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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

liebe, lebensbilanz, altern

Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr

Zoran Feric , Klaus Detlef Olof
Buch: 538 Seiten
Erschienen bei Folio, 18.09.2012
ISBN 9783852566092
Genre: Romane

Rezension:

In Zoran Ferićs Roman "Das Alter kam am 23. Mai gegen 11 Uhr" dreht sich alles um die Liebe und das Altern. Nicht nur die Liebe ändert sich im Alter, sondern auch der Blick auf die vergangenen Liebesgeschichten.

Der Gynäkologe Tihomir, 68 Jahre alt, träumt auch nach 35 Jahren noch von seiner Ex-Geliebten Zenka. Er initiiert die Wiederholung ihrer gemeinsamen Abireise. Und tatsächlich gehört auch Zenka zu den ehemaligen Mitschülern, die an der Schifffahrt teilnehmen. Das Ex-Paar reibt sich aneinander und an ihren Lebensgeschichten. Gleiches gilt für ihre Mitschüler. In der Liebe zum Partner oder zu ihren Kindern scheinen sie alle grandios gescheitert zu sein. Dieses Scheitern schildert der Autor zwar gnadenlos, aber auch voller Wärme.

Ein unbedingt lesenswerter Roman.

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Tags: altern, lebensbilanz, liebe   (3)
 

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

masuren, liebe, polen, 2. weltkrieg, nationalsozialismus

Der Himmel ist ein Fluss

Anna Kaleri
Fester Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Graf Verlag, 05.10.2012
ISBN 9783862200320
Genre: Romane

Rezension:

Höchst einfühlsam beschreibt die Autorin Anna Kaleri in ihrem Roman "Der Himmel ist ein Fluss" eine Liebe in Zeiten des Kriegs- und Rassenwahns. Die Hauptfigur Minna ist eine junge Frau Anfang 20, die in einem masurischen Dorf kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lebt. Einzig der alte Dorflehrer sympathisiert nicht mit den Nazis und der Deutschtümelei. Mitten in diesem blühenden Rassen- und Kriegswahn verliebt sich Minna in einen Polen. Eine "Rassenschande" für die sie teuer bezahlen wird. Den höchsten Preis zahlt sie allerdings erst beim Einmarsch der Sowjetsoldaten, die auch keine friedliche Welt im Gepäck haben.

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Tags: deutschland, liebe, polen, rassismus, zweiter weltkrieg   (5)
 

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(164)

268 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 47 Rezensionen

liebe, berlin, familie, juden, polen

Adams Erbe

Astrid Rosenfeld
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.02.2011
ISBN 9783257067729
Genre: Romane

Rezension:

Zur Leipziger Buchmesse 2012 waren die Lesungen von Astrid Rosenfeld und ihrem Roman Adams Erbe bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Umschlagtext hatte mich nicht überzeugt und so blieb ich kein einziges Mal stehen, um ihr zu lauschen. Ein Fehler, wie ich heute weiß. Denn ihr Roman ist ein starkes Stück Nachkriegsliteratur über Schuld, Mitschuld und Unschuld während des Zweiten Weltkrieges und im Nachkriegsdeutschland. Unbedingt lesenswert.

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Tags: erinnerung, nachkriegsdeutschland, schuld, verfolgung, zweiter weltkrieg   (5)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

palästina, nahost, israel

Kolja

Chaim Noll
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Verbrecher, 01.02.2012
ISBN 9783943167122
Genre: Romane

Rezension:

Chaim Noll hat unter dem Titel "Kolja" 37 wunderbare Erzählungen geschrieben. Mit dem russischen Einwanderer Kolja, dem palästinensischen "Gastarbeiter" oder der indischen Postbotin gelingt es ihm, die Bandbreite der israelischen Gesellschaft zu beleuchten. Warmherzig und wertschätzend beschreibt er die Lebensumstände und Schicksale seiner Protagonisten. Für alle, die in ihrer geistigen Farbpalette nicht nur Schwarz und Weiß nutzen wollen, eine empfehlenswerte Lektüre.

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Tags: israel, nahost, palästina   (3)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

familie, demenz

Die Erdbeeren von Antons Mutter

Katharina Hacker
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 08.03.2012
ISBN 9783596187638
Genre: Romane

Rezension:

Katharine Hacker versucht hier zwei Erzählungen in ein Buch zu pressen. Die Geschichte von den Demenzkranken Eltern und dem hilflosen Sohn ist sehr gelungen. Sie reißt mit. Im zweiten Erzählstrang gerät sie für meine Begriffe zu sehr auf Abwege. Hier verliert sie sich im Lebenslauf der "Schwiegertochter" und der psychischen Erkrankung von deren Ex-Freund. Diese Geschichte überzeugt nicht. Weniger wäre hier mehr gewesen.

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Tags: demenz, familie   (2)
 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

sowjetische besatzung, verstörend, 2. weltkrieg, gefühlskälte, parabel

Das große Heft

Agota Kristof , Eva Moldenhauer
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.05.2012
ISBN 9783492300421
Genre: Sonstiges

Rezension:

Piper sei Dank, gibt es diese wunderbare Regie kleinformatiger Bücher mit großer Literatur. Die aus Ungarn stammende Schweizer Autorin Agora Kristof wurde zu Recht in diese Reihe aufgenommen. Leider ist sie inzwischen für immer verstummt.

In ihrem Roman "Das große Heft" beschreibt sie nüchtern, fast lakonisch, die Entwicklung eines Zwillingspaars von intelligenten zehnjährigen Jungs hin zu raubenden und mordenden Erwachsenen. Aus den bezaubernden Brüdern werden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges Menschen, die stets nur an ihre eigenen Bedürfnisse denken und diese rücksichtslos befriedigen.

