Sarah Woodruff

Sarah Woodruffs Bibliothek

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judentum, israel, sowjetunion, jude, christentum

Daniel Stein

Ganna-Maria Braungardt , Ljudmila Ulitzkaja
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 04.02.2009
ISBN 9783446232792
Genre: Romane

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poetischer roman, amos oz, israel

Allein das Meer

Amos Oz , Frank Heibert
Fester Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.01.2003
ISBN 9783518413678
Genre: Romane

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

ungarn, familie, glück, geschwister, schwermut

Der Schwimmer

Zsuzsa Bánk
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.01.2004
ISBN 9783596152483
Genre: Romane

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dresden, ddr, dohlen, ornithologie, 1930er bis 1980er jahre

Kaltenburg

Marcel Beyer
Fester Einband: 395 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 14.03.2008
ISBN 9783518419205
Genre: Romane

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Achtung Zone

Jana Hensel
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.10.2009
ISBN 9783492053655
Genre: Sachbücher

Rezension:

Poetischer Untergang

Jana Hensel war im Jahr 2002 eine Art Königin des Ostens. Mit ihren Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend in der DDR, der Zeit der Wende und darüber hinaus gab sie ihrer Generation eine Stimme, ihr Buch ZONENKINDER wurde so etwas wie ein ostdeutsches Manifest.
Mit diesem Buch in der Tasche haben die letzten Jahre dann aus Jana Hensel so etwas wie eine Ostbeauftragte in Sachen Mauerfall, Wende und Ostdeutschland gemacht. Kein Radiointerview, keine Podiumsdiskussion, wo sie nicht eingeladen war und etwas zu sagen gehabt haben sollte.

In ACHTUNG ZONE erfährt man nun: Sie hat keinen Bock mehr. Weder, dass sie weiter über Erinnerungen reden mag noch kann. Ihre ersten drei Kapitel klingen dementsprechend depressionsverdächtig. „Mein Leben ist zu einer Geraden geworden, die scheinbar endlos und ohne Ziel und oft auch ohne Sinn einfach nur vor sich hin läuft.“ Da ist jemand zu etwas gemacht worden, was er nicht tragen kann.

Jana Hensel hat ihre Sprache verloren. Dummerweise: Weil SIE keine mehr hat, meint sie, der ganze Osten hätte keine mehr. Ihre Sprachlosigkeit füllt Jana Hensel nun mit Pathos, mit übergroßen Thesen und Gesten.
Am Anfang ihrer Wahrnehmung der Wiedervereinigung stehen eine große erste Lüge und alte Männer, die ihr Lebenswerk zu Ende bringen wollten. Wahrnehmung, mehr ist es nicht. Denn Jana Hensel denkt nicht, sie fühlt. Oder glaubt. Oder stellt sich vor, dass es so gewesen sein könnte.

Wieder versucht sie sich im WIR, beschwört den alten ZONENKINDER-Geist. Doch nun heißt es: „Für uns Jüngere ist diese Vorstellung [der Wiedervereinigung] völlig neu gewesen.“ Und: „Warum haben wir dieses Erbe nicht einfach ausgeschlagen?“ Traurig, aber wahr: Jana Hensel, die in ihrem Buch gegen die ostdeutschen Klischees schreiben will, bedient sich des größten Klischees überhaupt: das des rückwärtsgewandten Jammerossis.
Weil ihr die Mauerfall-Erinnerungsindustrie, die Erinnerung an die Vergangenheit zu laut und zu mächtig ist, schlußfolgert sie, dass darüber eine Verweigerungshaltung gegenüber der Gegenwart entstanden ist. Damit passiert das, was sie doch eigentlich anprangert: die Ossis landen wieder in der Schublade, wo sie hingehören.
Ihr hoffnungsfroher Untertitel „Warum wir Ostdeutschen anders bleiben sollten“ bleibt unkommentiert. Oder ist die Aussage „Wie viel lieber hätte ich es gehabt, alles wäre [ohne den Bruch der Wende] im Fluss geblieben“ Jana Hensels Vorschlag zu ostdeutschem Selbstbewusstsein?

Ein Buch im Buch, nämlich die Geschichte von Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann, stellt das 4. Kapitel. Reportagenähnliches. Recherchiert hat sie für diese Doppelbiographie in der einschlägigen Presse, nicht etwa bei den Angehörigen selbst. Warum den ernsthaften Journalismus wagen, wenn es auch mit stimmungsvoller Empathie geht?
Bei ihrem Telefoninterview mit dem Schauspieler Thomas Thieme hat sie keinen Stift dabei. Nicht weiter schlimm. Schwebend und gefühlig sich nicht festlegen können, Nachtrauern ist Jana Hensels großes Talent. Aus ihrer früheren fein melancholisch gewebten Beobachtungsgabe ist der heilige Ernst einer Missionarin geworden, allerdings ohne wirkliche Meinung, umso mehr mit bedenklicher Klischeehaftigkeit, Gleichmacherei und Ahnungslosigkeit.

Ihr neuer Verlag, Piper, kündigt ACHTUNG ZONE als ein Buch an, das in der Flut der Bücher zum Mauerfall herausfallen wird. Es fällt heraus. Es fällt nach unten. Es schlägt den Ostdeutschen ins Gesicht, die das Jahr 89 bis heute als bejubelnswerten Wendepunkt ihres Lebens sehen. Wer in der Unübersichtlichkeit der Nachwendezeit auf der Strecke geblieben ist, dem gibt es weder Mut noch Stimme.

Es gab einmal ein Mädchen, das machte mit poetischer Leichtigkeit einer ganzen Generation neuen Mut. Es ließ die (ost-)deutsche Welt an seiner Aufbruchsstimmung teilhaben: „Der Abend ist lau, selbst hier in der Stadt riecht man die Baumblüten. Unter freiem Himmel ein Fußballspiel oder ein Feuerwerk anzugucken, das wäre jetzt das Richtige, und so habe ich keine Tasche mitgenommen, in der der Jeans aber alle meine Sachen verteilt, Hausschlüssel, Zigaretten, Feuerzeug, ein paar Euro, einen Hühnergott.“
Das Mädchen gibt es nicht mehr.

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