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73 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

australien, dürre, krimi, hitze, thriller

The Dry

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.10.2016
ISBN 9783499290268
Genre: Krimi und Thriller

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, berlin, krimi-reihe, gereon rath, volker kutscher

Lunapark

Volker Kutscher
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.11.2016
ISBN 9783462049237
Genre: Krimi und Thriller

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202 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 98 Rezensionen

thriller, wald, junggesellinnenabschied, mord, ruth ware

Im dunklen, dunklen Wald

Ruth Ware , Stefanie Ochel
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261234
Genre: Krimi und Thriller

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

spannend bis zum ende, schweden, jugendlich, radikalisierung

Der Bruder

Joakim Zander , Nina Hoyer , Ursel Allenstein , Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.06.2016
ISBN 9783499268892
Genre: Krimi und Thriller

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174 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

krimi, arne dahl, schwedenkrimi, spannung, schweden

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492057707
Genre: Krimi und Thriller

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

thriller, mark billingham, mord, überraschend, spannend

Die Lügen der Anderen

Mark Billingham ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.02.2016
ISBN 9783453438330
Genre: Krimi und Thriller

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

missbrauch, seri, camilla läckberg, reihe, entführung

Die Schneelöwin

Camilla Läckberg , Katrin Frey
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783548288680
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die junge Viktoria verschwand vor Monaten spurlos von einem Reiterhof. Als sie jetzt plötzlich wieder auf einer Straße auftaucht, wird sie von einem Auto erfasst und erliegt ihren schweren Verletzungen. Da ihr Körper zahlreiche schlimme Misshandlungen aufweist und die Polizei Verbindungen zu anderen vermissten Mädchen entdeckt, laufen die Ermittlungen nach einem Serientäter auf Hochtouren. Dieser schaurige Prolog und das für Schweden-Krimi typische, aufwendig gestaltete Cover einer eisigen Winterlandschaft versprach einen spannenden Lesegenuss.

'Die Schneelöwin' ist bereits das neunte Buch einer Krimi-Reihe, das die schwedische Erfolgsautorin Camilla Läckberg um den Kommissar Patrik Hedström und seine Ehefrau, die Schriftstellerin Erica Falck, erneut in ihrer Heimatstadt Fjällbacka ansiedelt.

Während Patrik und sein Team sich um die Aufklärung der verschwundenen Mädchen bemühen, interviewt Erica eine seit Jahren inhaftierte Frau für ihr neues Buch über reale Kriminalfälle. Laila verbüßt eine langjährige Haftstrafe wegen der Ermordung ihres Mannes, der die schwierige Tochter im Keller ankettete, hat sich aber bisher zu ihrer verzweifelten Tat nicht geäußert.

Action-Szenen sind nicht das Metier der Autorin. Sie baut vielmehr Spannung auf, indem sie den Leser neugierig auf die ungewöhnlichen Geschehnisse macht. Ihre Stärken liegen in der Beschreibung verschiedener komplizierter Familienverhältnisse und der Zeichnung einer Vielzahl von Personen. Die einzelnen Charaktere sind teilweise sehr klischeehaft, beispielsweise ist der unfähige Vorgesetzte Millberg für meinen Geschmack in seiner Faulheit und Eitelkeit viel zu dick aufgetragen.

Die Sprache ist einfach und manche Formulierungen schrammen das ein oder andere Mal am Kitsch vorbei, zum Beispiel ist immer mal wieder vom Kind die Rede, ‘dass das Böse in sich trägt’. Auch einige Dialoge sind derart hölzern und scheinen nur zur Information für den Leser kreiert zu sein.

Wie in den Vorgängerbänden sorgt Erica mit ihren Alleingängen für die nötige Dramatik. Camilla Läckberg versteht es immer wieder, dramatische Familiengeschichten in einen spannenden Thriller zu verpacken. Auch in 'Die Schneelöwin' geht sie nach diesem bewährten Schema vor, sie spinnt die privaten Themen ihrer Figuren weiter. Hier liegt auch das große Problem des Romans:
Die privaten alltäglichen Sorgen im Leben der Protagonisten nehmen einen großen Teil ein. Neueinsteiger, die die Entwicklung des Stammpersonals bisher nicht verfolgten, tun sich eventuell schwer in die Geschichte hineinzukommen. Der Roman ist vordergründig ein Familien-Roman mit Thriller-Elementen, bei dem die Beziehungskisten und die Kinder im Vordergrund stehen, aber das schätzen, lieben und erwarten ihre zahlreichen Fans ja.

Neben dem Hauptstrang gibt es immer wieder recht kurze Blicke in die Vergangenheit von Laila, die aufgrund ihrer Knappheit recht fesselnd sind und Raum für Spekulationen lassen. Der Krimiplot ist recht verzwickt angelegt und bietet zum Schluss noch einige überraschende Wendungen. Dass nicht alle offenen Fragen geklärt werden, wird nicht jedem Leser gefallen.

Das Zielpublikum sind sicherlich junge Frauen, bestenfalls mit Kindern. :-)



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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

rom, papst franziskus, korruption, müll, heilige jahr

Die Nacht von Rom

Giancarlo De Cataldo , Carlo Bonini
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Folio, 30.08.2016
ISBN 9783852567006
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hinter den abgedunkelten Scheiben des schwarzen Audi A6 beobachtete Sebastiano Laurenti, wie die Stadt im Chaos versank. Rom brannte. Vor fünf Tagen hatte die Stadt kapituliert. Lahmgelegt von einem wilden Streik der Verkehrsbetriebe. Erstickt von nicht abtransportiertem Müll. Verpestet vom Gestank der Müllsäcke, die die wütenden Römer an den Straßenecken angezündet hatten. Die Dinge hatte ein Mädchen aus Tor Sapienza ins Rollen gebracht, sie hatte zwei Schwarze angezeigt, die sie vergewaltigt hätten. Die Bewohner der Vorstädte waren sofort auf die Barrikaden gestiegen. Rom brannte. (Auszug Seite 9)

Als Papst Franziskus im Frühjahr 2015 das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausruft, wittern viele Römer das große Geschäft, das sich mit Millionen von Touristen verdienen lässt. Bauunternehmer, Immobilienhaie und das organisierte Verbrechen setzen alles dran, öffentliche Aufträge zu manipulieren, um von dem Pilgerboom zu profitieren. Korrupte Kommunalpolitiker halten die Hand auf und auch der Vatikan hat seine Finger im Spiel.

Der Obermafiosi Samurai, ein faschistischer Kriminelle mit einem Faible für alles Japanische, zieht vom Gefängnis aus Tee trinkend die Fäden. Zwischen seinem Erben, dem smarten, eleganten Sebastiano Laurenti und dem skrupellosen Fabio Desideri entbrennt ein Krieg über seine Nachfolge. Müllberge und Straßenschlachten werden von der Mafia als Druckmittel benutzt und Chaos bricht in der italienischen Metropole aus. Den wenigen Aufrichtigen wird das Leben schwer gemacht. Alle Fraktionen sägen am Stuhl des Römer Bürgermeisters Martin Giardino, der unter anderem wegen seiner peniblen Art, nur ‚Der Deutsche‘ genannt wird.

Anfänglich hatte ich mit dem realitätsnahen Mafiathriller meine Schwierigkeiten. Ich fand ihn sehr sperrig und anstrengend zu lesen. Nicht nur wegen der Vielzahl an Protagonisten, die das Autorenduo De Cataldo und Bonini auflaufen lässt, erfordert er höchste Aufmerksamkeit. Eine hilfreiche Auflistung aller wichtigen handelnden Personen ließ mich immer wieder zum Anfang zurückblättern. Vielleicht lag es auch an der Übersetzung, hin und wieder stolperte ich über holprige Sätze und mir unbekannte Wörter wie zum Beispiel ‚Maulfürze‘ oder ‚die Finanz war ihm auf den Fersen‘. Eventuell handelt es sich auch um in Österreich gebräuchliche Ausdrücke, denn der Band wurde von Karin Fleischanderl für den Wiener Folio-Verlag übersetzt.

Der rasante Politthriller ist eigentlich mehr eine informative Reportage über die Verstrickungen von Mafia, Politik und katholischer Kirche. Dazu passt, dass es keine Anführungszeichen bei der direkten Rede gibt. Das fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber dadurch verstärkt sich die Wirkung einer nüchternen Chronik, und die Botschaft über Italiens bittere, grausame Realität wird eindringlich dargestellt. Aber mehr und mehr zog mich die fesselnde Geschichte in den Bann und der nüchterne, knappe Stil und die protokollartige Wiedergabe begannen mich zu faszinieren. Was dem Autorenduo perfekt gelingt, sind die einzelnen Milieu-Beschreibungen und die Darstellung der engen Verflechtungen zwischen denen aus den Palästen, die aus der Zwischenwelt, die von der Straße und dem Chor. Das sind die einzelnen Überschriften über der Liste der wichtigen handelnden Personen am Anfang des Buches.

