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27 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

thriller, berlin, privatermittler, mehrteiler, wem trauen

Brandstifter: Thriller

Martin Krist
Flexibler Einband: 473 Seiten
Erschienen bei Independently published, 19.02.2017
ISBN 9781520648682
Genre: Sonstiges

Rezension:

Valentina kuschelt sich nochmals in ihr Bett, bevor sie aufsteht. Im Geiste plant sie ihren Tag und schaut nach den Kindern, bevor sie nach unten geht, um ihren Mann einen Kuss zu geben, aber im Arbeitszimmer erwartet sie viel Blut. Panisch und geschockt rennt Valentina mit ihren Kindern zu den Nachbarn und kann das gesehene einfach nicht greifen. Aber wenn sie denkt, schlimmer kann es nicht werden, wird sie eines Besseren belehrt und Valentina muss über sich hinaus wachsen und ihre Kinder beschützen. Zur gleichen Zeit steht Problemlöser David Gross ganz am Anfang neuer Ermittlungen, diesmal soll er den Tod einer jungen Familie aufklären und gerät dabei selbst in Lebensgefahr. Warum wurde Valentinas Mann umgebracht? Wer bedroht ihre Familie? Und wie hängt da David Gross Fall mit drin?
Sehr lang habe ich auf eine Fortsetzung von Drecksspiel gewartet, eigentlich viel zu lang. Erst lässt uns nämlich der Autor in einem wahren Leserausch verfallen und dann löst er noch nicht mal alles auf. Also habe ich gewartet und statt einer Fortsetzung, bekamen wir die Vorgeschichte zu David Gross, Engelsgleich und der Cliffhänger schwebte immer noch in der Luft. Nun endlich gibt es den dritten Gross Teil und dieser schließt an Drecksspiel an und da habe ich ziemlich aufgeatmet.

Eigentlich mag ich gar nicht so viel vom Inhalt verraten, weil Martin Krist komplex erzählt und seine Fäden zu gern in unklaren lässt, bis zum Showdown und uns Leser mit offenem Mund zurück lässt. Aber ein bisschen mag ich schon erwähnen, es gibt diesmal drei Erzählstränge und fünf Teile bzw. Tage. Der erste Faden ist Valentina gewidmet, einer wohlhabenden Frau und Mutter, die sich um Heim und Wohltätigkeit kümmert und glücklich mit ihrem Mann ist. Bis sie diesen tot auffindet und nicht nur ihre Welt einstürzt, nein, sie auch noch ins Fadenkreuz von Kriminellen gerät. Dann haben wir natürlich David Gross, der immer noch seine Frau sucht, sich Sorgen um seinen Sohn macht und einen neuen Fall übernimmt. Diesen übernimmt er allerdings eher ungern, und bevor er sich versieht, ist er selbst in einer lebensgefährlichen Situation. Tja und der dritte Faden ist dem Kleinkriminellen Luka gewidmet, der versucht für seine Familie sauber zu bleiben und unfreiwillig doch immer wieder angezogen wird.

Martin Krist versteht es einfach einen von der ersten Sekunde an zu fesseln und an die Seiten festkleben zu lassen. So steigt man in die Geschichte ein und kann erst aufhören, wenn der letzte Punkt erscheint. Ich mag einfach seine Art zu erzählen, die kurzen Kapitel, die schnellen aber konkreten Beschreibungen, er schafft mit so wenig, ein genaues Bild und absolute Berlin Atmosphäre und die jeweilige gewählte Sprache ist genial eingebunden. Das hat mir bis jetzt immer total gut gefallen, sein besonderer Blick in die dunklen Ecken von Berlin, realistisch, hart und überzeugend. Dazu kommt noch sein Spannungsaufbau, Häppchen für Häppchen lässt er uns den Figuren folgen, spielt mit unserer Ungeduld, lässt uns an der spannendsten Stelle verhungern und treibt uns nur so voran. Außerdem lässt er uns so gern in Unklaren, wie alles zusammenhängt, und hebt seine Figuren in jeden Strang so sehr voneinander ab, dass wir überhaupt nicht erraten können, welche Verbindung es am Ende geben wird. Dieses Chaos macht es für uns aber nie schwer zu folgen.

Mit Brandstifter hat Martin Krist wieder stark nachgelegt, spannend Unterhalten, raffiniert konzipiert und immer noch nicht alles zu Ende erzählt. Ich warte also weiterhin auf eine Aufklärung und fiebere einer Fortsetzung entgegen, der Herr Krist, ist aber auch ein Bösewicht.

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233 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 31 Rezensionen

1001 nacht, liebe, wüste, magie, märchen

Rache und Rosenblüte

Renée Ahdieh , Martina M. Oepping
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783846600405
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Shahrzad hat dem Palast und ihren Kalifen den Rücken gekehrt und ist zurück in der Wüste. Alles hat sich in ihrem Leben verändert, ihr Hass hat sich in Liebe verwandelt und für diese Liebe möchte sie kämpfen. Das kann sie aber nicht in Chalids Nähe, aber ohne seine Nähe leidet Shahrzad. Sie muss sich sammeln und eine Lösung finden, um den Fluch, der auf ihren König lastet zu brechen. Für ihn, für sein Land und für ihre Liebe, aber überall lauern Gefahr und Krieg. Kann Shahrzad sich durchsetzten? Wird sie den Fluch brechen können? Und was ist mit Chalid, wird er warten, oder selbst tätig werden? Hat diese Liebe eine Chance auf ein Happy End?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nach den ersten Seiten vom Zorn und Morgenröte eher ein gemischtes Lesevergnügen hatte und dann BAAAAMMMMM, war ich verliebt, absolut hingerissen und total verärgert, dass es wieder noch einen Band geben wird. Wie soll man das denn aushalten, diese beiden Hauptprotagonisten haben sich nämlich einfach in mein Leserherz verankert. Aber nun hat das Sehnen und Warten ein Ende und ich darf in diese Welt wieder eintauchen und mitfiebern.

Ehrlich gesagt habe ich mir um die nachfolgende Handlung gar nicht so viel Gedanken gemacht und wollte einfach nur weiterlesen, aber beim Lesen habe ich festgestellt, das mich die Autorin hier doch überrascht. Zum einen lässt sie zu allererst unsere starke junge Heldin, sehr in Mitleid versinken und wir fragen uns wo ist der Mut, ihre Stärke und ihr dicker sturer Kopf hin. Das hat mich wirklich erstaunt, denn ich dachte, sie stürzt sich sofort auf die Lösung des Fluches. Tja, und da kommt der zweite Punkt, der mich verwunderte, denn dieser böse, alles überschattende Fluch, hat gar nicht so großen Raum bekommen, wie ich erwartet hätte, und wirkte irgendwie recht flach in die Geschichte eingewebt. Dazu kamen dann ganz viele verschiedene Handlungsansätze, die alle wirklich viel versprachen, aber irgendwie nicht ganz zu Ende erzählt, oder gedacht waren. Mich hat das zwar alles mit gezogener Augenbraue verwundert, aber ganz ehrlich am Ende nicht wirklich gejuckt.

Was Renée Ahdieh nämlich absolut beherrscht, ist über Shahrzad und Chalid zu schreiben, sobald die beiden auf den Plan treten, war ich verzaubert, mein Herz pochte wild, meine Hände wurden klamm und ich befürchte, ich hatte ein seliges aber dämliches Lächeln im Gesicht. Diese Romantik ist einfach spürbar und ihre Schlagabtausche unglaublich unterhaltsam. Ich habe jede Szene herbeigesehnt, gefeiert und ganz viel geseufzt, sogar ganz viele mehrfach gelesen, trotzdem machen es die beiden einen weiterhin nicht leicht und so gibt es wieder eine Achterbahn an Gefühlen und jede Menge an Problem zu bewältigen. Diesmal haben sie aber nicht den Palast als Austragungsort gewählt, sondern die weiten der Wüste.

Trotz des anfänglichen Erstaunens habe ich dieses Buch verschlungen, regelrecht eingesogen und habe doch das Bekommen, was ich wollte, denn eine ganz tolle Liebesgeschichte mit einem Paar, was verzaubert und Sehnsüchte nach der großen und einzigen Liebe weckt. Ich glaube, davon lebt einfach diese Geschichte von Shahrzad und Chalid und für mich war alles drum herum, gutes Beiwerk. Natürlich könnte ich jetzt noch einiges kritisch bewerten, aber warum, ich war nach Beenden einfach glücklich, beseelt und möchte einfach mehr von dieser Autorin lesen, denn über große Gefühle kann sie einfach schreiben.

Rache und Rosenblüte war überraschend anderes, aber immer noch wunderschön und herzzerreißend. Wer ganz großes Liebeskino haben möchte, sollte es einfach lesen.

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49 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

daten, retusche, geheimorganisationen, mystisch, düster

Dark Noise

Margit Ruile
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.03.2017
ISBN 9783785584460
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Zafer ist der beste Bildretuscheur, den es momentan auf dem Markt gibt. Allein zu Hause gibt der seinen Bildern den Glanz der Außenwelt und kann sogar Wassertropfen realistisch und sogar mit Spiegelung nachbilden. Alles läuft bei ihm als freiberuflicher über E-Mail und da wundert er sich auch nicht  über eine ganz besondere anonyme Mail. Hier soll er nämlich ein Überwachungsvideo überarbeiten, gesagt getan und das Unheil nimmt seinen Lauf, denn bei dem einen Auftrag soll es nicht bleiben, und ehe es sich Zafer versieht, erblickt er in den Nachrichten seine Arbeit zu einem Tatverbrechen. Wer steckt hinter dem Auftrag? Wie soll sich Zafer nun verhalten? Und was steckt hinter dem Verbrechen? 
Bei dieser Geschichte hat mich die Thematik richtig angesprochen, denn unsere Welt kann auf der technischen Ebene, immer mehr. Was im Film genial ist, ist in der Wirklichkeit mehr als gefährlich und erschreckend. Man stelle sich mal vor, dass man selbst in solch einem Video auftaucht und als Mörder bezeichnet wird. Keiner glaubt einen, denn es gibt ja Beweise, da läuft es einem doch kalt den Rücken runter. So bin ich an diesen All-Age-Thriller mit Neugier, aber ohne große Erwartung rangegangen und hatte einige interessante Einblicke.

Zafer‘s Welt besteht aus seiner vernachlässigten Wohnung und seinem Computer und wer viel am Rechner arbeitet, weiß, es macht einsam. So sind Zafers soziale Kontakte an einem Finger ablesbar, seine kleine Schwester, die mal zu Besuch kommt. Aber ihn stört es nicht wirklich, er möchte gute Arbeit machen und geht darin auf und vergisst sich manchmal in seiner Traumwelt. Bis es ihn eines Tages rauszieht und er einer jungen Straßenmusikerin über den Weg läuft, da möchte Zafer doch Mal mehr, als mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Dass diese junge Frau mehr mit seiner Welt zu tun hat, als geahnt, das erfährt er viel später.

So führt uns die Autorin direkt zu Zafer und seiner Arbeit, aber wir erleben alles nicht durch seine Augen, sondern durch die der jungen Computerspezialistin Emily, die auch eine Schwäche für Musik hat und Zafers Leben auf unterschiedlichen Ebenen kreuzt. Das war am Anfang gut gemacht und zog einen ziemlich durch die Seiten, weil man einfach mehr wissen wollte, da man ja mehr oder minder Rückblendenhäppchen bekam, allerdings hätte ich es im Laufe der Geschichte besser gefunden, wenn wir alles nur aus Zafers Sicht gelesen, oder zwei Erzählstränge bekommen hätten. Da der eigentliche Protagonist und Könner ein bisschen auf der Strecke blieb. So wurde sich doch mehr Emilys Sicht angenommen, aber diese haperte mir im zweiten Teil des Buches zu sehr.

Aus einem richtig guten Anfang, mit vielen Schock- und Erstaunelementen wurde es, etwas dünner und schwächte sehr ab. Für mich gab es ein paar Handlungslücken und unsere Bösewichte waren auch nicht so professionell, wie man sich das bei einem Großunternehmen vorstellt und so nahm die Ernsthaftigkeit erheblich ab. Was ich unglaublich Schade fand, da die Thematik unglaublich spannend und aktuell ist. Ich hatte das Gefühl, das die Autorin den großen Showdown scheute und versuchte, mehr realistisch an die Sache ranzugehen, was dem ganzen am Ende nicht gut getan hat, weil es einfach zu unspektakulär gewesen war.

Margit Ruile hat mir aber trotz des meckerns, angenehme Lesestunden bereitet. Sie hat einen neugierig gemacht, zum Nachdenken angeregt und einen Einblick gegeben, der uns alle treffen könnte. Dabei hat sie am Anfang eine überraschende Erzählweise geliefert und die Geschichte unglaublich spannend rübergebracht, bis sie sich ein bisschen verstrickte, träumerisch abschweifte und die Handlungen teilweise lückenhaft waren. Allerdings finde ich dieses Buch für ein Jugendbuch gut gemacht und die Idee immer noch absolut klasse.

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81 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

fantasy, charlie human, apocalypse now now - schatten über cape town, apocalypse now now, südafrika

Apocalypse Now Now - Schatten über Cape Town

Charlie Human , Clara Drechsler , Harald Hellmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 24.11.2016
ISBN 9783596034987
Genre: Fantasy

Rezension:

Baxter Zevcenko hat alles im Griff, den nervigen Bruder blendet er aus, die Eltern werden besänftigt, damit er seine Ruhe hat und an der Highschool ist er mit seiner Gang und seinem kleinen Pronobusiness immer noch unabhängig. Besser könnte es nicht laufen und sogar in der Liebe, scheint es ihn schwer erwischt zu haben. Bis seine Freundin Esmé vom Mountain Killer entführt wird und seine ganze Welt aus den Fugen gerät. Baxter gerät unter Verdacht und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst auf die Suche zu gehen und seine erste Spur führt ihn zum Kopfgeldjäger Jackie Ronin. Zusammen gehen sie es an und was Baxter dann erlebt, hätte er sich auch beim schönsten Drogenrausch nicht ausdenken können. Gibt es im Kapstadt etwa eine Schattenwelt? Woher kommen bloß alle diese Monster und Ungeheuer? Und wo verdammt ist Esmé?
Wenn man auf einem Buch mit Neil Gaiman und Tarantino wirbt, hat man schon einige Erwartungen an die Geschichte, zumindest ich. Da weiß man das nicht der poetische Gaiman drin steckt, sondern seine unbändige Fantasy und bei Tarantino, fällt einem nur Blut ein, und zwar in Mengen, abgedrehter Humor und viele Körperteile, die nicht dahin gehören, wo sie eigentlich sein sollten. Für mich war klar, es wird schmutzig, skurril und krass abgedreht und was soll ich sagen, ich hatte recht!

Baxter ist der Held der Geschichte, aber vom netten Jungen kann hier nicht die Rede sein. Er ist ein Planer, Kalkulierer, Bestimmer und hat gern das Gefühl von Macht, an sein Wohl, denkt er eigentlich immer zuerst. So nervt ihm seine Familie auch ständig, da sie Angst haben das, das verrücktsein Gen aus der Familie, an ihn vererbt wurde und drängeln ihn zum Psychologen. Nur seine Gefühle für Esmé sind ihm nicht ganz recht, schon peinlich gerührt und von seiner weichen Seite überrascht, gibt er diese ungern zu. Aber Baxter wäre nicht Baxter, wenn er nicht alles in Griff hätte. Für ihn gibt es in der Welt nur die Mächtigen und alles andere ist Freiwild und zum Fressen da. Und obwohl Baxter kein Gutmensch ist, mag man ihn, er ist schon ein böser selbstverliebter Bube, aber es steckt noch so viel mehr in ihm und das, hat verdammt Spaß gemacht mitzuverfolgen. Denn Baxter‘s Wahrnehmung spielt nicht nur ihm einen Streich, sondern führt auch den Leser an der Nase herum.

So steigen wir zuerst in sein Leben ein, bestimmt von Familie und Schule. Er führt sich gern als knallharten Geschäftsmann auf und hat gern alles unter Kontrolle, wären da nicht immer diese Kopfschmerzen und diese Albträume, aber das muss er zurückstellen, denn das Filmchengeschäft geht vor. Interessant ist wirklich die Highschool Beschreibung, Gangs, derbe Sprüche, Gewalt und die ständigen Konflikte untereinander, man merkte sofort, diese Welt ist rau, brutal und wer nicht aufpasst, wird seines Lebens nicht mehr froh. Aber es soll noch fetter werden, denn nachdem Baxter die Bekanntschaft mit Jackie Ronin, den Kopfgeldjäger für Paranormales, gemacht hat, eröffnet sich ihm die Welt der Verborgenen und hier tritt dann Tarantino auf. Wir bewegen uns in der Schattenwelt von Kapstadt, wo alte Mythen und Voodoo Zauber eine Rolle spielen und Erscheinungen ans Tageslicht kommen, mit denen keiner gerechnet hat und Baxter muss über sich hinaus wachsen.

