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1.409 Bibliotheken, 65 Leser, 1 Gruppe, 171 Rezensionen

harry potter, fantasy, hogwarts, theaterstück, zauberei

Harry Potter und das verwunschene Kind

J.K. Rowling , John Tiffany , Jack Thorne
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.09.2016
ISBN 9783551559159
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Neunzehn Jahre später ist Harry Potter verheiratet, Vater von drei Kindern und Auror, aber wer sagt, dass das Leben einfach wäre, der irrt sich gewaltig. Immerhin ist es nicht leicht ein Kind von Harry Potter zu sein, diese Last, die ständige Aufmerksamkeit und der Druck, der auf den Kinderschultern lastet, ist enorm und gerade Albus, dem zweiten Sohn fällt es besonders schwer. Nun beginnt auch noch seine Schulzeit in Hogwarts und seine größten Ängste werden wahr. Aber nicht nur, dass er dort, unter keinen guten Stern steht, auch jedes Wort von seinem Vater reißt ein größeres Loch in ihr Verhältnis. So möchte Albus gern einfach geliebt und so gesehen werden, wie er ist, mit allen seinen Unzulänglichkeiten und Harry muss lernen, dass es die Kleinigkeiten sind, die einen Vater ausmachen. Allerdings kämpft er nicht nur mit dieser Rolle, nein, es braut sich auch wieder Unheil zusammen. Kann er die Dunkelheit wieder besiegen? Und wird er endlich einen Weg finden, Albus den Vater zu geben, den er braucht? Oder ist der gesamte Familienfrieden in Gefahr?
Man kann jetzt denken, was man will über dieses Buch, Geldmacherei, oder ist nicht endlich mal genug, man kann es auch total kritisch auseinander pflücken und meinen, dass ein Theaterstück mehr als unnötig ist. Oder man macht es wie ich, ganz ohne Vorbehalte und Erwartungen dran gehen und einfach die Szenen auf sich wirken lassen. Eintauchen in das Leben nach Voldemort und feststellen, das die Probleme von Harry Potter viel schwieriger sind, als gegen den dunklen Lord zu kämpfen.

Ich habe schon ewig kein Theaterstück mehr gelesen, aber die Liebe und der Zauber zu dieser Erzählart sind mir unmittelbar wieder entgegen geschlagen. Sofort war ich in den Szenen drin, die Magie hat sich sogleich über mich gelegt und nur durch die Dialoge, gab es unglaublich viele Bilder dazu in meinem Kopf. Man erkannte allein durch das Gesagte sofort die Figur und musste gar nicht groß auf den Namen schauen. Ich fand, dass das Autorentrio hier die Teenager gut als Erwachsene wieder gegeben haben. Eine hektische Hermine, ein etwas neben sich stehenden, aber liebenswerten Ron, ein mürrischer Darco und ein immer besorgter Harry.

Wir erleben Harry als erwachsenen Mann, der mit den Problemen seiner heranwachsenden Kinder zu kämpfen hat. Bei James und Lily fällt ihn die Vaterrolle nicht schwer, sie sind auf einer Wellenlänge und er erkennt sich stellenweise in ihren Augen als junger Harry wieder. Sein Sorgenkind ist Albus, er schlägt total aus der Reihe, landet bei Slytherin, freundet sich ausgerechnet mit dem Sohn von Malfoy an und auch sonst scheint er ein ziemlicher Außenseiter zu sein. Je älter er wird, um so schwieriger fällt es Harry bei im durchzudringen und so verstricken sich die beiden in Missverständnissen und gehen sich mehr aus dem Weg, als gut ist.

Albus fühlt sich den Erwartungen nicht gewachsen und trotz der Versicherungen seiner Eltern, das Slytherin nicht schlimm ist, fühlt er sich als Versager. Dann ist er in vielen Fächern ein nicht so guter Schüler, fällt als Außenseiter auf und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Jedes Gespräch mit seinem Vater ist eine Tortur und er fühlt sich sehr ungeliebt. So kommt es, dass er die Chance ergreift, endlich zu glänzen und gerät dabei in größter Gefahr.

Ich mochte die Geschichte sehr und fand hier Harry menschlicher denn je. In seiner Geschichte kam er oft heldenhaft rüber, aber hier merkt man seine Hilflosigkeit, seine Angst als Vater zu versagen und das ihn seine Familie aus den Händen gleitet, denn diese ist doch sein ein und alles. Dabei ist Albus ihm gar nicht unähnlich, aber wie es so oft im wahren Leben ist, will man selten einen Spiegel vorgehalten bekommen. Diese Vater und Sohn Geschichte steht natürlich im Mittelpunkt vom Stück und ich fand sie richtig gut gemacht, aber auch das Dunkle taucht hier wieder auf. Hierzu muss ich allerdings gestehen, dass ich die Umstände etwas sehr konzipiert fand und mich nicht wirklich überzeugen konnten, aber am Ende habe ich das so hingenommen und nicht weiter infrage gestellt, weil es ja mehr Mittel zum Zweck war.

Für mich ein gelungener Ausflug zur Potter Familie und ich habe es gern und mit Begeisterung verschlungen und es ist toll, das ein Held immer noch kämpfen muss, wenn auch auf anderen Schlachtfeldern, dabei kann Liebe so einfach sein.

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64 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

cia, thriller, cruelty, lesewochenende, spionage

Cruelty

Scott Bergstrom , Christiane Steen
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gwen ist ein Diplomatenkind und schon ziemlich viel in der Welt herumgekommen, nun hat es sie und ihren Dad nach New York verschlagen. Wie so oft muss sich Gwen mit einer neuen Umgebung und Klasse herumschlagen und in so einer Privatschule merkt man doch schnell, zu welcher Gesellschaftssicht man abgestempelt wird. Aber daran will sich Gwen an diesem Tag nicht stören, denn heute hat ihr Vater Geburtstag und diesen feiern sie immer zusammen. Zwischen Essen und Geschenk auspacken eröffnet dieser seiner Tochter, dass er am nächsten Tag geschäftlich nach Paris reisen muss. Da dies immer wieder vorkommt, denkt sich Gwen nichts dabei, bis auf einmal abends zwei Unbekannte vor ihrer Tür stehen und sie bitten mit zur CIA Zentrale zu kommen. Hier erfährt sie, dass ihr Vater gar kein Diplomat ist, sondern CIA-Agent und bei einem Einsatz spurlos verschwunden ist. Nun suchen sie nach Anhaltspunkten und hoffen, dass Gwen irgendetwas weiß. Aber Gwen steht unter Schock, ihr ganzes Leben steht Kopf, und als dann die CIA ihre Ermittlungen einstellen will, weiß sie, dass sie handeln muss, denn eine Spur hat sie, Paris. Was ist mit ihrem Vater passiert? Wurde er gefangen oder lebt er schon nicht mehr? Wie weit ist Gwen bereit zu gehen, um ihren Dad zu finden?
Als ich diesen Klappentext gelesen hatte, war ich sofort im Kinomodus und hatte schon die wildesten Bilder im Kopf. Es klingt doch einfach spannend, aufregend und von geballter Action. Immerhin wird aus einem ganz normalen Mädchen, ein Racheengel, und das verspricht doch gute Unterhaltung und macht doch neugierig, wie der Autor diese Entwicklung darstellt.

Wir lernen Gwen in ihrer Schule kennen, wie sie sich als Außenseiterin und Fremdling in die Klassenstruktur einleben muss, wie sie bei ihren Mitschülern ankommt und mit welchen Stänkereien sie kämpfen muss. Als Kind eines Diplomaten muss man sich ständig anpassen und damit leben, in der Welt zu Hause zu sein. Gwen hat da gerade die Nase voll von, sie hätte gern ein richtiges Heim, mit einer Mutter, die nicht schon seit 10 Jahren tot ist und Freunden in der Nachbarschaft, eben ein ganz normales einfaches Leben. So hat sie zwar schon viel gesehen und erlebt, an den verschiedensten Orten gewohnt und beherrscht eine Menge Fremdsprachen, ist aber auch sehr allein. Genau in dieser Situation, erfährt Gwen, dass ihr Leben eine Lüge ist, das ihr Vater, der noch nicht mal ihr leiblicher ist, sie angelogen hat und gar kein Diplomat ist. Alle seine Reisen und Umzüge bekommen jetzt einen anderen Blickwinkel und Gwen fühlt sich verloren und verraten. Außerdem ist sie mit der ganzen Situation überfordert, Durchsuchungsbefehle, Verhöre, eine Tante, mit der sie nie Kontakt hatte und die quälende Unwissenheit über den Verbleib ihres Vaters. Immer mehr reift eine Unruhe in ihr heran, und als dann die CIA ihre Ermittlung offiziell einstellt, muss sie sich für einen Weg entscheiden, Mädchen bleiben, oder zum Täter werden.

Am Anfang hatte ich beim Lesen das Gefühl, eine Highschool Geschichte zu lesen, junges Mädchen, eine Außenseiterin und dann lernt sie einen Jungen kennen, erste zarte Gefühle, ein fast Kuss und ich dachte, wie will der Autor da den Spagat zur Killerin schaffen, wie soll das glaubwürdig verpackt und rüber gebracht werden. Die Antwort, mit viel Zeit und die gönnt er seiner Protagonistin auch. Bis jetzt ist Gwen ein ruhiges Mädchen, die mit dem Alleinsein klarkommt und sich ihrer Umgebung anpassen kann, dass waren bis jetzt ihre größten Schwerpunkte in ihrem Leben und nun soll sich alles ändern. Wie der Zufall es so will, hat ihr Vater was hinterlassen und Gwen stößt darauf und ihre Neugier ist geweckt und so folgt sie den Anhaltspunkten nach Paris.

Der Autor macht das mit ihrer Entwicklung eigentlich ganz geschickt und spiegelt ihre Fortschritte durch ihre bereisten Städte wieder, denen er einen ganzen Abschnitt im Buch, jeweils widmet, New York mit der Erweckung, Paris, die Ausbildung, Berlin, die ersten eigenen Schritte und Prag bildet, das Schlusslicht. Ganz langsam muss sich Gwen von ihrer Unschuld lösen und Grenzen überschreiten, die sie nie wieder gut machen kann. Diese Bedenken und der innerliche Kampf ist gut dargestellt, aber trotzdem hat man bei einigen Stellen das Gefühl, das geht viel zu glatt. Wenn Gwen schon so brav rüber kommen muss, dann sollte mehr schief gehen, denn so war es mir einfach zu gewollt und passend. Was sie allerdings mitbringt und ihr das eine oder andere Mal zugutekommt, sind ihre Fremdsprachenfähigkeiten und ihr Turntraining, so nimmt man ihr vieles eher ab. Aber ich muss schon sagen, ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, in meinem Kopf wurde sie viel schneller zur Assassinen, ich hätte gedacht, dass sie vielleicht schon länger in irgendwas drin steckt und sie somit schneller und gezielter handelt und nicht eine Jungfrau, die nun ihren Mann stehen muss. Außerdem fand ich, dafür, dass sie sich so lange vieles nicht getraut hat, dann solch ein Ende ein bisschen überzogen.

Allerdings was mich total überzeugt hatte, waren die Beschreibungen vom Autor über die vier Städte, unglaublich greifbar, realistisch und mit absolutem Blick auf die Feinheiten, hat er sie wunderbar gezeichnet. Man hatte beim Lesen das Gefühl, alles Selbst zu sehen, zu riechen und die Luft zu schmecken, und ich rede nicht unbedingt von den schönen Seiten dieser Städte, das hat er verdammt gut hinbekommen.

So bin ich bei dieser Geschichte wirklich im Zwiespalt, zwischen wunderbaren Beschreibungen und einer Story, die für mich nicht ganz rund war. Gut zu lesen, aber der Spannungsbogen war einfach zu weit auseinander gezerrt und Gwens Geschichte ist noch nicht wirklich zu Ende.  Vielleicht waren aber auch meine Vorstellungen und Erwartungen einfach zu verschiedenen. Wer sich aber gerne Zeit lässt und mehr Wert auf eine Entwicklung legt, als auf Affekte und Action ist mit Cruelty bestens versorgt.

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fae, fantasy, liebe, fluch, frühlingshof

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.02.2017
ISBN 9783423761635
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Feyre ist die Jüngste von drei Töchtern und sie musste am Sterbebett ihrer Mutter versprechen, das sie sich immer um alle kümmern wird. In Armut gestürzt, von Hunger geplackt muss sie zur Jägerin werden, ein Schicksal, das aus ihr eine zähe und harte junge Frau macht. Nun jagt sie in den Wäldern der Menschen, aber die Mauer mit dem magischen Reich der Fae ist ganz in der Nähe und bringt ein großes Übel eines Tages über Feyre. Sie tötet einen von ihnen und wird dafür ins Reich hinter der Mauer entführt. In eine Welt voll Trug und Schönheit, wo nichts ist, wie es erscheint und Feyre hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihr auch dort die Liebe begegnen würde. Aber darf diese Liebe sein? Warum lauern im Reich der Fae überall Dunkelheit und Schatten? Und wird Feyre um ihre Liebe und für die Sicherheit der Welt der Menschen kämpfen?
Ich habe bis jetzt noch nix von Sarah J. Maas gelesen und ich muss gestehen, dass ich von ihrem Bekanntheitsgrad noch gar nicht so viel mitbekommen hatte. Dabei gibt es auch in meinem Freundschaftskreis Leser von ihrer Throne of Glass Reihe, aber irgendwie hatte mich das nicht gereizt, oder die Stimmen waren nicht laut genug für mich. Nun allerdings bringt sie eine neue Trilogie auf den Markt und ja ich gestehe, das Cover hat mich auch besser angesprochen. Da geht es mir, wie beim Essen, das Auge liest halt mit. Nur die Inhaltsangabe fand ich, etwas spärlich und so war meiner Fantasy freien Lauf gesetzt, aber damit hatte ich nicht gerechnet und mit der Dicke des Buches auch nicht. Ob es mich begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt, ach was soll es, vorab, ich bin schwer verliebt.

Feyre ist hart, unnahbar und manchmal kalt wie Eis, aber das ist auch kein Wunder bei der Last, die auf ihren Schultern lastet. Als sie noch klein war, waren ihre Eltern und Schwestern wohlhabend, aber nach dem Tod der Mutter und dem gegebenen Versprechen, find das Unglück an. Schulden und falsche Spekulationen trieben sie in die Armut, der Vater gab resigniert auf und die Schwestern waren zu fein für harte Arbeit. So bleibt es an Feyre, für Nahrung zu sorgen, und zwar allein, als Jüngste in der Familie und ohne Dank für ihren Einsatz. Dieses Los sorgte dafür, das Feyre innerlich hohe Mauern aufzog, einen übergroßen Schutzinstinkt entwickelte und mit Gefühlen schwer umgehen kann. Aber Gott was mochte ich sie, dieses harte Schicksal, dieses schwere Erbe und sie so unnachgiebig wie ein Felsbrocken. Dabei verflucht sie oft ihr Leben, fühlt sich wie ein Bauer in der Umgebung ihrer gebildeten Schwestern und ist oft von Charme und Wut erfüllt, starke Gefühle, die sie immer vorantreiben. Und dann nimmt ihr Leben eine unglaubliche Wende, sie verstrickt sich in die Welt der Fae und begegnet Tamlin.

Am Anfang dachte ich, mein Gott so viele Wörter, was lässt sich die Autorin aber Zeit und ich komme nie voran. Das erste Kapitel löste auch noch keine überschwängliche Begeisterung aus und so hatte ich beim Lesen wirklich gemischte Gefühle. Allerdings lernen wir so Feyre und ihr Wesen so gut kennen, das wir viele ihrer Handlungen gut verstehen konnten und oft schon wussten, das sie da oder dort überreagieren wird. Für mich begann der Lesesog, als es in die Welt hinter der Mauer ging und wir auf den Fae Tamlin trafen. Ihren Entführer, der nur so von Geheimnissen umwoben ist und doch das gewissen etwas ausstrahlt. Diese beiden Hauptcharaktere sind es gewohnt, ihre Gefühle für sich zu behalten und es machte so unglaublichen Spaß mit zu verfolgen, wie nach und nach sich beide öffneten und ihre Beziehung sich änderte. Aus Hass wurde Verstehen, aus Verstehen wurde Zuneigung und zum Schluss, Liebe. Diese Entwicklung zog einen durchs Buch, und obwohl nicht so viel passierte, füllten sich die Zeilen und man dachte öfters, nehmt euch endlich ein Zimmer. Aber dann kommt das große Drama, als ob es nicht schon die ganze Zeit gelauert hätte und man liest die nächsten 200 Seiten mit Herzinfarktrisiko.

