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112 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 71 Rezensionen

irland, geister, nachforschungen, debüt, tote

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.05.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

Mahonys Lebenslaufbahn ist nicht wirklich von Glanzstücken besetzt, Kleinkrimineller, Findelkind und Herzensbrecher, bis ihn eines Tages ein Brief  aus seiner Vergangenheit erreicht und ihn zu einem Ort führt, wo alles begann. Er reist nach Mulderrig, einer kleinen Dorfgemeinde, die Fremden gegenüber nicht gerade aufgeschlossen ist, aber lange können sie Mahonys Charme nicht widerstehen. Bis sie erfahren, warum er ihren Ort besucht, er möchte nämlich gern das mysteriöse Verschwinden seiner Mutter aufklären. Ab da trifft er auf taube Ohren und verstummende Münder, nur die exzentrische Mrs Cauley ist auf seiner Seite und zusammen entwickeln sie einen raffinierten Plan. Werden die beiden mit ihren Plan Erfolg haben? Können sie dem Verschwinden von Mahonys Mutter auf die Spur kommen? Und welche Geheimnisse werden sie noch ausgraben?
Auf dieses Buch freute ich mich schon, seit es mir vorgestellt wurde und dann musste ich so lange darauf warten und nun ist es schon verschlungen. Ich bin ja ein großer Fan von irischen Geschichten, sie habe so einen besonderen Klang und schaffen einfach Atmosphäre. Und hier haben wir ja alles vereint, Irland, ein kleines Dorf, eine schräge und verschrobene Gemeinschaft, eine alte neugierige Lady, einen jungen Burschen, der auch noch die Gabe hat, Tote zu sehen. Klingt gut? Ist gut! Nein, sogar großartig.

Als ich den Namen Mahony gelesen hatte, musste ich unweigerlich sofort an Mahoney aus der Police Academy Filmreihe denken und so ganz abwegig ist es nicht. Denn unser irischer junger Mann hat auch so eine gewinnende Spitzbübigkeit, einfach ein einnehmendes Wesen und Charme, der ihn die Damenwelt zu Füßen liegen lässt. Ich fand ihn sofort sympathisch und seine Art einfach herrlich zu lesen, bei all den Geheimnissen und sehr eigenwilligen anderen Figuren, war er einfach erfrischend.

Eine weitere Hauptfigur und Mahonys Teampartnerin war Mrs Cauley und die hatte es faustdick hinter den Ohren. Sie ist auch nur eine Zugereiste, lebt aber schon ewig in dem Dorf und gilt aber immer noch nicht als Einheimische, da ist eine Dorfgemeinschaft ja eisern. Aber Mrs Cauley hat ihren Platz gefunden, dafür das sie intelligent, scharfzüngig, exzentrisch und kämpferisch ist und es ihren Mitmenschen nicht immer einfach macht. Aber sie ist eine Person, die den Raum betreten und dann beherrschen kann und solch eine Detektivarbeit ist doch auch ein Heidenspaß. Ihren Part zu lesen, hatte immer mit viel bösem Humor zu tun und irgendwie finde ich, das sie wie aus einen Agatha Christie Roman entsprungen ist. Herrlich verschroben und extrem liebenswert.

Aber meine heimlichen Stars der Geschichte waren einfach die Geister, die Mahony sehen konnte. Ständig scharwenzelt einer durchs Bild, führte zu neuen Drehungen in der Geschichte und waren einfach für jede Situation zu haben. Ich fand, sie rundeten alles ab, gaben der Geschichte eine ganz eigene Stimme und schafften Atmosphäre, die sich einfach von anderen Dorfgeschichten abhoben. Wer also gern, wie ich, das Übernatürliche liebt, ist hier genau richtig.

Überhaupt schafft Jess Kidd ein ganz großartiges Debüt, es ist frisch und anderes, hat aber trotzdem den Stil von alten Klassikern, nur mit mehr Seele und Leben. Ihre Sprachauswahl ist unglaublich gut eingesetzt, sie lässt vieles lebendig werden, teilweise sogar poetisch, aber mit einer Sogkraft, die einen förmlich durch das Buch ziehen. Dabei ist man einfach gefesselt von den Figuren und der Landschaft, will immer mehr wissen und hat doch Angst, es zu schnell zu beenden. Dabei möchte man unbedingt wissen, was damals passiert ist, den Mahonys Mutter hatte ein dramatisches Leben und einen schweren Stand im Dorfleben. So spielt die Autorin mit Licht und Schatten in der Geschichte und verstrickt die Figuren immer mehr, und ob wir am Ende wirklich die Wahrheit erfahren, müsst ihr einfach selber lesen. Es lohnt sich.

Für mich hat dieses Buch eine unglaubliche magische Stimmung, mit wunderbaren originellen Figuren und einer Sprachgewalt, die mir einfach entzückende Lesestunden beschert haben. Mitreißend, schräg, schwarzhumorig und fesselnd, genau meins. LESEN!

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128 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

fantasy, jugendbuch, lovestory, auf immer gejagt, hauptmann omar

Auf immer gejagt (Königreich der Wälder 1)

Erin Summerill , Nadine Püschel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.04.2017
ISBN 9783551583536
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Tessa ist die Tochter, von Saul, dem Kopfgeldjäger des Königs und ihre Mutter, kam aus dem angrenzenden Nachbarland, in welchem Magie vorkommt und welche strikt in Malam verboten ist. So ist sie eine Ausgegrenzte und ein sehr einsames Mädchen, was durch den Tod des Vaters, nun auch noch um ihre Existenz bangen muss. Aber als beste Fährtenleserin vor Ort bekommt sie eine Chance, sie soll den Mörder ihres Vaters aufspüren, dann würde sein Besitz auf sie übergehen. Tessa hat keine Wahl, sie macht sich im Auftrag des Königs auf, um nach Cohen zu suchen, den Schüler ihres Vaters und den Mann, den sie liebt. Ist Cohen wirklich der Mörder? Wen kann Tessa trauen? Und über welche Erkenntnisse wird sie über sich selbst stolpern?
Nach meinen letzten Fantasygeschichten in Jugendbereich, die mich nur mäßig überzeugen konnten, hatte ich hier ganz große Hoffnungen. Das Cover ist ein Traum und ich mag starke junge Frauen, die ihren Weg gehen wollen und sich durchsetzten. Naja, und ein bisschen Liebe geht immer. Ob ich nun endlich mal wieder ein tolles Leseerlebnis hatte, erzähle ich euch jetzt.

Tessa ist jung und sehr einsam, außer ihrem Wald, ihren Vater und Cohen hat sie keinen und es schmerzt sie sehr, von allen ausgegrenzt zu werden. Aber sie kommt gut zurecht, liebt ihr Zuhause trotzdem und ist eine der besten Fährtenleserin im Land, denn auch sie wurde von ihrem Vater ausgebildet. Ich mochte Tessa sehr, irgendwie habe ich ja ein Faible für starke Frauen, die sich nichts gefallen lassen und einen kühlen Kopf bewahren. Zumindest hat sie das am Anfang, aber diese Männer, oder dieser eine macht ihr das Leben nicht einfach. So durchlaufen wir in den ersten Seiten eine Palette von Gefühlen durch, Verzweiflung, Unglaube, Angst, Furcht, aber auch Kampfeswille und Sturheit. Tessa ist keine, die aufgibt und sich ihren Schicksal überlässt und je weiter sie in der Geschichte voranschreitet, umso mehr erfährt sie noch über sich selbst, was doch sehr interessant war.

Natürlich gibt Cohen die zweite Hautrolle im Buch und ist ein unverschämt charmanter Beschützer, der das Leserherz höher schlagen lässt. Allerdings werde ich nicht mehr über ihn verraten, das täte nämlich eurer Spannung, ein bisschen die Wirkung nehmen und das wollen wir nicht. Aber Augen auf, jede Spur könnte auch eine falsche sein.

Erin Summerill hat hier ein tolles Abenteuer geschaffen und versetzt einen ein bisschen ins Mittelalter mit ihren Burgen und Märkten, lässt aber auch die Fantasy anklingen, denn Tessa ist nicht nur einfach Tessa. Nein, sie hat besondere Gaben und durch den Umstand, dass sie verboten sind, weiß sie selbst nicht so recht, was sie da tut. Das macht natürlich neugierig und lässt noch so einige Überraschungen erahnen. Überhaupt startet sie recht flott ins Geschehen und treibt ihre Geschichte immer schnell voran, dass somit keine Langeweile aufkommen kann. Wir rauschen durch die Wälder nach dem Mörder und halten auch nicht für die Liebesgeschichte an. Es ist ein wahrer Blättertanz mit Licht und Schatten und dieser macht einfach Spaß zu lesen. Man hat hier wirklich alles was das Herz begehrt, Spannung, Magie und so einige Schlagabtausche zweier Liebenden, die sich des anderen nicht sicher sind.

Nun kann man noch extrem kritisch anmerken, dass einiges vorhersehbar ist und das man Ähnliches schon gelesen hat. Aber für mich kam das Buch zur rechten Zeit, manchmal muss es nicht total unentwirrbar sein und ich hatte tolle und entspannende Lesestunden gehabt. Für ein Debüt ist es ein vielversprechender Auftakt und da kommt ja noch mehr, denn sie hat einen bösen Cliffhanger am Ende geliefert und mit dem bin ich ehrlich gesagt überhaupt nicht glücklich.

Dieses Abenteuer ist wie ein Waldspaziergang, hinter jeder Ecke kann eine Überraschung auftauchen und das Spiel mit dem Licht, das durchs Blätterdach bricht ist einfach faszinierend. Ein Debüt mit noch mehr Potenzial nach oben und zwei Hauptprotagonisten die einen ans Herz wachsen. Eine Geschichte zum Mitfiebern, schmachten und mitkämpfen.

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internet, social media, dystopie, zukunft, dave eggers

Der Circle

Dave Eggers , ,
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.10.2015
ISBN 9783462048544
Genre: Romane

Rezension:

Mae Holland kann ihr Glück kaum fassen und steigt mit vollem Elan in ihren neuen Job beim „Circle“ ein. Dieser Internetkonzern ist unglaublich, er schafft im Netz Ordnung und durch seine angebotenen Tools eine Transparenz, die es nirgendwo gibt. Aber das ist noch nicht alles, denn diese Firma strebt die Vollendung an, keine Kriminalität, keine Geheimnisse und Wissen für jeden auf der Welt. Mae ist begeistert und geht in ihrer Stelle darin total auf, sie liebt ihr Leben und die Firma und genießt abends die Partys auf dem Campus. Bis sie einen Mann kennenlernt, der sich für einen Mitarbeiter ausgibt, aber den sie in der Datenbank nirgendwo finden kann. Ist er ein Spion? Was macht er auf dem Gelände? Und warum fühlt sich Mae sosehr zu ihm hingezogen?
Dieses Buch wollte ich unbedingt, wegen dem brisantem Thema lesen, denn das Internet ist aus unserem aller Leben nicht mehr wegzudenken. Wie viel Zeit wir doch virtuell am Tag verbringen und es schon, wie eine Sucht ist, wenn wir nicht zum Handy greifen können. Information jetzt und überall ist aber nicht immer schön, oder? Mir macht das manchmal Angst und nach diesem Buch sind meine Bedenken nicht weniger geworden. Vergesst 1984 vom George Orwell, der Circle ist noch viel schlimmer.

Mae Holland ist eine junge Frau, Einzelkind und nach dem teuren Studium einfach in ihrer Stelle gefrustet. Gelangweilt, unterfordert und mit der Frage kämpfend, soll es das gewesen sein, nimmt sie die Chance wahr und nimmt die Hilfe ihrer Freundin an, um beim Circle einen Job zu bekommen. Mit großer Begeisterung steigt sie ein und wird schnell zu einer der besten Neulingen. Angagiert, energievoll und arbeitseifrig. Mae war mir von allem zu viel, eigentlich war sie unterwürfig, hat sich der Masse angepasst und sich nach oberflächiger Zuneigung gesehnt. Ihr ist gar nicht bewusst wie verletzend sie sich ihrer Familie und Freunde gegenüber verhält, wenn sie alles in die Welt posaunt, wie sie nicht in der Lage ist, Leben und Internet zu differenzieren. Nun gut, ich könnte jetzt noch einen ganzen Roman schreiben, aber ich mache es kurz, sie ist der perfekte Soldat und lässt sich lenken und mir total unsympathisch.

Überhaupt wurden meine Beklemmungsgefühle dieser Firma gegenüber immer größer und mit jeder Seite mehr, wurde ich wütender und schockierter, erst wollte ich auch gar keine Rezension schreiben, weil ich einfach so sauer war, aber dann dachte ich darüber nach und mir wurde klar, der Autor hat das gut gemacht, denn ich fühle es und es bewegt mich. Dave Eggers verpackt diese Firma nämlich wirklich als Bonbon, toller Arbeitsplatz, ein gutes Miteinander, gesundheitliche Überfürsorge und ein Abendprogramm mit Entertainment, was es einfach nirgends gibt. Man arbeitet nicht dort, man lebt und lässt seine vollen Kapazitäten fließen. So zumindest auf den ersten Blick. Am Anfang ist es noch Begeisterung und Staunen, aber mit jedem Tag mehr, weckt der Autor eine Unruhe beim Leser und einem Weckruf. Dieser soziale Druck, die ständige Kontrolle und diese überfreundlichen Hinweise, sich doch mehr virtuell einzubinden, gehen einem schnell auf den Geist und man fragt sich, warum machen das alle mit. Dann die ganze weitere Entwicklung schrie einfach nach Machtmissbrauch und alles andere als Freiheit des Geistes. Für mich ist dieses Buch wie eine Ohrfeige, wacht auf, passt auf und lasst euch nicht zu solch einem Wahnsinn zwingen. Tja, und die Realität ist so nah.

Allerdings, so toll, wie das Thema ist, hat der Autor es aber wirklich sehr langatmig erzählt. Er lässt sich sehr viel Zeit für seine Firmenentwicklung und ich fand, dafür waren es einfach zu viele Seiten. Man hat oft das Gefühl, es muss doch reichen, eine Episode weniger hätten nicht geschadet und was ich besonders irreführend fand, es gibt keine Wendung. Dave Eggers treibt alles auf die Spitze, überzieht jede Szene und treibt sein Schreckensszenario unumwindbar an. Wenn man einmal mit dem Kopf schütteln anfängt, hört man hier nicht mehr auf und ist über die Blindheit der Menschen schockiert. Ein Hirte, der seine Schafe zur Schlachtbank führt und als ob wir das nicht schon oft in der Geschichte hatten, fällt die Menschheit wieder drauf rein.

Ein Buch, was mehr als nur zu unserer Generation passt und es sollte ein großer Weckruf bleiben. Denn die menschlichen Abgründe können überall laueren und so eine gute Fiktion, lässt den Alltag im anderen Licht erscheinen.

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125 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

japan, freundschaft, lepra, kirschblüten, roman

Kirschblüten und rote Bohnen

Durian Sukegawa , Ursula Gräfe
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.03.2017
ISBN 9783832198121
Genre: Romane

Rezension:

Sentaro ist unglücklich mit seinem Leben, alles läuft anderes als erwartet und nun steht er immer noch in einem Imbiss und muss Dorayaki verkaufen, um seine Schulden zu begleichen. Bis ihn eines Tages eine alte Frau anspricht und den Aushilfsjob möchte, im ersten Moment lehnt Sentaro ab, in ihren Alter und dann mit diesen verkrüppelten Händen, nein, das geht nicht. Aber Frau Yoshii ist hartnäckig und möchte unbedingt in seinem Laden helfen und so knickt Sentaro ein, aber er besteht darauf, dass sie nur bei der Zubereitung der Bohnenpaste hilft und nicht im Verkauf. So entwickeln beide ein ganz neues Ladenkonzept, weg mit der Fertigpaste und her mit besser und leckerem Dorayaki und schon bald macht es sich im Umsatz bemerkbar. Aber nicht nur der Laden verändert sich, sondern auch Sentaro und aus dem einst resignierten Mann, entwickelt sich jemand der sich für sein Tun doch noch begeistern kann. Frau Yoshii und ihr Chef werden Freunde, aber was so gut begann, wird sich schnell wieder ändern. Was passiert mit dem Imbiss? Kann Sentaro noch sein Lebensinhalt finden? Und was hat es mit Frau Yoshii‘s Händen auf sich?
Diese kleine, aber feine Geschichte ist mir damals beim Erscheinen schon aufgefallen, bestimmt wegen der zauberhaften Aufmachung und wahrscheinlich auch deshalb, weil es einen Kinofilm gibt, aber erst auf nachdrücklicher Empfehlung habe ich es nun gelesen. Tja und was soll ich sagen, es lohnt sich, diese berührenden Figuren kennenzulernen.

