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Der stumme Tod

Volker Kutscher , Reiner Schöne
Audio CD
Erschienen bei Argon, 26.09.2018
ISBN 9783839893951
Genre: Krimi und Thriller

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 43 Rezensionen

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Mexikoring

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518468944
Genre: Krimi und Thriller

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hamburg, kiez, organisiertes verbrechen, staatsanwältin

Blaue Nacht

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.05.2017
ISBN 9783518467985
Genre: Krimi und Thriller

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 2 Rezensionen

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Revolverherz

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.05.2009
ISBN 9783426500378
Genre: Romane

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Tags: band 1, hamburg, skalpell, st. pauli   (4)
 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

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Corruption

Don Winslow , Chris Hirte
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.08.2018
ISBN 9783426305317
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: cop, drogenhandel, fbi, harlem, nypd   (5)
 

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159 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 103 Rezensionen

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Der Abgrund in dir

Dennis Lehane , Steffen Jacobs , Peter Torberg
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070392
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann. Er stolperte mit einem seltsam wissenden Gesichtsausdruck rücklings, als ob er schon immer geahnt hätte, dass sie es tun würde. Gleichzeitig wirkte er auch überrascht. Sie nahm an, dass sie ähnlich aussah. Anfang 

 

Rachel und Brian 

Rachel Childs wächst alleine bei ihrer Mutter, der prominenten Psychologin Elisabeth Childs auf. Ihr Vater, ein Kunstgeschichtsdozent hat die Familie früh verlassen, als Rachel noch ganz klein war. Rachels Mutter ist ein schwieriger Charakter und obwohl sie als Autorin von Ratgeber-Büchern eine kleine Berühmtheit erlangt hat, dominiert sie Rachels Kindheit durch ihre stete Verbitterung. Die permanent unglückliche Frau will Rachel nichts über ihren Vater verraten, und nimmt dieses Geheimnis nach ihrem frühen Unfalltod mit ins Grab. Rachel ist siebzehn Jahre alt, als sie sich verzweifelt auf die Suche nach ihrem Vater macht. Dabei lernt sie Brian Delacroix kennen, der ihr als Teilzeit-Detektiv zur Seite steht.

 

Rachel macht Karriere als Fernsehjournalistin und ihr Gesicht wird schnell im ganzen Land bekannt. Ihre Arbeit führt sie auch in Krisengebiete, bis ein Einsatz auf Haiti zu einem Nervenzusammenbruch vor laufender Kamera führt. Die Erlebnisse nach der schweren Naturkatastrophe werfen sie komplett aus der Bahn und sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück. Es kommt zu einem Karriereknick, auch weil Angstzustände fortan ihr Leben bestimmen und sie kaum noch das Haus verlässt.

 

Zufällig taucht Brian Delacroix erneut in ihrem Leben auf und die beiden werden ein Paar. Er steht Rachel in dieser schweren Zeit bei, in denen sie von Panikattacken überfallen wird. Doch ein unbestimmtes Gefühl nagt an ihr und es mehren sich die Zeichen, dass Brian nicht der ist, der er vorgibt. Sie beginnt ihm zu misstrauen und versucht seiner wahren Identität auf die Spur zu kommen.

  

Teil Eins

In dieser ersten Hälfte des Buches steht der psychologische Aspekt im Vordergrund und wir erfahren viel über Rachels familiären Hintergrund. Die Charaktere werden behutsam aufgebaut und Rachel als Protagonistin kommt einem wirklich nah. Ihre schon fast zwanghafte Suche nach dem Vater ist nach einem Leben mit der unterkühlten Mutter absolut nachvollziehbar. Auch wenn der Roman hier mehr Belletristik ist, fand ich diese ruhigen Passagen wunderbar zu lesen und Lehanes tiefgründige Art zu schreiben hat mich gefesselt und in den Bann gezogen.

 

In diesem literarischen Teil gelingt es Lehane, durch die intensive Erzählweise subtile Spannung aufzubauen und neugierig auf die Auflösung zu machen. Deutlich spürbar ist, dass der amerikanische Krimiautor, der, bevor er „Creative Writing“ studierte, auch als therapeutischer

Berater gearbeitet hat, großen Spaß an der Entwicklung seiner Figuren empfindet und ihm die

Psychologisierung sehr wichtig ist. 

 

Teil Zwei

Deshalb frage ich mich, ob der gleiche Autor für die zweite Hälfte verantwortlich ist. Hier mutiert der Roman zum Action-Thriller und ein Cliffhanger jagt den nächsten. Das ist ohne Frage extrem spannend und auch gut geschrieben, auch wenn es an einigen Stellen an Logik und Glaubwürdigkeit mangelt. Die Protagonistin entwickelt sich von einer angstbesetzten Frau, die unter Panikattacken leidet, viel zu schnell zur taffen Superheldin. 

Was mich aber wirklich stört, ist der fehlende Bogen zur literarischen ersten Hälfte. Die so hervorragend aufgebauten Handlungsstränge werden nicht wieder aufgegriffen, verlaufen einfach im Sande oder werden nicht richtig aufgelöst. Rachels Suche nach ihrem Vater nimmt einen großen Teil der Geschichte ein, ist aber eigentlich nur für ihre Charakterentwicklung wichtig und spielt überraschenderweise und für mich enttäuschend für den eigentlichen Thriller keine Rolle. 

  

Fazit 

Der Thriller lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück und ich habe mich mit der Bewertung schwer getan. Der amerikanische Krimiautor, dessen Bücher „Mystic River“ und „Shutter Island“ bereits erfolgreich verfilmt wurden, hatte vielleicht schon das Drehbuch zum Film im Kopf und überfrachtet zum Ende hin mit zu vielen Wendungen und Twists, die die Geschichte unnötig unüberschaubar machen. Die Auflösung kommt dann auch ein wenig zu glatt daher. Andererseits blitzt an einigen Stellen sein literarisches Genie durch und es gibt ein paar wunderbar spannende Szenen. 

Ich rätsele wirklich, was Lehanes Intention war, denn der Roman ist in weiten Teilen eine Mischung aus Thriller, Drama, Liebes- und Gaunergeschichte sowie psychologischer Spannungsroman. Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

Herausgekommen ist aber leider ein zerrissenes Buch, dem es an Homogenität fehlt. 


Ich vergebe 3,5 Sterne





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Tags: angststörung, fernsehjournalistin, haiti, privatdetektiv   (4)
 

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68 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

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Slow Horses

Mick Herron , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070187
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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105 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 70 Rezensionen

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Dreckiger Schnee

Joseph Knox , Andrea O´Brien
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.09.2018
ISBN 9783426522103
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Samstag. Ultraviolette Beleuchtung in der Kabine. Ist bei allen Bars im Zentrum so, denn Drogensüchtige können bei diesem Licht ihre Venen nicht finden und sich folglich auch keinen Schuss setzen. Rubik’s war keine Ausnahme. Es gab natürlich ganz Harte, die die Stelle draußen mit einem Filzstift markierten. Wenn sie danach mit marmorierten Augäpfeln wieder rauskamen, sahen die Kreuzchen auf ihren Unterarmen aus wie blutige Küsschen auf einer Karte. (Auszug Seite 101)


Die Sirenen

Der vermeintlich korrupte Detective Aidan Waits wurde vom Dienst suspendiert, da er Drogen aus der Asservatenkammer entwendet hat. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Inoffiziell soll sich Waits undercover in den Kreis von Geschäftsmann und Drogendealer Zain Carver einschleusen. Die Polizei hat den Drogenbaron schon länger im Visier, konnte ihm aber bisher nichts nachweisen und diverse Razzien laufen ins Leere. Waits Aufgabe ist es, Carvers Kontaktmann bei der Polizei ausfindig zu machen. DC Waits hat auch nicht den besten Ruf, konsumiert selbst Drogen und ist auch dem Alkohol nicht abgeneigt, bringt also die besten Voraussetzungen für den Job mit.

Er scheint auch der perfekte Mann zu sein, um Isabelle Rossiter zu suchen. Die 17-jährige Tochter eines prominenten Politikers ist schon vor einem Monat von zu Hause ausgerissen und im Dunstkreis von Zain Carver aufgetaucht. DC Waits findet Isabelle auf Carvers Anwesen in Fairview während einer seiner wilden Partys, für die er berühmt ist.

Der DC findet heraus, dass Carver minderjährige Mädchen als Drogenkuriere einsetzt, sogenannte Sirenen, so auch der englische Originaltitel. Diese jungen Frauen werden als Eintreiberinnen auf die Straßen und in die Bars und Clubs geschickt. Vor zehn Jahren verschwand eine der Sirenen. Der Fall wurde nie aufgeklärt. Noch bevor Waits der psychisch angeschlagenen Isabelle helfen kann, stirbt sie an einer Überdosis von verunreinigtem Heroin.

Gleichzeitig drängt eine andere Drogenbande in Carvers Imperium, um das lukrative Geschäft zu übernehmen. Es kommt zu einem Bandenkrieg und Catherine, eine von Carvers Vertrauten wird entführt und als Geisel genommen. Waits, der sich ein bisschen in die junge Frau verliebt hat, tut alles um ihr Leben zu retten. Der spannende Weg bis zur Auflösung ist übersät mit Gewalt, Sex, Alkohol und Drogen.


Feierwütiges Manchester

Das Debüt von Joseph Knox entführt den Leser nach Manchester. Aber ins düstere Manchester mit den ganz bösen Jungs. Die einstige Industriestadt hat sich zu einer vergnügungssüchtigen Metropole entwickelt. Der Ich-Erzähler Aidan nimmt den Leser mit auf seinen Höllenritt durch die Unterwelt. Angefangen von der Gosse, in der er zu Beginn der Geschichte orientierungslos liegt bis zu dem Beetham Tower, das höchste Gebäude außerhalb Londons mit Glasfront, in dem die Rossiters in einem Luxus-Penthouses wohnen. Wir bekommen einen Einblick in die Feierszene mit den ganzen Bars, Clubs und Kneipen und auch ein Besuch in der schillernden Schwulenszene darf nicht fehlen. In einer der schlimmsten Szenen haben sich Jugendliche auf einer Party in einem Privathaus verunreinigtes Heroin gespritzt und die meisten müssen unter grausamen Schmerzen sterben.


Eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten

Der Protagonist Aidan Waits ist ein unangepasster, schwieriger Polizist ohne jegliche Illusionen mit einem Hang zu Drogen und Alkohol. Er kommt aus schwierigen sozialen Verhältnissen und hat kaum Freunde. Er verbeißt sich in den Fall und man leidet und fiebert mit ihm mit. Auf der anderen Seite hat er aber auch eine empfindsame Seele und ist mitfühlend. Um die jungen Frauen ist er sehr besorgt und versucht sie zu beschützen. Er handelt oft am Rande der Legalität und steckt im Laufe der Geschichte selbst oft Prügel ein. Klar ist das alles schon mal dagewesen, aber selten wurde das bis ans Ende so perfekt durchgezogen.


