Fleck. Und die Lokomotive pfiff, Charlotte hatte das schrille Pfeifen noch in den Ohren. Und dann fuhr der Zug ab und entfernte sich. Ein mustergültiges Traumerlebnis, sagte Charlotte zu sich. Sie hatte nie den Mund gehalten. Solange sie denken konnte, hatte sie ihrer Mutter Fragen gestellt. Viel war dabei nie herausgekommen. Erst 40 Jahre später findet sie Annas Tagebuchaufzeichnungen und alte Tonbandaufnahmen – und sie macht sich daran, das Geheimnis der großen verbotenen Liebe von Anna und Jeremy zu lüften. Warum verschwand er eines Tages spurlos aus Annas Leben, obwohl sie seine große Liebe war? Was verbarg der charismatische und so undurchschaubare Mann, der ihr Vater ist? Und was war der Grund für Annas Selbstmordversuch Jahrzehnte später? Je mehr Charlotte in die Geschichte ihrer Familie eintaucht, desto lebendiger wird für sie – und die Leser – auch die deutsche Nachkriegszeit, als die europäischen Völker einander als Feinde galten und in vielen Familien das Gespenst des Nationalsozialismus noch lebendig war. Ein ergreifender Liebesroman voller Gefühl, der ein präzises Bild der ersten Zeit nach dem Krieg zeichnet - mit einer starken Frau als Protagonistin, die ihre Tochter allein durchbringen muss. Mit einzigartiger Intensität zeichnet Federica De Cesco nach, wie eine große Liebe zerbricht und lässt gleichzeitig eine längst vergangene Epoche lebendig werden. Ein wundervoller Roman über Liebe, Krieg und viele andere Hindernisse. Man wird einfach mitgerissen in einen Strudel aus Liebe und Verlangen, Familiengeschichte und Krieg. Ein großes Liebes- und Zeitepos, auch für Fans von Madame Butterfly. Toll geschrieben, zum schmökern, zum wegträumen und dahin schmelzen. Ein bisschen Hemingway, Margaret Mitchell und Puccini.
       

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148 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

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Der Spielmann - Die Geschichte des Johann Georg Faustus

Oliver Pötzsch
Fester Einband: 784 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 21.09.2018
ISBN 9783471351598
Genre: Historische Romane

Rezension:

          Der Pakt mit dem Magier. Sein Schicksal ist besiegelt, als Faustus den Spielmann zum ersten Mal trifft. Um das Jahr 1500 reiste durch das Deutsche Reich ein Mann, von dem nicht viel überliefert ist. Er war der größte Zauberer seiner Zeit, ein Hochstapler, Astrologe und Quacksalber, dabei so klug und belesen wie ein Dutzend Gelehrte und so durchtrieben wie die Borgias. Seine Figur gilt bis heute als Sinnbild eines ruhmsüchtigen, rastlosen Menschen, der sich mit dem Teufel einlässt, durch diesen viel Ansehen und Reichtum erwirbt – und am Ende mit seiner Seele bezahlt. Sein Name war Johann Georg Faustus. Es beginnt am 27. Oktober Anno Domini 1486 in Knittlingen, einem kleinen ruhigen Ort im Kraichgau. Bis zu dem Tag, als die Gaukler in die Stadt kommen – und plötzlich Kinder verschwinden. Johann Georg, von seiner Mutter "Faustus", der Glückliche, genannt, kümmert das nicht. Ihn interessieren nur die bunten Kostüme, die Sackpfeifen und Kunststücke. Johann Georg ist der Liebling seiner Mutter - nicht nur, weil er ein so intelligenter, aufgeweckter und hübscher Junge ist, sondern auch, weil er unter einem besonderen, verheißungsvollen Stern geboren ist. Als eines Tages die Gaukler in der Stadt sind, ist Faustus sofort fasziniert von der bunten Truppe. Mit offenem Mund stand der kleine Johann in einer Nische des Oberen Stadttors und beobachtete den lärmenden, tanzenden, singenden Zug bunter Menschen. Noch nie hatte Johann eine solche Pracht gesehen! Fast so, als wäre der Kaiser selbst in die kleine Pfälzer Stadt gekommen. Mit seiner Freundin Margarethe beobachtet er das Treiben. Vor allem beeindruckt ihn der geheimnisvolle Magier und Spielmann Tonio del Moravia. Von dem blassen Mann mit den stechend schwarzen Augen, der Johann eine große Zukunft als Gelehrter voraussagt, geht eine seltsame Faszination aus. Die geduckten Steinhäuser erstrahlten mit einem Mal in einem seltsamen Glanz, und ein exotischer Geruch umwölkte Johanns Nase – der Geruch der fernen Welt. Nachdem die Mutter plötzlich stirbt, seine zarte Liebe zu Margarethe zerbricht und sein Vater ihn aus dem Haus wirft, schließt er sich dem Spielmann an, wird sein Gehilfe. Gemeinsam ziehen sie durch die deutschen Lande und der junge "Faustus" saugt alles auf, was Tonio ihm beibringt. Er lernt Zaubertricks, das Handlesen und die Kunst, Horoskope zu erstellen. Doch von Tonios Lehren geht eine ungeahnte Gefahr aus, und schon bald beschleicht Johann das Gefühl, dass sein Meister mit dunklen Mächten im Bunde steht, denn den Meister umgibt auch eine unheimliche Aura. Faustus graut bald vor ihm. Er flieht, folgt einer Gauklertruppe nach Venedig, wird selbst ein berühmter Magier. Aber sein alterr Lehrmeister bleibt ihm auf der Spur. Immer klarer wird, dass Tonio del Moravia mit gefährlichen und dunklen Mächten im Bunde steht. Faustus muss sich entscheiden: Kampf oder Untergang, Gut oder Böse... Der Held des Romans, Johann, ist ein außerordentlich stolzer, kühler und kluger Geist, zu klug eigentlich für die Kunst, der aber dennoch von Drang nach dem Kreativen erfüllt ist und dazu Enthemmungen braucht, die ihm in dem ideellen Rahmen des Buches nur der Böse verschaffen kann. Eins ist klar, diesen Roman kann man nicht weglegen, bevor die letzte Seite verschlungen ist. Die wundersame Geschichte des Johann Georg Faustus samt seinen abenteuerlichen Reisen durch das ausgehende mittelalterliche Europa ist einfach zu packend. Der geistige Vater dieses begabten und wissbegierigen Reisenden schafft es, dem Leser das Gefühl zu geben, man beobachte alles wie eine Krähe, die übrigens im Buch eine unheimliche Rolle spielt, von des Protagonisten Schulter. Der Roman ist vielschichtig, lebendig, profund, ja und sprachlich ein Genuss für den Leser. Lesen, lesen, lesen…es kostet nicht die Seele und ist doch ein teuflisches Vergnügen. Königliche Unterhaltung.
       

