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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

reisen, reise, abenteuer, reiseberichte, transnistrien

Atlas der unentdeckten Länder

Dennis Gastmann , Frank Ortmann
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 15.04.2016
ISBN 9783871348259
Genre: Sachbücher

Rezension:


Da saß er also. Auf einem Plastikstuhl im Morgenland. Zwischen Subway und Kentucky Fried Chicken. Nüchtern betrachtet war er auf eine Werbe-kampagne hereingefallen. Man sollte das Morgenland nie vor dem Abendland loben.

Wie war er nur dahin geraten? Dennis Gastmann wollte Abenteuer. Mehr als nur Trevi-Brunnen und Sagrada Familia. Nein, auch nicht mit dem Selfie-Stick durch Angkor Watt. Die Welt stand ja offen. Es musste doch noch mehr geben! Das große Unbekannte. Dafür war er durchaus bereit, Unsicherheiten zu ertragen. Träumer sind die wahren Idealisten. 

In seinem aktuellen Buch lässt er uns teilhaben an seinem Streifzug durch entlegene Gebiete. Muss man dafür nicht auf den Mond? Nein es gibt sie noch, scheinbar vergessene Regionen dieses Planeten in denen die Einwohnerzahl die Zahl der Touristen noch deutlich übersteigt. 

Ich empfehle diese besondere Lustreise langsam zu lesen. Wie eine gute Schokolade. Nicht in einem Haps! 11 kleine feine Stückchen auf der Zunge zergehen lassen. Mit kleinen Pausen. Dann wird die Vielfalt deutlich. Jeder Bissen schmeckt anders. Nach Passionsfrucht, Betelnuss und Kamelmilch. Hier und da ein bitterer Beigeschmack, ein bisschen Wodka im Abgang. Der Rote Messwein ist auch fein.  Zuweilen eine Prise Kichererbse. Man riecht förmlich das Blau von Palau, vereinzelt frittiertes Allerlei, ach ja, ein Spiegelei ist auch dabei.

Die Zeilen sind mit reichlich Gespür geschrieben, wie ein Lied mit ganz viel Gefühl gesungen werden sollte. Nur haben wir hier keine Strophen, keinen Refrain. Nichts wiederholt sich. Der Aufbau der Kapitel ist nicht fortlaufend. Nur die ersten 3 stehen irgendwie im Zusammenhang. Kein Schema, kein rundes Bild. Teilweise eine Herausforderung für den Leser. Kartenmaterial findet man leider nicht.

Aber immer wieder gelingt es dem Autor zu zeigen, dass sich die Bewohner seiner Ziele an ihre oft schwierigen Lebensumstände angepasst haben. Wie eine Wüstenmaus oder ein Chamäleon. Das berührt. Zudem der aufmerksame Blick auf die Mitreisenden die alle nur das eine suchen, die große Freiheit. 

Gerade als privilegierter Reisender ist es eine Gratwanderung nicht abschätzig und allzu kritisch zu berichten. Darauf versteht sich der Autor großartig. Respekt ist das Zauberwort. 

Gastmann hat die Kontinente nicht neu vermessen, aber mich weitergebildet und ganz beiläufig wunderbar unterhalten. Das liegt vor allem an unzähligen kleinen Nebensätzen wie: „Das eine Frau die Ofen genannt wird, zu Depressionen neigt, ist verständlich.“ 

Fragt man sich am Anfang noch, wie viel Wahrheit das Machwerk enthält, so ist man am Ende überzeugt, dass so viel reine Vorstellungskraft schier unmöglich wäre. Es wirkt, echt, ernst und entspannt zugleich, wie Angelo der letzte Protagonist des Buches. 
Der Text spielt mit den Kontrasten. Und so ist sie nun mal die Welt:
 
„Blassbrauner Klotz vor ernüchternd grauer Straße, brav eingefangen aus spitzem Winkel….keine Traumgebilde…“
„Puaiti“ bedeutet kleine Blume und so hatte sie sich an jenem Morgen eine weiße Tiaréblüte hinter das linke Ohr gesteckt…frangipanigelbe Bänder ins Haar geflochten…die im Südseewind….“

Am Ende steht fest: Nichts ist unentdeckter als der Ozean. Der Reichtum der Urwälder und die Zahl der Amazonasvölker bleiben uns hoffentlich noch lange verborgen.

Zufrieden schlägt man die letzte Seite um. Ein Foto des Autors in Abendsonne. Dankbar lächelt man ihm zurück. Er schaut nach rechts oben. Ich bin irritiert. Was heißt das jetzt? Finden Sie es heraus!

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Tags: abenteuer, reise   (2)
 

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567 Bibliotheken, 12 Leser, 5 Gruppen, 38 Rezensionen

london, thriller, psychologe, michael robotham, mord

Adrenalin

Michael Robotham , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.06.2011
ISBN 9783442476718
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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251 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

krimi, rache, norwegen, oslo, nesbo

Der Sohn

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.11.2014
ISBN 9783550080449
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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342 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

entführung, psychothriller, michael robotham, thriller, sag es tut dir leid

Sag, es tut dir leid

Michael Robotham , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.11.2014
ISBN 9783442481934
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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99 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

london, england, nick hornby, fernsehen, blackpool

Miss Blackpool

Nick Hornby , Ingo Herzke ,
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.11.2014
ISBN 9783462046908
Genre: Romane

Rezension:

„Sie wollte keine Schönheitskönigin sein, aber wie das Leben so spielt, war sie gerade dabei, eine zu werden.“ 

Ja wie das Leben so spielt: Königinnen sind selten lustig. Aber Barbara Parker will lustig sein, sie will Fernsehkomikerin werden. Also verzichtet sie auf die glitzernde Schärpe und verlässt mit 19 ihre Heimatstadt Blackpool. 