In der Tür fiel mein Blick auf mein Spiegelbild. Getrockneter Schweiß und verklumptes Blut am Kopf machten meine Frisur zu einer wilden Mähne. Aber dank der Handschellen passte ich perfekt hierher. Ich gab dem schwergewichtigen Ladyboy an der Tür fünf Pfund und wurde ohne Weiteres durchgewinkt. (Seite 362)


Joseph Knox lässt in seinem Debüt "Dreckiger Schnee" seine Hauptfigur sehr schnell in kurzen Kapiteln und kurzen Sätzen erzählen und erzeugt damit ein großes Tempo. Dabei macht die Vielzahl an unterschiedlichen Figuren und ihre Verstrickungen untereinander es manchmal etwas schwierig, durchzusteigen. Der Schreibstil ist nicht besonders gefällig und ich stolperte am Anfang auch über einige phantasievolle Formulierungen und Beschreibungen. Da verkrampfen sich Münder zu faltigen Wutwülsten oder Augen fixieren mit Kreuzblick. Die Atmosphäre ist durchgehend düster, wird nur durch die lakonische Sprache, die sehr cool und oft auch melancholisch rüberkommt, unterbrochen und zieht sich durch das ganze Buch. Die Dialoge sind dem Milieu angepasst. Ich vermute, dass manchem Leser die eindringlichen und schockierenden Einblicke in die Drogenszene und die Gewaltexzesse ein bisschen zu viel sind. Mich hat der Thriller und die authentischen Charaktere, einmal darauf eingelassen, sehr fasziniert.


Punkmusik aus den 80ern

Die Musik von Joy Division zieht sich durch die ganze Geschichte. Die Punkband aus Manchester war berühmt für ihre traurig düstere und verstörende Musik und der depressive Charakter machte den Sound unverwechselbar. Die fünf Teile des Buches sind mit Alben der Band aus den 80er Jahren überschrieben.

Josep Knox ist in Manchester geboren und aufgewachsen. Der ehemalige Buchhändler lebt mittlerweile in London. Dreckiger Schnee ist sein Thriller-Debüt und der Auftakt zu einer Reihe. Der zweite Teil der Aidan-Waits-Reihe ist bereits in Großbritannien erschienen.



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Tags: band 1, drogen, manchester   (3)
 

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Die Vögel

DAPHNE DU MAURIER
Audio CD
Erschienen bei vitaphon, 18.06.2018
ISBN 9783942210492
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

arabischer frühling, cia, nordafrika, spionage

Die Kairo-Affäre

Olen Steinhauer , Rudolf Hermstein
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.09.2015
ISBN 9783453438149
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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204 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 132 Rezensionen

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Ins Dunkel

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.07.2018
ISBN 9783499274732
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Später waren sich die vier Frauen nur in zwei Dingen einig. Erstens: Niemand hatte gesehen, wie die Wildnis Alice Russell verschluckte. Und zweitens: Alice hatte eine so scharfe Zunge, dass man sich daran schneiden konnte. Auszug Seite 7


Teambildende Maßnahmen

Mehrere Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft machen eine Trecking-Tour in den australischen Busch und folgen einer Route durch ein Wandergebiet.


Teambuilding heißt das Stichwort und die Firma praktiziert das jedes Jahr. Es werden zwei nach Geschlechtern getrennte Gruppen gebildet und ausgerüstet mit Rucksäcken, Kompass und Landkarten geht es ab in die australische Wildnis. Während die Männer drei Tage später pünktlich am vereinbarten Treffpunkt erscheinen, fehlt von den fünf Frauen jede Spur. Schnell wird ein Suchtrupp gebildet, denn vermutlich stoßen die Outback-unerfahrenen Frauen in der unerbittlichen Natur fernab jeglicher Zivilisation und auf sich alleine gestellt schnell an ihre physischen wie psychischen Grenzen. Als sie viel später verletzt und am Ende ihrer Kräfte aus der Wildnis auftauchen, fehlt eine von ihnen und zwar Alice Russell. Und hier kommt Aaron Falk von der Bundespolizei ins Spiel, den mancher Leser vielleicht noch aus dem Vorgängerband „The Dry“ kennt. Er arbeitet in Melbourne bei der Steuerfahndung und Russell war sein Verbindungsglied. Als Informantin sollte sie für ihn Firmengeheimnisse aus dem Archiv der Kanzlei besorgen. Denn gegen die Firma wird wegen dem Verdacht der Geldwäsche ermittelt.


Zickenkrieg in der Wildnis

Parallel werden zwei Erzählstränge geschildert. In der Gegenwart begleiten wir Aaron Falk und seine Kollegin Carmen Cooper auf der Suche nach Alice Russell. Diese hatte Falk mit einem Handy, das sie trotz Verbotes mit auf die Tour geschmuggelt hatte, versucht zu erreichen und einen kryptischen Hilferuf abgesetzt. Auch die Presse stürzt sich auf den Fall, denn Alice verschwand in einem Gebiet, in dem vor Jahren ein Serienmörder sein Unwesen trieb. Dieser wurde gefasst, aber sein letztes Opfer wurde nie gefunden und sein Sohn gilt seit einiger Zeit als verschollen.


In einem weiteren Erzählstrang wird in chronologischen Rückblenden auf das tatsächliche Geschehen, die Wanderung der Frauen geschildert. Die von Beginn an schwelenden Konflikte, in der aus verschiedenen Hierarchien zusammengesetzten Truppe verstärken sich noch, als sie vom Weg abkommen, sich verlaufen und die Vorräte knapp werden. Besonders die dominante Alice weiß eigentlich alles besser und als die Kolleginnen beschließen, während der Dunkelheit und beißenden Kälte in einer Hütte zu rasten, macht sie sich schließlich gegen den Widerstand der anderen alleine auf den Weg. Die australische Autorin beschreibt sehr präzise, wie der Ton langsam rauer wird, die Umgangsformen sich verabschieden und schlussendlich die Gewalt eskaliert. Das harmlose Tekking-Abenteuer läuft aus dem Ruder und entwickelt sich zum Alptraum. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten kooperieren nicht wirklich und tragen lieber Machtkämpfe aus, sodass die Gruppe sehr schnell instabil wird.


In dem Chaos, in der Dunkelheit, war es unmöglich zu sagen, welche der vier sich nach Alice' Befinden erkundigt hatte. Hinterher, als alles noch schlimmer wurde, sollte jede behaupten, sie wäre es gewesen. Auszug Seite 9


Meine Meinung

In kurzen Kapiteln springt Jane Harper immer hin und her. Sie streut falsche Fährten, arbeitet mit Cliffhängern und setzt das gefahrenvolle Setting des australischen Dschungels gekonnt in Szene. Das ist spannend und fesselnd geschrieben, über weite Strecken unterhaltend und lässt sich schnell weg lesen. Wie schon in ihrem mit dem CWA Golden Dagger ausgezeichneten Debüt „The Dry“ spielt die australische Landschaft eine gewichtige Rolle und Harper nimmt sich sehr viel Zeit für die Beschreibung des undurchdringlichen Dickichts. Trotzdem kann dieser zweite Band um Aaron Falk nicht an die Atmosphäre und Komplexität ihres ersten Thrillers heranreichen. Manche Finten waren mir auch zu offensichtlich und durchscheinend, glichen eher einem Budenzauber.


Auf die kriminellen Aktivitäten der Kanzlei hätte man noch genauer eingehen können, denn man erfährt über die schmutzigen Geschäfte sehr wenig. Während der Protagonist Falk gut ausgearbeitet und ein grundsolider, zurückhaltender Sympathieträger ist, waren mir die anderen Figuren alle ein bisschen zu blass gezeichnet, sodass man nicht richtig mit ihnen mitfiebert.


Überrascht war ich von der Häufigkeit der Tippfehler, die sich eingeschlichen haben und meinen Lesegenuss minderten.


Alles in allem ist „Ins Dunkel“ leichtgängige, spannende Unterhaltung, die zum Miträtseln einlädt.

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Tags: australien, band 2, dschungel, wanderung   (4)
 

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52 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

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Macbeth

Jo Nesbø , André Mumot
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.08.2018
ISBN 9783328600176
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?

A. J. Finn , Christoph Göhler , Nina Kunzendorf
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 19.03.2018
ISBN 9783837141481
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Agoraphobie ist die übertriebene Angst, die durch bestimmte Orte oder Situationen, wie das Überqueren eines Marktplatzes ausgelöst wird. Im Extremfall können die Betroffenen die eigene Wohnung nicht mehr verlassen. Tatsächlich ist diese grundlose, unrealistisch starke Furcht die am häufigsten vorkommende Angststörung. Das Wort bildet sich aus dem Altgriechischen: Agora = der Marktplatz und Phobie = die Furcht. Die in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommene Platzangst meint ganz etwas anderes und beschreibt eher das Gegenteil.


Mord am Fenster

Unter dieser Angststörung leidet Anna Fox, die nach einem traumatischen Erlebnis ihr großes Haus in Harlem in New York seit circa zehn Monaten nicht mehr verlassen hat. Sie lebt von ihrer Familie getrennt und ist mit ihrem Mann Ed und Tochter Olivia nur telefonisch in Kontakt. Die Souterrain-Wohnung hat sie an den gutaussehenden David untervermietet, der ihr mit handwerklichem Geschick zur Seite steht. Die ehemalige Kinderpsychologin hat nicht viele soziale Kontakte und verbringt ihre Zeit mit Online-Schach, alten Schwarz-Weiß-Filmen und dem Beobachten ihrer Nachbarn, vorzugsweise durch ihre Nikon. Außerdem chattet sie mit Gleichgesinnten in einem Online-Forum, in dem sie psychologische Ratschläge gibt und mit ihrem Fachwissen zur Verfügung steht. Anna selbst ist in ärztlicher Behandlung und bekommt regelmäßig Besuch von ihrem Psychiater Dr. Fielding und ihrer Physiotherapeutin Bina.


Eines Tages beobachtet sie, wie gegenüber eine neue Familie einzieht. Jane und Alistair Russel mit ihrem schlaksigen Teenagersohn Ethan, die sie auch alle nacheinander kennenlernt. Mutter und Sohn sind ihr sofort sympathisch und das bringt ein bisschen Abwechslung in das Leben der einsamen Frau.


Kurz darauf wird Anna Zeuge, wie ihre Nachbarin Jane überfallen wird und blutend vor dem Fenster zusammen bricht. Sie ruft die Polizei und versucht zu helfen. Als sie sich tatsächlich überwindet, das Haus zu verlassen, bricht sie zusammen und wacht im Krankenhaus wieder auf. Niemand glaubt ihr, da keine Leiche gefunden wird. Und man präsentiert ihr eine Jane Russel, die sie aber nicht kennt. Anna ist auch keine besonders glaubwürdige Zeugin, da sie aufgrund ihre Erkrankung täglich Unmengen an Psychopharmaka nimmt, die sie mit literweisem Rotwein runterspült. Auch Anna selbst zweifelt und weiß nicht, ob sie sich nicht alles nur eingebildet hat.