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Ida

Katharina Adler
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, 24.07.2018
ISBN 9783498000936
Genre: Romane

Rezension:

          Was für eine Familiengeschichte. Die Geschichte der Ida Bauer. Man liest fasziniert diese Lebensgeschichte. Ida Adler, geborene Bauer sorgte einst für Furore: Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts, sie wird von ihrem Vater, einem Lebemann en gros, zu dessen Freund Sigmund Freud geschickt. Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie', die es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, "um die Befriedigung brachte, sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien. Die Wiener Jüdin war um die Jahrhundertwende eine  Hysterie Patientin von Sigmund Freund, der Psychoanalytik-Begründer machte sie als "Fall Dora" weltberühmt. Ihre Urenkelin, die Münchner Autorin Katharina Adler, hat aus Ida Adlers Lebensgeschichte einen spannenden Roman gemacht, der den Bogen von der selbstbewusst-trotzigen 18-Jährigen, die sich sogar Freud widersetzte, bis zur Emigrantin in New York spannt. Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familienanekdote, ihre Urgroßmutter, die - nicht unter ihrem wirklichen Namen und auch nicht für eine besondere Leistung - zu Nachruhm kam. Ida, die als der 'Fall Dora' von der Nachwelt mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde. Nach und nach wuchs in ihr der Wunsch, dieses Bild von Ida zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Sie wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Doch die Familiengeschichte umfasst weitaus mehr. Wir erfahren einiges über ihre politische Aktivitäten in der österreichischen Sozialdemokratie, aus der Ehe mit dem eher unglücklichen Komponisten Ernst Adler und später über ihr Exil als Jüdin in der neuen Heimat Amerika. Von ihr, von "Ida", handelt dieser mitreißende Roman: die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Frau mit vielen Stärken und auch einigen Schwächen, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt. Mit großem gestalterischem Weitblick und scharfem Auge für jedes Detail erzählt Katharina Adler die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung. Eine Geschichte, in die sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat. Ida ist ein Plädoyer für die Wahrheit der Empfindung und die Vielfalt ihrer Versionen. Der Roman eines weitreichenden Lebens, das – mit Freuds Praxistür im Rücken – erst seinen Anfang nahm. Ein beeindruckendes und ganz besonderes Werk, außerdem ist es ein bemerkenswerter Ausschnitt des 20. Jahrhunderts. Es besticht durch die knappe, lakonische Sprache - es ist nie ein Wort zuviel. Ausdrucksvoll geschrieben von der Autorin, entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Sog, dem der Leser sich nicht entziehen kann. Eine spannende und ansprechende Geschichte. Wer interessante Roman-Biografien mag, der ist hier richtig.
       

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52 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

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Flucht in die Schären

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.11.2018
ISBN 9783462051971
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Was für ein unwiderstehliches Muss ist das denn. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Nora Linde steht vor einem gefährlichen Fall. Der Anführer der Drogenszene Stockholms, Andreis Kovač, wurde von ihr wegen Steuerhinterziehung angeklagt, denn für Drogenhandel und Geldwäsche fehlen noch die Beweise. Doch nicht nur Nora kämpft gegen den Drogenboss. Seine junge Frau Mina Kovač ist auf der verzweifelten Flucht vor ihm, nachdem er sie fast totgeprügelt hat. Alles, was sie möchte, ist, ihren kleinen Sohn in Sicherheit zu wissen und vor dem gewaltätigen Vater zu schützen. So wird sie in Sicherheit gebracht, und kaum einer weiß, wo sie sich aufhält. Nora Linde wiederum versucht schon seit längerer Zeit, Andreis, der als Kopf der Stockholmer Drogenszene gilt, dingfest zu machen. Eine Aussage Minas würde da sehr helfen. Sie ist die Schlüsselperson im anstehenden Prozess, vorausgesetzt Nora kann sie überzeugen auszusagen. Doch Mina hat Angst vor ihm und Andreis treue Vertraute, die ihn beschützen. Denn Andreis würde alles tun, um seine Gegner auszuschalten und Mina zurückzubekommen. Er scheut keine Mittel, um seine Ziele durchzusetzen, und Minas Unterstützer sind seine Feinde. Eine beispiellose Verfolgungsjagd beginnt … Als ein Mord geschieht, wird Thomas Andreasson in den Fall hineingezogen, und auch Nora nimmt immer größere Risiken auf sich, um Mina zu schützen. Mal wieder ein Fall für Thomas Andreasson. Viele Fäden laufen zusammen in dieser Geschichte. Einer spannender als der andere, eine gelungene Mischung denn Nora Linde und Thomas Andreasson müssen Fälle lösen, die zusammengehören. Die Krimireihe von Viveca Sten hat mit "Flucht in die Schären" eine würdige Fortsetzung bekommen. Dieses Buch liest sich unheimlich schnell, man möchte nicht aufhören und ist absolut gefangen von der Geschichte. Viveca Sten ist in Bestform! Ein raffiniert durchdachter Krimi, den ich in einem Rutsch durchgelesen habe. Dieser neunte Band der Bestsellerreihe ist ein atemloser Thriller, spannend bis zu letzten Seite. Jenseits aller Beschaulichkeit ist der neue Sten ungewöhnlich brutal aber rappelspannend dazu Sonne, Wasser, Wind und Sandhamn zur schönsten Jahreszeit. Schnelle Szenenwechsel und eine vielschichtige Handlung sorgen für echten Nervenkitzel. Ein atemloser Thriller, spannend bis zu letzten Seite. Eine brisante Mischung auf dieser kleinen Ferieninsel, Spannung und Schärenstimmung - einfach nur gut. Für Fans der Krimiliteratur ein absolutes Muss!
       

