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158 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

liebe, geheimnisse, familie, regentage, regen

Das Glück an Regentagen

Marissa Stapley , Katharina Naumann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 07.11.2017
ISBN 9783499291708
Genre: Liebesromane

Rezension:

Mae war noch vor einem kurzen Augenblick, die glücklichste Frau der Welt, aber dann zerbrach alles in tausend Scherben und der Abwärtstrend hält in ihrem Leben an. Ihr Verlobter ist ein Betrüger und hat sich aus dem Staub gemacht, zurück bleiben bedauernde Blicke, Schuldgefühle und ständige Vernehmungen bei der Polizei. Mae möchte einfach nur noch flüchten, und zwar an liebsten zu ihren Großeltern nach Alexandria Bay und ihre Wunden lecken. Das macht sie dann auch, aber dort ist ihre heile Welt anscheinend kaputt, die Großeltern im Streit und plötzlich steht sie auch noch ihre große Jugendliebe Gabe gegenüber. Mae weiß gar nicht wohin mit sich selbst, sie erlebt ein wahres Gefühlschaos und dann lüften sich auch noch mehrere Familiengeheimnisse gleichzeitig. Was verbirgt diese Familie vor Mae? Welche Gefühle hat sie noch für Gabe? Und kann der Ort ihrer Kindheit ihre Wunden heilen?
Was für ein hübsches Cover dachte ich und was für ein gelungener Slogan „Die Menschen brauchen mehr Liebesgeschichten“. Recht hat die Autorin und das sie Kanadierin ist, hat für mich die ganze Sache noch einen ticken lesenswerter gemacht, immerhin hat mein Mann seine Sommer dort verbracht. Allerdings bin ich nicht so der große Liebesroman Leser, meistens dann die Klassiker, die aber immer tragisch enden, oder ganz bestimmt Lieblingsautoren, wo man einfach weiß, sie überspitzen nix und halten Kitsch und Drama in Waage. Ob das Marissa Stapley auch kann, erzähle ich euch nun.

Als ich das Buch zur Hand nahm, wollte ich nur mal kurz reinlesen und war dann auf einmal schon auf Seite hundert und naja, dann liest man halt weiter. Der Anfang macht direkt neugierig, denn wir lesen über Mae‘s Mutter und dem schicksalhaften Tag, der sie zur Waise macht. Dann springen wir direkt zum ersten Teil und dieser beschäftigt sich mit den Hauptfiguren und wie sie sich alle nach Alexandria Bay begeben. Insgesamt ist die Geschichte in drei Teile aufgegliedert und Virginia, Mae‘s Mutter taucht immer wieder einmal auf. Wie ihr seht, es lässt sich schnell und zügig lesen, hat kurze Kapitel und diese werden immer am Anfang mit Tipps versehen, was man an Regentagen in Summers‘ Inn machen kann.

Aber nun kommen wir doch zur ersten Hauptfigur Mae, jetzt eine gestandene Frau, zumindest erschloss es mir zuerst, aber ich sollte mich irren. Der Anfang dieser Geschichte war nämlich wirklich gut. Mae ist erfolgreich in ihrem Job, steht kurz vor der Hochzeit und wartet auf ihren Verlobten, der nicht auftaucht. Aus Sorge um ihn macht sie sich auf den Weg in sein Büro und erlebt die schlimmste Überraschung überhaupt. Einen Zettel mit dem Hinweis, dass er weg ist, für immer. Dieses Drama fand ich äußerst spannend und ich hätte mir gewünscht, dass es in diese Richtung weiter gehen wird. Somit fand ich Mae zuerst ziemlich gut, aber das sollte sich im Laufe des Buches ändern. An einem bestimmten Punkt fand ich sie einfach nur noch grässlich unsicher, übellaunig und total überzogen.

Ihr gegenüber wird natürlich ein tragischer vom Schicksal gebeutelter Mann gestellt. Gabe, hatte eine schlimme Kindheit und wurde mehr von Mae‘s Eltern aufgezogen, als von seinem Vater. Sein Leben ist total durch diese Familie geprägt und das, obwohl sie nicht immer gut zu ihm wahren. Nach seiner Scheidung bekommt er einen Anruf, dass sein Vater im Krankenhaus liegt und aus irgendeiner Gefühlsregung kehrt er zum Ort seiner Kindheit zurück und begegnet der Frau, für die immer noch sein Herz schlägt. Mehr ist da nicht zu sagen. Gabe ist leider wie ein Hund, immer brav, treu und nach Liebe hechelnd. Eigentlich hätte man mal um ihn kämpfen müssen, aber dieser Zug blieb ihm verwehrt.

Und als Drittes im Bunde die Großeltern, auch diese beiden nehmen eine große Rolle in der Geschichte ein, denn irgendwoher müssen ja die schlimmen Geheimnisse kommen. Nur blöd, dass bei der Großmutter gerade Alzheimer immer stärker in Erscheinung tritt und sie ihre Geheimnisse ausplaudert, bevor ihr wieder einfällt, dass sie das nicht machen soll. Das mischt die ganze Geschichte auf, ihre eigene, die ihrer Tochter und ihrer Enkelin. Es ist doch immer das Gleiche, was man im Guten getan hat, verändert sich im Laufe der Zeit, bricht irgendwann ans Tageslicht und verändert alles.

Das Glück an Regentagen fängt eigentlich vielversprechend an und lässt mich am Ende doch mit einem resignierten Schulterzucken zurück. Von Kapitel zu Kapitel baute die Autorin ihre Drama Pyramide auf und haut auch wirklich alles rein, was sie irgendwie zu fassen bekam. Ich mag gar nicht alles aufzählen, das wird nämlich sonst zu lang, aber dadurch verliert sie an Glaubwürdigkeit und verstickt die aufkeimende Liebesgeschichte mal so richtig im Keim. Natürlich wartet die Autorin am Ende mit einer wichtigen Botschaft auf, aber mal ehrlich, das kann es nicht mehr reizen, da sie ihre Geschichte einfach zu unterkühlt rüber bringt und der Funke einfach nicht zünden will.

Marissa Stapley hatte wirklich eine nette Idee, einen starken Anfang und hat sich am Ende in Kitsch und Drama verloren. Dabei zeichnet sie immer nur Dinge an, lässt ihre Figuren gar nicht so richtig mitfühlen und zwingt ihnen ihre Rolle auf. Eine Liebesgeschichte zum Mitfiebern ist diese leider mal so gar nicht.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Café Morelli

G. R. Gemin , Gabriele Haefs
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.09.2017
ISBN 9783551560438
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Joe geht nach der Schule wie immer mit seinem besten Freund ins Chicken Box, um sich dort ihr geliebtes Fast Food zu holen. Aber Joe muss es heimlich naschen, denn seine Mutter hat ein Verbot dafür ausgesprochen. Es ist nur schwer, so was geheim zu halten, da das Familiencafé quer über der Straße liegt. Joe liebt das Café, genau wie sein Großvater abgöttisch und möchte es später übernehmen. Nur das es nicht mehr so läuft, wie früher und seine Mutter darüber nachdenkt, es zu verkaufen und dann trifft sein Großvater der Schlag. Nun hängt alles an Joe, das Café zu retten, seine Mutter zu überzeugen und alte Erinnerungen mit neuem Licht erstrahlen zu lassen. Was er dazu benötigt, ein bisschen Hilfe und am besten von seiner italienischen Cousine Mimi, die allen den Kopf verdreht und Herrlichkeiten in der Küche zaubert. Was wird Joe sich alles einfallen lassen? Welche Zutaten benötigt man für das perfekte Essen? Und kann dieses Café ein Wunder bewirken?
Ich habe Giancarlo Gemin‘s Debüt „Milchmädchen" heiß und innig geliebt. Diese beiden ungleichen Mädchen, die trotzdem Freundschaft schließen und ein soziales Brandgebiet in eine zusammenwachsende Gemeinschaft verwandeln konnten, hatte mich damals total eingenommen und begeistert zurück gelassen. Danach wollte ich unbedingt eine Kuh im Garten. Ihr seht, meine Ansprüche an sein zweites Buch sind groß, und ob ich nun ein Café eröffnen möchte, erzähle ich euch jetzt.

Joe ist ein vierzehnjähriger Junge, der etwas übergewichtig ist, in Wales lebt und italienische Wurzeln hat. Mit seinem Großvater bildet er ein richtiges Team und sie lieben es, zusammen das Abendessen zu kochen. Für beide ist es ein Spaß, Gäste zu bewirten und Leute mit einem Lächeln zu begegnen. Aber die Geschäfte gehen schlecht, die Hauptstraße stirbt aus und die Cafébesucher bleiben fern. Für Joes Mutter nur noch eine Bestätigung, für ihr Vorhaben, zu verkaufen. Aber Joe währt sich und je mehr er von der Geschichte seines Großvaters hört, umso mehr klammert er sich an den Gedanken, später selbst das Café zu führen.

Giancarlo Gemin hat sich hier einigen Themen gewidmet, wie, die Schnelllebigkeit des Internets, die Geschäfte sterben aus und die Konsumenten bleiben zu Hause. Das passiert ja nicht nur in Großstädten, sondern auch in Kleinen und hier trifft es, die Gemeinschaft umso härter. Aber er nimmt sich auch der Geschichte an, indem er den Großvater vom Einwandern erzählen lässt, oder auch vom Krieg, was das Café ausmacht und welchen Stellenwert es in der Familie hat. Hier hängen nicht nur viele Erinnerungen daran, sondern auch Gemeinschaftsgeist und Überlebenswille. Aber wie mit der Zeit gehen? Wie das Café wieder attraktiv machen? Und wie die Kunden wieder dafür begeistern? Und da hat Joe extrem viele Ideen und einen Großvater, der mit seinem Trix auch was beisteuert.

Der Autor beschreibt in seinen kurzen Kapiteln, sehr schnell und zügig von dem Cafè, dem Ort und den Leuten aus Bryn Mawr. Bringt die Geschichte schnell in Fahrt und steigert die Neugier. Dabei lässt er schnell spüren, dass Joes Mutter mit ihrem Latein am Ende ist und sie es einfach nur leid ist, für zwei Leute das Café aufzumachen. Diese Leidenschaftslosigkeit macht natürlich das Arrangement von Joe umso deutlicher, er lässt sich eine Idee nach der anderen einfallen und bringt Leute ins Café. Im wahren Leben vielleicht etwas weit hergeholt, aber überaus entzückend zu lesen. Dabei erfährt er immer mehr von seiner Geschichte und je mehr er hört, umso mehr lernt er, über die Leute und das Leben. Tja, und auch über das Essen und die ersten aufkeimenden Gefühle. So ist die Geschichte ein rundum buntes Potpourri aus Träumen, Wünsche, Liebe, Musik und gutem Essen.

Natürlich ziehe ich als Leser Vergleiche und ich muss gestehen, dass ich sein Erstling stärker fand. Klar sind es grundverschiedene Geschichten, aber er packte mit seinem Debüt einfach einen anderen Zeitnerv. Er führt zwar auch hier eine Gemeinschaft zusammen und zeigt, wie wichtig es ist, daran zu glauben, was man tun muss um nicht aufzugeben, aber es wirkte sich mehr in der Familie aus. Einige Café Ideen fand ich auch recht undurchführbar, aber ein bisschen Freiheit beim Schreiben sei jeden gegönnt. Auch Joe war mir nicht ganz so nah, obwohl er Pasta und Opern liebt und ich diese Leidenschaft teilen kann. Für mich ein bisschen zu viel von allem vielleicht, Geschichte, Einwanderer Probleme, Schuldfragen, Aussterben der Gastronomie und auch Fast Food ist ein Thema.

Giancarlo Gemin kocht hier ein Gericht mit ganz vielen Zutaten, ein paar weniger währen vielleicht besser gewesen, zumindest für meinen Geschmack. Ansonsten wieder sehr humorvoll, einfallsreich und entzückend. Eine Geschichte über Mut und den Willen, nie aufzugeben, wenn es um gutes Essen geht.

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70 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

japan, krieger, fürstabt, kiyoyori, masachika

Die Legende von Shikanoko – Herrscher der acht Inseln

Lian Hearn , Sibylle Schmidt
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 24.08.2017
ISBN 9783737354660
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kazumaru ist der Sohn eines Fürsten von Kumayama. Als dieser stirbt, übernimmt sein Onkel Sademasa so lange die Regierung, bis Kazu alt genug ist, selbst das Land zu übernehmen. Aber Macht und Neid trachten den jungen Kazumaru nach dem Leben, bei einer Jagd, fällt er von einem Felsen und wird für tot erklärt. Aber er überlebt, und trifft im Schwarzem Wald auf einem Hexer, der im durch Zauberei eine Maske anfertigt, die sein ganzes Leben verändern wird. So wird aus dem einstigen Kazumaru, Shikanoko geboren. Nicht nur Krieger, sondern auch die Magie wird seinen Weg begleiten und dieser wird steinig sein, denn die Zeiten im Reich sind im Umbruch. Der alte Kaiser ist krank und die Machtverhältnisse beginnen sich zu verschieben, Intrigen treten an den Tag und neue Feinde erscheinen im Tageslicht. Die größte böse Macht strahlt der Fürstabt aus und er trachtet nach dem Leben des rechtmäßigen Kaisers. Über Umwege wird auch Shikanoko in dieses Szenario gezogen, aber welche Rolle wird er dabei spielen? Welche Kräfte wird er durch die Maske besitzen? Und kann er den Weg des rechtmässigen Kaisers beeinflussen?
Endlich halte ich ein neues Buch von der Autorin Lian Hearn in den Händen und meine Freude darüber könnte nicht größer sein. Was habe ich damals ihre Otori Sage verschlungen und geliebt. Allerdings war mir da schon unklar, warum dieses Reihe als Jugendbuch erschienen ist, denn diese Autorin hält sich bei Brutalität und Körperlichen nicht zurück, hat aber auch einen poetischen Einfluss. Aber egal, ich bin groß genug und ich war gespannt, wie sie die Geschichte diesmal ansiedeln wird. Ob mich Lian Hearn wieder verzaubern konnte, erzähle ich euch nun.

Ich muss gestehen, der Einstieg ist nicht leicht und man sollte die Geschichte mit einem aufgeräumten Kopf angehen, denn zwischendurch mal kurz in die eigene Gedankenwelt abbiegen, geht hier nicht. Man muss konzentriert bleiben, denn jeder Satz könnte wichtig sein. Aber durch die Karte und das Namensverzeichnis findet man sich recht schnell zurecht und steigt gut ein.

Die Legende von Shikanoko ist in der Welt vom alten Japan angesiedelt und das Schöne ist, es geht magisch, mystisch und fantastisch zu. Denn diesmal ist es nicht nur ein Krieger-Epos, sondern die Magie steht im Vordergrund. Ist das nicht ganz wunderbar, gerade in der Kaiserzeit wurde doch viel mit Magie und Aberglaube gearbeitet, mit Ehrgefühl und Treue, aber auch Intrigen und Macht strecken ihre Arme aus. Und mittendrin ein junger Fürst, dessen vorbestimmen Platz man weggenommen hat, der zum Weg der Magie genötigt wurde und dessen Schicksal vieles beeinflussen und verändern wird.

Shikanoko ist gerade an der Schwelle zum Mann, als ihn die Ereignisse überrollen und so sind seine Charakterzüge noch lange nicht gefestigt. Er neigt zum Übermut und handelt überstürzt, lässt sich zu Dummheiten hinreißen und überfordert ganz gern sein Glück. So ist er noch nicht der Mann, der er mal sein wird, und stolpert am Anfang zuerst über die eigenen Füße. Aber er wächst an seinen Aufgaben und seine Entwicklung ist faszinierend mitzuverfolgen. Aber wie immer bei Lian Hearn, ist nicht nur Shikanoko eine Figur, dessen Lebensverlauf wir verfolgen, nein, es sind viele Begleiter und Schicksale, die wir kennenlernen und dessen Funktion sich erst im Laufe der Geschichte erklären. Dabei werden viele Fäden gesponnen, verwoben und die Komplexität nimmt ihren Lauf.

Diese Autorin schafft es allein mit ihrem Setting zu begeistern und einem in eine andere Welt zu versetzten, dazu trägt mit Sicherheit ihre Art zu erzählen bei. Sehr erwachsen, brutal, düster und absolut atmosphärisch ist ihre Wortwahl und bannt einen förmlich in die Geschichte. Dazu kommt, dass sie viele facettenreiche Figuren schafft und ihre Schicksalswege gut miteinander verstrickt. Dabei hält Lian Hearn das Gleichgewicht extrem gerecht, zwischen Gut und Böse und überfordert ganz gern mal die Nerven ihrer Leser, denn wir sind mit einigen Entwicklungen bestimmt nicht einverstanden, zumindest ich nicht, aber ich kenne das ja schon aus der Otori Reihe und da mussten lieb gewonnene Charaktere auch den Buchseitentod sterben. Aber ich werde hier nichts weiter verraten, dafür ist die Geschichte viel zu komplex und einfach viel mehr wert, wenn man diese selbst entdecken.

Die Legende von Shikanoko hat mir richtig gut gefallen, ein Fantasy Epos von Feinsten, mit dieser wunderbaren asiatischen Welt, wo Farben miteinander spielen und Magie förmlich in der Luft schwebt. Unglaublich toll und atmosphärisch geschrieben und man möchte nach dem Ende unbedingt Teil zwei lesen. Shikanoko ist noch lange nicht aus erzählt.