Im letzten Drittel des Romans stellt eine überraschende Enthüllung, die ich als pfiffiger Krimileser schon auf dem Plan hatte, noch mal Annas Glaubwürdigkeit total auf den Kopf.


Das Fenster zum Hof

Man denkt natürlich sofort an „Das Fenster zum Hof“, den Hitchcock-Klassiker mit James Stewart von 1954, in dem ein Fotograf wegen eines gebrochenen Beines ans Haus gefesselt ist und aus Langeweile seine Nachbarn beobachtet. Oder die Jüngeren unter uns vielleicht an Disturbia, dem US-amerikanischen Remake von 2007 mit Shia LaBeouf. Auch wenn man zugeben muss, dass es sämtliche Storykomponenten schon mal so oder ähnlich gab, finde ich nicht, dass A.J. Finn hier phantasielos abkupfert. Mit seiner Schilderung von Annas großer Liebe zu den Filmklassikern sehe ich es eher als eine Art Verbeugung. Finn erfindet das Genre nicht neu, er spielt mit den einzelnen bekannten Formen wie der unzuverlässigen Erzählerin, falschen Wahrnehmungen, dem gutmütigen Polizisten und einigen anderen zwielichtigen Figuren.

Mädchen und Frauen kommen ja zur Zeit inflationär in Buchtiteln vor und in dieser Tradition der Girl/Women –Thriller setzt der Autor die Protagonistin Anna perfekt in Szene. A.J. Finn nimmt sich in seinem Debüt viel Zeit, um den Tagesablauf der psychisch Kranken minutiös zu beschreiben. Man schlüpft in Annas Haut, da aus ihrer Perspektive erzählt wird und begleitet sie durch das große Haus. Zum Schluss zieht die Spannungskurve noch mal an und es kommt zu einem dramatischen Showdown mit überraschender Auflösung.


Trotz ausführlicher Darstellungen und detaillierter Beschreibungen hatte ich nie ein Gefühl von Langeweile. Das kann aber auch daran liegen, dass es sich bei dem Hörbuch um eine gekürzte Version handelt, wobei auch der hervorragende Vortrag der Schauspielerin Nina Kunzendorf maßgeblich ihren Anteil hat.


Der Autor A.J. Finn ist tatsächlich ein Mann, womit ich nicht gerechnet hatte. Als der in New York lebende Journalist 2015 erfuhr, dass er an einer bipolaren Störung leidet, fing er mit dem Schreiben an dieser Story an. Er verarbeitet mit diesem Debüt seine eigenen Depressionen. Dabei gelingt es ihm sehr glaubwürdig und präzise, die inneren Ängste zu beschreiben. Die Panik vor der Welt außerhalb der eigenen vier Wänden ist jederzeit greifbar und ich konnte sie regelrecht nachempfinden. Er schreibt flüssig, in kurzen Kapiteln und mit trockenen Humoreinschüben.


Ich bin sicher, dass die Verfilmung nicht lange auf sich warten lässt.

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Tags: agoraphonie, fenster, filmklassiker, hitchcock   (4)
 

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

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Fiona: Den Toten verpflichtet

Harry Bingham , Kristof Kurz
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 26.06.2018
ISBN 9783499291357
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

So richtig entspannen kann ich mich nur, wenn ich nicht im Stadtzentrum bin – wo ich leider Gottes arbeite -, sondern nach Butetown fahre. In Butetown trinkt man lieber Tee als Kaffee, und weder das eine noch das andere kostet 2,50 Pfund die Tasse. Klar, hin und wieder wird in Butetown eine Drogensüchtige ermordet, oder man findet ein kleines Mädchen, das sein Leben unter einem hochwertigen Spülbecken ausgehaucht hat. Verbrechen, die man sehen, und Opfer, die man berühren kann, sind mir trotzdem lieber. Auszug Seite 39

In einem kleinen Kaff in der Nähe von Cardiff wird die junge, drogensüchtige Prostituierte Janet Mancini in einer Wohnung, die einem vermüllten Dreckloch gleicht, tot aufgefunden. Eine Todesursache lässt sich nicht sofort feststellen. Neben ihr liegt ihre sechsjährige Tochter April, die auf grausamste Weise mit einem Spülbecken erschlagen wurde. Mancinis traurige Biografie führt über verschiedene Heime und Pflegefamilien in die Drogenabhängigkeit und Schwangerschaft. Neben ihrer Leiche wird eine Kreditkarte gefunden. Diese gehört einem millionenschweren Transportunternehmer, der vor einigen Monaten bei einem Flugzeugabsturz mit seiner Privatmaschine ums Leben kam.



Operation Lohan

Die Ermittlung des brutalen Doppelmordes wird intern nach der Schauspielerin Lindsay Lohan benannt, die genau wie das Opfer rothaarig ist und Probleme mit Alkohol und Drogen hat. Die junge Polizistin Detective Constable Fiona Griffiths, die grade mit langweiligen Routinearbeiten beschäftigt ist, soll mit zum Ermittlungsteam gehören. Die ehrgeizige Fiona ist froh und verbeißt sich in den Fall. Immer wieder handelt sie auf eigene Verantwortung, schießt dabei oft übers Ziel hinaus und nervt mit ihren Alleingängen ihren Chef.

Die hochintelligente Fiona wirkt auf ihre Mitmenschen manchmal etwas verschroben und hat große Probleme mit dem sozialen Miteinander. Schon im Prolog wird angedeutet, dass sie als Teenager sehr krank war. Welche Krankheit das war, bleibt bis zum Schluss geheim und sorgt für zusätzliche Spannung. Man ahnt, dass es sich um eine psychische Erkrankung handeln und ein traumatisches Ereignis in ihrer Vergangenheit sie nachhaltig geprägt haben muss. Sie kann nicht gut mit menschlichen Gefühlen umgehen und emotionale Reaktionen sind ihr sogar ganz fremd. Um sich angemessen zu verhalten, imitiert sie meistens ihre Mitmenschen.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive Fionas und so erhält der Leser Einblick in ihre teilweise sehr schrägen Gedanken. Das ist gottseidank sehr unterhaltsam, da ihr Ton oft beißend sarkastisch ist, besonders in Bezug auf ihre eigenen Diskrepanzen.



Die Superheldin Fiona

Auch wenn sehr viel Polizeiarbeit geschildert wird, nehmen die unkonventionelle Ermittlerin und ihre Psyche viel mehr Raum ein als die eigentliche Aufklärung des undurchsichtigen Kriminalfalles. DC Griffiths überschreitet ein ums anderer Mal ihr Kompetenzen, hält sich nicht an Regeln, übergeht Anweisungen und operiert am Rande der Legalität. Dabei beweist sie aber auch oft einen untrüglichen Instinkt für die richtige Spuren und bringt die Ermittlungen nach vorne.

Harry Bingham hat mit Fiona und ihren Beobachtungen auf die Welt einen interessanten und sympathischen Charakter geschaffen, der das Zeug für weitere Bände hat. Während ich den Anfang noch hochspannend fand, verliert die Story leider an Fahrt, bevor Superheldin Fiona im Finale über sich hinauswächst und fast im Alleingang die Verbrecher zur Strecke bringt. Fesselnder als die Aufklärung des brutalen Doppelmordes, präsentiert sich für mich Fionas Persönlichkeitsstörung.

Binghams Schreibstil ist flüssig und humorvoll, einfallsreich und intelligent mit viel Waliser Lokalkolorit. Der Kriminalroman lebt von der Eigentümlichkeit der Polizistin Fiona und das geht leider zu Lasten des Spannungsbogens.

Im letzten Jahr erschien der 3. Fall der Reihe als Hardcover und nach großem Erfolg hat der Verlag dieses Jahr mit der Taschenausgabe auch die ersten beiden Bände des britischen Autors veröffentlicht. Band vier und fünf sollen 2019 folgen.




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Der Schuss

Christian Linker
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423740272
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das ist ja typisch, denkt Tatjana. Alle Zeitungen schreiben über den Mord an Emil, aber keiner traut sich zu schreiben, dass der Mörder Türke ist. Was die Zeitungen schreiben und was nicht, weiß sie natürlich nicht aus der Zeitung, sie ist ja nicht blöd. So was zu lesen wäre Schwachsinn, wo doch da nur Lügen drinstehen. Presse, Radio,Fernsehen, die sind ja alle von der Regierung gesteuert. Gott sei dank gibt es Facebook. (Auszug Seite 73)


Meine Straße, mein Zuhause, mein Block

In dem spannenden Jugendroman "Der Schuss" geht es um den siebzehnjährigen Robin Fuchs, der zufällig Zeuge eines Mordes wird. Der Teenager lebt mit seiner jüngeren Schwester Mel und seiner Mutter in einem Block in einer Hochhaussiedlung am Rande einer deutschen Großstadt. Nach dem Tod des Vaters hat er die Schule geschmissen und für den gleichaltrigen Hakan Topal gedealt. Er wurde straffällig und bekam eine Bewährungsstrafe. Um diese nicht zu gefährden, versucht er sich aus allem rauszuhalten und will eigentlich auch aus dem Drogengeschäft aussteigen.

Eines Abends sieht er, wie Emil Becker, ein Anhänger der „Deutschen Alternativen Partei“, bei dem Versuch, einem Journalisten belastendes Material zu übergeben, von rechtsextremen Mitgliedern der Partei erstochen wird. Auch der Journalist und Blogger, Magnus Mahlmann wird bei dem Gerangel in der Garage schwer verletzt, kann aber flüchten. Robin hilft dem Schwerverletzten, indem er Erste Hilfe leistet und anonym einen Krankenwagen ruft. Bevor er sich aus dem Staub macht, kann ihm der Journalist aber noch einen Stick geben.


Blogger im Koma

Während Magnus im Krankenhaus in einem künstlichen Koma liegt, gelingt es den Rechtsextremen, den Mord Hakan Topal in die Schuhe zu schieben und der Drogendealer wird als Tatverdächtiger verhaftet. Fast alle Bewohner des Blocks sind der Meinung, dass Hakan, dem nie etwas nachgewiesen werden konnte, endlich seine gerechte Strafe bekommt. Fred Kuschinski ist ein etwas älterer Freund aus Kindertagen, der mittlerweile mit der DAP für den Bundestag kandidiert. Der charismatische Politiker nutzt die Situation aus, um Fremdenhass zu schüren und initiiert tägliche Mahnwachen. Diese werden von vielen Anwohnern und auch von Robins Schwester Mel besucht. Robin ist in einem Zwiespalt. Soll er sich weiter raushalten oder die Wahrheit ans Licht bringen?

