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291 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 110 Rezensionen

zodiac, sternzeichen, fantasy, weltall, romina russell

Zodiac

Romina Russell ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 09.11.2015
ISBN 9783492703819
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Zodiac“ ist der Auftakt einer als vierbändige Serie geplanten Science-Fiction-Reihe aus der Feder der amerikanischen Debüt-Autorin Romina Russell und siedelt sich mit seiner fast 17-jährigen Ich-Erzählerin Rho in der All-Age-Literatur an.

Inhalt:
In ferner Zukunft haben die Menschen eine Galaxie aus zwölf Systemen bevölkert und deuten ihre Schicksale aus den Sternen. Auch die bald 17-jährige Schülerin Rho vom Krebs hat diese Fähigkeit erlernt, doch fällt sie bei der Prüfung dieser Disziplin beinahe durch, da sie sich bei der Deutung auf ihre Intuition verlässt und nicht auf die wissenschaftlichen Berechnungen setzt, die ihre Lehrer vorgeben. So hält auch zunächst niemand Rhos Vision von einem dunklen Omen für wahr, denn außer ihr hat dies kein anderer Sternendeuter vorausgesehen – bis ein großes Unglück über das Haus Krebs hereinbricht und die Heimat eines ganzen Volkes ins Chaos stürzt. Wenn Rhos Deutung der Sterne stimmt, wurde Krebs jedoch nicht Opfer einer Naturkatastrophe, wie die meisten vermuten, sondern wurde von einer uralten Macht heimgesucht, die unentdeckt schon andere Häuser angegriffen hatte und weitere angreifen wird. Doch wer glaubt einer Jugendlichen, die vor der Bedrohung durch eine Märchenfigur aus den ältesten Legenden Zodiacs warnt? So macht sie sich auf eigene Faust auf den Weg, um die anderen Häuser vor dem 13. Zeichen zu warnen…

Mit „Zodiac“ entwirft Romina Russell eine Welt, die allein durch ihre Komplexität und Kreativität schon eine vor allem für ein Erstlingswerk außergewöhnliche Größe darstellt und keinen Zweifel an der Fähigkeit der Autorin, ein intelligentes und entdeckenswertes Weltenmodell zu entwerfen, zulässt.
Zwölf Häuser, gekennzeichnet durch die zwölf Sternzeichen, mit zwölf facettenreichen Kulturen und Völkern, die nicht nur äußerlich sondern auch charakterlich jeweils eigene Merkmale entwickelt haben, die in einer weitläufigen Galaxie zwölf Sternbilder bewohnen, von denen jedes ein eigenes Muster aus bewohnten und unbewohnten Planeten und Monden besitzt, mit eigenen Rohstoffen, eigener Architektur und eigenen technischen Errungenschaften, die von der detailreichen Sprache Russells mit Leben gefüllt werden. Neben rein physikalischen Besonderheiten wie der Atmosphäre oder der Gravitation eines jeden Systems präsentiert die Autorin verschiedenste der Umgebung oder den volkseigenen Merkmalen angepassten Lebensweisen der einzelnen Häuser: Von den spirituellen Fischen über die wissbegierigen Schützen bis hin zu den träumerischen Zwillingen; von den Krebsen, deren Leben vom Meer ihres Wasserplaneten bestimmt werden, über die Jungfrauen, die den Getreideanbau optimiert haben, bis hin zum wehrhaften Widder, in dessen Leben das Militär die wichtigste Rolle einnimmt.

Durch dieses hochkomplexe Vielwelten-System schafft die Autorin ein Netz aus politischen Intrigen und Misstrauen unter den einzelnen Häusern, und spiegelt mit der Gesellschaft Zodiacs eine zutiefst gespaltene Menschheit wider, die auch Jahrhunderte nach dem Ende des letztens Krieges kein Vertrauen entwickeln konnte. Diese Welt aus zwölf einzelnen Völkern nun von einem gemeinsamen, bisher nur als Unruhestifter in uralten Legenden bekannten Feind zu überzeugen, ist die Aufgabe der jungen Rho, einer ungewöhnlich talentierten Sternendeuterin, die jedoch mit ihrer Unerfahrenheit und ihrem jugendlichen Alter nicht einmal das Vertrauen ihrer engsten Verbündeten genießt.

In diesem ersten Band der Reihe steht daher Rhos Entwicklung im besonderen Fokus der Geschichte. Die Ich-Erzählerin kann dabei nicht nur mit einer interessanten und rätselhaften Kindheitsgeschichte, sondern auch mit ihrem Weitblick und ihrer Willensstärke punkten und bleibt trotz ernüchternder und persönlich verletzender Rückschläge ihrer Überzeugung treu, auch wenn sie zunächst selbst lernen ihr Schicksal anzunehmen und ihren Fähigkeiten zu vertrauen. Ob sie damit allerdings erfolgreich gegen die zahlreichen Widerstände politischer Machthaber oder sogar gegen das geheimnisvolle 13. Haus ankommen und Zodiac retten kann, bleibt abzuwarten, eine überzeugende Hauptfigur, die Stärke aber auch Verletzlichkeit zeigt, ist die jugendliche Rho jedoch in jedem Fall.

Die für einen Jugend-/All-Age-Roman fast als obligatorisch zu betrachtende Liebesgeschichte mit Dreieckspotential aus unschuldiger Heldin, unnahbarer Jugendliebe und charmantem, wie geheimnisvollem Fremden sorgt neben Gefühlen auch für ein wenig Humor und schafft es durch Zurückhaltung und Entwicklung in ungewöhnlicher Weise sogar erfahrene Leser des Genres nicht durch Vorhersehbarkeit zu langweilen oder durch dick aufgetragenen Kitsch die eigentliche Handlung zu stören. Stattdessen kann sie für Überraschungen sorgen und lässt die manchmal ein wenig distanziert wirkende Ich-Erzählerin emotionaler erscheinen.

Fazit: „Zodiac“ ist ein Roman, der in einer von sich gegenseitig misstrauenden Völkern besiedelten Galaxie im klassischen Science-Fiction-Stil an die Stärke als gesellschaftliche Einheit appelliert und die Bedeutung von Gemeinsamkeiten über diejenige der Unterschiede stellt, besonders im Angesicht eines übermächtigen Feindes, der die Heimat aller ins Chaos zu stürzen droht. Dazu erzählt er die Geschichte eines Mädchens, das lernen muss, sich selbst zu vertrauen und zur Anführerin zu wachsen, um ihr Schicksal zu erfüllen, und überzeugt dabei auf ganzer Linie. 5 Sterne

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155 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

internat, liebe, freundschaft, trauma, jam

Was uns bleibt ist jetzt

Meg Wolitzer ,
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei cbt, 21.09.2015
ISBN 9783570162941
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Was uns bleibt ist jetzt" ist mit einer Altersempfehlung von ab 14 Jahren der erste Roman speziell auch für jugendliche Leser aus der Feder der amerikanischen Autorin Meg Wolitzer, die als Schriftstellerin bereits mit mehreren ihrer Werke Erfolge feiern konnte.

In "Was uns bleibt ist jetzt" geht es um die High-School-Schülerin Jam, die sich Hals über Kopf in den britischen Austauschschüler Reeve verliebt hatte, bevor dieser nach nur wenigen Wochen einer intensiven Beziehung stirbt. Da Jam diesen Verlust nicht verarbeiten kann, beschließen ihre Eltern, sie auf ein Internat für traumatisierte Jugendliche zu schicken, wo sie unter anderem auch mit nur vier anderen Schülern einen Literaturkurs bei der kurz vor dem Ruhestand stehenden Lehrerin Mrs. Quenell besucht. Die Tagebücher, in die diese Lehrerin sie bittet zweimal pro Woche schreiben, entpuppen sich als wirkungsvoller, als die Schüler zunächst angenommen hatten. Sie gelangen durch diese nach Belzhar, einem Ort, an dem sie ihre Vergangenheit noch einmal erleben, zu einer Zeit, in der sie noch glücklich waren. Für Jam bedeutet das, dass sie wieder mit Reeve zusammen sein kann, doch auch in Belzhar ist ihre gemeinsame Zeit nicht für immer…

Meg Wolitzer erzählt die Geschichte von Jam so emotional und nachvollziehbar, dass ich mir kurz vor Ende des 380-Seiten-Buches nichts Anderes vorstellen konnte, als dieses wundervoll ergreifende Leseerlebnis hier mit einer unerschütterlichen 5-Sterne-Rezension zu beenden und den Roman jedem, egal ob Jugendlicher oder Erwachsener zu empfehlen.

Die Beziehung von Reeve und Jam ist atemberaubend und intensiv und, obwohl die Autorin sehr auffällig ein Geheimnis daraus macht, was genau mit dem jungen Briten geschehen ist, habe ich keine Sekunden daran gezweifelt, dass der Verlust dieser großen ersten Liebe Jam in eine Depression voller Traurigkeit und Antriebslosigkeit gestürzt hatte, aus der sie aus eigener Kraft nicht wieder herausfinden konnte. Auch die Nebencharaktere, besonders Jams Mitschüler im Literaturkurs, haben nachvollziehbare und traumatisierende Verluste erlitten, deren Aufarbeitung die fünf Tagebuchschreiber zu einer eingeschworenen Gruppe werden lässt und den Leser an den verschiedenen Schicksalen teilhaben lässt.

Gleichzeitig gelingt es Wolitzer über diese fünf unterschiedlichen Schicksale auch, ihren Roman sehr tief in die Thematik von Trauma, Depression und Trauerbewältigung eintauchen zu lassen, und symbolisiert durch die Tagebücher das bewusste Verarbeiten und Loslassen der Vergangenheit zugunsten einer glücklichen Zukunft, ohne den Leser zu verunsichern oder zu überfordern.
Bis zu einem gewissen Punkt war ich wirklich begeistert von den Charakteren, der Sprache, der emotionalen Atmosphäre – und dann hat das Ende es mit fast vollständig verdorben. Es fällt mir sogar nach wie vor schwer, darin die gleiche Autorin wiederzuerkennen, die die ersten Dreiviertel des Romans so wundervoll geschrieben hat.

Nach der wichtigsten Wendung, nach der es nun an Jam gewesen wäre sich endlich offen gegenüber sich selbst mit ihren Problemen zu befassen, sich ehrlich einzugestehen, was passiert ist, es anderen gegenüber einzugestehen – genauso, wie ihre Mitschüler es getan haben, um ihre Konflikte zu bewältigen und Belzhar hinter sich zu lassen - beginnt der schwache Teil dieser Erzählung, denn zu diesem Aufarbeitungsprozess kommt es bei Jam nicht. Die Autorin erspart von allen ausgerechnet ihrer Hauptfigur diese emotionale Offenlegung, indem sie die Entwicklung unmittelbar nach besagter wichtiger Wendung abbricht und sich stattdessen in die kitschige Auflösung der Probleme einer Nebenfigur stürzt, in der Jam dann zu allem Überfluss auch noch zum alles überblickenden, aufdringlichen und leicht hyperaktiven Helferlein mutiert. Alles an diesem Ende fühlte sich für mich als Leserin falsch an – die Autorin will nichts offenlassen und schustert in unnötiger Eile auf den letzten Seiten Erklärungen zusammen, die die Geschichte nicht gebraucht hätte. Zu allem Überfluss nimmt sie auch noch Mrs. Quenell und ihren Tagebüchern den geheimnisvollen Zauber und ihre Symbolkraft als Medium zur Beschäftigung mit der eigenen Person und hinterlässt stattdessen ein Scherbenhaufen aus schwachen Erläuterungen und einem viel zu übertriebenen Happy End in Anbetracht der teils sehr tragischen Lebensgeschichten.

Fazit: Die meiste Zeit über ist „Was uns bleibt ist jetzt“ ein bezaubernder und tiefgehender Roman über die Bewältigung traumatischer Ereignisse im Leben einiger Jugendlicher, vermischt mit ein wenig Magie, geschrieben in ausgesprochen atmosphärischer Sprache. Leser, denen am Ende einer Geschichte ein allumfassendes Happy End über alles geht, werden selbiges wahrscheinlich auch noch über die letzten Seiten sagen, die für mich leider zur Enttäuschung aus Inkonsequenz und Kitsch wurden, in denen ich die gefeierte Autorin nicht wiedererkennen konnte. Daher bleibt dieser Roman am Ende bestenfalls Mittelmaß - leider. Schwache 3 Sterne

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352 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 67 Rezensionen

endgame, james frey, spiel, dystopie, liebe

Endgame - Die Hoffnung

James Frey
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 19.10.2015
ISBN 9783789135248
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Endgame – Die Hoffnung“ ist nach „Die Auserwählten“ der zweite Band der endzeitlichen Actionthriller-Trilogie des amerikanischen Bestseller-Autors James Frey.

Inhaltlich schließt „Die Hoffnung“ sich unmittelbar an seinen Vorgänger an. Der Erdschlüssel ist gefunden, doch anders als die Spieler es ursprünglich durch die Überlieferungen ihrer Geschlechter gelernt hatten, offenbarten die keplers ihnen, dass sie das Ereignis, das große Teile der Menschheit auslöschen würde, dadurch überhaupt erst ausgelöst haben. Und tatsächlich zeigt sich nun bald eine reale Bedrohung für die Erde. Ein riesiger Meteorit rast auf den Planeten zu. Währenddessen müssen die Spieler die Entscheidung treffen, ob sie weiterspielen oder einen Weg finden, das Ereignis doch noch zu verhindern...

Zunächst einmal kommen die Spieler nach dem actionreichen Finale des ersten Bandes allerdings zur Ruhe. Viele kehren an vertraute Orte oder sogar nach Hause zu ihren Familien zurück, um sich zu sammeln und für die Suche nach dem Himmelsschlüssel, der zweiten von drei Etappen des Spiels, zu rüsten. Dennoch wird es auch gleich am Anfang wieder spannend. Die neun verbleibenden Spieler sind über den gesamten Globus verteilt und verfolgen, anders als im ersten Band, längst nicht mehr alle das gleiche Ziel, was zu großer Abwechslung und zahlreichen eindrucksvollen Kulissen führt.
Shari, die längst weiß, dass sich der Himmelsschlüssel in ihrem „Besitz“ befindet, bereitet sich und ihre Familie auf die Ankunft der anderen Spieler vor. Alice beschließt sich auf die Seite der jungen Mutter zu schlagen. Hilal und Baitsakhan lassen ihre schweren Wunden versorgen, Maccabee unterstützt seinen Verbündeten dabei und sucht wie Aisling Hilfe bei der Familie. Sarah – traumatisiert von Christophers Tod - und Jago sind als zweites Duo unterwegs, das sich auch weiterhin mit der Widersprüchlichkeit ihrer Gefühle füreinander und ihren Rollen als Spieler zweier gegnerischer Geschlechter auseinandersetzen muss, und ein bereits totgeglaubter Spieler erwacht in Gefangenschaft des Militärs.

Noch mehr Action durch Verfolgung, Kampf und Flucht bringt eine weitere Entwicklung der Geschichte mit sich: Das Endgame ist nicht länger geheim – die Bergung des Erdschlüssels in Stonehenge hat die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf das Spiel gezogen, sodass sich die Spieler nicht länger nur bei Begegnungen untereinander in Gefahr befinden, sondern auch das Interesse diverser Behörden geweckt haben, die sich nun an ihre Fersen heften. Viele Gewissensfragen werden aufgeworfen, denn die Enthüllungen der keplers bezüglich des Auslösens des die Menschheit zu großen Teilen vernichtenden Ereignisses haben die Spieler tief verunsichert. Während einige weiterhin fest entschlossen sind, weiterzuspielen und so ihrem Geschlecht das Überleben durch den Sieg zu sichern, überdenken andere die uralten Überlieferungen und schmieden neue Pläne, um das Ereignis doch noch aufzuhalten.

Strukturell wie sprachlich bleibt James Frey dem Stil des ersten Bandes treu. Jedes Kapitel ist bereits überschrieben mit den dort in Erscheinung tretenden Charakteren und schildert die Ereignisse anschließend aus ihrer Sicht. So schlüpft der Leser abwechselnd in diverse Köpfe an die verschiedensten Handlungsorte und ist immer mitten drin im Geschehen. Die Sätze bleiben oft kurz, beabsichtigte Wiederholungen erzeugen zusätzlich ein hohes Lesetempo und unterstützen durch einen Stakkato-artigen Stil den Eindruck von Anspannung und Action. Was sich ebenfalls wie schon im ersten Band findet, sind recht intensiv beschriebene Kampfszenen bis hinein in die blutigsten Details, welche die Altersempfehlung von ab 16 Jahren nachvollziehbar machen.

Trotz Liebesgeschichte und Charakteren unterschiedlichster persönlicher Einstellungen und Handlungsweisen prägen Stil und Sprache „Endgame“ eher als Thriller im Bereich eines apokalyptischen Abenteuerromans und weniger als Entwicklungsroman einzelner Hauptfiguren, was angesichts der Anzahl von immerhin noch neun der ursprünglichen zwölf Spielern wohl auch kaum auf dem fast gleichberechtigten Niveau zu leisten wäre. Wer sich dessen bewusst ist, kann hier die Stärken der Trilogie sehen, die sich durch einen ununterbrochen hohen Spannungsbogen ebenso auszeichnet wie durch die Vielzahl der Charaktere, die Abwechslung in die Geschichte bringen.

Fazit: Mit Spannung und Vielfalt fesselt auch der zweite Teil der „Endgame“-Trilogie von James Frey den Leser und Fan actionreicher Unterhaltung an die Seiten und überzeugt mit einer ausgeklügelten Vision des nahenden Weltuntergangs. Mich hat der Autor ein weiteres Mal überzeugt und ich vergebe 5 von 5 Sterne.

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765 Bibliotheken, 27 Leser, 2 Gruppen, 142 Rezensionen

jugendbuch, thriller, ursula poznanski, layers, obdachlos

Layers

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Loewe, 17.08.2015
ISBN 9783785582305
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Layers“ ist der aktuelle Jugendbuch-Thriller der österreichischen Bestseller-Autorin Ursula Poznanski, die zuletzt mit ihrer dystopischen Eleria-Trilogie über eine in einer Eiszeit versunkenen fernen Zukunft überzeugen konnte. Mit „Layers“ kehrt Poznanski in das Berlin der Gegenwart zurück:

Dorian ist von zu Hause ausgerissen und schlägt sich allein auf den Straßen Berlins durch. Als er eines Nachts in der Unterführung, die er sich als Schlafplatz gewählt hat, mit dröhnenden Kopfschmerzen aufwacht, liegt neben ihm eine Leiche. Dorian ist entsetzt, denn bei dem Toten handelt es sich um den Obdachlosen Emil, mit dem er nur Stunden zuvor Streit hatte. Ist er möglich, dass Dorian selbst für seinen Tod verantwortlich ist? Wieso kann er sich nicht erinnern? In dem Moment, als Dorian schon befürchtet in Zukunft als Mörder auf der Flucht vor der Polizei untertauchen zu müssen, taucht ein junger Mann auf, der ihn zu kennen scheint, und bietet ihm an in der Villa eines Raoul Bornheim unterzutauchen, der sich dort um Jugendliche in Not kümmert und ihnen mit Schulunterricht und einem Dach über dem Kopf helfen möchte, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Verzweifelt, wie er ist, nimmt Dorian das Angebot an und findet in der Villa tatsächlich Hilfe. Die kleineren Aufträge, die er dafür für Bornheim erledigen soll, erscheinen ihm zwar merkwürdig, doch um die Sicherheit der Villa nicht zu verlieren, stellt Dorian keine Frage – bis er eines Tages bei einem solchen Auftrag einen Fehler macht und von diesem Augenblick an von seinen vermeintlichen Rettern gnadenlos gejagt wird…

Zunächst hat mir die Idee von „Layers“ wirklich sehr gut gefallen. Die Entwicklung der Handlung funktionierte trotz oder gerade wegen der großen Einschnitte in Form des plötzlichen Mordes, für den der Protagonist Dorian möglicherweise verantwortlich ist, und der unerwarteten Hilfe eines wohltätigen Fremden. Die Ungewissheit über Dorians Rolle beim Todesfall des Obdachlosen Emil erzeugten Spannung und die scheinbar so heile Welt in der Villa des sympathischen Bornheims weckt im Protagonisten wie im Leser gleichermaßen ein mulmiges Gefühl. Ist das nicht alles schon zu gut um wahr zu sein? Die Autorin versteht es hervorragend, alle Beteiligten im Unklaren zu lassen und dem Leser immer wieder zu neuen Fantasien bezüglich der Villa und der Absichten ihres Betreibers anzuregen, lange bevor sie ihren Protagonisten den Rätseln auf die Spur kommen lässt.