Sie will RAUS aus der klimatisch rauen Küstenstadt in der es keinen Hafen gibt. REIN ins Swinging London! Sie will das pralle, das echte Leben spüren. London 1964 ist cool. Kulturell, politisch und modisch im Umbruch. Die Zeit von Twiggy und den Beatles. Plissee-Kleidern in Kanariengelb mit Schleife.
Barbara ist mutig und glaubt an sich, sie träumt vom großen Durchbruch und würde alles dafür tun zu unterhalten, zu singen und auf einer Bühne zu stehen. Sie will doch nur spielen! 

Ihre ersten Schritte sind holprig aber:
„Es half auch nicht, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass sie sich, wenn sie in Blackpool geblieben wäre, jetzt nach London sehnen würde. Das verstärkte nur das Gefühl, dass sie niemals irgendwo glücklich sein würde.“

Sie gibt dem Zufall eine Chance und nur so können Wunder passieren. Es ist Glück, dass sie Glück hat und Talent, Charme und Biss. Doch Erfolg wird aus Übermut gemacht und so bekommt sie die Hauptrolle in der Sitcom Barbara (and Jim). Als Sophie Straw springt sie auf das Riesenrad der Karriere auf, in dem man sich immer bewegen muss, bevor es nach dem Höhepunkt irgendwann wieder nach unten geht. Doch wann ist man am Höhepunkt?

Zwischen Erwartung und Realität, Schein und Sein, liegen Welten. So auch hier.

„Sie hatte in einer Stadt leben wollen, die sich jung anfühlte aber jetzt fand sie, dass diese Leute auch etwas Unstetes an sich hatten, als hätten sie was angestellt und wären damit durchgekommen.“

Wie ein großer Fisch in einem kleinen Teich fühlt sie sich manchmal, umringt von dicklichen Herren, beäugt wie eine Trophäe.
 
Barbaras persönliche Geschichte verliert lose den roten Faden. Streckenweise rückt sie ganz in den Hintergrund. Das ist sicherlich Absicht, denn auch die fiktiven und realen Figuren der Serie verschwimmen. Schließlich konzentriert sich die Handlung auf das Zusammenspiel des ganzen Ensembles. Auf die Macher und Darsteller vor und hinter den Kulissen einer erfolgreichen Serie. Wir begleiten die Protagonisten durch die letzten 50 Jahre, durch Höhen und Tiefen. Besonders gelungen ist das finale Wiedersehen im letzten Kapitel. Am Ende ist man überzeugt, alles habe sich im Detail bis in den letzten Dialog genauso abgespielt.

In Anlehnung an die beliebte BBC-Sitcom „Steptoe and Son“ geht es im Kern von „Miss Blackpool“ um die Beziehung zweier Drehbuchschreiber. Bei Hornby heißen sie Tony Holmes und Bill Gardener, (erinnern an Ray Galton und Alan Simpson).

Schon vor deren Verfilmung (wer weiß?) ist Hornbys Geschichte großes Kino. Am Schluss des Buches dachte ich lange über die Entwicklung von Comedy nach. Von Stan Laurel & Oliver Hardy bis hin zu Joko & Klaas.

Bevor der letzte Vorhang fällt, stellt Sophie ernüchtert fest:
„Unterhaltung hat die Weltherrschaft übernommen, und sie war nicht sicher, ob die Welt davon besser geworden war.“

Applaus, applaus für diese Worte. Ein eleganter Erzähler mit feinem hintergründigem Humor ist dieser Nick Hornby.

Dem „Spiegel“ hat dieser Roman überhaupt nicht gefallen. Schade. Dabei fällt mir noch ein Zitat aus dem Buch ein:
„Wie schrecklich war doch Bildung, wenn sie einen Geist hervorbrachte, der Unterhaltung verachtete, und damit alle Menschen, denen sie etwas wert war.“

Ich fühlte mich wunderbar unterhalten.

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Tags: britischer humo, comedy, londo, sixties   (4)
 

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kinderbuch, amiguito, tier, allerschönste platz, the most beautiful place

Der allerschönste Platz / The most beautiful place

Claudia von Holten , Annika von Holten , Michael Wright , Christine Rösch
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Amiguitos - Sprachen für Kinder, 31.10.2014
ISBN 9783943079371
Genre: Sonstiges

Rezension:

Exotische Grauhörnchen, Halsbandsittiche, Wanderfalken und Skorpione? Nein wir befinden uns nicht in einem Zoo, sondern mitten im quirligen London. Die Autorinnen Claudia und Annika von Holten entführen uns in einen Großstadtdschungel in dem Wildtiere die Hauptrolle spielen. Wer hätte gedacht, dass zwischen Tower, Themse und Trafalgar Square tatsächlich tausende Füchse leben?