Meine Mutter wäre sicher stolz auf mich. Sich raushalten und bloß nicht die Klappe aufmachen, das ist bei uns nämlich so eine Art Familienmotto.  (Seite 6)

Indem Autor "Christian Linker" sein zumeist jugendliches Figurenpersonal abwechselnd von Kapitel zu Kapitel berichten lässt, werden verschieden Blickwinkel beleuchtet und man kann die Gedankenwelt von fast zehn Charakteren gut nachvollziehen. Robin als Protagonist erzählt als Einziger in der Ich-Form und das bringt besonders seine Beweggründe nahe. Am Beispiel Mel wird deutlich, wie grade junge Menschen mit Hetzkampagnen und Halbwahrheiten für die rechte Szene begeistert werden können. Der jugendliche Leser kann sich leicht mit den Figuren identifizieren. Der Autor erzählt authentisch und hat einen leicht lesbaren, hochaktuellen Krimi geschaffen, indem auch die Trostlosigkeit der wohnlichen Gegebenheiten gut wiedergegeben wird.


Plädoyer für Zivilcourage

Die DAP hat mit der AFD nicht nur das Wort alternativ im Namen gemeinsam. Teilweise geraten Linkers Warnungen etwas zu plakativ, denn ich glaube, dass die AFD viel subtiler und damit gefährlicher agiert. Die Figur des Schlägers „Schädel“ war mir etwas zu eindimensional gelungen. Er wird als gnadenloser Glatzkopf beschrieben, der keine Empathie oder Impulskontrolle zeigt und mit einem Stacheldraht verstärktem Baseballschläger auftrumpft. Mit der Figur des Fred hat Linker allerdings einen ambivalenten Charakter geschaffen. Dieser führt mitreißende Reden, er spricht die Leute an und ist clever und gerissen genug, andere für seine Zwecke zu manipulieren. Der sympathische Robin dagegen ist orientierungslos und auf der Suche nach Identität und Sinn, hat aber sein Gefühl für Richtig und Falsch noch nicht verloren. Es wird ganz deutlich, dass es ihm an Vorbildern oder Identifikationsfiguren fehlt. Da er sich im Laufe der Geschichte entwickelt, handelt es sich bei dem Krimi auch um einen Coming-of-Age-Roman und ein Plädoyer für Zivilcourage.


Über den Autor

Der Roman „Der Schuss“ kam kurz vor der Bundestagswahl 2017 raus und so muss man Christian Linker mit Blick auf die Ergebnisse der AFD schon prophetisches Talent bescheinigen. Die Figur des Magnus Mahlmann kam übrigens bereits 2005 in seinen Roman "Das Heldenprojekt" vor, in dem der investigative Journalist sich mit einer kleinen rechtsextremen Partei anlegte. Und jetzt war einfach mal wieder Zeit, dieses Thema aufzugreifen, befand der studierte Theologe.

 

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Unter der Mitternachtssonne

Keigo Higashino , Ursula Gräfe
Fester Einband: 720 Seiten
Erschienen bei Tropen, 10.03.2018
ISBN 9783608503487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Frau schritt nun zögernd auf die Leiche zu. Vor dem Sofa blieb sie stehen und schaute auf den Toten hinab. Sasagaki merkte, dass ihr Kinn zitterte. „Ist das Ihr Mann?“, fragte Nagatsuka. Ohne zu antworten, legte die Frau die Hände auf die Wangen und bedeckte mit ihnen schließlich ihr ganzes Gesicht. Ihre Knie gaben nach, und sie sank zu Boden. Netter Auftritt, dachte Sasagaki. Auszug Seite 12


Am Anfang steht ein Mord

1973 entdecken spielende Kinder in einem leerstehenden Gebäude zufällig die Leiche des erstochenen Pfandleihers Yosuke Kirihara. Die Ermittlungen unter Kommissar Junzo Sasagaki ergeben, dass das Opfer an diesem Tag einen großen Geldbetrag von der Bank abgeholt hatte und auf dem Weg zu einer Kundin war. Mit dieser Fumiyo Nishimoto, einer alleinerziehenden Witwe, wird ihm ein Verhältnis nachgesagt, was diese bestreitet. Das Geld bleibt verschwunden und trotz großer Bemühungen des ehrgeizigen Kommissars verlaufen auch alle anderen Spuren im Sand. Ein Jahr später stirbt Fumiyo in ihrer Wohnung an einer Gasvergiftung, ob Unfall oder Suizid, wird nie ganz geklärt, und hinterlässt eine zwölfjährige Tochter namens Yukiho.


In den nächsten Kapiteln ist dann von Kommissar Sasagaki erst mal nicht mehr die Rede. Stattdessen werden die Lebenswege von Ryo Kirihara, dem damals elfjährigen Sohn des Pfandleihers und der gleichaltrigen, bildhübschen Yukiho beleuchtet.


Die Wächtergrundel und der Knallkrebs

In diesen Kapiteln erzählt Keigo Higashino sehr ausführlich und detailliert über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren. So wird jedes Kapitel fast zu einer kleinen abgeschlossenen Kurzgeschichte, in der sich die Lebenswege vieler Menschen schneiden. Ein gewiefter Schachzug, denn als Leser grübelt man die ganze Zeit über den großen Zusammenhang und kann ihn nur schwer erahnen. Erst ganz langsam fügen sich die einzelnen Puzzlestücke zu einem Bild zusammen. Das habe ich in dieser Raffinesse noch nicht gelesen. Die Verbindungen und Hintergründe beim Lesen nachzuvollziehen macht einen besonderen Reiz dieses Thrillers aus. Dazu passt, dass der Autor die einzelnen Episoden zuerst für eine Zeitschrift konzipiert und dann diese für seinen 1999 in Japan erschienenen Thriller überarbeitet hatte.


Yukiho investiert viel in Bildung und gutes Benehmen und wird zu einer auffallend schönen und erfolgreichen Geschäftsfrau. Auch Ryo, den immer eine düstere Aura umgibt, ist sehr umtriebig und nutzt die Wirtschaftsblase der 80er Jahre, um mit dubiosen sowie illegalen Geschäften wie zum Beispiel Erpressung, Bankenbetrug oder Wirtschaftsspionage sein Geld zu verdienen. Beide haben an sozialen Kontakten nur soweit Interesse, wenn sie ihre Mitmenschen benutzen können und sind Meister der Manipulation. Beide verstehen es, Menschen in ihren Bann zu ziehen, aber wo sie auftauchen, geschieht ein Unglück. Der subtile Thrill entsteht durch die Betrachtung dieser beiden rücksichtslosen Intriganten.


Obwohl sie in den Kapiteln nie aufeinander treffen, ahnt man irgendwann, dass Yukiho und Ryo eine besondere Verbindung haben. Der Kommissar vergleicht das mit einem Beispiel aus dem Tierreich: Grundel und Knallkrebs gehen eine Art Symbiose ein, indem sie sich zum Beispiel vor Gefahren warnen. Diese Kapitel sind auch eine Zeitreise in die 80er Jahre und ermöglichen einen Einblick in die japanische Gesellschaft und fremde Kultur. Es ist der Beginn des Computerzeitalters und man nimmt teil an den Anfängerjahren der Videospiele wie das bekannte Super Mario Bros. oder das Benutzen der ersten Geldkarten. Man lernt dabei auch einiges über die Mentalität der Japaner.


Cold Case

Zwanzig Jahre nach dem Tod des Pfandleihers sind die Ermittlungen natürlich schon lange eingestellt. Der Kommissar ist inzwischen in Rente, aber der Fall hat ihn nie losgelassen. Und so verfolgt er beharrlich weitere Spuren, ermittelt auf eigene Faust und engagiert sogar einen Detektiv. Als Leser hat man inzwischen eine Ahnung, aber das Motiv wird erst auf den letzten Seiten enthüllt. Der Autor überrascht mit einer stimmigen Auflösung, wenn zum Schluss alle Handlungsfäden zusammengeführt werden. Es erfordert eine große Aufmerksamkeit, damit man kein Detail überliest.

Higashino bedient sich einer klaren, fast emotionslosen Sprache. Sein Figurenpersonal ist immens, aber er verzichtet darauf, seine Charaktere psychologisch zu analysieren. Stattdessen berichtet er distanziert und fast dokumentarisch von außen wie ein Beobachter aus der Ferne.

Eine große Herausforderung waren die vielen japanischen für europäische Ohren ähnlich klingenden Namen für mich. Ohne das beiliegende Namensverzeichnis einschließlich Kurzbiographien der wichtigsten Personen wäre ich verloren gewesen.


Keigo Higashino hat mit „Unter der Mitternachtssonne“ einen außergewöhnlichen, brillant konstruierten Thriller auf über 700 Seiten kreiert, den ich auch nach dem Lesen nicht so schnell vergessen werde, ganz großes Kino, auch ohne große Action und viel Blutvergießen.


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Krokodilwächter

Katrine Engberg , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.03.2018
ISBN 9783257070286
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Einen Krimi zu schreiben ist ungefähr ähnlich schwierig wie der Versuch, einen Zopf aus Spinnweben zu flechten; tausend Fäden kleben an den Fingern und reißen, wenn man sich nicht konzentriert. (Auszug Seite 333)


"Krokodilwächter" ist der Auftaktband einer neuen dänischen Spannungsreihe. Und der Anfang hat es schon in sich! Der betagte Gregers Hermansen wohnt in dem Haus der ehemaligen Professorin Esther de Laurenti in der Kopenhagener Innenstadt. Die leicht exzentrische Esther lebt mit zwei Möpsen zusammen und bessert mit der Vermietung der restlichen Wohnungen ihre Rente auf. Ihre Tage verbringt sie mit zu viel Rotwein und sie hat angefangen, an einem Kriminalroman zu schreiben. Eines Morgens stolpert Gregers beim Müllrausbringen buchstäblich über die Leiche der grausam ermordeten Julie in der Wohnung unter ihm. Die Studentin wurde mit zahlreichen Messerstichen im Gesicht schrecklich zugerichtet und Gregers erleidet einen Herzinfarkt.

Vom Kopenhagener Polizeihauptquartier kommen die Polizeiassistenten Jeppe Kørner und Anette Werner und beginnen mit ihren Ermittlungen. Julie war erst vor kurzem mit ihrer Freundin Caroline aus dem ländlichen Jütland in die Großstadt gezogen.


Romanvorlage für einen Mord

Die Spurensicherung ergibt, dass Julie sich gewehrt haben muss und trotz der vielen Schnitte an einem Schlag mit einem schweren Gegenstand starb. Die Hinweise deuten in verschiedene Richtungen. Da ist der junge Theatergarderobier Kristoffer, der Esther Gesangsstunden gab und sich sehr in Julie verliebt hatte. Sie hatte diese Gefühle aber nicht erwidert, sondern einen älteren Mann auf der Straße kennen gelernt, um den sie ein großes Geheimnis machte. Auch diese Spur verläuft im Sand. Die Professorin gerät in Verdacht, da die Vorgehensweise des Mordes direkt aus ihrem Romanmanuskript zu kommen scheint. Wer kannte das Manuskript, hatte es als Vorlage für den Mord benutzt und dann ein Foto der Leiche ins Netz gestellt? Esther hatte erst die ersten drei Kapitel fertiggestellt und online in einer Schreibgruppe veröffentlicht. Die alte Dame kämpft mit Schuldgefühlen, denn es war ihr erster Roman und sie hatte darin ihr Umfeld mit eingebaut und ihre jugendliche Untermieterin zum Opfer werden lassen. Grade als die Untersuchungen auf der Stelle treten, geschieht ein weiterer Mord. Dieser war für mich wie ein Paukenschlag.