Charlie Human musste hier beim Schreiben sehr viel Spaß gehabt haben, denn er hat sich voll ausgelebt. Dabei verwendet er eine Sprache, die jung und modern ist, aber auch oft abdriftet und düster, schmutzig und brutal wird. Ein absolut gelungenes Werk der Urban Fantasy Welt und ein neuer Stern am Firmament. Ich hatte unglaublich viel Spaß und so viele Lacher und Schmunzler, wie selten, seine Anspielungen und Seitenhiebe auf andere Werke waren gut gewählt und immer passend. Ich meine, wir müssen uns hier nicht über Realität und Schlüssigkeiten unterhalten, es geht um gute und schnelle Unterhaltung und Aktion vom Feinsten. Ein wahres Feuerwerk, für das eigene Kopfkino und an Blut und abgedrehten Überschuss Handlungen mangelte es nicht.

Mir hat Abocalypse Now Now richtig gut gefallen und ich fand den Wahnsinn perfekt abgemischt. Tolle Figuren, die untypisch waren, aber dafür erfrischend gut taten, wer will schon immer von den Guten lesen. Die Story war gut konzipiert und spielte mit dem Leser nicht nur einmal. Für alle, die es gern verrückt, abgedreht, düster und blutig mögen, sollte ein Trip nach Kapstadt auf dem Plan stehen.

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139 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

jugendbuch, den mund voll ungesagter dinge, heyne, ezi, rezension

Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2017
ISBN 9783453271036
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Sophie kann es nicht fassen, sie fühlt sich unverstanden, ungeliebt und jetzt auch noch eine neue Stadt. Ihr Vater hat nämlich beschlossen alles in Hamburg zu verkaufen und bis auf ein paar Kartons im Wagen nach München zu seiner Freundin zuziehen. Sie will keine neue Stadt, keine neue Familie und ein Vater, der sie nicht mehr sieht. Reicht es nicht, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt verlassen hat, ist sie dazu bestimmt, immer einsam zu sein. Aber wenn sie was sagt, ist sie eine Spielverderberin und so muss sie sich in ihr Schicksal fügen, verkriecht sich und will in dieser heilen Welt nicht mitspielen. Liebe ist doch total überbewertet. Bis sie auf einmal beim Gassi gehen, auf das Nachbarsmädchen Alex trifft, da spürt Sophie, Interesse und den Wunsch nicht mehr einsam sein zu müssen. Sophie lässt sich zum ersten Mal völlig auf einen Menschen ein und genießt das neue Gefühl. Bis zu dieser Party, wo ein Flaschendrehspiel aus dem Ruder läuft und ein Kuss ihr Leben auf den Kopf stellt. Wen muss Sophie küssen? Und welche Auswirkungen kann ein Kuss haben?
Ein neuer Anne Freytag Roman ist da und ich total im Vorfreuderausch. Immerhin ist es ein Original Freytag und das bedeutet, Herzklopfen, kribbelnde Schmetterlinge im Bauch und anschleichende Gänsehaut, die sich wie ein Sturm ausbreitet. Bei ihren Büchern weiß man einfach vorab, dass man sie nicht nur liest, sondern direkt mitfühlt und mich, hat diese Geschichte in eine Zeitmaschine gesetzt und mich wieder als Teenager entlassen, mit all seinen Problemen, Sorgen und Nöten. So war ich dickköpfig, uneinsichtig und fühlte mich, mit dem ganzen Erwachsen werden überfordert und genau da lernt man Sophie kennen.

Wer ist schon begeistert, wenn die Eltern das eigene Leben noch mehr auf den Kopf stellen. Aus dem Team Vater und Tochter soll jetzt eine Patchworkfamilie entstehen und jeder soll damit begeistert einhergehen. Sophie findet es absolut unverschämt. Immerhin muss sie mitten im letzten Schuljahr, die Klasse wechseln, in eine neue Stadt ziehen und sich doch bitte nicht so anstellen. Aber das ist ja wohl leichter gesagt und verlangt, als umgesetzt. Sophie ist verletzt, traurig, wütend, bockig und alles ist absolut nachvollziehbar. Dazu kommt, dass sie sich unglaublich unverstanden fühlt und sehr einsam ist. Ihr bester Freund lebt in Paris und naja, Jungs wollen ja eh nur das Eine. Nicht, dass sie was gegen Jungs hätte, aber irgendwie fühlt es sich nicht richtig an. So wirbelt es in Sophies Leben und nirgendwo ein Halt oder Arme, die sie auffangen, bis Alex in ihr Leben tritt. Ich konnte mich super in Sophie hineinversetzen und sie verstehen, herausgerissen aus ihrer Umgebung und mit soviel Neuen einfach überfordert. Ihre Gefühlswelt war absolut greifbar und ihre Unsicherheiten so verständlich. Sophie spiegelt, das eigene erwachsen werden wieder und das hat mir richtig gut gefallen.

Aber es geht ja nicht nur um den Umzug, die neue Familie, die fremde Stadt oder die neue Schule, sondern um Gefühle, seinen Platz im Leben und die Suche nach dem Glück. Anne Freytag hat sich nämlich hier einem wichtigen Thema angenommen, nämlich zu sich zu stehen, Gefühle zu zulassen, auch wenn es sich im ersten Moment komisch anfühlt. Denn Sophie verliebt sich nämlich in ein Mädchen und das führt unweigerlich zu Problemen. Zuerst das eigene Unverständnis, dann die Angst, ob man nicht normal ist und wie die andere darauf reagiert. Aber das Wichtigste werden die Gefühle überhaupt erwidert, oder lebt sie in einer Traumblase. Sehr ruhig und sensibel geht hier die Autorin vor, und obwohl ich sonst nicht so der Leser von gleichgeschlechtlicher Liebe bin, war ich gefesselt, gebannt und habe sehr mit gebibbert, gelitten und gehofft. Dass mich diese Geschichte so erreichen konnte, hat natürlich mit dem Schreibtalent von Anne Freytag zu tun, denn sie schaffte es immer Gefühle so zu transportieren, das man sie einfach selber spürt.

Mit ihrem zweiten Jugendbuch legt die Autorin wieder fantastisch nach und sie scheut die schweren Themen nicht, ganz im Gegenteil, sie schildert diese so klasse, das man versteht, darüber nachdenkt und einen ganz anderen Blickwinkel bekommt. Liebe ist nun Mal ein starkes Gefühl, und wenn Anne Freytag ihre Finger im Spiel hat, wird es zu einem Mutmacher und zur besonderen Wertschätzung. Ob nun Mädchen oder Junge, ganz egal, Hauptsache man ist glücklich. Es geht nicht immer um das Geschlecht, sondern den Menschen dahinter. Eine tolle Geschichte und eine Wichtige noch dazu, steht zu euren Gefühlen und werdet glücklich, der Rest kommt von allein und habt den Mund nicht voll ungesagter Dinge, sondern sprecht es einfach aus, das Leben hat nämlich viele Überraschungen parat.

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89 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 69 Rezensionen

rom, thriller, serienmörder, mord, krebs

Schattenkiller

Mirko Zilahy , Katharina Schmidt , Barbara Neeb
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174201
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Sommer ist in Rom vorbei und es regnet ohne Ende. Während sich Commissario Enrico Mancini um einen Vermisstenfall kümmert, wird am Tiber eine Leiche gefunden und es soll nicht bei einer bleiben. Widerwillig wird Mancini vom Polizeipräsidenten zur Beratung dazu zitiert und muss am Ende, die Untersuchung ganz übernehmen. Seine Ausbildung zum Profiler und seinem Spezialgebiet für Serienmorde macht ihn dafür zum Experten. Allerdings bezweifelt Mancini es sehr, dass es sich hier um ein und denselben Täter handelt, bis der Polizei Botschaften zugetragen werden, die von anderem Tatbestand sprechen. Nun liegt es am Commissario und seinem Team die Botschaften zu entschlüsseln und den Täter zu finden, denn dieser scheint mit seinem Vorhaben noch lange nicht fertig zu sein. Welchen Plan verfolgt der Täter? Wird es noch mehr Opfer geben? Und kann Enrico Mancini hinter die verborgenen Botschaften schauen und den Mörder finden?
Ich habe eine Schwäche für italienische Autoren und ihre Commisaarios. Für mich sind es nicht immer nur Kriminalfälle, sondern auch ein Lebensgefühl und die Persönlichkeiten, die für mich eine Geschichte ausmachen und genau diese Mischung, schaffen die Italiener mit am besten. Nun gut, eins hat dieser Autor allerdings vergessen, nämlich das Essen! Ob es auch ohne, mir gefallen hat, erzähle ich euch jetzt.

Enrico Mancini ist ein sehr gut gewählter Charakter, den man einfach von Beginn an kennenlernen möchte und hinter seine düsteren Gedanken schauen. Er ist mürrisch, kann keine geschlossenen Türen ertragen, trägt ständig Handschuhe und will diesen neuen Fall nicht annehmen. Dabei muss er früher ein wahrer Glücksgriff für die Polizei gewesen sein. Eine hervorragende Ausbildung, sogar im Ausland tätig gewesen, eine absolute Spürnase und vom Erfolg verwöhnt gewesen und dann dieser gebrochene Mann. So möchte man einfach allein deswegen weiter lesen und entdecken, was mit ihm los ist. Aber er allein soll uns nicht am Lesen halten, denn er nimmt sich dem ganzen Team an, von der Staatsanwältin bis zum Gerichtsmediziner dürfen wir alle kennenlernen und zusehen wie sie als Team agieren und zusammenwachsen. Das ist der eine Punkt, den ich allein schon ziemlich gelungen fand. Interessante Köpfe und jeder mit so seinen eigenen Tücken und Kanten, dabei wird es nicht langweilig zu entdecken und gern zu haben.

Der zweite Punkt ist der Fall, wir finden also Leichen und jede hat etwas an sich, die auf den wahren Hintergrund schließen lässt. Allerdings so verworren, dass auch wir als Leser nicht direkt dahinter steigen und lange im Dunklen tappen. Mirko Zilahy hat hier vielleicht nicht das Spektakulärste geschaffen, aber ich fand es gut konzipiert und spannend umgesetzt. Die Entwicklung war aufregend zu verfolgen und der Spannungsbogen gut eingesetzt. Außerdem greift er ein Thema auf, was uns alle irgendwie berührt und wir nur zu gut kennen, denn Zeit für Menschlichkeit ist in unseren Alltag zu selten. So spielt er mit interessanten Ansätzen und beschreibt ein ganz anderes Rom.

So kommen wir dann zum dritten Punkt, nämlich zur Beschreibung von Rom, sonst kennen wir die Stadt sonnig, strahlend und lächelnd. Wir streifen durch die Historie und verweilen doch sehr in ihrer antiken Geschichte. Mirko Zilahy zeigt uns eine ganz andere Stadt, dunkel, atmosphärisch und ein Spiel mit den Gegensätzen. Rom mag zwar alt sein, aber auch die Industrie und die Moderne haben hier ihren Platz, nicht immer in die Umgebung angepasst, aber trotzdem da. Genau dort lässt er seinen Mörder arbeiten und uns miterleben, dass auch die Ewige Stadt ihre Schattenseiten hat.

Mirko Zilahy hat ein starkes Debüt hingelegt, mit interessanten Figuren, die er nicht nur eindimensional beschreibt, sondern deren Eigenschaften in die Geschichte mit einfließen. Dazu kommt noch ein toller Commissario, der mit seinen Macken und Schicksalschlägen einen auf Trab hält und einem Mörder, der nicht nur mordet, sondern auch einen höheren Plan hat. Eine ziemlich gelungene Mischung, das Einzige, was mich ein bisschen gestört hat, waren seine abschweifenden Erinnerungsfetzen, der jeweiligen Person. Sprich wir waren bei der Tatortbegehung und dann blitzte eine Erinnerung auf und diese musste erzählt werden, das führte manchmal dazu, das man ein wenig den Faden vom Eigentlichen verlor. Mir hatte es trotzdem, oder gerade deswegen großen Spaß gemacht und gern, lerne ich mehr von Mirko Zilahys Rom kennen und seinen etwas anderen Commissario.

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67 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe, trennung, jimmy rice, leserunde, lovestory

Alles, was vielleicht für immer ist

Jimmy Rice , Laura Tait , Marion Herbert
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.09.2016
ISBN 9783832163747
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rebecca geht voll in ihrem Beruf als Architektin auf und möchte unbedingt Karriere machen. Ben dagegen kann zwar gut mit Menschen, sucht aber noch nach seinem Lebensinhalt. Sie ist unnahbar, er ist warmherzig, beide lernen sich durch ihre Freunde kennen und verlieben sich ineinander. Es scheint die perfekte Beziehung zu sein. Beide ergänzen sich, können nicht ohne einander und planen für die Zukunft. Sie sind das Vorzeigepaar und nichts kann sie auseinander bringen. Bis zu dem einen Tag, als Rebecca was erfährt, was Ben ihr hätte schon längst erzählen müssen. Missverständnisse brodeln hoch und ihre Beziehung steht auf Messersschneide. Was erfährt Rebecca? Und ist Ben doch nicht so perfekt wie gedacht? Ist ihre Beziehung überhaupt noch zu retten?
Dieses Autorenduo konnte mich schon bei ihrer erste Geschichte einnehmen und so wirft man doch gern, ein Auge auf ihr neustes Werk. Was mir damals besonders gut gefallen hat und mir noch in Erinnerung ist, waren ihre realistischen Figuren. Sie beschreiben das reale Leben und verlieren sich nicht in die typischen Liebesromanszenen, aus kitschig und rosarot. Ob sie mich auch diesmal begeistern konnten, erzähle ich euch jetzt.

Wie auch beim letzten Mal nimmt sich jeder Autor einer Figur an und erzählt abwechselnd aus seiner Sicht, was gerade passiert. So hat Laura Tait, eine starke weibliche Figur erschaffen, die sich in ihrem Job als Architektin durchsetzten muss und der Männerwelt beweist, dass sie es einfach drauf hat. Deshalb wirkt Rebecca etwas kühl, unnahbar und hat eigentlich immer die Hosen an. Außerdem steht für sie, der Beruf einfach im Mittelpunkt ihres Lebens und für einen Mann hat sie nicht wirklich die Zeit. Außerdem hasst sie es auf Menschen zuzugehen, ihr fällt Small Talk verdammt schwer und wirkt dadurch oft ablehnend. Sie ist halt eine Denkerin und neigt zur Vorsicht.  Bis sie Ben trifft und über ihren Schatten springt und glaubt, er ist der Richtige, denn sie ergänzen sich perfekt. Mit Rebecca warm zu werden ist mir nicht ganz einfach gefallen, sie ist ein Dickkopf, setzt sich gern durch und übernimmt die Entscheidungen. Erst mit dem großen Knall bricht ihre Fassade auf und eine unsichere junge Frau tritt hervor, die sich in Selbstmitleid suhlt und es ab und zu ein wenig übertreibt. Aber man konnte sie verstehen und innerlich feuerte man sie an, auch ihre weibliche Seite zu zeigen.

Ben dagegen ist ein offener Mensch, für alles zu haben und ein absoluter Träumer. Sobald es gut bei ihm läuft, bekommen seine Vorstellungen Flügel und nur Rebecca hält ihm am Boden der Tatsachen. Er fühlt sich bei ihr geerdet und ist sich nicht zu Schade, zu kochen und das Chaos von ihr zu beseitigen. Allerdings fühlt er sich in seinem Job nicht wohl und sucht immer noch nach seinem Ziel im Leben. Ben muss man irgendwie mögen, trotz seiner weichen Seite und seiner Jammerei, kann man ihn nicht wirklich sehr böse sein. Für mich hat er den modernen Mann verkörpert, nicht dieses Alphamännchen, sondern den Intellektuellen, der sein Reiseziel noch nicht gefunden hat und davon gibt es heute reichlich.

