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198 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

wüste, alwyn hamilton, fantasy, amani, rebellin des sandes

AMANI - Rebellin des Sandes

Alwyn Hamilton , Ursula Höfker
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.08.2016
ISBN 9783570164365
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Amani hat es satt, ständig unterdrückt und geduldet zu sein, denn seit dem Tod ihrer Mutter, ist sie der Willkür ihrer Familie ausgesetzt, aber wie soll ihre Zukunft aussehen, in einem Kaff mitten in der Wüste. Sie will raus, sie will Freiheit und dafür braucht sie Geld. Verkleidet als Mann, nimmt sie an einem Schießwettbewerb teil und erlebt eine Katastrophe, allerdings lernt sie auch dort, den faszinierenden Fremden Jin kennen, der ihr Leben am nächsten Tag nochmals schneiden soll. Nun sind die Soldaten des Sultans hinter ihm her, und bevor sich Amani versieht, hat sie zwar ihren Heimatort verlassen, aber befindet sich auch auf der Flucht. Durch Jin erfährt sie nicht wirklich viel, aber ihre Umgebung erzählt von Rebellen und den abtrünnigen Prinzen Ahmed. Was steckt hinter den Geschichten um Rebellion und Kampf? Warum wird Jin wirklich verfolgt? Kann sich Amani ihren Wunsch von Freiheit erfüllen? Oder wechseln ihre Pläne in der Gegenwart von Jin und seinem bezaubernden Lächeln?
Momentan beherrscht die Wüstenwelt jedes Buchregal und was tauchen wir Leser gern ab, in fremde Länder und Geschichten. Mich hat es dieses Jahr richtig erwischt und was fand ich die neuen Interpretationen von „Tausendundeine Nacht“ toll, so richtig märchenhaft und doch neu und faszinierend. So war ich bei Amani doch recht hellhörig geworden, als es sich so ganz anders anhörte und starke junge Frauen mag ich, so musste ich es unbedingt lesen.

Amani ist eine junge Frau, die schnell gelernt hat, dass sie sich auf niemanden verlassen darf. Ihre Eltern sind verstorben und so muss sie sich mit dem Rest der Familie arrangieren und die machen diesem Mädchen das Leben so richtig schwer. Auch der Ort, in dem sie lebt, ist nicht besonders erbaulich, denn außer der Waffenfabrik gibt es nur Sand und Wind. Amani möchte raus und weg, sie möchte den Traum ihrer Mutter erleben und in die Hauptstadt ziehen, dafür braucht sie allerdings Geld und deshalb nimmt sie, verkleidet als Junge, an einem Schießwettbewerb teil, ohne zu ahnen, das mit dem Abend ihr ganzes Leben ins Rollen gerät. Ich mochte Amani von der ersten Seite an, sie ist frech, willensstark, hat ein lautes Mundwerk und lässt sich nix gefallen. Unglaublich beeindruckt hat mich ihr Mut, allein loszuziehen, sich niemanden unterzuordnen und im heißesten Wüstensand ein Gefühl von Heimat zu haben.

Aber die Autorin hat ja nicht nur eine starke junge Heldin erschaffen, nein sie zaubert auch gleich eine ganz eigene Welt. Hier spielen nicht die üblichen Gefahren einer Wüste eine Rolle, nein, sie hat unheimliche Wesen in der Nacht erschaffen, Ghule, Nachtmahren, oder Wüstenpferde, die mit Eisen gebannt und von einem jungen Mädchen geführt werden. Sie baut ihr ganzes Konzept auf die Vorgeschichten der Dschinns auf und lässt somit die Welt von „Tausendundeine Nacht“ hinter sich. Alwyn Hamilton ist der Fantasy verschrieben und greift gezielt in die Überraschungskiste, um ihre Leser zu verzaubern und in die Seiten zu bannen. 

Aber das allein reicht noch nicht aus, denn sie stellt unserer Amani einen jungen Mann zur Seite und dieses Gespann lässt es gewaltig knistern und krachen. Bei den beiden herrschen spritzige Wortgefechte vor und sie vertrauen sich kein Stück, aber trotzdem bilden sie ein Team und das macht die Geschichte einfach interessant. Man möchte einfach mehr über den geheimnisvollen Jin wissen, man möchte sehen, wie sich diese Neckerei weiterentwickelt und wohin sie ihre Reise führt. Das hat die Autorin, finde ich nämlich ganz geschickt gemacht, denn für mich war es nicht das, was ich erwartet hatte. Ich habe ein bisschen das Märchenhafte vermisst, denn wir haben ein tolles Paar, aber beide sind zu stur um sich offen zu verlieben und das schwankende Tempo hat mir ab und zu schaffen gemacht. Die Autorin erzählt ihre Geschichte nämlich recht schwankend, bei einigen Stellen lässt sie sich Zeit und bei den nächsten geht sie voll ins Tempo, so ist es manchmal recht unausgeglichen. Außerdem fand ich das Ende zwar fantastisch und facettenreich, aber auch zu viel, kleine Logikfehler sind mir aufgefallen und so fühlte man sich nicht ganz so gut mit. Für mich war es auch am Ende ein bisschen wie X-Men in der Wüste, eben nur mit anderen Superhelden, ich glaube, man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Auf jeden Fall ist Amani eine Geschichte, die sich von allen anderen Wüstenlocations abhebt, hier steht nämlich die Fantasy im Vordergrund und lässt uns wie ein Wirbelsturm durch den Sand tanzen. Atmosphärisch, spannend, aber auch mit kleinen Schwächen.

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421 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

thriller, cody mcfadyen, cody, blutlinie, mcfadyen

Die Blutlinie

Cody McFadyen , Axel Merz
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 19.04.2013
ISBN 9783404169368
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Was Smoky Barrett passiert ist, ist der Albtraum für jeden Ermittler. Zu Hause wird sie überfallen, gefoltert, missbraucht und muss mit ansehen, wie ihre Familie getötet wird. Verletzt und für ein Leben gezeichnet überlebt Smoky, aber sie kann das Geschehene nicht verarbeiten, sie ist wie gelähmt und am Rande des Wahnsinns, für sie gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder kehrt sie in ihren Job zurück und macht Jagd auf das Grauen da draußen, oder sie macht ihrem Leben ein Ende. Schneller, als ihr bewusst wird, kehrt sie ins Leben zurück, denn ein Täter will ihre Aufmerksamkeit und bringt ihre beste Freundin um. Er hält sich für einen Nachfahren von Jack the Ripper und hält das ganze Team der Ermittler in Schach. Eine Spur ist schwer zu finden und jedes neue Detail sorgt für schlimmere Entdeckungen. Ist Smoky in Gefahr? Welchen Abgründen ist der Killer wirklich entsprungen? Und wird die Zeit am Ende für sie oder den Serienmörder laufen?
Smoky Barrett ist unter Thriller Liebhabern ein Absolutes muss, ihre Reihe ist sehr beliebt und bekannt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich sie nicht kannte und erst jetzt, wo der fünfte Teil am Start gegangen ist und der Autor eine Lesereise gestartet hat, dachte ich mir, dann schau auch ich mir das Mal genauer an. Immerhin ist Cody McFadyen dafür bekannt, sich kaum in der Öffentlichkeit zu zeigen und auf Teil fünf mussten seine Leser sehr lange warten. Nun habe ich den ersten Band gelesen, und obwohl es schon so viele Meinungen dazugibt, möchte ich meine doch auch niederschreiben.

Smoky Barrett ist ein As in ihrem Job, denn als FBI-Agentin macht sie Jagd auf Killer und das ziemlich erfolgreich. Sie ist eine intelligente, zähe, starke und mutige Frau, nichts bringt sie aus der Ruhe, sie ist hartnäckig und kann sich an einen Fall richtig festbeißen. Trotzdem schafft sie privat den Spagat, wenn auch nicht immer glücklich, zu Ehefrau und Mutter und dann wacht sie in einem Albtraum auf. Da steigen wir ein, Smoky wurde verletzt, misshandelt und musste mit ansehen, wie ihre große Liebe vor ihren Augen getötet wurde, sie quält sich, gibt sich für das Geschehene die Schuld und weiß nicht, wie sie weiter leben soll und ob sie das überhaupt kann. Völlig verzweifelt, allein, keine Hilfe annehmend und nach einem Ausweg suchend, ist sie kurz davor ihr Leben zu beenden, bis zu dem einen Anruf. Ein neuer Fall, ein neuer Killer, und er schickt Smoky Botschaften, das ist ihre Kehrtwende und ihr Neuanfang. Ob ich starke Frauen mag, ja, auf jeden Fall, ob ich Smoky mag, bin ich mir noch nicht ganz klar darüber.

Ich fand den Einstieg schon recht krass und musste auf den ersten Seiten sofort feststellen, das ist kein Buch für Zartbesaitete und das war nur der Anfang. Eine Grausamkeit folgt der Nächsten und so hält sich das ganze Buch dran. Man kommt sich mit der Zeit vor, wie ein Voyeur im Gruselkabinett der Abscheulichkeiten. Es schockt, lähmt, schüttelt und widert einen beim Lesen an. Irgendwann ist es mit der Vorstellungskraft und der Realität vorbei.

Cody McFadyen stellt sein Team direkt im ersten Teil auf eine harte Probe, denn der Killer nimmt sich jedem einzelnen Mitglied genau vor und trifft ihn an der verwundbarsten Stelle. So nimmt jeder, von ihnen diesen Täter persönlich und will ihn schnappen. Es wird zu einem Wettlauf mit der Zeit und diese Schnitzeljagd setzt jeden gehörig zu, den Figuren, wie auch dem Leser. Ich hatte das Gefühl, das sich der Autor hier richtig austobt, an Gräueltaten und ihren Beschreibungen. Dazu dann noch die schrecklichen Schicksalsschläge von Smoky und den Opfern und man bleibt einfach am Fall dran. Irgendwie liest man weiter und weiter, aber es liegt nicht wirklich an der Spannung, sondern eher daran, zumindest bei mir, was sich Cody McFadyen noch ausgedacht hat, wie weit will er noch gehen und dann ist die letzte Seite verschlungen und man erwacht erstaunt.

Eigentlich bin ich kein Freund von brutalen und blutigen Thrillern, denn das eigene Kopfkino ist grausamer, als jede TV-Serie. Mich hat der Auftakt zur Smoky Barrett Reihe ein bisschen an Criminal Minds erinnert und das mag ich eigentlich sehr gern. Die Blutlinie ist deshalb auch für mich wie ein Paukenschlag zusehen, brutal, verstörend, aber der Autor hat meine Aufmerksamkeit und ich möchte das Team doch ein bisschen genauer kennenlernen. Also, obwohl dieses Buch schon ein bisschen speziell ist und es für mich zu viel an Bösen war, bin ich interessiert und seien wir ehrlich, einer muss ja den Job machen und böse Jungs jagen.

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74 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

australien, dürre, krimi, hitze, thriller

The Dry

Jane Harper , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.10.2016
ISBN 9783499290268
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kiewarra ist ein kleines Städtchen voller Farmer im australischen Nirgendwo und jeder kämpft, gegen die Dürre an, die jedermanns Existenz bedroht. Genau dort wird Luke Hadler, seine Frau und ihr Sohn Billy erschossen aufgefunden. Der Verdacht wird schnell zur Sicherheit, dass Luke durchgedreht ist und Suizid an sich und seiner Familie begangen hat. Zur Beerdigung taucht nach zwanzig Jahren sein Jugendfreund Aaron Falk im Ort auf, um sich gebührend zu Verabschieden und den Eltern sein Bedauern auszudrücken. Diese hatten ihm als Kind, wie einen eigenen Sohn behandelt und so kann Aaron den Wunsch nicht ausschlagen, sich selbst die Sache einmal anzusehen, immerhin ist er doch Polizist. Für Aaron ist es eine verzwickte Situation, denn er möchte nicht, das alte Wunden wieder aufbrechen, aber er möchte auch keinen enttäuschen. So geht er mit Sergeant Raco den Fall noch einmal durch und beide, stoßen auf einige Ungereimtheiten. Hat Luke wirklich Suizid gegangen? Was ist Aaron damals in Kiewarra passiert? Und werden sie überhaupt die Wahrheit ermitteln können, bei dieser Hitze und dem Misstrauen der Leute?
Dieser Thriller ist mir sofort ins Auge gesprungen und obwohl ich nicht so der Australien Fan bin, stand er ganz oben in meiner Lesewunschliste. Ich mag ja unglaublich gern, wenn es um eine kleine Gemeinde geht, wo jeder jeden kennt und man denkt, man weiß alles und dann verbergen sich doch so viele dunkle Geheimnisse hinter verschlossenen Türen. Daraus kann man richtig was machen, und wenn es gut ist, dann ist das Enträtseln aufregender, als die Jagd nach einem Serienmörder. Außerdem finde ich es immer spannend, wenn sich Hollywood schon die Filmrechte bei einem Debüt gesichert hat. Da juckt es mich immer in den Fingern, ob es mir gefällt und ich es verstehen kann, das man, das verfilmen möchte.

Aaron Falk ist unser Hauptakteur und durch seine Augen erleben wir das Geschehen hautnah mit. Er lebt in Melbourne, allein und arbeitet bei der Polizei, allerdings nicht bei der Mordkommission, sondern ist Spezialist bei Finanzverbrechen und das, sehr erfolgreich. Außerdem ist sein Äußeres recht auffällig, er hat eine sehr helle Haut und fast weißes Haar, seine alten Freunde sagen immer, er hätte den Albinolook perfektioniert und naja, so fällt er natürlich immer auf. Seine Erinnerungen von Kiewarra sind recht durchwachsen und er hat ein beklemmendes Gefühl an den Ort seiner Kindheit zurückzukehren. Immerhin war der damalige Vorfall einschneidend für sein Leben und selbst er hat das Geschehen nie richtig überwunden, aber nun wird er mit Misstrauen, Verachtung, blinder Wut empfangen und das  macht seine Ermittlung, nicht gerade einfach. Ich hatte mir Aaron irgendwie anders vorgestellt, aber in meinem Kopf ist ja alles möglich. Er ist ein stiller und bescheidener Mann und ich mochte seine Art und Denkweise, er urteilt nicht schnell und geht sehr behutsam mit seiner Umwelt um, obwohl man es ihm im Ort so schwer macht. Ich wäre nicht nur einmal ausgeflippt, wo er ruhig Blut bewahrt hat. Ein interessanter Mann, dessen Weg man einfach gebannt verfolgt.

Eigentlich gibt es zwei Geschichten in einem Roman und je mehr man darin hinein taucht, um so verschwommener und verworrener wird es. Wir haben zum einen, die Vorfälle aus der Vergangenheit die Aaron selbst mit betreffen, vier Freunde in einem kleinen Ort, zwei Jungs und zwei Mädchen, das klingt nach Missverständnissen, vielen Hormonen und Dingen, die nie wirklich aufgeklärt worden sind. Nun ist einer tot und die Umstände mehr als schrecklich. Aaron muss sich zurückerinnern, wäre Luke dazu in der Lage gewesen, welche Erinnerungen könnten dabei helfen und was für Erkenntnisse erlangt er nach so vielen Jahren. Die Ermittlungen werden immer undurchsichtiger, verwirrender und je mehr man liest, bekommt man immer wieder ein wechselndes Bild vom Toten. Die Rückblenden sind dabei hervorragend eingeflochten und machen einen unglaublichen Spannungsbogen aus. Immer wieder schwenkt man um und ist sich nicht sicher, was man glauben kann, oder nicht.

Jane Harper erzählt mit unglaublich viel Geschick und Feingefühl eine Geschichte aus Freundschaft, Heimat und Loyalität. Die Autorin spielt mit ihren Lesern und lässt sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart rätseln, jede Erinnerung lädt zum Interpretieren ein und lässt das Geschehene immer wieder in anderem Licht erscheinen. Dazu hat sie ein unglaublich gelungenes Setting drum herum gebaut, die frustrierten Farmer, der Zusammenhalt der Gemeinde und die versenkende Hitze, die Flüsse austrocknen lässt, machen unseren Ermittler mächtig zu schaffen.

Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen und fand diese anschleichende Spannung großartig umgesetzt. Die Figuren glaubwürdig und realitätsnah und eine Atmosphäre zum Greifen. Mich konnte sie mit ihrem Debüt voll begeistern und überzeugen, mein Kopfkino lief auf Hochtouren.

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188 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 46 Rezensionen

jugendbuch, umzug, schwarzer humor, todesarten, tod

Für dich soll's tausend Tode regnen

Anna Pfeffer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei cbj, 12.09.2016
ISBN 9783570171554
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emi ist total unglücklich, wegen ihren Vater musste sie jetzt nach Hamburg ziehen, und als ob, das nicht schon schlimm genug wäre, präsentiert er ihr und ihren Bruder, auch noch seine neue Lebensgefährtin. Ihr Bruder Oliver nimmt das alles sehr locker und arrangiert sich schnell mit der neuen Situation und lebt sich hervorragend ein. Nur Emi tut sich schwer, Hamburg ist zu grau, die neue Freundin des Vaters zu nett und von der Schule will sie gar nicht erst anfangen. So bekommt jeder, der ihr dumm über den Weg läuft in ihren Gedanken den einfallsreichsten Tod verpasst und da hat sie einiges zu tun. Als sie eines Morgens sich für einen neuen Sitzplatz in der Klasse umsetzt, gerät sie an Mr. cool und unnahbar Erik und diese Auseinandersetzung hat schlimme Folgen. Warum passiert das ausgerechnet ihr? Wieso hat sie so einen schleimigen Bruder? Warum ist das Leben so ungerecht? Tja, und was muss sie wegen Erik noch alles erleiden? Auf wie vielen Todesarten wird er wohl sterben müssen?
Bei meiner damaligen Vorschauen-Recherche ist mir das Buch gar nicht so ins Auge gefallen, wahrscheinlich hatte ich schon zu viele schwarze Bücher auf meiner Wunschliste stehen, aber dann tauchte es doch in mein Sichtfeld auf und ich dachte, huch, was bist du den für ein schickes Büchlein, und als ich den Klappentext gelesen hatte, war ich begeistert und musste es haben. Wer mag sie nicht die humorigen Liebesgeschichten, wo sich die beiden Hauptprotagonisten nicht leiden können und sich die Pest an den Hals wünschen, was für ein Spaß. Genau das Richtige für mich. Erst nach dem Kauf und beim Bewundern, erkannte ich, dass mir die beiden Autorinnen gar nicht so unbekannt waren, ist das nicht ein witziger Zufall und ich sah das als gutes Zeichen an.