Das Geheimnis, auf das Dorian stoßen wird und das ihn in große Gefahr bringt, mutet im ersten Moment zwar sehr futuristisch an, zeigt aber durchaus sehr realitätsnahe Bezüge und zog mich als Leser durch die Vorstellung bereits heutiger technischer Machbarkeiten in seinen Bann – genaueres soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Leider verlor der Thriller dann gerade im Mittelteil, als die Gefahr für Dorian immer greifbarer wurde und wilde Jagdszenen das Geschehen bestimmten, zunehmend an Spannung.

Dies lag für mich zum einen am Protagonisten Dorian selbst. Er entwickelte sich in beeindruckender Geschwindigkeit vom problematischen Jugendlichen, der sich noch vor Kurzem auf der Straße durchgeschlagen hatte, zu einem recht nervigen Naivling, der sich zu oft von den gleichen Tricks täuschen lässt und kaum dazu lernt. Stattdessen werden seine immer gleichen Reaktionen dem Leser mit sich stark ähnelnden Formulierungen jedes Mal aufs Neue erklärt, was bei mir allerdings mit der Zeit Langeweile und schwindendes Verständnis hervorrief.

Zum anderen kommt „Layers“ ab einem bestimmten Punkt in seiner Handlung leider auch nur noch schleppend voran. Das Auf-der-Stelle-treten des Protagonisten lähmt letztendlich auch die Erzählung im Ganzen. Dorian irrt zu lange zu ziel- und planlos durch die Gegend und wendet die gleichen Strategien wiederholt an, bevor es zu einer – in der Regel leider von außen herbeigeführten – Veränderung seines Verhaltens kommt. Dadurch wirkt der Hauptcharakter zunehmend blasser und entwickelt zu wenige eigene Ideen und Taktiken, um noch interessant zu wirken.

Die Längen im Mittelteil, die sich auch ganz konkret durch viele mit Wiederholungen ähnlicher Szenarien gefüllte Seiten ausdrücken, lösten sich erst am Ende, in Form eines großen, bildgewaltigen Showdowns, bei dem es Dorian zwar wiederrum nicht gelingt, sich als starker, entwicklungsfähiger Charakter zu zeigen, die Autorin jedoch mit Wendungen aufwarten kann, die noch einmal zu überraschen wissen und Dorians Schwäche mit einbinden.

Leider täuschte der stärkere Schluss nicht darüber hinweg, dass ich am Ende nicht ganz glücklich mit der Gewichtung der einzelnen Teile der Geschichte bin. Dorian zu verstehen fiel mir unter anderem auch deswegen so schwer, weil ich eine während seiner Flucht fast übermächtig präsente Liebesgeschichte in ihrer Entstehung während Dorians Zeit in der Villa als nicht annähernd so dominant oder wichtig für den Protagonisten wahrgenommen habe. Hier wären vielleicht zu Beginn der Geschichte einige Seiten mehr sinnvoll gewesen, um mir das Mädchen seiner Träume und seine Gefühle für sie näher zu bringen, da es hinterher doch genau diese sein werden, die fast jeden Schritt seines Handelns bestimmen.

Fazit: „Layers“ von Ursula Poznanski ist ein Thriller, der mich am Anfang durch seine Rätsel in den Bann zog, danach aber leider durch Wiederholungen an Spannung verlor und mich mit einem recht naiven Protagonisten langweilte. Erst am Ende konnte mich die Geschichte noch einmal mitreißen, doch die Längen konnte es nicht ausbügeln. Besonders Fans der virtuellen Welt und technischer Möglichkeiten können mit „Layers“ jedoch auf ihre Kosten kommen, wenn sie sich von einer hin und wieder auf der Stelle tretenden Handlung nicht abschrecken lassen. Ich bewerte „Layers“ als durchschnittliches Lesevergnügen mit Höhen und Tiefen mit drei Sternen.

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26 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 21 Rezensionen

bier, kochbuch, craft beer, hopfen, kochen

Craft Beer Kochbuch

Torsten Goffin , Stevan Paul , Daniela Haug (Fotograf)
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Brandstätter Verlag, 21.09.2015
ISBN 9783850339438
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das "Craft Beer Kochbuch" von Stevan Paul (Rezepte), Torsten Goffin (Texte) und Daniela Haug (Fotos) ist eine gelungende Verbindung zwischen klassischen Sach- und Kochbuch, das seinem Leser den aktuellen Trend der "Craft" Biere, der "handwerklichen" Biere aus - vergleichsweise kleinen, mitunter sehr spezialisierten - Brauereien näher bringt.

Neben allerhand Wissenswertem zum Bier allgemein - den verschiedenen Stilen, der Herstellung, der Trinkkultur und den passenden Gläsern zu jeder Biersorte - besuchten Autor und Fotografin weltweit vierzehn - kleinere - Brauereien: Europa, USA und Australien sind vertreten. Zu jeder Brauerei folgt eine Reportage, die Brauer und Biere vorstellt, alles unterlegt durch mehrseitige Collagen passender Bilder von Mensch, Maschine, Anbau und Herstellung. Besonders spannend natürlich auch: In der eigenen Umgebung auf Entdeckungsreise gehen. Tatsächlich war es leichter als erwartet einige Biere der vorgestellten Brauereien in einem lokalen Bierfachhandel zu beziehen.

Die 57 Rezepte gliedern sich in die Kategorien "Feine Vorspeisen & kleine Gerichte", "Fisch & Meeresfrüchte", "Fleisch & Rotisserie", "Klassische Bierküche & Biersnacks" sowie "Süsses und Desserts" und zeigen Gerichte mit Bier in der Zutatenliste oder als perfekte Begleiter zum Getränk. Die Gerichte selbst sind überraschend wenig klassisch-deftig, wie man es zum Bier vielleicht erwarten würde, aber auch nur zu filigran - eine gelungende Mischung zwischen derb und fein. Die Zusammenstellungen selbst überzeugen durch Bodenständigkeit mit einer Spur Besonderem oder Exotischem - in der Regel sind die weniger gängigen Zutaten wie zum Beispiel der geräucherte Scamorza, den ich durch dieses Kochbuch erst kennengelernt habe, bei den jeweiligen Rezepten kurz erläutert. Auch eine Bierempfehlung - einmal zum Stil des zum Essen passenden Bieres allgemein sowie das optimal passende Bier einer bestimmten Brauerei im Speziellen - gehören zum Umfang einer Rezeptseite.

Die Gerichte sind ansprechend fotografiert und passen mit einer leichten Derbheit in der Anrichtung ebenfalls zum Stil des Buches, das schon mit seiner äußeren Erscheinung - matt-rauer Einband mit glänzender Prägung - einen Kontrast wagt. Dicke ebenfalls matte Seiten mit rauer Haptik, die Bilder in einem Stil mit kräftigen Farben, aber eher dunkler Grundfärbung: Insgesamt präsentiert sich "Craft Beer" sehr modern, hochwertig und einen Hauch rustikal.

Positiv fällt außerdem die Abfolge von Rezepten, Reportagen und Erläuterungen der Bierstile zu nennen. Gut durchmischt präsentiert sich das Buch, sodass das Durchblättern durchgehend Abwechslung bietet - Rezepte anschauen, die Bilder genießen und ein, zwei Seiten lesen.

Fazit: Das "Craft Beer Kochbuch" ist nicht nur ein Kochbuch sondern vermittelt auch viel Wissenswertes rund um das Thema Bier und stellt in interessanten Kurzreportagen nationale und internationale Brauereien vor. Sehr zu empfehlen, sowohl für Bierkenner als auch für jeden, der es noch werden will.

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421 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

spin-off, maggie stiefvater, liebe, wölfe, schimmert die nacht

Schimmert die Nacht

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei script5, 09.03.2015
ISBN 9783839001776
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Fortsetzungen oder Spin-Offs von an sich abgeschlossenen Reihen lösen in mir in der Regel keine Begeisterungsstürme aus - irgendwann muss die durch den Autoren vorgegebene Geschichte enden und das weitere Leben der Figuren der Fantasie des Lesers übergeben werden, sonst droht die Gefahr mit der Handlung immer weiter abzudriften und entweder in Belanglosigkeiten oder Absurditäten zu versinken bis selbst der größte Fan seinen geliebten Charakteren nichts mehr abgewinnen kann.

Einen solchen Weg sah ich nun möglicherweise auch eine meiner Lieblingsreihen, die Mercy-Falls-Trilogie der wortgewandten US-amerikanischen Autorin Maggie Stiefvater, einschlagen, als sich "Schimmert die Nacht" ankündigte - ein Spin-Off über die Protagonisten Cole und Isabel, die ab dem zweiten Band "Ruht die Licht" neben Sam und Grace bereits in der ursprünglichen Büchern als Ich-Erzähler aufgetreten waren. Zwar blieb ihre parallel verlaufende Liebesgeschichte am Ende der Trilogie offen, doch die Werwolf-Problematik, die den Contemporary-Fantasy-Kern der Handlung ausgemacht hatte, war an sich abgeschlossen. Gab es dort also tatsächlich noch Stoff für ein Spin-Off oder würde "Schimmert die Nacht" mir das Ende meiner geliebten Trilogie nachträglich verderben? Sehr skeptisch habe ich dennoch nach längerem Zögern zu lesen begonnen - ganz und gar ignorieren konnte ich ein Maggie-Stiefvater-Werk dann doch nicht - und folgende Geschichte vorgefunden:

Cole St. Clair kehrt dem Anwesen in Minnesota den Rücken. Ein Internet-TV-Sender, möchte in Los Angeles eine Reality-Show mit ihm produzieren und er fühlt sich nach all der Zeit bereit wieder in die Rolle des Ex-NARKOTIKA-Leadsängers und Keyboarders zu schlüpfen und mit neuer Band ein neues Album aufzunehmen. Doch insgeheim führen Cole noch andere Pläne nach L.A.: Isabel Culpeper lebt dort mit ihrer Mutter und Cole möchte sie zurückgewinnen. Isabel ist allerdings weniger begeistert, als er plötzlich vor ihr steht. Sie hat ein neues Leben begonnen und fürchtet, dass Coles neu erwachtet Rockstar-Leben ihn wieder in den Sumpf aus Alkohol und Drogen zieht, der für ihn damals bei den Wölfen in Mercy Falls geendet hatte....

Maggie Stiefvater konzentriert sich tatsächlich fast ausnahmslos auf die turbulente Beziehung zwischen dem unberechenbaren Cole und der kühlen Isabel. Sie erschafft dabei ein völlig neues Setting in einer neuen Stadt mit neuen Charakteren neben ihren beiden Ich-Erzählern. Sam und Grace sind bestenfalls noch Randbemerkungen in Nebensätzen und auch die Werwölfe sind weitestgehend aus der Geschichte eliminiert, auch wenn Cole selbst den Wolf natürlich noch in sich trägt. Welche eher symbolische Rolle er in diesem Roman spielen wird, will ich an dieser Stelle nicht verraten, doch wer "Schimmert die Nacht" mit der Erwartung einer klassischen Urban-Fantasy liest, also auch nach genau den Elementen sucht, die "Nach dem Sommer/Ruht das Licht/In deinen Augen" besaß, wird von diesem Spin-Off wohlmöglich enttäuscht sein. Ich hingegen empfinde gerade diese umfassende Ablösung von der ursprünglichen Trilogie sehr gelungen, denn die Autorin schafft dadurch die Gratwanderung die Unversehrtheit der vorherigen Geschichte zu garantieren und dennoch die liebgewonnen Charaktere wieder aufleben zu lassen.

Cole und Isabel - das ist der Kern dieses Romans und die beiden haben tatsächlich das Potential die 400 Seiten zu füllen. Im Vergleich zu der zarten, poetischen, romantischen Liebesbeziehung zwischen Sam und Grace ist diese Paarung viel leidenschaftlicher, dramatischer und explosiver. Treffen sie aufeinander ist das fast jedes Mal wie ein Erdbeben. Cole schwankt zwischen Manie und Depression - himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt - die Stimmungen wechseln bei ihm schlagartig. Isabel dagegen ist die kühle Blonde, gibt sich berechnend und unnahbar, um nicht verletzt zu werden. Schnell wird klar, dass diese beiden außergewöhnlichen Charaktere weder mit noch ohne einander besonders gut zurechtkommen. Während es allerdings zuerst maßgeblich um die Entwicklung Coles zu gehen scheint, konnte ich mich mit der Zeit kaum noch entscheiden, welche der beiden Figuren kaputter ist und wer sich hinter der größeren Maske versteckt.

Das Auf und Ab in der Beziehung zwischen Isabel und Cole ist schon allein sehr spannend und aufwühlend, doch wie die Autorin die Entwicklungen der beiden einarbeitet, ist einfach nur noch großartig und herzzerreißend. Ich habe es geliebt sie auf ihrem Weg durch emotionale Höhen und Tiefen zu begleiten, über Coles Sarkasmus und Isabels Bissigkeit zu lachen und sie nebenbei auch noch dabei zu beobachten, wie sie sich mit der zeitgleich gedrehten Reality-Show und deren auf einen Skandal hoffenden Produzentin auseinandersetzen. Cole und Isabel sind zwei sehr facettenreiche Charaktere, die man wie nur wenige im selben Moment lieben und hassen kann, und sie allein wären schon ausreichend für eine sensationelle Geschichte, doch die Autorin setzt ihrem Roman durch wundervolle Nebenfiguren wie den tief in sich selbst ruhenden Bassisten Jeremy oder die unsichere Cousine Sophia noch das Krönchen auf.

Fazit: Ich denke, ich bin immer noch kein großer Fan von Spin-Offs und Fortsetzungen nach abgeschlossener Handlung, doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und so kann ich offen zugeben, dass meine Skepsis bei "Schimmert die Nacht" völlig unangebracht war. Die Autorin Maggie Stiefvater erzählt die leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen Cole und Isabel mit ausreichend Abstand zur Ursprungstrilogie und lässt dadurch zwei wundervolle Charaktere neu aufleben, die dieses Spin-Off zu "Nach dem Sommer/Ruht das Licht/In deinen Augen" zu einem emotional bewegenden Leseerlebnis machen. Ich bin begeistert und kann "Schimmert die Nacht" jedem empfehlen, der schon die Trilogie nicht nur wegen der Fantasy sondern auch wegen der großen Gefühle gelesen und geliebt hat. 5 Sterne

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195 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

liebe, krankheit, geheimnisse, villa, irmgard kramer

Am Ende der Welt traf ich Noah

Irmgard Kramer
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Loewe, 27.07.2015
ISBN 9783785581278
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Am Ende der Welt traf ich Noah" ist ein Jugendroman der österreichischen Autorin Irmgard Kramer, der seine Leser mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte in ihren Bann zieht...

Als sich der Ich-Erzählerin Marlene eine Möglichkeit bietet, aus ihrem Leben zu entfliehen und ein Abenteuer zu beginnen, ergreift sie diese. Ein roter Koffer, der herrenlos herumsteht, erregt ihre Aufmerksamkeit und als ein Fahrer auftaucht, der die Besitzerin abholen will, gibt sie sich ohne lange Nachzudenken als Irina Pawlowa aus und lässt sich zu einer einsam gelegenen alten Villa fahren. In dieser Abgeschiedenheit lebt Noah, ein Junge, der diesen Ort aufgrund einer unerklärlichen Krankheit nicht verlassen kann und seine Zeit daher einzig mit drei Menschen verbringt: Der Nonne Schwester Fidelis, dem Koch Anselm und dem Gärtner Viktor. Während sich Marlene in Noah verliebt, kommt ihr einiges, was sich auf dem weitläufigen Gelände abspielt, immer rätselhafter vor...

Die Geschichte beginnt mit Marlenes Griff nach dem roten Koffer und ihrer schnellen Entscheidung, sich als Irina auszugeben, bereits reichlich ungewöhnlich - was denkt sich das junge Mädchen nur bei dieser waghalsigen Aktion, ohne das Wissen irgendeines anderen Menschen in ein Auto zu steigen und sich an einen unbekannten Ort fahren zu lassen? Sie schlägt Warnungen so leichtfertig in den Wind und hält ihre Tarnung entgegen aller Logik auch dann noch aufrecht, als bei mir als Leser bereits alle Alarmglocken schrillten. Doch schnell war auch ich von der geheimnisvollen Personenkonstellation und vor allem vom verschlossenen Noah in deren Zentrum so in den Bann gezogen, dass ich wie Marlene bereit war, so manche seltsame und kaum nachvollziehbare Entwicklung hinzunehmen, um nach und nach dem Geheimnissen in der alten Villa auf die Spur zu kommen.

Als sich dann noch die zarte Liebesgeschichte zwischen Noah und Marlene entfaltete, war ich längst Feuer und Flamme für den Roman und konnte ihn vor lauter Spannung kaum aus der Hand legen. Neben dieser Beziehung lebt der Roman vor allem von der Atmosphäre der abgeschiedenen Villa umgeben von Wald, Bergen und Seen - eine einsame Gegend, die, so weit entfernt von jeder Zivilisation, trotz aller Schönheit der Natur schon bald auch bedrohliche Seiten erahnen ließ.
Der Mythos dieses altertümlichen Hauses zwischen Verfallserscheinungen und Leerstand mit nur einer Handvoll Leuten auf einem zu großen Gelände spielt für die Stimmung der Geschichte eine große Rolle und zeigt, wie liebevoll detailliert die Autorin hier die intensiven emotionalen Gesichtspunkte der Handlung mit dem stimmungsvollen Ambiente der Umgebung verbindet. Zusammen mit dem sehr gelungenen Schreibstil beweist Irmgard Kramer ein außerordentlichen Gespür dafür, den Leser durch die von ihr geschaffene Welt zu verzaubern und ihn so tief in die Geschichte hineinzuziehen, dass er die reale Welt für einen Moment vergisst und sich voll und ganz auf die ungewöhnlichen Charaktere einlässt. Das hat mich sehr begeistert.

Mein einziger Kritikpunkt richtet sich an das Ende der Geschichte und das, obwohl gerade dieses auch ein riesiges Lob verdient. Hier überrascht die Autorin mit einem immer wirrer anmutendem Roadtrip, der in einer plötzlichen Wendung gipfelt, welche den gesamten Inhalt des Romans bis zu diesem Punkt um hundertachtzig Grad dreht, alles in Frage stellt und mich als Leserin mit ungeahnten Rätseln konfrontierte. Zwar war es zunächst spannend und gleichzeitig herausfordernd, die abrupt auftauchenden neuen Aspekte aus dem Leben der Ich-Erzählerin mit der vorangegangenen Handlung und den Charakteren gedanklich in Einklang zu bringen, und rückblickend ließ es mich in einigen zunächst verrückt wirkenden Details eine starke Symbolik erkennen, doch spätestens die letzten Seiten des Romans präsentierten mir eine neue "Wirklichkeit", die mich noch lange nach dem Schließen der Buchdeckel zwang, mich mit der Frage nach Illusion und Wahrheit zu beschäftigen.

Kann ich das Ende mit der Entwicklung der Geschichte und meiner eigenen Vorstellungskraft, meiner eigenen Idee von dem, was möglich ist, in Einklang bringen? Führt mich die Autorin hier erneut aufs Glatteis? Was ist echt, was nicht? Ich kann nur sicher sagen, dass ich auch mehrere Wochen nach dem Lesen zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen bin. Insofern kann ich ohne Zweifel feststellen, dass dieser Roman sehr speziell ist und eine Tiefe besitzt, die Jugendliche wie Erwachsene gedanklich lange beschäftigen kann, doch obwohl ich die Wendungen dieser Geschichte nahezu genial finde, bleibt in ähnlich starker Ausprägung das Gefühl zurück, dass mir das Ende ein wenig zu plötzlich vor die Füße gefallen ist, als dass ich es in vollem Umfang akzeptieren könnte - weder "einfach so" noch nach langem Grübeln.