Im Vordergrund steht Sentaro, einsam, unglücklich und mit sich sehr unzufrieden. Für eine Dummheit in der Jugend büßt er jetzt sein ganzes Leben und diese Frustration spiegelt sich in seinem Leben wieder. Er hat keine Lust auf Dorayaki und auf diesen Imbiss, er macht das nur wegen seinen Schulden. Allerdings hat er auch nichts anderes, was ihn glücklich macht und so trinkt er abends einfach ein bisschen zu viel. Schnell von den Leuten genervt, wird er von Frau Yoshii mehr als nur überrumpelt, sie stellt ihn einfach immer eine Gegenfrage und das bringt Sentaro immer total aus dem Konzept. Zuerst möchte er sie abwimmeln, aber dann kommt doch ein bisschen der Geschäftsmann durch. Trotz seiner Bedenken stellt er Frau Yoshii ein und blüht regelrecht auf, in seinem Reich.

Und so kommen wir zu Frau Yoshii, ich mag eigentlich gar nicht viel verraten, denn ihre Lebensgeschichte ist so tragisch, traurig und berührt einem sehr und das möchte ich vorab nicht kaputtmachen. Sagen wir so, ihre Vergangenheit ist schrecklich und mit diesen Auswirkungen hat sie immer noch zu kämpfen. Aber trotzdem versprüht sie so einen Lebenswillen, ist spitzbübisch und einfach ein Herz von einer Seele. Sie tut Sentaro, dem Imbiss und allen Leckermäulern in Schuluniform gut, man könnte einfach sagen, sie ist die Seele des Imbiss. Wenn da nicht ihre Hände wären und die vielen Menschen, die tratschen und Gerüchte verbreiten. Diese Figur habe ich schnell ins Herz geschlossen und ich bewundere sie immer noch für ihre Lebenskraft, beeindruckend.

Diese Geschichte wird ruhig erzählt, aber entwickelt dabei eine unglaubliche Kraft und bedient ein Thema, welches wir alle nicht wirklich vor Augen haben. Man kann deshalb einfach nicht aufhören zu lesen, da man wissen möchte, gibt Sentaro auf? Oder was genau hat nun Frau Yoshii? Diese ganzen Fragezeichen hält der Autor lange in der Schwebe und zieht einen so durch die Seiten. Aber man empfindet es nicht als schlimm, man ist von der Entwicklung an sich fasziniert, wie eine alte Dame, Lebensgeister weckt, und wie sich auch trotz großer Altersunterschiede Freundschaften finden. Diese zarten Bande sind einfach wunderbar beschrieben und zeigen wieder, dass das Leben an den unglaublichsten Stellen Licht hat und Hoffnung spendet. Ach, noch eins Wakana unser Schulmädchen auf dem Cover spielt natürlich auch eine Rolle, aber tragend sind einfach Sentaro und Frau Yoshii.

Für mich ein trauriges, aber auch hoffnungsvolles Buch, was zeigt, wie Freundschaft unser Leben beeinflussen kann und das es im Leben immer noch eine Abbiegung gibt, um glücklich zu werden. Schön erzählt und in absoluten Zeitgeist.

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57 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, münchen, duft, florenz, familie

Die Galerie der Düfte

Julia Fischer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2017
ISBN 9783426653845
Genre: Liebesromane

Rezension:

Johanna ist seit ihrer Kindheit ein großer Fan von den Düften der Officina Profumo de Santa Maria Novella und somit hat sie ihre Leidenschaft auch zum Beruf gemacht und sich der Naturkosmetik verschrieben. Seit Jahren versucht sie nun schon bei der Firma, auch die Erlaubnis zu erhalten, deren Produkte bei sich anzubieten zu dürfen und erhält eine Absage nach der anderen. Immer niedergeschmettert und frustriert setzt ihre Nachbarin ihr den Floh ins Ohr, persönlich um ihr Anliegen zu bitten und so macht sich Johanna auf, nach Florenz und ihren Träumen. Dort begegnet sie nicht nur einer wundervollen Stadt, sondern auch zwei ungleichen Brüdern. Luca, den zweiten Geschäftsführer, unnahbar und still, sowie Sandro, den Parfümeur, der es spielerisch schafft, das alle Frauenherzen ihn zufliegen. Johanna ist verzaubert, von Kultur, Düften und dem Charme Sandros, aber kann das gut gehen? Wird Johanna ihre Erlaubnis bekommen? Oder bringt sie etwas ganz anderes mit nach Hause? Welche Geheimnisse birgt die Officina Profuma de Santa Maria Novella noch?
Auf diesen Roman habe ich mich ganz besonders gefreut, denn er ist von Julia Fischer und wer ihr einmal begegnet ist, weiß, dass sie einfach mitreißend erzählen kann. Sofort möchte man mehr hören, sehen und einfach erleben, und da ich unbedingt wieder mal nach Italien möchte, war auch ich sofort Feuer und Flamme, denn an Florenz mit diesem schrecklichen Tagesschulausflug, kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Nun fing ich zu lesen an und wurde sofort mit Worten und Beschreibungen überflutet, mein Kopf schaltete direkt auf Sommerfeeling und ich wandelte einfach durch Gassen und Parks. Wie ihr seht, sie kann einem nicht nur Vorschwärmen, sondern entführt einen auch in Schriftform an andere Plätze, ich fürchte, ich bin schwer Fischer infiziert.

Im Prolog schickt uns die Autorin ins Jahr 1985 und lässt uns eine Sommerliebe miterleben, die prickelt, knistert und einfach dieses typische Gefühl von jung, verrückt und unbeschwert vermittelt. Dass diese Begegnung nur ein Auftakt ist und welche Verwicklungen noch dazu kommen, erfahren wir Jahre später, denn nun reist Johanna, die Tochter nach Italien.

Johanna ist eine junge Frau, die nicht nur durch ihre rotes Haar auffällt, sondern auch durch ihre Kleidung, im Stil der zwanziger Jahre, ist sie ein wahrer Hingucker und manchmal hat man das Gefühl, sie ist in der Zeit stehen geblieben. Seit Anfang des Jahres quält sie sich mit Liebeskummer herum und fragt sich, warum kein Mann bei ihr bleibt. Umso mehr stürzt sie sich in die Herstellung von Düften und überlegt sich immer neue Variationen aus, um sich vom Weltschmerz abzulenken und diesen vielleicht sogar wegzuduften. Ihre Reise nach Florenz wird alles in ihrem Leben ändern. Ich mochte Johanna, sie ist eine ganz tolle junge Frau und ich fand es großartig, dass sie Stil hatte und trotzdem modern war, eine Mischung, wie ich sie doch gern öfters hätte und gegen ihren Kleiderschrank hätte ich auch nichts einzuwenden. Aber ihre Blindheit hat mir wirklich ein bisschen zu schaffen gemacht.

Die Herren im Buch sind aber auch wirklich gut gewählt, wir haben den ernsten Luca, er ist der älteste Sohn und trägt die Bürde der Familie auf den Schultern. Sein Leben ist nach einem Terminplaner ausgelegt und Zeit für die Liebe hatte er noch nie. Nun schickt sein Onkel ihn zu dieser jungen Frau und zum ersten Mal in seinem Leben, schlägt sein Herz viel schneller. Kann Luca damit umgehen? Weiß er, wie man mit einer Frau flirtet und ihr den Hof macht? Auf keinen Fall und allein deshalb hat er mein Herz im Sturm erobert. Ich verliebe mich immer in die stillen leidenden Helden, die ihr Schicksal ertragen und trotzdem immer noch hoffen. Ihm gegenübersteht sein jüngerer Bruder Sandro, locker, verschmitzt und ein wahrer Frauenversteher. Sandro fällt es leicht aus einem Flirt mehr werden zulassen und die Damenwelt zu bezirbsen. Er ist der Künstler der Familie, der alle Freiheiten hat und gerade die Angstphase einer festen Bindung erlebt. So was verleitet ja immer zu Dummheiten und so ein schmucker Kerl, gehört doch nie einer allein. Ein Charmeur und Verlobter, der in Johanna Gefühle auslöst, wie ein Sommersturm.

Mehr verrate ich nicht, nur noch so viel, das diese Liebesgeschichte über ein paar Jahre vergeht und das hat Julia Fischer geschickt angestellt. Überhaupt hat sie eine Art zu schreiben, die einen mitreißt, begeistert, entführt und durch ihre Ausdrucksart einfach überrascht. Man spürt einfach mit jedem Wort, wie viel Spaß sie selber beim Schreiben hatte. Sie verwendet ganz viele Beschreibungen und lässt einen so eine wahre Duftexplosion im Kopf miterleben, man kann den Sommer in Florenz riechen, oder Lucas Duft im Anzug. Dazu kommen noch die wunderbaren Ortsbeschreibungen und man hat das Gefühl im Kino zu sitzen und einen großen Hollywood Klassiker anzuschauen, mit ausdrucksstarken Figuren, überwältigenden Farben und zarten Klängen der Liebe. Für mich ist diese Geschichte wie eine Oper, perfekt in ihrem Klang, harmonisch inszeniert und mit einem langen Nachhall, der einen noch Tage später begleitet und man summt noch mit, na gut hier riecht man immer noch mit. Ich befürchte, ich muss nach Florenz und mir so ein Duftwasser kaufen, ich hoffe doch sehr, dass Frau Fischer Provision bekommt.

Eine tolle Geschichte, mit besonderem Flair, die einen verzaubert und an die Magie der Liebe denken lässt, harmonisch bis in die Hutspitze, ein wahrer Schatz für die Sommertage. Lesen, unbedingt lesen.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

london, ende der 1980er, waisenkinder, england ende der 1980er, ich-erzählerin

Der Himmel über Appleton House

S. E. Durrant , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.03.2017
ISBN 9783551560308
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ira und Zac sind Geschwister und Waisenkinder. Die beiden zu vermitteln, ist ziemlich schwer, da sie zusammenbleiben wollen und nicht mehr so klein sind. So werden sie von einer Pflegefamilie zur Nächsten weitergereicht, bis sie am Ende in einem Kinderheim landen. Skilly House, kommt einem Richtigen zu Hause schon recht nah, aber es ist trotzdem nicht dasselbe. Sie sehen, wie Kinder kommen und gehen und bleiben selbst zurück. Je älter sie werden, umso mehr schwindet die Hoffnung, aber dann dürfen sie eine Woche in den Urlaub fahren, zu Martha nach Appleton House. Wird sich hier ihr Schicksal wenden? Werden die Geschwister ein zu Hause finden? Und wird der Himmel für sie aufbrechen, damit noch mehr Träume in ihr Leben fallen?
Eine Geschichte über zwei Waisenkinder, für mich eine total neue Erfahrung, denn ich hatte eine Familie und bin wohl behütet aufgewachsen, umso gespannter war ich auf diese Erfahrungen. Wie ist es keine wirklichen Vorbilder zu haben, sich selbst im Leben einzufinden und ohne Geborgenheit und Liebe der Eltern aufzuwachsen?

Ira ist die Ältere, der beiden Geschwister und erzählt uns ihre Geschichte, wie eine Art Tagebuchauszug. Über ihre Eltern wissen sie nichts, immer wenn sie sich an eine Pflegefamilie gewöhnt haben und Zuversicht gefasst haben, mussten sie wieder weg. Vor dem Kinderheim hatte sie am meisten Angst und wurden überrascht, dort ist es nicht so schlimm, wie erwartet. Es sind nicht so viele Kinder da und ihre Betreuer geben sich reichlich mühe, für jeden da zu sein und zu geben, was sie brauchen. Für Ira und Zac wird Skilly House ein zu Hause. Aber trotzdem fühlen sie sich verloren, je mehr Kinder sie kommen und gehen sehen, nimmt ihre Verzweiflung ein eigenes zu Hause zu finden immer mehr zu. Je älter sie werden, umso mehr begraben sie ihre Hoffnungen und Träume.

Dabei muss Ira am meisten einstecken, da sie die große Schwester ist, macht sie sich immer Sorgen um Zac. Versucht für ihren überbrodelnden Bruder da zu sein und alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. So bleibt sie allerdings auf der Strecke und trotzdem entwickelt sie sich im Laufe der Geschichte. Am Anfang wirkte sie noch recht abgeklärt und hoffnungslos, ihr scheint von Anfang klar zu sein, in welcher Situation sie sich befinden und entschied für sich, still ihr Schicksal zu ertragen. Aber je mehr sie sich wohlfühlte und Zuspruch von ihren Betreuern bekam, erwacht auch die Sehnsucht nach einem richtigen zu Hause. Und obwohl Ira eher zurückhaltend und still ist, wurde sie auch ein Halt für die anderen Kinder und verschenkt ihr Herz, trotz Angst, ihre Freunde nie wieder zusehen.

Was mich überrascht hatte, ist, dass die Geschichte in den achtziger Jahren spielt, irgendwie hatte ich Geschichten über Kinderheime, die schockierenden Tatsachen aus einem anderen Jahrhundert berichten, im Kopf. Hier allerdings ist es überhaupt nicht der Fall und das Erstaunlichste dabei, war für mich, die Vorstellung, dass ich zur fast gleichen Zeit geboren wurde wie diese beiden. Ab und zu war es für mich wirklich schwer, mich im richtigen Zeitraffer wieder zu finden, aber das ist wohl eher nebensächlich.

Wirklich großartig gelungen war die Art des erzählen‘s. Ira‘s ruhige Art zu beobachten und dann in Worte zu kleiden, ergab eine reale Sicht auf die Dinge und Begebenheiten. Man konnte trotz, oder gerade durch ihren nüchterne Sicht der Dinge, besonders mitfühlen. Ihre Gedankenwelt wurde so gut umgesetzt, dass man sich sehr in sie hineinversetzen konnte und diese Gefühle und Sorgen wurden perfekt auf den Leser übertragen, sodass man sich einfach gut in die Situation einer Waise hineinversetzen konnte. Erst spürten wir ihre Verzweiflung, dann ihre Sehnsucht und am Ende sogar Hoffnung. Je mehr man las, umso unruhiger wurde man, trotz der Ruhe von Ira, entwickelte sich gerade deshalb, solch ein Wunsch, dass die beiden doch noch einen Ort für sich finden würden.  

Eine unglaubliche Geschichte über zwei Waisenkinder, sehr ruhig, aber mit  einem geballten emotionalen und tiefgründigen Thema, das durch ein ausdrucksstarken Erzählen überzeugt und den Wunsch nach mehr Glück im Leben weckt.

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60 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 12 Rezensionen

thriller, roman, die überfahrt, mats strandberg, fantasy

Die Überfahrt

Mats Strandberg , Antje Rieck-Blankenburg
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 24.05.2017
ISBN 9783596295999
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Ostsee-Fähre Baltic Charisma legt bald ab und während sich, die Crew auf die Partygäste vorbereiten, checken die Passagiere vorfreudig ein. Auf jeder Fahrt gibt es welche, die nach der großen Liebe suchen, oder einfach den Alltagsstress vergessen wollen, aber egal welcher Grund, eins haben alle gemeinsam, sie wollen sich amüsieren. So schwappt der Übermut und die Fröhlichkeit durch die Korridore und der Alkohol fließt in strömen. Jeder hat sein Ziel vor Augen und so bemerkt kaum jemand auf dem Autodeck, wie sich eine Mutter mit ihrem Sohn an Bord schleicht und selbst wenn, ist diese Tatsache schnell wieder vergessen. Dabei müssten sie vor Angst zittern, denn nun ist auch das Böse an Bord angekommen. Was haben sie vor? Um welches Grauen handelt es sich bei den beiden? Und wird die Fähre jemals am anderen Hafen ankommen?
Als mir das Buch „Die Überfahrt“ vorgestellt und mir der Autor von der „Zirkel“-Trilogie genannt wurde, jauchzte ich begeistert auf. Ich kenne zwar nur den ersten Teil der Reihe, aber der Erzählstil und die unterschiedlichen Personensichten haben mich damals schon total umgehauen und mit Sicherheit werde ich diese Trilogie noch einziehen lassen, die anderen Bände muss ich nämlich noch lesen. Nun aber sind es nicht Hexen, sondern ganz andere grausame Gestalten und allein der Handlungsort ist mega gewählt. Ob sich meine Euphorie hier bestätigt, oder im Stich lässt, erzähle ich euch jetzt.