Sie musste ihn fragen, wie gut er sie eigentlich gekannt hatte. Sie musste ihr ganzes Projekt neu bewerten. Sie musste sich entscheiden, ob sie der Polizei erzählen sollte, dass sie Julie ermordet hatte. (Seite 65)


Das Figurenpersonal

Als Leser bleibt man ganz nahe bei dem Ermittlungsteam und das lese ich immer wieder gerne. Ich mag es, wenn die Polizeiarbeit so detailliert beschrieben wird und man mitraten und miträtseln kann. Katrine Engberg nimmt sich viel Zeit, die beiden Hauptcharaktere zu entwickeln, was ja bei einem Serienstart durchaus Sinn macht. Auch wenn sie bei dem Versuch, die Figuren lebendig zu machen und sie als Menschen mit Stärken und Schwächen darzustellen, nicht ganz ohne Klischees auskommt.

Die beiden Polizeiassistenten, die seit acht Jahren zusammen arbeiten, sind sehr unterschiedlich und werden trotz oder vielleicht grade deswegen oft als Team zusammengestellt. Die zupackende Anette ist meistens direkter und frei heraus. Der sensible Jeppe dagegen ist diplomatischer und agiert bedächtiger. Er leidet unter der kürzlichen Trennung von seiner Ehefrau und kämpft dadurch mit vielen körperlichen Symptomen. Wobei der ständig an sich und seiner Potenz zweifelnde Polizeiassistent schon an mancher Stelle etwas zu dick aufgetragen wirkt. Da Jeppe im gesamten Handlungsverlauf mehr Raum einnimmt, könnte ich mir vorstellen, dass im nächsten Band vielleicht Anette mehr in den Vordergrund rückt. Der große Pluspunkt ist aber die Figur Esther. Die einsame Professorin, die von einer Karriere als Kriminalschriftstellerin träumt, wird in ihrer Gefühlswelt sehr einfühlsam von der Autorin beschrieben.


Dichtung und Wahrheit

Die Kapitel des Buches sind nach den Ermittlungstagen aufgeteilt, unterbrochen durch die Einschübe von Esthers Manuskriptseiten. Diese werden in einer anderen Schriftart dargestellt und der Vergleich mit dem eigentlichen Thriller lässt die Klasse der Autorin Katrine Engberg erst richtig erkennen. Sie hat eine genaue Beobachtungsgabe für die kleinen zwischenmenschlichen Szenen und zeichnet sich durch sensible Personenzeichnungen aus. Das Besondere an diesem Debüt, das mir großen Spaß gemacht hat und sich aus dem Wust an Skandinavischen Thrillern heraushebt, ist die Sprache mit fein ausgewählten Worten. Es ist kein spektakuläres Buch, sondern ein grundsolider Thriller, bei dem der ruhige Schreibstil irgendwie unaufgeregt und nie reißerisch wirkt. Die Spannung ergibt sich am Anfang durch die undurchsichtige Verquickung von Fiktion und Realität. Der gut konstruierte Plot unterhält mit raffinierten Wendungen, die viel Raum für Spekulationen lassen und einigen Humoreinschüben.

„Sag mal, befinden wir uns mitten in einem beschissenen Kriminalroman?“ „Keine Ahnung, Jeppe, ist das so?“ (Seite 276)

Erst wenn zum Ende hin alle Fäden mehr oder weniger plausibel zusammengeführt werden, macht auch der Titel einen Sinn. Ein „Krokodilwächter“ ist eine afrikanischer Vogelart, die angeblich die Mäuler der Krokodile von Parasiten freihält und daher vom Krokodil geduldet wird.

Ich muss noch etwas zu dem aufwendig gestalteten Cover sagen, weil man das auf dem Foto gar nicht so genau erkennt. Im Schutzumschlag sind tatsächlich Schlitze, die den blutroten Leineneinband durchscheinen lassen. Sehr schön gemacht!

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Tags: band 1, kopenhagen, manuskript   (3)
 

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Der Zopf

Laetitia Colombani , Claudia Marquardt , Andrea Sawatzki , Valery Tscheplanowa
Audio CD
Erschienen bei Argon, 21.03.2018
ISBN 9783839816196
Genre: Romane

Rezension:

Die Grundidee des Romans, drei Geschichten von unterschiedlichen Frauen wie die Stränge eines Haarzopfes zusammen zu führen, fand ich sehr charmant. Die Umsetzung ist für mich leider nur bedingt gelungen.

 

Die Inderin Smita lebt mit Ehemann und Tochter in bitterster Armut in einem kleinen Dorf in der nordindischen Provinz. Als "Dalits" gehören sie keiner Kaste an und besitzen keine Rechte. Doch Smita will sich mit dem Schicksal als „Unberührbare“ nicht abfinden und setzt alles daran, dass es ihrer Tochter mal besser geht. Sie wagt zusammen mit ihrer Tochter die Flucht Richtung Delhi.

In Palermo will die Sizilianerin Guilia die bankrotte Perückenfabrik ihrer Familie retten, während ihr Vater nach einem Unfall im Sterben liegt.

In Montreal versucht die erfolgreiche Anwältin und alleinerziehende Mutter von 3 Kindern Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Als Sarah an Brustkrebs erkrankt, macht sie sich verletz- und angreifbar.

 

Abwechselnd wird aus der Sicht der einzelnen Frauen erzählt und hier wurden passend drei Sprecherinnen gewählt, die ihre Sache sehr gut machen. Andrea Sawatzki gibt der Anwältin Sarah eine selbstbewusste Stimme, Eva Gosciejewicz bringt mit ihrer jugendlichen, temperamentvollen Art Leben in Giulia. Die leise, fast flüsternde Stimme der Schauspielerin Valery Tscheplanowa passt gut zu Smita, ist nicht so mein Fall, da sie fast gar keine tonalen Unterschiede macht. Eine Arbeiterin in der Perückenfabrik fungiert noch als eine Art Erzählerin, die zwischendurch in wenigen Sätzen die einzelnen Stränge miteinander verbindet. Diese Passagen haben sich mir nicht erschlossen und erschienen fast ohne tieferen Sinn.

 

Ich konnte mit den Protagonistinnen nicht wirklich mitfühlen, da sie viel zu schablonenhaft gestaltet waren. Anfänglich dachte ich aufgrund der Überzeichnungen sogar, die Episoden gehörten in verschiedene Zeitebenen. So muss zum Beispiel die Inderin mit ihren bloßen Händen die Exkremente ihrer Nachbarn beseitigen, während ihr Mann Ratten zur Nahrungsaufnahme fängt. Die karriereorientierte Anwältin im modernen Kanada wird derart taff als Abziehbild ohne Tiefgang, die sich im Beruf ständig in der Männerdomäne behaupten muss, dargestellt. Auch bei der Charakterisierung der hübschen etwas naiven Sizilianerin Giulia und ihrer Familienwelt, die noch sehr der Tradition behaftet sind, bedient sich die Autorin jedes Klischees und spart auch nicht mit kitschigen Liebesszenen. 

 

Das seichte Hörbuch ist nicht sehr lang und so wird alles nur in gefälliger, einfacher Sprache angerissen. Ich fand keinen Bezug dazu, dafür bleiben die drei Erzählungen zu sehr an der Oberfläche. Leider war die Geschichte auch zu langweilig, weil zu vorhersehbar. Es gibt keine überraschenden Wendungen, der Klappentext verrät schon alles. Wörtliche Rede sucht man fast vergeblich. Alles wird erzählt und das gab mir nie das Gefühl, dabei zu sein.


Zum Schluss spendet Smita im berühmten Tirupati-Tempel dem Gott Vishnu ihre langen Haare. Mit dem Import von qualitativ hochwertigem indischem Haar kann Giulia ihr Familienunternehmen retten und Sarah findet durch die besonders exklusive Perücke indischen Haares ihr Selbstbewusstsein und so ihren Kampfeswillen zurück. Und damit driftet dieser vorhersehbare Kitschroman endgültig in die Banalität ab.

 

Der Zopf ist das Debüt der französischen Schauspielerin und Regisseurin Laetitia Colombani. Die Filmrechte sind bereits verkauft.

 

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Tags: anwältin, indien, perücke, sizilien   (4)
 

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Die Amerikanerin

Deon Meyer , Stefanie Schäfer
Fester Einband: 209 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 09.03.2018
ISBN 9783352009143
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dem ersten Polizeifahrzeug bot sich ein merkwürdiger Anblick, einzigartig für diesen südlichen Punkt Afrikas: Dreizehn Frauen standen in der ausklingenden Dunkelheit vor Tagesanbruch im Halbkreis um die Leiche und sangen Kirchenlieder, während der Taxifahrer daneben saß und zuschaute. Auszug Seite 12


Die gebleichte Leiche

In der Nähe von Kapstadt wird die Leiche einer weißen Frau aufgefunden. Sie wurde nackt auf einer Aussichtsplattform am Sir Lowry’s Pass drapiert. Todesursache war ein heftiger Schlag auf den Hinterkopf. Die Ermittlungen der örtlichen Polizei laufen auf der Stelle, auch weil die Leiche mit reichlich Bleiche gewaschen und damit sämtliche DNA-Spuren zerstört wurden.

Erst als ein Hotelangestellter sie als Gast des Hotels identifiziert, kommt Bewegung in die Sache. Bei der Toten handelt es sich um Alicia Lewis, eine renommierte amerikanische Kunstexpertin. Sie hatte sich auf die Fahndung nach verlorenen und gestohlenen Kunstwerken spezialisiert.

Aufgrund dieser Brisanz werden Bennie Griessel und Vaughn Cupido von der Valke, eine Spezialeinheit der südafrikanischen Mordkommission mit dem Fall betraut.


Ein unkalkulierbares Risiko

Bennie Griessel trägt sich mit Hochzeitsplänen. Den Antrag hat er seiner Freundin Alexa noch nicht gestellt. Erst mal will er einen adäquaten Verlobungsring kaufen, was mangels Geld gar kein leichtes Unterfangen darstellt. Zusammen mit Kollege und Freund Vaughn Cupido, der der Sache eher skeptisch gegenübersteht und in der Ehe ein unkalkulierbares Risiko sieht, begeben sie sich zu einem Pfandleiher. Ausgerechnet hier ergibt sich eine erste Spur. Ein unfassbar wertvolles Gemälde eines Schülers des holländischen Malers Rembrandt soll in Südafrika aufgetaucht sein.


