RubyKairos Bibliothek

234 Bücher, 306 Rezensionen

Zu RubyKairos Profil
Filtern nach
306 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

18 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

"humor":w=2,"satire":w=2,"alltag":w=1,"lebensweisheiten":w=1,"nahrungsmittel":w=1,"wechseljahre":w=1,"alltägliches":w=1

Ich hab’s auch nicht immer leicht mit mir

Anne Vogd
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783548377858
Genre: Humor

Rezension:

          Was für ein tolles Buch. Dieses Buch sollte jede Frau ab vierzig lesen! Weil man in diesem Alter die Erfahrung und die Muse hat die diesem Büchlein gebührt. Und, von sich locker sagen kann war ich schon mal,  hatte ich schon mal. In diesem Buch versammeln sich witzige, peinliche und absurde Kurznachrichten, an die sich sonst vielleicht nie jemand erinnern könnte. Nach dem Motto 'Vernünftig, das ist wie tot, nur früher' bekämpft die Autorin die kleinen und großen Krisen des Alltags mit einer guten Portion Humor, Gelassenheit und Improvisationstalent. Denn wer immer scheitert, ist auch zuverlässig. Weniger Perfektion heißt oft mehr Gewinn. Denn es hat sich jedenfalls noch nie ausgezahlt, irgendwelchen Idealvorstellungen hinterherzulaufen. Es hat sich nicht gerechnet, weil man eh nie alle mit seinem Tun begeistern kann. Selbst wenn man übers Wasser gehen könnte, käme noch irgendeiner dahergelaufen und würde fragen, ob man zu blöd zum Schwimmen ist. Wie wahr, wie wahr, Anne Vogd plädiered daher für mehr Gelassenheit. Mit einer tollen Metapher zeigt sie uns, wie wir mit unseren kleinen und großen Krisen des Alltags gelassener umgehen sollten. Der blinden Masse hinterherzurennen, statt das eigene Leben zu einem wundervollen Abenteuer zu machen? Die Autorin nimmt die alltäglichen Eigenheiten mit Leichtigkeit und Humor auf die Schippe. Amüsant zu lesen. Skurrile, witzige und einzigartige Episoden wurden hier zu einem wunderbaren Roman zusammengefasst. Einfach mal die Gedanken ausschalten und Lachen! Dieses mitreißende Buch ermutigt dazu, die ausgetretenen Pfade eines Lebens, mit dem man sich nicht wohlfühlt, zu verlassen und man sollte es mindestens einmal im Monat lesen. Wer mal wieder so richtig herzhaft lachen möchte, ohne viel nachdenken zu müssen braucht dringend dieses Buch! Lachtränen garantiert! Ein wunderbar sinnentleerter Zeitvertreib und auch perfekt zum gegenseitigen Vorlesen in einer netten Runde. Sehr anschaulich und lesenswert!

       

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

38 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

"roman":w=1,"spannung":w=1,"mörder":w=1,"russland":w=1,"handy":w=1,"staat":w=1,"sms":w=1,"text":w=1

TEXT

Dmitry Glukhovsky , Franziska Zwerg
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 31.08.2018
ISBN 9783958901971
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Moskau war ein Gemisch aus allem: aus unvereinbaren Gebäuden, aus nicht zueinander passenden Menschen, aus entgegengesetzten Zeiten: Mal hatte man an die Seele und an Kathedralen geglaubt, mal an den Körper und an Schwimmbäder; und alles hatte sich in Moskau eingerichtet, nichts wurde je vollständig überwunden oder für immer vernichtet. Eigentlich wollte Ilja nur sein altes Leben zurück haben, die Qualen von sieben Jahren Straflager vergessen. Als junger Student war er in einem Moskauer Club in eine Drogenrazzia geraten. Bei der Durchsuchung fand man Briefchen mit Kokain bei ihm, doch die hatte ihm Petja, einer der Fahnder, zugesteckt, um dem aufmüpfigen Ilja seine Macht zu demonstrieren. Nach sieben dunklen Jahren will Ilja nun ein neues Leben beginnen und Petja, den er in Gedanken das Schwein nennt, verzeihen. Doch alles kam anders; als Ilja nach Hause kommt, ist nichts mehr, wie es war. Seine Mutter stirbt wenige Tage vor seiner Rückkehr an einem Herzinfarkt, seine Freundin ist längst mit einem anderen zusammen, und sein Jugendfreund begegnet ihm mit größtem Argwohn. Enttäuscht ertränkt Ilja seine Trauer im Alkohol, bis er im Rausch der Verzweiflung jenen Fahnder aufsucht, der ihn vor sieben Jahren zu Unrecht hinter Gitter brachte. Im Affekt ersticht Ilja ihn und nimmt ihm sein Smartphone ab. Im Rausch der Verzweiflung begeht er einen folgenschweren Fehler, und sein Leben wird fortan von dem Smartphone eines Toten bestimmt. Als Ilja beginnt, auf die eingehenden Nachrichten des Verstorbenen zu antworten, verstrickt er sich immer tiefer in dessen Vergangenheit. Bis er getrieben von Schuldgefühlen und den Zwängen einer fremden Identität in der brodelnden Metropole Moskau untertaucht. Dmitry Glukhovsky öffnet mit seinem packenden, politischen Roman das Tor zu einer dunklen Welt. Dabei gelingt es ihm, den Leser derart in einen Strudel aus Vertrauen, Misstrauen, Geständnissen und Täuschungen zu ziehen, dass nichts anderes übrig bleibt, als sich selbst und seine eigene Handlungsweise zu hinterfragen. Damit bleibt am Ende dieses emotionalen Auf und Abs nur noch eine Frage offen: Wie weit würdest du gehen? Doswidanja. Nur zu empfehlen. Ein konsequentes Psychogramm eines Täters, erst Charakterdrama, dann Thriller clever konzipierte Verliererballade. Der Wunsch nach Freiheit, Schuldgefühle die den Protagonisten nicht ruhen lassen und ein dunkles Geheimnis... Eine Odyssee in den Wirren der brodelnden Metropole Moskau. Ein großartiger Spagat zwischen Unterhaltung und Anspruch, ein sehr lesenswerter Roman! Einfach nur Weltklasse!!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

63 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

"schweden":w=9,"krimi":w=5,"mord":w=5,"florenz":w=4,"nordschweden":w=4,"hudiksvall":w=4,"einsamkeit":w=2,"fussball":w=2,"jugendfreunde":w=2,"skandinavienkrimi":w=2,"johan rokka":w=2,"spannung":w=1,"vergangenheit":w=1,"sex":w=1,"rache":w=1

Der Schmetterling

Gabriella Ullberg Westin , Stefanie Werner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.09.2018
ISBN 9783959672054
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Manche Bücher sind wie Kreuzberger Nächte. Erst fangen sie ganz langsam an. Aber dann, aber dann! Die Methode ist nicht neu: Misstrauen frisst Seele auf, Stück für Stück, und die Spannung wächst. Alfred Hitchcock lässt grüßen. Heiligabend in Hudiksvall, Nordschweden: "Der Weihnachtsmann kommt ein bisschen später. Tut mir leid! Kuss!" Heiligabend würde also anders verlaufen, als Henna es sich vorgestellt hatte, das war ihr schlagartig klar. In der letzten Zeit hat sich nur weniges so entwickelt, wie sie es gehofft hatte, doch sie hatte sich viel Mühe gegeben, damit wenigstens dieser Tag perfekt wurde. Es war schon eine Weile her, dass Måns ins Auto gestiegen und nach Hudiksvall gefahren war, und mittlerweile war es draußen stockfinster. So sehr sie das norrländische Licht im Sommer liebte, so sehr hasste sie diese Dunkelheit, die sich jetzt wie ein Topfdeckel über sie gelegt hatte. Durch das große Fenster sah sie, dass es noch immer schneite. Sie hing ihren Gedanken nach, aber zuckte zusammen, als in der Ferne ein Motorengeräusch zu hören war. Sie hielt die Luft an, um besser lauschen zu können. Das Geräusch kam immer näher. Sie ging in den Flur. „Jetzt kommt er, jetzt kommt er!“, rief ihr Sohn. Die Kinder kamen an ihre Seite gerannt. Ihre kleinen Hände suchten Halt in ihrer Hand. Sie holte tief Luft, dann gingen sie gemeinsam zur Tür. Durch das Fenster im Flur war eine rot gekleidete Figur zu sehen, und da überkam sie ein wohliges Gefühl. Endlich war er zu Hause, Heiligabend konnte beginnen. Sie umfasste die Türklinke und drückte sie nach unten. „Willkommen, lieber Weihnachtsmann“, sagte sie. Henna öffnet dem Weihnachtsmann die Tür, der ihre beiden Kinder überraschen soll. „Hallo, hallo. Gibt es hier denn brave Kinder?“ Die Stimme ließ ihre Muskeln im ganzen Körper erstarren, vom Kopf bis zu den Zehenspitzen. Sie sah auf das freundliche Lächeln unter dem weißen Kunsthaarschnurrbart und blickte in die Augenhöhlen der Gesichtsmaske, die einen netten Ausdruck hatte. „Mama, der Weihnachtsmann hat aber eine tiefe Stimme …“ Kein Zweifel, wem diese Stimme gehörte: Es war die Stimme des Bösen. Es ist nicht ihr Ehemann in Verkleidung, sondern ihr Mörder. Er drängt sie ins Haus und streckt sie mit mehreren Schüssen nieder. Mit letzter Kraft schleppte sie sich ins Badezimmer. Das Ende war schneller gekommen, als sie erwartet hatte. Sie stirbt vor den Augen ihrer Kinder. Kommissar Johan Rokka ist nach zwanzig Jahren in Stockholm gerade erst in seine alte Heimatstadt zurückgekehrt und wird die Mordermittlung übernehmen. Es ist ein schwerer Start, denn Henna war die Frau seines alten Schulfreunds Måns. Im Kreis der Verdächtigen sind Freunde von früher. Dann geschieht ein zweiter Mord. Kennt Rokka den Mörder bereits? Ist er der Nächste auf seiner Liste? Gabriella Ullberg Westin spielt auf dieser Klaviatur, als habe sie sie geschaffen. Längst rast der Plot. Jedenfalls stellt sich die Erschießung der Ehefrau am Ende recht anders dar, als sich anfangs vermuten ließ. Psychologisch raffiniert komponiert und rasant spannend. Die Autorin lässt uns an den Gedanken der Protagonisten teilhaben und spielt geschickt mit den Erwartungen des Lesers. Das ist das Raffinierte an diesem Krimi. Perfides Spiel um Schein und Sein mit düstere Atmosphäre und dem typisch schwedischen Krimi-Pragmatismus. Schwedenkrimis, wie ich sie liebe: Nicht düster, spannend- und mal nicht in Stockholm, sondern in Hudiksvall! Und ja: Eigenwillige Ermittler hats hier auch! Psychologisch dicht, spannender Handlungsfaden und echte Originale, die Nordschwedens Verbrecher jagen, super! Ein in allen Belangen wirklich guter Krimi!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(39)

50 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

"liebe":w=3,"irland":w=3,"kate dakota":w=3,"verlust":w=2,"book of kells":w=2,"declan connolly":w=1,"fanad":w=1,"lachszucht":w=1,"brittany baxter":w=1,"familie":w=1,"tod":w=1,"geheimnis":w=1,"trauer":w=1,"vertrauen":w=1,"vater":w=1

Der Klang eines Augenblicks: Ein Irland-Roman

Kate Dakota
E-Buch Text
Erschienen bei Forever, 03.09.2018
ISBN 9783958183582
Genre: Romane

Rezension:

          Große Gefühle und eine Liebe voller Hindernisse vor der beeindruckenden, malerischen Kulisse Irlands, und vom Mut, das Glück wiederzufinden. Nach vielen Jahren kehrt Britt nach Irland zurück. Seit ihr Vater dort ums Leben kam, hat sie die Halbinsel Fanad im Norden des Landes, auf der sie als Kind mit ihren Eltern Urlaub machte, nicht mehr besucht. Doch nun will sie endlich wissen, wie es zu seinem angeblichen Unfalltod kam. Ihre einzige Spur ist ein Tagebucheintrag über das berühmte Book of Kells, ein Nationalheiligtum der Iren. So lange war sie stark gewesen. Für ihre Mutter, die so viel Unglück hatte aushalten müssen und trotzdem nie geklagt hatte. Nicht, als sie ihren Mann auf tragische Weise verlor, und auch nicht, als sie so schwer erkrankte. Jetzt, wo sie ebenfalls gegangen war, gab es keinen Grund mehr, den eigenen Schmerz zu bekämpfen oder gar zu verdrängen. Endlich konnte sie die Trauer um den Vater zulassen, den sie nur so kurze Zeit an ihrer Seite gehabt, der sie aber für ihr ganzes Leben geprägt hatte. Auch deswegen sah sie es, entgegen dem Willen ihrer Mutter, als ihre Pflicht an, herauszufinden, warum er hatte sterben müssen. Damals am Fanad Head. Darum war sie nach Irland gekommen, und sie würde diese Aufgabe schon bald in Angriff nehmen. Aber noch war sie nicht so weit. Noch traute sie sich nicht, den Mann zu treffen, der ihr vielleicht helfen konnte. Sie hoffte so sehr, dass er es konnte. Bei ihrer Suche nach Antworten lernt Britt den gutaussehenden Declan kennen, und obwohl sie zunächst aneinandergeraten, fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Kurz darauf erfährt sie, wer er wirklich ist und erkennt, dass sie ihn unbedingt wiedersehen muss ... Welch eine Ironie! Ist es wirklich erst etwas über vierzehn Tage her, dass sie aus einem ähnlichen Grund nach Irland kam? Um etwas zu Ende zu bringen? Besser gesagt, um endlich eine Antwort auf die große Frage ihres Lebens zu bekommen und etwas abzuschließen, das sie so viele Jahre gequält hat? Ja, es ist tatsächlich noch nicht lange her, aber es kommt ihr wie eine Ewigkeit vor. Ein Buch wie eine perfekt gepackte Strandtasche: berührendes Familiendrama, wunderschöne Liebesgeschichte und Road Novel. Humorvoll und emotional geschrieben. Kate Dakota ist ein Garant für atemlose Spannung, viel Gefühl und wundervolle Geschichten, die begeistern. Spannend bis zum Ende und zugleich dramatisch, voller Wendungen und trifft einfach auf sehr berührende Weise mitten ins Herz. Große Gefühle und Taschentuch-Alarm, einfach ein tolles Buch! Ein schöner Roman, der zeigt, dass man auch einmal ungewohnte Wege beschreiten muss und das ganz ohne Kitsch! Die Zeit beim Lesen verging wie im Flug und der Schluss kam viel zu schnell.
       

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(56)

67 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

"krimi":w=5,"berlin":w=5,"stasi":w=5,"1968":w=3,"mord":w=2,"ddr":w=2,"68er":w=2,"berliner mauer":w=2,"westberlin":w=2,"wannsee":w=2,"spannend":w=1,"politik":w=1,"ermittlungen":w=1,"kriminalroman":w=1,"erpressung":w=1

Die Tote im Wannsee

Lutz Wilhelm Kellerhoff
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 10.08.2018
ISBN 9783550050640
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Berlin im Herbst 1968. Während die Studenten im eingemauerten Westteil der Stadt für eine Revolution demonstrieren, geht für viele Menschen das normale Leben weiter. So auch für die Beamten der Mordkommission. Die Leiche einer jungen Frau ist aus dem Wannsee geborgen worden. Der junge Kommissar Wolf Heller soll herausfinden, wer die Frau erstochen hat. Wie ein ganz normaler Krimi beginnt "Die Tote im Wannsee", aber schnell wird klar, dass deer Roman eine ganz eigene Dimension besitzt. Denn die Kriminalhandlung ist eingebettet in ein facettenreiches Portrait einer spannenden Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs.
Die Tote wird identifiziert als Heidi Gent, gutbürgerliche Ehefrau, Mutter zweier kleiner Kinder und von Beruf Sekretärin bei einem Rechtsanwalt. Schon bald gerät ihr Mann in Verdacht, aber er betont seine Unschuld und scheint auch kein Motiv zu haben.
Als Heller die Wohnung der Toten durchsucht, stößt er allerdings auf ein Sparbuch, auf dem die Sekretärin eine ungewöhnlich hohe Summe angesammelt hatte. Hatte sie einen geheimen Nebenverdienst, von dem niemand wusste? Und hat dieses Geld etwas mit dem Mann im teuren Sportcoupé zu tun, der sie ein paar Mal nach Hause gebracht hat? Oder spielt es eine Rolle, dass ihr Arbeitgeber niemand anders ist als Horst Mahler, einer der prominenten Strafverteidiger linksradikaler Aktivisten und aktuell selbst gerade in Haft? Durch Hellers Ermittlungen bekommen die politischen Ereignisse des Jahres 1968 eine wichtige Rolle im Roman. Denn parallel zur Krimihandlung erzählt der Roman von einer Kommune, die plant, Mahler aus dem Gefängnis zu befreien und dann einen Aufstand anzuzetteln.
Heller kommt mit seinen Ermittlungen nicht voran. So sehr er sich auch bemüht, immer wieder stößt er an seltsame Grenzen, so dass er sich bald sicher ist, irgendwas an dem Fall ist faul. Aber über das "irgendwas" kommt er lange Zeit nicht hinaus. Der Leser ist ihm da immer einen Schritt voraus. Die Erzählung verfolgt nicht nur Heller als Hauptfigur, sondern auch die radikalisierte Studentin Louise und den DDR Agenten Harry, der mehr weiß als alle anderen handelnden Personen.
Die besondere Lage West-Berlins im Kalten Krieg taucht immer wieder als prägende Rahmenbedingung des Lebens in der Stadt auf, immer präsent, aber nie als aktuelles Drama. Auch die Vergangenheit immer noch präsent. Hellers Vorgesetzter war ebenso wie sein Vater im Zweiten Weltkrieg an Gräueltaten beteiligt, und die unbewältigte Vergangenheit ist ebenso mächtig wie die kontroverse Gegenwart. Der historischen Situation angemessen endet das Drama an der Mauer.  
Die drei Autoren Martin Lutz, Sven Felix Kellerhoff und Uwe Wilhelm haben in "Die Tote im Wannsee" ein packendes Porträt einer spannenden Zeit geschaffen, in dem reale Personen wie Bürgermeister Klaus Schütz, Horst Mahler, der Chansonnier Reinhard Mey und DDR-Spionagechef Markus Wolf auftauchen. Kombiniert mit einer packenden Handlung bietet der Roman ebenso spannende wie unterhaltsame Lektüre. Neben der Krimihandlung gelingt den Autoren eine großartige Beschreibung einer spannenden Epoche. Ein komplexer Fall, zwischenmenschliche Komplikationen gepaart mit historischer Genauigkeit und Anschaulichkeit. Tauchen Sie ein in das Hauptstadtgefühl der 68er Jahre. Das Buch führt auf kluge Weise Fiktion und historische Tatsachen zusammen, ohne ständig mit dem Zeigefinger der Belesenheit zu protzen. Ein Muss für Fans und solche die es werden wollen.
       

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(88)

134 Bibliotheken, 14 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

"krimi":w=3,"thriller":w=3,"lügen":w=3,"psychothriller":w=3,"liebe":w=2,"spannung":w=2,"verrat":w=2,"ehe":w=2,"trauma":w=2,"journalistin":w=2,"haiti":w=2,"vatersuche":w=2,"roman":w=1,"mord":w=1,"tod":w=1

Der Abgrund in dir

Dennis Lehane , Steffen Jacobs , Peter Torberg
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070392
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Zwischen Krimi und Tragödie. Wie weit darf man gehen, um Menschen zu helfen? Und wie lange kann von Hilfe die Rede sein? Rachel Childs wurde im Pioneer Valley in West-Massachusetts geboren. Die Gegend war bekannt als die Region der fünf Colleges – Amherst, Hampshire, Mount Holyoke, Smith und die Universität Massachusetts – , und sie beschäftigte zweitausend Lehrkräfte, um fünfundzwanzigtausend Studenten zu unterrichten. Rachel wuchs in einer Welt der Cafés, Frühstückspensionen, weitläufigen öffentlichen Grünanlagen und altmodischen Holzschindelhäuser auf – Häuser mit umlaufenden Veranden und modrig riechenden Dachböden. Sie war eine erfolgreiche Fernsehjournalistin, hatte alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann, doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Und ein Zusammenbruch vor der Kamera setzt ihrer Karriere und ihrem bisherigen Leben ein Ende. Zermürbt von Panikattacken, verlässt sie kaum noch das Haus. Es ist Brian, der sie aus diesem Alptraum befreit, und es ist Brian, der ihr zweites Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr macht. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen? Dennis Lehane schafft es, seine Charaktere zum Leben zu erwecken und seine Erzählungen in Kopfkino zu verwandeln. Jedenfalls glaube ich, lesenswert ist der Roman vor allem durch das interessante Setting und einen recht lockeren Schreibstil, was unterm Strich eine gelungene Urlaubslektüre ergibt. Raffiniert und unvorhersehbar zieht diese Geschichte in ihren Bann, regt zum Nachdenken an und lässt einen so schnell nicht mehr los! Durchgehend bewegt man sich an der Grenze von Wahnsinn und Realität, bis diese beginnt zu verschwimmen. Mit diesem Buch ist Dennis Lehane ein Meisterwerk gelungen! Ein Sozialdrama, ein Kriminalroman, eine Gesellschaftsstudie, ein genaues Psychogramm der Figuren. Spannender Krimi, toller Plot und eine einzigartige präzise Sprache, raffiniert komponierte düstere Noir-Atmosphäre, mit Verschwörungs-Sonate um Wahn und Angst. Man muss nicht nur ein Faible für sehr schräge Literatur haben, sondern auch für Psychothriller mit Emotion und Gefühl. Fulminant, überraschend, bösartig und faszinierend! Überragender Thriller!
       

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(111)

214 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 110 Rezensionen

"sonnenfinsternis":w=14,"lügen":w=10,"vergewaltigung":w=10,"lüge":w=7,"liebe":w=4,"angst":w=4,"wahrheit":w=4,"thriller":w=3,"betrug":w=3,"schuld":w=3,"cornwall":w=3,"roman":w=2,"freundschaft":w=2,"spannung":w=2,"england":w=2

Vier.Zwei.Eins.

Erin Kelly , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 22.08.2018
ISBN 9783651025714
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Ein erstklassiger Thriller voller mysteriöser Geheinmisse und einer zerstörerischen Lüge. Am Anfang stand der Betrug. Dann die Lüge. Zum Schluss war es nur noch Feigheit. Und keiner hatte die leiseste Ahnung, in welche Katastrophe sie das alle führen würde. Ein Ort voller Erinnerungen. Ein Ort voller Lügen. Im Sommer 1999 erleben Kit und Laura eine totale Sonnenfinsternis in Cornwall. Als sich der Schatten auflöst, im fahlen Licht, glaubt Laura eine brutale Vergewaltigung zu sehen. Doch der Mann bestreitet alles. Die Frau schweigt. Monate nach der Verhandlung steht die Frau vor Lauras und Kits Tür, schleicht sich auf merkwürdige Weise in ihr Leben. Nur Kit scheint zu sehen, was Beth Taylor wirklich ist: eine Bedrohung. 15 Jahre später leben Laura und Kit unter falschem Namen an einem geheimen Ort. Eines Tages steht plötzlich Beth vor Laura, und mit aller Macht drängt die Wahrheit ans Licht die womöglich besser im Dunkeln geblieben wäre. Es beginnt ein psychologisches Verwirrspiel, das sie und alle, die sie liebt, ins Verderben zu reißen droht ... Wie konnte es dazu kommen? Wie sind wir hier gelandet? Wie wird es enden? Die Geschichte wird leise, aber unerbittlich um eine brutale Vergewaltigung, aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, die dem Leser das Gefühl geben vor Ort zu sein. Erin Kelly zieht bei diesem Psychothriller alle Register ihres Könnens. Selten war eine Reise zu den Abgründen der menschlichen Seele so spannend und intensiv! Eine fesselnde Story über ein schreckliches Verbrechen, die ganz ohne die großen Töne und Gesten auskommt und die dafür ruhig und mit viel Spannungsmomenten erzählt wird. Auch wenn Horror sonst nicht jedermanns Genre ist, schafft es dieser Roman dennoch, den Leser in seinen Bann zu ziehen, denn tief verborgen in jedem Menschen, selbst in der dunkelsten Seele, sollte doch etwas Gutes ruhen. Virtuos durchkonstruiert und psychologisch perfekt! Packend und undurchschaubar und mit überraschender Auflösung, ein Ende, mit dem wohl keiner gerechnet hat, aber irgendwie passen am Ende die schockierenden Erlebnisse zusammen - genau so wünsche ich mir einen Thriller! Nicht nur für Thriller-Fans die perfekte Lektüre für einige fesselnde Lesestunden! Auch für nicht allzu starke Nerven geeignet.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(78)