Mats Strandberg hat sich also eine Fähre gemietet, haut dort unzählige verschiedene Personen rauf und schickt dann einen kleinen ungehörigen Blutsauger los. Mehr an Geschichte gibt es nicht, aber das reicht auch völlig aus, denn er erzählt wieder alles aus verschieden Sichten und seine Figuren, sind einfach seine Stärke und die Stars des Ganzen. Wer braucht schon ein Weltraumschiff oder einen verlassenen Planeten, wenn man sich auch hier auf der Erde einen kleinen Mikrokosmos schaffen kann. So eine Fähre ist wirklich ein gut gewählter Ort, um so richtig schön in die Horrorkiste zu greifen und einen in einen Lesesog zu ziehen.

Ihr seht vorab, ich hatte meinem Spaß und das liegt wohl an seinen genial gewählten Figuren, die alle authentisch rüberkommen und einen wirklich so im Leben begegnen können. Da haben wir die Crew, Pia von der Sicherheit, alleinerziehend, geschieden, aber der Fels in der Brandung. Filip, der Barkeeper, der seinen Job liebt und hasst zur gleichen Zeit. Oder Dan Applegren, den gefallenen Schlagerstar, der auf dieser Fähre in der Karaokebar arbeitet, weil er sonst keine Angebote mehr hat und sich sein Elend mit Kokain und Groupies versüßt und dabei alle hasst. Außerdem mit dabei ein alter Angestellter, Calle, der es vom Schiff geschafft und seine Träume verwirklicht hat und nun will er seinen Freund einen Antrag an Bord machen. Zudem gibt es auch noch die andere Sicht der Passagiere, Madde zum Beispiel will mit ihrer Freundin Party machen und nicht mehr an ihre bevorstehende Kündigung denken. Oder Marianne, die zu Hause allein ist und sich selbst nicht mehr mag und spontan ein Ticket gebucht hat und dann Göran kennenlernt. Und Albin ein zwölfjähriges Adoptivkind, was nicht nur mit den Eltern Stress hat, die Mutter im Rollstuhl und der Vater ist nicht nur Alkoholiker, sondern seine Cousine Lo ist mit dabei, früher seine beste Freunde und nun ist sie zum Teenager herangewachsen und scheint für ihn unerreichbar zu sein. Alle zusammen interessante Persönlichkeiten, die allein durch ihr Leben Seiten füllen könnten und dann in eine Katastrophe schippern.

Zu erst dachte ich noch, das wird was geben, wenn ich nur ständig die Sorgen und Probleme der anderen lese, oder über dieses Party geile Volk, aber allein da, schafft es schon der Autor einen an die Seiten zu fesseln. Er spielt sehr geschickt seine erzählerischen Karten aus und verwickelt einen immer mehr auf dieses Schiff und seine Besatzung. Während er langsam Fahrt aufnimmt und berichtet, wie es zum ersten Opfer kommt, haben wir alle wesentlichen Figuren kennengelernt und wissen, wie es in ihnen drinnen aussieht und dann folgt alles, Schlag auf Schlag. Eine Figur wechselt die nächste ab, bei der höchsten Spannung gibt es einen Kat und er schreibt über den nächsten und zwischen drin gibt es immer wieder einen Kurzbericht von der Baltic Charisma, unglaublich spannend und fesselnd, besser finde ich, geht es nicht.

Er schafft ein richtiges Szenario, schwört eigene Ängste und Bedenken herauf und ganz ehrlich ein besseres Kopfkino kann es nicht geben, man sitzt mit seinem Buch da und knabbert vor Aufregung an den Fingernägeln, stöhnt auf, wenn es den nächsten erwischt, oder ist geschockt über seinen Blutdurst, denn magenempfindlich sollte man hier nicht sein. Wie aus einem Infizierten, so eine Epidemie werden kann, ist unglaublich und es wird von Seite zu Seite immer schlimmer und man steckt so richtig im Horrortrip mittendrin und es nimmt kein Ende. Dieser Lesesog lässt einen förmlich durch die Seiten rauschen und man wird böse über jede Unterbrechung, man will nämlich nicht auftauchen.

Für mich ein absolut hervorragendes Unterhaltungsbuch, ganz großes Kino, mit wirklich allen drum und daran, aber auf eine Fähre kriegt mich jetzt keiner mehr.

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49 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

abenteuer, bücher, kinderbuch, fantasy, barcelona

Das verschwundene Buch

Edward Berry , Anja Rüdiger
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Sanssouci, 17.02.2017
ISBN 9783990560273
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Alba und Diego streifen gern durch Barcelona und entdecken immer wieder neue Winkel und Ecken, aber am liebsten suchen sie nach versteinerten Drachen oder besuchen die Buchhandlung ihrer Tante Bea. Sogar in letzter Zeit sehr sehnsüchtig, da eine Buchneuerscheinung am Start ist, die alle heiß ersehen und kaum abwarten können. Bei Kritikern ist „Die schönste Geschichte der Welt“ hochgelobt und so gibt es jetzt schon Vorbestellungen ohne Ende. Nun ist es bald so weit, aber dann verschwindet das Buch einfach und die Erinnerung daran verblasen bei jeden, sogar Alba und Diego können sich kaum erinnern. Und nicht allein das Buch verschwindet, nein, auf einmal verändern sich Geschichten, oder verschwinden. Wie gut das Tante Bea über einige Zauberkräfte verfügt und Alba und Diego in die Geschichte von Peter Pan zaubert, damit sie diese retten. Wird es ihnen gelingen? Können sie die Geschichte wieder richtigstellen? Und wie kommen sie wieder zurück?
Mich hat dieses kleine Buch auf Umwegen erreicht und normalerweise lese ich gar nicht so oft Kinderbücher, aber der Inhalt klang wirklich nach großem Abenteuer, und wenn es um Bücher geht, bin ich doch immer dabei. Aber den letzten Ausschlag hat wohl meine Lieblingsbuchhandlung gegeben, denn da lag es oben auf dem Büchertisch und so musste ich es einfach anlesen.

Alba und Diego sind Geschwister und lieben es draußen durch die Straßen zu schweifen und sich dabei Geschichten zu erzählen. So richtig toll finden sie aber auch den Buchladen ihrer Tante und können einem Buch genauso wenig widerstehen, wie einen neue entdecken Wasserspeier, der wie ein Drache aussieht. Beide lieben es also rumzutollen, als vor einem Computer zu sitzen und warten schon ganz aufgeregt auf das Buch der Bücher und knobeln, wer es zu erst lesen darf. Was für ein Glück das sie ihre Tante haben, denn ihre Eltern haben kaum Zeit für sie und widmen sich lieber ihren Handys. So sind einen diese beiden Protagonisten direkt sympathisch, da sie sich noch wie typische Kinder verhalten, neugierig, abenteuerlich und wissbegierig.

Wie toll fand ich doch den Einstieg in diese Geschichte, so richtig magisch war der Spaziergang durch die Gassen Barcelonas und auch der Buchladen ist eine richtig schöne Fundgrube an märchenhaften. Da hält man sich gern auf und lässt sich in die Buchwelt einladen, aber schnell wird klar, das Barcelona nicht allein Handlungsort bleibt, denn Alba und Diego müssen nach Nimmerland und Peter Pan helfen, für mich ist die Geschichte dort etwas gekippt. Ich hatte das Gefühl, das der Autor hier nicht so recht wusste, wie er den weiteren Verlauf voranbringen sollte, entweder direkt zum Geschehen kommen, oder einfach ein bisschen Peter Pan erzählen, da ich nicht so ein Fan von dieser Geschichte bin, war der Teil für mich schon etwas zäh und dann ging mir alles viel zu schnell zu Ende. Klar war mir bewusst, es ist ein Auftakt zu einer Reihe, aber ich dachte, es wären in sich abgeschlossene Abenteuer, hier ist das nicht der Fall, denn die Suche nach dem Buch ist noch lange nicht beendet.

Edward Berry liefert hier eine fantasiegeladene Geschichte für junge Leser ab. Die einer Mischung aus Gegenwart‘s Problemen, wie Handysucht, aber auch die alten Klassiker, sowie einigen Fantasy Elementen belebend mit einfließen lässt. Dazu verwendet er einen zeitgenössischen Sprachstil, der auch mit viel Witz aufwartet.

Allerdings fand ich es für jüngere Leser doch etwas schwierig, wenn man Peter Pan noch nicht kennt, oder auch einige andere Anspielungen, wie wenn man ägyptische Gottheiten nicht einordnen kann, da sind viellicht die Erwachsenen mit einzubeziehen. Ansonsten aber ein Buch, wo man die Jugend bestimmt mit unterhält und begeistern kann. Ran ans Buch, ihr Leseratten und lasst euch ins Abenteuer reinziehen.

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330 Bibliotheken, 16 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

fantasy, ein meer aus tinte und gold, traci chee, jugendbuch, abenteuer

Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna 1)

Traci Chee , Sylke Hachmeister
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 25.11.2016
ISBN 9783551583529
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Sefia ist seit dem Tod ihres Vaters mit ihrer Tante Nin unterwegs. Beide halten sich abseits und kämpfen ums Überleben. Als Sefia spät aus der Stadt zurückkommt, findet sie ihre Tante umzingelt von Fremden vor. Aus ihrem Versteck hört sie wie diese Nin mitnehmen und statt zu reagieren erstarrt sie. Wütend über sich selbst und aus Frust über ihre Unwissenheit über das Gesagte, schwört sie Rache. Zum ersten Mal öffnet sie ihre Tasche, um sich den nutzlosesten Gegenstand im ganzen Land genauer anzusehen. Ein Buch, in einer Welt, wo niemand lesen kann und spürt beim Aufschlagen eine Verbundenheit und fast schon eine magische Anziehungskraft. Sefia beginnt die Zeichen zu lernen und begibt sich auf die Suche nach Nin. Unterstützung findet sie bei dem stummen Jungen, den sie rettet und der sich ihr anschließt. Welchen Geheimnissen werden sie auf dem Grund gehen? Warum kann keiner lesen und schreiben? Und werden sie Nin finden?
Dieses Buch bereitet mir wirklich Kopfzerbrechen, da ich mir so viel erhofft hatte, aber mit nichts draus hervor ging. Dabei wurde es so toll beworben und mit viel Magie gefüttert, aber in mir schwingen immer noch zu viele Fragezeichen. Allein das Cover ist eine Augenweite, aber das reicht ja wohl nicht aus. Warum ich so traurig bin und mit wirklich gemischten Gefühlen zurück bleibe, erzähle ich euch nun.

Sefia weiß eigentlich absolut nichts über ihre Eltern und deren Tod, warum sie dieses Buch mit sich rum schleppt und immer auf der Flucht ist. Das macht einen als Leser etwas ratlos, weil man nicht wirklich einsteigen kann. Es wird erst besser als der stumme Archer auftaucht, aber dieser ist selbst ein Geheimnis, welches nicht wirklich gelüftet wird. Allerdings macht ihre aufblühende Freundschaft, diese beiden am sympathischen im ganzen Buch. Dazu kommt noch ein zweiter Handlungsstrang in einer Bibliothek, wo begabte Menschen lernen und für eine Elite arbeiten. Allerdings bleibt auch dieser etwas im Unklaren und man weiß nicht so reicht, wann spielt dieser Strang eigentlich genau. Immerhin geht es um einen jungen Mann Lon, der Magie lernt und einer jungen Frau Tanin, die als Assassine ausgebildet wird und natürlich ist eine Liebesverbindung tödlich. Tja, und der dritte Handlungsstrang ist Kapitän Lee, dessen Geschichte zwischen den Seiten von Sefias Buch auftaucht und später sogar selber. Dieser möchte in die Geschichte eingehen und hofft, dass seine Abenteuer irgendwann aufgeschrieben werden, damit er unsterblich wird. Allerdings kann sie doch keiner lesen.

Wie ihr seht, ich bin unschlüssig und verwirrt. Diese Autorin besitzt für mich das Talent, ganz viel zu erzählen, ohne wirklich was Greifbares oder Fesselndes zu liefern. Statt auf Fragen Antworten zu bekommen, bekommt man noch mehr Fragen und eine Handlung, die sich ellenlang hinzieht. Ich habe mich ständig dabei erwischt, selbst alles zu analysieren und Dinge hinein zu interpretieren, um die Geschichte besser fassen zu können, das hat natürlich meinem Lesevergnügen überhaupt nicht gut getan, ganz im Gegenteil, oft musste ich mich selbst zum Lesen überreden. Ich habe einfach noch nicht verstanden, was mir diese Geschichte sagen möchte, wo diese Reise hingehen soll und was eigentlich der Kern ist. Das Ende rauschte dann nur so an mir vorbei und ich dachte, jetzt gibt es Antworten, aber Pustekuchen, noch mehr Fragen.

Ich bin total traurig und enttäuscht, dabei wurde dieses Buch von so vielen gemocht und ich frage mich immer noch, habe ich das gleiche Buch gelesen? Habe ich es nicht verstanden? Warum habe ich die Magie nicht gespürt? Aber ich glaube, ich muss mich damit abfinden, dass Lesegeschmäcker nun mal verschieden sind und ich nicht alles Mögen kann.

Hier ist einfach die Aufmachung ein Augenschmaus, von außen und innen, steckt einfach die Liebe zum Detail drin und das habe ich bei der Geschichte einfach vermisst. Für mich zu viele offene Fragen und das bei einem so guten Plot, daraus hätte man in meinem Augen mehr machen können, oder vielleicht einfach anders, denn Potenzial haben die Figuren durchaus. Es sollte diesmal einfach nicht mein Buch werden, schade.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Acetat

Maria Stern
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 05.09.2016
ISBN 9783903091177
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mordkommissarin Clara Coban wird spät am Abend zu einem Tatort gerufen. Eine Frau wurde in ihrer Küche niedergestochen und zwei kleine Kinder sitzen verängstigt in ihren Betten, Clara ist wütend. Immer mehr nehmen die Morde durch häusliche Gewalt zu und werden von den Medien gleich gültig abgetan. Für Clara steht fest, die Aufmerksamkeit muss wieder zielgerichteter sein und legt sich mit den Medien an und ihren Chef. Durch ihren Kampf macht sie sich also nicht nur Freunde, sondern auch viele Feinde und schwört sogar einen riesigen Streit mit ihrem Mann David hervor, der Journalist ist. Überall sieht, Clara nur noch bedrohte und verängstige Frauen, und als auch noch ihre Nachbarin nach einem Streit verschwindet, ermittelt sie auf eigene Faust, egal welche Konsequenzen sich daraus für sie ergeben. Übertreibt Clara da nicht etwa? Was wird sie bezüglich ihrer Nachbarin herausbekommen? Und kann sie diesen Kampf überhaupt gewinnen?
Mich lockte so einiges an diesem Krimi, zu erst natürlich Wien, dann eine junge Kommissarin, da es ja doch meistens ermittelnde Männer sind und ein Thema, was man ständig in den Nachrichten hört, aber oft einfach gedanklich weg blendet. So war ich doch recht gespannt, wie die Autorin mich als Leser packen wird und für welche Schwerpunkte sie sich entscheidet und da erwischt sie einem schon recht kalt, aber mehr gibt es jetzt.