Griessel und Cupido kannten diese verängstigte Reaktion schon, seitdem sie Constables im Streifendienst gewesen waren – die Körpersprache eines in flagranti Ertappten. Es folgte ein Moment, in dem sich keiner bewegte. Jäger und Beute standen einander gegenüber und schätzten sich ab, bevor die Jagd begann. Auszug Seite 21


Die Spur führt in die Niederlande vor 362 Jahren

Der Leser begleitet die beiden Kapteins Griessel und Cupido bei ihren schrittweisen Ermittlungen. Diese finden heraus, dass die in London lebende Lewis auf der Suche nach einem lange verschollenen Gemälde eines niederländischen Malers war. Anscheinend hatte sie einen Hinweis bekommen, dass dieses Kunstwerk sich am Kap befinden soll. Lewis hatte sogar ihren gut dotierten Job gekündigt und war nach Südafrika gekommen um sich mit einem Ahnenforscher zu treffen.


Der Professor verkündete den Namen „Carel Fabritius“ wie der Moderator eines Boxkampfs einen Fighter, für den er einen Riesenapplaus erwartet. Es folgte ein ungemütlicher Augenblick, in dem tödliche Stille herrschte. Die Ermittler reagierten nicht, da sie noch nie von Fabritius gehört hatten. Auszug Seite 105


Es geht um Carel Fabritius, einen Schüler des niederländischen Malers Rembrandt, den die beiden Polizisten nicht kennen. Dabei hat Pulitzer-Preisträgerin Donna Tartt in ihrem weltberühmten Roman „Der Distelfink“ Fabritius ein Denkmal gesetzt. Der fesselnde Plot wird immer wieder unterbrochen durch einen Handlungsstrang, in dem ein Mann in Delft vor seinen Verfolgern flüchtet. Dieser klärt sich erst ganz zum Schluss bei der überraschenden Auflösung.


Deon Meyer hat einen handwerklich soliden Thriller erschaffen, der flott zu lesen ist und, typisch für ihn, auch immer einen Einblick in die südafrikanische Gesellschaft gibt. Dabei empfand ich diesen Krimi weniger schwermütig und melancholisch als andere Werke des südafrikanischen Schriftstellers. Besonders die trockenen Dialoge haben mich begeistert. Mit bewundernswert leichter Hand skizziert er sein Figurenpersonal. Sämtliche Charaktere werden glaubwürdig und authentisch wiedergegeben. Man spürt, dass ihm alle Figuren wichtig sind und deshalb sind sie sehr menschlich mit all ihren Eigenheiten gezeichnet. Auch die Schauplätze sind mit wenigen aber treffenden Worten, detailgenau beschrieben, so dass ich immer ein Bild vor Augen hatte.



Projektarbeit

Der südafrikanische Autor ist eigentlich für längere Krimis bekannt. Deshalb erstaunt es, dass er hier mit nur knapp 200 Seiten daherkommt. In einem Nachwort erklärt er die Gründe: Es handelt sich um eine Novelle, die er für die Spannende Boekenweek 2017 in den Niederlanden schrieb. Es war für ihn eine Ehre aber auch aufregendes Neuland, dieses Format des Geschenkbuches zu erstellen und er tritt damit in die Fußstapfen vieler literarischer Größen. Da dieser sechste Teil auch dazu dient, Griessels Privatleben ein Stück weiter zu bringen, wollte Meyer diese Entwicklung nicht nur dem niederländischen Publikum vorbehalten.

Ich hatte noch keinen Teil aus der Bennie-Griessel-Reihe gelesen, aber diese Novelle macht große Lust darauf.


Der „Easy Rider“ der südafrikanischen Literaturszene ist 1958 geboren und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Kapstadt. Der 1,90 große Hüne mit einer Leidenschaft für Motorräder schreibt seine Romane auf Afrikaans, bevor sie ins Englische und dann in circa 25 weitere Sprachen übersetzt werden.


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gentlemen, hörspiel, postzugraub

Die Gentlemen bitten zur Kasse

Henry Kolarz , Horst Tappert , Sándor Ferenczy , Gerhart Lippert
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783742404510
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dickes Ding – kein Job für Kaninchen

Am 8. August 1963 ging in Großbritannien der wohl spektakulärste Postzugraub aller Zeiten über die Bühne. Nach generalstabsmäßiger Planung und Durchführung brachte es den Tätern die Rekordsumme von über zwei Millionen Pfund ein. Und es war ausgerechnet der schmächtige, armselige Twinky, der in einem Pub in Whitechapel dem stets sorgfältig gekleideten Archibald Arrow die folgende Idee unterbreitete:

Täglich werden mit dem Postzug ihrer königlichen Majestät von England größere Mengen abgenutzter, nicht notierter Scheine im Werte von ca. zwei Millionen Pfund von Glasgow nach London gebracht, um dort vernichtet zu werden. Während der neunstündigen Fahrt sind keine Reisende an Bord, nur Pakete und Briefe sowie siebzig bis achtzig Mann unbewaffnetes Personal. Für seinen Tipp beansprucht Twinky einen Anteil von 10 %.

Der sieben Mal vorbestrafte Arrow, Inhaber eines Friseursalon ist erst skeptisch, dann zieht er den Ganoven Michael Donegan ins Vertrauen. Dieser wird von allen nur „der Major“ genannt. Sein Antiquitätengeschäft, dass er zusammen mit seinem Schwager Geoffrey Black führt, hat einen guten Ruf und die wenigsten Kunden wissen, dass er bereits drei Mal im Gefängnis saß. Er ist ein großer Stratege, der sich nicht mit kleineren Diebstählen abgibt. Denn eins ist klar: Der Postzugraub „…ist ein dickes Ding und kein Job für Kaninchen!“

Archy und der Major stellen eine Bande zusammen und die illustre Runde trifft sich im East End Club. Dabei sind unter anderen Harry McIntosh, der sich mit der Herstellung von falschen Portraits für Touristen über Wasser hält. Weiter Ronald Cameron, ein ehemaliger Funker und Bankräuber, dann Andrew Elton, nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt als Buchmacher auf der Hunderennbahn tätig. Patrick Kinsey ist Perückenmacher und der immer gut gekleidete Thomas Webster, Teilhaber eines Wettbüros. Zum Schluss noch George Slowfoot, ein Rennfahrer mit den Allüren eines Playboys und vielen Vorstrafen.

Die Truppe braucht noch einen Spezialisten, der sich mit Eisenbahnsignalen auskennt. Donegan erfährt durch Mona, einer alten Freundin, der er viel zu verdanken hat, von dem Elektriker Walter Lloyd. Da dieser zu den Fulham Boys gehört und das keine gute Gegend ist, lässt der Major ihn durch einen Privatdetektiv checken. Dabei stellt sich raus, dass Lloyd ein ordentlicher Mann mit nur drei Vorstrafen wegen Einbruchs ist. Der einzige Haken dabei ist, dass er neben einem vollen Anteil noch zwei seiner Leute, nämlich seinen Schwager Alfred Frost und Arthur Finegan, mit ins Geschäft nimmt.


Betriebskapital muss her

Um Streitigkeiten zu vermeiden, wird vereinbart, dass für den Job und alle Vorbereitungen „der Major“ das Sagen hat, für alles Weitere ist dann Archy der Boss. Die Gentlemen benötigen ca. 50.000 Pfund für die Vorbereitungen und so wird ein älterer Plan in die Tat umgesetzt. Der Gehaltstransport der Airport- Angestellten soll auf dem kurzen Weg von der Bankfiliale zu dem Bürogebäude am Londoner Flughafen überfallen werden. So macht sich eines Morgens um 9 Uhr eine kleine Mannschaft mit acht Mann, Slowfoot am Steuer, mit falschen Schnurrbärten, Bartkoteletten und Perücken auf den Weg. Alles läuft wie am Schnürchen. Kurz vor dem Überfall ziehen sich alle Strumpfmasken über den Kopf. Die uniformierten Wachleute werden überrumpelt, die Geldkassette an sich genommen und Augenzeugen mit Regenschirmen bedroht. Unglücklicherweise gibt der gekränkte Twinky, nachdem er einen Vorschuss nicht bekommt, anonym einen Tipp an die Polizei. Danach haben die Gentlemen vor Scotland Yard keine Ruhe mehr, es kann Ihnen aber nichts bewiesen werden.


Der große Plan

Die Gentlemen beginnen mit der Ausarbeitung der Details anhand einer genauen Abbildung einer Modelleisenbahn in Kinseys Keller. Der Plan sieht vor, die Lok mit dem Geldwaggon vom Rest des Zuges abzuhängen. An einer Brücke soll der Geldwaggon aufgebrochen und blitzschnell entladen werden. Lloyd findet einen alten Rangierlokführer, dem er weismacht, es ging um eine Wette und dieser zeigt ihm die nötigen Handgriffe, um die Waggons auseinanderzukoppeln.

Bis zum Überfall müssen sich alle unauffällig verhalten und für den Tag einwandfreie Alibis besorgen. Arrow kauft ein einsames Landhaus in der Nähe von Oakley, wo die vierzehn Männer sich ungestört bei blickdichten Vorhängen aufhalten können. Tag und Nacht werden Handschuhe getragen und der Major verbietet allen den Gebrauch von Schusswaffen. Cameron beschafft, das heißt, er stiehlt, zwei Range Rover und einen 3-Tonner.


Die Weichen sind gestellt

Niemand ahnt, dass an diesem Tag ein ungewöhnlich hoher Betrag auf die Reise geschickt wird. Mit Walkie-Talkies, in Drillich-Anzügen und Wollmützen über dem Kopf machen sich die Männer auf den Weg. Lloyds Aufgabe ist es, die Telefondrähte zu den Farmhäusern abzukneifen und das Signal umzustellen.

Als der Postzug kurz an der Signalbrücke stoppt, springen sie mit Eisenstangen hervor und überwältigen das Personal. Der sich heftig wehrende Lokführer muss niedergeschlagen werden und wird dann gezwungen, die Lok bis zur Brücke zu fahren. Mit Brechstangen wird die verschlossene und versiegelte Waggontür geöffnet. Die Postsäcke werden auf den 3-Tonner geladen und dann fahren die drei Wagen ohne Licht davon.


Fazit:

Hier endet das 50-minütige Hörspiel und man erfährt nichts über die weiteren Vorkommnisse. Sind die Gentlemen davongekommen? Das Hörbuch nach einer Bearbeitung von Hörspielregisseur Sándor Ferenczy ist sehr komprimiert und hätte für mich noch länger gehen können. Trotzdem wird sehr flott und nachvollziehbar über den tatsächlich größten Zugraub der britischen Kriminalgeschichte berichtet. Ich habe den Inhalt des kurzweiligen Hörbuchs sehr ausführlich wiedergegeben, damit man einen kleinen Eindruck von der Sprache bekommt.

Das Hörspiel, nach einem Bericht des Sternreporters  Henry Kolarz  im Jahr 1968 konzipiert, hat nichts von seinem Charme verloren und kommt ohne große Brutalitäten aus. Das ist sicherlich dem Stil der kultivierten Gentlemen-Gangster geschuldet. Der Hörer lauscht abwechselnd einem Erzähler, der durch die Geschichte führt und dem Blickwinkel des Hauptakteurs Donegan, der rückblickend seine Geschichte schildert. Neben der Untermalung mit Geräuschen und dem für die damalige Zeit typisch reduzierten Soundtrack punktet der Krimi mit viel Humor in den Dialogen, die das Hörspiel sehr lebendig machen und dem Hörer das Gefühl geben, mit dabei zu sein.

