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50 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

glaube, liebe, vergangenheit, christlicher roman, weihnachten

Unter dem Sternenhimmel

Elisabeth Büchle
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341358
Genre: Romane

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Waverley oder 's sechzig Jahre her

Walter Scott
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei DTV, 01.08.1982
ISBN 9783423021050
Genre: Historische Romane

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lüge, wahrheit

Wahrheit und Wandlung

Vishal Mangalwadi
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 21.09.2016
ISBN 9783038480938
Genre: Sachbücher

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

waidbach, st. petersburg, wolga, 1800

Weiter Himmel, wilder Fluss

Martina Sahler
Fester Einband: 335 Seiten
Erschienen bei Weltbild, 01.01.2016
ISBN 9783955694708
Genre: Sonstiges

Rezension:

Alles, alles zerstört der Krieg. Die Beziehungen unter den Menschen, den Glauben an Gerechtigkeit, die Menschlichkeit ... Alles verliert an Bedeutung: Tapferkeit, Ruhm, Ehre. (Seite 231)

Meine Meinung


Scheinbar unendlich lange ist es her, daß sich im fernen Büdingen ein Treck mit Auswanderen gen Russland in Bewegung setzte. Die wir in ihrer Jugend kennengelernt haben, sind nun um die fünfzig und darüber; die nächste - und teils übernächste - Generation wächst heran. Manches, was am Ende des vorherigen Bandes so überaus gut ausgesehen hat, entwickelte sich völlig anders - das Leben hat seinen Tribut gefordert. Als ob das nicht genug wäre, beginnt die Weltpolitik bis ins entlegene Waidbach ihre Auswirkungen zu zeitigen.

Bezieht man die beiden Vorgängerbände mit ein, sind es ein langer Zeitraum und ein weiter Weg, über die man die Figuren begleitet hat. Angesichts dessen, daß dies der Abschluß der Trilogie ist, hatte sich eine gewisse Melancholie bemerkbar gemacht, denn wenn dieses Buch weitere dreizehn Jahre später zu Ende gehen wird, ist absehbar, daß man nicht alle wird in ihr weiteres Leben entlassen können; es dürften einige Gräber entlang des Weges zurück bleiben.

Es wird immer wieder Bezug auf frühere Vorkommnisse genommen, diese aber im Kontext so weit erklärt, daß „Weiter Himmel, wilder Fluss“ auch ohne die Kenntnis der ersten beiden Bücher verständlich ist. Aber natürlich hat man mehr von der Geschichte, wenn man die bisherigen Geschehnisse präsent hat und die vollständigen Hintergründe kennt. Dabei ist es der Autorin mehrfach gelungen, mich zu überraschen.

Am Ende von „Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht“ hat man so seine Vorstellungen und Wünsche, wie es in der Kolonie weitergehen wird oder sollte. Aber vierzehn Jahre sind eine lange Zeit, nicht immer entwickelt sich etwas so, wie es ursprünglich aussieht. Schon der Blick in das dankenswerterweise wieder vorhandene Personenverzeichnis offenbart das. Ich bin mir nicht sicher, wer mich da am meisten überrascht hat; Frannek hat jedenfalls gute Aussichten auf Platz eins in dieser Liste.

Irritiert hat mich die Autorin, als unvermittelt der Blick zurück nach Deutschland ging und Christian aus Ellwangen eingeführt wurde. Mit ihm und aus seiner Sicht erleben wir Feldzüge Napoleons und schließlich den Einmarsch nach Russland. Zwar hatte ich eine Vermutung, weshalb er in die Handlung eingeführt wurde, jedoch hat mich auch hier die Autorin (positiv) überrascht und die über weite Strecken getrennt verlaufenden Handlungsfäden schließlich geschickt verknüpft.

Auch, wenn es nicht ausbleibt, daß Kriegshandlungen beschrieben werden, so empfand ich deren Schilderung, trotz der furchtbaren Dinge, die auf den Schlachtfeldern geschahen, erträglich. Wie schon so oft, wird es emotional am stärksten abseits der Kämpfe, wenn es gilt, den normalen Alltag, das Leben an sich zu meistern. Und mit den Geschehnissen zurecht zu kommen. Irgendwie.

Je weiter das Buch voran schreitet, je mehr Gräber bleiben naturgemäß am Rande des Weges zurück; immer wieder heißt es Abschied nehmen. Aber auch Neues zeichnet sich ab; das Leben geht weiter, die künftigen Generationen wollen zu ihrem Recht kommen. Als das Buch dann ausklingt, ist vieles anders gekommen, als die Figuren - und auch die Leser - erwartet haben.
Kriege kamen, Kriege gingen, Zaren und Kaiser rangen um die Macht. Menschen starben. Menschen wurden geboren. Die eine Liebe erstarb, die andere erblühte.
Zu irgendeinem Zeitpunkt musste sich wohl jeder die Frage stellen, was im Leben wirklich zählte.
(S. 332f)
Es ist diese Grundfrage, die immer wieder auftaucht, die sich viele der Figuren stellen und immer wieder neu beantworten mußten. Die Frage, die sich letztlich auch an die Leser richtet. Um irgendwann sagen zu können: Es ist Zeit zu gehen. Seid nicht traurig, seid dankbar für die Zeit, die wir miteinander hatten. (S. 219)

Mein Fazit

Das Buch erzählt die Geschicke der Waidbacher durch die Jahre der Napoleonischen Kriege hindurch fort. Der für mich stärkste und emotionalste Band der Trilogie.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

weihnachten, bethlehem, hirten, anam, suche

Das Gebet der Hirten: Eine Weihnachtserzählung.

Richard M. Barry
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 29.08.2016
ISBN 9783957341365
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es war, als hätte er gerade eine Verabredung mit seinem Schicksal getroffen. (Seite 51)

Meine Meinung


Es war die Leseprobe, die mich dazu verleitet hat, das Buch lesen zu wollen, denn es schien etwas aus der Reihe des Üblichen zu fallen, was sich dann bestätigt hat. Die Ereignisse der Weihnachtsnacht werden hier aus einem ganz anderen, ungewohnten, Blickwinkel erzählt, der vor allem die Dramatik der Geburt Jesu zur Geltung bringt. Denn die Erzählung beginnt mit dem durch Herodes veranlaßten Kindermord in Bethlehem (vgl. Mt 2,16-18). Recht bald wird klar, daß Anam diese Mordserie überlebt hat, von seiner Herkunft so gut wie nichts bekannt ist und er nun wissen möchte, wer er eigentlich ist und wer seine Eltern waren.

So macht er sich auf den Weg nach Betlehem, um dort auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung zu stoßen. Wie oft habe ich die Geschichte der ermordeten Kinder schon gehört, aber wer macht sich schon mehr Gedanken darüber; vor allem, was das für die betroffenen Familien bedeutet hat. Gerade dies wird hier deutlich, denn auch runde dreißig Jahre nach den Ereignissen ist das in Betlehem nicht vergessen. Der Schmerz sitzt tief; wer daran rührt, muß sich auf enormen Gegenwind einstellen. Erst dieses Buch hat mich zum Nachdenken darüber gebracht, was für ein Leid sich hinter den paar wenigen Versen im Matthäus-Evangelium verbirgt; es ist ein Verdienst des Autors, dieses bewußt zu machen.

Aber es gibt noch ein zweites, was Barry wichtig ist. Die Hirten waren die ersten, die dem neugeborenen Heiland huldigten; aber auch sie erhalten nur wenige Zeilen in den Evangelien. Der Autor gibt ihnen deutlich mehr Raum, spinnt fort, wie dieses einschneidende Erlebnis der Erscheinung der Engel das Leben dieser Hirten verändert und beeinflußt haben mag und ob sie wohl runde dreißig Jahre später immer noch an jene Nacht denken.

Insgesamt entwickelt Barry seine Geschichte sehr folgerichtig und glaubwürdig. Anam ist eine fiktive Figur, aber die Menschen, denen er auf seiner Suche begegnet (Einwohner Bethlehems, Hirten) könnten seinerzeit durchaus genau so gedacht und reagiert haben wie hier beschrieben, so daß die Erzählung eine gute Ergänzung zu den Evangelienberichten ist.