Die vielen Charaktere sind gut ausgearbeitet, die teilweise klischeehafte Überzeichnung sicher gewollt und daher verzeihbar. Der eloquente Sebastiano Laurenti, eigentlich kein schlechter Kerl, ist nur durch ein böses Schicksal in diese Lage gekommen und denkt ständig über seinen Ausstieg nach. Er verliebt sich in die schöne, ehrgeizige Stadträtin Chiara Visone. Die redegewandte, charmante Parteichefin war früher mit dem altgedienten, linken Parteikommunisten Adriano Polimeni liiert. Er ist einer der wenigen ‚Guten‘ und versucht zusammen mit Monsignor Giovanni Daré dem Bösen die Stirn zu bieten. Auch andere Figuren wie der schmierige Politiker Temistocle Malgradi, der sich als angeblicher Vertrauter des Bürgermeisters verdingt oder der koksende Baulöwe Danilo Mariani mit seinen fettigen Haaren konnte ich mir gut vorstellen.

– Auf wie viel kommen wir?
– Die Bürojungen bekommen tausend im Monat. Die Vorsitzenden der Ausschüsse mitunter drei-, viertausend. Hängt davon ab. Dazu kommen die Extras für die schwierigen Beschlüsse. Nun, wie ich schon sagte, nur ein paar Trottel von den Cinque Stelle werden dagegen sein, aber wir arbeiten daran. Jabba, wenn du willst, kannst du die Liste der Bauarbeiten vorlesen. (Seite 83
)

Rom ist der Schauplatz dieses Mafia-Thrillers und da kennen sich die beiden Autoren Giancarlo de Cataldo und Carlo Bonini gut aus. Sie sind vertraut mit den politischen Hintergründen in Rom und wissen Bescheid über die Machenschaften hinter den Kulissen. De Cataldo  hat sich als Richter an einem Römer Schwurgericht mit dem Organisiertem Verbrechen auseinandergesetzt, Bonini arbeitet als investigativer Journalist einer Tageszeitung.

De Cataldo hat schon in einigen Werken die italienischen Verhältnisse beschrieben, sein Kriminalroman ‚Romanzo criminale‘ wurde mehrfach erfolgreich verfilmt. Die Nacht von Rom ist die Fortsetzung des erfolgreichen Thrillers Suburra, bei dem die beiden Autoren schon zusammen gearbeitet haben. In Suburra  beschäftigten sie sich intensiv mit der Korruption in Italien. Allerdings ist der vorliegende Politthriller mit knapp 300 Seiten schmaler und nicht ganz so komplex, daher für Laien in italienischer Politik leichter zu konsumieren.

In einem Interview bestreitet De Cataldo augenzwinkernd, dass seine Figuren auf realen Vorbildern beruhen. Doch wer sich mit dem italienischen Polittheater auskennt, wird die ein- oder andere Anspielung erkennen. Der Autor gibt weiter zu, dass es in der Wirklichkeit im kriminellen Bereich nicht ganz so schlimm gekommen sei. Auch das Heilige Jahr sei bis jetzt erstaunlich sauber verlaufen, was man Papst Franziskus zu verdanken hat. Der in der Realität inzwischen inhaftierte Mafiosi Massimo Carminati bezeichnete sich einmal in einem abgehörten Gespräch als Figur der „Zwischenwelt“, in der sich alle träfen. Denn auch die Leute in der Oberwelt brauchten mal jemand aus der Unterwelt, der Dinge für sie erledigt, die sonst keiner machen kann.

In Die Nacht von Rom werfen die beiden Insider in kurzen, knappen Kapiteln ein Schlaglicht auf Italien. Wer sich nur ein wenig mit der aktuellen Politik in Italien auskennt, wird an der spannenden Mischung aus Fiktion und Realität seine Freude haben. Mir fehlte ein bisschen die Spannungskurve, aber den Vorgänger Suburra würde ich auf jeden Fall noch gerne lesen.

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Tags: heilige jahr, korruption, mafia, müll, papst franziskus, politik, rom   (7)
 

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

verschweigen, geheimnis, maler, new york, sehnsucht

Wir sehen uns am Meer

Dorit Rabinyan , Helene Seidler , Luise Helm
Audio CD
Erschienen bei Argon, 11.08.2016
ISBN 9783839815007
Genre: Romane

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

thriller, karin slaughter, mörder, ausgrenzung, shooter

Cop Town - Stadt der Angst

Karin Slaughter , Klaus Berr
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.02.2017
ISBN 9783734104060
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Keine weiße Frau würde je mit einem schwarzen Mann fahren. Die weißen Männer wären nur zu gern mit schwarzen Frauen gefahren, aber Letztere waren nicht so dumm, zu einem Weißen ins Auto zu steigen. Und dass ein schwarzer Mann mit einem weißen fuhr, war völlig ausgeschlossen. Vielleicht war dies auch der Grund, warum Atlanta den Statistiken zufolge eine der gewalttätigsten, kriminellsten Städte Amerikas war. Soweit Maggie es beurteilen konnte, waren schwarze und weiße Beamte sich nur insofern einig, als sie unisono der Ansicht waren, dass Frauen nicht in Uniform gehörten. Auszug Pos. 972

In Atlanta im Jahr 1974 werden kurz hintereinander mehrere Polizisten erschossen. Der von allen nur 'Shooter' genannte Killer richtet seine Opfer mit gezielten Kopfschüssen hin. Zeitgleich beginnt die junge Kate Murphy hochmotiviert ihren Dienst bei der Atlanta Police. Sie stammt aus einer gutsituierten, jüdischen Familie, aber nachdem ihr Ehemann in Vietnam verstarb, will oder muss sie endlich auf eigenen Füßen stehen. An ihrem ersten Tag wird sie Jimmy Lawson an die Seite gestellt, der grade seinen Partner durch den Copkiller verloren hat. Kate lernt seine resolute Schwester Maggie Lawson kennen, die schon länger bei der ‚Truppe‘ arbeitet. Obwohl die taffe Maggie aus einer klassischen Cop-Familie stammt, kämpft sie wie alle Frauen täglich gegen Ressentiments und Machogehabe ihrer sexistischen Kollegen.

Der Leser begleitet die hübsche Kate bei ihren ersten Tagen durch viele schwierige und demütigende Situationen. Zum Beispiel ist ihre Uniform viel zu lang, die Schuhe zu groß und die Polizeimütze passt nicht richtig auf ihren Kopf. Die Darstellung fand ich etwas lächerlich, aber laut Recherche der Autorin gab es zu der Zeit noch keine Dienstkleidung für Frauen. Der Wandel der Zeit Mitte der 1970er Jahre ist noch nicht in der Südstaatenmetropole angekommen. Hier regiert noch die Vetternwirtschaft und trotz eines schwarzen Bürgermeisters existiert im PD immer noch die strikte Trennung zwischen Weiß und Schwarz.

Als ein weiterer Cop ermordet wird, eskaliert die Situation. Die Männer des Atlanta Police Department begeben sich kopflos auf die Jagd nach dem 'Shooter'. In ihrer maßlosen Wut ist ihnen jedes Mittel recht, einen Verdächtigen zu präsentieren. Laut einhelliger Meinung der meisten Cops haben Frauen bei der Ermittlungsarbeit nichts zu suchen. Besonders Maggies brutaler Onkel und Vorgesetzter Terry Lawson verspottet sie und spart nicht mit Demütigungen und Diskriminierungen. Es sind dann aber Maggie und Kate, die sich trotz aller Gegensätze angenähert haben und die, trotz Behinderung durch die Männer, eine erste Spur zu dem Killer finden. Kates gravierende Wandlung vom weinerlichen Neuling zur selbstbewussten Polizistin gerät etwas zu schnell, da die Handlung sich auf über 500 Seiten nur über 4 Tage erstreckt.

Die in Atlanta lebende Autorin Karin Slaughter schickt ihren Leser in diesem Stand-Alone, abseits von ihrer erfolgreichen Grant County Reihe, auf eine Zeitreise in die 1970er Jahre. Sie legt dabei den Fokus auf die tägliche Polizeiarbeit und auf die Anfeindungen der männlichen Cops und der Frauen untereinander. Diesen Aspekt fand ich sehr interessant und dabei hat sie gut recherchiert. Sexismus und Rassismus bestimmen den Alltag in dieser Zeit in den Südstaaten, und der Verdacht der Homosexualität ist das Schlimmste für einen Mann. Die Geschichte um den Copkiller rückt dadurch in den Hintergrund und verliert an Spannung.

Bis auf die Hautprotagonisten sind die anderen Figuren stereotyp und austauschbar. Die Männer werden durchgehend als versoffene, rassistische, homophobe und gewalttätige Cops dargestellt. Hier hätte ich mir eine etwas differenzierte Charakterisierung gewünscht. Karin Slaughter ist auch nicht als Autorin für zarte Gemüter bekannt, trotzdem war die derbe teils vulgäre Sprache, die sie benutzt, für mich oft am Rande des Erträglichen und einfach zu dick aufgetragen.