Unter anderen spricht Horst Tappert den kühlen Strategen „Major“. Bevor Tappert international als Oberinspektor Stephan Derrick bekannt wurde, hatte er seinen Durchbruch bereits 1966 im Fernsehen mit "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Der legendäre Krimi-Dreiteiler ist genau wie das Hörspiel an die wahren Begebenheiten des Postzugraubs angelehnt.


Randnotizen

Der „Major“, in der Realität Bruce Reynolds, hielt sich nach mehreren Gefängnisaufenthalten als Buchautor und mit Interviews über Wasser und überreichte 1998 den Fernsehpreis "Telestar" an seinen deutschen Darsteller Horst Tappert. Er verstarb 2013, genau wie der für mich bekannteste Postzugräuber Ronald Biggs, der im Hörbspiel durch Arthur Finegan, einen der Fulham Boys dargestellt wird.

Funfact: Der Tag des legendären Postraubzugs, der 8. August 1963, war Ronald Biggs 34. Geburtstag!

AdR: Die Bande erbeutete £ 2.631.684. Das sind nach heutigem Wert etwa 49 Millionen Pfund Sterling bzw. 56 Millionen Euro!

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Tags: gentlemen, hörspiel, postzugraub   (3)
 

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Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn , Johannes Steck
Audio CD
Erschienen bei Argon, 21.09.2017
ISBN 9783839893487
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der menschliche Körper, selbst zu über sechzig Prozent aus Wasser bestehend, ist nicht von sich aus schwimmfähig. Er treibt nur so lange an der Wasseroberfläche, wie Luft in den Lungen vorhanden ist. Sobald sie den Körper verlässt, sinkt er langsam auf den Grund. Wenn das Wasser warm genug ist, um Bakterien Lebensraum zu bieten, verwest er. In den Eingeweiden entstehen Gase, die dem Körper Auftrieb geben, so dass er an die Oberfläche zurückkehrt. Dann erheben sich ganz buchstäblich die Toten.“ Anfang


Im fünften Fall der Reihe um den Anthropologen Dr. David Hunter ist dieser immer noch an einer Londoner Uni angestellt. Der Witwer hat den Verlust seiner Frau und Tochter durch einen Unfalltod einigermaßen überwunden, aber um seine sozialen Kontakte ist es immer noch nicht gut gestellt. Beruflich eine Koryphäe, aber durch den Fall im letzten Band hat sein Ruf Schaden genommen und er wird erst mal nicht mehr als Forensiker zu Rate gezogen. Deshalb freut er sich, als er einen Anruf von der Ostküste Englands von einem ihm unbekannten Detective bekommt. DI Bob Lundy bittet ihn um Mithilfe bei der Bergung einer Wasserleiche in einem abgelegenen Küstengebiet nördlich der Themsemündung, den sogenannten Backwaters. Überrascht und neugierig macht sich Hunter sofort auf in das von Kanälen und Prielen durchsetzte Mündungsgebiet von Essex, da der den Gezeiten ausgesetzte Körper bei unsachgemäßer Behandlung schnell in Einzelteile auseinanderfallen könnte.


In den Backwaters

Weit draußen im Sumpfgebiet gelingt es mit Hunters Mithilfe die auf einer Sandbank angespülte, stark verweste Leiche zu heben. Unter den Schaulustigen, die sich auf dem Gelände einer ehemaligen Austernfischerei eingefunden haben, befindet sich auch Sir Stephen Villiers. Der vermögende, einflussreiche Gutsherr aus der Gegend befürchtet, der Tote könnte sein seit mehreren Wochen verschwundener Sohn Leo sein. Und obwohl Hände und Füße fehlen, wird anhand der Kleidung und der Uhr des Toten schnell vermutet, dass es sich tatsächlich um den vermissten Leo Villiers handelt. Eine Schussverletzung am Kopf deutet auf einen Selbstmord des jungen Lokalpolitikers hin, der aufgrund seines lockeren Lebenswandels auch das schwarze Schaf der Familie war. Eine Obduktion am nächsten Tag, zu der auch Hunter geladen ist, soll genauere Erkenntnisse liefern.


Auf dem Weg zurück verliert Dr. Hunter in dem unübersichtlichen Labyrinth aus Wasserwegen die Orientierung und bleibt mit seinem Fahrzeug in einer Furt stecken. Ein vorbeikommender Autofahrer hilft ihm aus seiner misslichen Lage. Da sein Wagen schweren Schaden genommen hat, kann er in dem Bootshaus seines Retters unterkommen. Trotzdem wirkt Andrew Trask abweisend und verbittert. Er lebt mit seinen beiden Kindern und seiner Schwägerin Rachel in einem einsamen Haus in den Backwaters. Seine Frau Emma, eine Fotografin und Innenarchitektin, wird nach einer lautstarken Auseinandersetzung mit Leo Villiers, mit dem ihr ein Verhältnis nachgesagt wird, auch seit einiger Zeit vermisst. Als Hunter kurz darauf einen Turnschuh mitsamt Fuß aus dem Treibgut im Flussbett angelt, ist er sich ziemlich sicher, dass dieser zu einer anderen Leiche gehört. Am nächsten Tag wird in einem Flussarm, eingewickelt in Stacheldraht, eine zweite Leiche entdeckt, und Dr. Hunter vermutet hier, dass es sich höchstwahrscheinlich nicht um den gesuchten Villiers handelt.


Die Männergrippe

Simon Beckett punktet auch hier wieder mit seinem sympathischen Protagonisten David Hunter, der einfach ein netter Kerl ist. Der zurückhaltende, schicksalsgebeutelte Mann mittleren Alters ist gesundheitlich angeschlagen und hat sich auf See ziemlich erkältet. Fortan kämpft er mit Fieber und anderen Wehwechen und denkt gleich an eine schlimme tödlich verlaufende Krankheit. Aufgrund der ständigen Hinweise auf seinen Gesundheitszustand konnte ich mir ein Augenrollen oft nicht verkneifen. Aber zumindest grübelt der schwermütige David nicht ganz so stark wie in anderen Bänden vorher und bändelt sogar mit der attraktiven Rachel an.

Hervorragend sind Becketts atmosphärisch dichten Beschreibungen des rauen Küstenstrichs. Eine unwirtliche Gegend, in der ständiger Regen und Sturmböen, sowie das Auf und Ab der Gezeiten eine bedrohliche, düstere Stimmung erzeugen. Das Marschland wird durch ein Gewirr von Kanälen und Bächen durchzogen, die bei Ebbe leerlaufen und dann Schlick und Schlamm freilegen. Nachdem die Austernfischerei nicht mehr das Leben der Bewohner in dem kleinen Küstenort bestimmt, bildet die menschenleere Einöde einen bedrückenden und deprimierenden Anblick. Die Beschreibungen von Land und Leuten sind einfach stimmig und erzeugen entsprechend passende Bilder.


Der erste bereits 2006 erschienene Band „Die Chemie des Todes“ um Dr. David Hunter hatte mich damals sehr begeistert. Aber bereits bei den nachfolgenden Bänden waren die ersten Abnutzungserscheinungen nicht zu übersehen. Den fünften Teil verfolgte ich als Hörbuch auf meinem Arbeitsweg. Und dabei stört es mich meistens nicht sonderlich, wenn die Geschichte so ein bisschen dahin plätschert. Beckett glänzt in „Totenfang“ nicht mit atemlosen Thrill oder actiongeladener Spannung. Es ist ein solider, spannender Plot mit einigen überraschenden Wendungen, den der britische Autor hier routiniert erzählt, vielleicht etwas behäbig aber immer noch besser als viele andere Autoren.

Seine Geschichten sind natürlich auch immer ein bisschen unappetitlich, obwohl so viele Beschreibungen der forensischen Details in „Totenfang“ gar nicht vorkommen. Allerdings bin ich bin mit den gefundenen Leichenteilen auch ein wenig durcheinander gekommen. Erst ganz zum Schluss wird die Spannungsschraube noch angezogen und der temporeiche Showdown in einem verfallenen Wehrturm auf hoher See wartet mit einer unerwarteten Lösung auf.


Kino im Kopf

Johannes Steck hat sämtliche Krimis von Simon Beckett eingelesen und wurde dafür mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Mit seiner wohlmodulierenden Stimme gibt er allen Stereotypen wie den gutmütigen Polizisten Lundy, den mürrischen Trask oder den arroganten Großgrundbesitzer eine individuelle Note. Man hat die Situationen und Figuren stets vor Augen und so entsteht Kino im Kopf.

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Tags: band 5, david hunter, wasserleiche   (3)
 

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Nachts am Askanischen Platz

Susanne Goga
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.02.2018
ISBN 9783423217132
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Man hatte den Toten auf den Schulhof getragen, auf eine Plane gelegt und bis zum Kinn zugedeckt. Leo war bewusst, dass der eine oder andere schockiert sein würde – die Sekretärin wurde als Erste gerufen, damit sie es rasch hinter sich bringen würde. Ein Schupo stand bereit, um ihr im Falle einer Ohnmacht beizustehen. (Auszug Seite 46)

 

Der Tote auf dem Schulgelände

Das Berlin der goldenen 1920er Jahre bildet die Kulisse für Susanne Gogas Serie um den Kriminalkommissar Leo Wechsler. In dem sechsten Teil der Reihe ermittelt die Polizei im Falle eines unbekannten Toten, der auf einem Schulgelände entdeckt wird. Der schäbig gekleidete Mann, der im Geräteschuppen des Berliner Gymnasiums im Januar 1928 erwürgt aufgefunden wird, kann erst mal nicht identifiziert werden. Bei der Obduktion wird festgestellt, dass der Leichnam diverse Narben, Brüche und eine verheilte Schusswunde aufweist. Diese Merkmale sowie der unterernährte Zustand deuten auf Kriegsverletzungen hin. Viele ehemalige Soldaten waren nach dem 1. Weltkrieg in Gefangenschaft geraten und danach traumatisiert nicht mehr auf die Beine gekommen.

Für Leo Wechsler und seine Kollegen Robert Walther und Jacob Sonnenschein gestalten sich die Recherchen mühsam. Einziger Hinweis ist eine russisch sprechende, hilflos wirkende Frau. Diese hatte einige Tage zuvor verzweifelt in dem neben der Schule befindlichen Theater nach ihrem Verlobten, einem Mann namens Fjodor, gesucht.


Das Cabaret des Bösen

Der Fokus der Ermittlungen richtet sich nun auf das Varieté-Theater, in dem Schauerstücke aufgeführt werden. Das „Cabaret des Bösen“ ist ein Grusel- und Horrortheater, zurückgehend auf ein Pariser Vorbild und bietet ein besonders makabres Unterhaltungsprogramm. Den leicht anrüchigen Ruf verstärkt das Aussehen des Theaterdirektor Louis Lemasque noch. Dieser charismatische wie zwielichtige Mann versteckt sein durch eine Kriegsverletzung grausam entstelltes Gesicht nicht durch eine Maske oder einen Bart.