98 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 66 Rezensionen

"afghanistan":w=9,"kabul":w=9,"schweden":w=8,"thriller":w=5,"mord":w=4,"entführung":w=4,"krimi":w=3,"spannung":w=3,"politik":w=3,"stockholm":w=3,"botschaft":w=3,"unterhändler":w=3,"amanda lund":w=3,"sex":w=2,"erpressung":w=2

Vier Tage in Kabul

Anna Tell , Ulla Ackermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.08.2018
ISBN 9783499273841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Bitterer Verrat ... Zwei schwedische Diplomaten werden vermisst – vermutlich wurden sie entführt. Thriller um eine schwedische Unterhändlerin in Kabul. Die schwedische Polizeiausbilderin und Verhandlungsführerin Amanda Lund ist für ein Jahr in Afghanistan stationiert, sie soll die Sicherheitskräfte vor Ort schulen. Sie arbeitet in einem langfristig angelegten Projekt als Beraterin des afghanischen Truppenkommandanten und sie sollte eigentlich nicht an Kampfeinsätzen teilnehmen! Doch gerade erst hat die 35-Jährige einen Angriff der Taliban überlebt, da erhält sie einen neuen heiklen Auftrag: In Kabul wurden zwei Diplomaten der schwedischen Botschaft entführt, sie werden mittlerweile seit sieben, acht Stunden vermisst. Angeblich haben die beiden die Botschaft in einem gepanzerten Wagen mit ortsansässigem Fahrer verlassen. Allerdings hat von ihnen niemand mehr etwas gehört oder
gesehen, seit sie zuletzt ihre Position durchgegeben haben – da waren sie an irgendeinem Platz mit M und anschließend noch ein-, zweimal nördlich von Kabul, Amanda soll als Unterhändlerin fungieren. Augenblicklich krampfte sich ihr Magen zusammen. Ihr Auftrag in Nordafghanistan bestand in erster Linie darin, eine internationale Einsatztruppe aufzubauen, nicht Verhandlungen zu führen. Der Druck ist immens, denn in Schweden erwartet man afghanischen Staatsbesuch … In Stockholm bei der Reichskriminalpolizei koordiniert Bill Ekman Amandas Einsatz. Die Sache muss unter Verschluss bleiben, nur ein kleiner Kreis ist eingeweiht. Gleichzeitig untersucht Bill den Mord an einem jungen Mann. Ein Regierungsmitarbeiter, wie sich herausstellt. Obwohl Tausende Kilometer voneinander entfernt, verdichten sich die Hinweise, dass beide Fälle zusammenhängen. Die Spuren führen in höchste Kreise. Schnell merkt Amanda, dass sie es mit keinem gewöhnlichen Fall von Entführung zu tun hat. In einem Labyrinth aus persönlichen und politischen Konflikten, aus falschen Identitäten und sorgsam gehüteten Geheimnissen droht sich die Spur zu verlieren. Doch manchmal will die Vergangenheit einfach nicht ruhen ... Wie literarisch sind diese erschreckenden Entdeckungen denn. Was für eine Autorin, was für eine Ermittlerin, was für ein Roman! Die Autorin hat ein gutes Gespür für Milieu und Dialoge. Dabei sorgen ebenjenes Milieu, die unverbrauchte Perspektive und die Figuren für frischen Wind. Bei Anna Tell ist niemals etwas komplett schwarz oder weiß, das macht das Ganze so spannend und fordert den Leser zur eigenen Stellungnahme regelrecht heraus! Toller Auftakt einer neuen Reihe, sachlich, nicht übertrieben emotional, genaue Beschreibungen, elegant eingefügte Details zum Privatleben der Hauptfiguren und keine unnötigen Übertreibungen. Ein gut geschriebener, intelligenter, realistischer und spannender Politthriller in rasantem Erzähltempo, stilistisch ein gelungener Kontrast zu anderen Skandinavienthrillern. Packend, unglaublich faszinierend und hochaktuell: ein Thrillerdebüt, das internationale Schauplätze und politische Themen mit den Qualitäten des Skandinavienkrimis kombiniert. Glaubwürdig und ein in vielerlei Hinsicht interessanter und provokanter Roman. Must have für alle Krimifans, unbedingt lesenswert!!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(80)

120 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

"thriller":w=4,"familie":w=1,"mord":w=1,"amerika":w=1,"geheimnis":w=1,"frauen":w=1,"geheimnisse":w=1,"verschwörung":w=1,"fortsetzung":w=1,"entwicklung":w=1,"anschlag":w=1,"karin slaughter":w=1,"teil 2 der reihe":w=1,"harper collins germany":w=1,"karen slaughter":w=1

Ein Teil von ihr

Karin Slaughter , Fred Kinzel
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.08.2018
ISBN 9783959672146
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Todbringende Odysee für Mutter und Tochter. Andrea lebt bei ihrer Mutter. Wie sie es sieht, ist sie "Ein Teil von ihr". Bei einem Amoklauf in einem Café lernt sie die Mutter von einer neuen Seite kennen. Was wäre, wenn Andrea nicht diese furchtbare Erfahrung gemacht hätte? Wäre sie weiter die introvertierte, eher antriebslose junge Frau geblieben, die mit 31 Jahren noch am Rockzipfel der Mutter hing? Das Schicksal und die Autorin von "Ein Teil von ihr" wollten es anders. Sie lässt ihre Heldin in dem neuen Thriller just an deren 31. Geburtstag in einen tödlichen Alptraum schlittern. Karin Slaughters Story ist knallhart und ihr gesellschaftkritischer Blick gnadenlos. Man kennt es von der Autorin, dass sie genau hinter die Kulissen des Establishments und die Fassaden der sogenannten feinen Gesellschaft schaut, in denen ebenso wie in anderen Teilen der Bevölkerung das Böse einen breiten Raum einnimmt. Andrea, genannt Andy, ist Teil dieser Gesellschaft, in der sie einfach keinen richtigen Platz findet. In New York gestrandet und nun wieder in der heimischen Umgebung von Belle Isle in Georgia, fühlt sie sich unwohl. Sie ist deillusioniert, da ihr gar nichts gelingen will - im Gegensatz zu ihrer erfolgreichen Mutter Laura. Bewundernd schaut sie zur der anerkannten Logopädin auf, die ihr gegenüber stets liebe - und verständnisvoll ist. Bis zu ihrem Geburtstag. Denn da geraten Mutter und Tochter in einem Café in die Schusslinie eines durchgedrehten Mannes. Laura erweist sich als nahkampferprobt und todesmutig, ja kaltblütig: Sie tötet den Amokläufer mit seinem eigenen Messer, während Andy paralysiert ist und hilflos zuschaut. Wieder und wieder sieht Andrea Oliver das Gesicht ihrer Mutter Laura vor sich: gelöst, gutmütig, beherrscht – während sie einem Menschen das Leben nimmt. Vierundzwanzig Stunden später liegt Laura im Krankenhaus, angeschossen von einem Mann, der ihr dreißig Jahre lang auf den Fersen war. Auf der Suche nach Gründen für die Tat, lernt Andy, je weiter sich ihr die wahre Identität dieser Frau enthüllt, desto mehr entpuppt sich ihr Leben als eine Lüge. Wer ist ihre Mutter wirklich? Verzweifelt folgt Andrea den Spuren in die Vergangenheit... Denn sonst kann es für keine von ihnen eine Zukunft geben. Doch dann kehrt das Grauen mit voller Wucht zurück. Für beide wird der schreckliche Vorfall zu einem Schlüsselerlebnis. Laura muss befürchten, dass ihre Tat nicht als Notwehr, sondern als Mord gewertet wird und schickt Andy deshalb fort. Ihre Tochter soll ihr Leben in die Hand nehmen und endlich auf eigenen Beinen stehen. Völlig fassungslos steht Andy nun der neuen Situation gegenüber. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Es ist der Beginn einer todbringenden Odysee, deren Richtung aus der Ferne von Laura vorgegeben wird, deren Verlauf aber aus der Vergangenheit gesteuert zu werden scheint. Das ist die zweite Erzählebene, in deren Mittelpunkt die junge Jane steht, Tochter eines superreichen, skrupellosen Unternehmers, der sein musikbegabtes Kind quält. Verantwortungslose Eltern, schwache Geschwister und ein dämonischer Freund stürzen das Mädchen fast in den Abgrund. Die Autorin wechselt rhythmisch die Perspektiven zwischen den Jahren 1986 und 2018. Im gleichen Maße, wie sie die zeitliche Lücke füllt, entdecken Andy und Jane ihre Persönlichkeit. Erwartungsgemäß nähern sich beide Stränge immer weiter an, bis sie mit einem Paukenschlag zusammengeführt werden. Die Autorin hat ihre eigene Heimat zum Hauptschauplatz gemacht. Doch neben dem heißen Süden Georgias führt sie ihre Figuren erstmals auch quer durch die Staaten sowie über den Atlantik nach Europa. Das Milieu, das Slaughter für ihren Thriller gewählt hat, ist in der Oberschicht angesiedelt. Darin thematisiert sie die Profitgier von Magnaten, die über Leichen gehen, sowie einmal mehr Gewalt gegen Frauen. Hinzu kommt ein von ihr bislang kaum geackertes Gebiet: der Linksterrorismus. Wie immer hat Karin Slaughter keine Scheu, Verbrechen in all ihrer Brutalität und Grausamkeit genau zu schildern. Man merkt ihr gefällt es, ihre Leser zu schockieren. Daneben aber beweist sie ebenso viel Gespür für die Zerrissenheit, für Sehnsüchte und Ängste, für starke Gefühle und damit verbundene innerliche Eruptionen, kurz: für die Komplexität ihrer Charaktere. Das wiederum führt zum Titel des Buches. "Ein Teil von ihr" bezieht sich natürlich auf die Verbundenheit von Mutter und Tochter, die sich beide neu definieren müssen. Ein Meisterwerk psychologischer Spannung. Es ist Karin Slaughter genial gelungen, ihren Figuren bis tief in die Seele zu schauen und jede Einzelne mit Schuld und Leid gleichermaßen zu belegen. Die außergewöhnliche Charakterschärfe der Figuren und der Tiefgang der Geschichte, die sich so beklemmend lebendig liest, erschüttert bis ins Mark durch psychologische Kniffe vom Feinsten, während die Spannung dafür sorgt dass man regelrecht atemlos weiterliest. Die dunkle Vergangenheit ist stets gegenwärtig in diesem äußerst schaurigen Thriller. Mit Feingefühl und Geschick fesselt Karin Slaughter den Leser von der ersten bis zur letzten Seite.   
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(90)

147 Bibliotheken, 10 Leser, 2 Gruppen, 85 Rezensionen

"chile":w=6,"guatemala":w=5,"winter":w=4,"new york":w=3,"roman":w=2,"leiche":w=2,"migration":w=2,"schneesturm":w=2,"allende":w=2,"liebe":w=1,"mord":w=1,"usa":w=1,"flucht":w=1,"liebesroman":w=1,"schicksal":w=1

Ein unvergänglicher Sommer

Isabel Allende , Svenja Becker
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 13.08.2018
ISBN 9783518428306
Genre: Romane

Rezension:

          Isabel Allende erzählt uns eine Geschichte, wie nur sie es kann, beseelt, humorvoll und lebensklug und wirft den Leser mit ihrem neuen Roman in ein nicht endendes Wechselbad der Gefühle. Eine Geschichte von drei grundverschiedenen Menschen, die durch eine kuriose Schicksalslaune zusammenkommen. Von der Flucht vor sich selbst und der Aussicht auf einen späten Neuanfang. Und davon, wie viel wir erleiden können, ohne unsere Hoffnung zu verlieren. Ein Schneesturm in Brooklyn, und den Auffahrunfall tut Richard als belanglose Episode ab. Aber kaum ist der eigenbrötlerische Professor zuhause, steht die Fahrerin des anderen Autos vor der Tür. Evelyn ist völlig aufgelöst. Denn, in ihrem Kofferraum liegt eine Leiche. Zur Polizei kann sie nicht, denn das scheue guatemaltekische Kindermädchen ist illegal im Land. Richard wendet sich Hilfe suchend an Lucia, seine draufgängerische chilenische Untermieterin, die ebenfalls an der Uni tätig ist. Lucia drängt zu einer beherzten Aktion: Die Leiche muß verschwinden. Hals über Kopf machen sie sich auf den Weg in die nördlichen Wälder, auf eine Reise, die die drei zutiefst verändern wird. Richard hätte auch nie gedacht, dass er mal die Justiz behindert. Denn das Gesetz ist grausam und Justitia ist blind, aber in diesem Falle hatten sie ihre Waage nur ein bisschen zugunsten einer natürlichen Gerechtigkeit geneigt. Und am Rande dieses Abenteuers entsteht etwas zwischen Richard und Lucia, von dem sie beide längst nicht mehr zu träumen gewagt hatten. Denn mitten im Winter erfuhren sie endlich, dass in ihnen ein unvergänglicher Sommer ist. Fesselnd und meisterhaft, wie Isabel Allende Geschichte, Spannung und Romanze zusammenbringt. Ihre dichte und rasante Geschichte über kleine und große Verbrechen ist ausgesprochen scharfsinnig, ganz und gar charmant und unglaublich spannend! So mitreißend von starken Frauen erzählt nur Isabel Allende. "Ein unvergänglicher Sommer" entfaltet den Zauber großer Erzählkunst. Mit seiner genialen Handlung ergründet der Roman, was es heißt, einander zu respektieren, zu behüten und zu lieben. Ein atemraubender Krimi und zugleich ein fesselnder Roman über und davon, wie viel wir Menschen erleiden können, ohne unsere Hoffnung zu verlieren. Isabel Allende schreibt stimmungsvoll über eine Liebe, die weit in die Vergangenheit reicht.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(156)