Clara Coban ist eine noch recht junge Kommissarin, mit ihren 28 Jahren, ist sie sogar eine richtige Überfliegerin und hübsch noch dazu. Allerdings zeichnen sie noch ganz andere Charakterzüge aus, sie ist sehr engstirnig, hartnäckig, selbstbewusst und schießt gern über das Ziel hinaus. Das bringt sie natürlich immer wieder in Schwierigkeiten, aber das nimmt sie in Kauf. In ihrer Arbeit ist sie sehr ehrgeizig, aber privat kann sie auch anders, sich fallen lassen, sensibel sein und von einer eigenen Familie träumen. Im Prinzip ist Clara eine moderne Frau, die emanzipiert ist und sich in ihrer Welt und Rolle wohlfühlt, jemand wie du und ich. Aber durch ihren Beruf sieht sie immer mehr die Schattenseiten in der Frauenwelt und die Machtkämpfe von Männern. Was sie wütend, ohnmächtig und einfach unerträglich macht. Ich mochte Clara im Grunde schon recht gern, sie spiegelt vieles wieder, was ich auch habe und was ich zu schätzen weiß, allerdings fand ich ihre unüberlegte Art nicht immer einfach, ihre Impulshandlungen, die meistens übers Ziel hinaus schossen und mehr Schaden anrichteten, da lässt sie die Vernunft etwas im Stich.

Bevor ich dieses Buch angefangen hatte zu lesen, hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin über Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen und ihre Aussage, und diese ging mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf, wir stehen auf der Stelle und Entwickeln uns zurück. Ich hielt dagegen und meinte, schau, so lange gibt es die Frauenrechte ja auch noch nicht und unser Europa wird immer mehr von östlichen Einflüssen durchwandert, und dieser Menschenschlag ist einfach noch nicht so weit, daran müssen wir arbeiten und dann nahm ich das Buch und dachte, auch du Schreck, genau unsere Sorgen. Klar ist es einfach gesagt, beziehungsweise geschoben, dass viele Völker noch ganz anderes leben, aber die Gewalt nimmt immer mehr zu, Frau Stern hat diesen Spagat der Vorurteile mit dem Alltag gut hinbekommen und spielt wirklich alle Karten perfekt aus. Sie hält uns einen Spiegel der Gesellschaft vor, wo der Ehemann keinen Bock hat, Alimente zu zahlen, oder einfach diese Macht benötigt und Gewalt bei der eigenen Frau ausstrahlt, um Bestätigung zu finden. Maria Stern zeigt jede Facette auf und das große Drama unserer gegenwärtigen Welt, wie Politik und Journalismus versagen, oder den Ernst der Lage nicht polarisieren wollen. Für mich war vieles neu, unverdaulich und schwer zu begreifen und ich finde, dafür, dass es nur die Rahmenhandlung für den Krimi ist, ist dieses Thema der eigentliche Hauptprotagonist. Und es sagt eins, wir müssen weiter kämpfen, für alle, die nicht die Kraft dafür haben und die Augen offen halten.

Mehr möchte ich nicht verraten, aber unsere Kommissarin hat eine schwierige Zeit zu meistern und gerät in wirkliche Lebensgefahr, aber das müsst ihr selbst lesen. Die Autorin hat mit ihren kurzen Kapiteln für Schnelles lese vorankommen gesorgt und mit wenig Worten viel Raum und Atmosphäre geschaffen, mir hat es gut gefallen, auch wenn ich gern bei einigen Szenen länger verweilt geblieben wäre, aber man kann ja nicht alles haben.

Dieser Krimi ist ein Spiegel unsere Welt und ein Aufschrei an uns alle, passt auf euch auf, aber übertreibt es nicht. Spannend, realistisch, ernst und absolut überzeugend. Bin sehr gespannt, wo die Reise mit dem 2. Fall hingeht.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

autor, herzchenkonfetti, verliebt in den mond, romantik, schriftsteller

Verliebt in den Mond (Herzchenkonfetti 1)

Sandra Henke
E-Buch Text
Erschienen bei null, 25.04.2017
ISBN B0722JN9LF
Genre: Sonstiges

Rezension:

Lilly hat sich in sich zurückgezogen und findet gerade bei ihrer Schwester in L.A. Unterschlupf. Momentan sucht sie noch einen Weg in ihr Leben zurück, aber dieser ist schwer, da träumt sie sich doch lieber in einem Liebesroman ihre Lieblingsautorin. Durch Zufall bekommt sie heraus, dass ihre Lieblingsautorin in Wirklichkeit ein Mann ist und ganz in der Nähe lebt. Lillys Fangirlherz schlägt höher und der Wunsch einmal mit dem Mann zu sprechen, der so wunderbar über Gefühle schreiben kann, wird immer größer. Also setzt sie sich in ihr Auto und macht sich auf den Weg, das Haus ist auch schnell gefunden, aber sie trifft den Autor nicht an, sondern nur seinen Gärtner. Dieses Aufeinandertreffen ist alles andere als sympathisch und doch hat dieser Jack etwas an sich. Aber Lilly wollte doch Benjamin Moon, den Autor treffen, was nun? Wird Lilly ihren Lieblingsautor begegnen? Oder sind die Stunden mit Jack einfach besser? Welchen Weg wird sie wohl einschlagen?
Das ist er nun, der erste Self-Publishing Roman aus der Herzchenkonfetti Reihe von Sandra Henke und ich muss sagen, dieser Titel ist Programm. Es sollen Liebesromane sein, die zum Träumen einladen und den Alltag ausladen sollen, den Lesern Seelenbalsam liefern und sich einfach genüsslich amüsieren. Ist das bei mir gelungen? Aber so was von logo! Und jetzt erzähle ich euch warum.

Lillys Geschichte fängt sehr trübsinnig an, versteckt unter der Bettdecke und gefangen in ihrer Traumwelt, lockt sie das Leben nicht wirklich raus. Man stellt sich sofort die Frage, was ist passiert und warum geht es ihr so, aber das wird erst im Laufe der Geschichte offenbart. Erst das verheerende Gespräch mit ihrer Schwester dreht ihr Leben. Verrückt und spontan, wie sie ist, beschließt sie ihren Lieblingsautor zu treffen und ihm wissen zu lassen, dass seine Bücher, die großartigsten sind und ihr den Glauben, an die Liebe erhalten haben. In wilder Farbkombination fährt sie also los und ist total traurig, dass sie nicht den Autor, sondern den grummeligen Gärtner trifft. Dieser Kerl weißt sie erst zurecht, reagiert unhöflich und doch bietet er ihr an, Benjamins Schreiboasen zu zeigen. Lilly ist hin und her gerissen, lässt sich aber auf das Abenteuer ein und genau das wollen wir Leser doch haben, oder nicht. Lilly wächst einem doch gleich ans Herz, ein bisschen chaotisch, absolut verträumt und sympathisch, eben eine gute Liebesroman Protagonisten.

Aber auch Jack ist nicht von schlechten Eltern, die Autorin hatte mich ja sofort, als sie ihn mit Karl Urban verglich und da schlug mein Fangirlherz höher, sprich ich konnte dieses Buch nicht mehr weglegen. Ihr Hauptprotagonist ist mürrisch, ungehobelt, leicht zynisch, aber wenn er lächelt, ist es wie ein auf Glitzern von Sternen, unbeschreiblich schön. Jack gibt oft den Geheimnisvollen, fragt Lilly gern aus, aber verschweigt sein eigenes Leben ganz geschickt und wir ahnen schon, da kommt noch was. Er zeigt ihr wirklich schöne romantische Orte und man merkt sofort, dass ihn diese auch berühren und er nicht nur der ungehobelte Gärtner ist. Ein Typ mit weichem sensiblen Kern, ach, das mögen wir Frauen doch gern, also mein Leserherz hatte er.

Zwischen Lillys Abenteuern mit Jack bekommt aber auch Benjamin Moon eine Stimme und man lernt einen gefrusteten Mann kennen. Beruflich läuft es zwar, aber es macht in unglücklich, das er nicht zu seinen Büchern stehen kann und seine Beziehung ist kälter als der Nordpol. Ihm fällt es immer schwerer seine Geschichten zu schreiben und er ist so richtig schön in einer Schreibblockade. Er steckt fest und muss überlegen, wie er weiter leben möchte.

Sandra Henke hat hier wirklich eine ganz bezaubernde Geschichte geschrieben, für Fangirls, Träumer und Büchernarren, oder einfach für das perfekte Abendprogramm, abschalten, genießen und seufzen. Ihre Taktik mit ihrem verwirr Spiel ist bei mir voll aufgegangen, auch wenn man es von Anfang an weiß, man freut sich einfach diebisch aufs Weiterlesen. Die Autorin lässt uns wirklich alle Emotionen miterleben und schickt uns durch einige, Auf und Abs. Dabei vergisst sie auch den Humor nicht und allein durch die Wortgefechte der beiden, hat sie für viele Lacher auf meiner Seite gesorgt. Es ist ein richtiger Wohlfühlroman und man kuschelt sich richtig in die Geschichte ein.

Sympathische Charaktere, frech, verspielt und einfach romantisch, so muss ein Liebesroman sein. Für den perfekten Sonntag, mit Kuchen, Kaffee und Liebe, oder Herzchenkonfetti von Sandra Henke, für mich könnte es einen Nachschlag geben, bitte.

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136 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

demenz, amrum, familie, liebe, jugendliebe

Immer wieder im Sommer

Katharina Herzog
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.04.2017
ISBN 9783499291111
Genre: Liebesromane

Rezension:

Anna steht im Leben an einem Punkt, wo sie sich fragt, ist das alles, soll es das gewesen sein und passiert bitte noch was Schönes in meinem Leben. Immerhin war es nicht wirklich gut zu ihr, geschieden, zwei Kinder, beruflich auf der Strecke geblieben und zu ihrer Mutter seit Jahren keinen Kontakt mehr. Nun entdeckt sie in einer Zeitschrift, was aus ihrer Jugendliebe geworden ist, Jan lebt auf Amrum und ist geschieden und in Anna wächst ein Plan heran. Nur hat sie bei der Umsetzung nicht mit diesen Problemen gerechnet. Zuerst möchte sie die Kinder zu ihren Ex bringen, aber anstatt sie abzusetzen, sitzen am Ende alle im VW-Bus, dann meldet sich urplötzlich ihre Mutter mit der Bitte um Kontaktaufnahme, gesagt getan, da sie nicht ans Telefon geht, fährt sie halt auf ihrem Weg nach Amrum daran vorbei und am Ende sitzt auch die Frau Mama im Bus. Kann aus Annas Plan noch was werden? Was möchte ihre Mutter ihr mitteilen? Und warum benimmt sich ihr Ex-Mann Max auf einmal so anders?
Ich mag ja schon sehr lange die Romane von dieser Autorin, auch wenn sie hier unter Pseudonym schreibt, war meine Vorfreude direkt groß, immerhin sind es meine Wohlfühlbücher, mit dem Blick ins reale Leben, aber natürlich mit Happy End. So hatte ich es kaum in den Händen und schon begann ich zu lesen und steckte erstmals was fest, denn einige Ideen kamen mir ein bisschen bekannt vor und so kam der Ball erst langsam ins Rollen, ob er mich dann überholt hat, erzähle ich euch jetzt.

Die Geschichte wird aus drei Erzählperspektiven geschildert, man könnte auch sagen aus Sicht von drei Generationen, da haben wir die einsame etwas mürrische Mutter Frieda, dann deren Tochter Anna, die ein bisschen naiv und stur ihr Leben zu tragen hat und deren Tochter Sophie, die mitten in der Pubertät steckt und ein bisschen rumzickt. Alle drei haben Probleme und Sorgen, der eine größer, der andere kleinere, aber sie laufen ineinander und jeder versucht sie auf seine Weise zu lösen.

Den Hauptpart übernimmt Anna, wie schon gesagt, sie will mehr vom Leben und steckt doch irgendwie fest und hat das Gefühl auf der Stelle zu treten. Als junges Mädchen wollte sie Mode studieren und in die weite Welt hinaus, geschafft hat sie es nur bis München. Mit zwei Kindern und einer gescheiterten Ehe steckt sie fest, das kann es doch nicht gewesen sein. Ich empfand Anna zu erst etwas naiv, wirklich wie die Unschuld vom Lande und hatte so meine kleinen Startschwierigkeiten mit ihr. Aber ich glaube, das liegt viel daran, das sie alles in sich verschließt, um vor ihren Kindern vieles zu verbergen, ihre Hilflosigkeit, oder ihre Einsamkeit, ihre Wut auf ihren Ex-Mann Max, immerhin war er auch ihr Jugendfreund und dann betrügt er sie. An die junge Frau erinnert nicht mehr viel in ihren Leben und trotzdem möchte sie ausbrechen und was verrücktes wagen.

Bei Frieda hat sich die Autorin wieder was besondere Schicksalhaftes ausgesucht, denn wer ihre Bücher kennt, weiß das sie immer noch einen sehr nachdenklichen Part einbaut. Frieda bewirtschaftet den Annahof, allein und mit herrischer Hand, anders geht es ja auch nicht und dann bekommt sie die Diagnose Demenz. Nun versucht sie, noch alles zu regeln und muss damit auch Kontakt zu ihrer Tochter aufnehmen, dass sie auf einmal vor ihr steht, damit hat sie nicht gerechnet, aber so nimmt sie die Chance, besonders war. Frieda ist durch ihr Leben sehr geprägt, und sobald man mehr über sie erfährt, wächst diese Frau einem besonders ans Herz. Ihre Passagen sind eigentlich kleine Rückblenden aus ihrem Leben, Abschnitte daraus, die erklären, warum sie so gehandelt hat und dabei die Liebe zu ihren Kind opfert. Frieda berührte mich am meisten und für ihre Stärke bewundere ich sie sehr.

Tja und Sophie ist eben 14, da geht es um Schule, cool sein und Jungs. Die Schule läuft bescheiden, fürs lässige Auftreten wird auch mal geraucht und in den größten Wichtigtuer Yanick ist sie verliebt. Sophie ist fest davon überzeugt, wenn er sie wahrnimmt, ist es die große Liebe. So ist die Reise nach Amrum natürlich eine Katastrophe und dann geht auch noch das Handy kaputt, ein ziemlicher Weltuntergang. Ich fand Sophie schon ziemlich anstrengend, aber eben auch ganz typisch und hatte mit ihren Passagen eine lockere Zeit, die der Schwere der Krankheit ein bisschen die gedrückte Stimmung nahm.

Ich muss gestehen, dass ich am Ende mit dieser Familiengeschichte meinen Spaß hatte und wieder bestens unterhalten wurde. Allerdings gibt es ein paar kleine Abstriche für mich, zuerst eben die Ähnlichkeit zu ihren anderen Büchern, wer diese nicht kennt, wird es also nicht merken, oder vielleicht bin ich da zu empfindlich. Dann fand ich die Entwicklung der Liebesgeschichte sowie das schnell gekittete Verhältnis von Mutter und Tochter, zu schnell rund, da hat mir ein bisschen was gefehlt, so schnell verzeiht man nicht, aber man darf auch nicht vergessen, es soll locker und leicht sein, eben wie ein Tag am Meer und das ist hier alle mal getroffen. Besonders gelungen waren für mich die Beschreibungen der Demenz, die Hilflosigkeit, die Situationskomik, aber auch die Schrecken, das hat sie verdammt gut eingebaut und so geschickt gemacht, dass man zwischen durch nicht deprimiert war.

Ein schöner Roman übers Verzeihen und Vergeben, über das Finden vom Glück und den Mut nochmals von vorne anzufangen, eben ein perfekter Wohlfühlroman. Bitte weiterhin mehr davon liebe Frau Herzog.