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151 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

cambridge, boxen, pitt club, gesellschaftskritik, der club

Der Club

Takis Würger
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 22.02.2017
ISBN 9783036957531
Genre: Romane

Rezension:

Hans lebt mit seinem Eltern abgeschieden im Wald und mehr benötigt er auch nicht. Er ist ein Außenseiter und bis auf seine Liebe zum Boxen eher Menschenscheu. Aber das Schicksal, meint es nicht gut mit ihm und macht ihn früh zum Waise und statt zu seiner Tante nach England zukommen, schickt sie ihn ins Internat. Kurz nach seinem Abschluss erhält er einen Hilferuf von ihr aus Cambridge, er soll hier in ihrer Universität studieren und ein Verbrechen aufklären. Dafür muss er aber unbedingt Mitglied des legendären Pitt Clubs werden. Für Hans eine unglaubliche Aufgabe, vor allem, da ihm seine Tante nicht mehr verrät. Wird er es schaffen, dem Club beizutreten? Kann er sich in der Welt der Snobs behaupten? Und wird er das Geheimnis auflösen können?
Dieses kleine Büchlein ist wie aus dem Nichts aufgetaucht und hat mich nach seinem Erscheinen regelrecht verfolgt. Ich hatte das Gefühl, es ist überall und jeder kennt es, oder hat es gelesen. Meine Timeline im Sozialen Netzwerk, quoll über und mein Buchhändler des Vertrauens hatte es auch vor Ort. So musste ich es, doch mal zur Hand nehmen und der Inhalt versprach richtig gute und spannende Unterhaltung. Es musste mit, nun ist es auch verschlungen und es wird Zeit euch davon zu berichten.

Hans war mir von der ersten Seite an sympathisch. Eher ein ruhiger Mensch, der mit der Masse und ihrer Art nicht ganz klarkommt. Der sich lieber zurückzieht und gern mit Abstand beobachtet. Einer, der sich oft, fehl am Platz fühlt und sich nicht für großen Small Talk berufen fühlt. So ein Mensch soll sich dann unter die Elite mischen und in einem Club eintreten, der nur so vor Egomanen und Exzentrikern wimmelt. Was natürlich den Reiz an der Geschichte ausmacht, wie soll er sich da behaupten, wie reinkommen und welche Attitüden muss er dafür beherrschen lernen. Schnell wird klar, allein schafft er es nicht, er strahlt einfach nicht das passende Ego aus und so bekommt er Charlotte zur Seite gestellt und diese junge Frau ist nur ein Anstoß für Veränderung. Denn diese Universität verändert Hans, ob zum Guten oder schlechten muss der Leser eben selbst herausfinden.

Takis Würger hat in seinem ersten Buch auch seine eigene Zeit von Cambridge verarbeitet. Ein Jahr Elite und Clubs, Einzelunterricht und eine Welt, die man als normal Sterblicher in einer anderen Zeit, sogar Jahrhundert vermutet und anscheinend gibt es diese Welt doch. Die Geschichte ist erfüllt von vielen Klischees und doch hat man das Gefühl, so ist es doch auch in Wirklichkeit. Junge Männer, die was im Kopf haben und doch meinen, sie dürften sich alles erlauben, weil sie was Besseres sind. Tja, und wenn man einmal dazugehört, ist es ein tolles machtvolles Gefühl, es verbindet und macht alle zu Brüdern, genau hier tappt auch Hans in die Falle und fühlt sich zum ersten Mal angekommen im Leben. Aber ist dieses Gefühl mehr Schein oder Sein.

Geschickt erzählt der Autor seinen Roman aus verschiedenen Sichten, da haben wir natürlich Hans, mit dem wir dieses Wechselbad miterleben. Aber auch seine Tante, die voller Geheimnisse und einer starken Dunkelheit beherrscht wird. Des Weiteren haben wir Josh, ein Sohn reicher Eltern und er zeigt uns, wie man in der Welt groß wird und welche Wirkung sie haben kann. Außerdem gibt es noch Charlotte, die Hans hilft in den Club zu kommen, aber auch sie trägt eine Traurigkeit in sich, die schwer zu packen ist. Eine ganz eigene Welt und doch packt sie uns beim Lesen, lässt uns in Abgründe schauen und spielt mit unseren Gefühlen. Diese Mischung aus, Spannung, gesellschaftlichen Schichten, Liebe, aber auch seinen eigenen Weg zu finden, hat Takis Würger in kurzen und einfachen Sätzen beschrieben. Er schlägt einen schnellen Takt an, baut einen raschen Sog auf und lässt einen wirklich erst wieder los, wenn das Buch beendet ist. 

Der Club ist eine traurige und berührende Geschichte, die einnehmend erzählt wird. Uns in eine Spiegelwelt der Reichen entführt und uns über Werte und Freundschaft nachdenken lässt. Ein Buch, was sich schnell verschlingen lässt, aber auch zu rasch vergänglich ist und trotzdem war ich im Augenblick des Lesens total gebannt. Ich bin sehr gespannt, was dieser Autor noch zu erzählen hat.

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305 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

jay kristoff, amie kaufman, liebe, raumschiff, illuminae

Illuminae

Amie Kaufman , Jay Kristoff , Gerald Jung , Katharina Orgaß
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423761833
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kady hat sich von ihren Freund Ezra getrennt und dachte zu diesem Zeitpunkt, es wäre das aller schlimmste in ihrem Leben. Nur ein paar Stunden später steht ihre Welt Kopf. Ihr Planet wird angegriffen und sie sieht wie die Menschen um sie herum sterben, aber ihr gelingt die Flucht auf ein Raumschiff und auch Ezra wird gerettet, nur sind sie nicht am selben Ort. In der Hoffnung, nun den Schaden zu begrenzen und Hilfe zu holen, sind sie noch lange nicht außer Gefahr, denn die feindlichen Schiffe nehmen die Verfolgung auf. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und nicht nur der Feind sitzt ihnen im Nacken, nein, auch ein Virus hat sich beim Angriff eingeschlichen und auch AIDAN, die künstliche Intelligenz der Flotte, spielt auf einmal verrückt. Wird der Flotte die Flucht gelingen? Wie können Kady und Ezra helfen? Und was für ein Virus ist das?
Ich glaube, jeder aber auch wirklich jeder, hat schon mal dieses Cover gesehen. Immerhin ist das Buch im englischen Raum ein absoluter Hype und ich muss mir eingestehen, ich war sehr neugierig. Momentan lasse ich mich da total beeinflussen und doch, werden nicht immer die Erwartungen erfühlt. Da ich aber gerade auch meine Raumschiffliebe wieder entdeckt habe und mich gern auf Neues einlasse, habe ich das Abenteuer gewagt und nun berichte ich euch, ob es mich überzeugt hat.

Total unvorbereitet, was da auf mich zukommt, habe ich die erste Seite aufgeschlagen und eine E-Mail kam zum Vorschein, diese Informierte einen über das weiter folgende Material. Tja, und das waren E-Mail, Chats, Protokolle und Überwachungskameraberichte. Ich fühlte mich wie ein hohes Tier, was eine FBI Akte lesen durfte und sich aus den Aufzeichnungen sein Urteil bilden soll. Das Ganze hatte schon ein bisschen was von einem Voyeur. Aber ich fand das außergewöhnlich, beeindruckend, wie man so eine komplette Geschichte erzählen kann und wirklich was Grund anderes. Durch diese Kommunikation lernen wir auch die beiden Hauptfiguren kennen, Kady und Ezra.

Diese beiden lernen wir als Erstes durch ihre Vernehmung nach dem Überfall auf den Planeten kennen. Beide können das Geschehene nicht wirklich verarbeiten und begreifen, dazu sind ihre Gefühle viel zu durcheinander, für sie steht die Trennung noch im Vordergrund. Während der Zeit lernen wir sie besser kennen und erleben mit, wie beide über sich hinauswachsen. Kady ist ein ernstes Mädchen, mit bitterbösem Humor und einer fordernden Art. Sie ist ein absolutes Hackergenie und wird durch die Situation zu kriminellen Handlungen verführt, denn sie will wissen, was los ist und sie will die Wahrheit. Da ist sie wie ein Terrier, beißt sich fest und lässt nicht mehr los.

Dagegen ist Ezra ein Waisenknabe, er ist so eine Art Sunnyboy, immer ein lockerer Spruch auf den Lippen, etwas treudoof, aber auch dazu bereit für seine Liebe zu kämpfen. Er findet Kontakt und schließt schnell Freundschaften, seine saloppe Art lockert so einige Situationen auf und er bringt die romantischen Gefühle mit. Allerdings nimmt er auch vieles schneller als gegeben hin, fragt nicht ständig nach und hinterfragt auch nicht, da ist er ein bisschen wie ein gutmütiges Schaf. Seine Stärken befinden sich einfach woanders und er wird uns noch überraschen.

Ich glaube, an sich wäre die Story gar nicht so groß, hier ist es einfach das Gesamtkonzept. Aus zwei starken Figuren, im Welthalt, auf der Flucht und dann die ganze Darstellung dazu. Es hat wirklich etwas von ganz großen Kino Blockbuster, da können wir ja auch nicht in die Köpfe hinein schauen und müssen Bilder sprechen lassen und das schaffen die beiden Autoren ganz genial. Man ist trotz der Eigentlichen nur Berichterstattung mittendrin, kann das Geschehene greifen, rauscht mit Ezra durchs All, hackt mit Kady AIDAN an und hat das Chaos und die tickende Uhr im Auge. Der Leser rauscht förmlich durch die Seiten und erlebt mit, wie die Lage sich immer mehr zuspitzt und aussichtsloser wird, die Fingernägel leiden unglaublich. Ich hatte unglaubliches Lesevergnügen und bin total begeistert von diesem Auftakt und ich will mehr, viel mehr. Eins muss ich noch erwähnen, die Sprache, mir hat es, irre viel Spaß gemacht, zwischen rotziger jugendlicher Sprache und abgefahrenen Supergenies, sowie von Standard mäßigen Protokollsprache hin und her zu schalten und das fand ich mega gelungen, allein die geschwärzten Schimpfwörter waren eine Wucht.

Machen wir es kurz, wer gerne SciFic Filme schaut, sollte hier zu schlagen, es ist einfach ein genialer Spaß. Wer allerdings ellenlange Gefühlsbeschreibungen benötigt um Figuren zu fassen zubekommen, der sollte hier lieber die Finger von lassen, das kommt nämlich zu kurz und muss zwischen den Zeilen herausgefiltert werden. Ich fand das Ganze wirklich mega spannend unterhaltsam und kann nur sagen, lest es!
 

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

liebe, kochen, atlantik verlag, istanbul, orient

Der Meisterkoch

Saygin Ersin , Johannes Neuner
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 05.10.2017
ISBN 9783455001488
Genre: Romane

Rezension:

Im Istanbuler Haushalt des Kaufmanns Zümrützade wird hoher Besuch erwartet, nämlich der Waffenmeister des Sultans. Nur für ihn sollen die erlesensten Speisen aufgetragen werden und nur sein Koch soll sie zubereiten. Die Zusammenkunft fällt trotzdem anders aus, als erwartet und am Ende ist der Kaufmann seinen Koch los. Dieser Küchenchef ist ein Künstler seines Berufs, er beherrscht die Zubereitung wie kein anderer und soll im Topkapi-Palast nun für Genuss sorgen. Sein Ruf ist ihn vorausgeeilt und sein kulinarischer Ehrgeiz wird in der Sultanküche vorausgesetzt. Hier steht ihn die ganze Palette an Lebensmitteln und Gewürzen zur Verfügung und hier kann er, fasst an seinem Ziel, mit seinem Talent wirken. Denn dieser Koch hat nicht nur Gaumengenüsse zu bieten, sondern auch eine ganz andere Absicht im Kopf. Er möchte nämlich seine große Liebe wieder finden. Wie will das der Meisterkoch anstellen? Welche Macht hat sein Essen? Und für wem schlägt sein Herz?
Allein diese Gestaltung ist ein wahrer Augenschmaus und der Inhalt verspricht doch wirklich vielversprechende Lesestunden in einer ganz anderen Welt. Ich finde es großartig, das der Atlantik Verlag diese türkische Geschichte veröffentlicht, obwohl wir doch momentan mit Sorge unsere Blicke in diesem Land schweifen lassen. Denn dieser Ort hat so viel zu bieten und gerade Istanbul ist so ein weltlicher Platz in denn Moderne und Altes zusammen harmonieren. Der Oxident mit dem Orient verschmilzt und die Kulturen so lebendig sind und doch herrscht jetzt Unbehagen in der Welt. Da ist doch ein bisschen Zauber angesagt und was verbindet Völker am meisten, gutes Essen.

Wir steigen auch direkt beim Essen ein, denn im Hause des Kaufmanns gibt es eine wahre Festtafel und eine Speise, wird von der nächsten übertroffen. Es wird geschlemmt, gelacht und dann passiert es, der Koch hat etwas zubereitet und das, obwohl bekannt ist, dass der Waffenmeister dieses Mahl auf den Tod nicht ausstehen kann und da wird einem beim Lesen schon bewusst, das unser Küchenmeister mehr ist, als nur ein Koch. Denn das Erstaunen bricht nicht ab, als die Wache kommt und ihn mit in den Palast nimmt und er schon mit gepacktem Bündel wartet und noch mehr werden die Augen groß, als der Meister der Sultansküche, den neuen Koch beiseite nimmt und ihn kennt. Sofort ist die Neugier beim Leser geweckt und man ahnt, hier stimmt was ganz und gar nicht, was heckt dieser Koch aus.

Damit fängt die Geschichte an und wir erfahren nun in jedem Kapitel vorab,  woher der Koch kommt, wie sein Leben verlaufen ist und welche Beweggründe ihn zu seinem jetzigem Handeln führen. Und es ist eine wahre Abenteuerreise, denn unser junger Mann ist ein Beherrscher der Geschmäcker. Er beherrscht es wie kein Zweiter, ein Essen wohlschmeckend zu machen, aber nicht nur das, er verwendet auch ein bisschen Magie, denn er weiß, mit welchen Lebensmitteln und Gewürzen er die Gefühlswelt des Essensverkosters beeinflussen kann. Somit hat er eine unglaubliche Macht, über den Mann und den Palast. Nun fragt man sich unweigerlich, was hat er genau vor und wie will er seine Aufgabe erfüllen. Spannend und magisch kocht man sich mit ihm durch die Kochtöpfe, schnuppert dabei Gewürze, spürt die Hitze und watet durch den Dampfnebel der Küche.

Ich finde, Saygin Ersin hat ein wahres Märchen geschaffen, was einen in eine Zeit führt, die noch voller Magie bespickt ist. Da ich selbst schon in Istanbul war und auch einen kleinen Teil des Topkapi-Palastes besucht hatte, habe ich sofort ein Gefühl dafür gehabt. Diese riesige Anlage, mit ihren bunten Fliesen und ihren unglaublich schönen Bauten, ließen wahrhaft einen vor Augen, die Figuren der alten Zeit erscheinen. Die bunten Stoffe, das Wilde schnattern der Haremsdamen und die einheitliche Palastgarde. Ein wahrer Film aus Farben und Gerüchen, der Autor hat hier wirklich einen zauberhaften Blick ins Istanbul um 1600 geschaffen und einen unglaublich in diese Zeit hineingezogen. Aber nicht nur Istanbul ist ein Schauplatz seines Geschehens, nein, der Meisterkoch muss ja erst mal Meister werden und dafür auf Reisen gehen.

Für mich sprüht dieser Roman nur so von Magie und Märchenhaftem. Der Autor Saygin Ersin schafft mit seiner bildhaften Sprache eine wahre Farbenpracht und mit seinen Beschreibungen über das Essen, sorgt er ständig für Hunger. Seine Geschichte ist nicht nur der Weg eines Meisterkochs, sondern auch der Weg zu sich selbst und natürlich, sorgt er auch für die große Liebe. Ich habe dieses Schmuckstück unheimlich gern gelesen und finde, jetzt ist die perfekte Zeit dafür.

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552 Bibliotheken, 39 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

fantasy, das lied der krähen, leigh bardugo, krähen, grischa

Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

In den Straßen von Ketterdam kämpfen einige Banden um die Vorherrschaft ihrer Gebiete und darunter auch, der schlaue Kaz und seine Krähen. Geschickt intrigiert er, führt selbst seine Leute an der Nase rum und tappt doch selbst in eine Falle. Die Kaufmannsgilde tritt unter ungewöhnlichen Mitteln an ihn heran und hat einen besonderen Auftrag für ihn. Er soll hoch in den kalten Norden nach Fjerda, wo Schnee und Eis regieren und in die uneinnehmbare Festung einbrechen und einen Gefangenen befreien. Dieser Gefangene hat nämlich ein Mittel erfunden, der das komplette Reich ins Verderben stürzen könnte. Da der Kaufmannsrat weiß, das Kaz nicht mit heroischen Gedanken zu packen ist, bietet man ihn viel Geld, sehr viel Geld, womit er ein neues Leben beginnen könnte. Eine unlösbare Aufgabe, aber Kaz wäre nicht Kaz, wenn er nicht schon einen Plan im linken Ärmel hätte. Nun heißt es, eine Mannschaft zu finden und das Abenteuer beginnen zu lassen. Wird er die passenden Leute finden? Kann sein Plan überhaupt funktionieren? Und was wird ihn erwarten?

