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mythologie, erotik, historischer roman, römisches imperium, trilogie

Der silberne Adler

Ben Kane , Dr. Holger Hanowell
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174195
Genre: Historische Romane

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Ein Stern am Sommerhimmel

Elin Hilderbrand
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 15.05.2017
ISBN 9783641206352
Genre: Liebesromane

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Hill Hanta Yo eine Indianersaga, Bertelsmann, 895 Seiten

Hill
Fester Einband
Erschienen bei Bertelsmann, 01.01.1900
ISBN B003VHLA2G
Genre: Sonstiges

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Daughter of the Eagle (The Spanish Bit Saga Book 6)

Don Coldsmith
Flexibler Einband
Erschienen bei Domain, 01.05.1988
ISBN 9780553272093
Genre: Sonstiges

Rezension:

She had no choice. There had never been one.* (Seite 117)

195 Seiten, kartoniert
Mit einer Einführung von Jeanne Williams
Verlag: Bantam Domian Books, New York 1988
ISBN-10: 0-553-27209-8
ISBN-13: 978-0-553-27209-3

Dies ist Band 6 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind.
< Hier klicken > für eine Serienaufstellung aller Bände

Achtung: Inhaltsangabe wie Rezi verraten naturgemäß möglicherweise Inhalte der Vorgängerbände


Meine Meinung

Im nunmehr sechsten Band der Serie ist das Szepter endgültig auf die Enkelgeneration übergegangen. Zwar tauchen Heads-off, Owl oder auch Eagle noch als Nebenfiguren auf, aber von Coyote ist keine Rede mehr. 44 Jahre nach Beginn der Erzählung dürfte er nicht mehr unter den Lebenden weilen. Wer weiß, was er von den aktuellen Entwicklungen halten würde, denn in diesen über vier Jahrzehnten hat sich die Welt des Volkes sehr verändert. Die Einführung des Pferdes hat die Entwicklung in eine völlig neue Richtung geführt, und nur wenige sind noch am Leben, die sich an das Leben zuvor, ohne Pferde, als man noch alles zu Fuß erledigen mußte, erinnern können.

Schon der Name der Hauptfigur, Eagle Woman stellt eine Verbindung zum vorigen Buch her, in dem es um ihren Vater Eagle ging, der von seinen Abenteuern als bleibenden Schaden ein Hinken zurückbehalten hat. Die Head Splitters sollten sich eigentlich an ihn erinnern, denn er hatte ihnen eine heftige Niederlage bereitet, und es wäre wohl überhaupt besser für sie, wenn sie sich von der Familie des Heads-off fernhalten würden, haben sie doch in Auseinandersetzungen bisher jedes Mal den Kürzeren gezogen. Sie sollten also eigentlich vor Eagle Woman, der Enkelin von Heads-off, gewarnt sein. Aber wer nicht hören will, muß fühlen.

Was in gewisser Weise auch für Long Walker und Eagle Woman selbst gilt. Denn je mehr er versucht, Eagle Woman von ihren Plänen abzubringen, um so mehr verbeißt sie sich darein; es werden Entwicklungen in Gang gesetzt, die sich schließlich verselbständigen und zu einer Katastrophe auszuweiten drohen. Da Don Coldsmith die wesentlichen Entwicklungen immer aus Sicht beider Figuren beschreibt, möchte man als Leser manchmal schier verzweifeln, daß die beiden nicht sehen, wie leicht manches hätte vermieden werden können, hätten sie mehr Einfühlungsvermögen besessen - oder einfach miteinander geredet.

Eagle Woman ist eine Heroine, wie man sie heutzutage des Öfteren in Romanen antrifft, auch wenn sie nicht immer Männerkleidung trägt. Im Vorwort von Jeanne Williams wird jedoch deutlich, daß es historische Vorbilder für sie gibt. Zwar waren Kriegerinnen nicht die Regel, jedoch gab es deren im Laufe der Zeit so viele, daß die Figur Don Coldsmiths historisch gerechtfertigt ist. Immer wieder kam es vor, daß Frauen ihre Männer auf Jagd- und Kriegszügen begleiteten. Eine der bekanntesten „Kriegerfrauen“ ist die Apache Lozen, die Geronimo bei seinen Verhandlungen mit den Weißen begleitete und auch bei seiner Kapitulation dabei war.

Die Handlung entwickelt sich folgerichtig; es ist sicher von Vorteil, die Vorgängerbände zu kennen, jedoch gibt der Autor die notwendigen Informationen an geeigneter Stelle, so daß der Roman auch für sich verständlich ist. Die Denk- und Handlungsweise der Figuren ist nachvollziehbar, was auch auf die Head Splitter zutrifft, denn auch aus ihrer Sicht werden die Geschehnisse beschrieben; was nicht heißt, daß sie dadurch meine Sympathien gewonnen haben. Aber es war eine harte Welt, und jeder mußte sehen, wie er zurecht kam.

Andererseits lebten die Menschen - zwangsweise - im Einklang mit der Natur, was gewißlich nicht immer einfach war, aber zur Folge hatte, daß man die eigenen Lebensgrundlagen nicht zerstörte, sondern darauf achten mußte, diese zu erhalten. Wenn man dann des Abends am Feuer saß und sich Geschichten erzählte, mochte es sein, daß die Zufriedenheit eine größere war, als wir sie heute kennen.


Mein Fazit

Mit Eagle Woman nimmt endgültig die Enkelgeneration das Szepter in die Hand. Ihre Abenteuer sind nicht weniger gefährlich als vor Jahren die ihres Vaters, nur daß sie einen treuen Gefährten an ihrer Seite hat. Don Coldsmith erweckt aufs Neue eine untergegangene Welt zum Leben.


Sinngemäße Übersetzung (aus dem Zusammenhang):
* = Sie hatte keine Wahl. Sie hatte nie eine gehabt.

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Jesus von Nazareth - Band III: Polog

Benedikt XVI.
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 01.11.2012
ISBN 9783451349997
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was in der großen Perspektive des Glaubens Stern der Hoffnung ist, ist in der Perspektive des täglichen Lebens zunächst nur störend, Grund zu Sorge und Furcht. (Seite 111)

Meine Meinung

Es ist ein etwas seltsames Ding, über ein Sachbuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI., der von der Thematik beträchtlich mehr versteht als ich, zu schreiben. Andererseits hatte ich beim Lesen das Gefühl, daß dieses Buch genau für Menschen wie mich geschrieben ist: Christen (Katholiken), die ein gewisses Vorwissen, jedoch kein Theologiestudium haben, aber an der Person des Jesus von Nazareth interessiert sind. Ich war überrascht, wie gut verständlich das Buch geschrieben ist und mit wie wenig theologischem Fachjargon es auskommt. Der Verlag hat das Werk durch ein umfangreiches Glossar ergänzt, so daß auch Leser mit geringen bis gar keinen Vorkenntnissen keine Verständnisprobleme haben sollten, weil alle eventuell doch fremden Begriffe im Buch nachgeschlagen werden können.

In vier Kapiteln und einem Epilog geht Benedikt XVI. ausführlich auf die Berichte zu Geburt und Kindheit, vornehmlich im Lukas- und Matthäusevangelium, Jesu ein. Dabei soll dieses Büchlein, wie der Autor im Vorwort schreibt, kein drittes Buch über Jesus sein, sondern eher eine Hinführung, eine Einleitung zu den beiden großen Bänden über Gestalt und Botschaft Jesu. Diese „Einleitung“ ist ihm hervorragend gelungen.

Satz für Satz interpretiert er die Berichte der Evangelien, erklärt die Bedeutung und stellt sie in den historischen Kontext wie auch in den der Schriften des Alten Testamentes. Er erweist sich dabei, wie nicht anders zu erwarten, als profunder Kenner der Thematik, der zudem in der Lage ist, gut lesbar und leicht verständlich, auch wenn es um schwierige Fragen geht, zu schreiben.

Solchermaßen eingestimmt steht der Lektüre der beiden Hauptbände nichts mehr im Wege. Zumal ein diagonaler Blick in dieselben zeigt, daß diese gleichermaßen gut verständlich geschrieben sind.


Mein Fazit

Ausführlich und gut verständlich interpretiert Benedikt XVI. die Berichte um Geburt und Kindheit Jesu und stellt diese in den historischen Zusammenhang.

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gott, enttäuschungen, schöne bildhafte vergleiche, intuition, spiritualität

Der Schattendoktor

Adrian Plass , Christian Rendel
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 22.03.2017
ISBN 9783865069306
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe gelernt, dass die bewusste Entscheidung, den Appetit in irgendeinem Bereich zu zügeln, andern Aktivitäten einen wesentlichen zusätzlichen Schub verleiht, die der Mühe eher wert sind, ob sie etwas damit zu tun haben oder nicht. (Seite 118)

Meine Meinung

Der Name Adrian Plass ist mir immer wieder einmal begegnet, wenngleich ich noch nie ein Buch von ihm gelesen habe. Die Inhaltsangabe zu seinem neuen klang vielversprechend, so daß ich mich nun daran gewagt habe. Am Ende weiß ich nicht so recht, ob das eine gute Entscheidung war. Mein Humor ist der seine nicht. Wobei ich nicht mal sicher bin, ob in dem Buch Humor vorkam. Mich hat er jedenfalls nicht erreicht.

Dabei klang die Inhaltsangabe so interessant, und auch das Cover weckte Interesse. Daß das Motiv mit dem Inhalt nun überhaupt nichts zu tun hat, kommt ja öfters vor, ist hier nur insofern etwas schade, als daß das Bild - zumindest bei mir - die Vorstellung von einem Weihnachtsbuch weckt. Nur daß die völlig falsch ist.