So startet die Geschichte mit dem Kennenlernen, dem Zusammenziehen, dem über den nächsten Schritt nachdenken und man fragt sich als Leser, was soll denn dann bitte noch kommen. Der große Knall, folgt dann auch flott und dann zieht sich leider die Geschichte etwas hin. Beide versinken in Selbstmitleid, hinterfragen ihre Beziehung, und während Rebecca stur dahin lebt, klammert Ben mit einer schirren Verzweiflung. Genau hier wurde die Geschichte etwas sehr langatmig, denn wir kamen nicht wirklich vom Fleck. Es ist nicht so, dass das geschriebene Wort nicht unterhalten hätte, denn erzählen können die beiden Autoren großartig, witzig, mit viel Schwung und einem Feingefühl für unsere Zeit. Aber es war halt sehr lang und dann nahm die Geschichte eine Entwicklung, die nicht unbedingt jeden recht sein wird. Mir war es ein Hauch zu viel, da hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht, um die Hauptprotagonisten in die richtige Richtung zu stupsen. Aber nichtsdestotrotz haben Laura Tait und Jimmy Rice mir schöne Lesestunden bereitet und solche Geschichten müsst es mehr geben.

Rebecca und Ben sind ein ungleiches Paar, ob das immer gut ist, wenn sich Gegensätze anziehen, oder ob man sich dadurch verliert, wird hier erzählt. Eine untypische Liebesgeschichte, wie aus dem Leben mit zwei Protagonisten die einem ans Herz wachsen und mit denen man was trinken gehen möchte.

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137 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 18 Rezensionen

rhiannon thomas, märchenadaption, dornröschenschlaf, a wicked thing, drachen

Ewig - Wenn Liebe erwacht

Rhiannon Thomas , Michaela Kolodziejcok
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 23.02.2017
ISBN 9783737354691
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Aurora wird nach einem hundertjährigen Schlaf endlich erfolgreich wachgeküsst und steht einen völlig Fremden gegenüber. Prinz Rodric ist genauso perplex, wie sie, nur das er nicht an seinen Erfolg geglaubt hat und Aurora diesen Teil des Fluches irgendwie verpasst hat, den mit der ewigen Liebe. So wird sie ohne zu Fragen schnell in die Rolle der zukünftigen Braut gesteckt und wieder eingesperrt, dabei möchte sie doch wissen, was mit dem Königreich geschehen ist. Schnell wird aber klar, das, das regierende Königspaar sie nur als Schachfigur zur Sicherung ihres Besitzanspruchs benutzt und es dem Volk schlecht geht und Revolte in der Luft liegt. Aurora muss sich das Puzzle, der Gegenwart Stück für Stück zusammensetzten und entscheiden, was sie wirklich möchte. Kann sie ihrem Volk überhaupt helfen? Was ist mit Prinz Rodric und der Liebe? Und was möchte Aurora überhaupt?
Die Idee zum Buch, ein Märchen nach dem Happy End neu zu erzählen, fand ich mega spannend, neu und aufregend. Was ist, wenn sie aufwacht und den Prinzen einen Vogel zeigt? Oder zur Tyrannin wird? Oder einfach einen ganz anderen heiraten möchte? Oder sich umdreht und weiterschläft? Nun gut, das Letzte wäre schlecht, somit hätten wir ja nicht wirklich eine neue Geschichte. Aber solch einen Gedanken umzusetzen reizte mich doch sehr zum Lesen und Aurora aus dem Schlaf zu küssen, gibt der Autorin eine Menge Möglichkeiten.

Aurora wird also wachgeküsst und schreit beim Anblick des fremden Jünglings auf. Sie ist verwirrt, fühlt sich überrumpelt und kann dem Gestammel des Prinzen kaum folgen. Sie soll hundert Jahre geschlafen haben und die ganze Welt hat sich verändert. Ein harter Schlag und für unsere junge Heldin wird es nicht besser. Die Prinzessin ist genauso, wie man sie aus dem Märchen kennt, wohlerzogen, liebreizend, perfekte Manieren, nie zu viele Fragen stellen und sich immer schön fügen. Nur das mit der Liebe hat nicht so geklappt. So erwacht sie für ihr Happy End und landet in tiefster Finsternis aus Intrigen, Machtgerangel und Unterdrückung. Aber wie will so ein zartes Fräulein, was immer eingesperrt wird und keine Ahnung vom Hofgebaren hat, ihr Volk retten?

Das ist wohl die absolute Frage und dieser nimmt sich Rhiannon Thomas an. In Aurora fängt es nämlich an zu brodeln, sie möchte nicht eingesperrt werden und sie will wissen, was in ihrem Reich vorgeht. Außerdem ist doch sie die eigentliche Nachfolgerin, warum soll sie dafür heiraten. Diese Entwicklung ihrer Gedankenwelt wird ein bisschen durch die mitspielenden Männer gefördert und da hat sich die Autorin doch einige von ausgedacht. Zum Ersten haben wir den Prinzen Rodric, der unterdrückte Sohn, der Schüchterne und einer der trotz der Gewalt in seiner Umgebung, das Herz an der richtigen Stelle hat. Er glaubt mit dieser Heirat was Gutes zu bewirken, aber liebt er auch Aurora? Ich muss gestehen, ich liebe tragische Helden und mein Herz hat er, auch wenn seine Rolle nicht die ruhmreichste zu seinen scheint. Natürlich gibt es dann noch den Rebellen aus dem Volk, Tristan, denn Aurora auf einem Streifzug kennenlernt. Tja, und als ob das nicht schon reichen würde, kommt noch ein Dritter dazu und das ist der Prinz aus dem Nachbarreich, Finnegan. Er ist überheblich, von sich eingenommen, spitzzüngig und hat eine aalglatte Fassade, oder ist es eine Maske, die er trägt, um anderes zu verschleiern? Auf jeden Fall öffnet er Aurora die Augen über Hof und Politik. Drei ganz unterschiedliche Typen und der Letzte wird wohl einiges an Leserherzen bekommen.

So erleben wir also Auroras Entwicklung hautnah mit, fühlen mit ihr und können das Chaos in ihren Kopf nicht lindern. Ihre Zerrissenheit ist wirklich gut umgesetzt und ihre Machtlosigkeit spürbar. Das hat die Autorin wirklich richtig klasse erzählt und war aufregend zu lesen. Allerdings fehlte mir die Liebe, diese blieb total auf der Strecke und so war für mich der erste Band ein guter Einstieg, aber so ganz anderes als erwartet, denn der Klappentext war viel reißerischer, als die Geschichte und verriet für mich fast alles. So ließ sich dieses Buch zwar superschnell verschlingen, hatte aber auch einige Längen und Wiederholungen bezüglich Auroras Gefühlswelt. Zum Ende hin hatte Rhiannon Thomas aber noch so einige Überraschungen parat, sodass ich den zweiten Band herbeisehne und gespannt bin, wie sie das Umsetzen wird. Außerdem warte ich noch auf den einen magischen Kuss.

Ein interessanter Blick auf das Danach und die Suche nach dem eigenen Wünschen. Aurora möchte mehr, als nur ein nettes Accessoire sein und es lebe die Gleichberechtigung im Märchen. Neu, überraschend und noch lange nicht zu Ende. Aurora dreht jetzt erst richtig auf.

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263 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

physik, jugendbuch, verlust, liebe, anspruchsvol

Ein bisschen wie Unendlichkeit

Harriet Reuter Hapgood , Susanne Hornfeck
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 23.02.2017
ISBN 9783737340335
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Das Schuljahr ist fast rum und die Sommerferien stehen vor der Tür, aber Gottie, eigentlich Margot, möchte sich am liebsten nur unter den Apfelbaum verkriechen und die Sterne betrachten. Mathe und Physik ist ihre Leidenschaft und mit Theorien gedanklich zu experimentieren macht ihr unglaublichen Spaß. Allerdings wird sie da von ihrem, von der Uni zurückkommenden, Bruder sowie seiner ganzen Band abgehalten, und als ob das nicht schon störend ist, eröffnet man ihr, das ihr bester Freund zurückkehrt. Nach vier Jahren Stille steht Thomas wieder vor ihr, aber kann es so sein wie früher, immerhin ist Gottie noch sauer, das er ihr nie geschrieben hat. Außerdem möchte sie doch einfach weiterhin um ihren Großvater trauern, warum lässt man sie einfach nicht in Ruhe. Aber hier schaltet sich das Universum ein und schickt Gottie in immer häufigeren Flashbacks in die Vergangenheit zurück. Wo kommen diese Anfälle her? Kann sich das Gottie mathematisch erklären? Und wie bekommt sie endlich ihren Kuss von Thomas, den sie sich schon als Kinder versprochen hatten? Was hat das Universum vor?
Ich fand die Konstellation aus einem Mädchen was Mathe und Physik mag und dann in wirren Flashbacks landet, sehr neugierig machend, weil man doch weiß, das diese Zahlenmenschen, oft nicht wirklich mit Gefühlen können. Da auch noch „The New York Times“ mit hinreißender Liebesgeschichte ihr Statement abgibt, bin ich dreifach gespannt, wie das alles zusammenspielt und ob es den Leser erreicht. Und ja, das Cover ist einfach zauberhaft. Ob diese Mischung, mich überzeugen konnte, erzähle ich euch jetzt.

Margots Familienkonstellation ist schon ein wenig gewagt. Deutscher Vater, der mehr in seiner Welt lebt, eine Mutter, die sie nie kennengelernt hat, Hippie Großvater, der schon verstorben ist und ein Bruder, der einen sehr gewöhnungsbedürftigen Kleidergeschmack hat. Da fällt Gottie schon ein bisschen mit ihrer mathematischen Sichtweise raus. Zunächst weiß man gar nicht so recht, wie man sie einsortieren soll, still, geheimniskrämerisch, zynisch und manchmal nicht von dieser Welt. Dabei leidet sie einfach nur unglaublich, über den Verlust der Mutter, den zu frühen Tod des Großvaters und die verflossene Liebe aus dem letzten Sommer. Alles zusammen, bringen sie an einem Punkt, wo sie sich ausklingt und das passiert ihr erst über Flashbacks, die sie in die Vergangenheit führen und Erlebtes nochmals vor Augen führt. So verschwindet sie aus der Gegenwart und erwacht erst wieder viel später draus auf. Natürlich beunruhigt sie es sehr, denn sie hat Angst verrückt zu werden und so muss sie dem auf den Grund gehen.

Wir bekommen eine Familiengeschichte präsentiert, die mit vielen Schicksalsschlägen bestückt ist und wie so oft, von seinen Angehörigen verdrängt werden. Jeder verarbeitet es auf seine eigene Weise und genau das, spiegelt die Geschichte wieder. Wir erleben aber diesmal alles aus Gotties Sicht und ihr Prozess ist wirklich erfrischend anderes in Szene gesetzt. Am Anfang, war ich mir unsicher, ob mir diese mathematischen Formeln und Gleichungen gefallen werden und ob ich überhaupt damit  klar komme, aber ich fand, sie haben es total interessant und erfrischend anders gemacht. Ihre Gedankenwelt dazu zu verfolgen war aufregend und es steigerte sich immer weiter. Diese Entwicklung ist wirklich klasse gelungen und eröffnet dem Leser Stück für Stück auch die Hintergründe.

Aber das Herzstück ist wohl auch die Freundschaft von Gottie und Thomas, als Kinder untrennbar vereint und dann durch seinen Umzug wie weggewischt, dabei wollten sie sich immer schreiben. Hier lässt uns Harriet Reuter Hapgood wirklich lange im Dunkeln, warum sie sich aus den Augen verloren haben und was in der einen Nacht geschehen ist, als sie sich das letzte Mal sahen und jeder eine Narbe davongetragen hat. So stellt man sich ständig die Fragen, was war da los? Warum hat keiner den anderen geschrieben? Und warum ist Thomas jetzt wieder da? Hier hat die Autorin wirklich was Tolles gezaubert, anfängliche Ablehnung, wird zum zaghaften Beschnuppern und was die beiden riechen, mögen sie. Diese Annäherung ist wunderbar eingefangen und trotz des hinschmelzen spürt man, da lauern noch Geheimnisse, die gelüftet werden müssen.

Harriet Reuter Hapgood hat hier wirklich ein ganz einmaliges Buch hingelegt und mich wirklich berührt zurück gelassen, dabei ist ihre Art des Erzählens ein absoluter Genuss. Mathe und Physik auf einmal logisch und überhaupt nicht schlimm zu lesen. Ihre Themen Verlust, Liebe, Freundschaft, erwachsen werden, wunderbar dargestellt und gut in Szene gesetzt. Überhaupt nicht kitschig, aber trotzdem süß, kein Wort zu viel und mit einer tollen Aussage, denn das Universum ist da, um entdeckt zu werden.

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1.492 Bibliotheken, 61 Leser, 3 Gruppen, 185 Rezensionen

harry potter, fantasy, hogwarts, theaterstück, magie

Harry Potter und das verwunschene Kind

J.K. Rowling , John Tiffany , Jack Thorne
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.09.2016
ISBN 9783551559159
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Neunzehn Jahre später ist Harry Potter verheiratet, Vater von drei Kindern und Auror, aber wer sagt, dass das Leben einfach wäre, der irrt sich gewaltig. Immerhin ist es nicht leicht ein Kind von Harry Potter zu sein, diese Last, die ständige Aufmerksamkeit und der Druck, der auf den Kinderschultern lastet, ist enorm und gerade Albus, dem zweiten Sohn fällt es besonders schwer. Nun beginnt auch noch seine Schulzeit in Hogwarts und seine größten Ängste werden wahr. Aber nicht nur, dass er dort, unter keinen guten Stern steht, auch jedes Wort von seinem Vater reißt ein größeres Loch in ihr Verhältnis. So möchte Albus gern einfach geliebt und so gesehen werden, wie er ist, mit allen seinen Unzulänglichkeiten und Harry muss lernen, dass es die Kleinigkeiten sind, die einen Vater ausmachen. Allerdings kämpft er nicht nur mit dieser Rolle, nein, es braut sich auch wieder Unheil zusammen. Kann er die Dunkelheit wieder besiegen? Und wird er endlich einen Weg finden, Albus den Vater zu geben, den er braucht? Oder ist der gesamte Familienfrieden in Gefahr?
Man kann jetzt denken, was man will über dieses Buch, Geldmacherei, oder ist nicht endlich mal genug, man kann es auch total kritisch auseinander pflücken und meinen, dass ein Theaterstück mehr als unnötig ist. Oder man macht es wie ich, ganz ohne Vorbehalte und Erwartungen dran gehen und einfach die Szenen auf sich wirken lassen. Eintauchen in das Leben nach Voldemort und feststellen, das die Probleme von Harry Potter viel schwieriger sind, als gegen den dunklen Lord zu kämpfen.

Ich habe schon ewig kein Theaterstück mehr gelesen, aber die Liebe und der Zauber zu dieser Erzählart sind mir unmittelbar wieder entgegen geschlagen. Sofort war ich in den Szenen drin, die Magie hat sich sogleich über mich gelegt und nur durch die Dialoge, gab es unglaublich viele Bilder dazu in meinem Kopf. Man erkannte allein durch das Gesagte sofort die Figur und musste gar nicht groß auf den Namen schauen. Ich fand, dass das Autorentrio hier die Teenager gut als Erwachsene wieder gegeben haben. Eine hektische Hermine, ein etwas neben sich stehenden, aber liebenswerten Ron, ein mürrischer Darco und ein immer besorgter Harry.

Wir erleben Harry als erwachsenen Mann, der mit den Problemen seiner heranwachsenden Kinder zu kämpfen hat. Bei James und Lily fällt ihn die Vaterrolle nicht schwer, sie sind auf einer Wellenlänge und er erkennt sich stellenweise in ihren Augen als junger Harry wieder. Sein Sorgenkind ist Albus, er schlägt total aus der Reihe, landet bei Slytherin, freundet sich ausgerechnet mit dem Sohn von Malfoy an und auch sonst scheint er ein ziemlicher Außenseiter zu sein. Je älter er wird, um so schwieriger fällt es Harry bei im durchzudringen und so verstricken sich die beiden in Missverständnissen und gehen sich mehr aus dem Weg, als gut ist.

Albus fühlt sich den Erwartungen nicht gewachsen und trotz der Versicherungen seiner Eltern, das Slytherin nicht schlimm ist, fühlt er sich als Versager. Dann ist er in vielen Fächern ein nicht so guter Schüler, fällt als Außenseiter auf und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Jedes Gespräch mit seinem Vater ist eine Tortur und er fühlt sich sehr ungeliebt. So kommt es, dass er die Chance ergreift, endlich zu glänzen und gerät dabei in größter Gefahr.