Obwohl ich ihre Grischa Trilogie besitze, aber diese immer noch nicht gelesen habe, wollte ich auch unbedingt ihr neustes Werk lesen. Immerhin ist die Frau hochgelobt und steht für gute Fantasy. Aber allein die Beschreibung von ihren sechs Helden ist so klasse gewählt, das man neugierig wird und einfach mit ins Abenteuer springen möchte. Ich habe es getan und bin als blinder Passagier mit ans Bord gegangen, ob mir die Reise gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Die Geschichte fängt auch direkt turbulent und geheimnisvoll an. Wir erleben mit, was dieses Mittel, des Wissenschaftlers, auslöst und welche Grausamkeit damit zutage gebracht wird. Und in der nächsten Szene stehen wir mitten in den Straßen von Ketterdam und erleben eine Bandenschlacht mit. Es ist wie ein Kaleidoskop bunt, wild, die Orientierung fehlt und man muss sich erst mal am Rand festhalten, damit sich die Welt ein bisschen langsamer dreht. Zuerst dachte ich, damit komme ich nicht klar und das wird harte Arbeit. Beziehungsweise hatte ich dann doch die Befürchtung, dass ich vielleicht besser die Grischa Reihe gelesen haben sollte. Aber ein Blick ins Regal beruhigte mich, denn es sind andere Figuren, nur die Welt ist die Gleiche und in dieser findet man sich doch dann sehr schnell zurecht.

Die Geschichte wird nicht allein von Kaz erzählt, der zwar der Anführer und auch ein bisschen die Hauptperson ist, aber es wechselt dann ständig zwischen seinen „Freunden“ oder besser „Verbündeten“ ab. Dieser Schachzug der Autorin ist verdammt gut gewählt, denn obwohl ihre Figuren noch sehr jung sind, tragen sie schon viele Wunden und ihre Augen, haben das Leid der Welt gesehen. So hat jeder seine eigene Geschichte und eigene Beweggründe, die man durch ihre Sicht besser kennenlernt und versteht. So wird jede Figur plastischer, greifbarer und man entwickelt Vorlieben. Ich muss gestehen, ich bin ein Fan tragischer Liebesgeschichten und hier stehen sich Nina, die Magierin und Matthias, der Hexenfänger gegenüber und haben sich sehr schnell in mein Herz geschlossen. So wurden natürlich ihre Kapitel in rasanten Zügen verschlungen. Aber jeder hat was, keiner ist uninteressant oder langweilig. Jeder hat seine eigene Sprache und trägt zum Abenteuer bei. Ich glaube, diese Figuren und ihre erzwungene Zweckgemeinschaft sind der Kern der Geschichte und auch das Highlight.

Aber auch ihre Aufgabe ist nicht von der Hand zu weisen. Allein durch die Karten im Buch ist man schon über die unlösbare Aufgabe informiert, aber dann jeden Schritt mitzuverfolgen ist der absolute Hammer. Immerhin sollen sie in einen Hochsicherheitstrakt einbrechen, dort den Wissenschaftler befreien und wieder abhauen. Es ist noch niemanden gelungen dort einzubrechen und dann wollen unsere Sechs das einfach Mal eben machen. Ein Team, was sich nicht kennt, zusammenwachsen muss, sich eigenen Konflikten stellen muss und so für viele Überraschungsmomente sorgt. Die Spannung baut sich von Anfang an stetig auf und lässt einen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil es einfach unerträglich wird. Besonders gut hat mir gefallen, dass es nicht abnimmt, dass die Autorin dieses hohe Level einfach beibehält und zum Schluss in einen Cliffhanger enden lässt. Rasende Ungeduld ist nun mein Gefährte, bis der zweite Band erscheint.

Leigh Bardugo hat mich absolut begeistert und mir gezeigt, wie großartig sie erzählen kann. Sie hat nicht nur einen Fantasyroman geschrieben, sondern ein Abenteuer erzählt, mit erstklassigen Charakteren. Starke Figuren und so außergewöhnlich individuell, dazu noch einen herzerfrischenden bösen Humor und eine Welt, die einfach zum Entdecken einlädt. Ich mußte mich den begeisterten Stimmen einfach anschließen und unbedingt diese Achterbahnfahrt lesen.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

nacktbaden mit dem teufel, liebesroman, sandra henk, herzchenkonfetti, liebesgeschichte

Nacktbaden mit dem Teufel

Sandra Henke
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 30.09.2017
ISBN 9781976407390
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nathan X. Winchester ist der Sprössling eines großen Familienunternehmens und er, kauft gerade alle Grundstücke am Golden Lake auf. Nur eine Familie leistet erbitterten Widerstand und lehnt jedes Angebot ab. Carly und ihre Großeltern wollen ihr Heim nicht aufgeben und halten standhaft die Stellung. Allerdings wird ihr Kampf auf die harte Probe gestellt, denn das Leben meint es gerade nicht gut mit ihnen, denn auf jede Katastrophe folgt die Nächste. Für Carly ist ganz klar, daran ist dieser vermaledeite Winchester Schuld und sie überlegt fieberhaft, wie sie ihn diskriminieren kann und taucht bei seiner Geburtstagsfeier, als Mädchen mit zweifelhaftem Ruf auf. Aber anstatt ihm zu schaden, schadet sie sich selbst, denn ihr Herz geht bei seinem Anblick verloren. Wird sie ihr Heim verteidigen können? Kann sie Nathan die Stirn bieten? Und ist Nathan X. Winchester wirklich der böse knallharte Geschäftsmann ohne Gefühle?
Es gibt Neues aus der Herzchenkonfetti Abteilung und ich freute mich sehr darauf, denn Band eins hat mein Herz in Sturm erobert. Mit frischen Ideen, liebenswerten Figuren und romantischem Schlagabtäuschen konnte mich Sandra Henke komplett überzeugen und ich hatte herrliche Lesestunden. Nun kommt Teil zwei und ich muss sagen, ein gut gewählter Zeitpunkt, denn Liebesgeschichten zum regnerischen Herbstwetter sind einfach perfekt. Aber schauen wir Mal, ob mich dieses Paar begeistern konnte.

Carly ist ein stures, explosives und hitzköpfiges Mädel. Sie arbeitet in einem Dinner und weiß genau, wie sie mit dem Kunden flirten muss, um noch ein bisschen mehr Trinkgeld zu bekommen. Aber ihre wahre Leidenschaft gilt den Töpfern, nur hat es da nie mit dem Erfolg geklappt. So kämpft sie, mit ihren Großeltern gegen Goliath und allen kleinen Problemen, die eine einsame Gegend mit sich bringt. Da wären Geldnöte, gesundheitliche Probleme und die Aussicht, alles zu verlieren, was sie liebt. Ich muss sagen, dass ich Carly nicht einfach fand. Ständig hitzblütig, unüberlegt und auf Ärger aus, dominiert sie die Geschichte sehr stark und lässt kaum Platz für andere. Am Anfang hatte man noch seinen Spaß und konnte mit Carly richtig schön mitgehen, sich, wie sie reinsteigern und frustriert die Augen rollen, aber mit der Zeit wurde es doch ein bisschen zu viel, des überbrodelnden Temperamentes. Trotzdem geht man mit diesem frechen Cowgirl mit.

Dagegen wirkte Nathan schon regelrecht brav und der Gute hatte es nicht einfach, in der Geschichte seine Position als Teufel zu behaupten. Am Anfang war er der geheimnisvolle und unnahbare Geschäftsmann, dass es in ihm anderes aussieht, wird ganz schnell klar. Auch seine Gefühle stehen ihm schnell ins Gesicht geschrieben und so war er eigentlich der nette Typ von neben an, der sich in die explosive Dame verliebt hat. Ich hatte ehrlich gesagt etwas Mitleid mit ihm, bei den ganzen Mühen, die er sich aufgehalst hatte. Aber so hebt er sich von den ganzen Bad Boys schön ab und ist einfach zum Verlieben.

Nacktbaden mit dem Teufel muss Sandra Henke unglaublich Spaß beim Schreiben gemacht haben und diese Freude ist absolut spürbar. Hier lässt sie ihre kleinen Teufelchen tanzen, miteinander kämpfen und streiten. Darauf ist ihre ganze Geschichte ausgelegt, ein Paar, was zusammen die Luft brennen lässt, aber ständig unter Strom steht und für regelmäßige Explosionen sorgt. Für mich allerdings war der zweite Teil nicht ganz so toll, wie der Erste. Ich hatte meine kleinen Probleme mit manchen Sätzen, die mir zu schmalzig, oder zu sehr nach Liebesschnulze klangen, das war im ersten Band dezenter eingesetzt, aber hier hauten sie voll rein und ich muss sagen, das trifft einfach nicht meinen Nerv. Sexy ist okay, aber übertrieben schlüpfrig ist dann doch für mich zu viel. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt am Rande. Ansonsten hatte ich herrlichen Spaß, an Wutanfällen, romantische Seeschlachten und turbulente Zweisamkeit. Ich finde, diese beiden sind perfekt für einen herbstlichen Sturmabend.

Herzchenkonfetti lässt das romantische Herz höher schlagen und sorgt für köstliche Unterhaltung, auch wenn es für mich ein bisschen zu dick aufgetragen war, bin ich gespannt, ob das nächste Paar wieder genau meins ist.

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162 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

essex, liebe, aberglaube, london, pfarrer

Die Schlange von Essex

Sarah Perry , Eva Bonné
Fester Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.09.2017
ISBN 9783847900306
Genre: Romane

Rezension:

Cora Seaborne ist nun Witwe und streift die Fesseln der Ehe ab, in dem sie ihr Haus in London verlässt und nach Essex reist. Dort frönt sie ihrer Leidenschaft, nämlich den Traum eines großen Fundes als Naturwissenschaftlerin. So erkundet sie die Landschaft, geht stundenlang spazieren und ist glücklicher als je zuvor. Durch Erzählungen von Bekannten wird sie auf das Küstenörtchen Aldwinter aufmerksam gemacht und dem Ungeheuer, was sich dort rumtreiben soll. Natürlich ist ihre Neugier geweckt und schon kurz danach stattet sie den Ort einen Besuch ab und trifft auf den Pfarrer. Beiden wurde schon durch Briefe einander vorgestellt und beide hatten unterschiedliche Vorstellungen. Cora dachte, der Mann wäre alt und verbohrt und Pfarrer Ransome erwartete, eine verbitterte alte Frau anzutreffen. Nun stehen sie sich gegenüber und müssen über ihre Fehleinschätzung lachen, schnell entwickelt sich eine Freundschaft, in dem sie sich unaufhaltsam streiten und diskutieren. Oder sind da vielleicht noch mehr Gefühle im Spiel? Was ist dran an der Schlange von Essex? Und geht aus der Landpartie außer Chaos, auch was Gutes hervor?
  Hier muss ich sofort gestehen, ich bin ein Coveropfer. Diese Buchgestaltung ist einfach eine Wucht und fällt ins Auge und man muss einfach den Klappentext lesen. Selbst, das die Geschichte um 1893 spielt und ich, eigentlich nicht so der Fan von historischen bin, bereitete der Begeisterung keinen Abbruch. Auch, das der Roman den britischen Buchpreis gewann, machte es einfach noch verlockender trotz meiner momentan schlechten Erfahrung mit hochgelobten Büchern. Ich war Feuer und Flamme für dieses Buch und habe mit Begeisterung hinein gestöbert. Ob ich am Ende auch glücklich geblieben bin, erzähle ich euch jetzt.

Der Roman beginnt mit der Neujahrsnacht und einen jungen Mann am Wasser, ausgelassen und übermütig und dann ziehen Wolken vor den Mond. Die Stimmung wechselt, sie wird rau, beängstigend, Gänsehaut stellt sich auf und man spürt, man ist nicht allein. Später wird der junge Mann tot gefunden und die Geschichte der Schlange von Essex neu geboren. Man spürt sofort, dass diese Zeit noch zum Aberglauben neigt und aus Kleinigkeiten eine große Sache macht. Bald stehen wir mitten in Aldwinter und erleben mit, wie Glaube und Hysterie miteinander ringen.

Aber zuerst lernen wir Cora kennen. Eine noch junge Frau, gefangen in einem Korsett und der Etikette. Gestraft mit einem Mann, der sie gern leiden ließ und dessen Tod ein Wechselbad der Gefühle auslöst. Zwischen Scham und Freude flüchte sie aufs Land, um endlich frei zu sein. Begleitet wird sie von ihrem Sohn, Francis, der auf einen anderen Stern zu leben scheint und Martha, ihre Angestellte und Freundin. Cora blüht auf, läuft mit ungekämmten Haaren und im Männermantel durch den Schlamm der Landschaft und fühlt sich pudelwohl. Diese Befreiung macht sie unglaublich sympathisch und man ist gern mit Cora zusammen. Bei ihr erlebt man die Seiten der Gesellschaft gut mit, kleingehaltene Ehefrau und interessierte Witwe, die sich ihre Meinung nicht mehr nehmen lässt. Aber trotzdem, ab und zu, auf die schiefe Bahn gelangt und gemaßregelt werden muss. Man spürt, dass hier schon das Bild der Frau im Wandel ist.

Natürlich kommt ein Mann in Coras neuen Leben vor, aus dem alten hat sie noch einen Arzt im Schlepptau, und zwar Pfarrer William Ransome. Ein gebildeter Mann, der mit Frau und seinem drei Kindern in einem kleinen Ort lebt, der im nirgendwo liegt. Cora kann nicht glauben, was sie dort vorfindet und ist sprachlos, dass William diese Existenz reicht, beide halten mit ihrer Meinung nicht hintern Berg und liefern sich gern ein Streitgespräch nach dem anderen, aber nicht nur das blüht in ihnen auf, sondern auch eine unaufhaltsame Anziehungskraft. Bei William fällt mir nur ein, er ist auch nur ein Mann, aber sympathisch und mit einem guten Herzen.

Das sind eigentlich die beiden Hauptfiguren, aber in ihren Flugschneisen gibt es noch genug Freunde, Bekannte und Dorfbewohner, die alle mitspielen und jeder für sich eine tolle Figur abgegeben haben. Es war ein richtiges Spektrum aus Verwirrungen aus Liebe, Angst, Pflicht, Glauben, Wissenschaft, Freundschaft, Geheimnissen und je weiter man lass umso mehr spitze sich manche Lage zu. Natürlich darf die Schlange nicht vergessen werden, die immer wieder für Aufregung sorgte. Ein absolut gelungener Mix aus Wandlungen und Herzensangelegenheiten, der sprachlich überaus einnehmend war. Ach, was sage ich, ich fand ihre Wortspiele und Kombinationen erfrischend, gewandt, spielerisch eingeflochten und somit wunderbar atmosphärisch.

So richtig wusste ich nicht, was auf mich zukommen würde, aber ich hatte unglaublich Freude dabei, diesen Roman zu lesen und mich in eine Welt zu begeben, die in Umbruch ist und doch auch auf altes Bewährtes zurückgreift. Das Herz tickt ja in jeder Epoche gleich und füllt einfach Hunderte vonseiten immer wieder neu. Ein herrlicher edel anmutiger und intelligenter Roman, der so viel zu entdecken hatte und mir bis zur letzten Seite gefallen hat. Sarah Perry muss ich im Auge behalten, denn von ihrer Erzählweise kann man süchtig werden.

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98 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

liebe, herzfischen, online-dating, humor, köln

Herzfischen

Britta Sabbag , Maite Kelly ,
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 08.10.2015
ISBN 9783404172610
Genre: Liebesromane

Rezension:

Josy‘s Leben ist aus dem Ruder gelaufen, als ehemaliger Kinderstar findet sie in der Branche keinen Fuß mehr und außerhalb der Medienwelt will sie keiner einstellen. Frustriert, genervt und einfach mit der Welt überfordert, igelt sie sich am liebsten zu Hause ein und träumt sich weg. Bis das Café ihres Patenonkels Hugo kurz vor der Aufgabe steht und sie ihre Hilfe anbietet, denn Josy hat einen Plan. Sie begibt sich gezielt auf Partnerschaftsseiten und sucht potenzielle Opfer, die sie ausnehmen kann, immerhin hat sie damit schon Erfahrung gemacht. Diesmal soll die Sache nur unter einen heroischen Vorwand geschehen. Allerdings hat Josy nicht damit gerechnet, dass einer ihrer Verehrer einen Online Security Agentur einschaltet, der die freche Ausnehmerin aufspüren soll. So sitzen Josy und Simon, jeder vor seinem Computer und versuchen des anderen Herz zu fischen. Wer wird ins Netz gehen? Kann Josy ihren Onkel helfen? Und was macht Simon in Onkel Hugos Café?
Ich mag ja den Humor von Britta Sabbag sehr gern, immer witzig, aber mit der geschickten Hand auch noch tiefe einfließen zu lassen. Es hält sich immer die Waage und bieten herrliche Situationskomik. Nun kommt auch noch Maite Kelly dazu, die wohl ihre Erfahrungen als Kinderstar hier blenden einbringen konnte und wer dieses Duo schon mal live erlebt hat, weiß da geht es kraftvoll zur Sache. Nun schauen wir doch mal, ob es hier auch so ist.

Josy ist ein gefallener Star, als Kind heiß begehrt, dann ausgemustert und nun auf der Straße. Jeder erkennt sie, jeder findet sie super, aber um in der Medienwelt weiter zu arbeiten, reicht es nicht. Was also tun! Hinter der Kasse in einem Supermarkt stehen? Geht nicht, keiner will sie haben, wegen ihres Promistatus. Das macht ihr Leben nicht einfacher, also verkriecht sie sich zu Hause und schaut Filme. Oder verbringt ihre Zeit im großen weiten anonymen Netz. Dort kann sie sein, wer sie will. Keine blöden Fragen, kein erzwungenes Lächeln, sondern kleine Bestätigungen, die ihrer Seele gut tun. Dabei gerät sie allerdings auf die schiefe Bahn und meldet sich bei Partnerschaftsseiten an. Das an sich ist nicht schlimm, aber sie lässt sich auch ganz gern beschenken und so wird daraus eine Idee für die ganz große Geldnummer für ihren Onkel. Josy ist schon liebenswert, sie weiß nicht wohin mit sich, kann schlecht in realen Leben Fuß fassen und schottet sich somit auch von allem Außen ab.