Oder vielleicht war es auch die Art gewesen, wie Bud Deacon sich die Hand vorn in die Hose gesteckt hatte. Oder der Gestank nach Kotze, den Jett Elliott verströmt hatte. Oder Cal Vicks Unfähigkeit, bei einer Frau irgendwoanders hinzustarren als auf den Busen. Oder die Art, wie Chip Bixby Kate angeglotzt hatte, als wollte er sie im nächsten Augenblick in den Wald zerren und sie vergewaltigen. Auszug Pos. 3511

Leider hat mich der aus mehreren Perspektiven erzählter Roman Cop Town nicht vollständig überzeugt, da er in weiten Teilen auf der Stelle tritt. Es ist weniger ein Thriller, als eine Geschichte über zwei Frauen, die lernen müssen, sich in einer Männergesellschaft zu behaupten.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die tote Stunde

Denise Mina ,
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2016
ISBN 9783453434929
Genre: Krimi und Thriller

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

chemiekonzern, paris, wuli top 20, gesellschaft, prostitution

Die Schuld der anderen

Gila Lustiger
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783833310430
Genre: Romane

Rezension:

Nun war er wieder da. Unter Strom. Mitten im Geschehen. Das gnadenlose Raubtier Rappaport, das ungesehen den endlosen Flur entlangstreifte, flink Treppen hinunterhuschte und, die Gunst des Augenblicks nutzend, die Halle durchquerte, als alle gerade damit beschäftigt waren, eine Gruppe Jugendlicher in die Ausnüchterungszelle zu verfrachten. Die fünf Kids randalierten und wollten sich nicht bändigen lassen? Umso besser. Auszug Seite 67

Der brutale Mord an der jungen Prostituierten Emilie Thevenin vor fast 30 Jahren in Paris wurde nie aufgeklärt. Als man jetzt im Jahrhundertsommer mit Hilfe einer DNA-Analyse den vermeintlichen Täter überführt, kommen dem engagiertem Journalisten Marc Rappaport Zweifel an der Schuld des Verdächtigen. Nach Rücksprache mit seinem Chefredakteur fährt der ehrgeizige Reporter zwecks Recherche nach Charfeuil, die Kleinstadt, in der Emilie aufwuchs. Wieso schlitterte die junge Frau, die mit 18 Jahren aus der Enge der Kleinstadt floh, um in Paris zu studieren, in die Prostitution? Hier in der Provinz deckt unser Held nach und nach einen Skandal viel größeren Ausmaßes auf. Emilies an Krebs verstorbener Vater arbeitete bei dem Chemiekonzern Nutrissor. Dieser hatte jahrelang wissentlich die Gesundheit seiner Arbeiter aufs Spiel gesetzt, in dem er krebserzeugende Stoffe kostengünstig einsetzte. Das alles mit der Rückendeckung der Politiker, denn schließlich ging es um Arbeitsplätze.

Diese Begebenheit geht auf einen realen Fall zurück, der sich Anfang der 80er Jahre bei dem Futtermittelhersteller Adisseo ereignet hatte. Das Provinzunternehmen wurde der groben Fahrlässigkeit bezichtigt und für den Nierenkrebs mehrerer Mitarbeiter verantwortlich zu Schadensersatzzahlungen verurteilt.

Der komplexe, intelligente Plot ist sehr spannend und weiß absolut zu fesseln, dient aber genau genommen auch als Mittel für die Schriftstellerin, um zahlreiche gesellschaftliche Probleme Frankreichs aufzudecken. Wie sie in einem Interview bekannte, war die Struktur des Krimis für sie ein Korsett, an das sie sich halten konnte, wenn ihre Beschreibungen zu ausufernd wurden und sie zur Handlung zurück trieb.

Die in Frankfurt geborene Autorin und studierte Germanistin weiß wovon sie spricht, denn sie lebt seit fast 30 Jahren in ihrer Wahlheimat in Paris. Sie verfügt über eine gute Beobachtungsgabe und legt den Finger in die Wunde. Indem sie das Leben in den Industrie-Kleinstädten und Vororten mit Immigrationshintergrund und hoher Arbeitslosigkeit perfekt beschreibt, die Zustände in den Banlieues, die wachsende Jugendkriminalität, die Prostitution und die Korruption in der Politik, taucht sie schonungslos in die Abgründe der französischen Gesellschaft ein und versteht es die Kluft, die die Gesellschaft immer weiter spaltet, aufzuzeigen.

Wie der Titel schon verrät, geht es viel um die Schuldfrage in der Geschichte. Die Hauptfigur Marc ist ein melancholischer Einzelgänger um die 40. Er wirkt irgendwie zerrissen, da er zwischen allen Stühlen sitzt. Sein verstorbener Großvater, an dem er sehr gehangen hat, war ein gerissener Großindustrieller, der seinen Reichtum zum Teil aus Kriegsgewinnen in Afrika erwirtschaftet hat. Der angesehene Arnaud Delorme hatte ein gespanntes Verhältnis zu Marcs Vater, einem jüdischen Intellektuellen aus einer armen Akademiker-Familie. Unser Held ist als integrer Journalist mit hohen Idealen auf Enthüllungsgeschichten spezialisiert und macht Jagd auf die „bösen Jungs“. Andererseits möchte er aber auch nicht auf die ererbten Annehmlichkeiten verzichten. Trotz seiner handfesten Prinzipien wird er im Laufe der Geschichte um der Gerechtigkeit Willen einen der wenigen Politiker, die er achtet, in den Schmutz ziehen, seinen besten Freund belügen und sich seiner Zeitung bedienen. Grade diese Widersprüche lassen den Protagonisten aber sehr authentisch, menschlich und auch sympathisch erscheinen.


Er, Marc ging nicht nur zur Arbeit. Er hatte sich vom System schlucken und umkrempeln lassen. Sein Beruf hatte ihn so verändert, dass er sich gar nicht mehr richtig erinnern konnte, je anders auf die Wirklichkeit geblickt zu haben, als mit den abgefeimten Augen eines abgefeimten Zeitungsfritzen. Auszug Seite 105


Gila Lustiger wirft mit viel literarischem Können und sprachlich auf hohem Niveau einen entlarvenden Blick auf die Verhältnisse der 'Grande Nation'. Dadurch ist ihr ein großer Gesellschaftsroman gelungen, der viel mehr ist als ein normaler Politthriller. Die tragische Wendung zum Schluss lässt den Titel 'Die Schuld der anderen' noch mal in seiner ganzen Bedeutung erschließen. Ein rund herum gelungenes Leseerlebnis, das aufzeigt, dass die Grenzen der Schuld fließend sind.



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74 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

krimi, oslo, norwegen, widerstand, nationalsozialismus

Der letzte Pilger

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 26.02.2016
ISBN 9783471351161
Genre: Krimi und Thriller

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98 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

münchen, krimi, mord, obdachlose, andreas föhr

Eisenberg

Andreas Föhr
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.06.2016
ISBN 9783426653968
Genre: Krimi und Thriller

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196 Bibliotheken, 7 Leser, 11 Gruppen, 16 Rezensionen

berlin, krimi, gereon rath, 1929, deutschland

Der nasse Fisch

Volker Kutscher
Flexibler Einband: 542 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 25.08.2008
ISBN 9783462040227
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Der Schmerz machte ihn halb wahnsinnig, er musste sich zusammenreißen. Das Geräusch der Tropfen nicht beachten, so laut es auch war. Tropfen, die auf einen harten, feuchten Boden fielen. Er wusste, dass es sein eigenes Blut war, das da auf den Beton tropfte. (Auszug Seite 11)
 
 
Volker Kutscher entführt uns in seinem Kriminalroman Der nasse  Fisch in das Berlin des Jahres 1929. Sein Hauptprotagonist Gereon Rath fängt in Berlin als Kommissar bei der Sitte an. Er stammt ursprünglich aus Köln, hat dort aber im Dienst den Sohn eines bedeutenden Verlegers erschossen. Nach einer Hetzkampagne durch die Medien wurde er dank der Beziehungen seines Vaters nach Berlin „strafversetzt“. In der Hauptstadt muss der ehemalige Mordermittler sich unter anderem während der schweren Unruhen am 1. Mai erst mal profilieren. Die Maiunruhen, bei denen es durch die überforderte Polizei zu zahlreichen unbeteiligten Opfern kommt, werden später als Blutmai in die Geschichtsbücher eingehen.
 
 
Die Maiunruhen hielten auch am dritten Tag an. Immer wieder kam es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Schupos, immer wieder fielen Schüsse. Auf den Straßen um Wedding und in Neukölln herrschte Krieg. Aus dem Baumaterial in der Hermannstraße waren Barrikaden errichtet worden, in einigen Straßenzügen sämtliche Straßenlaternen durch Steinwürfe außer Betrieb gesetzt. (Seite 67)
 
 
Als im Landwehrkanal die Leiche eines schwer misshandelten, unbekannten Mannes gefunden wird, meint der ehrgeizige Rath, diesen zu kennen. Er nutzt die Chance zur Mordkommission zu wechseln und ermittelt auf eigene Faust. Seine Recherchen führen ihn ins Berliner Nachtleben. Er findet eine Verbindung zu russischen Emigranten, die hinter geschmuggeltem Gold her sind, um damit Waffen zu kaufen. Da auch das organisierte Verbrechen hinter dem Gold her ist, begibt sich Rath in große Gefahr. Er verstrickt sich immer mehr in den Fall, erschießt in Notwehr einen Verfolger und versteckt die Leiche. Aufgrund seiner Vergangenheit in Köln versucht er die Tat zu vertuschen.
 