Ich mochte die Geschichte sehr und fand hier Harry menschlicher denn je. In seiner Geschichte kam er oft heldenhaft rüber, aber hier merkt man seine Hilflosigkeit, seine Angst als Vater zu versagen und das ihn seine Familie aus den Händen gleitet, denn diese ist doch sein ein und alles. Dabei ist Albus ihm gar nicht unähnlich, aber wie es so oft im wahren Leben ist, will man selten einen Spiegel vorgehalten bekommen. Diese Vater und Sohn Geschichte steht natürlich im Mittelpunkt vom Stück und ich fand sie richtig gut gemacht, aber auch das Dunkle taucht hier wieder auf. Hierzu muss ich allerdings gestehen, dass ich die Umstände etwas sehr konzipiert fand und mich nicht wirklich überzeugen konnten, aber am Ende habe ich das so hingenommen und nicht weiter infrage gestellt, weil es ja mehr Mittel zum Zweck war.

Für mich ein gelungener Ausflug zur Potter Familie und ich habe es gern und mit Begeisterung verschlungen und es ist toll, das ein Held immer noch kämpfen muss, wenn auch auf anderen Schlachtfeldern, dabei kann Liebe so einfach sein.

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89 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

thriller, cruelty, cia, scott bergstrom, agenten

Cruelty

Scott Bergstrom , Christiane Steen
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 17.02.2017
ISBN 9783499272660
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gwen ist ein Diplomatenkind und schon ziemlich viel in der Welt herumgekommen, nun hat es sie und ihren Dad nach New York verschlagen. Wie so oft muss sich Gwen mit einer neuen Umgebung und Klasse herumschlagen und in so einer Privatschule merkt man doch schnell, zu welcher Gesellschaftssicht man abgestempelt wird. Aber daran will sich Gwen an diesem Tag nicht stören, denn heute hat ihr Vater Geburtstag und diesen feiern sie immer zusammen. Zwischen Essen und Geschenk auspacken eröffnet dieser seiner Tochter, dass er am nächsten Tag geschäftlich nach Paris reisen muss. Da dies immer wieder vorkommt, denkt sich Gwen nichts dabei, bis auf einmal abends zwei Unbekannte vor ihrer Tür stehen und sie bitten mit zur CIA Zentrale zu kommen. Hier erfährt sie, dass ihr Vater gar kein Diplomat ist, sondern CIA-Agent und bei einem Einsatz spurlos verschwunden ist. Nun suchen sie nach Anhaltspunkten und hoffen, dass Gwen irgendetwas weiß. Aber Gwen steht unter Schock, ihr ganzes Leben steht Kopf, und als dann die CIA ihre Ermittlungen einstellen will, weiß sie, dass sie handeln muss, denn eine Spur hat sie, Paris. Was ist mit ihrem Vater passiert? Wurde er gefangen oder lebt er schon nicht mehr? Wie weit ist Gwen bereit zu gehen, um ihren Dad zu finden?
Als ich diesen Klappentext gelesen hatte, war ich sofort im Kinomodus und hatte schon die wildesten Bilder im Kopf. Es klingt doch einfach spannend, aufregend und von geballter Action. Immerhin wird aus einem ganz normalen Mädchen, ein Racheengel, und das verspricht doch gute Unterhaltung und macht doch neugierig, wie der Autor diese Entwicklung darstellt.

Wir lernen Gwen in ihrer Schule kennen, wie sie sich als Außenseiterin und Fremdling in die Klassenstruktur einleben muss, wie sie bei ihren Mitschülern ankommt und mit welchen Stänkereien sie kämpfen muss. Als Kind eines Diplomaten muss man sich ständig anpassen und damit leben, in der Welt zu Hause zu sein. Gwen hat da gerade die Nase voll von, sie hätte gern ein richtiges Heim, mit einer Mutter, die nicht schon seit 10 Jahren tot ist und Freunden in der Nachbarschaft, eben ein ganz normales einfaches Leben. So hat sie zwar schon viel gesehen und erlebt, an den verschiedensten Orten gewohnt und beherrscht eine Menge Fremdsprachen, ist aber auch sehr allein. Genau in dieser Situation, erfährt Gwen, dass ihr Leben eine Lüge ist, das ihr Vater, der noch nicht mal ihr leiblicher ist, sie angelogen hat und gar kein Diplomat ist. Alle seine Reisen und Umzüge bekommen jetzt einen anderen Blickwinkel und Gwen fühlt sich verloren und verraten. Außerdem ist sie mit der ganzen Situation überfordert, Durchsuchungsbefehle, Verhöre, eine Tante, mit der sie nie Kontakt hatte und die quälende Unwissenheit über den Verbleib ihres Vaters. Immer mehr reift eine Unruhe in ihr heran, und als dann die CIA ihre Ermittlung offiziell einstellt, muss sie sich für einen Weg entscheiden, Mädchen bleiben, oder zum Täter werden.

Am Anfang hatte ich beim Lesen das Gefühl, eine Highschool Geschichte zu lesen, junges Mädchen, eine Außenseiterin und dann lernt sie einen Jungen kennen, erste zarte Gefühle, ein fast Kuss und ich dachte, wie will der Autor da den Spagat zur Killerin schaffen, wie soll das glaubwürdig verpackt und rüber gebracht werden. Die Antwort, mit viel Zeit und die gönnt er seiner Protagonistin auch. Bis jetzt ist Gwen ein ruhiges Mädchen, die mit dem Alleinsein klarkommt und sich ihrer Umgebung anpassen kann, dass waren bis jetzt ihre größten Schwerpunkte in ihrem Leben und nun soll sich alles ändern. Wie der Zufall es so will, hat ihr Vater was hinterlassen und Gwen stößt darauf und ihre Neugier ist geweckt und so folgt sie den Anhaltspunkten nach Paris.

Der Autor macht das mit ihrer Entwicklung eigentlich ganz geschickt und spiegelt ihre Fortschritte durch ihre bereisten Städte wieder, denen er einen ganzen Abschnitt im Buch, jeweils widmet, New York mit der Erweckung, Paris, die Ausbildung, Berlin, die ersten eigenen Schritte und Prag bildet, das Schlusslicht. Ganz langsam muss sich Gwen von ihrer Unschuld lösen und Grenzen überschreiten, die sie nie wieder gut machen kann. Diese Bedenken und der innerliche Kampf ist gut dargestellt, aber trotzdem hat man bei einigen Stellen das Gefühl, das geht viel zu glatt. Wenn Gwen schon so brav rüber kommen muss, dann sollte mehr schief gehen, denn so war es mir einfach zu gewollt und passend. Was sie allerdings mitbringt und ihr das eine oder andere Mal zugutekommt, sind ihre Fremdsprachenfähigkeiten und ihr Turntraining, so nimmt man ihr vieles eher ab. Aber ich muss schon sagen, ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet hatte, in meinem Kopf wurde sie viel schneller zur Assassinen, ich hätte gedacht, dass sie vielleicht schon länger in irgendwas drin steckt und sie somit schneller und gezielter handelt und nicht eine Jungfrau, die nun ihren Mann stehen muss. Außerdem fand ich, dafür, dass sie sich so lange vieles nicht getraut hat, dann solch ein Ende ein bisschen überzogen.

Allerdings was mich total überzeugt hatte, waren die Beschreibungen vom Autor über die vier Städte, unglaublich greifbar, realistisch und mit absolutem Blick auf die Feinheiten, hat er sie wunderbar gezeichnet. Man hatte beim Lesen das Gefühl, alles Selbst zu sehen, zu riechen und die Luft zu schmecken, und ich rede nicht unbedingt von den schönen Seiten dieser Städte, das hat er verdammt gut hinbekommen.

So bin ich bei dieser Geschichte wirklich im Zwiespalt, zwischen wunderbaren Beschreibungen und einer Story, die für mich nicht ganz rund war. Gut zu lesen, aber der Spannungsbogen war einfach zu weit auseinander gezerrt und Gwens Geschichte ist noch nicht wirklich zu Ende.  Vielleicht waren aber auch meine Vorstellungen und Erwartungen einfach zu verschiedenen. Wer sich aber gerne Zeit lässt und mehr Wert auf eine Entwicklung legt, als auf Affekte und Action ist mit Cruelty bestens versorgt.

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548 Bibliotheken, 28 Leser, 3 Gruppen, 99 Rezensionen

fae, fantasy, das reich der sieben höfe, liebe, sarah j. maas

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen

Sarah J. Maas , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.02.2017
ISBN 9783423761635
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Feyre ist die Jüngste von drei Töchtern und sie musste am Sterbebett ihrer Mutter versprechen, das sie sich immer um alle kümmern wird. In Armut gestürzt, von Hunger geplackt muss sie zur Jägerin werden, ein Schicksal, das aus ihr eine zähe und harte junge Frau macht. Nun jagt sie in den Wäldern der Menschen, aber die Mauer mit dem magischen Reich der Fae ist ganz in der Nähe und bringt ein großes Übel eines Tages über Feyre. Sie tötet einen von ihnen und wird dafür ins Reich hinter der Mauer entführt. In eine Welt voll Trug und Schönheit, wo nichts ist, wie es erscheint und Feyre hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass ihr auch dort die Liebe begegnen würde. Aber darf diese Liebe sein? Warum lauern im Reich der Fae überall Dunkelheit und Schatten? Und wird Feyre um ihre Liebe und für die Sicherheit der Welt der Menschen kämpfen?
Ich habe bis jetzt noch nix von Sarah J. Maas gelesen und ich muss gestehen, dass ich von ihrem Bekanntheitsgrad noch gar nicht so viel mitbekommen hatte. Dabei gibt es auch in meinem Freundschaftskreis Leser von ihrer Throne of Glass Reihe, aber irgendwie hatte mich das nicht gereizt, oder die Stimmen waren nicht laut genug für mich. Nun allerdings bringt sie eine neue Trilogie auf den Markt und ja ich gestehe, das Cover hat mich auch besser angesprochen. Da geht es mir, wie beim Essen, das Auge liest halt mit. Nur die Inhaltsangabe fand ich, etwas spärlich und so war meiner Fantasy freien Lauf gesetzt, aber damit hatte ich nicht gerechnet und mit der Dicke des Buches auch nicht. Ob es mich begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt, ach was soll es, vorab, ich bin schwer verliebt.

Feyre ist hart, unnahbar und manchmal kalt wie Eis, aber das ist auch kein Wunder bei der Last, die auf ihren Schultern lastet. Als sie noch klein war, waren ihre Eltern und Schwestern wohlhabend, aber nach dem Tod der Mutter und dem gegebenen Versprechen, find das Unglück an. Schulden und falsche Spekulationen trieben sie in die Armut, der Vater gab resigniert auf und die Schwestern waren zu fein für harte Arbeit. So bleibt es an Feyre, für Nahrung zu sorgen, und zwar allein, als Jüngste in der Familie und ohne Dank für ihren Einsatz. Dieses Los sorgte dafür, das Feyre innerlich hohe Mauern aufzog, einen übergroßen Schutzinstinkt entwickelte und mit Gefühlen schwer umgehen kann. Aber Gott was mochte ich sie, dieses harte Schicksal, dieses schwere Erbe und sie so unnachgiebig wie ein Felsbrocken. Dabei verflucht sie oft ihr Leben, fühlt sich wie ein Bauer in der Umgebung ihrer gebildeten Schwestern und ist oft von Charme und Wut erfüllt, starke Gefühle, die sie immer vorantreiben. Und dann nimmt ihr Leben eine unglaubliche Wende, sie verstrickt sich in die Welt der Fae und begegnet Tamlin.

Am Anfang dachte ich, mein Gott so viele Wörter, was lässt sich die Autorin aber Zeit und ich komme nie voran. Das erste Kapitel löste auch noch keine überschwängliche Begeisterung aus und so hatte ich beim Lesen wirklich gemischte Gefühle. Allerdings lernen wir so Feyre und ihr Wesen so gut kennen, das wir viele ihrer Handlungen gut verstehen konnten und oft schon wussten, das sie da oder dort überreagieren wird. Für mich begann der Lesesog, als es in die Welt hinter der Mauer ging und wir auf den Fae Tamlin trafen. Ihren Entführer, der nur so von Geheimnissen umwoben ist und doch das gewissen etwas ausstrahlt. Diese beiden Hauptcharaktere sind es gewohnt, ihre Gefühle für sich zu behalten und es machte so unglaublichen Spaß mit zu verfolgen, wie nach und nach sich beide öffneten und ihre Beziehung sich änderte. Aus Hass wurde Verstehen, aus Verstehen wurde Zuneigung und zum Schluss, Liebe. Diese Entwicklung zog einen durchs Buch, und obwohl nicht so viel passierte, füllten sich die Zeilen und man dachte öfters, nehmt euch endlich ein Zimmer. Aber dann kommt das große Drama, als ob es nicht schon die ganze Zeit gelauert hätte und man liest die nächsten 200 Seiten mit Herzinfarktrisiko.

Sarah J. Maas hat hier wirklich ein tolles Setting entworfen und mit so viel Feingefühl und Liebe aufgefüllt, dass man selbst darin herum wandeln konnte. Außerdem fand ich, die vielen Märchenansätze richtig gut hineingeflochten und trotz der Ähnlichkeiten nicht störend, man hatte einfach nicht das Gefühl, das dazugehörige Märchen zu lesen. Dazu kommen noch ihre tollen Figuren und man schließt sie einfach ins Herz, Feyre, die Kämpferin, Tamlin, der leidende Held, Lucian, der Spaßvogel und natürlich gibt es noch einen interessanten Nebenbuhler, mit Rhysand hat die Autorin einen weiteren Fae der extra Güte geschaffen, intelligent, intrigant, undurchschaubar und etwas brodelt in ihn. Ich fürchte, da wird noch einiges auf uns zukommen, denn sein Auftritt ist noch lange nicht vorbei. Mehr möchte ich einfach nicht verraten, denn ihr sollt diese Reise einfach selber machen.

Was für eine Achterbahnfahrt der Gefühle, was für ein Auftakt und was für eine Geschichte. Sarah J. Maas hat hier wirklich Magie geschaffen, die Düsternis des brutalen Bösen eingefangen, aber auch das Licht, was immer wieder hervorkommt. Unglaublich fesselnd geschrieben und bei mir einen absoluten Suchtfaktor ausgelöst. Ich möchte genau jetzt weiterlesen.

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99 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 39 Rezensionen

jugendbuch, fantasy, faun, mechthild gläser, fabelwesen

Emma, der Faun und das vergessene Buch

Mechthild Gläser
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Loewe, 13.02.2017
ISBN 9783785585122
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Emma kehrt aus den miserablen Sommerferien auf Stolzenburg zurück und beschließt, jetzt wird alles anders. Damit das auch klappt, gründet sie mit ihrer besten Freundin Charlotte und Neuling Hannah einen geheimen Buchclub. Dafür wird die alte Bibliothek im Westflügel entrümpelt und hergerichtet, was da an Schätzen hervorquillt, ist unglaublich, kaputte Möbel, staubtrockene Gestecke sowie angelaufene Kerzenleuchter und ein Buch aus einem Geheimversteck. Emmas Neugier ist geweckt und so entdeckt sie eine uralte Chronik über das Schloss, eine Art Tagebuch und was noch erstaunlicher ist, wenn man etwas hineinschreibt, wird es wahr. Ideal findet Emma und beschließt dieses Wissen für sich und die Schule zu nutzen. Aber schnell stellt sie fest, dass nicht alles so passiert, wie sie es sich gewünscht hat und man sehr aufpassen muss, was man hineinschreibt, denn immerhin ist vor vier Jahren, einer der Chrononisten verschwunden. Ein junges Mädchen namens Gina und ihr Bruder Darcy de Winter ist nun an die Schule gekommen, um den damaligen Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Dabei geraten er und Emma immer wieder aneinander und machen das Chaos perfekt. Welche Geheimnisse versteckt dieses Buch? Was ist damals mit Gina passiert? Und steckt hinter den Wortgefechten von Emma und Darcy wirklich nur Abneigung, oder vielleicht doch was ganz anderes?
Auch ich gehöre zu den Jane Austen Leserinnen, und als ich den Klappentext gelesen hatte, war mein Interesse mehr als nur geweckt, immerhin spielt ein Mr. Darcy mit, wie soll ich da das Buch nicht lesen wollen. Außerdem machte es mich neugierig, wie Mechthild Gläser eine Hommage an Jane Austen schreibt und trotzdem ihr eigenes Ding entstehen lässt, immerhin verbindet man Fantasie nicht unbedingt mit der vor 200 Jahren verstorbenen Autorin. Ich war also richtig gespannt und neugierig, ob mich diese Mischung genauso glücklich macht, wie ein Blick auf Colin Firth, meinen wahren Mr. Darcy.