Ihr Gegenstück ist Simon, knallharter Geschäftsmann, der nicht an die Liebe glaubt und lieber die oberflächigen Abenteuer lebt. Er übernimmt diesen Fall im Glauben, schnell damit durchzukommen und übergibt ihn sofort seinen Freund Walli. Aber je mehr Walli davon erzählt, umso neugieriger wird Simon und bald sitzt der selber vor der Tastatur und schreibt einer Fremden. Das Internet und seine Anonymität lassen Josy und Simon offen miteinander umgehen und so kommt der harte Bursche, schon ein bisschen ins Schleudern, aber Job ist Job. Der Mann der Stunde war schon herrlich zu lesen gewesen, der typische Womanizer den es erwischt.

Man merkt an der Geschichte, dass die beiden Autorinnen richtig Spaß hatten, gern haben sie einiges auf die Schippe genommen und auch einiges überzogen. Toll fand ich wirklich ihre Idee, das sich beide nicht nur im Internet treffen, sondern sich auch im realen Leben begegnen und das Katz- und Maus Spiel dadurch, noch eine würzigere Note bekam. Man spürt auch überhaupt nicht die unterschiedlichen Stimmen der zwei Powerfrauen, denn die Grundstimmung blieb bleibend gleich und man hatte zwischen durch schon gerätselt, wer welchen Part geschrieben hat. Aber alles ist eine gelungene runde Mischung geworden.

Herzfischen, ist ein wunderbarer wohlfühl Roman, der das Herz erreicht und mega unterhaltsam ist. Mit liebenswerten Figuren, die einfach Freude machen kennenzulernen und mit zu erleben, welche Entwicklung sie durchmachen. Dazu noch Dialoge, die zum Brüllen sind. Ich hatte wirklich entspannte, glückliche und herzige Lesestunden, auch wenn mir von Anfang an klar war, wie es enden wird. Aber eine Entwicklung zu verfolgen und mitzufiebern macht doch einfach Spaß. Klar könnte ich hier auch kritische Aspekte einfließen lassen, aber ganz ehrlich, ich habe eine tolle Liebesgeschichte bekommen, klar etwas überzogen, aber das hatte ich auch erwartet. Perfekt zum Schmökern vorm Kamin mit Tee und Kuscheldecke.

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367 Bibliotheken, 21 Leser, 2 Gruppen, 84 Rezensionen

dystopie, fantasy, tod, utopie, neal shusterman

Scythe – Die Hüter des Todes

Neal Shusterman , Pauline Kurbasik , Kristian Lutze
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 21.09.2017
ISBN 9783737355063
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Menschheit hat es geschafft und Krankheiten, sowie den Tod, besiegt. Nun leben alle in einer Welt, die weder Armut noch Krieg kennt. Allerdings wächst die Bevölkerung weiter an und dem entgegenzuwirken wurden die Scythe ins Leben gerufen. Sie wurden ausgewählt, um zu töten und für das Gleichgewicht zu sorgen. Sie müssen entscheiden, wer leben darf oder nicht. Dafür haben sie sich für ihr ganzes Leben verschrieben. Um ein Scythe zu werden, muss man bestimmte Eigenschaften an den Tag legen, wie Reue, Mitleid und Gefühle, denn es soll nie leicht werden, diese Berufung auszuüben. So kommt es das Citra und Rowan auffallen und widerwillig in eine Ausbildung rutschen, die sie sich selbst nie ausgesucht hätten. Aber am Ende wird nur einer von beiden auserwählt werden. Da sie beide Lehrlinge von einem Scythe sind, wird ihnen noch eine besonders harte Bürde auferlegt, denn der Auserwählte muss als erste Aufgabe, den anderen töten. Wie werden Citra und Rowan darauf reagieren? Sind sie wirklich bereit Scythe zu werden? Und welche Steine werden ihnen noch in den Weg geworfen?
Was für eine Grundgeschichte, eine Welt, in der die größte Angst besteht, einen Scythe zu begegnen. Naja, und sich resetten zu lassen, man möchte ja mit 160 Jahren immer noch wie 28 aussehen. Aber kann solch ein System funktionieren? Und dann diese beiden, zwei Lehrlinge die zusammen lernen und wissen, dass einer am Ende sterben muss. Was macht das mit ihnen? Wie gehen sie damit um? Dieses ganze Gemisch macht unglaublich neugierig und ich war auf die Umsetzung total gespannt. Ob es mir am Ende auch gefallen hat, erzähle ich euch jetzt.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Citra und Rowan erzählt und nach jedem Kapitelende, bekommen wir Einsicht in das Nachlese-Tagebuch eines Scythes. Nachlesen ist übrigens das nettere Wort für Töten. Außerdem gibt es fünf Abschnitte, die sich der Entwicklung des Geschehens aufteilen. Der Erste widmet sich der Auswahl und wir lernen beide Hauptfiguren kennen. Citra ist impulsiv, strebsam und gibt ungern auf. Dagegen haben wir Rowan, mit seinem Einfühlungsvermögen, seiner guten Beobachtungsgabe und seiner ruhigen Art. Beide ergänzen sich gut, unterstützen sich, versuchen einander zu helfen und geraten dadurch in größere Probleme. Zwischen ihnen bannen sich auch Gefühle an, die sie nicht haben dürfen und wer hier glaubt, es wird eine Liebesgeschichte, hat sich geschnitten, denn dazu haben sie gar keine Zeit. Die ersten drei Monate in ihrer Ausbildung verlaufen gut und dann bricht alles über sie herein und nichts ist mehr so, wie es scheint. Ab dem Zeitpunkt ihrer Bestimmung bricht die Hölle los und ihr gemeinsamer Weg wird sich Grund auf Verändern.

Da ich ja von Anfang der Geschichte etwas erzählt habe, möchte ich euch auch von Anfang meines Leseeindrucks berichten. Ich habe das Buch natürlich unter wenig Lesezeit begonnen und ich kam verdammt schlecht voran und rein. Der Anfang war für mich wie eine Sammlung vieler Stichpunkte, die der Autor abarbeiten wollte und so wirkten die Kapitel etwas abgehackt und alles wirkte noch nicht so rund. Auch die ersten drei Monate Ausbildung war wie eine Kette von Ereignissen aufgereiht, ohne wirklich groß im Zusammenhang zu stehen. Für mich fehlte so ein bisschen Ausschmückung, mehr ineinandergreifen und einfach etwas mehr Zugänglichkeit. Mein Durchhaltevermögen wurde aber am Ende total ausbezahlt. Sobald wir zum ersten Konklave kommen und die Bombe platzt, überschlagen sich die Ereignisse. Dazu möchte ich allerdings nichts verraten, da es einfach euren Lesespaß mindern würde.

Neal Shusterman haut aber ab diesem Moment rein, er verlangt seinen beiden Protagonisten viel ab und auch der Leser wird mit jedem Kapitel unruhiger. Wir erleben ungeahnte Entwicklungen mit und leiden, oh man, man leidet so unglaublich mit. Dazu kommt noch das ganze Blutbad und man denkt sich, nein, das war doch so nicht geplant. Genau hier setzt der Autor gut an. Wir haben zwar alles Böse aus der Welt ausgemerzt, aber hält es die Menschheit auch wirklich ab, nicht schlecht zu sein. Immerhin hat das Scythetum einen Freifahrtschein und lädt zu Machtmissbrauch und Intrigen ein. Ihr seht, da kommt noch ganz viel auf unsere beiden zu und sie müssen sich da durch Ackern und turbulente Zeiten durchleben. Am Ende konnte ich das Buch keine Sekunde mehr aus der Hand legen und hatte einen wahren Leserausch. Ehrlich, damit hatte ich nicht mehr gerechnet, aber es ist einfach wahnsinnig genial.

Scythe ist wirklich ein Hammerbuch mit tollen Figuren und einer Achterbahn an Abenteuern und Machtgeplänkel. Für mich absolut gelungen, überraschend, zackig und unglaublich spannend. Der Anfang war so schnell vergessen und nur noch der Wunsch nach dem zweiten Band war am Ende da.

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

cavaliersreise, homosexualität, jugendbuch, mackenzi lee, 18. jahrhundert

Cavaliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Mackenzi Lee
E-Buch Text: 496 Seiten
Erschienen bei Königskinder, 24.03.2017
ISBN 9783646929591
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sir Henry Montague kann es kaum erwarten, auf Cavaliersreise zu gehen und dem Elternhaus zu entrinnen. Endlich ungestört feiern, trinken und in wilden Tändeleien verwickelt sein. So und nicht anders stellt sich Monty seine Auszeit vor, bevor ihn der Ernst zurück in die Schraubzwinge seines Adelstandes zwingt. Aber sein Vater hat vorgesorgt und stellt ihm einen Aufpasser zur Seite. So wird die Reise nicht nach Monty‘s Geschmack und bei der ersten Gelegenheit, nutzt er seine Unbesonnenheit aus und bringt nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch seine jüngere Schwester und seinen besten Freund Percy. Auf einmal steht die Welt Kopf und die Reisegruppe muss sich den Schwierigkeiten von Wegelagerer und Piraten stellen, aus unbegrenzt feiern, wird ein riesig großes Abenteuer. Was hat Monty angestellt? Warum werden sie verfolgt? Und warum schlägt sein Herz in Percy‘s Gegenwart zu schnell?
Ich muss gestehen, dass mich dieses Cover zuerst etwas verwundert hat, denn ein junger schwarzer Mann und dann eine Cavaliersreise, passte für mich nicht unbedingt zusammen. Dann haderte ich ein bisschen mit mir, ob ich überhaupt noch historische Romane lesen mag, und am Ende, dachte ich an meine Dumas Liebe. Der Klappentext war dann eigentlich der Auslöser, denn er macht nicht nur neugierig, er schafft es, dass man einfach reinlesen will. Und erlebte ich ein turbulentes Abenteuer? Hat es mir gefallen? Nun, das erzähle ich euch jetzt.

Monty ist der Stammhalter der Familie Montague, aber seit ein weiterer männlicher Erbe das Licht der Welt erblickt hat, steht es schlecht um seinen Stand. Aber nicht nur das macht ihm das Leben schwer, nein, auch die unerfüllte Liebe zu seinem besten Freund Percy lässt ihn verzweifeln. So stürzt er sich gern in verruchte Abenteuer, betrinkt sich bis zur Besinnungslosigkeit und hat überhaupt einen zweifelhaften Ruf. Dieses Lotterleben hat natürlich nur bedingt seine Freiheiten und stößt bei der Familie an Grenzen. So hofft Monty, mit seiner letzten Reise nochmals so richtig auf den Putz zuhauen, bevor er sich in Ketten an den Adelsstand binden lässt. Aber es kommt natürlich immer anders, als man denkt, der Vater schickt ihn mit Aufpasser los, ein Kuss vom besten Freund, sorgt noch für mehr Verwirrung und die kleine Schwester nervt. So kommt es das er aus Frust, Unbesonnenheit und Ärgernis sich zu einer Übeltat verleiten lässt. Er beklaut einen Herzog, der in beleidigt hat, und lässt sich bei einem Tete-à-Tete erwischen und rennt auch noch nackt durch den Park von Versailles und das ist erst der Anfang. Ich sage es rundheraus, er ist unmöglich, manchmal schwer von Begriff, ein Tölpel, anmaßend, aber total liebenswürdig. Mein Herz hat er auf jeden Fall auf seiner Seite.

Mackenzi Lee hat es geschafft mir einen historischen Roman schmackhaft zu machen und mich wieder in einer Zeit zu versetzt, die ich mal unglaublich gern besucht hätte. Sie lässt hier ihr dreier Gespann so richtig schön in Abenteuer verwickeln und uns Leser eine tolle Achterbahnfahrt, aus Liebe, Spannung und Gefahr miterleben. Es geht gewitzt voran, dann nimmt das Übel seinen Lauf, es wird gekämpft und die Mauern von Etikette eingerissen. Dabei lässt sie schwierige Themen, wie Homosexualität, der Stand der Frau, Krankheit und Sklaverei unglaublich leicht einfließen, und schafft richtige Tiefe in ihrem Geschehen, ohne ausschweifend zu werden. Die Autorin erzählt beherzt, leicht und doch kommt die Sprache der damaligen Zeit durch und die Atmosphäre aus Prunk, Gold, aber auch Schmutz ist hervorragend eingefangen. Ich kann nur froh sein, dass der Geruch zwischen den Zeilen geblieben ist, aber mein Kopfkino war sehr prächtig.

Erzählt wird alles aus Monty‘s Sicht, der zuerst snobbig daherkommt, übellaunig, ja, sogar anstrengend ist, bis wir ihn verstehen. Er muss die größte Wandlung in seinem Leben machen, sein Leben überdenken und handeln, statt wie eine Marionette zu gehorchen. Was ihm ja eh schwerfällt, aber der Mut ohne Geld zu leben, ist nicht da. Er versucht sich zu arrangieren, bis eine Entwicklung all sein Denken auf den Kopf stellt und Monty wächst. Zum ersten Mal muss er sich mit anderen beschäftigen und sich nicht nur in seinem eigenen elendigen Leben suhlen, Monty neigt nämlich dazu, nur sich selbst zu sehen. Und in Leiden ist er der Größte. Das macht die Geschichte natürlich auch ein wenig lustig und beherzter, durch Monty‘s Sicht sind so einige Dinge glasklar an der Realität vorbei. Aber auch seine Schwester und Percy sind wahrhaft tolle Charaktere, die man unbedingt in sein Leserherz schließen möchte.

Cavaliersreise ist ein Abenteuerbuch, was charmant, humorvoll und atmosphärisch geschrieben ist. Mit Figuren, die das Herz erreichen und uns in eine Zeit blicken lässt, die von der Thematik nicht aktueller sein kann, wenn auch die Grenzen der Gesellschaft sich etwas verschoben haben. Wunderbar, einfach entzückend und bildhaft erzählt. Für mich ein wahrer Lesespaß, der mich total mitreißen konnte.

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59 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

politik, musik, band, verpasste chancen, frankreich

Die Melodie meines Lebens

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 12.09.2017
ISBN 9783455600520
Genre: Romane

Rezension:

Alain hält nach über 30 Jahren den wichtigsten Brief seiner Jugend in den Händen, nämlich die Zusage eines Plattenlabels. Was wäre wohl passiert, wenn er pünktlich gekommen wäre? Wie anders wäre sein Leben verlaufen und wer weiß, welche Hitlisten sie mit ihren Songs erklungen hätten. Aber das ist nun mal nicht passiert, sondern er ist Arzt geworden, wie sein Vater und schwelgt doch in Erinnerungen. Jetzt hält er diesen Brief in Händen, sucht nach den Aufnahmen und findet sie nicht mehr. Da er damals ein Versprechen abgegeben hatte, seine Bandmitglieder zu informieren, versucht er sie nun wieder zu finden und ein letztes Mal diese Songs zuhören. Aber die Suche gestaltet sich nicht gerade einfach. Der eine ist ein verbitterter, überheblicher Künstler geworden, der andere ein rechter Präsidentschaftskandidat, der nächste führt ein Hotel in Thailand und die Sängerin ist nicht aufzufinden. Aber auch der Songtexter und sein Bruder, der Finanzier, machen ihn die Suche nicht leicht. Wird er sie alle finden? Gibt es ein nostalgisches Wiedersehen? Und wird Alain die Songs von damals nochmals hören können?
Was Neues von meinem gegenwärtigen französischen Lieblingsautor und mein Herz schlägt schneller. Was wird er uns wieder erzählen, welchen Genuss können wir erwarten? Tja und wohin lässt er uns diesmal in der Zeit reisen? Ihr seht, ich bin erwartungsvoll, gespannt und absolut vorfreudig gewesen. Ob er mich wieder zum Staunen, Schmunzeln und Verschlingen gebracht hat, erzähle ich euch nun.

Da der Klappentext doch sehr nach Alain ausgerichtet klingt, dachte ich, er wäre die zentrale Figur, aber Pustekuchen. Er ist nur der Anfang, um in viele verschiedene Leben reinzugucken, denn jedes Bandmitglied, ob auf der Bühne, oder dahinter, bekommt seinen Auftritt und somit hat der Autor wieder eine schöne große Bahnbreite zum Erzählen. Wir fangen mit dem eigentlich Unscheinbarsten an, nämlich Alain, sein Leben war eigentlich schon immer bestimmt gewesen. Die Arztpraxis seines Vaters übernehmen, heiraten, Kinder und im guten Wohlstand leben. Dass die Luft aus der Ehe raus ist, die Kinder groß und sich ein typisches dahinplätschern eingestellt hat, ist wohl bei den meisten so bekannt. Als dann aber der Brief auftaucht und er sich wieder an Träume und Sehnsüchte erinnert, wird ihm klar, was er was verpasst hat und versucht dieses Gefühl mit den anderen Mitgliedern zu teilen. Auf der Suche nach ihnen, stößt er auf erstaunliche Erkenntnisse.

