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liebe, vergebung, familie, trauer, kinder

Ein Vater für Zach

Irene Hannon , Antje Balters
Flexibler Einband: 294 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 02.06.2016
ISBN 9783867732468
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt viele Möglichkeiten, in einem Gefängnis zu sitzen - auch wenn keine Gitter vor den Fenstern sind. (Seite 222)

Achtung
Enthält unweigerlich Spoiler zu den vorherigen Bänden.


Meine Meinung

„Meistens war das Leben eine Aneinanderreihung von Herausforderungen. Man musste ständig mit Unvollkommenheit und Fehlern fertigwerden, musste Verluste verkraften und Hindernisse überwinden und auch an den finstersten Tagen die Flamme der Hoffnung in Gang halten.“ (Seite 260) Das könnte man eigentlich als das Motto der Reihe im Allgemeinen betrachten, ganz besonders trifft es jedoch auf diesen vierten und - leider - abschließenden Band zu.

Und die „Flamme der Hoffnung“ haben die Protagonisten in diesem Buch wirklich mehr als nötig, um alle Schwierigkeiten meistern zu können. Nathan Clay waren wir schon im Vorgängerband an seinem Tief- und Wendepunkt begegnet, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird er hier zur Hauptfigur, wenn der Leser ihn bei seinem Versuch, sich ein neues Leben in Freiheit aufzubauen, begleitet. Seine Geschwister J. C. und Marci haben ihn nach Nantucket eingeladen und so wohnt er - wie schon in den Jahren zuvor die beiden - in Ediths Ferienhaus.

Gleich zu Beginn des Buches trifft er bei Marcis Hochzeit auf Catherine Walker und ihren etwa sechsjährigen Sohn Zach. Der Titel des Buches läßt schon vermuten, in welche Richtung sich die Erzählung bewegen wird, und auch hier ist der Weg, der mehr als nur steinig ist, das Ziel. Nathan kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Im Gefängnis hat er viel gelernt und verdingt sich nun als Handwerker. Daneben tritt sein Talent zum künstlerischen Malen immer mehr hervor, was Kate (aus dem ersten der Lighthouse-Lane-Bände) die Gelegenheit zu einem Kurzauftritt gibt. Erst nach und nach kommt an Tageslicht, was ihn vor Jahren auf die schiefe Bahn gebracht hat.

Ganz anders bei Catherine Walker, die kürzlich nach Nantucket kam, um nach dem tragischen Tod ihres Mannes vor zwei Jahren ein neues Leben zu beginnen. Zu ihrem Sohn verhält sie sich überaus beschützend, so daß die Begegnung auf der Hochzeit nur von kurzer Dauer ist. Um so erstaunter sind beide, als sie sich kurz darauf wieder gegenüber stehen: Nathan wurde ihr als der Mann empfohlen, der ihr bei Renovierungsarbeiten helfen kann. So bleibt es denn nicht aus, wenn man den ganzen Tag über auf engem Raum zusammen ist, daß sich die beiden näher kennen lernen.

Tragisch - oder auch schicksalhaft - wird es, als zutage tritt, weshalb Catherine aus ihrem alten Leben geflohen ist. Man könnte es schon als eine besondere Ironie bezeichnen, daß ausgerechnet diese beiden Menschen aufeinander treffen mußten, denn auch wenn es über weite Strecken nicht so aussieht, können doch gerade sie mit ihrer jeweils individuellen Vorgeschichte zur Heilung des anderen beitragen - oder diese erst überhaupt ermöglichen.

Die Handlung wird an wesentlichen Punkten aus den Blickwinkeln beider - Catherine wie Nathan - erzählt, so daß man als Leser so gut wie immer beide Seiten kennt, beurteilen und verstehen kann. Die sich aus dem Zusammentreffen ergebende Problematik wird überzeugend dargestellt, die auftretenden und zu lösenden (inneren) Konflikte ergeben sich zwangläufig aus der Konstellation und zwingen die Beteiligten, sich mit der Situation, aber auch ihrer Vergangenheit und deren Bewältigung auseinanderzusetzen. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit die Vergangenheit die Gegenwart und vor allem die Zukunft beeinflussen darf und soll, wann es an der Zeit ist abzuwarten, weiterzugehen oder gar loszulassen (vgl. S. 134).

Wie schon im vorigen Buch der Reihe spricht die Autorin auch hier wieder schwierige Themen an, die ich in dieser Heftigkeit in so einem Buch allerdings nicht unbedingt erwartet hätte, jedoch Denk- und Handlungsweise der Protagonisten überzeugend erklären. Auch dieses Mal gelingt es der Autorin wieder hervorragend, ernste und gesellschaftskritische Themen in einen Unterhaltungsroman zu integrieren. Hiermit ist Irene Hannon endgültig in meine Liste der Lieblingsautoren/-innen aufgenommen worden und ich werde sehr bald weitere Bücher von ihr lesen. Drei davon habe ich zum Glück schon hier. Nur schade, daß ich von den Leuten aus der Lighthouse Lane nun nichts mehr hören bzw. lesen werde. Aber es spricht ja nichts dagegen, die Bücher ein weiteres Mal zu lesen - was ich sicherlich auf jeden Fall tun werde.


Mein Fazit

Mit der Geschichte um Nathan Clay und Catherine Walker geht die Serie um die Leute aus der Lighthouse Lane leider zu Ende. Trotz gesellschaftskritischer und ernster Themen und Momente ist auch dies ein Wohlfühlbuch, das mich mit Denkanstößen innerlich ruhig und zufrieden in die Welt zurück entließ.

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islam, koran, christentum, kommunikation, bibel

Koran und Bibel: Die zwei größten Religionen im Vergleich

Thomas Schirrmacher
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 30.01.2017
ISBN 9783775157742
Genre: Sonstiges

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vergebung, liebe, christlicher roman, freundschaft, insel

Eine perfekte Wahl

Irene Hannon
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 18.01.2016
ISBN 9783867732451
Genre: Romane

Rezension:

Manche Leute gehen durchs Feuer und verbrennen sich dabei so schlimm, dass ihre Wunden nie wieder heilen, aber andere werden auf eine gute Weise durch das Feuer geformt. (Seite 295)

Meine Meinung

Auch dieser dritte (von vier) Bänden der Bücher über die Leute aus der Lighthouse Lane ist für sich verständlich, wenngleich es natürlich hilfreich ist, die Vorgeschichten zu kennen. Die Handlung setzt nach der Hochzeit von J.C. und Heather ein als, Marci - J.C.’s Schwester - nach Nantucket kommt, um Heather während der Hochzeitsreise in ihrer Teestube zu vertreten. Danach will sie einige Wochen Urlaub machen, um anschließend auf Jobsuche zu gehen. Irgendwelche Bekanntschaften oder gar eine Beziehung sind in ihren Plänen nicht enthalten. Aber wie das mit Plänen so ist, sie halten sich nicht immer daran.

So war weder von ihr noch vom Arzt Christopher Morgan die gegenseitige Anziehung, welche sie schon beim ersten zufälligen Zusammentreffen verspüren, geplant. Denn, wenn auch aus verschiedenen Gründen, haben bei auf keinen Fall vor, jemals wieder eine Beziehung einzugehen. Wer nun meint, daß das eine Wiederholung der Geschichte aus „Der Held von nebenan“ ist, liegt mit seiner Einschätzung ziemlich falsch. Sicherlich ist das Motiv, keine Beziehung zu wollen, ähnlich, die Gründe - und Folgen für die Figuren - dafür jedoch sehr verschieden. Nur langsam, teilweise erst kurz vor dem Ende, kommt ans Tageslicht, um welche „Packen“ es sich handelt, sie die beiden mit sich herumschleppen. Vor allem bei Marci war ich überrascht, denn die Autorin hat Themen aufgegriffen und verarbeitet, die in dem Genre nicht unbedingt üblich bzw. zu erwarten sind.

Dieses dritte Buch empfand ich darob als das, was die Schwere der zu bewältigenden Probleme angeht, als das tiefschürfendste. Auch die Reaktionen der Betroffenen, die Bewältigung - oder Nichtbewältigung - und der Einfluß auf das Denken und Handeln der Figuren, das Ringen und Hadern mit Gott, waren äußerst glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben, so daß sich die Geschichte sehr folgerichtig bis hin zum Ende entwickelt hat. Dabei war es auch an düsteren Stellen niemals düster oder gar hoffnungslos geschrieben, so daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, bis ich am Ende wußte, wie sich alles auflösen und fügen würde. Der Stil ist gut lesbar, Figuren wie Orte konnte ich mir immer vorstellen, das vielzitierte Kopfkino sprang gleich bei den ersten gelesenen Sätzen an.

Schuld und Vergebung spielten schon in den Vorgängerbänden eine Rolle, was kein Wunder ist, da diese Thematik wohl jeden Menschen mehr oder weniger stark betrifft. Aber im Vergleich zu den beiden ersten Lighthouse-Bänden wurden Ursachen wie Wirkung hier am deutlichsten thematisiert, was dieses Buch für mich zum bisher besten der Reihe macht.

Am Ende ist diese Geschichte erzählt, und habe das Buch mit einem wohligen Gefühl geschlossen. Bleibt im Band vier nur noch Nathan, Marcis Bruder, und sein Schicksal übrig, bevor es endgültig Abschied nehmen heißt von den Leuten in der Lighthouse Lane.


Mein Fazit

Ernste Themen in einen guten Unterhaltungsroman unterzubringen, ist alles andere als leicht. Irene Hannon hat das im für meine Begriffe im bisher besten Buch der Lighthouse Lane-Reihe hervorragend gemeistert.