In seinem Auftaktband der bisher sechsteiligen Reihe versteht es der Autor Volker Kutscher, ein schillerndes Portrait Berlins und der Weimarer Republik zu zeigen. Berlin galt damals als amerikanischste Stadt Europas, eine moderne, pulsierende Metropole. An der Seite des Neuberliners Gereon Rath erlebt der Leser eine Hauptstadt voller politischer und sozialer Spannungen und Umbrüche sowie ungezügelter Vergnügungssüchte. Die neuen Freiheiten ließen aber auch das Verbrechen erblühen. Berlin bildet die spannende Kulisse einer Gangstergeschichte mit den Umbrüchen dieser Zeit.
Der ambitionierte Autor hat wirklich akribisch recherchiert und den Zeitgeist der 30er Jahre gut wiedergegeben. Durch die umfassende historische Genauigkeit vermittelt er ein lebendiges Bild der Zeit und Schauplätze. Er benutzt das Vokabular der Zeit und setzt den Berliner Dialekt dosiert ein. Viele moderne Ansätze, wie zum Beispiel die sexuelle Freizügigkeit oder die Emanzipation der Frau, sind von unserer heutigen Zeit gar nicht so weit entfernt, wurden aber durch die Katastrophe des Dritten Reiches erst mal gestoppt. Der Nationalsozialismus mit seinen Symbolen taucht bisher nur ab und zu am Rande auf. Noch ahnen die Zeitgenossen um den in politischen Dingen völlig desinteressierte Rath noch nichts von der drohenden Katastrophe. Kutscher betont aber, dass es sich nicht um ein Geschichtsbuch handelt, bis auf wenige Ausnahmen ist sein Figurenpersonal auch rein fiktiv.
 
 
Mit seinem Hauptprotagonist ist Kutscher ein durchaus vielschichtiger, ambivalenter Charakter gelungen. Der gerissene Rath nimmt es oft mit der Wahrheit nicht so genau, hat aber immer die Gerechtigkeit im Sinn. Um den Fall aufzuklären, überschreitet er immer wieder Grenzen, arbeitet oft am Rande der Legalität, unter anderem auch mit Berliner Unterweltgrößen zusammen. Als seine Recherchen ihn in illegale Nachtclubs führen, nimmt er sogar Kokain, um nicht aufzufallen. Gereon verliebt sich in Charly, eine Stenotypistin der Mordkommission, was ihn nicht daran hindert, ihr Insiderwissen für seine eigenmächtigen Ermittlungen zu missbrauchen. Als ein nasser Fisch wird zu der Zeit übrigens ein ungelöster Fall genannt, passt aber auch auf den sich manchmal geschickt durchlavierenden Rath.
 
 
Das Besondere an diesem komplexen Krimi ist nicht unbedingt der Plot, der zwar wendungsreich aber in gemächlichem Tempo daherkommt, teilweise ausschweifend erzählt wird und zum Schluss in einem etwas konstruierten Actionfinale mündet. Faszinierend fand ich, wie der Autor dem Leser anhand des politisch naiven Polizisten Rath aufzeigt, wie die politische Zerrissenheit, die Arbeitslosigkeit oder die Ängste vor den Kommunisten den Weg in eine Diktatur erst ermöglichten.
 

Kutscher erzählt flüssig, routiniert und spannend den Untergang der Weimarer Republik und ich bin sehr neugierig, wie es mit allen weitergeht.

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Tags: band 1, berlin, gereon rath, gold, kommunismus, russen, waffenhandel, weimarer republik   (8)
 

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103 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

entführung, la réunion, mord, familie, urlaub

Beim Leben meiner Tochter

Michel Bussi , Eliane Hagedorn , Barbara Reitz
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 16.05.2016
ISBN 9783746631936
Genre: Romane

Rezension:

Die französische Familie Bellion macht samt der sechsjährigen Tochter Josapha Urlaub auf der paradiesischen Insel La Réunion. Nachdem Liane eines Nachmittags spurlos verschwindet, findet man ihr Hotelzimmer verwüstet und voller Blut vor. In den Fokus der Ermittlungen gerät ihr Ehemann Martial, der sich in Widersprüche verwickelt und dadurch verdächtig macht. Doch bevor er durch die Gendarmerie verhaftet werden kann, gelingt es ihm, zu entkommen. Es beginnt eine spannende Hetzjagd über die ganze Insel, denn Martial hat auf der Flucht seine kleine Tochter dabei.


Für mich war es das erste Buch, dass ich von Michel Bussi gelesen habe. Eigentlich als Roman ausgeschrieben, war ich nicht nur über die fesselnde Handlung überrascht. Auch andere Attribute wie unerwartete Wendungen, Tempo und Cliffhanger sind vorhanden, die ihn als Krimi klassifizieren.

Das Buch ist sehr flüssig mit einfachen Worten geschrieben und die kurzen Kapitel tun ihr übriges, so dass man nur so durch die Seiten fliegt. Die Zeitangaben über den Kapiteln erhöhen das Tempo und die geschickten Perspektivenwechsel erhöhen die Spannung.

Der französische Autor beschreibt das Leben auf dieser traumhaften Insel im Indischen Ozean mit Palmen und türkisblauem Wasser, mit Wasserfällen, einem Garten Eden und einem Vulkan sehr detailliert und schafft damit eine subtropische Atmosphäre. Das macht auch den Reiz dieser Geschichte aus: Grausame Verbrechen vor malerischer Kulisse mit Südseeflair. Man kann sich den Urlaub in dem Luxushotel mit Sonnenbaden am Pool und Cocktails an der Bar richtig gut vorstellen. Leider fehlt es mir hier ein wenig an Tiefe und Emotionen. Alles fliegt wie in einem Popcorn-Film an mir vorbei, ohne mich wirklich zu berühren.


Die einzelnen Charaktere sind nur oberflächlich skizziert und blieben mir größtenteils fremd. Die Erzählperspektive der kleinen Josapha ist durchaus ein guter Kniff, aber die geäußerten Gedanken und Gefühle passen nicht zu einem sechsjährigen Mädchen und wirken zu abgeklärt.

Während der Flucht erfährt der Leser immer mehr Einzelheiten aus der Vergangenheit der Protagonisten. Diese verunsichern den Leser und werfen neue Fragen nach dem Tathergang auf. Man weiß bis zum Schluss nicht, wem man trauen kann.


Das Ende ist dann auch ein bisschen abstrus und konstruiert, aber als entspannte Urlaubslektüre auf der Sonnenliege ideal.


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Tags: entführung, familie, insel, la réunion, urlaub   (5)
 

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

smoothie, roman firnkranz, smoothies, ernährung, obst

Meine grünen Smoothies

Roman Firnkranz
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei riva, 11.04.2016
ISBN 9783868838046
Genre: Sachbücher

Rezension:

Grüne Smoothies, der Mix aus grünem Blattgemüsen und Früchten sind ja seit einiger Zeit der neue Gesundheitstrend und beliebtes Lifestyle-Produkt. Der Österreicher Roman Firnkranz, ein Ernährungstrainer beschäftigt sich schon länger auf seiner Website mit dem Thema. Mit seinem Buch „Meine grünen Smoothies“ wendet er sich auf 144 Seiten im Besonderen an Grüne-Smoothies-Einsteiger. Das flexible Softcover-Buch ist hochwertig und in frischen Farben modern gestaltet. Es ist in mehreren Kapiteln unterteilt und fängt nach einem kurzen Vorwort des Autors mit einer detaillierten Einführung zur gesundheitlichen Wirkung an.


Das 1. Kapitel heißt dann auch Grüne Smoothies verstehen und man erfährt alle wichtige Fakten über die grüne Smoothies und welche Wirkung das Pflanzengrün auf den Körper hat. Nach jedem Kapitel gibt es noch mal zusammengefasst ein grün unterlegtes Fazit. Interessant fand ich das Kapitel über die „Mutter der grünen Smoothies“, die Russin Victoria Boutenko, die beim Studium der Ernährungsgewohnheiten der Schimpansen, die Wirkung des Pflanzengrüns entdeckte.

In dem 2. Kapitel Grüne Smoothies in sechs einfachen Schritten gibt es eine genaue Anleitung um den perfekten grünen Smoothie zu mixen. Hier findet man u.a. auch fundierte Ratschläge über das Equipment, über die besten wie auch ungeeigneten Zutaten für Einsteiger und wo man diese besorgen und lagern kann. Bei dem Abschnitt über alternative Besorgungsmöglichkeiten war der Hinweis auf „Mundraub.org„ für öffentlich zugängliche Bäume und Sträucher neu und interessant für mich.

Dann folgt das Besondere und Innovative an diesem Buch: Eine 30-Tage-Challenge mit 30 Rezepten. Diese Rezepte sind wirklich sehr einfach gehalten und lecker. Der Grünanteil bei den Rezepten wird schrittweise gesteigert. Die Zutaten sind schnell und unkompliziert zu besorgen und für die erste Woche gibt es einen Einkaufszettel als zusätzliche Hilfe. Das kam mir sehr entgegen, ich musste aber leider feststellen, dass so manche von den frisch eingekauften Zutaten nicht eine Woche haltbar sind.

Hier gibt es auch einige Motivationshilfen und Tipps, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu rutschen. Schön fand ich den Tipp, mit kleinen Schritten anzufangen und nachfolgend einige Beispiele:


Wenn Sie mehr Muskeln aufbauen wollen, dann starten Sie mit einem Liegestütz pro Tag.