Emi ist ein toughes Mädchen und lässt sich nicht gern zu irgendetwas zwingen und bei der Masse läuft sie schon mal gar nicht mit. So ist sie halt eine Außenseiterin, aber es macht ihr im Grunde nichts aus. Allerdings muss sie sich ständig den Vergleichen zu ihrem Sunnyboy Bruder anhören und der steht gern mitten im Leben und unter Leuten. So kommt Emi halt was düsterer und unfreundlicher rüber, als sie eigentlich ist und ihr Hobby skurrile Todesarten in einem Buch festzuhalten untermalen noch das merkwürdige Mädchen. Allerdings habe ich in dem Alter, auch nur schwarz getragen, fand Veränderungen schrecklich und meine Mitschüler einfach nur zum Fürchten und wollte meine Ruhe. So konnte ich mich hervorragend mit Emi identifizieren und sie war mir gleich total sympathisch. Warum ist mir das mit den Todesarten nicht eingefallen, das hätte in meiner Teenagerzeit für einige Lacher gesorgt. Aber natürlich ist bei Emi auch ein bisschen jammern und trotz dabei, aber hey, wer hatte diese Phase damals nicht gehabt.

Neben Emi haben wir einen sehr ansprechenden Hauptprotagonisten, nämlich Erik, der nach einer Schulsuspension von vier Wochen, in die Klasse zurückkehrt und seinen Platz wieder haben möchte, der aber schon von Emi besetzt wird. Normalerweise ist es Erik gewohnt, dass man ihn ohne Widerworte, gewähren lässt und sein Image sorgt zusätzlich dafür. Man munkelt nämlich, dass sein Vater vor einem Jahr seine Mutter umgebracht haben soll und die Suspendierung hat er sich eingefangen, weil er einen Jungen krankenhausreif geprügelt hat. So ranken einige Geheimnisse um ihn herum und Erik bemüht sich auch nach Kräften nichts zu dementieren oder zu kommentieren. Ist ja klar, dass er somit sehr interessant ist und alle Mädchen noch mehr auf ihn fliegen. Mein Gott, ich glaube, ich hätte ihn auch von meinem Platz in der Klasse angeschmachtet, aber wir wissen ja selber, stille Wasser sind tief und Erik hat wohl einiges vergraben.

Mit diesen beiden Hauptfiguren geht es also turbulent in die Geschichte und diese, hatte es in sich. Nicht nur, dass man über die ständige Mordlust von Emi lachen musste, nein, das ganze Buch schwingt nur so von Ideen und Witz. Angefangen bei Emi, die stur und rücksichtslos durch ihren Alltag rauscht, sich ihrer schroffen Art nicht immer bewusst ist und sich dann über Gegenreaktionen ärgert. Aber auch Erik ist kein Sonnenschein, verschlossen und misstrauisch begegnet er seiner Umwelt und findet in Emi einen würdigen Gegner, um das Leben noch mehr zu vermiesen. Beide hassen ihre Strafarbeit, und als dann der Grundstein ihrer Challenge geboren ist, fängt die turbulente Gehässigkeit erst an.

Diese beide Autorinnen haben es wirklich geschafft, dass ich im Wohnzimmer sitze und laut los lachen muss, die Gegenreaktion war auch noch köstlich, als mich sieben Plüschaugenpaare verwundert anstarrten. Mit so viel Ideenreichtum hatte ich nicht gerechnet und ein Gag gibt den anderen die Klinge in die Hand, dabei wurde es aber nie zu viel und keiner war einfach nur platt oder wirklich daneben, das fand ich einfach fabelhaft. Auch ihre beiden Protagonisten waren herrlich in Szene gesetzt, und obwohl dieses Buch extrem witzig ist, lassen sie es nicht an tiefe fehlen, denn hinter allem Verhalten steckt ja immer etwas anderes und das muss man eben hier unter allem Gelächter finden. Gern wäre ich hier selbst mit am Start gewesen und hätte es live und in Farbe miterlebt. Diese Geschichte hebt sich einfach ganz wunderbar vom romantischen Einheitsbrei ab.

Wie ihr seht, bin ich total begeistert und möchte nicht mehr verraten, weil man es einfach lesen muss. Es ist die Schulzeit, die man sich gewünscht hätte, aber nicht hatte und auch gegen die Schulmusik, hätte ich nichts einzuwenden gehabt, zumindest in den ersten Wochen. Ein absoluter Lesespaß, der einen nicht nur zum Lachen bringt, sondern alle Gefühle auf der Palette hat. Absolut herrlich.

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305 Bibliotheken, 28 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

thriller, david hunter, simon beckett, england, totenfang

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dr. David Hunter ist mit seiner momentanen Situation mehr als unglücklich, in der Universität spürt er, dass sein Chef ihn nicht mehr haben möchte und seit seinem letzten Fall, wird er von der Polizei nicht mehr hinzugezogen, sondern eher gemieden. So wundert es ihn, das er tatsächlich zu einem Tatort angefordert wird und statt weiterhin auf der Stelle zu treten, nutzt er diese Chance. Diesmal führt ihn seine Reise in die Backwaters und zur Bergung einer Wasserleiche. Für alle, vor Ort ist klar, es muss sich um Leo Villiers handeln, aber haben sie damit recht? Und warum wird über diesen Fund so ein großes Gewese gemacht? David findet am nächsten Tag einen Fuß und dieser passt zur Leiche, aber warum kommen nun Zweifel an der Identität des Toten auf? Wie die Gezeiten umspülen Hunter Geheimnisse, und Vermutungen, lassen ihn hin und her reißen und er denkt nicht nur einmal, wohin er nun wieder geraten ist. Wird er es wieder schaffen, die Wahrheit im Nebel zu finden?
Ich bin ein absoluter Dr. David Hunter Fan und konnte mich vor Freude kaum noch einbekommen, als ich erfuhr, dass ein fünfter Teil an den Start geht und Deutschland sogar als erstes Erscheinungsland überhaupt. Lang genug haben wir ja darauf gewartet, oder? Nun hält man das Buch in seinen Händen und hofft einfach, dass man nicht enttäuscht wird und ob es immer noch den typischen Hunter Charme hat. Außerdem ist man ja immer skeptisch, ob aus einer Reihe nicht langsam die Luft raus ist und der Autor nur einfach kein Ende findet. Ob meine Ängste bestätigt wurden, oder nicht, lest ihr hier.

David Hunter leidet immer noch unter den Auswirkungen seines letzten Falls. So spürt er, dass seine Zeit an der Universität abläuft, von der Polizei bekommt er keine Aufträge mehr und er steht privat auch immer noch allein da. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, vor denen David irgendwie Angst hat, da er nicht weiterweiß, wie sein Leben weiterlaufen soll. In dieser grüblerischen und entscheidungslosen Phase erreicht ihn ein polizeilicher Anruf und sein Fachwissen ist gefragt. Für David ist es nicht nur ein Auftrag, sondern auch ein Weg vor seinem eigenen Leben wegzulaufen und Entscheidungen hinten anzustellen. Angekommen am Ende der Welt, merkt er schnell, dass er so wirklich nicht gebraucht wird und eher symbolisch zur Tat schreiten soll, aber wer David kennt, wird wissen, dass er immer genau an die Personen gerät, deren Schicksale vom Fall betroffen sind. Ganz ehrlich, ich mag ihn immer noch, unseren David, seine ruhige und besonnene Art, aber auch sein Talent sich in Schwierigkeiten zu bringen. Ich finde, er ist so ein einsamer Wanderer, von Leben bestraft und immer noch auf der Suche nach seinem Platz, aber trotzdem immer aufrichtig und mehr als anständig, so ein richtiger Gentlemen auf seine Weise. Tja, und hier meint es sein Leben wieder nicht gut mit ihm und schupst in ins Chaos, ein verworrener Fall, viele Gefühlen und einen David, der sich an diesen Fall festbeißt, da er sich selbst was beweisen möchte.

Natürlich fängt das Buch ganz typisch an und wir erfahren wiedermal alles über den Verfall des menschlichen Körpers, diesmal wie er sich im Wasser mehr oder minder auflöst. Zum einen ist es immer noch eklig, aber auch wahnsinnig interessant. Außerdem ist dieses Setting unglaublich atmosphärisch gewesen. Die Backwaters, ein Land, wo die Grenzen verschwimmen und das Wasser eine große Rolle spielt. Ein Ort der Ruhe ausstrahlt, aber auch Geheimnisse birgt, der Menschen ein zu Hause gibt, die alle ein schweres Schicksal tragen müssen und damit nicht unbedingt freundlich hausieren gehen und Fremde so nicht wirklich willkommen heißen. Wie meistens gerät unser Forensiker auch direkt wieder zwischen die Fronten und das macht ja auch seine Geschichten so spannend. Wir stehen draußen, allein mit David und müssen ein Puzzle aus Mordfall und Einheimischen entschlüsseln, zusammensetzten, um eine klare Sicht zubekommen. So mischt Simon Beckett wieder ganz gekonnt seine Figuren mit der Umgebung ab und schafft so spannenden Lesestoff.

Mit seinem neusten Fall bringt Simon Beckett jetzt keinen überraschenden Wurf heraus und erfindet das Rat nicht neu, aber das hatte ich auch nicht erwartet, sondern er hält die Qualität seiner Hunter Reihe immer noch hoch. Ich glaube, aber auch, dass die Zeit hier eine große Rolle gespielt hat, wir haben fünf Jahre darauf warten müssen und so saugt man die Geschichte förmlich in sich auf. Es ist wie nach Hause kommen und mit David einen weiteren Lebensabschnitt zugehen und nach dem Ende, wird es bestimmt auch noch einen nächsten geben, ich hoffe es zumindest sehr. Ich hatte auf jeden Fall wieder ganz tolle und packende Lesestunden und ich mag immer noch diesen ruhigen und eindringlichen Stil vom Autor, damit bekommt er mich jedes Mal.

Für alle Hunter Fans ein Muss und für jeden anderen ein guter solider Thriller, der allein durch das Setting für Gänsehaut sorgt und durch seine Figuren genug Geheimnisse birgt, dass es nie langweilig wird. Außerdem gibt es ja noch Hunter und der ist das Lesen immer wert.

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58 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

karin kratt, seday academy, liebesroman, akademie, besondere begabung

Gejagte der Schatten

Karin Kratt
E-Buch Text: 316 Seiten
Erschienen bei Dark Diamonds, 28.10.2016
ISBN 9783646300130
Genre: Fantasy

Rezension:

Cey ist auf der Flucht, vor ihrer Vergangenheit, vor ihres Gleichen und vor einem richtigen zu Hause, mit Leuten, die sie ins Herz schließen könnte. So lebt sie lieber unter Menschen an ständig wechselnden Orten, und bevor sie einem J‘ajal zu nahe kommt, verschwindet sie lieber. Denn Cey ist auch eine J‘ajal, jemand mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, wunderschön und äußerst talentiert nicht aufzufallen, aber sie hat auch eine Schwäche und die ist, anderen zu helfen und so passiert es, das die Seday doch noch auf sie aufmerksam wird. Mehrfach entwischt sie ihnen und dann passiert es doch, das Cey unfreiwillig in der Seday Academy landet und auch noch den überaus attraktiven Xyen als Mentor bekommt. Was haben sie mit ihr vor? Wird sich Cey ihren Schicksal ergeben? Welche Geheimnisse birgt sie? Und warum fühlt sie sich in Xyen Gegenwart so anders?
Es gab eine Zeit, da wurde der Büchermarkt mit Vampiren, Dämonen, Werwölfen und Feen belagert, bis die Welle abnahm und sich einem neuen Hype annahm. Damals fand ich das richtig schade, aber die wirklich guten Geschichten wurden auch rar, umso mehr freue ich mich, dass der paranormale Liebesroman, oder Fantasygeschichte mit Liebesanteil wieder Einzug in die Lesewelt hält. Und dieser hier, enthält gleich mal neue Wesen, die man entdecken kann.

Die Hauptfigur ist Cey, eine junge Frau, die doch recht geheimnisvoll rüber kommt, da sie sich ungern hinter die Fassade schauen lässt. Sie lebt auf der Straße, bindet sich an keinem Ort und an keine Menschen, ist lieber allein und versucht, allem aus dem Weg zu gehen. Allerdings ist das nicht immer so einfach, immerhin hat sie einen großen Beschützerinstinkt und gerät dadurch selbst oft ins Radar der Seday. Es gibt mehrere Verzweigungen der Seday und Cey gelangt ausgerechnet an eine, die sich neu gewandelter J‘ajal annimmt. Das sie nicht neu gewandelt ist, werden sie bald feststellen, dass sie mehr Geheimnisse birgt, als Worte hervor bringt, auch und das Cey nicht lange bleiben wird, werden sie auch noch feststellen. Aber auch Cey hat Schwachstellen, sie ist gesundheitlich angeschlagen und hat Anfälle, außerdem erträgt sie es nicht, wenn ein J‘ajal sie berührt.

Für mich war Cey am Anfang nicht ganz greifbar, zu viele Geheimnisse, zu viel Neues und kein richtiger Ausgangspunkt. Ich wurde direkt in die Geschichte hinein geworfen und hatte Startschwierigkeiten mit Cey, denn ihre Geheimnisse und ihr Wesen bleibt oft verborgen und vieles von ihr noch im Nebel. Das verwirrt am Anfang ziemlich, macht aber auch ein bisschen neugierig, wie sich ihre Puzzleteilchen zusammensetzen. So lernte ich eine unnahbare Frau kennen, die sich keinen öffnen möchte und Angst hat, ihre Gefühle zu zeigen. Allerdings auch eine Kämpferin, die mit allem klarkommt, sich vor keiner Gefahr drückt und die Männerwelt in ihrer Umgebung mächtig dumm dastehen lässt. Nun, bei einem Mann kommt auch Cey ein bisschen ins Schleudern, denn ihr Mentor Xyen, ist nicht nur gut aussehend, nein, er ist auch der Typ Fels in der Brandung, in sich ruhend und immer bemüht, eine Lösung für jeden zu finden. Je mehr Zeit Cey mit ihm verbringt, umso wohler fühlt sie sich bei ihm, sie macht eine Wandlung durch, und obwohl es zwischen ihnen knistert, weiß sie nicht, ob sie ihn vertrauen soll. Ein spannendes Duo, was hoffentlich noch richtig ins Rollen kommt.

Es gab so einige kleine Haken an der Geschichte, über die ich immer wieder gefallen bin und ich merkte, es läuft noch nicht ganz rund. So war der Einstieg etwas holprig, manche Tatsachen hörten mitten im Buch auf zu existieren und kamen dann nicht mehr vor, Ceys ständiges verschwinden, wobei ihre Beweggründe immer im unklaren blieben, nicht ganz verständlich und die vielen Geheimnisse ohne Auflösung anstrengend. Es ist ein Anfang zu einer Reihe und natürlich, mag man nicht zu viel verraten, es soll ja interessant und spannend bleiben, ich fand die Dosierung nur noch nicht so ganz stimmig.

Aber genug gemeckert, ich muss hier noch meine Helden der Geschichte hervorheben und das sind Xyen und seine Männer. Allein Xyen würde hier schon reichen, dieser ruhige Typ, der Stärke ausstrahlt, aber auch noch einen Touch Melancholie vermittelt, sehr sympathisch und seine sanfte Seite bei Cey, lässt das Frauenherz schmelzen. Dann haben wir noch Lee, der für die medizinische Untersuchungen zuständig ist und jedem mit seinen Gesundheitsshakes drangsaliert, und natürlich Nathan, der mit seinem Charme jeden um den Finger wickelt und Cey in die Gruppe spielend einbindet. Dieses Team macht höllisch Spaß kennenzulernen und man möchte mehr von ihnen lesen.

Cey und die Seday Academy sind ein ungleiches Gespann, was mit Missverständnissen, Klarstellungen und der Frage nach Vertrauen zu kämpfen hat. Schnell, düster, geheimnisvoll und actionreich erzählt, ein schuss Romantik würde dem Ganzen ganz gut tun. Ich bin gespannt, wie es weiter geht, und hoffe inständig auf den ersten richtigen Kuss.