249 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 129 Rezensionen

"wien":w=12,"thriller":w=8,"journalistin":w=5,"manipulation":w=3,"prater":w=3,"spannung":w=2,"vergangenheit":w=2,"berlin":w=2,"österreich":w=2,"der schatten":w=2,"norah":w=2,"melanie raabe":w=2,"roman":w=1,"freundschaft":w=1,"mord":w=1

Der Schatten

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 23.07.2018
ISBN 9783442757527
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Blumen welken, Uhren bleiben stehen und die Vögel fallen vom Himmel. Das alles ist möglich bei diesem äußert spannenden und psychologischen Thriller, der ohne großes Blutvergießen auskommt und den Leser trotzdem bis zum Ende mitfiebern lässt. Melanie Raabe in Bestform! Norah liebte Abschiede. Momente des Übergangs. Die Minuten auf der Schwelle zwischen Nacht und Tag, Winter und Frühjahr. Geburten, Hochzeiten, Silvesternächte. Ein neues Leben, eine zweite Chance. Wiedergeburten. Das Alte ausradieren, einen neuen Stift in die Hand nehmen. Warum weint sie dann? Norah blickte der Dunkelheit entgegen, mit weit offenen Augen. Ihr altes Leben verschwand im Rückspiegel. Wurde kleiner und kleiner. Unwirklich fast. Ihre Arbeit. Der Mann. Ihr Zuhause. Der Hund. Die Katastrophe. Norah wischte die Tränen fort. Eines Tages würde sie verwinden, was in Berlin geschehen war. Das Leben war nicht fair, das hatte sie inzwischen gelernt. Sie würde es überleben. Die Wut und die Bitterkeit würden nie ganz verschwinden, doch sie würden an Schärfe verlieren wie ein vor langer Zeit gestochenes Tattoo. Gerade ist die junge Journalistin Norah von Berlin nach Wien gezogen, um ihr altes Leben endgültig hinter sich zu lassen, als ihr eine Bettlerin auf der Straße diese Worte förmlich entgegenspuckt. „Am 11. Februar wirst du am Prater einen Mann namens Arthur Grimm töten. Mit gutem Grund. Aus freien Stücken.“ Norah ist verstört, denn ausgerechnet in der Nacht des 11. Februar ist vor vielen Jahren Schreckliches geschehen. Trotzdem tut sie die Frau als verwirrt ab – bis kurz darauf ein mysteriöser Mann namens Arthur Grimm in ihrem Leben auftaucht ... Bald kommt Norah ein schlimmer Verdacht. Lasted ein Fluch auf ihr? Wird sie einen Menschen töten? Einen Mann den sie nicht kennt? Die Bettlerin, die Norah auf der Straße anspricht und kurz darauf spurlos verschwindet, ist davon überzeugt. Nie im Leben könnte sie zur Mörderin werden. Da ist sich Norah ganz sicher. Doch was ist am Ende schon sicher? Hat sie tatsächlich allen Grund, sich an Grimm zu rächen? Was ist damals, in der schlimmsten Nacht ihres Lebens, wirklich passiert? Und kann Norah für Gerechtigkeit sorgen, ohne selbst zur Mörderin zu werden? Wie weit kann Manipulation Menschen beeinflussen? Oder ist es ,,nur" Stalking? Immer wieder neue Fragen. Für mich der beste Thriller von Melanie Raabe. Ein spannender Plot, eine charismatische Protagonistin mit Ecken und Kanten und die tolle Kulisse Wiens. Eine Frau, auf sich alleine gestellt wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, eine packende Story! Auch in diesem Buch von Melanie Raabe, gab es wieder ein absolut überraschendes Ende, nachdem ich auf eine falsche Spur gelockt wurde! Ein wirklich gut gelungener Psychothriller vom Feinsten. Ein tolles Katz-und-Maus-Spiel mit spannender Unterhaltung! Schon nach dem lesen der ersten Sätze ist man total gefangen, denn von Buch zu Buch, schafft es die Autorin sich zu steigern.  Psychologisch raffiniert ohne Längen mit einem fulminanten Ende. Auch für "Neuleser" höchstes Lesevergnügen.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(153)

223 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 115 Rezensionen

"feuer":w=7,"familie":w=6,"adoption":w=6,"roman":w=5,"drama":w=3,"leihmutterschaft":w=3,"shaker heights":w=3,"usa":w=2,"geheimnisse":w=2,"familiengeschichte":w=2,"gesellschaftskritik":w=2,"regeln":w=2,"brandstiftung":w=2,"abtreibung":w=2,"vorstadt":w=2

Kleine Feuer überall

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281560
Genre: Romane

Rezension:

          Dieser Roman ist die Perle der Saison.  Die Künstlerin Mia die es nirgendwo lange aushielt und ihre 16 jährige Tochter Pearl sind weit gereist, sind moderne Nomaden in den USA und schlagen immer dort ihre Zelte auf, wo Mia gerade ein neues Projekt kreieren möchte. Das Fernweh der Mutter bestimmte weitgehend die Kindheit des Mädchens, nun soll sie ausgerechnet in einer spießigen Plansiedlung Wurzeln schlagen. Doch Mia weiß, dass Pearl wachsende Sehnsucht nach Sesshaftigkeit verspürt. Deshalb, in der Plangemeinde "Shaker Heights" bei Cleveland - sehr geordnet mit frisch getünchten Villen und von Menschen bewohnt, die nach außen hin perfekt wirken - mietet Mia kuzerhand eine Wohnung. Ihre Vermieter sind die Richardsons, ein erfolgreiches Paar - er Jurist, sie Journalistin - mit vier fast erwachsenen Kindern. Diese beiden absolut unterschiedlichen Welten prallen aufeinander, als sich Pearl mit den Kindern der Richardsons anfreundet. Neugier und wechselseitige Anziehung sind stark. Und so dauert es nicht lange, bis uneingestandene Gefühle hochkochen, lang gehütete Geheimnisse ans Licht kommen, tief verankerte Weltanschauungen ins Wanken geraten und überall viele kleine Feuer zu lodern beginnen.  "Kleine Feuer überall" ist psychologisch fesselnd; der Roman kommt wohl stilistisch als auch inhaltlich zunächst leichtfüßig daher, um ganz still und heimlich eine intensive, bleibende Wirkung zu entfachen. Er lebt von den wunderbaren und vielfältigen Charakteren. Ein großartiges Gesellschaftsbild, privilegierte und vermeintlich primitive Familie stoßen aufeinander. Beide Seiten stürzen ins Unglück und was war der Auslöser? Dieser Roman ist ein absoluter Glücksgriff. Es geht um Vorurteile, Kleinstadtleben, um Beginnen und Aufhören, um Liebe, um Familie und um Träume. Eine sehr ungewöhnliche und berührende Geschichte, zu empfehlen für Leser, die gern zwischen den Zeilen lesen und mitdenken. Er lässt sich so einfach lesen und ist doch so tiefsinnig und regt die eigenen Gedanken an. Was hat Izzy wohl dazu bewogen, das elterliche Haus im idyllischen Vorort anzuzünden? Es erscheint dem Leser zunächst so unwirklich und wird doch im Laufe der Geschichte so deutlich. Ein wunderbares Werk, sanfte und eindringliche Lektüre großartig erzählt.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(76)

92 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

"freundschaft":w=6,"träume":w=3,"erste liebe":w=3,"wünsche":w=3,"wunder":w=3,"jugendbuch":w=2,"probleme":w=2,"scheidung":w=2,"app":w=2,"sternschnuppengeflüster":w=2,"liebe":w=1,"familie":w=1,"leben":w=1,"jugend":w=1,"mädchen":w=1

Sternschnuppengeflüster

Sofie Cramer
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 30.04.2018
ISBN 9783551651846
Genre: Kinderbuch

Rezension:

          Eine App zum Verlieben. Magisches für junge Leserinnen. Die Autorin Sofie Cramer schickt drei Freundinnen in ein Sommerabenteuer. Eine App namens "Sternschnuppengeflüster" verspricht, im Laufe der sechswöchigen Ferien alle Wünsche von Leni, Amelie und Paula zu erfüllen. Eine ziemliche Herausforderung für die Wunder-App, denn Leni möchte sich in Nicks Traumfrau verwandeln; Paula träumt davon, sich an der Schauspielschule zu bewerben, was ihre Eltern für keine gute Idee halten; und Amelie hat großen Kummer, weil sich ihre Eltern trennen wollen. Voll das turbulente Leben also und große Erwartungen! Leni kann es kaum erwarten, was ihre Freundin Florentine zu der Neuigkeit sagt. Doch irgendwie läuft alles schief ... Genau wie bei Amelie, deren Eltern sich trennen wollen! Und Paula? Die könnte längst auf der Schauspielschule sein – wenn ihre Eltern es nur erlauben würden! Eine turbulente Liebes- und Freundschaftsgeschichte mit drei starken Heldinnen. Ein wunderschönes Buch über Freundschaft und Familie mit einem Hauch von Magie. Zum Träumen schön: Lesezauber für junge Bücherfreunde! Eine tolle, witzige Geschichte über wahre Freundschaft und den Mut man selbst zu sein. Ob ein Nachmittag auf dem Bootssteg, ein Sonntag im Garten oder eine ganze Woche am Meer: Hauptsache draußen! Fehlen fürs Glück nur noch Sonnenschein und ein romantischer Roman. Dieses tolle Frauentrio wird die Herzen der Leserinnen im Sturm erobern.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(133)

241 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 107 Rezensionen

"bücher":w=6,"roman":w=5,"frankreich":w=3,"buch":w=3,"lesen":w=3,"christine féret-fleury":w=3,"paris":w=2,"literatur":w=2,"bookcrossing":w=2,"bibliophilie":w=2,"metro":w=2,"das mädchen, das in der metro las":w=2,"liebe":w=1,"leben":w=1,"mädchen":w=1

Das Mädchen, das in der Metro las

Christine Féret-Fleury , Sylvia Spatz
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 30.08.2018
ISBN 9783832198862
Genre: Romane

Rezension:

          Die wundersame Bibliothek. Juliette arbeitet in Paris bei einer Immobilienagentur. Sie ist ein sehr feinsinniges Geschöpf, daher auf diesem Posten eine Fehlbesetzung. Doch zuverlässig wie ein Uhrwerk sitzt sie, meist in ihren blassblauen Schal gewickelt, auf dem Weg zur Arbeit in der Metro und beobachtet Fahrgäste oder liest. Schon als Kind hatte ihr in der Buchhandlung ihres Großvaters der Geruch von Büchern gefallen - das Antiquariat war Juliettes Palast aus Tausendundeiner Nacht gewesen. Mal begibt sie sich mit Marcel Proust auf die Suche nach der verlorenen Zeit, mal begleitet sie Hercule Poirot im Orientexpress Richtung Istanbul - manchmal beobachtet sie auch einfach die Menschen um sich herum, die in ihre Lektüre vertieft sind. Es sind die Bücher, die Juliettes Leben Farbe verleihen. Als sie eines Tages beschließt, zwei Stationen früher auszusteigen, begegnet sie dem schrulligen Soliman, der mit seiner Tochter Zaïde inmitten seiner Bücherstapel lebt. Recht zauberhafte Umstände führen nun auch Juliette und Soliman zusammen, einen ungewöhnlichen Mann, der eine Tochter hat und einen unermesslichen Schatz an Büchern besitzt. Soliman glaubt, dass jedes Buch, wenn es an die richtige Person übermittelt wird, die Macht hat, ein Leben zu verändern. Auserwählte Boten liefern für ihn diese kostbare Fracht aus, an die, die sie nötig haben. Soliman möchte Juliette auf eine Mission schicken. Sie soll als Kurierin arbeiten und dabei ausgewählte Menschen mit den passenden Geschichten zusammenbringen. Zunächst noch skeptisch, läuft die Kennerin der Weltliteratur zu Hochform auf. Bald wird Juliette zu einer Botin, und zum ersten Mal haben die Bücher einen wirklichen Einfluss, auch auf ihr Schicksal. Diese Geschichte ist für einen Buchliebhaber über einen Buchliebhaber. Es ist auch eine Geschichte, die anregt, die eigenen Zwänge abzustreifen und sich ins Abenteuer zu stürzen - denn es wartet immer irgendwo die liebevolle Umarmung eines Buches. Sehr einfühlsam wird hier die Geschichte von Juliette erzählt. Eine wundervolle, autobiografische Liebeserklärung an die Welt der Bücher. Erfrischend und eine tolle Lektüre für den Abend oder für einen gemütlichen Nachmittag! Hat was für Fans von "Die fabelhafte Welt der Amelie". "Das Mädchen, das in der Metro las" ist eine Hommage an die Kraft von Geschichten, ein literarisches Kleinod im Büchersommer.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(150)

224 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 132 Rezensionen

"astronaut":w=9,"demenz":w=8,"freundschaft":w=7,"weltall":w=6,"familie":w=5,"roman":w=4,"hoffnung":w=4,"mars":w=4,"major tom":w=4,"england":w=3,"weltraum":w=3,"marsmission":w=3,"humor":w=2,"zusammenhalt":w=2,"telefon":w=2

Miss Gladys und ihr Astronaut

David M. Barnett , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 28.05.2018
ISBN 9783548289540
Genre: Romane

Rezension:

          Weit weg und sehr nah dran und ein unvergesslicher Telefonanruf. Vor langer Zeit, in einem Kino weit, weit weg von dem Ort, an dem er sich heute befindet, gehen ein Junge und sein Vater in die Dunkelheit. Der Junge drückt sich eine Packung Treets und eine kleine Tüte Popcorn an die Brust, während sein Vater ihn mit fester Hand auf der Schulter durch den Gang dirigiert. Unter ihren Füßen klebt der Teppichboden. Der Film hat noch nicht angefangen, doch die vom blassen Schein erhellten Gesichter der Zuschauer sind schon auf die Leinwand mit der Werbung gerichtet. Thomas Major war nie glücklicher. Das war die Überraschung zu seinem achten Geburtstag: im Glendale-Kino diesen Film anzuschauen, den er so unbedingt sehen wollte – als wäre er jetzt schon, als wäre er immer schon ein Teil seines Lebens, eingeschrieben in seine DNA. Nun started die Reise. Am 11. Februar 2016 stirbt David Bowie, der Romanheld Thomas Major wird an diesem Tag 46, er ist allein an seinem Geburtstag, das Wasser ist abgestellt, nicht mal eine Tasse Earl-Grey- Tee kann er sich zubereiten. Major denkt nicht sehr oft darüber nach, aber er fragt sich manchmal schon, ob er nicht Mitglied in einem ziemlich eigenartigen Club auf diesem Planeten ist. Keine Familie und keine Freunde und ein Job, in dem er zwischenmenschliche Kontakte so weit wie möglich vermeidet. Thomas wird von der British Space Agency zum Mars geschickt, was er großartig findet, denn er sucht die absolute Einsamkeit. Ein Schuppen in 22 000 Meilen Höhe, Thomas’ Welt ist eine sechseckige Röhre, zehn Meter lang und dominiert von seinem Arbeitsplatz am einen Ende und am anderen von einer großen Klappe, die in eine Druckschleuse führt und dann in die große, unendliche Leere. Er ist nämlich gerade ohne Rückflugticket unterwegs zum Mars. Als Thomas noch 500 Millionen Meilen vor sich hat, klingelt an Bord der Rakete das Iridiumtelefon, die Anruferin ist Gladys Ormerod, eine demente Dame, die bei ihren Enkeln James und Ellie lebt. Die 15 jährige Ellie denkt, alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, aber alle scheißblöden dysfunktionalen Familien sind scheißblöd dysfunktional. Das Geschwisterpaar vermisst den Vater, der eine Haftstrafe absitzt. Miss Gladys und ihre Enkel brauchen seine Hilfe. Zögerlich und leise fluchend wird der Mann im All zum Helfer in der Not. Tausende von Kilometern entfernt, führt er die drei auf seine ganz eigene Art durch schwere Zeiten, denn Familie Ormerod droht ihr Zuhause zu verlieren. Miss Gladys und ihr Astronaut brauchen einen galaktisch guten Plan … Sehnsucht, Vermissen und Überforderung einen die pointiert und lebendig gezeichneten Romanfiguren. Dem britischen Journalisten David M. Barnett ist mit "Miss Gladys und ihr Astronaut" eine Punktlandung gelungen. Die Geschichte zwischen dem griesgrämigen Astronauten und der dementen Gladys ist witzig und liebevoll! Ein atemberaubendes Abenteuer, gemischt mit jeder Menge Sachwissen, sorgt für galaktisch spannende Unterhaltung in der ernste und traurige Themen so wunderbar schräg und unterhaltsam verpackt sind. Diesen Unterhaltungsroman nennt der Autor sein Debüt - das ist pures Understatement. Eine tröstliche Story für alle die hin und wieder an der Menschheit verzweifeln möchten. Ein Buch für alle!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 60 Rezensionen

"liebe":w=2,"liebesroman":w=2,"schweden":w=2,"psychiatrie":w=2,"familie":w=1,"humor":w=1,"vergangenheit":w=1,"vertrauen":w=1,"herz":w=1,"verrückt":w=1,"lebenskrise":w=1,"midlife-crisis":w=1,"nervenheilanstalt":w=1,"nervenzusammenbruch":w=1,"hotel mama":w=1

Verrücktes Herz

Liv Eiken
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei FeuerWerke Verlag, 19.07.2018
ISBN 9783945362419
Genre: Romane

Rezension:

          Herzerfrischend und wundervoll romantisch. Was tut eine Frau, wenn sie alles hat und ihr doch etwas fehlt? Ava Blume, dreiundvierzig, erfolgreiche Familienmanagerin und liebende Mama von zwei Kindern, Frau von Marcus Blume und nicht zu vergessen, stolze Besitzerin einer schicken Doppelhaushälfte mit Garten im Speckgürtel einer Großstadt. Als Dank dafür geht ihr Mann fremd, und ihre Kinder verwechseln sie mit einer Hotelangestellten. Was zu viel ist, ist zu viel. Augen zu und durch, entscheidet Ava. Ein Klinikaufenthalt hält allerhand Überraschungen für sie bereit. Echt ungünstig, dass ihr ausgerechnet jetzt die große Liebe über den Weg läuft, denn Lars soll doch nicht glauben, er hätte es mit einer Durchgeknallten zu tun. Kann sie ihren eigenen Gefühlen trauen? Und wie, verdammt nochmal, soll sie sich bloß entscheiden, wer und was das Richtige für sie ist? Passt die „neue“ Ava noch in ihr „altes“ Leben? Eine Chaotin trifft auf den Ernst des Lebens. Urkomisch und einfach schön. Und so unorganisiert wie Ava war doch jeder schon mal. Zauberhafte Geschichte über die eigene Stärke, die Kraft der Familie und die Tatsache, dass das Glück sich manchmal durch die Hintertür ins Haus schleicht. Der Roman beginnt mitten in der Handlung ohne viel Vorspiel, sodass man direkt in die Geschichte gezogen wird. Die Handlung reißt einen mit, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Eine mitreißende Geschichte über vergessene Träume, die Kraft der Freundschaft und natürlich die Liebe, ein Roman erfrischend witzig, leichtfüßig - einfach nur gut, Urlaubs-Lektüre zum Schmunzeln und Träumen! Ein herrlich wunderbarer Schmöker mit ernstem Hintergrund, der richtigen Portion Liebe und füreinander da sein, wenn es einem dreckig geht und über das was wirklich wichtig ist. Wer auf der Suche nach einem unterhaltsamen Sommerroman ist, für den ist "Verrücktes Herz" die perfekte Wahl. Die perfekte Ferienlektüre – Herzklopfen inklusive. Die witzigen Schlagabtäusche und das Knistern zwischen den Protagonisten haben mich wunderbar unterhalten. Eine absolute Leseempfehlung für diesen Roman.
       

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(47)

57 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

"liebe":w=5,"vergangenheit":w=2,"liebesroman":w=2,"amnesie":w=2,"karin lindberg":w=2,"roman":w=1,"geheimnis":w=1,"romantik":w=1,"trauer":w=1,"verlust":w=1,"geheimnisse":w=1,"familiengeheimnis":w=1,"gedächtnisverlust":w=1,"sterne":w=1,"stille":w=1

Die Stille der Sterne

Karin Lindberg
Flexibler Einband: 243 Seiten
Erschienen bei Independently published, 14.07.2018
ISBN 9781983084324
Genre: Liebesromane

Rezension:

          Schnellen Schrittes verließ Blake Livingston das Haus, schlug die Eingangstür ins Schloss und ging über den von den Gärtnern kurz gemähten Rasen bis zum Strand. Der Makler hatte das "Zu ver-kaufen"Schild bereits aufgestellt, in naher Zukunft würde er endlich ein für alle Mal mit diesem Kapitel seines Lebens abschließen. Er wollte nicht an die schönen Momente denken, die er hier verbracht hatte, aber sie tauchten unweigerlich vor seinem inneren Auge auf. Gedankenverloren starrte er noch ein letztes Mal in die Ferne. Die Kälte, die sein Herz umschloss, ließ ihn frösteln. Er war kein Opfer, gewiss nicht, auch wenn er sich manchmal so fühlte, als wäre er nur eine Marionette an langen Fäden. Handle, erledige deine Aufgaben und fühle später, hatte man ihm beigebracht, und das tat er auch heute noch. Jeden Tag. Übrig geblieben war eine seltsame Leere, die erwartungslos und zynisch zugleich war. Der Abend vor vier Jahren war wie dieser gewesen. Das Wetter war genauso ungemütlich wie heute. Blake drehte sich um und eilte zu seinem Wagen. Die Straße war nicht beleuchtet. Regen prasselte auf seine Scheibe, als hätte jemand die Schleusen zum Himmel geöffnet. Die Scheibenwischer liefen auf höchster Stufe, dennoch sah Blake die Umrisse des Fahrweges nur noch verschwommen. Er fuhr viel zu schnell, er hatte es eilig, er wollte so schnell wie möglich von diesem Ort verschwinden, der so viele schöne, aber so viel mehr schmerzliche Erinnerungen barg. Eine Bewegung am Straßenrand lenkte ihn eine Sekunde ab. Dieser kurze Augenblick genügte, um die Kontrolle über den Wagen zu verlieren. Der Jaguar raste in den Abgrund. Das Gefühl, das sich bis in seine Eingeweide ausbreitete, war kaltes Entsetzen. Und dann dachte er, dass er noch nicht bereit war zu gehen. Noch nicht. Cameron Kincaid kann kaum glauben, dass sie drei Jahre nach der Trennung ans Krankenbett ihres Ex-Verlobten gebeten wird. Zu schmerzvoll sind die Erinnerungen, zu tief die Wunden, die Blake ihrem Herzen zugefügt hat. Trotzdem keimt ein Funke Hoffnung in ihr auf und sie begreift, dass manchmal nicht alles so ist, wie es scheint. In ihrer Verzweiflung klammert Cameron sich an die Weisheiten ihrer Großmutter und wagt einen Neuanfang. Doch obwohl Blake Cameron um keinen Preis erneut verletzen will, holt ihn seine Vergangenheit ein und ihre Liebe wird erneut auf eine harte Probe gestellt. Um Cameron nicht für immer zu verlieren, muss Blake sich endlich seinen Dämonen stellen. Wird Cameron ihrem Herzen noch einmal folgen und sich auf Blake einlassen, oder dieses Mal auf Nummer sicher gehen, und ihm einen Korb geben oder wird sie selbst zu einer tragischen Heldin? In ihrem berührenden und aufrüttelnden Roman erzählt Karin Lindberg von Schicksalsschlägen, Hoffnung und von der einen Liebe, die auch die tiefsten Abgründe überwindet und den Leser durch alle Emotionen jagt und eine wirklich unterhaltsame Lesezeit beschert. Eine wunderschöne, herzerweichende Liebesgeschichte, voller Humor und Herzenswärme, und einer Liebe, die eine zweite Chance bekommt. Und sie hat alles was ein Urlaubsroman braucht, auch für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Sofa! Sehr flüssig geschrieben mit bildhaften Beschreibungen zum Mitfühlen und Mitleiden ...und für ein paar Probleme gibt es kuriose Lösungen. Sympathisch und spannend!