Mein Fazit

Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Hirten und Einwohner Bethlehems - eine andere Sicht auf eine bekannte Erzählung.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

leserunde, sachbuch;, friedefürst, israel, christlich

Das Prinzip des Terrors

Tass Saada , Christian Rendel , Dean Merrill
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Fontis – Brunnen Basel, 01.09.2016
ISBN 9783038480945
Genre: Sachbücher

Rezension:

In einem System von Auge um Auge, Zahn um Zahn ist am Ende die ganze Welt blind und zahnlos. (Mahatma Gandhi, Seite 170)

Meine Meinung

Was ist das Prinzip des Terrors, so der denn überhaupt eines hat? Wie „ticken“ diese Verbrecher, was treibt sie an, warum tun sie das? Es sind solche Fragen, die sicherlich nicht nur mich immer wieder beschäftigen. Ein ehemaliger Scharfschütze Arafats schien mir Antwort auf solche Fragen geben zu können, weswegen ich das Buch gelesen habe. Nun, ein paar Tage nach Beendigung, bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von dem Buch halten soll. Denn meine Erwartungen wurden nur zum Teil erfüllt.

Ich war auf ein eher sachliches Buch über Hintergründe und Motive der Terroristen eingestellt, angereichert mit einigen Gedanken, wie der Terrorismus zu überwinden ist. So begann das Buch auch, jedoch wurde es nach rund einem Drittel zusehends theologischer. Das ist, bitte mich nicht falsch zu verstehen, weder schlecht noch verkehrt, nur hatte ich das nicht erwartet. Und war auf Grund des Rückentextes so auch nicht zu erwarten. Das Buch wurde insoweit der Ankündigung nicht gerecht.

Denn den größten Teil des Buches nutzt der Autor, aus seinem Leben zu berichten, seiner Tätigkeit in einem Kinderhort in Jericho für christliche, jüdische und muslimische Kinder zu erzählen und zu argumentieren, das beste Mittel gegen den Terrorismus wäre, die Moslems zum Christentum zu bekehren. Das mag wohl so sein, hat in einem Sachbuch (und als solches war es angekündigt) für meine Begriffe jedoch eher wenig zu suchen und ist unter den gegebenen Umständen kaum mehr als ein frommer Wunschtraum, der sich nicht realisieren läßt.

Sehr gut gefallen hat mir allerdings im ersten Teil die Analyse „Wie Terroristen denken“. Hier vermochte Saada durchaus neue Einsichten und tieferes Wissen zu vermitteln. Vieles wurde mir dadurch verständlicher, auch wenn ich für vieles dennoch kein Verständnis aufbringen kann. Dieser Teil war sehr lesenswert und konnte bei mir Pluspunkte sammeln.

Insgesamt bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits bot Saada im ersten Teil gute Information und Einsichten in ein mir teils völlig fremdes Denken, andererseits argumentierte er im Weiteren rein theologisch mit einem Hang zum Missionieren. Hätte ich das Buch allerdings als ein theologisches bekommen und gelesen, hätte ich diesen Teil vermutlich interessant befunden; nicht immer gleicher Meinung mit dem Autor, aber eine gute Grundlage für eine Diskussion und weitere Beschäftigung mit dem Thema.


Mein Fazit

Eine gute Analyse mit Hintergrundinformationen, wie Terroristen ticken im ersten Teil wird gefolgt von einer mehr theologischen Darstellung des Themas, die eher für eine theologische denn für eine Sachdiskussion Argumente und Denkanstöße bietet.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

februar, russlanddeutsche, 2016

Dunkle Wälder, ferne Sehnsucht

Martina Sahler
Fester Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Weltbild, 01.01.2014
ISBN 9783863659943
Genre: Sonstiges

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

meacham

Sturmtage

Leila Meacham , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.09.2016
ISBN 9783442205172
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schau dir das Holz genau an, bevor du’s kaufst, sonst kracht dir das Haus, das du daraus baust, eines Nachts über dem Kopf zusammen. (Seite 141)

Meine Meinung

Das Buch ausgelesen, zufrieden zugeklappt, jetzt nur noch die Rezension. Das „nur noch“ entpuppt sich jedoch als einigermaßen schwierig, denn so recht fällt mir aus dem Stegreif nichts ein, was ich schreiben könnte oder sollte. Was vermutlich damit zusammen hängt, daß ich das Buch als sehr stromlinienförmig und glattgebügelt empfunden habe. Alles entwickelt sich folgerichtig, an einigen Stellen helfen Zufälle nach, die aber, wenn ich es recht bedenke, auch im realen Leben durchaus wahrscheinlich gewesen wären, also eher in die Rubrik „Schicksal“ denn „Zufall“ gehören. Was bleibt dann eigentlich am Ende noch übrig als die Bemerkung „habe ich gerne gelesen, hat mir gut gefallen“?

Meine Lieblings-Filmproduktionsfirma ist Hallmark, und an einen Hallmark-Film erinnert mich dieses Buch, was jetzt durchaus positiv zu verstehen ist. Aber so ein Hallmark-Film ist meistens rundum rund, ohne viele Ecken und Kanten, ohne Angriffspunkte für große Diskussionen. Und genau so ergeht es mir mit dem Buch. Ich habe es gerne gelesen, es entwickelte einen deutlichen Sog, ich empfand es als gute Unterhaltung. Aber die „Angriffsflächen“, die Höhen und Tiefen, an denen man ansetzen könnte, fehlen irgendwie.

Dabei hat die Autorin ein wirklich interessantes Szenario entworfen, das so manche Assoziationen bei mir hervorrief. Der Ölfund auf einer Ranch erinnerte mich entfernt an das doch eigentlich so ganz andere „Giganten“ von Edna Ferber. Die Arbeit und die Umstände auf der Ranch ließen mich an James A. Micheners „Colorado Saga“ denken. Obwohl in einen anderen Bundesstaat angesiedelt, sind die Probleme doch recht ähnlich.

Der Prolog scheint zunächst in der Luft zu hängen, doch recht bald wird klar, welche beiden Zwillingskinder da gemeint sind. Es ist interessant, deren verschiedenen Lebenswege zu verfolgen bis hin zum ersten Zusammentreffen und den sich ergebenden Folgen. Allerdings läßt der Klappentext des Buches die Gedanken eher in eine falsche Richtung wandern.

Die Figuren konnte ich mir gut vorstellen, ihre Denk- und Handlungsweisen nachvollziehen, meistens jedenfalls. Millicent, die Mutter der Zwillinge, gehörte jedenfalls nicht zu denen, die ich verstehen konnte oder wollte.

Hervorheben möchte ich, daß die Autorin den „Galveston Hurrikan“ von 1900 in die Handlung eingebaut hat. Dieser Hurrikan galt über Jahrzehnte hinweg als der schlimmste des 20. Jahrhunderts; die texanische Küstenstadt Galveston wurde nahezu völlig zerstört, es gab ungefähr 8.000 Tote zu beklagen. Davon ist im Buch, das landeinwärts spielt, naturgemäß nur am Rande zu lesen, aber die Folgen waren auch auf den Ranchen im Landesinneren verheerend, und das wird mehr als deutlich. Dieses furchtbare historische Naturereignis wurde von der Autorin sehr überzeugend mit der Buchgeschichte verwoben.

Am Ende sind alle Verwicklungen auf- und alle Rätsel gelöst, allerdings hätte ich mir einige Szenen etwas ausführlicher gewünscht und zumindest eine überhaupt im Buch beschrieben. Wenn es im die meiste Zeit über um teils schwierige Verwandtschaftsbeziehungen geht, das ganze Buch darauf und die Auflösung derselben ausgelegt ist, und dann erfährt man zwar von den entscheidenden Gesprächen, aber selbst werden diese nicht geschildert, so empfand ich das als eine Lücke im Buch. Ob das Kürzungen (schon beim Originalverlag) zum Opfer gefallen ist?

Insgesamt jedoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Es hat mich gut unterhalten und ich werde mir sicherlich auch die weiteren Bücher der Autorin zu Gemüte führen, denn so, wie sie schreibt, ist das für mich die exakt richtige Mischung zwischen Spannung und Entspannung, Handlung und Beschreibung.


Mein Fazit

Ein solider Unterhaltungsroman aus dem Texas der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts, der mir einige Stunden Lesevergnügen bereitet hat.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

fabian vogt, zeitreisender, uhr, reise in die vergangenheit, science fictio

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Fabian Vogt
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 15.08.2016
ISBN 9783865068958
Genre: Romane

Rezension:

Sicher ist nur: Ich habe mir dieses Leben nicht ausgesucht. Aber wer hat das schon. (Seite 64)

Meine Meinung

Unter einem Science Fiction Roman stelle ich mir eigentlich etwas ganz anderes vor, denn hier geht es nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Aber eine Zeitreise ist nun Mal Science Fiction, und wird das auch bleiben, gleichgültig, in welche Richtung sie führt. Vor allem in dieser völlig ungewöhnlichen Form, wie sie der Autor in seinem Roman beschreibt.