Überhaupt nicht zu beanstanden ist die Übersetzung von Christian Rendel, die ganz hervorragend ist und an keiner Stelle daran erinnert, daß das ein ursprünglich englischsprachiges Buch ist. Ein Lob auch an den Verlag für die solide Ausstattung (Fadenheftung!) des Buches, das auch nach dem Lesen wie neu aussieht. Etwas, was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Aber was nützt mir alles das, wenn ich mit dem Inhalt nicht zurecht komme? Das fing damit an, daß ich das Buch auf den ersten vierzig, fünfzig Seiten als relativ sperrig empfand. Ich weiß nicht so recht, woran es lag oder wie ich es sonst ausdrücken soll, jedenfalls war das im Hinblick auf den Stil mein Leseempfinden. Weiter gelesen habe ich, weil sich die Handlung in einer Weise entwickelte, daß sie neugierig darauf machte, wie es wohl weitergehen würde.

Im weiteren Verlauf brachte der Autor dann wirklich wunderschöne Formulierungen und Bilder (z. B. Seite 116: „Der Regen trommelte gegen das Glas, als wollte er hereinkommen und sich ins Trockene bringen.“), die das Gefühl vermittelten, mitten in der Geschichte dabei zu sein. Besonders hervorheben möchte ich auch das Kapitel 17, welches aus einem bemerkenswerten Brief besteht. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hatte, aus wessen Sicht da was beschrieben wurde - beeindruckend.

Was mir durch das ganze Buch hindurch, und mit zunehmender gelesener Seitenzahl immer mehr, jedoch immer rätselhafter wurde ist, was mir der Autor eigentlich sagen will, welche Meinung er überhaupt vertritt. Ist er nun Christ, wenn ja, wie stark oder schwach, und was für ein Christentum will er mir in dem Buch nahebringen? Soll ich Beten - oder doch besser nicht? Und überhaupt - was soll ich aus dem Buch mitnehmen? Da fällt mir der kürzlich gesehene Film „In-Lawfully Yours“ ein, in dem der Pastor recht genau und gut begründete, weshalb er eine bestimmte Form von Gebet nicht (mehr) für sinnvoll hält und darum auch nicht mehr betet. Aber hier weiß ich nicht mal, ob man überhaupt noch beten soll. Das fand ich für einen bekannten christlichen Autor denn doch reichlich seltsam.

Sicher ist die Idee des „Schattendoktors“ originell und birgt im Verlauf des Buches einiges an Themen zum Nachdenken. Allerdings werden für meine Begriffe zu viele der gestellten Fragen bis zum Ende des Buches nicht beantwortet; sie bleiben - auch in wesentlichen Dingen, schlicht offen und unbeantwortet.

Was ich mit dem Ende anfangen soll, erschließt sich mir auch nicht. Das Buch läßt mich teilweise ratlos, auf jeden Fall in bis zu einem gewissen Grade deprimiert und vor allem frustriert zurück. Unabhängig vom wirklich interessanten Gedankengang des Buches eine für mich völlig unbefriedigende Situation. Das war mein erstes und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch letztes Buch des Autors. Zumal ich, offen gesagt, keine Vorstellung davon habe, wo der Autor steht, was er mir sagen will und was ich letztlich damit anfangen soll.


Mein Fazit


Eine interessante Ausgangssituation ließ mich am Ende mit mehr offenen denn beantworteten Fragen zurück. Trotz des guten Schreibstils für mich leider ein Fehlgriff.

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Man Of The Shadows (Spanish Bit #5)

Don Coldsmith
Flexibler Einband: 10 Seiten
Erschienen bei Domain, 01.03.1988
ISBN 9780553270679
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eagle shook his head, confused. As a child, he hat been completely convinced of the reality of the stories of the Trickster. Only with the practicality of the adult had he put aside the cherished beliefs of childhood. * (Seite 100)

197 Seiten, kartoniert
Mit einem Nachwort von Robert J. Conley (Cherokee)
Verlag: Bantam Domian Books, New York 1988
ISBN-10: 0-553-27067-2
ISBN-13: 978-0-553-27067-9

Dies ist Band 5 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind. < Hier klicken > für eine Serienaufstellung aller Bände

Achtung: Inhaltsangabe wie Rezi verraten naturgemäß möglicherweise Inhalte der Vorgängerbände


Zum Inhalt

Einige Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerbandes wird Eagle, Bruder des Medizinmannes Eule, von diesem vor der letzten Büffeljagd des Jahres gewarnt, besonders vorsichtig zu sein. Die Zeichen seien gut, aber es gäbe da einen nicht zu deutenden Schatten.
Später wird Eagle sich wünschen, besser auf den Rat seines Bruders gehört zu haben. Es kommt zum Stampede der Büffelherde - und er ist mit seinem Pferd mittendrin ohne Möglichkeit zu entkommen. Über Kilometer geht die Jagd, bis ein Teil der Herde schließlich über einen Abhang in ein Flußtal stürzt - und mitten darunter Eagle.
Als er aus einer Ohnmacht erwacht, wundert er sich, weshalb er noch am Leben ist. Denn weder hätte er so weit vom Abhang aufkommen noch diesen Sturz überhaupt überleben können. Und noch seltsamer ist dieser Alte Mann, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht und ihm hilft. Mit einem gebrochenen Bein, den Winter vor der Tür, sind die Überlebenschancen äußerst gering.
Aber der Alte Mann entwickelt Fähigkeiten, die Eule an seinem eigenen Verstand zweifeln lassen. Ob es doch eine Überlebenschance gibt?


Meine Meinung


Mit diesem fünften Band, der auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände verständlich ist, ergibt sich zumindest für die deutschen Leser ein Bruch in der Reihe, denn ab jetzt heißt es in Originalsprache lesen, da nur die ersten vier Bände übersetzt wurden. Mit etwas gemischten Gefühlen begann ich also dieses Buch, ist es doch häufig Usus, daß in Übersetzungen die Namen der Figuren geändert werden. Aber in dieser Hinsicht waren die Bedenken grundlos: dankenswerterweise hatten die Figuren auch in den deutschen Ausgaben die gleichen Namen wie im Original, so daß ich ob der vertrauten Namen und Begriffe nach längerer „Leseabwesenheit“ recht bald wieder beim Volk heimisch war; es war eine Rückkehr zu guten Bekannten, auch wenn die Zeit weiter gegangen ist und jetzt die Generation der Kinder im Fokus steht. Der-ohne-Kopf, seine Frau Die Große oder auch Coyote spielen nur noch Nebenrollen.

Eagle, der älteste Sohn von Der-ohne-Kopf ist zu einem respektierten Krieger herangewachsen. Seine Visionssuche hat ihm nicht viel gebracht, mit seinem Wappentier - dem Adler - verbindet ihn wenig. Allem Spirituellen kann er wenig abgewinnen, er ist ein rational und praktisch denkender junger Mann. So schenkt er auch der Warnung seines Bruders, der der Medizinmann des Stammes ist, heute besonders vorsichtig zu sein, keine größere Beachtung. Aber das bereut er bald bitterlich.

Nach schmerzhaften Erfahrungen mit dem Weißen Mann haben die Native Americans (der Begriff „Indianer“ taucht übrigens nirgendwo in der ganzen Buchreihe auf!) schon lange begonnen, ihre Religion als eher geheime Angelegenheit zu betrachten. Schon Christoph Columbus hatte in seinen Aufzeichnungen vermerkt, daß die „Indians“ keine Religion hätten.“ Dieses Buch, schon die Einleitung macht dies überdeutlich, ist aber nur verständlich, wenn man die eben doch vorhandene Religion der Native Americans mit im Blick hat. Für diese waren die „materielle“ und die „spirituelle“ Welt weder ein Gegensatz noch radikal voneinander geschieden, sondern untrennbar miteinander verwoben. Die eine bedingte und beeinflusste die andere.

Aber Eagle hat damit nicht viel am Hut, für ihn zählt nur Logik und das, was man sehen und anfassen kann. In der Hinsicht erscheint er mir sehr modern, denn seine rationalen Erklärungsversuche für anscheinend Irrationales fänden heute vermutlich viel Anklang. Selbst als sich der Alte Mann direkt vor seinen Augen in einen Reiher verwandelt, weigert er sich zu glauben und geht davon aus, falsch gesehen zu haben.

Denn sein Helfer, der sich nur als Old Man vorstellt, scheint über Fähigkeiten zu verfügen, die ein normaler Mensch eigentlich nicht besitzen dürfte. Immer taucht er auf, wenn Eagle in großer Gefahr ist und rettet ihm mehrfach das Leben. Und immer sucht Eagle nach scheinbar logischen Erklärungen für scheinbar Unlogisches. Ehe er seinen Sinnen vertraut, bemüht er lieber gedankliche Logik. Für die Native Americans sind die spirituelle und die materielle Welt eins, beide sind real. Eagle lernt dies auf dem harten Weg, obwohl er nicht lernen wollte und dem Offensichtlichen widerstand (vgl. Nachwort von Robert J. Conley, S. 194).

Old Man in the Shadows ist eine in vielen Teilen der Welt gekannte Figur, wenngleich bekannter unter dem Namen „Trickster“. Von ihm darf man nur nach Einbruch der Dunkelheit sprechen, und immer wieder muß Eagle an die Erzählungen aus seiner Kindheit über den Trickster denken. Waren das für ihn früher solche mit ganz realem Inhalt, so hält er das als Erwachsener eben nur noch für Kindergeschichten. Obwohl die Anzeichen eindeutig sind, obwohl der Old Man sehr deutlich und immer mehr jenen Geschichten entspricht.

„Old Man in the Shadows“ ist nicht nur ein einfacher Abenteuerroman, es ist die Geschichte spirituellen Wachstums, des Gewinnens der Erkenntnis, daß in diesem Universum nicht alles mit „messen, zählen, wiegen“ zu erfahren und bestimmen ist, des Hineinwachsens und Annehmens der eigenen Kultur. Insofern erschien mir die „Reise“ des Eagle sehr modern. Vielleicht aber wäre es zu wünschen, daß heute viele Menschen, wenngleich nicht auf so harte Art wie Eagle, die Traditionen, Überlieferungen und Werte der eigenen Kultur schätzen und leben lernen. Im Einklang mit sich und der Welt kann so der Weg in eine bessere Zukunft geebnet werden.

