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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

dorfleben, verstrickunge, beziehungen, gesellschaft, einzelschicksal

Carambole

Jens Steiner
Buch: 288 Seiten
Erschienen bei Dörlemann, 15.08.2013
ISBN 9783908777922
Genre: Romane

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204 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 56 Rezensionen

thriller, krimi, serienmörder, serienkiller, künstler

Todeszeichen

Saskia Berwein
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 12.09.2013
ISBN 9783802589812
Genre: Krimi und Thriller

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

alter, norwegenl, alte dame, norwegen, tod

Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich

Kjersti A. Skomsvold , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.02.2013
ISBN 9783832162047
Genre: Romane

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

island, auftragskiller, kroatien, krimi, mord

Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen

Hallgrimur Helgason , Kristof Magnusson
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.09.2011
ISBN 9783423213189
Genre: Krimi und Thriller

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

thriller, linwood barclay, krimi, verschwinden, sydney

In Todesangst

Linwood Barclay , Nina Pallandt
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2010
ISBN 9783548282718
Genre: Krimi und Thriller

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253 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

kurzgeschichten, ruhm, daniel kehlmann, identität, schriftsteller

Ruhm

Daniel Kehlmann , any.way , Walter Hellmann
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783499249266
Genre: Romane

Rezension:

Was haben ein einfacher Arbeiter, eine alte Frau, ein Schauspieler, mehrere Autoren, ein Internetblogger und eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation gemeinsam? Abgesehen von ihrem Auftreten in Daniel Kehlmanns Kurzgeschichten-Roman Ruhm nur eines - ihre Wege sind auf mehr oder weniger offensichtliche Art miteinander vernetzt, auch wenn die meisten davon sich nicht einmal kennen.

Ein Schriftsteller mit der unheilvollen Neigung, Menschen, die ihm nahestehen, zu Literatur zu machen, ein verwirrter Internetblogger, ein Abteilungsleiter mit Doppelleben, ein berühmter Schauspieler, der lieber unbekannt wäre, eine alte Dame auf der Reise in den Tod: Ihre Wege kreuzen sich in einem Geflecht von Episode zwischen Wirklichkeit und Schein. Ein Spiegelkabinett voll unvorhersehbarer Wendungen - komisch, tiefgründig und elegant erzählt vom Autor der "Vermessung der Welt"., so titelt der Rowohlt-Verlag auf der Rückseite des nur rund 200 Seiten schweren Buches, doch der Umfang des Werkes sagt bekanntlich nichts über dessen Qualität aus. Was auf den ersten Blick wie eine Ansammlung verschiedener Kurzgeschichten anmutet, denen für sich betrachtet oftmals ein gewisser Tiefgang nicht abzusprechen ist, entpuppt sich bei kompletter Lektüre als ein Werk komplexer Zusammenhänge, deren Auflösung Kehlmann nach und nach preisgibt. Man muss sich nicht vis-a-vis gegenüberstehen, damit sich Wege kreuzen können, das lernt man im Laufe des Romans unweigerlich - manchmal sind diese Wege auch Sackgassen, aus denen ein Entrinnen nicht möglich scheint. Zum genauen Inhalt möchte ich nicht allzuviel preisgeben, würde dadurch doch in meinen Augen ein Großteil des Zaubers verloren gehen, der Ruhm umgibt, daher werde ich die einzelnen Geschichten im folgenden nur grob anschneiden. (Bei den fettgedruckten Textpassagen handelt es sich um Zitate aus dem Buch)

Mit Stimmen wird der Roman eröffnet, eine Geschichte von einem Techniker, auf dessen neuen Mobiltelefon Anrufe eingehen, die nicht für ihn bestimmt sind. Wie schnell kommt man in Versuchung, in eine fremde Identität einzutauchen? Ist dies überhaupt möglich und falls ja, was kann man dadurch anrichten? Unweigerlich kommt man als Leser ins Grübeln - wie würde man selber handeln? Und was ist, wenn man selber in der Situation wäre, dass jemand anderes die Anrufe erhält und beantwortet? Versteh das jetzt bitte nicht falsch. Aber wer sollte dich schon anrufen? - dieses Zitat spricht zudem für eine große Leere, die man als Leser kennenlernen wird. Stimmen wirft natürlich als Anfangsstory viele Fragen auf und lässt diese weitgehend offen, ich kann aber vorwegnehmen, der Kreis wird sich noch schließen.

Mach dir kein Bild von mir. Steck mich nicht in eine Geschichte. Das ist das einzige, worum ich dich bitte. Diese Worte bekommt der Schriftsteller Leo von seiner Partnerin Elisabeth zu hören, Leo, ein eigenbrödlerischer Mensch, der in einer eigenen Welt zu leben scheint, den Kontakt zu Menschen scheut, teils eher verachtet, und trotzdem auf Grund seiner Bekanntheit nicht um offizielle Einladungen herumkommt. Eine Beziehung, die unter der Sorge steht, als Romanfigur zu enden, aber auch davon lebt, dass Leo sie offensichtlich braucht, um in manchen Situationen nicht durchzudrehen. In Gefahr ist eine Episode, die eher dem komischen Aspekt des Romans zuzuordnen ist, gespickt mit feinem Humor und einen skurrilen Protagonisten. Aber sie zeigt auch eine ganz besondere Art der Beziehung zwischen Leo und Elisabeth, die zugleich befremdlich wirkt, aber auch unter die Haut geht.

Mein persönliches Highlight aus dem Buch folgt sogleich, nämlich Rosalie geht sterben. Wir begleiten eine alte Frau, die soeben erfahren hat, dass sie unheilbar krank ist und nicht mehr lange zu leben hat, auf ihren letzten Wegen in den geplanten Tod - nicht abwarten und leiden, sondern passive Sterbehilfe lautet ihr Plan. Doch der Weg wird ihr nicht so leicht gemacht, wie sie es gerne hätte. Rosalie, die Fluggesellschaft wird dir zwei Dinge anbieten. Einen Weiterflug, von dem man nicht weiß, wann du ihn antreten kannst, denn der Züricher Nebel ist sehr dicht, oder ein Ticket für die Bahn. Mit der kämst du zurecht. Du wirst das Bahnticket nehmen. Das ist keine lebensbejahende Geschichte. Wenn überhaupt, dann ist es eine theologische. Diese Worte des Autors an Rosalie bilden einen guten Übergang zu der Frage, die über der Geschichte schwebt: Wenn unser Leben dem Ende zugeht, kann der Autor unseres Lebens diesem eine neue Wendung verschaffen? Sind die Wege des Lebens wirklich festgeschrieben? Ist es denn so schwierig für ihn, eine Wunderheilung in das Leben eines todkranken Menschen zu schreiben? Große Fragen, auf die man im wahren Leben gewiss keine Antwort finden wird, doch wer eine Geschichte schreibt, dem steht es frei diese auch zu verändern und zu bestimmen, wo diese zu Ende geht. Nicht nur dadurch geht Rosalie geht sterben so sehr unter die Haut, abgerundet wird alles durch eine durchweg symphatische und authentische Rosalie, deren Abschiedweg sogar noch das eine oder andere Lächeln auf den Lippen hervorzaubern kann.

Die nächste Geschichte nennt sich Der Ausweg und handelt vom Schauspieler Ralf Tanner, dessen Leben plötzlich aus den Fugen gerät. Infolgedessen versucht er unterzutauchen und schlüpft in eine neue Rolle als Imitator von sich selbst. Doch während er sich unter neuem Ego eine Art zweite Existenz aufbaut, erfährt er plötzlich Neuigkeiten über sein altes Leben, an denen er nicht beteiligt war. Nicht nur er hat wohl beschlossen, eine andere Rolle zu übernehmen. Der Spruch "Weggegangen, Platz vergangen" trifft passend den Nagel auf den Kopf, stellt sich hier die Frage ob der große Ruhm auch wirklich glücklich macht - und was ist eigentlich, wenn man sein Leben einfach mal von außen beobachten kann, ja gar muß, weil der Weg zurück verschlossen bleibt?

Anstelle des Autors Leo Richter tritt Maria Rubinstein eine Reise an, die zu einer Einladung in ein nicht näher benanntes, fremdes Land führt. Mit Verwunderung wird sie empfangen, aber irgendwie nie richig in die Gruppe der geladenen Gäste integriert. Immer etwas außen vor versucht sie, das Beste aus ihrer Situation zu machen, doch am Ende ist sie auf sich alleine gestellt, in einem fremden Land und ohne gültiges Visum. Verstrickt man sich einmal in ein Netz aus Schwierigkeiten, ist es schwierig dort wieder herauszukommen. Eine beklemmende Geschichte über ein schweres Schicksal, das völlig überraschend und unverschuldet zu Stande kam. Philosophische Ansatzpunkte entdeckte ich persönlich in Osten zwar nicht, aber trotzdem packt einen die Geschichte, speziell zum Ende hin, immer mehr und mehr. "Aber ich will doch gar nicht hier sein!" Das gehe auch gar nicht. Ohne Visum. Vollkommene Absurdität, wie diese Sätze sie liefern, oder ist es tatsächlich möglich in der heutigen Zeit? Vorstellbar ist es für uns sicherlich nicht, aber alleine der Gedanke daran ist schon sehr verstörend.

Erneut führen uns Kehlmanns Wege zu einem Schriftsteller, dieses Mal aber kein Romanautor, sondern einem Autoren der Kategorie Selbsthilfebücher - erbauende Werke, die dem Leser Kraft geben sollen bzw. Anleitung dazu, sich diese wieder zu holen. An diesem Tag erreicht ihn der Brief einer Äbtissin, die ihn um ein paar Worte für ihre Mitschwestern bittet - die Antwort an die Äbtissin fällt um so überraschender aus. Liebe Äbtissin, verehrte und gesegnete ehrwürdige Mutter, Gott ist nicht zu rechtfertigen, das Leben entsetzlich, seine Schönheit skrupellos, selbst der Frieden voll Mord, und gleichgültig, ob es Ihn nun gibt oder nicht, was ich nie zu entscheiden vermochte, habe ich keinen Zweifel daran, daß mein elendes Krepieren Ihm so wenig Mitleid abfordern wird wie das meiner Kinder oder eines hoffentlich noch fernen Tages, ehrwürdige Mutter, das Ihre. Auch wenn diese Geschichte für mich eine derer ist, die mir nicht ganz so gefallen haben, so zeigt sie doch sehr deutlich, welch innere Zerrissenheit in manchen Menschen existiert, dass diejenigen, von denen man Hilfe erwartet, teils selber Hilfe bräuchten, aber auch, dass Papier geduldig ist, wie man so schön sagt. Von einer Sekunde auf die andere scheint ein komplettes Weltbild hinfällig zu sein, die Ordnung auf den Kopf gestellt, und das Ende? - Nicht viel mehr als das große Fragezeichen, das auch zuvor schon über den Dingen schwebte.

Die folgende Geschichte ist - ich drücke es mal vorsichtig aus - gewöhnungsbedürftig. Sie stellt einen Foren- oder Blogeintrag eines Internetbloggers dar, dessen Leben sich offentlichtlich nur noch rund ums Netz dreht. In Ein Beitrag zur Debatte erleben wir einen eher laienhaften Spagat zwischen der Anonymität des Internets sowie der "offenherzigen" Art des Protagonisten, seine Meinungen und Erlebnisse zu dokumentieren. Sprachlich schon nahe der Körperverletzung berichtet er ausschweifend von einem Seminar, zu dem er von seinem Arbeitgeber als Redner geschickt wurde und seinem dortigen Aufeinandertreffen mit - tada - Leo Richter. Im Gegensatz zu Leos Freundin Elisabeth möchte unser Blogger aber sehr gerne Teil einer von Leos Geschichten werden und versucht daher, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ob dieser Eindruck allerdings ausreicht, um sich in einem von Leos Romanen wiederfinden zu können? Beeindruckend ist auf jeden Fall, dass man dauerhaft so sprachlich grausam eine Geschichte zu Papier bringen kann, denn man fragt sich unweigerlich, ob darauf nicht auch hätte verzichtet werden können. Allerdings, so kann ich vorwegnehmen, wird dieser Ausflug auch auf Grund der bisherigen als auch der noch folgenden Vernetzungen benötigt. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, denn wirklich gut lesen lassen sich diese Seiten nicht - und man wird an der einen oder anderen Stelle unweigerlich in Versuchung geraten, einfach zum nächsten Kapitel überzugehen. Dieser Versuchung sollte man aber, dem sich ergebenden Gesamtbildes wegen, auf jeden Fall stand halten und sich durch die Geschichte quälen, die gerade ihrer Laienhaftigkeit und Absurdität wegen an mancher Stelle sogar ein wenig komisch ist - ob nun freiwillig oder unfreiwillig.

Wie ich log und starb handelt von einer Führungskraft mit Doppelleben. Seine Arbeit dient gleichzeitig als Tarnung für Treffen mit seiner Geliebten, wie auch für die Tage, die er daheim bei seiner Familie verbringt. Was so profan klingt, zeigt recht deutlich was für ein Lügengebilde aufgebaut sowie aufrecht erhalten werden muss, damit die ganze Wahrheit nicht ans Licht kommt, zeigt aber auch die Zerrissenheit zwischen beiden Parteien. Eigentlich nur ganz nebenbei ergeben sich neue Erkenntnisse zu den vorangegangenen Geschichten, die manches noch ein wenig klarer erscheinen lassen, auf diese spezielle aber keine besonderen Auswirkungen haben. Ich hatte abgenommen, und auch für die Klassiker hatte ich keine Aufmerksamkeit mehr, Sallust schien mir geschwätzig, Cicero inhaltsleer, denn keiner von ihnen berührte die Frage, die mich unablässig beschäftigte und meinen Verstand drehte wie das Wasser ein Mühlrad - auch wenn es moralisch verwerflich ist, so hat man doch Mitleid mit dem Protagonisten, vermutlich auch oder gerade weil sein Gewissen augenscheinlich immer wieder schmerzhaft pocht. Eine Geschichte, die das Leben geschrieben haben könnte, die deswegen zugleich trivial wirkt, aber irgendwie doch nicht zuletzt dadurch unter die Haut geht.

Den Abschluss bilden wieder Leo Richter und seine Freundin Elisabeth, die diesmal auf einem ihrer humanitären Einsätze von ihm begleitet wird. In Gefahr bildet einen krönenden Abschluss, ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren, und lässt die Grenzen zwischen Fiktion und Wahrheit ein wenig verschwimmen. Es zeigt einen anderen Leo, einen viel ruhigeren und gelasseneren, als man erwartet hätte, eine engagierte Elisabeth aber auch einen immensen Vertrauensbruch, den man so zwar hätte kommen sehen können, aber irgendwie auch nicht erwartet hätte.