Denn zumindest mir ist die Idee, jeden Morgen zwar am nächsten Kalendertag, jedoch jeweils ein Jahr früher aufzuwachen, noch nirgends begegnet. Naturgemäß habe ich beim Lesen immer auf Löcher im Plot oder ein Zeitparadoxon gewartet, aber beides konnte ich so gut wie nicht entdecken - der Autor hat seine Geschichte sehr gut durchdacht. Schwierig wird es natürlich, wenn Max in die Zeit vor seiner Geburt und weiter zurück vordringt und nicht mehr immer wissen kann, was im Jahr zuvor an der Stelle, da er aufwachen wird, gewesen ist. Denn ärgerlich wäre es schon, würde da etwa keine Hütte sondern ein Baum stehen würde. Aber solches zählt eher ins Gebiet der Erbsenzählerei. Nur bei einer Figur bin ich mir nicht ganz sicher, ob sie nicht in einer Zeitschleife festhängt. Für den Fortgang der Haupthandlung ist jedoch auch dies unerheblich.

Nicht ganz glücklich wurde ich mit der Aufmachung des Buches. Die Schrift empfand ich als recht klein, vor allem aber waren die inneren Bundstege so schmal, daß ich über weite Strecken des Buches selbiges recht ordentlich auseinanderdrücken mußte, damit die Zeilenenden bzw. -anfänge zu lesen waren. Die Bindung war darauf anscheinend eingestellt, denn zu meiner Überraschung hat sie diese teils recht harsche Behandlung gut verkraftet. Dennoch würde ich mir hier etwas mehr Augenmerk auf die Lesefreundlichkeit wünschen.

Max braucht eine Weile, bis er mit seiner neuen Form der Existenz zurecht kommt. Bis er so weit ist, passieren auch einige Wutausbrüche, die im normalen Zeitablauf Folgen hinterlassen müssen. Auch daran hat der Autor gedacht, und diese überaus gelungen in die Handlung eingebaut.

Im Verlauf seiner „Reise“ begegnet Max einer Reihe von mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten und taucht an verschiedenen Brennpunkten der Geschichte auf. Immer wieder ergibt sich dabei zwangläufig die Frage, inwieweit er den Verlauf der Historie beeinflußt. Stößt er eine Entwicklung an - oder trifft er die Personen und handeln diese, weil die Ereignisse so verlaufen sind, wie sie aus den Geschichtsbüchern bekannt sind. Eine spannende Frage, die sich nicht immer eindeutig beantworten läßt. Jedenfalls sind die Gedankenspiele, die der Autor dazu anstellt, sehr lesens- und nachdenkenswert.

So wandern wir mit dem Protagonisten durch die Jahrhunderte und lösen dabei sogar das Rätsel eines Mordes in der Antike. Viele Geschehnisse, die der Autor beschreibt, waren mir bekannt und ich fand es immer wieder erstaunlich, wie gut Fabian Vogt Fakt und Fiktion in seinem Buch verbunden hat. Ab einem bestimmten Zeitpunkt gibt sich Max ein Ziel, wodurch es bis zum Ende hin spannend blieb, ob er das denn erreichen würde.

Das Ende hat mich allerdings nicht so ganz befriedigt, wenngleich ich hier natürlich nicht verraten werde, wie das Ganze letztlich ausgeht. Es ist mir zwar klar, worauf der Autor anspielt, dennoch empfand ich es als nicht ganz rund. Insgesamt gesehen hat mir das Buch jedoch gut gefallen, und die Frage, wie die Geschichte wohl verlaufen wäre, wäre Max nicht an entscheidenden „Knotenpunkten“ der Zeit aufgetaucht, wird mich sicherlich noch eine Weile beschäftigen.


Mein Fazit

Eine Zeitreise der etwas anderen Art, die deutlich macht, wie sehr manche wichtige Entwicklung der Geschichte an ihrem Beginn auf der Kippe stand.

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79 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

paris, weltausstellung, historisch, mord, agenten

Der Turm der Welt

Benjamin Monferat
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 26.08.2016
ISBN 9783805250931
Genre: Historische Romane

Rezension:

So wenige Dinge sind sicher im Leben. (S. 125)
Nichts war, wie es schien; überall verbarg sich ein Hintergedanke, eine Täuschung. (Seite 490)


Meine Meinung

Mit der Prophezeiung der Erda „Alles was ist endet“ aus Wagners „Rheingold“ begann ich meine Rezension zur „Welt in Flammen“. Aber was ist wohl schlimmer: wenn etwas endet - oder wenn es nicht endet, sondern in immerwährendem Wandel ist, wenn ein altes Gleichgewicht erschüttert und ein neues nicht in Sicht ist, ja, wenn man nicht mal weiß, wie ein neues aussehen sollte?

Der Zeitraum, den die Handlung dieses Buches umfaßt, ist kurz - gerade mal knappe sechzig Stunden. Und doch sind es sechzig Stunden, die die (Buch-)Welt verändern, und die vielleicht auch manchen Leser verändern könnten. Denn es ist nicht vorbei. Es fängt gerade erst an.

Es ist bewundernswert, wie es dem Autor wiederum gelingt, über einige hundert Seiten hinweg ein Szenario zu entwerfen, in dem scheinbar alles parallel läuft und doch irgendwie miteinander verwoben ist, was über weite Strecken weder die Figuren und schon gar nicht die Leser erkennen können. Wobei letztere den Vorteil haben zu ahnen, daß das irgendwie zusammengehören muß, weshalb sonst hätte der Autor das in sein Buch aufgenommen?

Wie schon in der „Welt in Flammen“ vermischt der Autor Fakt und Fiktion auf geradezu beängstigend reale Weise, so daß ich nicht immer sicher war, wo denn die Grenze zwischen beidem verläuft und, es sei zugegeben, Namen gegoogelt habe, zu denen die Suchmaschine kein Ergebnis liefern konnte, weil es sie schlicht nicht gab. Hier zeigt sich eines der wenigen Mankos des Buches, nämlich das fehlende Personenverzeichnis. Erst im Nachwort erfährt man, daß nur zwei auftauchende Personen historische Vorbilder haben.

Verteilt über die ganze Stadt ereignen sich Geschehnisse, treffen Menschen aufeinander, die für sich betrachtet eher unauffällig sind, im Gesamtbild jedoch anscheinend einem Plan gehorchen, der ein bestimmtes Ziel verfolgt. Dieses ist jedoch sowohl den Figuren wie dem Leser nicht ersichtlich; mit jedem anscheinend gelösten Geheimnis tun sich zwei neue auf, so daß ich es irgendwann völlig aufgegeben habe zu vermuten, wohin denn alles führen und wie das enden sollte.

„Der Turm der Welt“ ist seit Jahren das erste Buch, das ich wirklich linear von vorne bis hinten gelesen habe, ohne - wie ich das sonst zu tun pflege - zuerst das Ende zu lesen. Ich hatte das Gefühl, und das hat mich nicht getäuscht, daß es keinen Sinn machen würde, das Ende ohne die vorherigen Entwicklungen zu kennen. Denn daß am Ende eine eher komplizierte denn einfache Auflösung oder gar ein „und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“ stehen würde, war von Anfang an klar.

Ein besonderes Bonmot für seine Stammleser - wenn man bei zwei Büchern schon von solchen sprechen kann - ist das Auftauchen eines guten alten Bekannten aus der „Welt in Flammen“, der natürlich hier in seinen jungen Jahren ist und, da er auf jeden Fall überleben mußte, eine gewisse Sicherheit ins Buch brachte.

Der Roman ist eine Mischung verschiedener Genres, der sich in keine Schublade legen läßt. Abenteuer, Agenten, etwas Gefühl, Historie, Fiktion - all das geht eine vollkommene Symbiose ein, so daß ich mich immer wieder daran erinnern mußte, daß das eben genau das ist: ein Roman und kein historisches Sachbuch. Sätze, die ich zur „Welt in Flammen“ geschrieben haben und die auch hier unbedingte Gültigkeit beanspruchen. Dabei ist es dem Autor gelungen, die Stimmung der Zeit dermaßen gut einzufangen, so daß ich beim Lesen in der Tat das Gefühl hatte, mich eher im Jahre 1889 denn 2016 zu befinden. Genau so, wie es beschrieben wurde, haben die Menschen seinerzeit vermutlich gedacht und gehandelt, konnten auf Grund der sie umgebenden Zwänge gar nicht anders, wie im Buch zu lesen ist. Daß, wie ebenfalls im Nachwort erläutert wird, die eine oder andere technische Erfindung erst ein paar Jahre später erfolgte, tut dem keinen Abbruch. Schließlich - ich erwähnte es - ist das ein Roman, kein Sachbuch.