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49 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

science fiction, thriller, blake crouch, usa, gegenwartsliteratur

Dark Matter. Der Zeitenläufer

Blake Crouch , Klaus Berr
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.03.2017
ISBN 9783442205127
Genre: Romane

Rezension:

Aber am Ende ist das alles nichts anderes als das Leben selbst. Wenn man mittendrin steckt, erscheint es einem oft nur banal und alltäglich. Aber muss man nicht genau damit seinen Frieden machen? (Seite 379)

Meine Meinung

Was-wäre-wenn-Geschichten mag ich gerne, bieten sie doch oft Anregung, um über Gott, die Welt und das eigene Leben nachzudenken. Die meisten, die ich kenne, sind Filme und zählen entweder zu den christlich geprägten oder den Weihnachts- bzw. besser Winterfilmen. Insofern war ich sehr gespannt, wie ein Autor in einem Buch, das keinem dieser genannten Genres zuzurechnen ist, die Thematik angehen würde. Am Ende, das vorweg, bin ich damit nicht so ganz zufrieden. Aber der Reihe nach.

Das Ausgangsszenario ist mehr oder weniger klassisch: Jason Dessen ist mit seinem Leben eigentlich zufrieden und geht nur mal für eine Stunde weg - um jedoch nicht mehr zurückzukommen. Eine ganze Weile rätselt man als Leser genauso wie die Hauptfigur, war eigentlich passiert und in welcher seltsamen Welt er gelandet ist. Wo er anscheinend bekannt ist, nur daß er niemanden kennt. Auch seine Reaktion darauf kennt man, und es ist in so einer Situation wohl die einzig Mögliche: Desorientierung, Fluchtgedanken, der Wille nach Hause zurück zu kommen. Und ab da wird es dann ganz anders.

Langsam enthüllt sich, was eigentlich passiert ist, durch wen und weshalb. So unglaublich das klingt (nicht nur für den Protagonisten), so einleuchtend ist die Erklärung, die der Autor dafür gibt. Hier spielen Quantenphysik und manche Theorien über das Universum eine Rolle, die vom Blake Crouch jedoch so erklärt wurden, daß auch ich als ausgesprochener Nicht-Physiker dem gut folgen konnte, Hilfreich war da sicherlich, daß mir früher schon das Eine oder Andere der Thematik in (Sach-)Büchern begegnet ist und mir nicht alles neu war.

Es sei nun dahingestellt, inwieweit das in realiter wirklich so wäre bzw. ist, innerhalb des Romans - und das alleine ist für mich an dieser Stelle wichtig - funktionieren diese Theorien jedenfalls und ergeben ein sinnvolles Bild. Insofern bin ich mit dem Buch durchaus zufrieden und wurden meine Erwartungen erfüllt.

Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Verhältnis „Philosophie“ zu „Naturwissenschaft“. Von so einer Geschichte erwarte ich mir Denkanstöße, die Präsentation von verschiedenen „Leben“, zwischen denen sich der Protagonist entscheiden muß, die Infragestellung des bisher Gewesenen. Nun gibt der Autor zwar verschiedene Möglichkeiten, aber ich habe das Gefühl, diese wurden nur angerissen, nicht „durchdiskutiert“. Die Hauptfigur kam nicht zum Nachdenken über das eigene Leben, sondern wollte nur in das alte zurück. Bis hin zum Ende, das in einem regelrechten Showdown daherkam.

Für eine Was-wäre-wenn-Geschichte ist mir das in der Relation zu wenig. Die Möglichkeiten bzw. das Potential der Geschichte wurden für mich nicht ausgeschöpft. Die Auflösung empfand ich als rein thrillermäßig. Es bleibt ein Gefühl der Leere, der Unzufriedenheit zurück. Auch, weil brisante Themen wie die Skrupellosigkeit von Wissenschaft und Konzernen, wenn es um Macht, Profit und „Fortschritt“ geht zwar kurz angerissen, aber weiter nicht thematisiert werden.


Mein Fazit

Ein solider Unterhaltungsroman, in dem die Thriller- und Spannungsmomente die nachdenklichen deutlich überwiegen.

Eigentlich 3,5 Punkte, ergibt dann in diesem Fall abgerundet deren nur 3.

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familie, flüchtlinge, wählen, kultur, wahlen

Bürgerlich, christlich, sucht ...

Klaus Kelle
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 16.02.2017
ISBN 9783038481072
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der kleinste gemeinsame Nenner, der einen Staat zusammenhält, ist sein Versprechen, den Bürgern Schutz und Sicherheit vor Notlagen zu organisieren. Kann er das nicht einhalten, stellt sich irgendwann die Frage, wofür man ihn dann noch benötigt, diesen Staat. (Seite 154)

Meine Meinung

Das Buch macht es mir mit der Rezension ziemlich schwer, und zwar deshalb, weil es so gut war. Der Autor ist fast so alt wie ich und hat anscheinend - was die politische Denkweise betrifft - eine recht ähnliche Entwicklung wie ich auch durchgemacht. Dauernd war ich beim Lesen am Nicken und zustimmen „ja, genau so ist es“. Was, außer dem Hinweis, das Buch doch bitteschön selbst zu lesen, weil der Autor recht hat, bleibt da noch übrig?

"Ich habe meine wesentlichen Prinzipien in all diesen Jahren nicht verändert. Damit war die CDU immer meine eigentliche politische Heimat. Doch heute fühle ich mich heimatlos. Nicht, weil ich meinen Standpunkt geändert hätte, sondern andere ihren. Und sehr viele Menschen da draußen haben genau die gleiche Erfahrung gemacht wie ich." (S. 15) Stimmt, ich bin selbst einer der „vielen Menschen da draußen“. Aber wer traut sich angesichts des schier übermächtigen, alles nivellierenden Zeitgeistes, sich noch zu einem Standpunkt zu bekennen? Zumal zu einem konservativen im besten Sinne des Wortes?

Klaus Kelle tut dies dankenswerterweise - und es war äußerst wohltuend zu lesen, daß es „da draußen“ anscheinend doch noch andere Menschen gibt, die ähnlich denken und empfinden wie ich, die viele der derzeitigen Entwicklungen als falsch und irreführend ansehen und nicht alle Prinzipien den Erfordernissen des Zeitgeistes opfern.

In Kapiteln wie „Am Wahltag ist Zahltag“, „Familie bleibt die letzte Verteidigungslinie“, „Deutschland und seine Partner in der Welt“ oder „Der ‘Kampf gegen Rechts’ als Geschäftsmodell“ geht er kritisch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen ein. Er schreibt von der Blindheit und Voreingenommenheit gegenüber möglichen Gefahren (vgl. dazu auch die Berichterstattung der letzten Wochen in der Welt am Sonntag zum Behördenversagen im Fall Amri), oder darüber, daß der Antisemitismus in Deutschland "nicht nur nicht mehr geduldet, sondern nach deutschen Maßstäben drastisch bekämpft" wird. "Außer natürlich, wenn der Antisemitismus von Muslimen oder Politikern der Linken ausgeht. Dann wird die deutsche Staatsräson, sagen wir mal: ein wenig großzügig ausgelegt." (S. 120) Er belegt dies mit einigen Beispielen.

Das „christlich“ aus dem Titel taucht eigentlich nur in einem Kapitel („Stinkreich und ohne das Feuer des Glaubens“) auf. Und da hat endlich einmal einer das geschrieben, was schon lange geschrieben hätte werden müssen:
„Kein Mensch muss an einen Gott glauben. Keiner muss die Lehre von Jesus Christus ernst nehmen. Aber die, die es aus freiem Willen tun, können göttliche Vorgaben nicht einfach ignorieren, weil der Zeitgeist anders weht.“ (S. 207) Denn eine Kirche, die sich auf göttliche Lehre beruft, kann dieselbe nicht einfach nach Gutdünken (oder eben dem Zeitgeist) ändern. (Vgl. S. 207)

Alles in allem gesehen hat hier endlich ein Autor eine klare konservative Linie vertreten und auch begründet, warum in diesem Rechtsstaat irgendetwas schief läuft (vgl. S. 167). Ein für meine Begriffe notwendiges und schon lange überfälliges Buch. Oder anders: Das beste Sachbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe.


Mein Fazit

Eine schonungslose Analyse des heutigen Deutschland aus wertkonservativer Sicht.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, familie, insel, vergangenheit, jugend

Der Held von nebenan

Irene Hannon
Flexibler Einband: 310 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 28.08.2015
ISBN 9783867732444
Genre: Romane

Rezension:

Hätte ich nur.
Aber an der Vergangenheit ließ sich nichts mehr ändern. Sie konnten nur noch in die Zukunft schauen, und sie war dazu auf jeden Fall bereit.
(Seite 272)

Meine Meinung

Im Vorgängerroman „Gezeiten der Hoffnung“, dessen Kenntnis zum Verständnis dieses Buches allerdings nicht notwendig ist, wurde der Schauplatz Nantucket bereits eingeführt, so daß ich mich dort gleich wieder „heimisch“ fühlte. Diese Geschichte spielt nun zwei Häuser weiter als die vorige, erfindet sicher das Rad nicht neu und mag die eine oder andere Parallele aufweisen. Dennoch ist es ein eigenständiger Roman, dessen Hauptfiguren sich mit ganz anderen großen wie kleinen Problemen herumschlagen müssen.

Wobei nicht immer gleich ersichtlich ist, was denn die großen und was die kleinen Probleme sind. Justin Clay, oder J.C., wie er auch genannt wird, will abschalten, zur Ruhe kommen, die Geschehnisse des letzten Einsatzes verarbeiten. Die Insel bietet ihm genau die richtige Umgebung dazu, zumal sein dortiger Chef ein Kollege aus früheren Tagen ist. Bald wird aber deutlich, daß das nicht sein einziges Problem ist, denn sein Bruder sitzt im Gefängnis; trotz aller Kontaktversuche ist das Verhältnis gespannt. Überhaupt nicht in seinem Plan enthalten war schließlich die Bekanntschaft mit einer Frau wie Heather Anderson.

Diese wiederum hat selbst schwierige Familienverhältnisse sowie eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Eine neue kommt für sie nicht infrage - bis J. C. in das Nachbarhaus einzieht und sich sofort eine gewisse gegenseitige Anziehungskraft bemerkbar macht.