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55 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Echo Killer

Christi Daugherty , Inka Marter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.10.2018
ISBN 9783499273360
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Eine fesselnde Geschichte mit vielen Wendungen und einem überraschenden Ende. Es war eine dieser Nächte. Zuerst gab es noch Hoffnung – ein paar Messerstechereien, ein Autounfall mit Potenzial. Aber die Verletzungen waren nur oberflächlich und der Unfall reine Routine. Danach blieb es ruhig. Und eine ruhige Nacht ist wirklich das Schlimmste, was einer Polizeireporterin passieren kann. Nur eine Stunde vor der Deadline um Mitternacht saß Harper McClain in der leeren Redaktion. Der Polizeifunkscanner auf dem Schreibtisch erwachte krächzend zum Leben. "Hier Einheit 3-9-7. Wir haben einen Code 9, möglichen Code 6." Harper verstummte, neigte den Kopf und lauschte. Endlich ist was los. Sie schnappte sich ihre Sachen, klippte den Funkscanner an den Bund ihrer schwarzen Hose, zog eine leichte schwarze Jacke über und schob den schmalen Notizblock und den Stift in die eine, den Presseausweis und das Telefon in die andere Tasche. Dann rannte sie los. Schüsse auf der Broad Street. Möglicherweise Verletzte. Polizeireporterin Harper McClain ermittelt in Savannah, Georgia. Eine Frau Mitte dreißig, nackt und erstochen auf dem Küchenboden - aufgefunden von ihrer 12-jährigen Tochter. Als Polizeireporterin Harper McClain den Tatort sieht, hat sie nur einen Gedanken: Das grausame Szenario ist identisch mit einem anderen Mord. Dem an ihrer Mutter. Der Mörder ihrer Mutter wurde nie gefasst. Jetzt scheint er erneut zu töten. Seit 15 Jahren quält Harper der Gedanke, dass der Killer noch immer auf freiem Fuß ist. Nun scheint er wieder zugeschlagen haben: Keine Fingerabdrücke, keine DNA, keine Spuren. Harper ist entschlossen, die Wahrheit endlich ans Licht zu bringen. Doch die hat ihren Preis. Und je näher sie der Lösung des Falles kommt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld, zwischen Freunden und Feinden, Wahrheit und Lüge. Und bringt sich schließlich selbst in tödliche Gefahr … Die Autorin Christi Daugherty spielt in diesem hochspannenden und klug komponierten Fall gekonnt mit den Erwartungen der Leser – ein rasantes Verwirrspiel und ein psychologischer Krimi der Extraklasse! Diese Geschichte hat atmosphärische Handlung, vielschichtige Charaktere und mörderische Spannung. Es ist der Hammer, unglaublich wieviel Spannung die Autorin aufbauen kann. Ich bin begeistert von dem großartigen Südstaaten-Setting, der entschlossenen, verletzlichen Harper und ihrer unnachgiebigen Suche nach der Wahrheit. Für mich eine Neuentdeckung! Tolle, sympathische Polizeireporterin und eine raffinierte Story, die den Leser zu eiskalten Morden in die fiebernde Hitze von Savannah führt. Sehr spannend und unterhaltsam! Jedoch am Ende sind so viele Fragen noch offen, möglicherweise wird die Autorin diese in ihrem nächsten Werk aufklären. Trotzdem, ganz stark, Geschichte, wie Erzählweise!
       

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124 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

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Loyalitäten

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 12.10.2018
ISBN 9783832183592
Genre: Romane

Rezension:

          Sucht und Sehnsucht. Loyalitäten. Das sind die unsichtbaren Verbindungen, die uns mit den anderen – den Toten wie den Lebenden – verbinden, leise gemachte Versprechungen, deren Auswirkungen wir nicht kennen, still gehaltene Treue, das sind Verträge, die wir zuallermeist mit uns selbst geschlossen haben, Befehle, die wir hingenommen, aber nie gehört haben, und in den Nischen unserer Erinnerungen nistende Schulden. Das sind die Gesetze der Kindheit, die in unseren Körpern schlummern, die Werte, in deren Namen wir uns aufrecht halten, die Fundamente, die es uns ermöglichen, Widerstand zu leisten, unlesbare Grundsätze, die an uns nagen und uns einschließen. Unsere Flügel und unsere Fesseln. Das sind die Sprungbretter, auf denen sich unsere Kräfte entfalten, und die Gruben, in denen wir unsere Träume begraben.  
Wenn Eltern mit sich selbst beschäftigt sind, können ihre Teenager- Kinder in heftige Probleme hineingeraten. Theos Eltern sind geschieden und merken beide nicht, wie sehr der Junge darunter leidet, Mutter und Vater seelisch versorgen zu müssen. Der 12-jährige beginnt heimlich Alkohol zu trinken, sein Freund Mathis beobachtet die Sucht mit großer Sorge. Théo ist ein stiller, aber guter Schüler. Dennoch glaubt seine Lehrerin Hélène besorgniserregende Veränderungen an ihm festzustellen. Doch keiner will das hören. Seine Eltern sind geschieden und mit sich selbst beschäftigt. Der Junge funktioniert und kümmert sich um die unglückliche Mutter und den vereinsamten Vater. In ihren Augen ist also so weit alles gut. Doch Théo trinkt heimlich, und nur sein Freund Mathis weiß davon. Der Alkohol wärmt und schützt ihn vor der Welt. Eines Tages wird ihn der Alkohol ganz aufsaugen, das weiß Théo. Doch wer sollte ihm helfen? Hélène, seine Lehrerin, würde es tun, doch wie soll das gehen, ohne dass er die Eltern verrät? Mathis beobachtet das alles voller Angst. Zu gerne würde er sich seiner Mutter anvertrauen, aber Théo ist sein einziger Freund. Und einen Freund verrät man nicht. Außerdem würde er damit auch seinem großen Bruder in den Rücken fallen, denn der besorgt den Alkohol für die Minderjährigen. Und er ist es auch, der das gefährliche Spiel in dem schneebedeckten Park vorschlägt, bei dem Théo bewusst den eigenen Tod in Kauf nimmt. Beim lesen bekommt man Gänsehaut, denn so nah ist man als Gesunder dieser Krankheit selten gekommen. Es gelingt Delphine de Vigan, auch Leser in ihren Bann zu ziehen, die sich vorher noch nie mit dem Thema Alkoholismus bei Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt haben. Gewohnt brillant erzählt die Autorin in diesem einfühlsamen Roman die Geschichte des 12-jährigen Théo und erweitert mit dem Satz „Wie konnte es nur so weit kommen", den Horizont, in diesem Fall ganz besonders. Berührend bis zur letzten Seite. Sie trifft mit diesem grossartigen Roman absolut den Zahn der Zeit. Loyalitäten ist aus meiner Sicht ein wichtiges Buch, das zum Denken und Umdenken anregt. Das bei einem solch schwierigen Thema zu schaffen, hat durchaus Respekt verdient. Am Rande der Wahrheit findet Delphine de Vigan ihre Geschichten. Realität und Fake, Autobiografie und Fiktion. Der Roman rüttelt wach und bietet einen bewegenden Ausflug in ein krankes, aber heilbares Leben. Und er gibt Kraft! Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Geschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt. Wow. Sehr intensiv.
       