Aber man sollte immer daran denken, daß vom Trickster, dem Old Man in the Shadows oder wie er sonst genannt werden mag, erst nach Einbruch der Dunkelheit gesprochen werden darf. So hat er es vor Urzeiten selbst bestimmt. Manche Überlieferungen sollte man besser nicht übergehen, wer weiß, ob man sonst in Zeiten der Not die rettende Hilfe erhält...


Mein Fazit

Verwoben in eine spannende Abenteuergeschichte um das nackte Überleben ist dies auch eine über spirituelles Wachstum, die tief in das (religiöse) Denken der Native Americans hineinführt. Don Coldsmith gelingt es wie kaum einem anderen, die Welt der amerikanischen Ureinwohner zu Leben zu erwecken.


* = Sinngemäße Übersetzung, aus dem Zusammenhang heraus:

Eagle schüttelte verwirrt seinen Kopf. Als Kind war er völlig von der Wirklichkeit der Geschichten über den Trickster überzeugt gewesen. Erst mit dem nüchternen Denken des Erwachsenen hatte er die geliebten Überzeugungen der Kindheit abgelegt.

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

cheyenne, indianer, weiße, krieg, überleben

Im fahlen Licht des Mondes

Kerstin Groeper , James Ayers
Flexibler Einband: 578 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 13.11.2015
ISBN 9783941485488
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der weiße Mann führte zwei Kriege. Einen, um uns zu töten. Und einen, um die Erinnerung daran auszulöschen.
Black Kettle, Cheyenne Häuptling (1867, S. 7)
„So ein Mist. Es ist doch nur ein Kind! Wer schießt denn auf Kinder?“
Collins zuckte mit den Schultern. „Jeder, wenn es sich um Indianer handelt. Wir haben ja auch geschossen.“
Josh sagte nichts mehr, denn sein Bruder hatte recht. Jeder schoss auf Indianer. Zumindest hier draußen.

](Seite 274)


Meine Meinung

„Ich fand es beim Schreiben ganz schön, dass ich auch mal ‘nette’ Weiße hatte und nicht nur mordende Soldaten.“ So schreibt Kerstin Groeper im Nachwort (S. 582). Zu dem Zeitpunkt, da diese „netten Weißen“ auftauchten, war es allerdings allerhöchste Zeit für ein paar erfreuliche Gestalten. Denn bis dahin war schon so viel Leid, Schmerz und Tod passiert, daß mein Haß- und Wutpotential ins schier Unermeßliche gestiegen war. Dabei hat die Autorin die Kriegs-, eher Massakerszenen, weder unnötig ausgedehnt noch übermäßig detailgetreu beschrieben, sondern die genau richtige Balance zwischen Beschreiben und Weglassen gefunden, so daß man sich alles genau vorstellen konnte, ohne daß man als Leser horrormäßig „im Blut baden“ mußte. Schlimm genug war es dennoch. Und dieser Teil gehört, man werfe einen Blick in die Geschichtsbücher, eindeutig zum Bereich „Fakt“ und nicht zur Fiktion.

Das Buch besteht eigentlich aus zwei Teilen, die im Verhältnis ungefähr ein Drittel zu zwei Drittel zueinander stehen. Viel länger hätte der erste Teil aber nicht sein dürfen, um nicht doch die Grenze des Ertragbaren zu überschreiten. Dabei sitzt der Leser möglicherweise gemütlich im Wohnzimmer, während die der Erzählung zugrunde liegenden Menschen das einstens durchleiden mußten. Sicher sind Moekaé und ihre Nichte Rotes Blatt fiktive Figuren, jedoch tauchen etliche historisch belegte auf und wenn man sich deren Lebensweg ansieht, wird man feststellen, daß die Autorin die damaligen Geschehnisse ziemlich zutreffend wiedergegeben hat.

Und in diesem zweiten Teil, der beginnt, als die „netten Weißen“ endlich auftauchen, finden sich die für meine Begriffe beeindruckendsten Stellen; das sind nicht unbedingt die von Kampf und Krieg. Die ganze Kraft ihres Könnens zeigt die Autorin vor allem in den eher stillen, ruhigen und nachdenklichen Momenten, die auf mich am Ergreifendsten wirkten; etwa wenn Moekaé von mitleidigen Menschen versorgt wird und die Erinnerungen an frühere Zeiten hochkommen. (S. 213) Oder wenn sie nach langem Leidensweg wieder dem alten, einst so stolzen und nun nur noch müden, Häuptling Dull Knife gegenübersteht. „Ich dachte, Indianer weinen nicht.“ Offensichtlich ein Irrtum, und es mag durchaus sein, daß dann nicht nur im Buch die Tränen fließen, weil gerade in solch ruhigen Szenen eine Eindringlichkeit zutage tritt, die tief unter die Haut geht und berührt.

„Ich möchte mit meinen Büchern unterhalten, aber auch Wissenswertes vermitteln. Am meisten möchte ich jedoch Betroffenheit auslösen.“, schreibt die Autorin im Nachwort (S. 581). Beides gelingt ihr in diesem Roman. Der Schreibstil ist dermaßen „unterhaltsam“, daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Der „wissenswerte Teil“ besteht darin, daß zwar Moekaé und die Bronsons fiktive Figuren sind, an denen jedoch exemplarisch die Geschehnisse jener Zeit dargestellt werden. Denn der Überfall auf das Camp der Cheyenne, der Ausbruch aus Fort Robinson, die Verhältnisse in der Reservation und schließlich die Behandlung der Indianer durch die Armee - das ist historisch verbürgt und in den Geschichtsbüchern nachzulesen.

Am Beispiel der Protagonisten erzählt Kerstin Groeper die Geschichte der Cheyenne, vom Untergang des freien Lebens und der erzwungenen Anpassung an den Lebensstil des „weißen Mannes“, die alles andere als leicht war. Denn, so möchte man sagen, Cheyenne und Weiße lebten in völlig verschiedenen Welten. Der „weiße Mann“ brach in die Lebenswelt der Cheyenne ein und walzte rücksichtlos alles nieder, was ihm in den Weg kam. Die Cheyenne konnten untergehen - oder sich anpassen und versuchen zu überleben. Genau das, nämlich Überleben, will Moekaé, die von den Weißen dann Monika genannt wird. Als sie verwundet und am Ende ihrer Kräfte, dem Tod näher als dem Leben, von den Bronsons aufgenommen wird, prallen zwei Welten aufeinander, was noch durch die fehlende Verständigungsmöglichkeit verschärft wird.

In der Folge erleben wir das Zusammenleben und das sich langsam Annähern aus beiden Sichtweisen: der von Moekaé und auch aus der der aufnehmenden Familie Bronson. Eine besonders interessante Figur ist dabei der Vater Theodor, der zunächst mit allen üblichen Vorurteilen und Vorbehalten Indianern gegenüber behaftet und ein ewiger Griesgram ist, was beim Lesen für manchen Lacher gut ist. Seine Entwicklung im Buch ist wohl die deutlichste und macht die ganze Problematik des Aufeinandertreffens der Kulturen besonders anschaulich.

Allerdings, es war zu befürchten, geht all das nicht ohne Probleme und Mißverständnisse vonstatten, und mehr als ein Mal habe ich die Luft angehalten, ob sich manche schwierige Situation denn noch gut auflösen würde. So wurde es auch in diesem zweiten Teil, obwohl der überwiegend dem harten Leben auf einer neu gegründeten Farm gewidmet war, nie langweilig. Längen konnte ich keine feststellen, handlungsbezogene und beschreibende Abschnitte sind gut ausgewogen und lassen das Kopfkino lebhaft anspringen. Sehr angenehm ist mir auch das langsame Ausklingen des Buches aufgefallen.

Wenn dann die rund fünfhundertachtzig Seiten viel zu schnell gelesen sind, heißt es Abschied nehmen von Figuren, von denen ich kaum glauben kann, daß sie „nur“ fiktiv sind, so intensiv habe ich sie auf ihrem meist schweren Weg begleitet. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Welt verändert, nichts ist mehr wie es war, und wir können nur hoffen, daß den Überlebenden ein gutes Leben vergönnt ist.

Das Buch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.


Mein Fazit


Der schwere und leidvolle Weg der Cheyenne vom freien Leben in der Prärie in die Welt des weißen Mannes. Ein lesenswertes Buch, das den Cheyenne ein würdiges Denkmal setzt.

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verstorben, testament, geld, erbe, familie

Himmel zu vererben

Christa Rau , Celia Friedland ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Brunnen, 02.02.2016
ISBN 9783765520471
Genre: Romane

Rezension:

„Es ist ja nichts dabei, wenn wir als Christen leben, und wir müssten nur so tun, als ob. Wir wären ja nicht wirklich Christen, oder?!“
„Hört sich ganz okay an! Und was müsste ich so machen als Christ?“
(Seite 40f)

Meine Meinung

Was wäre man bereit zu tun, wenn eine große, eine sehr große, Erbschaft als Belohnung winken würde? Vor dieser Frage stehen die drei Hauptfiguren des Romanes. Die Bedingung für sie: sie müssen ein Jahr lang als bewußte Christen leben. Bisher hatten sie weder mit Kirche noch mit Christsein viel am Hut und demgemäß recht wenig Ahnung. Wie lebt man also als Christ? Was muß man tun und lassen, um als Christ durchzugehen? Und kann man nur so zum Schein, um eben die Bedingung zu erfüllen, als Christ leben, das Geld kassieren und dann mit dem bisherigen normalen Leben weiter machen?

Mit genau diesem Vorsatz, ein Jahr so zu tun als ob, und dann zur „Normalität“ zurückzukehren lassen die drei sich auf die Bedingung ein. Aber so leicht wird das denn doch nicht. Und kann man überhaupt ein Jahr lang, vierundzwanzig Stunden am Tag, schauspielern und etwas darstellen, was man nicht ist? Und selbst wenn das möglich wäre - wird man von dem, was man lebt, nicht berührt und verändert? Besteht - so die Intention der Erblasserin - nicht doch die Möglichkeit, daß aus dem „Schein“ ein „Sein“ wird, weil das, was man nach außen lebt am Ende doch nach innen wirkt?