Sehr schön und nachvollziehbar wird - aus beider Sicht - beschrieben, wie sie sich gegen die unleugbare Anziehung zu wehren versuchen, was „natürlich“ immer wieder schief geht. Auch Edith Chester, die schon aus dem Vorgängerband als „Kupplerin“ bekannt ist, hat ihre Finger mit im Spiel, ist sie doch J. C.’s Vermieterin.

Spätestens, als Heathers dreizehnjähriger Neffe die Bühne betritt, wird deutlich, daß alle Beteiligten mit einigen Problemen mehr als nur den üblichen zu kämpfen haben. Die Fassade beginnt zu bröckeln und es wird immer deutlicher, daß die Zeit naht, sich den eigentlichen Fragen zu stellen. Es sind Themen wie falsche Entscheidungen, Schuld und Vergebung, welche hier eine Rolle spielen - also genau die Dinge, mit denen sich viele Menschen herumschlagen müssen.

Auch hier spielt der Glaube die zurückhaltende Rolle, die er in den „Gezeiten der Hoffnung“ hatte. Nicht alle sind gläubig, wollen etwas davon wissen oder gar missionieren. Er redete zwar nur über seinen Glauben, wenn er darauf angesprochen wurde, aber er praktizierte die Grundsätze dieses Glaubens. (Seite 220) Weder wird die Thematik groß in den Vordergrund gestellt noch wird sie, wie heute ansonsten weithin üblich, einfach verschwiegen. Es ist Teil des Lebens; beim einen mehr, beim anderen weniger. Wie es eben so ist.

Insgesamt gesehen habe ich auch dieses Buch als Wohlfühlbuch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, empfunden. Mit leichter Melancholie habe ich die letzte Seite gelesen, weil es nun unweigerlich heißt, sich von den liebgewordenen Figuren, die ich fast persönlich zu kennen meine, zu verabschieden. Da im dritten Band der Reihe allerdings J. C.’s Schwester eine Hauptrolle übernehmen wird, besteht durchaus die begründete Hoffnung, auch den Figuren aus diesem Roman wieder zu begegnen. Nicht zuletzt deshalb heißt es also bald zurückkehren nach Nantucket zu den Leuten aus der Lighthouse Lane.


Mein Fazit

Die Geschichten um die Leute aus der Lighthouse Lane gehen weiter - ein Wohlfühlbuch, das auch vor ernsteren Inhalten nicht Halt macht und den Leser am Ende ruhig und zufrieden in die Realität zurück entläßt.

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

jane austen, gesellschaft, liebe, england, mansfield park

Die jüngste Miss Ward

Joan Aiken
Fester Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.01.2000
ISBN 9783257062335
Genre: Historische Romane

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

liebe, vergangenheit, vergebung, glaube, freundschaft

Ein Brief für dich

Dorothea Morgenroth
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 27.02.2017
ISBN 9783957341907
Genre: Romane

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

christlicher roman, liebe, verlust, krankheit, glaube

Gezeiten der Hoffnung

Irene Hannon
Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 13.07.2015
ISBN 9783867732437
Genre: Romane

Rezension:

Wie kommt es eigentlich, dass es nie leicht ist, Herr? (Seite 106)

Meine Meinung

Amerikanische Kleinstädte im Allgemeinen und solche auf Inseln im Besonderen scheinen eine ganz eigene Anziehungskraft zu besitzen, sonst wären sie nicht immer wieder Schauplätze für Bücher, Bücherserien und Filme. Soweit ich sie kenne, verbinde ich damit eine eher kleinstädtisch-ländlich geprägte Kulisse und einen Menschenschlag, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Zu Beginn kommt meist jemand von außerhalb, mehr oder weniger problembeladen, entweder zufällig oder um einen neuen Anfang zu machen, der sich im Verlauf der Handlung integriert und seßhaft wird. Es geht also nicht um eine verzwickte Handlung mit vielen unerwarteten Wendungen und völliger Unvorhersehbarkeit des Endes, sondern der Weg ist das Ziel.

Das ist einerseits eine Art der Geschichtenerzählung, wie ich sie mag, weil sie andererseits sehr einem entspannten Lesegenuß förderlich ist. Und genau solches habe ich in diesem Buch gefunden. Das bedeutet nun nicht die Abwesenheit jeglicher Spannung oder Überraschung, aber eben in solch sinnvollen Grenzen, daß die Nerven nicht zum Zerreißen gespannt werden; nun, das würde ohnehin nicht zum Genre passen.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Stimmung und das Flair einer solchen Kleinstadt, die zudem auf einer Insel liegt, einzufangen. Zumindest soweit ich das beurteilen kann. Und obwohl ich mich mit dem Meer und allem, was damit zusammenhängt, eigentlich gar nicht anfreunden kann, hat sie es verstanden, Land und Leute so zu schildern, daß sogar ich als „Landratte“ mich dort vermutlich heimisch fühlen könnte.

Als ein weiteres großes Plus habe ich empfunden, daß - was im Genre des christlich geprägten Romans durchaus nicht immer anzutreffen ist - die Figuren auch in ihrer religiösen Einstellung bzw. der Häufigkeit, wie sie sich zu dem Thema - wenn überhaupt - Gedanken machen, sehr realitätsnah beschrieben wurden. Oft ist es ja so, daß „zufällig“ alle Hauptpersonen schwerwiegend religiös und kirchlich aktiv sind oder es im Verlauf der Handlung werden. Das dürfte oft ein Wunschdenken sein, welches im normalen Leben eher selten vorkommt. Hier im Buch ist das nicht so. Sicherlich gehen die meisten am Sonntag in die Kirche, beten in passenden Situationen, schreien dem Herrgott ein „meine Güte, warum das auch noch“ entgegen - und versuchen, mit ihrem Leben und so mancherlei widrigen Umständen und Belastungen aus der Vergangenheit so gut fertig zu werden, wie es eben möglich ist, ohne den Sinn für die Ansprüche und Möglichkeiten der Realität aus den Augen zu verlieren. Eben ganz so, wie das bei vielen Menschen im ganz normalen Leben auch ist. Mit anderen Worten: das Thema ist natürlicher Bestandteil des täglichen Lebens der Figuren, ohne daß es schamhaft verschwiegen wird (wie das heute meist üblich ist), aber auch ohne besondere Betonung darauf.

Dennoch ist es keine „einfach so dahinplätschernde“ Handlung, sondern im Verlauf des Buches wird deutlich, daß sowohl Kate als auch Craig mit schweren seelischen Belastungen und „Packen“ aus der Vergangenheit zu ringen haben, die ihr Denken und Handeln immer wieder beeinflussen und manches schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Sie müssen sich mit Schuld, Vergebung, mit dem Loslassen der Vergangenheit auseinandersetzen, wollen sie nicht im Laufe der Jahre innerlich aufgefressen werden. Sowohl die Ausgangssituationen als auch die Auseinandersetzung (und letztlich „Auflösung“) damit schien realistisch und war für mich nachvollziehbar.

Ein dickes Lob bei der Gelegenheit übrigens für den deutschen Verlag, der die Reihe vollständig veröffentlicht hat. Wieder einmal (nach dem Boas-Verlag mit der Cape-Refuge Serie von Terry Blackstock) ist es ausgerechnet ein kleinerer Verlag, der zeigt, daß es geht - der den Mut zur Vollständigkeit hat und nicht mitten in einer Reihe oder Trilogie abbricht.

Am Ende angekommen, ist diese Geschichte auserzählt. Allerdings bieten sich genügend Anknüpfungspunkte für weitere Romane in dieser Umgebung, die die Autorin auch genutzt hat. Glücklicherweise liegen bereits alle vier Bände in deutscher Sprache vor, so daß mein nächster Leseausflug nach Nantucket sicher nicht lange auf sich warten lassen wird.


Mein Fazit

Ein Wohlfühlbuch mit ernsten Untertönen. Der Einstieg in die Geschichten um die „Leute aus der Lighthouse Lane“ ist gelungen und macht neugierig auf die Folgebände.


4,5 Punkte ergibt aufgerundet deren 5

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer

Gabriele Hoffmann
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 20.10.2014
ISBN 9783458176176
Genre: Biografien

Rezension:

Bismarck war für sie alles, und sie ihm das Beste und Liebste im Leben. (Seite 115)

Meine Meinung

Er war neunundzwanzig Jahre alt, hatte beruflich alles probiert, was ihm als standesbewusstem Adeligen möglich war, und sah keinen Weg mehr, sein Leben zu ändern. (Seite 39) Wer käme darauf, daß dieser Satz auf den Eisernen Kanzler gemünzt ist? Denn mit bekannten Menschen ist es ein gar seltsam Ding: man kennt sie in meist vorgerücktem Alter und stellt sie sich immer so vor. Aber auch sie waren einmal jung und ganz anders, als die Vorstellung sie erscheinen läßt. Kommt man dann mit dieser anderen Seite in Berührung, mag das bisweilen wie eine Art „Denkmalschändung“ erscheinen. Dabei ist es alles andere als das.

Denn ein Mensch wird zu dem, was er ist, (auch) durch die Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat; die Kenntnis eben dieses Lebens vermag zu einem besseren Verständnis führen und manches, was unerklärlich schien, wird plötzlich (glas-)klar. Und vielleicht wird aus einem „Gotthelden“ auf ein Mal ein Mensch aus Fleisch und Blut, selbst wenn er schon lange verblichen ist und „nur“ noch sein Andenken fortlebt. Und die Folgen seiner Handlungen. Und die „Folgen der Handlungen“ Bismarcks wirken bis heute fort.

Mein Interesse für Bismarck wurde durch den gerade gelesenen Roman „ Der Jahrhundertsturm“ geweckt. Da mich nun zunächst eher der Mensch denn der Politiker interessierte, schien mir dieses Buch eine gute Wahl zu sein.

Es war eine sehr gute Wahl.