Zu Anfang sind sie in ihren Taten durchaus von positiven Werten und Emotionen geleitet. Diese ihre Gefühle machen ihnen Angst. Ängste und Gefühle sind Schwachpunkte in einer so verrohten Zeit. Deshalb unterziehen sich die Jungs einem Spezialtraining, das sie im großen Heft niederschreiben. Ziel des Trainings ist es, dass ihnen keiner mehr etwas anhaben kann. Das gelingt ihnen auch bis zuletzt unter der sowjetischen Besatzung, allerdings auf Kosten anderer, die dafür ihr Leben lassen.

Kristof erzählt hier eine Parabel vom verrohten Menschen, der aus dem Überlebenstrieb innerhalb einer gänzlich kaputten Gesellschaft entsteht. Die deutsche oder sowjetische Besatzung sind hier nur Kulissen für ein allgemeingültiges Phänomen.

Ein schönes Buch, ein starker Inhalt und eine wunderbare Autorin.

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Tags: 2. weltkrieg, brutalität, parabel, sowjetische besatzung, überlebenstrieb, verrohung   (6)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

roman, krieg, kroatien

Hotel Nirgendwo

Ivana Bodrozic , Marica Bodrozic
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 06.02.2012
ISBN 9783552055612
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman "Hotel Nirgendwo" schildert den Leidensweg einer Familie während des Balkankrieges und der Nachkriegszeit. Ivana Bodrožić erzählt eine starke Geschichte leider mit schwachen literarischen Mitteln.

Idyllisch beginnt der Roman mit der Reise eines 9-jähriges Mädchen ans Meer. Gemeinsam mit einer ganzen Gruppe von Kindern startet sie in die Ferien. Was könnte schöner sein? Frieden! Denn im Hinterland tobt der Bürgerkrieg in der Heimat Vukowar. Nach langem Warten und Ausharren können sich ihr Bruder und ihre Mutter zu ihr durchschlagen. Gemeinsam kämpfen sie sich in den kommenden Jahren durch den Dschungel der Bürokratie, die Missgunst der Nachbarn und die eigene Verzweiflung.

Die Autorin versucht mit Leichtigkeit und Witz die schwierige Situation der Flüchtlinge aus der Sicht des Mädchens zu beschreiben. Einem Mädchen, das vor allem in der Pubertät einfach versucht, ein ganz normales Mädchen zu sein.

Bürgerkrieg und Vertreibung mitten in Europa sind Traumata, die wir nur allzu schnell vergessen haben. Umso wichtiger ist ein solcher Roman, der diese Geschichte von Innen schildert. Doch trotz vieler bewegender Szenen, packt das Buch nicht. Vielleicht liegt es an der Perspektive, vielleicht an der Übersetzung: Die Sprache fließt nicht, die Geschichte klingt zu aufgesetzt und fesselt den Leser nicht bis zum Schluss.

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Tags:  
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

ägypten, terrorismus, kairo, liebe, roman

Der Jakubijân-Bau

Alaa al-Aswani
Fester Einband: 372 Seiten
Erschienen bei Lenos, 01.02.2007
ISBN 9783857873812
Genre: Romane

Rezension:

Ein Wohnhaus in Kairo und seine Bewohner stehen im Mittelpunkt von Alaa al-Aswanis Roman "Der Jakubijanbau". Große Hoffnungen, tiefe Enttäuschungen und kaum Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Schicksal prägen die Bewohner des Wohnhauses in Kairo. Auf dem Dach hausen die Armen in winzigen Kammern, die dennoch heiß begehrt sind. In den Etagenwohnungen leben die Reichen. Glück oder auch nur Zufriedenheit findet der Leser weder bei Arm noch bei Reich. Die Armen lassen sich sexuell missbrauchen für den sozialen Aufstieg oder lehnen die Korruption ab und werden gar zu Terroristen. Die Reichen stellen sich gegenseitig ein Bein und versuchen sich aus zu boten. Al-Aswani zeichnet ein düsteres Bild des vorrevolutionären Ägypten. Trotzdem oder gerade deshalb ist es ein ungemein lesenswertes Buch.

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Tags: ägypten, ausbeutung, korruption, liebe, religiöser fanatismus, terrorismus   (6)
 

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(28)

53 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

ceylon, freundschaft, abenteuer, schiffsreise, 1950er jahre

Katzentisch

Michael Ondaatje , Melanie Walz
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 06.02.2012
ISBN 9783446238589
Genre: Romane

Rezension:

Wie ein Abenteuerroman kommt der neue Ondaatje daher. Dabei versteckt sich viel mehr dahinter. Eindringlich und einfühlsam beschreibt Michael Ondaatje in seinem aktuellen Roman "Katzentisch" die Reise von drei Teenagern von Asien nach Europa. 1954 machen sich Michael, Ramadhin und Cassius per Schiff auf den Weg von Ceylon nach England. Alle drei landen an Board am "Katzentisch" im Speisesaal. Sie sitzen am weitesten vom Kapitän entfernt und gehören damit zur niedrigsten Gesellschaftsschicht auf dem Schiff. Der Autor zeichnet mit der abenteuerlichen Reise der drei und ihrem späteren Leben in England ein Bild der verschiedenen Gesellschaftsschichten der 50iger Jahre bis heute. Beide -Abenteuer- und Gesellschaftsroman - sind Ondaatje meisterhaft gelungen.

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Tags: abenteuerroman, freundschaft, gesellschaftsroman, liebe   (4)
 

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46 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 1 Rezension

burma, kolonialismus, großbritannien, myanmar, kolonialzeit

Tage in Burma

George Orwell , Susanna Rademacher
Flexibler Einband: 321 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.04.2003
ISBN 9783257203080
Genre: Klassiker

Rezension:

Mit spitzer Feder und scharfer Zunge schildert George Orwell seine Erfahrungen als britischer Offizier im Burma der 20iger Jahre.