Emma hat ihren Aufenthalt nicht reicher Eltern auf Schloss Stolzenburg zu verdanken, sondern ihrem Vater, der dort als Direktor tätig ist. So ist sie zwar Teil von allem, aber auch ein bisschen Außenseiterin, denn die reichen Kids, lassen einen doch gut spüren, an welcher Stelle der Gesellschaft man steht. Allerdings macht sich diese Thematik nicht so schwer bemerkbar, wie erwartet. Hier herrscht eher das Schloss vor, verwinkelte Ecken, geheime Plätze und drum herum ein verwunschener Wald, wer wünscht sich solch einen Schulalltag nicht. Emma auf jeden Fall ist begeistert, in jedem Satz, verkündet sie, wie toll Stolzenburg ist und wie wohl sich alle fühlen. Sie möchte noch mehr für die Schule tun und hält mit ihrer Meinung und ihren Tatendrang alle auf Trapp. Ich muss gestehen, dass ich mit Emma nicht ganz warm wurde, mir war sie zu aufdringlich, sie mischte sich in vieles ein und machte oft ihre Meinung, zur Meinung für alle. Durchaus hat sie ihre lieben Momente, aber einfach ist sie mit Sicherheit nicht. Allerdings hat Mechthild Gläser somit die Jane Austen Emma perfekt eingefangen, bei ihr habe ich auch oft aufgestöhnt, mich über ihren Übereifer geärgert und nicht nur einmal die Augen verdreht.

Aber nun zur Geschichte und hier hat die Autorin wirklich eine tolle Mischung geliefert. Da haben wir zu erst dieses Schloss und wir sind sofort im Märchenhaften und verträumten, dann dieses geheime Buch mit magischen Kräften, hier streut Frau Gläser vor jedem nächsten Kapitel einen Ausschnitt ein. So haben wir Vergangenheit, Legenden, Mythen und einen Faun, der seine Kreise im Schloss dreht, oder doch nur in Emmas Gedanken. Und zu guter Letzt die Anlehnung an Jane Austen‘s Bücher und im Speziellen den Klassiker Stolz & Vorurteil, denn unsere beiden Hauptprotagonisten geben hier alle Höhepunkte dieser Liebesgeschichte wieder. Ich muss sagen, das hat mir wirklich Spaß gemacht zu lesen, wie sie alles verstrickt, zusammen webt und mit neuem Leben einhaucht. Großartig dabei war, dass sie trotzdem was Neues geschaffen hat und man nur als Kenner, der anderen Werke schmunzelt und lacht, und denkt, da ist ja meine Lieblingsszene. So rauscht man förmlich durch das Abenteuer und möchte gern dabei sein und alles mit eigenen Augen miterleben.

Mechthild Gläser hat mich mit ihren vielen Ideen überrascht und mich als glücklichen Leser zurückgelassen. Allerdings spürt man auch, das hier eindeutig die jüngeren Leser angesprochen werden, was kein Vorwurf sein soll, sondern für meinen Geschmack an manchen Stellen einfach zu salopp war. Trotzdem war dieser Besuch für mich sehr farbenprächtige und einfach abenteuerlicher auf Stolzenburg und zudem mit einer wirklich liebevolle Geschichte ausgestattet. Für jeden, der schon immer auf einem Schloss leben wollte, mit Mythen, Geheimgängen und einen arroganten Besitzer, herrlich flotter Spaß und frischer Wind zwischen zwei Buchdeckeln.

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515 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 103 Rezensionen

fantasy, sabaa tahir, jugendbuch, liebe, laia

Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht

Sabaa Tahir , Barbara Imgrund
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783846600382
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Laia hat Elias retten können und nun sind sie beide auf der Flucht. Er, der sich nach Frieden sehnt und nicht mehr kämpfen möchte. Sie, die nicht mehr still sein möchte und sich von ihren Fesseln befreien will. Beide unterschiedlich und doch hat das Schicksal sie zusammengeführt, gegen das Imperium und für den Widerstand. Laia möchte unbedingt nach Kauf und ihren Bruder befreien, dabei soll Elias helfen, denn sein Wissen könnte von unschätzbarem Wert sein. Aber so einfach, wie sie es sich vorstellen, ist es nicht ans andere Ende des Landes zu gelangen. Denn das Imperium ist in Aufruhr, der neue Imperator will Rache und schickt niemand geringeren als seinen Blutgreif, Helena und sie soll Elias finden und töten. Werden Laia und Elias es nach Kauf schaffen? Welche Gefahren und Entbehrungen wird sie diese Reise kosten? Und wird Helena ihren Befehl ausführen?
Ich muss ja gestehen, ich war total in den ersten Band verliebt und konnte es überhaupt nicht fassen, das es vielleicht keinen Zweiten geben, sollte. Diese Panik war dann doch unbegründet, denn nun folgte der heiß ersehnte zweite Teil und ich freute mich sehr darauf. Vor allem wie die Autorin es weiter stricken würde und welche Überraschungen sie für uns haben würde und mein lieber Scholli, davon hatte sie wirklich einige auf Lager.

Der zweite Band schließt förmlich an den Ersten an, denn wir befinden uns noch in Schwarzkliff und sind mitten auf der Flucht. So gelangen wir Leser sofort wieder ins Geschehen und die Erinnerung wurde geweckt und hervorgeholt. Wie im ersten Teil geht es flott und atemberaubend schnell zur Sache und es entwickelt sich ein richtiger Lesesog. Sabaa Tahir lässt uns kaum Luft holen und zeigt direkt schon am Anfang, dass sie selber Spaß daran hat, uns ihre Geschichte weiterzuerzählen und ihre Welt weiterzuspinnen und uns entdecken zu lassen. Dabei verlässt sie jetzt Schwarzkliff und führt uns in die Wüste und zu vielen anderen Orten und Menschen, ein wahrer Wirbel an Sand und warmer Luft schlägt uns da aus den Buchseiten entgegen.

Diesmal wird die Geschichte nicht nur aus Laia und Elias Sicht erzählt, nein, auch Helena bekommt eine, was dem ganzen nochmals eine andere Richtung gab. So haben wir Elias, man muss es einfach sagen, mein Herzensheld, der sich durchkämpfen muss und der diesmal eine Bürde aufgeladen bekommt, die mir als Leser so gar nicht schmeckt. Wenn die Autorin wirklich, das Schlimmste geschehen lässt, womit sie gerade anfängt, lese ich nie wieder was von ihr. Andererseits hoffe ich auf ihre Fantasie und eine Lösung, mit der ich leben kann, aber wehe wenn nicht. Laia hat aber auch so ihre Probleme, in Elias Beisein fühlt sie sich stark und kämpferisch, aber auch sie bekommt noch einige Steine gelegt und muss daran wachsen. Momentan meint es Sabaa Tahir mit diesem Paar nicht gut und lässt mich als alter Romantiker richtig leiden. Tja und dann haben wir noch Helena, die es richtig hart getroffen hat. Sie ist im ständigen Kampf zwischen Familie, Liebe und Pflichtgefühl, innerlich zerrissen und muss trotzdem den Mächten gegenübertreten. Auf ihre weitere Entwicklung bin ich sehr neugierig, aber auch ängstlich.

In einer Sache bleibt sich die Autorin aber sehr treu, sie nimmt kein Blatt vor dem Mund, bleibt dieser gewaltbereiten Welt treu und verschönert nichts. Sabaa Tahir lässt alle drei ihrer Helden leiden und jeden sein eigenes Szenario erleben, wirklich böse, düster, hart und brutal. Ich muss gestehen, ich habe hier genauso gelitten wie im ersten Band und war über einige ihrer Wendungen wirklich überrascht und konnte nicht glauben, dass hier schon Schluss sein soll, das Ende ist immer noch kein Ende. Besorgt habe ich mit einer Freundin darüber gesprochen und erfahren, dass noch mehr kommt. Diese Autorin beherrscht es, meinen Bluthochdruck zu steigern.

Eine gelungene Fortsetzung und eine gute Weiterentwicklung von Setting und Figuren, immer noch spannend, aufregend und zum aus der Haut fahren. Allerdings finde ich ihren Leidensprozess manchmal etwas zu viel und es mag Geschmackssache sein, aber Elias Weg gefällt mir persönlich nicht sehr, so wie einige Fantasyelemente, die ich vorher nicht vermisst habe und hier nicht ganz passend fand, aber wie gesagt Geschmackssache und man kann es nun mal nicht jedem Recht machen. Sabaa Tahir kann auf jeden Fall erzählen und ich bin gespannt, wie sie das Ruder herumreißen wird.

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183 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

angelfall, susan ee, engel, raffe, familie

Angelfall - Tage der Dunkelheit

Susan Ee , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.01.2017
ISBN 9783453317482
Genre: Fantasy

Rezension:

Penryn hat es geschafft und ist nicht nur den Klauen der Engel entkommen, nein, sie hat auch noch ihre kleine Schwester befreit und zurück geholt. Allerdings ist Paige verändert und macht den Leuten Angst, sogar Penryn weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Je ungewöhnlicher sich die Familie verhält, umso mehr Unruhe lösen sie bei den Rebellen im Unterschlupf aus und Penryn kann nicht immer zur Stelle sein. So passiert es, dass ihr kleine Schwester spurlos verschwindet, ihre Mutter wieder mal ausflippt und ihr nichts anderes übrig bleibt, als sich der Welt zu stellen und ihre Familie zusammen zuhalten. Nur ist diesmal kein Raffe an ihrer Seite, aber das hält Penryn nicht auf und so dringt sie wieder in die Welt der Engel ein und erfährt von einem Plan, der alles auslöschen könnte. Wird Penryn ihre kleine Schwester finden? Was verfolgen die Engel wirklich und welcher Plan soll da umgesetzt werden? Und wird sie wieder auf Raffe treffen?
Was war ich damals vom ersten Band begeistert, diese Mischung aus bösen Engelen und tapferen Mädchen fand ich so gelungen, das ich das Buch wie im Fluge durchgelesen hatte und mich wie infiziert, fühlte. Nur ging es dann nicht weiter und sehr lange musste der deutsche Markt darauf warten, aber nun endlich ist die Fortsetzung da. Allerdings mit neuem Buchformat und neuem Cover, ich persönlich finde es etwas schade, da ich das Hardcover, sowie die alte Gestaltung gelungener fand, aber es zählt ja der Inhalt und wer bin ich, dass ich mich in Verlagsentscheidungen einmische, die werden schon ihre Gründe haben.

Der zweite Teil schließt nahtlos an den Ersten an und so steckt Penryn noch in ihrer Lähmung und muss zusehen wie Raffe wegfliegt und ihre Familie sich auf engen Raum bei den Rebellen Platz verschafft. Die Stimmung im Wagen ist alles andere als Freude über den Sieg, sondern feindselig, angstvoll und knapp vorm überschwappen zum Tatendrang. Penryn, ihre verrückte Mutter, so wie die Andersartigkeit ihrer Schwester sind nicht willkommen im Camp und so stehen alle mächtig unter Druck. Alle glauben, dass es bei ihnen nicht mit rechten Dingen zugeht, immerhin wurde Penryn von einem Ungeheuer gerettet und die kleine Schwester sieht zum Fürchten aus, so entstellt ist sie von den Engeln zurück gekommen und naja, über die Mutter müssen wir nicht reden. Aber auch unsere Heldin hat Probleme mit Paige und ihrer Veränderung umzugehen, so streift sie lieber durchs Lager, oder versucht Essen für sie aufzutreiben, als sich wirklich mit ihr zu befassen. Warum hat man es ihr angetan? Wofür soll das nütze sein? Wieso ist ihre kleine Schwester jetzt ein Monster? Penryn ist verwirrt, verzweifelt und sehnt sich zusätzlich noch nach Raffe. Als es dann auch noch bei den Rebellen zu einem Angriff der Engel kommt und Paige verschwindet, kehrt Penryn in ihre Rolle zurück, nichts, aber auch gar nichts zerreißt ihre Familie.

Seien wir ehrlich, irgendwie ist der Ausgangspunkt ähnlich wie in Band eins, Penryn sucht ihre kleine Schwester und Raffe immer noch nach seinen Flügeln, aber soll ich euch was sagen, das war mit total egal. Ich finde, es musste in diese Richtung irgendwie gehen, immerhin haben sie Paige total verstümmelt und verändert, das musste doch einen Sinn haben und so müssen die Bösen ihr Experiment doch zurückholen. Außerdem wollen wir doch wissen, was diese Engel vorhaben, warum sie hier sind und was zum Teufel diese Forschungen sollen, zudem wollen wir doch das Penryn wieder in die Schlacht eintritt und für Wirbel sorgt. Allerdings müssen wir sehr lange ohne Raffe auskommen, fast zwei Drittel des Buches glänzt er durch Abwesenheit, aber das ist zu verschmerzen, denn die Autorin lässt ihn anders präsent sein. Das fand ich überhaupt total gelungen, denn Penryn freundet sich mit seinem Schwert an und dieses, lässt sie im Traum Erinnerungen und Gefühle von seinem Besitzer sehen und diese Einblicke waren mehr als nur interessant. Aber ganz ehrlich nichts ist schöner, als wenn diese beiden sich in die Haare bekommen und sich einen Wortschlagabtausch liefern.

Für mich hat Susan Ee einen guten Mittelband abgeliefert, es ist spannend, immer noch wahnsinnig schnell zu lesen und man verfällt so richtig in einem Lesesog. Außerdem spinnt sie ihre Welt weiter, es wird immer düsterer, aber so langsam lässt sie uns Leser dahinter schauen, was die Engel wollen und planen. Genauso entwickelt sie ihre Figuren weiter, Penryn die immer noch einen übergroßen Beschützerinstinkt hat, muss jetzt mit einer Schwester umgehen, vor der sie selbst mit Angst und Abscheu zu kämpfen hat. Es zerreißt sie innerlich, aber auch ihre Sehnsucht nach einem gewissen Engel, bringen sie total aus der Bahn. Aber sehr lange hat sie für ihre Grübeleien keine Zeit, sie muss in diese erschreckende Welt hinaus und sich allem in den Weg stellen, was Flügel hat.

Ich bin immer noch total begeistert von der Reihe und finde sie so nüchtern erzählt, mit ironischem Humor bespickt, realistisch rüber gebracht und sie kann sich an den großen Dystopien messen lassen. Was bin ich gespannt, wie es mit dem ungleichen Team weitergeht, und kann es kaum erwarten, in Teil drei abzutauchen.

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jazz, eifersucht, geschäftsidee, single, trennung

Am Tiefpunkt genial

Karoline Cvancara
Fester Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 02.11.2015
ISBN 9783903091023
Genre: Romane

Rezension:

Paul fühlt sich wohl in seinem Leben, er hat es nach seinem Geschmack perfekt eingerichtet. Er arbeitet in einer Buchhandlung, weil er selber gern liest, und hat eine Freundin, die ihr eigenes Leben hat und ihn seine Freiheiten lässt. So kann er rauchen, lesen und seiner Liebe zur Musik nachhängen. Bis er nach einem Konzertbesuch aufwacht und seine Freundin ihn mitteilt, dass sie ihn verlässt. Das allein haut ihn schon um, aber die Tatsache, dass sie ihn für einen seiner Freunde verlässt, macht alles noch viel schlimmer. Wie soll Paul jetzt nur damit umgehen? Und als ob das nicht schon schwer zu bewältigen wäre, eröffnet ihm sein Chef, dass er den Buchladen aufgeben möchte. Paul stürzt in eine tiefe Krise, aus Frust, Selbstmitleid und Wut. Diese versucht er mit Zigaretten, Alkohol und Musik zu bewältigen. Aber reicht das? Wie kann man ihn das antun? Wird er es schaffen, aus dieser Sinnkrise herauszukommen? Und ist nicht jedes Ende, ein neuer Anfang?
So recht wusste ich nicht, was mich bei diesem Roman erwarten würde. Immerhin hat ja so jeder seine Probleme und gerade die Sorgen in Liebe und Job, sind für alle nicht ganz unbekannt. Also was soll mir Paul da Neues berichten und kann mich seine Geschichte erreichen? Waren für mich wirklich ganz wichtige Fragen, aber nicht zu dem Zeitpunkt, wo ich das Buch in den Händen hatte, sondern später, denn seine Geschichte hat mich in einem Moment hart getroffen, als ich selber um meinen Arbeitsplatz und neue Perspektiven bangen musste.