Wie sich das für einen guten Roman gehört, waren die Figuren so weit ausgeführt, daß ich von allen ein recht gutes Bild im Kopf hatte; nicht nur vom Äußeren, auch von deren Innerem. Was nicht bedeutet, daß nicht die eine oder andere von Ihnen mehr oder weniger große Geheimnisse hatte, die uns Leser nichts angehen und für das Verständnis nicht unbedingt gelöst werden müssen. Die Weltausstellung wurde in meinem Kopf lebendig, daß ich es durchaus bedaure, diese nicht persönlich besucht haben zu können. Aber neben der glitzernden Welt der „oberen Zehntausend“ scheint auch die Kehrseite, das andere Paris mit all seinen häßlichen und erschreckenden Seiten durch. Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Und es gab, wie wohl zu jeder Zeit, viel Licht.

Was das Buch für mich noch zu etwas Besonderem machte war, daß mir nie so deutlich wie hier der Begriff einer komplexen Welt vor Augen geführt wurde. Man hört oder liest zu heutigen Problemen immer wieder, alles sei komplex, aber niemand macht sich die Mühe, diese Komplexität näher zu erläutern. Das ist jedoch etwas, was der Autor hier quasi nebenbei vermittelt, denn so
unterschiedlich die einzelnen Handlungsstränge und Figuren sein mögen, immer mehr wird auf teil erschreckende Weise deutlich, wie sehr sie miteinander verwoben sind, wie eines vom anderen abhängt und es bedingt
- wie komplex das zugrundeliegende Muster ist, auch wenn es weder die Beteiligten noch die Leser immer gleich verstehen können.

Nach rund siebenhundert viel zu wenigen Seiten klingt das Buch dann langsam aus. Und genau das, dieses langsame Ausklingen, möchte ich ausdrücklich und sehr positiv erwähnen. Oft ist es heute so, daß die Auflösung kommt und schwupps, ist das Buch aus. Nicht so hier. Als Leser hat man ausreichend Seiten Zeit, das Ende und die Auflösung zu verdauen und sich von den Figuren zu verabschieden - prima, so sollte das eigentlich immer sein. Bei der Gelegenheit auch ein dickes Lob an den Verlag, denn die herstellerische Verarbeitung des Buches ist mustergültig. Das Buch liegt gut in der Hand, ließ sich vom Satzspiegel her gut lesen und ist nach dem Ende überhaupt nicht schief - so sollte eine gebundene Ausgabe sein!



Schließlich habe ich das Buch aber nicht ganz so ruhig geschlossen, wie ich dachte; auf der vorletzten Seite erwartet den Leser das, was ich eine Schlüsselszene bezeichnen würde. Zwar nicht das, aber doch die letzten Worte hat der Général Auberlon. Und die sind damals so wahr wie heute und in der Zukunft vermutlich ebenso. Ich würde mir wünschen, daß möglichst viele eben jene Ansprache lesen - und im Kopf behalten würden. Denn dies ist nicht das Ende. (...) Es fängt gerade erst an.


Mein Fazit

Ein grandioses Buch über eine grandiose Ausstellung und das, was hätte passieren können. Und vielleicht irgendwann passiert ist.
Schulnote 1 mit Stern und Fleißkärtchen - sowie eine absolute Lesesempfehlung.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Christen sind Fremdbürger: Wie wir wieder werden, was wir sind: Abenteurer der Nachfolge in einer nachchristlichen Gesellschaft

Stanley Hauerwas , William H. Willimon
Geheftet: 256 Seiten
Erschienen bei Fontis - Brunnen Basel, 01.03.2016
ISBN 9783038480754
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Volk Gottes kann der Welt nicht erlauben, darüber zu bestimmen, wie es auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren hat. (Seite 93)

Meine Meinung

„Resident Alien“ ist der nur schwer übersetzbare Originaltitel des Buches. Das „Fremdbürger“ des deutschen Titels geht aber in die Richtung dessen, was die Autoren gemeint haben. Indirekt weist das auf einen Satz von Jesus hin: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagte er zu Pilatus; eine Aussage, die im Laufe der Jahrhunderte bei den Christen anscheinend in Vergessenheit geriet, denn zu sehr war bzw. ist man Teil dieser Welt. Hierauf und auf sich daraus ergebende Folgen hinzuweisen, haben sich die Autoren zur Aufgabe gemacht.

Mit Konstantin begann es, so schreiben die Autoren, daß die Christen Teil der Welt wurden. „Man kann kein Reich beherrschen, in dem die Menschen an nichts glauben. Unsere besten Köpfe wurden auf das konstantinische Projekt verpflichtet, den Glauben gegenüber den jeweils Mächtigen glaubwürdig zu machen, so dass Christen Anteil an der Macht bekommen konnten.“ (S. 43) Und so begann denn der Weg fort von den Ursprüngen hin zu den Fleischtöpfen der Macht. Dieses Modell wird erst heute wieder in Zeiten zunehmender Säkularisierung infrage gestellt, da sich die Christen zunehmend in einer Welt wiederfinden, die ihren Grundüberzeugungen entgegengesetzt gestaltet ist.

Im ersten Teil des Buches mit der Überschrift „Abschied“ führen die Autoren diese ihre These weiter aus. Sie skizzieren die Entwicklung der „Welt“, die schließlich dazu führte, daß z. B. das Bombardement von zivilen Zielen im Krieg heute zu etwas geworden ist, was als „militärische Notwendigkeit“ angesehen und nicht hinterfragt wird (vgl. S. 48f). Sie machen deutlich, daß Christen in gewisser Weise blind wurden und über das Ziel hinaus schossen. Daß sie nicht mehr sahen, wo sie hätten Widerstand leisten müssen, einfach, weil sie zu sehr Teil der Welt geworden sind.

„Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Der Satz zeigt eigentlich deutlich auf, worum es im Grunde geht: Christen sind nicht berufen, in der Welt für deren Ziele und Überzeugungen zu leben und zu arbeiten, sondern sie sind in dieser Welt quasi eine Kolonie von „Fremdbürgern“, „Bürgern“ des Reiches Gottes, eine kühne Kolonie von Gläubigen in einer Gesellschaft des Unglaubens. (vgl. S. 79) In diese Richtung weist auch die Bergpredigt, die von den Autoren immer wieder und zentral zitiert und thematisiert wird.

Ein großes Augenmerk wird auch auf die Bedeutung der Kirche gelegt, wobei mich die starke und immer wieder kehrende Betonung der kirchlichen Gemeinschaft im Gegensatz zum Einzelnen nicht ganz überzeugen konnte. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, daß der Begriff „Kirche“ nicht weiter definiert oder eingegrenzt wurde, weshalb eigentlich so ziemlich jede Konfession diesen auf sich beziehen kann. Und in der Tat haben die Autoren so tief gegraben, sind so weit zu den Wurzeln zurückgekehrt, daß sie ein hohes Maß an Allgemeingültigkeit erreicht haben; auch als Katholik hatte ich wenige bis keine Schwierigkeiten mit ihrer Argumentation und ihren Schlußfolgerungen. In diesem Licht werden auch die Äußerungen von Papst Benedikt XVI. emer. über die „saturierte deutsche Kirche“ (sinngemäß aus dem Gedächtnis zitiert) verständlich und nachvollziehbar.

Im Untertitel taucht der Begriff der „nachchristlichen Gesellschaft“ auf. Mit ihrem „Weckruf“ zeigen sie deutlich Fehlentwicklungen auf und skizzieren, wie das Leben der „Fremdbürger“ und ihrer Kirche in dieser Welt wieder so ausgerichtet werden kann, daß es dem Plan und Willen Gottes entspricht. Zwar sind beide Autoren Amerikaner und beziehen sich demgemäß oft auf amerikanische Verhältnisse, doch fast alles läßt sich problemlos auf unsere europäischen bzw. deutschen Verhältnisse übertragen und hat diesseits des Atlantiks die gleiche Gültigkeit und Richtigkeit wie jenseits.

Die Autoren haben ein für Christen überaus wichtiges Buch geschrieben, dessen voller Inhalt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen in ihrer ganzen Tragweite sich vermutlich erst bei mehrmaligem Lesen in ihrer Gänze erschließen.