Geschichten in Geschichten in Geschichten. Man weiß nie, wo eine endet und eine andere beginnt! In Wahrheit fließen alle ineinander. Nur in Büchern sind sie säuberlich getrennt. Dieses Zitat von Leo Richter bringt es auf den Punkt - während Kehlmann in seinem Buch die Geschichten trennt, so sind sie eben doch miteinander verbunden, was davon allerdings der Wahrheit entspricht und was nicht, das ist selbst für die involvierten Personen nicht immer leicht zu erkennen. Ruhm ist jedenfalls ein Buch, das nicht nur unterhalten kann, sondern auch zum Nachdenken anregt, das tiefer geht, ohne dabei seinen Unterhaltungswert zu verlieren. Sprachlich sehr gemischt spricht es sicherlich nicht jederzeit jeden einzelnen an, doch auch das gehört dazu. Kehlmann schafft es in gewisser Weise, das Buch nicht selber zu schreiben, sondern durch seine Figuren schreiben zu lassen - und das schlägt sich eben auch im Stil nieder. Es regt zum Nachdenken an, ist dabei aber erstaunlich wertfrei, an keiner Stelle hat man den Eindruck, der moralische Zeigefinger würde sich erheben oder den Leser in eine gewisse Richtung lenken. Vielmehr werden indirekt Fragen aufgeworfen, die jeder für sich finden muss, genau wie die zugehörigen Antworten.

Ruhm war ein Zufallstreffer, ein Buch von dem ich gelesen habe, an dem ich ansonsten blind vorbeigelaufen wäre. Ich bin aber wahnsinnig froh, dass es nicht so gekommen ist, denn ich bereue (fast) keine Seite des Buches. Nebenbei bemerkt glaube ich auch, dass Ruhm durchaus Potential zum mehrfachen Lesen hat, denn auch wenn manche Verknüpfungen und Geschehnisse bereits bekannt sind, so geht keine große Spannung verloren - die Auflösungen, auf die es wirklich ankommt, findet man nicht im Buch, sondern im eigenen Kopf. Mein Ergebnis lautet daher ohne Zweifel: 5 Sterne und eine unbedingte Empfehlung, jedoch nicht als leichte Urlaubslektüre oder als Ersatz für den Krimi vorm Schlafengehen, sondern eher für ruhige Momente bei einer gemütlichen Tasse Tee, oder einfach auch mal nur so zwischendurch, wenn man die Zeit und Lust hat, sich ein wenig fallen zu lassen.

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Der streitbare Prophet

Arthur W. Upfield
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 01.09.1998
ISBN 9783442002320
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wieder mal ist es geschehen – wieder mal war die Versuchung stärker als ich. Trotz etlicher noch ungelesener Bücher konnte ich nicht widerstehen in der Wühlkiste bei Real zuzuschlagen. Dort findet sich eine immense Auswahl an „Mängelexemplaren“ die von der Preisbindung befreit sind. Darunter befand sich auch das Buch, welches ich im folgenden etwas näher bringen möchte, nämlich

Arthur W. Upfield – Der streitbare Prophet
Ein Australien-Krimi

Nun ist jedoch nicht Arthur W. Upfield dieser Prophet und der Titel nicht „Ein Australien-Krimi“, sondern letztes nur ein Untertitel, der wohl Neugierde wecken soll. Bei mir hat dies jedenfalls perfekt gewirkt, denn gerade dieser Untertitel hat mich dazu bewegt, dieses Buch genauer zu betrachten.


In dem Buch geht es um den australischen Inspektor Napoleon Bonaparte, der sich nach einem Einsatz am anderen Ende des Kontinentes dort ein paar Tage Urlaub gönnen möchte. So ganz ohne beruflichen Hintergedanken nistet er sich jedoch nicht in Cowdry, einem recht verschlafenen Örtchen ein. Schliesslich ist dort erst vor kurzem der Meteorologe Ben Wickham unter ungeklärten Ursachen nach einem Saufgelage ums Leben gekommen. Für den Arzt und die Polizei gab es keinerlei Zweifel, dass Ben Wickham durch Herzversagen in Folge von zu viel Alkohol gestorben ist – schliesslich war er auch nicht mehr der Jüngste. Sein Freund und Nachbar John Luton allerdings sieht dies anders. Für ihn war es ein klarer Mord, der nun, nach der Verbrennung von Bens Leiche, nicht mehr nachweisbar ist. Schliesslich hatte Ben Wickham nicht nur Freunde. Seine auf die Stunde genau stimmenden Wettervorhersagen, auch für lange Zeit im Voraus, haben ihn bei den Farmern beliebt gemacht, den Geschäftsleuten war er jedoch ein Dorn im Auge. Durch die ausbleibenden Investitionen der Farmer konnte aus deren Unglück während Dürreperioden kein Gewinn geschaffen werden.
Während seines Aufenthaltes lernt Inspektor Bonaparte, kurz Bony genannt, einige skurrile, aber auch einige recht sympathische Einwohner kennen, die sehr unterschiedlich auf seine Anwesenheit reagieren. Als Bony dann plötzlich von seinem Chef wieder nach Hause gerufen wird merkt er, dass in Cowdry etwas nicht so ganz stimmt. Dieser Verdacht soll sich auch bestätigen, denn hier sind viele unterschiedliche „Mächte“ am Werk, die alle nur hinter einem her zu sein scheinen – Ben Wickhams Formeln. Doch der Verbleib dieser muss ebenfalls erst mal geklärt werden.
Während seiner Anwesenheit und seinen mehr oder weniger verdeckten Ermittlungen bekommt Bony Einblick in manch interessante Verbindungen und Beziehungen, in Freundschaften und Feindschaften und scheint der Lösung immer nur Stückchenweise näher zu kommen, die den Leser am Ende eher überraschen wird.


Zu viel zum Inhalt und der Handlung möchte ich hier nicht preisgeben, da ein Krimi immerhin von der Spannung lebt. Diese baut sich Seite für Seite immer ein Stückchen mehr auf. Zieht sich der Anfang recht stark hin, wobei man öfters geneigt ist, das Buch zur Seite zu packen, so ist es ca. ab der Mitte so mitreißend, dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Arthur W. Upfield versteht sich darin, den Leser in die Geschichte versinken zu lassen. Detaillierte Beschreibungen lassen ein genaues Bild der Umgebung entstehen, so dass man sich richtig in die Umgebung hineinversetzen kann. Jeder mag hier zwar noch genügend Platz für seine eigene Auslegung haben, jedoch wird es dem Leser schon fast aufgezwungen sich irgendein Bild von Cowdry, den Bewohnern und der Landschaft zu machen.
Teils ist es erstaunlich, aber auch erschreckend wie aktuell dieses Buch zu sein scheint, wo die Geschichte bereits fast 50 Jahre auf dem Buckel hat. Dennoch hängt man nirgendwo an Beschreibungen seltsamer Bräuche oder Gegenstände, die heute nicht üblich sind. Es könnte eine Geschichte aus dem hier und jetzt sein, da sie absolut real wirkt. Hier erkennt man deutlich die Erfahrungen, die Arthur W. Upfield – ein gebürtiger Engländer – nach seiner Auswanderung nach Australien gemacht hat. Er hat den Vorteil, er kennt Australien, so wie die Europäer es sehen, aber er kennt es auch als Einheimischer und vermutlich ist es diese Verbindung unterschiedliche Blickwinkel, die die Geschichte so real erscheinen lässt.

Trotz alle dem ist die Story an manchen Stellen wahrlich etwas übertrieben. Würde ich Beispiele nennen, würde ich schon wieder mehr von der Story verraten, als ich eigentlich möchte, ich kann aber getrost sagen, dass die Wahl der „Bösewichte“ etwas unrealistisch ausgefallen ist. Wie bereits erwähnt wird jedoch das Ende den Leser trotzdem überraschen.

Probleme bereitet dieses Buch allerdings an manchen Stellen beim Lesen. Hier erkennt man doch das Alter der Geschichte, da manche Formulierungen einfach nicht mehr ganz so gebräuchlich sind. Dies mag eventuell auch an dem Schauplatz auf der anderen Seite der Erde liegen, letztlich ist der Grund jedoch zweitrangig dem Ergebnis gegenüber. Dies stoppt den Lesefluss ein wenig, da man manche Sätze, teilweise auch ganze Absätze 2-3 Mal durchlesen muss, bevor man richtig durchblickt. Dem geübten Bücherwurm mag dies kein Problem bereiten, für mich als mittlerweile aus der Übung gekommenen ist es manchmal nervig.

Nun stellt sich wie so häufig noch die Frage, ob dies Buch empfehlenswert ist. Nun, wer es nicht bereits zwischen den Zeilen heraus gelesen hat, der bekommt es nun schwarz auf weiss, es ist definitiv sehr zu empfehlen. Es ist nicht nur spannend – zumindest später – sondern zaubert einem auch noch an manchen Stellen ein Lächeln oder sogar ein Lachen zwischen die Mundwinkel. Ebenfalls diese Verbindung von Spannung und Humor meistert Arthur W. Upfield meisterhaft, ohne dabei zu sehr ins Lächerliche zu rutschen. Es ist eher die Cleverness und Gewitztheit der Titelfigur seine Romane, die diesen Zustand herbeiführt. Die teilweise etwas schrulligen Charaktere, auf die Bony trifft tragen natürlich auch ihren Teil dazu bei.

Abschliessend bleibt nur ein Urteil im Bereich des Möglichen – 5 Sterne und eine vollkommende Empfehlung, durch die hakeligen Stellen mit komplizierter Formulierung leichte Abzüge in der B-Note und meinerseits aus mal wieder ein Treffer ins Schwarze bei der richtigen Wahl der Lektüre. Lasst es euch nicht entgehen, die paar Euros ist das Buch definitiv wert :-)

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Hin- und Widersprüche

Werner Mitsch
Fester Einband: 126 Seiten
Erschienen bei Rosenheimer Verlagshaus, 01.09.2005
ISBN 9783475530074
Genre: Comics

Rezension:

ein Ferkel zur Sau zu machen." (Neue Hin- und Widersprüche, S. 18)

Einer besonderen Herausforderung möchte ich mich heute widmen, einem Buch. Sicherlich ist es nicht das schwierigste, über einen Roman zu schreiben, ein Sachbuch anzupreisen oder sich mit einem Bilderbuch auseinander zu setzen, doch dieses Buch ist anders, genau wie sein Autor.

Werner Mitsch ist ein 1936 in Stuttgart geborener Aphoristiker. Aber was ist das eigentlich? Dazu hier ein Zitat aus Wikipedia:

"Ein Aphorismus ist ein philosophischer Gedankensplitter, der üblicherweise als kurzer, rhetorisch reizvoller Sinnspruch (Sentenz, Aperçu, Bonmot) formuliert und als Einzeltext konzipiert wurde."

Zu Deutsch - Aphorismen sind hintergründige, meist auf humorvolle Weise formulierte Sprüche, die zum Nachdenken anregen sollen. Daher spricht aus ihnen meist eine gewisse Zweideutigkeit. So eignen sich Aphorismen gleich doppelt, als Unterhaltung für Zwischendurch oder als anspruchsvolle Lektüre für nachdenkliche Stunden.

Und was macht nun die Schwierigkeit an diesem Bericht aus? Einerseits handelt es sich bei dem Buch "Hin- und Widersprüche", man beachte hier bitte schon das Wortspiel im Titel, um eine Sammlung von diversen Aphorismen. Es gibt also keinen Plot, keine Handlung in diesem Buch. Das zweite "Problem" ist der Autor selber. Selten habe ich es erlebt, dass ein Mann so geheimnisvoll zu leben scheint wie Werner Mitsch. Zwar ist er als einer der größten Aphoristiker Deutschlands bekannt, aber mehr ist trotz Google nicht über ihn herauszufinden. Nicht einmal bei Wikipedia ist er geführt, was eigentlich schon eine Schande ist. Doch was soll man auch über ihn berichten, wenn scheinbar nichts über ihn bekannt ist?

Fakt ist jedenfalls, dass seine Aphorismen an etlichen Stellen wiederzufinden sind.

Daher kann ich so keine Informationen zum Autor zur Verfügung stellen, auch wenn ich es gerne getan hätte. Nicht nur für den Bericht, auch für mich selber wäre es interessant gewesen, was Werner Mitsch so für ein Mensch ist, denn seine Aphorismen sind zweifelsohne sehr unterhaltsam. Auch in "Hin- und Widersprüche" hat er etliche Lebensweisheiten zu Papier gebracht, größtenteils verpackt in einem beeindruckenden Wortwitz mit einer hintergründigen Komik. Sicher, nicht jeden Aphorismus versteht man auch, manche davon sind einfach zu speziell, aber über viele kann man schmunzeln, über einige auch herzhaft lachen. Aber nicht nur Humor findet sich auf den 126 Seiten wieder, die etwas größer als DIN A6 gehalten sind. Auch ernste, nachdenkliche Themen hat Werner Mitsch in seinem Buch verpackt. "Einbildung ist die unterste Sprosse der Leiter am Baume 'Größenwahn'" - um nur ein Beispiel zu nennen - ist einer dieser Aphorismen, die ich meine. Oftmals wird es bei der Lektüre vorkommen, dass man sich dabei erwischt, zustimmend mit dem Kopf zu nicken, denn der größte Teil dessen, was Werner Mitsch hier schreibt, hat Hand und Fuß und lässt sich gut nachvollziehen.
Doch auf den 2 x 126 Seiten (2x, da in dieser Ausgabe zusätzlich das Buch "Neue Hin- und Widersprüche" enthalten ist) finden sich nicht nur aneinandergereihte Wörter, die Aphorismen bilden, nein, es sind auch Bilder vorhanden. Ulrik Schramm brachte einige der Aphorismen bildlich zu Papier. Sehr gelungene Zeichnungen in eigenwilligem Stil, jedoch nicht sehr humorvoll umgesetzt. In gewisser Weise sind die Zeichnungen zu sachlich für den hintergründig komischen Schreibstil von Werner Mitsch, passen aber auf Grund der größtenteils ernsten Thematik hinter den Aphorismen wieder gut ins Gesamtbild. Schließlich sollen die Zeichnungen nicht vom eigentlichen "Thema" des Buches ablenken, sondern dieses nur unterstützen. So wird das ganze auch ein wenig aufgelockert, denn 126 Seiten nur mit Aphorismen sind sicherlich keine leichte Kost.

Ja, mehr bleibt eigentlich nicht zu sagen, denn wie gesagt, es ist ein schwieriger Bericht, so ganz ohne Story, ohne Infos über den Autor, aber ich hoffe, ich habe es gut gemeistert. Jedenfalls möchte ich dem Buch gerne 5 Sterne und eine volle Empfehlung geben, die Gründe dafür liegen im Inhalt, aus dem ihr am Ende des Berichtes noch ein paar Beispiele finden werdet. Der teils sehr trockene Humor von Werner Mitsch, gepaart mit den verarbeiteten Themen, machen "Hin- und Widersprüche" zu einem perfekten Werk für Zwischendurch, an einem Stück sollte man es jedoch nicht lesen, denn die leichteste Kost ist es sicher nicht.

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107 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

krimi, münchen, serienmörder, frauenmörder, vergewaltigung

Kalteis

Andrea Maria Schenkel
Flexibler Einband: 186 Seiten
Erschienen bei btb, 04.05.2009
ISBN 9783442738007
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ort des Geschehens: Deutschland
Wir schreiben die Zeit des Nationalsozialismus, der 2. Weltkrieg ist jedoch noch fern.