Schonungslos, humorvoll und zuweilen boshaft schildert er in seinem Roman die britischen Bewohner eines burmesischen Provinznestes in den 20iger Jahren. Rassismus, Selbstverliebtheit und Langeweile prägen das gesellschaftliche Leben dieser kleinen Gemeinschaft. Ob Offiziere, Geschäftsleute, Ehefrauen oder auf Ehemänner hoffende junge Damen - sie alle bekommen ihr Fett von Meister Orwell weg. Ein starkes Stück Weltliteratur, dass federleicht zu lesen ist und über Großbritannien mindestens so viel verrät wie über Burma.

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Tags: birma, burma, großbritannien, kolonialzeit   (4)
 

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

scheitern, erfolg, amerikanischer traum, familie

Ed King

David Guterson , Arthur Morey
Audio CD
Erschienen bei Random House, 18.10.2011
ISBN 9780307939401
Genre: Romane

Rezension:

David Guterson beweist mit seinem jüngsten Werk "Ed King" erneut seine Meisterschaft.

Der Roman beginnt 1962. Der Versicherungsmathematiker Walter muss seine kleinen Kinder versorgen während seine Frau mit Depressionen in der Klinik liegt. Diane, ein minderjährige Au-pair, soll ihm dabei helfen. Und natürlich beginnen die beiden ein Verhältnis bis Walters Frau aus der Klinik entlassen wird. Die schwangere Diane erpresst Walter für den Rest seines Lebens, obwohl sie das Kind aussetzt. Später heiratet sie einen reichen Mann, der aber ihre Lügen und Betrügereien entdeckt, so dass er sich von ihr scheiden lässt. Da arbeiten gehen keine Alternative ist und Armut das schlimmste aller Übel ist, übt sich Diane im Drogenhandel. Eine Übung, die gründlich schief geht. Als ihr ein "Märchenprinz" über den Weg läuft, greift sie zu.

Ihr ausgesetztes Baby wird von einem wohlhabenden Ehepaar adoptiert und Ed King genannt. Der Junge gerät schnell auf die schiefe Bahn und verursacht sogar einen tödlichen Unfall. Die angst vor Entdeckung lässt Ed nach einem bürgerlichen Leben streben. So wird er einer der größten und reichsten Internetunternehmer der Welt. Zum Glück fehlt nur noch eine Ehefrau. Die findet er schließlich in Diane, einer 15 Jahre älteren Frau, mit der er lange Jahre glücklich verheiratet ist. Erst mit über 50 gelingt es ihm eher zufällig alle Schicksalsfäden seines Lebens zu entwirren. Ed hat bei dem Unfall seinen Erzeuger getötet und die Frau an seiner Seite ist seine leibliche Mutter. Klingt kitschig. Ist es aber nicht.

David Guterson gelingt es an Hand der drei Menschen - Mutter, Vater, Kind - den amerikanischen Mittelstand und seine Vorstellungen von Glück und Moral zu skizzieren. Wobei das Glück hier für die Erfüllung des amerikanischen Traums von Wohlstand, Ansehen und bürgerlicher Sicherheit steht. Egoistisch und skrupellos verfolgen alle drei ihre Ziele. Sie erlangen zwischenzeitlich auch traumartige Zustände, doch am Ende bleibt nichts als Betrug, Schmerz und Einsamkeit.

Der Roman ist gewohnt brilliant geschrieben. Die Lektüre packt einen und doch fehlt mir dieses letzte Quäntchen, das "Schnee, der auf Zedern fällt" ausgemacht hat.

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Tags: amerikanischer traum, erfolg, familie, scheitern   (4)
 

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fremdenfeindlichkeit, integration, schweiz, slowakei, lq

Die undankbare Fremde

Irena Brezna
Fester Einband: 140 Seiten
Erschienen bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch, 12.03.2012
ISBN 9783869710525
Genre: Romane

Rezension:

"Die undankbare Fremde" der slowakisch-schweizerischen Schriftstellerin Irena Brežna ist ein kleines, aber feines Werk über Fremdenfeindlichkeit und Integration.

Die Hauptfigur des Romans ist Dolmetscherin in der Schweiz und Flüchtling aus der Slowakei nach dem gescheiterten Prager Frühling 1968. In dem die Erzählung der Dolmetscherin auf ihrem Weg durch die Flüchtlingscamps folgt, erzählt sie deren Erlebnisse und deren Schwierigkeiten in der neuen Heimat auch mental anzukommen bzw. von den neuen Nachbarn als gleichwertig aufgenommen zu werden.

Die Überwachung in der Freiheit, die Kälte in der reichen Gemeinschaft und die Überheblichkeit gegenüber den Fremden weckt den Widerspruchsgeist der Dolmetscherin. So wird sie zur undankbaren Fremden.

Das kleine Buch hat es in sich. Es ist sprachlich sowie politisch überzeugend und unbedingt empfehlenswert.

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Tags: fremdenfeindlichkeit, identität, integration, schweiz, slowakei   (5)
 

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118 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

israel, liebe, deutschland, krieg, tod

Der Russe ist einer, der Birken liebt

Olga Grjasnowa
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 06.02.2012
ISBN 9783446238541
Genre: Romane

Rezension:

Der Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ von Olga Grjasnowa ist ein bemerkenswertes Buch.

Die Hauptfigur - Masche - stammt aus Aserbeidschan. Als Kind macht sie dort traumatische Erfahrungen durch den Konflikt zwischen der aserbeidschanischen Mehrheit und der armenischen Minderheit. Ihre jüdische Familie sitzt buchstäblich zwischen den Stühlen der verschieden Bevölkerungsgruppen. Mit 11 Jahren ziehen sie und ihre Eltern nach Deutschland. Dort nimmt Mascha nach dem Abitur ein Studium als Übersetzerin in Frankfurt am Main auf und träumt von einer großen Karriere bei der UNO.