Fazit: "Am Ende der Welt traf ich Noah" ist ein Roman, der Jugendliche wie Erwachsene in seinen Bann ziehen kann und noch lange Stoff zum Nachdenken zurücklässt. So begeistert ich allerdings zunächst von der Atmosphäre und den Charakteren dieses Buches war, ganz am Ende habe ich ein wenig den Zugang zur Geschichte verloren. Daher vergebe ich trotz außergewöhnlich intensiver Gefühle, die ich mit Irmgard Kramers Werk verbinde, "nur" sehr gute 4 Sterne statt der vollen Punktzahl. Lesenswert ist es allemal.

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dystopie, new york, clans, seuche, jugendliche

Young World - Die Clans von New York

Chris Weitz , ,
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 22.09.2015
ISBN 9783423761215
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Young World - Die Clans von New York" ist der Debütroman des US-amerikanischen Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseurs Chris Weitz, der sich unter anderem für die Verfilmung des zweiten "Twilight"-Bandes, "New Moon", verantwortlich zeichnet. Mit diesem Auftakt einer Trilogie, der vom Verlag ab einem Alter von 14 Jahren empfohlen wird, widmet sich Weitz einem postapokalyptischen Szenario vor der beeindruckenden Kulisse eines im Chaos versunkenen New Yorks.

Inhalt: Rund ein Jahr ist vergangen, seit eine Seuche alle Erwachsenen und kleinen Kinder auf der ganzen Welt ausgerottet hat. Nur die Teenager sind übriggeblieben. In New York City organisieren sie sich in Clans, doch eine Zukunft scheint es für die Menschheit nicht zu geben, denn noch immer stirbt jeder, der das Erwachsenenalter erreicht, an der unbekannten Krankheit. Als der Washington-Square-Clan auf Hinweise stößt, die zur Heilung der Krankheit führen könnten, begeben sich fünf seiner Mitglieder auf eine gefährliche Reise quer durch die Stadt...

Der Roman beginnt recht gut: Der Leser ist bei einem Zusammentreffen des Washington-Sqaure-Clans mit Besuchern eines anderen Clans vor seinen Toren - gefolgt von einer spannenden, beunruhigenden Auseinandersetzung - mitten im Geschehen und bekommt dadurch direkt einen Eindruck von der Struktur dieser postapokalyptischen Welt, die nur noch aus Teenager besteht, von den Sorgen und Nöten des Clans und von den Gefahren, die außerhalb ihres abgeschotteten Territoriums lauern. Auf diesen ersten Seiten schafft der Autor außerdem bereits erste emotionale Höhen und Tiefen, welche die Charaktere zugänglich machen. Leider kann Weitz dieses Niveau nicht halten.

Die erste Schwäche offenbart sich nach einigen Kapiteln bereits im Schreibstil beziehungsweise in den unterschiedlichen Sprachstilen, die der Autor den beiden Hauptfiguren und Ich-Erzählern zugedacht hat. Zunächst funktionierte diese Unterteilung recht gut und unterstützte die ersten Eindrücke von Jefferson - gutaussehender, gebildeter Dann-und-Wann-Nerd und Anführer des Washington-Square-Clans - und Donna - sarkastisches, locker, gelegentlich leicht wirr daher redendes Power-Mädchen, das immer einen Spruch auf den Lippen hat und die Apokalypse "Poky" nennt. Zu Anfang gelingt der Versuch, die beiden Persönlichkeiten auch durch ihre unterschiedliche Sprache authentisch darzustellen, doch im Laufe der Geschichte scheint dieses Anliegen in Vergessenheit zu geraten - zu oft erzählten Jefferson und Donna ähnlich neutral, sodass sie ein einziger unabhängiger Erzähler hätten sein können, wären da nicht die Ich-Perspektive und die für jeden der beiden charakteristische Schriftart gewesen, die zumindest optisch noch erkennen ließ, wer im aktuellen Kapitel am Zug war, wenn es dank sprachlichem Einheitsbrei längst nicht mehr möglich war.

Neben Donna und Jefferson konzentriert sich die Handlung auf drei weitere Mitglieder des Clans, die zusammen mit den beiden aufbrechen, um sich auf die Suche nach Forschungsergebnissen zu machen, die ihnen möglicherweise bei der Heilung der Krankheit helfen könnten. Alle Intelligenz der kleinen Truppe konzentriert sich dabei in einer Figur, genannt Brainbox. Jeffersons Freund ist ein Genie mit eingeschränkten sozialen Kompetenzen, der mit einer gewissen Undurchsichtigkeit zu einem interessanten Charakter mit Konfliktpotenzial getaugt hätte, hätten die Ich-Erzähler sich gelegentlich die Zeit genommen, ihn genauer zu durchdenken und ihn somit mehr ins Blickfeld des Lesers zu bringen. Stattdessen sind die beiden im Wesentlichen auf sich selbst fokussiert. Während bei Donna durch ihre Erinnerungen an ihren kleinen Bruder Charlie noch ein gewisser Zugang auf menschlicher Ebene möglich ist, wird Jefferson zunehmend unsympathischer, schwankt zwischen plumpem Macho und bettelndem Weichei und entwickelt sich eher zum kaltblütigen Mann fürs Grobe als zu einem überzeugenden Anführer. Das ausgerechnet er und Donna für eine Liebesgeschichte, angefacht seit Kindergartentagen, herhalten müssen, wirkt an den Haaren herbeigezogen, denn zumindest ich konnte zwischen den beiden Protagonisten nichts Verbindendes oder gar Romantisches ausmachen.

Aufgefüllt wird die Reisegruppe von der kleinen Geheimwaffe SeeThrough, die in meinen Augen ihr Potenzial ähnlich wie Brainbox nicht entfalten konnte, und Peter, einem Freund von Donna, der mehr oder weniger grundlos Teil der Gemeinschaft wird und derart unwichtig war, dass ich in dem sehr christlichen, homosexuellen Afroamerikaner leider nicht mehr entdecken konnte als die Erfüllung einer religiösen, sexuellen und ethnischen Quote - alles vereint in einer Figur, die, wenn sie denn überhaupt mal in Erscheinung tritt, maximal nervt.

Die Handlung entwickelt sich derweilen zu einer Aneinanderreihung von Etappen, deren Verbindung nicht gelingen will. Es scheint als wollte der Autor möglichst viele unterschiedliche Gesellschaftsmodelle darstellen, die in einer postapokalyptischen Welt dankbar wären. So reiht sich ein Clan an den nächsten, für ein Jugendbuch sehr blutige Kämpfe werden ausgefochten, Gegner aufgebaut und Verbündete eingeflochten, doch nichts scheint am Ende noch Relevanz zu haben. Es bleibt abzuwarten, ob sich all diese Fäden noch einmal in den folgenden beiden Teilen der Trilogie aufnehmen lassen oder ob jede dieser Etappen tatsächlich so unabgeschlossen abhackt verbleiben wird. Ich jedenfalls konnte keine fortlaufende Handlung erkennen.

Zu guter Letzt ergänzen weitere Kleinigkeiten den eher unrunden Gesamteindruck dieses Romans. Warum die Seuche im Harry-Potter-Stil "Das, was passiert ist" genannt wurde, erschloss sich mir genauso wenig, wie einige beschriebene Szenerien, darunter zum Teil auch das von Waffen und Blut dominierte Zusammenleben der Clans, die ich für die postapokalyptische Grundidee einer tödlichen Krankheit, die in absehbarer Zeit die gesamte Menschheit dahingerafft haben würde, nicht authentisch fand. Zwar versucht der Autor Erklärungen zu präsentieren, aber richtig glaubwürdig wurde die gesamte Konstruktion für mich nicht, sodass ich auch zu der Atmosphäre der "jungen Welt" keinen rechten Zugang finden konnte.

Fazit: Leider enttäuschte mich "Young World - Die Clans von New York" nach den ersten starken Seiten zunehmend. Die Hauptcharaktere sind profillos und unsympathisch, ihre Begleiter bleiben zu blass, die Idee scheint zu unausgereift und die Handlung zu unzusammenhängend. Am Ende kann ich diesem blutigen Trilogie-Auftakt nicht viel abgewinnen und vergebe nur 2 von 5 Sternen - für die Folgebände bleibt viel Luft nach oben.

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vegan, kochbuch, kochen, italienische küche, vegane küche

Peace Food - Vegano Italiano

Ruediger Dahlke , Dorothea Neumayr
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Gräfe und Unzer Edition, 01.09.2014
ISBN 9783833841972
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Peace Food – Vegano Italiano: Das Kochbuch“ von Ruediger Dahlke ist ein Kochbuch, das mir aufgrund meiner Vorliebe für die italienische Küche aufgefallen ist und mir – so zumindest meine Intention – als Nicht-Veganerin die Möglichkeit geben sollte, überzeugende Rezepte zu finden, die auf den Einsatz tierischer Produkte vollständig verzichtet.

Im Rahmen einer Kochrunde konnte ich die Zusammenstellungen dieses Buches auch bereits ausgiebig testen – zur Übersicht habe ich all meine so nah am Rezept wie möglich nachgekochten Gerichte bildlich festgehalten und in einem kurzen Video auch für die Leser dieser Rezension zusammengestellt.



Die optische Gestaltung des Kochbuches ist sehr klassisch gehalten. Schwarze Schrift auf weißen Grund und recht schnörkellose Bilder der Gerichte präsentieren sich dem Leser. Damit macht das Kochbuch zwar keinen besonders modernen Eindruck, allerdings ist alles leserlich und die Gerichte wirken ansprechend. Auch die Angabe einer Zubereitungsdauer bei den Rezepten sowie eine übersichtliche Zutatenliste sind positiv hervorzuheben.
Die Rezepte sind in vier Kapitel unterteilt: Bei „Antipasti“ werden Vorspeisen vorgestellt, anschließend im Kapitel „Primi Piatti“ ein erster Hauptgang sowie im Kapitel „Secondi Piatti & Contorni“ ein zweite Gang und Beilagen. Den Abschluss bilden die „Dolci“, Desserts und Gebäck.

Schon beim ersten Durchsehen fiel mir allerdings die große Zahl an Suppen und Eintöpfen auf, wobei gerade einmal drei davon feinere, pürierte Cremesuppen waren, während circa zehn weitere Rezepte aus oft Hülsenfrucht lästigen gröberen Zusammenstellungen bestanden, was recht einseitig wirkte. Zudem ziehen sich diese Rezepte gleichermaßen durch das zweite und dritte Kapitel, was die Unterteilung für mich nicht ganz sinnvoll erscheinen ließ.

Pasta-Rezepte gibt es zwar einige, ebenfalls sowohl im zweiten wie auch im dritten Kapitel, allerdings fehlen selbstgemachte Nudeln vollkommen, ebenso ein selbstgemachter Pizzateig oder ein selbstgemachtes Eis bei den Süßspeisen – bei einem Kochbuch, dass sich italienische Authentizität auf die Fahne geschrieben hat und dem Leser bereits in der Einleitung von der Pasta und Pizza zubereitenden italienischen „Mamma“ vorschwärmt, hätte ich das eigentlich als untersten Standard erwartet. Schöne selbstgemachte Ravioli hätten das Kochbuch jedenfalls für mich sicher deutlich aufgewertet.

Inhaltlich lag eine erste Fehleinschätzung des Buches meinerseits möglicherweise schon darin begründet, dass ich den Autor, Ruediger Dahlke, wie auch seine „Peace Food“-Bücher bisher nicht kannte. Bei der Einleitung jedenfalls erwartete ich eine kurze, gerne leidenschaftliche, Schilderung der Gründe für die Entstehung des Kochbuches, dann aber unbedingt auch eine ausführlichere Warenkunde, ein paar Einschätzungen zu Ersatzprodukten oder eine kleine Sammlung von Ratschlägen, speziell in Bezug auf Besonderheiten einmal der italienischen wie auch der veganen Küche. Stattdessen bekam ich knapp 30 Seiten lang einen Monolog des Autors mit sehr starkem esoterischen Einschlag zu lesen, der – reich an Wiederholungen - das italienische Lebensgefühl in den Himmel lobte, Heilversprechen zur veganen Ernährung ohne Angabe jeglicher wissenschaftlicher Quellen abgab und sich nicht zuletzt wie eine Kaffeefahrt durch das Ruediger-Dahlke-Buch- und Seminar-Angebot anfühlte. Passend zu diesem Eindruck ist die Zusammenstellung der bisherigen Veröffentlichungen des Autors am Ende des Buches leider auch genau so umfangreich geraten wie das gerade für ein spezialisiertes Kochbuch sehr mager ausfallende Glossar, das nur unzulänglich einige Produkte anschneidet.

Knapp 30 Seiten des ohnehin eher dünnen Kochbuches für eine solche Einleitung? Das sehe ich eher als verschwendet an. Mehr Rezepte oder Übersichten und Tipps für Bezugsquellen, nicht nur von veganen Ersatzprodukten, sondern auch von eher ungewöhnlichen Gemüsesorten, Mehlen und Zuckern hätten für mich einen deutlich größeren Mehrwert dargestellt.

Der Bezug einiger Lebensmittel stellte sich tatsächlich selbst für mich als mobiles Großstadtkind mit einigen Filialen größerer und kleinerer Supermarktketten, Wochenmärkten, Drogeriemärkten und sogar zwei recht großen gut sortierten Bio-Supermärkten in Reichweite als schwierig heraus. Vieles bekam ich erst nach längerem Suchen in mehreren Geschäften, doch zweimal musste selbst ich, obwohl ich mehr als motiviert war, die mir bis dahin noch unbekannten Zutaten zu testen, und dafür das Abklappern vieler Regale in Kauf nahm, das Handtuch werfen. Wie es dann erst für Bewohner ländlicherer Regionen aussieht, mag ich mir gar nicht ausmalen.

Allerdings empfinde ich es auch als fraglich, ob man zum Zubereiten weniger Desserts und Backwaren wirklich gut ein halbes Dutzend verschiedener Süßungsmittel verwenden muss. Ich gehöre jedenfalls nicht zu den Befürwortern des Trends den normalen Haushaltszucker durch andere, teilweise stark überteuerte und dabei wenig ergiebige Zucker wie Reismalz oder Agavendicksaft zu ersetzen, vor allem nicht dann, wenn man sich wie in diesem Buch nicht auf ein, vielleicht zwei dieser Süßungsmittel konzentrieren kann. Selbiges gilt für den Einsatz diverser Mehle, die häufig nur in sehr wenigen Rezepten in Kleinstmengen auftauchen. „Vegano Italiano“ ist unter anderem nicht nur ein Kochbuch sondern auch eine Herausforderung an die Lagerkapazitäten einer durchschnittlichen Küche.
Eine Ursache für diese Uneinheitlichkeit mag es sein, dass die Rezepte nicht aus einer Feder stammen. Ruediger Dahlke zeichnet sich wohl nur für die Einleitung verantwortlich, die Rezepte allerdings stammen von vier weiteren Damen und Herren, die unter drei verschiedenen Kürzeln (zwei der Damen arbeiten im Team) Gerichte beisteuerten.

Beim Nachkochen der Rezepte fiel vor allem auf, dass diese nicht immer italienische Authentizität – jedenfalls zumindest in dem Rahmen, in dem es in der veganen Küche möglich wäre – vor Augen hatte. Das „Bruschetta-Brot“ war beispielsweise zwar schnell zubereitet und recht schmackhaft, allerdings war es für mich eher ein deutsches, halbdunkles Brot zum Frühstück. Mit der leichten italienischen Küche, die wie viele südländische Küchen vor allem auf helle Teigwaren aus Weizen setzt, hatte das stark sättigende Brot nicht mehr gemeinsam als den Namen, und ein Tomaten-Bruschetta wurde mit diesem Brot auch nicht mehr zur kleinen „Antipasti“ sondern zum vollwertigen Abendessen.
Auch die Verwendung von Vollkornnudeln in vielen Rezepten sticht ins Auge – zumindest beim Lesen des Rezepttextes. Auf den Bildern zu den jeweiligen Gerichten sieht es nicht danach aus, als hätten sich die Autoren hier in jedem Detail an ihre eigenen Rezepte gehalten.

Des Weiteren gab es einige Rezepte, die orientalische Assoziationen hervorriefen oder, zum Beispiel durch Currysaucen, sogar eher in den asiatisch/indischen Raum zu gehören schienen.
Daher empfand ich den kleinen Zusatz „90 vegane Rezepte der italienischen Küche“ als recht irreführend, impliziert er doch, dass sich hier echte italienische Rezepte finden ließen, obwohl die Rezepte oft mit veganen Ersatzprodukten von Sojamilch bis Tofu zubereitet und in Richtung „Vollwert“ angepasst wurden.

Auch auf kleinere Fehler in den Rezepttexten oder optimierbare Arbeitsabläufe sollte man achten. Es empfiehlt sich, den gesamten Rezepttext vor der Zubereitung aufmerksam zu lesen. Ein versierter Hobbykoch kann bei einigen Rezepten viel Zeit sparen, bei den „Auberginen-Rouladen“ lässt sich nur durch eine sinnvollere Abfolge der Arbeitsschritte die benötigte Zeit schnell halbieren.

Abgesehen davon waren viele Rezepte schmackhaft und sind gut nachzukochen, sofern man die Produkte beziehen oder ersetzen kann. Obwohl ich die Zusammenstellung zum Beispiel durch den hohen Suppenanteil nicht unbedingt als rundum gelungen empfinde, habe ich doch viele Rezepte gefunden, die mich angesprochen haben und bei der Zubereitung mehr oder weniger gehalten haben, was sie versprachen. Ein paar Enttäuschungen gab es, wie etwa der zu wenig nach Schokolade schmeckende „Schokoladenpudding“ oder die „Blumenkohlcremesuppe“, bei der ich den Nachgeschmack des eingesetzten Soja-Drinks unangenehm bis erschlagend fand. Allerdings gab es auch sehr positive Überraschungen wie die „Polenta mit Peperonata“, die „Schokocreme im knusprigen Teigbecher“, die „Panna Cocco“, die „Focaccia“ oder das „Risotto mit Pilzen“, die mich auch in der veganen Variante überzeugen konnten.

Fazit: Ruediger Dahlkes „Peace Food – Vegano Italiano: Das Kochbuch“ ist ein durchwachsenes Kochbuch. Die Zusammenstellung der Rezepte könnte durchdachter und ausgeglichener sein. Italienische Klassiker wie etwa selbstgemachte Pasta fehlen vollkommen, dafür wirken andere Rezepte wenig authentisch. Leider fehlt auch eine nennenswerte Warenkunde und das sehr lange Vorwort offenbart einen starken Hang zur Esoterik. Insgesamt vergebe ich daher knappe 3 Sterne. Ich hatte deutlich mehr erwartet.

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kristallkinder, fantasy, jordan dane, liebe, indigo-kinder

Indigo - Das Erwachen

Jordan Dane ,
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.03.2014
ISBN 9783956490170
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Indigo – Das Erwachen“ von Jordan Dane ist der Auftakt einer Jugendbuch-Fantasy-Reihe, der durch sein zum Titel passendes strahlend blaues Cover direkt ins Auge springt.