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

bordeaux, aquitaine, krimi, frankreich, luc verlain

Retour

Alexander Oetker
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 17.03.2017
ISBN 9783455000092
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Luc Verlain kann es immer noch nicht fassen, er verlässt sein heiß geliebtes Paris, seinen Lebensmittelpunkt, da wo das Leben tobt und lässt sogar seine Karriere bei der Mordkommission hinter sich und fährt Richtung Vergangenheit. Er hat sich in seine Heimat versetzen lassen, auf Zeit, wie er immer gern betont, um seinen Vater beizustehen, da dieser schwer erkrankt ist und es wohl keine Besserung geben wird. Nun schleicht er mit seinem Jaguar über die Autobahn und will sich dem Unausweichlichen noch entziehen, denn ein Leben an der französischen Atlantikküste, kann er sich einfach nicht vorstellen. Luc ist nämlich ein Großstädter, der den Lärm, den Luxus von offenen Läden, sowie den hübschen Pariser Damen zuspricht und nun die Provinz. Er ahnt Schlimmes, Langeweile im Job, Gedanken an seine Jugend und die damit verbunden schmerzlichen Erinnerungen und viel zu viel Einsamkeit sowie Ruhe. Allerdings überrascht ihn Aquitaine auch gleich und so muss Luc sofort einen Mord an einem jungen Mädchen am Strand aufklären. Wie wird er sich mit den neuen Kollegen verstehen? Kann er sich mit dem Ländlichen arrangieren? Und wer hat das Verbrechen begangen?
Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen gehalten hatte, war mein erster Gedanke, schon wieder ein französischer Polizist, der sein Dasein in der Provinz fristen muss. Bei Genaueren hingucken, fällt aber auf, dass er es freiwillig tut und diese Gegend noch nicht oft in Erscheinung getreten ist, da war dann mein Interesse geweckt und nun gut, ich gebe es gern zu, tolle Landschaftsbeschreibungen und gutes Essen geht bei mir in Büchern ja immer, ob mich auch der Hauptakteur überzeugt hat, erzähle ich euch jetzt.

Luc Verlain ist ein wirklich entzückender Filou, ein Lebemann, ein überzeugter Junggeselle und jemand, der gern den Dingen aus dem Weg geht, zumindest privat. Was macht ihn mir sympathisch, sein Genuss am Leben, wie er sich Restaurant aussucht, wie er sich die Meeresbrise um die Nase wehen lässt, aber auch sein Blick nach Paris, der ganz von allein immer wieder dahin schweift und das weckt auch bei mir Erinnerungen, wenn es auch nur Touristische sind. Auch sein Umgang mit Menschen fand ich wirklich bewundernswert, er ist eher der Stratege, der genau weiß, wie er was bekommt, ohne große Drohungen auszusprechen und sein Fingerspitzengefühl, bei seinem Ermittlungen. Man merkt einfach, er liebt seinen Beruf und die Frauen, mein Gott, was ist dieser Mann heiß begehrt. Für meinen Geschmack hat der Gute, ein bisschen zu viele Eisen im Feuer, aber das macht natürlich auch sein Privatleben aus und da wird es wohl nie langweilig werden. Aber hier merkt man auch, wenn es um Gefühle geht, ist er auch ein bisschen ein Angsthase und versucht, sich immer drum herum zu mogeln. Ihr seht, ein wirklich interessanter Typ und ja, ich gebe es zu, ich mag ihn.

Aber was dieses Buch wirklich ausmacht, sind die Beschreibungen, Alexander Oetker beschreibt nicht nur, nein, er lässt Bilder im Kopf entstehen, man hat einfach beim Lesen, das Meer, die Weinberge, aber auch die Straßen von Paris vor Augen und kommt so zu einem absoluten Genuss der Unterschiede. Für mich war diese Wechselseitigkeit perfekt, da haben wir das Rauschen des Meeres und die Ruhe dazu, sowie die nie schlafende Großstadt mit ihrem Verkehrslärm, für mich absolut überzeugend in Szene gesetzt und es hat unglaublich Spaß gemacht zu erleben. Was ich auch absolut toll fand, war, dass er der Gegensätzigkeit treu geblieben ist, so beschreibt er immer wieder die Probleme der Provinz sowie der Hauptstadt und scheut sich auch nicht politisch Stellung zu beziehen, wo wahrscheinlich seine journalistische Tätigkeit Einfluss hat. Mich hat es überzeugt und so bekommt der Roman auch noch mal mehr Tiefe und nimmt am aktuellen Leben teil.

Was den Fall und seine Vergangenheit betrifft, müsst ihr selber herausfinden, diese Entdeckungsreise mag ich euch nicht nehmen. Aber vielleicht so viel, sie ist gut gelungen und immer harmonisch in die Geschehnisse eingebunden, auch wenn ich den Täter schnell gefunden hatte, fand ich die Ermittlungen durchaus spannend, es hat mich also nicht gestört, das ich schneller war.

Ich muss sagen, ich hatte wirklich tolle Lesestunden und nach Beenden ein Gefühl, Urlaub gemacht zu haben. Solche Bücher mag ich eigentlich ganz besonders, da sie einem vom Alltag entschleunigen und so ein zuhause Gefühl mitgeben, man fühlt sich einfach wohl, trotz Mord. Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich mehr Luc Verlain lesen mag und ich mich jetzt schon darauf freue, wenn ihn mal eine Dame stehen lässt, ob wir das wohl erleben dürfen, Herr Oetker? Bitte erzählen sie uns noch mehr von Aquitaine.

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158 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

krieg, fuchs, freundschaft, kinderbuch, pax

Mein Freund Pax

Sara Pennypacker , Birgitt Kollmann , Jonathan Klassen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 16.03.2017
ISBN 9783737352307
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Peter ist auf dem Weg zu seinem Großvater, aber nicht zum Besuch und auch nicht auf seinen Wunsch, sondern er soll bei ihm leben. Sein Vater muss nämlich in den Krieg ziehen und allein im alten Haus kann er nicht bleiben, allerdings gibt es ein großes Problem, nämlich Pax. Pax ist ein Fuchs, den Peter als Welpe gerettet hat und jetzt sein bester Freund ist, alles machen sie zusammen, beide sind unzertrennlich und jetzt verlangt sein Vater, dass er ihn in der Wildnis aussetzt. Peter bricht das Herz und Pax kennt sich mit der Situation überhaupt nicht aus, aber beide wissen, sie müssen sich wieder finden. Wie weit werden die beiden getrennt sein? Wie will Peter das schaffen? Kann Pax sich im Freien zurechtfinden? Und das Wichtigste werden sie sich überhaupt wieder finden?
Als mir dieses Buch vorgestellt wurde, war ich sofort Feuer und Flamme, jeder, der ein Herz für Tiere hat, kann mich, glaube ich zumindest verstehen. Außerdem fand ich es faszinierend, wie ein kleiner Junge diese Strecke schaffen möchte und was Pax in dieser Zeit macht. Ich war unglaublich gespannt, wie die Autorin das umsetzt.

Peter ist in seinen jungen Jahren schon recht gebeutelt, seine Mutter ist verstorben und sein Vater kann so gar nicht mit Kindern. Er hat da wirklich kein leichtes Los gezogen, aber er hat Pax, seinen Fuchs. Als Welpe hat er ihm vor dem sicheren Tod gerettet und nun, kann er sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Er hat sich über sein Tier auch schlau gemacht und weiß besser als jeder Förster, was ein Fuchs braucht. Zusammen sind sie eine kleine Welt und spüren, wenn es dem anderen nicht gut geht. Als Peter dann, mit den Veränderungen konfrontiert wird, ist er mit der Situation so überfordert, dass er sich den Willen seines Vaters beugt und das Wichtigste in seinem Leben zurücklässt, seinen besten Freund. Verzweifelt, tot traurig und mit dem Wissen das Schlimmste überhaupt gemacht zu haben, entschließt er sich, den Fehler wieder zu korrigieren und seinen Fuchs wieder zu holen, komme, was wolle.

Ich muss ja gestehen, Hut ab, vor diesen 12 jährigen Jungen, für seinen Mut, seine Willensstärke und seine Beharrlichkeit, ich befürchte, dass ich mich das nicht getraut hätte, aber hier herrschen auch andere Zeiten und bei solch einem Freund, wächst man doch über sich hinaus. Ein Tier ist nun mal doch mehr als nur ein Tier, es ist ein Familienmitglied. So begibt sich Peter auf eine Reise, die zu einem richtigen Abenteuer ausweitet und ihn vor vielen Aufgaben stellt, die er überwinden muss. Allein was er bei Vola lernt, bei der er zwischenzeitlich strandet, ist unglaublich.

Aber auch der Fuchs bekommt eine Erzählstimme und das fand ich äußerst interessant und spannend. Pax kennt ja nun nichts anderes wie seinen Freund und das er Nahrung von ihm bekommt, nun sitzt er mitten im Wald und wartet. Dabei hört er nun fremde Geräusche, sein Magen knurrt und es wird immer Dunkler. Pax weiß nicht ein, noch aus und wo er hin soll, nur, dass er zu seinen Jungen zurück möchte, aber wie. Natürlich wird auch bei ihm einiges passieren und er muss sich ja irgendwie zurechtfinden, aber seine Sehnsucht nach seinem Jungen bleibt ihm ein ständiger Begleiter.

Dieses Zusammenspiel von Besitzer und Haustier fand ich so wunderbar in Szene gesetzt, das einfach bestätigt wird, unterschätze nie die Liebe zu einem Tier. Die Autorin beschreibt abwechselnd die Situationen von Peter und Pax und das tut sie extrem einfühlsam, nachfühlbar und unglaublich mitreißend, so dass man kaum dieses Buch aus der Hand legen kann, da man einfach wissen möchte, wie geht es weiter, was passiert noch und gibt es ein Happy End. Dazu noch die tollen stimmungswiderspiegelnden Illustrationen von Jon Klassen, die das Ganze einfach klasse abgerundet haben. Ein Buch, was man mit seinen Kindern zusammenlesen sollte, einfach weil es so viel Stoff zum Entdecken und Fragen geben wird. Ich kann mir das richtig schön zum Vorlesen vorstellen, da auch die Wortwahl einfach passend gewählt war.

Eine tolle Geschichte über Freundschaft und wie weit man dafür geht. Auch die Familie spielt eine große Rolle und wie wir lernen, zu lieben und los lassen zu können. Ein wirklich großartiges Kinderbuch, was man gelesen haben muss, auch wenn es nicht immer leicht verdaulich ist.

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Bullenbrüder

Hans Rath , Edgar Rai
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 24.03.2017
ISBN 9783805251044
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Holger und Charlie Brinks sind Brüder und könnten nicht unterschiedlicher sein. Während der Ältere der beiden, bei der Mordkommission als Kommissar arbeitet, verheiratet ist und sich mit seinem spießigen Leben arrangiert, ist der Jüngere ein Lebenskünstler und hält sich mit Privatschnüffeleien über Wasser. Nun ist es wieder passiert und Charlies Ex-Freundin hat ihn vor die Tür gesetzt, da steht er bei seinem Bruder auf der Fußmatte und bittet um Zuflucht für ein paar Tage. Holger will das nicht, aber bevor es Ehestress gibt, darf der unwillkommene Bruder bleiben, allerdings im Gartenhaus. Ihn plagen nämlich gerade andere Sachen, denn in Berlins-Unterwelt ist ein Mord passiert. Der größte Drogenlieferant liegt tot im Aufzug mit einem Koffer voller Kokain und es gibt keine Zeugen, keine Kameras und Ermittlungen, die ins leere laufen. Da ist es vielleicht doch nicht so schlecht, wenn der kleine Bruder im Haus ist, denn dieser hat Verbindungen ins Milieu. Nur kann sich Holger auf Charlie verlassen? Riskiert er nicht zu viel, wenn er ihn mit in die Ermittlungen einzieht? Wie rechtfertigt er dessen Methoden? Und hat Charlie überhaupt einen Plan?
Ich mag ja Geschichten, die skurril sind und auch ins Witzige abdriften, nur darf es nie zu viel des Guten sein und die Mischung muss harmonieren. Da ich schon was von Hans Rath gelesen hatte, war ich aber guter Dinge und eine Freundin liebt die Bücher von Edgar Rai, also habe ich mich total auf diese Brüder gefreut und mich in die Seiten geworfen. Ob es mir gefallen hat, erzähle ich euch jetzt.

Holger Brinks, ist ein ernster Mann, verantwortungsbewusst, immer über korrekt, fühlt sich oft missverstanden und geht zum Lachen in den Keller. Ich übertreibe es jetzt ein bisschen, aber das machen die beiden Autoren auch. Momentan läuft es in seiner Ehe auch nicht wirklich und jede Versöhnung wird im Keim erstickt, es ist aber auch schwer, wenn die eigene Frau Journalistin ist und ihn vor laufender Kamera attackiert, oder ihn für ihre nicht Karriere verantwortlich macht, da kann der Ehemann nur verlieren. Nun ist auch noch sein kleiner nichtsnutziger Bruder da, der nur Ärger macht und immer nur nimmt. Sprich Holgers Laune ist im Keller und nun dieser Mordfall, keine Beweise, keine Spuren, keine Zeugen und eine Chefin, die ihm Druck macht. Am Anfang fällt es einem schwer Holger zu mögen, diese mürrische Art und diese bockige Haltung sind einfach unverdaulich und er stößt nicht nur seiner Umgebung ab und zu vor den Kopf, sondern auch seinen Lesern. Erst als er etwas auftaut, merkt man, dass das gleiche Schlitzohr vorhanden ist, wie bei seinem kleinen Bruder und das er dabei ziemlich hinterhältig sein kann. Da wurde aus dem blassen Spießer, ein interessanter Kommissar.

Charlie ist ein absoluter, in den Tag hinein lebender Mann, für ihn wäre ein fester Wohnsitz oder ein regelmäßiger Job, kein Leben. Er liebt allerdings schöne Frauen, tolle Autos und hat den Drang es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. Er lebt für den Augenblick, denkt nicht an Morgen und lässt alles auf sich zukommen. So ist er das genaue Gegenteil seines großen Bruders und hebt die Stimmung des Buches gewaltig. Während Holger stur ermittelt, ist sein Bruder gern auch mal auf der Seite der Verbrecher und bringt sich durch seinen Lebensstil auch gern mal in Gefahr. Allerdings kann man ihn auch nicht wirklich ernst nehmen, zumindest ich nicht, da er irgendwie in die Situationen immer unfreiwillig und auf eine tollpatschige Art hineinschlittert. Was der eine Bruder zu korrekt ist, nimmt der andere nicht immer so genau. Wirklich ein Traumpaar an Brüderlichkeit.

Genau, das macht aber diesen Kriminalfall aus, zwei Brüder, die sich ständig zoffen, zusammenraufen und sich öfters streiten als manches Ehepaar. Dieses Spiel der Gegensätze haben die beiden Autoren, durch ihre Figuren perfekt eingebunden und so manche Szene hat einem herrlich zum Lachen gebracht und man hat sich wie in einer Comedyshow gefühlt. Man spürt beim Lesen einfach, das Rath und Rai unheimlich Spaß beim Schreiben gehabt haben müssen. Allerdings leidet dadurch auch ab und zu die Spannung und ich fand einiges einfach zu vorher sehbar, oft dachte ich nämlich, jetzt passiert bestimmt das und genau das, ist dann eingetreten. Was natürlich das Lesevergnügen geschmälert hat und einen oft die Überraschung ausblieb. Ansonsten bedienen die Autoren gern jedes Klischee der Unterwelt und haben durch ihre Beschreibungen einen ziemlich guten Rahmen für diesen Fall geliefert.

Für mich ist Bullenbrüder ein herrlich leichter, witziger, lebhafter Krimi gewesen, welcher durch seine beiden Hauptprotagonisten überzeugt. Herrlich komischer Klamauk und auch der Ausflug in die Unterwelt war durchaus lesenswert und erfrischend anders. Zwei Brüder, ein Koffer Kokain und jede Menge Ärger ist hier wirklich Programm.