Mein Fazit

Ein wahrer „Weckruf“ zur Nachfolge Jesu in einer nachchristlichen Gesellschaft.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

emily, leserunde, kelly maines, geliebte tochter, suche

Niemals werd ich dich vergessen

Beverly Lewis , Tabea Klaus
Flexibler Einband
Erschienen bei Francke-Buchhandlung, 01.06.2016
ISBN 9783868275957
Genre: Romane

Rezension:

Wenn alles grau und trübselig aussieht, betrachte es als eine Chance. Jeder kann im Licht des Tages glauben, aber nur wenige harren unter dem drückenden Mantel der Dunkelheit aus. Vergiss nie: Der Glaube ist ein Licht, das man am besten in der Dunkelheit sehen kann. (Seite 60)

Meine Meinung

Wenn ich den Autorennamen Beverly Lewis höre, denke ich automatisch an Amish-Romane. Um so verwunderter war ich, als ich die Inhaltsangabe zu diesem ihrem neuen Buch las. Da war von Amish gar keine Rede, sondern von einem Buch in der „ganz normalen Welt“. Sollte die Autorin ihr Genre gewechselt haben? Neugierig habe ich es denn auch gleich gelesen.

Ganz konnte sie von ihrem Stammthema aber doch nicht lassen, denn Laura, das Kindermädchen, ist eine Amish. Erstaunt hat mich jedoch, daß die harten Seiten der Amish-Kultur thematisiert werden. Laura wurde wegen einer Sünde gebannt und lebt nun bei einem entfernten Verwandten, der einer recht moderaten Amish-Gemeinde angehört, weswegen sie auch Auto wie Handy besitzt. Einige Stellen im Buch könnte man durchaus als Kritik an den Amish verstehen. Über Laura hätte ich am Ende auch gerne noch etwas mehr erfahren, aber da sie nur eine Nebenfigur ist, war wohl nicht mehr Platz für sie vorhanden.

Im Buch gibt es zwei Handlungsstränge, die immer mehr zusammenlaufen. Da ist zum Einen die Geschichte um Kelly Maines und ihr entführtes Baby, das sie seit rund acht Jahren, auch mit mehr oder weniger zweifelhaften, Methoden sucht. Diese Suche bestimmt ihr ganzes Denken und Leben und zieht sie immer weiter hinunter.

Zum Anderen gibt es Jack und seine Adoptivtochter Nattie mit dem Kindermädchen Laura. Jack wird von seiner Schwester San gedrängt, endlich eine Frau bzw. Mutter für Nattie zu finden und macht erste zaghafte Versuche in diese Richtung.

Die Figuren konnte ich mir gut vorstellen, ich fand sie mehr als ausreichend gezeichnet. Über Laura hätte ich, wie erwähnt, gerne noch etwas mehr erfahren, während San, Jacks Schwester, mir das ganze Buch hindurch etwas fremd blieb. Das liegt aber nicht an einer etwa unzureichenden Beschreibung, sondern an ihrer (zu) direkten, manchmal auch rücksichtslosen, Art. Nattie ist ein sehr aufgewecktes Kind, von der ich bisweilen das Gefühl hatte, daß sie entwicklungsmäßig älter ist als neun Jahre. Kelly macht im Verlauf des Buches eine recht große Entwicklung durch, die ich allerdings glaubwürdig und nachvollziehbar empfand. Bei den Erfahrungen, die sie macht, bleibt eine solche Entwicklung nicht aus.

Knapp die Hälfte des Buches laufen beide Geschichten parallel, bis endlich die auf dem Buchrückentext erwähnte Entwicklung einsetzt. Diesen „Vorspann“ fand ich etwas (zu) lang, auch wenn so die Figuren sehr ausführlich eingeführt werden konnten. Recht bald wird dem Leser klar, daß es im Weiteren nicht ohne Probleme vonstatten gehen wird, denn als Kelly auf Jack trifft, läuft es völlig anders, als sie es geplant hatte.

Es entwickelt sich eine Beziehung, von der man sich als Leser wohl wünscht, daß sie zum Erfolg führen möge. Das Verhalten der beiden fand ich nachvollziehbar und in sich schlüssig, auch wenn man als Leser natürlich sieht, auf welche Bahn das gerät und sich fragt, wie die Autorin das immer größer werdende Knäuel am Ende auflösen will. Hierin liegt dann meiner Meinung nach auch eine der Stärken des Buches, das mehr ist als nur ein bloßer Unterhaltungsroman. Je weiter die Handlung voran schreitet, um so deutlicher wird, daß manche Dinge nicht mit Gewalt zu zwingen sind. Inneren Frieden kann man nicht kaufen; über Jahre Groll verinnerlichen und pflegen macht das leben auch nicht gerade leichter. Die Vergangenheit loslassen können, Ballast abwerfen, Menschen verzeihen führen zu einer klareren Sicht, innerer Ruhe und Frieden und eröffnen schließlich die Möglichkeit zu einem besseren, wenn nicht gar neuen Leben.

Nicht nur die Figuren, auch dem Leser blühen im Verlauf der 428 Seiten einige Überraschungen. Am Ende sind dann alle Geheimnisse gelüftet und die offenen Fäden verknüpft, so daß ich das Buch zufrieden zugeklappt habe; an die Figuren und wie es ihnen wohl weiter ergehen wird jedoch sicherlich noch eine ganze Zeitlang denken werde.


Mein Fazit

Eine gut geschriebene und lesenswerte Geschichte, in der die Amish nur am Rande auftauchen und Themen wie Vergebung, Loslassen, Neu beginnen eine Rolle spielen.

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jane austen, liebe, england, liebesgeschichte, 19. jahrhundert

Die geheimen Memoiren der Jane Austen

Syrie James , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 409 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 29.08.2011
ISBN 9783746627298
Genre: Romane

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Strongheart: A Story of the Old West

Don Bendell
Flexibler Einband: 210 Seiten
Erschienen bei Berkley Books, 07.09.2010
ISBN 9780425231081
Genre: Sonstiges

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zur Freiheit gehört, den Koran zu kritisieren

Mouhanad Khorchide , Hamed Abdel-Samad , Stefan Orth
Fester Einband
Erschienen bei Verlag Herder, 08.03.2016
ISBN 9783451271465
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Islam konnte sich nicht an die Moderne anpassen, weil der Islam sich an nichts anpassen will, weil er letztlich alles von oben bestimmen und kontrollieren will. (Hamed Abdel-Samad, Seite 16)

Meine Meinung

Fast täglich hört oder liest man Meldungen, die über mehr oder weniger schlimme Gewalttaten berichten, die im Namen des Islam vollbracht werden. Und ebenso oft heißt es dann, das habe mit dem Islam nichts zu tun, denn der sei doch friedlich. Was stimmt nun? Ein Streitgespräch zwischen einem Islamkritiker und einem islamischen Theologen schien mir geeignet, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen.

Zu insgesamt dreizehn Fragenkomplexen gaben beide Stellungnahmen, die oft kontrovers waren, ab. Teilweise ging es auch darüber hinaus und es kam zu einer Art Dialog, soweit ein solcher in einem Buch möglich ist. Dabei hatte ich über weite Strecken den Eindruck, daß die Argumentation des Islamkritikers Hamed Abdel-Samad wesentlich schlüssiger und nachvollziehbarer ist als die von Mouhanad Khorchide, bei dem ich des Öfteren den Eindruck hatte, daß er sehr interpretieren und weit herholen muß, wenn er seine Meinung zu einem „friedlichen Islam“ begründen wollte. Da hatte es Abdel-Samad deutlich leichter - er brauchte nur Stellen aus dem Koran zitieren, um die These, daß Islam und Gewalt zusammengehören, zu untermauern. Schließlich mußte auch Khorchide zugeben, wenn auch indirekt, daß es diese Verbindung gibt: „(Meine Kritik) gilt vielmehr vor allem denjenigen, die noch heute, im 21. Jahrhundert, auf eine pauschale Verherrlichung der islamischen Tradition bestehen und jede kritische Haltung gegenüber klassischen Positionen ablehnen. (...) Warum argumentieren sie dann, dass der IS nichts mit dem Islam zu tun habe, wo doch vieles von dem, was wir vom IS kennen, im klassischen Islam zu finden ist, und zwar nicht bei als radikal eingestuften Gelehrten, sondern bei großen und anerkannten Vertretern der Rechtsschulen?“ (S. 54)

Wie sehr der Islam ein Problem mit Kritik und Gewalt hat, mag man auch daran erkennen, daß beide Autoren unter Polizeischutz stehen, weil sie wegen ihrer Ansichten bedroht werden. Im Islam leben offensichtlich sowohl Kritiker als auch seine Verteidiger, wenn sie nicht erzkonservativ sind, gefährlich. „Wenn es um Demokratien und Menschenrechte geht, stehen wir im Islam demgegenüber erst am Anfang eines Lernprozesses, das ist klar.“ (Khorchide, S. 102)

Insgesamt war es interessant, beide Standpunkte zu lesen, wobei Hamed Abdel-Samad, nicht zuletzt angesichts der täglichen Nachrichten, eindeutig die besseren und überzeugenderen Argumente vorbringen konnte.