Inhaltlich geht es um Folgendes: Rayne Darbys jüngerer Bruder Lucas flieht aus der psychiatrischen Einrichtung, in die ihre ältere Schwester Mia ihn nach dem Tod der Eltern einwiesen ließ. Rayne beschließt ihn zu suchen, doch das ist alles andere als ungefährlich, denn eine zweifelhafte Sekte, die Church of Spiritual Freedom, sucht ebenfalls nach Lucas und schreckt vor nichts zurück. Als Rayne in Gefahr gerät, ist es ein Junge namens Gabe, der sie rettet – indem er in blaue Flammen aufgeht. Es scheint eine Verbindung zu ihrem Bruder zu geben…

Die Grundidee der Romans empfand ich von vornherein als überzeugend. Die Autorin verbindet in „Indigo“ Fantasy mit der Idee einer evolutionären Weiterentwicklung der Menschheit, die sich in paranormalen Fähigkeiten von Gedankenmanipulation bis hin zum Kontakt ins Totenreich äußert. Die Verbindung gelingt Jordan Dane recht gut, die Umsetzung der ungewöhnlichen Idee funktioniert durch sehr bildhafte, gut vorstellbare Beschreibungen und einem Aufbau, der zwar noch einige Details im Ungewissen lässt, die Entwicklung der einzelnen Gruppierungen sowie die Herkunft der sogenannten Indigo-Kinder aber Stück für Stück logisch und glaubhaft erklären kann und dem Roman damit ein solides Grundgerüst verschafft.

Im Gegensatz zu der Fantasy-Idee, die mich durchgehend begeistert hat, fiel mir der Einstieg in die Handlung aufgrund eines anderen vermeintlichen Merkmals des Romans allerdings schwer: Es schien kitschig zu werden. Die Liebesgeschichte entwickelte sich jedenfalls zunächst so vorhersehbar und offensive, so plötzlich, dass sich ein Verständnis meinerseits für die großen Gefühle der Protagonisten nicht entwickeln wollte. Schon wieder so eine aus dem Nichts kommende Romanze zweier junger Menschen, die sich dennoch immer wieder abweisen, weil sie „gefährlich“ für den anderen sein könnten? Haben wir das nicht in diesem Genre schon zu oft gelesen?

Ich war also skeptisch, aber zum Glück fand der Roman doch noch den Notausgang aus dem Reich des Kitsches heraus und hinein in eine – zumindest halbwegs – glaubhafte, romantische Beziehung zwischen den Figuren, die sich auch nicht zu sehr in den Vordergrund drängte, sondern der Fantasy-Handlung noch genug Raum ließ. Das Nebeneinander von Action und Liebe funktionierte hier gut, was mich nach meinen anfänglichen Zweifeln tatsächlich selbst positiv überraschte.

Neben der ausgewogenen Handlung kann dieser Reihenauftakt auch mit seinen Charakteren überzeugen. Die Autorin begleitet parallel Figuren auf unterschiedlichen Seiten des Konflikts zwischen den Indigo-Kindern und ihren Verfolgern, die sie für eine Gefahr für die Menschheit halten, sie wegsperren und erforschen wollen. Auf beiden Seiten schafft Dane interessante Charaktere, manche außergewöhnlicher als andere, manche erschreckend fanatisch, manche unendlich liebenswürdig und manche herrlich bodenständig normal. Von Sympathieträgern zu Identifikationsfiguren über Figuren, die den Zweifel im Leser wecken, bis hin zu den klassischen Bösewichten ist alles dabei, wodurch sich wiederrum eine ausgewogene Mischung ergibt.

Besonders die Hauptfigur Rayne überzeugt durch ihre Menschlich- aber nicht Fehlerlosigkeit, während Gabe in der Rolle des spannenden, geheimnisvollen Protagonisten mit schwer einschätzbaren übernatürlichen Fähigkeiten einen gelungenen männlichen Gegenpart darstellt. Nebenfiguren wie Hauptfiguren zeigen Entwicklungen, die den Roman zusammen mit den Fantasy-Elementen, die sich im Laufe der Geschichte in ihrer Intensität deutlich steigern und durch ihr Ausmaß immer wieder überraschen, nicht langweilig werden lassen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich allerdings die etwas sprunghafte Entwicklung der Handlung, die teilweise dem häufigen Schauplatz- und Protagonistenwechsel geschuldet, teilweise aber auch auf einen Verlust des berühmten roten Fadens zurückzuführen ist. Gelegentlich wirkten Handlungen eher unzusammenhängend und waren dadurch nicht immer nachvollziehbar. Warum wird die eine Idee nicht weiterverfolgt? Warum erscheint eine gewisse Information erst jetzt, wo sie doch eine Situation vorher viel stimmiger gemacht hätte? Da fehlte manchmal die Durchgängigkeit.
Am Ende kommt noch eine etwas zu vorhersehbare Wendung hinzu, die sich den halben Roman über so klar angedeutet hatte, dass der wohl beabsichtigte Cliffhanger auf den letzten Seiten wirkungslos verpuffte.

Fazit: Jordan Dane verbindet in „Indigo – Das Erwachen“ eine gut durchdachte Fantasy mit einer frischen Liebesgeschichte. Fans der Urban-Fantasy ab 14 Jahren können hier durch abwechslungsreiche Charaktere und eine spannende Handlung voll auf ihre Kosten kommen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen für den Reihenauftakt und freue mich auf den zweiten Teil.

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endgame, james frey, rätsel, dystopie, kampf

Endgame - Die Auserwählten

James Frey
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 07.10.2014
ISBN 9783789135224
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey ist mehr als nur der Reihenauftakt zu einer neuen apokalyptischen Trilogie, die mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht mehr als klassisches Jugendbuch sondern in das neu gewachsene Genre der All-Age-Literatur einzuordnen ist. Darüber hinaus ist es angelegt als multimediales Großereignis, bestehend aus einer geplanten Verfilmung, für alle Figuren angelegte Profile in sozialen Netzwerken, Events in diversen Städten, einem Augmented-Reality-Game und nicht zuletzt einem im Roman versteckten Kryptorätsel, bei dessen Lösung ein Gewinn von 500 000 US-Dollar in Gold winkt. Dementsprechend groß wurde die Veröffentlichung von „Endgame“, in 30 Ländern weltweit am gleichen Tag, auch beworben, was einen gewissen Hype um das Buch auslöste.

Nichtsdestotrotz sehe ich das Kryptorätsel und all die interaktiven Zusätze in erster Linie als Erweiterungen zum Lesen, welche die Geschichte selbst aber nicht mehr oder weniger lesenswert machen sollten. Daher habe ich mich auch in erster Linie von der inhaltlichen Beschreibung dieses, wie ich es bezeichnen würde, endzeitlichen Action-Thrillers zum Kauf verleiten lassen und mich beim Lesen zunächst nur auf die Geschichte konzentriert – wie bei jedem anderen Roman auch – und mich nicht von der Suche nach kryptischen Hinweisen ablenken lassen.

Und darum geht es inhaltlich: 12 Meteoriten schlagen auf der Erde ein, an den Wohnorten von 12 ganz bestimmten Menschen – den aktuellen Spielern der 12 Geschlechter, in die sich die gesamte Erdbevölkerung unterteilt. Seit Jahrtausenden haben die Eingeweihten der Geschlechter auf dieses Ereignis gewartet und ihre Spieler dafür trainiert. Endgame hat begonnen. Jetzt müssen die Spieler aufbrechen und sich einem Wettkampf auf Leben und Tod rund um den Globus stellen. Nur einer kann gewinnen und so das Überleben seines ganzen Geschlechts sichern….

12 Spieler und jeder von ihnen wird zum Protagonisten dieses Romans. Es fordert schon einen aufmerksamen Leser, um den verschiedenen Charakteren und ihren Schicksalen zu folgen. Natürlich stehen nicht alle 12 gleichermaßen im Fokus der Geschichte – die einen sind wichtigere Hauptfiguren, die anderen agieren eher am Rand der Handlung, werden vielleicht erst in den weiteren beiden Teilen der Trilogie verstärkt in Aktion treten oder verabschieden sich mit der Zeit durch ihr eigenes Ableben vom Endgame. Darauf läuft es schließlich hinaus: Nur einer kann übrig bleiben.

Dennoch legt der Autor viel Wert auf die Ausbildung der Persönlichkeiten seiner 12 Spieler. Sie sind nicht nur eine international bunt gemischte Gruppe, sondern zeigen auch alle eine unterschiedliche Einstellung zum Endgame, zu ihrem Schicksal als Spieler, auf deren Schultern die Verantwortung für die Zukunft eines ganzes Geschlechtes liegt, und auch ihr Vorgehen ihren Mitspielern gegenüber unterscheidet sich. James Frey nimmt sich in einer ansonsten straff erzählten Geschichte Zeit, die Hintergründe jedes einzelnen Spielers anzuschneiden und ihre verschiedenen Eigenschaften mit ihrer Ausbildung, ihrem familiären Umfeld und persönlichen Eigenarten zumindest teilweise zu erklären. Der Autor erschafft dadurch ein wirklich umfangreiches Bild abwechslungsreicher Charakterzüge, die durch das allem übergeordnete Endgame unfreiwilliger Weise aufeinandertreffen.

Während des Endgames führt der Autor seine Figuren rund um die Welt. Die Handlungsorte sind eine der großen Stärken von „Endgame – Die Auserwählten“. Spannende Orte - historische Bauwerke alter Kulturen, bildhaft beschrieben - werden Teil der Reise der Spieler und ebenso Teil der Rätsel, die sie während des Endgames lösen müssen. Im Buch ist also nicht nur für den Leser ein Kryptorätsel versteckt, auch die Figuren selbst sind dabei, ihre eigenen Rätsel zu lösen. In der Art, wie sie dies tun, liegt für mich aber einer der kleinen Kritikpunkte, die ich bei diesem Roman anbringen könnte: Die Lösungen kommen teilweise zu schnell, teilweise auch vollkommen aus dem Nichts. Für den Leser sind der Erkenntnisgewinn der Figuren und die Zufälle, die dafür von Nöten sind, nicht immer ganz nachvollziehbar.

Hier muss der Leser wohl oder übel ein kleines Opfer bringen, das sich aus dem hohen Erzähltempo ergibt, da auf immerhin fast 600 Seiten dennoch die Geschichte von einem Dutzend Figuren wiedergegeben werden muss, die zwar gelegentlich zusammentreffen, sich größtenteils aber über den gesamten Globus verstreut aufhalten. Allerdings erzeugt diese hohe Geschwindigkeit auch Spannung, was durch die gewählte Sprache des Autors aus kurzen Sätzen, knackigen Formulierungen und Anspannung übertragende einprägsame Wiederholungen und Aufzählungen zusätzlich unterstützt wird, wodurch sie zu einem unverzichtbaren Merkmal dieser actionreichen Geschichte wird und maßgeblich zur Atmosphäre beim Lesen beiträgt. Die Figuren sind in Eile, für sie geht es um Alles oder Nichts, Leben oder Tod, nicht nur für sie selbst, sondern für einen großen Teil der Menschheit – dieses Gefühl von Dringlichkeit wird auch dem Leser vermittelt. Der Autor schafft es tatsächlich, den Spannungsbogen fast durchgehend hoch zu halten, die Schauplätze immer an den passenden Stellen zu wechseln oder andere Spieler überraschend wieder ins Geschehen eingreifen zu lassen. Es gibt kaum ein paar Seiten am Stück, die zum Durchatmen einladen würden, bevor die nächste Wendung erfolgt.

Das Endgame selbst ist ein weiteres interessantes Konstrukt, das als Grundidee eines apokalyptischen Romans dem multimedialen Gesamtpaket in nichts nachsteht. James Frey wählt hier den Ansatz einer übergeordneten Macht, welche die Menschheit geformt hat und weiterhin Einfluss nimmt. Dabei hält der Autor noch viele Informationen zurück, macht aber geschickt Andeutungen sowohl über diese übergeordnete Lebensform wie auch über deren Gründe für das Endgame, die neugierig machen und die Umsetzung insgesamt sehr gelungen erscheinen lassen. Frey bringt immer neue Aspekte auf, deutet neue Sichtweisen an und erweitert den Kenntnisstand der Figuren so, dass der Leser immer wieder umdenken und neue Vorstellungen über Endgame und die Macht dahinter entwickeln kann und muss, ohne dass der Autor sein Publikum jemals vollständig in Sicherheit wiegt, was die Richtigkeit der Vermutungen anbelangt. Es bleibt geheimnisvoll und rätselhaft.

Natürlich schließt die Idee des Endgames zusammen mit dem hohen, auf Action ausgelegten Tempo auch wenig freundlich gesinnte Aufeinandertreffen der Charaktere mit ein, da bei diesem Wettkampf am Ende nur ein Spieler am Leben bleiben kann. Die 12 Spieler sind mehr oder weniger alle dazu ausgebildet worden, zu kämpfen und zu töten. Somit ist die Altersempfehlung ab 16 Jahren auch durchaus angebracht, denn in „Endgame – Die Auserwählten“ geht kaum etwas friedlich und ohne Blutvergießen vonstatten. Der Autor erweist sich da in den Beschreibungen als alles andere als zimperlich und der Leser sollte es daher auch nicht sein, denn insgesamt passt die geschilderte Gewalt zur Idee des Romans und auch zum empfohlenen Alter.

Fazit: „Endgame – Die Auserwählten“ von James Frey wurde durch das Marketing als multimediales Großereignis mit der Gewinnchance auf eine halbe Million US-Dollar zum Hype, dem der Roman an sich meiner Meinung nach aber auch gerecht werden kann. Zumindest Leser, die sich für eine Mischung aus Action-Thriller und Apokalypse begeistern, können hier spannende Stunden mit ausgefeilten Charakteren und großartigen Schauplätzen erleben. Ich bin von der ersten bis zur letzten Seite gebannt der außergewöhnlichen Idee gefolgt und würde am liebsten sofort erfahren, welche Wendungen sich der Autor in den folgenden beiden Bänden wird einfallen lassen. Ich vergebe 5 Sterne.

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fantasy, liebe, maggie stiefvater, magie, jugendbuch

Wen der Rabe ruft

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 09.10.2013
ISBN 9783839001530
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Wen der Rabe ruft“ von Maggie Stiefvater ist der Auftakt einer neuen Urban-Fantasy-Reihe, die wie schon die vorangegangenen Bücher der amerikanischen Erfolgsautorin im Bereich der All-Age-Literatur anzusiedeln ist und vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen wird. Stiefvater begibt sich mit diesem auf insgesamt vier Bände ausgelegten Mehrteiler in den Bereich des Paranormalen: Wahrsager, Geister und alte Energien tief unter der Erde sorgen für Gänsehaut…

Kurz zum Inhalt: Blue ist die Tochter einer Wahrsagerin und hilft jedes Jahr in einer Aprilnacht ihrer Familie dabei, die Seelen der Menschen zu begrüßen, die bald sterben werden, obwohl sie selbst nicht über die Gabe verfügt, Geister zu sehen. Doch in diesem Jahr sieht Blue einen einzigen: Den Geist eines Jungen namens Gansey. Bedeutet das, dass sie für den Tod dieses Unbekannten verantwortlich sein wird? Immerhin lebt sie seit ihrer frühesten Kindheit mit einer Prophezeiung: Wenn sie ihre wahre Liebe küsst, wird dieser Junge sterben.
In der gleichen Stadt suchen vier Jungen nach einem alten Energiepfade, einer Ley-Linie, an der einer Legende nach Glendower, ein mächtiger walisischer König, begraben liegen und auf seine Erweckung warten soll. Einer dieser Jungen ist Gansey…

Mit ihrer Trilogie über die Wölfe in Mercy Falls, die in Deutschem unter den Titeln „Nach dem Sommer“, „Ruht das Licht“ und „In deinen Augen“ erschienen ist, ist Maggie Stiefvater eine meiner absoluten Lieblingsautorinnen geworden. Die Hoffnung, aber damit einhergehend auch die Erwartung, war groß, dass sie mich mit ihrer neuen Reihe ebenso begeistern würde. Schon nach wenigen Kapiteln fiel jedoch auf, dass „Wen der Rabe ruft“ sich deutlich von „Nach dem Sommer“ unterscheidet. Die Liebesgeschichte, die nach dem Klappentext und auch nach den ersten Seiten fast schon ein wenig zu offensichtlich scheint, nimmt einen überraschend unvorhersehbaren Gang und die Romantik, die in Stiefvaters letzter Trilogie deutlich im Mittelpunkt stand, ist in diesem Reihenauftakt weit weniger vordergründig.

Stattdessen beweist die Autorin hier, dass sie ihre atmosphärisch starke Sprache auch meisterhaft dafür einsetzen kann, den Leser mit unheimlichen Szenarien das Fürchten zu lehren. Mit düsteren Wäldern, wandelnden Geistern und der Gabe des Wahrsagens erzeugt Maggie Stiefvater in „Wen der Rabe ruft“ immer wieder eine schauderhafte Gänsehaut beim Leser und erzählt ihre Geschichte dabei so spannend und mitreißend, dass zumindest ich dieses Buch selbst zu spätester Stunde nicht aus der Hand legen konnte. Die Autorin versteht es einfach wie nur wenige, mit ihren Beschreibungen ihre Handlungsorte so deutlich im Kopf des Lesers zum Leben zu erwecken und sein Interesse mit ihren Figuren und ihrer Geschichte, nicht zuletzt auch mit der Art, wie sie mit der Unwissenheit des Lesers spielt, an den Roman zu fesseln.

Die Protagonisten und ihre Konstellationen zueinander sind dabei nicht nur abwechslungsreich sondern auch durchaus komplex. Die befreundeten vier Jungen Gansey, Adam, Noah und Ronan, Schüler eine teuren Privatschule, könnten unterschiedlicher kaum sein und die Autorin baut ihre Handlung zusätzlich mit Bedacht auf, lässt einiges zunächst im Dunkeln und legt deutlich erkennbar wenig Wert auf umfassende Erklärungen zu Beginn, sodass der Leser sich in die Dynamik und die Beweggründen der Gruppe und jedes Einzelnen erst langsam einfinden kann und sich vielleicht auch immer wieder an einer Ecke, einer merkwürdig erscheinenden Äußerung, die unkommentiert im Raum stehen bleibt, oder einer fast offensichtlichen Ungereimtheit, die keiner zu bemerken scheint, stoßen wird. Doch der aufmerksame Leser wird hier belohnt, denn im Laufe der Geschichte wird immer deutlicher, dass Maggie Stiefvater nichts dem Zufall überlässt – auch nicht die Irritation des Lesers.

Ähnlich verfährt sie mit der weiblichen Hauptfigur, Blue, die gemeinsam mit ihrer Mutter und einer in den ersten Kapiteln fast unüberschaubar wirkenden Zahl von Tanten und Freundinnen der Mutter, allesamt mehr oder weniger erfolgreiche Wahrsagerinnen, in recht unkonventionellen familiären Verhältnissen lebt und dennoch, als einzige ohne hellseherische Fähigkeiten, ein verantwortungsvolles Mädchen zu sein scheint. Blue hat mir als Protagonistin nicht nur unglaublich gut gefallen, sondern durch ihre sehr speziellen Fähigkeiten auch weitere Geheimnisse in die Geschichte eingebracht.
Der Fantasy-Anteil der Handlung ist dabei in Form der geistersehenden Wahrsagerinnen aus Blues Haushalt von vorn herein greifbar und wird – zumindest von diesem Teil der Figuren – auch nie in Frage gestellt, was im Genre der Urban-Fantasy ja nicht immer üblich ist. Maggie Stiefvater verknüpft anschließend die paranormalen Elemente und die Suche nach speziellen „Energien“ mit einer walisischen Heldensaga und schafft dadurch einen Mix, der in Umsetzung wunderbar funktioniert und sich zu einer spannenden, wendungsreichen Geschichte zusammensetzt, die ihre Intensität von Seite zu Seite steigen kann.

Abschließend möchte ich noch eines meiner Highlights dieses Reihenauftakts erwähnen: Chainsaw. Wer oder was sich hinter dieser „Kettensäge“ verbirgt, darf allerdings jeder Leser ebenso selbst herausfinden wie Antworten auf die Fragen, was es mit Blue und Gansey auf sich hat, wie man Ley-Linien findet und welche Sprache Bäume sprechen.