       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(148)

197 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 132 Rezensionen

"liebe":w=12,"frauen":w=9,"bretagne":w=8,"frankreich":w=7,"paris":w=6,"roman":w=5,"meer":w=5,"sommer":w=4,"selbstfindung":w=4,"sinnlichkeit":w=3,"nina george":w=3,"die schönheit der nacht":w=3,"familie":w=2,"drama":w=2,"gefühle":w=2

Die Schönheit der Nacht

Nina George
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2018
ISBN 9783426654064
Genre: Romane

Rezension:

          Auf der Suche nach einem Sinn im Dasein. Nina George porträtiert zwei Frauen, Claire und Julie, es sind zwei Frauen unterschiedlichen Alters, mit gänzlich verschiedenem Hintergrund und anderen Zukunftsbildern. Die Autorin beschreibt in ihrem Roman "Die Schönheit der Nacht" die Bemühungen der beiden Frauen, sich selbst und einen Sinn in ihrem Dasein zu finden. Claire fühlt sich ertappt, als sie das Hotelzimmer verlässt, in dem sie gerade ein amouröses Abenteuer erlebt hat und nun dem wissenden Blick eines Zimmermädchens begegnet. Ausgerechnet diese junge Frau namens Julie bringt ihr Sohn Nicolas am Abend mit nach Hause, um sie als seine Freundin vorzustellen. In stillem Einvernehmen schweigen beide Frauen über das, was wenige Stunden zuvor geschehen war. Für Claire eine mehr als unangenehme Situation, zumal Nicolas vorschlägt, dass Julie mit ihm und seinen Eltern den Sommer in ihrem Haus in der Bretagne verbringen solle. Diese Aussicht verhagelt Claire die Vorfreude auf die Reise, die für sie auch ein Trip in die Vergangenheit ist. Denn in dem Haus ihrer Großmutter haben Claire und ihre Geschwister die Kindheit verbracht. Dass der Aufenthalt in der Küstenidylle stattdessen eine Reise ins ich werden soll, ahnen beide Frauen zu dem Zeitpunkt noch nicht. Und auch für den Leser von "Die Schönheit der Nacht" erschließt sich erst nach und nach, welchen Weg Claire und Julie einschlagen und wie sie die Mauer der Peinlichkeit und Ablehnung zwischen sich einreißen. Es wird ein heißer Sommer buchstäblich und metaphorisch. Wie überhaupt Nina George nicht mit Bildern spart, die einerseits den Zauber der französischen Landschaft transportieren, zum anderen als Mittel zum Zweck dienen, um den Selbstfindungstrip der distanzierten Frauen spürbar werden zu lassen. Und der wird lang und schwierig. Was bringt eine Frau wie Claire dazu, ihren Mann zu betrügen? Nein, Revanche ist es nicht, auch wenn es ihr natürlich nicht gefällt, dass er immer wieder Affären hat. Sie ist nicht eifersüchtig und überzeugt davon, dass er sie liebt. Aber sie vermisst das Große in ihrer Verbindung, auch im Liebesspiel. Sie möchte gesehen, von ihm wahrgenommen werden in ihrer komplexen Persönlichkeit. Die erste, die das erkennt, ist Julie, eine ebenfalls Suchende. Doch wie es zunächst aussieht, wird sich am Status quo kaum etwas ändern. Claire wird vorraussichtlich nach den Ferien in ihr geordnetes und gut strukturiertes Leben zurückkehren. Und Julie nimmt Nicolas Heiratsantrag an, um....Ja was? Julie weiß es nicht. So unterschiedlich die beiden Frauen sind - in ihren sorgsam verhüllten Sehnsüchten ähneln sie sich mehr, als ihnen bewusst ist. Der Blick der Autorin auf das Seelenleben ihrer Protagonistin Claire ist der einer Frau, die selbst bestimmt, wie sie leben will - und wenn nötig, das alte Leben abzustreifen, auszulöschen. Nina George findet kluge Worte, um Claires verhärtete Schale aufzubrechen, aber auch, um Julies Schutzhülle durchlässig zu machen - Verletzungen inklusive. Und ihr Ansatz, sinnliche Höheflüge ebenso wie verstörende Resignation darzustellen, ist absolut überzeugend. Wobei der maskuline Part - im Roman vorwiegend von Claires Mann, Sohn und Bruder besetzt - den Kontrast zur weiblichen Befindlichkeit gekonnt unterstreicht.  "Die Schönheit der Nacht" ist ein in die Tiefe gehender Roman, der natürlich in erster Linie Frauen anspricht und lotet in beeindruckender Sprache, sinnlich, intensiv und präzise, Weiblichkeit in allen Facetten aus. Es ist eine Liebesgeschichte als so wunderbar französisch leichtfüßig daherkommende Erzählung im Plauderton, die gute Laune macht und dabei voller Ernst und intellektuellem Hintergund ist! Wunderschön und ohne jeden Kitsch... Eine packende Liebesromanze, die nur so vor Leidenschaft sprüht. Die Protagonisten sind sehr gut dargestellt, so dass man sich beim Lesen ganz in die Geschichte einfindet. Ein Plädoyer für die Liebe ohne Schuldgefühle. Nina George bringt das Kunsstück fertig, eine ganz einfache, überzeugende Liebesgeschichte zu schreiben! Vordergründig steht die Erotik, jedoch geht es ums Suchen des eigenen Selbst, sich zu behaupten in einer Welt die Ansprüche stellt, die überholt scheinen und in ein Korsett zwingen. Mir scheint, daß die Autorin sagen wollte: Die Liebe, sie ist doch kein leerer Wahn. Eine schwankende Geschichte ohne Scham, ohne Stolz und ohne eine Spur von Koketterie ... Mag jeder dieses Buch auf seine Weise verstehen. Abenteuerlich, aufregend, bewegend zu lesen.
 
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(72)

95 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

"thriller":w=4,"flucht":w=3,"rache":w=3,"roman":w=2,"familie":w=2,"usa":w=2,"kalifornien":w=2,"gangs":w=2,"vater-tochter beziehung":w=2,"road-movie":w=2,"krimi":w=1,"mord":w=1,"spannung":w=1,"gewalt":w=1,"kampf":w=1

Die Rache der Polly McClusky

Jordan Harper , Conny Lösch
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 23.02.2018
ISBN 9783550081507
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Harter Überlebenskampf auf den Straßen der USA, kompromisslos und brutal. Wenn Road-Trips im Verbrechermilieu angesiedelt werden, ist von vornherein klar: Hier wird es schwer gewaltätig. Es gibt einige Parallelen beim Handlungsverlauf zwischen dem vorliegenden Roman "Die Rache der Polly McClusky" des Autors Jordan Harper und solchen Gangsterfilmen wie "Bonnie and Clyde", aber noch mehr Unterschiede. Vor allem ein Detail ist wesentlich: Hier suchen nicht zwei Erwachsene, sondern Vater und Tochter ihr Heil in der Flucht auf der Straße - Gesetzesüberschreitungen inklusive. Zum anderen zieht die elfjährige Polly nicht freiwillig mit ihrem Erzeuger durch die Lande, sondern wird von ihm mehr oder weniger gekidnappt, als sie aus der Schule kommt. Das wiederum weckt Assoziationen zu dem Film "Perfect World". Doch hat der vorliegende Roman seinen ganz eigenen Duktus. Bestimmt wird dieser vom eigenwilligen Charakter der beiden Hauptpersonen. Der Vater: wortkarg, derb, kaltschnäuzig, reichlich ausgestattet mit Beschützerinstinkt und ferngesteuert von einem toten Bruder. Die Tochter: introvertiert, schüchtern und doch voller innerer Revolte, intelligent, fantasiebegabt und meisterlich im Übertragen von Gefühlen und Gedanken auf ein Stofftier. Und so muss ein alter Teddybär herhalten für Pollys emotionale Eruptionen, was selbst diesem hartgesottenen Dad verblüfft. Natürlich hat Nate McClusky Gründe für sein Handeln. Doch Polly, die überzeugt ist, von der Venus zu stammen, braucht Zeit, um sie zu begreifen. Zunächst ist das Mädchen paralysiert, vor allem, als es nebenbei hört, dass die Mutter und der Stiefvater brutal ermordet wurden. Polly glaubt, ihr Vater, der soeben aus dem Knast entlassen wurde, sei es gewesen. Sie will fliehen. Es gelingt nicht. Was folgt, ist ein andauernder, gewaltfreier schweigender Kampf mit Nate, doch endlich begreift sie: Es geht um ihr Leben. Und natürlich das ihres Vaters. Der Boss einer einflussreichen Gangstergruppe hat einen Hinrichtungsbefehl gegen alle Mitglieder der McClusky-Familie erlassen, wobei er auch andere Gangs mit einem Kopfgeld für die Vollstreckung köderte. Nate weiß, dass die Polizei ihm nicht helfen wird oder kann. Mit zunehmender Rasanz, aber auch Brutalität gestalten sich die kommenden Wochen auf der Straße, in diversen Autos, in verschiedenen Städten. Aus Vater und Tochter wird ein Gespann. Sie sind Überlebenskünstler. Und doch weiß Nate, dass es so nicht weitergehen kann. Der raue Kerl mit der harten Schale zeigt seinen weichen Kern. Was er nie für möglich gehalten hatte: Seine Tochter wird sein Ein und Alles. Und auch umgekehrt. Auf ihrem Weg durch die USA lernen Vater und Tochter nach und nach sich zu lieben. Polly merkt, dass sie den harten Mann nicht nur zum Überleben braucht. Doch mit Idylle hat dieses familiäre Zusammenwachsen rein gar nichts zu tun, denn die Ursachen dafür bleiben die gleichen. Und so schildert Harper seine Geschichte mit einer Wucht, die den Leser nach Luft schnappen lässt. Oder, die Story "schlägt ein wie das sanfte Brennen eines Schluck Whiskeys und trifft tief in den Bauch mit seiner Tour de Force". Wer meint, auch nur halbwegs mit dem US-amerikanischen Rechtssystem samt seinen Ermittlungsbehörden aus Literatur und anderen Medien vertraut zu sein, kann seine gesammelten Erkenntnisse über Board werfen. Die Realität nach diesem spannenden Roman ist ungleich härter und weniger auf Happy End ausgerichtet. Dementsprechend ist die Sprache Harpers auch kompromisslos, die Protagonisten zumeist verroht und erbarmungslos - im günstigsten Fall dämlich oder feige. Und nur in Ausnahmefällen gut und menschlich. Und seine indirekte Kritik an der Rechtsordnung erinnert mitunter an die eines John Grisham. Es ist nur die eine Seite eines Staates die der Autor hier beschreibt. Aber es ist genau die Seite, die ein großes gesellschaftliches Manko aufzeigt, das nicht nur auf die USA beschränkt und auch anderswo Brutstätte für Kriminalität und Terrorismus ist: die riesige soziale Diskrepanz, aus der die schwächsten Glieder als Gewinner vom Platz gehen. Was sich der Autor für das Ende seines Roadtrips ausgedacht hat, ist überraschend und passend. Man mag an "Polly McClusky" auch Schwächen ausmachen, wie die so schnell kaum nachvollziehbare Veränderung des Mädchens. Man kann Harpers Straßen-Slang abstoßend finden, sein Buch als zu brutal ablehnen. Fakt aber ist, dass der Autor genau damit die Seele berührt und einfach Menschlichkeit einfordert. Ein spannender Roadmovie um ein ungewöhnliches Vater-Tochter-Duo. Ein bisschen wie ein alter Western, aber doch sehr emotional und absolut ungewöhnlich. Ein Thriller über Rache, zerbrochene Seelen und viele Leichen. Klasse Stoff!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

42 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

"familie":w=3,"vergangenheit":w=2,"liebe":w=1,"england":w=1,"krieg":w=1,"verlust":w=1,"familiengeheimnisse":w=1,"starke frau":w=1,"eigenständigkeit":w=1,"standesunterschied":w=1,"herzinger":w=1

Das Erbe von Juniper House: Roman

Sophia Herzinger
E-Buch Text
Erschienen bei Forever, 02.07.2018
ISBN 9783958183025
Genre: Historische Romane