Mein Fazit

Ein Streitgespräch zweier islamischer Publizisten über den Islam, in der deutlich wird, wie sehr der Islam noch immer im 7. Jahrhundert verankert ist.

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geschichte, wilder westen, indianer, sachbuch, nordamerika

Das große Buch der Indianer

Thomas Jeier
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 31.01.2011
ISBN 9783800016136
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Geschichtsbücher erzählen selten die Wahrheit. (Seite 192)

Meine Meinung

„Geschichtsbücher erzählen selten die Wahrheit.“ (S. 192) Das sagt der indianische Begleiter Ron Hawks zum Autor beim Besuch des Massengrabes der Ermordeten des Massakers vom 29. Dezember 1890 am Wounded Knee. Denn die Geschichtsbücher werden in der Regel von den Siegern geschrieben - und berichten demzufolge meist aus deren Sicht. In diesem Buch wird die Geschichte allerdings eher aus Sicht der Unterlegenen erzählt, und da sieht manches dann ganz anders aus. Etliche „Schlachten“ (sic!) werden da zu dem, was sie seinerzeit waren: pures Abknallen von Frauen und Kindern durch die US Army. Nicht nur ein Mal, immer wieder geschah es, bis hin zum Massaker am Wounded Knee. Dieses „markierte die endgültige Niederlage der nordamerikanischen Indianer und machte noch einmal deutlich, mit welcher Konsequenz die amerikanische Armee den Völkermord an der roten Rasse betrieb.“ (S. 268)

In einzelnen Kapiteln erzählt Thomas Jeier die Geschichte der Stämme, der weithin bekannten wie auch von eher unbekannten. So verschieden die Stämme waren, eines ist allen gemeinsam. Egal, ob sie die Weißen freundlich oder feindlich empfingen, ob sie mit ihnen kooperierten oder sie bekämpften: am Ende stand der Untergang ihres gewohnten Lebens und der Zwang, in ein Reservat zu ziehen - dort auf Gedeih und Verderb den Agenten und den amerikanischen Behörden ausgeliefert. 371 einseitig gebrochene Verträge (vgl. S. 284) sprechen eine deutliche Sprache.

Durch die Einteilung nach Stämmen läßt sich das Buch sowohl fortlaufend als auch „lexikonartig“ lesen. Die Sprache ist zwar weithin nüchtern, aber niemals trocken, so daß sich das Buch sowohl kapitelweise als auch fortlaufend gut und fast schon romanartig lesen läßt.

Wenn man sich in der Thematik schon etwas auskennt, oder Western gelesen bzw. gesehen hat, werden einem immer wieder bekannte Gestalten und Ereignisse begegnen. Michael Blake hat in seinem Roman „Der Tanz des Kriegers“, der Fortsetzung zu „Der mit dem Wolf tanzt“, das Ende der Comanchen geschildert. Wie sehr er sich dabei an die historischen Ereignisse hielt, kann man hier in diesem Buch nachlesen (vgl. S. 209). An meine Jugend fühlte ich mich erinnert, als auf S. 223 von einem gewissen Thomas J. Jeffords und dem Apachenhäuptling Cochise die Rede war. „Der gebrochene Pfeil“ mit James Stewart kam mir da sofort in den Sinn, der seinerzeit noch als „Der gute Jugendfilm“ immer mal wieder im Kino zu sehen war.

Besonders interessant an dem Buch sind auch die zahlreichen, meist historischen, Fotos, die bedeutsame Orte zeigen oder auch „einfache Indianer“ in ihrem täglichen Leben. Sie wollten nichts weiter, als in Frieden leben, aber Macht-, Land- und Profitgier der weißen Einwanderer drängten sie aus ihren angestammten Lebensräumen immer weiter zurück. Erschreckend wird dies, wenn man die damaligen wirtschaftlichen Interessen betrachtet - und etwa mit den heutigen vergleicht, die in Bezug auf die Globalisierung angeführt werden. Die Ähnlichkeiten lassen für viele Menschen nichts Gutes erwarten.

„Alle Dinge sind lebendig, die Bäume, die Felsen, das Gras, sogar das Holz des Tisches, an dem wir sitzen. Wir sind ein Teil der Natur, das vergessen die meisten Weißen. Die Erde ist unsere Mutter. Wenn wir sie zerstören, töten wir uns selbst. Das Leben ist ein heiliger Kreis. Die Weißen haben ihn zerstört.“ (S. 132) Diese Worte von Ron Hawks, einen spirituellen Führer der Lakota, sollten eine Mahnung sein, den Kreis nicht weiter zu zerstören. Sonst bedeutet es vielleicht auch unseren Untergang.

Mein Fazit

Geordnet nach Stämmen stellt Thomas Jeier bekannte und unbekannte indianische Nationen im Überblick vor.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Leben auf dem Land

Sue Hubbell , Barbara Heller
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.04.2016
ISBN 9783257069600
Genre: Romane

Rezension:

In einer Welt zu leben, in der die Antworten auf Fragen so vielfältig und gut sein können - das ist es, was mich jeden Morgen aus dem Bett und in die Puschen treibt. (Seite 76)

Meine Meinung

Auf dem Land habe ich selbst rund zweiundzwanzig Jahre lang gelebt. Wieso also ein Buch darüber lesen, zumal mich das Cover nicht sonderlich anspricht. Dann fiel es mir in die Hände - und ich konnte es kaum noch zur Seite legen. In wunderbar ruhiger Erzählweise berichtet die Autorin mit großer Sachkenntnis von den kleinen Dingen und Erlebnissen, die im großen Gefüge meist unbeachtet vorüber ziehen oder ganz untergehen. Mit diesem Blick auf das anscheinend Unscheinbare gelingt es ihr den Blick für das große Ganze zu schärfen.

Egal ob es um Schlangen, Mäuse, Spinnen oder gar Milben bei Nachtfaltern geht - Hubbell gelingt es, auch solche auf den ersten Blick eher unappetitliche Begegnungen so zu schreiben, daß das Lesen - vermutlich im Gegensatz zum direkten Kontakt - ein Vergnügen ist. So ganz nebenbei kann man eine Menge über die genannten wie zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten lernen. Wenn die Autorin dann über Zusammenhänge (fast schon) philosophiert und gegenseitige Abhängigkeiten aufzeigt, taucht man endgültig in die faszinierende Welt des Landlebens, sei es von Mensch oder Getier, ein.

Trotz der sehr realen Geschehnisse und Situationen vermittelte mir dieses Buch beim Lesen eine fast schon irreale Ruhe. Es geht nicht um Hetze und Hast, Tages- und Jahresablauf werden nicht durch die Uhr, sondern die Natur bestimmt. Man lebt nicht gegen, sondern mit der Natur. Die sich daraus ergebende Zufriedenheit, wobei die Autorin die Härten nicht unterschlug, ließen mich als Leser ein Gefühl von Ruhe und innerer Zufriedenheit fühlen, wie es nur wenige Bücher schaffen.

Obwohl so ganz anders, mußte ich doch immer wieder unwillkürlich an Wilhelm vom Kügelgens "Jugenderinnerungen eines alten Mannes" denken. Hier, in diesem Buch, tritt sie uns entgegen, mit all ihrer Geruhsamkeit und ihren schönen Seiten. Aber auch, liest man etwas genauer zwischen den Zeilen, nicht ohne die häßlichen, traurigen, tragischen Seiten zu verschweigen. So habe ich in meiner Rezension zu Kügelgens Werk über „die gute alte Zeit“ geschrieben. Das läßt sich hier bedenkenlos wiederholen, wenn man es auf das Landleben bezieht.

Das Buch strahlt eine friedliche Heiterkeit aus, die Ruhe und Gelassenheit in unsere hektische Zeit zu bringen und den Blick auf das Wesentliche und seine Zusammenhänge zu lenken vermag. Besseres läßt sich über ein solches Buch schwerlich sagen.


Mein Fazit

Ein wahrhaft entschleunigendes Buch über das Leben auf dem Land und das, was wichtig ist im Leben.

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indianer, sitting bull, lakota, usa, tatanka iyotake

Die Geschichte des Sitting Bull.