Sarah J. Maas hat hier wirklich ein tolles Setting entworfen und mit so viel Feingefühl und Liebe aufgefüllt, dass man selbst darin herum wandeln konnte. Außerdem fand ich, die vielen Märchenansätze richtig gut hineingeflochten und trotz der Ähnlichkeiten nicht störend, man hatte einfach nicht das Gefühl, das dazugehörige Märchen zu lesen. Dazu kommen noch ihre tollen Figuren und man schließt sie einfach ins Herz, Feyre, die Kämpferin, Tamlin, der leidende Held, Lucian, der Spaßvogel und natürlich gibt es noch einen interessanten Nebenbuhler, mit Rhysand hat die Autorin einen weiteren Fae der extra Güte geschaffen, intelligent, intrigant, undurchschaubar und etwas brodelt in ihn. Ich fürchte, da wird noch einiges auf uns zukommen, denn sein Auftritt ist noch lange nicht vorbei. Mehr möchte ich einfach nicht verraten, denn ihr sollt diese Reise einfach selber machen.

Was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, was für ein Auftakt und was für eine Geschichte. Sarah J. Maas hat hier wirklich Magie geschaffen, die Düsternis des brutalen Bösen eingefangen, aber auch das Licht, was immer wieder hervorkommt. Unglaublich fesselnd geschrieben und bei mir einen absoluten Suchtfaktor ausgelöst. Ich möchte genau jetzt weiterlesen.

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72 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 26 Rezensionen

jugendbuch, fantasy, faun, fabelwesen, märchen

Emma, der Faun und das vergessene Buch

Mechthild Gläser
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.02.2017
ISBN 9783785585122
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emma kehrt aus den miserablen Sommerferien auf Stolzenburg zurück und beschließt, jetzt wird alles anders. Damit das auch klappt, gründet sie mit ihrer besten Freundin Charlotte und Neuling Hannah einen geheimen Buchclub. Dafür wird die alte Bibliothek im Westflügel entrümpelt und hergerichtet, was da an Schätzen hervorquillt, ist unglaublich, kaputte Möbel, staubtrockene Gestecke sowie angelaufene Kerzenleuchter und ein Buch aus einem Geheimversteck. Emmas Neugier ist geweckt und so entdeckt sie eine uralte Chronik über das Schloss, eine Art Tagebuch und was noch erstaunlicher ist, wenn man etwas hineinschreibt, wird es wahr. Ideal findet Emma und beschließt dieses Wissen für sich und die Schule zu nutzen. Aber schnell stellt sie fest, dass nicht alles so passiert, wie sie es sich gewünscht hat und man sehr aufpassen muss, was man hineinschreibt, denn immerhin ist vor vier Jahren, einer der Chrononisten verschwunden. Ein junges Mädchen namens Gina und ihr Bruder Darcy de Winter ist nun an die Schule gekommen, um den damaligen Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Dabei geraten er und Emma immer wieder aneinander und machen das Chaos perfekt. Welche Geheimnisse versteckt dieses Buch? Was ist damals mit Gina passiert? Und steckt hinter den Wortgefechten von Emma und Darcy wirklich nur Abneigung, oder vielleicht doch was ganz anderes?
Auch ich gehöre zu den Jane Austen Leserinnen, und als ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse mehr als nur geweckt, immerhin spielt ein Mr. Darcy mit, wie soll ich da das Buch nicht lesen wollen. Außerdem machte es mich neugierig, wie Mechthild Gläser eine Hommage an Jane Austen schreibt und trotzdem ihr eigenes Ding entstehen lässt, immerhin verbindet man Fantasie nicht unbedingt mit der vor 200 Jahren verstorbenen Autorin. Ich war also richtig gespannt und neugierig, ob mich diese Mischung genauso glücklich macht, wie ein Blick auf Colin Firth, meinen wahren Mr. Darcy.

Emma hat ihren Aufenthalt nicht reicher Eltern auf Schloss Stolzenburg zu verdanken, sondern ihrem Vater, der dort als Direktor tätig ist. So ist sie zwar Teil von allem, aber auch ein bisschen Außenseiterin, denn die reichen Kids, lassen einen doch gut spüren, an welcher Stelle der Gesellschaft man steht. Allerdings macht sich diese Thematik nicht so schwer bemerkbar, wie erwartet. Hier herrscht eher das Schloss vor, verwinkelte Ecken, geheime Plätze und drum herum ein verwunschener Wald, wer wünscht sich solch einen Schulalltag nicht. Emma auf jeden Fall ist begeistert, in jedem Satz, verkündet sie, wie toll Stolzenburg ist und wie wohl sich alle fühlen. Sie möchte noch mehr für die Schule tun und hält mit ihrer Meinung und ihren Tatendrang alle auf Trapp. Ich muss gestehen, dass ich mit Emma nicht ganz warm wurde, mir war sie zu aufdringlich, sie mischte sich in vieles ein und machte oft ihre Meinung, zur Meinung für alle. Durchaus hat sie ihre lieben Momente, aber einfach ist sie mit Sicherheit nicht. Allerdings hat Mechthild Gläser somit die Jane Austen Emma perfekt eingefangen, bei ihr habe ich auch oft aufgestöhnt, mich über ihren Übereifer geärgert und nicht nur einmal die Augen verdreht.

Aber nun zur Geschichte und hier hat die Autorin wirklich eine tolle Mischung geliefert. Da haben wir zu erst dieses Schloss und wir sind sofort im Märchenhaften und verträumten, dann dieses geheime Buch mit magischen Kräften, hier streut Frau Gläser vor jedem nächsten Kapitel einen Ausschnitt ein. So haben wir Vergangenheit, Legenden, Mythen und einen Faun, der seine Kreise im Schloss dreht, oder doch nur in Emmas Gedanken. Und zu guter Letzt die Anlehnung an Jane Austen‘s Bücher und im Speziellen den Klassiker Stolz & Vorurteil, denn unsere beiden Hauptprotagonisten geben hier alle Höhepunkte dieser Liebesgeschichte wieder. Ich muss sagen, das hat mir wirklich Spaß gemacht zu lesen, wie sie alles verstrickt, zusammen webt und mit neuem Leben einhaucht. Großartig dabei war, dass sie trotzdem was Neues geschaffen hat und man nur als Kenner, der anderen Werke schmunzelt und lacht, und denkt, da ist ja meine Lieblingsszene. So rauscht man förmlich durch das Abenteuer und möchte gern dabei sein und alles mit eigenen Augen miterleben.

Mechthild Gläser hat mich mit ihren vielen Ideen überrascht und mich als glücklichen Leser zurückgelassen. Allerdings spürt man auch, das hier eindeutig die jüngeren Leser angesprochen werden, was kein Vorwurf sein soll, sondern für meinen Geschmack an manchen Stellen einfach zu salopp war. Trotzdem war dieser Besuch für mich sehr farbenprächtige und einfach abenteuerlicher auf Stolzenburg und zudem mit einer wirklich liebevolle Geschichte ausgestattet. Für jeden, der schon immer auf einem Schloss leben wollte, mit Mythen, Geheimgängen und einen arroganten Besitzer, herrlich flotter Spaß und frischer Wind zwischen zwei Buchdeckeln.

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480 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 99 Rezensionen

fantasy, sabaa tahir, jugendbuch, liebe, laia

Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Sabaa Tahir , Barbara Imgrund
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783846600382
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Laia hat Elias retten können und nun sind sie beide auf der Flucht. Er, der sich nach Frieden sehnt und nicht mehr kämpfen möchte. Sie, die nicht mehr still sein möchte und sich von ihren Fesseln befreien will. Beide unterschiedlich und doch hat das Schicksal sie zusammengeführt, gegen das Imperium und für den Widerstand. Laia möchte unbedingt nach Kauf und ihren Bruder befreien, dabei soll Elias helfen, denn sein Wissen könnte von unschätzbarem Wert sein. Aber so einfach, wie sie es sich vorstellen, ist es nicht ans andere Ende des Landes zu gelangen. Denn das Imperium ist in Aufruhr, der neue Imperator will Rache und schickt niemand geringeren als seinen Blutgreif, Helena und sie soll Elias finden und töten. Werden Laia und Elias es nach Kauf schaffen? Welche Gefahren und Entbehrungen wird sie diese Reise kosten? Und wird Helena ihren Befehl ausführen?
Ich muss ja gestehen, ich war total in den ersten Band verliebt und konnte es überhaupt nicht fassen, das es vielleicht keinen Zweiten geben, sollte. Diese Panik war dann doch unbegründet, denn nun folgte der heiß ersehnte zweite Teil und ich freute mich sehr darauf. Vor allem wie die Autorin es weiter stricken würde und welche Überraschungen sie für uns haben würde und mein lieber Scholli, davon hatte sie wirklich einige auf Lager.

Der zweite Band schließt förmlich an den Ersten an, denn wir befinden uns noch in Schwarzkliff und sind mitten auf der Flucht. So gelangen wir Leser sofort wieder ins Geschehen und die Erinnerung wurde geweckt und hervorgeholt. Wie im ersten Teil geht es flott und atemberaubend schnell zur Sache und es entwickelt sich ein richtiger Lesesog. Sabaa Tahir lässt uns kaum Luft holen und zeigt direkt schon am Anfang, dass sie selber Spaß daran hat, uns ihre Geschichte weiterzuerzählen und ihre Welt weiterzuspinnen und uns entdecken zu lassen. Dabei verlässt sie jetzt Schwarzkliff und führt uns in die Wüste und zu vielen anderen Orten und Menschen, ein wahrer Wirbel an Sand und warmer Luft schlägt uns da aus den Buchseiten entgegen.

Diesmal wird die Geschichte nicht nur aus Laia und Elias Sicht erzählt, nein, auch Helena bekommt eine, was dem ganzen nochmals eine andere Richtung gab. So haben wir Elias, man muss es einfach sagen, mein Herzensheld, der sich durchkämpfen muss und der diesmal eine Bürde aufgeladen bekommt, die mir als Leser so gar nicht schmeckt. Wenn die Autorin wirklich, das Schlimmste geschehen lässt, womit sie gerade anfängt, lese ich nie wieder was von ihr. Andererseits hoffe ich auf ihre Fantasie und eine Lösung, mit der ich leben kann, aber wehe wenn nicht. Laia hat aber auch so ihre Probleme, in Elias Beisein fühlt sie sich stark und kämpferisch, aber auch sie bekommt noch einige Steine gelegt und muss daran wachsen. Momentan meint es Sabaa Tahir mit diesem Paar nicht gut und lässt mich als alter Romantiker richtig leiden. Tja und dann haben wir noch Helena, die es richtig hart getroffen hat. Sie ist im ständigen Kampf zwischen Familie, Liebe und Pflichtgefühl, innerlich zerrissen und muss trotzdem den Mächten gegenübertreten. Auf ihre weitere Entwicklung bin ich sehr neugierig, aber auch ängstlich.

In einer Sache bleibt sich die Autorin aber sehr treu, sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, bleibt dieser gewaltbereiten Welt treu und verschönert nichts. Sabaa Tahir lässt alle drei ihrer Helden leiden und jeden sein eigenes Szenario erleben, wirklich böse, düster, hart und brutal. Ich muss gestehen, ich habe hier genauso gelitten wie im ersten Band und war über einige ihrer Wendungen wirklich überrascht und konnte nicht glauben, dass hier schon Schluss sein soll, das Ende ist immer noch kein Ende. Besorgt habe ich mit einer Freundin darüber gesprochen und erfahren, dass noch mehr kommt. Diese Autorin beherrscht es, meinen Bluthochdruck zu steigern.

Eine gelungene Fortsetzung und eine gute Weiterentwicklung von Setting und Figuren, immer noch spannend, aufregend und zum aus der Haut fahren. Allerdings finde ich ihren Leidensprozess manchmal etwas zu viel und es mag Geschmackssache sein, aber Elias Weg gefällt mir persönlich nicht sehr, so wie einige Fantasyelemente, die ich vorher nicht vermisst habe und hier nicht ganz passend fand, aber wie gesagt Geschmackssache und man kann es nun mal nicht jedem Recht machen. Sabaa Tahir kann auf jeden Fall erzählen und ich bin gespannt, wie sie das Ruder herumreißen wird.

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162 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

angelfall, engel, susan ee, raffe, familie

Angelfall - Tage der Dunkelheit

Susan Ee , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.01.2017
ISBN 9783453317482
Genre: Fantasy

Rezension:

Penryn hat es geschafft und ist nicht nur den Klauen der Engel entkommen, nein, sie hat auch noch ihre kleine Schwester befreit und zurück geholt. Allerdings ist Paige verändert und macht den Leuten Angst, sogar Penryn weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Je ungewöhnlicher sich die Familie verhält, umso mehr Unruhe lösen sie bei den Rebellen im Unterschlupf aus und Penryn kann nicht immer zur Stelle sein. So passiert es, dass ihr kleine Schwester spurlos verschwindet, ihre Mutter wieder mal ausflippt und ihr nichts anderes übrig bleibt, als sich der Welt zu stellen und ihre Familie zusammen zuhalten. Nur ist diesmal kein Raffe an ihrer Seite, aber das hält Penryn nicht auf und so dringt sie wieder in die Welt der Engel ein und erfährt von einem Plan, der alles auslöschen könnte. Wird Penryn ihre kleine Schwester finden? Was verfolgen die Engel wirklich und welcher Plan soll da umgesetzt werden? Und wird sie wieder auf Raffe treffen?
Was war ich damals vom ersten Band begeistert, diese Mischung aus bösen Engelen und tapferen Mädchen fand ich so gelungen, das ich das Buch wie im Fluge durchgelesen hatte und mich wie infiziert, fühlte. Nur ging es dann nicht weiter und sehr lange musste der deutsche Markt darauf warten, aber nun endlich ist die Fortsetzung da. Allerdings mit neuem Buchformat und neuem Cover, ich persönlich finde es etwas schade, da ich das Hardcover, sowie die alte Gestaltung gelungener fand, aber es zählt ja der Inhalt und wer bin ich, dass ich mich in Verlagsentscheidungen einmische, die werden schon ihre Gründe haben.

Der zweite Teil schließt nahtlos an den Ersten an und so steckt Penryn noch in ihrer Lähmung und muss zusehen wie Raffe wegfliegt und ihre Familie sich auf engen Raum bei den Rebellen Platz verschafft. Die Stimmung im Wagen ist alles andere als Freude über den Sieg, sondern feindselig, angstvoll und knapp vorm überschwappen zum Tatendrang. Penryn, ihre verrückte Mutter, so wie die Andersartigkeit ihrer Schwester sind nicht willkommen im Camp und so stehen alle mächtig unter Druck. Alle glauben, dass es bei ihnen nicht mit rechten Dingen zugeht, immerhin wurde Penryn von einem Ungeheuer gerettet und die kleine Schwester sieht zum Fürchten aus, so entstellt ist sie von den Engeln zurück gekommen und naja, über die Mutter müssen wir nicht reden. Aber auch unsere Heldin hat Probleme mit Paige und ihrer Veränderung umzugehen, so streift sie lieber durchs Lager, oder versucht Essen für sie aufzutreiben, als sich wirklich mit ihr zu befassen. Warum hat man es ihr angetan? Wofür soll das nütze sein? Wieso ist ihre kleine Schwester jetzt ein Monster? Penryn ist verwirrt, verzweifelt und sehnt sich zusätzlich noch nach Raffe. Als es dann auch noch bei den Rebellen zu einem Angriff der Engel kommt und Paige verschwindet, kehrt Penryn in ihre Rolle zurück, nichts, aber auch gar nichts zerreißt ihre Familie.

Seien wir ehrlich, irgendwie ist der Ausgangspunkt ähnlich wie in Band eins, Penryn sucht ihre kleine Schwester und Raffe immer noch nach seinen Flügeln, aber soll ich euch was sagen, das war mit total egal. Ich finde, es musste in diese Richtung irgendwie gehen, immerhin haben sie Paige total verstümmelt und verändert, das musste doch einen Sinn haben und so müssen die Bösen ihr Experiment doch zurückholen. Außerdem wollen wir doch wissen, was diese Engel vorhaben, warum sie hier sind und was zum Teufel diese Forschungen sollen, zudem wollen wir doch das Penryn wieder in die Schlacht eintritt und für Wirbel sorgt. Allerdings müssen wir sehr lange ohne Raffe auskommen, fast zwei Drittel des Buches glänzt er durch Abwesenheit, aber das ist zu verschmerzen, denn die Autorin lässt ihn anders präsent sein. Das fand ich überhaupt total gelungen, denn Penryn freundet sich mit seinem Schwert an und dieses, lässt sie im Traum Erinnerungen und Gefühle von seinem Besitzer sehen und diese Einblicke waren mehr als nur interessant. Aber ganz ehrlich nichts ist schöner, als wenn diese beiden sich in die Haare bekommen und sich einen Wortschlagabtausch liefern.

Für mich hat Susan Ee einen guten Mittelband abgeliefert, es ist spannend, immer noch wahnsinnig schnell zu lesen und man verfällt so richtig in einem Lesesog. Außerdem spinnt sie ihre Welt weiter, es wird immer düsterer, aber so langsam lässt sie uns Leser dahinter schauen, was die Engel wollen und planen. Genauso entwickelt sie ihre Figuren weiter, Penryn die immer noch einen übergroßen Beschützerinstinkt hat, muss jetzt mit einer Schwester umgehen, vor der sie selbst mit Angst und Abscheu zu kämpfen hat. Es zerreißt sie innerlich, aber auch ihre Sehnsucht nach einem gewissen Engel, bringen sie total aus der Bahn. Aber sehr lange hat sie für ihre Grübeleien keine Zeit, sie muss in diese erschreckende Welt hinaus und sich allem in den Weg stellen, was Flügel hat.