Und so tauchen wir kurz ein, in das Leben eines Auswanderers, der, wie soll es anders sein, negative über Frankreich daher zieht. Dann bekommen wir es mit der politischen Fraktion zu tun, nämlich der Rechten und da haut der Autor wirklich richtig rein und spiegelt alle Ängste und Sorgen, die man momentan hat, perfekt wieder und schaukelt es so richtig erschreckend hoch. Natürlich bekommen wir auch noch die andere Seite zu sehen, über einen Unternehmer, der gut beim Volk ankommt und der ohne Partei kandieren soll. Außerdem wird es auch tragisch, denn nicht jeder kommt mit der Moderne klar und wird schwer vom Schicksal im Stich gelassen. Tja und die Kunst kommt nicht zu kurz, denn unser verbitterter, exentrischer Künstler, bietet wirklich ein ganz unbeschreibliches Bild und Kunst, mit der ich so gar nichts anfangen kann und das auch noch erfolgreich. Ts. Natürlich tauchen am Ende, alle in irgendeiner Form auf und alle führen ganz unterschiedliche Leben, was aus der Geschichte ein wunderbares Potpouri aus unserer Zeit macht.

Antoine Laurain kann einfach wunderbar und ganz geschickt Figuren zeichnen, mit Leben fühlen und sie im Wandel der Zeit wachsen lassen. Überhaupt hat er sich eine spannende Zeitepoche ausgesucht, denn er lässt die 80-ziger aufleben und zeigt anhand dieser Spanne an, wie sich die Welt und die Menschen verändert haben. Was damals unmöglich erschien, rast in wahnsinnigen Fortschritt voran. So nimmt er sich unseren alltäglichem Dasein an und bespickt seine Figuren mit dem Wandel von Kunst, Politik und sogar das Fernsehen. Viele Aspekte unseres jetzigen Lebens tauchen auf und sorgen auch für nachdenkliche Stimmung. So geht es nicht unbedingt um diese Band, sondern was das Leben aus einem macht und wohin man sich entwickelt. Beim Lesen hat man somit oft einen Aha-Effekt, oder man Lächelt, weil man sich an besondere Dinge erinnert, oder ist erstaunt, wie sein charmanter und feinsinniger Rundumschlag den Nagel auf den Kopf trifft und wir so einiges aus dem realen Leben wieder erkennen. Aber damit nicht genug, wer die Bücher kennt, weiß das es am Ende immer noch einen besonderen Clou gibt und der ist hier wieder ganz besonders gelungen, denn das Leben steckt voller Überraschungen.

Wer waren Lesegenuss, mit Charme, Nostalgie, aber auch mit überraschenden zeiteinfangenden Worten lese möchte, sollte unbedingt zu diesem Franzosen greifen. Seine Geschichten sind immer mehr, als der erste Schein erwarten lässt und am Ende ist man überrascht, erstaunt, aber auch tief beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit, er solch eine Tiefe schafft. Für mich wieder eine wahre Freude.

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178 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

thriller, dänemark, mord, geheimbund, geheimdienst

Oxen - Das erste Opfer

Jens Henrik Jensen , Friederike Buchinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423261586
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Niels Oxen möchte gern aus der Gesellschaft aussteigen, seine Ruhe haben und niemanden sehen. Deshalb zieht er sich immer mehr und mehr zurück und beschließt mit seinem Hund in den dänischen Wäldern zu leben. Aber so einfach ist das Leben dort nicht, wie er es sich vorgestellt hatte und dazu kommt noch, das Oxen Unglücke irgendwie anzieht. Auf einem nächtlichen Spaziergang möchte er gern das Schloss besuchen und stolpert dort über einen toten Wachmann, in Panik läuft er davon und hofft, nicht entdeckt zu werden. Aber die Polizei findet ihn und ist extrem überrascht, den mehrfach ausgezeichneten Elitesoldaten vor sich zu haben. Was zuerst nur als Zeugenaussage anfängt, entwickelt sich schnell zum Verdächtigen und Oxen bleibt nichts anderes übrig als aktiv zu werden. Was ist im Schloss passiert? Worein ist Oxen geraten? Und warum will ihn der Geheimdienst als inoffiziellen Ermittler?

Ich muss gestehen, dieser Klappentext ist einfach genial gewesen. Elitesoldat, Geheimdienst und dann auch noch Geheimbund, da ist mein Kopfkino regelrecht explodiert, ich dachte schon, Jason Bourne trifft auf Robert Langdon, oder so ähnlich. Also kurz, es klang super und aufregend und dann bekommt man auch noch den Hinweis, dass es der Bestseller aus Dänemark ist. Das löst bei mir immer zwei Dinge aus, Neugier und Angst. Neugier, einfach was Geniales entdeckt zu haben und Angst, den Hype nicht zu verstehen und eine große Enttäuschung mit zu erleben. Wie Oxen jetzt bei mir abgeschnitten hat, erzähle ich euch jetzt.

Ich muss sofort gestehen, der Anfang war sehr anstrengend, zäh, nicht packend und ich hatte mit ständiger Müdigkeit zu kämpfen. Was vielleicht nicht dem Buch verschuldet ist, aber es lies sich auch nicht einfach weg lesen. So war der Einstieg nicht wirklich glücklich für mich, ich mühte mich einfach ab. Es schwankte zwischen traumatisiertem Aussteiger und Mordfälle hin und her, aber es baute sich einfach zuerst kein Sog auf. Also die ersten 150 Seiten waren recht trocken und hart zu bewältigen.

Das mag aber vielleicht auch mit unseren Helden Oxen zusammenhängen, wir lernen ihn nämlich an einer abgründigen Stelle in seinem Leben kennen. Er möchte nämlich raus aus dem System, seine Ruhe haben, nicht Reden und seine innerlichen Dämonen mit Gras und Whisky bekämpfen. Sein einziger irdischer Halt ist Mr. White, sein Hund und treuer Weggefährte. So lebt Oxen mehr vor sich hin und es fällt dem Leser einfach schwer, einen Kriegshelden darin zu entdecken. Erst im Laufe der Geschichte blickt der Soldat durch, allerdings muss er erst den Rost und die steifen Gelenke abstoßen, bevor er wieder rund läuft. Obwohl ich am Anfang solche Probleme hatte, irgendwie in die Geschichte zu kommen und Oxen kennenzulernen, hat sich der Kerl doch noch in meine Lesebegeisterung geschlichen. Je mehr er sich in die Geschichte verwickeln lässt und wir aus seinem Leben erfahren, umso mehr versteht man ihn und empfindet großen Respekt. Ein starker Mann, der mit dem falschen Fuß ins Leben getreten ist und das Unglück magisch anzieht, aber kämpft.

Ihm zur Seite wird aber auch eine unglaublich tolle Frauenfigur gestellt. Margrethe Franck ist Geheimdienstmitarbeiterin und die rechte Hand vom Chef. Sie ist Ermittler, Chauffeurin und steht ihren Mann und das trotz Handicap, denn ihr fehlt ein Bein. Diese Frau wird von Babysitterin mit schlechter Laune, zur knallharten Partnerin. Ihr Zusammenspiel machte die Geschichte erst richtig rund. Erst die Zickerei, das ständige triezen und dann werden sie ein richtiges Team, das hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Aber auch der Hintergrund der Geschichte ist nicht von schlechten Eltern ausgedacht. Jens Henrik Jensen schickt uns mit wenig Wissen ins Feld, und jedes Mal, wenn man denkt, jetzt haben sie es, taucht der nächste Killer auf. Er spielt total gern mit seinem Leser und der Unwissenheit und versteckt seine Morde sehr geschickt, wer denkt, jetzt sind wir dem Bund näher, erlebt grundsätzlich eine Überraschung. Überhaupt seine Intrigen in den Intrigen zu verstricken hat Spaß gemacht und ganz ehrlich, so abwegig finde ich seine Idee um Macht und Geld gar nicht. Wer weiß, wer weiß, ob es ein Tröpfchen Wahrheit in unserer Gesellschaft nicht geben könnte. Zudem legt Jens Henrik Jensen mit seinem Auftakt ein solides Grundwissen fest. Manchmal sind seine Erklärungen ein wenig zu viel, aber am Ende kann ich sagen, ich habe alles verstanden und es kann weiter gehen, denn es geht weiter. Oxen ist noch lange nicht fertig.

Am Ende hat mich Oxen packen können und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen. Ein toller Auftakt mit interessanten Figuren, dessen Entwicklung einfach klasse eingeflochten ist und raffinierte Intrigen, die einem am Ball halten. Ich bin so sehr gespannt, wie es weitergeht.

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

wien, brüder, krimi, polizeigewalt, tod

Schmidt ist tot

Raoul Biltgen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 04.09.2017
ISBN 9783903091313
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schmidt ist krank und liegt zu Hause in Luxemburg im Bett und will seine Ruhe, aber dann klingelt das Telefon. Ein Herr Müller meldet sich und stottert mehr schlecht als recht rum, und bevor Schmidt die Geduld verliert und auflegen will, teilt er dann doch noch mit, dass sein Bruder tot ist. Schmidt kann es nicht glauben, sein Bruder und tot, außerdem soll er nach Wien kommen, das kann doch nur ein Scherz sein. Immerhin war René ein Witzbold und hat schon manch einen makaberen Streich gespielt. Aber nach nochmaligen Bitten folgt Schmidt nach Wien und wartet darauf, dass René jede Minute aus dem Versteck springt und ihn auslacht. Stattdessen findet sich Schmidt auf dem Friedhof wieder und erfährt vom begleitenden Kommissar, dass sein Bruder ein Verbrecher war und Selbstmord begangen hat. Kann das wirklich wahr sein? Schmidt ist hin und her gerissen. Wie gut kannte er seinen Bruder? Welches Leben hat René wirklich geführt? Und warum fühlt sich Schmidt verfolgt? Wird er das Rätsel um seinen Bruder lösen können?
Das ist für mich der zweite Roman von Raoul Biltgen und nach einer traurigen, aber großartigen Liebesgeschichte, bekommen wir nun einen spannenden Krimi erzählt. Ich muss gestehen, ich bin etwas überrascht gewesen, aber auch extrem neugierig und konnte nicht widerstehen und musste sofort hineinschnuppern. Aber ich hätte es mir denken können, schnuppern reicht nicht aus, man liest es sofort durch. Ob es mir auch gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Patrick Schmidt ist der jüngste Sohn der Familie und ist allein zurückgeblieben. Sein Bruder ist schon früh nach Wien gegangen und kam nur selten auf Besuch und die Eltern sind früh verstorben. Danach herrschte Stille zwischen ihnen. So kann man nicht von einem innigen Verhältnis sprechen, dafür waren sich beide nie nah und die Entfernung sorgte auch noch dazu bei. So lebt Schmidt einsam für sich und fühlt sich durch die Situation sehr überrumpelt. Sein Unglaube über den Tod seines Bruders ist spürbar, er erlaubt sich sogar selbst einen Scherz und wird dafür auch noch von der Wiener Polizei gerügt. Sein Unverständnis und sein Unglaube führen ihn aber letztendlich doch nach Wien. Aber es macht, es nicht besser, seine Gefühlswelt wird nur noch mehr auf den Kopf gestellt und die Suche nach Antworten immer haltloser. Schmidt kramt in seinem Kopf nach Erinnerungen und versucht René‘s Welt zu greifen. Aber statt Antworten findet er nur noch mehr Fragezeichen und irgendwie schleicht sich Misstrauen gegenüber der Polizei ein.

Raoul Biltgen lässt uns am Anfang stutzen, zwei Brüder ohne Nähe und dann ist einer tot. Wir begeben uns mit Schmidt auf eine Reise, ohne zu wissen, wohin diese führt und krallen uns am Protagonisten fest. Lernen durch Erinnerungsfetzen René kennen und fangen selber an, an dessen Tod zu zweifeln und genau mit diesem Zweifel spielt der Autor. Diese Ungewissheit und diese Raterei macht einen verrückt und so beißt man sich an der Geschichte fest und verschlingt die Seiten. Dabei stößt der Leser auf ein wirklich brisantes Thema und lässt uns die letzten Nachrichten im Kopf Revue passieren. Wie oft kommt das Thema Verschleierung darin vor und selbst der Berichterstattung der Presse kann man doch in unserer heutigen Zeit nicht mehr so recht glauben. Aber was ist wirklich passiert? Kann Schmidt wirklich die Wahrheit herausbekommen? Und waren sich die Brüder wirklich so fremd? Diese Fragen begleiten einen ständig und lassen einen nicht los.

Ich muss sagen, Raoul Biltgen hat mir wieder gezeigt, dass er unglaublich gut erzählen kann und das, mit einer absoluten Stärke und Sogkraft. Er benutzt gern ganz bestimmte Wiederholungen und verleiht seinem Text dadurch eine unglaubliche Schlagkraft. Sein Schmidt ist am Anfang unterkühlt, unnahbar und für mich nicht ganz greifbar, aber das ändert sich im Laufe der Geschichte sehr geschickt, wir sollen ihn nicht erst mögen, wir sollen mit ihm ermitteln und dann zusammenwachsen. Je mehr man liest, umso mehr versteht und begreift man. Es ist nicht nur für Schmidt ein Puzzle, sondern auch für uns Leser, und auch wenn der Zufall manchmal zu perfekt eingebaut ist, passt es einfach. Eine Reise in die eigene Vergangenheit und dem Unglaube, das die eigenen Geschwister zu so was fähig wären. Damit kämpft Schmidt und wir gleichermaßen und wir würden auch Suchen, den was bleibt uns am Ende noch? Schöne Erinnerungen und die Wahrheit, damit das Leben weitergehen kann.

Raoul Biltgen ist ein großer Erzähler, mit dem Talent Wörter geschickt anzuwenden, um einer Geschichte die richtige Stimmung zu verpassen. Er hat seine Figuren perfekt platziert, gefühlsmäßig gut dosiert und der Geschichte den richtigen Rahmen gegeben. Fesselnd, abgründig und überraschend.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

königinnen der würstchen, paris, damaris liest, clementine beauvais, road-trip

Die Königinnen der Würstchen

Clémentine Beauvais , Annette von der Weppen
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.08.2017
ISBN 9783551556776
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wie kann das sein! Mireille ist nach zwei Jahren Gold, nur noch die Bronze Wurst des Jahres, gespielt entrüstet, schaut sie sich die Gewinnerin an und das kann sie auch gleich im Realen. Astrid nämlich, die neue goldene Wurst, besucht Mireille, um sie zu fragen, wie sie damit umgeht. Mit diesem Titel und der Gemeinheit, die sich die Mitschüler herausnehmen, das hässlichste Mädchen des Jahres zu wählen. Zusammen entschließen sie, auch die Zweitplatzierte zu besuchen, damit sie mit der Schmach nicht allein ist. Doch dort platzen sie in eine traurige Geburtstagsfeier hinein und alles hat mit der großen Party im Elysée-Palast zu tun. Jede der Drei hat nämlich einen Grund dort aufzutauchen und so entspinnen sie einen Plan, zu einem Road-Trip mit Gartenpartycrash. Und um ihren Titel alle Ehre zu machen, finanzieren sie diesen mit dem Verkauf von Würstchen. Werden sie den Weg nach Paris schaffen? Warum wollen sie unbedingt auf diese Party? Und was wird diese Reise mit ihnen machen?
Ich muss gestehen, dass ich den Titel erst gar nicht ansprechend fand. Die Königinnen der Würstchen, was soll das denn! Wer möchte schon eine Wurst sein? Oder ist das ein Buch über drei Metzgertöchter? Irgendwie befremdlich und doch wurde es mir so sehr ans Herz gelegt, das ich es mir näher anschaute und dachte, ja, das mag ich doch lesen. Und soll ich euch was sagen, dieses Buch hat mein Herz überflutet und so möchte ich es auch jeden einfach nur empfehlen. Warum? Versuche ich euch jetzt in Worte zu fassen.

Die Geschichte wird aus Mireilles Sicht erzählt und sie ist absolut Bombe. Ein Mädchen, was schon immer am Rand der Außenseiter stand. Ein Kind von einer Affäre, der Vater kümmert sich nicht, ihre Mutter hat sich direkt in eine neue Ehe gestürzt und Mireille versucht irgendwie ihren Platz zu finden, ihre Identität. Das ist natürlich umso schwerer, wenn man von allen gegängelt, ausgelacht und gequält wird. Um das an sich abprallen zu lassen, hat sie sich einen zynischen, sarkastischen, ironischen Humor, als Schutzschild zugelegt und hält alle mit ihrer Schlagfertigkeit von sich ab. Das heißt aber nicht, das diese Bösartigkeiten an ihr abprallen und sie nicht verletzten, das tun sie nämlich doch, aber das zeigt sie selten und erzählt nur uns Lesern, in stillen Momenten davon. Für andere ist sie ein Felsen und zeigt eine Stärke, die ich damals nie entwickelt hätte. Mir war sie sofort sympathisch und ich muss ihr totalen Respekt zollen, ein tolles Mädchen und mit jeder Seite, wächst sie einen mehr ans Herz.

Aber auch die beiden anderen Würste sind sehr einnehmend, da haben wir Astrid, sie ist erst dazu gezogen und lebt mit ihrer Mutter im Ort, da ihr Vater das Weite gesucht hat. Sie liebt Computerspiele und am Liebsten welche mit Management und sie hat eine große Schwäche für die Band Indochine. Ihre Waffe gegen Einsamkeit. Die Jüngste im Bunde ist Hakima, mit ihren zwölf Jahren, ist diese Reise für sie die größte Herausforderung. In ihrer Familie herrscht ein ganz anderes Problem, denn ihr Bruder ist Soldat, und ist aus einer Mission, mit starken Verletzungen, nach Hause zurückgekehrt. Somit ist die Stimmung alles andere als erbaulich und die Wurstwahl für Hakima wird zur Nebensache.