Fazit: Maggie Stiefvater beginnt ihre neue Reihe mit einem echten Page-Turner. „Wen der Rabe ruft“ ist spannend und verzaubert den Leser mit einer atemberaubend intensiven Atmosphäre. Durchdachte Fantasy-Elemente, eine ordentliche Portion Gänsehaut dank hohem Gruselfaktor und liebeswerte wie geheimnisvolle Charaktere vervollständigen das Bild eines Highlights für alle Fans der All-Age- und Urban-Fantasy. Der zweite Band „Wer die Lilie träumt“ sollte am besten direkt bereit liegen – man muss einfach weiterlesen. Ich vergebe restlos begeistert 5 Sterne.

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267 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 49 Rezensionen

hitler, satire, hörbuch, berlin, humor

Er ist wieder da

Timur Vermes , Christoph Maria Herbst , Andy Matern , Andy Matern
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.09.2012
ISBN 9783785747414
Genre: Romane

Rezension:

Der Debütroman des Journalisten Timur Vermes wurde in Deutschland zum Bestseller. Die originelle Idee, Adolf Hitler in heutiger Zeit wie nach einer Zeitreise erwachen zu lassen, hat auch mich neugierig gemacht und ließ mich zum von Christoph Maria Herbst gelesenen Hörbuch greifen.

Zum Inhalt: Im Sommer 2011 erwacht Adolf Hitler, gerade noch seinem Ende im Führerbunker entgegenblickend, in Berlin. Der Krieg ist offensichtlich zu Ende und auch sonst scheint sich in Deutschland einiges verändert zu haben. Hitler beschließt in dieser Welt, die ihn unverständlicher Weise für einen Doppelgänger seiner selbst hält und ausgesprochen komisch findet, erneut die Macht zu ergreifen. Und so landet Hitler beim Fernsehen – als neuer Star einer Comedy-Show…

Die Handlung beginnt ohne große Umschweife. Hitler erwacht in Berlin, er ist wieder da, 2011. Warum weiß der Leser nicht und auch der Ich-Erzähler Adolf Hitler persönlich hat keine Ahnung, was ihn plötzlich 66 Jahre in die Zukunft befördert hat. Das ist allerdings auch nicht wichtig. Er ist da und nach den ersten Hürden der Eingewöhnung wieder voller Tatendrang – die Rückkehr an die Spitze wird vorbereitet, was Hitler in diverse urkomische Situationen und das ein oder andere Mal an die Grenze seiner Geduld bringt.

Einige Kritiken befassen sich meiner Meinung nach weniger mit Vermes‘ Roman an sich, sondern zu sehr mit der Frage, ob und wie Hitler als Hauptfigur in diesem Roman dargestellt werden darf. Es ist sicher verständlich, dass Hitler heute in der rückblickenden Betrachtung selten menschliche Züge erhält – in Anbetracht der deutschen Geschichte sieht man das Monster, den Unmenschen, die Bestie. Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass Hitler nicht nur ein Mensch, sondern offenkundig einerseits überzeugend genug war, um eine ausreichend große Schar von Anhängern hinter sich zu sammeln, und gleichzeitig für viele andere doch zu lächerlich, um wirklich als ernste Bedrohung wahrgenommen zu werden.

Genau das ist eine Diskrepanz, die der Autor in seiner Satire mit einem perfekten Spagat pointiert einfängt. Er erlaubt seinem Ich-Erzähler zu menscheln, lässt ihn sympathische Züge zeigen und im ersten Augenblick vielen durch seinen vermeintlich schwarzen Humor aus der Seele sprechen. Genau dies wurde häufig als Kritik zu Vermes‘ Roman angeführt: „Die Figur wirkt zu sympathisch.“ – „Die Figur hat mit ihren gesellschaftlichen Analysen recht!“ – „So darf Hitler nicht dargestellt werden!“
Geht man allerdings tiefer, ist zu erkennen, dass der Autor es nie versäumt, Hitlers Überzeugungen dermaßen zu überziehen und ihn sich so sehr in seine hysterischen Ausbrüche hineinsteigern zu lassen, dass die Lächerlichkeit und die Fehler in dessen Gedankengut eindeutig werden. Es ist gelungene Satire, als solche gut zu erkennen und, ja, wirklich unterhaltsam und lustig.

Daher stellte sich für mich die Frage danach, ob es moralisch zu verantworten ist, über den Ich-Erzähler dieses Hörbuchs, einen neu zum Leben erweckten Adolf Hitler, der sich über die Zustände im modernen Deutschland echauffiert, zu lachen, praktisch zu keinem Moment. Man sollte sogar über ihn lachen, denn seine Ausbrüche über Politiker, Gesellschaft und Kultur sind genial, die Monologe zu keinem Zeitpunkt langweilig und die Interaktionen Hitlers mit anderen Figuren des Romans urkomisch. Gekrönt wird die Handlung vom Sprecher des Hörbuchs. Christoph Maria Herbst spricht den Ich-Erzähler durchgehend im typischen Hitler-Dialekt – unverwechselbar, authentisch und mit jeder Menge Leidenschaft. Zusammen mit den absurden Situationen, in die sich der machthungrige, aber doch so wenig ernst genommene Neu-Komiker Hitler begibt, sind die Lacher von Anfang bis Ende garantiert. Der Humor ist dabei oft böse, schwarz und bissig – in Kombination mit dem überragenden Christoph Maria Herbst einfach perfekt.

Was mich dazu verleitet, dennoch nicht die höchstmögliche Bewertung abzugeben, ist die Tatsache, dass mir die Handlung gelegentlich recht sprunghaft erschien. Da sich diese Rezension ausschließlich auf das Hörbuch bezieht, kann ich nicht beurteilen, ob es an möglichen Kürzungen der Hörfassung lag oder generell ein Problem des Romans ist. Zwischendurch entgingen mir die Übergänge und einige Zusammenhänge, so als hätte zwischen der einen und der anderen Szenerie noch ein kleines Stück sein sollen, das nicht vorhanden war.

Fazit: Abgesehen von einer leicht sprunghaften Handlung, war „Er ist wieder da“ für mich nicht zuletzt auch dank des Sprechers Christoph Maria Herbst eine unterhaltsame Satire, die mich sehr zum Lachen gebracht und mir einige kurzweilige Stunden beschert hat. Das Hörbuch ist absolut zu empfehlen, ich vergebe sehr gut 4 Sterne.

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597 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 110 Rezensionen

atlantis, lauren kate, teardrop, eureka, tränen

Teardrop

Lauren Kate , Michaela Link
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei cbt, 25.08.2014
ISBN 9783570162774
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Teardrop“ ist der Auftakt einer neuen Young-Adult-Reihe der amerikanischen Autorin Lauren Kate. Nachdem sie sich in ihrer vorrangegangenen Tetralogie den Engeln gewidmet hatte, wendet sie sich in ihrem neuen Werk der sagenumwobenen versunkenen Stadt Atlantis zu.

Kurz zum Inhalt: Die 17-jährige Eureka hat ihre Mutter bei einem schweren Unfall verloren, den sie selbst nur knapp überlebte. Dennoch hat sie nicht eine Träne vergossen – als Kind musste Eureka ihrer Mutter versprechen niemals zu weinen und daran hält sie sich.
Als Eureka gerade dabei ist den traumatischen Tod ihrer Mutter zu überwinden, taucht erst der gutaussehende Ander immer wieder in ihrer Nähe auf, dann verhält sich auch noch ihr langjähriger bester Freund Brooks immer merkwürdiger und Eureka erfährt, dass ihre Mutter ihr rätselhafte Gegenstände hinterlassen hat. Langsam dämmert es ihr: Es gibt Geheimnisse, von denen ihre Mutter ihr nie erzählt hat – und nun schwebt Eureka in großer Gefahr….

Zunächst fand ich die Grundidee ziemlich interessant. In der Urban-Fantasy – gerade im Jugendbuch-Segment – sind, da sich der Trend schon über Jahre hält, mittlerweile mehr oder weniger alle Themen zumindest schon einmal angeschnitten, wenn nicht sogar so häufig behandelt worden, dass sie mit der Zeit die Grenze der Überreizung erreicht haben. Vampire, Werwölfe, Hexen, Feen und, ja, auch Unterwasserwesen sind in der Buchhandlungen mehrfach als Protagonisten zu finden – aber Atlantis? Die mystische versunkene Stadt? Sicher ist auch das keine neue Idee, aber zumindest versprühte der Roman zusammen mit dem wirklich bezaubert schönen und gleichzeitig düsteren Cover eine Hauch von Frische. Mein Kopfkino freute sich auch Unterwasserwelten voller Magie, dargestellt in bildhaften Beschreibungen einer nicht mehr ganz unerfahrenen Autorin….

Nun, leider blieb es bei dieser Vorfreude. Denn trotz rund 500 Seiten an der Seite der 17-jährigen Hauptfigur Eureka erreichte dieser Fantasy-Roman, dessen Handlung in Louisiana im Süden der USA angesetzt ist, nie wirklich die Ebene von fantastischen Elementen, Magie und ungewöhnlichen Wesen, wie ich es auch bei einer Urban-Fantasy, also der Mischung einer Fantasy-Welt mit unserer realen, erwarten würde. Alles blieb bis hin zu den vielleicht letzten 100 Seiten in seiner Schilderung sehr zurückhaltend, erst dann wird es richtig spannend.

Eureka findet nur langsam mehr über ihre Rolle in einer übernatürlichen Welt heraus. Dann, recht plötzlich, nähert sich der Roman auch schon seinem großen Finale und es scheint zu spät, Eureka und den Leser die Rätsel Stück für Stück entschlüsseln zu lassen oder sie mit der wirklichen Fantasy-Welt zu konfrontieren. Stattdessen werden die Eckpfeiler des Erdachten dem Leser hier von der Autorin wie ein großer Haufen durch eine kurze Erzählung vor die Füße geworfen – auf Hintergründe oder nähere Erklärungen so mancher Details muss noch verzichtet werden, denn da sind die letzten Seiten auch schon ausgelesen und der erste Band hat sein zwar fulminantes, aber dennoch gefühlt recht lückenhaftes Finale erreicht.

Leider kann ich auch nicht behaupten, dass die ersten 400 Seiten mit besonders großartigen Randhandlungen gefüllt waren. Rückblickend war der Fortschritt der Handlung für den Umfang der Geschichte recht überschaubar. Eureka ist zwar eine nicht uninteressante Protagonistin, ihre sich wiederholenden Schilderungen von den süßen Halbgeschwistern, dem emotional schwer zugänglichen Vater, der bösen Stiefmutter und der ihrer Meinung nach überflüssigen Psychotherapeutin langweilen mit der Zeit allerdings zunehmend, wodurch das depressive Mädchen einen recht eindimensionalen Charakter vermittelt. Auch die anderen Figuren bleiben eher blass. Egal ob der geheimnisvolle Schönling Ander, der plötzlich so veränderte beste Freund Brooks oder die ewig nach dem nächsten Date suchende Freundin Cat – keiner zeigt eine nennenswerte Entwicklung oder besondere Tiefe, nur Ander zeigt hin und wieder interessante Ansätze und eine weitere Nebenfigur zeigt echtes Potential.

Sprachlich ist „Teardrop“ leider ebenfalls nur durchwachsen. Zumindest in der deutschen Übersetzung holpert so mancher Satz deutlich, wirkt nicht rund. Auch insgesamt macht die Sprache selbst für ein Jugendbuch einen eher einfachen Eindruck. Zwar bindet die Autorin viele Details in ihre Beschreibungen ein, aber so recht packen konnte sie mich nie, was auch daran liegen mag, dass zu viel Alltägliches und zu wenig Fantastisches Teil ihrer Erzählungen ist. Gelungen fand ich allerdings die Einbindung regionaler Eigenheiten der in Louisiana angesiedelten Kultur, da diese hin und wieder mein Interesse wecken konnten.

Fazit: „Teardrop“ konnte meine Erwartungen an eine Urban-Fantasy rund um das versunkene Atlantis leider nicht erfüllen. Die Geschichte wie auch die Figuren blieben zu blass und zeigten zu wenig Fortschritt. Nur die letzten 100 Seiten machen Hoffnung, dass sich die Fantasy-Elemente in dieser Reihe doch noch in der Vordergrund bringen können – im nächsten Band. Für den Auftakt vergebe ich auch dank des spannenden Endes noch knappe 3 von 5 Sterne.

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842 Bibliotheken, 27 Leser, 5 Gruppen, 61 Rezensionen

schweden, südafrika, atombombe, roman, humor

Die Analphabetin, die rechnen konnte

Jonas Jonasson , Wibke Kuhn
Fester Einband: 443 Seiten
Erschienen bei carl's books, 15.11.2013
ISBN 9783570585122
Genre: Romane

Rezension:

„Die Analphabetin, die rechnen konnte“ ist nach dem Bestsellererfolg „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ der zweite Roman des schwedischen Autors Jonas Jonasson.

Zum Inhalt: Nombeko, ein Mädchen im südafrikanischen Slum, kann nicht lesen, ist aber im Kopfrechnen jedem überlegen. So schafft sie es raus aus dem trostlosen Armutsviertel, ist am Bau von Atomwaffen beteiligt und gelang über Umwege nach Schweden, wo Zwillinge leben, von denen nur einer existiert – der andere nicht…

Die eindeutig beabsichtigte Ähnlichkeit der Titel, die sich auch in der Covergestaltung wiederfindet, deutet es schon an: In neue Gefilde wagt sich Jonasson nicht vor. Er bleibt seinem Schema aus einer weltumspannenden Handlung über längere Handlungszeiträume treu. Auch an Absurdität steht das zweite Werk dem erfolgreichen Debüt in nichts nach.

Wer den Hundertjährigen mochte, wird in der Analphabetin, verkörpert durch die Südafrikanerin Nombeko, eine Nachfolgerin finden, deren Geschichte stilistisch weder eine Weiterentwicklung noch einen Rückschritt darstellt. Die distanzierte Sprache mit überwiegend indirekter Rede, der auf Missverständnissen und unerwartete Direktheit in skurrilen Situationen beruhende Humor, die Kreativität, die sich in den einzelnen liebevoll erdachten und wie zufällig eingestreuten Figuren verbirgt – die Gemeinsamkeiten beider Romane überwiegen deutlich.

Die intelligente Nombeko selbst ist zwar völlig anders als der naiv-gutgläubige Allan, zu einem „normalen“ Leben verhilft ihr dies allerdings auch nicht. Zwar tangiert ihre Lebensgeschichte nicht annähernd so viele und ebenso bedeutende und bekannte historische Ereignisse und Persönlichkeiten, wie Allans es getan hat, und umfasst auch nicht diesen gewaltigen zeitlichen Umfang von 100 Jahren, mit dem der Debütroman aufwarten konnte, weit herum kommt die Hauptprotagonistin jedoch ebenfalls und zusammen mit den Holgers, Zwillingen, die sich eine Identität teilen, ergeben sich Konstellationen, die – fast – mit einem Elefanten, unfähigen Gangstern und einem Koffer voller Geld mithalten können.

Dennoch: Obwohl ich den Roman mit Freude und vielen Lachern gelesen habe, ganz erreichen konnte er seinen Vorgänger, den Hundertjährigen, nicht. Ob dies jetzt an der etwas zurückgenommenen weltgeschichtlichen Verwicklung lag, daran, dass Nombeko mit ihrer unschuldig wirkenden und dabei doch oft sehr berechnenden Überlegenheit nicht den Charme des alten Sprengstofffreundes Allan hatte, oder schlicht und ergreifend mit dem Gefühl zusammenhing, nur die zweite Version einer bereits dagewesenen Geschichte zu lesen, kann ich nicht eindeutig sagen. Es war eine Mischung aus jedem dieser Punkte sowie Längen in der Handlung, die das Debüt nicht aufwies, die dazu führten, dass „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ zwar gut, aber doch nicht mehr so überraschend anders und brillant war wie „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Fazit: Wer „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ mochte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch an „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ Gefallen finden, denn obwohl das zweite Werk nicht ganz so rund wirkt wie das Debüt, überwiegen die Parallelen. Jonas Jonasson bleibt seinem Stil bis in die Details hinein treu. Überzogen skurrile Situationen und ein oft böser Humor zeichnen auch dieses Buch aus und unterhalten denjenigen, der nicht nach Realität und bedingungsloser Glaubwürdigkeit sucht, erneut auf hohem Niveau. Ich vergebe gute 4 Sterne.

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372 Bibliotheken, 24 Leser, 2 Gruppen, 46 Rezensionen

new york, gemälde, drogen, kunst, tod

Der Distelfink

Donna Tartt , Rainer Schmidt , Kristian Lutze
Fester Einband: 1.024 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 10.03.2014
ISBN 9783442312399
Genre: Romane

Rezension:

„Der Distelfink“ von Donna Tartt ist ein Roman, der das Schicksal eines Jungen im modernen Amerika mit einem von ihm gestohlenen Gemälde verbindet – in der gebundenen Ausgabe auf 1024 Seiten.

Kurz zum Inhalt: Der dreizehnjährige Theo besucht mit seiner alleinerziehenden Mutter ein Museum in New York, als sich sein Leben auf einen Schlag verändert. Ein Gemälde aus dem Museum, „Der Distelfink“, das er heimlich mitgehen ließ, begleitet ihn von nun an, während er bereits in jungen Jahren den Boden unter den Füßen verliert.

Unter normalen Umständen würde ich den Inhalt klarer anschneiden. Bis zum ersten Wendepunkt der Geschichte, nie mehr als ein guter Klappentext, kurz zusammenzufassen, worum es geht, um dem zukünftigen Leser einen Einblick zu geben, halte ich an sich nicht nur für legitim sondern fast für notwendig. Doch bei diesem Roman fällt mir das schwer, denn der Anfang ist mit seiner Tragik, seinem Tempo und seiner Emotionalität eigentlich schon der beste Teil des gesamten 1000-Seiten-Werkes und, auch wenn dieser Anfang bereits gut 200-300 Seiten umfasst, wird der Klappentext des Verlags dort für meinen Geschmack bereits zu konkret.

Was die Autorin anschließend dokumentiert, ist der Abstieg des jungen Ich-Erzählers Theo, der sich über verschiedene Stationen seines noch jungen Lebens von einer Depression zur nächsten, von einer Trunkenheit zur nächsten und von einem Drogenrausch zum nächsten manövriert und dabei auf Nebendarsteller trifft, von denen kaum eine Entwicklung ausgeht und die in den meisten Fällen eine so sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen, dass ihre Undurchschaubarkeit für den Leser zwar auch regelmäßig Überraschungen mit sich bringt und sie als Charaktere spannend macht, sie aber insgesamt auch blass und austauschbar wirken lässt.

Die Autorin verliert den roten Faden ihres Romans – die Verbindung zwischen Theo, der Entwicklung seines Lebens und dem Gemälde als Symbol – zu oft aus den Augen. Theos Geschichte schweift ab und kreist in sich wiederholenden Situationen, die das Lesevergnügen mit der Zeit immer zäher machen. Wenn das Gemälde dann einmal wieder in den Fokus rückt, ist es meist nur für kurze Zeit – lange habe ich darauf warten müssen, dass die Autorin zum längst überfälligen Finale kam. Dieses wirkte dann allerdings zu überzogen und passte weder von der zeitlichen Folge (was für ein Zeitsprung!) noch vom inhaltlichen Rahmen her zum Rest des Romans. Internationale, organisierte Kriminalität und ein überstürzter Gangster-Road-Trip schafften einen eher kitschigen als runden Abschluss. Also blieb der Anfang der inhaltlich stärkste Abschnitt des Distelfinken.

Meine Motivation während des Lesens wurde dabei kurz nach dem starken Auftakt, als ich gerade in der ersten langen, langen Phase aus Drogen und Alkohol festhing und verzweifelt die Spannung suchte, noch einmal deutlich gesteigert: „Der Distelfink“ wurde als Gewinner des renommierten Pulitzer Preises bekannt gegeben. Leider konnte ich aber trotz größter Mühe und größtem Durchhaltevermögen auf den langen, langen 1000-und-ein-paar-Seiten nichts finden, dass mich jetzt befähigen würde, diese Auszeichnung oder den Hype um das Buch nachzuvollziehen. Möglicherweise haben dabei die Erwartungen, die mit der langen Bearbeitungszeit von mehr als zehn Jahren, in denen man nichts von der Autorin hörte, einhergingen sowie der gigantische Umfang des Werkes und die mit Sicherheit vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten Tartts nicht nur mitgewirkt, sondern auch eine größere Rolle gespielt als der eigentliche Inhalt.