Die Suche nach der mysteriösen Russin führt unter anderem in eine Barackensiedlung am Tempelhofer Feld, wo russische Flüchtlinge unter einfachen Verhältnissen untergebracht sind und zum Schlesischen Bahnhof, wo sich eine Anlaufstelle für jüdische Flüchtlinge aus dem Osten befindet.

Wechsler will einer Spur nach Stuttgart nachgehen und lässt sich von Kriminalkommissar Ernst Gennat die für die damalige Zeit nicht alltägliche Dienstreise per Zug genehmigen. Der engagierte Oberkommissar ist sehr eingespannt und hat wenig Zeit für sein Privatleben. Trotzdem spürt er, dass sein halbwüchsiger Sohn Georg sich von ihm entfernt. Aber erst durch die Beobachtungen seiner Frau Clara kommt raus, dass Georg seit einiger Zeit heimlich und hinter dem Rücken seiner Familie mit der Hitlerjugend sympathisiert.

Mit der Figur des Oberkommissars Leo Wechsler ist der Autorin ein sympathischer, integrer sowie feinfühliger Charakter gelungen. Der intelligente Leo ist bei seinen Kollegen und Vorgesetzten gleichermaßen beliebt und angesehen. Er handelt überlegt und behält auch in Problemsituationen, wie die mit seinem Sohn, die Nerven und reagiert meistens souverän. Der ehemalige Witwer mit zwei Kindern ist wieder sehr glücklich in zweiter Ehe mit der Buchhändlerin Clara verheiratet. Abgründe sucht man hier vergeblich. Mir ist er ein bisschen zu glatt gelungen, aber trotzdem hat er das Zeug zum beliebten Serienermittler, von dem ich gerne in weiteren Fällen lesen würde.

Susanne Goga hat in einem angenehmen, emphatischen und sehr flüssigen Schreibstil einen vielschichtigen Krimiplot mit viel klassischer Detektivarbeit erschaffen, der durchaus zu unterhalten und zu fesseln vermag. Aus dem Thema des gruseligen Horrortheaters hätte man vielleicht mehr machen können. Nach einem ziemlich makabren Prolog ist davon nicht mehr viel zu spüren. Der Krimi endet in einem spannenden Showdown und hätte vielleicht noch die eine oder andere Wendung vertragen.


Nasenjoseph

Susanne Goga hat akribisch recherchiert und die Atmosphäre im Berlin der 1920er Jahre hervorragend und präzise dargestellt. Noch geht es einigermaßen friedlich zu, doch die ersten Anzeichen der Nationalsozialisten tauchen am Horizont auf. Goga thematisiert unter anderem die Schicksale der Kriegsversehrten und arbeitet auch einige historisch belegte Charaktere ein, wie den Schönheitschirurg Professor Jacques Joseph. Der als Nasenjoseph bekannt gewordene plastische Chirurg war äußerst erfolgreich auf dem Gebiet der Gesichtsrekonstruktionen an oft grausam entstellten Kriegsverletzten. Auch der schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene Kriminalrat Ernst Gennat darf hier nicht fehlen. Der schwergewichtige Buddha vom Alexanderplatz gilt als Wegbereiter der modernen Polizeiarbeit. Informativ fand ich den im Anhang gegebenen Überblick über die im Roman auftauchenden real existierenden, historischen Persönlichkeiten.


Fazit

Es wundert nicht, dass es mittlerweile eine ganze Anzahl von Krimis gibt, die in Berlin in dieser brisanten Zeit spielen. Berlin war damals eine der bedeutendsten Metropolen Europas mit einer immensen Anziehungskraft. Ich kann „Nachts am Askanischen Platz“ nur jedem empfehlen, der Interesse an dieser vielfältigen Epoche hat. Die Einbindung des historischen Kontextes gelingt der Autorin perfekt ohne zu plakativ zu wirken. Die Darstellung der damaligen Lebensverhältnissen fügt sich homogen in den Krimiplot ein, ohne dass historische Fakten aufgedrängt werden. Goga versteht es, Zeitgeschichte geschickt mit einem Kriminalfall zu verknüpfen, auch wenn ich das an anderer Stelle schon mal schillernder gelesen habe.


Susanne Goga

Benedict Cumberbatch wäre ihre Traumbesetzung für die Figur des Leo Wechsler. Das verriet die in Mönchengladbach lebende Autorin und freie literarische Übersetzerin. Für ihre historischen Romane wurde sie mit diversen Preisen ausgezeichnet. Am Berlin der Weimarer Zeit fasziniert sie, dass sich dort alle guten und schlechten Entwicklungen dieser Jahre potenzierten. Für das nötige Lokalkolorit ihrer Milieuschilderungen wälzte sie Fotobände, alte Telefonbücher und Stadtpläne und erkundigte sich bei Polizeiexperten sowie Historikern.

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Tags: band 6, berlin, gymnasium, leo wechsler, varieté-theater   (5)
 

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Sechs mal zwei

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2017
ISBN 9783492058117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es macht mich wirklich traurig, dass mir niemand glaubt. Oder, noch schlimmer, dass man glaubt, ich sei verrückt. Ich habe ja den Tonfall der Beamten gehört, als sie hier waren. Ich hörte, wie sie laut über ihren Witz vom „Hausbock“ lachten, während sie in ihren Streifenwagen stiegen. Als wäre ich nicht in der Lage, den Unterschied zwischen dem verhaltensauffälligen Nachwuchs eines Käfers und einem gefährlichen, bösartigen erwachsenen Mann zu hören. Als würde ich diese Geräusche verwechseln. (Auszug Seite 9)


Die Kleeblatt-Morde

Jessica Johnsson ist bei der Polizei als durchgeknallte Verschwörungstheoretikern bekannt, eine die unter Verfolgungswahn leidet und mit absurden Anschuldigungen nervt. Aber in dem Brief, den sie der Stockholmer Polizistin Desiré „Deer“ Rosenkvist schickt, sind Details von einem alten Mordfall enthalten, die eigentlich niemand wissen kann. Und Jessica Johnsson behauptet, man hätte den Falschen verhaftet. Es war Rosenkvists erster Mordfall zusammen mit ihrem damaligen Kollegen Kriminalkommissar Sam Berger. In dem besonders grausamen Fall, in dem eine Mutter und ihr kleiner Sohn ermordet wurden, hatte man eine Kleeblatt-Zeichnung auf dem Gesäß des Opfers gefunden.


Deer gelingt es, Sam zu kontaktieren. Dieser hatte nach der Ermordung einer Kollegin und guten Freundin zwei Wochen zuvor einen Zusammenbruch erlitten. Molly Blom hatte sich um den angeschlagenen Sam gekümmert und auch dafür verstecken gesorgt, dass sie untertauchen, da der Geheimdienst Säpo ihnen den Mord anhängen will. Momentan sie sich in zwei Hütten in einem Nationalpark an Schwedens Pol der Unzugänglichkeit, den abgelegensten Ort des Landes.


Trotz der Bedrohung durch den Geheimdienst machen sich die beiden auf den Weg, um rauszufinden, ob an der Sache was dran ist. Doch der Besuch bei Jessica Johnsson endet in einem Desaster. Während des Gesprächs werden die beiden überwältigt und finden sich niedergeschlagen und gefesselt im Keller wieder, von Jessica keine Spur. Dafür jede Menge Blut und ein Stück Haut mit einer Kleeblatt-Zeichnung.


Berger-Blom-Team

Auch in dem zweiten Teil der Berger-Blom-Reihe verwebt Arne Dahl wieder souverän Rätsel um Rätsel zu einem raffinierten aber auch ziemlich verwirrendem Handlungskonstrukt. Mit jeder neuen Erkenntnis wird alles bisher Geschehene wieder umgeworfen. Dieses habe ich in dieser Häufigkeit selten erlebt. Mit dem Gefühl, etwas überlesen zu haben, musste ich immer wieder zurückblättern und den Handlungsverlauf rekonstruieren. Das macht es am Anfang schwer, sich in dem Geschehen zurechtzufinden. Den ersten Band Sieben minus eins sollte man nicht nur gelesen, sondern die Zusammenhänge auch noch einigermaßen parat haben. Sonst bleibt man bei diesem hoch komplexen Plot schnell auf der Strecke.


Dramaturgisch wirkungsvoll werden viele Dinge nur angedeutet und Seiten später folgt die Erklärung. Um Spannung zu erzeugen hält Arne Dahl häufig mit Informationen hinter dem Berg, aber diese Methode hat er für meinen Geschmack etwas zu routiniert eingesetzt. Erst spät fügen sich die einzelnen Erzählfragmente zu einem harmonischen Ganzen und dann macht der Thriller auch richtig Spaß.


Auch gelingt es Dahl wieder vortrefflich, bestimmte Stimmungen zu erzeugen. In filmreifen Szenen beschreibt er die winterlich kalte Atmosphäre Nordschwedens, zum Beispiel die Einsamkeit der zwei verschneiten Hütten am klirrend kalten Polarkreis bei 30 Grad Minus.


Die Charaktere

Nachdem sich der eigensinnige Sam Berger und Molly Blom, die hochintelligente, geradezu legendäre Undercoveragentin der Säpo im ersten Band kennen lernten und als Team zusammenrauften, sind sie jetzt zusammen auf der Flucht vor dem Geheimdienst und wollen eine Detektei gründen. Trotzdem weiß der geschwächte Sam nicht, ob er Molly vertrauen kann, denn diese scheint nicht mit offenen Karten zu spielen und ist eine Expertin darin, ein Pokerface zu wahren. Das Misstrauen gegenüber der undurchschaubaren Agentin erhöht die Spannung noch. Leider gönnt der Autor seinen beiden Protagonisten in diesem Band keine wirklich neuen Facetten. Und dann ist da noch die grundsolide Deer. Die Ehefrau und Mutter wirkt gegen die beiden sperrigen Figuren sehr normal und bodenständig.


Fazit

Wenn man den Realitätssinn mal außer Acht lässt, wird man auch mit diesem zweiten Band blendend unterhalten. Der schwedische Bestseller-Autor versteht sein Handwerk, erzählt seinen gut durchdachten Plot flüssig und routiniert, die Sprache ist anspruchsvoll und wohlgeformt. Für mich ein gelungener zweiter Teil der Berger-Blom-Serie, der am Ende noch mit einer Überraschung aufwartet und damit neugierig auf den nächsten Teil macht.



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Tags: band 2, berger-blom, hütte, kleeblatt, pol der unzulänglichkeit, schweden   (6)
 

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Vater des Regens

Lily King , Sabine Roth
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 29.08.2016
ISBN 9783406698057
Genre: Romane

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hörbuch, prag, roman, usa, zauberei

Der Trick

Emanuel Bergmann , Stefan Kaminski
Audio CD
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257803686
Genre: Romane

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