Die Handlung:
Einmal im Jahr kommen alle Tiere von London zusammen. Jäger und Gejagte feiern gemeinsam ein Friedensfest und vergessen ihren Streit. Für eine spezielle magische Nacht im Park. Doch dieses Mal ist alles anders. Sie diskutieren und verteidigen ihren allerschönsten Platz. Ihren Lebensraum. Jeder hat eigene Bedürfnisse und findet natürlich seinen persönlichen Lieblingsort am allertollsten. Es wird lautstark geschnattert, sich aufgeplustert, gezwitschert und gebrüllt. Wird es bei all der Dramatik ein Happy End geben?

Die belehrende Absicht, in der Tiere menschliche Eigenschaften besitzen, ist in der Pointe wunderbar gelungen.
Die zweisprachige englisch-deutsche Fabel ist kindgerecht liebevoll illustriert. Meinem Sohn gefiel ganz besonders der ergänzende Stadtplan. Von der Geschichte war er insgesamt fasziniert und wollte alles unbedingt genau wissen. Nun wird er das Buch definitiv mit nach London nehmen. Dann kann er sein eigenes „Most-beautiful-place-Foto“ auf der dafür vorgesehenen Seite einkleben.

Für wen ist das Buch geeignet?
Hier gehen die Meinungen auseinander, weil sich das niemals pauschal beantworten lässt.


Bereits für Kindergartenkinder zum Vorlesen empfehlenswert.
Für Grundschulkinder die bereits lesen können, sind die Sätze zum selbst Lesen tatsächlich etwas „verschachtelt“, aber dafür niemals langweilig, immer wieder entdecken die Kinder neue Worte und originelle Beschreibungen. Kürzere Sätze hätten Figuren und Atmosphäre niemals so märchenhaft in Szene gesetzt.
Der Verlag hat die Hörfassung im Internet zugänglich gemacht. Dadurch erhält die Geschichte einen ganz besonderen Zauber. Mit meinem 8 jährigen Sohn habe ich gehört, gelesen und vorgelesen. Die Adjektive haben selbst meinen Sprachschatz noch bereichert. Dadurch wird der Text auch älteren Kindern von 10-12 Jahren noch gefallen. Das Büchlein wird so nicht im Regal verstauben, sondern uns über Jahre begleiten. Erwachsene finden auf den letzten Seiten hilfreiche Informationen zu den Tieren und Plätzen Londons. Außerdem enthält es ein Rezept zu den beliebten britischen Scones.


Meiner Meinung nach, hätte man Idee und Gestaltung nicht besser umsetzen können. Für die Sprachförderung von Kindern ideal.

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

ratgeber, limbi, limbisches system, 201, werner

Limbi

Werner 'Tiki' Küstenmacher , Werner Tiki Küstenmacher , ,
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Campus, 01.10.2014
ISBN 9783593392233
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Glück kam durch den Briefkasten. Und nun?

Im Klappentext (auf der frischen Trendfarbe „Frühlingswiese“) heißt es:
„Das wird Ihr Leben revolutionieren, versprochen!“
Will ich das? Bitte keine Revolution! Ich will so bleiben wie ich bin. Tendenziell bin ich gerade glücklich und eher selten vor dem Regal Lebenshilfe anzutreffen. Muss man also unbedingt unglücklich sein um dieses Buch zu verstehen?
Nein.

Herr Küstenmacher verrät mir, wie meine neunmalkluge Großhirnrinde und mein bockiger Limbi ein besseres Team werden. Das kann nicht schaden. Fakten und Feeling zusammen bringen, das klingt schön. Sachlich bleiben und dabei gut auf sein „Bauchgefühl“ hören. Das Bauchgefühl, welches eigentlich ein kleiner launischer Knubbel am Ende der Wirbelsäule ist. Mein neuer Freund. Freund Limbi.


Limbi=
L atent
I mpulsiver
M enschenfreund
B esonderer
I ntelligenz?

Limbi braucht eine stimulierende Umwelt um uns zu motivieren und zu unterstützen. Flotte Karotten für seine Marotten. Das ist beeinflussbar. In übersichtlichen Kapiteln, wie Körper, Geld, Zeit, Liebe u.a. nimmt uns der Autor an die Hand und wedelt hier und da mit dem Zeigefinger. Er darf das, er ist ein Bestsellerautor.

Immer wieder wird graue Theorie mit hübschen Karikaturen und anschaulichen Beispielen untermalt. Das erfreut den Leser. Das liebevolle Design, die farbliche Gestaltung, der neurowissenschaftliche Part und viele kleine Gimmicks sind das Produkt eines kreativen Teams.

Dies ist ein Ratgeber-Buch. Wir erwarten Rat, es liefert Antworten. Ich fühlte mich kurzweilig gut unterhalten. Die meisten Dinge betrachte ich sehr ähnlich, einige Punkte waren neu und hilfreich.
Beispiel:

"Bis zu einer bestimmten Schwelle wächst das persönliche Wohlbefinden mit dem Einkommen. Wird diese Schwelle überschritten, bringt zusätzliches Geld jedoch eher zusätzlichen Stress, das Glücksgefühl stagniert."

Wie beruhigend.

Wie viele der zahlreichen Glücks-Bücher enthält es geschickt gebündelte Zitate anderer Philosophen. Zum Glück nicht für jeden Bereich. Unser Körper (auch Limbi) hat ein Recht auf Geheimnisse und wir sollten nicht alles erklären wollen. Zu viele Ratschläge können auch unglücklich machen. Wo bliebe dann unsere Intuition? Wo ein natürlicher Instinkt? Wo bliebe Platz für Limbi?

