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london, england, nick hornby, fernsehen, blackpool

Miss Blackpool

Nick Hornby , Ingo Herzke ,
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 13.11.2014
ISBN 9783462046908
Genre: Romane

Rezension:

„Sie wollte keine Schönheitskönigin sein, aber wie das Leben so spielt, war sie gerade dabei, eine zu werden.“ 

Ja wie das Leben so spielt: Königinnen sind selten lustig. Aber Barbara Parker will lustig sein, sie will Fernsehkomikerin werden. Also verzichtet sie auf die glitzernde Schärpe und verlässt mit 19 ihre Heimatstadt Blackpool. 

Sie will RAUS aus der klimatisch rauen Küstenstadt in der es keinen Hafen gibt. REIN ins Swinging London! Sie will das pralle, das echte Leben spüren. London 1964 ist cool. Kulturell, politisch und modisch im Umbruch. Die Zeit von Twiggy und den Beatles. Plissee-Kleidern in Kanariengelb mit Schleife.
Barbara ist mutig und glaubt an sich, sie träumt vom großen Durchbruch und würde alles dafür tun zu unterhalten, zu singen und auf einer Bühne zu stehen. Sie will doch nur spielen! 

Ihre ersten Schritte sind holprig aber:
„Es half auch nicht, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass sie sich, wenn sie in Blackpool geblieben wäre, jetzt nach London sehnen würde. Das verstärkte nur das Gefühl, dass sie niemals irgendwo glücklich sein würde.“

Sie gibt dem Zufall eine Chance und nur so können Wunder passieren. Es ist Glück, dass sie Glück hat und Talent, Charme und Biss. Doch Erfolg wird aus Übermut gemacht und so bekommt sie die Hauptrolle in der Sitcom Barbara (and Jim). Als Sophie Straw springt sie auf das Riesenrad der Karriere auf, in dem man sich immer bewegen muss, bevor es nach dem Höhepunkt irgendwann wieder nach unten geht. Doch wann ist man am Höhepunkt?

Zwischen Erwartung und Realität, Schein und Sein, liegen Welten. So auch hier.

„Sie hatte in einer Stadt leben wollen, die sich jung anfühlte aber jetzt fand sie, dass diese Leute auch etwas Unstetes an sich hatten, als hätten sie was angestellt und wären damit durchgekommen.“

Wie ein großer Fisch in einem kleinen Teich fühlt sie sich manchmal, umringt von dicklichen Herren, beäugt wie eine Trophäe.
 
Barbaras persönliche Geschichte verliert lose den roten Faden. Streckenweise rückt sie ganz in den Hintergrund. Das ist sicherlich Absicht, denn auch die fiktiven und realen Figuren der Serie verschwimmen. Schließlich konzentriert sich die Handlung auf das Zusammenspiel des ganzen Ensembles. Auf die Macher und Darsteller vor und hinter den Kulissen einer erfolgreichen Serie. Wir begleiten die Protagonisten durch die letzten 50 Jahre, durch Höhen und Tiefen. Besonders gelungen ist das finale Wiedersehen im letzten Kapitel. Am Ende ist man überzeugt, alles habe sich im Detail bis in den letzten Dialog genauso abgespielt.

In Anlehnung an die beliebte BBC-Sitcom „Steptoe and Son“ geht es im Kern von „Miss Blackpool“ um die Beziehung zweier Drehbuchschreiber. Bei Hornby heißen sie Tony Holmes und Bill Gardener, (erinnern an Ray Galton und Alan Simpson).

Schon vor deren Verfilmung (wer weiß?) ist Hornbys Geschichte großes Kino. Am Schluss des Buches dachte ich lange über die Entwicklung von Comedy nach. Von Stan Laurel & Oliver Hardy bis hin zu Joko & Klaas.

Bevor der letzte Vorhang fällt, stellt Sophie ernüchtert fest:
„Unterhaltung hat die Weltherrschaft übernommen, und sie war nicht sicher, ob die Welt davon besser geworden war.“

Applaus, applaus für diese Worte. Ein eleganter Erzähler mit feinem hintergründigem Humor ist dieser Nick Hornby.

Dem „Spiegel“ hat dieser Roman überhaupt nicht gefallen. Schade. Dabei fällt mir noch ein Zitat aus dem Buch ein:
„Wie schrecklich war doch Bildung, wenn sie einen Geist hervorbrachte, der Unterhaltung verachtete, und damit alle Menschen, denen sie etwas wert war.“

Ich fühlte mich wunderbar unterhalten.

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Tags: britischer humo, comedy, londo, sixties   (4)
 
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