Wenn Sie sich gesünder ernähren wollen, dann starten Sie mit einem Glas grünem Smoothie pro Tag.


Dann folgen einige Erfahrungsberichte und immer wieder Aufgaben, die beim Durchhalten helfen sollen. Für mich kristallisierte sich die tägliche Beschaffung der frischen Zutaten als Problem heraus. Auch den Smoothie als vollständige Mahlzeit als Brei zu löffeln, leuchtet mir zwar ein, ist aber so gar nicht mein Ding.

Am Ende werden noch mal einige Fragen bezüglich spezieller Lebenssituationen und ungewöhnlicher Herausforderungen von dem sympathischen Autor erläutert.


Fazit: Ein informatives, übersichtliches Nachschlagewerk über eine unkomplizierte Möglichkeit, sich gesünder zu ernähren mit vielen leckeren Rezepten speziell für Anfänger.




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Tags: ernährung, gesundheit, obst, pflanzengrün, smoothie   (5)
 

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

amsterdam, mord, krimi, rotlichtmilieu, pieter posthumus

Das Haus der verlorenen Seelen

Britta Bolt
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 10.03.2016
ISBN 9783455405637
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Pieter Posthumus hatte noch nie so viel Blut gesehen.
„Mein Gott“, sagte jemand hinter ihm. Eine Hand in seinem Rücken schob ihn ins Zimmer.
„Du bist das doch gewöhnt“ „Normalerweise sehen wir die Leichen nicht“, sagte Posthumus.
„Nicht so.“ (Auszug Seite 9) Anfang



Nach dem gelungenem Debüt „Das Büro der einsamen Toten“ geht nun die Reihe um Pieter Posthumus mit „Das Haus der verlorenen Seelen“ weiter. Pieter, der als Beamter der Stadt Amsterdam für eine würdige Beerdigung von anonymen Leichen zuständig ist, wird diesmal zufällig Zeuge eines brutalen Gewaltverbrechens.
PP sitzt in seinem Stammlokal Dolle Hond, als in der benachbarten Pension ein junger Moldawier tot in einer riesigen Blutlache aufgefunden wird. Die Vermieterin Marloes Vermolen hat aus dem ehemaligen Gästehaus ihrer Eltern am Rande des Rotlichtviertels ein Heim für gestrandete junge Menschen gemacht. Der ermordete Zig, dem sie nach einer Stricher- und Drogenkarriere wieder auf die Beine half, war ihr Lieblingsschützling gewesen. Marloes, eine schrille, exzentrische Frau mit einer Vorliebe für bunte, wallende Gewänder, die blutüberströmt, total verwirrt und um Hilfe bittend im Dolle Hond auftaucht, wird schnell zur Hauptverdächtigen. Es ist ausgerechnet PP, der einen Zusammenhang zu einem länger zurückliegenden Mordfall entdeckt. Als er seine Erkenntnisse der Polizei mitteilt, ahnt er nicht, dass er damit den Grund liefert, Marloes als Verdächtige eines Doppelmordes zu verhaften. PP, von Marloes Schuld nicht überzeugt, kann gar nicht anders als der Sache auf den Grund zu gehen und auf eigene Faust zu ermitteln.
Der zweite Band um den ungewöhnlichen Ermittler Pieter Posthumus knüpft nahtlos an das Erstlingswerk an. Ein paar Mal wird sogar auf den ersten Teil Bezug genommen und einige offenen Fragen geklärt.
 
Nachdem mir der erste Fall des Autorenduos, Britta Böhler und Rodney Bolt alias Britta Bolt so gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt auf den vorliegenden Roman. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich war sofort wieder mitten in Amsterdam. Und sie waren alle wieder da. Der beharrliche, gutmütige,  PP, der immer noch mit dem Fahrrad durch sein Viertel kurvt, weiter seine Exfreundin Anna, die gute Seele und Wirtin des Dolle Hond und immer noch (heimlich) seine große Liebe, Cornelius, der Künstler, der die Gedichte für die anonymen Toten schreibt, etc. Selbst Frau Pling sitzt wieder an ihrem Lieblingsplatz am Geldspielautomaten.
Britta Bolt haben wirklich ein Händchen für liebenswerte, schräge Vögel, die alle bis auf die kleinsten Nebenrollen sehr authentisch und menschlich gezeichnet sind. Besonders gut gelungen ist der sympathische Eigenbrötler und Hobbykoch PP.


 
Er würde dafür sorgen, dass der Fall bei ihm landete. Seinen Kollegen war es egal. Nur Posthumus ging die Bücherregale seiner „Klienten“ – so nannte er die Toten – durch, begutachtete ihre Musiksammlungen und blätterte in privaten Briefen, um ihren Abschied von der Welt persönlicher zu gestalten. Seine Kollegin Maya nannte ihn deshalb einen makabren Schnüffler. (Auszug Seite 15)



Der Hauptdarsteller ist aber die Stadt Amsterdam, die die beiden Autoren, die seit 1990 hier leben, mit ihren Vierteln, Grachten und Kaffehäusern liebevoll und atmosphärisch dicht beschreiben, wobei nicht mit gesellschaftlicher Kritik gespart wird.



Die Häuser von De Wallen drängten sich dicht an die Rückseite der Kirche. Kleinkinder spielten fröhlich in einer Kindertagesstätte, die flankiert war von den Mädchen in ihren Fenstern. Sie waren schon bei der Arbeit, obwohl es erst kurz nach elf war. Kein Wunder, dass manche Leute, so entsetzt über Amsterdam waren, dachte Posthumus, während er sich durch die schmale Gasse schlängelte. Aber ansehen wollten sie es sich natürlich trotzdem. Junge Männer mit rosigen Wangen, begleitet von ihren offenkundig verlegenen oder gelangweilten Freundinnen. Gruppen von Tagesausflüglern mittleren Alters in Anoraks. Sie hatten Spaß an dem kleinen Nervenkitzel, die moralische Empörung auf ein missbilligendes Zungenschnalzen reduziert. (Auszug Seite 205, 206)


Pieter mit seinem untrüglichen Gespür für Ungereimtheiten findet bei dem Ermordeten Merkwürdiges auf einem Gemälde, eine Kopie von Vermeers Dienstmagd mit Milchkrug, welches der talentierte Zig hinterlassen hat. Seine Ermittlungen führen ihn daher nicht nur durch das Rotlichtviertel oder in dubiose Fitnesscenter, sondern auch ins Rijks-Museum. Mir hat dieser Handlungsstrang um die alten Holländischen Meister besonders gut gefallen. Der Leser ist immer an Pieters Seite und kann miträtseln in diesem spannenden verzwickten Fall. Für mich war dieser leise, kluge Krimi, der auf unnötige Gewaltszenen verzichtet, ein Highlight, der sich wohltuend von dem üblichen Krimieinerlei abhebt.
Das wunderschön gestaltete Cover der deutschen Ausgabe zeigt einen Totenkopf in dem typischen holländischen Delfter Blau und passt damit gut zu Band 1 der Reihe, der einen Revolver in dem gleichen Look ziert.
 
Ich freue mich schon auf den bereits in den Niederlanden erschienenen 3. Teil der als Trilogie angelegten Pieter Posthumus Reihe.

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Tags: amsterdam, band 2, rijksmuseum, rotlichtmilieu   (4)
 

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29 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

spionage, thriller, brüssel, politik, politthriller

Der Schwimmer

Joakim Zander , Ursel Allenstein , Nina Hoyer , Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.06.2016
ISBN 9783499268885
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Und dann? Wenn die Russen abgezogen, die Bilder von Lenin verbrannt und nur die Toten übrig sind? Sollen diese zeitlosen Männer ein Land in Allahs Namen errichten? Sollen wir es ihnen erlauben, Musik, Theater, Literatur, ja sogar archäologische Stätten zu verbieten? So wie sie es ankündigen? Ziehen wir das der Gottlosigkeit des Kommunismus vor? In welche Hände legen wir das Schicksal dieser Welt? “

Auszug Seite 108 (Afghanistan 1988)

Der schwedische Autor Joakim Zander erzählt in seinem Debüt 'Der Schwimmer' die Geschichte eines amerikanischen Agenten, der vor über 30 Jahren bei einem Anschlag im Nahen Osten seine Frau verloren hat. Er hielt die gemeinsame Tochter im Arm und musste mit ansehen, wie sie einer ihm geltenden Autobombe zum Opfer fiel. Klara wuchs bei ihren schwedischen Großeltern auf einer Schäreninsel auf, ohne irgendetwas über ihren Vater zu wissen.

Der traumatisierte CIA-Agent leidet darunter, seine Tochter nie wieder gesehen zu haben und nie erfahren zu haben, wer für den Anschlag verantwortlich gewesen ist. Nur beim Schwimmen kann er ein wenig innere Ruhe und Frieden finden. Die Rückblicke auf sein Leben bilden die Rahmenhandlung dieses Krimis.