Diese drei Mädels finden auf ungewöhnliche Weise zusammen, aber was sie daraus machen, zeigt etwas von Größe, wo sich jeder eine Scheibe von Abschneiden könnte. Auf ihren Weg wird nämlich schnell klar, dass das liebe Internet so eine eigene Welt ist, nämlich die des schnellen bösen Wortes. Dort hängt man sich schnell an Bösartigkeit und merkt nicht, wie schnell man einen Menschen verletzen kann. In der Realität sieht das nämlich anders aus, die Leute finden nämlich unsere drei Würstchen gar nicht hässlich und diese Gegensätzigkeit arbeitet die Autorin unheimlich gut ein. Man kann sich einfach in diese drei Köpfe rein fühlen und erkennt, in jeder, etwas von sich selbst wieder. Als Teenager hadert man doch gern mit sich, findet dies und das grässlich an sich selbst, und wenn noch eine Horde Halbwüchsiger unreifer Bübchen darauf zeigt, möchte man in Boden versinken. Diese Geschichte macht aber einfach Mut, ist ehrlich und beflügelt einem Selbst beim Lesen. Warum nur gab es solch ein Buch nicht zu meiner Schulzeit und solch eine Mireille, hätte ich gern als Freundin gehabt.

Clémentine Beauvais hat ein unglaubliches Fingerspitzengefühl und einen unbestechlich guten Humor, um solch eine Geschichte zu schreiben und solch schwierige Themen aufzugreifen. Man geht voll rein, radelt mit und steht am Ende im Garten und denkt sich, nun mach schon, und wird überrascht. Unsere drei Mädels machen nämlich eine unglaubliche Entwicklung mit und werden erwachsen. Aber mehr verrate ich nicht, denn dieses Buch hat noch so viel mehr zu bieten und ich will einfach nicht mehr verraten. Aber ihr müsst es lesen, unbedingt. BITTE!!! IHR MÜSST ES LESEN!

Die Königinnen der Würstchen ist mehr als ein Kampf gegen die Unverschämtheit des Internets. Nämlich eine Reise zu wahrer Größe und diese kann ganz klein anfangen. Herrlich chaotisch, spritzig, herzerwärmend, mitreißend, frech und einfühlsam.

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

münchen, dublin, patsy logan, krimi, mord

Harte Landung

Ellen Dunne
Flexibler Einband: 441 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.08.2017
ISBN 9783458362883
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Patsy Logan, Kommissarin aus München hat ihren freien Tag, bis ihr Telefon klingelt und sie, zu einem Fall beordert. Der Anruf kam recht ungünstig, denn ihr Privatleben hängt gerade nicht voller Geigen, aber da sie die perfekten Sprachkenntnisse mitbringt, ist sie die Frau der Stunde. In München macht nämlich die erfolgreiche Online-Tauschbörse Skiller ein Büro auf und sorgt damit für mächtigen Trubel. Und ausgerechnet nach der Eröffnungsparty, wird die Managerin Carolin Höller tot aufgefunden. Patsy nimmt sich der Sache an und zuerst scheint es nach Selbstmord auszusehen, aber kann das sein? Immerhin ist die Tote eine Karrierefrau mit Musterehe, Musterkinder und dem perfekten Leben. Ob hier der Schein trügt? Je mehr Patsy gräbt, umso unschöner wird es. Macht, Lügen und Dublin stehen auf dem Plan. Was wird die Kommissarin herausbekommen? Welche Intrigen wird sie aufdecken? Und warum scheut sie das Land ihres Vaters, Irland so sehr?
Was habe ich mich nach einem neuen Werk dieser Autorin gesehnt, was habe ich dem Erscheinen entgegen gefiebert und was habe ich diesen Krimi schnell verschlungen. Ach, was soll ich sagen, ich mochte die Art zu erzählen von Ellen Dunne schon immer gern und hier hat sie mich wieder sehr glücklich gemacht. Warum, weshalb und wieso, erzähle ich euch jetzt.

Patsy Logan ist eine Frau, die es nicht immer leicht hat im Leben. Als Kind einer deutschen Mutter und eines irischen Vaters war das Verwurzeln nicht unbedingt einfach und hat sie in vielen ihrer Entscheidungen geprägt. Aber sie ist auch eine Kämpferin, im Job steht sie ihren Mann und wird leider als Frau nicht immer ernst genommen. Mit was sie sich da immer über Wasser hält, ist ihr Humor, schwarz, bissig und kompromisslos. Sie beißt sich durch, versucht den Druck standzuhalten und ihr Augenmerk auf den Fall zu konzentieren und sich nicht durch Politik und Presse ablenken zu lassen. Nun ist auch leider ihr Privatleben etwas in schief Lage geraten, sodass sich dieser Fall ziemlich schlimm in sie hinein frisst und dann auch noch Dublin. Seit dem Selbstmord ihres Vaters war sie nicht mehr auf der Insel und nun soll sie dort ermitteln, ein schwieriger Gang, der ihr viel abverlangt. Ich mach es jetzt mal kurz, ich mag Patsy von der ersten Seite an. Sie schafft es im Job sich durchzusetzen und ist trotzdem Frau, einfach ein Mensch mit Ecken und Kanten und das macht sie unglaublich sympathisch. Ihr Humor ist einfach herrlich zu lesen, obwohl es für ihre Umwelt nicht immer einfach damit ist, aber genau das macht diese Frau aus, man würde einfach gern mit ihr was trinken gehen.

Mit ihren eigenen Problemen und Sorgen beschattet, muss sie sich also auf einen neuen Fall einlassen, der sie in die Online Welt bringt. Dort scheint alles so idyllisch und perfekt abzulaufen, das Unternehmen ist einfach superfreundlich seinem Personal gegenüber und jeder reißt sich darum, dort arbeiten zu dürfen. Zumindest an der Oberfläche, schnell wird klar, dass diese Welt nicht so weiß ist, wie sie es gerne darstellen würden und seit ich „The Circle“ gelesen habe, stehe ich dem Ganzen eh kritisch gegenüber. Diese Online Firmen sind eine ganz eigene Welt und führen ein ganz eigenes Universum und lassen sich nicht gern in die Karten gucken. So ist der Fall extrem aufregend, da man wirklich Stein für Stein, der übergroßen Fassade lösen muss, um dahinter zu schauen.

Ellen Dunne wartet hier wirklich mit einem raffinierten Plot auf. Starke Frau, verwickelter Fall und die Atmosphäre von Dublin. Ich fand es perfekt abgestimmt, da sie ihrer Ermittlerin noch ein großes Päckchen Privates und dem Fall so viele schöne Ermittlungsstränge angehangen hat. Es wurde einfach nie zäh, langatmig, oder wie man das sonst manchmal kennt, nein, man rauscht ihr durch die Seiten, und da das Opfer auch seine Passagen hat, erfahren wir alles auch noch häppchenweise obendrauf. Ihr seht, ich hatte meine Freude, in München habe ich mich sehr wohlgefühlt und in Dublin habe ich mich verliebt. Hier kommt nämlich noch ein weiteres Problem auf Patsy zu, nämlich ein interessanter Kollege. Aber auch das verregnete, trinkfeste und mystische Irland blitzt durch die Seiten auf. Herrlich abwechslungsreich.

Patsy Logans erster Fall ist fesselnd, gut gestrickt und erfolgreich in mein Leserherz angelangt. Eine starke Ermittlerin, eine Kämpferin mit Überlebensmodus, Schlagfertigkeit und Willen. Ihr Humor sorgt für einige Lacher und man möchte einfach sofort mit ihr weiter ermitteln. Also go Patsy, go, go, GO!!!

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262 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 109 Rezensionen

lize spit, belgien, roman, und es schmilzt, kindheit

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Eva erhält eine Einladung aus ihrem Heimatdorf. Dort, wo sie seit Jahren nicht mehr war und von Freunden, mit denen sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hat. Erinnerungen tauchen auf, Verdrängtes möchte wieder hochkommen und Eva steht vor der Frage, was soll sie machen. Nicht reagieren? Oder doch hinfahren? Sie entscheidet, nach 13 Jahren sich ihren Dämonen zu stellen und den Sommer, der so nie hätte verlaufen sollen. Mit einem Eisblock im Kofferraum macht sie sich auf den Weg, in ihr Heimatdorf und ihrer Vergangenheit. Was hat es mit dem Eis auf sich? Was ist damals passiert? Und welche Rachegefühle trägt sie in sich?
Als ich zum ersten Mal von dieser Geschichte gehört hatte, war meine Neugier sofort geweckt, denn ich wollte unbedingt wissen, was hat es mit diesem vermaledeiten Eisblock auf sich. Wofür braucht sie den? Ist da was drin eingeschlossen? Und warum nimmt sie sich nach solch einer langen Zeit ihrer Vergangenheit an? Wie ihr seht, war ich mächtig gespannt, und da es die Autorin, mit diesem Buch auch gleich zum literarischen Shootingstar, geschafft hat, meine Ansprüche recht hoch. Ob es mir gefallen hat, erzähle ich euch nun.

Eva ist in der Gegenwart eine Außenseiterin, eine Alleingängerin, jemand der in seinem Kosmos lebt und selten jemanden an sich heranlässt. Aber das war früher mal anders. Sie war der Teil, der drei Musketiere, bestehend aus Pim, Laurens und ihr. Überall waren sie zu dritt, in der Schule die besonderen drei und ständig mit ihren Rädern unterwegs. Pim, der Sohn von Milchbauern, Laurens, der Spross des Metzgers und Eva, tja, Eva, das Kind von zwei Alkoholikern. Ein zerrüttetes Familienhaus, Eltern, die für ihre Kinder nicht da sind und ihre Kinder schlimm vernachlässigen. So hängt sich Eva immer an die Jungs, um ihren Trott zu entfliehen. Aber der Lauf der Dinge ändert sich, die Interessen, die Ansichten und so bekommt die Freundschaft, dieses Trios risse, erst recht nach dem Tod von Jan, Pims Bruder. Eva möchte sie nicht verlieren und macht bei ihren absurden Spielchen mit, obwohl sie genau weiß, dass dies falsch und unverzeihlich ist.

Die Geschichte beginnt im jedem Kapitel mit der Gegenwart, erzählt dann aus der Vergangenheit, des schlimmen Sommers und hält als Drittes, immer noch eine Anekdote bereit, eine bestimmte Erinnerung. Ich fand es unglaublich schwer in diese Geschichte hineinzukommen, und da uns Eva auch recht fern von sich hält, baut man auch ziemlich mager eine Bindung zu ihr auf. Für mich war es ein wahrer Kampf und mein Durchhaltevermögen war hart auf die Probe gestellt, aber es passt auch sinnbildlich gut zur Hauptfigur. Ihr Leben ist auch ein Kampf, ein Auffallen, ein wahrgenommen werden, ein sich nicht vor der Umwelt verschließen. Dieses Dorf weiß nämlich, wie es in dieser Familie zu geht und wie so üblich in kleinen Gemeinden, wird darüber geschwiegen. Die Kinder trifft es besonders hart, Jolan, der älteste Bruder geht in der Natur forschen, Eva ist bei ihren Freunden und Tes, hat es wohl am schwersten und je älter sie wird, ums so schlimmer wirken sich ihre Macken aus. Aber Hilfe von außen ist fern und diese Kinder sich selbst überlassen.

Aber nicht nur das, hält Eva diesem Sommer auf, sondern Pim, Laurens und ihre beknackte Idee. Je mehr man von diesem Sommer liest, umso schlimmer wird die Chemie der Drei und man fragt sich ständig, wann kommt hier der Kat, das kann sonst nur böse enden. Allerdings hält uns die Autorin mit vielen Episoden, sehr lange auf und gewährt uns nur häppchenweise Einblicke. So spielt sie mit meiner Ausdauer, mit meiner Neugier und hält mich nicht wirklich sehr am Ball. Dieses Ganze zwischen den Zeilen lesen, mit Halbwahrheiten, die man sich zusammenreimt, jonglierend, kämpft man sich vorwärts. Und die Grundstimmung im Buch ist bedrückend, beklemmend und einengend. Je mehr man liest, umso fassungsloser ist man, wenn sich die Wahrheiten bestätigen.

Ohne Frage hat Lize Spit ein Buch geschrieben, was einem nach Beenden nicht loslässt. Allerdings wurde es für mich erst in den letzten hundert Seiten erst wirklich gut, davor habe ich mich doch recht gequält und hätte es, das eine oder andere Mal auch gern abgebrochen. Die Autorin nimmt sich nämlich viel Zeit ihr Szenario aufzubauen, erzählt langsam und entwickelt mit jeder Stunde und Tag ein Inferno mit ungeahntem Ausmaß, was sie am Ende mit einer Wucht zusammenlaufen lässt und einem geballt entgegenschleudert und das Verdauen ist unglaublich schwer.

Lize Spit befasst sich in ihrem Buch mit so vielen Themen unserer Zeit und zeigt mit rasiermesserscharfer Genauigkeit am Ende, wie schlecht unsere oberflächige Welt ist, wie abgrundtief Menschlichkeit sein kann und das, Verdrängen nicht immer eine Lösung ist, erst recht nicht, wenn man selbst auf der Strecke bleibt. Für mich war es nicht ganz das Buch, was ich erwartet hatte und ich kann den Hype somit auch nicht ganz nachempfinden, aber sie hat es geschafft, das ihr Eva noch in mir nach hallt und ich nach Luft schnappe. Zum Schluss kann ich nur sagen, zuerst langatmig, sehr verschlüsselt, dann erbarmungslos, knallhart und grausam.

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

irland, krimi, polizist, knochenfund, dorf

Ein irischer Dorfpolizist

Graham Norton , Karolina Fell
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 18.08.2017
ISBN 9783463406909
Genre: Romane

Rezension:

Duneen ist ein verschlafenes kleines Kaff, wo jeder jeden kennt und nie was passiert. Genau deshalb hat sich damals PJ Collins auf die Polizistenstelle beworben, ein ruhiger Job. Immerhin ist der Sergeant nicht gerade von der sportlichen Sorte und mag es gemütlich. Während seiner wohlverdienten Pause passiert es allerdings, das ein Bauarbeiter auf ihn zu kommt und ihn bittet, mit auf die Baustelle zu kommen, da man dort etwas gefunden hätte, was seiner Aufmerksamkeit bedarf. Und tatsächlich findet man menschliche Überreste und PJ muss die Kriminalisten einschalten. Im Dorf macht der Fund auch direkt die Runde und es wird gemunkelt, um wen es sich handeln könnte. Tommy Burke ist nämlich damals verschwunden und hat eine Verlobte und Geliebte zurückgelassen. Ist er der Tote? Was ist damals passiert? Und wer wird den Fall aufklären, der Profi aus Cork, oder der doch über sich hinauswachsende Dorfsheriff?
Als ich damals die Vorschauen durchstöbert hatte, ist mir dieses Buch sofort ins Auge gesprungen. Irland, Dorf und ein Toter! Momentan genau mein Beuteschema und die Kritiken aus Irland und England haben auch ein bisschen beigesteuert. Ich wollte es unbedingt lesen und habe es in zwei Tagen verschlungen, und ob es sich gelohnt hat, erzähle ich euch jetzt.

PJ Collins ist das typische Klischee, gutmütig, gemütlich und überaus dick, naja, unbedarfte Dorfbewohner würden fett sagen. Dabei hat er eine sehr angenehme Ausstrahlung und wird, trotz das er kein Einheimischer ist, in der Gemeinde gut aufgenommen und anerkannt. Zu Anfang spürt man aber, dass er nicht ganz glücklich ist, mit seiner momentanen Situation und sogar übers Abnehmen denkt er nach. Und dann kommt diese Leiche und das Gefühl, selbst diesen Fall lösen zu wollen, als es den Schnösel von Detective zu überlassen. Dass er dabei auch noch zwischen zwei Frauen gerät, hätte er niemals gedacht. Ich fand dieses sympathischen Bären einfach klasse und mochte seine tollpatschige Art unheimlich gern. Er versuchte immer sein bestes zu geben und hat sich selbst angespornt und sogar den höheren Ermittler gezeigt, was Polizeiarbeit ist. So ist man einfach mit gewachsen und hatte wirklich Freude dabei, wenn er seinen Schäfchen auf den Leim ging.

Die Damen möchte ich auch noch kurz erwähnen. Brid Riordan war Tommys Verlobte, von Liebe kann man hier nicht sprechen, da sie einfach ein gutes Erbe hatte und sie nicht unbedingt eine Schönheit ist. Das Leben meinte es mit ihr auch nicht immer so gut, aber ihre Entwicklung hat unglaublich Spaß gemacht zu verfolgen. Von der Alkoholikerin und ungeliebten Ehefrau mausert sie sich noch um einiges und stellt sich auch ihrer Vergangenheit. Sie wird von Seite zu Seite einfach sympathischer.

Dann haben wir Evelyn Ross, sie lebt mit ihren drei Schwestern zusammen auf dem Hof ihrer verstorbenen Eltern und irgendwie ist das ein dauerhafter Zustand. Drei Jungfern, die sich selbst genug sind. Zumindest nach dem ersten Anschein, denn Evelyn fehlt was, sie sehnt sich nach Liebe, Zweisamkeit und Glück. So dachte sie damals, alles in Tommy gefunden zu haben und hängt dieser Vorstellung ihre restliches Leben nach. Beschützt von ihren Schwestern und trotzdem einsam, als dann die Knochen gefunden wurden, brechen alte Wunden auf. Evelyn ist ein spezieller Charakter, aber sie macht die Fallsuche auch unheimlich spannend.