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112 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 84 Rezensionen

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Dreckiger Schnee

Joseph Knox , Andrea O´Brien
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.09.2018
ISBN 9783426522103
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Drogen-Sumpf, Bandenkrieg und Polizei-Korruption in Manchester. Und ewig locken die Sirenen. Detective Aidan Waits ist in doppelter Mission unterwegs. Der unconventionelle Cop soll beim ominösen Dealer Carver herausfinden, wer der Maulwurf bei der Polizei von Manchester ist. Carver benutzt minderjährige Mädchen als Drogenkuriere. Darunter auch Isabelle, die Tochter des prominenten Parlamentsabgeordneten Rossiter. Isabelle Rossiter, die Tochter des einflussreichen Politikers, ist von zu Hause ausgerissen. Als die plötzlich verschwindet, soll Waits auch sie suchen. Seine Suche auf den nächtlichen Straßen Manchesters führt ihn in einen Sumpf von Drogen und Gewalt: Offenbar setzt ein mächtiger Dealer minderjährige Mädchen, sogenannte „Sirenen“, als Drogen-Kuriere ein, und nicht nur eine von ihnen ist verschwunden. Detective Aidan Waits, der korrupte Detective Aidan Waits, war in der Zeitung über ihn zu lesen, bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen. Schwierige Zeiten für Aidan Waits: er wird vom Dienst suspendiert, ihn gab’s nicht mehr und, es gab nichts zu verlieren. Zuerst gefiel ihm die Vorstellung sogar, ins Drogengeschäft abzutauchen. Mit nicht ganz legalen Tricks schafft es Waits, dass Carver in anheuert. Und auch die verschwundene Tochter findet er: tot mit einer Ladung toxisch verschnittenem Heroin in der Blutbahn. Aidan Waits dämmert, dass Isabelle mit voller Absicht untergetaucht war, um ihr Leben zu retten. Und auch sein eigenes hängt am seidenen Faden. Er muss nun unbedingt herausfinden, woher die tödliche Droge kommt und wer damit handelt. Dabei manövriert er sich in höchste Lebensgefahr. Ein zwielichtiges Spiel in den Grauzonen des Gesetzes beginnt. Aidan Waits muss aufs Ganze gehen, um die Wahrheit herauszufinden, und stößt dabei auf ein Geflecht dunkler Machenschaften … Es wird düster in Manchester und doch ist dieser Waits-Fall perfekte Krimiunterhaltung. Man erlebt einen Kommissar, der sein gesamtes Leben seinem Beruf unterordnet und sich eigensinnig und oft genug am Rande der Legalität durch das Dickicht der Unterwelt schlägt. Ohne Frage eine tolle "Einsamer Wolf" Figur der aktuellen Kriminalliteratur! Das spannende Thriller-Debüt von Joseph Knox, ein Kraftpaket von einem Thriller. Atemlose Spannung garantiert.
       

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106 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

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Manhattan Beach

Jennifer Egan , Henning Ahrens
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 29.08.2018
ISBN 9783103973587
Genre: Romane

Rezension:

          Jennifer Egan erzählt in "Manhattan Beach" vom Kampf der New Yorkerin Anna um ihren Platz als Marinetaucherin im Zweiten Weltkrieg. Die Autorin präsentiert hier geradeaus eine Geschichte mit Krimi-Spannung. Gleich der erste Satz bindet die drei Hauptpersonen untrennbar für den Rest dieses spannenden Romans aneinander: "Anna merkte erst, wie nervös ihr Vater war, als sie das Haus von Mr. Styles erreichten." Anna Kerrigan begleitet ihren Vater oft auf seinen Autofahrten und lernt den reichen Nachtclubbesitzer Dexter Styles in seiner Villa in Manhattan Beach. Der Mann ist ihr nicht geheuer, aber wichtig für das Überleben der Familie. Denn Vater Eddie hat bei dem Börsencrash 1929 alles verloren, schlägt sich nun mit Botengängen für die Mafia durch, während die Mutter mit Näharbeiten ein paar Dollar dazuverdient. Eines Tages verschwindet Eddie spurlos, und Anna muss für die Mutter und die schwerbehinderte Schwester alleine sorgen. Aus der Sicht der elfjährigen Tochter erzählt Jennifer Egan im Eröffnungskapital von "Manhattan Beach" die eindeutig schicksalhafte, aber für sie unmöglich zu entschlüsselnde Begegnung mit dem reichen, mächtigen Dexter Styles an diesem Strand vor den Toren New Yorks. Dass ihr Vater Eddie, nach dem Börsencrash tief gefallen, als Handlanger für Kleinkriminelle Mitte der 30er Jahre schwer um das Überleben der Familie Kämpfen muss, ist schnell klar. Aber was mag er mit dem reichen Dexter Styles ausgehandelt haben - oder eben auch nicht? Etliche Jahre, aber im Buch nur ein paar Seiten später ist Anna Kerrigans Vater von einem Tag auf den anderen spurlos verschwunden. Die 19-jährige hält die Mutter und ihre schwer behinderte und noch mehr geliebte Schwester Lydia als Marinetaucherin im Hafen von New York über Wasser. Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten, wird der Hafen von Manhattan zur größten Marinewerft mit absoluter Geheimstufe erklärt. Der Zweite Weltkrieg mit akutem Mangel an männlicher Arbeitskraft hat ihr die Erfüllung dieses sehr eigenen Berufstraums möglich gemacht. Weil Männer fehlen, müssen und dürfen Frauen dort arbeiten. Anna verwirklicht gegen alle Widerstände ihren Traum und wird die erste weibliche und farbige Marinetaucherin, repariert unter Lebensgefahr US-Kriegsschiffe. 90 Kilo wiegt ihr Tauchanzug, und noch viel schwerer wiegen die männlichen Vorurteile jener Jahre gegen Frauen mit Lohnarbeit. Jenniffer Egans hochinterressante Hauptfigur setzt sich dagegen durch. Unerschrocken geht sie auch dem Verschwinden ihres Vaters auf den Grund, als der Nachtclubbesitzer Dexter Styles eines Abends wieder in ihr Leben tritt und sie mehr über das Verschwinden ihres Vaters erfährt. Der Gangster mit den guten Manieren interessiert sich nach der Zufallsbegegnung für ihre Arbeit am Grund der riesigen New Yorker Marinewerft wie auch für die junge Frau insgesamt. So sehr, dass er irgendwann selbst unter Lebensgefahr am Grund des modrigen Hafenbeckens mit ihr nach Annas Vater sucht. Jennifer Egans historischer Roman führt in die Welt von Gangstern, Gewerkschaften, Mafia und Marinetauchern und blickt auf den Moment, als Frauen ihre Identität trnsformierten, währen die USA zur Weltmacht wurden. "Manhattan Beach" ist ein Roman in einem vollkommen konventionellen Sinn: Hier wird chronologisch geradeaus erzählt, abwechselnd aus Perspektive der drei komplexen Hauptpersonen. Die Autorin interressiert sich für den alten Hafen als Arbeitsplatz genauso wie mit nüchternem Blick für das Gangstermilieu der 30er- und 40er-Jahre. Beides waren prägende Elemente im New York jener Jahre. Ohne Pathos stellt sie den Alltagskampf von Frauen um einen Platz in der Gesellschaft über Kind und Küche hinaus ins Zentrum der Geschichte. Egan erzählt in der ersten Hälfte bedächtig, bis Spannung und Tempo in der zweiten gewaltig steigen. Egans Figuren sind nie Klischee, was sich von den Verwicklungen zum Ende nicht immer behaupten lässt. Unter dem Strich: "Manhattan Beach" ist ein bemerkenswerter Pageturner von hoher literarischer Qualität.
       