Erik Lorenz , Claudia Lieb
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Palisander Verlag, 21.03.2016
ISBN 9783938305959
Genre: Romane

Rezension:

Wir leben seit Jahrhunderten ohne die amerikanische Regierung und werden das auch weiter tun. Am Ende mögen sie mich kriegen, aber bis dahin werde ich eine gute Zeit in Freiheit verleben und mich nicht mit ihnen verbrüdern. (Seite 113)

Meine Meinung

Es ist so eine Sache mit Namen und Orten. Zu jedem Thema gibt es ein paar solcher Begriffe, die mehr oder weniger zu Schlagwörtern werden. Für den Western sind etwa Fort Laramie, Black Hills, Sand Creek, Red Cloud, Buffalo Bill oder Sitting Bull deren solche. Aber was verbindet man mehr mit diesen Begriffen als eben ein, zwei Schlagworte? Eigentlich schade, denn hinter diesen Begriffen finden sich Menschen und Geschichten, Freude und Leid, Liebe und Tod - eben die ganze Spannweite des Lebens.

In der „Geschichte des Sitting Bull“ wird ein solches Schlagwort zum Leben erweckt, wird die dahinterstehende Geschichte erzählt. In der Rahmenhandlung beginnt ein Großvater seinem Enkel von der Vergangenheit und dem berühmtesten aller Häuptlinge, Tatanka Iyotake - auf Englisch Sitting Bull -, zu berichten. Anhand überlieferter Bilder erzählt er dessen Leben von seiner Kindheit bis kurz vor seinem Tod.

In drei großen Abschnitten (Die Welt der Lakota / Eine Welt im Wandel / Eine neue Welt) ersteht so das Leben eines der berühmtesten Häuptlinge und seiner Zeit, die eine der großen Veränderungen war. Denn in seiner Kindheit gab es noch das freie Leben in der Prärie, bei seinem Tod war das Geschichte und den Indianern blieb nur noch das trostlose Leben in Reservaten. Dazwischen spannt sich ein Leben mit Höhen und Tiefen, auf dem vor allem in seinen letzten Jahren die Melancholie einer untergehenden Welt lag.

Der Opa der Rahmenhandlung geht, um die Geschichte zu erzählen, mit seinem Enkel in ein Tipi. Ich nehme an, der Autor wollte eine Stimmung schaffen, daß man als Leser - passend zur Geschichte - das Gefühl hat, es würde an einem Lagerfeuer erzählt. Dieses Gefühl hat sich bei mir jedoch nicht eingestellt. Das ging mir vor Kurzem schon mit den beiden Romanen von Michael Blake so. Wie dieser erzählt Erik Lorenz in eher kürzeren Sätzen sehr sachlich und handlungsbezogen. Es fängt zwar bald das berühmte Kopfkino an zu laufen, ich konnte mir alles gut vorstellen und hatte recht klare Bilder im Kopf. Jedoch ließ mich die Erzählung emotional außen vor, eine „Bindung“ an die Figuren konnte ich nicht entwickeln. Das mag, bedenkt man die Tragik der Ereignisse, nicht unbedingt von Nachteil sein, schuf andererseits bei mir eine erhebliche Distanz zu Handlung wie Figuren.

Der Band wurde durchgehend von Claudia Lieb illustriert. Die Bilder passen in ihrem Stil sehr gut zur Erzählweise; der Roman müßte, wie vom Verlag angegeben, nicht zuletzt durch die vielen Bilder auch gut für Jugendliche geeignet sein. Besonders lobend sei hier die wirklich außergewöhnliche herstellerische Qualität des Buches hervorgehoben. Fadenheftung, Lesebändchen, wertiges Papier. Der Buchrücken war nach dem Lesen nicht schief, was heutzutage relativ selten vor kommt. Beim Verlag beherrscht man ganz offensichtlich noch die Kunst, gute Bücher zu machen. Das Beispiel sollte Schule machen.

Alles in allem hat Erik Lorenz eine gut lesbare, interessante Biographie über einen der berühmtesten Indianerhäuptlinge der Sioux geschrieben.


Mein Fazit

Eine gut lesbare, handlungsbezogen geschriebene Biographie über den Häuptling, der die Lakota in die Schlacht am Little Big Horn führte.

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Gustav Freytag

Bernt Ture von zur Mühlen
Fester Einband
Erschienen bei Wallstein, 30.05.2016
ISBN 9783835318908
Genre: Biografien

Rezension:

„Aber laßt, ich beschwöre Dich, Theodor, den Gedanken an den Verlust nicht herrschend in Euch werden. Die Gottheit hat uns nicht in die Welt geschickt, um rückwärts zu sehen, sondern in die Zukunft. Und wie viel Euch ein unerforschlicher Rathschluß genommen, er hat Euch eine Fülle solcher Pflichten hinterlassen.“
(Seite 157, Gustav Freytag in einem Brief an Theodor Molinari)


Meine Meinung

Es mag gut vierzig Jahre her sein, daß mit der Name Gustav Freytag zum ersten Mal begegnet ist. Ich entsinne mich, daß ich „ein dickes Buch“ lesen wollte und daraufhin den Bücherschrank meiner Eltern inspizierte. Schon seit längerem war mir ein Buch mit ziemlich dickem Buchrücken, Zierrand oben und unten sowie der Aufschrift „Freytag - Die Ahnen“ aufgefallen. 1.308 Seiten war eindeutig „dick“, die Frakturschrift konnte mich nicht schrecken. Und so begann denn meine „Bekanntschaft“ mit Gustav Freytag - die sich zu einer wohl lebenslangen „Beziehung“ entwickeln sollte. Denn bald darauf las ich ein Buch, das bis heute den Status des absoluten Lieblingsbuches gegen jegliche „Angriffe“ verteidigt hat: „Die verlorene Handschrift“.

Gustav Freytag war einer der, wenn nicht sogar der meistgelesene Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Um so erstaunter war ich festzustellen, daß es bisher anscheinend keine umfassende (und auch kritische) Biographie über ihn gibt. Aus Anlaß des 200. Geburtstages des Schriftstellers am 13. Juli 2016 ist nun diese Lebensbeschreibung erschienen. Das Buch hat eine sehr gediegene Ausstattung und ist in Fadenheftung gebunden! Dieser hervorragende Eindruck wird nur durch wenige Satzfehler getrübt, von denen allerdings zwei Tippfehler in Jahreszahlen auffallen müssen, denn weder wurden die Düppeler Schanzen am 18. April 1964 erstürmt (S. 180) noch ist Emilie Freytag im Jahre 1475 verstorben (S. 217). Aber damit bin ich mit meinen kritischen Äußerungen schon am Ende.

Der Biograph zeichnet im Verlauf des Buches ein Bild von Gustav Freytag, das auch dessen eher negative Seiten nicht ausläßt. Dennoch hatte ich auf keiner Seite das Gefühl, daß es ihm darum ging, Freytag von einem Podest zu stoßen oder ihn zu diskreditieren. Von zur Mühlen gibt in seinem Lebensbild eine Darstellung, die sich um große Objektivität bemüht und nicht wertet. So entsteht das Bild eines Mannes, der zeit seines Lebens recht zielgerichtet seine Pläne verfolgte. Wie groß sein direkter Anteil an der Verwirklichung seiner politischen Träume (der kleindeutschen Lösung unter der Führung Preußens) wirklich war, sei dahingestellt. Unzweifelhaft ist, daß er durch seine publizistische Tätigkeit einen großen Einfluß auf die Kreise, die wir heute als „Elite“ bezeichnen würden, hatte.

Das Buch ist in vier große Abteilungen, die sich an wesentlichen Stationen im Leben Freytags ausrichten, eingeteilt, innerhalb derselben dann in Kapitel, deren Überschriften hintereinander gelesen schon einen groben Überblick über das Leben Freytags geben. Die Biographie ist flüssig und gut, an keiner Stelle trocken oder gar mühsam lesbar geschrieben. Ich habe sie eher wie einen Roman denn ein Sachbuch empfunden; und wie in einem Roman hat sich ein Lesesog eingestellt, der es schwer machte, das Werk zur Seite zu legen.

Immer wieder huschte ein Lächeln über meine Lippen, wenn ich aus der Beschreibung mancher Lebenssituationen und auftauchenden Personen erahnen konnte, wie Freytag die in seinen Romanen verarbeitet hatte. So war in Theodor Molinari unschwer das Vorbild für den Kaufmann T. O. Schröter in „Soll und Haben“ erkennbar. Während die Erwähnung eines Grenzboten-Artikels über einen Betrüger, der gefälschte Manuskripte an die Leipziger Universitätsbibliothek verkauft hatte, unweigerlich an ähnliche Vorgänge in der „Verlorenen Handschrift“ denken ließ (vgl. S. 147f).