Im tiefsten Bayern, in der Nähe von Ingolstadt, macht sich die junge Kati auf den Weg nach München. Dort möchte Sie mit einer Anstellung als Dienstmädchen ihr Geld verdienen. Elegant möchte Sie sein, wie die schönen Frauen in den Magazinen. Und ein hübsches Mädchen ist sie bereits. Ihre erste Anlaufstelle ist eine Verwandte in München, doch dort ist kein Platz für Sie. Das wusste Sie bereits vorher, daher geht Sie direkt weiter zu einer Freundin, wo sie ein paar Tage bleiben kann. Ihre Aufenthaltsorte in der nächsten Zeit verschwimmen jedoch ein wenig, mal ist sie hier, mal dort.
Genauso wechselhaft wie die Übernachtungsmöglichkeiten von Kati ist die Handlung, denn zu dieser Zeit treibt ein Serienmörder- und vergewaltiger im Münchener Umkreis sein Unwesen. Die Handlung springt zwischen Katis Geschichte, den einzelnen Morden sowie Zeugenaussagen hin und her, lässt auch den Mörder selber zu Wort kommen. Ebenfalls sein Verhör durch die Polizei wird immer wieder zwischendurch aufgegriffen.

Grob zusammengefasst ist dies die Handlung des Buches "Kalteis" von Andrea Maria Schenkel, der Gewinnerin des Krimi-Preises 2007 für Ihr Erstwerk "Tannöd".

Andrea Maria Schenkel wurde 1962 in Regensburg geboren und landete mit Ihrem Debut im Jahr 2006 einen Beststeller. Jedoch geriet sie schon damals in die Kritik, wurde ihr doch vorgeworfen, dass Ihr Buch ein Plagiat sei. Nun folgte mit "Kalteis" 2007 ein weiterer Kriminalroman, der auf einem historischen Verbrechen beruht.

Doch was macht einen Krimi eigentlich aus? Klassischerweise geschicht zu Beginn ein Verbrechen, das im Laufe des Romans aufgeklärt wird. In seltenen Fällen - so z.B. auch bei "Yates ist tot", einem Gemeinschaftswerk mehrerer irischer Autoren - erfährt der Leser schon zu Beginn den Täter, die Handlung an sich verzweigt sich aber immer mehr in eine andere Richtung, so dass das Anfangsverbrechen nebensächlich zu werden scheint. Bei "Kalteis" ist dieses anders. Hier fehlen eigentlich alle Aspekte, die einen klassischen Krimi ausmachen. Der Täter ist von Anfang an bekannt, es fehlt der Kriminalist und die Haupthandlung, die den roten Faden des Buches bildet, ist belanglos, fade und uninteressant. Was reizt da überhaupt dazu, das Buch zu Ende zu lesen? Hoffnung - Hoffnung auf eine Wendung, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Neugier darauf, was die Geschichte von Kati mit dem ganzen zu tun haben wird. Vielleicht auch einfach nur der Wille durchzuhalten und nicht aufzugeben? Letztendlich ist es bei mir sicherlich eine Mischung aus allen 3 Punkten gewesen, sowie die Zuversicht, dass nach 160 Seiten alles vorbei sein wird.

So, die Handlung wäre nun zerrissen, doch was ist mit dem - naja, sagen wir eigenwilligen Schreibstil von Andrea Maria Schenkel? Sie schafft es auf faszinierende Weise, dass man keinerlei Gefühle zu den Personen aufbaut. Die Schilderungen sind dermaßen nüchtern, dass man schon fast geneigt ist, Sympathie zum Täter aufzubauen. Zusätzlich erschwert die sehr naive Schreibweise und Grammatik das Lesen neben dem bayrischen Sprachgebrauch an manchen Stellen sehr. Doch vielleicht ist es gerade dieses unkonventionelle, sachliche Schreiben, das den Reiz dieses Buches ausmacht? Schließlich habe ich es ja bis zum Ende gelesen und muss gestehen, dass ich mich nach einigen Seiten schon an den Stil gewöhnt habe. Im Vergleich dazu war Elia Barcelo's "Das Rätsel der Masken" mit seinem ausschmückenden, dramatisierenden Stil, welches ich im Anschluss gelesen hatte, schon sehr schwere Kost für mich.

Was für ein Fazit soll man einem Buch geben, dessen Handlung - falls man den Inhalt so nennen kann - einen nicht fesselt, dessen Schreibstil mehr an ein ein Kind erinnert als an eine Frau über 40 und das einen in keinster Weise irgendwie berührt? Kann man sagen, dass es lesenswert ist? Es ist schließlich mal etwas anderes als der ganze Einheitsbrei. Sicherlich bin ich weniger voreingenommen als manch anderer Leser, da ich Schenkels Erstwerk "Tannöd" nur vom Hörensagen kenne. Aus diversen Rezensionen habe ich jedoch den Eindruck bekommen, dass dieses vom Stil her sehr ähnlich ist. Für mich als "Schenkel-Erstleser" war es sicherlich eine neue Erfahrung, die ich auch in gewisser Weise nicht bereue, jedoch muss ich diese Erfahrung nicht nochmal wiederholen. Für den Mut zu etwas neuem vergebe ich hier 2 Sterne, eine Empfehlung zum Kauf für 12,90 Euro kann ich jedoch nicht aussprechen. Wenn man dieses Buch nicht gerade - so wie ich - geschenkt bekommt, kann man sein Geld in wesentlich bessere Lektüre investieren. Wer jedoch keine hohen Ansprüche an Spannung und Gefühle in einem Kriminalroman stellt und nur eine kurze Lektüre für graue Winterabende sucht, der könnte hier seine Erfüllung finden.

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(1.012)

1.519 Bibliotheken, 14 Leser, 8 Gruppen, 116 Rezensionen

freundschaft, auschwitz, holocaust, juden, konzentrationslager

Der Junge im gestreiften Pyjama

John Boyne , Brigitte Jakobeit
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 01.03.2009
ISBN 9783596806836
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Etwas verspätet, als Austausch für ein Buch, das ich schon hatte, kam Mitte Januar ein weiteres Weihnachtsgeschenk bei mir an. Selten habe ich zuvor ein so nichtssagendes Buch erlebt, denn selbst nach Studie des Klappentextes wusste man nicht ansatzweise, worum es geht. Ein wenig fantastisch, evtl. auch etwas lustig könnte es sein, so habe ich es mir zumindest vorgestellt. Doch auch hier sollte es ganz anders kommen, als ich dachte.

Bruno ist 9 Jahre alt und wohnt mit seinen Eltern und seiner 3 Jahre älteren Schwester in einem großen Haus in Berlin (5 Etagen wenn man Keller und Dachboden mitzählt). Als er eines Tages nach Hause kommt sieht er, wie Maria, das Hausmädchen, seine Sachen aus dem Schrank räumt und einpackt (auch die ganz hinten, die keiner sehen soll). Er erfährt, dass sie aus Berlin wegziehen müssen, da sein Vater eine andere Arbeit zugewiesen bekommen hat. Natürlich ist Bruno nicht sehr glücklich darüber, er muss schließlich seine Freunde, seine Großeltern und das Haus in Berlin zurücklassen. Nach "Auswisch" sollen sie ziehen, wo immer das auch liegt. Doch Bruno muss sich geschlagen geben und schon kurz darauf findet er sich in dem grässlichen Haus in Auswisch wieder, ohne Freunde, ohne Treppengeländer zum rutschen, ohne Ecken und Winkel, wo er forschen und entdecken kann.
Von seinem Zimmer aus sieht er einen großen Zaun. Auf der anderen Seite sind etliche Menschen, die scheinbar in Baracken leben. Alle tragen die gleichen, gestreiften Pyjamas und wirken nicht sehr fröhlich. Also macht sich Bruno eines Tages auf Entdeckungsreise an dem großen Zaun entlag. Als er schon fast aufgegeben hätte, sah er einen Jungen auf der anderen Seite sitzen - ein Junge, der genau so alt war wie Bruno. Dies sollte der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft sein, die mehrmals auf harte Proben gestellt werden wird.

Nicht lange braucht man als Leser um herauszufinden, dass diese Geschichte zur Zeit des Nazi-Regimes spielt und Auswisch = Auschwitz ist. Stück für Stück wird beim Lesen die ganze Dramatik der Geschichte um Bruno immer deutlicher, eine Geschichte eines Jungen, der von seinen Eltern und dem Umfeld eigentlich weltfremd aufgezogen wurde, denn er hat keine Ahnung, was eigentlich Sache ist. Doch gerade diese Naivität, mit der Bruno durch die Weltgeschichte läuft, macht dieses Buch wieder zu etwas besonderem. Es ist keine trockene, auf Fakten basierende Erzählung über die damlige Zeit, wie es so viele gibt - nein, es ist einfach die Geschichte eines Jungen, der in dieser Zeit lebte, aber nichts von den Dingen wusste, die um ihn geschahen, der sich vielleicht auch nicht sonderlich dafür interessierte, weil er so erzogen wurde, dass er nicht zu viele Fragen stellen sollte. Für Bruno war es wichtig, bei seiner Familie zu sein, aber auch nicht alleine zu sein. Er ahnte, dass er sich nicht mit Schmuel, dem Jungen auf der anderen Seite des Zaunes, treffen durfte - doch da er nie davon erzählte, wurde es ihm nie verboten. Und da es nicht verboten ist, ist es dann erlaubt? Es war für Bruno ein kleines Abenteuer und eine Selbstverständlichkeit zugleich.

Was für mich das Besondere an dem Buch ausmacht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Bruno manche Dinge sieht. Eine Selbstverständlichkeit, die vielleicht heute teilweise wieder vorhanden ist, damals aber genau das Gegenteil war. Für Bruno war es egal, aus welchem Land ein Mensch kam, welche Religion er hatte, welche Farbe seine Haut hatte. Bruno sah "in die Menschen hinein", er beurteilte sie nach Ihrem Wesen. Die Soldaten waren ihm meist nicht geheuer, außer sein Vater natürlich. Er war Brunos Idol, paradoxerweise. Bruno sah die Welt in einer naiven Weise, von der sich manch einer eine Scheibe von abschneiden könnte. Abgesehen von seiner Familie ging Brunos Sympathie immer zu den Leuten, die vom Rest verachtet wurden. Für ihn waren einfach alle Menschen gleich. Sicherlich wird dies in der damaligen Zeit ein absoluter Ausnahmefall gewesen sein, doch dieses Buch zeigt, dass es doch die Wahrheit sein könnte, wenn jemand behauptet nicht zu wissen, was damals in Auschwitz etc. passiert ist.

Ist es deswegen eine Verharmlosung des Nationalsozialismus? Nein, im Gegenteil, durch die Sicht von Bruno wird eben dieser in meinen Augen noch grausamer, noch deutlicher herausgestellt. Brunos Geschichte zeigt, wie seltsam es in der damaligen Zeit gewesen sein muss, menschlich zu sein. Ohne zuviel über das Ende des Buches verraten zu wollen - gerade dieser Punkt macht das Ende noch um so grausamer. Ich habe das Buch abends, vorm Einschlafen, zu Ende gelesen und kann jedem nur raten: Wählt einen anderen Zeitpunkt. Das Ende ist wirklich ein harter Brocken.

Dass dieses Buch ein Jugendbuch ist, kann ich nur bedingt nachvollziehen. Sicherlich ist es eine Thematik, mit der man sich irgendwann einmal beschäftigt haben sollte, doch ist es meiner Ansicht nach auch keine Jugendlektüre für zwischendurch. Ich denke, für die Schule wird es schon geeignet sein, ob ich es einem 14-jährigen Jugendlichen einfach so schenken würde, wage ich zu bezweifeln. Der Stoff ist doch schon recht speziell, genau wie die Art und Weise der Aufarbeitung. Ich bereue nicht, dieses Buch gelesen zu haben, glaube aber nicht, dass ich vor 10 Jahren die Tiefe des Buches komplett erkannt hätte.

Somit kann ich für das Buch schon eine Empfehlung aussprechen, werde aber nur 4 Sterne vergeben, da es für die eigentliche Zielgruppe in meinen Augen nicht 100%ig geeignet ist. Trotz allem ist die Geschichte Brunos eine der bewegendsten, die ich jemals gelesen habe und hat in meinen Augen das Potential ein Klassiker zu werden.

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paris, liebe, erotik, autor, spanien

Das Rätsel der Masken

Elia Barceló , Stefanie Gerhold
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2007
ISBN 9783492250481
Genre: Romane

Rezension:

~ ..., die Liebe ist die Welt. ~ (Dr. phil. Manfred Hinrich)

Ein beliebtes Weihnachtsgeschnk für mich ist ein Buch - ich lese gerne und hier bin ich auch eigentlich nicht sehr wählerisch. Nur um Liebesromane und historische Romane mache ich gerne einen Bogen, wenn es sich vermeiden lässt. Unter anderem konnte ich dieses Jahr unter dem Tannenbaum "Das Rätsel der Masken" von Elia Barceló finden - auf den ersten Blick riss es mich allerdings nicht vom Hocker.

Meine ersten Assoziationen zu Titel und Aufmachung waren "Venedig" - vermutlich durch die Masken - und "Mittelalter" (wieso auch immer), sowie Liebesgeschichte - durch das Cover bedingt. Wie man sich doch täuschen kann, aber dazu später mehr.

Elia Barceló ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine gebürtige Spanierin. Nachdem sie in halb Europa Anglistik, Amerikanistik und Hispanistik studierte, unterrichtet Barceló heute selber an der Universität in Innsbruck. Aus ihrer Feder sind bisher bereits jeweils 6 Romane sowie Jugendbücher entsprungen, "Das Rätsel der Masken" ist nun ihr 7. Roman. (Quelle, wikipedia.de)

Wie man schon merkte, nahm ich das Buch mit mehr oder weniger gemischten Gefühlen entgegen. Auch der Klappentext hält sich eher bedeckt, auf Anhieb weiß man nicht genau, womit man es zu tun haben wird. Doch als das Buch an der Reihe war, habe ich mich "wagemutig" draufgestürzt und bin mit den Seiten immer tiefer in die Geschichte von Ariel, Amelia, André und Raul versunken.