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(75)

92 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

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Redemption Point

Candice Fox , Thomas Wörtche , Andrea O'Brien
Flexibler Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.10.2018
ISBN 9783518468982
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Mörderisches Australien. Zwei Ausgestoßene der Gesellschaft bilden ein ungewöhnliches Team als Privatermittler. Ted Conkaffey, Ex-Cop und unschuldig unter Verdacht, eine 13-Jährige entführt zu haben, kann seine Vergangenheit nicht loswerden. Dale Bingley, der Vater seines vermeintlichen Opfers, taucht in Teds nordaustralischem Refugium Crimson Lake auf. Er hat einen brutalen Racheplan ausgearbeitet –  Er will das Verbrechen an seiner Tochter auf eigene Faust aufklären und rächen. Auch der mächtige Gangster Khaled hat ein Interesse daran, den wahren Täter zu finden und final aus dem Verkehr zu ziehen – eine Lösung, die Ted, der seine Unschuld beweisen will, nicht wirklich helfen würde. Aber, wenn Ted nicht hilft, den wahren Täter zu finden, wird er sein erstes Opfer sein. Also muss er den Psychopathen zuerst finden, koste es, was es wolle. Währenddessen ist seine Privatdetektiv-Partnerin, die exzentrische, einst wegen Mordes verurteilte Amanda Pharrell, mit einem anderen Fall beschäftigt: dem Doppelmord an zwei Mitarbeitern einer üblen Kneipe, der zunächst wie ein simpler Raubmord aussieht. Amanda tut sich mit Detective Inspector Pip Sweeney zusammen, die ihr erstes Tötungsdelikt zu bearbeiten hat und Amandas Genie dringend braucht. Bald stehen für Amanda und Ted ihr Leben und ihre Existenz auf dem Spiel, nicht zu reden von den ungelösten Problemen aus der Vergangenheit der eigenwilligen, aber sehr sympathischen Protagonisten. Was für ein Team, Pharrell und Conkaffey haben für mich das Potential Kultfiguren zu werden. Man muss sie einfach mögen diese tätowierte Hippie-Detektivin und den geächteten Polizisten mit Herz, man lebt und leidet mit den überzeugenden Protagonisten. Erneut hat Fox es geschafft, mich zu fesseln und mit Conkaffey/Pharrell ermitteln zu lassen - das Ende ist stimmig, lässt aber genügend lose Fäden, um auf den nächsten Band zu warten – gut so!  Man darf gespannt sein wie es weiter geht. Wer mal etwas abseits des Mainstream sucht, dem kann ich Candice Fox generell und dieses Buch im besonderen empfehlen. Vielschichtige Charaktere, tolle Geschichte und hervorragende Spannung pur aus Australien! Ein Wahnsinns-Thriller! Düster, cool und ohne jeglichen Weichzeichner, ein grandioser Krimi - Gänsehautlektüre.
       

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82 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

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Walter muss weg

Thomas Raab
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 07.09.2018
ISBN 9783462050950
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Witwe Hubers Premiere. Auf dem Land kommen die Leichen wenigstens an die frische Luft! Glaubenthal: Umgeben von ausgedehnten Wäldern liegt es in einer sanften, von wildromantischen Schluchten durchzogenen Hügellandschaft. Doch der schöne Schein trügt – dieses Dorf hat es in sich. Das bekommt auch Hannelore Huber auf der Beerdigung ihres Mannes zu spüren. Denn im Sarg liegt nicht ihr (wenig) geliebter Walter, sondern ein völlig Fremder, eine falsche Leiche. Und in Glaubenthal ist es mit der Idylle vorbei. Eine abgelegene Postkartenidylle: sanfte Hügel, dichte Wälder, anständige Bürger, Frischluft sowieso. Hannelore Huber aber weiß es besser, schließlich lebt sie am Rande des Dorfes Glaubenthal, und so manches stinkt hier gewaltig zum Himmel. Ganz besonders die Leichen in diversen Kellern. Und eine davon steht im Mittelpunkt von Thomas Raabs neuem Roman: Hannis Ehemann. Unter äußerst mysteriösen Umständen kam er ums Leben. Aber wozu hinterfragen! Hauptsache tot. Die beiden haben zwar beinah das ganze Leben miteinander verbracht, den größten Teil allerdings aneinander vorbei. Und zwar konsequent. Folglich freut sich die alte Huber nun auf ihren wohlverdienten Ruhestand – doch sie freut sich zu früh. Vor den Augen der versammelten Trauergemeinde fällt der Sarg in die Grube, springt auf und offenbart einen falschen Leichnam. Da stellt sich natürlich nicht nur die Frage, wer diesen Toten auf dem Gewissen hat oder was in Glaubenthal sonst noch alles in den Gräbern herumliegt, sondern vor allem: Wo ist der verstorbene Ehegatte? Groß war die Vorfreude auf ein beschauliches Leben in Harmonie. Sie hatte sich auf ihr Leben als Witwe im idyllisch gelegenen Örtchen Glaubenthal schon so gefreut. Doch Hannelore Huber muss schnell erkennen, dass die Geruhsamkeit noch warten muss.  Auf ihre alten Tage wird Hannelore Huber nun Privatermittlerin. Thomas Raab erzählt mit großartigem schwarzem Humor, wie sich die grantige Huberin inmitten eines zwielichtigen Dorfkosmos auf die Suche nach ihrem verschollenen Ehemann begibt. Unterstützung erhält sie dabei ungebeten von einer fremden rotzfrechen Göre, die zumindest einen vielversprechenden Nachnamen trägt: Glück. Diese Geschichte ist definitiv etwas für Leser, die gerne mitdenken, Zusammenhänge erfassen und Intrigen aufdecken! Ein komplexer Krimi mit mehreren Handlungssträngen, die toll ineinander verwoben sind. Für alle Fans von anspruchsvollen Krimis. Erschreckend, zu was Menschen imstande sind. Super! Köstlich komisch mit hoffentlich zahlreichen Folgen!
       