Sprachlich ist „Der Distelfink“ wirklich gelungen. So wurde die Lektüre für mich dann auch eher ein Lesen um des Lesens Wille. Schöne Worte aneinandergereiht, auf den Punkt gebrachte Beschreibungen mit einem hervorragenden Gespür für die einprägsamen Details und nicht zuletzt auch die Fähigkeit den jugendlichen Ich-Erzähler und die anderen jungen wie alten Charaktere im Roman (fast immer) glaubwürdig agieren zu lassen, machten „Der Distelfink“ zu einer erzählerisch runden Reise. Wären die schön geschriebenen Dialoge doch nur nicht zu oft inhaltlich leer und die detailreichen Beschreibungen nicht zu oft der Ersatz für einen deutlichen Handlungsfortschritt – der Roman wäre perfekt. So, wie er ist, empfand ich ihn leider als 300 bis 400 Seiten zu lang - der Roman war inhaltlich zu wenig dicht.

Fazit: Pulitzer-Preis-Träger 2014, Bestseller und Auslöser eines Hypes um ein einziges kleines Kunstwerk. „Der Distelfink“ ist der erste Roman von Donna Tartt nach rund zehn Jahren. Sprachlich hat er auch mir sehr gut gefallen, inhaltlich flachte der Roman jedoch nach dem bewegenden Beginn spürbar ab und verlor sich in Wiederholungen, Rauschzuständen und leeren Gesprächen. Theo und sein gestohlener Distelfink waren zu selten gemeinsam im Mittelpunkt des Geschehens. Ich vergebe gute 3 Sterne für einen gut geschriebenen, aber zu langen Roman, der deutlich eher auf den Punkt hätte kommen können.

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438 Bibliotheken, 4 Leser, 3 Gruppen, 45 Rezensionen

liebe, fantasy, ewiglich, cole, jugendbuch

Ewiglich die Liebe

Brodi Ashton , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann , Kerstin Schürmann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.05.2014
ISBN 9783789130427
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Ewiglich die Liebe“ ist das Finale der „Ewiglich“-Trilogie, einer
Urban-Fantasy-Reihe aus der Feder der amerikanischen Autorin Brodi
Ashton. Nach meiner großen Begeisterung für „Ewiglich die Sehnsucht“ und
„Ewiglich die Hoffnung“ wurde der dritte und letzte Band nicht nur
lange herbeigesehnt, sondern die Erwartungen waren auch entsprechend
hoch. Findet die Autorin einen würdigen Abschluss für Nikki, Jack und
den Ewiglichen Cole?

Bevor ich diese Frage – zumindest für mich – beantworte, vorab einige Worte zum Inhalt:
Nikki
ist verzweifelt. Während Cole ihr geholfen hat, Jack aus den Tunneln
des Ewigseits zu befreien, hat er sie gleichzeitig hinters Licht
geführt. Durch eine List hat er ihr Herz gestohlen, um seine eigenen
Pläne in die Tat umzusetzen. Nikki, die die hundertjährige Nährung des
Ewiglichen überlebt hat, soll nun selbst zur Ewiglichen werden, die
Königin Adonia stürzen und dann an seiner Seite über das Ewigseits
herrschen.
Nikki und Jack bereiten sich darauf vor, ihr Herz
zurückzubekommen, um ihre Wandlung zur Ewiglichen aufzuhalten, und das
Ewigseits ein für alle Mal zu besiegen.

Der zweite Band der
Trilogie endete mit einem Knall, als Cole nach der gelungenen Rettung
von Jack in Nikkis Zimmer erschien und den kleinen Kompass mitnahm. Als
er ihr dabei offenbarte, dass es sich bei dem unbekannten Gegenstand um
ihr Oberweltherz handelte und er sie während ihres Aufenthalts im
Ewigseits ohne ihr Wissen zu einer Ewiglichen gemacht hatte, schockierte
das nicht nur Nikki. Auch der Leser wurde von dieser Wendung vollkommen
überrascht und, dass er Nikki in eben diesem Moment notgedrungen
verlassen musste, weil ihm die Seiten von „Ewiglich die Hoffnung“
ausgingen, kann sicherlich als besonders kluger Schachzug der Autorin
betrachtet werden. Durch die starken Emotionen am Ende des zweiten
Bandes, der nur wenige Seiten zuvor noch so ruhig und glücklich hätte
enden können, wurden diese letzten Momente unvergesslich und die
Vorfreude auf den finalen Band vervielfachte sich.

Umso
erfreulicher war es jetzt am Beginn des dritten Bandes festzustellen,
dass Ashton nicht nur ein starkes Ende sondern auch einen richtig
packenden Anfang schreiben kann. Ohne einen nennenswerten Zeitsprung
setzt „Ewiglich die Liebe“ genau in dem Moment wieder an, der dem Leser
noch so intensiv in Erinnerung ist: In Nikkis Zimmer, wo sie nun -
selbst noch schwer erschüttert - Jack einweihen muss. Coles Verrat und
der Verlust ihres Oberweltherzens sind direkt wieder präsent, erwecken
auch im Leser die intensiven Gefühle des zweiten Bandes wieder zum Leben
und fesseln ihn an die Geschichte. Gleich von der ersten Seite an
direkt gepackt vom Schicksal der Figuren, fliegt der Roman anschließend
nur so dahin. Es gibt kaum Momente zum Durchatmen – in ihrem Finale
setzt die Autorin auf höchste Spannung, auf viele Wendungen, die die
verzweifelte Situation Nikkis mit jedem Mal noch verstärken, und nicht
zuletzt auch auf die ganz großen Gefühle.

Die Liebesgeschichte
zwischen Nikki und Jack macht natürlich wieder einen Teil der zentralen
Handlung aus, doch obwohl sehr vordergründig bleibt diese zarte,
glaubwürdige Beziehung über die gesamte Zeit erfrischend wenig kitschig
und drängt sich nie so sehr in den Mittelpunkt, dass sie die Entwicklung
der spannenden Geschehnisse um das Ewigseits und Nikkis Schicksal zu
sehr überlagern würde. Das durchdachte und dezent mit Elementen der
griechischen Mythologie durchzogene Fantasy-Szenario der Parallelwelt
der unsterblichen Ewiglichen bleibt im Fokus der Geschichte und glänzt
passend zum großen Finale noch einmal mit seiner düsteren Atmosphäre aus
Schatten und Grausamkeit kombiniert mit fantasievollem und unwirklich
erscheinendem Gelände und eingewobener Magie. Brodi Ashton kann dieses
Ewigseits mit ihren bildgewaltigen Beschreibungen und einem insgesamt
fantastischen Stil noch einmal aufleben lassen.

Neben Nikki und
Jack kommt auch Cole in diesem Roman nicht zu kurz. Den Ewiglichen als
reinen Bösewicht zu sehen, fiel mir schon immer schwer; selbst nach
seinem unvorstellbar hinterhältigen Verrat gegenüber Nikki konnte ich
die Sympathie für ihn nicht völlig ablegen, was mich zugegebenermaßen in
einen ziemlichen Zwiespalt brachte. Daher hat mir besonders gut
gefallen, dass die Autorin im letzten Band noch einmal sehr genau darauf
achtet, die verschiedenen Facetten dieses ambivalenten Charakters zu
zeigen. Hinter seiner Coolness, den lockeren, teilweise arroganten
Sprüchen und dem ungebrochenen Wunsch, die Macht im Ewigseits zu
erlangen, zeigt sich ein Jahrhunderte altes Schicksal, viel Traurigkeit
und Einsamkeit. Diese Seite von Cole, wie sie in „Ewiglich die Liebe“
mit viel Gefühl beschrieben wird, rundet diesen Charakter tatsächlich
ab, erklärt seine Motivation und lässt den Leser tief hinter die Fassade
blicken.

Das Ende, das tatsächliche Ende auf den letzten Seiten
des letzten Bandes einer geliebten Reihe, ist – jedenfalls für mich –
immer das Schwierigste. Glaubwürdig sollte es sein, zufriedenstellend.
Brodi Ashton hat für mein Empfinden die Gratwanderung zwischen Glück,
Glaubwürdigkeit, Romantik, einer Spur Melancholie und Abschied
punktgenau gemeistert. „Ewiglich die Liebe“ ist nicht nur ein würdiger
Abschluss, sondern auch einer, der am Ende noch einmal genau die
richtigen, einprägsamen Worte findet, die denjenigen, die die Reihe
intensiv verfolgt haben, mit Leichtigkeit in Erinnerung bleiben werden.
Gerade von den letzten Seiten war ich, wie auch schon im ersten und im
zweiten Band, noch einmal richtig begeistert. Starke Enden schreiben
kann diese Autorin ganz sicher und ich würde mich sehr freuen, bald neue
Geschichten von ihr zu lesen.

Fazit: Brodi Ashton führt im
großen Finale der "Ewiglich"-Trilogie alles zusammen. Spannend wie eh
und je entführt sie den Leser ein letztes Mal in die Welt der
Unsterblichen. Bildgewaltig, romantisch, berührend - kein Fan der
Urban-Fantasy sollte sich diese Trilogie entgehen lassen. Mich hat
letzte Band begeistert wie schon die ersten beiden Bände und ich beende
diese Trilogie zufrieden - und ein wenig traurig, weil für mich eine der
schönsten Fantasy-Liebesgeschichten zu Ende gegangen ist. Wie bereits
"Ewiglich die Sehnsucht" und "Ewiglich die Hoffnung" verabschiede ich
"Ewiglich - Die Liebe" und damit die gesamte Trilogie mit weiteren 5
Sternen.

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98 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 49 Rezensionen

lykaner, werwölfe, roter mond, krieg, usa

Roter Mond

Benjamin Percy , Michael Pfingstl
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 24.03.2014
ISBN 9783764531232
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Roter Mond“ von Benjamin Percy ist ein stark gesellschaftskritisch geprägter zeitgenössischer Fantasy-Roman, der die aktuelle, vom Terrorismus beeinflusste Geschichte der USA in eine alternative Wirklichkeit überträgt, in der Werwölfe und Menschen gemeinsam auf der Erde leben.

Zunächst noch einige Worte zum Inhalt: Als sein Vater zum Kriegsdienst einberufen wird, besteigt Patrick ein Flugzeug, das ihn nach Portland zu seiner Mutter bringen soll. Damit beginnen die schlimmsten Stunden seines Lebens, als sich während des Fluges ein Passagier, ein Lykaner, verwandelt und ein Blutbad anrichtet. Der terroristische Anschlag bleibt nicht der einzige…
Claire, eine junge Lykanerin, muss fliehen, als bewaffnete Männer in ihr Elternhaus eindringen. Ist das eine der ersten Gegenmaßnahmen der Regierung?
Chase Williams nutzt unterdessen die wachsende Angst in der Bevölkerung für seinen Wahlkampf. Der radikale Politiker hat große Ziele…
Das ganze Ausmaß der Anschläge ist dagegen noch lange nicht erreicht. Im Untergrund sammeln sich die Terroristen, um das Land endgültig ins Chaos zu stürzen.

Der Roman beginnt stark. Benjamin Percys Idee, die Erdbevölkerung als Mischung aus Menschen und Werwölfen darzustellen, gelingt und ergibt ein glaubwürdiges Gesamtbild. Lykaner existieren in diesem Szenario schon lang. Aufgrund einer Infektion und Mutation haben sie die Fähigkeit sich in ein wolfartiges Wesen zu verwandeln entweder durch Geburt oder durch Übertragung durch einen anderen Werwolf erhalten. Zwar leben sie zwischen den Menschen in der Regel ein normales, menschliches Leben, doch sie sind gezwungen, ihre Instinkte durch Medikamente zu kontrollieren, was von der Regierung überwacht wird.

Als die Lykaner sich gegen diese Einschränkungen ihrer Rechte auflehnen, kommt es zum Krieg und zu terroristischen Untergrundkämpfern – das System gerät in einen Ausnahmezustand. Was der Autor hier aufbaut, diese Dynamik aus wachsender Gewalt, zunehmender Überwachung, Angst und Hass, der sich mit der Zeit nicht mehr nur gegen die Terroristen selbst richtet, sondern kollektiv gegen alle Lykaner, die dadurch wiederum unter immer mehr Einschränkungen zu leiden haben, ist beeindruckend durchdacht und wird von ihm kompromisslos auf die Spitze getrieben, bis hin zum zerstörerischen Bürgerkrieg gewaltigen Ausmaßes. Percy bindet zudem wie selbstverständlich für die Lykaner modifizierte Versionen kontrovers diskutierter realer Handlungen und Gesetze wie etwa den „Patriot Act“ in seine fiktive Welt ein und sorgt auch dadurch dafür, dass „Roter Mond“ nie vollständig in den Bereich der reinen Fantasy wechselt, sondern immer einen aktuell-gesellschaftskritischen Bezug behält und diesen auch deutlich herausarbeitet.

Neben der Grundidee glänzt dieser Roman auch mit seinen vielfältigen und interessanten Charakteren. Patrick, Claire, Chase und einige andere bewegen sich auf verschiedenen, teilweise auch wechselnden Seiten dieses großen Konflikts und bieten nicht nur durch ihr persönliches Schicksal individuell spannende Entwicklungen. Durch ihre unterschiedlichen Rollen, die unterschiedlichen Parteien, die sie in diesem Krieg repräsentieren, geben sie dem Leser auch jeweils Einblick in die Situationen aus allen denkbaren Blickwinkeln.
Der Wechsel zwischen ihnen trägt neben dem zügigen Stil, der durch eine hohe Ereignisdichte, eine schnelle Sprache aus kurzen Sätzen, viel Blut und eine Mischung aus persönlicher Ebene und der großen politischen Bühne gekennzeichnet ist, zur hohen Spannungskurve dieses Romans bei. Die gewählte Gegenwartsform und viele unerwartete Wendungen steigern zusätzlich die mitreißende Wirkung der düsteren Atmosphäre.

Der Schwachpunkt von „Roter Mond“ ist leider ausgerechnet das Ende. Nach einem starken Anfang und wiederkehrenden Spannungselementen, die kleinere Längen regelmäßig aufbrechen und den Leser von neuem fesseln können, flacht die Schlussszene deutlich ab. Zunächst scheint der Autor auf einem guten Weg zu sein, die Handlungsstränge und Figuren in einem gewaltigen Showdown zu vereinen, doch dann verstreicht die Gelegenheit ungenutzt. Stattdessen wirken eine Figuren wie fallengelassen, die großen Enthüllungen werden am Ende zu beiläufigen Erwähnungen. Sicher kann das Ziel eines so groß aufgebauten Szenarios kein rundum abgeschlossenes, leichtes Ende sein – dafür ging die Geschichte zu weit und stellte die Welt zu sehr auf den Kopf. Doch auch für ein offenes Ende fehlten einigen Figuren am Ende die Perspektiven, sie verschwanden zu still von der Bildfläche. Sollte es irgendwann einmal eine Fortsetzung zu diesem ansonsten grandiosen Roman geben, könnte dieser das ohne Höhepunkt auslaufende Ende vielleicht wieder auffangen – und nachdem ich den Buchdeckel zugeklappt habe, habe ich direkt recherchiert und herausgefunden, dass der Autor sich diese Option für die – fernere – Zukunft tatsächlich offengehalten hat. Doch bis dahin ist „Roter Mond“ ein Einzelband, dessen Ende leider als solches nicht richtig funktioniert hat.

Fazit: Wäre bei „Roter Mond“ von Benjamin Percy nicht ausgerechnet das Ende die größte Schwäche, wäre dieser Roman perfekt. Die hier aufgebaute Fantasy-Welt ist nicht nur spannend, sondern reizt zudem durch einen gesellschaftspolitischen Bezug, der auch unsere reale Welt kritisch hinterfragt. Wozu kann der Terrorismus einer Minderheit eine Gesellschaft führen? Die Antwort die Percy in „Roter Mond“ liefert, ist schockierend – und wirkt zudem trotz Werwölfen erschreckend real. 4 Sterne.

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

cupcakes, backen, schöne ideen, obst, kuchen

Törtchenzeit

Sonya Kraus , Jessica Hesseler
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Ehrenwirth, 13.03.2014
ISBN 9783431038958
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Törtchenzeit – All you need is sweet“ ist ein Backbuch, das die Moderatorin Sonya Kraus gemeinsam mit der Food-Bloggerin Jessi Hesseler, Betreiberin des namensgebenden Blogs „Törtchenzeit“, veröffentlicht hat. Neben einigen einleitenden Back-Basics, aufgeteilt in Tipps zur Küchen-Grundausstattung und einem ABC wichtiger Begrifflichkeiten sowie Kurzanleitungen für Torten und Cupcakes, finden sich in diesem Backbuch Rezepte zu Muffins, Cupcakes und kleinen Torten mit einem maximalen Durchmesser von 20 Zentimetern, zu einigen anderen (süßen) Leckereien und auch alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken. Gegliedert ist das Buch dabei nach saisonalen oder familiären Anlässen – es gibt sowohl Rezepte für die Weihnachtszeit als auch Ideen zum Backen mit Kindern – und auch einige nette Geschenkideen und passende Do-it-Yourself-Bastelanleitungen sind vorhanden.

Der erste Eindruck von „Törtchenzeit“ war durch die abwechslungsreichen Rezepte daher recht positiv. Allerdings kannte ich den Blog „Törtchenzeit“ der Buch-Autorin, die laut Vorwort selbst eigentlich keine Kuchen isst, vorher noch nicht und habe ihn erst parallel zum Buch durchstöbert. Viele Rezepte sind auch dort zu finden, sodass das Buch wohl für regelmäßige Leser dieses Blogs weniger Neuheiten bereithält.
Die Bebilderung der Rezepte ist durchgehend recht ansprechend gehalten in dem schon seit Längerem modernen Vintage-Stil mit altem Holz, pastelligen Tönen und leichter Unordnung – mal ein zerrissenes Backpapier hier, ein benutztes Muffin-Papier dort, ein bisschen Krümel quer darüber. Das ist nicht immer mein Geschmack, aber in diesem Buch wird der Trend in einem fast durchgehend ästhetischen Maß umgesetzt und es sind größtenteils schöne Bilder und Rezeptgestaltungen dabei herausgekommen. Allerdings gab es auch Abweichungen zwischen Bild und Beschreibung oder Anrichteideen, die lauthals „So nicht servierbar“ schrien (Torten mit Haufen loser Beeren samt Grün daran), was ich immer ein wenig schade finde, ist es doch zu Hause so nicht erreichbar, was nur zu unnötigem Frust beim Anwender führt.

Nun kann niemand ein Backbuch, das für die praktische Anwendung gedacht ist, rein nach der Optik und der Idee der Rezepte beurteilen. Daher halte ich es so, dass keine Rezension erfolgt, bevor nicht einige Rezepte ausprobiert wurden – und zwar streng nach Rezept, sofern möglich (meine Tartelett-Förmchen wollten sich nicht auffinden lassen, weswegen ich auf mein Muffin-Blech ausweichen musste). Dokumentiert und zu einer kleinen Diashow zusammengestellt, habe ich meine fünf Ergebnisse als Zugabe zu dieser schriftlichen Rezension in einem kurzen Video zusammengestellt. Das Backerlebnis war dabei leider durchwachsen und konnte mit dem hübschen ersten Eindruck der Äußerlichkeiten nicht mithalten.

Zwar ist bei allen fünf Rezepten etwas durchaus Genießbares, teilweise wirklich Schmackhaftes, herausgekommen, optimierbar wären aber selbst die besten Rezepte noch gewesen – ganz davon zu schweigen, dass andere Fehler enthielten, die im Fall der „Bienenstich-Cupcakes“ dank falscher Mengenangaben sogar eine Art Notrettung erforderlich machten. Auch die Formulierungen der Rezepttexte haben mir nicht immer gefallen. Der nüchterne Anleitungsstil wechselte sich recht holprig mit einer eher flapsigen Sprache ab – da hätte ich mir mehr Einheitlichkeit für einen etwas professionelleren Eindruck gewünscht, um vielleicht auch einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Blog und gebundener Buchform zu machen.