Doch wenn wir erstmal beschließen glücklich zu sein, ist das durchaus förderlich für unser Leben. Also los!

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275 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

thriller, psychologe, psychothriller, spannung, angst

Erlöse mich

Michael Robotham , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 23.06.2014
ISBN 9783442313174
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Marnie ist unsere Hauptfigur. Bei Hitchcock ist „Marnie“ ein mit psychologischen Elementen gespickter Thriller. Darauf dürfen wir uns auch hier freuen. Nur soviel sei verraten: Im allgemeinen  Kern der Handlung verbirgt sich eine tief verwurzelte Sehnsucht nach Liebe, die uns alle verbindet. Immer gern genommen. Wer nun aber bei Robotham einen seelischen Spannungsbogen erwartet, wird überrascht sein. Dem Autor gelingt gar ein feiner Spannungskreis. Ein schlüssiger Reigen des Wahnsinns.


Marnie erscheint uns als tapfere Mutter zweier Kinder. Ihr Mann Daniel ist seit 13 Monaten verschwunden. Finanziell ist sie abgebrannt, psychisch schon länger angeschlagen, aber sie kämpft. Überdies fühlt sie sich ständig beobachtet. Voyeurismus, Stalking, eine Obsession? Ein geheimnisvoller Seher ohne gesehen zu werden. Clevere Perspektivwechsel. Man rauscht durch die Seiten. Keine Durststrecken. Bizarre Todesfälle kommen ans Licht. Aus der Dunkelheit ploppen immer mehr zwielichtige Verdächtige auf. Auch Marnies hübsche Fassade bröckelt. Der Leser rätselt. Ist die liebenswerte Marnie das Opfer? Oder doch der Täter? Ja. Nein. Doch. Vielleicht? Der Psychologe Joe O´Loughlin hilft. Freunden der Reihe wird die Figur bereits vertraut sein. Über ihn heißt es im Buch:

„Er macht den eigenen Kopf frei und versucht, sich auf den eines anderen zu konzentrieren, sucht nach einer Architektur in den Details, einer mentalen Fußspur, der er folgen kann. Die Frage, warum Dinge geschehen fasziniert ihn: Wie kleine Begebenheiten sich addieren und Schicht für Schicht übereinanderlegen.“

So ging es auch mir, bis zur allerletzten Seite.

„Menschliches Verhalten scheint willkürlich, doch man kann es kartographieren, bildlich darstellen.“
Oder verpackt es in einen raffinierten Thriller!

Normalerweise steht da mein Nachttisch, darauf liegt ein Buch, fertig. In den letzten Tagen war das anders: Nachttisch, Buch und…. oha! Ein paar Augen… Augen die einen verfolgen, Figuren die einem erscheinen. Keine Sorge, man hört keine Stimmen, aber immerhin: Die Geschichte hat einen gewaltigen Sog, eine Handlung die fesselt und uns gefangen nimmt. 

Der deutsche Titel ist meiner Meinung etwas missglückt, aber auf den Inhalt kommt es an.

Dies war mein erster Robotham. Ganz sicher nicht mein letzter. Unbedingte Empfehlung!

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400 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

bretagne, krimi, frankreich, pont aven, hotel

Bretonische Verhältnisse

Jean-Luc Bannalec
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.08.2013
ISBN 9783442479276
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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272 Bibliotheken, 9 Leser, 3 Gruppen, 72 Rezensionen

paulo coelho, untreue, depressionen, schweiz, ehebruch

Untreue

Paulo Coelho ,
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.09.2014
ISBN 9783257069082
Genre: Romane

Rezension:

Linda lebt in Genf, ist 31 Jahre alt und hat schon alles. Haus, Baum, Mann, hübsche 68 Kilo und Kinder. Kaum noch Platz für Wunder. Zeit für einen Hund?
Sie wollte Sicherheit und erstickt an Langeweile. Eigentlich sollte sie glücklich sein. Ist sie aber nicht. Weil es an Herausforderungen fehlt. Durchaus vorstellbar.
Als Journalistin hört sie von einem Interviewpartner den Satz: „Mir geht es überhaupt nicht darum, glücklich zu sein. Ich ziehe es vor, voller Leidenschaft zu leben, auch wenn es gefährlich ist denn man weiß nie, wohin es führt.“ Oha! Der wunde Punkt. Unsere traurige Hauptfigur kommt ins Grübeln. Die böse Routine steht ihr im Weg, bei der ersehnten Leidenschaft. Sie steckt in einer Sackgasse. Eine Depression bahnt sich Raum. Linda will sich vom angesammelten Staub befreien. Leidenschaft, ein Privileg der Jugend? Eine aktuelle Frage, welche neugierig auf die nächsten Seiten macht. Zunächst.
Linda verwechselt Leidenschaft mit Lust und wir werden Zeuge einer seltsamen Affäre, welche sie mit ihrer Jugendliebe beginnt. Wer keine Probleme hat, der schafft sich welche. Sie hat nicht den Mut, ihre Sicherheitsleine zu kappen, also betrügt sie. Nicht unbedingt munter, aber sie betrügt. Nicht nur ihren Mann, sondern auch sich selbst. Coelho betrügt den Leser. Die Figuren bleiben farblos, die Kinder ohne Alter und Gesicht, die ganze Handlung wirkt schwach. Kein roter Faden. Kein Plot. Ein provokativer Roman. In der Tat! Denn man ist von Coelho anderes gewohnt und kann dieses Buch irgendwie überhaupt nicht fassen. Der Autor ist sich hier buchstäblich selbst UNTREU. Der Schreibstil wirkt flach, kitschig, streckenweise wie vom Praktikanten geschrieben. Im zweiten Teil des Romans wird es etwas besser. Doch insgesamt bleibt dieses Buch wie Lindas Ehe: Es heißt nicht, dass ES schlecht ist, die Enttäuschung hat vielmehr mit dem Fehlen von Leidenschaft zu tun, dem Mangel an Spannung.
Coelho trägt einen großen Namen und das wohl nicht zu Unrecht, über die Jahre sicherlich verdient. Als Leser fahre ich doch manchmal lieber mit unbekanntem Fuhrwerk durch einen abenteuerlichen Dschungel, als mit einem berühmten Auto(r) durch öde Steppe. Schade.