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179 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

hexen, magie, freundschaft, prophezeiung, liebe

Die Prophezeiung der Hawkweed

Irena Brignull , Sibylle Schmidt
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 16.03.2017
ISBN 9783737354240
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eine Prophezeiung die zwei Leben grundlegend beeinflusst und verändert, denn Ember und Poppy werden bei ihrer Geburt vertauscht. So wächst Ember im Clan der Hawkweed Hexen auf und muss mit der Scham und des Misserfolges leben, nicht hexen zu können. Auch Poppy plagen Alltagssorgen, denn in der Schule passieren komische Sachen und ihr Familienleben ist mehr als unerfreulich, ständig muss sie mit ihrem Vater nämlich umziehen. Beide fühlen sich in ihrem Leben unwohl und haben das Gefühl nicht dazuzugehören, bis sie sich eines Tages gegenüberstehen und  sich eine Freundschaft entwickelt. Je mehr sie sich begegnen und sich von ihrem Leben erzählen, umso mehr fühlen sie sich verbunden. Keine der beiden weiß von der Prophezeiung und ihrem vorhergesehen Schicksal, aber sie spüren, es muss sich was ändern. Wird Poppy herausbekommen, das sie eine Hexe ist? Welchen Inhalt hat die Prophezeiung? Und was ist mit Ember?
Auf dieses Buch hatte ich mich wirklich sehr gefreut, ich mag nämlich Hexen und gerade diese Ursprünglichkeit mit Natur und Mutter Erde find ich große klasse. Der Prolog zog mich auch direkt in seinen Bann und zeigte schon die Bösartigkeit auf, die ich mir vorgestellt hatte, aber dann gab es ein großes Erstaunen auf meiner Seite, denn die Entwicklungen waren so anderes als vermutet und eine Frage schoss mir sofort durch den Kopf, habe ich zu große Erwartungen gehabt. Nun habe ich gemischte Gefühle zum Buch und weiß gar nicht, wie ich diese niederschreiben soll.

Fangen wir mit Poppy an, sie ist, da verrate ich nicht viel, die Hexe und erlebt in ihrer Umwelt viele merkwürdige Sachen, die sie aber nicht zuordnen kann. Von der Schule fliegt sie deshalb öfters, da in ihrer Umgebung immer schlimme Dinge passieren, was ihren Vater zu immer neuen Schulen und Gegenden führt. So ziehen sie von einem Ende des Landes auch zum anderen und dort begegnet sie auch Ember. Beide fühlen sich zum ersten Mal verstanden, da sie sich in vielem Wiedererkennen und der Anderen Trost spenden können. Da dachte ich noch, das wird groß, das wird fein und dann wurde Poppy einfach nur zur dramatischen Figur. Alles in ihrem Leben wird schwer, traurig und einfach ungerecht. Sie muss die komplette Last der Geschichte tragen und auch das alleinige Unglück. Nirgendwo eröffnet sich ein Licht für sie und das hat mich verdammt runtergezogen und traurig gemacht. Ich fürchte, ich kann auch in Romanen keine Ungerechtigkeiten ertragen.

Dann haben wir natürlich Ember, die bei den Hexen lebt und für ihr nicht vorhandenem magischen Talent gegängelt wird. Sie ist total untypisch in ihren Hexenkreisen, immerhin leben sie in der Natur, weit ab von der Zivilisation und man hat oft das Gefühl, eine Zeitreise ins Mittelalter zu begehen, wenn man Embers Kapitel besucht. Man hat so richtige Kräuterhexen vor Augen und dann ein Mädchen, was ständig auf ihre Sauberkeit achtet und eine Schwäche für Seifen und ihre Herstellung hat. Was die Geschichte eigentlich aufgelockert hätte, wenn man Ember mehr Raum gegeben hätte, so ist sie leider nur ein Statist im Buch, einfach das vorhandene Gegenstück zu Poppy, ohne wirklich richtig in der Geschichte zu spielen. Was im Klappentext noch so toll nach für ihr Glück kämpfen klang, war eher, es hat sich dann mal für Ember so ergeben. Für mich war sie leider viel zu blass und unscheinbar.

Überhaupt übt Irena Brignull einen Erzählstil aus, der eher zum Zuschauen einlädt, als alles wirklich mitzufühlen und dabei zu sein. Für mich blieb es oft sehr nüchtern und ungreifbar, vieles war einfach nicht nachvollziehbar und so richtig packen konnte sie mich damit gar nicht. Auch ihr männlicher Protagonist hat bei mir für einiges Unverständnis gesorgt. Es ist zwar toll, wenn man auch Liebe einbaut, aber zu viele Stränge und dazu noch Unglückliche waren mir einfach zu viel. Ich kam damit nicht ganz so gut klar.

Da sind wir wieder am Anfang, hatte ich zu viel erwartet? Bin ich einfach in meiner Fantasy schon zu weit gegangen, dass ich einfach nur erstaunt zurück bleiben musste? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht so recht. Gut gefallen hat mir diese Gegensätzigkeiten der Welten, unsere moderne Welt und dann dieses ursprüngliche Leben der Hexen. Auch die Hexen und ihre magischen Fähigkeiten haben mich glücklich gemacht und entsprachen genau, dem, was ich unter Naturhexen verstehe. Außerdem fand ich die zwei Hexenschwestern viel besser, als die eigentlichen Protagonistinnen, diese beiden hatten richtig Kraft und ihr Kampf, wurde überzeugend ausgetragen.  Insgesamt ließ sich die Geschichte auch schnell lesen und sie trieb einen durch Poppy‘s Schicksal voran, denn man muss einfach wissen, wie es ausgeht, somit war auch Spannung da. Aber am Ende bleiben es doch sehr gemischte Gefühle.

Ich glaube, wer wirklich genaue Vorstellung zu einer Hexengeschichte hat, mit zwei Frauen, die für ihren Stand im Leben kämpfen, sollte die Finger davon lassen. Alle anderen, die sich unvoreingenommen verzaubern lassen wollen, der brühe sich einen Tee auf und lässt sich in diese Welt entführen.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

krimi, räucherofen, ivo pala, whodunit, küste

Die Tote im Räucherofen

Ivo Pala
E-Buch Text: 326 Seiten
Erschienen bei Likedeeler, 23.02.2017
ISBN 9783946786092
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kommissar Bodo Fuchs wird von Berlin in seine Heimat der Ostseeküste Vorpommerns strafversetzt. Kaum hat er sich eingelebt und die Ruhe und das weite Meer genossen, passiert ein Mord, und alle seine Hoffnungen auf ruhige letzte Dienstjahre sind vorbei. Nun steht er vor einem Räucherofen und wird mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert, denn die Tote ist für ihn keine Unbekannte. In Frauke war Bodo nämlich Mal verliebt, heimlich und unerfüllt, aber Jahre später immer noch präsent in seinen Gedanken. Was wäre wenn, nun ist es zu spät und die Ermittlungen beginnen. Wer hat ihr solch einen grausigen Tod angetan? Was für Familiengeheimnisse werden Fuchs und seine Partnerin Haas aufdecken? Und was wird das Meer preisgeben?
Ivo Pala hat mich damals schon einmal mit einem Krimi so positiv überrascht, dass ich hier einfach rein schmökern wollte. Immerhin verspricht er das Meer, zwei interessante Ermittler und jede Menge Humor und das kann doch jedes Buch gut gebrauchen. Ich verrate euch schon vorab, es hat mir richtig gut gefallen und warum, erzähle ich euch jetzt.

Das Hauptaugenmerk liegt auf Bodo Fuchs, immerhin erzählt er aus seiner Sicht ja auch die Geschichte und durch ihn lebt sie auch. Er ist ein kauziger, manchmal mürrischer, aber auch sehr warmherziger Mann. Als Jugendlicher wollte er zwar auch aufs Meer, war aber nicht so talentiert und versuchte sein Glück bei der Polizei, wo er auch jahrelang in Berlin gelebt hat. Nun ist er wieder da, in der kleinen Gemeinde und bei seiner Mutter. Auf seinen Boot genießt er die Einsamkeit, lässt seine trüben Gedanken kreisen und gibt sich seiner Melancholie hin, aber er kann auch anders, nämlich seine warmherzige Seite zeigen, sowie seinen schwarzen Humor aufblitzen lassen. So erleben wir ihn in seiner Ermittlung, murrend, schimpfend und doch ist er ganz weich ums Herz. Die Komik setzt ein, wenn Bodo sich über Dinge aufregt, wie seinen Beruf, Radfahrer und vieles mehr, er hält so eine Art Zwiesprache mit uns Lesern und man glaubt gar nicht, wie oft ich zustimmen musste. Ganz ehrlich man mag Bodo einfach, sein grummeln, sein Dickkopf, aber auch seine anderen Züge, die ihr einfach selbst kennenlernen solltet.

Zur Seite bekommt er Gisa Haas gestellt, eine etwas zielstrebigere Person. Sie will die Dinge anpacken, hinterfragen und gerät so oft mit ihren Kollegen aneinander, dieser lässt sie nämlich oft gern in Regen stehen, was natürlich zu einigen Streitpunkten führt. So ergänzt sich das Team ausgesprochen gut und ich befürchte, diese beiden könnten ein richtig gutes Ermittlerteam werden, wenn sie ihre Standpunkte und Eigenheiten abgeklopft und abgestimmt haben. Immerhin ist er der Lokalpatriot und sie die Außenstehende, zwei die die Dinge anpacken könnten, aber bei diesem Fall müssen sie noch einiges an ihrer Teamfähigkeit pfeilen. Was natürlich für uns zu einigen interessanten Szenen führt.

Aber diese Geschichte lebt auch von der Umgebung und diese spiegelt der Autor in vielen kleinen Dingen perfekt wieder. Ivo Pala lässt uns das Meer nämlich riechen und sogar hören, wie es braust und rauscht, wie die Haare im Wind wehen und wie die gute Küche vor Ort schmeckt. Dafür sorgt nämlich Bodos Mutter und dadurch bekommen wir auch viel Ostsee Charme, Dialekt und Weisheiten mit, was natürlich das ganze Flair schön abrundet. Ich bin sonst kein Freund von Regiokrimi‘s, da sie sich ja doch oft zu sehr auf ihre Gegend und Straßen einschießen, aber das hier wirkte total frisch, anders und harmonisch eingebunden.

Ich fand, es war eine perfekte Mischung aus allem, Setting, Figuren und Mordfall, wunderbar eingefangen und hat uns Leser wirklich an die Seiten gefesselt. Allerdings empfand ich es gar nicht so sehr als Komödie, es war ein absolut guter Fall und besser als mancher Sonntagsabendkrimi, ich kann nur hoffen das Fuchs und Haas bald wieder ermitteln und mir wieder wirklich tolle Lesestunden bescheren, mit Spannung, Humor und einen Tropfen Melancholie.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Glücklich, vielleicht

Katherine Heiny ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 15.08.2015
ISBN 9783455405477
Genre: Romane

Rezension:

Die Liebe ist kein leichtes Ding. Maya liebt zwar ihren Freund, schwärmt aber auch für ihrem Chef. Gwen ist heimlich in ihren Mitbewohner verliebt. Tja, und Sasha begegnet der Frau ihres Geliebten. Viele kleine Geschichten, über die Liebe und ihre Schwierigkeiten und alle aus der Sicht einer Frau. Verhalten sie sich immer richtig? Warum entwickelt man immer Gefühle für den Falschen? Und kann man in dem Strudel der Emotionen die richtigen Entscheidungen treffen?
Seien wir ehrlich die Liebe ist nicht immer einfach und so fand ich allein das Cover des Buches schon sehenswert, denn diese Schuhe haben es in sich und die erzählten Einblicke in den Geschichten auch.

Wir erleben elf Kurzgeschichten rund um Paare und ihren Problemen. Wie zum Beispiel, zu den Gefühlen zu stehen, oder den Richtigen zu finden, ehrlich sein, oder über diese miteinander zu sprechen, denn wir wissen doch alle am Besten, dass Mann und Frau es beherrschen, sich misszuverstehen. Ich werde zu den einzelnen Figuren und Erlebnissen nichts verraten, das muss jeder selbst auf sich wirken lassen.

Katherine Heiny ist eine gute Beobachterin, sie nimmt sich ihren Figuren sehr an und beschreibt ihre Begebenheiten realistisch und schonungslos, dabei aber immer mit Fingerspitzengefühl und Sensibilität. Mich konnten die Gefühle und Probleme erreichen, man spürte oft die Unsicherheiten und die Sorgen, vieles war nachvollziehbar und mit den heutigen gesellschaftlichen Ansichten verstrickt. Immerhin ist es nicht einfach einen passenden Partner zu finden, erst recht nicht, wenn es um starke Frauen geht. Allerdings gab es für mich einen Wermutstropfen, denn Frau Heiny bringt das Thema Fremdgehen, hier sehr in den Vordergrund und so lässt sie uns, an die wirkliche Liebe, nicht glauben. So realistisch das gemeint ist, möchte man doch, an die eine große Liebe festhalten.

So habe ich, alle Geschichten, in größeren Abständen genossen, aber auch so meine Gedanken dazu gemacht, denn es regt zum Nachdenken an. Liebe ist manchmal Chaos, Unsicherheit und einfach unberechenbar. Katherine Heiny hat dies aber toll eingefangen, mit Witz, Melancholie und Feingefühl erzählt. Für alle, die es realistisch mögen und nicht immer einen Traumprinzen haben müssen.

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128 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

ally taylor, new york diaries, new york, tagebuch, liebe

New York Diaries - Phoebe

Ally Taylor
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.04.2017
ISBN 9783426519417
Genre: Liebesromane

Rezension:

Phoebe kann es kaum erwarten nach dieser langen Dienstreise nach Hause zu kommen, in ihr New York. Deshalb ist sie auch total glücklich, dass ihr Koffer einer der Ersten ist. Zu Hause trifft sie beim Öffnen aber der Schlag, kein chaotisch zusammengewürfelter Inhalt quilt ihr entgegen, sondern perfekt zusammengelegte Männersachen starren sie an. Phoebe wird ganz anders, wie kann ihr nur so was passieren, ihre Klamotten sind weg, aber das ist nicht das Schlimmste, als ihr, ihr Tagebuch einfällt, läuft es ihr kalt den Rücken runter. Sie will ihren Koffer wieder haben! Zur gleichen Zeit sitzt David mit seinem Lektor zusammen und bespricht sein neustes Werk, natürlich möchte er das fertige Manuskript auch übergeben und öffnet seinen Koffer, woraus ihn Unterwäsche und Chaos entgegenquellen. Total sprachlos schaut er auf den Inhalt und ist, absolut fassungslos das sein Buch weg ist, die ganze harte Arbeit. So stehen zwei Personen mitten in New York vor einem fremden Leben und je mehr sie vom anderen entdecken, umso größer ist, der Wunsch den anderen zu finden. Wird Phoebe etwa das Manuskript lesen? Kann David die Finger vom Tagebuch lassen? Und werden sie sich jemals wirklich begegnen?
Hier haben wir also den dritten New York Diaries Roman und ich bin fast schon wehmütig, dass mir nur noch eine Geschichte übrig bleibt. Denn diese Reihe steht für witzige, romantische und lebendige Liebesgeschichten und mit Phoebe und David gibt es hier auch noch ganz großes Kino. Eine absolut hinreißende Begegnung mit dem Schicksal. Ihr könnt es schon erahnen, und ja, ich bin absolut schockverliebt und warum erzähle ich euch jetzt.

Phoebe ist eine toughe Frau, die ihren Lebensweg gefunden hat. Als Journalisten ist sie beruflich sehr zufrieden und kann ihren Erkundungsdrang voll ausleben. Was allerdings gar nicht in ihrm Leben vorkommt, ist die Liebe, daran glaubt sie nämlich nicht. Ihr Motto ist, lieber allein glücklich, als zusammen einsam. Allerdings passiert es ihr immer, das sie sich in ihre Romanhelden verliebt und da kommt doch so ein Manuskript gerade recht. Ich mochte Phoebe total gern, sie versprüht Leben, ist sympathisch chaotisch und hat ganz oft verrückte, aber liebenswerte Ideen. Witzig fand ich wirklich, dass sie in ihrem Tagebuch nicht nur einfach Einträge macht, sondern es als Briefe an einem Leo schreibt, und zwar nicht irgendeinen, sondern, ach, das lest ihr lieber selbst. Die Skrupel in einem fremden Koffer zu kramen und dann auch noch ein sehr persönliches Manuskript zu lesen, waren groß, aber je mehr sie lass, umso ergriffen fühlte sie sich, es entstand nicht nur diese typische Verliebtheit, sondern es berührte sie so sehr, das der Wunsch einfach da war auch diese Person zu treffen und da hat sich Phoebe einiges vorgenommen, aber ich hätte es auch so gemacht.