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244 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 133 Rezensionen

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Das rote Adressbuch

Sofia Lundberg , Kerstin Schöps
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 20.08.2018
ISBN 9783442314997
Genre: Romane

Rezension:

          Die 96 jährige Doris blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Das rote Adressbuch mit allen Weggefährten ist ihr Schatz. Doris wuchs in einfachen Verhältnissen im Stockholm der 1920er Jahre auf. Es war 1928. An ihrem zehnten Geburtstag, machte ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk. Als ihr das Geschenk überreicht wurde, wusste sie schon, dass sich in der Verpackung etwas ganz Besonderes befand. Das konnte sie an dem Funkeln im Blick ihres Vaters sehen. In seinen dunklen Augen, die sonst immer verrieten, dass er mit den Gedanken woanders war. Sie warteten auf meine Reaktion. Doris strich mit dem Daumen über das rote Seidenband, bevor sie vorsichtig an beiden Enden zog und die Schleife löste. Das Geschenk war ein Adressbuch, das in rotes Glattleder gebunden war und beißend nach Färbemittel roch. Es war in feines, dünnes Seidenpapier gewickelt. Doris strich mit der Fingerspitze darüber. Die zarte Oberfläche, die aus einem Wirrwarr aus Mustern bestand. Und dann das Band, ein dickes rotes Seidenband. Es war das schönste Päckchen, das sie jemals bekommen hatte: Ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England – zurück nach Schweden und zu dem Mann, den sie einst verlor, aber nie vergessen konnte. Sofia Lundberg entfaltet das vielschichtige Porträt einer Frau, gekonnt, mit Einfühlung, und aus verschiedenen Perspektiven geradezu meisterhaft. Völlig ohne Kitsch, poetisch und dramatisch. Doris ist die Frau, um die sich alles dreht und doch ist sie die Einzige, die im ganzen Roman nicht zu Wort kommt, er ist eine wunderbare und zum Nachdenken anregende Unterhaltungslektüre. Ein zarter, bemerkenswerter Roman. Dieses sprachgewaltige Debüt ist wie der Besuch bei Oma - man fühlt sich geborgen und staunt über die Geschichten. Ein gefühlvoller Blick zurück, der mich stellenweise sehr nachdenklich gemacht hat. Unbedingt lesen.
       

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83 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

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Die Jahre der Leichtigkeit Die Chronik der Familie Cazalet

Elizabeth Jane Howard , Ursula Wulfekamp
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.07.2018
ISBN 9783423146821
Genre: Historische Romane

Rezension:

          England, 1937. Die Cazalets. Eine großbürgerliche Familie im England der späten Dreißigerjahre – unruhige Zeiten. Aus dem Familiensitz Home Place in der malerischen Grafschaft Sussex wird unerwartet ein Zufluchtsort für mehrere Generationen. Zusammen mit ihren Familien kehren die Cazalet- Brüder Hugh, Edward und Rupert wie jeden Sommer in das Haus ihrer Kindheit im Herzen von Sussex zurück. Vor ihnen liegen herrlich lange Ferienwochen. Doch die unbekümmerte Stimmung ist trügerisch: Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, und auch innerhalb der Familie schwelen Konflikte. Feinfühlig erkundet die Autorin Elizabeth Jane Howard in der Familiensaga die Sehnsüchte und Geheimnisse der Cazalets und erweckt eine vergangene Welt zu neuem Leben. Sie recherchiert akribisch, fühlt und denkt sich in die Zeit und den Schauplatz ein und ist eine dieser Autorinnen, die uns in ihrem Werk zeigt, wofür Romane existieren und sie hilft uns das Nötige zu tun nähmlich unsere Augen und Herzen zu öffnen. Die detailreiche Recherche und die Eloquenz machen diesen Roman zu einem wunderbaren bewegenden Schmöker. Diese mitreißende Geschichte spricht unterschiedliche Generationen gleichmaßen an: Für die einen steckt sie voller Erinnerungen an eigene Erlebnisse und die/der interessierte jüngere Leser erfährt so einiges über das Leben der Großeltern und Eltern. Wir erleben ein großartig recheriertes Stück Zeitgeschichte, das fesselnder nicht in einen Roman hätte eingebunden werden können. Man taucht sofort in die Welt und Geschichte der Hauptfiguren ein und fiebert mit ihnen mit. Eine spannende Zeitreise. Man fühlt mit den Hauptpersonen mit und wird selbst Teil dieser Geschichte. Für mich ist Elizabeth Jane Howard die Elena Ferrante Englands. Ihr Epos umfasst fünf Bände, in denen die Geschichte der Familie Cazalet über drei Generationen erzählt wird. Gelungener Auftakt einer unwiderstehlichen Familiensaga! Eine berührende Familiensaga wunderbar zu lesen und die süchtig macht! Komplex und lebendig erzählt, mitreißend. Ein gelungenes Gesellschaftspanorama der Nachkriegszeit! Warmherzig! Ein literarisches, besonderes Kleinod. Unbedingt lesen!!!
       

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Mit der Faust in die Welt schlagen

Lukas Rietzschel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 07.09.2018
ISBN 9783550050664
Genre: Romane

Rezension:

          Manch einer beginnt zu hassen. Lukas Rietzschel beschreibt in seinem Roman die Entwicklung vom "normalen" Jugendlichen zum Nazi in Sachsen. Wie wird man Neonazi? Glaubt man dem Autor, kann das in Sachsen ganz leicht passieren. Irgendwie so ganz nebenbei. Seine Protagonisten Philipp und Tobias wachsen in der sächsischen Provinz auf - Neschwitz heißt der Ort in der Lausitz. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, geschlossene Fabriken, Plattenbauten, Abwanderung - Verfall. Am Ende brennt die geplante Flüchtlingsunterkunft. Der Roman wirft einen Blick auf das Bundesland, das vielen in diesen Zeiten Rätsel aufgibt. Pegida, Heidenau, Freital und zuletzt Chemnitz. Der Fremdenhass scheint sich immer wieder dort besonders Bahn zu brechen. Und keiner vermag wirklich erklären, warum immer wieder Sachsen? Auch Lukas Rietzschel kann diese Antwort nicht geben. Aber der Autor zeigt dem Leser in seinem neuen Roman einen Ort, der trister kaum sein kann. Die einen verlassen das Örtchen Neschwitz in Rietzschels Geschichte und ziehen gen Westen, die Zurückgebliebenen trinken - und manch einer beginnt zu hassen. Philipp und Tobi verbringen eigentlich eine ganz normale Jugend, wachsen in den 2000ern auf. Sie haben Angst vor Krieg, als 2001 die Flugzeuge in die Twin Towers fliegen. Die Jungs verstehen, dass ihr Vater bei der Nachbarin nicht immer nur Rollos repariert. Sie haben Angst in der Schule. Irgendwann stirbt der Opa. Doch auch Sachsen prägt sie: Sie mögen die Sorben nicht, das schickt sich in Neschwitz. Sie sehen, was Crystal Meth aus einem guten Freund machen kann. Sie lernen früh das Wort Stasi. Und sind fasziniert von Menzel und den anderen Typen, die immer mit dem Auto vor der Schule rumhängen. Eines Tages ist da ein riesiges Hakenkreuz auf einem großen Findling vor der Schule. Keiner vermag den Brüdern erklären, warum das verboten ist. Die Neugierde wächst. Der Ältere schließt sich der Gruppe rund um Menzel an - sie trinken und träumen von einem anderen Deutschland. Bald stößt auch der Jüngere dazu. Irgendwann landet ein totes Schwein auf dem Haus einer Familie, die ein türkisches Mädchen adoptiert hat. Dass Tobi und Philipp irgendwann bei den Rechten landen, lässt den Leser ratlos zurück. Keiner von beiden hat gesteigertes Interesse am Nationalsozialismus, beschäftigt sich irgendwie tiefer mit der Ideologie der Rechten. Da ist dieses Gefühl, Opfer zu sein, abgehängt - und dass das Fremde böse ist. Und spätestens das Jahr 2015 wird zum Wendepunkt - mit den Flüchtlingen kommt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Aber schließlich stellt sich auch die Frage: Hätten Menzel und seine Kumpels bunte Haare und ein Faible für die Sex Pistols, wären aus den beiden Brüdern Punks geworden? Ist es nur die Zugehörigkeit zu einer Gruppe - Langeweile, Abenteuer, Frust? "Mit der Faust in die Welt schlagen" gibt dem Leser ein Gefühl für eine Region Deutschlands, in der das Vergangene das Heute prägt. Und in der die Menschen einer Heimat nachhängen, die früher viel besser zu sein schien. Lukas Rietzschels Roman ist eine Chronik des Zusammenbruchs, hochaktuell – und ein Stück beklemmender, politisierter Literatur! Vom Stil her gut zu lesen, reicht der Inhalt von unterhaltsamen und bissigen Episoden bis hin zu heftigen Erinnerungen, die noch Jahrzehnte später ihre Auswirkungen zeigen - sowohl persöhnlich, als auch familiär. Es wird beschrieben, der Leser kann mitdenken und fühlen, es findet jedoch keine Anklage statt. Ein Buch, über das ich mir jetzt noch Gedanken mache. Eine hochaktuelle literarische Auseinandersetzung mit unserem zerrissenen Land.
       

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350 Bibliotheken, 13 Leser, 0 Gruppen, 128 Rezensionen

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Hazel Wood

Melissa Albert , Fabienne Pfeiffer , Frauke Schneider
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Dressler, 20.08.2018
ISBN 9783791500850
Genre: Jugendbuch

Rezension:

          Nervenkitzel pur. Vom Verschwinden und Finden. Was tut man, wenn die eigene Mutter plötzlich spurlos verschwindet und bloß eine Nachricht mit den Worten "Halt dich fern von Hazel Wood" hinterlässt? Genau. Alice geht nach Hazel Wood. Und sie ahnt, dass sie hier nicht nur ihre Mutter findet, sondern womöglich auch ihr eigenes Leben besser verstehen wird. Denn seit sie denken kann, wird Alice vom Unheil verfolgt. Dann stirbt ihre Großmutter, die mysteriöse Märchenerzählerin Althea Proserpine, und kurz darauf wird ihre Mutter entführt. Zurück bleibt nur eine Botschaft: Halt dich fern von Hazel Wood, jenem Ort, an dem Altheas düstere Geschichten ihren Anfang nahmen. Doch Alice weiß: Sie muss endlich die Wahrheit hinter den Märchen herausfinden, um ihre Mutter zu retten. Dabei lässt sie sich auf die Hilfe ihres Mitschülers Ellery ein. Er kennt Altheas Erzählungen nahezu auswendig. Auch die der unheimlichen Prinzessin "Alice-mal-drei". Doch wenn in Hazel Wood die Quelle ihres Schicksals ist, dann wird es hier nicht gerade beschaulich sein. Und das merkt Alice auch sehr schnell.
Ein Roman wie ein Rausch, mit düsteren Märchenelementen, eingebettet in das urbane Setting New Yorks. Melissa Albert ist für mich die Königin der Spannung. Wie sie diese Geschichte webt und den Leser vollkommen in ihren Bann zieht ist der Wahnsinn. Eine Mischung aus Fantasy und Realität. Eine Geschichte über Märchen, Freundschaften, Intrigen und der Zuversicht, dass man alles schaffen kann, wenn man nur Aufrichtig und mutig ist und niemals seine Träume aufgibt und sie macht Lust auf mehr. Von der ersten Seite an wird der Leser in diesem international erfolgreichen All-Ager in den Bann gezogen. Spannende Unterhaltung und Nervenkitzel pur - Frieden findet man erst wieder, wenn man das Buch bis zur letzten Seite gelesen hat.
       

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105 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 76 Rezensionen

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Kampfsterne

Alexa Hennig von Lange
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 30.10.2018
ISBN 9783832197742
Genre: Romane

Rezension:

          1985 – Es ist ein verrückter, heißer Sommer, in dem Boris Becker Wimbledon gewinnt, vier Passagierflugzeuge innerhalb eines Monats abstürzen, alle großen Rockstars bei Life Aid für das hungernde Afrika singen und in einer Siedlung am Rand der Stadt drei Familien zu zerbrechen drohen.
Drei Paare. Mütter und Väter. Ulla und Rainer. Rita und Georg. Ella und Bernhard. Sie wohnen in dänischem Design, fahren nach Südfrankreich in den Urlaub, schicken ihre Kinder zum Cello-Unterricht und zum Intelligenztest. Sie versuchen, sich als aufgeklärte und interessierte Menschen zu beweisen, die das richtige Leben führen. Wo wäre das leichter als in den sorgenfreien Achtzigerjahren der Bundesrepublik? Und warum funktioniert es trotzdem nicht?
Alexa Hennig von Lange erzählt die Geschichte einer Generation von Eltern, die ein freieres Miteinander wollten. Der Ideologien, denen sie folgten. Der Liebe, die sie verband. Der Ängste, die sie hatten. Der Kindheit, die sie sich für ihre Söhne und Töchter wünschten. Der Fehler, die sie machten. Der Entschlüsse, die ihre Kinder deshalb fassten. Die Sprache mit der die Autorin dieses Werk erzählt ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf einlässt, ist sie großartig, die Geschichte ist unglaublich abgefahren aber extrem unterhaltsam! Den Reigen aus Einzelschicksalen verdichtet Alexa Hennig in einer lakonisch verknappten Sprache meisterhaft. Präzise zeigt sie auf, wie deren unterschiedliche Bedürfnisse und Erwartungen aufeinanderprallen und sich schließlich in einem spontanen Akt der Verzweiflung entladen. Sie schreibt ohne Rücksicht, ohne Scham, ohne Bremse, wechselt atemlos die Perspektive, daß einem als Leser schwindelig wird. Passt genau zu dem Buchcover, extravagant, und handelt vom Mittelstands(un)glück in einem bundesrepublikanischen Winkel, der nur noch in der Literatur vermessen werden kann. Es scheint es ist ein Buch für alle die jenseits der normalen Literatur mal Lust auf etwas abgefahrenes haben, es ist ein Sentiment, eine Flut an Erinnerungen.
       