Ich bin immer noch total begeistert von der Reihe und finde sie so nüchtern erzählt, mit ironischem Humor bespickt, realistisch rüber gebracht und sie kann sich an den großen Dystopien messen lassen. Was bin ich gespannt, wie es mit dem ungleichen Team weitergeht, und kann es kaum erwarten, in Teil drei abzutauchen.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

jazz, eifersucht, geschäftsidee, single, trennung

Am Tiefpunkt genial

Karoline Cvancara
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 02.11.2015
ISBN 9783903091023
Genre: Romane

Rezension:

Paul fühlt sich wohl in seinem Leben, er hat es nach seinem Geschmack perfekt eingerichtet. Er arbeitet in einer Buchhandlung, weil er selber gern liest, und hat eine Freundin, die ihr eigenes Leben hat und ihn seine Freiheiten lässt. So kann er rauchen, lesen und seiner Liebe zur Musik nachhängen. Bis er nach einem Konzertbesuch aufwacht und seine Freundin ihn mitteilt, dass sie ihn verlässt. Das allein haut ihn schon um, aber die Tatsache, dass sie ihn für einen seiner Freunde verlässt, macht alles noch viel schlimmer. Wie soll Paul jetzt nur damit umgehen? Und als ob das nicht schon schwer zu bewältigen wäre, eröffnet ihm sein Chef, dass er den Buchladen aufgeben möchte. Paul stürzt in eine tiefe Krise, aus Frust, Selbstmitleid und Wut. Diese versucht er mit Zigaretten, Alkohol und Musik zu bewältigen. Aber reicht das? Wie kann man ihn das antun? Wird er es schaffen, aus dieser Sinnkrise herauszukommen? Und ist nicht jedes Ende, ein neuer Anfang?
So recht wusste ich nicht, was mich bei diesem Roman erwarten würde. Immerhin hat ja so jeder seine Probleme und gerade die Sorgen in Liebe und Job, sind für alle nicht ganz unbekannt. Also was soll mir Paul da Neues berichten und kann mich seine Geschichte erreichen? Waren für mich wirklich ganz wichtige Fragen, aber nicht zu dem Zeitpunkt, wo ich das Buch in den Händen hatte, sondern später, denn seine Geschichte hat mich in einem Moment hart getroffen, als ich selber um meinen Arbeitsplatz und neue Perspektiven bangen musste.

Paul ist Einzelkind und statt Jura zu studieren und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, merkt er schnell, das ihm sein Studienjob in der Buchhandlung mehr erfüllt und er von Aushilfe zum Angestellten wechselt. So kann er seiner Leidenschaft zu Büchern frönen und bequem sich der anderen, nämlich der Musik, widmen. Eine schöne Wohnung, jede Menge Platten und ganz viel Freizeit, was wünscht man sich mehr im Leben. Sogar die Freundin passt zu Pauls Lebensstil, jeder lebt seine Interessen aus, alles bleibt schön oberflächlich, ja nicht zu viel reininterpretieren und schon gar nicht irgendwelche Kraft für sinnfreie Diskussionen opfern. Immerhin möchte man doch einfach nur bequem Leben. Tja, und dann wird es in Pauls Leben schnell ungemütlich. Freundin an Freund verloren und die Existenz steht auf dem Spiel. Aber statt zu kämpfen, ertrinkt er lieber in Selbstmitleid. Paul ist ein sympathischer Träumer, der nicht gern über sich nachdenkt und sich lieber über gute Bücher und Jazzmusik identifiziert und darin hat er auf jeden Fall Geschmack.

Für mich war diese Geschichte allerdings auch ein Spiegel unserer heutigen Generation. Da ist wohl Paul keine Ausnahme, wie sehen die heutigen beruflichen Ambitionen aus, entweder man hat die Überflieger oder die, die einen Job suchen, der ihnen viel Freizeit beschert. So wie Paul, denn so wirklich hat er sich über seinen Beruf nie Gedanken gemacht, es hat sich viel mehr ergeben. Die Frage, was möchte er im Leben erreichen, was würde ihn glücklich machen, ist er erfolgreich aus dem Weg gegangen und Freundinnen, die ihm zu nahe gekommen sind, wurden mit erfunden Gründen vom tiefer graben abgehalten. Aber nun muss er sich neu orientieren, allen Fragen, die er immer gemieden hat, stellen und einen Weg zum eigenen Glück finden. Sprich sich selbst finden.

Karoline Cvancara findet hier ehrliche und tiefgründige Worte. Am Anfang leidet man mit Paul mit, man möchte ihn helfen und gern unter die Arme greifen, aber dann kommt ein Punkt, wo man ihn einfach nur in den Allerwertesten treten möchte. Das macht sie so geschickt, dass man beim Lesen auch über sich selbst nachdenkt. Wie würde man selber reagieren, ist dieses verkriechen und jammern wirklich nur bei Paul so? Ich glaube, in vielen Situationen habe ich mich auch so gesehen und das hat mich ein bisschen erschreckt und beunruhigt, gerade was das Problem mit dem Arbeitsplatz angeht, diese Gefühle konnte ich gerade selbst genau nachempfinden, Schock, Wut, Traurigkeit, Selbstmitleid und ein bisschen Hoffnungslosigkeit, das direkt zu lesen, war hart und hat mich kalt erwischt, aber es hat auch gezeigt, man ist nicht allein damit und es findet sich immer eine Lösung. Somit ist der Spiegel, der hier aufgezeigt wird zwar schon schockierend, aber auch gleichzeitig Mut machend, denn es ist nie zu spät für einen neuen Anfang.

Ich mochte diese Geschichte wirklich sehr, denn auch wenn sie für mich in der Situation nicht einfach war, war sie auch sehr zeittreffend und aufbauend. Paul, der sich öffnet und seine Welt neu gestaltet, dieses Motto, es ist nie zu spät, sehr gut gewählt in unserer modernen Welt mehr als passend. Dazu noch die gut gewählten Worte der Autorin und die ganze stimmungsvolle Musik von Pauls Sammlung, gaben dem Buch den perfekten Rahmen. Für jeden, der mehr im Leben will und einen kleinen Tritt braucht.

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308 Bibliotheken, 41 Leser, 2 Gruppen, 113 Rezensionen

weltraum, kai meyer, science fiction, hexen, raumschiff

Die Krone der Sterne

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035854
Genre: Fantasy

Rezension:

Iniza ist auf dem Weg zur allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden, denn sie wurde zur Braut auserwählt und muss jetzt der galaktischen Macht folgen. Allerdings will sie sich dem nicht kampflos überlassen, so hat sie mit ihrem Geliebten Glanis einen Fluchtplan geschmiedet und dieser soll jetzt umgesetzt werden. Natürlich läuft dieser nicht glatt und so müssen sie improvisieren und sich mit dem Kopfgeldjäger Kranit und der Alleshändlerin Shara Bitterstern zusammentun. Auf einem Schiff knallt somit Misstrauen, Furcht und jede Menge todesmutige Pläne aufeinander. Jeder hat seine eigenen Sorgen und Wünsche, aber eins steht im Auge der Gefahr fest, zusammen halten sie gegen jeden Gegner durch und stellen sich dem Gefecht aus Laserfeuern und galaktischen Mächten. Wohin wird sie ihre Reise bringen? Können sie der Gottkaiserin entfliehen? Oder werden sie sich vorher gegenseitig verraten?
Ich habe schon seit Ewigkeiten keinen Kai Meyer Roman mehr gelesen, somit liegt der Letzte auch schon einige Zeit zurück und hatte damals so gar nicht meinem Lesegeschmack getroffen, aber jetzt kommt er mit Science Fiction und der Inhalt war sofort meins. Als alter Star Wars und Star Trek Gucker hatte ich total die Hoffnung diese Abenteuer auch mal in Buchform zu lesen und mich von einer neuen Welt einnehmen zu lassen, ob das, Herrn Meyer gelungen ist, verrate ich euch jetzt.

Der Einstieg ging so flott in die Geschichte, dass ich mich fast in Überschallgeschwindigkeit an meinem Lesesessel festkrallen musste. Herr Meyer hält sich nämlich nicht lange mit endlosen Formulierungen für die Tatbestände vom Setting auf, sondern wirft uns einfach mitten in die Flucht von Iniza. So lernten wir auch direkt die Heldin des Ganzen kennen und merkten gleich, die junge Frau hat es drauf und ist mal so gar kein Opfer, sondern eine Kämpferin. Während wir uns also durch Schächte quetschten, im All spazieren gehen, bekommen wir ganz geschickt vom Autor die Begebenheiten eingestreut, so bekam man einen Überblick über die kosmische Welt und der Spannungsfaktor war immer noch auf dem Hochlevel und das schaffte Kai Meyer von Anfang bis Ende. Es folgte eine Überraschung der Nächsten und die Entwicklungen haben einen einfach an den Buchseiten kleben lassen. Ich muss gestehen, dass ich so in einem Leserausch gerate, hatte ich nicht erwartet, aber es war einfach ganz großes Kino.

Auch seine Figuren waren wirklich alle super durchdacht und machten das Lesen wirklich zum Vergnügen. Iniza ist eine Baroness und wird als ausgewählte Braut zur Gottkaiserin geschickt, aber so leicht lässt sie sich ihr Leben nicht bestimmen. Heimlich hat sie eine Beziehung zum Soldaten Glanis angefangen und diese Liebe ist nicht ganz ohne Ergebnis geblieben. So haben wir wirklich mal eine Heldin, die auf allen Ebenen ihres Lebens kämpfen und vermitteln muss. Ich mag starke weibliche Romanfiguren, allerdings ist so Glanis ein bisschen blass geblieben. Er hat zwar seine Momente und man mag ihn von Anfang an, aber er hält nun mal den Rücken für Iniza frei und so verweilt er im Hintergrund. Beide sind jung, beide werden unterschätzt und überraschen so ihre Mitverbündeten. Und so kommen wir zu den beiden Figuren mit Ecken und Kanten, Kranit der Kopfgeldjäger, der sich schon aus vielen aussichtslosen Situationen heraus gekämpft hat, um den sich Legenden ranken und der auf seine alten Tage etwas sentimental wird. Diesen grantigen, ungehobelten Mann möchte man eigentlich schnell ins Leserherz schließen, aber man ist vorsichtig, immerhin kennt man seine Hintergedanken noch nicht. Ihm gegenüber stellt man die Alleshändlerin Shara, die sich nach einer Gefangenenstrafe endlich zurück in ihr Leben kämpfen will und feststellt, dass man ihr Schiff verkauft hat und das geht ja nun mal gar nicht. So schlittert sie in eine Geschichte, an der sie nicht teilhaben will und sorgt dafür um so eine oder andere wütende Auseinandersetzung mit Kranit. Bei ihr hat man oft das Gefühl von Mitleid, allerdings macht sie es mit ihrer aufbrausenden Art wieder kaputt und man möchte sie knebeln. Wie ihr seht, Figuren, die man einfach begleiten möchte, ein Haufen komplett verschiedener Charaktere, die für mega Unterhaltung und Überraschungen sorgen.

Für mich hat Kai Meyer hier wirklich eine Geschichte geschrieben, die mich rund um begeistern konnte. Viele verschiedene Mächte, die um die Galaxis kämpfen und deren Beweggründe noch nicht ganz offen liegen, ein Team, was erst zusammenwachsen muss, dazu jede Menge überraschender Action und einen dauerhaft anhaltenden rasenden Leserherzschlag. Dazu noch ein bisschen Liebe und Magie, alles gewürzt mit Laserpistolen und Hyperantrieb, sodass man einfach Spaß beim Entdecken dieser Welt hatte. Für mich war dieser Ausflug perfekt harmonisiert und abgemischt, man hat so richtigen den Spaß und die Freude vom Autor gespürt. Allerdings war für mich das Ende, noch kein Ende, es muss weitergehen und da lese ich zu meinem Erstaunen, das Herr Meyer hofft, das dieses Buch gut ankommt und er gern eine Fortsetzung schreiben würde. Also ich kann euch nur empfehlen, lest es, lasst euch begeistern und ein Leinwandabenteuer im Kopf erleben, es lohnt sich total und bitte Herr Meyer, schreiben sie einen zweiten Teil.

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69 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

luxemburg, krimi, paris, 1939, 2. weltkrieg

Gefährliche Empfehlungen

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 12.01.2017
ISBN 9783462049220
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Valerie Gabin hat ihre Idee, ein Firmenmuseum mitten im Paris, aufzumachen umgesetzt und jetzt steht die Eröffnungsfeier an, natürlich darf da ihr Freund Xavier Kieffer nicht fehlen. So steht dieser mitten in den neuen Hallen des legendären Gastroführers „Guide Gabin“ und bewundert dessen Werke, allerdings stellt er fest, dass in dem neuen Museum einige Jahrgänge fehlen. Auf Rückfragen wird ihm erläutert, das gerade die frühen Werke recht selten und schwierig zu bekommen sind, gerade die Ausgabe von 1939 ist extrem vergriffen. Natürlich schafft es Valerie irgendwie an eine zu gelangen, damit wenigsten an dem Abend alles perfekt ist und dann passiert das unglaubliche und die Eröffnung wird zum Desaster und die Ausgabe von 1939 ist verschwunden. Was ist so besonderes an diesem Buch? Xaviers Neugierde ist geweckt und er beginnt ein bisschen nachzuforschen und stößt direkt auf einen Mord. Wieso ist ein so altes Buch gefährlich? Was für ein Geheimnis birgt dieses kleine blaue Buch? Kann Kieffer hier für Klarheit sorgen?
Unglaublich aber wahr, der luxemburgische Koch ist schon zum fünften Mal im kulinarischen Einsatz und ich finde es immer noch spannend, interessant und kein bisschen langweilig. Obwohl man sich fragen muss, wie schafft ein Koch es nur immer in so einen Schlamassel zugeraten. Diesmal deckt er allerdings keinen Lebensmittelskandal auf, sondern taucht in die Historie ab, dabei spielt der Zweite Weltkrieg und die gute alte französische Küche eine Rolle. Diesmal also etwas anders, aber immer noch wird herrlich gespeist.

Xavier Kieffer ist also zur Eröffnung des Firmenmuseums „Guide Gabin“ nach Paris gereist, um seiner Freundin Valerie beizustehen. Dabei hat er aber eigentlich eher das Gefühl im Weg zu sein, als zu unterstützen und so, bleibt er lieber im Hintergrund und studiert sein Umfeld. Natürlich fallen ihm die ganzen Gastroführer ins Auge und er muss sie einfach genauer anschauen. Diese Welt der Sterneküche ist ihm ja nicht ganz unbekannt und so schwelgt er mit gemischten Gefühlen in der eigenen Vergangenheit und fragt sich immer noch, welche Voraussetzungen diese Kritiker verwenden. Immerhin ist Geschmack ja eine eigene Sache. Als allerdings mitten in der Eröffnungsrede des berühmten Gastes, nämlich des Präsidenten, der Strom ausfällt, bricht Panik aus und die ganze Arbeit von Valerie ist dahin. So muss Kieffer seine Freundin trösten, unterstützen, versuchen Lösungen zu finden und zur Hilfe eilen. Dies tut er auch gleich am nächsten Tag und versucht dem Verleiher, der gestohlenen Ausgabe, zu beschwichtigen und gerät dabei in einem Mord.

Wie immer ist Xavier Kieffer wieder mal am falschen Ort zur falschen Zeit und wird in ein Abenteuer geschleudert, was er diesmal selber gar nicht will. Natürlich ist er neugierig, was es mit dieser besonderen Ausgabe zu tun hat, aber das ist nicht seine Welt und somit würde er es eigentlich ruhen lassen, wenn da nicht unschlagbare Persönlichkeiten ihm zum Nachforschen bitten würden. Zum einen ist da Valerie, der er gerne helfen möchte und zum anderen, tritt der Präsident an ihn heran und bittet um mithilfe. So versucht Kieffer sich ein Bild des ganzen zu machen und fühlt sich immer mehr beobachtet. Es scheinen diesmal Kräfte am Werk zu sein, die über die Fähigkeiten eines Kochs hinausgehen. Aber wir kennen doch unseren Hobbydetektiv, aufgeben gibt es nicht.

Tom Hillenbrand überrascht hier mit einem ganz anderen konstruierten Fall und das ist ihm richtig gut gelungen. Immerhin bekommen wir gleich zwei Geschichten auf einmal, naja, eigentlich drei. Die Erste ist der französischen Küche gewidmet, und zwar ihren Wandel, erst die Klassische, dann die Moderne und nun das Beste aus allem. Das erfahren wir durch alte Kochbücher, Erinnerungen von Xaviers Kochlebenslauf und natürlich durch einen kleinen Gastroführer. Die Zweite ist der Vergangenheit gewidmet und hierfür gibt es im Buch sogar einen eigenen Erzählstrang, der zuerst ein bisschen verwirrt, da er uns ins Jahr 1940 wirft, aber dann einfach dem Ganzen noch ein bisschen mehr die Spannung gibt, weil man sich ständig fragt, wohin das alles führt. Momentan scheint die Kriegsgeschichte wieder mehr aufgegriffen zu werden und gerade Frankreich spielt dabei eine sehr interessante Rolle. Tja, und die dritte Geschichte sind natürlich Kieffers Nachforschungen, dabei kommt ein Mix aus Spionage, Rätsel und jede Menge gefährliche Zufälle zusammen.