Zumindest über diese letztere Möglichkeit denken die drei der Familie Grün überhaupt nicht nach, als sie sich auf das „Abenteuer Christsein“ einlassen. Aber genau so sieht es Simon: als ein Abenteuer, als eine Abwechslung vom Routinealltag. Daß ihm dann doch recht mulmig wird, als er zum ersten Mal in eine Gruppe der Gemeinde geht und so gar nicht weiß, was auf ihn zukommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber als ein Abenteuer der ganz eigenen Art entwickelt sich das, was eigentlich als Charade begonnen war, denn doch. Denn zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage: wie leben die eigentlich, die Christen? Was tun sie, was tun sie nicht? Und vor allem: was sagen unsere Verwandten, Freunde, Kollegen dazu, wenn wir plötzlich Christen sind? Der erste Weg führt ins Pfarrhaus, schließlich muß der Pfarrer wissen, wie man so als Christ lebt, was man braucht. Da kommen dann doch die ersten Zweifel, ob das denn gut gehen kann. Ob Geld all die Mühe und die Veränderungen im Leben wirklich rechtfertigt.

Im Weiteren verfolgt der Leser das Scheitern der Bemühungen von Alexa, Robert und Simon, nur nach außen hin als Christen zu leben. Denn sich auf so ein Abenteuer einzulassen bringt es unweigerlich mit sich, daß früher oder später der Punkt kommt, wo man persönlich „getroffen“ wird und aus dem Spiel plötzlich Ernst wird. Zumal die gewohnte Welt der Grüns langsam aber sicher in Trümmer zerfällt und sicher Geglaubtes plötzlich unsicher wird.

Die Autorin hat diese „Reise“ so gut beschrieben, daß ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und innerhalb kurzer Zeit, fast in einem Zug, ausgelesen habe. Mit eingewoben ist die Suche nach der Herkunft des Vermögens, die ein lange gehütetes dramatisches Geheimnis aus dem Leben der verstorbenen Tante Sophie ans Tageslicht bringt. Daneben erfährt einiges darüber, wie denn „die Christen“ so leben, und daß man - obwohl Christ - dennoch ganz normal sein kann. Eine besonders angenehme Nebenfigur ist der Pfarrer, der sich zunächst über das Anliegen der Familie Grün mehr als wundert, im Weiteren jedoch wunderbar unkompliziert ist. Leider, und das ist eigentlich mein einziger Kritikpunkt, bleiben etliche Nebenfiguren recht blaß, tauchen teilweise nur kurz auf und verschwinden wieder, auch wenn man eigentlich erwarten würde, ihnen nochmals zu begegnen.

So ist das Buch, wenn man so will, eine gelungene Mischung aus Fakt und Fiktion. Denn in die fiktive Handlung eingebaut sind einige Grunddinge und -überzeugungen, die „die Christen“ haben und solcherart fast schon spielerisch vermittelt werden, ohne daß es aufdringlich oder gar missionarisch erscheint, was auch dadurch deutlich wird, daß selbst am Ende eine gewisse Portion Skepsis übrig bleibt. Der Roman ist - neben seinem unbestreitbaren Unterhaltungswert - also auch für für Menschen geeignet, die vom christlichen Glauben wenig wissen und quasi nebenbei ein paar grundlegende Dinge darüber erfahren möchten.


Mein Fazit

Die Frage „Wie ticken die Christen“? wird in einem unterhaltsamen Roman mit ungewöhnlicher Ausgangslage beantwortet.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

liebe, vergebung, familie, trauer, kinder

Ein Vater für Zach

Irene Hannon , Antje Balters
Flexibler Einband: 294 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 02.06.2016
ISBN 9783867732468
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt viele Möglichkeiten, in einem Gefängnis zu sitzen - auch wenn keine Gitter vor den Fenstern sind. (Seite 222)

Achtung
Enthält unweigerlich Spoiler zu den vorherigen Bänden.


Meine Meinung

„Meistens war das Leben eine Aneinanderreihung von Herausforderungen. Man musste ständig mit Unvollkommenheit und Fehlern fertigwerden, musste Verluste verkraften und Hindernisse überwinden und auch an den finstersten Tagen die Flamme der Hoffnung in Gang halten.“ (Seite 260) Das könnte man eigentlich als das Motto der Reihe im Allgemeinen betrachten, ganz besonders trifft es jedoch auf diesen vierten und - leider - abschließenden Band zu.

Und die „Flamme der Hoffnung“ haben die Protagonisten in diesem Buch wirklich mehr als nötig, um alle Schwierigkeiten meistern zu können. Nathan Clay waren wir schon im Vorgängerband an seinem Tief- und Wendepunkt begegnet, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird er hier zur Hauptfigur, wenn der Leser ihn bei seinem Versuch, sich ein neues Leben in Freiheit aufzubauen, begleitet. Seine Geschwister J. C. und Marci haben ihn nach Nantucket eingeladen und so wohnt er - wie schon in den Jahren zuvor die beiden - in Ediths Ferienhaus.

Gleich zu Beginn des Buches trifft er bei Marcis Hochzeit auf Catherine Walker und ihren etwa sechsjährigen Sohn Zach. Der Titel des Buches läßt schon vermuten, in welche Richtung sich die Erzählung bewegen wird, und auch hier ist der Weg, der mehr als nur steinig ist, das Ziel. Nathan kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Im Gefängnis hat er viel gelernt und verdingt sich nun als Handwerker. Daneben tritt sein Talent zum künstlerischen Malen immer mehr hervor, was Kate (aus dem ersten der Lighthouse-Lane-Bände) die Gelegenheit zu einem Kurzauftritt gibt. Erst nach und nach kommt an Tageslicht, was ihn vor Jahren auf die schiefe Bahn gebracht hat.

Ganz anders bei Catherine Walker, die kürzlich nach Nantucket kam, um nach dem tragischen Tod ihres Mannes vor zwei Jahren ein neues Leben zu beginnen. Zu ihrem Sohn verhält sie sich überaus beschützend, so daß die Begegnung auf der Hochzeit nur von kurzer Dauer ist. Um so erstaunter sind beide, als sie sich kurz darauf wieder gegenüber stehen: Nathan wurde ihr als der Mann empfohlen, der ihr bei Renovierungsarbeiten helfen kann. So bleibt es denn nicht aus, wenn man den ganzen Tag über auf engem Raum zusammen ist, daß sich die beiden näher kennen lernen.

Tragisch - oder auch schicksalhaft - wird es, als zutage tritt, weshalb Catherine aus ihrem alten Leben geflohen ist. Man könnte es schon als eine besondere Ironie bezeichnen, daß ausgerechnet diese beiden Menschen aufeinander treffen mußten, denn auch wenn es über weite Strecken nicht so aussieht, können doch gerade sie mit ihrer jeweils individuellen Vorgeschichte zur Heilung des anderen beitragen - oder diese erst überhaupt ermöglichen.

Die Handlung wird an wesentlichen Punkten aus den Blickwinkeln beider - Catherine wie Nathan - erzählt, so daß man als Leser so gut wie immer beide Seiten kennt, beurteilen und verstehen kann. Die sich aus dem Zusammentreffen ergebende Problematik wird überzeugend dargestellt, die auftretenden und zu lösenden (inneren) Konflikte ergeben sich zwangläufig aus der Konstellation und zwingen die Beteiligten, sich mit der Situation, aber auch ihrer Vergangenheit und deren Bewältigung auseinanderzusetzen. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit die Vergangenheit die Gegenwart und vor allem die Zukunft beeinflussen darf und soll, wann es an der Zeit ist abzuwarten, weiterzugehen oder gar loszulassen (vgl. S. 134).

Wie schon im vorigen Buch der Reihe spricht die Autorin auch hier wieder schwierige Themen an, die ich in dieser Heftigkeit in so einem Buch allerdings nicht unbedingt erwartet hätte, jedoch Denk- und Handlungsweise der Protagonisten überzeugend erklären. Auch dieses Mal gelingt es der Autorin wieder hervorragend, ernste und gesellschaftskritische Themen in einen Unterhaltungsroman zu integrieren. Hiermit ist Irene Hannon endgültig in meine Liste der Lieblingsautoren/-innen aufgenommen worden und ich werde sehr bald weitere Bücher von ihr lesen. Drei davon habe ich zum Glück schon hier. Nur schade, daß ich von den Leuten aus der Lighthouse Lane nun nichts mehr hören bzw. lesen werde. Aber es spricht ja nichts dagegen, die Bücher ein weiteres Mal zu lesen - was ich sicherlich auf jeden Fall tun werde.


Mein Fazit

Mit der Geschichte um Nathan Clay und Catherine Walker geht die Serie um die Leute aus der Lighthouse Lane leider zu Ende. Trotz gesellschaftskritischer und ernster Themen und Momente ist auch dies ein Wohlfühlbuch, das mich mit Denkanstößen innerlich ruhig und zufrieden in die Welt zurück entließ.