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429 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

sirenen, liebe, kiera cass, kahlen, siren

Siren

Kiera Cass , Christine Strüh , Anna Julia Strüh
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 13.10.2016
ISBN 9783733502911
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kahlen ist mit ihrer Familie auf einem großen Schiff, als das große Unglück passierte, jeder Passagier und auch die Crew, stiegen freiwillig in die Fluten und ließen sich von dem Gesang in den Tod reißen. Nur sie will leben und hat die Wahl zwischen einen 100 Jahre langen Dienst als Sirene oder dem Tod. Das junge hübsche Mädchen entscheidet sich für das Dasein einer Sirene und ahnt noch nicht, wie schwer ihr die Jahre fallen werden, denn 80 Jahre später, kann sie ihr Leben kaum noch ertragen. Kahlen ist für immer jung, unsterblich und trotz ihrer Schwestern, allein in ihrem Schmerz. Aber dann lernt sie den jungen Studenten Akinli kennen, der trotz ihrer Stummheit, ihr Beisammensein lebendig macht und Kahlen blüht auf. Endlich hat sie jemanden gefunden, für den es sich lohnt zu leben, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen. Was wird passieren? Wie soll diese Liebe funktionieren? Und kann das Meer eine Sirene überhaupt gehen lassen?
Kiera Cass hatte mich mit ihrer Selection Reihe total kalt erwischt, normalerweise mache ich mir nämlich gar nichts aus solchen Büchern, aber da rauschte ich förmlich in die Geschichte rein und konnte nicht mehr aufhören. Nun veröffentlicht der deutsche Buchmarkt ihr Erstlingswerk und es hat mal so gar nichts mit Prinzen, Castings, oder Dreiecksgeschichten zu tun. Es geht diesmal ums Meer, um Sirenen und ihre ganz eigene Welt, ob mir das gefallen hat, erfahrt ihr jetzt.

Kahlen ist die Hauptprotagonistin und wurde um 1930 zur Sirene verwandelt. Sie war das älteste Kind in ihrer Familie und wohlerzogen und jetzt steht sie einem ganz anderen Leben gegenüber, als ihre Eltern geplant hatten. Nun ist das Meer ihre Mutter und die anderen Sirenen ihre Schwestern, sie sorgen zusammen dafür, das alles im Gleichgewicht bleibt, und die See ihren Hunger stillen kann. Um dieser 100 Jahre dienen zu können, werden sie unsterblich und sind wunderschön, dürfen aber in der Welt der Menschen nicht sprechen, weil sie mit ihren Stimmen den Tod bringen. Kahlen ist also seit 80 Jahren an ihr Leben gefesselt und kommt immer schlechter damit klar, der ständige Lebenswandel, die Geheimniskrämerei, das Behüten neuer Schwestern und die ganzen Opfer rauben immer mehr ihrer Persönlichkeit. Sie zieht sich zurück, ist lieber für sich und träumt von der großen Liebe. Das ihr die Liebe selber Mal begegnet hätte sie nicht gedacht, aber als Akinli in ihrem Leben auftaucht, beginnen ihre innerlichen Wunden zu heilen und sie hofft, auf ein Leben zu zweit, auch wenn es ein Ding des Unmöglichen ist. Man konnte sich gut ihn Kahlen hineinversetzten und ich gestehe, so bald Akinli auftauchte, bekam man auch als Leser ein gewissen Kribbeln. Allerdings fand ich ihr ständiges Weinen, zerbrechen und zerfleischen schon recht anstrengend und das ist irgendwie mein Knackpunkt an der Geschichte.

Kiera Cass hat ein Talent viel zu schreiben und nicht wirklich viel passieren zu lassen. Das fiel mir schon bei Americas Geschichte auf und bei Kahlen ist es nicht wirklich anderes, bloß das mich das hier gestört hat, wogegen es mir bei Selection nicht wirklich so schwer ins Gewicht gefallen ist. Hier haben wir eine gebrochene Sirene die 80 Jahre durchgehalten hat und jetzt nicht mehr mag, der der ständige Tod zu sehr belastet. Tja und das schreibt sie 200 Seiten lang, am Anfang fand ich die ständige Kasteiung ja noch verständlich und zur Geschichte passend, aber das ging dann fließend in den Liebeskummer über und so leidet man eigentlich nur ständig mit, das war anstrengend und Kahlen ist wirklich nicht gerade eine Heldin, sondern eher ein weinendes Bündel. Die leuchtenden Seiten gehörte wirklich Akinli, sobald er auftauchte, machte es wieder richtig viel Spaß und mit ihm hat die Autorin einen wirklich bezaubernden jungen Mann erschaffen, der einen das Herz vom ersten Augenblick klaut. Allerdings kommt er einfach zu gering drin vor und so kann er die Geschichte für mich nicht ganz retten.

So blieb Siren bei mir ein bisschen blass zurück. Ich hatte zwar vergnügliche Lesestunden und einen süßen Helden, aber das Konzept der Sirenen hat mich nicht wirklich überzeugen können. Eine tyrannische See, die doch einbrach und eigentlich eine ganz liebe ist, Schwestern, die immer zusammenhalten und eine zerbrochene Heldin, die nur weinte, um Akinli, um ihre Schwestern, ums Meer und über alles, was sie sonst zum Weinen brachte, war einfach ein bisschen zu viel des Guten. Ich glaube, hier wäre weniger mehr gewesen und ein bisschen mehr Akinli hätte der Geschichte gut getan. Aber nun gut, es ist ihr Erstling gewesen und man merkt es eben trotz Überarbeitung.

Wer nun aber einfach melodramatischen Herzschmerz haben möchte und gern mit weint und leidet, der ist bei Kahlen genau richtig, und sobald Akinli auftaucht, wird es romantisch und es knistert schön zwischen den beiden. Trotz der vielen kleinen Meckereien hatte ich nette Lesestunden und ein Tag am Meer geht doch immer.

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glück, sammlung, zweite chance, roman, trostloses leben

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

Monsieur Pierre-Francois Chaumont ist Anwalt und das auch recht erfolgreich, jeden Tag kämpft er mit Patenten und Urheberrechten, aber seine wahre Leidenschaft gilt Antiquitäten. Er hat schon als kleiner Junge begeistert gesammelt, und als sein Onkel ihm gesagt hat, dass in alten Dingen die Seelen seiner Vorbesitzer weiter leben, war es endgültig um ihn geschehen. Nun steht er in seiner Mittagspause bei seinem Stammauktionshaus vor einem Porträt aus dem 18. Jahrhundert und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Dieses Gemälde, das einen Mann mit gepuderter Perücke zeigt, sieht ihm zum Verwechseln ähnlich und er weiß, er muss es haben, komme, was wolle. Als er es stolz nach Hause trägt und seiner Frau zeigt, ist er total niedergeschlagen, als sie ihn nicht darauf erkennt. Kann das sein? Bildet er sich das ein? Chaumont fängt an zu recherchieren, denn irgendwoher muss das Bild ja kommen. Wird er es in Erfahrung bringen? Was wird es mit seinem Leben anstellen? Und welche Seele wird sich in diesem Porträt verbergen?
Endlich wieder was Neues von diesen Franzosen und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mich das erfreut. Seine Geschichten sind nämlich immer was ganz Besonderes und wer denkt, dass auf den ersten Schein alles klar ist, der irrt sich bei ihm immer, irgendeine Pointe lässt er sich nämlich nie entgehen. So schlägt man sein neustes Werk mit einer unbändigen Freude auf, taucht sofort in die Welt dieses Anwalts ab und freut sich einfach diebisch, wie sich diese Figur noch drehen wird.

Pierre-Francois Chaumont wurde in eine gut situierte Familie hineingeboren, er besuchte ein Internat und an Selbstbewusstsein mangelte es ihm nie. Was er nicht so bekam, erkaufte er sich und wirkliches Glück, ist eh überbewertet. So ergab er sich schnell in seinem Beruf und in seiner Ehe, nur eine Leidenschaft ließ sich nicht ausblenden, nämlich die eines Sammlers. Schon früh hatte er sich des Sammelns erfreut und eine wahre Obsession entwickelt. Durch seinen Onkel hat die Liebe zu alten Dingen nochmals eine besondere Kehrtwendung bekommen, in dem er ihn sagte, das in alten Antiquitäten die Seelen seiner Vorbesitzer weiterlebten. Für Pierre-Francois gibt es nichts Wundervolleres als sich in diesen Dingen zu verlieren und besondere Schätze zu finden, das bereitet ihn immer große Freuden. Nur zu dumm, dass er seine Sammlung nicht präsentieren darf, sondern in seinem Arbeitszimmer einschließen muss, da seine Frau für diese Seite ihres Mannes kein Verständnis hat. So kommt es, dass er nach dem Erwerb des Porträts mit seiner Euphorie allein da steht. Unterdrückt und missverstanden fühlt er sich, seinen Leben einfach überdrüssig. Warum muss er sich in der modernen Welt um Dinge kümmern, die ihn nicht interessiert, warum hat er nicht das erlernt, wo er eh schon Experte drin ist. Verbissen klemmt er sich also, hinter dem Enträtseln seines Porträts und entdeckt ein neues Leben.

Mehr möchte ich nicht verraten, das tut ja leider schon der Klappentext vom Verlag, aber das schmälert nicht die Lesefreude. Jedes Wort und jeder Satz ist ein Genuss, die Beschreibungen von Dingen und Eindrücken sind punktgenau getroffen und lösen einfach eine große Begeisterung beim Lesen aus. Diesmal hat der Autor Antoine Laurain sich dem Glück verschrieben und wo es zu finden ist. Was man bereit ist dafür zu opfern und ob es sich überhaupt lohnt, es zu suchen. Dazu entführt er uns in die Welt der Snobs und gut Situierten, die manchmal ein bisschen hochtrabend daher kommen und doch auch nur nackt zur Welt kommen. Außerdem finde ich es immer ganz wunderbar, wie der Autor uns die moderne Welt präsentiert mit seinen Oberflächlichkeiten, schnell vergänglichen und total unnützen. Dagegen stellt er dann, Zeitloses, Wertvolles und natürlich Dinge, in denen Magie und Liebe stecken. Da ich auch ein Faible für Unvergängliches habe und mit alten schönen Dingen, auch was anfangen kann, hat er mit dieser Geschichte bei mir wieder Seiten anklingen lassen, die einfach gut tun und mir sehr große Freude bereitet haben. Und der Leser wird auch immer wieder überrascht, was seine Spezialität zu sein scheint, passt mal gut auf und vielleicht gibt es ja auch so einige wiedersehen aus seinen anderen Büchern.

Antoine Laurain ist ein ganz großer Erzählkünstler, er schafft es immer, ganz wunderbar und mit viel Raffinesse, uns in eine Zeit und seinen Raum hineinzuziehen und zu fesseln. Sein Hauptprotagonist, der zuerst kühl und etwas arrogant daher kommt, blüht auf und diese Veränderung ist einfach herrlich mitzuerleben. Diese Geschichte über Werte, Glück und den Wunsch, manchmal ein anderes Leben zuführen, ist ihn wieder gelungen. Von mir eine klare Leseempfehlung.

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new york, ally taylor, liebe, liebesroman, freundschaft

New York Diaries – Claire

Ally Taylor
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 04.10.2016
ISBN 9783426519394
Genre: Liebesromane

Rezension:

Claire kehrt mit 32 Jahren und zwei Koffern ins Elternhaus zurück und ist mehr als frustriert. Das Kinderzimmer lässt sie ihr Versagen noch mehr spüren, ihre Schwester drückt den Daumen in die offene Wunde und ihr Bruder ist der Star der Familie. Aber was ist mit Claire, sie definiert ihr Leben, über den Mann an ihrer Seite, nur blöd das sie von diesem enttäuscht und allein zurückkehrt. Am elterlichen Tisch wird ihr erst noch mehr bewusst wie, gedemütigt sie sich fühlt und das sie wiedermal alle Klischees über sich erfüllt hat, sie will raus. Am selben Abend beschließt sie, zu ihrer Freundin nach New York zufahren und dort Unterschlupf zu suchen. Gesagt, getan, aber sie ist nicht da, aber Claire wäre nicht Claire, wenn sie nicht einen Trick kennen würde. So macht sie sich übers Dach auf den Weg und erwischt ihren Nachbarn beim Abendsport, und als ob das noch nicht schlimm wäre, gibt es auch noch ein Wiedererkennen, denn sie steht ihrer ersten großen Liebe Jamie gegenüber. Was wird Claire tun? Wird sie ihr Leben endlich auf die Reihe bekommen? Was ist mit ihren Träumen passiert? Und seit wann hat ihr bester Freund Danny eine Freundin? Und warum stört es sie, auf einmal? Ob New Yorks Leuchten Claire den Weg zeigen wird?
Endlich ist Ally Taylor wieder am Start und wir befinden uns nicht mehr am Strand und haben Urlaubsfeeling, sondern es wird laut, bunt und sehr lebendig, immerhin sind wir in New York und da tobt das Leben rund um die Uhr. Dort werden Träume wahr, oder sie verpuffen ins Nirgendwo, aber es ist auch die Stadt, wo sich Neuanfänge am Besten in Angriff nehmen lassen und Claire braucht einen Neuanfang, nur welchen, ist hier die Frage.

Schauen wir uns doch mal Claire an, sie hat ihr Leben immer über ihre Beziehungen definiert, sich ihren Freunden angepasst und sich an diese Bindung geklammert. Dabei weiß sie, dass es nicht gut ist und das der Mann ihr nicht immer gut tut, aber sie hat Angst selbst auf eigenen Beinen zu stehen und zu versagen. So lebt sie ihren Mädchentraum vom Prinzen und fällt doch immer wieder auf die Nase. Jetzt hat sie von diesem Teufelskreis genug und will endlich was anderes, aber was, denn an ihre Träume und Wünsche kann sie sich schon lange nicht mehr erinnern. Deshalb ist sie so froh, erst mal Zuflucht bei ihren Freunden gefunden zu haben. Claire war mir wirklich vom ersten Spruch total sympathisch. Sie ist eine junge Frau, mit spitzer Zunge, sexy, ein bisschen naiv und ziellos. Ihre Gedankenwelt war mir absolut nicht fremd, nur wollte ich ihr ständig in den Popo treten. Sie hat sich ein bisschen aufgegeben und was die Männer angeht, hatte sie Mr. Right immer vor der Nase, nur nie gesehen. Unglaublich!

Überhaupt greift Ally Taylor hier ein wirklich gutes Thema auf, dieses im Leben nicht wissen, was man anfangen soll, oder nicht den üblichen Familiengründerplan umzusetzen, ist ein ganz großes Problem unserer Zeit und ich kenne viele, die sagen, keine Ahnung, ich habe ja noch Zeit, oder mal sehen. Diese Planlosigkeit, oder Träumerei, keine Ziele zu haben, ist und bleibt ein aktuelles. Hier ist es eben schön mitzuverfolgen, dass Claire doch Träume hat, sich nur erst mal dran erinnern muss und dann ihr Leben damit neu ordnet, denn eigentlich weiß sie, was sie will. Das macht die Geschichte schon viel erwachsener, denn wir alle müssen unseren Platz im Leben finden.

Außerdem gibt es natürlich eine süße Liebesgeschichte, die mir das Herz erwärmt hat. Wir haben da natürlich die erste große Liebe in Form von Jamie und bei seiner Beschreibung wird einem heiß, und zusätzlich gibt es noch den besten Freund Danny und bei ihm, öffnete sich direkt mein Herz. Man denkt direkt, oh Claire mach bitte, bitte keinen Unsinn und schau ganz genau hin, aber wie es so ist, strudelt sie in Missverständnisse und benötigt so einige Tritte in die richtige Richtung. Aber was habe ich mit gezittert.

Hier haben wir eine ganz bezaubernde Geschichte über das Erwachsen sein, mit all seinen Trugschlüssen, denn man muss nicht immer verheiratet sein und eine happy Family gründen, es kann auch alles ganz anderes passieren. Vielleicht findet man sich erst viel später und erkennt dann erst, was man wirklich möchte. Um seine innere Balance zu finden, ist man nie zu alt. Dabei bekommt Claire wunderbare Hilfe und ein Setting, was alles noch schön abrundet. Wir haben nämlich nicht das glitzernde New York vor uns, mit all seinen Designern und auch nicht das New York der Gangsterbanden und des grau in grau, wir haben das New York dazwischen, lebendig, laut, unberechenbar und für einen Neuanfang immer gut. Ich hätte gern noch einen Muffin Miss Taylor und gegen einen süßen Mann auch nichts einzuwenden.

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dystopie, jugendbuch, flawed, fehlerhaft, cecelia ahern

Flawed – Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern , Anna Julia Strüh , Christine Strüh
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 29.09.2016
ISBN 9783841422354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist das Fest zum Tag der Erde und wie jedes Jahr, finden sich Freunde und Nachbarn bei Celestine Familie ein, um zu feiern. Aber diesmal ist es für sie anders, denn sie feiert zum ersten Mal als verliebtes Paar. Nur die einen Nachbarn sind wieder zu spät dran und dann erklingen die Sirenen. Die Whistleblower rücken an und zum Entsetzen von Celestine wird die Nachbarsfrau, ihre Klavierlehrerin abgeführt. Aber warum? Was hat sie getan? Sie hält sich doch an alle Regeln? Sie ist doch perfekt und trotzdem atmet Celestine auf, das es keinen ihrer Familie getroffen hat. Aber dieser Vorfall hinterlässt bei Celestine Spuren und sie denkt zum ersten Mal über die Gilde nach, die für eine moralische und ethisch makellose Gesellschaft einsteht. Ist deren Handeln immer richtig? Und bevor sie es sich versieht, gerät sie durch ihr eigenes instinktives Handeln in die Fänge der Gilde und erfährt hautnah mit, wie es ist eine Fehlerhafte zu sein. Was hat Celestine getan? Was bedeutet es in einer perfekten Welt, als ausgestoßene zu leben? Wie wird sie damit umgehen, sich verkriechen, oder kämpfen?
Ich habe noch nicht ein einziges Buch von Cecelia Ahern gelesen und fange dann direkt mit ihren erstem Jugendbuch an, aber ihre Idee war einfach faszinierend. Eine Welt, in der man perfekt sein muss, in der man sich keine Fehler erlauben darf. Wie frei ist da das Leben? Wie soll man lernen, was richtig und falsch ist. Tja und wer bestimmt bitte, was moralisch und ethisch nicht richtig ist. Wo fängt Perfektionismus an und wo verschwimmen die Grenzen zum Normal sein. Außerdem weiß man doch, wenn einer solch eine Macht über Menschen hat, wird diese auch ganz gern ausgenutzt und wir stehen dem doch hoffnungslos und machtlos Gegenüber. Ein Kampf, zwischen menschlich sein und einem ganzen System entbrennt.