David ist Autor und schreibt unter einem Pseudonym, selten tritt er in der Öffentlichkeit auf und so ist er zwar ein gefeierter Autor, der sich aber gern im Hintergrund hält. Er liebt die Großstadt, ist aber gern anonym unter den Menschen, was ihn oft eher zum Beobachter macht, als zum Akteur. So ist er ein stiller, melancholischer Typ, der sich von der Welt zurückgezogen hat und doch es versteht, über diese zu schreiben. Seine schlechtes Gewissen hält sich beim Lesen des fremden Tagebuches in Grenzen, da er ahnt, dass diese Chaotin auch in seinem neusten sehr persönlichen Werk stöbern wird. Durch ihre Augen sieht er die Welt anders und spürt innerlich, das sich, was in ihm rührt und aufbrechen möchte. So wird jede Seite intensiver für ihn und bringt mehr zum Vorschein, als er sich im eigenen Leben eingesteht und so möchte er als Erstes die Besitzerin vom Tagebuch finden. Zu David sage ich nicht mehr, nur, ich bin total hingerissen von ihm.

Für mich stimmte hier wirklich alles, beide Figuren haben eine Stimme bekommen, die abwechselnd von ihren Erkenntnissen erzählen. Dann wird die Geschichte im Rahmen von einer Woche berichtet und wir erleben jeden Wochentag des Entdeckens und Suchens mit. Dabei entwickeln sich wirklich witzige Szenen, erst mal die Überwindung in fremden Sachen zu wühlen, obwohl David da eindeutig mehr Spaß bei hatte und seine Fantasie bei einigen Stücken wirklich mit ihm durchging. Während Phoebe zu erst Panik vor einen Kontrollfreak vom Militär hatte. Dann fand ich ihre Verbindung zum Schreiben ganz interessant, beide lieben Worte, aber beide drücken sich dabei so unterschiedlich aus und legen so verschiedene Schwerpunkte und trotzdem fühlen sie sich vom anderen verstanden und angezogen. Diese Mischung aus, total fremd füreinander sein und doch sich nahe fühlend, fand ich total großartig, es war so wunderbar zu sehen, was Worte mit einem Anfangen können, wie sich beide Protagonisten darin verliebten und wie sich bei beiden der Wunsch festigte, den anderen zu finden, obwohl sie total gegensätzlich erscheinen. Für mich absolut gelungen und ich habe mein Herz verschenkt.

Wirklich ein ganz großes Kompliment an Ally Taylor, hier hat sie für mich eine perfekt berührende Liebesgeschichte geschrieben, und zwar so gut, dass man mitfiebert, unruhig beim Lesen wird und genau das gleiche Problem hat wie Phoebe und David, nämlich Angst zur letzten Seite zukommen und los zu lassen. Für mich wirklich ganz zauberhaft in Szene gesetzt und genau an den richtigen Stellen ausgeblendet, diese beiden haben mir wirklich zuckersüße Lesestunden geschenkt, ganz ohne Kitsch und rosa Wolken, sondern lebensecht und vom Schicksal geküsst, so müssen große Liebesgeschichten sein. Und, noch was, Ally Taylor schafft es perfekt ihre Diaries in ihre Geschichten mit einzuflechten, hier ist wirklich der Titel auch Programm.

Vergesst Carrie Bradshaw und ihren Mr. Big, hier, kommen Phoebe und David mit einer großartigen Geschichte und einer Stadt, die niemals schläft und Schicksale auf ganz eigene Wege zusammenführt, denn Träume werden wahr.

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62 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

thriller, berlin, david gross, brandstiftung, martin krist

Brandstifter

Martin Krist
Flexibler Einband: 473 Seiten
Erschienen bei Independently published, 19.02.2017
ISBN 9781520648682
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Valentina kuschelt sich nochmals in ihr Bett, bevor sie aufsteht. Im Geiste plant sie ihren Tag und schaut nach den Kindern, bevor sie nach unten geht, um ihren Mann einen Kuss zu geben, aber im Arbeitszimmer erwartet sie viel Blut. Panisch und geschockt rennt Valentina mit ihren Kindern zu den Nachbarn und kann das gesehene einfach nicht greifen. Aber wenn sie denkt, schlimmer kann es nicht werden, wird sie eines Besseren belehrt und Valentina muss über sich hinaus wachsen und ihre Kinder beschützen. Zur gleichen Zeit steht Problemlöser David Gross ganz am Anfang neuer Ermittlungen, diesmal soll er den Tod einer jungen Familie aufklären und gerät dabei selbst in Lebensgefahr. Warum wurde Valentinas Mann umgebracht? Wer bedroht ihre Familie? Und wie hängt da David Gross Fall mit drin?
Sehr lang habe ich auf eine Fortsetzung von Drecksspiel gewartet, eigentlich viel zu lang. Erst lässt uns nämlich der Autor in einem wahren Leserausch verfallen und dann löst er noch nicht mal alles auf. Also habe ich gewartet und statt einer Fortsetzung, bekamen wir die Vorgeschichte zu David Gross, Engelsgleich und der Cliffhänger schwebte immer noch in der Luft. Nun endlich gibt es den dritten Gross Teil und dieser schließt an Drecksspiel an und da habe ich ziemlich aufgeatmet.

Eigentlich mag ich gar nicht so viel vom Inhalt verraten, weil Martin Krist komplex erzählt und seine Fäden zu gern in unklaren lässt, bis zum Showdown und uns Leser mit offenem Mund zurück lässt. Aber ein bisschen mag ich schon erwähnen, es gibt diesmal drei Erzählstränge und fünf Teile bzw. Tage. Der erste Faden ist Valentina gewidmet, einer wohlhabenden Frau und Mutter, die sich um Heim und Wohltätigkeit kümmert und glücklich mit ihrem Mann ist. Bis sie diesen tot auffindet und nicht nur ihre Welt einstürzt, nein, sie auch noch ins Fadenkreuz von Kriminellen gerät. Dann haben wir natürlich David Gross, der immer noch seine Frau sucht, sich Sorgen um seinen Sohn macht und einen neuen Fall übernimmt. Diesen übernimmt er allerdings eher ungern, und bevor er sich versieht, ist er selbst in einer lebensgefährlichen Situation. Tja und der dritte Faden ist dem Kleinkriminellen Luka gewidmet, der versucht für seine Familie sauber zu bleiben und unfreiwillig doch immer wieder angezogen wird.

Martin Krist versteht es einfach einen von der ersten Sekunde an zu fesseln und an die Seiten festkleben zu lassen. So steigt man in die Geschichte ein und kann erst aufhören, wenn der letzte Punkt erscheint. Ich mag einfach seine Art zu erzählen, die kurzen Kapitel, die schnellen aber konkreten Beschreibungen, er schafft mit so wenig, ein genaues Bild und absolute Berlin Atmosphäre und die jeweilige gewählte Sprache ist genial eingebunden. Das hat mir bis jetzt immer total gut gefallen, sein besonderer Blick in die dunklen Ecken von Berlin, realistisch, hart und überzeugend. Dazu kommt noch sein Spannungsaufbau, Häppchen für Häppchen lässt er uns den Figuren folgen, spielt mit unserer Ungeduld, lässt uns an der spannendsten Stelle verhungern und treibt uns nur so voran. Außerdem lässt er uns so gern in Unklaren, wie alles zusammenhängt, und hebt seine Figuren in jeden Strang so sehr voneinander ab, dass wir überhaupt nicht erraten können, welche Verbindung es am Ende geben wird. Dieses Chaos macht es für uns aber nie schwer zu folgen.

Mit Brandstifter hat Martin Krist wieder stark nachgelegt, spannend Unterhalten, raffiniert konzipiert und immer noch nicht alles zu Ende erzählt. Ich warte also weiterhin auf eine Aufklärung und fiebere einer Fortsetzung entgegen, der Herr Krist, ist aber auch ein Bösewicht.

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364 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 88 Rezensionen

1001 nacht, liebe, fluch, orient, magie

Rache und Rosenblüte

Renée Ahdieh , Martina M. Oepping
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783846600405
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Shahrzad hat dem Palast und ihren Kalifen den Rücken gekehrt und ist zurück in der Wüste. Alles hat sich in ihrem Leben verändert, ihr Hass hat sich in Liebe verwandelt und für diese Liebe möchte sie kämpfen. Das kann sie aber nicht in Chalids Nähe, aber ohne seine Nähe leidet Shahrzad. Sie muss sich sammeln und eine Lösung finden, um den Fluch, der auf ihren König lastet zu brechen. Für ihn, für sein Land und für ihre Liebe, aber überall lauern Gefahr und Krieg. Kann Shahrzad sich durchsetzten? Wird sie den Fluch brechen können? Und was ist mit Chalid, wird er warten, oder selbst tätig werden? Hat diese Liebe eine Chance auf ein Happy End?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nach den ersten Seiten vom Zorn und Morgenröte eher ein gemischtes Lesevergnügen hatte und dann BAAAAMMMMM, war ich verliebt, absolut hingerissen und total verärgert, dass es wieder noch einen Band geben wird. Wie soll man das denn aushalten, diese beiden Hauptprotagonisten haben sich nämlich einfach in mein Leserherz verankert. Aber nun hat das Sehnen und Warten ein Ende und ich darf in diese Welt wieder eintauchen und mitfiebern.

Ehrlich gesagt habe ich mir um die nachfolgende Handlung gar nicht so viel Gedanken gemacht und wollte einfach nur weiterlesen, aber beim Lesen habe ich festgestellt, das mich die Autorin hier doch überrascht. Zum einen lässt sie zu allererst unsere starke junge Heldin, sehr in Mitleid versinken und wir fragen uns wo ist der Mut, ihre Stärke und ihr dicker sturer Kopf hin. Das hat mich wirklich erstaunt, denn ich dachte, sie stürzt sich sofort auf die Lösung des Fluches. Tja, und da kommt der zweite Punkt, der mich verwunderte, denn dieser böse, alles überschattende Fluch, hat gar nicht so großen Raum bekommen, wie ich erwartet hätte, und wirkte irgendwie recht flach in die Geschichte eingewebt. Dazu kamen dann ganz viele verschiedene Handlungsansätze, die alle wirklich viel versprachen, aber irgendwie nicht ganz zu Ende erzählt, oder gedacht waren. Mich hat das zwar alles mit gezogener Augenbraue verwundert, aber ganz ehrlich am Ende nicht wirklich gejuckt.

Was Renée Ahdieh nämlich absolut beherrscht, ist über Shahrzad und Chalid zu schreiben, sobald die beiden auf den Plan treten, war ich verzaubert, mein Herz pochte wild, meine Hände wurden klamm und ich befürchte, ich hatte ein seliges aber dämliches Lächeln im Gesicht. Diese Romantik ist einfach spürbar und ihre Schlagabtausche unglaublich unterhaltsam. Ich habe jede Szene herbeigesehnt, gefeiert und ganz viel geseufzt, sogar ganz viele mehrfach gelesen, trotzdem machen es die beiden einen weiterhin nicht leicht und so gibt es wieder eine Achterbahn an Gefühlen und jede Menge an Problem zu bewältigen. Diesmal haben sie aber nicht den Palast als Austragungsort gewählt, sondern die weiten der Wüste.

Trotz des anfänglichen Erstaunens habe ich dieses Buch verschlungen, regelrecht eingesogen und habe doch das Bekommen, was ich wollte, denn eine ganz tolle Liebesgeschichte mit einem Paar, was verzaubert und Sehnsüchte nach der großen und einzigen Liebe weckt. Ich glaube, davon lebt einfach diese Geschichte von Shahrzad und Chalid und für mich war alles drum herum, gutes Beiwerk. Natürlich könnte ich jetzt noch einiges kritisch bewerten, aber warum, ich war nach Beenden einfach glücklich, beseelt und möchte einfach mehr von dieser Autorin lesen, denn über große Gefühle kann sie einfach schreiben.

Rache und Rosenblüte war überraschend anderes, aber immer noch wunderschön und herzzerreißend. Wer ganz großes Liebeskino haben möchte, sollte es einfach lesen.

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69 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

überwachung, manipulation, retusche, geheimorganisationen, daten

Dark Noise

Margit Ruile
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.03.2017
ISBN 9783785584460
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zafer ist der beste Bildretuscheur, den es momentan auf dem Markt gibt. Allein zu Hause gibt der seinen Bildern den Glanz der Außenwelt und kann sogar Wassertropfen realistisch und sogar mit Spiegelung nachbilden. Alles läuft bei ihm als freiberuflicher über E-Mail und da wundert er sich auch nicht  über eine ganz besondere anonyme Mail. Hier soll er nämlich ein Überwachungsvideo überarbeiten, gesagt getan und das Unheil nimmt seinen Lauf, denn bei dem einen Auftrag soll es nicht bleiben, und ehe es sich Zafer versieht, erblickt er in den Nachrichten seine Arbeit zu einem Tatverbrechen. Wer steckt hinter dem Auftrag? Wie soll sich Zafer nun verhalten? Und was steckt hinter dem Verbrechen? 
Bei dieser Geschichte hat mich die Thematik richtig angesprochen, denn unsere Welt kann auf der technischen Ebene, immer mehr. Was im Film genial ist, ist in der Wirklichkeit mehr als gefährlich und erschreckend. Man stelle sich mal vor, dass man selbst in solch einem Video auftaucht und als Mörder bezeichnet wird. Keiner glaubt einen, denn es gibt ja Beweise, da läuft es einem doch kalt den Rücken runter. So bin ich an diesen All-Age-Thriller mit Neugier, aber ohne große Erwartung rangegangen und hatte einige interessante Einblicke.

Zafer‘s Welt besteht aus seiner vernachlässigten Wohnung und seinem Computer und wer viel am Rechner arbeitet, weiß, es macht einsam. So sind Zafers soziale Kontakte an einem Finger ablesbar, seine kleine Schwester, die mal zu Besuch kommt. Aber ihn stört es nicht wirklich, er möchte gute Arbeit machen und geht darin auf und vergisst sich manchmal in seiner Traumwelt. Bis es ihn eines Tages rauszieht und er einer jungen Straßenmusikerin über den Weg läuft, da möchte Zafer doch Mal mehr, als mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Dass diese junge Frau mehr mit seiner Welt zu tun hat, als geahnt, das erfährt er viel später.

So führt uns die Autorin direkt zu Zafer und seiner Arbeit, aber wir erleben alles nicht durch seine Augen, sondern durch die der jungen Computerspezialistin Emily, die auch eine Schwäche für Musik hat und Zafers Leben auf unterschiedlichen Ebenen kreuzt. Das war am Anfang gut gemacht und zog einen ziemlich durch die Seiten, weil man einfach mehr wissen wollte, da man ja mehr oder minder Rückblendenhäppchen bekam, allerdings hätte ich es im Laufe der Geschichte besser gefunden, wenn wir alles nur aus Zafers Sicht gelesen, oder zwei Erzählstränge bekommen hätten. Da der eigentliche Protagonist und Könner ein bisschen auf der Strecke blieb. So wurde sich doch mehr Emilys Sicht angenommen, aber diese haperte mir im zweiten Teil des Buches zu sehr.

Aus einem richtig guten Anfang, mit vielen Schock- und Erstaunelementen wurde es, etwas dünner und schwächte sehr ab. Für mich gab es ein paar Handlungslücken und unsere Bösewichte waren auch nicht so professionell, wie man sich das bei einem Großunternehmen vorstellt und so nahm die Ernsthaftigkeit erheblich ab. Was ich unglaublich Schade fand, da die Thematik unglaublich spannend und aktuell ist. Ich hatte das Gefühl, das die Autorin den großen Showdown scheute und versuchte, mehr realistisch an die Sache ranzugehen, was dem ganzen am Ende nicht gut getan hat, weil es einfach zu unspektakulär gewesen war.

Margit Ruile hat mir aber trotz des meckerns, angenehme Lesestunden bereitet. Sie hat einen neugierig gemacht, zum Nachdenken angeregt und einen Einblick gegeben, der uns alle treffen könnte. Dabei hat sie am Anfang eine überraschende Erzählweise geliefert und die Geschichte unglaublich spannend rübergebracht, bis sie sich ein bisschen verstrickte, träumerisch abschweifte und die Handlungen teilweise lückenhaft waren. Allerdings finde ich dieses Buch für ein Jugendbuch gut gemacht und die Idee immer noch absolut klasse.