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

islam, koran, christentum, kommunikation, bibel

Koran und Bibel: Die zwei größten Religionen im Vergleich

Thomas Schirrmacher
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 30.01.2017
ISBN 9783775157742
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der fundamentale Unterschied von Christentum und Islam kann allein schon am jeweils traditionellen (also vorkritischen) Verständnis ihrer heiligen Bücher aufgezeigt werden. (Seite 15)

Meine Meinung

Im Laufe der letzten Monate habe ich etliche Bücher über den Islam gelesen, jetzt dieses zum „Vergleich“ Bibel und Koran. Von all den gelesenen war dieses das mit deutlichem Abstand beste, weil der Autor auf überschaubarem Raum einen Überblick über die wesentlichen Aussagen und Inhalte der den Religionen zugrunde liegenden „Urkunden“, also ihrer heiligen Bücher, gibt. Das Buch ist bereits in 7. (erweiterter) Auflage erschienen, liegt auch in Übersetzung vor und das Feedback von islamischer Seite an den Autor zeigt, daß er dessen Positionen „korrekt und fair“ dargestellt hat (vgl. S. 9)

Das Buch weist einen klaren Aufbau auf, der es auch als Nachschlagewerk benutzbar macht. Zu jedem Thema gibt es zunächst kurz die Sicht des Korans, dann die der Bibel und anschließend die Erläuterungen dazu. Alleine beim Lesen wird bald deutlich, daß es mehr Trennendes als Verbindendes gibt, daß beiden Religionen ein völlig unterschiedliches Gottesbild zugrunde liegt und damit auch eine sehr verschiedene Sicht auf die Welt - und den Staat. Im Islam gibt es keine Trennung von „Staat und Kirche“, denn von seinem (des Korans, Anm. von mir) Schriftverständnis her wird er immer darauf abzielen, dass nicht nur die Moschee, sondern auch der Staat dem islamischen Recht untersteht und die gesamte Schöpfung und Lebenswirklichkeit vom Koran her gestaltet wird. (S. 77) Wie anders wirkt in diesem Zusammenhang der Satz Jesu Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. (S. 78, Mt 22,21, Mk 12,17, Lk 20,25) Wenn man so will, wird die Trennung von Staat und Kirche sowohl von Jesus selbst als auch den Aposteln (z. B. Römer, 13,1-7) bestätigt und unterstützt.

Aber der grundlegende Unterschied zeigt sich im Verständnis von Koran und Bibel. Der Koran gilt im Islam als von Ewigkeit her im Himmel existent; er wurde über einen Zeitraum von 22 Jahren an Mohammed „herabgesandt“, der alleinige Autor ist Allah. Die einzige gültige Fassung ist die im klassischen Arabisch, Übersetzungen im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es nicht, nur „Deutungen“ in andere Sprachen. (vgl. S. 28f) Wichtig ist, den Koran in der Ursprungssprache zu lesen und zu zitieren, unabhängig davon, ob man das versteht oder nicht. Ein gleiches gilt auch für Gebete. Es ist nicht zulässig, mit Mitteln der Textkritik an den Koran heranzugehen - tut man es doch, kann es in Extremfällen zum Todesurteil führen.

Ganz anders auch hier wieder die Bibel. Sie gilt als von Gott inspiriert und als Gottes Wort, aber durchweg geschaffen von Menschen, die ihrer jeweiligen Zeit und Herkunft verhaftet waren. Sie ist über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten entstanden, beinhaltet viele verschiedene (Schreib-)Stile und soll ausdrücklich in viele Sprachen übersetzt werden, damit die Menschen nicht nur den Klang hören, sondern vor allem verstehen, worum es geht. Schon die Jesusworte sind in der damaligen „Weltsprache“ Griechisch, nicht jedoch auf Aramäisch, was Jesus vermutlich sprach, überliefert. Ein textkritisches Herangehen an den Text ist seit jeher selbstverständlich.

Sowohl für den Islam als auch für das Christentum hat der Autor nur Positionen beschrieben, die jeweils allen Konfessionen gemeinsam sind. Dadurch bleiben historische Entwicklungen zwar außen vor, jedoch werden durch die diese Konzentration auf das Wesentliche, von jeweils allen anerkannte, die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten besonders deutlich sichtbar. Was mir immer wieder auffiel, ist das völlig verschiedene Gottesbild in beiden Religionen. Je weiter ich im Buch voran kam, um so schwerer wurde es für mich, davon auszugehen, daß Christentum und Islam den selben Gott verehren. Denn die Darstellung Allahs im Koran ist sehr verschieden von der Gottes in der Bibel, welcher sich schlußendlich in der Person Jesu selbst geoffenbart hat.

Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über die beiden wohl einflussreichsten und am häufigsten übersetzten Bücher der Geschichte (S. 11). Durch den klaren Aufbau, ergänzt durch ein Verzeichnis weiterführender Literatur, ist es nicht nur zum chronologischen Lesen, sondern später auch als Nachschlagewerk geeignet. Das bisher beste Buch, das ich bisher zum Thema „Christentum und Islam“ gelesen habe.

 

Mein Fazit

 Eine fundierte und sachliche „Gegenüberstellung“ von Bibel und Koran sowie deren Hauptinhalten, die Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede deutlich aufzeigt. Sehr empfehlens- und lesenswert, will man sich überblicksmäßig über beide Religionen informieren.

 


 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

vergebung, liebe, christlicher roman, freundschaft, insel

Eine perfekte Wahl

Irene Hannon
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 18.01.2016
ISBN 9783867732451
Genre: Romane

Rezension:

Manche Leute gehen durchs Feuer und verbrennen sich dabei so schlimm, dass ihre Wunden nie wieder heilen, aber andere werden auf eine gute Weise durch das Feuer geformt. (Seite 295)

Meine Meinung

Auch dieser dritte (von vier) Bänden der Bücher über die Leute aus der Lighthouse Lane ist für sich verständlich, wenngleich es natürlich hilfreich ist, die Vorgeschichten zu kennen. Die Handlung setzt nach der Hochzeit von J.C. und Heather ein als, Marci - J.C.’s Schwester - nach Nantucket kommt, um Heather während der Hochzeitsreise in ihrer Teestube zu vertreten. Danach will sie einige Wochen Urlaub machen, um anschließend auf Jobsuche zu gehen. Irgendwelche Bekanntschaften oder gar eine Beziehung sind in ihren Plänen nicht enthalten. Aber wie das mit Plänen so ist, sie halten sich nicht immer daran.

So war weder von ihr noch vom Arzt Christopher Morgan die gegenseitige Anziehung, welche sie schon beim ersten zufälligen Zusammentreffen verspüren, geplant. Denn, wenn auch aus verschiedenen Gründen, haben bei auf keinen Fall vor, jemals wieder eine Beziehung einzugehen. Wer nun meint, daß das eine Wiederholung der Geschichte aus „Der Held von nebenan“ ist, liegt mit seiner Einschätzung ziemlich falsch. Sicherlich ist das Motiv, keine Beziehung zu wollen, ähnlich, die Gründe - und Folgen für die Figuren - dafür jedoch sehr verschieden. Nur langsam, teilweise erst kurz vor dem Ende, kommt ans Tageslicht, um welche „Packen“ es sich handelt, sie die beiden mit sich herumschleppen. Vor allem bei Marci war ich überrascht, denn die Autorin hat Themen aufgegriffen und verarbeitet, die in dem Genre nicht unbedingt üblich bzw. zu erwarten sind.

Dieses dritte Buch empfand ich darob als das, was die Schwere der zu bewältigenden Probleme angeht, als das tiefschürfendste. Auch die Reaktionen der Betroffenen, die Bewältigung - oder Nichtbewältigung - und der Einfluß auf das Denken und Handeln der Figuren, das Ringen und Hadern mit Gott, waren äußerst glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben, so daß sich die Geschichte sehr folgerichtig bis hin zum Ende entwickelt hat. Dabei war es auch an düsteren Stellen niemals düster oder gar hoffnungslos geschrieben, so daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, bis ich am Ende wußte, wie sich alles auflösen und fügen würde. Der Stil ist gut lesbar, Figuren wie Orte konnte ich mir immer vorstellen, das vielzitierte Kopfkino sprang gleich bei den ersten gelesenen Sätzen an.

Schuld und Vergebung spielten schon in den Vorgängerbänden eine Rolle, was kein Wunder ist, da diese Thematik wohl jeden Menschen mehr oder weniger stark betrifft. Aber im Vergleich zu den beiden ersten Lighthouse-Bänden wurden Ursachen wie Wirkung hier am deutlichsten thematisiert, was dieses Buch für mich zum bisher besten der Reihe macht.

Am Ende ist diese Geschichte erzählt, und habe das Buch mit einem wohligen Gefühl geschlossen. Bleibt im Band vier nur noch Nathan, Marcis Bruder, und sein Schicksal übrig, bevor es endgültig Abschied nehmen heißt von den Leuten in der Lighthouse Lane.


Mein Fazit

Ernste Themen in einen guten Unterhaltungsroman unterzubringen, ist alles andere als leicht. Irene Hannon hat das im für meine Begriffe im bisher besten Buch der Lighthouse Lane-Reihe hervorragend gemeistert.

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127 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

science fiction, blake crouch, thriller, chicago, parallelwelten

Dark Matter. Der Zeitenläufer

Blake Crouch , Klaus Berr
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.03.2017
ISBN 9783442205127
Genre: Romane

Rezension:

Aber am Ende ist das alles nichts anderes als das Leben selbst. Wenn man mittendrin steckt, erscheint es einem oft nur banal und alltäglich. Aber muss man nicht genau damit seinen Frieden machen? (Seite 379)

Meine Meinung

Was-wäre-wenn-Geschichten mag ich gerne, bieten sie doch oft Anregung, um über Gott, die Welt und das eigene Leben nachzudenken. Die meisten, die ich kenne, sind Filme und zählen entweder zu den christlich geprägten oder den Weihnachts- bzw. besser Winterfilmen. Insofern war ich sehr gespannt, wie ein Autor in einem Buch, das keinem dieser genannten Genres zuzurechnen ist, die Thematik angehen würde. Am Ende, das vorweg, bin ich damit nicht so ganz zufrieden. Aber der Reihe nach.

Das Ausgangsszenario ist mehr oder weniger klassisch: Jason Dessen ist mit seinem Leben eigentlich zufrieden und geht nur mal für eine Stunde weg - um jedoch nicht mehr zurückzukommen. Eine ganze Weile rätselt man als Leser genauso wie die Hauptfigur, war eigentlich passiert und in welcher seltsamen Welt er gelandet ist. Wo er anscheinend bekannt ist, nur daß er niemanden kennt. Auch seine Reaktion darauf kennt man, und es ist in so einer Situation wohl die einzig Mögliche: Desorientierung, Fluchtgedanken, der Wille nach Hause zurück zu kommen. Und ab da wird es dann ganz anders.