Celestine ist hübsch, klug und immer perfekt. Sie will sich dem System anpassen und jeden gefallen. Außerdem ist sie gerade schwer verliebt, in Art, den Sohn des obersten Richters der Gilde, was soll ihr da, also schon passieren. Wohl behütet wächst sie in einer vornehmen Gegend auf und ist eine große Befürworterin für Moral und Perfektion, das kann ja nicht alles so schwer sein. Aber dann passiert, für Celestine, das Undenkbare, ihre Nachbarin fällt der Gilde auf und bestraft diese. Wie kann das sein? Wie kann es jemanden aus der angesehenen Gesellschaft treffen? Darüber muss Celestine nachdenken und je mehr sie die Augen öffnet, um so unschlüssiger wird sie über deren Beweggründe. Als sie dann auch noch auf der Fahrt zur Schule, die Behandlung von Fehlerhaften beobachtet, überkommt sie das Mitgefühl und will helfen, bedenkt aber die Konsequenzen ihres Handels nicht. Aber wie auch, wenn jemand fast zusammenbricht, wie soll da Hilfe falsch sein? Und schneller als sie denkt, gerät sie zwischen die Fronten und wird selbst zum Opfer.
Ich muss gestehen, ich hatte es am Anfang etwas schwer mit unserer Heldin, sehr naiv und sogar etwas dümmlich, tapst sie in einer Welt herum, wo alles beurteilt und bestraft wird. Dann auch noch ihr übersprungenes Handeln und ihre Zuversicht, das es sie ja niemals treffen könnte, war für mich nicht leicht, mit der mutigen Frau im Gerichtsaal zu vereinbaren, da ging mir die Entwicklung zu schnell und war für mich, nicht ganz sauber gelöst. Ansonsten mochte ich ihre Tapferkeit, ihren doch starken Willen und ihren Mut sich nicht aus der Affaire zu ziehen, als sich die Möglichkeit bot. Celestine muss sich also entscheiden, ob sie ein Leben als Aussätzige führen möchte, oder ob sie diese Ungerechtigkeit und menschenverachtende Gilde aufmischt und das fand ich mehr als gut umgesetzt und solch eine Protagonistin gefällt mir.

Cecelia Ahern hat einen wirklich leichten Schreibstil, der sich ganz wunderbar verschlingen lässt. Dazu kommt noch, das ihre Geschichte einen unglaublichen Sog entwickelt und man kann einfach nicht aufhören zu lesen. Außerdem hat sie sich mit ihrer Dystopie wirklich ein interessantes Thema ausgesucht und ein tolles Setting, immer wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr werden, haut sie noch einen raus. Ich als Leser war oft schockiert, sprachlos, überwältigt von meinem Gefühlen und auch recht nachdenklich, denn man fängt automatisch an über diese Gesellschaft nach zudenken und Vergleiche zu ziehen. Denn was ist das bitte, für ein Miteinander, wenn Menschen für ihre nicht Perfektion, härter bestraft werden, als Verbrecher, was sagt das über uns aus. Außerdem stellt sie unsere Celestine nicht nur Art zur Seite, sondern noch einen geheimnisvollen jungen Mann, der zweite Teil verspricht, wohl noch interessanter zu werden.

Trotz kleiner anfänglicher Schwierigkeiten mit der Protagonistin bin ich wirklich in die Geschichte versunken und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Welchen Weg Celestine einschlagen wird und ob sie eine Lösung findet, denn es lässt einem als Leser nicht los und ich kann nur sagen, aufregend, dramatisch, nachdenklich stimmend und doch spürt man ein bisschen Licht im Hintergrund lauern. Gott sei Dank, lässt Band zwei nicht lange auf sich warten.

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294 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, krieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Vianne und Isabelle sind zwei Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten und doch müssen sie mit der gleichen Katastrophe umgehen, nämlich dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Während Vianne von ihrem Mann erfährt, dass er an die Front muss, ist Isabelle wieder mal von einer Schule geflogen und versucht bei ihrem Vater in Paris ihr neues Leben zu beginnen, aber dann marschieren die deutschen Soldaten ein und sie muss zu ihrer Schwester aufs Land flüchten. Beide gehen sehr unterschiedlich damit um, Vianne versucht nicht aufzufallen und ihre kleine Familie zu beschützen, in dem sie tut, was man ihr sagt, aber Isabelle spürt die Wut und die Kampfeslust in sich und wird zur Rebellin. Kann Isabelle einen Weg für die Freiheit finden? Wird Vianne ihre Familie beschützen können? Welchen Preis müssen Sie für ihren Kampf bezahlen? Und werden sie überhaupt das Kriegsende miterleben?
Ich mag ehrlich gesagt solche Bücher gar nicht gern. Immerhin ist diese Geschichte auch ein bitterböses Zeugnis der deutschen Vergangenheit und mein damaliger Geschichtslehrer hat dieser Zeit zwei Schuljahre gewidmet. Ehrlich gesagt war der Lehrer schauderhaft und leider müssen wir nach so vielen Jahren, immer noch für diese Schrecken geradestehen. Andererseits finde ich es auch gut, dass man nicht vergisst, man soll verzeihen, aber niemals dieses Grauen vergessen. So fand ich, dass es mal Zeit für solch ein Buch wird, immerhin erzählt es aus der Sicht von zwei Frauen in Frankreich, was mehr als interessant war und wie, erzähle ich euch jetzt.

Beiden Schwestern ist der Krieg nicht ganz fremd, immerhin war ihr Vater im Ersten Weltkrieg an der Front und kehrte völlig verändert nach Hause zurück. Dann starb auch noch die Mutter viel zu früh und so standen beide allein da, denn ihr Vater fühlte, sich nicht in der Lage für beide Kinder da zu sein. Während Vivanne die Älteste unter völligem Schock stand und sich dann auf dem Weg nach Liebe machte, entwickelte sich Isabelle zur trotzköpfigen, sturen jungen Frau, die sich nichts sagen lässt und nach Anerkennung sucht. So gehen auch beide sehr unterschiedliche Wege und müssen sich Nöten und Grausamkeiten stellen.

Vianne bleibt allein mit ihrer Tochter im Haus auf dem Land zurück, während ihr Mann, ein Postbote, in den Krieg ziehen muss. Ihre Liebe musste schon einige große Probleme überwältigen und nun steht wieder ein Kampf an, der Kampf ums Überleben. Das kleine Dorf wird von Deutschen eingenommen und sogar in ihrem Haus muss sie einen Soldaten, einen Hauptmann, Quartier gewähren. Vianne steht immer unter Beobachtung und die Zeiten werden immer schwerer und ihre Familie zu beschützen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Ständig kommen neue Grausamkeiten dazu, die Schrecken werden größer, und geliebte Menschen verschwinden spurlos. Was mir an Vianne gefallen hat, war ihre Natürlichkeit. Am Anfang war sie recht naiv und beugte sich schnell ihrem Schicksal, aber dann entwickelt auch sie Kampfeswillen und ging große Risiken ein, um ihren Gegnern doch noch ein paar Kindern vorzuhalten und was ich dabei richtig an ihr mochte, war ihre Bescheidenheit diese Taten nicht an die große Glocke zuhängen.

Dagegen ist Isabelle eine richtige Rebellin, sie nimmt kein Blatt vor dem Mund und lässt zuerst, so einige ihren Unmut, ihre Herablassung und ihre Meinung hören, bis sie einen anderen Weg findet. Sie schließt sich der Résistance an und wird am Anfang zur Botin, aber das reicht ihr irgendwann nicht mehr, sie möchte mehr tun und kehrt nach Paris zurück, um vor den Augen der Deutschen einen geheimen Fluchtweg für abgestürzte Piloten zu planen. Isabelle spielt gern mit dem Feuer und das kommt ihr, in ihrer Rolle, als junge hübsche unschuldige Frau, zugute. Allerdings fand ich sie auch zu oft als unüberlegt, hitzköpfig und mit falschem Eifer bei der Sache. Am Anfang ging mir nämlich ihr Heldinnen Tun mächtig auf den Zeiger, aber auch ihr ständiges Beweisen, das sie die Richtige für den Job ist, um einen gewissen Mann zugefallen, denn auch diese Schwester kämpft um die Liebe.

Mir hat unheimlich gefallen, dass die Geschichte aus Frauensicht geschrieben wird, denn zu dieser Zeit gab es einfach auch ein anderes Bild davon. Zuerst die Angst um die Liebsten, dann der schleichende Prozess des eigenen Überlebens und dann der Kampf, da es vielleicht eh kein Morgen mehr geben wird. Außerdem, welche Rolle sie im Hintergrund eingenommen haben, dass sie einen eigenen Weg für den Kampf gefunden haben und sich leise gegen die Übermacht währen. Mir war der Fluchtweg über die Pyrenäen nämlich völlig unbekannt, auch die suspekte Rolle der Franzosen nicht wirklich ein Begriff und so fand ich die langsame Erzählweise sehr gut gewählt, denn so verstand man die Entwicklungen und Entscheidungen einfach besser. Die Autorin nimmt auch kein Blatt vor dem Mund und beschreibt durch die beiden Schwestern auch jegliche Art von Grausamkeit, allerdings neigt sie auch gern zur überzogen Dramatik vor der Kriegskulisse. Oft war ich einfach schockiert, sprachlos, traurig und unbändig wütend, wie Menschen sich so etwas antun können. Es fiel mir unglaublich schwer, gerade zum Schluss hin, es weiter zu lesen und hier kommt auch mein kleines Aber, denn die Autorin liebt Liebesgeschichten und schlachtet dies ein bisschen zu sehr aus. Das fand ich gerade am Ende sehr übertrieben und hat mir, das Tolle an dem Buch etwas kaputt gemacht.

Wer ein Buch über die Rolle der Frauen im Zweiten Weltkrieg lesen möchte, ist mit diesem hier bestens beraten, aber man sollte sich Zeit dafür nehmen und damit rechnen, das es einen sehr bewegt und traurig zurück lässt.

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176 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

thriller, entführung, thailand, jugendbuch, spiel

Wonderland

Christina Stein
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch, 25.08.2016
ISBN 9783733502898
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lizzy macht mit ihren zwei Freundinnen einen Rucksackurlaub und befindet sich gerade in Thailand. Sonne, Meer, süße Kerle und gute Laune und dann kommt auch noch der schnuckelige Typ von der Rezeption, Jacob und lädt alle in die Villa seines Onkels ein. Der perfekte Urlaub, der perfekte Tag und doch spürt Lizzy, das, da etwas nicht stimmt, nur leider zu spät. Als sie am nächsten Tag wach wird, befindet sie sich mitten im Dschungel, in einer Anlage und mit ihren fünf weiteren Gefährten. Was soll das? Was ist hier los?  Wie kommt sie an ihre dämlichen Herzmedikamente? Und bevor sie richtig begreifen, was das alles auf sich hat, müssen sie entscheiden, wer am nächsten Tag das nächste Opfer sein soll. Was ist das für ein Spiel? Steckt Jacob mit drin, obwohl er auch gefangen ist? Was haben die Fremden vor? Und gibt es ein Entkommen?

Wonderland ist auch so ein Buch, was ich mir nicht wirklich so genau angeschaut hätte, wenn es mir nicht speziell vorgestellt wurde, und dann auch noch mit dem Vermerk, wenn man denkt, es wird alles gut, fängt es erst richtig an. Wie soll man bitte da, das Buch nicht lesen wollen? Gespannt war ich auch, dass es von einer deutschen Autorin kommt und ich gestehe, ich war neugierig, was sie so kann. Also dachte ich, lese ich doch mal das erste Kapitel und dann, schwupps waren es auf einmal 100 Seiten geworden.

Wie gesagt der Einstieg war sehr schnell und es wird sich nicht mit ewigen Beschreibungen aufgehalten, es geht einfach los und man steht mitten in dieser Villa. Lizzy erzählt die ersten Abschnitte und so lernen wir die erste Hauptprotagonistin kennen. Eigentlich heißt sie Elisabeth und sie hatte einen großen Traum, sie wollte Ballerina werden und hatte wohl auch das Zeug dazu, nur kam dann ihre Erkrankung und sie igelte sich ein. Dieser Urlaub sollte sie wieder ins Leben zurückholen und dann passiert eine Entführung und sie landet in einem Reality Horror Spiel. Ich mochte Lizzy sofort, ihre nüchterne Art, ihre Entwicklung zur Kämpferin und das sie nie ihren Verstand ausschaltete und alles genau wahrnahm. Trotz ihres Leidens wollte sie nicht aufgeben und suchte nach einer Lösung. Dazu kommt noch, dass sie sich mit Jacob arrangieren muss, denn nachts werden sie in zwei Mann Gruppen eingeschlossen, was alles höchst interessant und schwierig zugleich macht.

Und da haben wir auch schon den zweiten Hauptprotagonisten, Jacob. Auch er hat in dieser Geschichte eine Stimme und durch seine Erzählungen bekommen wir nochmals einen anderen Einblick in sein Handeln, denn so ganz freiwillig macht er nämlich nicht mit. Für die anderen ist er allerdings der große Unbekannte und sie wissen nicht, ob ihm zu trauen ist. Jacobs Karten sind so die schlechtesten und trotzdem versucht er allen zu helfen, besonders Lizzy, da sie in ihm eine Seite anklingen lässt, die er für begraben gehalten hat. Mehr trau ich mich gar nicht zu erzählen, ohne zu viel zu verraten, aber er ist interessant, ein gebrochener junger Mann, mit einer schlimmen Vergangenheit, den man einfach mögen muss. Außerdem haben mir seine Kampfkunstgedanken gefallen, denn nicht nur Lizzy ist Leistungssportlerin gewesen, sondern Jacob beherrscht Kung-Fu und diese Seite, fand ich höchst spannend.

Mir hat Wonderland ausgesprochen gut gefallen, spannend, schnell geschrieben, mit einer wahnsinns Entwicklung und ich finde die Idee gar nicht so weit hergeholt. Immerhin leben wir in einer Gesellschaft, wo mit Geld alles möglich ist und Fantasien ausgelebt werden, die einen einfach nur abstoßen. Mann möchte gern vor solchen Dingen die Augen verschließen und sich wünschen, dass dies nur in Büchern passiert, aber unsere Welt lehrt uns so oft was anderes. So müssen diese sechs Personen entscheiden, was sie tun möchten. Vertrauen, Mut, Stärke beweisen, oder sich einfach den Schicksal ergeben. Jeder reagiert anders in solchen Situationen und das Verhalten von jeden wurde wirklich klasse eingefangen und wieder gespiegelt. Tja, und wir lernen auch, im schlimmsten Albtraum gibt es Licht.

Ein unglaublich spannendes Buch, mit tollen Figuren und einem Setting, was einem regelmäßig Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Ich hatte wirklich aufregende Lesestunden und kann wirklich nur sagen, lest es.

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186 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

demon road, derek landy, vampire, dämonen, roadtrip

Demon Road - Hölle und Highway

Derek Landy , Ursula Höfker
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Loewe, 19.09.2016
ISBN 9783785585085
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Amber Lamont fühlt sich ungeliebt, ist ein bisschen zu rundlich und wünscht sich ein ganz anderes Leben. Aber manchmal sollte man mit seinen Wünschen vorsichtig sein, denn auf ihren nach Hause Weg passiert etwas Merkwürdiges, zwei Jungs ärgern sie und auf einmal laufen sie panisch vor ihr davon, was ist passiert? Hilfe suchend läuft Amber nach Hause, um dann festzustellen, dass ihre Eltern Dämonen sind und sie ihr Abendessen sein soll, damit sie noch mehr an Kräfte zunehmen. Geschockt und panisch läuft Amber davon und landet am Ende auf der Demon Road und sucht nach einem Weg, ihr Leben zu retten. Wird sie ihre Eltern abschütteln können? Wie geht sie mit ihrer Verwandlung in einem Dämon um? Wer wird ihr helfen? Und was ist eigentlich die Demon Road?
Was Neues von Derek Landy und ich stehe sofort parat. Immerhin ist dieser Autor einfach ein absolut cooler Kerl mit spritzigen Ideen und jeder Menge bösen Humor. Nun ist seine Reihe um das Skelett Skulduggery Pleasant zu Ende und er nimmt sich einem neuen Abenteuer an. Nun befinden wir uns nicht mehr in Irland, sondern in Amerika und haben es mit anderen dunklen Mächten zu tun. Ich bin natürlich neugierig gewesen, was er sich wieder einfallen lassen hat und so musste ich es einfach lesen.

Amber ist so ein richtiger Außenseiter, hält sich gern im Hintergrund, fühlt sich optisch einfach nicht ansprechend, aber worunter sie am meisten leidet, ist die abweisende Haltung ihrer Eltern. Nie hat sie die Aufmerksamkeit bekommen, nie die Liebe, die sich jedes Kind wünscht und dann erfährt sie auf brutale Weise, was auch noch in ihr steckt. Sie ist ein Dämon und ihre Eltern sind es schuld, da diese einen Pakt mit dem leuchtenden Dämon geschlossen haben und naja, keine Leistung ohne Gegenleistung und so müssen sie aller 16 Jahre einen Dämon essen. Wie interessant, das gerade Amber 16 geworden ist und Anzeichen für eine Veränderung aufweist. Nun geht es für sie um Leben und Tod, natürlich rasant, abenteuerlich und immer alles auf Messerschneide.