Ariel Lenormand, genannt Ari, ist Dozent an der Uni Heidelberg. Sein Ziel - eine lückenlose Biografie über den argentinischen Schriftsteller Raul de la Torre zu verfassen. Aus diesem Grund vermittelt André, ein alter Freund aus Paris, der auch Verleger von Raul war, ein Treffen mit Rauls Ex-Frau Amelia. Doch Amelia gibt sich verschlossen über Raul, der sich damals von ihr hat scheiden lassen, um die Polin Amanda zu heiraten, sich nach deren Tod zur Homosexualität bekannt hat und später mit dem jungen Hervé sein Leben verbrachte. Ein paar Jahre nachdem dieser dann an Aids starb, nahm sich Raul selber das Leben. Aris Ziel ist es, mehr über die Gründe zu erfahren, aber auch mehr über Rauls Persönlichkeit. Von Gespräch zu Gespräch werden jedoch Erinnerungen in Amelia wach, die sie lieber im Verborgenen gelassen hätte. Dennoch schöpft sie im Laufe der Zeit immer mehr Vertrauen zu Ari, der sich auf eine unerklärliche Weise zu Amelia hingezogen fühlt. Teils durch Zufall, teils durch Amelia gelangen immer mehr dunkle Geheimnisse der Vergangenheit ans Tageslicht, die für alle Beteiligten zwar Fragen klären, aber auch wieder neue stellen. Nur, wer alles weiß, wird am Ende das Puzzle zusammenfügen können, es ist aber nicht jeder bereit, sämtliches Wissen zu teilen.

Wird Aris Biographie ein Erfolg? Werden alle Fragen geklärt? Was wird aus Ari und Amelia? Dies alles möchte ich vorab nicht verraten, auch weil ich ansonsten zu sehr ins Detail gehen müsste. Doch ich kann sagen, es bleibt bis zur letzten Seite spannend.

Wie anfangs schon angedeutet, habe ich keine zu hohen Erwartungen in dieses Buch gesetzt. Letztendlich wurde ich jedoch mehr als positiv überrascht. Was unspektakulär beginnt, steigert sich immer mehr in ein Versteckspiel der einzelnen Charaktere. Keiner ist bereit, all seine Informationen preiszugeben - nicht mal Ari teilt all seine Rechercheergebnisse mit Amelia. Der Leser allerdings ist allen immer einen Schritt voraus, denn keine der Figuren steht im Mittelpunkt. Man erlebt das Jetzt im Zuge von Aris Recherchen, aber auch die Vergangenheit durch Rückblenden aus Amelias Erinnerung, die sie in Briefen an Ari niederschreibt - diese bleiben allerdings vorerst noch in ihrem Besitz, ob Ari diese jemals zu Gesicht bekommen wird ist, wie sie immer wieder schreibt, noch nicht klar. So kann man als Leser das Puzzle wesentlich besser zusammenfügen, kennt man doch die Zusammenhänge. Geht dadurch die Spannung verloren? Nein, definitiv nicht, denn auch mit den einzelnen Informationen fehlen immer noch ein paar Puzzleteile zur Auflösung aller Fragen, die Rauls Leben offen ließ. Auch dadurch, dass nur Stück für Stück weitere Informationen preisgegeben werden, formt sich das Gesamtbild nur langsam. Und wie heisst es so schön? Es kommt immer anders, als man denkt. Auch in "Das Rätsel der Masken" ist dies der Fall, denn die Geschichte nimmt immer wieder überraschende Wenden an. Mit neuen Erkenntnissen werden alte Fragen geklärt, jedoch meist neue wieder aufkommen. War der Tod von Amanda kein Unfall? Wenn nein, wer steckt dahinter? Wenn nicht Liebe der Grund für Rauls Scheidung war, was dann?

Letztendlich gibt sich jeder Charakter des Buches nur aus einem Grund so verschlossen - jeder hat sein dunkles Geheimnis, das nicht ans Tageslicht gelangen soll. Amelia hat ihres, André hat seins, selbst Andrés Lebensgefährte Yves weiß mehr, als er jemals erzählt hat. Dieses Versteckspiel ist aber nur ein Teil des Buches. Neben der detektivischen Aufklärungsarbeit Aris, die dem Buch einen Hauch von Krimi verleiht, finden wir alle möglichen Genres wieder. Auch die Liebe darf natürlich nicht zu kurz kommen, nimmt gegen Ende sogar einen immer wichtigeren Platz ein. Doch ein Liebesroman wird es dadurch noch lange nicht. Dramatik sowie Komik findet man auch oft genug in der Geschichte wieder - teilweise sogar ineinander verknüpft. Ist es schlimm, wenn man an traurigen Stellen schmunzeln muss? Nein, ich denke nicht - und dies scheint auch Elia Barcelo so zu sehen, denn komplett Ernst bleibt dieses Buch nicht überall. Gerade die sehr komplizierte Beziehung zwischen der kühlen Amelia und dem neugierigen Ari bietet einige Vorlagen für ein Lächeln - jedoch ohne das Buch ins Lächerliche abdriften zu lassen.

Sprachlich ist "Das Rätsel der Masken" sicherlich eher im anspruchsvolleren Bereich eingeordnet, passt dadurch aber wunderbar zur Geschichte. Auch diese ist nicht ganz einfach hier geht es ja auch nicht um Otto Normalverbraucher aus dem Ruhrgebiet, nein, es geht um die Ex-Frau eines gefeierten Schriftstellers, die neben ihrer Liebe zu Raul auch eine Liebe für's Schreiben hatte - um einen Professor der Literatur, der Fakten für die Biografie sucht und um die Liebe im allgemeinen, die sich immer wieder, wie ein roter Faden zwischen den einzelnen Schicksalen und Erinnerungen hindurchzieht. Die Liebe zwischen Frau und Mann, zwischen Mann und Mann, zwischen jung und alt - in vielen Variationen findet sie sich in Barcelos Werk wieder, doch genauso vielseitig wie die Liebe ist auch dieses Buch. Fantasie trifft Realismus, Erinnerung trifft Gegenwart, Freude weicht Trauer und wird wieder zu Freude - innerhalb von 2 Zeilen kann sich alles wieder ändern, und gerade dies macht die Spannung aus, die den Leser an dieses Buch fesselt.

Nach der Lektüre von Andrea Maria Schenkels "Kalteis" hat mich der ausschmückende Stil Barcelos zwar ein wenig erschlagen - dennoch liest es sich erstaunlich leicht. Auf keinen Fall ist es die leichte Lektüre für zwischendurch, man sollte sich schon ein wenig Zeit nehmen - nicht zuletzt, weil man das Buch nicht sofort wieder weglegen mag, auch dadurch, dass man die Geschichte von Amelia, Ari & Co. meist ein wenig sacken lassen muss. Mir persönlich spukte die Geschichte auch noch Stunden, nachdem ich das Buch zur Seite legen musste, im Kopf herum. Man liest sicher, dass ich aus dem Schwärmen kaum noch herauskomme, doch auch die euphorischste Lobeshymne muss irgendwann zu einem Ende kommen, genau wie jedes Buch. Für mich war es ein unvergleichbares Erlebnis, dieses Werk gelesen zu haben - vergleichen mit einem anderen Buch könnte ich es auf keinen Fall. Dies mag aber auch daran liegen, dass ich bisher eher zu anderen Genres gegriffen habe. Autoren wie Stephen King fesseln den Leser durch extreme Spannung, Wladimir Kaminer fesselt durch seinen trockenen Humor, aber Elia Barcelo hat ein Buch geschaffen, dass sowohl durch die Charactere, durch die Handlung als auch durch den Stil den Leser verleitet, dieses Buch nicht mehr so schnell aus der Hand zu legen.

Für mich bleibt hier nur ein Fazit übrig - Kaufen, sofort. Ohne die geringste Einschränkung kann ich dieses Buch empfehlen, denn sogar das Ende hat etwas für sich. Nicht ganz abgeschlossen, aber auch nicht komplett offen bildet es einen guten Abschluss für die Geschichte. Man quält sich nicht mit der Frage "Wie geht es wohl weiter", nein, man kann dieses Ende auch als Ende akzeptieren.

Von alleine wäre ich sicherlich nie auf die Idee gekommen, bei diesem Roman zuzugreifen, damit keinem anderen dieser Fehler passieren könnte, entstand dieser Bericht. 5 Sterne, leider stehen nicht mehr zur Verfügung, und eine uneingeschränkte Empfehlung von meiner Seite aus - die nächsten Bücher, die ich lese, werden wohl alle im Schatten von Elia Barcelo stehen und eine harte Probe vor sich haben.

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anwalt, recht, wahre fälle, schuld, berlin

Schuld

Ferdinand von Schirach , Burghart Klaußner
Audio CD
Erschienen bei OSTERWOLDaudio bei Hörbuch Hamburg HHV GmbH, 30.07.2010
ISBN 9783869520469
Genre: Romane

Rezension:

Eigentlich habe ich mich immer gegen Hörbücher gesträubt. Im Straßenverkehr kann ich mich nichtmal auf die Staumeldungen konzentrieren, zu Hause konnte ich es mir nicht vorstellen nichtstuend irgendwo zu sitzen und der Geschichte zu lauschen. Aber ich habe es doch mal probiert, dank der Online-Mediothek Krefeld bzw. dem dahinter steckenden Anbieter "Onleihe".

In einem Bericht von "Die_Buchhaendlerin" habe ich über das Buch "Schuld" gelesen und es auf meinen Amazon-Merkzettel gesetzt. Nun stöberte ich in der Mediothek durch das Angebot und suchte meine vorgemerkten Bücher, fand dieses Exemplar dort als Audiobook und reservierte es direkt. Wenige Tage später war es dann auch verfügbar und ich konnte loslegen - und habe durchgehalten.


*~* Der Inhalt (Quelle: Digithek) *~*

Ein Mann bekommt zu Weihnachten statt Gefängnis neue Zähne. Ein Junge wird im Namen der Illuminaten fast zu Tode gefoltert. Die neun Biedermänner einer Blaskapelle zerstören das Leben eines Mädchens und keiner von ihnen muss dafür büßen... Neue Fälle aus der Praxis des Strafverteidigers von Schirach - die der Autor von Schirach wie mit dem Zauberstab in große Literatur verwandelt hat. Mit bohrender Intensität und in seiner unvergleichlich lyrisch-knappen Sprache stellt er leise, aber bestimmt die Frage nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld und nach der moralischen Verantwortung eines jeden Einzelnen von uns.

*~* Der Autor (Quelle: Digithek) *~*

Ferdinand von Schirach, geboren 1964 in München, arbeitet seit 1994 als Anwalt und Strafverteidiger in Berlin. Mit Verbrechen, seinem erzählerischen Debüt, gelang ihm auf Anhieb der Durchbruch als literarischer Autor. Die Übersetzungsrechte wurden in 25 Länder verkauft, und das Buch wird demnächst verfilmt. Es stand monatelang auf der Spiegel-Bestseller-Liste und wurde mit dem Heinrich-von-Kleist-Preis ausgezeichnet.


*~* Die Geschichten im Detail *~*

Es handelt sich, wie aus der Inhaltsangabe im Ansatz ersichtlich ist, um mehrere Kurzgeschichten. In dem Bericht über das Buch habe ich gelesen, dass diese wohl auf den Erfahrungen des Autors als Rechtsanwalt beruhen und wahre Fälle wiederspigeln sollen, ob dem so ist, kann ich nicht beurteilen.


1. Volksfest

Auf einem Volksfest wird ein jungens Mädchen von einer ganzen Musikkapelle hinter der Bühne vergewaltigt und mißhandelt. Als einer der Männer die Polizei alarmiert scheint es, als müssten die Männer nun zur Rechenschaft gezogen werden, doch warum kommt es zu keiner Verurteilung?

Bereits in der ersten Geschichte wird man als Hörer ein wenig geschockt von den klaren, deutlichen Worten, mit denen alles geschildert wird. Nüchtern und emotionslos werden hier Details erzählt, die man lieber gar nicht wissen möchte. Von Schirach übernimmt als junger Anwalt die Verteidigung der Männer - hier kommt direkt der Konflikt zwischen Moral und Gewissen zum Vorschein, ein Sieg im Sinne der Arbeit als Verteidiger muss nicht immer ein Sieg im Sinne von Recht und Moral sein. Eine Geschichte, die zugleich schockiert, erschüttert und das Rechtsverständnis von so einigen Hörern sicherlich ein wenig ins Wanken bringen wird.


2. DNA

Es ist die Zeit um Weihnachten, Nina, ein 17-jähriges Mädchen floh vor ihrer Familie und lebt mit Ihrem Freund Thomas am Bahnhof Zoo. Ein älterer Mann bietet Nina an, mit zu ihm zu kommen, damit er an Weihnachten nicht so alleine sei, ein Angebot was Nina unter Prämisse dass Thomas mitkommen kann annimmt, es ginge ihm schließlich nicht um Sex. Als Nina ein Bad nimmt, steht der Mann plötzlich ornanierend im Badezimmer und das Unglück fängt auf tragische Weise an seinen Lauf zu nehmen.

Auch in dieser Geschichte wird wieder kein Blatt vor den Mund genommen, was die Schilderung der Vorgänge angeht. Hier zeigt sich der mögliche Wandel von Menschen im Laufe der Jahre und ebenfalls die Tatsache, dass Mord nicht verjährt. Auch wenn es so scheint, man kann der Vergangenheit nicht entfliehen. Der Wandel vom Straßenkind zum spießigen Vorstadtbürger, die Fortschritte der polizeilichen Ermittlungstechnik und ein höchst tragisches, aber auch rührendes Ende lassen DNA zu einer sehr gefühlsgeladenen Geschichte werden, die man als Hörer auch ein wenig schwer verdauen kann.


3. Die Illuminaten

Henry ist ein Außenseiter, unscheinbar und kaum beachtet. Seine Schulzeit machte ihm vom ersten Tag an Sorgen und alles schien schief zu gehen. Im Alter von 12 Jahren kommt er in ein Internat, doch auch dort wird es nicht anders für ihn. Um sich Anerkennung und Freundschaft zu erkaufen fängt er an seine Mitschüler zu bestehlen, doch als er dabei von seinen Mitschülern erwischt wird, gelangt er in einen Kreis von Anhängern der Illuminaten, die ihn für seine Schuld büßen lassen wollen. Doch die Zeremonie, mit der er von seiner Schuld reingewaschen werden würde, nimmt eine tragische sowie dramatische Wendung an.

Diese Geschichte hat mir eine halb schlaflose Nacht bereitet und in dem Teil wo ich Schlaf fand sogar noch in Form eines Traumes mitgemischt. Man fühlt mir Henry mit, wie er vom Außenseiter zum Täter wird, daraufhin zum Opfer, man spürt Mitleid, Unverständnis, man bangt richtig mit. Henry lebt in einer anderen Welt, er sieht die Dinge nicht wie ein normales Kind, und gerade das macht ihn so anfällig. Letztendlich sieht er selbst in seiner Opferrolle noch etwas gutes, die Hoffnung auf das Danach, doch so viel Tragik erwartet man am Anfang der Geschichte bei weitem nicht. Hier steht zwar nicht so der Konflikt zwischen Moral und Recht im Vordergrund, sondern eher die Dramatik des Falles an sich, doch gerade dies zeichnet die Geschichte aus. Nur bei einer weiteren Geschichte des Hörbuches musste ich stärker schlucken als bei dieser.


4. Kinder

Ein gut situierter Mann wird wegen mehrfachem Kindesmißbrauchs zur Haft verurteilt, seine Frau verlässt ihn noch während dem laufenden Prozess, und weiterhin beharrt er auf seiner Unschuld. Nach seiner Entlassung fasst er wieder einigermaßen Fuß im Leben, bis er auf sein vermeintliches Opfer von damals trifft. Wie wird er reagieren?