Langsam enthüllt sich, was eigentlich passiert ist, durch wen und weshalb. So unglaublich das klingt (nicht nur für den Protagonisten), so einleuchtend ist die Erklärung, die der Autor dafür gibt. Hier spielen Quantenphysik und manche Theorien über das Universum eine Rolle, die vom Blake Crouch jedoch so erklärt wurden, daß auch ich als ausgesprochener Nicht-Physiker dem gut folgen konnte, Hilfreich war da sicherlich, daß mir früher schon das Eine oder Andere der Thematik in (Sach-)Büchern begegnet ist und mir nicht alles neu war.

Es sei nun dahingestellt, inwieweit das in realiter wirklich so wäre bzw. ist, innerhalb des Romans - und das alleine ist für mich an dieser Stelle wichtig - funktionieren diese Theorien jedenfalls und ergeben ein sinnvolles Bild. Insofern bin ich mit dem Buch durchaus zufrieden und wurden meine Erwartungen erfüllt.

Nicht ganz glücklich bin ich mit dem Verhältnis „Philosophie“ zu „Naturwissenschaft“. Von so einer Geschichte erwarte ich mir Denkanstöße, die Präsentation von verschiedenen „Leben“, zwischen denen sich der Protagonist entscheiden muß, die Infragestellung des bisher Gewesenen. Nun gibt der Autor zwar verschiedene Möglichkeiten, aber ich habe das Gefühl, diese wurden nur angerissen, nicht „durchdiskutiert“. Die Hauptfigur kam nicht zum Nachdenken über das eigene Leben, sondern wollte nur in das alte zurück. Bis hin zum Ende, das in einem regelrechten Showdown daherkam.

Für eine Was-wäre-wenn-Geschichte ist mir das in der Relation zu wenig. Die Möglichkeiten bzw. das Potential der Geschichte wurden für mich nicht ausgeschöpft. Die Auflösung empfand ich als rein thrillermäßig. Es bleibt ein Gefühl der Leere, der Unzufriedenheit zurück. Auch, weil brisante Themen wie die Skrupellosigkeit von Wissenschaft und Konzernen, wenn es um Macht, Profit und „Fortschritt“ geht zwar kurz angerissen, aber weiter nicht thematisiert werden.


Mein Fazit

Ein solider Unterhaltungsroman, in dem die Thriller- und Spannungsmomente die nachdenklichen deutlich überwiegen.

Eigentlich 3,5 Punkte, ergibt dann in diesem Fall abgerundet deren nur 3.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

politik, flüchtlinge, wählen, kultur, familie

Bürgerlich, christlich, sucht ...

Klaus Kelle
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 16.02.2017
ISBN 9783038481072
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der kleinste gemeinsame Nenner, der einen Staat zusammenhält, ist sein Versprechen, den Bürgern Schutz und Sicherheit vor Notlagen zu organisieren. Kann er das nicht einhalten, stellt sich irgendwann die Frage, wofür man ihn dann noch benötigt, diesen Staat. (Seite 154)

Meine Meinung

Das Buch macht es mir mit der Rezension ziemlich schwer, und zwar deshalb, weil es so gut war. Der Autor ist fast so alt wie ich und hat anscheinend - was die politische Denkweise betrifft - eine recht ähnliche Entwicklung wie ich auch durchgemacht. Dauernd war ich beim Lesen am Nicken und zustimmen „ja, genau so ist es“. Was, außer dem Hinweis, das Buch doch bitteschön selbst zu lesen, weil der Autor recht hat, bleibt da noch übrig?

"Ich habe meine wesentlichen Prinzipien in all diesen Jahren nicht verändert. Damit war die CDU immer meine eigentliche politische Heimat. Doch heute fühle ich mich heimatlos. Nicht, weil ich meinen Standpunkt geändert hätte, sondern andere ihren. Und sehr viele Menschen da draußen haben genau die gleiche Erfahrung gemacht wie ich." (S. 15) Stimmt, ich bin selbst einer der „vielen Menschen da draußen“. Aber wer traut sich angesichts des schier übermächtigen, alles nivellierenden Zeitgeistes, sich noch zu einem Standpunkt zu bekennen? Zumal zu einem konservativen im besten Sinne des Wortes?

Klaus Kelle tut dies dankenswerterweise - und es war äußerst wohltuend zu lesen, daß es „da draußen“ anscheinend doch noch andere Menschen gibt, die ähnlich denken und empfinden wie ich, die viele der derzeitigen Entwicklungen als falsch und irreführend ansehen und nicht alle Prinzipien den Erfordernissen des Zeitgeistes opfern.

In Kapiteln wie „Am Wahltag ist Zahltag“, „Familie bleibt die letzte Verteidigungslinie“, „Deutschland und seine Partner in der Welt“ oder „Der ‘Kampf gegen Rechts’ als Geschäftsmodell“ geht er kritisch auf aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen ein. Er schreibt von der Blindheit und Voreingenommenheit gegenüber möglichen Gefahren (vgl. dazu auch die Berichterstattung der letzten Wochen in der Welt am Sonntag zum Behördenversagen im Fall Amri), oder darüber, daß der Antisemitismus in Deutschland "nicht nur nicht mehr geduldet, sondern nach deutschen Maßstäben drastisch bekämpft" wird. "Außer natürlich, wenn der Antisemitismus von Muslimen oder Politikern der Linken ausgeht. Dann wird die deutsche Staatsräson, sagen wir mal: ein wenig großzügig ausgelegt." (S. 120) Er belegt dies mit einigen Beispielen.

Das „christlich“ aus dem Titel taucht eigentlich nur in einem Kapitel („Stinkreich und ohne das Feuer des Glaubens“) auf. Und da hat endlich einmal einer das geschrieben, was schon lange geschrieben hätte werden müssen:
„Kein Mensch muss an einen Gott glauben. Keiner muss die Lehre von Jesus Christus ernst nehmen. Aber die, die es aus freiem Willen tun, können göttliche Vorgaben nicht einfach ignorieren, weil der Zeitgeist anders weht.“ (S. 207) Denn eine Kirche, die sich auf göttliche Lehre beruft, kann dieselbe nicht einfach nach Gutdünken (oder eben dem Zeitgeist) ändern. (Vgl. S. 207)

Alles in allem gesehen hat hier endlich ein Autor eine klare konservative Linie vertreten und auch begründet, warum in diesem Rechtsstaat irgendetwas schief läuft (vgl. S. 167). Ein für meine Begriffe notwendiges und schon lange überfälliges Buch. Oder anders: Das beste Sachbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe.


Mein Fazit

Eine schonungslose Analyse des heutigen Deutschland aus wertkonservativer Sicht.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, familie, insel, vergangenheit, jugend

Der Held von nebenan

Irene Hannon
Flexibler Einband: 310 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 28.08.2015
ISBN 9783867732444
Genre: Romane

Rezension:

Hätte ich nur.
Aber an der Vergangenheit ließ sich nichts mehr ändern. Sie konnten nur noch in die Zukunft schauen, und sie war dazu auf jeden Fall bereit.
(Seite 272)

Meine Meinung

Im Vorgängerroman „Gezeiten der Hoffnung“, dessen Kenntnis zum Verständnis dieses Buches allerdings nicht notwendig ist, wurde der Schauplatz Nantucket bereits eingeführt, so daß ich mich dort gleich wieder „heimisch“ fühlte. Diese Geschichte spielt nun zwei Häuser weiter als die vorige, erfindet sicher das Rad nicht neu und mag die eine oder andere Parallele aufweisen. Dennoch ist es ein eigenständiger Roman, dessen Hauptfiguren sich mit ganz anderen großen wie kleinen Problemen herumschlagen müssen.

Wobei nicht immer gleich ersichtlich ist, was denn die großen und was die kleinen Probleme sind. Justin Clay, oder J.C., wie er auch genannt wird, will abschalten, zur Ruhe kommen, die Geschehnisse des letzten Einsatzes verarbeiten. Die Insel bietet ihm genau die richtige Umgebung dazu, zumal sein dortiger Chef ein Kollege aus früheren Tagen ist. Bald wird aber deutlich, daß das nicht sein einziges Problem ist, denn sein Bruder sitzt im Gefängnis; trotz aller Kontaktversuche ist das Verhältnis gespannt. Überhaupt nicht in seinem Plan enthalten war schließlich die Bekanntschaft mit einer Frau wie Heather Anderson.

Diese wiederum hat selbst schwierige Familienverhältnisse sowie eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Eine neue kommt für sie nicht infrage - bis J. C. in das Nachbarhaus einzieht und sich sofort eine gewisse gegenseitige Anziehungskraft bemerkbar macht.

Sehr schön und nachvollziehbar wird - aus beider Sicht - beschrieben, wie sie sich gegen die unleugbare Anziehung zu wehren versuchen, was „natürlich“ immer wieder schief geht. Auch Edith Chester, die schon aus dem Vorgängerband als „Kupplerin“ bekannt ist, hat ihre Finger mit im Spiel, ist sie doch J. C.’s Vermieterin.

Spätestens, als Heathers dreizehnjähriger Neffe die Bühne betritt, wird deutlich, daß alle Beteiligten mit einigen Problemen mehr als nur den üblichen zu kämpfen haben. Die Fassade beginnt zu bröckeln und es wird immer deutlicher, daß die Zeit naht, sich den eigentlichen Fragen zu stellen. Es sind Themen wie falsche Entscheidungen, Schuld und Vergebung, welche hier eine Rolle spielen - also genau die Dinge, mit denen sich viele Menschen herumschlagen müssen.

Auch hier spielt der Glaube die zurückhaltende Rolle, die er in den „Gezeiten der Hoffnung“ hatte. Nicht alle sind gläubig, wollen etwas davon wissen oder gar missionieren. Er redete zwar nur über seinen Glauben, wenn er darauf angesprochen wurde, aber er praktizierte die Grundsätze dieses Glaubens. (Seite 220) Weder wird die Thematik groß in den Vordergrund gestellt noch wird sie, wie heute ansonsten weithin üblich, einfach verschwiegen. Es ist Teil des Lebens; beim einen mehr, beim anderen weniger. Wie es eben so ist.