Rezension:

          Spannende Zeitreise. Für alle Fans von spannenden Familiengeschichten! Der Roman beginnt im Juni 1915, in Oxfordshire. An dem Tag, an dem sie das Telegramm mit der Todesnachricht erhielten, kämmte Emmas Schwester Isobel ihr gerade im Wohnzimmer das lange Haar, das sie immer Drahtgeflecht nannte, weil es sich so schwer bändigen ließ und meistens aussah, als wäre Emma in einen Sturm geraten. Ein Luftangriff der Deutschen …Der Angriff erfolgte nachts, durch deutsche Zeppeline, die Brandbomben über britische Städte abwarfen. Die Bombe hatte den Dachstuhl in Brand gesetzt, das Haus wurde zerstört und Artie, Emmas älterer Bruder war von einem Dachbalken erschlagen worden. Das Telegramm fiel geräuschlos zu Boden – wie ein Staubkorn. Emma kannte Zeppeline nur von Fotografien. In der Buchhandlung ihres Vaters lagen ein paar Postkarten aus, die diese – in meinen kindlichen Augen – seltsam geformten Flugschiffe zeigten. Artie sagte immer: "Das ist nicht nur eine Karte, Emma, es ist der Eintritt in eine andere Welt. Eine aufregende Welt." Sie ertappt sich noch heutzutage oft bei der Frage, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn Artie nicht gestorben wäre. Am schwersten war es für ihre Mutter. Sie starb nur eine Woche danach. England in den 1920er Jahren: Emma lebt nun auf Juniper House bei Tante und Onkel, einem reichen Fabrikanten. Obwohl sie aus ärmlichen Verhältnissen stammt, ist sie clever und arbeitet als Buchhalterin. Und dennoch scheint es kaum eine Perspektive für die junge Frau zu geben. Als sie den jungen Lord Hessby das erste Mal sieht, ist es um sie geschehen. Doch Emma ist nicht standesgemäß und die Liebe der beiden muss ein Geheimnis bleiben...
Hamburg 2004: Sara hatte stets nur sporadisch Kontakt zu ihrer Großmutter Emma. Daher besucht sie Emma eigentlich nur aus Pflichtgefühl. Und weil sie plötzlich nicht mehr weiß, ob ihr Plan vom Leben und ihr Freund der Richtige sind. Mai 2004, Kiel  Das Pflegeheim, in dem ihre Großmutter untergebracht war, lag in der Nähe des Hafens, zu dem Sara zuvor einen Abstecher machte. Doch obwohl Emma unwirsch ist, merkt Sara bald, dass kaum jemand sie besser verstehen kann als die fast Hundertjährige. Seit sie denken konnte, nannte sie ihre Großmutter beim Vornamen, weil diese weder die Kosenamen Oma, Omi oder das englische Granny mochte. Und Großmutter war selbst für Emma zu förmlich und steif. Es hatte Sara nie etwas ausgemacht, auch wenn Saras Freundinnen sie früher seltsam angeschaut hatten. Eine Nachbarin hatte sogar mal etwas von fehlendem Respekt dem Alter gegenüber erwähnt, doch Emma hatte sie gleich auf den Pott gesetzt und gesagt, ihre Enkelin nenne sie beim Vornamen und könne gleichzeitig gut erzogen sein, was man von der Nachbarstochter nicht behaupten konnte. Emma hatte noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. So war es vermutlich kein Wunder, dass sie nie viele Freunde gehabt hatte. Aber mit ihr taucht Sara in die Geschichte ihrer eigenen Familie ein. Geheimnisse, die seit Jahrzehnte schlummerten, kommen plötzlich ans Tageslicht und verändern Saras Leben für immer."Das Erbe von Juniper House" ist echtes Leseglück, eine ausgesprochen spannende Geschichte für Leserinnen, die gerne historische Romane über starke, eigenwillige Frauen lesen. Gut gemachter Schmöker, der mitreißend und unterhaltsam geschrieben ist. Eine Geschichte über eine sehr starke Frau. Ruhig erzählt, und die Spannung steigerte sich von Seite zu Seite. Stimmungsvoll und informativ werden Liebesbeziehungen, gesellschaftlicher Aufstieg und Kriegstraumata passend zum Roman thematisiert. Eine tolle Familiensaga mit einer spannenden Mischung aus Liebe, Intrigen, Verrat und Machtspielchen. Bildhaft und geschichtlich genau erzählt.... Sehr lesenswert und macht Lust auf mehr!
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

73 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 65 Rezensionen

"sex":w=5,"ratgeber":w=2,"ehrlich":w=2,"liebe":w=1,"humor":w=1,"sachbuch":w=1,"lustig":w=1,"witzig":w=1,"aufklärung":w=1,"partnerschaft":w=1,"fantasien":w=1,"offen":w=1,"verhütung":w=1,"tv-sendung":w=1,"sextechniken":w=1

Paula kommt

Paula Lambert
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Gräfe und Unzer Autorenverlag ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH, 07.06.2018
ISBN 9783833863974
Genre: Erotische Literatur

Rezension:

          Es gibt Fragen die man nicht zu stellen wagt. Darf man heimlich mit zwei Freunden schlafen? Ist es normal auf Füße zu stehen? Was tun, wenn der Freund größere Brüste hat als man selbst? Und kann man an einem Hodensack erkennen wie gut der Mann als Liebhaber ist? Diese und viele andere elementare Fragen beantwortet Paula Lambert in dem ehrlichsten Sex-Buch aller Zeiten. Dazu gibt es witzige Einblicke hinter die Kulissen von "Paula kommt" und tausend Tipps, die das Liebesleben einfach besser machen! Immer nach dem Motto: Erlaubt ist, was gut tut. Alles kann, nichts muss… mit dieser erfrischend gesunden Einstellung erkundet Paula Lambert das Sex- und Liebesleben von Paaren und Singles. Noch nie war ein Sex-Buch erfrischender! Paula Lambert plaudert aus dem Nähkästchen und erzählt von den skurrilsten und interessantesten Erlebnissen. Zum Beispiel: Es gibt viele Menschen, die super im Bett sind. Aber seien wir ehrlich: Die Schlechten sind diejenigen, die einem die bleibenden Erinnerungen schenken. Erotische Geheimnisse vom Feinsten. Ob sanftes, langes Liebesspiel am Abend oder leidenschaftlicher, energischer Sex am Tag – in diesem Buch finden Sie Stellungen, die jedem Wunsch und jeder Stimmung entgegenkommen. Die Autorin trifft mit ihrem unglaublich erfrischenden, zupackenden Stil den Nerv der Zeit – und kann es locker mit allen Samanthas und Carries aus Sex and the City aufnehmen. Ein intelligenter und unterhaltsamer Ratgeber, der Ihr Liebesleben bereichern wird. Hochwertig, frech und stilvoll prickelnde Anregungen. Es geht über die reine Technik hinaus, Herz, Hirn und Humor gehören unbedingt dazu. Absolut genial! Ein Kamasutra der Moderne.
       

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

60 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

"liebesbrief":w=3,"j. vellguth":w=3,"vergangenheit":w=2,"fotograf":w=2,"liebe":w=1,"abenteuer":w=1,"unfall":w=1,"schönheit":w=1,"liebesgeschichten":w=1,"2018":w=1,"letzte":w=1,"jacky vellguth":w=1,"vellguth":w=1,"mein letzter liebesbrief":w=1

Der letzte Liebesbrief

J. Vellguth
Flexibler Einband: 428 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 26.06.2018
ISBN 9781720596370
Genre: Liebesromane

Rezension:

          Gefährliche Leidenschaften, man liest wie im Rausch. Nell wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Tante endlich wieder glücklich zu sehen. Als sie bei ihrem Umzug einen versteckten Liebesbrief findet, der an Bernadette gerichtet ist, wittert sie ihre Chance. Voller Elan begibt sie sich auf eine verschlungene und geheimnisvolle Reise in die Vergangenheit. Dabei trifft sie auf einen attraktiven Fotografen, der einfach viel zu gut ist, um wahr zu sein. Sam ist Mode-Fotograf, erfolgreich, berühmt und ... er hat seine Muse verloren. Erst ein berührender Liebesbrief in den Ruinen eines alten Gebäudes und das Funkeln in den Augen einer ganz besonderen jungen Frau lassen ihn hoffen, dass seine Inspiration noch nicht ganz erloschen ist. Doch je länger er Nell folgt, desto deutlicher wird, dass noch wesentlich mehr hinter ihrer Geschichte steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Sind die beiden stark genug, um die Schatten ihrer Vergangenheit zu besiegen? Eine herzergreifende Liebesgeschichte über alte Narben, wahre Schönheit und die Bedeutung von Familie. Es fing spannend an, wird noch spannender und zum Schluss hält man es vor Spannung nicht mehr aus.  Es geht, wie der Titel sagt, um einen Liebesbrief, einen versteckten Liebesbrief der nicht an Nell gerichtet war, aber der von Gefühlen erzählte, die sie tief berührten. Zeugnis einer alten Liebe. Zum Inhalt möchte ich gar nichts schreiben, dass könnte zu viel verraten. Beinahe schon Krimi-Niveau, hat mich dieser Roman von Anfang an gefesselt. Die Frage, ob Nell mit Sam das Rätsel lösen kann, bleibt bis zum Schluss spannend. Verschiedene Erzählperspektiven, geschickte Wendungen sowie ein gut aufgebauter Plot, garantieren im Nu verfliegende Lesestunden. Packend bis zum Schluss. Also, unbedingt lesen! Mit "Der letzte Liebesbrief" gelingt es der Autorin, den Leser mit in eine spannende Vergangenheit zu nehmen. Ein unglaublich spannender Roman voller Nervenkitzel und trotzdem sehr romantisch, der einen sprachlos zurück lässt.
       

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(125)

175 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 112 Rezensionen

"thriller":w=14,"alphabet":w=7,"westerwald":w=7,"fallanalytiker":w=5,"serienmörder":w=4,"abc":w=4,"mord":w=3,"vergangenheit":w=3,"rache":w=3,"debüt":w=3,"tätowierung":w=3,"lars schütz":w=3,"spannung":w=2,"spannend":w=2,"mörder":w=2

Der Alphabetmörder

Lars-Erik Schütz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783548289304
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Nach dem Tod seines Bruders hat Jan Grall, Profiler beim LKA, eigentlich der Heimat den Rücken gekehrt. Doch dann führt ihn ein brisanter Fall zurück in den Westerwald: In einem Wildpark in einem Wisentgehege wurde eine blutverschmierte Leiche, ein Mann mit zersplitterter Schädeldecke gefunden, ein A ist mit dunkler Tinte auf seine Brust tätowiert. Kurz darauf stoßen Jan Grall und seine Assistentin Rabea Wyler auf zwei weitere Opfer, beide aufs Grausamste verstümmelt. Die einzige Verbindung zwischen den Toten: Der Mörder hat allen Opfern Buchstaben unter die Haut tätowiert – ein A, ein B, ein C. Und das ist erst der Anfang … Grall ahnt, dass der Mörder für ihn kein Unbekannter ist. Nur er kann ihn stoppen. Doch dafür muss er sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen, und er ahnt nicht, in was er da hineingeraten ist. Wenn deine Vergangenheit nicht mehr existiert, wird deine Gegenwart zum Alptraum. Er und Rabea hatten früh jemanden an die dunkle Seite der menschlichen Psyche verloren. Sie ihre Schwester vor fast zwanzig Jahren, und er seinen Bruder. Die beiden jungen Profiler waren anders als der Rest der Welt, und einander ähnlicher, als Außenstehende glauben mochten. Und der Druck auf die Ermittler wächst, als sie eine perfide Botschaft: einen blutverkrusteten Hautfetzen mit einem weiteren Buchstaben mit der Post erhalten. Ist das Opfer noch am Leben? Als Gralls Hotelzimmer dann auch noch mit einem Z markiert wird, beginnt endgültig ein Wettlauf gegen die Zeit … Alles, was der Täter hier getan hat, jede Handelsentscheidung, sagt etwas über ihn aus. Über seine Impulse. Er ist raffiniert, er ist brutal, er tötet Buchstabe für Buchstabe. Spannung und Verwirrung bis zur letzten Seite. Lars Schütz zeigt schon mit seinem Debüt, er ist ein Meister des Wahns,  schreibt klar, beklemmend, mit Tiefgang. So könnte es sein in den Abgrund des Wahnsinns zu fallen. Ein wirklich packender Psychothriller, der zum einen aufzeigt, wozu Menschen doch aus Verzweiflung fähig sein können und zum anderen, wie weit die Gedächtnisforschung schon ist. Eine gewisse morbide Affinität sollte man hier schon mitbringen: Wenn die Verletzungen der grausam verstümmelten Opfern beschrieben werden, dürfte sich Zartbesaiteten der Magen umdrehen. Doch der Autor kann noch mehr. Eine klaustrophobische Kammerspiel Atmosphäre, das düstere Setting und die unheimlichen Leichenfunde sorgen für stetig steigende Spannung. Psychologisch dicht, nichts für schwache Nerven. Beinahe schon skandinavisch-düster, ein verstörendes Krimipuzzle. Zwischen Thriller und Sciene Fiction, zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen albtraumhaften Ängsten und seelischen Abgründen. Eine unglaubliche Geschichte, die ihren Gipfel in genialer Schreibweise und unverkennbaren Ideen findet. Spannend und gruselig in mehr als nur einer Hinsicht. Wie schon erwähnt, düster kennt man im Schwedenkrimi, aber das hier ist schwärzer als Nordic noir. Thriller auf dem höchstem Niveau.