Johanna von Puttkamer erschien im „Jahrhundertsturm“ eher als, überspitzt ausgedrückt, „zweite Wahl“ und vor allem sehr unscheinbar. Wenn man dieses Buch hier gelesen hat weiß man, daß diese Einschätzung in jeder Hinsicht nicht zutrifft. Bismarck hat sich sehr bewußt für eben diese Frau entschieden (und diese für ihn). Auf Grund ihrer pietistischen Herkunft mag sie vielen Zeitgenossen als „unscheinbar“ erschienen sein, wenn man aber die Darstellung von Gabriele Hoffmann liest, wird bald klar, daß dies ein Vorurteil ist.

Beginnend mit der Jugend begleiten wir Bismarck und seine (spätere) Frau bis ins hohe Alter und zu ihrem Tod, hören wir vom „Wilden Junker“, wie er in jungen Jahren verschrien war, seiner Brautwerbung und Heirat, seinem „Seßhaftwerden“ und seiner politischen Karriere bis hin zu deren Ende und den letzten Jahren im Ruhestand. Auf rund dreihundertfünfzig Seiten das Leben zweier Menschen zu beschreiben, ist eine mitunter durchaus schwierige Aufgabe, welche die Autorin in hervorragender Weise gemeistert hat. Allein die vielen auftretenden Personen haben mich mitunter etwas in Verwirrung gestürzt, ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen - und das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt an dem Buch.

In meinem Kopf ist beim Lesen das Bild eines Mannes entstanden, der seine Ecken und Kanten hatte, mit dem oft gewißlich nicht leicht umzugehen war, der mit zunehmendem Alter an Krankheiten litt, dem weder Telefon noch Fax und schon gar keine Computer oder gar Smartphones zur Verfügung standen - und der trotzdem (oder deswegen?) eine politische Leistung vollbrachte, die bis heute ihresgleichen sucht. Zunehmend öfter habe ich mich gefragt, wie er - zumal mit den Mitteln seiner Zeit - dies alles bewältigen konnte.

Eine Hilfe dabei war ihm immer wieder seine Frau, die vielleicht mehr zum Erfolg beigetragen hat, als weithin angenommen wird. Daß es in den langen Ehejahren auch schwierige Zeiten gab, die überwunden werden mußten, versteht sich dabei von selbst. Immer wieder mußte das (eheliche) Gleichgewicht neu austariert, mußte das Verhältnis zueinander auf eine tragfähige Grundlage gestellt werden, um den Ansprüchen des Lebens zu genügen. Langjährige Ehepaare werden das aus eigener Erfahrung kennen und wissen.

Wenig erfährt man heute allgemein darüber, daß Bismarck zu seiner Zeit nicht nur Bewunderer, sondern auch Gegner und Feinde hatte. Auch dieses wird im Buch deutlich, desgleichen die Auswirkungen auf seine Gesundheit und Ehe. Die Namen all derer, die Bismarck später stürzten und ihm hinterher aus Rache- und Machtgelüsten das Leben schwer machten, ihn verleumdeten, Intrigen sponnen, sind dem allgemeinen Gedächtnis weithin entschwunden - oder negativ behaftet, wie etwa der von Kaiser Wilhelm II. Geblieben ist die Erinnerung und das Lebenswerk des ersten Kanzlers des Deutschen Reiches, welches - wie dieses Buch deutlich macht - ohne die Unterstützung seiner Frau so wohl nie zustande gekommen wäre. Auch, oder gerade, obwohl Bismarck sehr dem Rollenverhältnis bzw. -verständnis des 19. Jahrhunderts verhaftet war, was ein umso helleres Licht auf Johanna von Puttkamer wirft.

Selten habe ich, und in einem Sachbuch schon gar nicht, ohne jeglichen Kitsch und dennoch - oder gerade deshalb - so ungemein ergreifend über die Abschiedsgedanken eines Menschen gelesen, der nur noch das Ende erwartet; oder etwa den Tod eines Menschen, wie hier über das „Verlöschen“ der Fürstin von Bismarck.

Ein Buch, das - laut Nachwort - für ein breites Publikum gedacht ist. Ein Buch, dem ich weite Verbreitung und vor allem viel gelesen werden wünsche. Ein Buch, von dem ich sicher bin, daß ich - obwohl gerade mal eineinhalb Monate des Jahres vergangen sind - eines meiner Jahreshighlights gelesen habe.


Mein Fazit

„Die Geschichte einer großen Liebe“ lautet der Untertitel, und genau das bietet die Autorin. Der Politiker Bismarck wird vom Denkmalpodest geholt und als (Familien-)Mensch Bismarck beschrieben. Überaus lesenswert.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Königlich Preussischen Staatseisenbahnen. ihre Geschichte, Lokomotiven und Wagen in Wort u. Bild.

Albert Sauter
Geheftet: 70 Seiten
Erschienen bei Franckh'sche Verlagshandlung, Frankfurt, 01.01.1974
ISBN 9783440040010
Genre: Sonstiges

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The Youngest Miss Ward

Joan Aiken
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei St Martins Pr, 01.12.1998
ISBN 9780312193751
Genre: Sonstiges

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(58)

101 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

dübell, historisch, luftfahrt, fliegen, zeppelin

Der Jahrhunderttraum

Richard Dübell
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288277
Genre: Historische Romane

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170 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

bismarck, deutschland, eisenbahn, historischer roman, preußen

Der Jahrhundertsturm

Richard Dübell
Flexibler Einband: 1.056 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.02.2015
ISBN 9783548286648
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wir werden eher erleben, daß ein Telegramm einen Krieg auslöst als einen beendet, das versichere ich Ihnen. (Seite 709)

Meine Meinung

Einen langen Zeitraum umfaßt dieses Buch und das Gefühl, es seien seit Handlungsbeginn viele Jahre verflossen, stellte sich mehr und mehr ein, womit angedeutet ist, daß Form und Inhalt sich durchaus entsprechen. Wenn man zudem bedenkt, was in der Zeit zwischen Anfang und Ende (zwischen ca. 1840 und 1871) des Buches alles geschehen ist, wird einem klar, daß der Autor in der Tat (wie er im Nachwort schreibt) vieles weglassen mußte - und der Roman dennoch rund tausend Seiten umfaßt. Trotz des langen Zeitraumes und mancher Zeitsprünge empfand ich das Buch wie aus einem Guß, nie schien es mir, als ob etwas fehlen würde.

Der Autor versteht es hervorragend eine Welt im Umbruch lebendig werden zu lassen, indem er seine Figuren an die Brennpunkte schickt, an denen - wie wir heute wissen - sich entscheidende Momente der Geschichte befinden. Das ist ziemlich zu Beginn die Begegnung mit dem „Adler“ - der ersten Lokomotive in Deutschland. Zu dem Zeitpunkt ist sie etwa fünf Jahre alt und Entwicklung wie Verbreitung der Eisenbahn stehen noch ganz am Anfang. Welch ein Unterschied zum Ende des Buches, als es bereits ein weitverzweigtes Eisenbahnnetz gab!

Das Buch ist gut lesbar geschrieben, die Balance zwischen Beschreibung und Handlung empfand ich als sehr ausgewogen und genau richtig. Figuren wie Orte konnte ich mir gut vorstellen, durch den flüssigen Stil war ich nach einer Lesepause immer schnell in der Geschichte drin, ohne daß ich lange überlegen mußte, was denn bisher geschehen ist.

Als „alter Eisenbahnnarr“ hat mich natürlich deren „Separatgeschichte“ innerhalb des Buches besonders interessiert. Auch in dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht, läßt der Autor doch quasi nebenbei die Umstände des Eisenbahnbaus mit in die Geschichte einfließen. Soll heute eine Bahnstrecke neu gebaut werden, so ist das ein Unterfangen von vielen Jahren, bis alleine die Planung so weit abgeschlossen ist, daß mit dem Bau begonnen werden kann. Denn kaum tauchen Gerüchte über eine Neubaustrecke auf, formiert sich auch schon Widerstand dagegen. Wäre das damals bereits so gewesen, die Eisenbahn wäre vermutlich schon in ihren ersten Jahren mit Pauken und Trompeten gescheitert und zur Randnotiz der Geschichte geworden. So aber wurden ohne viel Federlesens die Strecken geplant und gebaut, eine „Bürgerbeteiligung“ gab es nicht. Es versteht sich, daß es dabei auch zu eher unschönen Szenen und Entwicklungen kam.

Immer wieder ein Thema ist auch die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ und die gegenseitigen Animositäten. Wenn ich die im Buch geschilderten gegenseitigen Vorurteile mit den heutigen gegenüber Ausländern vergleiche, so hat sich eigentlich in den letzten einhundertfünfzig nicht viel verändert.

Ein Handlungsstrang, der mir nicht so zusagte und den ich am Ende denn doch als zu lang empfand, war der um Pauls Schwester Lily. Diese fühlt sich von ihm um ihr Erbe und um Anerkennung betrogen und trachtet ihm darob das ganze Buch hindurch nach dem Leben. Das, in Verbindung mit einer weiteren Motivation, die ich hier nicht spoilern möchte, brachte zwar ein Element der Spannung und des Abenteuers mit in das Buch, aber letztlich war mir das, vor allem gegen Ende hin, doch zu viel. Da hätte ich mir gewünscht, daß dieser Handlungsstrang deutlich früher zu einem Ende geführt worden wäre.

Etwas irritierend scheint mir auch die Selbstverständlichkeit des Dreiecksverhältnisses zwischen Alvin, Louise und Paul, vor allem auch im Hinblick darauf, daß Alvin preußischer Offizier war. Ob da nicht eher die Einstellung des 21. denn die des 19. Jahrhunderts durchkommt?

Besonders gelungen fand ich, daß Otto Fürst von Bismarck immer wieder auftauchte. Alvin lernte ihn in der Jugend kennen, wodurch sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte. Dabei kommt Bismarck, was seinen Charakter betrifft, nicht immer gut weg. Dennoch (ob der Autor wohl solches im Sinne hatte?) wurde er mir im Verlauf des Buches immer sympathischer und mein Respekt vor seiner Leistung wuchs. Momentan lese ich ein Buch über Bismarck und muß manchmal lächeln, wie gut Dübell so manches Ereignis in seinen Roman mit verwoben hat. Nur beim geschilderten Verhältnis zu seiner Frau Johanna bin ich mir nicht so sicher, ob das bzw. Frau von Bismarck selbst im Roman zutreffend dargestellt wurden. Die Schilderung von Gabriele Hoffmann in „Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer“ des Verhältnisses der beiden zueinander scheint mir doch eine andere zu sein. Für den Roman ist das allerdings eher weniger wichtig.