Der Leser begegnet zunächst der begabten, hoffnungsfrohen und verliebten Mascha, die mit ihrem Freund Elias zusammenlebt und einen wunderbaren, multikulturellen Freundeskreis hat. Alles ist scheinbar gut. Wären da nicht die Albträume, die sie immer wieder an den Krieg in Aserbeidschan erinnern und die sie nicht mit ihrem Freund teilen will. Ein harmloses Fußballspiel führt zu einer schweren Verletzung und dem plötzlichen Tod von Elias. Ein Ereignis, das Mascha völlig aus der Bahn wirft. Schließlich macht sie sich auf die Suche nach sich selbst und auf dem Weg nach Israel. Dort begegnet sie israelischer Gewalt an Palästinensern. Mit welchen Folgen für Mascha oder ihre Freunde erfährt der Leser nicht. Hier endet das Buch.

Olga Grjasnowa hat am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig ihr sprachliches Handwerk erlernt. Das Leipziger Literaturinstitut steht seit der Friedlichen Revolution für eine ganze Reihe spannender und begabter Autoren. Autoren, die nicht nur sprachlich auf höchstem Niveau agieren, sondern auch inhaltlich in die Tiefe der menschlichen Seelen und politischen Abgründe vordringen. In dieser Tradition steht auch Olga Grjasnowa. Auch ihre Romanfiguren sind eingebettet in politische Strukturen, die die Autorin versucht aufzuzeigen. Hier sehe ich allerdings auch die einzige Schwachstelle des Romans. Auf mich wirkt gerade die politische Einschätzung Israels zu flach, zu wenig differenziert. Der Blick ist hier eher auf die Gräben zwischen Israelis und Palästinenser gerichtet als auf den Brückenbau zwischen beiden Parteien. Da gehen Romane wie „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ von David Grossmann oder Zeruya Shalevs „Für den Rest des Lebens“ sehr viel reifer, tiefer und wertschätzender mit den am Konflikt beteiligten Menschen um.

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Tags: aserbeidschan, deutschland, israel, krieg, trauma   (5)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

familie, spanien, mutter-tochter, pyrenäen, franquismus

Inneres Land

Maria Barbal , Heike Nottebaum , Pere J. Tous
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Transit, 27.08.2008
ISBN 9783887472337
Genre: Romane

Rezension:

Literarische Auseinandersetzungen mit den Eltern oder einem Elternteil sind populär, haben wir doch alle so unsere Kämpfe mit unseren Erzeugern auszutragen.

Maria Barbal konzentriert sich in ihrem Roman "Inneres Land" auf ihre Mutter. Die Tochter skizziert als Ich-Erzählerin eine verbitterte, lebensunfrohe Mutter. Ständig scheint diese etwas an der Heranwachsenden auszusetzen zu haben. Zärtlichkeit und Lob sind Mangelware in ihrer beider Verhältnis. Die Tochter sucht Anerkennung und Liebe außerhalb des Elternhauses. Aber je mehr sie sucht, desto weniger wird sie fündig.

Erst aus dem Abstand ihres Erwachsenseins kann sie sich vorarbeiten in das innere Land ihrer Mutter, in die Verletzungen und Demütigungen aus der Wut, Trauer und Hoffnungslosigkeit entstanden sind. Denn der Großvater wurde im Zuge des spanischen Bürgerkrieges von den Franquisten ermordet und die gesamte Familie im Dorf als Außenseiter behandelt. Die ganze Verantwortung für das wirtschaftliche Schicksal der Familie übernahm damals die Mutter, die selber noch ein Teenager war.

Wer sich für die spanische Geschichte des 20. Jahrhunderts interessiert, wird hier fündig. Barbal schildert eindringlich den Einfluss der Geschichte auf die Persönlichkeitsstrukturen. Allerdings gelingt es ihr nicht durchweg, auf 386 Seiten Spannung zu erzeugen.

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Tags: familie, franquismus, mutter   (3)
 

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49 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

freundschaft, liebe, biologie, niederlande, religion

Der Schneeflockenbaum

Maarten 't Hart , Gregor Seferens
Fester Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Piper, 24.02.2010
ISBN 9783492046343
Genre: Romane

Rezension:

Maarten 't Hart liefert auch mit seinem jüngsten, auf Deutsch erschienen Werk "Der Schneeflockenbaum" ein stilles Meisterwerk ab.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Jungs, der Ich-Erzähler und Jouri. Beide sind in den Niederlanden der 50iger Jahre Außenseiter. Der Ich-Erzähler sondert schon im Kindergartenalter gigantische Darmwinden ab und Jouri ist der Sohn eines Kollaborateurs. Zudem sind sie sehr begabte Schüler. Aus den beiden Außenseitern werden Freunde für das Leben. Doch die Freundschaft ist nicht ungetrübt. Jouri verliebt sich grundsätzlich in die Freundinnen des Erzählers. Und er belässt es nicht beim Verliebtsein, er spannt sie dem Freund auch aus, bis der scheinbar einen Weg findet, Jouri von seinen Frauen abhalten zu können.

Leise, leicht und dennoch tiefgründig erzählt Maarten 'Hart über die Bedeutung von Freundschaft, über lebenslange Lügen in der Liebe und die bigotte, niederländische Nachkriegsgesellschaft.

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Tags: außenseiter, freundschaft, lügen, selbstbetrug   (4)
 

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90 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 30 Rezensionen

ddr, familie, familiengeschichte, biographie, ostberlin

Ab jetzt ist Ruhe

Marion Brasch
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Fischer, S, 23.02.2012
ISBN 9783100044204
Genre: Romane

Rezension:

So viel sei gleich zu Anfang verraten: Marion Braschs Roman "Ab jetzt ist Ruhe" ist kein literarisches Meisterwerk, aber es ist ein sehr bewegendes Buch über eine extrem talentierte und eher glücklose Familie.

Die Eltern von Marion und ihren drei Brüdern sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus den englischen Exil nach Ost-Berlin gezogen. Der Vater - ein überzeugter Kommunist - wird immerhin stellvertretender Kulturminister der DDR. Seine Kinder hingegen rebellieren mehr oder weniger stark gegen seine strikte Auslegung des Kommunismus. Der älteste Bruder verlässt sogar die DDR. Mit jeder öffentlichen Auflehnung der Kinder fällt der Vater ein Stück mehr in Ungnade des Regimes. Dennoch bleibt er bis zuletzt überzeugt, dass die DDR für eine gerechte Gesellschaftsordnung steht.