Paul ist Einzelkind und statt Jura zu studieren und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, merkt er schnell, das ihm sein Studienjob in der Buchhandlung mehr erfüllt und er von Aushilfe zum Angestellten wechselt. So kann er seiner Leidenschaft zu Büchern frönen und bequem sich der anderen, nämlich der Musik, widmen. Eine schöne Wohnung, jede Menge Platten und ganz viel Freizeit, was wünscht man sich mehr im Leben. Sogar die Freundin passt zu Pauls Lebensstil, jeder lebt seine Interessen aus, alles bleibt schön oberflächlich, ja nicht zu viel reininterpretieren und schon gar nicht irgendwelche Kraft für sinnfreie Diskussionen opfern. Immerhin möchte man doch einfach nur bequem Leben. Tja, und dann wird es in Pauls Leben schnell ungemütlich. Freundin an Freund verloren und die Existenz steht auf dem Spiel. Aber statt zu kämpfen, ertrinkt er lieber in Selbstmitleid. Paul ist ein sympathischer Träumer, der nicht gern über sich nachdenkt und sich lieber über gute Bücher und Jazzmusik identifiziert und darin hat er auf jeden Fall Geschmack.

Für mich war diese Geschichte allerdings auch ein Spiegel unserer heutigen Generation. Da ist wohl Paul keine Ausnahme, wie sehen die heutigen beruflichen Ambitionen aus, entweder man hat die Überflieger oder die, die einen Job suchen, der ihnen viel Freizeit beschert. So wie Paul, denn so wirklich hat er sich über seinen Beruf nie Gedanken gemacht, es hat sich viel mehr ergeben. Die Frage, was möchte er im Leben erreichen, was würde ihn glücklich machen, ist er erfolgreich aus dem Weg gegangen und Freundinnen, die ihm zu nahe gekommen sind, wurden mit erfunden Gründen vom tiefer graben abgehalten. Aber nun muss er sich neu orientieren, allen Fragen, die er immer gemieden hat, stellen und einen Weg zum eigenen Glück finden. Sprich sich selbst finden.

Karoline Cvancara findet hier ehrliche und tiefgründige Worte. Am Anfang leidet man mit Paul mit, man möchte ihn helfen und gern unter die Arme greifen, aber dann kommt ein Punkt, wo man ihn einfach nur in den Allerwertesten treten möchte. Das macht sie so geschickt, dass man beim Lesen auch über sich selbst nachdenkt. Wie würde man selber reagieren, ist dieses verkriechen und jammern wirklich nur bei Paul so? Ich glaube, in vielen Situationen habe ich mich auch so gesehen und das hat mich ein bisschen erschreckt und beunruhigt, gerade was das Problem mit dem Arbeitsplatz angeht, diese Gefühle konnte ich gerade selbst genau nachempfinden, Schock, Wut, Traurigkeit, Selbstmitleid und ein bisschen Hoffnungslosigkeit, das direkt zu lesen, war hart und hat mich kalt erwischt, aber es hat auch gezeigt, man ist nicht allein damit und es findet sich immer eine Lösung. Somit ist der Spiegel, der hier aufgezeigt wird zwar schon schockierend, aber auch gleichzeitig Mut machend, denn es ist nie zu spät für einen neuen Anfang.

Ich mochte diese Geschichte wirklich sehr, denn auch wenn sie für mich in der Situation nicht einfach war, war sie auch sehr zeittreffend und aufbauend. Paul, der sich öffnet und seine Welt neu gestaltet, dieses Motto, es ist nie zu spät, sehr gut gewählt in unserer modernen Welt mehr als passend. Dazu noch die gut gewählten Worte der Autorin und die ganze stimmungsvolle Musik von Pauls Sammlung, gaben dem Buch den perfekten Rahmen. Für jeden, der mehr im Leben will und einen kleinen Tritt braucht.

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342 Bibliotheken, 22 Leser, 2 Gruppen, 134 Rezensionen

weltraum, hexen, kai meyer, raumschiff, science fiction

Die Krone der Sterne

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035854
Genre: Fantasy

Rezension:

Iniza ist auf dem Weg zur allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden, denn sie wurde zur Braut auserwählt und muss jetzt der galaktischen Macht folgen. Allerdings will sie sich dem nicht kampflos überlassen, so hat sie mit ihrem Geliebten Glanis einen Fluchtplan geschmiedet und dieser soll jetzt umgesetzt werden. Natürlich läuft dieser nicht glatt und so müssen sie improvisieren und sich mit dem Kopfgeldjäger Kranit und der Alleshändlerin Shara Bitterstern zusammentun. Auf einem Schiff knallt somit Misstrauen, Furcht und jede Menge todesmutige Pläne aufeinander. Jeder hat seine eigenen Sorgen und Wünsche, aber eins steht im Auge der Gefahr fest, zusammen halten sie gegen jeden Gegner durch und stellen sich dem Gefecht aus Laserfeuern und galaktischen Mächten. Wohin wird sie ihre Reise bringen? Können sie der Gottkaiserin entfliehen? Oder werden sie sich vorher gegenseitig verraten?
Ich habe schon seit Ewigkeiten keinen Kai Meyer Roman mehr gelesen, somit liegt der Letzte auch schon einige Zeit zurück und hatte damals so gar nicht meinem Lesegeschmack getroffen, aber jetzt kommt er mit Science Fiction und der Inhalt war sofort meins. Als alter Star Wars und Star Trek Gucker hatte ich total die Hoffnung diese Abenteuer auch mal in Buchform zu lesen und mich von einer neuen Welt einnehmen zu lassen, ob das, Herrn Meyer gelungen ist, verrate ich euch jetzt.

Der Einstieg ging so flott in die Geschichte, dass ich mich fast in Überschallgeschwindigkeit an meinem Lesesessel festkrallen musste. Herr Meyer hält sich nämlich nicht lange mit endlosen Formulierungen für die Tatbestände vom Setting auf, sondern wirft uns einfach mitten in die Flucht von Iniza. So lernten wir auch direkt die Heldin des Ganzen kennen und merkten gleich, die junge Frau hat es drauf und ist mal so gar kein Opfer, sondern eine Kämpferin. Während wir uns also durch Schächte quetschten, im All spazieren gehen, bekommen wir ganz geschickt vom Autor die Begebenheiten eingestreut, so bekam man einen Überblick über die kosmische Welt und der Spannungsfaktor war immer noch auf dem Hochlevel und das schaffte Kai Meyer von Anfang bis Ende. Es folgte eine Überraschung der Nächsten und die Entwicklungen haben einen einfach an den Buchseiten kleben lassen. Ich muss gestehen, dass ich so in einem Leserausch gerate, hatte ich nicht erwartet, aber es war einfach ganz großes Kino.

Auch seine Figuren waren wirklich alle super durchdacht und machten das Lesen wirklich zum Vergnügen. Iniza ist eine Baroness und wird als ausgewählte Braut zur Gottkaiserin geschickt, aber so leicht lässt sie sich ihr Leben nicht bestimmen. Heimlich hat sie eine Beziehung zum Soldaten Glanis angefangen und diese Liebe ist nicht ganz ohne Ergebnis geblieben. So haben wir wirklich mal eine Heldin, die auf allen Ebenen ihres Lebens kämpfen und vermitteln muss. Ich mag starke weibliche Romanfiguren, allerdings ist so Glanis ein bisschen blass geblieben. Er hat zwar seine Momente und man mag ihn von Anfang an, aber er hält nun mal den Rücken für Iniza frei und so verweilt er im Hintergrund. Beide sind jung, beide werden unterschätzt und überraschen so ihre Mitverbündeten. Und so kommen wir zu den beiden Figuren mit Ecken und Kanten, Kranit der Kopfgeldjäger, der sich schon aus vielen aussichtslosen Situationen heraus gekämpft hat, um den sich Legenden ranken und der auf seine alten Tage etwas sentimental wird. Diesen grantigen, ungehobelten Mann möchte man eigentlich schnell ins Leserherz schließen, aber man ist vorsichtig, immerhin kennt man seine Hintergedanken noch nicht. Ihm gegenüber stellt man die Alleshändlerin Shara, die sich nach einer Gefangenenstrafe endlich zurück in ihr Leben kämpfen will und feststellt, dass man ihr Schiff verkauft hat und das geht ja nun mal gar nicht. So schlittert sie in eine Geschichte, an der sie nicht teilhaben will und sorgt dafür um so eine oder andere wütende Auseinandersetzung mit Kranit. Bei ihr hat man oft das Gefühl von Mitleid, allerdings macht sie es mit ihrer aufbrausenden Art wieder kaputt und man möchte sie knebeln. Wie ihr seht, Figuren, die man einfach begleiten möchte, ein Haufen komplett verschiedener Charaktere, die für mega Unterhaltung und Überraschungen sorgen.

Für mich hat Kai Meyer hier wirklich eine Geschichte geschrieben, die mich rund um begeistern konnte. Viele verschiedene Mächte, die um die Galaxis kämpfen und deren Beweggründe noch nicht ganz offen liegen, ein Team, was erst zusammenwachsen muss, dazu jede Menge überraschender Action und einen dauerhaft anhaltenden rasenden Leserherzschlag. Dazu noch ein bisschen Liebe und Magie, alles gewürzt mit Laserpistolen und Hyperantrieb, sodass man einfach Spaß beim Entdecken dieser Welt hatte. Für mich war dieser Ausflug perfekt harmonisiert und abgemischt, man hat so richtigen den Spaß und die Freude vom Autor gespürt. Allerdings war für mich das Ende, noch kein Ende, es muss weitergehen und da lese ich zu meinem Erstaunen, das Herr Meyer hofft, das dieses Buch gut ankommt und er gern eine Fortsetzung schreiben würde. Also ich kann euch nur empfehlen, lest es, lasst euch begeistern und ein Leinwandabenteuer im Kopf erleben, es lohnt sich total und bitte Herr Meyer, schreiben sie einen zweiten Teil.

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

luxemburg, krimi, 2. weltkrieg, frankreich, xavier kieffer

Gefährliche Empfehlungen

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 12.01.2017
ISBN 9783462049220
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Valerie Gabin hat ihre Idee, ein Firmenmuseum mitten im Paris, aufzumachen umgesetzt und jetzt steht die Eröffnungsfeier an, natürlich darf da ihr Freund Xavier Kieffer nicht fehlen. So steht dieser mitten in den neuen Hallen des legendären Gastroführers „Guide Gabin“ und bewundert dessen Werke, allerdings stellt er fest, dass in dem neuen Museum einige Jahrgänge fehlen. Auf Rückfragen wird ihm erläutert, das gerade die frühen Werke recht selten und schwierig zu bekommen sind, gerade die Ausgabe von 1939 ist extrem vergriffen. Natürlich schafft es Valerie irgendwie an eine zu gelangen, damit wenigsten an dem Abend alles perfekt ist und dann passiert das unglaubliche und die Eröffnung wird zum Desaster und die Ausgabe von 1939 ist verschwunden. Was ist so besonderes an diesem Buch? Xaviers Neugierde ist geweckt und er beginnt ein bisschen nachzuforschen und stößt direkt auf einen Mord. Wieso ist ein so altes Buch gefährlich? Was für ein Geheimnis birgt dieses kleine blaue Buch? Kann Kieffer hier für Klarheit sorgen?
Unglaublich aber wahr, der luxemburgische Koch ist schon zum fünften Mal im kulinarischen Einsatz und ich finde es immer noch spannend, interessant und kein bisschen langweilig. Obwohl man sich fragen muss, wie schafft ein Koch es nur immer in so einen Schlamassel zugeraten. Diesmal deckt er allerdings keinen Lebensmittelskandal auf, sondern taucht in die Historie ab, dabei spielt der Zweite Weltkrieg und die gute alte französische Küche eine Rolle. Diesmal also etwas anders, aber immer noch wird herrlich gespeist.

Xavier Kieffer ist also zur Eröffnung des Firmenmuseums „Guide Gabin“ nach Paris gereist, um seiner Freundin Valerie beizustehen. Dabei hat er aber eigentlich eher das Gefühl im Weg zu sein, als zu unterstützen und so, bleibt er lieber im Hintergrund und studiert sein Umfeld. Natürlich fallen ihm die ganzen Gastroführer ins Auge und er muss sie einfach genauer anschauen. Diese Welt der Sterneküche ist ihm ja nicht ganz unbekannt und so schwelgt er mit gemischten Gefühlen in der eigenen Vergangenheit und fragt sich immer noch, welche Voraussetzungen diese Kritiker verwenden. Immerhin ist Geschmack ja eine eigene Sache. Als allerdings mitten in der Eröffnungsrede des berühmten Gastes, nämlich des Präsidenten, der Strom ausfällt, bricht Panik aus und die ganze Arbeit von Valerie ist dahin. So muss Kieffer seine Freundin trösten, unterstützen, versuchen Lösungen zu finden und zur Hilfe eilen. Dies tut er auch gleich am nächsten Tag und versucht dem Verleiher, der gestohlenen Ausgabe, zu beschwichtigen und gerät dabei in einem Mord.

Wie immer ist Xavier Kieffer wieder mal am falschen Ort zur falschen Zeit und wird in ein Abenteuer geschleudert, was er diesmal selber gar nicht will. Natürlich ist er neugierig, was es mit dieser besonderen Ausgabe zu tun hat, aber das ist nicht seine Welt und somit würde er es eigentlich ruhen lassen, wenn da nicht unschlagbare Persönlichkeiten ihm zum Nachforschen bitten würden. Zum einen ist da Valerie, der er gerne helfen möchte und zum anderen, tritt der Präsident an ihn heran und bittet um mithilfe. So versucht Kieffer sich ein Bild des ganzen zu machen und fühlt sich immer mehr beobachtet. Es scheinen diesmal Kräfte am Werk zu sein, die über die Fähigkeiten eines Kochs hinausgehen. Aber wir kennen doch unseren Hobbydetektiv, aufgeben gibt es nicht.

Tom Hillenbrand überrascht hier mit einem ganz anderen konstruierten Fall und das ist ihm richtig gut gelungen. Immerhin bekommen wir gleich zwei Geschichten auf einmal, naja, eigentlich drei. Die Erste ist der französischen Küche gewidmet, und zwar ihren Wandel, erst die Klassische, dann die Moderne und nun das Beste aus allem. Das erfahren wir durch alte Kochbücher, Erinnerungen von Xaviers Kochlebenslauf und natürlich durch einen kleinen Gastroführer. Die Zweite ist der Vergangenheit gewidmet und hierfür gibt es im Buch sogar einen eigenen Erzählstrang, der zuerst ein bisschen verwirrt, da er uns ins Jahr 1940 wirft, aber dann einfach dem Ganzen noch ein bisschen mehr die Spannung gibt, weil man sich ständig fragt, wohin das alles führt. Momentan scheint die Kriegsgeschichte wieder mehr aufgegriffen zu werden und gerade Frankreich spielt dabei eine sehr interessante Rolle. Tja, und die dritte Geschichte sind natürlich Kieffers Nachforschungen, dabei kommt ein Mix aus Spionage, Rätsel und jede Menge gefährliche Zufälle zusammen.

Mich konnte die Geschichte voll packen, hineinziehen und unterhalten. Natürlich trägt Tom Hillenbrand manchmal was dick auf, aber wer tut das nicht und klar fragt man sich manchmal, woher Kieffer die ganze Freizeit hat, aber er ist nun mal Chef. Aber das Talent, alte Geschichte, mit Politik und auch noch mit aktuellen Themen, wie Terror zu verbinden, beherrscht der Autor einfach sagenhaft. Diese Vermischung und dazu jede Menge gutes Essen, machen diese Geschichten zu was Besonderen und man möchte sofort wieder einen Kieffer Fall haben und weiter in seinem Abenteuer lesen. Der Sherlock Holmes der Küche und dabei so menschlich und sympathisch, bitte kochen sie weiter, Herr Kieffer oder Herr Hillenbrand.