Amber hat aber auch ein bisschen Glück und bekommt etwas Hilfe, zum einen von einer abtrünnigen Dämonin, die es Leid ist ihre Kinder zu töten und von dem geheimnisvollen Milo, der sich aber auch fürstlich dafür bezahlen lässt. So geht es für die beiden in dunklen Chargers auf die Demon Road, einem Straßennetz, was alle Geschöpfe der dunklen Seite miteinander verbindet und machen sich an der Erfüllung ihrer Aufgabe dran. Dass es kein einfacher Weg sein wird, war klar, aber was ihnen alles begegnet, ist kein Kinderspiel, immerhin müssen sie sich mit Vampiren, Hexen und untoten Serienkiller herumplagen und die Zeit tickt immer lauter.

Da hat sich Derek Landy wieder mal richtig ausgetobt und was mir wirklich gut gefallen hat, man kann es in keinster Weise mit seinen Helden Skulduggery vergleichen. Demon Road ist ganz anders und trotzdem erkennt man den Autor wieder. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich den Einstieg noch etwas hölzern fand und es noch nicht so gut flutschte, wie man es sonst kennt, allerdings muss er uns ja auch die neue Welt und seine Idee präsentieren, da braucht es schon etwas Zeit. Dann war ich über seine brutale Seite ein bisschen überrascht, da fließt das Blut nämlich in Mengen und nicht immer sehr appetitlich, also warne ich vor und lasst das Essen beim Lesen einfach weg, es wird ekelig. Andererseits was verlangen wir bei Dämonen, Vampiren und allen anderen, Gentlemanhaftes Benehmen? Nein, ganz sicher nicht und das wird man hier auch nicht finden.

Was der Autor aber definitiv bei behalten hat, ist sein Humor, wieder sehr ironisch, zynisch und mit vielen dummen Sprüchen ist seine Geschichte bespickt und das Liebe ich ja so an ihm. Mit Amber hat er sich wieder einen tollen Charakter ausgedacht und auf ihre Entwicklung können wir noch gebannt sein. Immerhin musste sie hier erst mal ihre dämonische Seite entdecken und akzeptieren. Besonders gut hat mir allerdings Milo gefallen, der schweigsame, dunkle Typ mit dem höllischen Auto, okay, ich fühle mich angezogen und möchte mehr über ihn wissen und auch gern mit im Auto sitzen. Hier kommen alle Bad Boy Liebhaber auf ihre kosten. Natürlich wären bei diesem Duo nicht viele Lacher vorprogrammiert und so bekommen sie noch Glen an ihre Seite, er ist zufällig auf der Demon Road gelandet, da er sich einen Todesfluch einhandeln musste. Er sorgt beim lesen für viele Grinser im Gesicht und hebt die düstere Stimmung um einige Watt.

Wie ihr seht, mochte ich den Auftakt recht gern, es ist zwar noch nicht alles rund, aber das Ende sorgt auf jeden Fall schon wieder für Vorfreude auf den nächsten Band. Derek Landy ist auf jeden Fall wieder, schön düster, rasant, sehr sehr böse und erzeugt auch mit Demon Road großes Lesevergnügen. Dämonen aufgepasst, Amber und Milo sind unterwegs!

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167 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

david levithan, letztendlich sind wir dem universum egal, liebe, körper, jugendbuch

Letztendlich geht es nur um dich

David Levithan , Martina Tichy
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.08.2016
ISBN 9783841422408
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rhiannon ist nach einem Streit mit ihrem Freund Justin sehr unglücklich und versucht, irgendwie die Wogen zu glätten. Umso überraschter ist sie, als sie einen veränderten Justin vorfindet. Der sich einen ganzen Tag liebevoll um sie kümmert, eine verdammt gute Zeit mit ihr verbringt und seine Freundin noch verliebter in sich macht. Rhiannon wünschte sich so sehr, dass es immer so wäre, aber es hält nur diesen einen Tag an und es kommt noch verwunderlicher, da ein Fremder behauptet an diesen besonderen Tag, im Körper von Justin gesteckt zu haben. Was soll das bedeuten? Rhiannons Welt gerät aus den Fugen und ständig tauchen Menschen in ihrem Leben auf, die sie nicht kennt, aber trotzdem sie immer ganz einzigartig anschauen. Nun heißt es, der Sache auf den Grund gehen und sich auf eine unglaubliche Reise zu begeben und A kennenzulernen. Was wird Rhiannon heraus bekommen? Wer ist A? Und warum spielen ihre Gefühle jetzt auf einmal so verrückt?
Hier haben wir nun die Geschichte von A und Rhiannon aus ihrer Sicht vorliegen und was war ich gespannt darauf, in ihren Kopf gucken zu dürfen. Wer A nämlich schon kennengelernt hat, wird wissen, dass er seine Rhiannon in ein wahres Chaos an Gefühlen gestürzt hat und dazu noch seine wechselnden Körper, haben es der aufkeimenden Liebe nicht unbedingt leichter gemacht, aber das war ja auch das spannende, wie wird sie darauf reagieren und jetzt gibt es die Antwort.

Rhiannon ist ein ruhiges Mädchen, was nicht gern im Mittelpunkt steht. Zu Hause läuft es auch nicht unbedingt gut und sie fühlt sich oft eher verpflichtet, die Tochter zu spielen, als eine zu sein. Sprich, sie hat auch schon schwere Zeiten hinter sich und genau da hat sie Justin kennengelernt. Justin ist kein einfacher Freund, ständig hat er schlechte Laune, verflucht die Welt und will sich zu nichts zwingen lassen, das hält er auch ständig seiner Freundin vor. So kommt es, das Rhiannon immer vorsichtig um ihren Freund herumschleicht, ihn immer versucht aufzumuntern und ihn auf zu fangen. Dass dieses Verhalten sie blockiert, sie sich in seiner Gegenwart nicht so verhalten kann, wie sie eigentlich ist, fällt ihr erst so richtig auf, nach ihrem gemeinsamen Tag am Meer. Dieser Moment soll auch ihr weiteres Leben verändern, denn A taucht ihn ihrem Leben auf und rüttelt an einigen Grundfesten.

Endlich konnte man in Rhiannon‘s Kopf schauen, was fühlt sie, als A ihr seine Gefühle und Lebenssituation eröffnet? Warum hält sie so an Justin fest, was macht ihr diese Beziehung so wichtig? Wie geht sie mit den ständig wechselnden Körpern um? Ist es wirklich machbar nur die Person zu lieben, egal, in welchen Körper er oder sie nun steckt? Das waren alles Fragen, die einen beim Lesen von A‘s Geschichte durch den Kopf streiften und nun gibt es Antworten. Wir erleben mit, wie Rhiannon zweifelt, Unbehagen empfindet, in einer Zwickmühle steckt, sich selbst verstehen lernen muss und wie sie mit Vorurteilen kämpft. Aber auch wie sie viele Dinge im neuen Licht getrachtet und nach Chancen sucht.

Es war so unglaublich spannend ihre Sicht zu lesen, und obwohl wir jetzt nichts Neues erfahren oder erleben, ist keine Szene langweilig, oder überflüssig gewesen. Ganz toll gelungen fand ich, dass wir genau der Rhiannon begegnen, die uns A beschrieben hat und durch ihre Augen die ganzen Begegnungen neu mitzuerleben. Wie schwer es ihr manchmal fällt mit den verschiedenen Körpern umzugehen, wie anstrengend es doch ist, hinter die Fassade zu schauen und das es nicht so leicht ist, nur die Person zu lieben, hat bei der Hauptprotagonistin so einiges Chaos angerichtet. So sind die brenzligen Themen wieder großer Bestandteil und ich fand es gut, dass es Rhiannon nicht leicht viel, auch wenn ihr Herz immer wieder das richtige will. Wir sind nun mal alle Menschen, die von Vorurteilen in der Gesellschaft geprägt sind und so ein Umdenken ist zwar gut, aber nicht immer einfach.

David Levithan hat mit diesem Paar etwas ganz besonderes geschaffen, was ich so noch nicht gelesen hatte. Sein A, der jeden Tag in einen neuen Körper aufwacht und eine Rhiannon, die versucht ihrem Herzen zu folgen. Diese beiden Figuren wachsen einen unglaublich schnell ans Herz und man möchte einfach wissen, wie es mit dieser ungewöhnlichen Liebe weiter geht. Schade, das man nicht wirklich, was Neues erfahren hat, aber der Autor lässt sich auch ein Hintertürchen offen und ich hoffe, wir werden da noch was von Hören. Auch wenn ich kein Freund von einem zweiten Band, nur für die andere Perspektive, bin, fand ich diesen hier sehr gelungen, auch wenn er an den ersten Band nicht herankommt.

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305 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 156 Rezensionen

thriller, psychothriller, hamburg, melanie raabe, entführung

Die Wahrheit

Melanie Raabe
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 29.08.2016
ISBN 9783442754922
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sarahs Leben steht seit sieben Jahren auf der Pausetaste, nun will sie das endlich ändern und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Eine Vergangenheit, wo es einen Ehemann gibt, eine große Liebe und ihr Philipp auf einer Geschäftsreise verschwunden ist. Sieben Jahre quält sie sich, ob er noch lebt, ob er zurückkommt, ob sie ohne ihn leben kann, nur ihr gemeinsamer Sohn hält sie aufrecht. Doch jetzt ist es Zeit alles hinter sich zu lassen und weiter zu leben und dann kommt der Anruf, Philipp lebt, er kommt zurück. Nervös steht sie am Flughafen und fühlt sich dem nicht gewachsen. Viele fremde Menschen, Reporter und dann dieser Fremde, der ihr gegenübersteht. Das ist nicht Philipp, ist ihr erster Gedanke, aber sie ist wie gelähmt und kann nicht reagieren. Erst später versucht sie es bei den Behörden und erlangt nur Unverständnis und auch der fremde Mann ist keine Hilfe, sondern droht ihr noch, wenn sie ihn auffliegen lässt, verliert sie alles, was ihr lieb und teuer ist. Wer ist dieser Fremde? Was will er von Sarah? Lebt Philipp noch? Und wird Sarah die Wahrheit heraus bekommen?
Endlich was Neues von Melanie Raabe, ich war von ihrem Debüt „Die Falle“ so begeistert und musste sofort anfangen zu lesen, als ich ihren Zweitling in den Händen hielt. Auf den ersten Seiten überwältigte mich auch direkt ihr wunderbarer Schreibstil und fesselte mich förmlich ans Buch. Die Geschichte ist diesmal anders, aber genauso bewegend, vielschichtig und ein Spiel mit ihren Figuren und Lesern.

Sarah ist Lehrerin, alleinerziehende Mutter und verdammt einsam. Außer ihrem Sohn und ein paar wenige Freunde hat sie niemanden. Früher war das auch in Ordnung, denn da gab es Philipp, ihren Mann, ihre große Liebe. Auf einem Konzert haben sie sich kennengelernt, am Elbufer gab es den Heiratsantrag, in Las Vegas die spontane Hochzeit und später kam Leo dazu und machte das Glück der beiden perfekt, zumindest lebt Sarah in dieser Vergangenheit. Aber nun ist Schluss damit, in einer Warteschleife zu leben, jetzt ist Zeit für einen Neuanfang, neue Frisur, vielleicht ein neuer Mann, endlich wieder Leben. Und dann bricht alles auseinander. Philipp kommt nach Hause, aber dieser Fremde kann unmöglich ihr Mann sein. Wie er sich bewegt, wie er sie anschaut, alles fühlt sich falsch an. Sarah bemüht sich Haltung zu bewahren, steckt aber in ihrem Schock fest und möchte später einfach nur Beweise, aber er weigert sich und setzt dem Panikgefühl noch die Krone auf, in dem er sie bedroht. Ich konnte mich gut in Sarah hinein versetzten, sie ist ein sensibler Mensch und genau wie ich, eine Meisterin des Verdrängens. So konnte ich ihre Gefühlswelt gut nachvollziehen, mich mit ihr durch ihre Vergangenheit kämpfen und auch der Wahrheit auf den Grund gehen.

So ist der Anfang der Geschichte, Sarahs Neuanfang gewidmet und ihren vielen Erinnerungen an einer guten Zeit. Es fällt ihr schwer los zulassen und weiterzumachen, aber das Gefühl des Aufbruchs macht sich immer mehr breiter bei ihr. Und hier kommt die Raffinesse der Autorin durch, denn sie lässt uns in einer Rückblende zu Anfang sehen und wir merken, so eine heile Welt, ist das alles gar nicht gewesen und mein Interesse war hellwach. Als dann noch dieser Fremde auftaucht, fängt das richtige Spiel erst an, und zwar nicht nur für die Protagonisten, sondern auch für uns Leser. Tausend Fragen schießen einen durch den Kopf und je weiter das Szenario voranschreitet, kommen immer mehr Details dazu, die nicht unbedingt helfen.

Melanie Raabe hat sich hier wieder hervorragend ausgetobt und ihre Stärke gezeigt, uns ein breit gefächertes Puzzle zu geben und es nur ganz langsam Stück für Stück zusammenzusetzen, natürlich mit vielen Ecken und Kanten, die nicht immer passen wollen und so Spannung erzeugen. Wo ich noch beim letzten Buch gemeckert habe, das es diese Liebesgeschichte nicht gebraucht hätte, wird hier eine große Liebe ganz genau unter die Lupe genommen. Zwei ganz unterschiedliche Menschen, zwei ganz unterschiedliche Bewegungskreise und doch sind ihre Gefühle groß füreinander, aber reicht das manchmal aus. Am Anfang einer Beziehung ist ja immer alles zu schaffen, aber was kommt danach und genau dieser Thematik mit all ihren Problemen, nimmt sich diese Geschichte an und gibt dem Ganzen ihren Rahmen. Ich fand das geschickt gemacht und absolut gelungen, dazu noch das Spiel mit dem Fremden und Melanie Raabes galante Idee uns Lesern immer im Unklaren zulassen.

Diese Autorin kann einfach erzählen, einen packen, mitreißen und erst wieder loslassen, wenn die letzte Seite verschlungen ist. Dabei erlebt man die komplette Gefühlsachterbahn mit und hat ein wahres Kopfkino an Bildern mitlaufen. Man ist einfach drin in der Geschichte und spürt diese ganze Atmosphäre einfach mit und ist gebannt auf das Ende.

Diese Geschichte ist eher was für die leisen Töne, die aber unglaublich nachklingen können. Wahnsinnig fesselnd und raffiniert erzählt, mich konnte es begeistern und nun warte ich wohl wieder, auf das nächste Buch.

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44 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

kühe, wales, freundschaft, g. r. gemin, milchmädchen

Milchmädchen

G. R. Gemin , Gabriele Haefs
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 18.03.2016
ISBN 9783551560261
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Gemma radelt mit ihrem Rad los, um einen ganz bestimmten Ort aus ihrer Vergangenheit zu finden, einen Platz, wo noch alles gut war in ihren Leben, aber was muss passieren, eine Herde Kühe steht mitten auf der Straße. Trotz starken abbremsen und ausweichen, fällt Gemma über den Lenker und stürzt mitten in die Kühe, aber als ob das nicht schon schlimm genug wäre, steht ihr, die nicht gerade beliebte Klassenkameradin Kate gegenüber und amüsiert sich über deren ängstliches Gesicht. Frustriert und wütend geht es wieder nach Hause und zur Beerdigung von Omas Hund, um sie auf andere Gedanken zu bringen erzählt Gemma ihrer Oma von Kate und ihren Kühen und mit einmal ändert sich Gemmas Leben. Nicht nur das sie durch ihre Oma, Zeit mit Kate verbringt, nein, auch Kühe werden immer sympathischere Wesen, und bevor sie es sich versieht, hilft sie beim Kuhdiebstahl mit. Wie kam es dazu? Warum müssen die Kühe gerettet werden? Wohin mit den reizenden 12 Kühen? Und kann das überhaupt gut gehen? Ein Vorort steht Kopf und mittendrin muht es ...
Das ist mein erstes Buch aus dem Königskinder Verlag und hätte mir mal bitte einer vorher verraten können, dass da solche Schätze lauern. Diese Geschichte bietet nicht nur 12 dicke Kühe und zwei toughe Mädchen, sondern ein ganzes Stadtviertel an wunderbaren Figuren und dazu eine wunderbare Aussage, also ihr merkt schon, ich bin schwer angetan.

Gemma ist ein junges Mädchen, von 13 Jahren und muss sich schon früh mit Einigen rumquälen. Zu Hause gibt es eine abgekämpfte Mutter, die von der Last ihre Familie zu ernähren, das Lächeln verlernt hat, dazu ein Vater, der mit Abwesenheit glänzt, da er im Knast sitzt und einen kleinen nervigen Bruder, der sich bei Mama einschleimt und nur Flausen im Kopf hat. Dazu kommt noch das sozialschwache Wohnumfeld, was einem direkt vermittelt, Außenseiter haben es schwer und nur die Starken haben das Sagen. Gemma ist direkt in solch einer Gruppe, was bleibt ihr auch übrig, sie will ja ihre Ruhe haben und nicht in Schwierigkeiten gezogen werden. Aber dann kommt ihre Oma und lädt diese Kate ein. Ein Mädchen von einem Bauernhof, Außenseiterin und stark wie ein Bär. Natürlich will Gemma nicht mit ihr gesehen werden und dann passiert es doch und sie ist dem Schikanen ausgesetzt. Aber langsam nähern sich die beiden an und bauen eine Art Freundschaft auf und Gemma merkt schnell, nicht nur sie hat Probleme, sondern auch Kate und ihres ist die Liebe zu zwölf Kühen, die verkauft werden sollen.