Wie würde man selber reagieren, wenn man Jahre unschuldig im Gefängnis verbracht hat und dann auf denjenigen trifft, dem man dies zu verdanken hat? Sucht man die Aussprache? Brennen einem die Sicherungen durch? Man kann sich in eine solche Situation wohl nur schwer reinversetzen und auch das Hörbuch hilft einem dabei nicht viel weiter, relativ oberflächlich wird die ganze Geschichte behandelt, kann mich weder stark packen noch bewegen, nur diese eine Frage bleibt letztendlich im Raum stehen, zusammen mit ein wenig mehr Skepsis an der Menschheit und der Frage, wie das vermeintliche Opfer dies zulassen konnte.


5. Anatomie

Ein junger Mann plant eine grausige Bluttat, doch das Schicksal macht ihm einen Strich durch die Rechnung, ihn zum Opfer und denjenigen, ohne den ein schreckliches Verbrechen begangen worden wäre, zum Täter. Nur durch Zufall kommen die Pläne des Mannes ans Tageslicht.

Ich möchte zu Beginn sagen, die ganze Geschichte klingt sehr an den Haaren herbeigezogen. Eine bis ins kleinste Detail geplante Gewalttat geht aus Unachtmerksamkeit schief, durch Zufall gelangt der Plan ans Tageslicht und Auslöser ist ein abgewiesener Flirtversuch. Ein Fast-Täter wird zum Opfer, ein Unbeteiligter zum Retter und Täter zugleich - hier wäre aus moralischer Sicht noch viel Potential zum Nachdenken anzuregen, doch die knappe Tatsachenschilderung am Ende im Gegensatz zu den detaillierten Ausführungen zum Plan das Täters lassen die Geschichte relativ aprupt und unerwartet enden. Hier siegt dann wohl eher die Verwunderung, schade eigentlich.


6. Der Andere

Während eines Urlaubs entdeckt ein Ehepaar die Lust am Sex mit einem 2. Mann, im Laufe der Zeit vertieft sich die Leidenschaft so weit, dass er seine Frau jedes Wochenende - mit ihrem Einverständnis - fremden Männern zur Verfügung stellt. Einer der Männer stellt sich als ehemaliger Schulkamerad heraus und von dem Moment an ändert sich etwas - und bei einem zufälligen Wiedersehen geht der Mann auf "den Anderen" los.

Relativ ausschweifend im Gegensatz zu "Anatomie" wird nun an "Der Andere" herangegangen. Ein langes Vorgeplänkel, wie sich die Leidenschaft der beiden an Sex mit einem unbekannten Dritten entwickelt, kurz angerissen das Gefühlsleben der Ehefrau nach dem Aufeinandertreffen mit dem alten Schulkamerad ihres Mannes und dann das Wiedersehen der beiden Männer. Auch diese Geschichte wirkt ein wenig abwegig, baut aber am Ende auf sehr spannende, juristische Ausführungen auf. Hier zeigt sich brilliant, wie die Wahrheit im Verborgenen bleiben kann, sofern alle Beteiligten dabei mitspielen - und das offenbar ohne Absprache und zur Wahrung sowohl der eigenen Interessen, als auch denen der anderen Beteiligten. Was ist richtg, was ist falsch? Wo ist die Grenze zwischen versuchtem Mord und Körperverletzung? Als juristischer Laie lernt man hier sogar noch ein wenig dazu.


7. Der Koffer

Während einer Polizeikontrolle fällt ein polnischer Mietwagen auf, der bis auf einen Aktenkoffer im Kofferraum komplett leer ist. In diesem Koffer finden sich 18 kopierte Farbfotos von gepfählten Leichen, der polnische Fahrer wird sofort verhaftet. Kann die Polizei klären, was es mit den Leichen auf sich hat?

Wie schon mehrfach in dem Hörbuch sind auch hier die Grenzen zwischen Täter und Opfer relativ schwer abzuschätzen, jedoch lässt dem Hörer das Verhalten des polnischen Fahrers dem Zuhörer einige Fragezeichen aufleuchten. Was den Fall angeht, ist man am Ende nicht schlauer, jedoch hat man wieder ein wenig Einblick in die Schlupflöcher der Justiz bekommen können.


8. Verlangen

Die Ehe und das gesamte Leben einer Frau schaffen es nicht mehr, ihr Interesse zu wecken. Während sie weiterhin die normale Ehefrau und Mutter spielt, entdeckt sie den Ladendiebstahl als neues Lebenselixir - bis sie zum ersten Mal dabei erwischt wird...

"Verlangen" ist eine der schwächsten Geschichten des Buches, daher möchte ich hier auch nicht viel drauf eingehen. Sie verblasst recht schnell und bleibt nur schemenhaft im Kopf zurück. Man erinnert sich, dass dort etwas war, aber Details gehen verloren. Weder in Punkto Tragik und Dramatik, noch in aufkeimenden Moralfragen ist hier viel zu erwarten.


9. Der Schlüssel

Während bei einem Drogendeal einer der Beteiligten von einem übereifrigen SEK-Kommando vorschnell festgenommen wird, läuft bei seinem Partner alles schief. Nach diversen Absurditäten wendet sich aber das Blatt zum Ende überraschend erneut...

Kann so viel auf einmal schiefgehen? Eine ganze Verkettung unglücklicher Ereignisse lassen den nicht ganz cleveren Dealer stark ins Schwitzen kommen. Als dann auch noch eine Geldeintreiberin der russischen Kontaktleute auftaucht, scheint die Sache endgültig gelaufen zu sein - für meinen Geschmack aber zu viele Zufälle, zu abwegig und letztendlich doch gelungen. Hier gibt es im Prinzip keine Opfer, nur Täter, und doch symphatisiert man mit den einen mehr und den anderen weniger. So ist es nicht verwunderlich, dass der Ausgang der Geschichte wieder Justiz-Schlupflöcher aufzeigt, aber auch Fallen der Justiz, die anders zuschnappen können, als offensichtlich vermutet. Wäre die Geschichte nicht von den ganzen Mißgeschicken durchzogen, so hätte sie einiges an Humor und Unterhaltung eingebüßt, doch dies lässt die Schere zwischen Gut und Böse noch ein wenig deutlicher erscheinen.


10. Schnee

Ein alter Mann, der einem Drogendealer seine Küche zur Verfügung stellt und dafür fast ins Gefängnis wandert, eine Anklage auf "Handel mit Waffe", die auf Grund fehlender Zähne abgewandelt wurde, eine schwangere, junge Frau aus Polen und eine im Libanon versprochene Ehe - wie das alles zusammenpasst, warum zu Weihnachten der eine neue Zähne bekommt und ein anderer welche verliert, das erfährt man in dieser Geschichte.

Auch diese Geschichte klingt sehr weit hergeholt, spricht aber wieder den moralischen Aspekt an. Was ist richtig, was falsch? Ist es verwerflich, einen Täter zu schützen, wenn die Dinge so stehen, wie sie nunmal sind? Hier drehen die Räder der Justiz aber wiedermal wunderbar zusammen, so dass Kleinigkeiten viel verändern können. Allerdings für meinen Geschmack auch wieder etwas übertrieben.


11. Einsam

Ein junges Mädchen wird von einem Freund der Familie vergewaltigt, die anschließende Gewichtszunahme, die Übelkeit, die Bauchschmerzen, die ausbleibende Regelblutung, all das wird verdrängt und plötzlich kommt ein Baby auf die Welt - um in der Toilette zu ertrinken.

Traurig, aber möglich - ein kleiner, wenn auch nur stark angeschnittener Einblick in die Psyche eines Vergewaltigungsopfers, dessen Umfeld ebenfalls die Augen verschließt. Wie würde man selber in einem solchen Fall urteilen? Das eigene Rechtsempfinden sowie die Moral müssen hier eine starke Zerreissprobe bestehen, denn eine leichte Entscheidung ist es nicht. Leider ist auch diese Geschichte für die Tiefe des Themas ein wenig zu flach gehalten.


12. Justiz

Ein vermeintlicher Buchstabendreher, ein nicht beachteter Strafbefehl und eine daraus folgende Inhaftierung. Offensichtlich ist dem Verhafteten die Tat nicht möglich gewesen, trotzdem folgt die Freilassung erst nach Wiederaufnahme des Verfahrens durch den Anwalt. Wie es dazu kommen kann, dass ein Unschuldiger im Gefängnis sitzt und dafür nichtmal entschädigt wird, erfahren wir hier.

Was in der Beschreibung vielleicht dramatisch klingt, wird in dieser Geschichte ein wenig ins Lächerliche gezogen und das alleine durch die Ignoranz des vermeintlichen Täters. Was für Kreise ein mehr als offensichtlicher Justizirrtum auf Grund einer blanken Vermutung ziehen kann, ist aber schon erschreckend. Hier fragt man sich wirklich, wo die so oft zitierte Unschuldsvermutung geblieben ist, man erkennt aber auch dass man handeln muss, wenn man zu unrecht angeschuldigt wird.


13. Ausgleich

Nach der Geburt der Tocher verliert der Ehemann das Interesse an seiner Frau, als das Kind 5 Jahre alt war, fing der Mann an ein anderes Gesicht zu zeigen, ein brutales und sadistisches. Nach einigen Jahren der Tyrannei lernt Alexandra einen neuen Mann kennen, hinter dem Rücken ihres Mannes, doch aus Scham und aus Angst um ihre Tocher bleibt sie bei ihrem Mann. Als die Tocher 10 Jahre alt war, kündigt der Mann an, dass seine Tochter nun auch reif genug sei... und die stark geschundene Mutter landet wegen Mordes vor Gericht. Ein überraschendes Urteil und die Erkenntnis, dass alles doch ganz anders gewesen sein muss folgen, doch manchmal ist es besser, wenn nicht die ganze Wahrheit zur Sprache kommt.

Ich bin schockiert von dieser Geschichte, fassungslos und mit offenen Mund saß ich vorm Rechner. Gewalt in der Ehe ist zwar keine Neuigkeit mehr in der Welt der Medien, aber in dieser nüchternen Form der Schilderung wirkt die Geschichte noch viel schlimmer - und kann trotzdem wahrscheinlich lange nicht das ausdrücken, was in solchen Fällen tatsächlich vorgeht. Die Geschicht schockiert und fasziniert zugleich, denn hier wird zum ersten Mal nicht das blanke Gesetz aufgezeigt, sondern auch mal ein Richter, der eine feste Meinung hat und bewusst das Recht zum Wohl der Angeklagten umgehen möchte. So kommt auch das überraschende Urteil in dem Prozess zu Stande, was nur durch die wissentliche Verdrängung von Fakten möglich war. Das reine Rechtsempfinden wird hier auf eine harte Probe gestellt und von Schirach hat hier den größten Gewissenskampf des Hörbuchs entfacht. Ein absolutes Highlight, in dieser Art hätte ich mir mehr gewünscht.


14. Familie

Ein junger Mann macht Karriere und hat finanziell ausgesorgt. Um seinem Halbbruder zu helfen beauftragt er den Anwalt, seine Verteidigung zu organisieren, dieser sitzt in Rio wegen Drogenhandels. Doch dieser scheint auch nach seiner Haftstrafe unverbesserlich.

Auch diese Geschichte ist nicht viele Worte wert. Nach der schweren Kost zuvor eignet sich diese gut zur Entspannung, Konflikte konnte ich hier allerdings keine feststellen. Flach, langweilig und irgendwann vorbei...


15. Geheimnisse

Ein Verrückter fühlt sich vom Geheimdienst gejagt und wendet sich deswegen an einen Anwalt, wo er abstruse Geschichten auftischt. Irgendwann wird es dem Anwalt zu bunt und er will den Mann einweisen lassen, doch der Mann dreht den Spieß um.

Ebenfalls der Abschluss ist sehr seicht gehalten, eine kurze Geschichte, die mehr wie ein gespielter Witz wirkt, ebenfalls konfliktfrei wird hier höchstens verdeutlicht, dass man auch als Anwalt nicht jedem trauen kann und nicht alles nach Plan verläuft.


*~* Fazit *~*

Ferdinand von Schirach hat mit "Schuld" eine gute Mischung aus unterschiedlichen Geschichten auf den Markt geworfen, die teilweise viel Potential haben. Der Zwiespalt zwischen Moral und Recht ist manchmal eklatant und doch findet sich meist eine zufriedenstellende Lösung, mit der man nicht gerechnet hätte. Die Schlupflöcher der Justiz gelten für beide Seiten, für Gut und Böse, und dies wird ausgenutzt. Was Recht scheint, muss nicht immer auch Recht sein und auch als Täter kann man Symphatie erhalten. Doch während die Mühlen der Justiz mahlen kommen hin und wieder sowohl Unschuldige dazwischen, als auch Schuldige drumherum. Während hier zwar ein guter Querschnitt durch verschiedenste Möglichkeiten der Rechtsprechung vorliegt, fehlt es manchen Geschichten leider etwas an Tiefe, ein Kritikpunkt, der mich hier einen Abzug von 2 Sternen rechtfertigen würde - wäre da nicht noch der Sprecher Burghart Klaußner, der mit seiner Stimme und seiner Betonung ein wunderbar passendes Gesamtbild erschafft. Sowohl in Punkto Betonung als auch durch Anpassung in der Sprachgeschwindigkeit schafft er es, die einzelnen Szenen und Spannungsbögen perfekt auf den Punkt zu bringen. Die kalte und sachliche Schilderung von Schirachs erhält durch die leicht rauhe, aber doch irgendwie warme Stimme von Klaußner einen Gegenpol, der perfekt zum Sinn des Hörbuchs passt. Während beim reinen Lesen hier vielleicht am Ende nur 3 Sterne übrig geblieben wären, kann ich so mit gutem Gewissen voll und ganz gerechtfertigte 4 Sterne und eine Empfehlung vergeben. Wer die Möglichkeit hat, der sollte hier eher zum Hörbuch greifen, denn es verfehlt seine gewünschte Wirkung kaum - und falls doch, dann nur durch die teils etwas dünnen Geschichten von Schirachs.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

thriller, daniel annechino, arzt, serienmörder, keine gnade

Keine Gnade

Daniel Annechino , Barbara Krause
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.09.2012
ISBN 9783548282633
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

San Diego - eine junge Frau liegt gefesselt auf einem Bett, medizinische Apparaturen neben ihr. Am nächsten Morgen wird sie tot aufgefunden, am offenen Herzen operiert. Was davor, dabei und danach geschah? Der Leser erfährt es, nicht jedoch Alberto Diaz, der Ermittler, der mit dem Fall beauftragt wurde. Neben der Suche nach dem Täter erfährt Al aber noch andere Belastungen privater Natur, denn die Mutter seiner Lebensgefährtin Sami Rizzo liegt nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Als Al dann auch noch nach Brasilien muss, da seine Schwester dort im Koma liegt, keimt in der ehemaligen Polizistin Sami die Idee auf, wieder in den Beruf einzusteigen - zumal mittlerweile bereits die nächsten Leichen nach gleichem Schema aufgetaucht sind. Keine leichte Entscheidung, immerhin hatte sie den Dienst quittiert als sie bei ihrem letzten Einsatz in die Fänge eines Psychopathen geriet und fast ermordet wurde. Doch Sami beißt sich durch, ermittelt in alle möglichen Richtungen, während der Täter weiter mordet - nicht zu seinem Wohl, nein, zum Wohle der Menschheit.