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162 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

ehe, trennung, europa, familie, liebe

Drei auf Reisen

David Nicholls , Simone Jakob
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 30.09.2014
ISBN 9783036957012
Genre: Romane

Rezension:

Drei auf Reisen. Für mich liegt im Dialog auf Seite 40 des Pudels eigentlicher Kern:
Er: „Ich dachte wir lieben uns. Ich dachte… na ja, offenbar war das ein Irrtum, aber ich hatte mich darauf gefreut, mit dir zusammen alt zu werden. Gemeinsam alt zu werden und zu sterben.“
Sie: „ Wie kann sich jemand, der bei klarem Verstand ist, darauf freuen, Douglas?“
Douglas ist bei klarem Verstand. Ein Wissenschaftler. Für ihn ist alles klar strukturiert. Auch sein Lebensweg. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der Mann ist über 50 und zieht sich schon mal eine Übergangsjacke an. Seine Frau Connie hätte wohl eher noch einen zweiten Frühling. Schwer zu vereinbaren. Douglas liebt die romantische Vorstellung, möglichst viel mit dem Partner teilen zu wollen. Er meint (Zitat): "Das Licht fällt anders in einen Raum, der eine zweite Person enthält." Zugegeben, das klingt schön. Also will er alles richtig machen. Bemühen kostet Mühe. Das ist wenig sexy. Aber was nicht passt wird passend gemacht. Zur Not kommt eben Komponentenkleber zum Einsatz. Unser Held klebt selbst die Legosteine seines Sohnes Albie zusammen. Er mag es gern unzertrennlich. Will, dass die Dinge für IMMER halten. An sich nichts Verwerfliches. Aber die gute alte Kreativität bleibt auf der Strecke. Connie meint, dass gerade auch in der Zerstörung etwas Kreatives liegen kann. Sie ist Künstlerin, bevorzugt die Dinge originell und abstrakt. Douglas ist eher der Typ für Malen nach Zahlen.
In einzelnen Rückblicken erleben wir beide nicht immer harmonisch aber dennoch sehr verbunden über die Jahre. Bindeglied Albie, der gemeinsame Sohn, kostet zwar Nerven aber hält die Familie unbewusst zusammen. Eigentlich! Bis er nun schließlich selbst auf eigenen Füßen steht (meistens noch unsicher torkelt) und versucht erwachsen zu werden.
Connie meint, die Arbeit (Brutpflege) sei an der Stelle getan. Zeit sich (wieder) als Individuen zu sehen, nicht nur als Mutter, Vater, Kind. Albie wird flügge, Connie irgendwie auch. Für Douglas kein gutes Timing. Er wollte es sich doch gerade gemütlich machen. Ganz bewusst heißt dieses Buch nicht „Eine Familie auf Reisen“ sondern „DREI auf Reisen“. Jeder Mensch hat ganz eigene Bedürfnisse. Verschiedene Lebensentwürfe. Das wird für den Leser zunehmend deutlich und macht die Handlung interessant.
In jener sensiblen Lebensphase begleiten wir unsere DREI durch Europa. Wir erfahren nebenbei etwas über Kunst und Charakter der einzelnen Stationen. Aber noch mehr über die unterschiedliche Auffassung eines Eheversprechens. Bis dass der Tod sie scheidet?
Mir haben Idee und Umsetzung gut gefallen. Gerade in heutigen Zeiten, wo Paare oft lange Zeit vor ihrer ersten Begegnung ein eigenständiges unabhängiges Leben führten und Dinge regelmäßig in Frage stellen, sehr aktuell.


Fazit:
Wenn mich eine Geschichte nachdenklich zurück lässt, ist es ein Zeichen, dass sie mich insgesamt berührt hat. Der Autor macht Spass und kann Situationen professionell gut beschreiben, auch amüsante Vergleiche formulieren. Handlungen und Entscheidungen der Figuren konnte ich nicht immer nachvollziehen. Das ist für ein gutes Buch aber nicht notwendig, ganz im Gegenteil vielleicht. Es geht in erster Linie um die Freude am Lesen. Das ist zum größten Teil gelungen. Der Inhalt hat mich jedoch nicht durchgehend gepackt. Vor allem im Mittelteil ist der Funke nicht  übergesprungen. Der Erzähler ist Douglas und dadurch hat die Story streckenweise den Charme eines soliden Zeitungsartikels. Dafür dann doch einen Punkt Abzug. 