Diese zwölf Kühe sind die Hauptstatisten im ganzen Stück und lassen einen ganzen Vorort neu erblühen. Es ist ein schrecklicher Vorort, ständig Überfälle, Gewalt, Diebstahl und die Polizei zählt die Einsätze schon nicht mehr. Früher muss es eine nette Wohngegend gewesen sein, jetzt herrschen hier andere Gesetze und die älteren Leute, trauen sich nicht mehr vor die Tür. Tja, und da wollen die beiden Mädchen zwölf Kühe unterbringen, mitten ins Grau. Was das für Auswirkungen hat, hätte keiner mit gerechnet. Die Menschen helfen sich wieder untereinander, verschließen ihre Augen nicht mehr und finden auch den Mut, Taten andere zu melden. Es findet ein Umbruch statt und auch ein Umdenken, die Bewohner haben wieder Freude und Spaß an der Gemeinschaft und lassen es sich und den Kühen wieder besser gehen. Aber kann das auch so bleiben?

Dieser Autor hat ein rund um tolles Buch geschrieben, hier stimmt einfach alles, Erzählstil, wunderbare Figuren und eine tolle Aussage. Ich fühlte mich so wohl in der Geschichte und wäre am liebsten selbst sofort aufs Rad gestiegen und aufs Land gefahren, um mir eine Kuh zu holen. Aber das wirklich ganz Besondere sind seine sozial kritischen Punkte, er hat das alles so ganz natürlich, realistisch und tiefgründig mit eingewebt, man kauft ihm alles total ab und strahlt umso mehr mit, dass es aus dem dunklen Sumpf immer einen Weg gibt und das wir bestimmen können, wohin dieser uns bringt. Er beschreibt Probleme auf dem Punkt, ohne zu verschönern und doch können wir hoffen, dass es auch immer eine Lösung geben wird, manchmal tun sich die unglaublichsten Dinge auf, die man vorher nie erahnt hätte.

G.R. Gemin hat ein ganz wunderbares Debüt geschrieben, was nicht nur für junge Leser geeignet ist, nein auch die Älteren werden ihr Vergnügen damit haben. Es macht unglaublich Spaß mitzuerleben wie die Menschen und dieser triste Vorort aufblüht und Gemma einen Weg findet, sich auch selbst zu finden und ihre Persönlichkeit zu festigen. Außerdem hat der Roman eine wunderbare Aussage, gemeinsam sind wir stark.

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54 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

hannah peters, archäologie, thriller, babylon, zweistromland

Babylon

Thomas Thiemeyer
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.03.2016
ISBN 9783426653630
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Fernab von allem, tief in der irakischen Wüste findet ein Archäologe einen unglaublichen Fund. Die Bedingungen für eine richtige Ausgrabung stehen aber mehr als schlecht, denn die Wüste und die vielen Kriege machen es fast unmöglich Wissenschaftler und Entdecker vor Ort zu holen und den Schatz zu erforschen, sowie zu bergen. So kommt der Multimilliardär Norman Stromberg auf die Idee, sein letztes Abenteuer zu starten und seine Freunde um Hilfe zu bitten. Das bringt Hannah Peter und ihren Mann John Evans auf dem Plan. Der Weg dahin ist allein schon gefährlich und vor Ort stoßen sie auf mehr Rätsel als Antworten. Was soll das für ein Tempel sein? Verbirgt sich wirklich Babylon dahinter? Aber warum ist er in die Erde gebaut und mit vielen Warnungen versehen? Hannah hat kein gutes Gefühl, sie will verschwinden, da auch den Terror des Landes die Fundstelle nicht verborgen geblieben ist. Jetzt heißt es handeln, oder sterben? Was werden sie vorfinden? Und welche Gottheit wird hier ihre Mächte wirken lassen?
Mein Erstes Hannah Peters Abenteuer und ich bin wirklich überrascht, zum einen finde ich den Vermerk Thriller auf dem Cover irreführend, denn für mich ist es eher ein Abenteuerroman mit fantastischen Elementen gewesen, und zum anderen hätte ich nicht erwartet, wie viel politisches Wissen darin steckt. Aber eigentlich sollte ich ja wissen, dass der Autor sich allen rund um annimmt und um die Geschichte perfekt rüberzubringen, die beste mögliche Atmosphäre schaffen möchte. Der Zusatz hinten auf dem Buch trifft allerdings hervorragend zu, der neue Blockbuster, dass passt, denn man sollte, sich das Buch mal als Film vorstellen, das wäre ein Knaller.

So startet er auch direkt im ersten Kapitel mit dem Fund der Ausgrabungsstätte und das lässt er geheimnisvoll und mystisch erscheinen. Damit der Eindruck noch verstärkt wird, passieren in unsere Gegenwart die eigenartigsten Dinge und lassen in diesem Krisengebiet die Luft noch dünner werden. So nimmt er sich der schwierigen Situation im Nahen Osten sehr genau an und lässt sich viel Raum um die brenzliche Atmosphäre einzufangen und dem Leser sehr zu verdeutlich. Dazu bedient der sich ganz tollen Nebenfiguren, wie einen Soldaten des US-Militärs, einer BBC-Kriegsreporterin, Beduinen und auch die IS-Miliz bekommt ihren Auftritt. Er hat jede Stimme aus dem Kriegsgebiet eingefangen und gibt ein grausames, realistisches, aber auch menschliches Gesamtbild wieder. Dieses Zusammenspiel und was der Autor daraus macht waren überaus interessant und man vergaß fast, die eigentlich Geschichte.

Das eigentliche Zentrum der Geschichte, ist ja die Frage, ist es der Turm von Babylon, oder nicht? Hier wird der eigene Entdeckungsgeist geweckt, immerhin wollen wir ja nun wissen, was unter der Erde liegt. Hier kommt dann auch Hannah Peters ins Spiel, die noch immer mit den Folgen von ihrem letzten Abenteuer zu kämpfen hat und solche großen Risiken nicht mehr eingehen will. Dagegen steht ihr großer Gönner Norman Stromberg, der schwer erkrankt ist und unbedingt seine letzte große Entdeckung machen möchte, ihm zur Seite steht Hannahs Mann John, der seine Frau nicht verstehen kann. Immerhin sind sie Forscher, Entdecker und können doch nicht diesen letzten Wunsch, eines Freundes ausschlagen. Stromberg drängt also in dieses Kriegsgebiet vor und möchte unbedingt den Abstieg wagen, dass das auch noch von dem vorherrschenden Krieg begünstigt wird, kann ihm nur recht sein. Und hier beginnt eine fantastische Reise, die durch das Werk von Dante, seiner „Göttlichen Komödie“ angehaucht ist.

Ohne Frage, Thomas Thiemeyer kann wunderbar erzählen und unterhalten, diese Geschichte ist einfach ganz hervorragend, um abzutauchen und der eigenen Welt zu entgleiten. Ich fand den Teil der Schatzsuche sehr spannend und konnte es gar nicht abwarten, bis diese richtig ins Rollen kam. Allerdings nimmt er sich für Sein drum herum so viel Zeit, das man schon zwei Drittel gelesen haben muss, bevor es in den Tempel geht. Diese Geduld wird zwar mit interessanten Nebenfiguren und einem tollen Einblick in Glauben, Religion, Weltsicht und politischen Denken belohnt, bringt aber somit den Spannungsbogen ein bisschen zum Erlahmen. Auch mit seiner Hannah bin ich persönlich nicht ganz warm geworden, vielleicht fehlen mir auch die anderen Teile, um ihre Entwicklung besser zu verstehen. Ich denke, wenn einem diese Persönlichkeit wichtig ist und manche Verknüpfungen besser nachvollziehen mag, muss man ihre drei vorherigen Abenteuer gelesen haben, denn hier wurde schon einiger Bezug darauf genommen. Aber das ist Geschmacksache, dem einen stört es, dem anderen nicht. Zum Ende hin tobte sich der Autor richtig aus und lies uns von einem Höllenszenario zum nächsten schreiten, hier wurde er richtig kreativ und spielte mit dem Vorstellungen des Lesers. Da ich ein kleiner begeisterter Fan von solchen Verbindungen bin, Klassiker in Geschichten einzuweben, fand ich seine Idee sehr ansprechend, auch wenn ich mit dem Ende nicht ganz so warm wurde.

Auch wenn der Autor es nicht gerne hört, ich liebe die Abenteuerfilme von Indianer Jones und auch die Mumie fand ich klasse und wer die mag, wird sich in dem Buch richtig wohlfühlen. Das ist jetzt kein eins zu eins Vergleich, aber der Charme und die Abenteuerliebe kommen genauso gut rüber, nur dass Thomas Thiemeyer unsere Zeit perfekt mit einfließen lässt. Bis auf einige Kleinigkeiten hatte ich wirklichen großen Lesespaß und werde wohl jetzt doch mal zu den anderen Büchern greifen.

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121 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 46 Rezensionen

thriller, berlin, martin krist, spannung, kannibalismus

Märchenwald

Martin Krist
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783548287645
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der zehnjährige Max wird mitten in der Nacht von seiner panischen Mutter geweckt und zusammen mit seiner kleinen Schwester in die Abstellkammer der Küche gesperrt. Um ihre Kinder zu beruhigen, erinnert sie diese an Geschichten aus dem Märchenwald, damit beide still sind, außerdem ruft sie noch etwas wegen ihren Opa hinterher und dann ist plötzlich Stille. Also machen sich Max und Ellie auf den Weg. Gleichzeitig erwacht eine Frau in einer dunklen Gasse und kann nur mit knapper Not, einer Gruppe Männer mit bösen Absichten entkommen, aber wohin jetzt, denn sie weiß nicht, wer sie ist. Zudem werden die Ermittler Kalkbrenner und Muth zu einem neuen Fall gerufen, der mit einem grausamen Rätsel aufwartet. Was werden sie vorfinden? Können sie diesen Schrecken auf den Grund gehen? Welche Rolle spielt die Frau ohne Gedächtnis? Und werden die Kinder aus dem Märchenwald herausfinden?
Nach Engelsgleich nun ein neuer Fall für Paul Kalkbrenner und seiner Partnerin Sera Muth und was für ein Fall. Da mich der letzte Thriller nicht so packen konnte, bin ich natürlich vorsichtig ran gegangen, aber kaum hatte ich die ersten Seiten gelesen, war dieses Buch wie ein Selbstläufer und ich flog nur so dahin, was doch ein richtig gutes Zeichen ist.

Max und Ellie sind der erste Erzählstrang, und wir erleben mit, wie die Kinder hinter verschlossener Tür mithören, wie ihre Mutter verschleppt wird. Allein, verängstig und völlig durcheinander, treten sie die Reise durch Berlin an, um zu ihrem Opa zu gelangen. Diese Kinder mussten in ihren jungen Jahren schon einiges durchmachen, einen prügelnden Vater, eine schlechte Wohngegend und immer Angst. So ist die Verantwortung für Max eine schwere Bürde und nicht nur einmal scheint er daran zu scheitern. Hier leidet der Leser förmlich mit und man möchte so gern, den beiden die helfende Hand reichen, aber unser Autor hat was anderes vor und lässt die beiden durch den Großstadtdschungel gleiten und eine Schrecksekunde nach der anderen erleben.

Außerdem haben wir eine Frau ohne Gedächtnis, deren Odyssee nicht weniger spannend ist. Sie entkommt nur knapp einer Vergewaltigung, um im nächsten Moment mit einem komischen Typen konfrontiert zu werden, der sie zu kennen scheint und sie Zoe nennt. Allerdings schreit alles in ihrem Inneren, das ihm nicht zu trauen ist. Also nimmt sie ihre Beine in die Hand und flüchtet, aber wohin und wem kann sie um Hilfe bitten. Wie ein Puzzlespiel verfolgen wir Zoes Suche und sind das eine oder andere Mal mit ihr mächtig angespannt.

Tja und mittendrin Paul Kalkbrenner, zuerst ein kleiner Raubüberfall, der mehr der Dummheit des Täters zuschreiben ist, als ein Mord und dann ein Herzinfarkttoter. Kalkbrenner versteht überhaupt nicht, was er an dem Tatort soll und was die ganze Aufregung bedeutet, bis er den Fund in der Gefriertruhe sichtet und er seine Arbeit aufnimmt.

Wie immer ist im ersten Moment nicht ersichtlich, wie diese drei Erzählstränge zusammenhängen und das ist eigentlich, das große Talent von Martin Krist. Dadurch hält er einen großen Spannungsbogen bereit und baut ihn immer mehr auf, bis er ihn Stück für Stück ineinanderfließen lässt und uns überrascht. Außerdem mag ich seine kurzen Kapitel, seine ständig abwechselnden Szenen, seine Dramaturgie und die kurzen Sätze die eine düstere und oft befremdliche Atmosphäre aufbauen. Seine Themenwahl ist auch wieder vom Feinsten und zimperlich sollte man hier nicht unbedingt sein. Außerdem widmet er sich düsterer Dunkelziffer Kriminalität und baut die menschlichen Abgründe so gut ein, dass man sich beim Lesen einfach schüttelt und ungläubig weiterliest.

Ich war richtig im Lesesog drin und konnte das Buch kaum aus den Händen legen. Es hat einfach wieder richtig viel Spaß gemacht, Martin Krist zu lesen und einfach seine Art zu erzählen zu genießen. Allerdings finde ich manchmal Paul Kalkbrenners Privatleben ein bisschen zu viel, klar gehört das dazu, allein für seine Entwicklung, aber allein wenn seine Ex-Frau anruft, bin ich schon genervt, wie Paul. Es ist ein bisschen viel. Außerdem kam mir das Ende etwas zu schnell und ich finde, dass die letzten Geschehnisse der Geschichte nicht unbedingt gut taten. Für diesen starken Anfang und der tollen Entwicklung war mir das einfach zu schnell dahin geschrieben.

Ein wirklich starker Thriller, der einfach wieder zeigte, dass Martin Krist ein hervorragender Erzähler ist und mir trotz kleiner Punkte richtig gut gefallen hat. Da warte ich doch sehnsüchtig auf was Neues aus seiner Feder.

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160 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 34 Rezensionen

jugendbuch, freundschaft, liebe, meer, ulla scheler

Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

Ulla Scheler
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453270435
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Hanna und Ben. Ben und Hanna. Sucht man den Einen findet man bestimmt auch den Anderen. Sie sind seit Ewigkeiten Freunde, unzertrennlich und doch brodelt es gerade gewaltig zwischen ihnen. Nach einem Streit, verschwindet Ben für einen Monat, ohne was zu sagen und ohne einen Hinweis wohin. Hanna macht sich große Sorgen und hat Angst um ihn und dann steht er einfach wieder da und sagt kein Wort der Entschuldigung. So ist Ben, unkontrollierbar, ungestüm und immer an der Schwelle zum Gefährlichen. Nun haben beide ihr Abi, das erwachsen sein naht und da beschließen sie, nochmals wegzufahren, ans Meer, zu einem verwunschenen Strand und auf der Suche nacheinander. Hanna erlebt ein Wirbel aus Gefühlen, je näher sie sich kommen, umso mehr hofft sie, hinter seine Gedanken und Aktionen schauen zu können. Aber wird sie es schaffen, Ben zu verstehen? Was hat das Schicksal für sie geplant? Was steckt hinter dieser sagenumwogen Legende? Und ist ihre Freundschaft stark genug?
Ich muss gestehen, mir ist das Buch so gar nicht ins Auge gesprungen, mir wurde es eher in den Schoss gelegt und dabei klingt es doch gar nicht so schlecht. Hanna und Ben, zwei Freunde, die an einer Weggabelung stehen und sich für einen Weg entscheiden müssen. Also eine Geschichte übers Erwachsen werden, über Gefühle, über sich selbst nachdenken und herausfinden, was man wirklich will. Tja, und das Meer, was immer genug Geheimnisse parat hat.

Die Geschichte wird aus Hannas Sicht erzählt. Sie wächst als Einzelkind auf, ist seit acht Jahren mit Ben befreundet und sie sind unzertrennlich. Allerdings sind sie nur Freunde und schnell bekommt man den Eindruck, dass das Hanna gar nicht so recht ist, aber mehr will sie sich auch nicht eingestehen. So ist sie auf den ersten Seiten, um Ben besorgt, weil er einfach für einen Monat verschwunden ist, sauer, weil er ihr nicht sagt, warum, ängstlich, was nach dem Abi kommt und traurig, weil sie nicht weiß, wie es mit ihr und Ben weitergeht. Wie man sieht viele Gefühle, um einen jungen Mann, der sich nicht gern hinter die Fassade gucken lässt. Hanna macht es einem als Leser leicht, sie zu verstehen und mit ihr mitzufühlen. Sie ist sensibel und nimmt ihre Umwelt sehr genau wahr, so ist sie als gute Zuhörerin bekannt und das sie selbst vor nichts die Augen verschließt. Allerdings muss ich sagen, dass sie bei Ben ein bisschen daneben schaut, seine Signale sind so leuchtend rot, dass man sie nicht übersehen kann und doch scheint Hanna blind zu sein. Ich schiebe das eindeutig auf ihre Gefühlswelt für ihn zu, aber es harmoniert eben nicht mit dem sonstigen vermittelten Eindruck.

Ben lässt keinen so recht an sich heran, er birgt viele Geheimnisse und wird dadurch, nur noch interessanter. Er schaut gut aus, kommt bei den Mädchen gut an und ist doch ein Einzelgänger. Seine Stimme soll ganz besonders toll sein, wenn er seine Geschichten erzählt und er ist übermütig, wenn es ums Schwimmen geht. Allerdings hat er auch eine dunkle Leidenschaft, denn er sprayt auch ganz gern an Häuserwände. Und doch erschließt sich beim Lesen schnell, das was in seinem Leben nicht stimmt und man möchte, einfach wissen was. Aber er versteckt seinen Schatten recht gut und zeigt uns nur seine starke, tollkühne Seite, man lebt nur einmal und das jetzt.