Was auf den ersten Blick nun sehr komplex und verwirrend klingen mag ist es auf den zweiten Blick nur noch teilweise. Bei der Inhaltsangabe habe ich auf vieles verzichtet, was ich entweder für überflüssig erachte, aber auch Teile auf die ich im weiteren Verlauf genauer drauf eingehen möchte. Zunächst nämlich auf die Tatsache, dass der Mörder dem Leser von den ersten Seiten an bekannt ist, denn er wird über die Seiten genauso begleitet wie die ermittelnden Detectives. Sein Denken, sein Handeln, alles wird verfolgt, private Probleme genau wie seine Morde. Und das, zum Wohle der Menschheit? Ja, denn es geht um eine Forschungsstudie, Julian, der Killer, ist Herzchirurg und steht vor dem Durchbruch. Während Al und Sami bei ihren Ermittlungen noch im Dunkeln tappen, ist der Leser also immer einen Schritt voraus, zumindest glaubt er dies. Denn bis auf ein paar private Details zum Mörder weiß man auch nicht mehr. Für mich war dies schon sehr verwirrend, man stellt Thesen auf und fragt sich nach einigen Seiten, worauf sich diese begründen, man kennt den Täter und fiebert trotzdem mit bei den Ermittlungen und gerade des vielseitigen Wissens wegen lässt man sich vielleicht auch schnell in die Irre führen.

Der Spannungsbogen leidet seltsamerweise jedoch nicht unter diesem Wissen, denn man fiebert mit - mit beiden Seiten. Wird Julian einen Fehler machen? Findet er überhaupt neue Opfer? Werden Al und Sami auf die richtige Spur kommen? Welche Rolle spielt ein Privatdetektiv und was haben die Kollegen der Polizei zu verbergen? Viele Fragen, die auftreten, gepaart mit privaten Problemen sowohl auf der Seite der Guten als auch des Bösen, sollten die Spannung bis zur letzten Seite auf dem Höhepunkt halten... sollten? Ja, denn ein paar Knicke im Spannungsbogen gibt es schon. Gerade die privaten Konflikte lassen das Buch stellenweise eher wie eine Soap-Opera wirken, als wie einen Thriller, das obligatorische Kindheitstrauma darf ebenfalls nicht fehlen, genauso wie das unvermeidbare, kitschig überzogene, Happy End nach dramatischem Showdown. Hollywood in Buchform, eigentlich eine perfekte Vorlage für einen Kino-Blockbuster, wobei eine Verfilmung wohl durch die Begleitung Julians nicht möglich wäre, da dabei die ganze Spannung des Buches verloren ginge.

Sicherlich, es ist nicht alles Gold was glänzt, aber trotz der angesprochenen Kritikpunkte ist das Buch schon gut gelungen. Man braucht ein wenig, sich dran zu gewöhnen, auch an die häufigen Sprünge zu den verschiedenen Protagonisten, die einen eher aus dem Spannungsbogen herausreißen als ihn zu steigern, aber ich konnte mich dafür begeistern. Der Schreibstil geht locker von der Hand, trotz der Nähe zum medizinischen Bereich wird mit Fachausdrücken und Fremdwörtern eher gespart, kurze Kapitel laden dazu ein, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Ab und an erwischt man sich, dass man einen der reichlichen Namen nicht auf Anhieb zuordnen kann, durch den Kontext bekommt man aber immer wieder eine kleine Hilfe.

Die Story an sich ist nichts neues, Morde im Dienste der Wissenschaft, das wurde auch schon in "Anatomie" und diversen anderen Büchern und Filmen, sowie in der Realität veranstaltet und bietet daher keinen wahnsinnigen Überraschungsfaktor. Die Passagen aus der Sicht von Julian, bei denen er seine Opfer sucht oder findet, kommen am ehesten an einen Thriller heran, die polizeiliche Ermittlungsarbeit ist wenn überhaupt auf Krimi-Niveau und die privaten Problemchen - gehobener Groschenroman. Manches wirkt dann auch doch ein wenig an den Haaren herbeigezogen, Zeugen, die sich plötzlich doch wieder an mehr erinnern sind da nur ein Beispiel. Sicherlich wird auch in der Realität das eine oder andere Mal der Zufall ein wenig behilflich sein, doch mit reiner Ermittlungsarbeit haben Sami und Al hier keinen Blumentopf gewonnen. Sie profitieren in erster Linie vom Zufall sowie von Fehlern, die Julian gemacht hat.

Die Qualen, die Protagonistin Sami im vorherigen Roman "Leise stirbst Du nie" erleiden musste, werden in diesem Buch leicht angeschnitten, alleine schon um dem unwissenden Leser die Gründe für ihren zurückliegenden Austritt aus der Polizei näher zu bringen. Die mangelnde Kenntnis des Buches bringt dem Leser aber keinen Nachteil für die aktuelle Geschichte. Die Einblicke in Samis Psyche sind auch nur marginal und oberflächlich, fast schon nebensächlich, und wecken höchstens Neugierde auf die vorhergehende Geschichte, als dass sie wesentlichen Einfluss auf die aktuelle Mordserie haben. Trotzdem werden zahlreiche Anspielungen und Vergleiche gezogen, da eben zum wiederholten Mal ein Serienkiller die Gegend unsicher macht. Schaden kann es also nicht, wenn man sich "Keine Gnade" aufspart und chronologisch vorgeht. Ob ich nun andersherum auch noch "Leise stirbst Du nie" lesen würde, vermag ich aktuell nicht zu beurteilen, immerhin weiß ich nun, dass es gut ausgehen wird.

Potential ist da, wird aber leider an einigen Stellen verschenkt. Doch auch, wenn man sich als Leser allwissend vorkommt, vor überraschenden Wendungen ist man nicht geschützt. Und dieses Spiel mit dem Leser, das gefährliche Halbwissen, das macht den Reiz des Buches aus. Auch wenn meine Worte teilweise ein wenig hart klingen mögen, so will ich das Buch nicht in der Luft zerreißen. Es ist spannend, es reißt einen auch in gewisser Weise mit, aber es kann halt nicht in allen Punkten überzeugen. Da es das perfekte Buch wohl eh nicht gibt und nie geben wird, kann ich trotzdem ohne Skrupel eine Empfehlung aussprechen. Das anfängliche Potential kommt leider mit der Zeit ein wenig abhanden, alles wirkt ein wenig abgehackt und später driftet es immer mehr in Richtung Groschenroman ab, somit behalte ich mir vor ein Sternchen abzuziehen. Trotz all der Kritikpunkte habe ich das Buch aber gerne gelesen, werde es in guter Erinnerung behalten und bereue nicht die Zeit. Wer Spannung von der ersten bis zur letzten der knapp über 500 Seiten erwartet, der muss sich jedoch auf die eine oder andere Durststrecke einstellen, denn manche Passagen sind ein wenig zäh, andere etwas zu vorhersehbar.

4 Sterne und eine Empfehlung für alle, die einen etwas seichteren Krimi-Thriller bevorzugen, vor "krasseren" Passagen aber trotzdem nicht zurückschrecken. Für zartbesaitete ist das Buch aber nichts, denn manche Schilderungen, z.B. auch die Schilderungen von Julians Operationen, sind recht detailliert und haben das Potential ein wenig an die Nieren zu gehen.

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84 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

garmisch-partenkirchen, krimi, knöcherlputzer, auftragsmörder, kommissar jennerwein

Unterholz

Jörg Maurer
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 05.02.2013
ISBN 9783651000421
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es war wieder soweit, Urlaub stand vor der Tür. Vorsichtshalber heisst es da bei mir, dass Lektüre beschafft werden muss - falls das Wetter schlecht ist, oder man einfach keine Lust hat vor die Tür zu gehen. Da ich das fast vergessen hätte, habe ich vor der Abfahrt noch schnell im hiesigen Real-Markt die Bücher durchwühlt, wollte eigentlich schon wieder frustriert abdackeln, da griff ich dann doch zu. Als Frustkauf landete der Alpenkrimi

Unterholz dann schließlich im Einkaufswagen neben dem restlichen Reiseproviant.

Als Frustkauf hat man es als Buch ja nicht unbedingt einfacher, zumal es sich bei Unterholz auch nicht um den ersten Roman von Jörg Maurer handelt, sondern lt. Klappentext bereits sein 5. Alpenkrimi. Auch dieser Punkt hat mich anfangs vom Kauf abgeschreckt, denn ich fange doch gerne am Anfang an. In diversen Buchreihen rund um die selben Hauptfiguren gibt es nunmal unabstreitbar häufig Anspielungen auf vorherige Bände, die man als Neuling leider nicht versteht, die einem gegebenenfalls die Spannung vorwegnehmen könnten oder die mehr und mehr Fragen aufwerfen, die letztendlich unbeantwortet bleiben. Es kam, wie es kommen musste - der Urlaub war vorbei und Unterholz schlummerte immer noch friedlich in der Reisetasche. Wieder in der Heimat hatte ich dann aber doch Mitleid und schnappte mir den Krimi. Dass der Frustkauf kein Fehlkauf war, hat man sicherlich schon an den vergebenen Sternen gesehen, warum genau, dazu gleich mehr.

Klappentext Auf der Alm, da mäht der Tod noch selbst

Kult-Ermittler Hubertus Jennerwein vor seinem abgründigsten Fall

Auf der Wolzmüller-Alm, hoch über dem idyllischen alpenländischen Kurort, wird eine Frauenleiche gefunden. Nur das Bestatterehepaar a.D. Grasegger ahnt, dass es sich bei der Toten um die "Äbtissin" handelt, eine branchenberühmte Auftragskillerin. Da geschieht ein weiterer Alpenmord. Kommissar Jennerwein pirscht mit seiner Truppe durchs Unterholz...
Klappentext Ende

Soweit so gut, klingt alles recht seicht, nichts besonderes, ein ganz normaler Krimi. Doch schnell merkt man, dass das Buch alles ist, nur kein konventioneller Krimi. Auf den ersten Seiten lernen wir direkt eine Vielzahl von Leuten kennen - es beginnt mit Kommissar Jennerwein, der sich gefesselt im Wald wiederfindet, man weiß nicht genau ob aktuell, Rückblick oder eine kleine Kostprobe von dem, was noch kommen wird. Dann zwei Mediziner auf Wanderschaft in der Bergwelt, eine Ehefrau, die Ihren Mann gerne umbringen lassen will, wir bekommen einen kleinen Rückblick auf die Geschichte der Wolzmüller-Alm, lernen 3 Inder kennen, die zu einem Seminar nach Deutschland möchten und schwenken dann zurück Wolzmüller-Alm, deren Wirt Rainer Ganshagel gerade einen Schwung Seminarteilnehmer bewirtet. Nein, ich möchte nun nicht minutiös den Inhalt des Buches wiedergeben, doch man merkt der Anfang springt massiv hin und her und sorgt so für viele Fragezeichen, Zusammenhänge kann man kaum erkennen, höchstens erahnen, und gerade das machte das Buch für mich dann interessant. Je mehr Fragen Maurer am Anfang aufwirft, auf desto mehr Antworten muss man warten und hoffen. Letztendlich ist es dann aber auch bald soweit, die erste Leiche ist da. Ganshagel, stets auf Diskretion seinen oftmals namenhaften Gästen gegenüber bedacht, ruft zunächst statt der Polizei das ehemalige Bestatterehepaar Grasegger, die allerdings weder helfen können noch wollen - am nächsten Morgen reisen die durch Ganshagel informieren Seminarteilnehmer fluchtartig ab, Ganshagel informiert die Polizei über den Leichenfund und Jennerwein uns sein Team nehmen die Ermittlungen auf.Spektakulär wird es eigentlich für den Leser zunächst nur dadurch, dass die Tote die Äbtissin zu sein scheint, eine Koriphäe unter den Auftragskillern, und durch die Vermutung dass das Seminar auf der Alm ein Seminar eben solcher war. Dann fangen die Ereignisse allerdings an sich zu überschlagen, der nächste Mord geschieht und Stück für Stück setzt sich das Puzzle nicht nur für den Leser immer mehr zusammen.

Während Seite für Seite die Spannung steigt, bleibt allerdings auch nicht der Humor auf der Strecke. Im Gegensatz zu anderen bayerischen Krimiformaten, seien es die Bücher von Rita Falk rund um Kommissar Eberhofer oder TV-Formate wie die Rosenheim-Cops, ist es bei Meurer allerdings weniger das Ermittlerteam, welches die Komik liefert, sondern die Umgebung. Ob es nun das Ehepaar Grasegger mit krimineller Vergangenheit ist, der Bürgermeister oder die restlichen Bewohner des Kurortes, überall im Buch trifft man auf schrullige und skurrile Gestalten, die zwar ein wenig überspitzt aber nicht vollkommen absurd gezeichnet sind. Ebenfalls Kapitel aus der Sicht der Tatwaffe, die nicht nur sich selbst sondern auch den Mörder für die Durchführung der Tat in den Himmel lobt, passen wunderbar ins Gesamtbild und lassen den Leser zwischen dem kriminalistischen Spürsinn auch ein wenig Lächeln oder den Kopf ungläubig schütteln.

Die kurzen Kapitel werden immer durch eine kleine Exkursion zum Thema Unterholz eingeleitet, Redewendungen, Zitate oder einfach nur unnützes Wissen werden einem hier präsentiert - nun ja, über den Sinn lässt sich streiten, aber es ist ein netter und kreativer Lückenfüller. Letztendlich sind diese aber nur Zierde und stehen in keinem Zusammenhang mit der Geschichte an sich. Maurers Schreibstil lässt sich leicht lesen, nur selten kommt man ein wenig ins Stocken wenn gerade wieder bayerische Redensarten mit einfließen. Für den gemeinen Preussen ist es sicherlich gut und sinnvoll, dass das Buch nahezu komplett auf hochdeutsch gehalten ist, wodurch allerdings auch ein wenig des alpenländischen Charme verloren geht. Nur selten werden im ersten Teil des Buches hingegrantelte Aussagen annähernd in Lautsprache übersetzt, wodurch man sich als Leser ein etwas genaueres Bild der Charaktere formen kann, diese Eigenheit verschwindet leider mit fortschreitender Geschichte zusehends.

Während die Spannungskurve sich anfangs eher durch Verwunderung und Neugier aufrecht erhält, kommt recht bald auch echte Spannung durch die Handlung auf, die bis auf ein paar leichte Abflachungen konsequent aufrecht gehalten werden kann. Überraschende Wendungen, neue Ermittlungsergebnisse und am Ende der obligatorische Showdown stellen nun keine Neuerfindung des Rades dar, gehören zu einem guten Krimi im Prinzip zwangsweise dazu, jedoch werden hier keine hahnebüchenen Situationen herbeifantasiert, sondern es baut alles aufeinander auf. Die abstrakten, kleinen Splitter, die der Leser anfangs erhält, setzen sich nach und nach zu einem logischen Gesamtbild zusammen. Nur selten ist der Leser dem Ermittlerteam in seinem Wissen deutlich voraus, wird aber am Ende in diesem Punkt als klarer Sieger hervorgehen. Manche Fragen werden der Polizei wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.