Mich konnte die Geschichte voll packen, hineinziehen und unterhalten. Natürlich trägt Tom Hillenbrand manchmal was dick auf, aber wer tut das nicht und klar fragt man sich manchmal, woher Kieffer die ganze Freizeit hat, aber er ist nun mal Chef. Aber das Talent, alte Geschichte, mit Politik und auch noch mit aktuellen Themen, wie Terror zu verbinden, beherrscht der Autor einfach sagenhaft. Diese Vermischung und dazu jede Menge gutes Essen, machen diese Geschichten zu was Besonderen und man möchte sofort wieder einen Kieffer Fall haben und weiter in seinem Abenteuer lesen. Der Sherlock Holmes der Küche und dabei so menschlich und sympathisch, bitte kochen sie weiter, Herr Kieffer oder Herr Hillenbrand.

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190 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

carrie price, new york diaries, musik, new york, adriana popescu

New York Diaries – Sarah

Carrie Price
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519400
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sarah Hawks steht mit geschlossen Augen in ihrer Lieblingsbar und hört der spielenden Band zu und weiß, die werden den großen Durchbruch nicht schaffen. So beschließt sie nach Hause zu gehen, aber bevor sie verschwindet, spielt der Bassist, Will, einen Pausensong und Sarah ist begeistert. Musik, ist ihr Leben und ihr größter Traum wäre, als Musikjournalistin arbeiten zu können, aber leider hat es damit noch nicht geklappt. Aber New York, wäre nicht New York, um es wenigstens zu probieren und so schlägt Sarah sich als Kellnerin bei einem Caterer durch. Als ihr Arbeitgeber ein großes Bankett für einen Musikkonzern ausrichtet, probiert Sarah nochmals ihre Bewerbung abzugeben. Aber kann das gut gehen? Wird sich Sarah ihren großen Musikwunsch erfüllen können? Und wer ist Charlie, den sie auf der Party kennenlernt? Außerdem gibt es auch noch den Musiker Will, der mit seinen Songs ihr Herz erreicht, aber wer ist der Richtige?
Nun ist der zweite Band, der New York Diaries Reihe draußen und mein Herz hüpfte in Großstadtschlägen. Nach dem hervorragenden Start von Ally Taylor war ich doch sehr gespannt, wohin uns Carrie Price entführen wird und welche Orte, sie uns von der aufregendsten Stadt präsentiert. Bei diesen beiden Autorinnen weiß man ja, dass jede so anders ist, aber trotzdem ergibt es immer was großes Ganzes, harmonisch im Gleichtakt und wunderbar abgestimmt. Was natürlich meine Neugier noch erhöhte.

Sarah liebt Musik und diese ist ihr Leben, und damit das auch jeder weiß, betreibt sie einen Musikblog und hofft, irgendwann als Musikjournalistin auch Geld damit zu verdienen. So stöbert sie gern durch die Bars und hört sich Bands und Musiker an, vielleicht ist ja der Song dabei, der ihr Herz berührt und nicht mehr loslässt. Nur leider kann man davon nicht leben und so arbeitet sie als Kellnerin bei einem Caterer, allerdings zweifelt sie mit 27 Jahren langsam an ihren Erfolg in der Musikwelt Fuß zufassen. Zurück nach Hause möchte sie auch nicht und sich von ihren großen Brüdern hochziehen zulassen. So kämpft sie mit sich und ihren Träumen. Sarah war mir von Anfang an total sympathisch, natürlich, ehrlich und voll Energie, sobald die richtige Musik spielt, gab es für diese junge Frau, kein halten mehr. Ihr Weg zu ihren innerlichem Gleichgewicht war nicht einfach, aber ich glaube, sie hat genau die Erfahrungen machen müssen, um sich selbst zu finden und das ist hier, genial umgesetzt wurden. Träume die Wirklichkeit werden und zwei Typen, die für eine turbulente Zeit sorgen.

Carrie Price hat ihrer Hautprotagonistin nämlich zwei wirklich sehr ansprechende Männer zur Seite gestellt. Da hatte man es als Leser wirklich schwer sein Herz zu verschenken. Da ist zum einen Will, der Musiker mit der tollen Stimme, der Sarah sofort eine Gänsehaut beschert hat. Dieser Kerl ist eher der ruhige Typ, der wirklich für die Musik lebt und lieber in Parks spielt, als sich der großen Plattenwelt zu verkaufen. Für beide steht die Musik in Vordergrund und erst langsam erwachen andere Gefühle. Sarah mag seine melancholische Seite und auch wie er seinen Songs, leben einhaucht und sie zu etwas ganz Besonderes macht, ehrlich, hautnah und so eingängig. Mit ihm fühlt sie sich der Musik noch mehr verbunden. Der andere Typ ist Charlie, den Sarah nach einer misslungenen Party kennenlernt und irrtümlich für einen Kellner hält. Die Zwei bringen New York zum Leuchten und machen eine Nacht zum Tag. Erst später erfährt Sarah, mit wem sie ein fast Date hatte und kommt so ihren Traum näher, als sie dachte, denn Charlie ist der Sohn eines Musikkonzernbesitzers und möchte sie in der Firma haben. Tja, und so beginnt die Karussellfahrt, die sich Leben nennt.

Es ist wirklich eine gelungene Geschichte über Träume, Verwirklichungen und die richtige Wahl bei Mr. Right. Carrie Price hat mit ihren New York Besuch genau richtig losgelegt und für turbulente, dahinfliegende Seiten gesorgt. Es geht hier auch nicht nur um die Liebe, sondern den richtigen Platz im Leben zu finden, denn nicht alles ist Gold, was glänzt. So muss sich Sarah ihren Wünschen stellen und Entscheidungen treffen, die sie nie erwartet hätte. Außerdem wirbelt es in ihrem Liebesleben, denn unsere Autorin macht es ihr und uns Lesern wirklich schwer zu entscheiden, wer nun der Richtige ist und diese Spannung hält sie bis zum Schluss. Dazu kommt noch ein New York, was laut ist, lebendig, mit viel grün und Claires Muffins, einfach perfekt.

Ich habe mich in dieser Geschichte und der Stadt die niemals schläft verliebt und werde sofort, das nächste Ticket nach New York Diaries buchen, denn bald geht es Gott sei Dank weiter. Mit Geschichten aus dem Leben, mit Träumen, die auf Verwirklichung warten und der großen Liebe, denn für all das ist es nie zu spät.

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100 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

thriller, mord, hamburg, bernhard aichner, totenrausch

Totenrausch

Bernhard Aichner
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei btb, 09.01.2017
ISBN 9783442756377
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Blum ist mit ihren Kindern auf der Flucht. Sie versteckt sich in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache und fremden Gewohnheiten. Zuerst fühlt es sich wie Urlaub an, aber immer mehr kommt die Sehnsucht nach zu Hause durch, die Kinder wollen nicht bleiben. Blum ist hin und her gerissen. Zurück kann sie nicht, immerhin wird sie als Mörderin gesucht, aber sie möchte ihren Mädchen auch das geben, was sie möchten. Ein Zuhause mit Kirschbaum, einen heimeligen Ort für sie drei. So stranden sie in Hamburg und Blum lässt sich auf einen gefährlichen Deal mit dem größten Zuhälter der Stadt ein. Aber zu erst kommt sie zur Ruhe, führt ein ruhiges Leben, ist für ihre Mädchen da, aber wie lange hält sich der Sturm zurück? Was muss sie tun, um weiterhin unentdeckt zu bleiben? Und kann wirklich alles gut werden?
Lange habe ich auf den Abschlussband der Blum Trilogie gewartet, lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weiter gehen könnte und überhaupt nicht lang hat das Verschlingen der Seiten gedauert. Es ging wie immer viel zu schnell und man rauscht einfach nur so durch die Seiten. Dieser Schreibstil sorgt immer für einen Lesesog und Blum hat Allerlei zu tun.

Natürlich fragt man sich die ganze Zeit, wie will der Autor diese Reihe abschließen. Nach dem bombastischen Auftakt kann es ja nicht so weitergehen. Blum verändert sich ja, im ersten Band steht die Rache im Vordergrund und dann kommt die Erkenntnis der Taten und jetzt möchte sie einfach keine Mörderin mehr sein, sie möchte aus diesem Teufelskreis raus und ihr Leben zurück. Aber wie stellt man das am Besten an? Und wie unterhält man dabei seinen Leser? Bernhard Aichner geht da seinen ganz eigenen Weg und der war eine gelungene Mischung aus alter und neuer Blum. Man merkt hier total, dass der Autor ein Schlitzohr ist und eine diebische Freude dabei hat uns zu unterhalten.

So entführt uns die Geschichte ins Hamburger Rotlichtmilieu und in die dunklen Abgründe der Nacht. Dabei hat Bernhard Aichner einen ganz hervorragenden Gegenspieler für Blum geschaffen, Egon Schiele. Ein charmanter, gut aussehender und berechnender Mann, der immer weiß, was er will und wie er es bekommt. Einer der sich auf Blums Vorschlag, jemanden für ihn zu töten einlässt, der sie erkennt und dabei sinnlich lächelt. Er kümmert sich um Blum, er gibt ihr ein Haus, Geld und ein Leben zurück, schleicht sich aber zeitgleich hinein. Schiele spielt den Samariter, der aber hinter der Oberfläche lauert und genau plant, wann er seine Schulden eintreibt. Je mehr Sicherheit und Geborgenheit bei Blum und den Mädchen aufkommt, umso gefährlicher wird die Situation, denn irgendwann muss sie wieder töten und der Zeitpunkt rückt immer näher.

Dieses Gerüst ist ziemlich geschickt aufgebaut und der Leser, wird mit jeder Seite ungeduldiger. Ständig fragt man sich, tut sie es wieder, oder kann sie das überhaupt noch? Wie soll so ein Leben aussehen? Welche Lösung wird Blum noch finden? Und, und, und, dabei wird man fast hektisch und kann sich auf andere Dinge im Leben gar nicht mehr konzentrieren. Tja, und das ist nur der Anfang des Buches, es wird spannend und Blum muss wieder mal alles geben und ich liebe immer noch ihre Kurzschlusshandlungen. Denn wer Blum kennt, weiß, sie lässt sich nicht in eine Ecke drängen, denn genau da, kennt sie keine Freunde mehr. Zusätzlich muss ich den Autor danken, er hat zwei Dinge erfüllt, die der Geschichte richtig gut getan haben, Blum fällt bei Männern nicht in ihre alte Muster und schläft mit dem bösen und Reza taucht wieder auf. Was für ein Balsam für die Seele.

Wie ihr seht, ich war wieder total abgetaucht und im Thriller drin. Blum muss sich ihren Weg, wie immer hart erkämpfen und die Abgründe der Menschheit hatten hier auch wieder einen Schauplatz. Unglaublich, wie leicht man es hinnimmt, wenn die Hauptfigur sympathisch ist, dass, da einige Leichen ihren Weg pflastern. Ein gelungener Abschluss, aber auch ein Abschied von Blum und ihren Lieben. Spannend, rasant und aufwühlend.

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266 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

schweden, alter, trauer, freundschaft, selbstmord

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.03.2016
ISBN 9783596521111
Genre: Romane

Rezension:

Ove möchte, dass alles seinen Platz und seine Ordnung hat. So macht er jeden Morgen seinen Kontrollgang, schreibt Falschparker auf, ermahnt die Nachbarn und grummelt über die Unfähigkeit der Menschen vor sich hin. Aber in Wirklichkeit, ist er einsam und vermisst seine verstorbene Frau Sonja sehr, sie war seine große Liebe, sein Fels und sein Seelenpartner und nun ist sie nicht mehr da. Außerdem schickt man ihn in die Frührente und da Ove jemand ist, der eine Aufgabe braucht, steht er jetzt vor einem sinnlosen Leben. So beschließt er, seinem Leben ein Ende zubereiten, alles hat er vorbereitet und auch für danach ist alles geregelt. Doch jedes Mal, wenn er gerade dabei ist, auf irgendeine Art zu sterben, kommt was dazwischen. Wer sind diese neuen Nachbarn? Kann den keiner Ove einfach in Ruhe lassen? Ist Ove wirklich so allein, wie er denkt?
Um dieses Buch habe ich eigentlich immer einen Bogen gemacht, da mich das Cover so gar nicht angesprochen hatte und so, mich auch der Inhalt überhaupt nicht interessiert hat. Da aber mein Buchhändler ganz gern auch was Besonderes empfiehlt, hat er mir diese Geschichte ans Herz gelegt und ich höre ja auf ihn. Nun habe ich dieses Buch endlich gelesen, und obwohl es dazu schon so viele Stimmen und Meinungen gibt, möchte auch ich kurz meine Gedanken mitteilen.

Ove ist ein Nachbar, den man nicht unbedingt haben möchte, er stellt Regeln auf, beobachtet, ob man sie einhält, tischt einen seine Meinung auf und ist dabei schroff und ungehobelt. Jeden Morgen geht er auf Patrouille und schaut nach den Rechten, zu jeden hat er eine Meinung und grummelt diese auch ganz gern vor sich her und man denkt einfach, was für ein unangenehmer Zeitgenosse. Aber eigentlich versucht er sich das Leben zu nehmen, nur irgendwie kommt immer was dazwischen. Ove ist nach außen kein einfacher Mensch, aber wenn man mal in sein Herz geschaut hat, bewundert man diesen Mann. Sein Leben wurde immer mit Steinen beschwert und nur selten hat er wirklich Glück erfahren, aber er ist seinen Werten treu geblieben und hat versucht, sein Leben richtig zu leben. Aber nun ist seine Frau tot, man schickt ihn in Frührente und er hat keinen Lebensinhalt mehr. Allerdings hat er auch nicht damit gerechnet, dass seine neuen Nachbarn ihn sehr in Anspruch nehmen werden und so gibt es für den Einsiedler viel zu tun. Einfach, ganz kurz, man muss Ove einfach in sein Herz schließen und mögen.

Ich bin recht unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen und musste mich schon beim ersten Kapitel mit lauten los lachen bremsen. Ove geht nämlich ein iPad kaufen und das auf so herrlich Art und Weise, dass einem der Verkäufer nur leidtun kann und im Buch wird es noch so einige Personen aus unserem Alltag geben, die diesem Mann einfach nicht gewachsen sind. Was aber wirklich herrlich ist, ist seine Sicht der Dinge, sie mag vielleicht antiquiert sein und nicht mehr auf den höchsten Stand, aber so wahr und immer noch richtig. Für Ove ist halt ein Mann, nur ein Mann, wenn er mit Hänger rückwärts einparken kann, sein Haus reparieren und einfach der Fels in der Brandung ist, mit allem Neuen kommt er nicht gut klar und lässt das auch lautstark jeden wissen. Natürlich ist sein Gebrüll nicht immer charmant, aber dieses grob gehobelte Verhalten wächst einen sehr schnell ans Herz und macht diese Geschichte zu einem wahren Schatz.

Unglaublich, was Fredrik Backman aus seiner Geschichte gemacht hat, mit wunderbarem Humor, Alltagscharme und jeder Menge Dramatik, lässt er seine Figuren leben und man glaubt, ja so ist das Leben, genau so. Nicht immer schön, nicht immer Sonnenschein, aber wenn man sich entschließt, da tapfer durch zu stampfen, passieren vielleicht auch wunderbare Dinge. Was habe ich diese Geschichte genossen, was hatte ich schöne Lesestunden und ich kann gar nicht zählen, wie viele Tränen mich Ove gekostet haben. Ein Buch wie aus dem Leben und mehr verrate ich nicht, denn ihr müsst es einfach lesen, unbedingt.

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52 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

wichtel, weihnachten, weihnachtsgeschichte, weihnachtsbuch, für zwischendurch

Ein Junge namens Weihnacht

Matt Haig , Sophie Zeitz-Ventura , Chris Mould
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423280884
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Wie ist eigentlich der Weihnachtsmann, zum Weihnachtsmann geworden?
Nikolas ist ein Junge von elf Jahren und lebt mit seinem Vater in einer Holzhütte in Finnland. Seine Mutter ist früh verstorben und sein Vater plagt sich täglich als Holzfäller ab, so leben sie in größter Armut und nicht mal zu Weihnachten gibt es Geschenke, obwohl Nikolas da auch Geburtstag hat. Aber dann kommt ein Angebot, sein Vater soll bei einer Expedition mitmachen und an den Nordpol reisen, um herauszufinden, ob es Wichtel wirklich gibt. Mit dieser Reise wären alle Sorgen ausradiert, aber der Vater kommt und kommt nicht zurück. Nikolas beschließt, nach ihm zu suchen. Wird er seinen Vater finden? Gibt es wirklich Wichtel? Was wird Nikolas alles entdecken? Denn sein Abenteuer beginnt jetzt.
Ich liebe passende Geschichten zur Weihnachtszeit, das bringt einen in Stimmung und sorgt für tolle beschwingte Lesestunden mit Keksen und Kerzenlicht. Nun hat auch Matt Haig sich eine ausgedacht und sich der wichtigsten Frage überhaupt angenommen, wie ist der Weihnachtsmann zum Weihnachtsmann geworden. Mir ist das Buch im Schaufenster aufgefallen und ich war sofort ins Äußere verliebt, ob mich der Inhalt auch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.