Die Autorin wächst als Jüngste von vier Geschwistern auf. Ihre drei Brüder sind jeder auf seine Art außergewöhnlich begabt. Thomas und Peter Brasch feiern als Schriftsteller und der mittlere Bruder Klaus als Schauspieler Erfolge. Marion bleibt immer die kleine Schwester, um deren Gunst sich alle drei Brüder streiten, und doch wird sie nie ganz ernst genommen. Eine nicht ganz einfache Familienposition für Marion, die umso schwieriger ist, als die drei Brüder mehr und mehr selbstzerstörerische Züge erkennen lassen. Alle drei können aus ihrer Kreativität keinen dauerhaften Lebensmut gewinnen und verfallen zunehmend ihren Süchten. Und so beerdigt die Autorin ein Familienmitglied nach dem anderen.

"Ab jetzt ist Ruhe" ist in zweierlei Hinsicht ein reizvoller und berührender Roman. Zum einen gewährt er eine Innenansicht in die Brüche innerhalb der DDR-Gesellschaft. Marion Brasch urteilt nicht, sie beschreibt die Leiden und Freuden einer Gemeinschaft, die doch mal alles besser machen wollte. Zum anderen schildert der Roman die Geschichte einer ganz besonderen Familie, reich an Begabung und scheinbar arm an Glücksgefühlen.

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Tags: ddr, familienroman, kommunismus, rebellion   (4)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

agententhriller, gesellschaftsroman, krimi, abenteuergeschichte

Sand

Wolfgang Herrndorf , Stefan Kaminski
Audio CD
Erschienen bei Argon, 23.02.2012
ISBN 9783839811535
Genre: Romane

Rezension:

Das Wort Sand weckt in mir viele Bilder: Die Weite und unbeschreibliche Schönheit der Wüste, unerträgliche Hitze bei Tage oder eisige Kälte in der Nacht, und unendlich viele Gefahren, die im Sand lauern. Wobei die meisten Gefahren für den Menschen selbstverständlich von Menschen ausgehen. Alle diese Bilder beschwört Wolfgang Herrendorf in seinem neuen Roman "Sand" herauf.

Er schildert die Irrungen und Wirrungen seiner Hauptfiguren in der Wüstenoase eines nordafrikanischen Staates im Jahr 1972. Korrupte Polizisten, skrupellose Spione und heilssuchende Kommunenmitglieder sind teils bewusst, teils unbewusst verstrickt in die Weltpolitik. Einige bleiben im Wüstensand auf der Strecke, andere werden unbeeindruckt weiter machen. Mehr darf ich nicht verraten, denn "Sand" ist vordergründig ein ungemein spannender Krimi.

Dahinter aber seziert Herrendorf die politischen Landschaften des Jahres 1972, kurze Zeit nach dem Anschlag palästinensischer Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft in München. Keiner kommt dabei gut weg: Nicht die Touristen aus aller Welt, mit ihren wohlmeinenden aber flachen Analysen der Weltpolitik, auch nicht die sympathischen, aber korrupten Polizisten in Nordafrika und schon gar nicht die Spione für eine "gute" Sache.

Mehr noch als der Krimiplot oder die Gesellschaftskritik beeindruckt mich die Sprache Herrendorfs. Nichts scheint ihm unbeschreiblich zu sein. Er hat eine so reiche, mächtige Sprache wie nur wenige andere deutschsprachige Autoren der Gegenwart. Kein Wunder, dass er zu den Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik 2012 gehört.

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Tags: abenteuergeschichte, agententhriller, gesellschaftsroman, krimi   (4)
 

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

sterben, israel, familie, sehnsucht, angst

Für den Rest des Lebens

Zeruya Shalev , Mirjam Pressler
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 28.01.2012
ISBN 9783827009890
Genre: Romane

Rezension:

Was tun mit dem Rest des Lebens? Alte, schmerzlich bekannte Wege gehen oder neue suchen und unbekannte Schmerzen auf sich nehmen? Diesen Fragen geht Zeruya Shalev in ihrem jüngsten Roman "Der Rest des Lebens" nach.

Drei Personen stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Mutter Chemda und ihre Kinder Dina und Avner. Chemda liegt im Sterben. Vom Pflegebett aus wandert sie durch ihr Leben. Ihre Eltern gehören zur Gründergeneration der Kibbuzim. Die Mutter selten anwesend, widmet sich dem Eintreiben von Geldern für die Kibbuzbewegung. Der Vater erzieht Chemda mit aller Härte und Strenge des Pioniers. Wärme und Anteilnahme sind Fremdwörter für Chemda. Entsprechend kühl wachsen ihre Kinder Dina und Avner auf. Erst auf ihrem Sterbebett gesteht sich Chemda ihre Einsamkeit im Kinderhaus und später in ihrer Ehe ein. Sie erkennt ihre Versäumnisse Dina und Avner gegenüber. Doch ihr bleiben nur wenige Augenblicke, die sie bei Bewusstsein ist, um ihren erwachsenen Kindern bei der Weichenstellung für deren Rest des Lebens zu helfen.

Denn erst der Rest von Chemdas Leben bringt die Geschwister auf die Idee, ihr eigenes Leben zu überdenken und neu zu gestalten. Avner und Dina sind beide verheiratet, haben Kinder, sind berufstätig und stehen für das bürgerliche Ideal von Glück und Zufriedenheit. Doch unter der Oberfläche ist alles andere als Zufriedenheit.