Leider muss ich zugeben, dass das Ermittlerteam in der Geschichte ein wenig untergeht. Ich denke, dies liegt daran, dass die Charaktere noch relativ normal gehalten sind. Natürlich hat auch dort jeder seine Marotten und Macken, im Gegensatz zu anderen Kriminalromanen wird hier aber der Fokus der Story auf die Ermittlungen gelegt und nicht auf das Privatleben. So bleiben die Bilder die man sich macht sehr professionell und ein wenig trübe, wenn es auf die menschliche Ebene geht. Trotzdem hat Maurer hier ein durchweg sympatisches Team zu Papier gebracht, das menschlich als auch fachlich sehr breit gefächert ist und wohl gerade dadurch gut und erfolgreich zusammenarbeitet. Vielleicht hätte man hier als Leser aber einen Vorteil, wenn man die ersten Bücher Maurers kennt und könnte die Charaktere etwas besser einschätzen.

Was bleibt mir nun übrig? Ich muss ja eine Wertung abgeben und schwanke zwischen 4 und 5 Sternen. Sicherlich, das Buch hat mir gefallen, ich würde auch weitere Werke Maurers lesen, aber ist es 5 Sterne wert? Es hat seine Passagen, die sich ein wenig strecken, manchmal fragt man sich tatsächlich auch was einem das nun als Leser bringen mag, aber letztendlich gehört doch alles irgendwie dazu. Und während andere Bücher am Ende eine große Aufklärungsarie starten, erfährt der Leser hier alles, was er wissen muss, eben häppchenweise zwischendurch. Die Story an sich ist natürlich auch sehr an den Haaren herbeigezogen, erhebt keinen Anspruch auf Realismus oder wahre Begebenheiten, aber die bodenständige Skurrilität lässt alles auch nicht zu fiktional und aufgesetzt erscheinen. Da ich mich gut unterhalten fühlte, werde ich gut gemeinte 5 Sterne geben, für ein Buch das sich auf gutem 4-Sterne-Niveau befindet. Letztendlich muss jeder für sich selber entscheiden, ob eine solche Geschichte den eigenen Geschmack treffen kann - für mich als Liebhaber von bayerischen Schauplätzen, von skurrilen Charakteren und von humorvoller Spannung ist aus dem Frustkauf ein Glücksgriff geworden und weitere werden hoffentlich folgen.

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86 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

mord, affäre, betrug, frauen, eifersucht

Nicht totzukriegen

Claus Vaske
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 14.07.2011
ISBN 9783596189809
Genre: Romane

Rezension:

Man kennt es aus Film und Fernsehen, teilweise vielleicht auch aus der Realität - über Jahre hinweg ist man glücklich verheiratet, doch irgendwann ist die Luft aus der Beziehung raus. Spätestens wenn man merkt, dass der Partner einen betrügt, wird über das Ende der Ehe nachgedacht, doch was für Wege gibt es, eine Ehe zu beenden? Dies ist - grob gesagt - das Hauptthema des Romans, von dem ich heute berichten möchte,

"Nicht totzukriegen" von Claus Vaske.

*~* Klappentext *~*

Und täglich grüßt der Göttergatte!

"Es ist 18:56 Uhr, und den Hochzeitstag hat er noch nie vergessen.
19:28 Uhr: Immer noch nichts. Die Suppe ist fertig, eigentlich wäre jetzt die Entenbrust dran. Ich sprinte schon mal die Treppe hoch und steige in den scharfen Fummel.
20:01 Uhr: Hunger! Und Wut.
20:47 Uhr: Ich köpfe eine Flasche Wein und vernichte weitgehend die Suppe.
21:12 Uhr: Tom ist ein Arsch. Und ich brauch mehr Wein.
21:17 Uhr: Mousse au Chocolat und ich, allein zu zweit."

Nicole und Tom, seit zwölf Jahren verheiratet, haben sich auseinandergelebt. Tom, der seine eigene Firma führt, geht in seinem Beruf auf und hat sich zum Workaholic-Macho entwickelt. Nicole verkümmert emotional an seiner Seite. Als sie erfährt, dass Toms Überstunden neuerdings schlank und blond mit rosa Dessous sind, entwickelt sie Mordpläne. Viele Mordpläne. Und sie kann alle verwirklichen, denn - nach jedem ihrer Morde ersteht Tom wieder auf, als wäre nichts gewesen...


*~* Meine Worte zum Inhalt *~*

Um die ganze Situation ein wenig zu verdeutlichen, ist ein wenig mehr Hintergrundwissen notwendig. Daher will ich - ohne zu viel vorwegzugreifen - noch kurz auf ein paar Dinge eingehen. Natürlich wird nicht jede betrogene Ehefrau direkt zur Mörderin, doch Nicole hat ein Problem. Ihre beste Freundin Maryam ist Scheidungsanwältin und auf Grund der familiären Finanzlage würde Nicole bei einer Scheidung leer ausgehen. So entsteht erst die Idee, dass Tom aus dem Leben treten muss, natürlich unauffällig, doch kaum ist der tote Gatte aus dem Blickfeld verschwunden, erwacht er wieder zum Leben. Die ganze Situation wird zuletzt nicht dadurch besser, dass Toms Geliebte in der Firma seines besten Freundes Johannes, wo auch Nicole arbeitet, einen Job bekommt. Gerade, als sich wieder die Versöhnung anbahnt, nimmt die Geschichte allerdings eine überraschende Wendung.


*~* Meine Meinung zum Buch *~*

Ein wenig perplex war ich schon, bei der Feststellung, dass ein männlicher Autor aus der Sicht einer Frau eine zerrüttete Ehe schildert. Ich hätte ein solches Thema doch eher einer weiblichen Feder zugeordnet, doch ich habe es recht schnell akzeptiert. Natürlich werden aus männlicher Sicht deutlich mehr Klischees und Vorurteile Frauen gegenüber aufgegriffen, doch diese passen wunderbar in das doch sehr lustig geschriebene Buch hinein. Schließlich geht es hier nicht um bierernsten Gattenmord, sondern darum, dass der Gatte immer wieder von den Toten aufersteht, obwohl er definitiv von Nicole für tot befunden wurde.

Natürlich handeln auch nicht die ganzen 250 Seiten von Mordversuchen am laufenden Band, Nicole hat immerhin auch noch ein Leben neben ihrer neu entdeckten Leidenschaft als Gattenmörderin. Allerdings schwebt, egal was im Leben von Nicole auch passiert, immer wieder die Affäre ihres Mannes über den Dingen. Die leicht naive Sichtweise von Nicole spiegelt sich aber auch im Schreibstil von Claus Vaske wieder, weder wortgewaltig noch ausschmückend präsentiert er das Leben von Nicole aus der Ich-Perspektive, es wirkt ein wenig wie ein Tagebuch, allerdings dann doch ausführlicher. Diese Art aber passt wunderbar zur Geschichte, da die Absurdität des Ganzen und die daraus resultierende Ratlosigkeit bei Nicole so noch besser zur Geltung kommt. Man selber würde in solchen Fällen ja auch nicht in blumiger Sprache nachdenken.

Sehr unterhaltsam finde ich auch, wie selbstverständlich Nicole an das Thema Mord und die verschiedenen Möglichkeiten herangeht, trotzdem natürlich darauf bedacht keine Spuren zu hinterlassen, die auf sie als Täterin hindeuten - und wie sie im Nachhinein immer wieder merkt, dass vermutlich jeder drittklassige Ermittler trotz ihrer vermeintlichen Sorgfalt ihr den Mord in die Schuhe schieben könnte.

Auch wenn man durch den Klappentext bereits weiß, dass Nicoles Mordversuche erfolglos enden, so ist man beim lesen doch nicht gelangtweilt, weil man quasi weiß, wie es endet respektive NICHT endet, dies ist sicherlich auch durch die Nebenstränge der Handlung rund um den Rest von Nicoles täglichem Dasein begründet. Ich würde das Buch daher zwar nicht als spannend im Sinne eines Krimis oder Thrillers bezeichnen, man ist aber schon gespannt darauf, was für Ideen sich Nicole weiter einfallen lässt und in welche Bahnen sie ihr Leben lenken wird.


*~* Fazit *~*

Dieses Buch war ein Zufallskauf und zugleich eine Empfehlung. Während ich das Buch beim stöbern entdeckte, hat mein Mann dies von seinem Ex empfohlen bekommen. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, wir haben sogar beide gleichzeitig darin gelesen, da keiner wirklich damit warten wollte. Einmal angefangen möchte man es nur widerwillig wieder weg legen, muss man es aber doch mal, so helfen die kurz gehaltenen Kapitel immer wieder einen geeigneten Zeitpunkt zu finden. Die außergewöhnliche Geschichte, die sehr humorvoll dargestellt wird, sowie der recht einfache Schreibstil, erlauben einen guten Lesefluss. Zwar erwischt man sich immer wieder bei der Frage nach dem Grund der Wiederauferstehungen Toms, jedoch mindert dies, zumindest meiner Meinung nach, nicht die Motivation sich weiter in die Geschichte zu verbeissen. Klar, es ist kein Buch was vor Realismus überquillt, aber abgesehen von dem einen Punkt, dass Tote nunmal nicht wieder zum Leben erwachen, sind sowohl die Reaktionen darauf als auch die sonstigen Handlungsstränge wie aus dem wahren Leben gegriffen.

Nicht nur der silberne Aufkleber auf dem Cover sagt "Unbedingt lesen!", auch ich kann mich diesem nur anschließen. Wer gute, leichte und humorvolle Unterhaltung sucht, der ist bei "Nicht totzukriegen" genau richtig. Daher kann ich hier nichts anderes aussprechen als eine volle Empfehlung sowie 5 Sterne. Leichte Abzüge in der B-Note gibt es für das Ende, hierauf kann ich allerdings nicht genauer eingehen ohne zuviel zu verraten. Es ist allerdings recht offen gehalten und liefert - zumindest in meinen Augen - keinen guten Abschluss der Geschichte.

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332 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 14 Rezensionen

fantasy, stephen king, horror, abenteuer, reise

Der Talisman

Stephen King , Peter Straub
Flexibler Einband: 957 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.07.2004
ISBN 9783453877603
Genre: Fantasy

Rezension:

Es gibt Bücher, die verblassen im Laufe der Jahre, manche aber verfolgen einen das ganze Leben lang. Gerade in meiner Jugend habe ich viele Bücher gelesen, die in die zweite Kategorie fallen, dennoch habe ich oftmals nur Fragmente im Kopf, einzelne Bilder die sich in die Tiefen meiner Erinnerung gegraben haben. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Man liest die betreffenden Bücher erneut um die Erinnerung aufzufrischen oder man gibt sich mit den Brocken zufrieden, die einem geblieben sind. Einmal erst habe ich zu einem Roman ein zweites Mal gegriffen, da mir dieser bei einem Umzug in die Hände gefallen ist - eine Enttäuschung war es nicht, aber die Spannung geht ein wenig verloren weil man eben manche Hintergründe direkt kennt und eben weiß, was an manchen Stellen geschehen wird. Auch wenn ich mich nicht restlos für die Idee des Zweitlesens begeistern konnte, so habe ich es dennoch erneut versucht, denn die Bilder von dem Jungen, der zwischen den Welten hin- und herflippt, kamen mir über die Jahre immer wieder in den Sinn, jedoch blieb die restliche Story weiterhin verschleiert für mich. In einem schwachen Moment leistete ich mir dann also eine neuere Ausgabe von der Gemeinschaftsproduktion


Der Talisman


von Stephen King und Peter Straub. Beide Autoren sind Fachmänner in Sachen Horrorromane, Der Talisman hingegen ist eher in der Fantasy-Schiene einzuordnen. Ähnlich wie in Kings Reihe um den Dunklen Turm wird auch hier das Motiv von mehreren miteinander verknüpften Welten aufgegriffen, mit dem Unterschied, dass Der Talisman immer wieder zwischen diesen Welten hin- und herspringt. Ausgangspunkt der

Geschichte


ist der Teenager Jack Sawyer, 12 Jahre alt und mit seiner Mutter auf der Flucht vor dem ehemaligen Geschäftspartner seines verstorbenen Vaters. Seine Mutter ist krank, das merkt Jack, und Onkel Morgan möchte die Geschäfte ganz an sich reißen und verhindern, dass Jack sein Erbteil zufallen könnte. Die Flucht verschlägt Jack und seine Mutter an die Küste New Hampshires, wo Jacks Befürchtungen immer konkreter werden. Diese werden noch verstärkt durch zunehmende Tagträume, die immer mehr mit der Realität verschmelzen.

In einem angrenzenden Vergnügungspark macht Jack Bekanntschaft mit Speedy Parker, dem dortigen Hausmeister. Sofort kommt er ihm seltsam vertraut vor, in seiner Gegenwart fühlt Jack sich plötzlich von seinen Problemen und Sorgen befreit. Schnell entsteht eine besondere Verbindung zwischen den Beiden und Speedy eröffnet Jack, dass es mehr als nur diese Welt gibt und zeigt ihm, wie er die Welt wechseln kann und in die "Territorien" gelangt. Doch damit verbunden ist auch eine Aufgabe für Jack - er muss die dortige Königin retten, die im Sterben liegt - eine Doppelbelastung, denn sie ist der Twinner seiner Mutter. Nur, wenn er den Talisman, der in Point Venuti an der Westküste der USA zu finden ist holt, kann er seine Mutter und die Königin retten. So macht sich ein 12-jähriger Junge alleine auf den Weg quer durch die USA und wieder zurück auf eine gefährliche Reise zwischen den Welten, bei der er nicht nur auf ihm gut gesinnte Menschen und Gestalten trifft.

Tiefer ins Detail möchte ich vorerst nicht gehen, doch in Zusammenhang mit meinen Erinnerungen und Eindrücken werde ich sicherlich noch den einen oder anderen Handlungsstrang aufgreifen ohne zu viel verraten zu wollen.


Eindrücke


Es ist schon erstaunlich, wie sehr einen die Erinnerung teils trügen kann und wie klar man manches im Gegenzug noch vor Augen hat. Während mir der Anfang des Buches noch sehr vertraut war, so wirkte mir der Aufbruch von Jack auf seine Reise quer durchs Land äußerst fremd. Ein 12-jähriger Junge, der fast ohne mit der Wimper zu zucken ein solches Abenteuer auf sich nimmt, ist allerdings so oder so extrem beeindruckend. In Jack zeigen King und Straub zugleich Stärke als auch Schwäche, sie haben also keinen Übermenschen erschaffen, sondern das Kind bewahrt - wenn auch ein wirklich besonderes Kind, was auch seinen Reisebekanntschaften nicht unerkannt bleibt. Mal in unserer Welt, mal in den Territorien trifft Jack auf viele Menschen und Kreaturen, die für uns zwar abstrakt wirken mögen, aber von King und Straub äußerst klar beschrieben sind. So fällt es dem Leser leicht, ein klares Bild sowohl der Umgebung als auch der Charaktere zu entwickeln.