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Tags: ehe, familie   (2)
 

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

erwachsen werden, großstadt, miaavelon, heyne, roman

Banalverkehr

Mia Avelon
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Heyne, W, 08.08.2011
ISBN 9783453545434
Genre: Romane

Rezension:

Schnurstracks bin ich eingezogen in eine wilde „Puppenstube“ und war überrascht vom flotten Schreibstil, infiziert von den verwirrten Gedanken der Hauptfigur und berührt von den Aktionen überspielter Einsamkeit in einer Großstadt (die mir durchaus vertraut sind). Immer häufiger wünschte ich der Autorin: Lass es um Himmels Willen keine Autobiographie sein! Nicht so. Nicht ohne Stoßdämpfer! Was Puppe erlebt, hinterlässt schmerzhafte Spuren, die man nur mit Humor verwischen kann. Galgenhumor. Was sie perfekt beherrscht. Sonst wäre das alles nicht auszuhalten. Zuweilen wurde die Geschichte SCHEINBAR (!) unter einem verträglichen Pegel Alkohol zu Papier gebracht. Kommt irgendwie übermütig rüber. Tollkühn! 
Worum geht´s?
Sie ist weg. Lene. Der einzige Fels in der Brandung der Puppe Stockmann. Eigentlich ist sie nicht wirklich weg. Nur nicht mehr da, wenn man sie braucht. Also immer, quasi. Puppe fühlt sich allein und ergibt sich in ein berauschtes Spitzenleben ohne Substanz. Betäubt ihren Schmerz mit Schmerz. So ähnlich wie bei Zahnweh, man beißt extra auf den wunden Punkt. Dann fühlt es sich gut an, wenn es weh tut. Vorübergehend.
Puppe gibt sich nicht wirklich Mühe vom Leser gemocht zu werden. Glänzt durch kindlich bockige Emotionalität, die man in ihrem Alter (29) nicht mehr so recht kapieren mag, aber doch irgendwoher kennt. Wer will schon erwachsen werden und wozu? Wer sich (wie ich) hin und wieder gegen eine gewisse Reife sträubt, erfüllt auf den ersten Blick nicht die besten Voraussetzungen für diese Lektüre (wegen der Rückfallquote). Aber auf den zweiten Blick gerade deshalb. Erschreckend ehrlich und aufwühlend. Man möchte unser Püppchen manchmal retten aus dem gefährlichen Strudel aus Alkohol, Sex und Betäubung. Sie wach rütteln. Gedanklich rennt man ihr mit einem Sprungtuch entgegen und schreit: Lass mich deine Lene sein! Doch das wäre fatal. Diese Rolle spielt schon das Schicksal. Nach Lene kommt Lückenfüller Lutz, wie ein wohliges Feuer daher. Ein Strohfeuer, denn mit dem Ende einer flüchtigen Schwangerschaft ist auch Lutz schon wieder Geschichte. Der Krapfen wandert zurück in die Schublade. The Show must go on! Life is a Party! Ein ewiges Delirium. Das geübte Leserauge ahnt: Ein Drama bahnt sich Weg. Wie ein Pulle Rotwein über cremefarbenen Satin. Dann kommt rechtzeitig Edo um die Ecke. Kein Typ für Organspende oder Broccoli-Auflauf. Doch dieser Edo riecht gut. Und verfügt über eine hübsche Hülle, ein Sushiröllchen! Das muss reichen! Puppe projiziert alles, was es vorgeblich wert ist sich an es zu klammern, auf ihn. Ihren Superhelden. Er fühlt sich gebraucht als Erlöser und Puppe sich als Gerettete. Fast dankbar verliebt schaut sie zu ihm auf. Was bleibt einem auch anderes übrig wenn man am Boden liegt?
Leidenschaft versteht sich in dieser Kombi von selbst, weil es ausreichend Leiden schafft. Klar. Auch Itsy spielt in dieser Phase eine tragende Rolle. Ihr Ende bleibt eine Mahnung. Ein trauriger herber Beigeschmack, der in seiner gnadenlosen Härte vielleicht Puppes eigentliche Rettung war.
Der Leser muss wissen, worauf er sich einlässt. Sprachlich begegnet uns hier kein poetischer Schnickschnack, wie etwa: „Wieder streut der Herbst ins Land seinen gold’nen Blätterregen.“
Stattdessen ein klares: „Der Sommer, der alte Loser, kämpft sich schwermütig durch den September.“ Super!
Ich kämpfte mich nicht schwermütig durch die Kapitel, sondern wollte begierig wissen wie es weiter geht. Der Abspann lässt einen nachdenklich versöhnt zurück. So soll es sein! Kein Buch von der Stange. Starker Humor, besondere Autorin. Für mich persönlich etwas zu viel Wiederholung in Mias Kopf. Insgesamt 4 Sterne. Empfehlenswert!