Die eigentliche Geschichte dreht sich um die inzwischen erwachsene Klara Walldéen, die als dynamische EU-Referentin in Brüssel Karriere macht. Während ihres Studiums in Uppsala verliebte sie sich in einen Politologen, der die Beziehung grundlos beendete. Als Professor Mahmoud Shammosh sich jetzt meldet und sie um Hilfe bittet, zögert sie nicht, ihrer großen Liebe „Moody“ zu helfen. Das Ausmaß dieser Geschichte kann sie allerdings noch nicht erahnen. Der angesehene Professor ist an Informationen von derart politischer Brisanz gekommen, das alsbald skrupellose Geheimdienstler auf ihrer Spur sind. Die Dunkelmänner schrecken vor nichts zurück, um die Berichte, die sich auf einem Laptop befinden, zu eliminieren. Auch Klara gerät in das Visier der Scharfschützen und es kommt zu einer Hetzjagd durch ganz Europa.

Und dann ist da noch der Lobbyist Georg Lööw, der nur das große Geld und seine Karriere im Auge, einen Fehler macht und daraufhin erpressbar ist. Er wird mit einem heiklen Auftrag betraut und nicht nur er wird im Laufe der Geschichte noch über sich selbst hinauswachsen.

„Wir ermorden niemanden“, erwidert Kirsten ruhig. „Wir befinden uns in einem Krieg, klar? Soldaten morden nicht, sie kämpfen für das Überleben ihres Landes. Und genau das sind wir: Soldaten. Was wir tun, hält die Welt am Laufen. Weil wir uns opfern, können du und deine blutleeren Kollegen jeden Tag zur Arbeit gehen, und ihr könnt mit eurem verdammten bullshit weitermachen. Ermorden? Was glaubst du eigentlich, wer du bist, hier zu sitzen und von Mord zu quatschen? Und wir tun alles, was in unserer Macht steht, damit niemand sein Leben lassen muss. Du glaubst mir vielleicht nicht? Du glaubst vielleicht, wir würden das genießen?“

Auszug Seite 288

Der Autor treibt seinen anspruchsvollen Politthriller mit kurzen Kapiteln, vielen Orts- und Zeitenwechsel voran. Die unterschiedlichen Erzählperspektiven verlangen dem Leser einiges an Konzentration ab. Unterbrochen wird der intelligente, packende Plot von den Rückblenden des Schwimmers. Diese intensiven Kapitel sind in der Ich-Perspektive im Präsens geschrieben und so ist man dem melancholischen Amerikaner sehr nahe. Sie erzählen von einem einsamen, desillusionierten Agenten, der sich aber seine Menschlichkeit bewahrt hat. Sie nehmen aber auch zumindest im ersten Drittel ein bisschen das Tempo raus und schränken den Lesefluss ein. Wenn nach einigen überraschenden Wendungen die einzelnen Handlungsstränge zusammen laufen und auf ein Showdown zurasen, entsteht großes Kopfkino. An diesem Punkt konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Der brisante Thriller ist aus der Feder eines Autors, der über reichlich Hintergrundwissen verfügt. Der in Stockholm geborene Joakim Zander wuchs an der schwedischen Küste und in Damaskus auf und arbeitete u.a. für das Europäische Parlament in Brüssel. Er weiß also, wovon er spricht und so beschreibt er sehr eindrücklich und schonungslos die Machenschaften hinter den Kulissen der EU. Ein zweiter Band um die Protagonistin Klara Walldéen soll schon fertig sein und ein dritter ist in Planung.

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Tags: afghanistan, agent, brüssel, cia, eu-politik   (5)
 

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126 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

rache, gefängnis, korruption, spannung, liebe

Der Sohn

Jo Nesbø ,
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.11.2015
ISBN 9783548287782
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Ich glaube, sie kam aus Weißrussland. Minsk ist doch in Weißrussland, oder?“ Rover blickte kurz auf, aber der Junge auf dem Bett antwortete nicht. „Nestor hat sie immer Minsk genannt“, sagte Rover. „Und dann hat er gesagt, ich soll sie erschießen.“

Es war echt von Vorteil, sich jemandem mit einem derart ausgebombten Herzen anzuvertrauen. Da konnte man sicher sein, dass keine Namen und keine Details in Erinnerung blieben, es war irgendwie, wie mit sich selbst zu reden. Vermutlich gingen die Häftlinge des Staten deshalb zu ihm und nicht zum Pastor oder Psychologen. (Auszug Seite 8 und 9)

Sonny Lofthus sitzt bereits seit 12 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Staten in Oslo ein. Der vorbildliche Gefangene ist für seine Mithäftlinge in seiner ruhigen, sanftmütigen Art so was wie ein Beichtvater. Er geriet auf die schiefe Bahn, als sein heißgeliebter Vater Selbstmord verübte. Ab Lofthus, einst ein angesehener Polizist, gestand in einem Abschiedsbrief korrupt gewesen zu sein.
Für den damals noch sehr jungen Sonny brach eine Welt zusammen, war sein Vater doch sein großer Held. Er scheint mit seinem Leben abgeschlossen zu haben, sein einziges Interesse gilt dem Heroin, mit dem er im Gefängnis versorgt wird, und dafür übernimmt er die Verantwortung für Verbrechen einflussreicher Mitglieder der Gesellschaft. Doch Sonny wird aus seiner Lethargie gerissen, als er bei einer Beichte erfährt, dass sein Vater keineswegs der Spitzel war, für den ihn alle hielten und dass er ermordet wurde. Er bricht aus dem Gefängnis aus und beginnt einen gnadenlosen Rachefeldzug. Dabei helfen ihm die Informationen über die Unterwelt Oslos, die er über Jahre als Beichtvater gesammelt hat, um durch Selbstjustiz Gerechtigkeit zu erlangen. Auf der Flucht vor der Polizei findet er Unterschlupf in Martha’s Heim für Heroinabhängige.

Also großer Fan von Jo Nesbø und seiner Reihe um den Kommissar Harry Hole war ich sehr neugierig auf 'Der Sohn', ein weiterer Stand-Alone wie die bereits erschienenen Romane 'Headhunter' und 'Blood on Snow'. Und der norwegische Erfolgs-Autor zeigt auch hier, was für ein genialer Handlungskonstrukteur er ist. Obwohl man als Leser an Sonnys Seite stets einen Wissensvorsprung vor den Ermittlern hat, war ich von Anfang an gefesselt von der intelligenten Dramaturgie und den lebendigen Dialogen. Immer wieder gelingt es ihm durch trickreiche, clevere Wendungen zu überraschen. Durch stetigen Perspektivenwechsel erhält er den Spannungsbogen konstant hoch bis zum Showdown, wenn auf den letzten Seiten das Rätsel um den Maulwurf bei der Polizei nachvollziehbar gelöst wird.

Neben seinem Ideenreichtum ist eine weitere große Stärke des Starautors, den Charakteren Leben einzuhauchen. Die Hauptperson ist ein drogenabhängiger, verurteilter Mörder, eine charismatische, verstörende Figur, und Nesbø schafft es, dass man als Leser durchaus große Sympathien fühlt. Der Junkie Sonny ist immer höflich, schont Unschuldige und hilft den Bedürftigen. Immer wieder bedient sich Nesbø an religiösen Elementen, zum Beispiel wenn Sonny bei einer Prügelei noch die andere Wange hinhält. Verstärkt werden die ambivalenten Gefühle durch den perspektivischen Trick des Autors, Sonny und seine Handlungen nur durch die Sicht der anderen zu beschreiben.
 
Auch die weiteren Protagonisten sind glaubhaft und authentisch gezeichnet. Da ist der Ermittler Simon Kefas, ein kluger, altmodischer Kommissar kurz vor der Pension, ein Jugendfreund und langjähriger Partner seines Vaters. Er gibt seine Erfahrungen an seine junge Kollegin Kari Adel weiter, die eigentlich nur auf dem Sprung zu einer großen Karriere abseits der Polizei ist. Selbst die kleinsten Nebenrollen werden detailliert beschrieben und gewinnen dadurch an Tiefe, sei es der pädophile Gefängnispfarrer, der gutmütige Taxifahrer, der Obdachlose, der auf Sonnys Klamotten aufpasst, der korrupte Gefängnisleiter, der neugierige Nachbarsjunge etc.
Bei dem großen Figurenensemble, sollte man, um nicht den Überblick zu verlieren, lange Unterbrechungen vermeiden. Manche Nebendarsteller werden auch erst hundert Seiten später noch eine wichtige Rolle spielen.

Neben dem komplexen Plot unterhält uns Nesbø wie gewohnt mit bizarren, brutalen Morden und reichlich Blut.

Aber er konnte die Beine nicht anwinkeln. Verdammt, waren die tief eingeschlafen. Er versuchte es noch einmal, aber sie reagierten nicht. Es fühlte sich an, als hätten sie sich komplett abgekoppelt. Er kratzte sich am Schenkel. Kniff in die Haut, und in seinem Kopf klickte es. Nachdenken. Nein, nicht nachdenken! Zu spät. Das Loch im Album. Das Blut. Die Kugel musste seinen Rücken durchschlagen haben. Die ausbleibenden Schmerzen. Sylvester legte sich die Hand auf den Bauch. Nass von Blut. Nur dass es sich so anfühlte, als würde er einen anderen anfassen. Er war gelähmt (Auszug Seite 282)


Manches ist natürlich ein bisschen unrealistisch, zum Beispiel Sonnys relativ einfache Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis, die schnelle Überwindung seiner Heroinsucht oder die Liebesgeschichte zwischen ihm und Martha. Ich hoffe auch mal, dass unsere Gesellschaft nicht komplett so von Korruption durchsetzt ist. Aber für mich war dieses Drama um Schuld und Vergebung ein großes Lesevergnügen auf höchstem sprachlichem Niveau.