Man lernt nicht nur Jack zu mögen, sondern auch seine zwischenzeitlichen Begleiter, man entwickelt Abneigungen, gar Hass, gegen seine Widersacher, die mit allen Wegen versuchen seine Mission zum Scheitern zu bringen. Ganz besonders ins Herz wird man die Figur von "Wolf" schließen, einer Art Werwolf, der durch seine naive Gutmütigkeit begeistern kann. An ihm sieht man als Leser nur zu deutlich die Unterschiede zwischen den Welten, die Nachteile unserer modernen und technisch entwickelten Welt gegenüber den primitiven Territorien. Während für uns alltägliche Dinge wie z.B. Autos auf Wolf bedrohlich wirken, so zeigen sich die Territorien zwar als eher rückständig, aber glücklich. Ein kleiner Seitenhieb von Kritik an der Industrialisierung? Falls ja, dezent genug um nicht politisch zu wirken. Die dunklen Seiten dafür fallen in den Territorien um so beängstigender aus, Gewalt wirkt subtiler, Bösewichte und deren Handlanger gehen oft einher mit Mutationen. Die Unterschiede zwischen Gut und Böse sind in den Territorien einfach wesentlich deutlicher erkennbar als in unserer Welt, wo man rein äußerlich keine Schlüsse auf die Gesinnung der Menschen ziehen kann.

Während die ersten Seiten für mich noch etwas beschwerlich daherkamen, möglicherweise aber auch bedingt durch mein Vorwissen, so wird man darauf doch schnell mit in die Geschichte reingerissen, man hofft und bangt mit Jack und seinen Gefährten und mag das Buch kaum mehr aus den Händen legen. Eine Pause einzulegen wird sicherlich durch die nicht all zu langen Kapitel mit reichlich Absätzen begünstigt, die einzelnen Kapitel bieten jedoch oftmals einen extremen Spannungsbogen, der einen wissen lassen möchte, wie es denn nun weitergeht. Trotz der annähernd 1000 Seiten im Taschenbuchformat nähert man sich mit schnellen Schritten dem Ende, welches man je näher man ihm kommt immer weiter wegwünscht. Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen manch tragischer Wendung in der Geschichte bleibt nicht nur die Lesefreude erhalten, sondern auch die Hoffnung auf ein gutes Ende.

Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. An der Geschichte an sich kann ich auch bei genauem Hinschauen nichts finden, was ich kritisieren möchte, das Buch an sich bzw. die Übersetzung lässt allerdings stark zu wünschen übrig. Nicht nur, dass man sich grammatikalisch nicht einigen konnte, ob man nun "Die Territorien" als Eigenname nutzt, oder ob man den Artikel im Zusammenhang anpasst. Gerade über diesen Punkt stolpert man immer wieder im Buch, kommt ins Stocken und muss ab und an ein zweites Mal drüberlesen, aber auch hin und wieder andere Grammatikfehler oder gar fehlende Wörter hemmen des Lesefluss. In diesem Fall hat sich der Heyne-Verlag leider nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Dass Fehler passieren können und im Einzelfall auch dürfen will ich nicht in Frage stellen, aber in der vorliegenden Menge und Häufung ist es schon peinlich. Leider fallen mir solche Sachen aber auch immer wieder ins Auge und gerade bei wiederholt auftretenden Fehlern wird man dafür natürlich noch mehr sensibilisiert. Dies wird auch dadurch noch forciert, dass sprachlich die eine oder andere Herausforderung auf den Leser wartet. Bandwurmsätze, wie sie manch einer eher aus Anwaltsschreiben oder meinen Niederschriften kennen wird, sind keine Seltenheit - wenn man nicht aufpasst hat man am Ende des Satzes bereits wieder den Anfang vergessen - und wenn in einem solchen Satzkonstrukt noch ein Fehler ins Auge springt, dann hat man als Leser schon verloren und kann von vorne beginnen...

Wie weiter oben schon geschrieben vermitteln King und Straub ein sehr klares Bild von den Romanfiguren als auch den Schauplätzen, aber auch von der Brutalität und Grausamkeit, die im Laufe der Geschichte aufkommt. So muss ich doch sagen, dass zartbesaitete Leser besser nicht zu dem Buch greifen sollten, zählen diese wohl aber auch eher weniger zur Zielgruppe der beiden Autoren. Ich selber bin schon recht hart im Nehmen, meine Ekelschwelle liegt doch relativ hoch, doch auch ich musste bei mancher Schilderung ein leicht angewidertes Gesicht ziehen. Neben Ekel werden aber auch eine Vielzahl anderer Gefühle geweckt, von Symphatie über Mitleid bis hin zu echter Trauer, aber auch Erstaunen, Entsetzen und vieles mehr. King und Straub schaffen es, dass der Leser auf eine ganz besondere Weise nicht nur mitgerissen, sondern auch berührt wird. Trotz alledem schaffen die beiden es auch, eine gewisse Portion Humor mit einzuarbeiten. Keine richtigen Lacher, aber gerade durch die Unterschiede der Welten, die verschiedenen Sichtweisen und Kenntnisse der Figuren, kommen immer wieder Situationen zu Stande, die dem Leser zumindest ein herzliches Lächeln abgewinnen.

Fazit


Man kann es sich schon fast denken, es bleibt nichts anderes übrig als 5 Sterne zu vergeben. Zwar mindern die Grammatik- und Rechtschreibfehler ein wenig das Lesevergnügen, aber daran ist die Vorlage von King und Straub nun wirklich nicht schuld. Wer kann, sollte also nicht unbedingt zu der mir vorliegenden Version greifen und hat damit vielleicht ein wenig mehr Glück. Eine Leseempfehlung kann ich für alle Freunde von spannenden, abwechslungsreichen und phantastischen Geschichten aussprechen, die vor deutlich geschilderter Brutalität nicht zurückschrecken. Es ist, trotz des Genres, sicherlich keine leichte Kost, aber auch nicht besonders tiefgründig. Eine Geschichte, die fasziniert, mit rundum gelungenen Charakteren, großen Gefühlen aller Art, die trotz ihrer 1000 Seiten viel zu schnell vorbei ist. Eine Geschichte voller Mut, Leid, Freundschaft, Verzweiflung, Kampfgeist, die Geschichte eines Jungen, der zum Mann wird und trotzdem Kind bleibt. Nicht umsonst gibt es, wie ich jetzt erst erfahren habe, eine Fortsetzung von Jacks Geschichte. Diese jedoch spielt wesentlich später, so dass ich nicht sicher bin, ob ich auch dazu greifen werden. Für mich bleibt klar - ich habe das Buch zumindest früher schonmal begonnen, habe es nun mindestens zum ersten Mal zu Ende gebracht und würde auch zukünftig nicht davor scheuen es ein drittes Mal in die Hand zu nehmen und das will etwas bedeuten. Wer sich von der Geschichte angesprochen fühlt, dem kann ich nur raten: Lesen!

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118 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 48 Rezensionen

krimi, mord, henning bröhmann, vogelsberg, bröhmann

Toter geht's nicht

Dietrich Faber
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Polaris Verlag, 01.11.2011
ISBN 9783862520244
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das kommt davon, wenn man ein Buch nur aus dem Grund kauft, dass der Hund des Protagonisten auf den Namen "Berlusconi" hört - aber naja, selber Schuld kann ich da nur sagen...

Doch woran genau trage ich nun die Schuld? Daran, dass ich meine Zeit mit anderen Büchern vielleicht hätte sinnvoller nutzen können, als mit Toter geht's nicht.
Inhaltlich

kann man vorwegnehmen, dass während eines Faschingumzuges im Vogelsbergkreis eine Leiche gefunden wird, passenderweise als Tod verkleidet - dies erklärt nun auch den seltsam anmutenden Titel des Buches. Nicht nur, dass Hauptkommissar Henning Bröhmann überhaupt dadurch Arbeit hat, nein, er wurde auch noch an diesem Tag von seiner Frau auf unbestimmte Zeit verlassen und hat zusätzlich noch 2 Kinder und einen Hund am Hals. Während er versucht seinen Alltag zu meistern, stoßen er und seine Kollegen auf die eine oder andere Spur, die in Richtung eines Musikers zeigen, doch auch der Sohn des Toten macht sich nicht weniger verdächtig. Und zu guter Letzt gibt es sogar noch eine zweite Leiche. Welche dunklen Abgründe der Vergangenheit Bröhmann und sein Team aufdecken und was letztendlich hinter dem Mord steckt wird man im Laufe des Buches noch erfahren, genauso wie sich das chaotische Privatleben Bröhmanns weiter entwickeln wird.

Nun hat sich das Prinzip Kriminalfall versus Privatleben ja im Krimi-Bereich doch relativ weit verbreitet, was meiner
Meinung

nach nicht verkehrt ist. Meist sehr humorvoll und schrullig kommen diese Mix-Romane daher, zeigen oft eher eigenbrödlerische Protagonisten, die den Ermittlerberuf und das Privatleben nur schwer trennen können, die ihren eigenen Weg gehen, der teils nicht immer ganz regelkonform ist. Auch Dietrich Faber hat mit Hennig Bröhmann einen solchen Charakter geschaffen, jedoch mit dem Unterschied, dass der teils apathisch wirkende Bröhmann kein wahrer Symphatieträger ist. Seine Teilnahmslosigkeit an seinem Beruf ist zwar begünstigt durch die vorherige Trennung von seiner Frau, wird aber nur in einer Hand voll Momenten ein wenig gebrochen. Die seltenen Momente, in denen Bröhmann aufblüht, sind leider wieder so schnell verblasst, dass man sie kaum wahrnimmt. Im Kopf bleibt das Bild von einem Kommissar, der keiner sein möchte, von einem gescheiterten Familienvater, der nicht aus seiner Haut kann, einem Sohn, der es seinem Vater nicht recht machen kann, von einer Hauptfigur die unter normalen Umständen wahrscheinlich keiner besonderen Erwähnung bedarf - wäre es eben nicht die Hauptfigur.

Neben Bröhmann finden sich noch andere, völlig überspitzte Charaktere wieder - der immer hochmotivierte Kommissar, der den werten Leser am laufenden Band mit dummen Sprüchen und Wort"witzen" bombadiert, die pubertäre Tochter samt Stimmungsschwankungen, rebellischer und gefühlvoller Seite, der großmäulige Stimmungsmusiker, der herrische Vater, der alles besser weiß, ein furzender Hund... die Liste könnte man ewig fortsetzen, kaum ein Charakter ist hier halbwegs normal gehalten, was die ganze Geschichte extrem ins Lächerliche zieht. Sogar der Hund Berlusconi, eigentlicher Auslöser meines Interesses an dem Buch, ist dermaßen überzeichnet und klischeebehaftet, dass man dazu neigt die Augen zu verdrehen. Der zu Grunde liegende Kriminalfall rückt zwischenzeitlich so sehr in den Hintergrund, dass man diesen als Leser auch schon fast vergisst - dafür brauche ich allerdings keinen Kriminalroman lesen.

"Bröhmanns erster Fall", so prangert es auf dem Cover, man könnte das also gut als Startschwierigkeiten abtun, wäre es ein Ausschnitt aus dem Anfang seiner Karriere. Dass Bröhmann im Laufe weitere Fälle mehr Elan an den Tag legt, scheint aber nach diesem ersten Fall eher unwahrscheinlich. Aber ganz ehrlich, ich möchte es auch gar nicht herausfinden. Das, was ich im ersten Fall gelesen habe, das hat mir schon gereicht. Während der Fall an sich immerhin noch mit unerwarteten Wendungen daherkommt und so zumindest den Anschein eines Krimis aufrecht zu erhalten versucht, so sind Bröhmanns private Probleme dermaßen vorhersehbar, dass in diesem Bereich kaum Spannung aufkommt. Die leichten Spannungsbögen in der kriminalistischen Nebenhandlung können dies leider auch nicht wieder gutmachen, da diese auch keine nennenswerten Besonderheiten birgt. Ebenfalls der Humor, der durch Handlung und Figuren an vielen Stellen für Auflockerung sorgen soll, bringt meist nicht mehr als ein müdes Lächeln auf die Lippen, wahrlich witzige Momente oder Auslöser für sonstige Gefühlsregungen sucht man vergebens. Lediglich der eine oder andere Aha-Moment schleicht sich ein, wenn man zwischen den verwendeten Klischees möglicherweise ein wohlbekanntes wiederfindet.

Abschließendhandelt es sich hier in meinen Augen eher um einen mit plattem Humor und ausgelutschten Klischees behafteten Familienroman als um einen Krimi, nichtmal die Kategorisierung Regional- oder Provinzkrimi würde hier in meinen Augen passend erscheinen. Scheinbar lediglich zufällig ist die Hauptfigur nun auch ein Hauptkommisar, so dass dies eben als Teil seines Lebens und somit des Romans anzurechnen ist. Wer einen Faible für Dummschwätzer, Trantüten, pubertierende Mädchen und Öko-Bio-KiTaväter hat, der könnte mit Toter geht's nicht noch seine Freude haben, den Freunden gepflegter Unterhaltung mit kriminalistischer Spannung muss ich jedoch von der Lektüre abraten. Meinen literarischen Ausflug nach Hessen werde ich als einmaligen Ausrutscher verbuchen und mich in Punkto Regionalkrimis wohl doch zukünftig lieber anderen Gebieten Deutschlands zuwenden.

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satire, hitler, berlin, humor, adolf hitler

Er ist wieder da

Timur Vermes
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 21.09.2012
ISBN 9783847905172
Genre: Romane

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berlin, wg, männer, humor, männer-wg

Kaltduscher

Matthias Sachau
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.05.2009
ISBN 9783548280172
Genre: Humor

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Aus den Fugen: Roman

Alain Claude Sulzer
E-Buch Text: 230 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch Verlag, 16.08.2012
ISBN 9783462306170
Genre: Sonstiges

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Das Netz der Schattenspiele

Ralf Isau
Fester Einband: 524 Seiten
Erschienen bei Thienemann, 01.01.1999
ISBN 9783522172578
Genre: Fantasy

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revolvermann, roland, der dunkle turm, horror, fantasy

Drei

Stephen King , Joachim Körber
Flexibler Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.12.2003
ISBN 9783453875579
Genre: Krimi und Thriller

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Der dunkle Turm - Der Turm

Stephen King , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 1.009 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2006
ISBN 9783453431614
Genre: Krimi und Thriller

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Wolfsmond

Stephen King , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 938 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.12.2004
ISBN 9783453530232
Genre: Krimi und Thriller

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thriller, computer, technologie, game over, hochhaus

Game over

Philip Kerr , Peter Weber-Schäfer , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.06.1998
ISBN 9783499224003
Genre: Krimi und Thriller

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