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209 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

musik, new york, carrie price, new york diaries, adriana popescu

New York Diaries – Sarah

Carrie Price
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426519400
Genre: Liebesromane

Rezension:

Sarah Hawks steht mit geschlossen Augen in ihrer Lieblingsbar und hört der spielenden Band zu und weiß, die werden den großen Durchbruch nicht schaffen. So beschließt sie nach Hause zu gehen, aber bevor sie verschwindet, spielt der Bassist, Will, einen Pausensong und Sarah ist begeistert. Musik, ist ihr Leben und ihr größter Traum wäre, als Musikjournalistin arbeiten zu können, aber leider hat es damit noch nicht geklappt. Aber New York, wäre nicht New York, um es wenigstens zu probieren und so schlägt Sarah sich als Kellnerin bei einem Caterer durch. Als ihr Arbeitgeber ein großes Bankett für einen Musikkonzern ausrichtet, probiert Sarah nochmals ihre Bewerbung abzugeben. Aber kann das gut gehen? Wird sich Sarah ihren großen Musikwunsch erfüllen können? Und wer ist Charlie, den sie auf der Party kennenlernt? Außerdem gibt es auch noch den Musiker Will, der mit seinen Songs ihr Herz erreicht, aber wer ist der Richtige?
Nun ist der zweite Band, der New York Diaries Reihe draußen und mein Herz hüpfte in Großstadtschlägen. Nach dem hervorragenden Start von Ally Taylor war ich doch sehr gespannt, wohin uns Carrie Price entführen wird und welche Orte, sie uns von der aufregendsten Stadt präsentiert. Bei diesen beiden Autorinnen weiß man ja, dass jede so anders ist, aber trotzdem ergibt es immer was großes Ganzes, harmonisch im Gleichtakt und wunderbar abgestimmt. Was natürlich meine Neugier noch erhöhte.

Sarah liebt Musik und diese ist ihr Leben, und damit das auch jeder weiß, betreibt sie einen Musikblog und hofft, irgendwann als Musikjournalistin auch Geld damit zu verdienen. So stöbert sie gern durch die Bars und hört sich Bands und Musiker an, vielleicht ist ja der Song dabei, der ihr Herz berührt und nicht mehr loslässt. Nur leider kann man davon nicht leben und so arbeitet sie als Kellnerin bei einem Caterer, allerdings zweifelt sie mit 27 Jahren langsam an ihren Erfolg in der Musikwelt Fuß zufassen. Zurück nach Hause möchte sie auch nicht und sich von ihren großen Brüdern hochziehen zulassen. So kämpft sie mit sich und ihren Träumen. Sarah war mir von Anfang an total sympathisch, natürlich, ehrlich und voll Energie, sobald die richtige Musik spielt, gab es für diese junge Frau, kein halten mehr. Ihr Weg zu ihren innerlichem Gleichgewicht war nicht einfach, aber ich glaube, sie hat genau die Erfahrungen machen müssen, um sich selbst zu finden und das ist hier, genial umgesetzt wurden. Träume die Wirklichkeit werden und zwei Typen, die für eine turbulente Zeit sorgen.

Carrie Price hat ihrer Hautprotagonistin nämlich zwei wirklich sehr ansprechende Männer zur Seite gestellt. Da hatte man es als Leser wirklich schwer sein Herz zu verschenken. Da ist zum einen Will, der Musiker mit der tollen Stimme, der Sarah sofort eine Gänsehaut beschert hat. Dieser Kerl ist eher der ruhige Typ, der wirklich für die Musik lebt und lieber in Parks spielt, als sich der großen Plattenwelt zu verkaufen. Für beide steht die Musik in Vordergrund und erst langsam erwachen andere Gefühle. Sarah mag seine melancholische Seite und auch wie er seinen Songs, leben einhaucht und sie zu etwas ganz Besonderes macht, ehrlich, hautnah und so eingängig. Mit ihm fühlt sie sich der Musik noch mehr verbunden. Der andere Typ ist Charlie, den Sarah nach einer misslungenen Party kennenlernt und irrtümlich für einen Kellner hält. Die Zwei bringen New York zum Leuchten und machen eine Nacht zum Tag. Erst später erfährt Sarah, mit wem sie ein fast Date hatte und kommt so ihren Traum näher, als sie dachte, denn Charlie ist der Sohn eines Musikkonzernbesitzers und möchte sie in der Firma haben. Tja, und so beginnt die Karussellfahrt, die sich Leben nennt.

Es ist wirklich eine gelungene Geschichte über Träume, Verwirklichungen und die richtige Wahl bei Mr. Right. Carrie Price hat mit ihren New York Besuch genau richtig losgelegt und für turbulente, dahinfliegende Seiten gesorgt. Es geht hier auch nicht nur um die Liebe, sondern den richtigen Platz im Leben zu finden, denn nicht alles ist Gold, was glänzt. So muss sich Sarah ihren Wünschen stellen und Entscheidungen treffen, die sie nie erwartet hätte. Außerdem wirbelt es in ihrem Liebesleben, denn unsere Autorin macht es ihr und uns Lesern wirklich schwer zu entscheiden, wer nun der Richtige ist und diese Spannung hält sie bis zum Schluss. Dazu kommt noch ein New York, was laut ist, lebendig, mit viel grün und Claires Muffins, einfach perfekt.

Ich habe mich in dieser Geschichte und der Stadt die niemals schläft verliebt und werde sofort, das nächste Ticket nach New York Diaries buchen, denn bald geht es Gott sei Dank weiter. Mit Geschichten aus dem Leben, mit Träumen, die auf Verwirklichung warten und der großen Liebe, denn für all das ist es nie zu spät.

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112 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

thriller, mord, hamburg, bernhard aichner, totenrausch

Totenrausch

Bernhard Aichner
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei btb, 09.01.2017
ISBN 9783442756377
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Blum ist mit ihren Kindern auf der Flucht. Sie versteckt sich in einem fremden Land, mit einer fremden Sprache und fremden Gewohnheiten. Zuerst fühlt es sich wie Urlaub an, aber immer mehr kommt die Sehnsucht nach zu Hause durch, die Kinder wollen nicht bleiben. Blum ist hin und her gerissen. Zurück kann sie nicht, immerhin wird sie als Mörderin gesucht, aber sie möchte ihren Mädchen auch das geben, was sie möchten. Ein Zuhause mit Kirschbaum, einen heimeligen Ort für sie drei. So stranden sie in Hamburg und Blum lässt sich auf einen gefährlichen Deal mit dem größten Zuhälter der Stadt ein. Aber zu erst kommt sie zur Ruhe, führt ein ruhiges Leben, ist für ihre Mädchen da, aber wie lange hält sich der Sturm zurück? Was muss sie tun, um weiterhin unentdeckt zu bleiben? Und kann wirklich alles gut werden?
Lange habe ich auf den Abschlussband der Blum Trilogie gewartet, lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weiter gehen könnte und überhaupt nicht lang hat das Verschlingen der Seiten gedauert. Es ging wie immer viel zu schnell und man rauscht einfach nur so durch die Seiten. Dieser Schreibstil sorgt immer für einen Lesesog und Blum hat Allerlei zu tun.

Natürlich fragt man sich die ganze Zeit, wie will der Autor diese Reihe abschließen. Nach dem bombastischen Auftakt kann es ja nicht so weitergehen. Blum verändert sich ja, im ersten Band steht die Rache im Vordergrund und dann kommt die Erkenntnis der Taten und jetzt möchte sie einfach keine Mörderin mehr sein, sie möchte aus diesem Teufelskreis raus und ihr Leben zurück. Aber wie stellt man das am Besten an? Und wie unterhält man dabei seinen Leser? Bernhard Aichner geht da seinen ganz eigenen Weg und der war eine gelungene Mischung aus alter und neuer Blum. Man merkt hier total, dass der Autor ein Schlitzohr ist und eine diebische Freude dabei hat uns zu unterhalten.

So entführt uns die Geschichte ins Hamburger Rotlichtmilieu und in die dunklen Abgründe der Nacht. Dabei hat Bernhard Aichner einen ganz hervorragenden Gegenspieler für Blum geschaffen, Egon Schiele. Ein charmanter, gut aussehender und berechnender Mann, der immer weiß, was er will und wie er es bekommt. Einer der sich auf Blums Vorschlag, jemanden für ihn zu töten einlässt, der sie erkennt und dabei sinnlich lächelt. Er kümmert sich um Blum, er gibt ihr ein Haus, Geld und ein Leben zurück, schleicht sich aber zeitgleich hinein. Schiele spielt den Samariter, der aber hinter der Oberfläche lauert und genau plant, wann er seine Schulden eintreibt. Je mehr Sicherheit und Geborgenheit bei Blum und den Mädchen aufkommt, umso gefährlicher wird die Situation, denn irgendwann muss sie wieder töten und der Zeitpunkt rückt immer näher.

Dieses Gerüst ist ziemlich geschickt aufgebaut und der Leser, wird mit jeder Seite ungeduldiger. Ständig fragt man sich, tut sie es wieder, oder kann sie das überhaupt noch? Wie soll so ein Leben aussehen? Welche Lösung wird Blum noch finden? Und, und, und, dabei wird man fast hektisch und kann sich auf andere Dinge im Leben gar nicht mehr konzentrieren. Tja, und das ist nur der Anfang des Buches, es wird spannend und Blum muss wieder mal alles geben und ich liebe immer noch ihre Kurzschlusshandlungen. Denn wer Blum kennt, weiß, sie lässt sich nicht in eine Ecke drängen, denn genau da, kennt sie keine Freunde mehr. Zusätzlich muss ich den Autor danken, er hat zwei Dinge erfüllt, die der Geschichte richtig gut getan haben, Blum fällt bei Männern nicht in ihre alte Muster und schläft mit dem bösen und Reza taucht wieder auf. Was für ein Balsam für die Seele.

Wie ihr seht, ich war wieder total abgetaucht und im Thriller drin. Blum muss sich ihren Weg, wie immer hart erkämpfen und die Abgründe der Menschheit hatten hier auch wieder einen Schauplatz. Unglaublich, wie leicht man es hinnimmt, wenn die Hauptfigur sympathisch ist, dass, da einige Leichen ihren Weg pflastern. Ein gelungener Abschluss, aber auch ein Abschied von Blum und ihren Lieben. Spannend, rasant und aufwühlend.

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278 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

schweden, alter, trauer, freundschaft, selbstmord

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 22.03.2016
ISBN 9783596521111
Genre: Romane

Rezension:

Ove möchte, dass alles seinen Platz und seine Ordnung hat. So macht er jeden Morgen seinen Kontrollgang, schreibt Falschparker auf, ermahnt die Nachbarn und grummelt über die Unfähigkeit der Menschen vor sich hin. Aber in Wirklichkeit, ist er einsam und vermisst seine verstorbene Frau Sonja sehr, sie war seine große Liebe, sein Fels und sein Seelenpartner und nun ist sie nicht mehr da. Außerdem schickt man ihn in die Frührente und da Ove jemand ist, der eine Aufgabe braucht, steht er jetzt vor einem sinnlosen Leben. So beschließt er, seinem Leben ein Ende zubereiten, alles hat er vorbereitet und auch für danach ist alles geregelt. Doch jedes Mal, wenn er gerade dabei ist, auf irgendeine Art zu sterben, kommt was dazwischen. Wer sind diese neuen Nachbarn? Kann den keiner Ove einfach in Ruhe lassen? Ist Ove wirklich so allein, wie er denkt?
Um dieses Buch habe ich eigentlich immer einen Bogen gemacht, da mich das Cover so gar nicht angesprochen hatte und so, mich auch der Inhalt überhaupt nicht interessiert hat. Da aber mein Buchhändler ganz gern auch was Besonderes empfiehlt, hat er mir diese Geschichte ans Herz gelegt und ich höre ja auf ihn. Nun habe ich dieses Buch endlich gelesen, und obwohl es dazu schon so viele Stimmen und Meinungen gibt, möchte auch ich kurz meine Gedanken mitteilen.

Ove ist ein Nachbar, den man nicht unbedingt haben möchte, er stellt Regeln auf, beobachtet, ob man sie einhält, tischt einen seine Meinung auf und ist dabei schroff und ungehobelt. Jeden Morgen geht er auf Patrouille und schaut nach den Rechten, zu jeden hat er eine Meinung und grummelt diese auch ganz gern vor sich her und man denkt einfach, was für ein unangenehmer Zeitgenosse. Aber eigentlich versucht er sich das Leben zu nehmen, nur irgendwie kommt immer was dazwischen. Ove ist nach außen kein einfacher Mensch, aber wenn man mal in sein Herz geschaut hat, bewundert man diesen Mann. Sein Leben wurde immer mit Steinen beschwert und nur selten hat er wirklich Glück erfahren, aber er ist seinen Werten treu geblieben und hat versucht, sein Leben richtig zu leben. Aber nun ist seine Frau tot, man schickt ihn in Frührente und er hat keinen Lebensinhalt mehr. Allerdings hat er auch nicht damit gerechnet, dass seine neuen Nachbarn ihn sehr in Anspruch nehmen werden und so gibt es für den Einsiedler viel zu tun. Einfach, ganz kurz, man muss Ove einfach in sein Herz schließen und mögen.

Ich bin recht unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen und musste mich schon beim ersten Kapitel mit lauten los lachen bremsen. Ove geht nämlich ein iPad kaufen und das auf so herrlich Art und Weise, dass einem der Verkäufer nur leidtun kann und im Buch wird es noch so einige Personen aus unserem Alltag geben, die diesem Mann einfach nicht gewachsen sind. Was aber wirklich herrlich ist, ist seine Sicht der Dinge, sie mag vielleicht antiquiert sein und nicht mehr auf den höchsten Stand, aber so wahr und immer noch richtig. Für Ove ist halt ein Mann, nur ein Mann, wenn er mit Hänger rückwärts einparken kann, sein Haus reparieren und einfach der Fels in der Brandung ist, mit allem Neuen kommt er nicht gut klar und lässt das auch lautstark jeden wissen. Natürlich ist sein Gebrüll nicht immer charmant, aber dieses grob gehobelte Verhalten wächst einen sehr schnell ans Herz und macht diese Geschichte zu einem wahren Schatz.

Unglaublich, was Fredrik Backman aus seiner Geschichte gemacht hat, mit wunderbarem Humor, Alltagscharme und jeder Menge Dramatik, lässt er seine Figuren leben und man glaubt, ja so ist das Leben, genau so. Nicht immer schön, nicht immer Sonnenschein, aber wenn man sich entschließt, da tapfer durch zu stampfen, passieren vielleicht auch wunderbare Dinge. Was habe ich diese Geschichte genossen, was hatte ich schöne Lesestunden und ich kann gar nicht zählen, wie viele Tränen mich Ove gekostet haben. Ein Buch wie aus dem Leben und mehr verrate ich nicht, denn ihr müsst es einfach lesen, unbedingt.

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53 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

wichtel, weihnachten, weihnachtsgeschichte, weihnachtsbuch, für zwischendurch

Ein Junge namens Weihnacht

Matt Haig , Sophie Zeitz-Ventura , Chris Mould
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423280884
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Wie ist eigentlich der Weihnachtsmann, zum Weihnachtsmann geworden?
Nikolas ist ein Junge von elf Jahren und lebt mit seinem Vater in einer Holzhütte in Finnland. Seine Mutter ist früh verstorben und sein Vater plagt sich täglich als Holzfäller ab, so leben sie in größter Armut und nicht mal zu Weihnachten gibt es Geschenke, obwohl Nikolas da auch Geburtstag hat. Aber dann kommt ein Angebot, sein Vater soll bei einer Expedition mitmachen und an den Nordpol reisen, um herauszufinden, ob es Wichtel wirklich gibt. Mit dieser Reise wären alle Sorgen ausradiert, aber der Vater kommt und kommt nicht zurück. Nikolas beschließt, nach ihm zu suchen. Wird er seinen Vater finden? Gibt es wirklich Wichtel? Was wird Nikolas alles entdecken? Denn sein Abenteuer beginnt jetzt.
Ich liebe passende Geschichten zur Weihnachtszeit, das bringt einen in Stimmung und sorgt für tolle beschwingte Lesestunden mit Keksen und Kerzenlicht. Nun hat auch Matt Haig sich eine ausgedacht und sich der wichtigsten Frage überhaupt angenommen, wie ist der Weihnachtsmann zum Weihnachtsmann geworden. Mir ist das Buch im Schaufenster aufgefallen und ich war sofort ins Äußere verliebt, ob mich der Inhalt auch überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.

Nikolas lebt mit seinem Vater in ärmlichen Verhältnissen im Wald und ist trotz des schweren Lebens, zufrieden. Er hat zwar in seinem ganzen Dasein nur zwei Weihnachtsgeschenke bekommen, ist dafür aber umso dankbarer und glücklich. Ganz ehrlich man muss Nikolas mögen, er ist bescheiden, sorgt sich um andere und hat ein Herz aus Gold. Als sich sein Vater auf die Expedition begibt, versucht er tapfer sein Schicksal zu ertragen und der Tante entgegen zu kommen. Aber das Warten macht ihn zu schaffen und so beschließt er, seinen Vater zu suchen und vielleicht selber einen Wichtel zu treffen.