Ein irischer Dorfpolizist hat einfach alles, was ein gutes Buch ausmacht. Einen interessanten und kniffeligen Fall, einen sympathischen Ermittler, Frauengeschichten und Dorfgeheimnisse, die schwer aufzudecken waren. Tja, und Geheimnisse können ja gerade in solch einer Konstellation für mächtig Wirbel sorgen. Außerdem fand ich die Grundstimmung und die Situationskomik einfach wunderbar und diese war ganz perfekt in die Geschichte eingemischt. Auch seine Figuren gingen einen ans Herz und so manche Situation hat einfach überrascht. Der Autor lässt uns kennenlernen, entdecken und staunen. Dabei erleben wir mit, wie sich manche an ihr Schicksal klammern, oder sich freikämpfen und das es Liebe gibt, diese nur nicht immer einfach ist. Ein unglaublich authentischer Roman, der einen oft das Gefühl gab, mittendrin zu sein im Geschehen und den vorbei fahrenden Polizeiwagen hinterher zu schauen. Einfach total süffig, wie ein guter Baileys.

Graham Norton hat eine einfühlsame, charmante und geschickte Geschichte geschrieben, die es lohnt, zu lesen. Am Ende seiner Danksagung hofft er, dass einem sein Buch gefallen hat und ich kann aus ganzen Herzen sagen, es war absolut großartig! Thank you

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

roman, sonja heiss, rimini, verlag kiepenheuer & witsch, liebe

Rimini

Sonja Heiss
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050448
Genre: Romane

Rezension:

Hans, ein erfolgreicher Anwalt, der verheiratet ist und zwei goldige Kinder hat, erweckt alte Wutanfälle wieder zum Leben. Alkohol soll ja auch in schwierigen Situationen helfen, aber je weiter er es vorantreibt, umso mehr spielt ihn sein Leben ins Abseits. Und ausgerechnet jetzt steht Weihnachten vor der Tür und Schwester Masha und seine Eltern kommen auf Besuch. Während Masha auf der Fahrt merkt, das sie einen unbändigen Kinderwunsch hat und dieses sofort in Angriff nimmt, kommen die Eltern bei Hans an. Gerade haben sie die Rente erreicht und versuchen sich in diesem Alltag einzurichten. Natürlich kommt es zu Spannungen und Missverständnissen und jeder nimmt seinen Lebenszweig anders in die Hand. Hans geht zur Psychoanalytikerin. Ob ihm das hilft? Masha merkt, das ihr Freund sie eigentlich nur noch nervt, und begibt sich panisch auf Männersuche. Ob dieser Weg überhaupt funktionieren kann? Tja und die Eltern haben auch so ihre Schwierigkeiten, Alexander fühlt sich einsam und klammert und Barbara nimmt die Beine in die Hand und ist auf der Flucht. Wird es hier auch noch eine Lösung geben? Oder wird eine Katastrophe eingeleitet?
Ich möchte ganz ehrlich sein, mir ist das Buch zuerst bei der Lektorin aufgefallen und das, hat mich schon unglaublich neugierig gemacht. Außerdem ist das Cover so wunderbar außergewöhnlich und fällt durch seine Andersartigkeit sofort ins Auge. Tja, und wenn man sich den Klappentext widmet, muss man es einfach lesen wollen. Zumindest war es bei mir so, und ob ich meine Freude daran hatte, erzähle ich euch jetzt.

Hans hat hart gekämpft, um dort zu sein, wo er jetzt ist, nämlich in der Statushölle. Erfolgreich ja, aber glücklich? Seine Frau darf er nicht mehr anfassen, seine Partner finden, er macht zu wenig Umsatz und vor seinen Kindern, darf er nicht fluchen. Je mehr er sich eingeengt fühlt, umso unbeherrschter agiert er. Da kann auch schon mal ein Bleichstift brechen, oder ein Tennisschläger den Falschen treffen. Und zum Allen übel, setzt ihn seine Frau die Pistole auf die Brust und schickt ihn zur Psychoanalyse. Allerdings passt ihm das gar nicht und so gibt es wunderbare Streitgespräche zwischen Ärztin und Patient. Außerdem stellen sich Gefühle ein, die so nicht beabsichtigt waren und für einige neue Erkenntnisse sorgen.

Masha ist 39 und Schauspielerin, nur hat sie schon ewig nicht mehr gearbeitet und lebt mit ihrem Arzt Freund Georg glücklich zusammen. Nun ist aber der Kinderwunsch da und Masha, fühlt sich von ihrem Freund abgestoßen. Alles ist ihr zu wieder, der Geruch, die Geräusche und die Gespräche. Sie trennt sich und sucht verzweifelt nach jemand Neuem und versucht durch akrobatischen Bettsport, denn perfekten Vater zu finden, aber ist das eine gute Idee. Außerdem nerven sie die Eltern und stellen immer ihre Probleme über ihre eigenen. Keiner nimmt sie ernst und so steigert sie sich immer mehr in ihre eigene Welt hinein.

Alexander und Barbara sind damals eine Vernunftehe eingegangen und haben sich aber mit den Jahren arrangiert. Nun glucken sie aber aufeinander und nicht jeden schmeckt der Rentenalltag. Während sich Barbara erdrückt fühlt und sich mehr als Gefangene sieht, sucht sie einen Weg, um auszubrechen. Dagegen fühlt sich Alexander schon einsam, wenn er allein im Raum ist. Als Barbara sich freischwimmt und sich ihren Alltag anders gestaltet, ahnt sie noch nicht wirklich, welche Folgen das haben wird.

Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, wie großartig ich diesen Roman finde. Die Figuren sind zum Greifen nah und dadurch, dass wir jeden kennenlernen, verstehen wir sie besser. Manchmal denkt man nämlich zwischendurch, Gott ist der grässlich und dann liest man durch seine Augen und ist überrascht, man entwickelt eine Bindung zu denjenigen. Und das ist die große Stärke, diese Feinsicht auf das Leben, diese Beobachtung und das detaillierte Wiedergeben unseres Alltags. Denn der Leser wird sich in einigen Situationen wieder erkennen, zumindest ging es mir so, viele Gedanken,   Sorgen und Szenen kommen einen einfach bekannt vor und statt diese traurig, dramatisch zu beschreiben, bringt die Autorin einen Humor rein, für den ich sie einfach lieben muss.

Diese Familiengeschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt und keinen Moment Langeweile auf kommen lassen. Ein absolut gelungener Blick ins Leben, der so viel aufzeigt und statt zu erdrücken, einen Spaß macht mitzuerleben und das, obwohl mich die Eltern an meine erinnert haben, nicht immer positiv. Wie meistens, geht es um Liebe und Glück, und ob es diese Familie noch schafft, müsst ihr einfach erleben. Übrigens spielt Rimini, wenn auch nur klein erwähnt, eine gewaltige Rolle.

Herrlich realistisch, mit großartigen Figuren und ein absolut umhauender Humor. Für mich wunderbar stimmig, griffig, sensibel, warmherzig und auf den Punkt gebracht. Eine klare Leseempfehlung.

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Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten

J.L. Carr , Monika Köpfer , Saša Stanišić
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 26.04.2017
ISBN 9783832198541
Genre: Romane

Rezension:

Alex Slingsby, Exfußballprofi und Lehrer, hat es satt, dass die Dorf-Fußballmannschaft wieder knapp am Sieg vorbeigesegelt ist, und wünscht sich größere Taten. Das unterstützt sein Schuldirektor und wirft einen kritischen Blick auf das Spiel. Dabei entwickelt er einen Masterplan, aus einfachen Regeln, wie man aus einer kleinen Mannschaft, was Großes herausholen kann. Und damit ist es beschlossene Sache, die Steeple Sinderby Wanderers nehmen am F.A. Cup teil. Nun heißt es Mannschaft aussuchen, Lösungen finden und immer schön ins Tor schießen. Dabei werden alle Regeln umgesetzt und aus einem ruhigen Dorf, wird eine begeisterte Anhängerschaft. Aber wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wird der Erfolg einigen zu Kopf steigen? Oder hat sich das Team gut in Griff? Immerhin, große Ambitionen haben sie.
Letztes Jahr habe ich vom Autor „Ein Monat auf dem Land“ gelesen und fand es einfach toll, es hat mich so schön vom Alltagsstress entschleunigt und so wunderbar zur Ruhe gebracht. Tja, und nun steht Fußball auf dem Plan und ich, sofort dabei. Da ja erst wieder die Saison der Ballkünstler anfängt, ist das die beste Lektüre um sich wieder drauf einzustellen. Dachte ich zumindest, aber dieses kleine Buch, ist so viel mehr und davon erzähle ich euch nun.

Joe Gidner ist im Dorf nur ein Zugezogener, aber recht aktiv und das Mädchen für alles beim Fußballclub. Er verdient sein Geld durch Grußkartentexte und das bringt ihm den Ruf ein, ein großer Wortdrechsler zu sein und er soll nun die Chronik, nein, die Erfolgsgeschichte der Steeple Sinderby Wanderers erzählen. Im Prinzip wissen wir Leser also schon, das sie den Pokal gewinnen, das sagt ja auch der Titel aus, aber wie sie es schaffen und welche Mühen und Anstrengungen sie dafür eingehen, das erzählt uns dann Joe. Und zwar ganz lebendig und manchmal ein bisschen überschwänglich.

Eigentlich mag ich gar nichts weiter zum Inhalt verraten, da das Ende ja eh klar ist, ist natürlich die Entwicklung dahin, der interessante Punkt und das hat J.L. Carr wieder ganz wunderbar beschrieben. Seine Figuren sind wieder der Hammer, wir haben da den Exilungarn und Schuldirektor Dr. Kossuth, der sich aus Fußball nicht viel macht, aber gern seine Weisheiten beiträgt. Natürlich Alex, ein gebrochener Mann, dem das Leben am höchsten Punkt ein Schnippchen schlägt und der heldenhaft damit umgeht. Sein kühler Kopf und sein Talent sind für die Mannschaft maßgeblich. Dann haben wir einen weiteren Exprofi, der depressiv versackt ist und nun wieder erweckt wurde. Außerdem einen kickenden Pfarrer und einen Torhüter, der mit Fußball nichts anfangen kann, aber die Herausforderung den Kasten freizuhalten, nicht widerstehen kann. Ach, und der Vorsitzende Mr. Fangfoss, der ein wirklicher Pfundskerl ist. Diese Figuren, natürlich auch Joe und noch viele weitere, wachsen einen sofort ans Herz und sind der eigentlich Mittelpunkt, der Geschichte. Es geht nämlich um den Willen Unmögliches zu erreichen und wie weit man dafür bereit ist, zu gehen.

J.L. Carr erzählt hier wieder mit leisen Tönen eine wirklich großartige Geschichte, die nicht vom Sport allein lebt, sondern von den vielen kleinen Schicksalen der Dorfgemeinschaft. Jeder hat so seine Gründe mitzumachen und vielleicht so den Alltag zu entkommen. Er beschreibt diese ganz vorsichtig, sanft, sensibel und doch spürt man die Melancholie in jeder einzelnen Figur nach. Mit jedem Sieg merkt man so die Veränderung, die Euphorie, das gestärkte Selbstbewusstsein, aber auch die Angst vor dem Danach und der Öffentlichkeit. Denn das so eine Gruppe aus Underdogs, die großen Vereine einfach weg kickt, zieht die Medien und das ganze Land förmlich an. Aus einem großen Wunsch wird ein brüllendes unbezwingbares Tier der Aufmerksamkeit. Tja, und diese Entwicklung ist wirklich mehr als nur gelungen.

Aber das war nicht das Einzige, was ich toll fand, ich mochte auch unglaublich gern die Spieldokumentation lesen. Wie sie sich darauf vorbereitet haben, wie die Gegenmannschaft, überheblich und arrogant auf die Dorfkicker geschaut hat und dann haushoch verloren hat. Es war ein Genuss dem Ball hinterher zu schauen, die Spielkombinationen vor Augen zu sehen und das Brüllen des Stadions zuhören, wenn das Tor fiel. Ich war so drin und hatte unglaublichen Spaß, man hielt die Daumen beim Lesen gedrückt, fieberte mit und hörte die Hymne am Ende laut und deutlich. Was für ein Sieg, was für ein Buch. Für mich hatte es alles und ich habe es förmlich verschlungen.

Die Steeple Sinderby Wanderes sind ein großartiges Team und müssen einfach gelesen werden, egal ob Fußball Fan oder nicht! Ein wahrer Lesespaß und ein erfühlender Genuss.

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familie, le touquet, lebenslügen, schriftsteller, traurigkei

Der Dichter der Familie

Grégoire Delacourt , Tobias Scheffel
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 18.07.2017
ISBN 9783455404685
Genre: Romane

Rezension:

Édouard ist sieben, als er sein erstes Gedicht schreibt und der Familie vorträgt. Begeistert, mit viel Lob und Applaus nehmen sie es auf und in dem Augenblick steht fest, er wird später Schriftsteller. Doch so leicht sind vorformulierte Träume nicht. Édouard scheitert, in der Liebe, als Schriftsteller und irgendwie scheint ihn dieses Schicksal, in die Wiege gelegt, denn seine Umgebung zerbricht, in viele Einzelstücke. Wie soll er da nur ans Schreiben denken und warum, wird das immer von ihm verlangt? Sein Vater meinte mal zu ihm, „Schreiben heilt“, davon hat er bis jetzt nichts gemerkt und fühlt sich in seinem eigenen Leben als Versager. Was macht dieser Traum aus ihn? Findet er wirklich nie die richtigen Worte? Und folgt nicht nach einem Abstieg auch wieder der Aufstieg?
Letztes Jahr habe ich mein erstes Buch von diesem Autor gelesen und mit „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ konnte er mich total überzeugen. Ein richtiges Sommerbuch, zum entspannen und genießen. Natürlich wünschte ich mir dieses gleiche Wohlgefühl bei dieser Geschichte und der Klappentext sorgte für Vorfreude und liess auf großes Lesevergnügen hoffen. Ob mich der Autor auch dieses mal begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt.

Im Mittelpunkt des Buches steht Édouard, der älteste Sohn von drei Kindern. Auf dem ersten Blick scheint es eine ganz normale Familie zu sein, aber der Schein trügt. Es ist alles andere als leicht. Der Vater war im Krieg, und als er wieder nach Hause zurückkehrte, wurde er sofort mit seiner Jugendliebe verheiratet. Sein wohl bedeutendster Satz im Leben, ist wohl „Mach den Mund auf, sonst entscheiden andere dein Leben“ und das, zieht sich durch die ganze Geschichte. Verpasste Chancen, schlechte Planung, unerfüllte Sehnsüchte und Depressionen beschreiben diese Familie. Das Drama schleicht sich leise an und wütet dann Schlag auf Schlag. Tja, und Édouard mittendrin. Er ist da leider wie sein Vater, lässt vieles geschehen, was er gar nicht möchte, weil er nicht die richtigen Worte findet. Überhaupt sucht er die richtigen Buchstaben und statt diese zu finden, ist er der gutmütige Tropf, der dann die Verantwortung trägt. Dabei könnte sein Leben gar nicht so schlecht verlaufen, statt Schriftsteller, ist er nämlich Werbetexter geworden und das ziemlich erfolgreich. Aber trotzdem fühlt er sich als Versager, da er das Buch, von dem alle reden, immer noch nicht veröffentlicht hat.

Die ganze Geschichte handelt eigentlich von Träumen, Hoffnung und Sehnsüchte, die sich alle nicht erfüllen und einige dran zerbrechen. Es sind die Wünsche, die man sich im Leben ersinnt und an denen man zerbricht. So wünscht sich die Mutter Liebe, der Vater sein Leben und eine Tochter, einen Märchenprinzen oder Édouard sein Buch. Oft sind es eigene ersponnene Träume, oder die in die Wiege gelegten. Allerdings haben beide was gemeinsam, sie machen das Leben nicht einfach und manche sollen eben nie in Erfüllung gehen.

Grégoire Delacourt nimmt sich hier einer traurigen Geschichte an, und obwohl ich sein Blick in das realistische Leben mag, war die Melancholie und die dramatische Steigerung schon recht überraschend und machte beim Lesen unglaublich wehmütig. Er erzählt nämlich nicht allein die Geschichte dieses jungen Mannes, sondern einer ganzen Familie und diese ist einfach schrecklich traurig. Der Anfang ist noch recht beschwingt, aber schnell kommt die Wende, Internat, Klinik, Scheidung, ungewollte Heirat, und wenn man aus dieser hinabschleife, ausbrechen möchte, schlägt auch noch das Schicksal zu. Édouard‘s Geschichte lehrt uns einfach, nicht immer an allen fest zuhalten, auch mal auf den Tisch zu hauen und statt die richtigen Worte zu suchen, einfach überhaupt was zu sagen.

Dabei benutzt der Autor leichte, sogar fast zarte Töne. Er haucht seinen Figuren Liebe ein und so leidet man, einfach schrecklich mit. Dabei verwendet er auch ganz gern gezielte Kosenamen, die einen manchmal etwas verwirren, es aber mit jeder weiteren Seite charmanter machten. Tja, und obwohl es recht schwermütig ist, habe ich es gern gelesen. Die Art des Erzählens und seine Figuren wachsen einen einfach ans Herz. Man leidet zwar furchtbar mit und möchte gern eingreifen, gibt aber auch nicht auf zu hoffen. Ich fand es wieder toll zu lesen, wünschte mir aber, dass er uns noch ein bis zwei Kapitel mehr gegönnt hätte, um die aufgewühlte Seele wieder träumen zu lassen.