Alles in allem bereitete mir das Buch viele, bisweilen vergnügliche, streckenweise lehrhafte, immer aber unterhaltsame Stunden. Ich habe die Figuren gerne durch die Jahrzehnte begleitet und dabei auch so manches über das Vorbild meines Hobbys - die Eisenbahn - erfahren. Ein, bis auf die genannten Kritikpunkte, rundum gelungenes Buch, das ich vermutlich irgendwann wieder lesen werde.


Mein Fazit


Ein herausragendes Leseerlebnis, das mir „mein“ Jahrhundert, das Neunzehnte, in fast nicht gekannter Weise zum Leben erweckte, Zusammenhänge offenbarte, die mir bisher verborgen geblieben waren und mich (wieder) angeregt hat, mich mehr mit dieser Zeit und vor allem Otto Fürst von Bismarck zu beschäftigen.

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glaube, liebe, vergangenheit, christlicher roman, freundschaft

Unter dem Sternenhimmel

Elisabeth Büchle
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341358
Genre: Romane

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Waverley oder 's sechzig Jahre her

Walter Scott
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei DTV, 01.08.1982
ISBN 9783423021050
Genre: Historische Romane

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lüge, wahrheit

Wahrheit und Wandlung

Vishal Mangalwadi
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 21.09.2016
ISBN 9783038480938
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Kreuz ist die Macht, Prinzipien über die Macht zu stellen.  (Seite 299)


Meine Meinung

Es erscheint bis zu einem gewissen Grade verwunderlich, daß es ausgerechnet ein indischer Theologe ist, der der westlichen Gesellschaft den Spiegel vorhält und aufzeigt, wo bzw. wie es eigentlich lang gehen sollte. Andererseits ist das wiederum überhaupt nicht verwunderlich, denn Magalwadi hat, ohne jegliche „Betriebsblindheit“, den Blick von außen. Und das wird immer wieder deutlich, wenn er den direkten Vergleich zur nichtchristlichen Umgebung in Indien zieht, aus der er stammt. Oder wenn er von seinen Reisen nach Europa oder den USA und seinen Erlebnissen dabei erzählt. Beispielsweise seiner Verwunderung darüber, wie er in den Niederlanden in einen Milchverkaufsraum eines Bauernhofes kam, in dem nirgendwo ein Verkäufer zu sehen war. Man füllte sich die Milch in ein mitgebrachtes Gefäß und legte das Geld in eine dafür vorgesehene Schale. Zuhause in Indien ginge das nicht, da würden die „Kunden“ sowohl die Milch als auch das Geld mitnehmen. (Der Ägypter, dem er diese Geschichte einige Jahre später erzählte, gab zur Antwort: „Wir sind noch schlauer als die Inder, wir würden die Milch, das Geld und die Kühe mitnehmen.“, vgl. S. 25)

Nicht nur mit diesem Beispiel zeigt Mangalwadi auf, wie sehr das Christentum einmal in der westlichen Gesellschaft verwurzelt war bzw., wenn oft unbewußt, noch ist. Denn hier gibt es beispielsweise das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ - in Indien oder anderen nichtchristlichen Ländern jedoch nicht. Immer wieder zieht er Vergleiche zwischen der westlichen, vom christlichen Gedankengut geprägten, Gesellschaft und der indischen, in welcher der Hinduismus die bestimmende Auffassung ist. Indem er die Zehn Gebote quasi „durchdekliniert“ und aufzeigt, was diese für die Entwicklung einer Gesellschaft bedeuten, stellt er dar, daß unsere heutige Gesellschaftsordnung so geworden ist, eben weil sie eine christliche Grundlage hat.

Ein Anliegen ist es ihm aufzuzeigen, was passiert, wenn solche Grundsätze nicht beachtet werden, keine Gültigkeit haben: es führt zu Korruption. Diesen Begriff definiert er sehr weit. Um bei dem Beispiel mit der Milch zu bleiben: wären die Menschen nicht ehrlich, müßte der Bauer jemanden für den Verkaufsraum einstellen, was natürlich Lohnkosten verursachen würde, die letztlich die Kunden bezahlen müßten, denn die Preise würden entsprechend steigen. Dieser Verkäufer würde dann natürlich auch kontrolliert werden müssen, was wiederum Kosten verursacht, die die Preise nach oben treiben. Was hier für das „Kleine“ beschrieben wurde, gilt auch für das „Große“ mit, wenn man sich das durchdenkt, gewaltigen Auswirkungen.

Ein weiteres ist es aufzurütteln, daran zu erinnern, wie explosiv die Botschaft Jesu zu seiner Zeit war - und genau genommen auch heute noch ist. Sie war für die Mächtigen immerhin so gefährlich, daß sie Jesus hinrichteten. Jesus wußte um diese Sprengkraft, nicht umsonst heißt es mehrfach im Evangelium „nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“. Und Letzteres gilt auch heute noch. Indem Mangalwadi die Brisanz der Verkündigung Jesu zu seiner Zeit aufzeigt, wird deutlich, daß von dieser Brisanz bis heute nichts verloren gegangen ist.

Jesus kam als der Sohn Gottes. Als solcher hat er einen universalen Anspruch, vor allem aber ist jeder Mensch - und jeder „Kaiser“ - ihm Rechenschaft schuldig. Denn wenn er der Sohn Gottes ist, steht er über der Welt - damals wie heute. „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“ (Mt 22.21) Mangalwadi fordert dazu auf, stets auf neue zu prüfen, was in welche Kategorie gehört - und dann entsprechend zu handeln. Und sich dabei bewußt zu sein, daß das auch heute noch Folgen zeitigen kann. Nicht umsonst ist das Christentum immer noch die am meisten verfolgte Religion.


In einer Gesellschaft, die Gott nicht fürchtet, besteht der einzige Weg, Gerechtigkeit herzustellen, darin, alle unter ständige Beobachtung zu stellen. Über die früheren Generationen wachte Gott; die gottlosen Generationen werden einen Big Brother brauchen, der über sie wacht. (S. 162)

Das Buch ist ein Weckruf, sich mit der Aktualität der Botschaft Jesu zu beschäftigen, den Tanz um das Goldene Kalb aufzugeben und das Leben (wieder) an den Geboten Gottes auszurichten.


Mein Fazit

Ein eindrucksvolles und überzeugendes Plädoyer für eine christlich geprägte Gesellschaft und die Aufforderung dazu, „sein Kreuz aufzunehmen und Jesus nachzufolgen“. Auch unter den Bedingungen der heutigen Zeit.

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waidbach, st. petersburg, wolga, 1800

Weiter Himmel, wilder Fluss

Martina Sahler
Fester Einband: 335 Seiten
Erschienen bei Weltbild, 01.01.2016
ISBN 9783955694708
Genre: Sonstiges

Rezension:

Alles, alles zerstört der Krieg. Die Beziehungen unter den Menschen, den Glauben an Gerechtigkeit, die Menschlichkeit ... Alles verliert an Bedeutung: Tapferkeit, Ruhm, Ehre. (Seite 231)

Meine Meinung


Scheinbar unendlich lange ist es her, daß sich im fernen Büdingen ein Treck mit Auswanderen gen Russland in Bewegung setzte. Die wir in ihrer Jugend kennengelernt haben, sind nun um die fünfzig und darüber; die nächste - und teils übernächste - Generation wächst heran. Manches, was am Ende des vorherigen Bandes so überaus gut ausgesehen hat, entwickelte sich völlig anders - das Leben hat seinen Tribut gefordert. Als ob das nicht genug wäre, beginnt die Weltpolitik bis ins entlegene Waidbach ihre Auswirkungen zu zeitigen.

Bezieht man die beiden Vorgängerbände mit ein, sind es ein langer Zeitraum und ein weiter Weg, über die man die Figuren begleitet hat. Angesichts dessen, daß dies der Abschluß der Trilogie ist, hatte sich eine gewisse Melancholie bemerkbar gemacht, denn wenn dieses Buch weitere dreizehn Jahre später zu Ende gehen wird, ist absehbar, daß man nicht alle wird in ihr weiteres Leben entlassen können; es dürften einige Gräber entlang des Weges zurück bleiben.

Es wird immer wieder Bezug auf frühere Vorkommnisse genommen, diese aber im Kontext so weit erklärt, daß „Weiter Himmel, wilder Fluss“ auch ohne die Kenntnis der ersten beiden Bücher verständlich ist. Aber natürlich hat man mehr von der Geschichte, wenn man die bisherigen Geschehnisse präsent hat und die vollständigen Hintergründe kennt. Dabei ist es der Autorin mehrfach gelungen, mich zu überraschen.

Am Ende von „Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht“ hat man so seine Vorstellungen und Wünsche, wie es in der Kolonie weitergehen wird oder sollte. Aber vierzehn Jahre sind eine lange Zeit, nicht immer entwickelt sich etwas so, wie es ursprünglich aussieht. Schon der Blick in das dankenswerterweise wieder vorhandene Personenverzeichnis offenbart das. Ich bin mir nicht sicher, wer mich da am meisten überrascht hat; Frannek hat jedenfalls gute Aussichten auf Platz eins in dieser Liste.

Irritiert hat mich die Autorin, als unvermittelt der Blick zurück nach Deutschland ging und Christian aus Ellwangen eingeführt wurde. Mit ihm und aus seiner Sicht erleben wir Feldzüge Napoleons und schließlich den Einmarsch nach Russland. Zwar hatte ich eine Vermutung, weshalb er in die Handlung eingeführt wurde, jedoch hat mich auch hier die Autorin (positiv) überrascht und die über weite Strecken getrennt verlaufenden Handlungsfäden schließlich geschickt verknüpft.