       

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

80 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 71 Rezensionen

"norwegen":w=4,"krimi":w=3,"spannung":w=2,"oslo":w=2,"mord":w=1,"serie":w=1,"kriminalroman":w=1,"düster":w=1,"fortsetzung":w=1,"band 3":w=1,"sekte":w=1,"ritual":w=1,"abgründig":w=1,"skandinavien-krimi":w=1,"verlag list":w=1

Der einsame Bote

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 08.06.2018
ISBN 9783471351505
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          Düster aber gut, Krimiliteratur auf höchstem Niveau; mit starken Charakterstudien und einer packenden Geschichte. Nordisch, cool, mitreißend. April 2005. Oslo ist ein kalter Ort. Der norwegische Kommissar Tommy Bergmann, ein Ermittler mit besonderer Geschichte, steht am Abgrund denn er versucht einen hoffnungslosen Fall zu lösen. Die umfangreichste Mordermittlung der letzten Jahre scheint jetzt ihrem Ende entgegenzugehen. Aber – tut sie das wirklich? Die Ermittlungen im Fall Amanda stehen still, und die kritischen Stimmen im Präsidium werden – nach allem, was wir erfahren haben – zum Schweigen gezwungen.  Tommy Bergmann hält verbissen an dem alten Fall fest, den seine Kollegen längst abgehakt haben. Die 13-jährige Amanda ist verschwunden und für tot erklärt. Auch ihr vermeintlicher Mörder Jon-Olav Farberg soll tot sein. Tommy Bergmann ist der Einzige im Osloer Präsidium, der noch immer fest daran glaubt, dass Amanda lebt. Auch wenn der verbrannte Leichnam, der in Oslo gefunden wurde, noch nicht als der von Farberg identifiziert werden konnte, gilt Faberge offiziell als tot und beerdigt. Bergmann läuft Gefahr, vom Dienst suspendiert zu werden, weil er den Fall nicht aufgeben will. Doch er kann nicht anders, er muss weitergraben in diesem hoffnungslosen Fall und wird dafür von seinen Kollegen isoliert. Als er fast aufgeben will, stößt er auf die Spuren einer Sekte, in Form von zwei Postkarten aus der litauischen Hauptstadt Vilnius. Auf den Rückseiten steht "Seelen in Flammen" beziehungsweise "Tanzendes Blut". Die Spuren führen Bergmann zu einer Sekte aus der Zarenzeit. Die Mitglieder glauben, dass ein Mörder erlöst werden kann, wenn er ein junges Mädchen, geboren im Sternzeichen des Widder, verstümmelt. Ihr Anführer sieht sich als weiser Hirte, der das einfache Leben liebt. Auch er glaubt, dass ein Mörder erlöst werden kann, wenn ein junges Mädchen geopfert wird. Wie Amanda. Oder wie die Tochter von Susanne Bech, Bergmanns Kollegin. Dass die Macht sich selbst schützt, ist nichts Neues. Dass dies aber auf Kosten einer Dreizehnjährigen und ihrer Familie geschieht, kann weder von der Polizeipräsidentin noch von der Staatsanwaltschaft geduldet werden. Die Osloer Polizei scheint mit dem derzeitigen Ermittlungsstand ganz zufrieden zu sein, die Frage ist nur, ob Polizei und Staatsanwaltschaft nicht im Begriff sind, sich neuerlich in einen Skandal zu verstricken. "Der einsame Bote" ist Krimiliteratur auf höchstem Niveau; mit starken Charakterstudien und einer packenden Geschichte. Viele Rätsel und überraschende Wendungen führen immer wieder auf die falsche Spur! Die umfangreichste Mordermittlung der letzten Jahre in diesem hoffnungslosen Fall sowie ein hartnäckiger Kommissar und pathologischer Misshandler. Voilá, fertig ist ein ziemlich dickes Wespennest bzw. der beste Krimi Skandinaviens. Ein hervorragend geschriebener Krimi mit guten Charakteren und ein stimmiger Plot der einen guten Einblick in alle Facetten der Tragödien der Sekte aus der Zarenzeit darstellt. Gard Sveen versteht es die Spannung von Anfang bis Ende auf einem sehr hohen Niveau zu halten.  Ein intelligent konstruierter, lesenswerter Krimi mit Tiefgang, aufregend bis zum furiosen, verblüffenden, offenen Ende. Man muss also auf den nächsten Band warten, um dann hoffentlich die endliche Lösung des Falls zu erfahren. Nicht für jedermann und keinesfalls leichte Kost. Anspruchsvoll und lesenswert!
       

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(60)

64 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 58 Rezensionen

"familie":w=4,"roman":w=3,"norwegen":w=3,"vater":w=2,"erinnerung":w=2,"alter":w=2,"new york":w=1,"mutter":w=1,"eltern":w=1,"deutsch":w=1,"meer":w=1,"schweden":w=1,"münchen":w=1,"skandinavien":w=1,"autobiografie":w=1

Die Unruhigen

Linn Ullmann , Paul Berf
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 11.06.2018
ISBN 9783630874210
Genre: Romane

Rezension:

          Linn Ullmann ist als Scheidungskind weltberühmter Eltern groß geworden. In "Die Unruhigen" erkundet sie die Sommerwochen bei Ingmar Bergman und die Restzeit bei der ewig hadernden Liv Ullmann. Bis der Vater als seniler alter Mann stirbt. Die Mutter nennt das Buch zurecht ein Meisterwerk. Zwischen interressantem Teilzeit-Vater und kämpfender Alltags-Mutter beschreibt sie ihr Leben als Tochter von Regisseur Ingmar Bergmann und Schauspielerin Liv Ullmann. Am besten man wüsste bis zum Ende nicht dass hier ein weltberühmtes Elternpaar von der Tochter mit Erinnerungen an eine zerissene Kindheit vorgestellt wird. Als Rettung vor dem Schlüsselloch gucken. Wie die Norwegerin Linn Ullmann diese schwer zu unterdrückende Form von Neugier fast vergessen macht, ist Teil ihrer Meisterschaft in "Die Unruhigen" mit Ingmar Bergman, der in Cannes zum besten Filmregisseur aller Zeiten gekürt, der kaum minder berühmten Schauspielerin Liv Ullmann und sich selbst als Hauptpersonen. Sich lässt sie abwechselnd als "ich" und "sie" auftreten. Die Autorin schafft auf den knapp 400 Seiten das ganz Schwere: Man klappt das Buch zu als fesselnde, nachdrücklich und zugleich unsentimentale, auch witzig zum Nachdenken über die eigene Geschichte anregende Meditation zum alle prägenden und immer komplexen Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Ist alles so passiert oder auch ausgedacht? In diesem Fall kennt alle Welt den Rahmen: Der große Ingmar Bergman und die schöne Liv Ullmann, so sieht es die Welt eben, verliebten sich bei Dreharbeiten 1965. Die Tochter kam ein Jahr später zur Welt und konstatiert nüchtern über ihren damals 48 jährigen Vater: Ein Kind mehr oder weniger. Er hatte acht als dämonischer Regisseur und als Schürzenjäger bekannt." Die Beziehung zur 21 Jahre jüngeren Mutter hielt, bis die Tochter drei war. Zu den Vereinbarungen des weiter zusammenarbeitenden und lebenslang befreundeten Ex-Paares gehörten jedes Jahr ein paar Sommerwochen für Tochter Linn beim Vater auf der kleinen Ostseeinsel Färö, wo der Filmemacher 2007 gestorben ist. Ansonsten lebte natürlich auch dieses jüngste wie alle anderen Bergman-Kinder bei der Mutter. Eine endlose Reihe von Kindermädchen sowie auch eine kürzere, aber genau so wenig populäre mit Geliebten der Mutter zieht sich durch das Buch, wenn die Schauspielerin wieder zu Engagements in Ohio, New York oder Los Angeles unterwegs ist. Die Tochter wird vor Sehnsucht halb verrückt. Linn Ullmann erinnert sich im Buch an ihre Jahre als Elf- bis 15-jährige erst als vollkommen bedingungslos liebendes Kind, dann als Teenager mit den ersten sexuellen Erfahrungen und mit langsam weiterem Horizont auf der Suche nach einem Zuhause und festem Boden unter ihren Beinen. Eine Herkulesaufgabe ist das beim entrückten, mit unverrückbar festem Stundenplan am Künstlertum arbeitenden Sommer-Vater und der ewig unsicheren, mit sich hadernden, auch in den eigenen vier Wänden kräftig schauspielernden Mutter. Ein durch raffinierte Montagen und den zurückgenommenen, dabei aber unglaublich treffsicheren Grundton vollbrachtes Kunststück des Buches ist die Kombination der eigenen kindlichen Perspektive auf die nie gemeinsam erreichbaren Eltern mit dem erwachsenen Blick auf beide als Persönlichkeiten für sich. Wärme und das Streben nach Klarheit durch kühle Beobachtung widersprechen einander hier nicht. Der hochinteressante Teilzeit-Vater kommt ungleich besser weg als die immer mit den schnöden Alltagsproblemen kämpfende Vollzeit-Mutter. Er bekommt auch viel mehr Platz, denn Auslöser für dieses grandiose Erinnerungsbuch war ein gescheitertes Projekt der erwachsenen Tochter mit dem betagten Bergman. Er wollte eins über das Altwerden als harte Arbeit schreiben, fühlte sich aber schon zu schwach und vereinbarte eine Interviewserie mit der als Autorin bestens selbsständig etablierten Linn. Vom Scheitern auch dieses Vorhabens, weil Bergman zu schnell weiter abbaute, bis zu seinem noch mal von ihm selbst akribisch durchgeplanten Begräbnis auf Färö erzählt die Tochter im Wechsel mit den Kindheitsgeschichten und gibt Dialoge im Wortlaut wieder. Das bringt wieder einen gänzlich anderen Blick auf das Eltern-Kind-Verhältnis mit dessen fast zunehmender Umkehrung. Als sie den Plan endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht. Die Autorin Linn Ullmann steht für Literatur, die voller Geheimnisse und Leben und dessen Unwägbarkeiten steckt. Die Unruhigen ist eine fesselnde Lektüre in einer klaren Sprache. Es zeigt, dass keiner so ist, wie er sich gibt. Jeder trägt sein inneres dunkles Verlies mit sich herum. Grandios erzählt in Vor- und Rückblenden ist dieser Roman gleichsam düster, traurig, emotional und hochspannend. Er zeigt diese Geschichte ist ein genreüberschreitender Roman über ein Kind, das es nicht erwarten kann, erwachsen zu werden, und Eltern, die am liebsten Kinder sein wollen, über Erinnerungen und Vergessen und die vielen Geschichten, die ein Leben ausmachen. Ein atmosphärisch dichter Familienroman von großer literarischer Tiefe. Jedes Mal, wenn wir uns unsicher gewesen wären, ob das, woran sie sich erinnerte, wahr ist, oder ob das, woran man sich erinnert, wahr ist, oder ob das, was geschah, auch wirklich geschah, oder ob wir überhaupt existieren, wären wir in der Lage gewesen, uns nebeneinanderzustellen und zu schauen. Eine fiktive Geschichte, was sie aber nicht weniger wahr macht. Natürlich ist es auch eine Geschichte über Beziehungen die zerbrechen und von Orten die man verlassen muss, so sehr man sie auch liebt. Rückblick und Lebenserkenntnis vereinen sich hier mit einer berührenden Geschichte. Zugleich ist es auch eine Liebeserklärung - und ein literarisches Meisterwerk. Großartig Linn Ullmann, ein wunderbares Buch.
       

  (2)
Tags:  
 
306 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.