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Tags: drogen, gefängnis, korruption, liebe, norwegen, rache   (6)
 

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225 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

london, krimi, cormoran strike, england, robin ellacott

Die Ernte des Bösen

Robert Galbraith , Wulf Bergner , Christoph Göhler , Kristof Kurz
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 26.02.2016
ISBN 9783764505745
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

'Es war ihm nicht gelungen, ihr Blut vollständig zu entfernen.' (Auszug Seite 9 Erster Satz)

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass sich hinter dem Pseudonym des ehemaligen Soldaten Robert Galbraith die bestbezahlte Autorin der Welt Joanne K. Rowling verbirgt. Und da ich bei Harry Potter immer ihre Phantasie und ihren Einfallsreichtum bewundert habe, war ich sehr neugierig auf den vorliegenden Krimi. ‚Die Ernte des Bösen‘ ist bereits der 3. Teil um den Privatdetektiv Cormoran Strike und seine Assistentin Robin Ellacott. Und es wird ihr privatester Fall und fängt schön schaurig an. Robin bekommt in einem Paket ein abgeschnittenes Frauenbein zugeschickt. Dieses ist genau an der Stelle amputiert wie bei dem in Afghanistan verwundeten Strike.

Der Killer hat es offenbar auf Robin abgesehen um sich an Strike zu rächen, der sich im Laufe seines Lebens einige Feinde gemacht hat. Dem Privatdetektiv fallen auch sofort einige Verdächtige aus seiner Vergangenheit ein. Das sind einmal sein ehemaliger Stiefvater, ein Rockstar, den er für den Tod seiner Mutter verantwortlich hält. Zum anderen zwei wegen skrupelloser Gewalttaten unehrenhaft aus der Armee entlassene Soldaten. Hier erfährt man viel aus Strikes Vergangenheit, dessen Charakter dadurch an Kontur gewinnt.


Der Leser begleitet das sympathische Detektiv-Duo bei seinen Ermittlungsarbeiten, die aus Recherche, Observierungen und Befragungen bestehen und kann die ganze Zeit gut mit rätseln. Das entspricht sicherlich realistischer Detektivarbeit, aber dadurch fällt leider die Spannungskurve rapide ab. Für mich ging auch manchmal der Überblick verloren und ich fragte mich, wer wann observiert wird und warum.

Eingeschoben werden Kapitel aus der Täterperspektive. Das ist jetzt nicht neu und ja mittlerweile auch ein probates Mittel, um Spannung zu erzeugen. Und tatsächlich gehören diese Passagen, in denen der psychopathische Mörder Robin verfolgt mit zu den aufregendsten. Zum Schluss werden diese Kapitel allerdings immer widerlicher, da verwechselt die Autorin wohl Spannung mit grausigen Detailbeschreibungen, das ist leider so gar nicht meins. Auch mit dem Thema BIID der 'Körper-Integritäts-Störung', eine psychische Erkrankung, bei der sich der Patient nach Amputation sehnt, konnte ich nicht viel anfangen.

Jedes Kapitel wird mit einer Songzeile der amerikanischen Hardrockband Blue Öyster Cult überschrieben. BÖC’s bekanntester Titel ‚Don’t fear the Reaper‘ und auch die Tatsache, dass sie ihre Musik mit Texten von Schriftstellern versehen, passt zum Inhalt und zur gewollt düsteren Stimmung der Geschichte.

Dass es zwischen den beiden Hauptprotagonisten Cormoran und Robin vor erotischer Spannung knistert ist ja ein bekanntes Stilmittel. Ich musste an alte Detektivserien wie 'Remington Steele' oder 'Das Model und der Schnüffler' aus den 80ern denken. Die privaten Angelegenheiten der beiden nehmen einen großen Teil der fast 670 Seiten ein. Natürlich mögen sie klischeehaft den Partner des anderen nicht.

Und tatsächlich bedient sich die Autorin vieler Klischees. So sind die Polizisten sehr uneinsichtig und arbeiten gegen die Detektive, die Zeugen waren Studenten, die nichts mitgekriegt haben etc.


„Und im Erdgeschoss hat niemand etwas gehört – keine Schreie, nichts?“

„In diesem Haus wohnen überall Studenten. Mit denen ist leider wenig anzufangen“, sagte Wardle. „Laute Musik, zu jede Tages- und Nachtzeit Besuch von Freunden... Sie haben wie die Schafe geglotzt, als wir sie gefragt haben, ob sie etwas von oben gehört hätten. Das Mädchen, das die Vermieterin angerufen hat, war total hysterisch. Sie meinte, sie könnte es sich nie verzeihen, nicht sofort angerufen zu haben, als es anfing zu stinken.“ (Auszug Seite 223)


Mit dem massigen Meisterdetektiv Cormoran Strike, der nach einer konfliktreichen Jugend auch noch ein Afghanistan-Trauma zu bewältigen hat, ist Rowling eine interessante Figur gelungen, das übrige Figurenpersonal fand ich recht eindimensional.

Die Ernte des Bösen‘ ist ein klassischer Detektiv-Krimi-Schmöker der alten Schule in der Tradition von Agatha Christie. Leider hat die detailverliebte Autorin die Spannung durch zu viele private und ellenlange Dialoge teilweise ausgebremst. Als es zum Schluss noch spannend wird und die Auflösung präsentiert wird, ist diese sehr schnell abgehandelt. Außerdem versäumt es Rowling einige vorher gelegte Finten aufzuklären.

Die BBC soll schon an einer Verfilmung der Serie um das ungleiche Ermittler-Duo arbeiten.



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Tags: band 3, cormoran strike, detektiv-duo, joanne k. rowling, london   (5)
 

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163 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

libanon, familie, bürgerkrieg, beirut, vater

Am Ende bleiben die Zedern

Pierre Jarawan
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.03.2016
ISBN 9783827013026
Genre: Romane

Rezension:


Alles pulsiert, alles leuchtet. Beirut bei Nacht, diese funkelnde Schönheit, ein Diadem aus flirrenden Lichtern, ein Band aus Atemlosigkeit. Schon als Kind liebte ich die Vorstellung, einmal hier zu sein. (Anfang)

Samir ist in Deutschland geboren, nachdem seine Eltern Anfang der 80er Jahre vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon flohen. Er und seine jüngere Schwester wachsen wohlbehütet auf. Als Samir 8 Jahre alt ist, verschwindet sein geliebter Vater Brahim spurlos. Auch 20 Jahre später hat er den Verlust noch nicht verarbeitet, der sein ganzes Leben geprägt hat. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht an seinen Vater denkt. Dieser war ein allseits beliebter Mensch und ein begnadeter Geschichtenerzähler. Um endlich Frieden zu finden, beschließt Samir, in den Libanon zu reisen, und das Verschwinden seines Vaters aufzuklären. Doch das Land der Zedern, dieses wunderschöne und zugleich geschundene Land, von dem Brahim immer so geschwärmt hat, hat sich mittlerweile sehr verändert. Oder hat es so nie gegeben.

Seit Vaters Verschwinden war es, als existierte die Welt außerhalb unserer Straße gar nicht mehr, oder besser: als nähme diese Welt keine Notiz mehr von unserer Straße. Nach einiger Zeit machten die Leute weiter, als wäre nichts gewesen. Meine größte Angst damals war, dass sich irgendwie niemand mehr an ihn erinnern würde. Dass man ihn vergaß wie einen Regentag im April. Auszug Seite 128

In einem Erzählstrang begleiten wir den Held in Pierre Jarawans berührendem Erstlingswerk auf der Suche nach seinen Wurzeln in dem für ihn unbekanntem Libanon. Ein anderer Strang erzählt anhand Brahims Tagebuch über sein Leben vor der Flucht. Herausgekommen ist eine sehr abenteuerliche, dramatische und bewegende Familiengeschichte. Indem der Autor einen Bogen vom Bürgerkrieg und seinen Folgen bis zum aktuellen Krieg in Syrien spannt, bekommt man eine Geschichtslektion spannend verpackt. Diese ist sehr fesselnd, wendungsreich und in schönen poetischen Worten. Durch Jarawans lebendigen Beschreibungen entstehen immer klare Bilder. Ich sehe die Siedlung vor mir, in der Samir unbeschwert zwischen libanesischen Nachbarn aufwächst, die sich helfen und unterstützen. Obwohl man die Handlungsweisen nicht immer richtig findet, ist Samir mir in seiner Zerrissenheit und mit seinen Verlassenheitsgefühlen die ganze Zeit sehr nahe. Da die emotionale Verbindung, die der Autor zum Libanon hat, mit jedem Wort deutlich wird, geht die Geschichte sehr unter die Haut.


Es ist ein schleichendes Erkennen, das schon in den vergangenen Tagen mehr und mehr in mein Bewusstsein gedrungen ist, und spätestens hier muss ich sie annehmen, die Tatsache, dass es den Libanon, wie Vater ihn mir präsentierte, heute nicht mehr gibt. Ich habe ihn verpasst irgendwo zwischen den Jahren, in denen ich aufwuchs und um Vater trauerte.