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93 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

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Ich komme mit

Angelika Waldis
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Wunderraum, 27.08.2018
ISBN 9783336547975
Genre: Romane

Rezension:

          Zweisamkeit - Leben ist eine Schneeflocke, ist ein Geschenk  und ist etwas vor dem Sterben. Jedoch man kann´s nur einmal auspacken. Die Autorin Angelika Waldis hat einen der besten Romane des Herbstes verfasst. Pointiert und tiefgründig zugleich, mit gekonnter Abwesenheit von Pathos, erzählt sie aus zwei Perspektiven. Es ist ein Kammerspiel, eine ungewöhnliche Freundschaft. Seit 42 Jahren wohnt Vita Maier in dem Haus in der Torstraße 6. Als junge Mutter ist sie hier eingezogen. Doch längst ist der Sohn aus dem Haus, der Mann unter der Erde. Für ihren Nachbarn, den Studenten Lazy, ist Vita die Alte von oben, denn für Lazy gibt es nur seine Freundin Elsie. Doch so plötzlich, wie die Liebe kam, und ebenso heftig, kommt die Krankheit. Sie verscheucht Elsie und die Zukunft. Im Treppenhaus liest Vita einen mageren, erschöpften Lazy auf und nimmt ihn zu sich, um ihn mit Wurstbroten aufzupäppeln. Eine ungewöhnliche, lustige und seltsam innige Freundschaft entsteht. Dann kommt der Tag, an dem ein neues Blutbild die Zuversicht kaputt macht. "Ich steige aus", sagt Lazy. "Ich komme mit", sagt Vita. Und so begeben sich zwei Lebensmüde auf eine verrückte letzte Reise. Vita Maier und Lazar Laval sind Nachbarn. "Ich hab von Maier kaum was gewusst. Hab einfach gedacht: freundliche, müde Tante. Aber wenn sie spricht, kommt eigentlich nichts Müdes raus. Sie sagt ziemlich frische Sachen, ungeschälte, ungekochte." Lazar, genannt Lazy, 21-jähriger Student, lebt allein und hat Leukämie. Vita genannt Maier, etwas vereinsamt, beginnt für Lazy zu kochen. Auf einer Reise in die Türkei zu dem prähistorischen Fundort Göbekli Tepe, wo Lazy das Abbild eines Fuchses bewundern möchte, reift bei den Gefährten ein Entschluss. "Vita Maier, Komische Frau Sie erlaubt mir zu sterben, aber nur wenn ich satt bin", denkt Lazy. Aber es wird anders kommen. Wie die alte Vita und der kranke Lazy über das Leben philosophieren und dabei zu Freunden werden. Dieser Roman ist eine sehr bewegende Geschichte über zwei ganz unterschiedliche Menschen, das Abschiednehmen und die Akzeptanz, das Leben und das eigene ganz individuelle Schicksal anzunehmen. Liebevoll geschildert, wie sie sich annähern, sich aneinander festhalten, sich gegenseitig helfen und gegen Trauer und Sterben ankämpfen. Leben ist ein Geschenk. Man kann´s nur einmal auspacken. Eine Geschichte, die man mit einem neuen Gefühl der Verletzlichkeit aus der Hand legt, mit dem Gefühl, dass jeder neue Herzschlag zählt. Eine bewegende, witzige und mitreißende Hymne an das Leben und an das Menschsein - ebenso unterhaltsam wie berührend.
       

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93 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

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Honig aufs Herz

Moni Kaspers
Buch: 224 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 01.10.2018
ISBN 9783945362440
Genre: Liebesromane

Rezension:

          Ein eindrucksvoller Roman mit großen Charakteren, einer großen Geschichte und großen Gefühlen. Nachdem Evryn ihren Freund in flagranti erwischt hat, zieht sie kurzerhand in ihr kleines New Yorker Detektivbüro. Als sie ihrem umwerfend gutaussehenden Nachbarn Nicolaj dort aus Versehen fast die Nase bricht, ahnt sie noch nicht, dass er bald ihr Lebensretter sein wird. Denn der lukrative Auftrag, den sie zwischenzeitlich an Land gezogen hat, erweist sich als brandgefährlich. Schon steckt ihre Detektivnase mitten in Intrigen, Mord und einem grausamen Geheimnis. Nicolaj entpuppt sich zunächst als perfekter Partner, wenn es um das Lüften von Geheimnissen geht. Doch als zwischen den beiden die Funken fliegen, bleibt er zurückhaltend, und bald wird klar: Nicolaj ist nicht der harmlose Taxifahrer, für den Evryn ihn hält. Auch er hat ein dunkles Geheimnis … aber Nicolaj begann, diesen Rotschopf Evryn, zu mögen. Pure Romantik ergreifend, berührend und zugleich, spannend und von Anfang an mitreißend schön, die einen an die wahre Liebe wieder glauben lässt. Die Geschichte ist sehr flüssig und spannend geschrieben mit interessanten Charakteren, sie lässt sich vom Erzählstil und von der Sprache her leicht lesen. Sowohl inhaltlich als auch sprachlich hat mich dieses Buch vollkommen überzeugt. Ganz große Gefühle in E-Buchform  emotional und bildgewaltig erzählt. Mit emotionaler Wucht erzählt Moni Kaspers eine große Geschichte über unsere Verletzlichkeit, wenn wir lieben, über die dunklen Seiten der Liebe und über die niemals endende Verbundenheit zwischen zwei Liebenden. Für alle die sich für Liebesgeschichten mit Spannung interessieren eine tolle Lektüre. Gänsehautmomente sind garantiert!
       

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