Auch, wenn es nicht ausbleibt, daß Kriegshandlungen beschrieben werden, so empfand ich deren Schilderung, trotz der furchtbaren Dinge, die auf den Schlachtfeldern geschahen, erträglich. Wie schon so oft, wird es emotional am stärksten abseits der Kämpfe, wenn es gilt, den normalen Alltag, das Leben an sich zu meistern. Und mit den Geschehnissen zurecht zu kommen. Irgendwie.

Je weiter das Buch voran schreitet, je mehr Gräber bleiben naturgemäß am Rande des Weges zurück; immer wieder heißt es Abschied nehmen. Aber auch Neues zeichnet sich ab; das Leben geht weiter, die künftigen Generationen wollen zu ihrem Recht kommen. Als das Buch dann ausklingt, ist vieles anders gekommen, als die Figuren - und auch die Leser - erwartet haben.
Kriege kamen, Kriege gingen, Zaren und Kaiser rangen um die Macht. Menschen starben. Menschen wurden geboren. Die eine Liebe erstarb, die andere erblühte.
Zu irgendeinem Zeitpunkt musste sich wohl jeder die Frage stellen, was im Leben wirklich zählte.
(S. 332f)
Es ist diese Grundfrage, die immer wieder auftaucht, die sich viele der Figuren stellen und immer wieder neu beantworten mußten. Die Frage, die sich letztlich auch an die Leser richtet. Um irgendwann sagen zu können: Es ist Zeit zu gehen. Seid nicht traurig, seid dankbar für die Zeit, die wir miteinander hatten. (S. 219)

Mein Fazit

Das Buch erzählt die Geschicke der Waidbacher durch die Jahre der Napoleonischen Kriege hindurch fort. Der für mich stärkste und emotionalste Band der Trilogie.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

weihnachten, bethlehem, hirten, anam, suche

Das Gebet der Hirten: Eine Weihnachtserzählung.

Richard M. Barry
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341365
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es war, als hätte er gerade eine Verabredung mit seinem Schicksal getroffen. (Seite 51)

Meine Meinung


Es war die Leseprobe, die mich dazu verleitet hat, das Buch lesen zu wollen, denn es schien etwas aus der Reihe des Üblichen zu fallen, was sich dann bestätigt hat. Die Ereignisse der Weihnachtsnacht werden hier aus einem ganz anderen, ungewohnten, Blickwinkel erzählt, der vor allem die Dramatik der Geburt Jesu zur Geltung bringt. Denn die Erzählung beginnt mit dem durch Herodes veranlaßten Kindermord in Bethlehem (vgl. Mt 2,16-18). Recht bald wird klar, daß Anam diese Mordserie überlebt hat, von seiner Herkunft so gut wie nichts bekannt ist und er nun wissen möchte, wer er eigentlich ist und wer seine Eltern waren.

So macht er sich auf den Weg nach Betlehem, um dort auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung zu stoßen. Wie oft habe ich die Geschichte der ermordeten Kinder schon gehört, aber wer macht sich schon mehr Gedanken darüber; vor allem, was das für die betroffenen Familien bedeutet hat. Gerade dies wird hier deutlich, denn auch runde dreißig Jahre nach den Ereignissen ist das in Betlehem nicht vergessen. Der Schmerz sitzt tief; wer daran rührt, muß sich auf enormen Gegenwind einstellen. Erst dieses Buch hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, was für ein Leid sich hinter den paar wenigen Versen im Matthäus-Evangelium verbirgt; es ist ein Verdienst des Autors, dieses bewußt zu machen.

Aber es gibt noch ein zweites, was Barry wichtig ist. Die Hirten waren die ersten, die dem neugeborenen Heiland huldigten; aber auch sie erhalten nur wenige Zeilen in den Evangelien. Der Autor gibt ihnen deutlich mehr Raum, spinnt fort, wie dieses einschneidende Erlebnis der Erscheinung der Engel das Leben dieser Hirten verändert und beeinflußt haben mag und ob sie wohl runde dreißig Jahre später immer noch an jene Nacht denken.

Insgesamt entwickelt Barry seine Geschichte sehr folgerichtig und glaubwürdig. Anam ist eine fiktive Figur, aber die Menschen, denen er auf seiner Suche begegnet (Einwohner Bethlehems, Hirten) könnten seinerzeit durchaus genau so gedacht und reagiert haben wie hier beschrieben, so daß die Erzählung eine gute Ergänzung zu den Evangelienberichten ist.


Mein Fazit

Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Hirten und Einwohner Bethlehems - eine andere Sicht auf eine bekannte Erzählung.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

leserunde, sachbuch;, friedefürst, israel, christlich

Das Prinzip des Terrors

Tass Saada , Christian Rendel , Dean Merrill
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 01.09.2016
ISBN 9783038480945
Genre: Sachbücher

Rezension:

In einem System von Auge um Auge, Zahn um Zahn ist am Ende die ganze Welt blind und zahnlos. (Mahatma Gandhi, Seite 170)

Meine Meinung

Was ist das Prinzip des Terrors, so der denn überhaupt eines hat? Wie „ticken“ diese Verbrecher, was treibt sie an, warum tun sie das? Es sind solche Fragen, die sicherlich nicht nur mich immer wieder beschäftigen. Ein ehemaliger Scharfschütze Arafats schien mir Antwort auf solche Fragen geben zu können, weswegen ich das Buch gelesen habe. Nun, ein paar Tage nach Beendigung, bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von dem Buch halten soll. Denn meine Erwartungen wurden nur zum Teil erfüllt.

Ich war auf ein eher sachliches Buch über Hintergründe und Motive der Terroristen eingestellt, angereichert mit einigen Gedanken, wie der Terrorismus zu überwinden ist. So begann das Buch auch, jedoch wurde es nach rund einem Drittel zusehends theologischer. Das ist, bitte mich nicht falsch zu verstehen, weder schlecht noch verkehrt, nur hatte ich das nicht erwartet. Und war auf Grund des Rückentextes so auch nicht zu erwarten. Das Buch wurde insoweit der Ankündigung nicht gerecht.

Denn den größten Teil des Buches nutzt der Autor, aus seinem Leben zu berichten, seiner Tätigkeit in einem Kinderhort in Jericho für christliche, jüdische und muslimische Kinder zu erzählen und zu argumentieren, das beste Mittel gegen den Terrorismus wäre, die Moslems zum Christentum zu bekehren. Das mag wohl so sein, hat in einem Sachbuch (und als solches war es angekündigt) für meine Begriffe jedoch eher wenig zu suchen und ist unter den gegebenen Umständen kaum mehr als ein frommer Wunschtraum, der sich nicht realisieren läßt.

Sehr gut gefallen hat mir allerdings im ersten Teil die Analyse „Wie Terroristen denken“. Hier vermochte Saada durchaus neue Einsichten und tieferes Wissen zu vermitteln. Vieles wurde mir dadurch verständlicher, auch wenn ich für vieles dennoch kein Verständnis aufbringen kann. Dieser Teil war sehr lesenswert und konnte bei mir Pluspunkte sammeln.

Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits bot Saada im ersten Teil gute Information und Einsichten in ein mir teils völlig fremdes Denken, andererseits argumentierte er im Weiteren rein theologisch mit einem Hang zum Missionieren. Hätte ich das Buch allerdings als ein theologisches bekommen und gelesen, hätte ich diesen Teil vermutlich interessant befunden; nicht immer gleicher Meinung mit dem Autor, aber eine gute Grundlage für eine Diskussion und weitere Beschäftigung mit dem Thema.


Mein Fazit

Eine gute Analyse mit Hintergrundinformationen, wie Terroristen ticken im ersten Teil wird gefolgt von einer mehr theologischen Darstellung des Themas, die eher für eine theologische denn für eine Sachdiskussion Argumente und Denkanstöße bietet.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

februar, russlanddeutsche, 2016

Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht

Martina Sahler
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Weltbild, 01.01.2014
ISBN 9783863659943
Genre: Sonstiges

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42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

sturmzeit, familiengeheimnis, südstaaten, meacham

Sturmtage

Leila Meacham , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.09.2016
ISBN 9783442205172
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schau dir das Holz genau an, bevor du’s kaufst, sonst kracht dir das Haus, das du daraus baust, eines Nachts über dem Kopf zusammen. (Seite 141)

Meine Meinung

Das Buch ausgelesen, zufrieden zugeklappt, jetzt nur noch die Rezension. Das „nur noch“ entpuppt sich jedoch als einigermaßen schwierig, denn so recht fällt mir aus dem Stegreif nichts ein, was ich schreiben könnte oder sollte. Was vermutlich damit zusammen hängt, daß ich das Buch als sehr stromlinienförmig und glattgebügelt empfunden habe. Alles entwickelt sich folgerichtig, an einigen Stellen helfen Zufälle nach, die aber, wenn ich es recht bedenke, auch im realen Leben durchaus wahrscheinlich gewesen wären, also eher in die Rubrik „Schicksal“ denn „Zufall“ gehören. Was bleibt dann eigentlich am Ende noch übrig als die Bemerkung „habe ich gerne gelesen, hat mir gut gefallen“?

Meine Lieblings-Filmproduktionsfirma ist Hallmark, und an einen Hallmark-Film erinnert mich dieses Buch, was jetzt durchaus positiv zu verstehen ist. Aber so ein Hallmark-Film ist meistens rundum rund, ohne viele Ecken und Kanten, ohne Angriffspunkte für große Diskussionen. Und genau so ergeht es mir mit dem Buch. Ich habe es gerne gelesen, es entwickelte einen deutlichen Sog, ich empfand es als gute Unterhaltung. Aber die „Angriffsflächen“, die Höhen und Tiefen, an denen man ansetzen könnte, fehlen irgendwie.

Dabei hat die Autorin ein wirklich interessantes Szenario entworfen, das so manche Assoziationen bei mir hervorrief. Der Ölfund auf einer Ranch erinnerte mich entfernt an das doch eigentlich so ganz andere „Giganten“ von Edna Ferber. Die Arbeit und die Umstände auf der Ranch ließen mich an James A. Micheners „Colorado Saga“ denken. Obwohl in einen anderen Bundesstaat angesiedelt, sind die Probleme doch recht ähnlich.