Insgesamt gesehen habe ich auch dieses Buch als Wohlfühlbuch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, empfunden. Mit leichter Melancholie habe ich die letzte Seite gelesen, weil es nun unweigerlich heißt, sich von den liebgewordenen Figuren, die ich fast persönlich zu kennen meine, zu verabschieden. Da im dritten Band der Reihe allerdings J. C.’s Schwester eine Hauptrolle übernehmen wird, besteht durchaus die begründete Hoffnung, auch den Figuren aus diesem Roman wieder zu begegnen. Nicht zuletzt deshalb heißt es also bald zurückkehren nach Nantucket zu den Leuten aus der Lighthouse Lane.


Mein Fazit

Die Geschichten um die Leute aus der Lighthouse Lane gehen weiter - ein Wohlfühlbuch, das auch vor ernsteren Inhalten nicht Halt macht und den Leser am Ende ruhig und zufrieden in die Realität zurück entläßt.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

jane austen, gesellschaft, liebe, england, mansfield park

Die jüngste Miss Ward

Joan Aiken
Fester Einband: 439 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.01.2000
ISBN 9783257062335
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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24 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

glaube, liebe, vergangenheit, freundschaft, vergebung

Ein Brief für dich

Dorothea Morgenroth
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 27.02.2017
ISBN 9783957341907
Genre: Romane

Rezension:  
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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

christlicher roman, liebe, verlust, krankheit, glaube

Gezeiten der Hoffnung

Irene Hannon
Flexibler Einband: 314 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 13.07.2015
ISBN 9783867732437
Genre: Romane

Rezension:

Wie kommt es eigentlich, dass es nie leicht ist, Herr? (Seite 106)

Meine Meinung

Amerikanische Kleinstädte im Allgemeinen und solche auf Inseln im Besonderen scheinen eine ganz eigene Anziehungskraft zu besitzen, sonst wären sie nicht immer wieder Schauplätze für Bücher, Bücherserien und Filme. Soweit ich sie kenne, verbinde ich damit eine eher kleinstädtisch-ländlich geprägte Kulisse und einen Menschenschlag, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Zu Beginn kommt meist jemand von außerhalb, mehr oder weniger problembeladen, entweder zufällig oder um einen neuen Anfang zu machen, der sich im Verlauf der Handlung integriert und seßhaft wird. Es geht also nicht um eine verzwickte Handlung mit vielen unerwarteten Wendungen und völliger Unvorhersehbarkeit des Endes, sondern der Weg ist das Ziel.

Das ist einerseits eine Art der Geschichtenerzählung, wie ich sie mag, weil sie andererseits sehr einem entspannten Lesegenuß förderlich ist. Und genau solches habe ich in diesem Buch gefunden. Das bedeutet nun nicht die Abwesenheit jeglicher Spannung oder Überraschung, aber eben in solch sinnvollen Grenzen, daß die Nerven nicht zum Zerreißen gespannt werden; nun, das würde ohnehin nicht zum Genre passen.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Stimmung und das Flair einer solchen Kleinstadt, die zudem auf einer Insel liegt, einzufangen. Zumindest soweit ich das beurteilen kann. Und obwohl ich mich mit dem Meer und allem, was damit zusammenhängt, eigentlich gar nicht anfreunden kann, hat sie es verstanden, Land und Leute so zu schildern, daß sogar ich als „Landratte“ mich dort vermutlich heimisch fühlen könnte.

Als ein weiteres großes Plus habe ich empfunden, daß - was im Genre des christlich geprägten Romans durchaus nicht immer anzutreffen ist - die Figuren auch in ihrer religiösen Einstellung bzw. der Häufigkeit, wie sie sich zu dem Thema - wenn überhaupt - Gedanken machen, sehr realitätsnah beschrieben wurden. Oft ist es ja so, daß „zufällig“ alle Hauptpersonen schwerwiegend religiös und kirchlich aktiv sind oder es im Verlauf der Handlung werden. Das dürfte oft ein Wunschdenken sein, welches im normalen Leben eher selten vorkommt. Hier im Buch ist das nicht so. Sicherlich gehen die meisten am Sonntag in die Kirche, beten in passenden Situationen, schreien dem Herrgott ein „meine Güte, warum das auch noch“ entgegen - und versuchen, mit ihrem Leben und so mancherlei widrigen Umständen und Belastungen aus der Vergangenheit so gut fertig zu werden, wie es eben möglich ist, ohne den Sinn für die Ansprüche und Möglichkeiten der Realität aus den Augen zu verlieren. Eben ganz so, wie das bei vielen Menschen im ganz normalen Leben auch ist. Mit anderen Worten: das Thema ist natürlicher Bestandteil des täglichen Lebens der Figuren, ohne daß es schamhaft verschwiegen wird (wie das heute meist üblich ist), aber auch ohne besondere Betonung darauf.

Dennoch ist es keine „einfach so dahinplätschernde“ Handlung, sondern im Verlauf des Buches wird deutlich, daß sowohl Kate als auch Craig mit schweren seelischen Belastungen und „Packen“ aus der Vergangenheit zu ringen haben, die ihr Denken und Handeln immer wieder beeinflussen und manches schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Sie müssen sich mit Schuld, Vergebung, mit dem Loslassen der Vergangenheit auseinandersetzen, wollen sie nicht im Laufe der Jahre innerlich aufgefressen werden. Sowohl die Ausgangssituationen als auch die Auseinandersetzung (und letztlich „Auflösung“) damit schien realistisch und war für mich nachvollziehbar.

Ein dickes Lob bei der Gelegenheit übrigens für den deutschen Verlag, der die Reihe vollständig veröffentlicht hat. Wieder einmal (nach dem Boas-Verlag mit der Cape-Refuge Serie von Terry Blackstock) ist es ausgerechnet ein kleinerer Verlag, der zeigt, daß es geht - der den Mut zur Vollständigkeit hat und nicht mitten in einer Reihe oder Trilogie abbricht.

Am Ende angekommen, ist diese Geschichte auserzählt. Allerdings bieten sich genügend Anknüpfungspunkte für weitere Romane in dieser Umgebung, die die Autorin auch genutzt hat. Glücklicherweise liegen bereits alle vier Bände in deutscher Sprache vor, so daß mein nächster Leseausflug nach Nantucket sicher nicht lange auf sich warten lassen wird.


Mein Fazit

Ein Wohlfühlbuch mit ernsten Untertönen. Der Einstieg in die Geschichten um die „Leute aus der Lighthouse Lane“ ist gelungen und macht neugierig auf die Folgebände.


4,5 Punkte ergibt aufgerundet deren 5

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer

Gabriele Hoffmann
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 20.10.2014
ISBN 9783458176176
Genre: Biografien

Rezension:

Bismarck war für sie alles, und sie ihm das Beste und Liebste im Leben. (Seite 115)

Meine Meinung

Er war neunundzwanzig Jahre alt, hatte beruflich alles probiert, was ihm als standesbewusstem Adeligen möglich war, und sah keinen Weg mehr, sein Leben zu ändern. (Seite 39) Wer käme darauf, daß dieser Satz auf den Eisernen Kanzler gemünzt ist? Denn mit bekannten Menschen ist es ein gar seltsam Ding: man kennt sie in meist vorgerücktem Alter und stellt sie sich immer so vor. Aber auch sie waren einmal jung und ganz anders, als die Vorstellung sie erscheinen läßt. Kommt man dann mit dieser anderen Seite in Berührung, mag das bisweilen wie eine Art „Denkmalschändung“ erscheinen. Dabei ist es alles andere als das.

Denn ein Mensch wird zu dem, was er ist, (auch) durch die Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat; die Kenntnis eben dieses Lebens vermag zu einem besseren Verständnis führen und manches, was unerklärlich schien, wird plötzlich (glas-)klar. Und vielleicht wird aus einem „Gotthelden“ auf ein Mal ein Mensch aus Fleisch und Blut, selbst wenn er schon lange verblichen ist und „nur“ noch sein Andenken fortlebt. Und die Folgen seiner Handlungen. Und die „Folgen der Handlungen“ Bismarcks wirken bis heute fort.

Mein Interesse für Bismarck wurde durch den gerade gelesenen Roman „ Der Jahrhundertsturm“ geweckt. Da mich nun zunächst eher der Mensch denn der Politiker interessierte, schien mir dieses Buch eine gute Wahl zu sein.

Es war eine sehr gute Wahl.

Johanna von Puttkamer erschien im „Jahrhundertsturm“ eher als, überspitzt ausgedrückt, „zweite Wahl“ und vor allem sehr unscheinbar. Wenn man dieses Buch hier gelesen hat weiß man, daß diese Einschätzung in jeder Hinsicht nicht zutrifft. Bismarck hat sich sehr bewußt für eben diese Frau entschieden (und diese für ihn). Auf Grund ihrer pietistischen Herkunft mag sie vielen Zeitgenossen als „unscheinbar“ erschienen sein, wenn man aber die Darstellung von Gabriele Hoffmann liest, wird bald klar, daß dies ein Vorurteil ist.

Beginnend mit der Jugend begleiten wir Bismarck und seine (spätere) Frau bis ins hohe Alter und zu ihrem Tod, hören wir vom „Wilden Junker“, wie er in jungen Jahren verschrien war, seiner Brautwerbung und Heirat, seinem „Seßhaftwerden“ und seiner politischen Karriere bis hin zu deren Ende und den letzten Jahren im Ruhestand. Auf rund dreihundertfünfzig Seiten das Leben zweier Menschen zu beschreiben, ist eine mitunter durchaus schwierige Aufgabe, welche die Autorin in hervorragender Weise gemeistert hat. Allein die vielen auftretenden Personen haben mich mitunter etwas in Verwirrung gestürzt, ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen - und das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt an dem Buch.

In meinem Kopf ist beim Lesen das Bild eines Mannes entstanden, der seine Ecken und Kanten hatte, mit dem oft gewißlich nicht leicht umzugehen war, der mit zunehmendem Alter an Krankheiten litt, dem weder Telefon noch Fax und schon gar keine Computer oder gar Smartphones zur Verfügung standen - und der trotzdem (oder deswegen?) eine politische Leistung vollbrachte, die bis heute ihresgleichen sucht. Zunehmend öfter habe ich mich gefragt, wie er - zumal mit den Mitteln seiner Zeit - dies alles bewältigen konnte.