Diese Geschichte spielt mit den Zwischentönen, wird leise erzählt und hat so einiges zwischen den Zeilen versteckt. Zuerst lässt man, alles auf sich wirken, geht mit den beiden mit und wundert sich schnell über die Blindheit von Hanna. Ihr Leben scheint so geordnet und klar zu sein, das sie sich das bei anderen, gar nicht anders vorstellen kann. Hier ist für mich nämlich der Knackpunkt der Geschichte, sie sieht bei allen anderen hin, aber bei Ben versteht sie nix. Angeblich sind sie doch die besten Freunde und sie weiß nichts über die Umstände zum Tod des Vaters. Hat sie das verpasst? Das war für mich nicht ganz stimmig und darauf haperte es weiter. Klar, einiges kann man auf ihre Verliebtheit schieben, aber bei einigen Szenen hat sie die Wichtigkeit total verpennt und dabei soll sie doch so gut zuhören und alles genau wahrnehmen, für mich nicht ganz stimmig gelöst, denn das machte mich beim Lesen etwas unglücklich.

Dabei ist der Schreibstil so wunderbar bildhaft und sprachlich so schön gewesen. Mit ihren kurzen eindringlichen Sätzen hat sie einen an die Geschichte gefesselt und nicht mehr los gelassen. Auch die geheimnisvolle, düstere Legende ums Meer war ganz hervorragend hinein gewoben und hat diesen Kurztrip ans Meer mystisch und ein bisschen melancholisch abgerundet. Ihre Figuren waren alle sehr besonders und mit viel Liebe gezeichnet. Ich fand das sie so oft, den richtigen Ton anschlug und aus ihrer Geschichte, was ganz anderes gemacht hat, was mir richtig gut gefallen hat.

Ein wirklich schönes Buch, das man nicht nur am Meer lesen muss, über zwei Freunde, die sich finden und verstehen lernen müssen. Mit einem ganz tollen Schreibstil, der sich besonders hervorhebt und eine wunderbare stürmische Atmosphäre schafft. Ein tolles Debüt, das auf mehr hoffen lässt.

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187 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 42 Rezensionen

mythologie, götter, nordische mythologie, rick riordan, magnus chase

Magnus Chase - Das Schwert des Sommers

Rick Riordan , Gabriele Haefs
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.07.2016
ISBN 9783551556684
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Magnus lebt seit dem mysteriösen Tod seiner Mutter auf der Straße. Zu seinen beidem Onkels will er nicht, da diese sich mit seiner Mutter verkracht haben und nach zwei Jahren auf sich allein gestellt, will er auch nichts mehr davon wissen. Aber dann sieht er einen von ihnen im Park mit einem Suchzettel in der Hand und darauf sein Gesicht. Magnus ist alarmiert und will wissen, warum sie ihn ausgerechnet jetzt anfangen zu suchen und entdeckt so einiges über sich. Er ist der Sohn eines nordischen Gottes aus Asgard und er soll dessen Schwert wieder finden. Mehr schlecht als recht stolpert er in diese Welt aus Kriegern und muss sich nach einem misslungen Start beweisen. Wird er das Schwert finden? Kann er sich ehrenhaft beweisen? Was für Abenteuer muss er bewältigen? Und wird er Hilfe gekommen? Magnus bricht in sein Abenteuer auf ...
Nachdem in den Kinos ein wahrer Boom an Marvel Filmen explodiert ist und wir alle nach dem nächsten Thor Streifen lechzen, wird es doch mal Zeit das Rick Riordan uns die nordische Götterwelt etwas besser und Geschichtsträchtiger präsentiert. Ich glaube, es steht außer Frage, das ich ein Fan von diesem Autor bin und ich denke, seine Unterrichtsstunden hätte ich nie verpasst und jetzt verpasse ich eben nicht seine Bücher.

Unser junger Held Magnus ist ein bisschen schmächtig, hat aber keine Probleme mit Temperaturen, egal, in welche Richtung das Thermometer steigt oder sinkt, das macht sein Leben auf der Straße ein bisschen einfacher. Seine Mutter hat ihn allein aufgezogen und mit ihm viele Campingausflüge gemacht. Magnus war ständig an der frischen Luft und im Wald, hat Beeren gepflückt und ist auf Bäume geklettert. Seiner Mum war das wichtig und sie sagte immer, das er in der Natur seinem Vater am nächsten ist. Wer sich mit den nordischen Göttern auskennt, kann hier vielleicht schon die Identität des Vaters erraten, ich allerdings musste noch sehr lange weiter lesen. Was Magnus aber mit Sicherheit nicht ist, ein Krieger, dieses unbändige vorpreschen und diese Kraftanstrengung, sind absolut nicht seins. Allerdings ist er mutig und immer mit dem Herz dabei und er hat einen unglaublich witzigen Humor und versucht seine Aufgabe so gut es geht zu meistern. Sprich, ich mochte ihn sehr und konnte gar nicht so schnell lesen, wie ich wollte.

Was der Autor einfach ganz wunderbar beherrscht, ist eine knackige Geschichte zu erzählen, die sich von einer dramatischen Situation in die nächste hangelt und dabei Wissen zu vermitteln, dass spannend, unterhalten und nicht Lehrer mäßig rüberkommt. Dabei hat er das Talent immer alles so spielerisch, mit ganz viel Liebe zum Detail und jeder Menge Witz zuerzählen. Allein seine Überschriften sind zum Totlachen und machen einfach Freude auf das nächste Kapitel. Ganz ehrlich, man rauscht durch das Buch, ist voll mittendrin und kann die Spannung kaum aushalten. Ich finde ein besseres Kopfkino dieser Klasse, findet man nicht so schnell wieder.

Rick Riordan hat anscheinend einen unglaublichen unerschöpflichen Pool an Ideen und Fantasie. Klar gab es einige kleine Begebenheiten, die mich doch an Percy erinnert haben, aber das nahm nicht überhand und es gab auch so viel Neues zu entdecken, das der Vergleich direkt ins Hintertreffen geraten ist. Allein Magnus Freunde waren eine Wucht, da hat er wirklich wieder ganz tolle Originale geschaffen. Ihm zur Seite gestellt bekommt er einen Zwerg, der auf Mode steht, einen Alb, oder Fee, der taub ist und magische Runenkräfte besitzt und eine Walküre, die den Spagat zwischen zwei Leben hingekommen muss. Wieder wurden alle so liebevoll gestaltet und man schloss alle schnell in sein Herz. Auch die Götter bekommen eine ordentliche Präsentation, dass man sich das Lachen kaum verkneifen konnte. Mehr möchte ich gar nicht verraten, denn es macht so unglaublich viel Spaß alles Selbst zu entdecken und deshalb verrate ich nix mehr.

Ein herrlicher Start in die nordische Mythologie, mit einem rundum gelungenen Abenteuer, großartigen Figuren und einer spielerischen Reise in die komplexe Welt der Götter. Wunderbarer Lesespaß für jeden ob Jung oder Alt und ich möchte sofort wieder mitreisen, also her mit Band zwei.

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213 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 83 Rezensionen

familie, laufen, dystopie, endzeit, apokalypse

Am Ende aller Zeiten

Adrian J Walker , Nadine Püschel , Gesine Schröder
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 25.08.2016
ISBN 9783596037049
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Edgar Hill wird von dem Gebrüll seines kleinen Sohnes Arthur wach und quält sich aus dem Bett, da er früh morgens dran ist. Gemütlich macht er ihm ein Fläschchen und geht kurz mit Arthur spazieren. Schnell fällt ihm auf, das etwas anders ist, die Straßen sind ruhiger, manche Menschen denen er begegnet benehmen sich komisch und irgendwas liegt in der Luft. Ganz grau in seinem Gehirn martert etwas, hat er nicht gestern was im Fernsehen gehört oder gesehen, was wichtig war? Zu Hause geht er dem Ganzen auf den Grund und gerät in Panik. Eine Katastrophe kommt auf die Erde zu und er hat nur wenig Zeit, um seine Familie in Sicherheit zu bringen, wie gut das sie einen Keller haben. Die Familie überlebt gerade so und wird in einem Lager untergebracht. Edgar schließt sich, zum Leidwesen seiner Frau, den Lebensmittelsuchtrupps an und kommt so zu spät als die Hubschrauber landen und seine Familie evakuieren. Sie werden 500 Meilen nach Cornwall gebracht, um dort dann aufs Festland überzusiedeln. Ed hat nur wenig Zeit, um zu seiner Frau und Kindern zu gelangen, wird er den Weg auf sich nehmen? Kann er die körperliche Herausforderung packen? Welche Menschen, welches verwüstete Land wird ihm begegnen? Und kann er es rechtzeitig schaffen?
Eigentlich bin ich ja nicht so der Fantasy Leser, was ich mich immer noch frage, warum eigentlich. Ich liebe fliegende Laserschwerter und galaktische Raumschiffe, mag auch Feen und Zauberer, warum stelle ich mich dann in der Literatur für die etwas Größeren so an. Als mir damals das Buch von Adrian Walker vorgestellt wurde, dachte ich, Wahnsinn, das klingt spannend und ich bin doch eine Beherrscherin des Kopfkinos, das probierst du aus und außerdem ist es mal von einem Mann geschrieben, da wollen wir doch schauen, was der so kann.

Unser Icherzähler heißt Edgar Hill und ist ein absoluter Antiheld. Seines Lebens völlig überdrüssig, verheiratet und zwei Kinder, wo er sich immer fragt, warum habe ich mir das ans Bein gebunden. Ein typischer, ich habe nicht wirklich Lust auf Verantwortung und gehe lieber mit meinem Freunden was trinken. Der Alkohol lässt ihn den Alltag überstehen und alle Verpflichtungen vergessen. Sprich, Edgar lässt sich gehen, in allen Dingen und ist genervt, wenn ein Kind schreit. Nun gut, so ganz unsympathisch kommt er gar nicht rüber, denn er liebt seine Familie schon, ist aber nicht der geborene Ehemann und Vater, aber die kleinen Dinge sind ihm trotzdem wichtig. Da passiert eine Katastrophe, Ed muss, reagieren, er muss sozusagen seinen Mann stehen und fühlt sich doch wie ein Versager. Als er dann im Lager eine Chance hat, der Beengtheit zu entkommen nutzt er diese sofort, ohne auf die Wünsche seiner Frau einzugehen, Hauptsache weg und dann sind sie weg. Seine Familie ist evakuiert, Ed gerät ins Grübeln, ist das gut, so wollte er es doch immer, oder fehlt ihm jetzt doch ein Stück. Edgar muss eine harte Entwicklung durchleben, er muss sich neu definieren und dem Ziehen seines Herzen, der immer größer werdenden Sehnsucht, nach seinen Lieben nachgehen.

Adrian J. Walker hat sich für ein Endzeit-Szenario entschieden und lässt unsere Welt durch einen Asteroiden neu formen. Alles wird zerstört, Menschen kommen um und die Sonne geht unter. Es ist eine düstere Zeit und ein Kampf ums Überleben und mittendrin ein Mann, der zu seiner Familie möchte. Seine Hauptfigur ist aber nicht allein, er wird von einer Soldatin, einen pensionierten Briefträger, einem weiteren Familienvater und einem schottischen Hünen begleitet. Dieses Team muss sich nicht nur zusammenraufen, nein, es muss sich auch immer wieder neuen Gefahren auf ihren Weg stellen. So kämpfen sie nicht nur mit ihrer körperlichen Konstitution oder der Suche nach Lebensmittel, sondern auch mit Menschen die ihren Weg kreuzen, und die ihre Menschlichkeit verloren haben. So herrschen oft Gewalt und Machtmissbrauch vor, das Misstrauen untereinander wächst und die Anderen lassen alle Hemmungen fallen, um zu überleben.

Der Autor erzählt düster, unverblümt und oft mit zu vielen Worten seine Odyssee von Schottland nach Cornwall. Mir persönlich hat die Idee und auch seine Figuren richtig gut gefallen, er spielt hier mit vielen unterschiedlichen Gefühlen und lässt so eine Entwicklung mitlaufen. Es ist ein beschwerlicher Weg und auch für mich als Leser nicht immer einfach, die Dynamik war gut, aber oft waren die Begegnungen ein bisschen zu lang, oder zu viel, dabei schweift er gern noch ein bisschen ab und so zog sich die Geschichte in die Länge. Für mich hätte es ein bisschen kürzer sein dürfen, das hätte dem Spannungsbogen ein bisschen besser getan. Aber sein absoluter Clou ist Edgar, der vom Couch-Potato über sich hinauswachsen muss, um endlich sich und seine Familie zu finden.

Für alle, die gern jemanden anfeuern, mitleiden und die Liebe und Hoffnung erleben wollen, in einer düsteren Zeit, ist das genau die richtige Lektüre.

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46 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

krimis, london, viktorianische krimis, 19. jhd., krimi-reihe

Mord in der Mangle Street

MRC Kasasian , Alexander Weber , Johannes Sabinski
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 19.08.2016
ISBN 9783455600513
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

March Middelton ist nach dem Tod ihres Vaters allein und kann das Haus mit dem Anwesen von ihren spärlichen Vermögen, nicht halten. So greift sie auf das Angebot ihres Patenonkels zurück und zieht zu ihm nach London. Nun ist ihr Vormund kein unbeschriebenes Blatt, denn Sidney Grice, ist der berühmteste Detektiv von ganz England und liebt es knifflige, gut bezahlte Fälle zu lösen. Kaum ist March angekommen, wird sie auch schon in einem Fall unfreiwillig hineingezogen und erlebt die Ermittlungen hautnah mit. Der Fall ist für Sidney schnell klar, ein brutaler Mord an einer Frau und nur der Ehemann kann die Schuld haben und muss der Mörder sein. March zweifelt sehr an dem Können ihres Patenonkels und hält dagegen, unmöglich kann dieser treue gutherzige Mann, etwas mit dem Verbrechen zu tun haben. Wer von beiden wird wohl recht haben? Wird eine Zusammenarbeit überhaupt funktionieren? Und kann, sich March überhaupt, in dieser Männerwelt durchsetzten, oder sogar behaupten?
Ich habe ja einem Faible für alte Detektivgeschichten und liebe einfach die Klassiker, Sherlock Holmes, Miss Marple und wie sie alle heißen. Nun sprach mir dieses Cover, und der dazugehörige Inhalt direkt an und ich dachte mir, das könnte doch was für mich sein. Als ich die ersten Seiten gelesen hatte, legte sich ein leichtes Lächeln auf mein Gesicht und ich konnte damit nicht mehr aufhören.

Wir befinden uns im London des Jahres 1882 und die Atmosphäre wurde hier herrlich eingefangen, man konnte die Pferdekutschen vorbei fahren hören, die dunklen schmutzigen Ecken riechen und das Feuer im Kamin vor Augen sehen. Sprich, man befand sich mitten im alten London und hoffte, für die Geschichte, die richtigen Schuhe gewählt zu haben, um mit den beiden Ermittlern mithalten zu können. Dieses Flair und das ganze drum herum hat richtig Spaß gemacht und knüpft auch an die große Zeit der beliebtesten Detektivgeschichten an. Man taucht einfach ab, in eine andere Welt und lässt sich berauschen, aber der absolute Star des Ganzen sind die Figuren.

Sidney Grice, ist unsympathisch, arrogant, total von sich überzeugt und weckt einfach eine große Abneigung. Dazu kommt noch, dass er klein und dünn ist, ein Glasauge trägt und mega eitel ist. Er sieht einfach gerne auf Leute herab, macht sich über sie lustig und meint es mit seiner Umwelt nicht immer gut. Das zumindest ist der erste Eindruck, denn er versucht lange seine Ego-Fassade aufrechtzuerhalten, aber im Laufe der Geschichte fängt sie doch an zu bröckeln, das macht ihn am Ende nicht zum netten Mitmenschen, denn seine Hintergründe sind nicht immer die Edelsten, aber es weckt Interesse, große Neugier beim Leser, was noch alles im verborgenen bei Sidney lauert und was wirklich hinter seiner überheblichen Fassade steckt.

Aber der heimliche Star des Ganzen ist, für mich, March Middelton. Eine junge Frau, die in ihre Zeit nicht ganz passt und etwas unkonventionell daher kommt. Ihr Vater war Arzt und auch in Indien, dorthin hat er auch seine Tochter mitgenommen, dadurch hat sie schon viel erlebt und gesehen und doch muss sie sich als Frau klein machen, in der Gesellschaft der Männer. Aber March lässt sich vieles nicht gefallen und schlägt mit ihrem Mundwerk, ihrem Humor und ihren Tricks zurück. Außerdem raucht sie ganz gern und ein Gläschen Gin gönnt sie sich auch. Sie ist eine toughe Frau, aber auch sie hat ihre Geheimnisse und trägt eine traurige Vergangenheit mit sich rum. Ich mochte sie von der ersten Seite an und habe bei jedem kleinen Erfolg von ihr, mit gejubelt.

Das Zusammenspiel von Sidney und March macht die Geschichte außergewöhnlich und sehr unterhaltsam. Ihre Wortgefechte, ihr Augenrollen, ihre Fragen, seine Seufzer über die dummen Frauen, seine allein Gänge und seine arrogante Art, macht dieses Buch zu einem wahren Lesegenuss. Ich persönlich würde sie nicht mit anderen Ermittlern zu dieser Zeit vergleichen, denn der Autor hat hier wirklich was Eigenes geschaffen, was sich nicht verstecken muss und kein Abklatsch von alt Bekannten ist. Es lies sich schnell und flüssig lesen, trotz der gewählten etwas steifen Ausdrucksweise und passte sich somit wunderbar ins Bild. Auch der Fall gestaltete sich interessant und war wirklich kniffelig.