So sehnt sich Dina seit 16 Jahren nach dem im Mutterleib verstorbenen Zwillingsbruder ihrer Tochter. Sie wünscht sich nichts mehr als einen Sohn. Und da ihr Mann all die Jahre keine weiteren Kinder wollte, soll es nun ein Adoptivsohn sein. Das ist es, was sie vom Rest des Lebend erhofft, einem Kind all ihre Liebe zu geben. Und Avner ist als junger Mann geradezu in seine lieblose Ehe und damit in sein Unglück gestolpert. Er träumt davon, endlich eine Frau wirklich zu lieben und geliebt zu werden.

Doch Shalev kriecht nicht nur in diese drei Menschen hinein und legt ihre privaten Verletzungen und Sehnsüchte frei. Sie spürt auch den besonderen politischen Umständen Israels nach. Die Abschnitte zum Kibbuzleben klingen wie eine Abrechnung mit diesem Mythos. Einen Sohn aus dem Ausland zu adoptieren bedeutet für Israelis auch, ihn in ein Kriegsland zu bringen und für den Dienst in der Armee zu erziehen. Avner ist Menschenrechtsanwalt und streitet seit Jahrzehnten gegen Ausweisungen oder Beschlagnahmungen. Er kann zwar den einen oder anderen Erfolg verbuchen, doch seine Arbeit trägt selten Früchte für seine Mandanten. So zeichnet die Autorin ein Bild von einer Gesellschaft, die von Angst und Schrecken gelähmt und gefangen ist und sich gleichzeitig nach Liebe und Frieden sehnt.

Der Leser zittert bis zuletzt, ob Dina und Avner ihre Angst vor Veränderungen abstreifen können und den Mut für einen Neubeginn haben. Ob die israelische Gesellschaft es schafft, sich aus dem Kreislauf von Gewalt und Angst zu befreien, muss der Roman offen lassen.

Ich habe dieses Buch, wie auch seine Vorgänger, verschlungen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich auch in der Mitte des Lebens mit all seinen Fragen angekommen bin. Shalev ist erneut ein ungemein berührendes und vielschichtiges Werk gelungen. Allerdings war ich zwischendurch verunsichert, wie leicht Dina und Avner ihr altes Leben abzustreifen scheinen. Aber man soll ein Buch eben doch bis zum Ende lesen.

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Tags: angst, familie, liebe, sehnsucht   (4)
 

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(10)

26 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

new york, usa, broadway, party, thomas wolfe

Die Party bei den Jacks

Thomas Wolfe , Susanne Höbel , Kurt Darsow
Fester Einband: 347 Seiten
Erschienen bei Manesse, 13.06.2011
ISBN 9783717522348
Genre: Romane

Rezension:

Thomas Wolfe gehört zu den bekanntesten amerikanischen Autoren in Deutschland. Sein Ruhm basiert auf seinem Debütroman "Schau heimwärts, Engel", der lange als absolutes Muss für jedes Bücherregal galt. Weitere Werke und Bestseller folgten. Bereits im Alter von 38 Jahre vestummte diese literarische Stimme. Der Autor starb 1938 an Tuberkulose und hinterließ einige unvollendete Werke.

Hierzu gehört das 1995 erstmals veröffentlichte Manuskript "Die Party bei den Jacks". Es besteht aus drei Teilen. In den ersten Kapitel beschreibt Wolfe die Kindheit und Jugend von Frederick Jack Anfang des 19. Jahrhunderts in einer deutschen Stadt. Er leidet unter seinem Mitschülern, für die er "der Jude" und Sohn eines reichen Privatbankiers ist. Einsamkeit und Trauer prägen seinen Charakter. Als junger Mann geht er nach Amerika und steigt dort als begnadetes Finanzgenie in die obersten gesellschaftlichen Kreise ein. Der zweite und größte Teil des Buches dreht sich um eine Party, die Jack und seine Frau Esther, in ihrem Luxus-Apartment geben. Innerhalb dieser Geschichte schildert Wolfe mit der Liebesbeziehung von Esther und ihrem Geliebten einen dritten Erzählstrang.

Alle drei Erzählungen für sich sind brilliant geschrieben. Wolfe schildert die antisemitische, engstirnige deutsche Gesellschaft ebenso meisterlich wie die mondäne, feine amerikanische Gesellschaft am Rande des Abgrundes kurz vorm großen Börsenkrach, der die Mehrheit der Partygäste ins finanzielle Unglück stürzen wird. Im jeder Zeile bricht das literarische Genie des Autors durch. Aber die Teile ergeben kein Ganzes. Das Werk ist und bleibt unvollendet und bruchstückhaft. Die Lektüre empfiehlt sich nur für Fans.

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Tags: börsenkrach, einsamkeit, erfolg, glück, jüdische lebenswelten   (5)
 

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algerien, holocaust, vergangenheitsbewältigung, schuld, islamismus

Das Dorf des Deutschen

Boualem Sansal , Ulrich Zieger
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Merlin, 01.06.2016
ISBN 9783875362817
Genre: Romane

Rezension:

Der Nobelpreisträger überzeugt nicht nur sprachlich mit diesem hochpolitischen Blick auf die oftmals unheilvollen Verknüpfungen zwischen Europa und Nordafrika.

Die Hauptfiguren des Romans "Das Dorf des Deutschen" von Boualem Sansal sind Rachel und Malrich, Söhne eines deutschen Vaters und einer algerischen Mutter. Der Vater war im Zuge des algerischen Befreiungskrieges in dem Dorf der Mutter aufgetaucht und galt bis zu seinem Tod als Held des algerischen Befreiungskrieges. Seine Söhne schickt er jeweils im Grundschulalter zu einer Verwandten seiner Frau nach Paris. Sie sollen eine Chance auf eine Zukunft haben. Der ältere Bruder, Rache, nutzt diese und macht Karriere bei einem internationalen Konzern. Der jüngere Bruder Malrich gehört eher zu den Streunern des Viertels. Er findet in Frankreich keine Heimat, obwohl beide die französische Staatsbürgerschaft haben. Die Heimat Algerien ist aber zugleich ein fremdes, unbekanntes Land aus der fernen Erinnerung.