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Tags: erwachsen werden, großstadt, liebeskummer   (3)
 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

abenteuer, kinderbuch, tiere, neugier, otfried preußler

Der kleine Wassermann - Herbst im Mühlenweiher

Otfried Preußler , Regine Stigloher , Gustav Stolze , Friedhelm Ptok
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 01.08.2014
ISBN 9783862314065
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Das Kinderbuch vom leider bereits verstorbenen Otfried Preußler wird nun bald 60 Jahre alt,  doch ist es nach wie vor ein zeitloses Erlebnis. Wer die Geschichte kennt und hier seine Ohren spitzt, den erwartet mehr als nur ein vertontes Buch. Nein kein Hörbuch, sondern ein Hörspiel! Das ist ein feiner Unterschied. Geräusche, Musik und verschiedene Stimme werden speziell fürs menschliche Ohr in Szene gesetzt. Das hat hier prima geklappt, würde ich sagen. Ein bisschen wie bei Peter und der Wolf. Wir stellen uns ein Tier vor, zum Beispiel einen Karpfen und hört hört! Es klingt wie ein Karpfen eben klingen muss. Genauso Biber-Freund Bockert, die frechen Frösche oder der abenteuerlustige Wassermann selbst. Die Musik konnte mein Sohn (8 Jahre, Sternzeichen Wassermann)  schon nach der ersten Runde mitsingen. Rhythmisch schunkelnd. Textsicher. Erstaunlich! Wir wurden hernach getrennt von einander befragt und sind uns (ausnahmsweise) mal einig:

unser Held: klarer Punktsieg für den neugierigen Wassermann

lustigster Teil: die 4 Frösche (im Versteck unterm Dreck)

der beste Kumpel: Cyprinus (Daumen hoch für die Stimme von Friedhelm Ptok), kleiner Abzug in der B-Note: zu viel Blub Blub

Und die Moral (Für kleine und große Menschenkinder): Der Winter will gut vorbereitet sein! Nicht einfach so weglaufen!!! (mit drei Ausrufezeichen!) Freunde sind toll, Ferien sind toll. Doch Obacht! Pfeif niemals auf die Flötenstunde!

 

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Tags: abenteuer, neugier   (2)
 

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krieg, kinder, sudan, afghanistan, reporter

Das Leben ist ein wildes Tier

Carsten Stormer
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2011
ISBN 9783785724408
Genre: Biografien

Rezension:

Der junge Carsten Stormer will nicht fürs Rumsitzen bezahlt werden. Er bezeichnet seine Zeit im Büro als Dunkelkammer seines Lebens. Indirekt zollt er damit auch denen Respekt, die jeden Tag fleißig einer „vernünftigen“ Arbeit nachgehen. Auch das sind in gewisser Weise Helden! Ihm bleibt das verwehrt. Die Routine des Alltags füllt die Zeit schon lange nicht mehr aus. Selbst ein intensives Partyleben bietet kaum Ersatz für Abenteuer. Es zieht ihn hinaus in die Welt. Irgendwas (aus dem Privileg der Muße geboren) treibt ihn an. Neugier und die Lust auf Herausforderung bekommt eine riskante Eigendynamik. Er träumt davon in den Krieg zu ziehen. Nein, er will nicht mit Sturmgewehren schießen, sondern mit seiner Kamera. Fotos. Jedoch keinesfalls als Paparazzi. Er sucht Grenzerfahrungen. Sucht die Gefahr und die Gefahr wird zur Sucht. Das Adrenalin. Echte Feuerproben. Was er findet ist schwer zu dosieren. Eine Überdosis von allem. Kaum Platz für Ironie. Keine Stellen zum Lachen. Pure Realität. Orte, die in Reiseprospekten nicht vorkommen. Sperrgebiete.
Ich zähle beileibe nicht zu den Menschen, die allen Bergsteigern wild applaudieren, nur weil sie um jeden Preis irgendwo hochjagen müssen. Sie tragen manchmal nicht nur das Risiko für sich selbst, sondern bringen zuweilen auch andere in Gefahr. Leichtsinn und Mut sind zwei Paar Schuhe. Doch ein Krieg ist kein Berg. Reporter wie Stormer sind wichtig. Seine Worte allein werden keine Gerechtigkeit bringen. Ihm geht es darum den Opfern des Krieges ein Gesicht und eine Stimme zu verleihen. Es geht um die Wahrheit, bei all den Lügen da draußen. Mit wachen, klugen Augen berichtet er in seinem Buch von berührenden Schicksalen, die in der pauschalen Fülle der Nachrichten untergehen. Dabei fällt es ihm zunehmend schwer journalistisch neutral zu bleiben, bei so viel Leid. Irgendwo hatte ich gelesen: Nicht nur das Leben ist ein wildes Tier, sondern auch der Mensch. Stormer wird Zeuge.
Jedes Foto könnte sein letztes sein. Es gibt keine Auftraggeber. Dennoch zieht es ihn immer wieder in die Krisengebiete dieser Welt. Ohne kugelsichere Weste. Die Verlockung ist groß. Warum? Damit die Welt Notiz nimmt. Damit er Spuren hinterlässt. Vielleicht. Aber, machen wir uns nichts vor: Menschen wir Stormer sieht man selten im eigenen Schrebergarten Zwetschgendatschi essen und Sonnenblumen pflücken. Die Eingliederung in das normale Leben fällt schwer. Er braucht eine andere Umlaufbahn. Bleibt ihm zu wünschen, dass er als Journalist niemals resigniert und auch sein privates Glück findet. Ich empfehle dieses Buch, weil es nicht umständlich versucht mir die Welt zu erklären. Es hat meine Wahrnehmung verändert. Danke dafür. 