Dieses Buch lebt von der tollen Atmosphäre, den wirklich interessanten Figuren und dem schwarzen Humor. Und obwohl es manchmal ein paar Längen hatte und man sich fragte, was kommt noch, hatte ich wirklich Spaß an der Geschichte. Hier können wir wirklich noch auf einiges gespannt sein, denn die Bewohner der Gower St. ermittelt bestimmt wieder.
 

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153 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

frankreich, fiktion, literatur, wahrheit, identität

Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 24.08.2016
ISBN 9783832198305
Genre: Romane

Rezension:

Delphine ist nach ihrem letzten Roman ausgebrannt, diese Geschichte über ihre Mutter hat Spuren hinterlassen und große Aufmerksamkeit bei ihren Lesern. Je mehr man sie darüber ausfragt, umso mehr möchte sie einfach nur weglaufen. So nutzt sie eine Partyeinladung aus, um auf andere Gedanken zu kommen und lernt eine Frau kennen. Sie fühlt sich sofort verstanden und fasziniert. Es beginnt eine enge Freundschaft, bis Delphine von ihrem neuen Buchprojekt erzählt und ihre Freundin L. missstimmig darauf reagiert. Für Delphine bricht Stück für Stück der Autorenalltag weg und auch ihre Kraft zum Schreiben, sie steckt in einer festen Krise und wird allein von L. aufgefangen. Diese hilft ihr, steht ihr bei allem bei, und meistert mit ihr ihre Arbeit und das alles in Delphine‘s Namen, denn es darf ja keiner wissen, wie es um sie steht. Keiner weiß von dieser Frau, keiner kennt sie, Delphine spricht nicht über sie und L. ist nie zugegen, wenn Familie oder Freunde da sind. L. übernimmt immer mehr Delphine‘s Leben und wird ihr mit jedem Tag ähnlicher und es dauert lange, bis Delphine merkt, dass sie eine Gefangene in ihrem eigenen Leben ist. Wird es da schon zu spät sein? Was hat L. vor? Wie weit wird sie gehen? Und warum ist Delphine so blind?
Als mir das Buch vorgestellt wurde, war ich sofort von der Thematik, Wahrheit mit Fiktion zu vermischen, angetan, begeistert, fasziniert. Immerhin spielt die Autorin mit ihrem Leser und man möchte doch wissen, wie gelingt ihr das. Wie sehr beschäftigen uns Bücher über wahre Geschichten, oder nehmen wir fiktive Geschichten genauso ernst. Was macht das eine oder andere so besonders, das habe ich mich nämlich ständig gefragt und ich glaube, ich bin für beides schwer zu haben. Aber diese Mischung war wirklich unglaublich gut und gemein.

Die Tatsache ist, Delphine de Vigan ist Autorin, lebt in Paris und ihr letzter Roman war tatsächlich über ihre eigene Mutter, die den Freitod gewählt hat und von ihrer Tochter gefunden wurde. Da steigt auch unsere Geschichte ein, Buchmessen, Lesungen, Interviews und das Gefühl nicht mehr zu können. Die Beschreibungen, wie viel es der Autorin abverlangt, immer wieder darüber zu sprechen, mit ihrer eigenen persönlichen Geschichte konfrontiert zu werden und wie langsam die Kräfte schwinden, war total nachvollziehbar. Natürlich möchte sie für ihre Leser das Beste geben, keinen enttäuschen und doch kann sie nicht mehr. Dass man in einer solchem Situation anfälliger ist, konnte ich auch sehr gut verstehen. So fühlt sich eben unsere Autorin oder Delphine aus dem Buch zur Fremden L. hingezogen, weil diese sie einfach versteht, den Moment nachvollziehen kann und ihr irgendwie Kraft spendet. Das ist somit der erste Abschnitt im Buch, das Kennenlernen, im Leben des anderen auftauchen und sich verankern. Wie schleichend so ein Prozess sein kann, einer Fremden zu vertrauen, wie schnell die Phase des blinden Verstehens einsetzt und wie schnell man nichts mehr hinterfragt, beschreibt dieses Buch ganz ausgezeichnet.

Überhaupt spielt unsere Autorin gut mit uns, ganz oft fragt man sich dabei, was ist wirklich passiert und denkt gleichzeitig, das ist ja nur ein Buch. Dieses Hin und Her schalten der Gedanken macht einen großen Spannungsbogen aus und lässt einen diese Geschichte weiter lesen und weiter in die Wirrungen hinabziehen. Außerdem wird diese Geschichte aus der Vergangenheit erzählt, Delphine erzählt uns ihre Erlebnisse mit L. und immer wieder gibt sie kleine Anmerkungen, die uns zum Lesen vorantreiben und tiefer in diesen Strudel aus Wahrheit und Fiktion verwebt.

Delphine de Vigan schafft mit ihrem Schreibstil eine ganz eigene Atmosphäre, sie ist, je weiter der Roman voranschreitet düsterer, schwerer, erdrückend. Manchmal fiel es wirklich schwer die wortreichen Beschreibungen zu ertragen und nicht selber in ein tiefes Loch zu fallen. Ihre Verschmelzungen waren wirklich geschickt aufgebaut und nicht wahrnehmbar, wo jetzt das Wahre anfängt und die Fiktion aufhört. Überhaupt schwirren einen beim Lesen viele Fragen durch den Kopf. Ab wann vertraut man so blind, oder, warum spricht man nicht mit seiner Familie darüber, kann man sich selber so ins Aus verstricken. Eine absolute Horrorvorstellung und mit jedem Satz sehr geschickt eingefädelt.

Ein wirklich geschicktes Buch und ein Spiel mit der Wahrnehmung, sehr interessant erzählt und teilweise düster umgesetzt. Für mich manchmal schwer zu ertragen, da dieses drückende Gefühl mir sehr nahe ging. Aber für jeden, der böse psychische Spiele mag, ein Lesegenuss.

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163 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

montana, worte für die ewigkeit, indianer, usa, liebe

Worte für die Ewigkeit

Lucy Inglis , Ilse Rothfuss
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 01.09.2016
ISBN 9783551520876
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Hopes Mutter hat entschieden, das sie aus beruflichen Gründen, den Sommer in Montana verbringen werden, ob sie nun will oder nicht. Gefrustet und widerwillig packt sie ihre Sachen und ergibt sich ihrem Schicksal, einen Sommer aus Langweile zu überleben. Erst am Flughafen reißen Hopes Gewitterwolken auf, denn der Rangersohn Cal holt sie ab und der lässt ihr Herz höher schlagen. Die Landschaft und das Leben von Montana sind so anders und die ersten Tage sind das reinste Abenteuer und es wird noch turbulenter, denn Hope findet ein Tagebuch, aus einer Zeit, wo das Land noch wilder und in Umbruchsstimmung war. Geschrieben hat es die junge Emily, die auf Reisen war und durch ein Unglück bei Nate gelandet ist. Was wird Emily erlebt haben? Und warum ist diese Geschichte so wichtig für Hope? Welches Schicksal teilen die beiden Frauen? Und kann sich das Vergangene wiederholen?
Diese Geschichte spielt auf zwei Ebenen, zum einen haben wir das Montana 1867, rau, wild und für eine junge Frau sehr gefährlich und zum anderen die Gegenwart mit Hope, die es auch nicht leicht hat, gegen ihre resolute Mutter anzukommen. Beide Geschichten drehen sich um Freiheit, Erwachsen werden und um den Willen, selber sein Leben so zu leben, wie Emily und Hope es möchten. Dazu kommt noch ein tiefer Blick in die Geschichte des Landes, die Übernahme der Siedler, die Ausrottung der Büffel und Indianer und deren Auswirkungen ins Hier und Jetzt. Ein wirklich tolles Thema und ich fand es gut umgesetzt, schade das es solche Bücher so selten gibt.

Fangen wir mit Hope an, denn so fängt auch das Buch an, mit einem Mädchen, was packen muss. Ihre Entscheidungsfreiheit beruht immer auf den Wünschen ihrer Mutter, denn diese möchte immer nur das Beste für ihr Kind und merkt nicht dabei, dass sie es übertreibt und ihre Macht zu weit ausnutzt. Hopes Mutter untergräbt nämlich ihre Wünsche im Kern und selbst die aufblühende Romanze zu Cal ist dieser ein Dorn im Auge. Schnell sind Vorurteile und ihre eigenen schlechten Erfahrungen mit Männern das Thema und Hope soll sich fügen. So spüren wir Leser schnell eine große Sympathie für dieses junge Mädchen und hoffen und bibbern mit, dass sie einen Weg finden wird, Stärke zu entwickeln und endlich ihre Träume auch aussprechen zu dürfen. Natürlich ist Cal auch nicht von schlechten Eltern und hat selbst ein Auge auf dieses Mädchen geworfen, aber seine Vergangenheit hält ihn zurück. Bis er sie mit auf einen Ausflug nehmen muss, wo beide aufeinander angewiesen sind und von einem Tagebuch Unterstützung bekommen.

Emily ist von England auf den Weg zu ihrer eigenen Hochzeit, mit einem Mann, den sie noch nie begegnet ist. Dabei kommt ihr kleiner Trupp nur langsam voran und letztendlich passiert ein schlimmes Unglück und sie ist die einzige Überlebende. Ihr Retter ist ein ungewöhnlicher Mann, er passt nicht richtig zu den Siedlern und auch nicht zu den Indianern, er lebt allein und einsam und Emily fühlt sich wie eine Gefangene. Nate sieht es nämlich nicht ein, sie zurückzubringen. Stück für Stück muss Emily ihre wohlgeborene Erziehung über Board werfen und sich dem rauen Leben öffnen, der Schönheit der Landschaft, der Einfachheit des Lebens und dem Glück auf einem Pferd zu reiten. Emily und Nate sind ein ungewöhnliches Paar, er liebt die raue und wilde Einsamkeit und sie kämpft mit dem Korsett ihrer Erziehung, aber genau diese Gegensätzlichkeit macht sie zu etwas Besonderen und lässt uns Lesern einfach nicht los. Wir wollen Emily wachsen sehen, sehen, wie die Freiheit schmeckt und welchen Weg sie einschlagen möchte. Tja, und außerdem ersehen wir uns natürlich einen Kuss, nur Mal am Rande.

Diese beiden Ebenen verwebt die Autorin sehr geschickt, dabei wählt sie, zwei verschiedene Erzählstile, während wir Hopes Geschichte flüssig und aus der dritten Person erzählt bekommen, ist es bei Emily ganz anderes. Sie erzählt ihre Geschichte nämlich Nate und wir Leser fühlen uns ein bisschen voyeuristisch, da ihre Worte ja nicht für uns bestimmt sind. Das macht es aber auch so besonders, denn wir erleben alles nochmals mit, ihr erstes Aufeinandertreffen, ihren ersten Pferderitt, ihren Ausflug in die Welt der Indianer und vieles mehr. Dadurch blüht vor unseren Augen eine wahre Wucht an Bildern auf. Die Landschaftsbeschreibungen sind wunderbar eingefangen und werden wirklich malerisch im Kopf abgespielt. Auch die Lebenssituation wird so gut widergespiegelt und eröffnet uns ein Leben, was in der Moderne kaum vorstellbar ist. Aber auch Emilys Gefühle, Zerrissenheit, Unwissen, vieles, was sie nicht verstehen kann und ihre inneren Zwänge. Das gibt ein allumfassendes Bild der Frau wieder, wie sich die Gesellschaft zur damaligen Zeit sie gewünscht hat. Andere Zeit, andere Zwänge, hat Hope auszuhalten und zu überstehen. Ihr Leben ist vielleicht nicht, vom rauen und schweren Leben geplackt, aber sie hat auch zu kämpfen, denn ihr Cal hat mit den Auswirkungen der geschichtlichen Vergangenheit zu kämpfen und der Machtlosigkeit dessen Volkes. Noch heute werden sie untergraben und herum geschupst, diese Thematik müsste viel mehr Publicity bekommen und ist für mich immer noch eine Schande.

Großartig, was die Autorin hier geschaffen hat, moderne und Vergangenheit vereint, zwei Paare ihre Liebesgeschichte gelassen und ein Fingermerk gesetzt. Auch wenn ich zum Ende einiges, ein bisschen Hollywood fand, bin ich sehr angetan und begeistert und möchte wieder mehr solche Bücher entdecken, denn ich konnte es nicht aus den Händen legen.

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230 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 69 Rezensionen

paris, liebe, adriana popescu, paris du und ich, jugendbuch

Paris, du und ich

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei cbj, 25.07.2016
ISBN 9783570172322
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emma ist schwer verliebt, in den französischen Austauschschüler Alain und würde ihn, am liebsten nicht loslassen. Deshalb fast sie einen Plan und möchte ihn in den Herbstferien überraschend Besuchen. Immerhin geht es in die Stadt der Liebe, nach Paris und Emma freut sich riesig darauf. Mit Sack und Pack steht sie vor seiner Tür, um dann zu erfahren, dass er schon lange eine Freundin hat. Nun steht Emma da, im Regen, ohne Bleibe, ohne Sinn und auch noch in ihrer Lieblingsstadt. Nach zwei verheulten Hoteltagen traut sie sich raus, auf die Straßen von Paris und lernt Vincent kennen, den ein ähnlicher Schicksalsschlag getroffen haben muss. Zusammen beschließen sie, sich nie wieder so zu verlieben und trotzdem die Stadt für sich zu entdecken. Eben halt in eine andere Richtung, nicht zum Verlieben, sondern entlieben. Aber ob das funktionieren wird? Wird Emma, Alain so schnell vergessen können? Warum geht Vincent nie an sein Handy? Und warum stört es Emma, wenn Vincent seine Ex-Freundin erwähnt? Wird Paris seine Magie spielen lassen?
Ein neuer Roman von Adriana Popescu und ich freute mich diebisch darauf, als ob ich eine Fernreise nach Paris selbst gewonnen hätte, denn ich weiß, wenn ich das Buch aufschlagen habe, bin ich in Paris und werde wieder alles hautnah Selbst erleben und entdecken. Außerdem freu ich mich sehr auf ihre Figuren, die einen einfach ans Herz wachsen und da frage ich mich immer, woher nimmt sie die nur. Also wie ihr seht, große Erwartungen und Ansprüche und ich wurde mit keiner Seite enttäuscht.

In Emma findet man sich selbst schnell wieder. Sie ist etwas schüchtern, möchte gern bei den großen Mädels mitspielen und ist doch nur, das nette Mädchen von nebenan. Oft wegen ihrer Träume und Vorstellungen belächelt, aber mutig genug, um sie allein um zusetzten und nach Paris zufahren. Ich mochte sie sofort. Sie hat diesen ganz natürlichen Charme, der einen sofort in den Bann nimmt und der denjenigen selbst nicht auffällt. Dann fand ich ihre Art Paris zu entdecken, oder eben nicht alle Touristenstationen abzulaufen, sondern den Zauber selbst zu finden und lieber in den kleinen Gassen herumzuspazieren einfach fantastisch.

Vincent dagegen ist ein außergewöhnlicher Typ, bunte Socken, groß und ein bisschen schlaksig, aber mit dem schönsten verschmitzten Lächeln der Welt. Er ist spontan, wirkt dabei aber manchmal ein bisschen verpeilt, überspielt das aber alles mit einem passenden Spruch und bringt einen einfach dazu ihn zu mögen. Da hat man gar keine andere Wahl. Aber trotz seiner Leichtigkeit und seinem Schwung Emma von ihrem Liebeskummer abzulenken, spürt man, dass auch er leidet und sein Päckchen zu tragen hat. Tja, und man möchte einfach wissen, was ist bei ihm los.

Adriana Popescu hat für mich wieder Mal das Perfekte, träum dich weg Buch geschrieben und für mich war es ein absoluter Lesegenuss. Die Mischung aus Paris und diesen beiden jungen Leuten war absolut gelungen und harmonierte wirklich auf jeder Seite. Für mich war nicht nur die Geschichte von Emma und Vincent einfach nur schön, sondern die Beschreibungen von Paris. Ich habe nämlich ganz schreckliches Fernweh bekommen. Dabei hat sie es so wunderbar hinbekommen den wirklichen Charme dieser Stadt einzufangen, mir geht es nämlich auch nie nur um die Touristenplätze, klar muss man diese Orte Mal gesehen haben, aber das wirkliche Flair, der Genuss und den Zauber findet man nun Mal nur abseits. Diese kleinen Winkel, die auch schon viele große Autoren genossen und inspiriert haben, hat sie perfekt einfangen und ich fühlte mich wie dort und ich glaube, das geht auch Lesern so, die noch nicht dort waren, denn es war alles perfekt im Kopfkino. Dazu dann die aufblühende Pflanze der Liebe zwischen Vincent und Emma und e voilá, wir haben Paris.

Ich kann das Buch wirklich nur jedem ans Herz legen, der Humor, Paris und die wunderbare Leichtigkeit des Verliebtseins erleben möchte. Der gerne raus aus dem Alltag will, sich die wunderbare Musik anmacht, die hinten im Buch steht, und einfach nur noch genießen. Dazu noch der wunderbare leichte, witzige und charmante Schreibstil und es ist einfach eine runde Sache. Bravo Frau Popescu, ich bin gespannt, welche Stadt oder Land ich als Nächstes wieder für mich entdecken darf und in was für einen Traumtypen, ich mich wieder mit verlieben werde.

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