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Apocalypse Now Now - Schatten über Cape Town

Charlie Human , Clara Drechsler , Harald Hellmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 24.11.2016
ISBN 9783596034987
Genre: Fantasy

Rezension:

Baxter Zevcenko hat alles im Griff, den nervigen Bruder blendet er aus, die Eltern werden besänftigt, damit er seine Ruhe hat und an der Highschool ist er mit seiner Gang und seinem kleinen Pronobusiness immer noch unabhängig. Besser könnte es nicht laufen und sogar in der Liebe, scheint es ihn schwer erwischt zu haben. Bis seine Freundin Esmé vom Mountain Killer entführt wird und seine ganze Welt aus den Fugen gerät. Baxter gerät unter Verdacht und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst auf die Suche zu gehen und seine erste Spur führt ihn zum Kopfgeldjäger Jackie Ronin. Zusammen gehen sie es an und was Baxter dann erlebt, hätte er sich auch beim schönsten Drogenrausch nicht ausdenken können. Gibt es im Kapstadt etwa eine Schattenwelt? Woher kommen bloß alle diese Monster und Ungeheuer? Und wo verdammt ist Esmé?
Wenn man auf einem Buch mit Neil Gaiman und Tarantino wirbt, hat man schon einige Erwartungen an die Geschichte, zumindest ich. Da weiß man das nicht der poetische Gaiman drin steckt, sondern seine unbändige Fantasy und bei Tarantino, fällt einem nur Blut ein, und zwar in Mengen, abgedrehter Humor und viele Körperteile, die nicht dahin gehören, wo sie eigentlich sein sollten. Für mich war klar, es wird schmutzig, skurril und krass abgedreht und was soll ich sagen, ich hatte recht!

Baxter ist der Held der Geschichte, aber vom netten Jungen kann hier nicht die Rede sein. Er ist ein Planer, Kalkulierer, Bestimmer und hat gern das Gefühl von Macht, an sein Wohl, denkt er eigentlich immer zuerst. So nervt ihm seine Familie auch ständig, da sie Angst haben das, das verrücktsein Gen aus der Familie, an ihn vererbt wurde und drängeln ihn zum Psychologen. Nur seine Gefühle für Esmé sind ihm nicht ganz recht, schon peinlich gerührt und von seiner weichen Seite überrascht, gibt er diese ungern zu. Aber Baxter wäre nicht Baxter, wenn er nicht alles in Griff hätte. Für ihn gibt es in der Welt nur die Mächtigen und alles andere ist Freiwild und zum Fressen da. Und obwohl Baxter kein Gutmensch ist, mag man ihn, er ist schon ein böser selbstverliebter Bube, aber es steckt noch so viel mehr in ihm und das, hat verdammt Spaß gemacht mitzuverfolgen. Denn Baxter‘s Wahrnehmung spielt nicht nur ihm einen Streich, sondern führt auch den Leser an der Nase herum.

So steigen wir zuerst in sein Leben ein, bestimmt von Familie und Schule. Er führt sich gern als knallharten Geschäftsmann auf und hat gern alles unter Kontrolle, wären da nicht immer diese Kopfschmerzen und diese Albträume, aber das muss er zurückstellen, denn das Filmchengeschäft geht vor. Interessant ist wirklich die Highschool Beschreibung, Gangs, derbe Sprüche, Gewalt und die ständigen Konflikte untereinander, man merkte sofort, diese Welt ist rau, brutal und wer nicht aufpasst, wird seines Lebens nicht mehr froh. Aber es soll noch fetter werden, denn nachdem Baxter die Bekanntschaft mit Jackie Ronin, den Kopfgeldjäger für Paranormales, gemacht hat, eröffnet sich ihm die Welt der Verborgenen und hier tritt dann Tarantino auf. Wir bewegen uns in der Schattenwelt von Kapstadt, wo alte Mythen und Voodoo Zauber eine Rolle spielen und Erscheinungen ans Tageslicht kommen, mit denen keiner gerechnet hat und Baxter muss über sich hinaus wachsen.

Charlie Human musste hier beim Schreiben sehr viel Spaß gehabt haben, denn er hat sich voll ausgelebt. Dabei verwendet er eine Sprache, die jung und modern ist, aber auch oft abdriftet und düster, schmutzig und brutal wird. Ein absolut gelungenes Werk der Urban Fantasy Welt und ein neuer Stern am Firmament. Ich hatte unglaublich viel Spaß und so viele Lacher und Schmunzler, wie selten, seine Anspielungen und Seitenhiebe auf andere Werke waren gut gewählt und immer passend. Ich meine, wir müssen uns hier nicht über Realität und Schlüssigkeiten unterhalten, es geht um gute und schnelle Unterhaltung und Aktion vom Feinsten. Ein wahres Feuerwerk, für das eigene Kopfkino und an Blut und abgedrehten Überschuss Handlungen mangelte es nicht.

Mir hat Abocalypse Now Now richtig gut gefallen und ich fand den Wahnsinn perfekt abgemischt. Tolle Figuren, die untypisch waren, aber dafür erfrischend gut taten, wer will schon immer von den Guten lesen. Die Story war gut konzipiert und spielte mit dem Leser nicht nur einmal. Für alle, die es gern verrückt, abgedreht, düster und blutig mögen, sollte ein Trip nach Kapstadt auf dem Plan stehen.

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jugendbuch, anne freytag, liebe, homosexualität, den mund voll ungesagter dinge

Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2017
ISBN 9783453271036
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Sophie kann es nicht fassen, sie fühlt sich unverstanden, ungeliebt und jetzt auch noch eine neue Stadt. Ihr Vater hat nämlich beschlossen alles in Hamburg zu verkaufen und bis auf ein paar Kartons im Wagen nach München zu seiner Freundin zuziehen. Sie will keine neue Stadt, keine neue Familie und ein Vater, der sie nicht mehr sieht. Reicht es nicht, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt verlassen hat, ist sie dazu bestimmt, immer einsam zu sein. Aber wenn sie was sagt, ist sie eine Spielverderberin und so muss sie sich in ihr Schicksal fügen, verkriecht sich und will in dieser heilen Welt nicht mitspielen. Liebe ist doch total überbewertet. Bis sie auf einmal beim Gassi gehen, auf das Nachbarsmädchen Alex trifft, da spürt Sophie, Interesse und den Wunsch nicht mehr einsam sein zu müssen. Sophie lässt sich zum ersten Mal völlig auf einen Menschen ein und genießt das neue Gefühl. Bis zu dieser Party, wo ein Flaschendrehspiel aus dem Ruder läuft und ein Kuss ihr Leben auf den Kopf stellt. Wen muss Sophie küssen? Und welche Auswirkungen kann ein Kuss haben?
Ein neuer Anne Freytag Roman ist da und ich total im Vorfreuderausch. Immerhin ist es ein Original Freytag und das bedeutet, Herzklopfen, kribbelnde Schmetterlinge im Bauch und anschleichende Gänsehaut, die sich wie ein Sturm ausbreitet. Bei ihren Büchern weiß man einfach vorab, dass man sie nicht nur liest, sondern direkt mitfühlt und mich, hat diese Geschichte in eine Zeitmaschine gesetzt und mich wieder als Teenager entlassen, mit all seinen Problemen, Sorgen und Nöten. So war ich dickköpfig, uneinsichtig und fühlte mich, mit dem ganzen Erwachsen werden überfordert und genau da lernt man Sophie kennen.

Wer ist schon begeistert, wenn die Eltern das eigene Leben noch mehr auf den Kopf stellen. Aus dem Team Vater und Tochter soll jetzt eine Patchworkfamilie entstehen und jeder soll damit begeistert einhergehen. Sophie findet es absolut unverschämt. Immerhin muss sie mitten im letzten Schuljahr, die Klasse wechseln, in eine neue Stadt ziehen und sich doch bitte nicht so anstellen. Aber das ist ja wohl leichter gesagt und verlangt, als umgesetzt. Sophie ist verletzt, traurig, wütend, bockig und alles ist absolut nachvollziehbar. Dazu kommt, dass sie sich unglaublich unverstanden fühlt und sehr einsam ist. Ihr bester Freund lebt in Paris und naja, Jungs wollen ja eh nur das Eine. Nicht, dass sie was gegen Jungs hätte, aber irgendwie fühlt es sich nicht richtig an. So wirbelt es in Sophies Leben und nirgendwo ein Halt oder Arme, die sie auffangen, bis Alex in ihr Leben tritt. Ich konnte mich super in Sophie hineinversetzen und sie verstehen, herausgerissen aus ihrer Umgebung und mit soviel Neuen einfach überfordert. Ihre Gefühlswelt war absolut greifbar und ihre Unsicherheiten so verständlich. Sophie spiegelt, das eigene erwachsen werden wieder und das hat mir richtig gut gefallen.

Aber es geht ja nicht nur um den Umzug, die neue Familie, die fremde Stadt oder die neue Schule, sondern um Gefühle, seinen Platz im Leben und die Suche nach dem Glück. Anne Freytag hat sich nämlich hier einem wichtigen Thema angenommen, nämlich zu sich zu stehen, Gefühle zu zulassen, auch wenn es sich im ersten Moment komisch anfühlt. Denn Sophie verliebt sich nämlich in ein Mädchen und das führt unweigerlich zu Problemen. Zuerst das eigene Unverständnis, dann die Angst, ob man nicht normal ist und wie die andere darauf reagiert. Aber das Wichtigste werden die Gefühle überhaupt erwidert, oder lebt sie in einer Traumblase. Sehr ruhig und sensibel geht hier die Autorin vor, und obwohl ich sonst nicht so der Leser von gleichgeschlechtlicher Liebe bin, war ich gefesselt, gebannt und habe sehr mit gebibbert, gelitten und gehofft. Dass mich diese Geschichte so erreichen konnte, hat natürlich mit dem Schreibtalent von Anne Freytag zu tun, denn sie schaffte es immer Gefühle so zu transportieren, das man sie einfach selber spürt.

Mit ihrem zweiten Jugendbuch legt die Autorin wieder fantastisch nach und sie scheut die schweren Themen nicht, ganz im Gegenteil, sie schildert diese so klasse, das man versteht, darüber nachdenkt und einen ganz anderen Blickwinkel bekommt. Liebe ist nun Mal ein starkes Gefühl, und wenn Anne Freytag ihre Finger im Spiel hat, wird es zu einem Mutmacher und zur besonderen Wertschätzung. Ob nun Mädchen oder Junge, ganz egal, Hauptsache man ist glücklich. Es geht nicht immer um das Geschlecht, sondern den Menschen dahinter. Eine tolle Geschichte und eine Wichtige noch dazu, steht zu euren Gefühlen und werdet glücklich, der Rest kommt von allein und habt den Mund nicht voll ungesagter Dinge, sondern sprecht es einfach aus, das Leben hat nämlich viele Überraschungen parat.

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90 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

rom, thriller, serienmörder, mord, krebs

Schattenkiller

Mirko Zilahy , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174201
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Sommer ist in Rom vorbei und es regnet ohne Ende. Während sich Commissario Enrico Mancini um einen Vermisstenfall kümmert, wird am Tiber eine Leiche gefunden und es soll nicht bei einer bleiben. Widerwillig wird Mancini vom Polizeipräsidenten zur Beratung dazu zitiert und muss am Ende, die Untersuchung ganz übernehmen. Seine Ausbildung zum Profiler und seinem Spezialgebiet für Serienmorde macht ihn dafür zum Experten. Allerdings bezweifelt Mancini es sehr, dass es sich hier um ein und denselben Täter handelt, bis der Polizei Botschaften zugetragen werden, die von anderem Tatbestand sprechen. Nun liegt es am Commissario und seinem Team die Botschaften zu entschlüsseln und den Täter zu finden, denn dieser scheint mit seinem Vorhaben noch lange nicht fertig zu sein. Welchen Plan verfolgt der Täter? Wird es noch mehr Opfer geben? Und kann Enrico Mancini hinter die verborgenen Botschaften schauen und den Mörder finden?
Ich habe eine Schwäche für italienische Autoren und ihre Commisaarios. Für mich sind es nicht immer nur Kriminalfälle, sondern auch ein Lebensgefühl und die Persönlichkeiten, die für mich eine Geschichte ausmachen und genau diese Mischung, schaffen die Italiener mit am besten. Nun gut, eins hat dieser Autor allerdings vergessen, nämlich das Essen! Ob es auch ohne, mir gefallen hat, erzähle ich euch jetzt.

Enrico Mancini ist ein sehr gut gewählter Charakter, den man einfach von Beginn an kennenlernen möchte und hinter seine düsteren Gedanken schauen. Er ist mürrisch, kann keine geschlossenen Türen ertragen, trägt ständig Handschuhe und will diesen neuen Fall nicht annehmen. Dabei muss er früher ein wahrer Glücksgriff für die Polizei gewesen sein. Eine hervorragende Ausbildung, sogar im Ausland tätig gewesen, eine absolute Spürnase und vom Erfolg verwöhnt gewesen und dann dieser gebrochene Mann. So möchte man einfach allein deswegen weiter lesen und entdecken, was mit ihm los ist. Aber er allein soll uns nicht am Lesen halten, denn er nimmt sich dem ganzen Team an, von der Staatsanwältin bis zum Gerichtsmediziner dürfen wir alle kennenlernen und zusehen wie sie als Team agieren und zusammenwachsen. Das ist der eine Punkt, den ich allein schon ziemlich gelungen fand. Interessante Köpfe und jeder mit so seinen eigenen Tücken und Kanten, dabei wird es nicht langweilig zu entdecken und gern zu haben.

Der zweite Punkt ist der Fall, wir finden also Leichen und jede hat etwas an sich, die auf den wahren Hintergrund schließen lässt. Allerdings so verworren, dass auch wir als Leser nicht direkt dahinter steigen und lange im Dunklen tappen. Mirko Zilahy hat hier vielleicht nicht das Spektakulärste geschaffen, aber ich fand es gut konzipiert und spannend umgesetzt. Die Entwicklung war aufregend zu verfolgen und der Spannungsbogen gut eingesetzt. Außerdem greift er ein Thema auf, was uns alle irgendwie berührt und wir nur zu gut kennen, denn Zeit für Menschlichkeit ist in unseren Alltag zu selten. So spielt er mit interessanten Ansätzen und beschreibt ein ganz anderes Rom.

So kommen wir dann zum dritten Punkt, nämlich zur Beschreibung von Rom, sonst kennen wir die Stadt sonnig, strahlend und lächelnd. Wir streifen durch die Historie und verweilen doch sehr in ihrer antiken Geschichte. Mirko Zilahy zeigt uns eine ganz andere Stadt, dunkel, atmosphärisch und ein Spiel mit den Gegensätzen. Rom mag zwar alt sein, aber auch die Industrie und die Moderne haben hier ihren Platz, nicht immer in die Umgebung angepasst, aber trotzdem da. Genau dort lässt er seinen Mörder arbeiten und uns miterleben, dass auch die Ewige Stadt ihre Schattenseiten hat.

Mirko Zilahy hat ein starkes Debüt hingelegt, mit interessanten Figuren, die er nicht nur eindimensional beschreibt, sondern deren Eigenschaften in die Geschichte mit einfließen. Dazu kommt noch ein toller Commissario, der mit seinen Macken und Schicksalschlägen einen auf Trab hält und einem Mörder, der nicht nur mordet, sondern auch einen höheren Plan hat. Eine ziemlich gelungene Mischung, das Einzige, was mich ein bisschen gestört hat, waren seine abschweifenden Erinnerungsfetzen, der jeweiligen Person. Sprich wir waren bei der Tatortbegehung und dann blitzte eine Erinnerung auf und diese musste erzählt werden, das führte manchmal dazu, das man ein wenig den Faden vom Eigentlichen verlor. Mir hatte es trotzdem, oder gerade deswegen großen Spaß gemacht und gern, lerne ich mehr von Mirko Zilahys Rom kennen und seinen etwas anderen Commissario.

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