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Tags: abenteuer, krieg, politik, reporter   (4)
 

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reichtum, geld, millionär, interview, dennis gastmann

Geschlossene Gesellschaft

Dennis Gastmann , Frank Ortmann
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 15.08.2014
ISBN 9783871347733
Genre: Sachbücher

Rezension:

Würde man drei Weise bitten, über das Buch von Dennis Gastmann zu schreiben, sie würden drei verschiedene Geschichten erzählen:

Der Bewunderer berichtet von einem der besten Bücher, die der Planet je gesehen hat. Geistreich, sprachgewandt, humorvoll und echt wie sein Autor. Ohne ihn wäre ein Buch nur ein Buch. Seelenloses Papier. Ein schlauer Fuchs schlüpft in ein Pinguin-Kostümchen und redet mit den „großen Tieren“. Tarnung ist alles! Heitere Camouflage. Meisterhaft gegockelt!


Der Neidische erzählt von einer glitzernden Aufzählung gesammelter Storys über Pfeffersäcke, denen das Geld zugeflogen ist, durch den Zufall ihrer Geburt, Heirat oder Lug und Trug. Die Hauptdarsteller sind Diebe. Sie rotten sich in einer geschlossenen Gesellschaft zusammen und harren gemeinsam aus um nichts von ihrem Reichtum abgeben zu müssen. Gated Community. Er würde den Scharlatanen ins Gewissen reden wollen. Welches Gewissen? Der Neidische vermißt einen Krösus der Ballast abwirft, spendet oder verzichtet. Fehlanzeige! Außer dem einen. Ein entflohener arabischer Papagei, grau mit rotem Schwanz. Der Wüstensohn hatte genug vom goldenen Käfig. Verschwörungstheoretiker sind sich sicher: Der gefiederte Held sitzt jetzt in den Blättern einer Palme und kreischt: Willkommen auf Star-Island!


Der Psychologe macht aus dem Buch ein Drama. Ein Märchen mit traurigen Zügen. Über allem Glanz und Gloria schwingt ein Hauch Melancholie. Erinnert an die bleierne Bürde von Erbe und Besitz. Geld ist nicht grundsätzlich böse. Es ist wie Alkohol. Auf die Dosis kommt es an, sonst macht man sich am Ende noch lächerlich. (wenn es nicht so traurig wär). Die Welt der Reichen ist ein Gefängnis und sie haben sich selbst darin eingeschlossen.
Und der Trost des kleinen Mannes?
Wer viel hat und nichts muss, darf auch keine Wunder vom Leben erwarten! Kein Kribbeln mehr. Kein Kessel Brausepulver. Nur noch Langeweile.

Würde man mich zum Buch befragen?
Man kann es auf viele Arten interpretieren. Unterm Strich enthält es vorallem viel kluge Wahrheit. Man wünscht, es wäre ein niedlicher Phantasieroman. Doch blicken wir der Realität ruhig ins Auge. Frei von Neid und ohne Drama. Nur eine gescheite Portion Ironie muss erlaubt sein. Sonst wäre das Reich der Reichen nicht auszuhalten. Dem Autor ist das gelungen. Er hat hervorragend recherchiert, scharfsichtig beobachtet, Respekt gewahrt und mit genialer Komik erzählt. Hat durch unaufgeregte Fragen bereits Antworten geliefert. Sich dabei hoffentlich nicht infiziert. 

 
Ein einziger gelungener Streich!

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Tags: geld, glück, reichtum   (3)
 

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dschungel, west papua, fayu, dschungelkind, sabine kuegler

Dschungeljahre

Doris Kuegler
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 07.02.2011
ISBN 9783865915856
Genre: Biografien

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afrika, beschneidung, model, somalia, flucht

Wüstenblume

Waris Dirie ,
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2007
ISBN 9783426779781
Genre: Biografien

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463 Bibliotheken, 10 Leser, 6 Gruppen, 39 Rezensionen

kindheit, familie, armut, usa, amerika

Schloss aus Glas

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diana, 06.06.2006
ISBN 9783453351356
Genre: Biografien

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usa, erzählungen, kurzgeschichten, trennungen, short stories

Verliebte Lügner

Richard Yates , Anette Grube
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 11.05.2009
ISBN 9783442739448
Genre: Romane

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53 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

familie, ehe, erwartungen

Zeiten des Aufruhrs

Richard Yates , Hans Ulrich Wolf
Flexibler Einband: 358 Seiten
Erschienen bei btb, 11.10.2011
ISBN 9783442743490
Genre: Romane

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familie, alkohol, umziehen, pookie, emily

Easter Parade

Richard Yates , Anette Grube
Flexibler Einband: 346 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 04.10.2010
ISBN 9783442741700
Genre: Romane

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liebe, sterbehilfe, behinderung, jojo moyes, unfall

Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes , Karolina Fell
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 21.03.2013
ISBN 9783499267031
Genre: Romane

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england, london, harem, liebe, polygamie

Englischer Harem

Anthony McCarten , Gabriele Kempf-Allié , Manfred Allié
Flexibler Einband: 581 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.05.2009
ISBN 9783257239409
Genre: Romane

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erzählungen, liebe, kanada, frauen, gemischt

Die Liebe einer Frau

Alice Munro , Heidi Zerning
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.08.2008
ISBN 9783596510535
Genre: Romane

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59 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

erzählungen, frauen, kanada, liebe, kontrolle

Tricks

Alice Munro , Heidi Zerning
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.01.2009
ISBN 9783596510474
Genre: Romane

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