Nikolas lebt mit seinem Vater in ärmlichen Verhältnissen im Wald und ist trotz des schweren Lebens, zufrieden. Er hat zwar in seinem ganzen Dasein nur zwei Weihnachtsgeschenke bekommen, ist dafür aber umso dankbarer und glücklich. Ganz ehrlich man muss Nikolas mögen, er ist bescheiden, sorgt sich um andere und hat ein Herz aus Gold. Als sich sein Vater auf die Expedition begibt, versucht er tapfer sein Schicksal zu ertragen und der Tante entgegen zu kommen. Aber das Warten macht ihn zu schaffen und so beschließt er, seinen Vater zu suchen und vielleicht selber einen Wichtel zu treffen.

Ich kannte bis jetzt noch kein Buch von Matt Haig, aber diese Geschichte lässt an tolle und großartige Geschichten denken. Für seine Weihnachtsgeschichte hat er eine sehr leichte und einfache Erzählweise ausgesucht und lässt uns Kind gerecht nach Finnland reisen und Nikolas kennenlernen. Obwohl die Geschichte sehr traurig ist und der Junge wirklich vom Leben nicht mit wohlwollen bedacht ist, ist er die Gutherzigkeit in Person. Das hebt sich besonders von seinem schweren Schicksal ab und ist wirklich geschickt vom Autor eingefädelt. Nikolas denkt zu erst an andere, kümmert sich liebevoll um seine Begleiter und selbst wenn ihn Unrechtes widerfährt, versucht er alles wieder zum Bessern zu kehren. Dabei erlebt er so einiges und lässt uns von Kapitel zu Kapitel staunen.

Mir ist bei dem Buch wirklich das Herz aufgegangen, nicht nur das die Geschichte so toll gelungen ist und uns nochmals den Sinn von Weihnachten näher bringt, nein, auch die Illustrationen von Chris Mould runden alles nochmals hervorragend ab und machen zusammen ein harmonisches Duett daraus. Hier ist wirklich eine ganz besonders, zauberhafte Weihnachtsgeschichte gelungen, die für jeden Leser, ob groß oder klein magisch wirkt, mit Witz, Spannung und Herz.

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171 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

traumprinz, liebe, berlin, humor, david safier

Traumprinz

David Safier , Oliver Kurth
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 27.10.2016
ISBN 9783463406046
Genre: Humor

Rezension:

Nellie Oswald ist im Himmel, endlich hat sie ihre große Liebe gefunden und zusammen genießen sie ein Bad, nur zu dumm, das ausgerechnet, da die Verlobte auftaucht. Aber es kommt noch dicker, aus Wut lässt die Freundin, Nellie nur im Badehandtuch durch die Straßen laufen. Gedemütigt, frustriert und mit der Männerwelt fertig, bekommt die Comiczeichnerin zufällig eine in Leder gebundene Kladde in die Hände und was malt sie hinein, natürlich, einen starken, edlen und großzügigen Traumprinzen. Am nächsten Morgen wird sie mit einer Schwertspitze am Hals wach und traut ihren Augen kaum, denn der träger des Schwertes sieht genauso aus, wie auf ihrer Zeichnung, tatsächlich ist der Prinz erwacht. So begeben sich Nellie und Retro gemeinsam durch Berlin, um dem Geheimnis dieser Kladde auf den Grund zu gehen, denn alles, was man hinein zeichnet, wird lebendig. Aber das ist nur der Anfang einer wilden Verkettung von Ereignissen. Werden sie das Geheimnis lüften können? Kann eine Zeichnung wirklich echt werden? Und warum spielen die Gefühle bei Nellie so verrückt? Kann es hier ein Happy End geben?
Das ist nun mein erster Roman von David Safier und ich muss sagen, dass ich recht Erwartungslos an die Sache herangegangen bin. Nun gut, wir wissen alle, dass er durch seine humorigen Büchern bekannt geworden ist, aber Humor ist ja nicht gleich, Humor. Tja, und ob er meinen getroffen hat, finden wir jetzt mal heraus.

Nellie Oswald ist eine Träumerin, und zwar in allen Bereichen, sie träumt von der großen Karriere als Comiczeichnerin und hat so gar keinen Erfolg und sie träumt von der großen Liebe und findet doch nicht so recht, denn Richtigen. Also hält sie sich mit ihrem Job im Comicladen über Wasser und träumt weiter, aber so richtig glücklich macht sie das nicht. Bis sie auf einmal Bendix kennenlernt und glaubt, eine neue Zukunft bricht für sie an. Was wir ja schon wissen in die Hose geht und ihr Abenteuer nun erst recht beginnen soll. Nellie war für mich eine Chaotin, ständig tappte sie in Situationen hinein und machte diese noch schlimmer. Sie ist einfach tollpatschig, hat aber ein gutes Herz. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich sie nicht mochte, aber ihre Eigenschaften waren hier schon recht fett aufgetragen, überzogen und machten so aus ihr, manchmal eine Slapsticknummer, aber trotzdem wollte man sie begleiten und sie vor den großen Unsinn bewahren.

Der Anfang ließ sich für mich superentspannend lesen, ich hatte meinem Spaß und fand die Szene mit der Verlobten wirklich witzig, aber als dann das Buch ins Spiel kam und der Prinz Retro auftrat, fing das Ganze an zu bröckeln. Natürlich ist klar, dass es hier absurd werden würde, aber statt zu lachen und sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen, fing ich an, darüber den Kopf zu schütteln. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das man hier auf Teufel komm raus, und zwar in jeder Szene, was Witziges schreiben wollte. Für mich wäre weniger mehr gewesen, das war zu viel und man konnte sich an den wirklich tollen Stellen nicht mehr erfreuen. Denn dieses Buch hat so einige tolle Figuren und Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Die meisten Szenen von Retro zum Beispiel, der natürlich den Helden spielen muss und allein durch seine veraltete Sprache glänzte. Das lockerte das zwanghafte komisch Sein etwas auf.

David Safier hat mir bewiesen, dass er auch ein Nerd ist, dieses Buch, strotz nämlich auch von Film- und Buchfiguren. Diese Flucht in die Welt der Fantasy und Unwirklichkeit spiegelt er auch in seinem neuesten Roman wieder, wer lebt schon gern in der Realität, wenn er sich selbst eine bauen kann. Das sollte man bedenken, wenn man zu diesem Buch greift, schaltet den Kopf aus, lasst euch in die Geschichte fallen und ich hoffe, ihr könnt viel Witz vertragen, der lauert nämlich in jeden Abschnitt. Aber was mir am Ende gut gefallen hat, war das es auch eine Aussage gibt und diese wirklich ganz gut in unserer grauen Welt passt.

Für mich steht fest, dass es nicht ganz meins war und das ich für ein weiteres Werk wirklich Lust darauf haben muss, aber ich bin ja auch eine Märchentante und für mich, ist David Safier ein moderner Alltags-Märchenerzähler.

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

olivenöl, xavier kieffer, italien, koch, luxemburg

Tödliche Oliven

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462046953
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Xavier und sein Freund Pekka sitzen beim Essen zusammen und philosophieren über Frauen, Essen und Politik. Natürlich fließt auch wieder Wein dabei und die Rede auf Xaviers baldigen Ausflug nach Italien kommt zur Sprache. Einmal im Jahr fährt der Koch mit seinem alten Schulfreund und Wein- und Ölhändler Alessandro in die Toskana, um zu schlemmen und Gutes, mit nach Luxemburg zu bringen. Die Reise ist fest geplant und dann verschläft Xavier, schnell fährt er zu seinem Freund und probiert ihn telefonisch zu erreichen, aber beides ohne Erfolg. An dessen Haus angelangt, erfährt er von der besorgten Ehefrau, dass Alessandro schon zwei Tage früher abgereist ist und das auch sie ihn nicht erreicht. Besorgt und hilfsbereit bietet sich Xavier an, um nach Italien zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Dort findet er keinen Alessandro, allerdings hat er nachts in der Olivenölmühle ein eigenartiges Erlebnis, volle Tanks, die in einer Nacht und Nebel Aktion abgepumpt werden und Xavier mittendrin. Der Koch ahnt schon, dass sein Freund in üble Geschäfte verwickelt ist, aber in was genau und wo ist er? Lebt er noch? Was ist mit diesem Olivenöl los? Und kann Xavier wirklich die Polizei allein ermitteln lassen?
Lange habe ich den vierten Band um den Koch Xavier Kieffer liegen lassen, um ihn dann in einem Rutsch zu verschlingen, denn ein neues Abenteuer für den Koch steht schon an der Tür und wird bald den Lesern in die Hand gelegt. Aber erst einmal musste dieser vierte Band dran glauben und das Tolle daran ist, man fühlt sich sofort wieder in der Welt des Kochs wohl, möchte mit ihm ein Glas Wein trinken und die Ruhe des Gartens genießen, oder eine Spezialität des Hauses probieren. Dieses Gefühl macht die Reihe einfach total sympathisch und was man immer über Politik und Lebensmittel erfährt, ist mehr als nur interessant, auch diesmal war ich hinterher sprachlos.

Aber kommen wir zu Xavier, er ist schon ein bisschen ein Eigenbrötler, mag zwar Gesellschaft, liebt aber auch die Ruhe. Er lebt in einer Fernbeziehung mit seiner Freundin Valerie und hier kommt das Süßeste an dieser Geschichte, er erleidet einer kleinen Unsicherheit und die Eifersucht ist auch im Spiel, das macht ihn noch mehr zum Menschen, als nur zu einer Romanfigur. So kommen halt noch andere Züge bei unseren Protagonisten ans Tageslicht. Nun macht er sich aber zuerst Sorgen, um den verschwundenen Freund, immerhin ein Schulfreund und diese alten Wurzeln sind Xavier wichtig. Einmal im Jahr fahren sie zusammen nach Italien und genießen die kulinarischen Köstlichkeiten und jetzt verpasst er das. Xavier macht sich auf die Spur und wer ihn kennt, weiß, dass er nicht vorher Ruhe gibt, bis er weiß, was dahinter steckt. Tja, und diese Hartnäckigkeit liebt die Polizei ganz besonders und wir Leser lieben sie.

Tom Hillenbrand hat es einfach drauf, gut recherchierte Hintergründe in einer packenden Geschichte zu verpacken. Ich bin immer so erstaunt, was sich unsere Gesellschaft, bezüglich Lebensmitteln, alles Einfallen lässt und wie weit sie mit Vertrauen umgehen. Diese Verzweigungen mit Wirtschaft, Politik und Verbrechen sind oft so verzwickt, das sie mit dem bloßen Auge gar nicht zu entwirren sind, da finde ich es großartig, wenn es solche Bücher gibt. Für mich wird Olivenöl jetzt mit anderen Augen betrachtet, und seit Xavier Kieffer ermittelt, bin ich nicht zum ersten Mal erstaunt. Allerdings werden die Geschichten von Tom Hillenbrand nie nur von dem Skandal getragen, sondern auch vom Lebensgefühl und guter Küche und das macht die Reihe einfach so klasse, denn dieser Koch lehrt uns eins, wir müssen für gutes Essen, uns nicht immer der Wirtschaft verkaufen.

So habe ich mich direkt wieder wohlgefühlt und bin mit Spannung Xavier gefolgt. Natürlich raucht er immer noch zu viel und die ganzen Straßennamen in Luxemburg kann ich mir immer noch nicht merken, und wenn man ein sehr kritischer Leser ist, fällt einen schon auf, dass alles gut konzipiert ist, aber ich hatte tolle Lesestunden und würde sofort wieder mit diesem Koch und seinem Autor losziehen.

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244 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 66 Rezensionen

wüste, fantasy, alwyn hamilton, liebe, jugendbuch

AMANI - Rebellin des Sandes

Alwyn Hamilton , Ursula Höfker
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.08.2016
ISBN 9783570164365
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Amani hat es satt, ständig unterdrückt und geduldet zu sein, denn seit dem Tod ihrer Mutter, ist sie der Willkür ihrer Familie ausgesetzt, aber wie soll ihre Zukunft aussehen, in einem Kaff mitten in der Wüste. Sie will raus, sie will Freiheit und dafür braucht sie Geld. Verkleidet als Mann, nimmt sie an einem Schießwettbewerb teil und erlebt eine Katastrophe, allerdings lernt sie auch dort, den faszinierenden Fremden Jin kennen, der ihr Leben am nächsten Tag nochmals schneiden soll. Nun sind die Soldaten des Sultans hinter ihm her, und bevor sich Amani versieht, hat sie zwar ihren Heimatort verlassen, aber befindet sich auch auf der Flucht. Durch Jin erfährt sie nicht wirklich viel, aber ihre Umgebung erzählt von Rebellen und den abtrünnigen Prinzen Ahmed. Was steckt hinter den Geschichten um Rebellion und Kampf? Warum wird Jin wirklich verfolgt? Kann sich Amani ihren Wunsch von Freiheit erfüllen? Oder wechseln ihre Pläne in der Gegenwart von Jin und seinem bezaubernden Lächeln?
Momentan beherrscht die Wüstenwelt jedes Buchregal und was tauchen wir Leser gern ab, in fremde Länder und Geschichten. Mich hat es dieses Jahr richtig erwischt und was fand ich die neuen Interpretationen von „Tausendundeine Nacht“ toll, so richtig märchenhaft und doch neu und faszinierend. So war ich bei Amani doch recht hellhörig geworden, als es sich so ganz anders anhörte und starke junge Frauen mag ich, so musste ich es unbedingt lesen.

Amani ist eine junge Frau, die schnell gelernt hat, dass sie sich auf niemanden verlassen darf. Ihre Eltern sind verstorben und so muss sie sich mit dem Rest der Familie arrangieren und die machen diesem Mädchen das Leben so richtig schwer. Auch der Ort, in dem sie lebt, ist nicht besonders erbaulich, denn außer der Waffenfabrik gibt es nur Sand und Wind. Amani möchte raus und weg, sie möchte den Traum ihrer Mutter erleben und in die Hauptstadt ziehen, dafür braucht sie allerdings Geld und deshalb nimmt sie, verkleidet als Junge, an einem Schießwettbewerb teil, ohne zu ahnen, das mit dem Abend ihr ganzes Leben ins Rollen gerät. Ich mochte Amani von der ersten Seite an, sie ist frech, willensstark, hat ein lautes Mundwerk und lässt sich nix gefallen. Unglaublich beeindruckt hat mich ihr Mut, allein loszuziehen, sich niemanden unterzuordnen und im heißesten Wüstensand ein Gefühl von Heimat zu haben.

Aber die Autorin hat ja nicht nur eine starke junge Heldin erschaffen, nein sie zaubert auch gleich eine ganz eigene Welt. Hier spielen nicht die üblichen Gefahren einer Wüste eine Rolle, nein, sie hat unheimliche Wesen in der Nacht erschaffen, Ghule, Nachtmahren, oder Wüstenpferde, die mit Eisen gebannt und von einem jungen Mädchen geführt werden. Sie baut ihr ganzes Konzept auf die Vorgeschichten der Dschinns auf und lässt somit die Welt von „Tausendundeine Nacht“ hinter sich. Alwyn Hamilton ist der Fantasy verschrieben und greift gezielt in die Überraschungskiste, um ihre Leser zu verzaubern und in die Seiten zu bannen. 

Aber das allein reicht noch nicht aus, denn sie stellt unserer Amani einen jungen Mann zur Seite und dieses Gespann lässt es gewaltig knistern und krachen. Bei den beiden herrschen spritzige Wortgefechte vor und sie vertrauen sich kein Stück, aber trotzdem bilden sie ein Team und das macht die Geschichte einfach interessant. Man möchte einfach mehr über den geheimnisvollen Jin wissen, man möchte sehen, wie sich diese Neckerei weiterentwickelt und wohin sie ihre Reise führt. Das hat die Autorin, finde ich nämlich ganz geschickt gemacht, denn für mich war es nicht das, was ich erwartet hatte. Ich habe ein bisschen das Märchenhafte vermisst, denn wir haben ein tolles Paar, aber beide sind zu stur um sich offen zu verlieben und das schwankende Tempo hat mir ab und zu schaffen gemacht. Die Autorin erzählt ihre Geschichte nämlich recht schwankend, bei einigen Stellen lässt sie sich Zeit und bei den nächsten geht sie voll ins Tempo, so ist es manchmal recht unausgeglichen. Außerdem fand ich das Ende zwar fantastisch und facettenreich, aber auch zu viel, kleine Logikfehler sind mir aufgefallen und so fühlte man sich nicht ganz so gut mit. Für mich war es auch am Ende ein bisschen wie X-Men in der Wüste, eben nur mit anderen Superhelden, ich glaube, man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Auf jeden Fall ist Amani eine Geschichte, die sich von allen anderen Wüstenlocations abhebt, hier steht nämlich die Fantasy im Vordergrund und lässt uns wie ein Wirbelsturm durch den Sand tanzen. Atmosphärisch, spannend, aber auch mit kleinen Schwächen.