1994 werden die Eltern und dreißig weitere Dorfbewohner von einer islamistischen Terrorbande ermordet. Empört über diese Tat, macht Rachel sich auf nach Algerien. Dort entdeckt er Unterlagen seines Vaters, die dessen Nazi-Vergangenheit belegen. Als Chemiker war er in verschiedenen KZs tätig und wurde nach dem Ende des Dritten Reiches bis nach Algerien geschleust, wo ihm keinerlei Bestrafung drohte. Rachel reist zwei Jahre lang auf den Spuren des Verbrechers durch halb Europa. Er empfindet die Schuld seines Vaters als seine und beschließt, dass er mit dieser Schuld nicht leben kann.

Erst durch Rachels Selbstmord erfährt Malrich aus dessen Tagebuch von den Taten seines Vaters. Auch er braucht Monate und einige Reisen, um den Tod seines Bruders und das Geheimnis seines Vaters einigermaßen verarbeiten zu können. Wie er das macht? Er schreibt ein Tagebuch, dass wir als Roman lesen.

Boualem Salan erweist sich hier als Meister der Literatur. Das Buch ist nicht nur sprachlich ein Gedicht. Auch politisch legt der Autor seine Finger in die Wunde. Wie viele der Täter, der Massenmörder sind davon gekommen und konnten an anderen Orten weiter ihre tödlichen Spuren legen? Wie viel Unterstützung fanden sie in anderen Ländern? Wie groß ist der Einfluss ihrer mörderischen Taten auf die politische Nachkriegsordnung? Danke an die Nobelpreis-Jury, dass sie 2011 die Aufmerksamkeit des breiten Lesepublikums auf diesen wunderbaren Autoren gelenkt hat.

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Tags: algerien, deutschland, nazis, schuld   (4)
 

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schweiz, familie, tauben fliegen auf, melinda nadj abonji, deutscher buchpreis

Tauben fliegen auf

Melinda Nadj Abonji , Melinda Nadj Abonji
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2012
ISBN 9783423140782
Genre: Romane

Rezension:

Ildiko, die Ich-Erzählerin des preisgekrönten Romans "Tauben fliegen auf" von Melinda Nadj Abonji, wächst zwischen zwei Welten auf. Ihre Familie gehört zur ungarischen Minderheit der Vojvodina in Serbien. Die Eltern sehen in Titos Sozialismus wenig persönliche Perspektiven und ziehen als "Gastarbeiter" in die Schweiz. Dort wachsen Ildiko und ihre Schwester behütet und in relativem Wohlstand auf. Sie sind aber auch den offenen und verdeckten Anfeindungen ihrer Schweizer Nachbarn ausgesetzt. Ihr emotionales Zuhause liegt daher weiterhin in der Vojvodina. Jedes Jahr fährt die Familie zur Ferienzeit in den Heimatort zu Großmutter und Onkel, wo die Kinder eine unbeschwerte und glückliche Zeit erleben.

Ein ganz normales Emigrantenschicksal? Ja, bis sich Jugoslawien ab 1991 auflöst und die Zugehörigkeit zu welcher Volksgruppe auch immer über Leben und Tod entscheidet. Der Lärm von Vertreibung, Massaker und Krieg dringt bis in die Schweiz, so dass die Angst um die Angehörigen und Schuldgefühle immer stärker das Leben der Exil-Familie überschatten.

Melinda Nadj Abonji hat ein leises, fast schon mädchenhaftes Buch geschrieben. Einfühlsam schildert sie die Erlebnisse und Gefühle der jungen Frau. Dennoch fehlt es der Erzählung an Tiefgang. Der Roman ist zwar fesselnd zu lesen und beleuchtet ein wichtiges Kapitel europäischer Geschichte, ob er dafür aber den Deutschen Buchpreis 2010 verdient hat? Große Literatur liest sich anders.

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Tags: emigration, exil, familie, jugoslawien, schweiz   (5)
 

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altötting, familie, gewalt, nachkriegszeit, kindheit

Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend

Andreas Altmann
Fester Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.06.2012
ISBN 9783492053983
Genre: Biografien

Rezension:

... ist ein starkes Buch, um sich auf den Heiligen Abend im Kreise der Familie vorzubereiten.

Andreas Altmann erzählt von seiner Jugend im miefigen Nachkriegsdeutschland. Seine Wiege liegt in einer Hochburg der katholischen Kirche: Altöttingen. Der Ort wird hier als Synonym für Heuchelei und die überbordenden Machtansprüche der Kirche über Körper und Seelen der Gemeindemitglieder verwendet.

Der Vater ist der König der Rosenkranzhändler von Altöttingen und zugleich ein heimgekehrter Nazi. Er lässt all seine Gefühllosigkeit, Ohnmacht und Einsamkeit an seinen Frauen und Kindern aus. Die Mutter ist selbst völlig schutzlos, wird aus dem Haus geworfen und bietet ihren Kindern so oder so keinerlei Schutz. Immerhin kann sie den einen oder anderen Trost verteilen. Nach ihrem Auszug prügelt der Vater fast ein Jahrzehnt auf seine Kinder ein. Er lebt quasi von der Angst, die er verbreitet. Die Stiefmutter unterstützt die sadistischen Neigungen des Vaters und genießt die Bestrafungsszenen.

Erst als 19-Jähriger kann sich Andreas gegen seinen Vater wehren und sich seiner körperlichen Macht entziehen. Die seelische Pein bleibt bestehen, egal wie weit er sich räumlich und zeitlich von ihm entfernt. Aus jeder Seite des Buches schreit das gedemütigte, geschlagene, aber immer ungebrochene Kind heraus: Lasst euch nicht brechen!

Das Buch ist ein kraftvolles Stück deutscher Nachkriegsliteratur. Es ist eine furiose Abrechnung mit der Nazi-Elterngeneration, die selber schwer traumatisiert, die nächsten Trauma verursachte.