Kleinere Fehler im Rezept waren zum Beispiel, dass in jedem Rezept das Vorheizen des Backofens der erste Schritt war – unabhängig davon, ob der anschließend hergestellte Teig mindestens zwei Stunden im Kühlschrank ruhen oder der Hefeteig eine Stunde gehen sollte. Unfreiwillig komisch wird die Reihenfolge der Anleitung dann noch dadurch, dass die Autorinnen empfehlen den Hefeteig bei eingeschaltetem Licht im Backofen gehen zu lassen, um die optimale leicht warme Temperatur zu erreichen – schwierig, wenn der Backofen doch schon auf 175°C läuft.
Auch unnötig umständliche Anleitungen mit mehr Schüsseln aus nötig, eine Beschreibung, die das abgebildete Ergebnis nicht erreichen konnte, oder optimierbare Arbeitsabläufe/Reihenfolgen fielen ins Auge.

Schon im Back-ABC und beim Thema Grundausstattung fanden sich einige Eintragungen, die mit meinen Erfahrungen nicht in Einklang zu bringen waren. Einige Abschnitte waren einfach nur recht subjektiv erläutert, andere ganz objektiv von zweifelhaftem Inhalt, so etwa die Aussage „Butter [besteht] größtenteils aus Öl“ oder, was mich beim einem Rezept dann richtig ins Grübeln brachte, „Ein Päckchen frische Hefe wiegt 7 Gramm und benötigt 500 Gramm Mehl“.
7-Gramm-Päckchen für 500 Gramm Mehl ist etwas, das ich nur als Trockenhefe kenne. Frische Hefe dagegen gibt es in Würfeln à 42 Gramm im Kühlregal. Dieser Widerspruch ließ die „Osterkränzchen“ zu einem Experiment werden, denn ich hatte bereits eingekauft und zwar das, was wirklich frische Hefe ist, entschied mich aber aufgrund der Angabe im ABC nicht den ganzen Würfel zu verwenden, sondern davon auszugehen, dass das Rezept in Wirklichkeit auf Trockenhefe ausgelegt war, weswegen ich dann nur 25 Gramm, also etwas mehr als einen halben Würfel, einsetzte – die Kränze gelangen mit dieser Menge wunderbar.

Am meisten enttäuscht hat mich jedoch das Rezept der „Bienenstich-Cupcakes“. Schon den Grundteig empfand ich als ein wenig umständlich, das Backergebnis gelang allerdings wunderbar. Die Creme für das Frosting war dann jedoch mehr als unrund, nichts als buttrig und pappig-süß, was in diesem Buch ohnehin ein Grundzustand zu sein scheint: sehr süß, sehr fettig. Die eingesetzte Vanilleschote war in meinem Augen bemitleidenswert verschwendet, denn das verwendete Fertigprodukt, eine Marshmallowcreme und die einzige (nicht gerade günstige), die im Supermarkt zu finden war, war bereits mit stark durchschmeckendem künstlichem Aroma (Ethyl-Vanillin) versetzt.
Zu guter Letzt stimmten noch die Mengenangaben für die Karamell-Mandeln vorne und hinten nicht. Das Ganze war zu flüssig und die Anleitung, es noch heiß auf dem Frosting zu drapieren, testete ich nur noch an einem einzigen Cupcake. Heißes Karamell auf Butter-Zucker-Masse? Wie erwartet ergab das nichts als Pfützen. Also verdoppelte ich die Mandeln und ließ abkühlen. Später fand ich auf dem Törtchenzeit-Blog das Rezept bei gleicher Karamellmenge mit der fünffachen Mandelmenge. Das hätte das Rezept wahrscheinlich anwendbar – da weniger flüssig und durch die zugegebenen Mandeln bereits kühler - gemacht, nur wo ich diese Menge Mandeln auf gerade einmal 10 Cupcakes hätte lassen sollen, weiß ich nicht. Ich behielt ja bereits so einiges übrig.

Insgesamt, mit nachjustierter Creme und abgekühlten Mandeln, wurden aus diesem Rezept wirklich schmackhafte Blaubeer-Cupcakes. Doch der Weg dorthin war abenteuerlich und hier wie auch bei anderen Rezepten sollte man kein Anfänger mehr sein, sondern sich zur Not selbst zu helfen wissen.

Fazit: Optisch ein schönes Backbuch, in der Anwendung dann aber nicht ebenso überzeugend. Unnötige Fehler und Ungenauigkeiten schon bei den Grundlagen, Fehler in den Rezepten, teilweise ein eher unprofessioneller Eindruck. Vielleicht hatte ich Pech bei der Auswahl meiner Rezepte – es gibt ja noch rund 30-35 weitere und einige davon fände ich durchaus noch probierenswert. Von der Idee und Aufmachung her hätte ich das Buch jedenfalls auch Anfängern ans Herz gelegt, doch ganz ohne Erfahrung wird man von den Ergebnissen möglicherweise enttäuscht. Ich fand jedenfalls vier von fünf Rezepten optimierbar bis deutlich verbesserungswürdig und bin nach dem Praxistest eher enttäuscht. Schöner Schein mit Stolpersteinen. Ich vergebe aufgrund der Vielfalt und der schönen Aufmachung noch ganz knappe 3 Sterne.

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 33 Rezensionen

umzug, familie, trauer, gegenwartsliteratur, trauma

Heimflug

Brittani Sonnenberg
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Arche, 01.04.2014
ISBN 9783716027097
Genre: Romane

Rezension:

‟Heimflug“ von Brittani Sonnenberg ist ein Roman, der sich mit dem Schicksal einer Familie befasst.

Chris und Elise sind Amerikaner, doch Chris macht Karriere in einem internationalen Unternehmen und muss daher häufig umziehen. Elise, seine Ehefrau, folgt ihm – erst allein, später mit den beiden Töchtern Leah und Sophie – von London über Deutschland nach Shanghai und Singapur, mit einigen Jahren und Sommern in den USA dazwischen. Die Familie schwangt zwischen Heim- und Fernweh und muss neben ihrer Heimatlosigkeit einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten...

Ähnlich abwechslungsreich wie die Wohnorte der Familie ist von Anfang an die Perspektivwahl im Buch. Nicht nur die vier Mitglieder der Familie, sondern zusätzlich auch mal Angehörige erzählen – mehrheitlich chronologisch, aber mit einigen Sprüngen - vom Leben der Kriegsteins über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Auch ein Haus, Elises Elternhaus, darf einmal zu Wort kommen und ein anderes. Mal wechselt der Erzählstil plötzlich in einen reinen Dialog. Die unterschiedlichen Sichtweisen machen diesen Roman zu einem sehr vielseitigen Leseerlebnis und sorgen außerdem dafür, dass man jede der Figuren immer wieder neu wahrnimmt, ihre Eigenschaften durch sie selbst, aber auch durch äußere Beurteilung kennenlernt.

Den Charakteren der Geschichte kommt dies nur zu Gute. Diese tragen ohne Zweifel den Roman und beleben ihn durch ihren Umgang mit der ständig wechselnden Umgebung – die einzelnen, räumlich, Stationen ihres Lebens bilden eher die Kulisse. ‟Heimflug“ ist kein Reiseführer für fremde Städte. Die Familie wird zur Konstanten, zu Sicherheit in einem Leben, das von ständigen Umzügen und wechselnden Bekanntschaften geprägt ist. Das macht es umso ergreifender zu erleben, wie ein Teil dieser kleinen Gemeinschaft plötzlich wegbricht und die anderen vor das Problem stellt, sich neu zusammenzufinden oder einander endgültig zu verlieren.

Die einzelnen Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein. Der ehrgeizige Chris, die freiheitsliebende Elise, die stille Leah und die quirlige Sophie erleben die Zeit auf Achse, in der sie höchstens für ein paar Jahre an einem Ort bleiben, gemeinsam und doch jeder unterschiedlich – auch im Umgang mit dem Tod und der Trauer, der in diesem Roman eine große Rolle spielt, unterschieden sie sich. Jeder für sich ist ein interessanter Charakter mit vielen Hintergründen, die dem Leser nahe gehen, Geheimnissen, die sie nicht mit anderen teilen, und kleinen Eigenarten, die sie einzeln als Persönlichkeiten herausstellen – und dennoch ist es trotz der Lebensabschnitte auf der ganzen Welt eine erfrischend gewöhnliche Familie.

Die Handlung hat einen gewissen Spannungsbogen, der besonders durch die kleinen Unterbrechungen der chronologischen Erzählweise immer wieder geschürt wird, doch, auch wenn das Gesamtbild eines fesselnden, emotional bewegenden und gut erzählten Romans über ein Familienschicksal größtenteils stimmig und überzeugend ist, bleiben einige Längen nicht aus. Zwischendurch hätte ich mir trotz der schönen Sprache, die ausdrucksstarke Bilder erschaffen kann, eine etwas fokussierte Erzählung gewünscht.

Fazit: ‟Heimflug“ ist ein guter Roman über das Schicksal einer Familie, die berufsbedingt die Welt bereist und nirgends lange bleibt. Kleine Längen sind bei einem guten sprachlichen Stil, abwechslungsreichen Charakteren und einer ans Herz gehenden Handlung beinahe zu verzeihen. Ich vergebe gute 4 Sterne.

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654 Bibliotheken, 7 Leser, 4 Gruppen, 137 Rezensionen

geister, fantasy, kai meyer, phantasmen, tod

Phantasmen

Kai Meyer
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 14.03.2014
ISBN 9783551582928
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Phantasmen“ ist ein alleinstehender Roman vom deutschen Fantasy-Autor Kai Meyer, der sich inhaltlich am ehesten in den Bereich der Paranormal Fantasy einordnen lässt und mich als großen Fan der Arkadien-Trilogie sowie anderer Bücher des Autors, wie etwa „Hex“, natürlich brennend interessierte.

Vorab kurz einige Worte zum Inhalt: Tag Null, der Tag an dem die ersten Geister auftauchten, ist rund eineinhalb Jahre her. Seitdem wird jeder Verstorbene eine transparente Erscheinung aus Licht, die still am Ort ihres Todes verharrt und der Sonne hinterher schaut. Außerdem erscheinen jeden Tag nach einem festen Muster auch die Verstorbene vergangener Zeiten. Genau das machen sich die neuzehnjährige Rain und ihre jüngere Schwester Emma zunutze, um ihre Eltern, die vor drei Jahren bei einem Flugzeugabsturz in der Wüste Spaniens ums Leben kamen, noch einmal zu sehen und Abschied zu nehmen. Doch in dieser Nacht verändern sich die Geister – sie lächeln. Und ihr Lächeln ist tödlich.
Der junge Norweger Tyler, dessen Freundin Flavie ebenfalls im Flugzeug war, rettet die beiden aus der Wüste, zieht sie dabei aber gleichzeitig hinein in eine gefährliche Jagd, die sie dem Ursprung der Geister näher bringt…

Die Grundidee, unsere „normale“ Welt um diese harmlos herumstehenden, leuchtenden Geister zu erweitern, hatte mir direkt gefallen. Die Menschen gewöhnen sich an sie, auch wenn ihr hell scheinendes Totenlicht gerade in den Großstädten und in den Häusern zur Belastung wird – und stetig werden es mehr Geister, auf der ganzen Welt. Der Autor setzt diese Idee tatsächlich auch wunderbar um. Die Geister sind der Mittelpunkt der Geschichte, ihre Präsenz ist allgegenwärtig und es fällt dem Leser durch die ausdrucksstarken Beschreibungen im flüssigen Stil von Kai Meyer nicht schwer, sich diese Welt voller Lichter durchgehend bildlich vorzustellen und darin einzutauchen.

Auch die weltumspannende Handlung, die auf diese Grundidee aufbaut, hat für mich bestens funktioniert. Sie ist spannend, mitreißend und konsequent in der Umsetzung, was – und darauf sollte sich der zukünftige Leser dann auch einstellen – im Falle eines tödlichen Lächelns von Millionen Geistern eine beträchtliche Reduktion der Weltbevölkerung bedeutet. Kurz: In diesem Roman wird gestorben und das nicht zu knapp. Es passt allerdings zur Geschichte und ist dadurch ein probates Mittel, die paranormalen Ursprünge mit einem endzeitlichen Szenario zu vermischen, wie es die Grundidee nach logischen Gesichtspunkten auch einfordert.

Zwar muss man eingestehen, dass es im Laufe der Handlung ein, zwei Situationen gibt, die nicht hundertprozentig überzeugen, und dass zusätzlich dazu einige Aspekte ausführlichere Erklärungen oder ein näheres Eingehen auf unmittelbar beteiligte Personen bedurft hätten, um die Geschichte vollständig abzurunden, aber insgesamt präsentiert sich „Phantasmen“ als nachvollziehbare, spannende, fast Thriller-artige Idee, die trotz kleiner, der Kürze und Schnelligkeit der Erzählung geschuldeter Lücken, zu einem gelungenen Abschluss gebracht wird. Das hohe Spannungsniveau, die atemberaubende Action und ein mitreißender Handlungsverlauf, der kaum zulässt, dass man das Buch längere Zeit zur Seite legt, entschädigen außerdem für einiges.

Ein bedeutenderer Knackpunkt in der Geschichte waren für mich die Charaktere. Genaugenommen nur einer der Charaktere. Während der Norweger Tyler ganz interessant war, sodass man gerne noch etwas mehr von seiner und Flavies Geschichte erfahren hätte, und auch Emma, die jüngere der beiden Schwestern - möglicherweise hochbegabt dafür aber teilweise mit sozialen Defiziten - eine vielschichtige Figur darstellte, war es ausgerechnet die Ich-Erzählerin Rain, die mir in diesem Roman wie ein Fremdkörper erschien.

Nach „Arkadien“ war ich gar nicht überrascht, dass auch in „Phantasmen“ ein schwieriger, leidgeprüfter Charakter im Mittelpunkt stand, und vielleicht hätte Rain tatsächlich auch eine überzeugende Entwicklung durchmachen können – in einem anderen Roman. Einem Roman über sie, über ihre Geschichte, über Afrika, in dem sie ihre rebellische Ader voll ausleben könnte, in dem sie ihre „Alles-ist-Mist“-Einstellung mit sich allein ausmachen könnte und in dem ihre feuerroten Dreadlocks mehr Aufmerksamkeit bekommen hätten, als in dieser Geschichte, in der eigentlich die Geister im Mittelpunkt standen.

In „Phantasmen“ empfand ich sie als störend. Ihre schicksalhafte Vergangenheit, die zunächst angedeutet, später aufgeklärt wurde, hatte für die eigentliche Handlung leider keine Bedeutung, ihr Hang zur Streiterei in den unmöglichsten Situationen hat mir den letzten Nerv geraubt und zu guter Letzt ist die zwanghafte Art, mit der sie ihre jüngere Schwester beschützen will, obwohl diese mit ihren siebzehn Jahren die Situationen immer viel deutlicher erfasst als Rain selbst, bei mir schnell nur noch auf Unverständnis gestoßen. Sie ist nicht lernfähig, wiederholt ihre unangenehmen Eigenschaften wie auf Knopfdruck – nein, ich habe Rain nicht verstanden, sie war mir zu wenig zugänglich. Da sie dann für die eigentliche Geschichte, anders als Tyler und Emma, auch noch ohne Bedeutung ist, hatte ich Probleme damit, sie ausgerechnet als Hauptfigur zu akzeptieren, was mir ansonsten bei unsympathischen, aber vielschichtigen Charakteren nicht schwer fällt – ich würde sogar behaupten, dass ich eine leichte Vorliebe für die komplizierten Charaktere habe. Rain allerdings war einfach nur ein Störfaktor. Eine schwesterlose Figur mit Emmas Eigenschaften und Tyler allein hätten „Phantasmen“ meiner Meinung nach interessanter gestalten können.

Fazit: Trotz kleiner Lücken in der Erklärung des Geisterphänomens bietet „Phantasmen“ unterhaltsame paranormale Fantasy auf hohem, actionreichen Spannungsniveau. Kai Meyers Schreibstil und die durchdachte Handlung überzeugen. Leider ist es ausgerechnet die schwierige Hauptfigur Rain, die sich nicht in das Gesamtbild einfügen will und stattdessen störend wirkt. Wer irrationale Ich-Erzählerinnen tolerieren kann, wird vielleicht noch etwas mehr Freude an diesem Roman haben. Ich vergebe knappe vier Sterne – obwohl ich „Phantasmen“ kaum zur Seite legen konnte, habe ich keinen Zugang zur rebellischen Rain gefunden.

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167 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

dämonen, geister, kami garcia, fantasy, dämone

The Legion - Der Kreis der Fünf

Kami Garcia , Franca Fritz , Heinrich Koop
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbt, 28.10.2013
ISBN 9783570162705
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„The Legion – Der Kreis der Fünf“ ist der Auftakt einer neuen Horror-beeinflussten Fantasy-Reihe von Kami Garcia, einer der beiden Autorinnen der „Beautiful Creatures“-Serie (deutsche Ausgabe: „Sixteen Moons“). Das düstere Cover und die ersten Eindrücke dieser neuen Jugendbuchreihe versprachen eindeutig: Geister, Grusel, Gänsehaut – konnte der Auftakt diesen Erwartungen gerecht werden?

 

Zunächst zum Inhalt: Kennedys Mutter verstirbt überraschend. Ihr Vater hat die Familie schon vor Jahren verlassen. Kennedy, die nicht bei ihrer Tante leben will, bleibt nur der Weg ins Internat, doch in der letzten Nacht in ihrem Elternhaus kommt alles anders. Die Welt der Dämonen und Geister bricht über Kennedy herein – die Zwillinge Jared und Lukas können sie gerade noch retten.

Von ihnen erfährt sie, dass ihre Mutter Teil eines fünfköpfigen Geheimbundes war, deren Mitglieder alle in derselben Nacht getötet wurden. Jared, Lukas, Kennedy und zwei weitere Jugendliche müssen nun ihren Platz einnehmen und die Erde gegen dunkle Mächte verteidigen. Eine mächtige, aber verborgene Waffe könnte ihnen dabei helfen…

 

Die Grundidee klingt wie eine Mischung aus „Supernatural“ und einem Dan-Brown-Verschwörungs-Roman. Geisterjäger eines eingeschworenem Geheimbundes, dessen Mitglieder sich mit allerhand Regeln seit Generationen sogar vor sich selbst versteckten, sind auf der Mission, die Welt zu retten. Die fünf Jugendlichen sind seit längerer Zeit die ersten, die wieder als Gruppe, als vollständige „Legion“, gegen die bösen Kräfte in den Kampf ziehen. Leider hat dieser Reihenauftakt viel Potential dadurch verschenkt, dass vieles zu kurz, zu knapp, zu schnell und ohne erkennbare Liebe zum Detail erzählt wurde.

 

So wirkt die Handlung vor allem während der ersten zwei Drittel, als wäre sie nach einem festen, eintönigen, wiederkehrenden Muster konstruiert worden. Die Suche nach der Waffe steht ab der Zusammenkunft der fünf Jugendlichen im Zentrum der Handlung – die Ideen und Anhaltspunkte dazu werden rasch entdeckt – präziser ausgedrückt könnte man auch sagen: Sie kommen aus dem Nichts. Die fixe Idee wird dann ebenso fix, das heißt ohne nennenswerte Vorbereitung, umgesetzt, die Suche an dem vorher durch recht fadenscheinige Schlussfolgerungen ermittelten Ort beginnt.  

Der obligatorische Geist gehört ebenfalls zum festgelegten Schema wie ein nachfolgendes Hormon-Drama von Kennedy: Erst ein bisschen Dreiecksgeschichte mit den Zwillingen Jared und Lukas, denn ausgeprägte Selbstzweifel und ein wenig Leugnen der eigenen Daseinsberechtigung in der Gruppe der Super-Geisterkiller-Teenager. Womit Kennedy, die als einzige fast ausschließlich durch Nicht-Wissen und Glückstreffer glänzt, während  die anderen eine deutlich umfassendere Ausbildung genossen haben, möglicherweise nicht einmal Unrecht hat. Anstrengend war es dennoch allemal.