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488 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

thriller, cody mcfadyen, smoky, cody, mcfadyen

Die Blutlinie

Cody McFadyen , Axel Merz
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.04.2013
ISBN 9783404169368
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was Smoky Barrett passiert ist, ist der Albtraum für jeden Ermittler. Zu Hause wird sie überfallen, gefoltert, missbraucht und muss mit ansehen, wie ihre Familie getötet wird. Verletzt und für ein Leben gezeichnet überlebt Smoky, aber sie kann das Geschehene nicht verarbeiten, sie ist wie gelähmt und am Rande des Wahnsinns, für sie gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder kehrt sie in ihren Job zurück und macht Jagd auf das Grauen da draußen, oder sie macht ihrem Leben ein Ende. Schneller, als ihr bewusst wird, kehrt sie ins Leben zurück, denn ein Täter will ihre Aufmerksamkeit und bringt ihre beste Freundin um. Er hält sich für einen Nachfahren von Jack the Ripper und hält das ganze Team der Ermittler in Schach. Eine Spur ist schwer zu finden und jedes neue Detail sorgt für schlimmere Entdeckungen. Ist Smoky in Gefahr? Welchen Abgründen ist der Killer wirklich entsprungen? Und wird die Zeit am Ende für sie oder den Serienmörder laufen?
Smoky Barrett ist unter Thriller Liebhabern ein Absolutes muss, ihre Reihe ist sehr beliebt und bekannt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich sie nicht kannte und erst jetzt, wo der fünfte Teil am Start gegangen ist und der Autor eine Lesereise gestartet hat, dachte ich mir, dann schau auch ich mir das Mal genauer an. Immerhin ist Cody McFadyen dafür bekannt, sich kaum in der Öffentlichkeit zu zeigen und auf Teil fünf mussten seine Leser sehr lange warten. Nun habe ich den ersten Band gelesen, und obwohl es schon so viele Meinungen dazugibt, möchte ich meine doch auch niederschreiben.

Smoky Barrett ist ein As in ihrem Job, denn als FBI-Agentin macht sie Jagd auf Killer und das ziemlich erfolgreich. Sie ist eine intelligente, zähe, starke und mutige Frau, nichts bringt sie aus der Ruhe, sie ist hartnäckig und kann sich an einen Fall richtig festbeißen. Trotzdem schafft sie privat den Spagat, wenn auch nicht immer glücklich, zu Ehefrau und Mutter und dann wacht sie in einem Albtraum auf. Da steigen wir ein, Smoky wurde verletzt, misshandelt und musste mit ansehen, wie ihre große Liebe vor ihren Augen getötet wurde, sie quält sich, gibt sich für das Geschehene die Schuld und weiß nicht, wie sie weiter leben soll und ob sie das überhaupt kann. Völlig verzweifelt, allein, keine Hilfe annehmend und nach einem Ausweg suchend, ist sie kurz davor ihr Leben zu beenden, bis zu dem einen Anruf. Ein neuer Fall, ein neuer Killer, und er schickt Smoky Botschaften, das ist ihre Kehrtwende und ihr Neuanfang. Ob ich starke Frauen mag, ja, auf jeden Fall, ob ich Smoky mag, bin ich mir noch nicht ganz klar darüber.

Ich fand den Einstieg schon recht krass und musste auf den ersten Seiten sofort feststellen, das ist kein Buch für Zartbesaitete und das war nur der Anfang. Eine Grausamkeit folgt der Nächsten und so hält sich das ganze Buch dran. Man kommt sich mit der Zeit vor, wie ein Voyeur im Gruselkabinett der Abscheulichkeiten. Es schockt, lähmt, schüttelt und widert einen beim Lesen an. Irgendwann ist es mit der Vorstellungskraft und der Realität vorbei.

Cody McFadyen stellt sein Team direkt im ersten Teil auf eine harte Probe, denn der Killer nimmt sich jedem einzelnen Mitglied genau vor und trifft ihn an der verwundbarsten Stelle. So nimmt jeder, von ihnen diesen Täter persönlich und will ihn schnappen. Es wird zu einem Wettlauf mit der Zeit und diese Schnitzeljagd setzt jeden gehörig zu, den Figuren, wie auch dem Leser. Ich hatte das Gefühl, das sich der Autor hier richtig austobt, an Gräueltaten und ihren Beschreibungen. Dazu dann noch die schrecklichen Schicksalsschläge von Smoky und den Opfern und man bleibt einfach am Fall dran. Irgendwie liest man weiter und weiter, aber es liegt nicht wirklich an der Spannung, sondern eher daran, zumindest bei mir, was sich Cody McFadyen noch ausgedacht hat, wie weit will er noch gehen und dann ist die letzte Seite verschlungen und man erwacht erstaunt.

Eigentlich bin ich kein Freund von brutalen und blutigen Thrillern, denn das eigene Kopfkino ist grausamer, als jede TV-Serie. Mich hat der Auftakt zur Smoky Barrett Reihe ein bisschen an Criminal Minds erinnert und das mag ich eigentlich sehr gern. Die Blutlinie ist deshalb auch für mich wie ein Paukenschlag zusehen, brutal, verstörend, aber der Autor hat meine Aufmerksamkeit und ich möchte das Team doch ein bisschen genauer kennenlernen. Also, obwohl dieses Buch schon ein bisschen speziell ist und es für mich zu viel an Bösen war, bin ich interessiert und seien wir ehrlich, einer muss ja den Job machen und böse Jungs jagen.

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96 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

australien, dürre, thriller, hitze, mord

The Dry

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.10.2016
ISBN 9783499290268
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kiewarra ist ein kleines Städtchen voller Farmer im australischen Nirgendwo und jeder kämpft, gegen die Dürre an, die jedermanns Existenz bedroht. Genau dort wird Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden. Der Verdacht wird schnell zur Sicherheit, dass Luke durchgedreht ist und Suizid an sich und seiner Familie begangen hat. Zur Beerdigung taucht nach zwanzig Jahren sein Jugendfreund Aaron Falk im Ort auf, um sich gebührend zu Verabschieden und den Eltern sein Bedauern auszudrücken. Diese hatten ihm als Kind, wie einen eigenen Sohn behandelt und so kann Aaron den Wunsch nicht ausschlagen, sich selbst die Sache einmal anzusehen, immerhin ist er doch Polizist. Für Aaron ist es eine verzwickte Situation, denn er möchte nicht, das alte Wunden wieder aufbrechen, aber er möchte auch keinen enttäuschen. So geht er mit Sergeant Raco den Fall noch einmal durch und beide, stoßen auf einige Ungereimtheiten. Hat Luke wirklich Suizid gegangen? Was ist Aaron damals in Kiewarra passiert? Und werden sie überhaupt die Wahrheit ermitteln können, bei dieser Hitze und dem Misstrauen der Leute?
Dieser Thriller ist mir sofort ins Auge gesprungen und obwohl ich nicht so der Australien Fan bin, stand er ganz oben in meiner Lesewunschliste. Ich mag ja unglaublich gern, wenn es um eine kleine Gemeinde geht, wo jeder jeden kennt und man denkt, man weiß alles und dann verbergen sich doch so viele dunkle Geheimnisse hinter verschlossenen Türen. Daraus kann man richtig was machen, und wenn es gut ist, dann ist das Enträtseln aufregender, als die Jagd nach einem Serienmörder. Außerdem finde ich es immer spannend, wenn sich Hollywood schon die Filmrechte bei einem Debüt gesichert hat. Da juckt es mich immer in den Fingern, ob es mir gefällt und ich es verstehen kann, das man, das verfilmen möchte.

Aaron Falk ist unser Hauptakteur und durch seine Augen erleben wir das Geschehen hautnah mit. Er lebt in Melbourne, allein und arbeitet bei der Polizei, allerdings nicht bei der Mordkommission, sondern ist Spezialist bei Finanzverbrechen und das, sehr erfolgreich. Außerdem ist sein Äußeres recht auffällig, er hat eine sehr helle Haut und fast weißes Haar, seine alten Freunde sagen immer, er hätte den Albinolook perfektioniert und naja, so fällt er natürlich immer auf. Seine Erinnerungen von Kiewarra sind recht durchwachsen und er hat ein beklemmendes Gefühl an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren. Immerhin war der damalige Vorfall einschneidend für sein Leben und selbst er hat das Geschehen nie richtig überwunden, aber nun wird er mit Misstrauen, Verachtung, blinder Wut empfangen und das  macht seine Ermittlung, nicht gerade einfach. Ich hatte mir Aaron irgendwie anders vorgestellt, aber in meinem Kopf ist ja alles möglich. Er ist ein stiller und bescheidener Mann und ich mochte seine Art und Denkweise, er urteilt nicht schnell und geht sehr behutsam mit seiner Umwelt um, obwohl man es ihm im Ort so schwer macht. Ich wäre nicht nur einmal ausgeflippt, wo er ruhig Blut bewahrt hat. Ein interessanter Mann, dessen Weg man einfach gebannt verfolgt.

Eigentlich gibt es zwei Geschichten in einem Roman und je mehr man darin hinein taucht, um so verschwommener und verworrener wird es. Wir haben zum einen, die Vorfälle aus der Vergangenheit die Aaron selbst mit betreffen, vier Freunde in einem kleinen Ort, zwei Jungs und zwei Mädchen, das klingt nach Missverständnissen, vielen Hormonen und Dingen, die nie wirklich aufgeklärt worden sind. Nun ist einer tot und die Umstände mehr als schrecklich. Aaron muss sich zurückerinnern, wäre Luke dazu in der Lage gewesen, welche Erinnerungen könnten dabei helfen und was für Erkenntnisse erlangt er nach so vielen Jahren. Die Ermittlungen werden immer undurchsichtiger, verwirrender und je mehr man liest, bekommt man immer wieder ein wechselndes Bild vom Toten. Die Rückblenden sind dabei hervorragend eingeflochten und machen einen unglaublichen Spannungsbogen aus. Immer wieder schwenkt man um und ist sich nicht sicher, was man glauben kann, oder nicht.

Jane Harper erzählt mit unglaublich viel Geschick und Feingefühl eine Geschichte aus Freundschaft, Heimat und Loyalität. Die Autorin spielt mit ihren Lesern und lässt sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart rätseln, jede Erinnerung lädt zum Interpretieren ein und lässt das Geschehene immer wieder in anderem Licht erscheinen. Dazu hat sie ein unglaublich gelungenes Setting drum herum gebaut, die frustrierten Farmer, der Zusammenhalt der Gemeinde und die versenkende Hitze, die Flüsse austrocknen lässt, machen unseren Ermittler mächtig zu schaffen.

Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen und fand diese anschleichende Spannung großartig umgesetzt. Die Figuren glaubwürdig und realitätsnah und eine Atmosphäre zum Greifen. Mich konnte sie mit ihrem Debüt voll begeistern und überzeugen, mein Kopfkino lief auf Hochtouren.

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265 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

tod, anna pfeffer, jugendbuch, schwarzer humor, umzug

Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783570171554
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emi ist total unglücklich, wegen ihren Vater musste sie jetzt nach Hamburg ziehen, und als ob, das nicht schon schlimm genug wäre, präsentiert er ihr und ihren Bruder, auch noch seine neue Lebensgefährtin. Ihr Bruder Oliver nimmt das alles sehr locker und arrangiert sich schnell mit der neuen Situation und lebt sich hervorragend ein. Nur Emi tut sich schwer, Hamburg ist zu grau, die neue Freundin des Vaters zu nett und von der Schule will sie gar nicht erst anfangen. So bekommt jeder, der ihr dumm über den Weg läuft in ihren Gedanken den einfallsreichsten Tod verpasst und da hat sie einiges zu tun. Als sie eines Morgens sich für einen neuen Sitzplatz in der Klasse umsetzt, gerät sie an Mr. cool und unnahbar Erik und diese Auseinandersetzung hat schlimme Folgen. Warum passiert das ausgerechnet ihr? Wieso hat sie so einen schleimigen Bruder? Warum ist das Leben so ungerecht? Tja, und was muss sie wegen Erik noch alles erleiden? Auf wie vielen Todesarten wird er wohl sterben müssen?
Bei meiner damaligen Vorschauen-Recherche ist mir das Buch gar nicht so ins Auge gefallen, wahrscheinlich hatte ich schon zu viele schwarze Bücher auf meiner Wunschliste stehen, aber dann tauchte es doch in mein Sichtfeld auf und ich dachte, huch, was bist du den für ein schickes Büchlein, und als ich den Klappentext gelesen hatte, war ich begeistert und musste es haben. Wer mag sie nicht die humorigen Liebesgeschichten, wo sich die beiden Hauptprotagonisten nicht leiden können und sich die Pest an den Hals wünschen, was für ein Spaß. Genau das Richtige für mich. Erst nach dem Kauf und beim Bewundern, erkannte ich, dass mir die beiden Autorinnen gar nicht so unbekannt waren, ist das nicht ein witziger Zufall und ich sah das als gutes Zeichen an.

Emi ist ein toughes Mädchen und lässt sich nicht gern zu irgendetwas zwingen und bei der Masse läuft sie schon mal gar nicht mit. So ist sie halt eine Außenseiterin, aber es macht ihr im Grunde nichts aus. Allerdings muss sie sich ständig den Vergleichen zu ihrem Sunnyboy Bruder anhören und der steht gern mitten im Leben und unter Leuten. So kommt Emi halt was düsterer und unfreundlicher rüber, als sie eigentlich ist und ihr Hobby skurrile Todesarten in einem Buch festzuhalten untermalen noch das merkwürdige Mädchen. Allerdings habe ich in dem Alter, auch nur schwarz getragen, fand Veränderungen schrecklich und meine Mitschüler einfach nur zum Fürchten und wollte meine Ruhe. So konnte ich mich hervorragend mit Emi identifizieren und sie war mir gleich total sympathisch. Warum ist mir das mit den Todesarten nicht eingefallen, das hätte in meiner Teenagerzeit für einige Lacher gesorgt. Aber natürlich ist bei Emi auch ein bisschen jammern und trotz dabei, aber hey, wer hatte diese Phase damals nicht gehabt.

Neben Emi haben wir einen sehr ansprechenden Hauptprotagonisten, nämlich Erik, der nach einer Schulsuspension von vier Wochen, in die Klasse zurückkehrt und seinen Platz wieder haben möchte, der aber schon von Emi besetzt wird. Normalerweise ist es Erik gewohnt, dass man ihn ohne Widerworte, gewähren lässt und sein Image sorgt zusätzlich dafür. Man munkelt nämlich, dass sein Vater vor einem Jahr seine Mutter umgebracht haben soll und die Suspendierung hat er sich eingefangen, weil er einen Jungen krankenhausreif geprügelt hat. So ranken einige Geheimnisse um ihn herum und Erik bemüht sich auch nach Kräften nichts zu dementieren oder zu kommentieren. Ist ja klar, dass er somit sehr interessant ist und alle Mädchen noch mehr auf ihn fliegen. Mein Gott, ich glaube, ich hätte ihn auch von meinem Platz in der Klasse angeschmachtet, aber wir wissen ja selber, stille Wasser sind tief und Erik hat wohl einiges vergraben.

Mit diesen beiden Hauptfiguren geht es also turbulent in die Geschichte und diese, hatte es in sich. Nicht nur, dass man über die ständige Mordlust von Emi lachen musste, nein, das ganze Buch schwingt nur so von Ideen und Witz. Angefangen bei Emi, die stur und rücksichtslos durch ihren Alltag rauscht, sich ihrer schroffen Art nicht immer bewusst ist und sich dann über Gegenreaktionen ärgert. Aber auch Erik ist kein Sonnenschein, verschlossen und misstrauisch begegnet er seiner Umwelt und findet in Emi einen würdigen Gegner, um das Leben noch mehr zu vermiesen. Beide hassen ihre Strafarbeit, und als dann der Grundstein ihrer Challenge geboren ist, fängt die turbulente Gehässigkeit erst an.

Diese beide Autorinnen haben es wirklich geschafft, dass ich im Wohnzimmer sitze und laut los lachen muss, die Gegenreaktion war auch noch köstlich, als mich sieben Plüschaugenpaare verwundert anstarrten. Mit so viel Ideenreichtum hatte ich nicht gerechnet und ein Gag gibt den anderen die Klinge in die Hand, dabei wurde es aber nie zu viel und keiner war einfach nur platt oder wirklich daneben, das fand ich einfach fabelhaft. Auch ihre beiden Protagonisten waren herrlich in Szene gesetzt, und obwohl dieses Buch extrem witzig ist, lassen sie es nicht an tiefe fehlen, denn hinter allem Verhalten steckt ja immer etwas anderes und das muss man eben hier unter allem Gelächter finden. Gern wäre ich hier selbst mit am Start gewesen und hätte es live und in Farbe miterlebt. Diese Geschichte hebt sich einfach ganz wunderbar vom romantischen Einheitsbrei ab.