Pierre Jarawan, Sohn eines libanesischen Vater war drei Jahre alt, als seine Familie nach Deutschland kam. Von seinem Vater, der phantasievolle Gute-Nacht-Geschichten erzählte, hat er die Erzählkunst geerbt. Schon früh begann er Texte zu schreiben und ist als Poetry-Slammer bekannt. Ich hatte das Vergnügen, den Münchner Autor bei einer Lesung zu erleben und hier merkte man, wie sehr ihn das Thema beschäftigt. Zwischen den gelesenen Passagen informierte er das Publikum mit spannenden Fakten und verschaffte damit ein paar Einblicke in ein mir fremdes Land. Zum Beispiel liegt der Libanon zwischen Syrien und Israel und wurde früher ‚Die Schweiz des Nahen Ostens‘ genannt. Alles liegt nah bei einander in diesem kleinen Land, Vergnügen und Trauer, Luxus und zerstörte Gebäude. Zur Verdeutlichung zeigte Jarawan einige Dias, auf denen die Unterschiede des gespaltenen Landes deutlich werden, z.B. Luxusappartements neben im Bürgerkrieg zerstörte Fassaden oder riesige Reklametafeln mit Dessous neben verschleierte Frauen. Interessant fand ich auch, dass es 18 unterschiedliche Religionsgruppen gibt. Zudem leiden die Vier Millionen Einwohner unter der Last von 1,5 Millionen Flüchtlingen aus Syrien, die ja noch vor ein paar Jahren als Besatzer im Libanon waren.

Zum Schluss wenn Samir das Rätsel um das Verschwinden seines Vaters gelöst hat, muss er erkennen, dass dieser vielleicht nicht immer der war, der er vorgab zu sein. Das ist aber auch nicht entscheidend, denn der Endzwanziger kann jetzt endlich sein Leben in den Griff bekommen. Dass sich der traumatisierte Samir auch noch für den frühen Tod der Mutter verantwortlich fühlt, hat mir sehr zugesetzt. Auch fand ich die Tagebucheintragungen an manchen Stellen ein bisschen zu ‚lehrhaft‘. Dieses führte jedoch nicht zu einem Sterneabzug, da mich Jarawans empathische Art zu schreiben total begeistert hat.

Jetzt weiß ich: Beirut wird mir fehlen. Diese rauschende, sehnsuchtsvolle, verrückte Stadt im Aufbruch, dieser Schmelztiegel sich überladener Kulturen, Religionen, Sprachen. Beirut ist pure Fröhlichkeit und pure Trauer zugleich. Beirut ist Vergebung. Beirut humpelt, ist verwirrt, vernarbt und tanzt trotzdem. Beirut ist wie ich. Auszug Seite 326 +327

Angezogen hatte mich das wunderschöne Cover, auf dem man einen kleinen Jungen sieht, der auf eine Stadt zu rennt. Die leicht verwaschenen Farben Gelb und Blau lassen an eine Wüstenstadt denken. Der wunderschöne Titel rückt durch die großen Buchstaben in den Fokus. Der Roman über die Suche nach Identität und Zugehörigkeit ist für mich ein absolutes Highlight. Ein warmherziges, gut recherchiertes Debüt auf hohem sprachlichem Niveau.

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Tags: beirut, bürgerkrieg, familie, libanon, verschwinden   (5)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

journalistin, barcelona, frauen, leserunde, zensur

Das Flüstern der Stadt

Rosa Ribas , Sabine Hofmann , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.11.2015
ISBN 9783499234620
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Barcelona in den frühen 1950er Jahren. Ganz Spanien leidet unter dem Joch des General Franco und seiner Einheitspartei Falange Española. Der „letzte faschistische Diktator“ wird gefürchtet, hat er doch das Land mit seiner Geheimpolizei fest im Griff. Politische Gegner werden in brutalen Säuberungsaktionen verhaftet, gefoltert und umgebracht. In diesen Zeiten des Misstrauens spielt die Wahrheitsfindung keine große Rolle, schon gar nicht auf einem Polizeirevier.

Zeitungsbericht über die Rede des Zivilgouverneurs (Seite 194):
Die Zahl der Verbrechen im Neuen Spanien ist gering. Gerade weil unsere Regierung tolerant und menschlich ist, gerade weil die Rechte aller Bürger respektiert werden, gerade weil wir keineswegs einen Polizeistaat haben, schätzen wir die Arbeit unserer unermüdlichen Polizei so hoch ein. Es sind diese ebenso patriotischen wie fähigen Männer, die Tag und Nacht über das Wohl der Bürger wachen. Im zweiten Teil seiner Rede fing der Zivilgouverneur allerdings an, der Presse zu drohen. Gegen offene Kritik habe er nichts, eine solche sei heilsam und angemessen….. Wen der Zivilgouverneur tatsächlich im Visier hatte, war klar: die Journalisten, die scheinbar formal korrekt schrieben, aber unter der glatten Oberfläche auf arrogante, wenn nicht gar perfide Weise die wohlgemeinten Aktivitäten der Regierung verurteilten.


Das erfährt auch Ana Marti, eine junge Journalistin, die bisher für die Gesellschaftsnachrichten der Tageszeitung La Vanguardia zuständig ist. Sie soll als Vertretung über den Mord an Mariona Sobrerroca schreiben. Diese gehörte als Witwe eines stadtbekannten Arztes zur Prominenz von Barcelona. Die ehrgeizige Ana nimmt die Chance gerne wahr, darf aber ihre Artikel nur in Abstimmung mit der Polizei schreiben. Berichte über Mordfälle werden nur zensiert veröffentlicht, da sie nicht in das idyllische Bild passen, dass Spanien der Weltöffentlichkeit preis geben will. Der leitende Kommissar Isidro Castro steht unter Druck, soll der Fall doch innerhalb vier Wochen gelöst sein, bevor ein wichtiger kirchlicher Kongress alle Augen auf Barcelona lenkt. Ana, die den Kommissar bei Zeugenaussagen begleitet, stellt ambitioniert eigene Nachforschungen an und entdeckt geheimnisvolle Liebesbriefe. Als sie ihre Cousine Beatriz Noguer, eine vom Regime kaltgestellte Sprachwissenschaftlerin um Hilfe bittet, geraten die beiden Frauen in große Gefahr.

Ich gebe zu, dass ich mich oft von einem schönen Cover verleiten lasse und das vorliegende, das an alte Schwarzweiß-Filme erinnert, hat mir besonders gut gefallen. Der Titel hört sich sehr poetisch an, und der Vergleich mit Carlos Ruis Zafón ließ mich auf einen fesselnden, packenden Krimi hoffen.

Zu Beginn musste ich mich erst mal an die vielen spanischen Namen gewöhnen. Aber die Vielzahl an Charakteren und die Beschreibung der einzelnen Schicksale machen den Krimi auch sehr lebendig. Leider plätschert die Geschichte so ein bisschen dahin, erst im letzten Drittel kommt so was wie Spannung auf. Zum Schluss, wenn noch die eine oder andere überraschende Wendung auftaucht, wird es auch leider etwas hektisch und die Lösung wirkt überstürzt und ziemlich abrupt. Auch die Andeutung einer Liebesgeschichte hätte man sich meiner Meinung nach sparen können.
 
Mit einem angenehmen Sprachstil lassen Rosa Ribas und Sabine Hofmann, eine Spanierin und eine Deutsche, die 50er Jahre in 'Das Flüstern der Stadt' wieder aufleben. Sie spielen mit der Macht der Worte und geben die bedrückende Stimmung mit ihren Berufsverboten, Verhaftungen und Denunziationen dieser Zeit authentisch wieder. Fast jeder hat ein Familienmitglied oder kennt jemand, der unter dem Franco-Regime zu leiden hat. Beatriz zum Beispiel kämpft seit ihrem Berufsverbot ums Überleben, auch in Anas Familie herrscht seit dem sozialen Abstieg eine bedrückte Stimmung. Vater und Sohn saßen im Gefängnis, Anas Bruder wurde hingerichtet, der Vater durfte danach seinen Job als Journalist nicht mehr ausüben. Was dem Autorenduo gut gelingt, ist die Beschreibung der 50er Jahre und dabei die Rolle der Frau. Als Leser fiebert man mit den beiden sympathischen Hauptprotagonisten, Ana und Beatriz mit, die sich in einer von Männern dominierten Gesellschaft versuchen durchzusetzen. Interessant wie eine Frau angesehen wird, die zu der Zeit Auto fährt oder Männerbesuch empfängt. Mit Kommissar Castro wurde eine ambivalente Figur erschaffen, er ein liebevoller Familienvater, ist als Polizist nicht grade zimperlich, schlägt bei Verhören auch schon mal zu. Andere Figuren bleiben leider blass.

Trotz umfangreicher Beschreibungen, zum Beispiel von der Biblioteca de Cataluñya, in der Ana und Beatriz Recherchen betreiben, entstand von der Stadt Barcelona kein konkretes Bild in meinem Kopf. Ich wurde von dem Debüt des Autorinnenduos, der Teil einer Barcelona-Trilogie werden soll, gut unterhalten. Aber mit den phantastischen Geschichten eines Ruiz Zafón, der mit seinem erzählerischem Talent ein magisches, düsteres Barcelona beschreibt, hat dieser Krimi leider gar nichts zu tun.

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