Der Prolog scheint zunächst in der Luft zu hängen, doch recht bald wird klar, welche beiden Zwillingskinder da gemeint sind. Es ist interessant, deren verschiedenen Lebenswege zu verfolgen bis hin zum ersten Zusammentreffen und den sich ergebenden Folgen. Allerdings läßt der Klappentext des Buches die Gedanken eher in eine falsche Richtung wandern.

Die Figuren konnte ich mir gut vorstellen, ihre Denk- und Handlungsweisen nachvollziehen, meistens jedenfalls. Millicent, die Mutter der Zwillinge, gehörte jedenfalls nicht zu denen, die ich verstehen konnte oder wollte.

Hervorheben möchte ich, daß die Autorin den „Galveston Hurrikan“ von 1900 in die Handlung eingebaut hat. Dieser Hurrikan galt über Jahrzehnte hinweg als der schlimmste des 20. Jahrhunderts; die texanische Küstenstadt Galveston wurde nahezu völlig zerstört, es gab ungefähr 8.000 Tote zu beklagen. Davon ist im Buch, das landeinwärts spielt, naturgemäß nur am Rande zu lesen, aber die Folgen waren auch auf den Ranchen im Landesinneren verheerend, und das wird mehr als deutlich. Dieses furchtbare historische Naturereignis wurde von der Autorin sehr überzeugend mit der Buchgeschichte verwoben.

Am Ende sind alle Verwicklungen auf- und alle Rätsel gelöst, allerdings hätte ich mir einige Szenen etwas ausführlicher gewünscht und zumindest eine überhaupt im Buch beschrieben. Wenn es im die meiste Zeit über um teils schwierige Verwandtschaftsbeziehungen geht, das ganze Buch darauf und die Auflösung derselben ausgelegt ist, und dann erfährt man zwar von den entscheidenden Gesprächen, aber selbst werden diese nicht geschildert, so empfand ich das als eine Lücke im Buch. Ob das Kürzungen (schon beim Originalverlag) zum Opfer gefallen ist?

Insgesamt jedoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Es hat mich gut unterhalten und ich werde mir sicherlich auch die weiteren Bücher der Autorin zu Gemüte führen, denn so, wie sie schreibt, ist das für mich die exakt richtige Mischung zwischen Spannung und Entspannung, Handlung und Beschreibung.


Mein Fazit

Ein solider Unterhaltungsroman aus dem Texas der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts, der mir einige Stunden Lesevergnügen bereitet hat.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

fabian vogt, zeitreisender, uhr, reise in die vergangenheit, science fictio

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Fabian Vogt
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 15.08.2016
ISBN 9783865068958
Genre: Romane

Rezension:

Sicher ist nur: Ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht. Aber wer hat das schon. (Seite 64)

Meine Meinung

Unter einem Science Fiction Roman stelle ich mir eigentlich etwas ganz anderes vor, denn hier geht es nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Aber eine Zeitreise ist nun Mal Science Fiction, und wird das auch bleiben, gleichgültig, in welche Richtung sie führt. Vor allem in dieser völlig ungewöhnlichen Form, wie sie der Autor in seinem Roman beschreibt.

Denn zumindest mir ist die Idee, jeden Morgen zwar am nächsten Kalendertag, jedoch jeweils ein Jahr früher aufzuwachen, noch nirgends begegnet. Naturgemäß habe ich beim Lesen immer auf Löcher im Plot oder ein Zeitparadoxon gewartet, aber beides konnte ich so gut wie nicht entdecken - der Autor hat seine Geschichte sehr gut durchdacht. Schwierig wird es natürlich, wenn Max in die Zeit vor seiner Geburt und weiter zurück vordringt und nicht mehr immer wissen kann, was im Jahr zuvor an der Stelle, da er aufwachen wird, gewesen ist. Denn ärgerlich wäre es schon, würde da etwa keine Hütte sondern ein Baum stehen würde. Aber solches zählt eher ins Gebiet der Erbsenzählerei. Nur bei einer Figur bin ich mir nicht ganz sicher, ob sie nicht in einer Zeitschleife festhängt. Für den Fortgang der Haupthandlung ist jedoch auch dies unerheblich.

Nicht ganz glücklich wurde ich mit der Aufmachung des Buches. Die Schrift empfand ich als recht klein, vor allem aber waren die inneren Bundstege so schmal, daß ich über weite Strecken des Buches selbiges recht ordentlich auseinanderdrücken mußte, damit die Zeilenenden bzw. -anfänge zu lesen waren. Die Bindung war darauf anscheinend eingestellt, denn zu meiner Überraschung hat sie diese teils recht harsche Behandlung gut verkraftet. Dennoch würde ich mir hier etwas mehr Augenmerk auf die Lesefreundlichkeit wünschen.

Max braucht eine Weile, bis er mit seiner neuen Form der Existenz zurecht kommt. Bis er so weit ist, passieren auch einige Wutausbrüche, die im normalen Zeitablauf Folgen hinterlassen müssen. Auch daran hat der Autor gedacht, und diese überaus gelungen in die Handlung eingebaut.

Im Verlauf seiner „Reise“ begegnet Max einer Reihe von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten und taucht an verschiedenen Brennpunkten der Geschichte auf. Immer wieder ergibt sich dabei zwangläufig die Frage, inwieweit er den Verlauf der Historie beeinflußt. Stößt er eine Entwicklung an - oder trifft er die Personen und handeln diese, weil die Ereignisse so verlaufen sind, wie sie aus den Geschichtsbüchern bekannt sind. Eine spannende Frage, die sich nicht immer eindeutig beantworten läßt. Jedenfalls sind die Gedankenspiele, die der Autor dazu anstellt, sehr lesens- und nachdenkenswert.

So wandern wir mit dem Protagonisten durch die Jahrhunderte und lösen dabei sogar das Rätsel eines Mordes in der Antike. Viele Geschehnisse, die der Autor beschreibt, waren mir bekannt und ich fand es immer wieder erstaunlich, wie gut Fabian Vogt Fakt und Fiktion in seinem Buch verbunden hat. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gibt sich Max ein Ziel, wodurch es bis zum Ende hin spannend blieb, ob er das denn erreichen würde.

Das Ende hat mich allerdings nicht so ganz befriedigt, wenngleich ich hier natürlich nicht verraten werde, wie das Ganze letztlich ausgeht. Es ist mir zwar klar, worauf der Autor anspielt, dennoch empfand ich es als nicht ganz rund. Insgesamt gesehen hat mir das Buch jedoch gut gefallen, und die Frage, wie die Geschichte wohl verlaufen wäre, wäre Max nicht an entscheidenden „Knotenpunkten“ der Zeit aufgetaucht, wird mich sicherlich noch eine Weile beschäftigen.


Mein Fazit

Eine Zeitreise der etwas anderen Art, die deutlich macht, wie sehr manche wichtige Entwicklung der Geschichte an ihrem Beginn auf der Kippe stand.

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(38)

100 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

paris, weltausstellung, historisch, historischer roman, 1889

Der Turm der Welt

Benjamin Monferat
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250931
Genre: Historische Romane

Rezension:

So wenige Dinge sind sicher im Leben. (S. 125)
Nichts war, wie es schien; überall verbarg sich ein Hintergedanke, eine Täuschung. (Seite 490)


Meine Meinung

Mit der Prophezeiung der Erda „Alles was ist endet“ aus Wagners „Rheingold“ begann ich meine Rezension zur „Welt in Flammen“. Aber was ist wohl schlimmer: wenn etwas endet - oder wenn es nicht endet, sondern in immerwährendem Wandel ist, wenn ein altes Gleichgewicht erschüttert und ein neues nicht in Sicht ist, ja, wenn man nicht mal weiß, wie ein neues aussehen sollte?

Der Zeitraum, den die Handlung dieses Buches umfaßt, ist kurz - gerade mal knappe sechzig Stunden. Und doch sind es sechzig Stunden, die die (Buch-)Welt verändern, und die vielleicht auch manchen Leser verändern könnten. Denn es ist nicht vorbei. Es fängt gerade erst an.

Es ist bewundernswert, wie es dem Autor wiederum gelingt, über einige hundert Seiten hinweg ein Szenario zu entwerfen, in dem scheinbar alles parallel läuft und doch irgendwie miteinander verwoben ist, was über weite Strecken weder die Figuren und schon gar nicht die Leser erkennen können. Wobei letztere den Vorteil haben zu ahnen, daß das irgendwie zusammengehören muß, weshalb sonst hätte der Autor das in sein Buch aufgenommen?

Wie schon in der „Welt in Flammen“ vermischt der Autor Fakt und Fiktion auf geradezu beängstigend reale Weise, so daß ich nicht immer sicher war, wo denn die Grenze zwischen beidem verläuft und, es sei zugegeben, Namen gegoogelt habe, zu denen die Suchmaschine kein Ergebnis liefern konnte, weil es sie schlicht nicht gab. Hier zeigt sich eines der wenigen Mankos des Buches, nämlich das fehlende Personenverzeichnis. Erst im Nachwort erfährt man, daß nur zwei auftauchende Personen historische Vorbilder haben.

Verteilt über die ganze Stadt ereignen sich Geschehnisse, treffen Menschen aufeinander, die für sich betrachtet eher unauffällig sind, im Gesamtbild jedoch anscheinend einem Plan gehorchen, der ein bestimmtes Ziel verfolgt. Dieses ist jedoch sowohl den Figuren wie dem Leser nicht ersichtlich; mit jedem anscheinend gelösten Geheimnis tun sich zwei neue auf, so daß ich es irgendwann völlig aufgegeben habe zu vermuten, wohin denn alles führen und wie das enden sollte.