 

Zur Abrundung gehört noch der klischeehafte, allseits bekannte und nirgends beliebte „Am besten wir trennen uns, dann sind wir schneller!“-Horrorfilm-Unsinn zum Wiederholungsschema des Romans. War das jemals eine gute Idee? Wird das jemals eine gute Idee sein? NEIN! Und es bei jedem Eintreten in ein gruseliges, verlassenes Geisterhaus zu wiederholen, obwohl sie alle Zeit der Welt hätten, es also keinen logischen Grund gibt sich zu trennen, und es schon beim letzten Mal keine brillante Idee war, lässt die Figuren auch nicht gerade intelligent wirken. Außerdem weckt es den Frust in mir als Leser und die kleine sarkastische Stimme, die im Kopfkino dazwischen ruft: „Super Idee – ihr Trottel!“.

 

Ein letzter Kritikpunkt bei diesem Reihenauftakt ist die Kürze beziehungsweise die Undifferenziertheit, zu der die knappe Seitenzahl von gerade einmal 330 bei gleichzeitig großzügig bedruckter Seiten und inhaltlich mit reichlichen Ereignissen gefüllter Handlung führt. Dazu zählt sicher auch der festgefahrene Handlungsverlauf ohne erkennbar stimmige Übergänge, aber auch die Charaktere sind betroffen. So lassen sich vor allem die Zwillinge Jared und Lukas zunächst kaum unterscheiden, ihr Auftreten scheint beliebig. Dass Kennedy sie dennoch schon nach kurzer Zeit als völlig unterschiedlich charakterisieren kann, irritierte eher – aus der Geschichte heraus verhielten sie sich in meinen Augen viel zu ähnlich. So können die Charaktere, obwohl an sich abwechslungsreich und unterschiedlich, den Leser nicht erreichen, denn der Roman bietet ihnen leider kaum Raum, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Besonderheiten herauszustellen.

 

Jetzt zum Positiven: Die Spannung steigert sich. Während die schematisch ablaufende Handlung zunächst trotz Gänsehaut-Momenten und unter die Haut gehenden Beschreibung durch ihren abwechslungsarmen Verlauf inklusive frustrierend dümmlicher Charaktere langweilte, steigert sie sich im letzten Drittel zunehmend und gipfelt in einem wirklich gewaltigen, gruseligen, atemberaubenden Finale, das Schwächen vom Anfang auszugleichen versteht und mit der Zeit auch die Charaktere ausgefeilter erscheinen lässt. Für diesen ersten Band kam die positive Entwicklung leider etwas spät, doch es macht zumindest Hoffnung für die Fortsetzung, in der abgesehen von den schon recht gruseligen aber doch nicht wirklich beeindruckenden Geistern hoffentlich dann auch in Sachen dämonischer Gegner noch nachgelegt wird.

 

Fazit: „The Legion – Der Kreis der Fünf“ ist ein Horror-Fantasy-Auftakt aus dem Jugendbuchbereich, der im Bezug auf Gänsehaut-Momente schon einiges zu bieten hat. Wer allerdings Wert legt auf eine sich logisch aufbauende Handlung mit stimmigen Entwicklungen und durchdachten Charakteren, wird hier möglicherweise nicht völlig zufriedengestellt. Dazu verläuft die Geschichte in zu festgefahrenen Mustern und bleibt durch die Kürze des Romans oft undifferenziert. Das Finale entschädigt allerdings und macht Hoffnung, dass die Reihe in den Folgebänden ihr Potential noch besser ausschöpfen kann. Ich vergebe gute drei Sterne.

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282 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

krimi, mord, london, cormoran strike, model

Der Ruf des Kuckucks

Robert Galbraith , Wulf Bergner , Christoph Göhler , Kristof Kurz
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 30.11.2013
ISBN 9783764505103
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith ist ein Detektivroman und stellt gleichzeitig den Auftakt einer Reihe um den Ermittler Cormoran Strike seine Assistentin Robin Ellacott dar. Dass sich hinter dem Briten Robert Galbraith nicht etwa ein aufstrebender Debütautor verbirgt, sondern hier niemand geringeres als Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling unter einem Pseudonym schreibt, wurde noch vor der Veröffentlichung in Deutschland aufgedeckt und ging durch die Medien. Rowling hatte schon mit dem sozialkritischen Roman „Ein plötzlicher Todesfall“ versucht nach ihren Riesenerfolgen mit den altersübergreifenden Fantasy-Romanen rund um den jungen Zauberer in einem völlig anderen Genre Fuß zu fassen. Im zweiten Anlauf, unter neuem Namen und mit deutlich weniger Medien-Hype, ist ihr das meiner Meinung nach noch einmal deutlich besser gelungen. Aber zuerst zum Inhalt:

Cormoran Strike kämpft nicht nur mit einer Kriegsverletzung, auch finanziell und privat läuft es alles andere als gut. Dem Detektiv mangelt es an Aufträgen, seine Lebensgefährtin hat ihn rausgeworfen.
Daher kommt es Strike gerade recht, als der Bruder eines verstorbenen Topmodels auftaucht und ihm ein lukratives Angebot dafür macht, den angeblichen Selbstmord seiner erfolgreichen Schwester Lula noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Zusammen mit der überraschend engagierten neuen Sekretärin Robin macht sich Strike an die Arbeit. Doch die Ermittlungen in der Welt der Schönen und Reichen wird nicht so einfach, wie anfangs gedacht…

Obwohl sich in „Der Ruf des Kuckucks“ zweifellos alles um die Aufdeckung eines Kriminalfalls dreht, würde ich diesen Roman nicht uneingeschränkt als Kriminalroman beschreiben wollen, denn dies könnte einen falschen Eindruck des Spannungsniveaus vermitteln. Es handelt sich nicht um einen elektrisierend spannenden Ermittlerkrimi, schon gar nicht um einen regelrechten Nervenkitzel auslösenden Thriller. Der Roman lebt mehr von den konfliktreichen Figuren und den Dialogen, wird zwar zwischenzeitlich durchaus spannend, bleibt aber ansonsten eher auf einer bodenständigen Ebene interessanter Detektivarbeit, die sich sukzessive dem Ziel nährt und dabei das Leben allerhand verschiedener, hervorragend ausgearbeiteter Charaktere streift. Galbraith (alias Rowling) zeigt hier viel Liebe zum Detail und beschreibt selbst Nebenfiguren mit ausführlich ausgeschmückten und stimmigen Hintergrundgeschichte, was den Figuren dieses Romans eine bemerkenswerte Tiefe gibt. Rowling hat einfach ein sehr gutes Gespür für die Beschreibung unterschiedlichster Menschen und das offenbart sich auch in diesem Roman.

Wie schon in „Ein plötzlicher Todesfall“ zeigt Rowling (Galbraith) auch hier eine Vorliebe für das Aufeinandertreffen verschiedenster sozialer Milieus und den Folgen daraus, allerdings baut sie ihre Geschichte in diesem Roman deutlich fokussierter auf. Während es in „Ein plötzlicher Todesfall“ eine unübersichtliche Anzahl an Handlungsträgern beinahe unmöglich machte, einen wirklichen Dreh- und Angelpunkt des Romans auszumachen, und der Leser sich insbesondere zu Beginn durch ein verwirrendes Spiel aus Namen, Familien und Bekanntschaften manövrieren musste, konzentriert sich „Der Ruf des Kuckucks“ auf angenehme Weise auf zwei Hauptfiguren: Cormoran Strike, den hünenhaften Kriegsveteran, der sowohl beruflich als auch privat gerade keine großen Erfolge vorzuweisen hat, und Robin Ellacott, die junge Neu-Londonerin mit Heiratsplänen und einer Vorliebe für Detektivarbeit.

Beide ergeben ein gelungenes Gesamtbild und halten den Leser mit ihren Eigenarten durchgehend bei Laune. Die engagierte Robin räumt im Vorzimmer der heruntergekommenen Detektei kräftig auf und ist im Vergleich zum grantigen Privatermittler Strike der Sonnenschein des Duos. Strike ist zwar ein interessanter Charakter, man kann allerdings durchaus kritisieren, dass sich hier eine ganze Reihe von Klischees anhäufen. Der unzugängliche, ungepflegte und ein wenig dem Alkohol zugeneigte Detektiv ist nun einmal keine neue Erfindung, sondern eher das gängige Grundgerüst unendlich vieler Kriminalromane. Dennoch, trotz erkennbarer Klischees, wurden die Figuren gut angelegt und präsentieren sich als durchdachtes Team, das eine glaubwürdige Kriminalgeschichte inklusive den Roman belebender privater Entwicklungen und eines harmonischen Zusammenspiels der gegensätzlichen Neu-Partner bieten kann.

Sprachlich überzeugt „Der Ruf des Kuckucks“ auf ganzer Linie. Die Beschreibungen sind feinfühlig, bauen eine Atmosphäre auf und zeigen genau das richtige Maß an Detailliebe. Schreiben kann Rowling ohne Frage, das hat sie schon vor langer Zeit unter Beweis gestellt. Dennoch kann sie eine Weiterentwicklung zeigen, indem sie sich in diesem Roman endlich einmal auf wenige Perspektiven beschränkt und strikt bei der Sichtweise ihrer beiden Hauptfiguren bleibt. Der mitunter anstrengende allwissende Erzähler ist Geschichte.

Die Handlung ist von Anfang bis Ende stimmig und schlängelt sich entlang vieler interessanter Ermittlungsstationen einem Finale entgegen, das vielleicht an einigen Stellen in den Mutmaßungen des Lesers durchblitzte, aber dennoch überraschen konnte. Wirklich sicher sein konnte man sich nie – und da liegt auch die Stärke dieses nicht unbedingt hochgradig spannenden Kriminalromans, in dem sicher nicht Action auf noch mehr Action folgt. Subtile Andeutungen, Ermittlungen mit ausgeprägten Dialogen und ein komplexer Aufbau der Geschichte können den Leser fesseln. Längen sind kaum feststellbar.

Fazit: „Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith, oder besser gesagt J.K. Rowling, ist ein sehr gelungener Detektivroman, der durch interessante Charaktere und eine vielschichtige Handlung überzeugen kann und so auch ohne hohes Spannungsniveau mit einer komplexen, glaubwürdigen Geschichte begeistert. Strike und Ellacott sind ein Team, von dem man gerne mehr lesen möchte. Ich vergebe sehr gute 4 Sterne für diesen Auftakt und freue mich auf eine Fortsetzung der Reihe.

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165 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

dystopie, trilogie, jonan, liebe, carya

Das geraubte Paradies

Bernd Perplies , Isabelle Hirtz
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 12.09.2013
ISBN 9783802586392
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Das geraubte Paradies“ von Bernd Perplies ist der letzte Band der endzeitlich-dystopischen Trilogie, zu der auch „Flammen über Arcadion“ und „Im Schatten des Mondkaisers“ zählen. Mit auffallend schön gestaltetem Cover schließt der dritte Band sich optisch schon einmal dem Rest der Reihe an – und inhaltlich? Ist „Das geraubte Paradies“ der würdige Abschluss, den die beiden starken Vorgänger verdienen?

Zum Inhalt: Jonan, Carya und Pitlit haben den Hof des Mondkaisers in Francia verlassen. Sie sind auf dem Weg in die Berge, wo die Schwarze Zone liegt, aus der noch nie ein Mensch lebend zurückgekehrt sein soll. Liegt dort wirklich das Versteck der Erdenwacht, der geheimen Organisation, bei der Carya Antworten zu ihrer eigenen Herkunft zu finden hofft? Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht, denn Francia, Arcadion und Austrogermania steuern auf einen großen Krieg hin, der das ganze Land bedrohen könnte…

Der dritte und somit letzte Band der Trilogie schließt unmittelbar dort an, wo der zweite endete. Der Aufenthalt der Hauptfiguren Carya und Jonan, aus deren Sicht auch der letzte Band erzählt wird, in Francia am prächtigen Hofe des Mondkaisers liegt hinter ihnen. Sie sind dem Rätsel von Caryas Herkunft ein gutes Stück näher gekommen – allerdings auch auf ein neues Rätsel gestoßen: Die Erdenwacht. Versteckt in der angeblich tödlichen Schwarzen Zone. Dorthin geht die Reise nun und das ebenfalls in gewohnter Manier der beiden ersten Bände. Die Atmosphäre, die der Autor durch die Beschreibung der zerstörten und verwaisten Landschaft seiner Zukunftsversion Europas aufbaut, ist packend, düster und in jedem Punkt harmonisch. Unterstützt wird die Stimmung des Romans durch einen Schreibstil, der flüssig und erzählerisch stark ist und die bildgewaltigen wie auch emotionalen Momente der Reise immer wieder durch passende Worte gekonnt einfängt.

Ansonsten kann „Das geraubte Paradies“ durch einen spannenden und vor allem recht vielfältigen Handlungsverlauf überzeugen. Mehrere Wendungen überraschen den Leser mit neuen Situationen und ein mehrmaliger Wechsel des Settings lässt keine Langeweile aufkommen. Von der einsamen Trümmerlandschaft zur Gesellschaft fragwürdiger Nebenfiguren bis hin zur geheimnisvollen Erdenwacht, dem zweifellos eindrucksvollsten Gebilde der gesamten Trilogie, zeigt die Geschichte alle erdenklichen Facetten der endzeitlichen Landschaft mit futuristischen Elementen.

Nach dem tiefreligiösen Arcadion und dem prunkvollen Hof Francias hat sich der Autor mit der Erdenwacht seinen größten Trumpf für das starke Finale aufgehoben und dazu kann man ihn wohl nur beglückwünschen. Bei allen Spekulationen, die durchaus schon in die richtige Richtung gingen, war das sich letztendlich ergebene Bild doch mehr als gewaltig und absolut überzeugend. Das Setting dieses letzten Bandes hat mich noch mehr begeistert als von den Handlungsorten der ersten beiden Bände, die in diesem Punkt ebenfalls schon sehr stark waren.

Im Mittelpunkt des letzten Bandes steht natürlich endgültig Caryas Herkunft und das Rätsel um ihre Fähigkeiten. Alles wird mit einigen Überraschungen in sich schlüssig aufgeklärt. Carya und Jonan bleiben auch im letzten Band die interessanten und gut durchdachten Charaktere, die sie die gesamte Reihe über bereits waren. Auch die Nebencharaktere überzeugen weiterhin, angefangen vom Straßenjungen Pitlit, der selbstverständlich weiterhin Teil der Gruppe ist, bis hin zu allerhand Führungspersonal der einzelnen Reiche. Im letzten Band kommt noch einmal alles zusammen. Es wird wieder gefährlich für das bereits durch den Sternenfall gebeutelte Festland Europas – Krieg steht bevor. Das Ende versprach also nicht nur spannend, sondern auch explosiv zu werden und dieses Versprechen konnte es einhalten.

Fazit: Mit „Das geraubte Paradies“ liefert Bernd Perplies ein rundes Ende für seine Arcadion-Trilogie, das in allen Punkten Aufklärung bringt und obendrein spannend erzählt wird. Hier bleiben keine Wünsche offen. 5 Sterne

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Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Gavin Extence , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Limes, 03.03.2014
ISBN 9783809026334
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman mit dem langen Titel „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ des britischen Autors Gavin Extence ist ein Debütroman über einen ungewöhnlichen Jungen und eine ungewöhnliche Freundschaft…

Alex Woods Leben verändert sich schlagartig, als er zehn Jahre alt ist. Bis dahin führte er ein recht gewöhnliches Leben in einem kleinen Ort im englischen Somerset – sofern man eine wahrsagende Mutter mit Esoterikladen als gewöhnlich bezeichnen kann. Doch plötzlich kennt die ganze Welt seinen Namen, auch die Polizisten, die ihn sieben Jahre später an der Grenze in Dover aufgreifen. Im Auto, das er wegen eines epileptischen Anfalls nicht mehr fahren kann, mit einer größeren Menge Marihuana, obwohl er nie Drogen genommen hat, und mit einer Urne auf dem Beifahrersitz.
Alex beginnt zu erzählen: von dem Ereignis, das ihn berühmt machte, von dem, was danach kam, und von seiner ungewöhnlichen Freundschaft zum mürrischen Mr. Peterson…

So viel - oder besser: so wenig - zum Inhalt. Der muss bei diesem Buch einfach vage bleiben und sich auf Andeutungen beschränken, denn die Ratlosigkeit vom ersten Kapitel an, wenn Alex bei der Polizei sitzt und den Ordnungshütern die merkwürdigen Details seine Reise zu erklären versucht, gehört hier zum Leseprozess einfach dazu. Alex erzählt die Geschichte seines Lebens anschließend chronologisch, angefangen mit dem Moment, der dazu führte, dass plötzlich jeder den Namen des 10jährigen kannte - einen kleinen Hinweis darauf gibt das schöne Cover des Buches.

Die Geschichte führt den Leser durch alle vorstellbaren Emotionen. Skurrile Elemente verwirren und belustigen, ebenso wie der oft trockene Humor des Ich-Erzählers. Alex‘ Liste von Dingen, die in der Schule zur Unbeliebtheit führen können, hat mir vor Lachen fast die Tränen in die Augen getrieben. Andere Momente stimmen traurig und versetzen in eine tiefe Ernsthaftigkeit und Melancholie, sodass Tränen auch ohne Lachen nicht ausbleiben.

Alex ist ein ungewöhnliches Kind. Intelligent, aber manchmal auch naiv, mal erwachsen für sein Alter, dann wieder Kind durch und durch. Sein Charakter fügt sich perfekt ein in diese berührende, ergreifende, fesselnde Geschichte voller unerwarteter Entwicklungen. Ich möchte auf keinen Fall zu viel Konkretes preisgeben von den Schicksalsschlägen, die Alex und seine Umwelt ereilen, doch der Originaltitel „The Universe Versus Alex Woods“ trifft es sehr gut. Der junge Alex wird vieles meistern, auf seine eigene, besondere Art – das Universum scheint nicht wirklich auf seiner Seite zu stehen.

Einer der Kernpunkte des Romans ist die Freundschaft zwischen Alex und dem alten, zurückgezogen lebenden, mürrischen, dem Marihuana nicht abgeneigten amerikanischen Veteran Mr. Peterson. Was mit einem zerstörten Gewächshaus beginnt, bringt zwei Menschen zusammen, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben, und bereichert das Leben beider. Ihre Gespräche, ihre philosophischen Ansätze und ihre Rolle für einander – die Bezugsperson für den vaterlosen Alex und einen Weg aus der Isolation für den verwitweten Mr. Peterson – geben dem Roman sehr viel Tiefe, interessante Aspekte, sehr viel Nachdenklichkeit und auch einen Bezug zu aktuellen Kontroversen unserer Gesellschaft, die das Leben selbst betreffen.

Was als recht lockerer Roman humorvoll beginnt, entpuppt sich am Ende als ein emotional nicht leicht zu lesendes Buch, das aber durch den angenehmen Schreibstil und die liebenswerten, jedoch immer ein wenig schrägen Figuren dennoch niemals ein Gefühl von Schwere aufkommen lässt. Bei aller Ernsthaftigkeit macht es immer Freude, Alex beim Lesen auf seinem schwierigen Lebensweg zu begleiten. Trotz skurriler Elemente ist die Geschichte so glaubhaft, so ehrlich und so herzlich, dass es schwer fällt, die richtigen Worte dafür zu finden.

Fazit: „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ von Gavin Extence ist ein außergewöhnlich starker Debütroman, der schwere Schicksale, tiefgehende Traurigkeit und weitreichende Fragen des Lebens selbst mit schrägen Charakteren und humorvoller Leichtigkeit kombiniert und den Leser damit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle schickt, die ihn nachdenklichen stimmt und in Erinnerung bleibt. Ich bin begeistert. 5 Sterne.

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