Wie ihr seht, bin ich total begeistert und möchte nicht mehr verraten, weil man es einfach lesen muss. Es ist die Schulzeit, die man sich gewünscht hätte, aber nicht hatte und auch gegen die Schulmusik, hätte ich nichts einzuwenden gehabt, zumindest in den ersten Wochen. Ein absoluter Lesespaß, der einen nicht nur zum Lachen bringt, sondern alle Gefühle auf der Palette hat. Absolut herrlich.

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440 Bibliotheken, 21 Leser, 2 Gruppen, 64 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dr. David Hunter ist mit seiner momentanen Situation mehr als unglücklich, in der Universität spürt er, dass sein Chef ihn nicht mehr haben möchte und seit seinem letzten Fall, wird er von der Polizei nicht mehr hinzugezogen, sondern eher gemieden. So wundert es ihn, das er tatsächlich zu einem Tatort angefordert wird und statt weiterhin auf der Stelle zu treten, nutzt er diese Chance. Diesmal führt ihn seine Reise in die Backwaters und zur Bergung einer Wasserleiche. Für alle, vor Ort ist klar, es muss sich um Leo Villiers handeln, aber haben sie damit recht? Und warum wird über diesen Fund so ein großes Gewese gemacht? David findet am nächsten Tag einen Fuß und dieser passt zur Leiche, aber warum kommen nun Zweifel an der Identität des Toten auf? Wie die Gezeiten umspülen Hunter Geheimnisse, und Vermutungen, lassen ihn hin und her reißen und er denkt nicht nur einmal, wohin er nun wieder geraten ist. Wird er es wieder schaffen, die Wahrheit im Nebel zu finden?
Ich bin ein absoluter Dr. David Hunter Fan und konnte mich vor Freude kaum noch einbekommen, als ich erfuhr, dass ein fünfter Teil an den Start geht und Deutschland sogar als erstes Erscheinungsland überhaupt. Lang genug haben wir ja darauf gewartet, oder? Nun hält man das Buch in seinen Händen und hofft einfach, dass man nicht enttäuscht wird und ob es immer noch den typischen Hunter Charme hat. Außerdem ist man ja immer skeptisch, ob aus einer Reihe nicht langsam die Luft raus ist und der Autor nur einfach kein Ende findet. Ob meine Ängste bestätigt wurden, oder nicht, lest ihr hier.

David Hunter leidet immer noch unter den Auswirkungen seines letzten Falls. So spürt er, dass seine Zeit an der Universität abläuft, von der Polizei bekommt er keine Aufträge mehr und er steht privat auch immer noch allein da. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, vor denen David irgendwie Angst hat, da er nicht weiterweiß, wie sein Leben weiterlaufen soll. In dieser grüblerischen und entscheidungslosen Phase erreicht ihn ein polizeilicher Anruf und sein Fachwissen ist gefragt. Für David ist es nicht nur ein Auftrag, sondern auch ein Weg vor seinem eigenen Leben wegzulaufen und Entscheidungen hinten anzustellen. Angekommen am Ende der Welt, merkt er schnell, dass er so wirklich nicht gebraucht wird und eher symbolisch zur Tat schreiten soll, aber wer David kennt, wird wissen, dass er immer genau an die Personen gerät, deren Schicksale vom Fall betroffen sind. Ganz ehrlich, ich mag ihn immer noch, unseren David, seine ruhige und besonnene Art, aber auch sein Talent sich in Schwierigkeiten zu bringen. Ich finde, er ist so ein einsamer Wanderer, von Leben bestraft und immer noch auf der Suche nach seinem Platz, aber trotzdem immer aufrichtig und mehr als anständig, so ein richtiger Gentlemen auf seine Weise. Tja, und hier meint es sein Leben wieder nicht gut mit ihm und schupst in ins Chaos, ein verworrener Fall, viele Gefühlen und einen David, der sich an diesen Fall festbeißt, da er sich selbst was beweisen möchte.

Natürlich fängt das Buch ganz typisch an und wir erfahren wiedermal alles über den Verfall des menschlichen Körpers, diesmal wie er sich im Wasser mehr oder minder auflöst. Zum einen ist es immer noch eklig, aber auch wahnsinnig interessant. Außerdem ist dieses Setting unglaublich atmosphärisch gewesen. Die Backwaters, ein Land, wo die Grenzen verschwimmen und das Wasser eine große Rolle spielt. Ein Ort der Ruhe ausstrahlt, aber auch Geheimnisse birgt, der Menschen ein zu Hause gibt, die alle ein schweres Schicksal tragen müssen und damit nicht unbedingt freundlich hausieren gehen und Fremde so nicht wirklich willkommen heißen. Wie meistens gerät unser Forensiker auch direkt wieder zwischen die Fronten und das macht ja auch seine Geschichten so spannend. Wir stehen draußen, allein mit David und müssen ein Puzzle aus Mordfall und Einheimischen entschlüsseln, zusammensetzten, um eine klare Sicht zubekommen. So mischt Simon Beckett wieder ganz gekonnt seine Figuren mit der Umgebung ab und schafft so spannenden Lesestoff.

Mit seinem neusten Fall bringt Simon Beckett jetzt keinen überraschenden Wurf heraus und erfindet das Rat nicht neu, aber das hatte ich auch nicht erwartet, sondern er hält die Qualität seiner Hunter Reihe immer noch hoch. Ich glaube, aber auch, dass die Zeit hier eine große Rolle gespielt hat, wir haben fünf Jahre darauf warten müssen und so saugt man die Geschichte förmlich in sich auf. Es ist wie nach Hause kommen und mit David einen weiteren Lebensabschnitt zugehen und nach dem Ende, wird es bestimmt auch noch einen nächsten geben, ich hoffe es zumindest sehr. Ich hatte auf jeden Fall wieder ganz tolle und packende Lesestunden und ich mag immer noch diesen ruhigen und eindringlichen Stil vom Autor, damit bekommt er mich jedes Mal.

Für alle Hunter Fans ein Muss und für jeden anderen ein guter solider Thriller, der allein durch das Setting für Gänsehaut sorgt und durch seine Figuren genug Geheimnisse birgt, dass es nie langweilig wird. Außerdem gibt es ja noch Hunter und der ist das Lesen immer wert.

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80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

karin kratt, gejagte der schatten, seday, seday academy, kratt

Gejagte der Schatten

Karin Kratt
E-Buch Text: 316 Seiten
Erschienen bei Dark Diamonds, 28.10.2016
ISBN 9783646300130
Genre: Fantasy

Rezension:

Cey ist auf der Flucht, vor ihrer Vergangenheit, vor ihres Gleichen und vor einem richtigen zu Hause, mit Leuten, die sie ins Herz schließen könnte. So lebt sie lieber unter Menschen an ständig wechselnden Orten, und bevor sie einem J‘ajal zu nahe kommt, verschwindet sie lieber. Denn Cey ist auch eine J‘ajal, jemand mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, wunderschön und äußerst talentiert nicht aufzufallen, aber sie hat auch eine Schwäche und die ist, anderen zu helfen und so passiert es, das die Seday doch noch auf sie aufmerksam wird. Mehrfach entwischt sie ihnen und dann passiert es doch, das Cey unfreiwillig in der Seday Academy landet und auch noch den überaus attraktiven Xyen als Mentor bekommt. Was haben sie mit ihr vor? Wird sich Cey ihren Schicksal ergeben? Welche Geheimnisse birgt sie? Und warum fühlt sie sich in Xyen Gegenwart so anders?
Es gab eine Zeit, da wurde der Büchermarkt mit Vampiren, Dämonen, Werwölfen und Feen belagert, bis die Welle abnahm und sich einem neuen Hype annahm. Damals fand ich das richtig schade, aber die wirklich guten Geschichten wurden auch rar, umso mehr freue ich mich, dass der paranormale Liebesroman, oder Fantasygeschichte mit Liebesanteil wieder Einzug in die Lesewelt hält. Und dieser hier, enthält gleich mal neue Wesen, die man entdecken kann.

Die Hauptfigur ist Cey, eine junge Frau, die doch recht geheimnisvoll rüber kommt, da sie sich ungern hinter die Fassade schauen lässt. Sie lebt auf der Straße, bindet sich an keinem Ort und an keine Menschen, ist lieber allein und versucht, allem aus dem Weg zu gehen. Allerdings ist das nicht immer so einfach, immerhin hat sie einen großen Beschützerinstinkt und gerät dadurch selbst oft ins Radar der Seday. Es gibt mehrere Verzweigungen der Seday und Cey gelangt ausgerechnet an eine, die sich neu gewandelter J‘ajal annimmt. Das sie nicht neu gewandelt ist, werden sie bald feststellen, dass sie mehr Geheimnisse birgt, als Worte hervor bringt, auch und das Cey nicht lange bleiben wird, werden sie auch noch feststellen. Aber auch Cey hat Schwachstellen, sie ist gesundheitlich angeschlagen und hat Anfälle, außerdem erträgt sie es nicht, wenn ein J‘ajal sie berührt.

Für mich war Cey am Anfang nicht ganz greifbar, zu viele Geheimnisse, zu viel Neues und kein richtiger Ausgangspunkt. Ich wurde direkt in die Geschichte hinein geworfen und hatte Startschwierigkeiten mit Cey, denn ihre Geheimnisse und ihr Wesen bleibt oft verborgen und vieles von ihr noch im Nebel. Das verwirrt am Anfang ziemlich, macht aber auch ein bisschen neugierig, wie sich ihre Puzzleteilchen zusammensetzen. So lernte ich eine unnahbare Frau kennen, die sich keinen öffnen möchte und Angst hat, ihre Gefühle zu zeigen. Allerdings auch eine Kämpferin, die mit allem klarkommt, sich vor keiner Gefahr drückt und die Männerwelt in ihrer Umgebung mächtig dumm dastehen lässt. Nun, bei einem Mann kommt auch Cey ein bisschen ins Schleudern, denn ihr Mentor Xyen, ist nicht nur gut aussehend, nein, er ist auch der Typ Fels in der Brandung, in sich ruhend und immer bemüht, eine Lösung für jeden zu finden. Je mehr Zeit Cey mit ihm verbringt, umso wohler fühlt sie sich bei ihm, sie macht eine Wandlung durch, und obwohl es zwischen ihnen knistert, weiß sie nicht, ob sie ihn vertrauen soll. Ein spannendes Duo, was hoffentlich noch richtig ins Rollen kommt.

Es gab so einige kleine Haken an der Geschichte, über die ich immer wieder gefallen bin und ich merkte, es läuft noch nicht ganz rund. So war der Einstieg etwas holprig, manche Tatsachen hörten mitten im Buch auf zu existieren und kamen dann nicht mehr vor, Ceys ständiges verschwinden, wobei ihre Beweggründe immer im unklaren blieben, nicht ganz verständlich und die vielen Geheimnisse ohne Auflösung anstrengend. Es ist ein Anfang zu einer Reihe und natürlich, mag man nicht zu viel verraten, es soll ja interessant und spannend bleiben, ich fand die Dosierung nur noch nicht so ganz stimmig.

Aber genug gemeckert, ich muss hier noch meine Helden der Geschichte hervorheben und das sind Xyen und seine Männer. Allein Xyen würde hier schon reichen, dieser ruhige Typ, der Stärke ausstrahlt, aber auch noch einen Touch Melancholie vermittelt, sehr sympathisch und seine sanfte Seite bei Cey, lässt das Frauenherz schmelzen. Dann haben wir noch Lee, der für die medizinische Untersuchungen zuständig ist und jedem mit seinen Gesundheitsshakes drangsaliert, und natürlich Nathan, der mit seinem Charme jeden um den Finger wickelt und Cey in die Gruppe spielend einbindet. Dieses Team macht höllisch Spaß kennenzulernen und man möchte mehr von ihnen lesen.

Cey und die Seday Academy sind ein ungleiches Gespann, was mit Missverständnissen, Klarstellungen und der Frage nach Vertrauen zu kämpfen hat. Schnell, düster, geheimnisvoll und actionreich erzählt, ein schuss Romantik würde dem Ganzen ganz gut tun. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, und hoffe inständig auf den ersten richtigen Kuss.

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563 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

sirenen, liebe, kiera cass, meer, sirene

Siren

Kiera Cass , Christine Strüh , Anna Julia Strüh
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 13.10.2016
ISBN 9783733502911
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kahlen ist mit ihrer Familie auf einem großen Schiff, als das große Unglück passierte, jeder Passagier und auch die Crew, stiegen freiwillig in die Fluten und ließen sich von dem Gesang in den Tod reißen. Nur sie will leben und hat die Wahl zwischen einen 100 Jahre langen Dienst als Sirene oder dem Tod. Das junge hübsche Mädchen entscheidet sich für das Dasein einer Sirene und ahnt noch nicht, wie schwer ihr die Jahre fallen werden, denn 80 Jahre später, kann sie ihr Leben kaum noch ertragen. Kahlen ist für immer jung, unsterblich und trotz ihrer Schwestern, allein in ihrem Schmerz. Aber dann lernt sie den jungen Studenten Akinli kennen, der trotz ihrer Stummheit, ihr Beisammensein lebendig macht und Kahlen blüht auf. Endlich hat sie jemanden gefunden, für den es sich lohnt zu leben, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen. Was wird passieren? Wie soll diese Liebe funktionieren? Und kann das Meer eine Sirene überhaupt gehen lassen?
Kiera Cass hatte mich mit ihrer Selection Reihe total kalt erwischt, normalerweise mache ich mir nämlich gar nichts aus solchen Büchern, aber da rauschte ich förmlich in die Geschichte rein und konnte nicht mehr aufhören. Nun veröffentlicht der deutsche Buchmarkt ihr Erstlingswerk und es hat mal so gar nichts mit Prinzen, Castings, oder Dreiecksgeschichten zu tun. Es geht diesmal ums Meer, um Sirenen und ihre ganz eigene Welt, ob mir das gefallen hat, erfahrt ihr jetzt.

Kahlen ist die Hauptprotagonistin und wurde um 1930 zur Sirene verwandelt. Sie war das älteste Kind in ihrer Familie und wohlerzogen und jetzt steht sie einem ganz anderen Leben gegenüber, als ihre Eltern geplant hatten. Nun ist das Meer ihre Mutter und die anderen Sirenen ihre Schwestern, sie sorgen zusammen dafür, das alles im Gleichgewicht bleibt, und die See ihren Hunger stillen kann. Um dieser 100 Jahre dienen zu können, werden sie unsterblich und sind wunderschön, dürfen aber in der Welt der Menschen nicht sprechen, weil sie mit ihren Stimmen den Tod bringen. Kahlen ist also seit 80 Jahren an ihr Leben gefesselt und kommt immer schlechter damit klar, der ständige Lebenswandel, die Geheimniskrämerei, das Behüten neuer Schwestern und die ganzen Opfer rauben immer mehr ihrer Persönlichkeit. Sie zieht sich zurück, ist lieber für sich und träumt von der großen Liebe. Das ihr die Liebe selber Mal begegnet hätte sie nicht gedacht, aber als Akinli in ihrem Leben auftaucht, beginnen ihre innerlichen Wunden zu heilen und sie hofft, auf ein Leben zu zweit, auch wenn es ein Ding des Unmöglichen ist. Man konnte sich gut ihn Kahlen hineinversetzten und ich gestehe, so bald Akinli auftauchte, bekam man auch als Leser ein gewissen Kribbeln. Allerdings fand ich ihr ständiges Weinen, zerbrechen und zerfleischen schon recht anstrengend und das ist irgendwie mein Knackpunkt an der Geschichte.

Kiera Cass hat ein Talent viel zu schreiben und nicht wirklich viel passieren zu lassen. Das fiel mir schon bei Americas Geschichte auf und bei Kahlen ist es nicht wirklich anderes, bloß das mich das hier gestört hat, wogegen es mir bei Selection nicht wirklich so schwer ins Gewicht gefallen ist. Hier haben wir eine gebrochene Sirene die 80 Jahre durchgehalten hat und jetzt nicht mehr mag, der der ständige Tod zu sehr belastet. Tja und das schreibt sie 200 Seiten lang, am Anfang fand ich die ständige Kasteiung ja noch verständlich und zur Geschichte passend, aber das ging dann fließend in den Liebeskummer über und so leidet man eigentlich nur ständig mit, das war anstrengend und Kahlen ist wirklich nicht gerade eine Heldin, sondern eher ein weinendes Bündel. Die leuchtenden Seiten gehörte wirklich Akinli, sobald er auftauchte, machte es wieder richtig viel Spaß und mit ihm hat die Autorin einen wirklich bezaubernden jungen Mann erschaffen, der einen das Herz vom ersten Augenblick klaut. Allerdings kommt er einfach zu gering drin vor und so kann er die Geschichte für mich nicht ganz retten.

So blieb Siren bei mir ein bisschen blass zurück. Ich hatte zwar vergnügliche Lesestunden und einen süßen Helden, aber das Konzept der Sirenen hat mich nicht wirklich überzeugen können. Eine tyrannische See, die doch einbrach und eigentlich eine ganz liebe ist, Schwestern, die immer zusammenhalten und eine zerbrochene Heldin, die nur weinte, um Akinli, um ihre Schwestern, ums Meer und über alles, was sie sonst zum Weinen brachte, war einfach ein bisschen zu viel des Guten. Ich glaube, hier wäre weniger mehr gewesen und ein bisschen mehr Akinli hätte der Geschichte gut getan. Aber nun gut, es ist ihr Erstling gewesen und man merkt es eben trotz Überarbeitung.