„Der Turm der Welt“ ist seit Jahren das erste Buch, das ich wirklich linear von vorne bis hinten gelesen habe, ohne - wie ich das sonst zu tun pflege - zuerst das Ende zu lesen. Ich hatte das Gefühl, und das hat mich nicht getäuscht, daß es keinen Sinn machen würde, das Ende ohne die vorherigen Entwicklungen zu kennen. Denn daß am Ende eine eher komplizierte denn einfache Auflösung oder gar ein „und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“ stehen würde, war von Anfang an klar.

Ein besonderes Bonmot für seine Stammleser - wenn man bei zwei Büchern schon von solchen sprechen kann - ist das Auftauchen eines guten alten Bekannten aus der „Welt in Flammen“, der natürlich hier in seinen jungen Jahren ist und, da er auf jeden Fall überleben mußte, eine gewisse Sicherheit ins Buch brachte.

Der Roman ist eine Mischung verschiedener Genres, der sich in keine Schublade legen läßt. Abenteuer, Agenten, etwas Gefühl, Historie, Fiktion - all das geht eine vollkommene Symbiose ein, so daß ich mich immer wieder daran erinnern mußte, daß das eben genau das ist: ein Roman und kein historisches Sachbuch. Sätze, die ich zur „Welt in Flammen“ geschrieben haben und die auch hier unbedingte Gültigkeit beanspruchen. Dabei ist es dem Autor gelungen, die Stimmung der Zeit dermaßen gut einzufangen, so daß ich beim Lesen in der Tat das Gefühl hatte, mich eher im Jahre 1889 denn 2016 zu befinden. Genau so, wie es beschrieben wurde, haben die Menschen seinerzeit vermutlich gedacht und gehandelt, konnten auf Grund der sie umgebenden Zwänge gar nicht anders, wie im Buch zu lesen ist. Daß, wie ebenfalls im Nachwort erläutert wird, die eine oder andere technische Erfindung erst ein paar Jahre später erfolgte, tut dem keinen Abbruch. Schließlich - ich erwähnte es - ist das ein Roman, kein Sachbuch.

Wie sich das für einen guten Roman gehört, waren die Figuren so weit ausgeführt, daß ich von allen ein recht gutes Bild im Kopf hatte; nicht nur vom Äußeren, auch von deren Innerem. Was nicht bedeutet, daß nicht die eine oder andere von Ihnen mehr oder weniger große Geheimnisse hatte, die uns Leser nichts angehen und für das Verständnis nicht unbedingt gelöst werden müssen. Die Weltausstellung wurde in meinem Kopf lebendig, daß ich es durchaus bedaure, diese nicht persönlich besucht haben zu können. Aber neben der glitzernden Welt der „oberen Zehntausend“ scheint auch die Kehrseite, das andere Paris mit all seinen häßlichen und erschreckenden Seiten durch. Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Und es gab, wie wohl zu jeder Zeit, viel Licht.

Was das Buch für mich noch zu etwas Besonderem machte war, daß mir nie so deutlich wie hier der Begriff einer komplexen Welt vor Augen geführt wurde. Man hört oder liest zu heutigen Problemen immer wieder, alles sei komplex, aber niemand macht sich die Mühe, diese Komplexität näher zu erläutern. Das ist jedoch etwas, was der Autor hier quasi nebenbei vermittelt, denn so
unterschiedlich die einzelnen Handlungsstränge und Figuren sein mögen, immer mehr wird auf teil erschreckende Weise deutlich, wie sehr sie miteinander verwoben sind, wie eines vom anderen abhängt und es bedingt
- wie komplex das zugrundeliegende Muster ist, auch wenn es weder die Beteiligten noch die Leser immer gleich verstehen können.

Nach rund siebenhundert viel zu wenigen Seiten klingt das Buch dann langsam aus. Und genau das, dieses langsame Ausklingen, möchte ich ausdrücklich und sehr positiv erwähnen. Oft ist es heute so, daß die Auflösung kommt und schwupps, ist das Buch aus. Nicht so hier. Als Leser hat man ausreichend Seiten Zeit, das Ende und die Auflösung zu verdauen und sich von den Figuren zu verabschieden - prima, so sollte das eigentlich immer sein. Bei der Gelegenheit auch ein dickes Lob an den Verlag, denn die herstellerische Verarbeitung des Buches ist mustergültig. Das Buch liegt gut in der Hand, ließ sich vom Satzspiegel her gut lesen und ist nach dem Ende überhaupt nicht schief - so sollte eine gebundene Ausgabe sein!



Schließlich habe ich das Buch aber nicht ganz so ruhig geschlossen, wie ich dachte; auf der vorletzten Seite erwartet den Leser das, was ich eine Schlüsselszene bezeichnen würde. Zwar nicht das, aber doch die letzten Worte hat der Général Auberlon. Und die sind damals so wahr wie heute und in der Zukunft vermutlich ebenso. Ich würde mir wünschen, daß möglichst viele eben jene Ansprache lesen - und im Kopf behalten würden. Denn dies ist nicht das Ende. (...) Es fängt gerade erst an.


Mein Fazit

Ein grandioses Buch über eine grandiose Ausstellung und das, was hätte passieren können. Und vielleicht irgendwann passiert ist.
Schulnote 1 mit Stern und Fleißkärtchen - sowie eine absolute Lesesempfehlung.

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Christen sind Fremdbürger: Wie wir wieder werden, was wir sind: Abenteurer der Nachfolge in einer nachchristlichen Gesellschaft

Stanley Hauerwas , William H. Willimon
Geheftet: 256 Seiten
Erschienen bei Fontis - Brunnen Basel, 01.03.2016
ISBN 9783038480754
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Volk Gottes kann der Welt nicht erlauben, darüber zu bestimmen, wie es auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren hat. (Seite 93)

Meine Meinung

„Resident Alien“ ist der nur schwer übersetzbare Originaltitel des Buches. Das „Fremdbürger“ des deutschen Titels geht aber in die Richtung dessen, was die Autoren gemeint haben. Indirekt weist das auf einen Satz von Jesus hin: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagte er zu Pilatus; eine Aussage, die im Laufe der Jahrhunderte bei den Christen anscheinend in Vergessenheit geriet, denn zu sehr war bzw. ist man Teil dieser Welt. Hierauf und auf sich daraus ergebende Folgen hinzuweisen, haben sich die Autoren zur Aufgabe gemacht.

Mit Konstantin begann es, so schreiben die Autoren, daß die Christen Teil der Welt wurden. „Man kann kein Reich beherrschen, in dem die Menschen an nichts glauben. Unsere besten Köpfe wurden auf das konstantinische Projekt verpflichtet, den Glauben gegenüber den jeweils Mächtigen glaubwürdig zu machen, so dass Christen Anteil an der Macht bekommen konnten.“ (S. 43) Und so begann denn der Weg fort von den Ursprüngen hin zu den Fleischtöpfen der Macht. Dieses Modell wird erst heute wieder in Zeiten zunehmender Säkularisierung infrage gestellt, da sich die Christen zunehmend in einer Welt wiederfinden, die ihren Grundüberzeugungen entgegengesetzt gestaltet ist.

Im ersten Teil des Buches mit der Überschrift „Abschied“ führen die Autoren diese ihre These weiter aus. Sie skizzieren die Entwicklung der „Welt“, die schließlich dazu führte, daß z. B. das Bombardement von zivilen Zielen im Krieg heute zu etwas geworden ist, was als „militärische Notwendigkeit“ angesehen und nicht hinterfragt wird (vgl. S. 48f). Sie machen deutlich, daß Christen in gewisser Weise blind wurden und über das Ziel hinaus schossen. Daß sie nicht mehr sahen, wo sie hätten Widerstand leisten müssen, einfach, weil sie zu sehr Teil der Welt geworden sind.

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Der Satz zeigt eigentlich deutlich auf, worum es im Grunde geht: Christen sind nicht berufen, in der Welt für deren Ziele und Überzeugungen zu leben und zu arbeiten, sondern sie sind in dieser Welt quasi eine Kolonie von „Fremdbürgern“, „Bürgern“ des Reiches Gottes, eine kühne Kolonie von Gläubigen in einer Gesellschaft des Unglaubens. (vgl. S. 79) In diese Richtung weist auch die Bergpredigt, die von den Autoren immer wieder und zentral zitiert und thematisiert wird.

Ein großes Augenmerk wird auch auf die Bedeutung der Kirche gelegt, wobei mich die starke und immer wieder kehrende Betonung der kirchlichen Gemeinschaft im Gegensatz zum Einzelnen nicht ganz überzeugen konnte. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, daß der Begriff „Kirche“ nicht weiter definiert oder eingegrenzt wurde, weshalb eigentlich so ziemlich jede Konfession diesen auf sich beziehen kann. Und in der Tat haben die Autoren so tief gegraben, sind so weit zu den Wurzeln zurückgekehrt, daß sie ein hohes Maß an Allgemeingültigkeit erreicht haben; auch als Katholik hatte ich wenige bis keine Schwierigkeiten mit ihrer Argumentation und ihren Schlußfolgerungen. In diesem Licht werden auch die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. emer. über die „saturierte deutsche Kirche“ (sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert) verständlich und nachvollziehbar.

Im Untertitel taucht der Begriff der „nachchristlichen Gesellschaft“ auf. Mit ihrem „Weckruf“ zeigen sie deutlich Fehlentwicklungen auf und skizzieren, wie das Leben der „Fremdbürger“ und ihrer Kirche in dieser Welt wieder so ausgerichtet werden kann, daß es dem Plan und Willen Gottes entspricht. Zwar sind beide Autoren Amerikaner und beziehen sich demgemäß oft auf amerikanische Verhältnisse, doch fast alles läßt sich problemlos auf unsere europäischen bzw. deutschen Verhältnisse übertragen und hat diesseits des Atlantiks die gleiche Gültigkeit und Richtigkeit wie jenseits.

Die Autoren haben ein für Christen überaus wichtiges Buch geschrieben, dessen voller Inhalt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen in ihrer ganzen Tragweite sich vermutlich erst bei mehrmaligem Lesen in ihrer Gänze erschließen.


Mein Fazit

Ein wahrer „Weckruf“ zur Nachfolge Jesu in einer nachchristlichen Gesellschaft.

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