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Tags: altötting, deutschland, familie, katholische kirche, nachkriegszeit   (5)
 

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juden, holocaust, getto, polen, shoa

Die Elenden von Lódz

Steve Sem-Sandberg , Gisela Kosubek
Fester Einband: 651 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.09.2011
ISBN 9783608938975
Genre: Romane

Rezension:

Das Ghetto von Łódź steht für die maßlosen Verbrechen des Dritten Reiches an seinen jüdischen Mitbürgern. Es steht aber auch für die Frage, was tun, wenn man als Mensch dem unfassbar Bösem gegenüber steht?

Dieser Frage geht Steve Sem-Sandberg nach, in dem er der historischen Gestalt des "Judenältesten" Mordechai Chaim Rumkowski literarisch nachspürt. Sem-Sandberg nimmt den Leser mit auf die Reise durch das Ghetto, auf eine Reise durch die Gedanken und Gefühle der eingesperrten Elenden und ihres Anführers.

Es fällt schwer, dem Autor immer zu folgen: Nicht sprachlich, sondern seelisch. Zwischendurch will man sich gerne abducken und dem Grauen entziehen. Das liegt nicht nur an den furchtbaren Szenen. Es liegt vor allem an der Auseinandersetzung mit uns selber. Welche Hoffnungen hätten wir in der Situation genährt? Wie hätten wir an Rumkowskis Stelle entschieden, als die deutschen Besatzer die Alten und Kinder forderten und im Gegenzug die Sicherung der verbleibenden Arbeiter im Ghetto in Aussicht stellten? Wären wir überhaupt an Rumkowski Stelle gewesen?

Klar, die Fragen sind nicht neu. Aber sie wurden zumindest literarisch selten so eindringlich gestellt. Und vielleicht führt ein Bestseller wie dieser dazu, dass sich auch Leute diese Fragen stellen, die bisher keinerlei Verbindung zwischen sich und der Nazizeit ziehen konnten oder den Naziterror von heute für eine Randerscheinung halten, die sie ja nichts angeht.

Das Buch ist in jedem Falle lesenswert, aber nur in stabiler Seelenlage empfehlenswert.

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Tags: 2. weltkrieg, ghetto, mitschuld, schuld, shoa   (5)
 

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familie, mysterium, verlust, liebe, verschwinden

Geschichte eines Verschwindens

Hisham Matar , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 189 Seiten
Erschienen bei Luchterhand Literaturverlag, 25.07.2011
ISBN 9783630872452
Genre: Romane

Rezension:

Ägypten ist in den letzten Monaten in aller Munde. Ein Grund mehr, sich mit literarischen Werken über das Land am Nil zu beschäftigen. Quasi Druckfrisch fiel mir Hisham Matars jüngster Roman "Geschichte eines Verschwindens" in die Hand. Die Hauptfigur des Romans ist Nuri el-Alfi. Matar begleitet ihn von der Kindheit bis zum Schulabschluss in den 60iger und 70iger Jahren. Nurus geliebte Mutter stirbt früh und hinterlässt dem Kind das Rätsel um ihren Tod und einen kühlen, ständig abwesend wirkenden Vater Kamal. Während eines Urlaubes treffen Vater und Sohn die junge und schöne Mona. Nuri ist sofort Feuer und Flamme für sie und empfindet gerade deshalb die Heirat seines Vaters mit ihr als Zumutung. So ist seine Abschiebung in ein englisches Internat Qual und Erlösung zugleich. Doch dann verschwindet der Vater spurlos in der Schweiz. Und nach einer anfänglich engen Trauergemeinschaft mit seiner Stiefmutter bleibt der Zwölfjährige allein zurück. Nach dem Abschluss des Internats findet er die Kraft, auf den Spuren seines Vaters zu wandeln und so für sich die Hintergründe seiner Familie auszuleuchten. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen dem Tod seiner Mutter, dem Verschwinden des Vaters und der Sprachlosigkeit der Stiefmutter. So kann er seinen Frieden schließen mit sich, den Toten und den Überlebenden. Matar gelingt es, einfühlsam das private Schicksal des Jungen zu schildern und den Leser in die ägyptische Gesellschaft und ihre Werte jener Zeit einzuführen.

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Tags: familie, identität, verlust, verschwinden   (4)
 

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liebe, mord, schuld, frankreich, eifersucht

Leidenschaft

Irène Némirovsky , Eva Moldenhauer
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2011
ISBN 9783442742424
Genre: Klassiker

Rezension:

Was für ein Glück, dass die Werke von Irène Némirovsky in den letzten Jahren auf Deutsch erschienen sind. Ich lese ihre Romane leidenschaftlich gerne. Und wenn dann der Titel auch noch "Leidenschaft" lautet, muss ich natürlich zugreifen.

In dem schmalen Bändchen erzählt Némirovsky von zwei Affären. Die junge Colette, frisch verheiratet mit Jean, hat eine heftige Affäre mit Marc. Dann kommt Jean unter mysteriösen Umständen ums Leben und Colette schämt sich ihrer Leidenschaft für Marc. Die Geschichte wird begleitet von den moralischen Kommentaren ihrer Eltern und des Cousins ihrer Mutter, Silvio. Gegen Ende erfährt der Leser, dass ausgerechnet Colettes Mutter und ihr Vetter Silvio eine Liason hatten. Die gemeinsame Tochter wurde nach der Geburt "abgeschoben", damit der Fehltritt in der Gesellschaft nich bekannt wurde.

Irène Némirovsky prangert hier die Doppelmoral ihrer Elterngeneration an. Sicher vieles hat sich verändert. In manchen Belangen sind wir heute toleranter. Ein uneheliches Kind ist keine Schande mehr. Es ist ein gleichwertiges Mitglied der Gesellschaft. Dennoch urteilen wir täglich über andere, obwohl wir selbst eine Menge Schuld oder Verantwortung mit uns herum tragen. Das Buch ist damit aktuell wie eh und je!

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Tags: heuchelei, liebe, schweigen   (3)
 
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