Der Dichter der Familie ist eine ruhige und dramatische Familiengeschichte, die sehr sensibel, aber auch mit vielen Schicksalsschlägen erzählt wird und uns zeigt, dass Träume zwar wichtig sind, wir sie aber nicht immer einhalten können im Leben. Es ist nämlich immer Zeit, Neue zu erträumen.

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177 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

zauberer, magie, fantasy, rainbow rowell, simon snow

Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow

Rainbow Rowell , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 04.08.2017
ISBN 9783423640329
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als Simon Snow erfahren hat, dass er magische Kräfte besitzt und auf das Zaubererinternat Watford gehen darf, konnte er sein Glück kaum fassen, immerhin hat er endlich einen Platz im Leben, ein zu Hause und muss nur im Sommer ins Heim zurück. Allerdings ist nun sein letztes Schuljahr angebrochen, seine Kräfte kann er immer noch nicht kontrollieren und der große Kampf mit dem bösen Schatten steht auch noch aus. Aber seine vorrangig größte Sorge ist, wo ist sein verhasster Zimmergenosse Baz! Seit sieben Jahren bekriegen sie sich und Simon ahnt eine neue Intrige. Dass auf einmal Baz tote Mutter vor ihm steht und ihn aus dem Schleier bittet, das Baz ihren Tod aufklären soll, macht die Feindschaft natürlich nicht einfacher. Und als dann Baz wieder auftaucht, passiert es, ein Waffenstillstand. Zum ersten Mal arbeiten beide zusammen. Was werden sie beide herausbekommen? Wird der Schatten eine Rolle spielen? Und ist es wirklich Hass, der sie beide verbindet?
Jeder Leser, der Fangirl verschlungen hat, ist auch an der Geschichte von Simon Snow interessiert, da er uns zu jedem Kapitelabschluss begleitet hat. Allerdings waren es immer Auszüge von einem der sieben Bücher der fiktiven Autorin Gemma T. Leslie oder Cathers Fanfiction, ich war nun gespannt, welche der Geschichten, denn wir nun bekommen würden und ob ich wirklich was damit anfangen kann. Ich fand nämlich die Einflüsse bei Fangirl passend, aber umgehauen haben sie mich nicht. Ob mich Simon nun doch noch begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt.

Der Titel war auch für mich totales Programm, denn vor dem Aufstieg kam für mich der Fall. Das Buch ist in vier Teile gegliedert und der Erste (150 Seiten) war für mich sterbenslangweilig, langatmig und hat mich wirklich Kraft und Nerven gekostet. Gut wir lernen Simon kennen, aber das macht es nicht wirklich gut. Er ist ein armer Waisenjunge, der auf einmal übermächtige Zauberkräfte hat und auch noch der Erbe des Magiers ist. Dazu noch das Internat mit den vielen Schülern und Uniformen und der überschlauen besten Freundin Penelope. Kommt euch das ein bisschen bekannt vor, vielleicht? Zumindest ich hatte ständig Harry Potter im Kopf und fand das überaus störend, ich hatte das Gefühl, die Autorin möchte dieser Welt ihren Stempel mit aller Macht aufdrücken und für ihres verkaufen. Nun gut, wir wissen das es in Fangirl eben um den Wahn eines Fangirls geht, aber muss Simon Snow auch eine Fanfiction sein. Ob gewollt, oder nicht, zumindest war das mein erster Eindruck und ganz ehrlich, ich wollte es schon abbrechen, aber ich habe dann immer das Gefühl, meine Zeit wirklich verschwendet zu haben und in den ersten 150 Seiten steckte schon viel Energie drin.

Was mich auch total verrückt gemacht hat, ich wusste nicht, welche Geschichte ich nun lese, die von der fiktiven Autorin Leslie, die Fanfiction, oder doch was anderes. Ständig habe ich nach Ähnlichkeiten im Text gesucht und überhaupt wurde somit jede Zeile analysiert. Erst am Ende des Buches gibt es die Anmerkung, das Rainbow Rowell ihre ganz eigene Geschichte über Simon schreiben wollte, weil sie dachte, was würde ich mit dieser Figur tun. Aha! Hätte ich gern früher gewusst, oder vielleicht stand es irgendwo und ich habe es nicht wahrgenommen, aber es hat mir ein bisschen das Lesevergnügen zerstört.

So nun aber genug gemeckert, das waren meine absolut großen Kritikpunkte und dann kam Baz! Der Magier, aus gutem Hause, der Letzte, der aus der Pitch Reihe und der, der seine wahre Identität in der Zauberwelt verheimlich muss, da er nämlich ein Vampir ist. Mein erster Eindruck, überheblich, arrogant, kühl und immer zu einem ironischen Spruch aufgelegt und was soll ich sagen, erfrischend, wohltuend, eine wahre Bereicherung der Geschichte, denn dann nahm sie Fahrt auf.

Die große Magie in diesem Buch ist wohl die Gefühlsachterbahn von Simon und Baz. Zwei junge Männer, die sich ihr ganzes Leben lang bekriegt und gehasst haben, zumindest an der Oberfläche. Ihre Sprüche, ihre Szenen sind einfach das Bonbon in der ganzen Handlung und der Rest fließt dann schnell zusammen und lässt einen endlich die Welt von Harry Potter vergessen. Das ist die große Stärke im Buch, nämlich die Figuren. Was habe ich den Szenen der beiden hintergehechelt, was habe ich mich beim Lesen überschlagen, um sie in der nächsten zusammen zu erleben. Die beiden waren einfach herzallerliebst und so goldig, da geht einfach das Herz auf. Trotzdem war die Handlung in der Magierwelt vorher sehbar und man wusste einfach, wohin der Hase laufen würde, hat mich das gestört, nicht die Bohne. Ich merkte nämlich, dass ich im Lesesog war und die letzten 300 Seiten an einem Stück verschlungen habe und es mit einem, oh schon zu Ende, zu geklappt hatte. 

Wer sich den ersten 150 Seiten tapfer stellt, wird am Ende belohnt, mit einer witzigen und sehr romantischen Geschichte über zwei Zauberer mit Handicap, die einfach wahre Künstler der Kommunikation sind und uns Leser immer zum Lachen, schmunzeln und seufzen bringen. Natürlich kommt, die Zauberei und das Abenteuer auch nicht zu kurz. Dank Baz, hat sich diese Geschichte für mich noch sehr gelohnt.

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135 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

schauspielerin, new york, carrie price, new york diaries, adriana popescu

New York Diaries – Zoe

Carrie Price
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.07.2017
ISBN 9783426519424
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zoe Hunter hat sich ihren Umzug nach New York ganz anderes vorgestellt, zumindest nicht, dass sie mit Sack und Pack, inclusive pinken Couch auf der Straße stehen würde. Die neue Wohnung wurde nämlich jemand anderem gegeben und nun! Doch diese Stadt pulsiert vor Leben und schon bald steht Matt Booker vor ihr und ist der Retter in der Not, zusammen überstehen sie die Nacht in einer Seitenstraße und am nächsten Morgen ist Zoe glückliche Mieterin in Knights Building. Endlich kann sie sich ihren Traum von der richtigen Schauspielkarriere widmen und durchstarten. Aber wartet New York noch auf ein neues Sternchen? Und kann sich Zoe überhaupt etablieren? Tja, und was ist mit Matt, dem Retter in jeder Lebenslage, kann Zoe sich überhaupt auf ihre Karriere konzentrieren, wenn ihre Gedanken bei ihm weilen?
Mit riesiger Vorfreude habe ich auf einem neuen New York Diaries gewartet, und als ich ihn in den Händen hielt, ist mir bewusst geworden, dass es der letzte Band ist. Das schmälerte direkt meine Freude, weil ich sofort wehmütig wurde. Diese Reihe ist nämlich ein Garant für mich gewesen, für tolle Lesestunden. Es ist wie nach Hause kommen, oder einfach seine Füße ins kühle Nass halten und mit einem Schirmchendrink den Sonnenuntergang über den Dächern zu erleben. Entspannend, wohlfühlen und einfach grenzenlos genießen. Ob Zoe das Gefühl auch erfüllen konnte, erzähle ich euch jetzt.

Diesmal zieht also Zoe in die Stadt, und zwar für die Schauspielkarriere. Weg von Hollywood, als Seriennebendarstellerin und auf zum großen Kino oder doch lieber direkt zum Broadway. Die Träume sind groß und so passiert es, dass man schnell vergisst, wie das Leben manchmal funktioniert. Dass mündliche Absprachen nicht immer ehrlich eingehalten werden und das man manchmal etwas zu naiv ist. Aber das macht Zoe mit ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Willen nie aufzugeben wieder weg. Entschlossen will sie ihren Weg gehen, und zwar lieber steinig, als durch Trixerei. Aber wie das manchmal im Leben ist, sind Verlockungen sehr groß und dann biegt man schnell falsch ab. Jetzt kommt es drauf an, was man damit macht, wie sich das Leben drum herum arrangieren lässt und welche Konsequenzen man nicht tragen möchte. Kurz um, Zoe ist in eine typische Falle getreten und muss kämpfen. Ich mochte sie, ja, sie ist ein bisschen naiv, für ihr Alter, aber egal. Sie hat irgendwie ihren jugendlichen Charme behalten und sprüht vor Energie und Kampfesgeist.

Mir hat aber auch gut Matt Booker gefallen, der Mann mit den tauschend Nebenjobs und der um sein eigenes Leben ein Geheimnis macht. Klar werden einige sagen, warum fragt Zoe ihn nicht aus, aber ich finde, es gibt so Menschen, die reden einfach nicht gern mit jeden direkt über sich und nehmen sich erst etwas zurück. Vertrauen muss man immerhin aufbauen und es ist ja auch ein kleiner Selbstschutz. Aber trotzdem ist er präsent, ist da, wenn das Vorsprechen eine Katastrophe ist, und findet immer die richtigen Orte um das Leben wieder in Bann zu bringen. Außerdem mochte ich seine Superheldenshorts und die Clark Kent Brille, seine romantischen Einfälle, ach, ganz einfach mit ihm würde ich auch gern eine Hundetour drehen und ein Bier trinken. Da hat unsere Autorin wieder einen Herzensbrecher geschaffen. Charmant, witzig und mit einem Schuss Melancholie. Zum Schmachten.

Im vierten Buch ging es also um die Schauspielerei, dem großen Traum, der schon viele nach New York gebracht hat und an dem genauso viele gescheitert sind. Welcher Weg ist der Richtige? Und was genau will man erreichen. Diese Branche ist wie ein großes Haifischbecken und beherbergt viele Trug und Schein. Trotz ihrer Erfahrung in L.A. patscht Zoe natürlich in solch eine Falle und das muss so sein, immerhin geht es auch darum, sich selbst zu finden, im Reinen mit sich selbst zu sein und den richtigen Weg für sich zu entdecken. Deshalb musste das so kommen, wie es geschrieben steht, auch wenn ich als Leser oft dachte, aufpassen Mädel, aufpassen. Aber wir sollen ja mitgehen, jammern, schreien und mitbibbern. Dass Carrie Price einen mitleiden lassen kann, weiss ich ja schon, aber sie kann einen auch verzaubern, und obwohl Matt nicht ständig präsent im Buch ist, haben seine Szenen immer einen besonderen Charme, ein Kribbeln und einen, das will ich auch haben, Effekt.

Obwohl vielleicht nicht alles rund ist in der Geschichte und es kleine Punkte für Kritik gegeben hätte, muss ich allerdings sagen, mir egal. Ich hatte unglaublich schöne Lesestunden, nach einer Leseflaute, ich konnte lachen, mitfiebern und es ist einfach eine Liebesgeschichte zum Schmachten gewesen und ich finde es so gut, dass es eine Liebesgeschichte ist und keine Betthüpferei. Also hatte ich meinen, ich komm nach Hause Effekt, mein Wohlfühlmoment und wildes Herzklopfen. Ich würde sagen, Frau Price, alles erfüllt, was ich wollte, wieder einen tollen Kerl kennengelernt, New York bereist und lecker gegessen, mit toller Musik im Hintergrund. Was werde ich diese Reihe vermissen, Gott sein Dank, kann man sie immer wieder lesen.

New York Diaries ist für alle, die einfach schöne Lesestunden haben wollen, mit tollen Figuren, besonders den männlichen und großen Träumen und den Glauben daran, dass es dafür nie zu spät ist. Ich werde das Knights Building sehr vermissen.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, glück, happy end, sehnsucht, dankbarkeit

Taschenbücher / Die erstaunliche Wirkung von Glück

Susann Rehlein
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832163860
Genre: Romane

Rezension:

Dorle lebt in einem herrschaftlichen Haus, zwar im Souterrain, aber dafür in einer tollen Gegend. Zu früheren Zeiten wurde ihre Wohnung für den Concierge genutzt und irgendwie ist der Gedanke bei den älteren Bewohnern hängen geblieben und sie sehen Dorle eher als Dienstmädchen, statt als Mitbewohnerin an. Nun macht es Dorle aber auch nicht aus und übernimmt so einige Arbeiten, aber am liebsten verkriecht sie sich und steckt Kristalle für eine Kronleuchtermanufraktur zusammen. Diese Arbeit macht sie gern und ist auch ihr einziger großer Kontakt nach draußen, durch Joe, der ihr das Material liefert. Aber dann tritt Frau Sonne in ihr Leben und Dorle soll drei Monate auf deren Wohnung aufpassen, aber das allein ist nicht alles. In der Wohnung lauern ein Kater und ein Fax, was ständig neue Aufgaben für Dorle ausspuckt und ihr kaum Zeit zum Luft holen lässt. Wird Dorle dem allen gewachsen sein? Was verbirgt sich hinter dieser Aktion von Frau Sonne? Und ob Joe auch endlich eine Chance bei Dorle bekommt?
Ich mag ja etwas abgedrehte Geschichten und fand die Idee von der einsamen zurückgezogenen Frau, deren sich dann ein ganzes Haus ältere Leute annehmen wirklich herzallerliebst. So freute ich mich unglaublich auf die Geschichte und kuschelt mich zum Lesen hübsch ein und dann, war es vorbei mit dem Charme und dem Zauber. Warum erzähle ich euch jetzt.

Dorles zu Hause ist eine winzige kleine Wohnung, wo kaum zwei Leute reinpassen und dort fristet sie ihr Dasein. Allerdings nur, bis der nächste Mieter, wieder auf die Idee kommt, Dorle als Concierge einzuspannen und diesem Schicksal nimmt sie sich an. Sie putzt, kümmert sich um die Pflanzen, oder holt auch mal Brötchen. Einen Dank bekommt sie nicht und so plätschert ihr Leben so dahin, aber was sie eigentlich möchte, ist, ihre Ruhe haben, nur kann sie dafür, leider nie Nein sagen. Tja und dann kommt Frau Sonne, energiegeladen mit vierundachtzig daher und möchte das Dorle in ihrer Abwesenheit auf die Wohnung aufpasst, und zwar gegen Bezahlung. Was sie dafür tun muss, nicht soviel, Pralinen essen, kochen, den Kater pflegen und so eine oder andere Aufgabe aus dem Fax erledigen. Klingt doch nicht schlecht, ist für Dorle aber eine Herausforderung und eine absolute Schwerstarbeit, da sie dafür ihr Leben verlassen muss. Aber das Geld lockt und so versucht sie ihr Glück und stellt fest, das Glück auch was Tolles sein kann.

Ganz ehrlich, ich bin kein Dorle Fan. Naja, den Grundgedanken an ihrer Person, finde ich schon gut. Immerhin denkt sie selbst zu selten an sich, arbeitet immer nur und lässt sich zu leicht ausnutzen, dass da so ein Engel in Form von Frau Sonne und ihrer Gesellschafterin Frau Schräubchen erscheinen, kommt natürlich zur rechten Zeit und bringt Bewegung in ihrem Handeln und Tun. Allerdings schwebt mir Dorle zu oft in einem Zwischenraum, den ich nicht greifen konnte und was ich auch total unrealistisch fand, dass sie nix von den Helfern mitbekommen hat. Uns Lesern war es von Anfang an klar, was Frau Sonne vorhat, nur Dorle kämpfte mit ihren Alltagsschwächen und diesen Aufgaben.

Mir persönlich fehlte die Nähe zur Hauptfigur und auch alle anderen konnten nicht wirklich überzeugen. Bei Joe, den angeblichen festen Freund, hatte ich immer den Eindruck, er wäre irgendwie zurückgeblieben, dabei war er es am Ende nicht und auch einige andere Eindrücke bestätigten sich nicht. Am liebsten waren mir da die älteren Figuren, die durch ihre „Niedlichkeit“ sich einfach ins Herz schleichen wollten, aber immer mehr Klischees bedienten. Zudem fand ich es oft überdreht, unglaubhaft, wiederholend, schräg und mir fehlte, oft die Lust weiterzulesen. Der Zauber den so viele Leser verspürten, wollte sich einfach nicht bei mir einstellen und so schlug ich die letzten langatmigen Seiten einfach zu und bekam kein Glanzgefühl. Der Weg zum glücklichen Leser ist nicht immer einfach und hier fehlte mir meine Frau Sonne.

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