Wer nun aber einfach melodramatischen Herzschmerz haben möchte und gern mit weint und leidet, der ist bei Kahlen genau richtig, und sobald Akinli auftaucht, wird es romantisch und es knistert schön zwischen den beiden. Trotz der vielen kleinen Meckereien hatte ich nette Lesestunden und ein Tag am Meer geht doch immer.

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glück, doppelgänger, sammlung, antiquitäten, trostloses leben

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

Monsieur Pierre-Francois Chaumont ist Anwalt und das auch recht erfolgreich, jeden Tag kämpft er mit Patenten und Urheberrechten, aber seine wahre Leidenschaft gilt Antiquitäten. Er hat schon als kleiner Junge begeistert gesammelt, und als sein Onkel ihm gesagt hat, dass in alten Dingen die Seelen seiner Vorbesitzer weiter leben, war es endgültig um ihn geschehen. Nun steht er in seiner Mittagspause bei seinem Stammauktionshaus vor einem Porträt aus dem 18. Jahrhundert und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Dieses Gemälde, das einen Mann mit gepuderter Perücke zeigt, sieht ihm zum Verwechseln ähnlich und er weiß, er muss es haben, komme, was wolle. Als er es stolz nach Hause trägt und seiner Frau zeigt, ist er total niedergeschlagen, als sie ihn nicht darauf erkennt. Kann das sein? Bildet er sich das ein? Chaumont fängt an zu recherchieren, denn irgendwoher muss das Bild ja kommen. Wird er es in Erfahrung bringen? Was wird es mit seinem Leben anstellen? Und welche Seele wird sich in diesem Porträt verbergen?
Endlich wieder was Neues von diesen Franzosen und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mich das erfreut. Seine Geschichten sind nämlich immer was ganz Besonderes und wer denkt, dass auf den ersten Schein alles klar ist, der irrt sich bei ihm immer, irgendeine Pointe lässt er sich nämlich nie entgehen. So schlägt man sein neustes Werk mit einer unbändigen Freude auf, taucht sofort in die Welt dieses Anwalts ab und freut sich einfach diebisch, wie sich diese Figur noch drehen wird.

Pierre-Francois Chaumont wurde in eine gut situierte Familie hineingeboren, er besuchte ein Internat und an Selbstbewusstsein mangelte es ihm nie. Was er nicht so bekam, erkaufte er sich und wirkliches Glück, ist eh überbewertet. So ergab er sich schnell in seinem Beruf und in seiner Ehe, nur eine Leidenschaft ließ sich nicht ausblenden, nämlich die eines Sammlers. Schon früh hatte er sich des Sammelns erfreut und eine wahre Obsession entwickelt. Durch seinen Onkel hat die Liebe zu alten Dingen nochmals eine besondere Kehrtwendung bekommen, in dem er ihn sagte, das in alten Antiquitäten die Seelen seiner Vorbesitzer weiterlebten. Für Pierre-Francois gibt es nichts Wundervolleres als sich in diesen Dingen zu verlieren und besondere Schätze zu finden, das bereitet ihn immer große Freuden. Nur zu dumm, dass er seine Sammlung nicht präsentieren darf, sondern in seinem Arbeitszimmer einschließen muss, da seine Frau für diese Seite ihres Mannes kein Verständnis hat. So kommt es, dass er nach dem Erwerb des Porträts mit seiner Euphorie allein da steht. Unterdrückt und missverstanden fühlt er sich, seinen Leben einfach überdrüssig. Warum muss er sich in der modernen Welt um Dinge kümmern, die ihn nicht interessiert, warum hat er nicht das erlernt, wo er eh schon Experte drin ist. Verbissen klemmt er sich also, hinter dem Enträtseln seines Porträts und entdeckt ein neues Leben.

Mehr möchte ich nicht verraten, das tut ja leider schon der Klappentext vom Verlag, aber das schmälert nicht die Lesefreude. Jedes Wort und jeder Satz ist ein Genuss, die Beschreibungen von Dingen und Eindrücken sind punktgenau getroffen und lösen einfach eine große Begeisterung beim Lesen aus. Diesmal hat der Autor Antoine Laurain sich dem Glück verschrieben und wo es zu finden ist. Was man bereit ist dafür zu opfern und ob es sich überhaupt lohnt, es zu suchen. Dazu entführt er uns in die Welt der Snobs und gut Situierten, die manchmal ein bisschen hochtrabend daher kommen und doch auch nur nackt zur Welt kommen. Außerdem finde ich es immer ganz wunderbar, wie der Autor uns die moderne Welt präsentiert mit seinen Oberflächlichkeiten, schnell vergänglichen und total unnützen. Dagegen stellt er dann, Zeitloses, Wertvolles und natürlich Dinge, in denen Magie und Liebe stecken. Da ich auch ein Faible für Unvergängliches habe und mit alten schönen Dingen, auch was anfangen kann, hat er mit dieser Geschichte bei mir wieder Seiten anklingen lassen, die einfach gut tun und mir sehr große Freude bereitet haben. Und der Leser wird auch immer wieder überrascht, was seine Spezialität zu sein scheint, passt mal gut auf und vielleicht gibt es ja auch so einige wiedersehen aus seinen anderen Büchern.

Antoine Laurain ist ein ganz großer Erzählkünstler, er schafft es immer, ganz wunderbar und mit viel Raffinesse, uns in eine Zeit und seinen Raum hineinzuziehen und zu fesseln. Sein Hauptprotagonist, der zuerst kühl und etwas arrogant daher kommt, blüht auf und diese Veränderung ist einfach herrlich mitzuerleben. Diese Geschichte über Werte, Glück und den Wunsch, manchmal ein anderes Leben zuführen, ist ihn wieder gelungen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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new york, ally taylor, liebe, freundschaft, liebesroman

New York Diaries – Claire

Ally Taylor
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426519394
Genre: Liebesromane

Rezension:

Claire kehrt mit 32 Jahren und zwei Koffern ins Elternhaus zurück und ist mehr als frustriert. Das Kinderzimmer lässt sie ihr Versagen noch mehr spüren, ihre Schwester drückt den Daumen in die offene Wunde und ihr Bruder ist der Star der Familie. Aber was ist mit Claire, sie definiert ihr Leben, über den Mann an ihrer Seite, nur blöd das sie von diesem enttäuscht und allein zurückkehrt. Am elterlichen Tisch wird ihr erst noch mehr bewusst wie, gedemütigt sie sich fühlt und das sie wiedermal alle Klischees über sich erfüllt hat, sie will raus. Am selben Abend beschließt sie, zu ihrer Freundin nach New York zufahren und dort Unterschlupf zu suchen. Gesagt, getan, aber sie ist nicht da, aber Claire wäre nicht Claire, wenn sie nicht einen Trick kennen würde. So macht sie sich übers Dach auf den Weg und erwischt ihren Nachbarn beim Abendsport, und als ob das noch nicht schlimm wäre, gibt es auch noch ein Wiedererkennen, denn sie steht ihrer ersten großen Liebe Jamie gegenüber. Was wird Claire tun? Wird sie ihr Leben endlich auf die Reihe bekommen? Was ist mit ihren Träumen passiert? Und seit wann hat ihr bester Freund Danny eine Freundin? Und warum stört es sie, auf einmal? Ob New Yorks Leuchten Claire den Weg zeigen wird?
Endlich ist Ally Taylor wieder am Start und wir befinden uns nicht mehr am Strand und haben Urlaubsfeeling, sondern es wird laut, bunt und sehr lebendig, immerhin sind wir in New York und da tobt das Leben rund um die Uhr. Dort werden Träume wahr, oder sie verpuffen ins Nirgendwo, aber es ist auch die Stadt, wo sich Neuanfänge am Besten in Angriff nehmen lassen und Claire braucht einen Neuanfang, nur welchen, ist hier die Frage.

Schauen wir uns doch mal Claire an, sie hat ihr Leben immer über ihre Beziehungen definiert, sich ihren Freunden angepasst und sich an diese Bindung geklammert. Dabei weiß sie, dass es nicht gut ist und das der Mann ihr nicht immer gut tut, aber sie hat Angst selbst auf eigenen Beinen zu stehen und zu versagen. So lebt sie ihren Mädchentraum vom Prinzen und fällt doch immer wieder auf die Nase. Jetzt hat sie von diesem Teufelskreis genug und will endlich was anderes, aber was, denn an ihre Träume und Wünsche kann sie sich schon lange nicht mehr erinnern. Deshalb ist sie so froh, erst mal Zuflucht bei ihren Freunden gefunden zu haben. Claire war mir wirklich vom ersten Spruch total sympathisch. Sie ist eine junge Frau, mit spitzer Zunge, sexy, ein bisschen naiv und ziellos. Ihre Gedankenwelt war mir absolut nicht fremd, nur wollte ich ihr ständig in den Popo treten. Sie hat sich ein bisschen aufgegeben und was die Männer angeht, hatte sie Mr. Right immer vor der Nase, nur nie gesehen. Unglaublich!

Überhaupt greift Ally Taylor hier ein wirklich gutes Thema auf, dieses im Leben nicht wissen, was man anfangen soll, oder nicht den üblichen Familiengründerplan umzusetzen, ist ein ganz großes Problem unserer Zeit und ich kenne viele, die sagen, keine Ahnung, ich habe ja noch Zeit, oder mal sehen. Diese Planlosigkeit, oder Träumerei, keine Ziele zu haben, ist und bleibt ein aktuelles. Hier ist es eben schön mitzuverfolgen, dass Claire doch Träume hat, sich nur erst mal dran erinnern muss und dann ihr Leben damit neu ordnet, denn eigentlich weiß sie, was sie will. Das macht die Geschichte schon viel erwachsener, denn wir alle müssen unseren Platz im Leben finden.

Außerdem gibt es natürlich eine süße Liebesgeschichte, die mir das Herz erwärmt hat. Wir haben da natürlich die erste große Liebe in Form von Jamie und bei seiner Beschreibung wird einem heiß, und zusätzlich gibt es noch den besten Freund Danny und bei ihm, öffnete sich direkt mein Herz. Man denkt direkt, oh Claire mach bitte, bitte keinen Unsinn und schau ganz genau hin, aber wie es so ist, strudelt sie in Missverständnisse und benötigt so einige Tritte in die richtige Richtung. Aber was habe ich mit gezittert.

Hier haben wir eine ganz bezaubernde Geschichte über das Erwachsen sein, mit all seinen Trugschlüssen, denn man muss nicht immer verheiratet sein und eine happy Family gründen, es kann auch alles ganz anderes passieren. Vielleicht findet man sich erst viel später und erkennt dann erst, was man wirklich möchte. Um seine innere Balance zu finden, ist man nie zu alt. Dabei bekommt Claire wunderbare Hilfe und ein Setting, was alles noch schön abrundet. Wir haben nämlich nicht das glitzernde New York vor uns, mit all seinen Designern und auch nicht das New York der Gangsterbanden und des grau in grau, wir haben das New York dazwischen, lebendig, laut, unberechenbar und für einen Neuanfang immer gut. Ich hätte gern noch einen Muffin Miss Taylor und gegen einen süßen Mann auch nichts einzuwenden.

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dystopie, flawed, jugendbuch, cecelia ahern, fehlerhaft

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist das Fest zum Tag der Erde und wie jedes Jahr, finden sich Freunde und Nachbarn bei Celestine Familie ein, um zu feiern. Aber diesmal ist es für sie anders, denn sie feiert zum ersten Mal als verliebtes Paar. Nur die einen Nachbarn sind wieder zu spät dran und dann erklingen die Sirenen. Die Whistleblower rücken an und zum Entsetzen von Celestine wird die Nachbarsfrau, ihre Klavierlehrerin abgeführt. Aber warum? Was hat sie getan? Sie hält sich doch an alle Regeln? Sie ist doch perfekt und trotzdem atmet Celestine auf, das es keinen ihrer Familie getroffen hat. Aber dieser Vorfall hinterlässt bei Celestine Spuren und sie denkt zum ersten Mal über die Gilde nach, die für eine moralische und ethisch makellose Gesellschaft einsteht. Ist deren Handeln immer richtig? Und bevor sie es sich versieht, gerät sie durch ihr eigenes instinktives Handeln in die Fänge der Gilde und erfährt hautnah mit, wie es ist eine Fehlerhafte zu sein. Was hat Celestine getan? Was bedeutet es in einer perfekten Welt, als ausgestoßene zu leben? Wie wird sie damit umgehen, sich verkriechen, oder kämpfen?
Ich habe noch nicht ein einziges Buch von Cecelia Ahern gelesen und fange dann direkt mit ihren erstem Jugendbuch an, aber ihre Idee war einfach faszinierend. Eine Welt, in der man perfekt sein muss, in der man sich keine Fehler erlauben darf. Wie frei ist da das Leben? Wie soll man lernen, was richtig und falsch ist. Tja und wer bestimmt bitte, was moralisch und ethisch nicht richtig ist. Wo fängt Perfektionismus an und wo verschwimmen die Grenzen zum Normal sein. Außerdem weiß man doch, wenn einer solch eine Macht über Menschen hat, wird diese auch ganz gern ausgenutzt und wir stehen dem doch hoffnungslos und machtlos Gegenüber. Ein Kampf, zwischen menschlich sein und einem ganzen System entbrennt.

Celestine ist hübsch, klug und immer perfekt. Sie will sich dem System anpassen und jeden gefallen. Außerdem ist sie gerade schwer verliebt, in Art, den Sohn des obersten Richters der Gilde, was soll ihr da, also schon passieren. Wohl behütet wächst sie in einer vornehmen Gegend auf und ist eine große Befürworterin für Moral und Perfektion, das kann ja nicht alles so schwer sein. Aber dann passiert, für Celestine, das Undenkbare, ihre Nachbarin fällt der Gilde auf und bestraft diese. Wie kann das sein? Wie kann es jemanden aus der angesehenen Gesellschaft treffen? Darüber muss Celestine nachdenken und je mehr sie die Augen öffnet, um so unschlüssiger wird sie über deren Beweggründe. Als sie dann auch noch auf der Fahrt zur Schule, die Behandlung von Fehlerhaften beobachtet, überkommt sie das Mitgefühl und will helfen, bedenkt aber die Konsequenzen ihres Handels nicht. Aber wie auch, wenn jemand fast zusammenbricht, wie soll da Hilfe falsch sein? Und schneller als sie denkt, gerät sie zwischen die Fronten und wird selbst zum Opfer.
Ich muss gestehen, ich hatte es am Anfang etwas schwer mit unserer Heldin, sehr naiv und sogar etwas dümmlich, tapst sie in einer Welt herum, wo alles beurteilt und bestraft wird. Dann auch noch ihr übersprungenes Handeln und ihre Zuversicht, das es sie ja niemals treffen könnte, war für mich nicht leicht, mit der mutigen Frau im Gerichtsaal zu vereinbaren, da ging mir die Entwicklung zu schnell und war für mich, nicht ganz sauber gelöst. Ansonsten mochte ich ihre Tapferkeit, ihren doch starken Willen und ihren Mut sich nicht aus der Affaire zu ziehen, als sich die Möglichkeit bot. Celestine muss sich also entscheiden, ob sie ein Leben als Aussätzige führen möchte, oder ob sie diese Ungerechtigkeit und menschenverachtende Gilde aufmischt und das fand ich mehr als gut umgesetzt und solch eine Protagonistin gefällt mir.

Cecelia Ahern hat einen wirklich leichten Schreibstil, der sich ganz wunderbar verschlingen lässt. Dazu kommt noch, das ihre Geschichte einen unglaublichen Sog entwickelt und man kann einfach nicht aufhören zu lesen. Außerdem hat sie sich mit ihrer Dystopie wirklich ein interessantes Thema ausgesucht und ein tolles Setting, immer wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr werden, haut sie noch einen raus. Ich als Leser war oft schockiert, sprachlos, überwältigt von meinem Gefühlen und auch recht nachdenklich, denn man fängt automatisch an über diese Gesellschaft nach zudenken und Vergleiche zu ziehen. Denn was ist das bitte, für ein Miteinander, wenn Menschen für ihre nicht Perfektion, härter bestraft werden, als Verbrecher, was sagt das über uns aus. Außerdem stellt sie unsere Celestine nicht nur Art zur Seite, sondern noch einen geheimnisvollen jungen Mann, der zweite Teil verspricht, wohl noch interessanter zu werden.

Trotz kleiner anfänglicher Schwierigkeiten mit der Protagonistin bin ich wirklich in die Geschichte versunken und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Welchen Weg Celestine einschlagen wird und ob sie eine Lösung findet, denn es lässt einem als Leser nicht los und ich kann nur sagen, aufregend, dramatisch, nachdenklich stimmend und doch spürt man ein bisschen Licht im Hintergrund lauern. Gott sei Dank, lässt Band zwei nicht lange auf sich warten.

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