Eine Hilfe dabei war ihm immer wieder seine Frau, die vielleicht mehr zum Erfolg beigetragen hat, als weithin angenommen wird. Daß es in den langen Ehejahren auch schwierige Zeiten gab, die überwunden werden mußten, versteht sich dabei von selbst. Immer wieder mußte das (eheliche) Gleichgewicht neu austariert, mußte das Verhältnis zueinander auf eine tragfähige Grundlage gestellt werden, um den Ansprüchen des Lebens zu genügen. Langjährige Ehepaare werden das aus eigener Erfahrung kennen und wissen.

Wenig erfährt man heute allgemein darüber, daß Bismarck zu seiner Zeit nicht nur Bewunderer, sondern auch Gegner und Feinde hatte. Auch dieses wird im Buch deutlich, desgleichen die Auswirkungen auf seine Gesundheit und Ehe. Die Namen all derer, die Bismarck später stürzten und ihm hinterher aus Rache- und Machtgelüsten das Leben schwer machten, ihn verleumdeten, Intrigen sponnen, sind dem allgemeinen Gedächtnis weithin entschwunden - oder negativ behaftet, wie etwa der von Kaiser Wilhelm II. Geblieben ist die Erinnerung und das Lebenswerk des ersten Kanzlers des Deutschen Reiches, welches - wie dieses Buch deutlich macht - ohne die Unterstützung seiner Frau so wohl nie zustande gekommen wäre. Auch, oder gerade, obwohl Bismarck sehr dem Rollenverhältnis bzw. -verständnis des 19. Jahrhunderts verhaftet war, was ein umso helleres Licht auf Johanna von Puttkamer wirft.

Selten habe ich, und in einem Sachbuch schon gar nicht, ohne jeglichen Kitsch und dennoch - oder gerade deshalb - so ungemein ergreifend über die Abschiedsgedanken eines Menschen gelesen, der nur noch das Ende erwartet; oder etwa den Tod eines Menschen, wie hier über das „Verlöschen“ der Fürstin von Bismarck.

Ein Buch, das - laut Nachwort - für ein breites Publikum gedacht ist. Ein Buch, dem ich weite Verbreitung und vor allem viel gelesen werden wünsche. Ein Buch, von dem ich sicher bin, daß ich - obwohl gerade mal eineinhalb Monate des Jahres vergangen sind - eines meiner Jahreshighlights gelesen habe.


Mein Fazit

„Die Geschichte einer großen Liebe“ lautet der Untertitel, und genau das bietet die Autorin. Der Politiker Bismarck wird vom Denkmalpodest geholt und als (Familien-)Mensch Bismarck beschrieben. Überaus lesenswert.

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Die Königlich Preussischen Staatseisenbahnen. ihre Geschichte, Lokomotiven und Wagen in Wort u. Bild.

Albert Sauter
Geheftet: 70 Seiten
Erschienen bei Franckh'sche Verlagshandlung, Frankfurt, 01.01.1974
ISBN 9783440040010
Genre: Sonstiges

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The Youngest Miss Ward

Joan Aiken
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei St Martins Pr, 01.12.1998
ISBN 9780312193751
Genre: Sonstiges

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dübell, historisch, luftfahrt, fliegen, zeppelin

Der Jahrhunderttraum

Richard Dübell
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 13.01.2017
ISBN 9783548288277
Genre: Historische Romane

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bismarck, historischer roman, eisenbahn, deutschland, 19. jahrhundert

Der Jahrhundertsturm

Richard Dübell
Flexibler Einband: 1.056 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.02.2015
ISBN 9783548286648
Genre: Historische Romane

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Wir werden eher erleben, daß ein Telegramm einen Krieg auslöst als einen beendet, das versichere ich Ihnen. (Seite 709)

Meine Meinung

Einen langen Zeitraum umfaßt dieses Buch und das Gefühl, es seien seit Handlungsbeginn viele Jahre verflossen, stellte sich mehr und mehr ein, womit angedeutet ist, daß Form und Inhalt sich durchaus entsprechen. Wenn man zudem bedenkt, was in der Zeit zwischen Anfang und Ende (zwischen ca. 1840 und 1871) des Buches alles geschehen ist, wird einem klar, daß der Autor in der Tat (wie er im Nachwort schreibt) vieles weglassen mußte - und der Roman dennoch rund tausend Seiten umfaßt. Trotz des langen Zeitraumes und mancher Zeitsprünge empfand ich das Buch wie aus einem Guß, nie schien es mir, als ob etwas fehlen würde.

Der Autor versteht es hervorragend eine Welt im Umbruch lebendig werden zu lassen, indem er seine Figuren an die Brennpunkte schickt, an denen - wie wir heute wissen - sich entscheidende Momente der Geschichte befinden. Das ist ziemlich zu Beginn die Begegnung mit dem „Adler“ - der ersten Lokomotive in Deutschland. Zu dem Zeitpunkt ist sie etwa fünf Jahre alt und Entwicklung wie Verbreitung der Eisenbahn stehen noch ganz am Anfang. Welch ein Unterschied zum Ende des Buches, als es bereits ein weitverzweigtes Eisenbahnnetz gab!

Das Buch ist gut lesbar geschrieben, die Balance zwischen Beschreibung und Handlung empfand ich als sehr ausgewogen und genau richtig. Figuren wie Orte konnte ich mir gut vorstellen, durch den flüssigen Stil war ich nach einer Lesepause immer schnell in der Geschichte drin, ohne daß ich lange überlegen mußte, was denn bisher geschehen ist.

Als „alter Eisenbahnnarr“ hat mich natürlich deren „Separatgeschichte“ innerhalb des Buches besonders interessiert. Auch in dieser Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht, läßt der Autor doch quasi nebenbei die Umstände des Eisenbahnbaus mit in die Geschichte einfließen. Soll heute eine Bahnstrecke neu gebaut werden, so ist das ein Unterfangen von vielen Jahren, bis alleine die Planung so weit abgeschlossen ist, daß mit dem Bau begonnen werden kann. Denn kaum tauchen Gerüchte über eine Neubaustrecke auf, formiert sich auch schon Widerstand dagegen. Wäre das damals bereits so gewesen, die Eisenbahn wäre vermutlich schon in ihren ersten Jahren mit Pauken und Trompeten gescheitert und zur Randnotiz der Geschichte geworden. So aber wurden ohne viel Federlesens die Strecken geplant und gebaut, eine „Bürgerbeteiligung“ gab es nicht. Es versteht sich, daß es dabei auch zu eher unschönen Szenen und Entwicklungen kam.

Immer wieder ein Thema ist auch die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ und die gegenseitigen Animositäten. Wenn ich die im Buch geschilderten gegenseitigen Vorurteile mit den heutigen gegenüber Ausländern vergleiche, so hat sich eigentlich in den letzten einhundertfünfzig nicht viel verändert.

Ein Handlungsstrang, der mir nicht so zusagte und den ich am Ende denn doch als zu lang empfand, war der um Pauls Schwester Lily. Diese fühlt sich von ihm um ihr Erbe und um Anerkennung betrogen und trachtet ihm darob das ganze Buch hindurch nach dem Leben. Das, in Verbindung mit einer weiteren Motivation, die ich hier nicht spoilern möchte, brachte zwar ein Element der Spannung und des Abenteuers mit in das Buch, aber letztlich war mir das, vor allem gegen Ende hin, doch zu viel. Da hätte ich mir gewünscht, daß dieser Handlungsstrang deutlich früher zu einem Ende geführt worden wäre.

Etwas irritierend scheint mir auch die Selbstverständlichkeit des Dreiecksverhältnisses zwischen Alvin, Louise und Paul, vor allem auch im Hinblick darauf, daß Alvin preußischer Offizier war. Ob da nicht eher die Einstellung des 21. denn die des 19. Jahrhunderts durchkommt?

Besonders gelungen fand ich, daß Otto Fürst von Bismarck immer wieder auftauchte. Alvin lernte ihn in der Jugend kennen, wodurch sich eine lebenslange Freundschaft entwickelte. Dabei kommt Bismarck, was seinen Charakter betrifft, nicht immer gut weg. Dennoch (ob der Autor wohl solches im Sinne hatte?) wurde er mir im Verlauf des Buches immer sympathischer und mein Respekt vor seiner Leistung wuchs. Momentan lese ich ein Buch über Bismarck und muß manchmal lächeln, wie gut Dübell so manches Ereignis in seinen Roman mit verwoben hat. Nur beim geschilderten Verhältnis zu seiner Frau Johanna bin ich mir nicht so sicher, ob das bzw. Frau von Bismarck selbst im Roman zutreffend dargestellt wurden. Die Schilderung von Gabriele Hoffmann in „Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer“ des Verhältnisses der beiden zueinander scheint mir doch eine andere zu sein. Für den Roman ist das allerdings eher weniger wichtig.

Alles in allem bereitete mir das Buch viele, bisweilen vergnügliche, streckenweise lehrhafte, immer aber unterhaltsame Stunden. Ich habe die Figuren gerne durch die Jahrzehnte begleitet und dabei auch so manches über das Vorbild meines Hobbys - die Eisenbahn - erfahren. Ein, bis auf die genannten Kritikpunkte, rundum gelungenes Buch, das ich vermutlich irgendwann wieder lesen werde.


Mein Fazit


Ein herausragendes Leseerlebnis, das mir „mein“ Jahrhundert, das Neunzehnte, in fast nicht gekannter Weise zum Leben erweckte, Zusammenhänge offenbarte, die mir bisher verborgen geblieben waren und mich (wieder) angeregt hat, mich mehr mit dieser Zeit und vor allem Otto Fürst von Bismarck zu beschäftigen.

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glaube, liebe, vergangenheit, christlicher roman, freundschaft

Unter dem Sternenhimmel

Elisabeth Büchle
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341358
Genre: Romane

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Waverley oder 's sechzig Jahre her

Walter Scott
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei DTV, 01.08.1982
ISBN 9783423021050
Genre: Historische Romane

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