Ich kannte bis jetzt noch kein Buch von Matt Haig, aber diese Geschichte lässt an tolle und großartige Geschichten denken. Für seine Weihnachtsgeschichte hat er eine sehr leichte und einfache Erzählweise ausgesucht und lässt uns Kind gerecht nach Finnland reisen und Nikolas kennenlernen. Obwohl die Geschichte sehr traurig ist und der Junge wirklich vom Leben nicht mit wohlwollen bedacht ist, ist er die Gutherzigkeit in Person. Das hebt sich besonders von seinem schweren Schicksal ab und ist wirklich geschickt vom Autor eingefädelt. Nikolas denkt zu erst an andere, kümmert sich liebevoll um seine Begleiter und selbst wenn ihn Unrechtes widerfährt, versucht er alles wieder zum Bessern zu kehren. Dabei erlebt er so einiges und lässt uns von Kapitel zu Kapitel staunen.

Mir ist bei dem Buch wirklich das Herz aufgegangen, nicht nur das die Geschichte so toll gelungen ist und uns nochmals den Sinn von Weihnachten näher bringt, nein, auch die Illustrationen von Chris Mould runden alles nochmals hervorragend ab und machen zusammen ein harmonisches Duett daraus. Hier ist wirklich eine ganz besonders, zauberhafte Weihnachtsgeschichte gelungen, die für jeden Leser, ob groß oder klein magisch wirkt, mit Witz, Spannung und Herz.

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185 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

traumprinz, liebe, berlin, david safier, liebeskummer

Traumprinz

David Safier , Oliver Kurth
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 27.10.2016
ISBN 9783463406046
Genre: Humor

Rezension:

Nellie Oswald ist im Himmel, endlich hat sie ihre große Liebe gefunden und zusammen genießen sie ein Bad, nur zu dumm, das ausgerechnet, da die Verlobte auftaucht. Aber es kommt noch dicker, aus Wut lässt die Freundin, Nellie nur im Badehandtuch durch die Straßen laufen. Gedemütigt, frustriert und mit der Männerwelt fertig, bekommt die Comiczeichnerin zufällig eine in Leder gebundene Kladde in die Hände und was malt sie hinein, natürlich, einen starken, edlen und großzügigen Traumprinzen. Am nächsten Morgen wird sie mit einer Schwertspitze am Hals wach und traut ihren Augen kaum, denn der träger des Schwertes sieht genauso aus, wie auf ihrer Zeichnung, tatsächlich ist der Prinz erwacht. So begeben sich Nellie und Retro gemeinsam durch Berlin, um dem Geheimnis dieser Kladde auf den Grund zu gehen, denn alles, was man hinein zeichnet, wird lebendig. Aber das ist nur der Anfang einer wilden Verkettung von Ereignissen. Werden sie das Geheimnis lüften können? Kann eine Zeichnung wirklich echt werden? Und warum spielen die Gefühle bei Nellie so verrückt? Kann es hier ein Happy End geben?
Das ist nun mein erster Roman von David Safier und ich muss sagen, dass ich recht Erwartungslos an die Sache herangegangen bin. Nun gut, wir wissen alle, dass er durch seine humorigen Büchern bekannt geworden ist, aber Humor ist ja nicht gleich, Humor. Tja, und ob er meinen getroffen hat, finden wir jetzt mal heraus.

Nellie Oswald ist eine Träumerin, und zwar in allen Bereichen, sie träumt von der großen Karriere als Comiczeichnerin und hat so gar keinen Erfolg und sie träumt von der großen Liebe und findet doch nicht so recht, denn Richtigen. Also hält sie sich mit ihrem Job im Comicladen über Wasser und träumt weiter, aber so richtig glücklich macht sie das nicht. Bis sie auf einmal Bendix kennenlernt und glaubt, eine neue Zukunft bricht für sie an. Was wir ja schon wissen in die Hose geht und ihr Abenteuer nun erst recht beginnen soll. Nellie war für mich eine Chaotin, ständig tappte sie in Situationen hinein und machte diese noch schlimmer. Sie ist einfach tollpatschig, hat aber ein gutes Herz. Ich kann eigentlich nicht sagen, dass ich sie nicht mochte, aber ihre Eigenschaften waren hier schon recht fett aufgetragen, überzogen und machten so aus ihr, manchmal eine Slapsticknummer, aber trotzdem wollte man sie begleiten und sie vor den großen Unsinn bewahren.

Der Anfang ließ sich für mich superentspannend lesen, ich hatte meinem Spaß und fand die Szene mit der Verlobten wirklich witzig, aber als dann das Buch ins Spiel kam und der Prinz Retro auftrat, fing das Ganze an zu bröckeln. Natürlich ist klar, dass es hier absurd werden würde, aber statt zu lachen und sich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen, fing ich an, darüber den Kopf zu schütteln. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das man hier auf Teufel komm raus, und zwar in jeder Szene, was Witziges schreiben wollte. Für mich wäre weniger mehr gewesen, das war zu viel und man konnte sich an den wirklich tollen Stellen nicht mehr erfreuen. Denn dieses Buch hat so einige tolle Figuren und Momente, die mich zum Schmunzeln gebracht haben. Die meisten Szenen von Retro zum Beispiel, der natürlich den Helden spielen muss und allein durch seine veraltete Sprache glänzte. Das lockerte das zwanghafte komisch Sein etwas auf.

David Safier hat mir bewiesen, dass er auch ein Nerd ist, dieses Buch, strotz nämlich auch von Film- und Buchfiguren. Diese Flucht in die Welt der Fantasy und Unwirklichkeit spiegelt er auch in seinem neuesten Roman wieder, wer lebt schon gern in der Realität, wenn er sich selbst eine bauen kann. Das sollte man bedenken, wenn man zu diesem Buch greift, schaltet den Kopf aus, lasst euch in die Geschichte fallen und ich hoffe, ihr könnt viel Witz vertragen, der lauert nämlich in jeden Abschnitt. Aber was mir am Ende gut gefallen hat, war das es auch eine Aussage gibt und diese wirklich ganz gut in unserer grauen Welt passt.

Für mich steht fest, dass es nicht ganz meins war und das ich für ein weiteres Werk wirklich Lust darauf haben muss, aber ich bin ja auch eine Märchentante und für mich, ist David Safier ein moderner Alltags-Märchenerzähler.

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65 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

olivenöl, xavier kieffer, italien, koch, luxemburg

Tödliche Oliven

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 06.11.2014
ISBN 9783462046953
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Xavier und sein Freund Pekka sitzen beim Essen zusammen und philosophieren über Frauen, Essen und Politik. Natürlich fließt auch wieder Wein dabei und die Rede auf Xaviers baldigen Ausflug nach Italien kommt zur Sprache. Einmal im Jahr fährt der Koch mit seinem alten Schulfreund und Wein- und Ölhändler Alessandro in die Toskana, um zu schlemmen und Gutes, mit nach Luxemburg zu bringen. Die Reise ist fest geplant und dann verschläft Xavier, schnell fährt er zu seinem Freund und probiert ihn telefonisch zu erreichen, aber beides ohne Erfolg. An dessen Haus angelangt, erfährt er von der besorgten Ehefrau, dass Alessandro schon zwei Tage früher abgereist ist und das auch sie ihn nicht erreicht. Besorgt und hilfsbereit bietet sich Xavier an, um nach Italien zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Dort findet er keinen Alessandro, allerdings hat er nachts in der Olivenölmühle ein eigenartiges Erlebnis, volle Tanks, die in einer Nacht und Nebel Aktion abgepumpt werden und Xavier mittendrin. Der Koch ahnt schon, dass sein Freund in üble Geschäfte verwickelt ist, aber in was genau und wo ist er? Lebt er noch? Was ist mit diesem Olivenöl los? Und kann Xavier wirklich die Polizei allein ermitteln lassen?
Lange habe ich den vierten Band um den Koch Xavier Kieffer liegen lassen, um ihn dann in einem Rutsch zu verschlingen, denn ein neues Abenteuer für den Koch steht schon an der Tür und wird bald den Lesern in die Hand gelegt. Aber erst einmal musste dieser vierte Band dran glauben und das Tolle daran ist, man fühlt sich sofort wieder in der Welt des Kochs wohl, möchte mit ihm ein Glas Wein trinken und die Ruhe des Gartens genießen, oder eine Spezialität des Hauses probieren. Dieses Gefühl macht die Reihe einfach total sympathisch und was man immer über Politik und Lebensmittel erfährt, ist mehr als nur interessant, auch diesmal war ich hinterher sprachlos.

Aber kommen wir zu Xavier, er ist schon ein bisschen ein Eigenbrötler, mag zwar Gesellschaft, liebt aber auch die Ruhe. Er lebt in einer Fernbeziehung mit seiner Freundin Valerie und hier kommt das Süßeste an dieser Geschichte, er erleidet einer kleinen Unsicherheit und die Eifersucht ist auch im Spiel, das macht ihn noch mehr zum Menschen, als nur zu einer Romanfigur. So kommen halt noch andere Züge bei unseren Protagonisten ans Tageslicht. Nun macht er sich aber zuerst Sorgen, um den verschwundenen Freund, immerhin ein Schulfreund und diese alten Wurzeln sind Xavier wichtig. Einmal im Jahr fahren sie zusammen nach Italien und genießen die kulinarischen Köstlichkeiten und jetzt verpasst er das. Xavier macht sich auf die Spur und wer ihn kennt, weiß, dass er nicht vorher Ruhe gibt, bis er weiß, was dahinter steckt. Tja, und diese Hartnäckigkeit liebt die Polizei ganz besonders und wir Leser lieben sie.

Tom Hillenbrand hat es einfach drauf, gut recherchierte Hintergründe in einer packenden Geschichte zu verpacken. Ich bin immer so erstaunt, was sich unsere Gesellschaft, bezüglich Lebensmitteln, alles Einfallen lässt und wie weit sie mit Vertrauen umgehen. Diese Verzweigungen mit Wirtschaft, Politik und Verbrechen sind oft so verzwickt, das sie mit dem bloßen Auge gar nicht zu entwirren sind, da finde ich es großartig, wenn es solche Bücher gibt. Für mich wird Olivenöl jetzt mit anderen Augen betrachtet, und seit Xavier Kieffer ermittelt, bin ich nicht zum ersten Mal erstaunt. Allerdings werden die Geschichten von Tom Hillenbrand nie nur von dem Skandal getragen, sondern auch vom Lebensgefühl und guter Küche und das macht die Reihe einfach so klasse, denn dieser Koch lehrt uns eins, wir müssen für gutes Essen, uns nicht immer der Wirtschaft verkaufen.

So habe ich mich direkt wieder wohlgefühlt und bin mit Spannung Xavier gefolgt. Natürlich raucht er immer noch zu viel und die ganzen Straßennamen in Luxemburg kann ich mir immer noch nicht merken, und wenn man ein sehr kritischer Leser ist, fällt einen schon auf, dass alles gut konzipiert ist, aber ich hatte tolle Lesestunden und würde sofort wieder mit diesem Koch und seinem Autor losziehen.

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251 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 68 Rezensionen

wüste, fantasy, alwyn hamilton, liebe, jugendbuch

AMANI - Rebellin des Sandes

Alwyn Hamilton , Ursula Höfker
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei cbt, 22.08.2016
ISBN 9783570164365
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Amani hat es satt, ständig unterdrückt und geduldet zu sein, denn seit dem Tod ihrer Mutter, ist sie der Willkür ihrer Familie ausgesetzt, aber wie soll ihre Zukunft aussehen, in einem Kaff mitten in der Wüste. Sie will raus, sie will Freiheit und dafür braucht sie Geld. Verkleidet als Mann, nimmt sie an einem Schießwettbewerb teil und erlebt eine Katastrophe, allerdings lernt sie auch dort, den faszinierenden Fremden Jin kennen, der ihr Leben am nächsten Tag nochmals schneiden soll. Nun sind die Soldaten des Sultans hinter ihm her, und bevor sich Amani versieht, hat sie zwar ihren Heimatort verlassen, aber befindet sich auch auf der Flucht. Durch Jin erfährt sie nicht wirklich viel, aber ihre Umgebung erzählt von Rebellen und den abtrünnigen Prinzen Ahmed. Was steckt hinter den Geschichten um Rebellion und Kampf? Warum wird Jin wirklich verfolgt? Kann sich Amani ihren Wunsch von Freiheit erfüllen? Oder wechseln ihre Pläne in der Gegenwart von Jin und seinem bezaubernden Lächeln?
Momentan beherrscht die Wüstenwelt jedes Buchregal und was tauchen wir Leser gern ab, in fremde Länder und Geschichten. Mich hat es dieses Jahr richtig erwischt und was fand ich die neuen Interpretationen von „Tausendundeine Nacht“ toll, so richtig märchenhaft und doch neu und faszinierend. So war ich bei Amani doch recht hellhörig geworden, als es sich so ganz anders anhörte und starke junge Frauen mag ich, so musste ich es unbedingt lesen.

Amani ist eine junge Frau, die schnell gelernt hat, dass sie sich auf niemanden verlassen darf. Ihre Eltern sind verstorben und so muss sie sich mit dem Rest der Familie arrangieren und die machen diesem Mädchen das Leben so richtig schwer. Auch der Ort, in dem sie lebt, ist nicht besonders erbaulich, denn außer der Waffenfabrik gibt es nur Sand und Wind. Amani möchte raus und weg, sie möchte den Traum ihrer Mutter erleben und in die Hauptstadt ziehen, dafür braucht sie allerdings Geld und deshalb nimmt sie, verkleidet als Junge, an einem Schießwettbewerb teil, ohne zu ahnen, das mit dem Abend ihr ganzes Leben ins Rollen gerät. Ich mochte Amani von der ersten Seite an, sie ist frech, willensstark, hat ein lautes Mundwerk und lässt sich nix gefallen. Unglaublich beeindruckt hat mich ihr Mut, allein loszuziehen, sich niemanden unterzuordnen und im heißesten Wüstensand ein Gefühl von Heimat zu haben.

Aber die Autorin hat ja nicht nur eine starke junge Heldin erschaffen, nein sie zaubert auch gleich eine ganz eigene Welt. Hier spielen nicht die üblichen Gefahren einer Wüste eine Rolle, nein, sie hat unheimliche Wesen in der Nacht erschaffen, Ghule, Nachtmahren, oder Wüstenpferde, die mit Eisen gebannt und von einem jungen Mädchen geführt werden. Sie baut ihr ganzes Konzept auf die Vorgeschichten der Dschinns auf und lässt somit die Welt von „Tausendundeine Nacht“ hinter sich. Alwyn Hamilton ist der Fantasy verschrieben und greift gezielt in die Überraschungskiste, um ihre Leser zu verzaubern und in die Seiten zu bannen. 

Aber das allein reicht noch nicht aus, denn sie stellt unserer Amani einen jungen Mann zur Seite und dieses Gespann lässt es gewaltig knistern und krachen. Bei den beiden herrschen spritzige Wortgefechte vor und sie vertrauen sich kein Stück, aber trotzdem bilden sie ein Team und das macht die Geschichte einfach interessant. Man möchte einfach mehr über den geheimnisvollen Jin wissen, man möchte sehen, wie sich diese Neckerei weiterentwickelt und wohin sie ihre Reise führt. Das hat die Autorin, finde ich nämlich ganz geschickt gemacht, denn für mich war es nicht das, was ich erwartet hatte. Ich habe ein bisschen das Märchenhafte vermisst, denn wir haben ein tolles Paar, aber beide sind zu stur um sich offen zu verlieben und das schwankende Tempo hat mir ab und zu schaffen gemacht. Die Autorin erzählt ihre Geschichte nämlich recht schwankend, bei einigen Stellen lässt sie sich Zeit und bei den nächsten geht sie voll ins Tempo, so ist es manchmal recht unausgeglichen. Außerdem fand ich das Ende zwar fantastisch und facettenreich, aber auch zu viel, kleine Logikfehler sind mir aufgefallen und so fühlte man sich nicht ganz so gut mit. Für mich war es auch am Ende ein bisschen wie X-Men in der Wüste, eben nur mit anderen Superhelden, ich glaube, man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Auf jeden Fall ist Amani eine Geschichte, die sich von allen anderen Wüstenlocations abhebt, hier steht nämlich die Fantasy im Vordergrund und lässt uns wie ein Wirbelsturm durch den Sand tanzen. Atmosphärisch, spannend, aber auch mit kleinen Schwächen.

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