Freytag hatte zwar zeitlebens mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, lebte jedoch nach dem von ihm in seinen Romanen beschriebenen Arbeitsethos, so daß er ein gewaltiges Pensum schaffte und oft 16 Stunden am Tag an seinem Schreibtisch zuhause oder in der Redaktion seiner Zeitschrift saß, an manchen Tagen sogar mehr. Es wird aber auch deutlich, daß er nicht unbedingt ein leichter Zeitgenosse war. Er hatte ein ausgesprochenes Selbstbewußtsein, der Umgang mit ihm war sicher nicht immer einfach.

Die Märzrevolution 1848 wurde zum Bruch in seiner Biographie. War es bis dahin sein Ziel, als Dramatiker seine Botschaft unters Volk zu bringen, so hat er zu einer Zeit, da Schriftsteller und Gelehrte die Redaktionsstuben von Zeitungen verließen, den umgekehrten Weg beschritten, und hat zusammen mit Julian Schmidt die Herausgeberschaft der „Grenzboten“ übernommen und damit großen Einfluß erreicht. Während seiner Grenzboten-Zeit und auch danach war er weiterhin als Schriftsteller tätig. Mit dem Honorar für die fünfbändige Ausgabe der „Bilder aus der Deutschen Vergangenheit“ erzielte er das bis dato höchste je vereinbarte Honorar in der Geschichte des deutschen Buchhandels (vgl. S. 194). Was andeutet, daß er durch seine Honorare ein sehr hohes Einkommen hatte, welches ihm ein finanziell sorgenfreies Leben ermöglichte.

Relativ wenig findet man in diesem Buch über das Privatleben Freytags; das ist allerdings der Tatsache geschuldet, daß darüber kaum etwas bekannt ist. Freytag äußerte sich nur selten darüber und schirmte seine Privatsphäre auch gegenüber seinem engsten Bekanntenkreis ab. Seine erste Frau starb nach mehrjährigen Leiden, das vermutlich Altersdemenz war, im Jahre 1875; auch seine zweite Frau, die er später heiratete und mit der er zwei Kinder hatte, wurde psychisch krank und schließlich in eine geschlossene Anstalt eingeliefert. Erst mir seiner dritten Frau Anna Strakosch erlebte er nochmals einige wenige glückliche Jahre, bevor er 1895 im Alter von 79 Jahren starb.

Am Ende angekommen, hatte ich in der Tat das Gefühl, ein ganzes Leben mit durchlebt zu haben. Bernt Ture von zur Mühlen hat eine Biographie Freytags vorgelegt, die ein - soweit das möglich ist - umfassendes Bild des Schriftstellers entwirft, dabei auch dessen negative Seiten nicht ausspart und sich einer Wertung enthält. Alles in allem habe ich nun eine recht gute Vorstellung vom Autor meines Lieblingsbuches, der in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt hat. Ob er heute zurecht nur noch wenig bekannt ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat diese überaus lesenswerte Biographie Lust gemacht, wieder einmal in den Werken Freytags zu blättern und das eine oder andere Buch mit einem vertieften Verständnis zu lesen.


Mein Fazit

Eine durchaus kritische, sehr lesenwerte Biographie über den meistgelesenen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

terrorismus, islam, koran, lehre, monotheismus

Keine Angst vor dem Islam: Die meistgefürchtete Weltreligion besser verstehen und Muslimen offen begegnen.

Patrick Nachtigall
Fester Einband
Erschienen bei Gerth Medien, 13.06.2016
ISBN 9783957341471
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meine Meinung

Es vergeht kaum ein Tag, da man nicht irgendwo etwas über den Islam liest oder hört, meist in Verbindung mit geplanten oder durchgeführten Terroranschlägen.

Da der Autor vergleichende Religionswissenschaft studiert hat, hatte ich einige Erwartungen an das Buch in Bezug auf Sachinformation, die jedoch nicht vollständig erfüllt worden sind. Erst im Verlauf des Buches wird erwähnt, daß Nachtigall etliche Jahre als Missionar tätig war, und das taucht dann als Tendenz auch an einigen Stellen im Buch auf. Konkret und vor allem geht es um das Kapitel 4 „Die Herausforderung, Muslime zu erreichen“, in dem es ihm um Möglichkeiten der Mission geht. Das mag für manche ein interessantes Thema sein; in einem Buch, welches vor allem informieren und die „Angst nehmen“ will, ist so ein Abschnitt für meine Begriffe eher unpassend - oder wäre höchstens am Ende als eine Art Epilog denkbar, nicht jedoch an zentraler Stelle des Buches.

Ob es dem Autor gelungen ist, Angst vor dem Islam zu nehmen oder zu mindern, wird wohl jeder für sich selbst entscheiden müssen. Er gibt einen Überblick über die historische Entwicklung einschließlich der Beschreibung der größten islamischen Richtungen. Schon dadurch wird deutlich, daß es „den Islam“ bzw. „die islamische Welt“ nicht gibt, sind doch manche Richtungen miteinander dermaßen verfeindet, daß eine Versöhnung weit außerhalb des Denkbaren erscheint.

„Jesus befahl seinen Jüngern, das Schwert beiseitezulegen und endete am Kreuz. Mohammed führte Krieg und gewann.“ (S. 99) „Wie das Christentum ist auch der Islam ein absolutistischer Glaube: ‘Es gibt nur einen Weg.’ Doch die Botschaft kam aus einem Land mit bewaffneten Männern, nicht von zwölf staubigen Jüngern.“ (S. 101) In seinen ersten Jahrhunderten erlebte der Islam eine rasche und weite Verbreitung - vor allem durch Krieg, Eroberung und Unterwerfung. Im Gegensatz dazu litten die Christen in den ersten Jahrhunderten unter ständiger Verfolgung. Diese Grunderfahrungen prägen das Wesen beider Religionen bis heute und sind, wie der Autor schreibt, quasi in deren DNA übergegangen. Während der Gründer des Christentums gemartert und getötet wurde und dennoch zum Frieden aufrief, führte derjenige des Islam aktiv Kriege.

„Das Chaos, das die Vereinigten Staaten im Nahen Osten anrichten, betrifft Europa viel direkter als die USA - zum Beispiel in Form der Flüchtlingskrise“. (S. 143) Der Autor macht deutlich, daß ausgerechnet die USA, die am Wenigsten betroffen sind, am Härtesten und Militantesten reagieren. Während die USA ihre Mittel zunehmend ins Militärische stecken, investieren die europäischen Staaten vor allem in Sicherheit, wie Polizei. Und erreichen damit deutlich mehr mit deutlich weniger finanziellem Einsatz.

Einen vollständigen Überblick kann so ein relativ kurzes Buch naturgemäß nicht vermitteln, sondern nur Eckpfeiler. So wird der Koran kurz vorgestellt, auf „Der Koran und die Gewalt“ sowie das Recht der „Scharia“ eingegangen oder die „5 Säulen des Islam“ angerissen. Mit am Interessantesten fand ich das letzte Kapitel „Die Zukunft der islamischen Welt“, in dem er nach Ländern bzw. Weltregion gegliedert eine kurze Istbeschreibung sowie einen Ausblick, wie es sich dort möglicherweise entwickeln könnte, gibt.

Insgesamt vermag das Buch zu einem ersten Überblick zum Thema zu verhelfen, wer sich näher für die Thematik interessiert, wird jedoch nicht umhin kommen, sich weitere Literatur zu Gemüte zu führen.


Kurzfassung

Der Autor bietet einen „ersten Zugang in die islamischen Welt“. Dies leistet das Buch; jedoch wird man bei Interesse zu weiteren ausführlicheren Werken greifen.

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Die Rückkehr des Großen Mondes

Don Coldsmith
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 01.10.1996
ISBN 9783453082779
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Vater, jetzt verstehe ich, warum du deinen Stamm verlassen hast und lieber beim Volk lebst.“ (Seite 144)

Dies ist Band 4 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind.
< Hier klicken > für eine Serienaufstellung aller Bände

Achtung: Inhaltsangabe wie Rezi verraten wesentliche Teile der Vorgängerbande incl. deren Ende.


Zum Inhalt (Quelle: eigene Angabe)

Jahre nach dem Besuch von Don Garcia weiß Eule, der Sohn von Der-ohne-Kopf, nicht so recht etwas mit sich anzufangen. Er empfindet sich als „anders“ und weiß nicht weshalb. Ein Gespräch mit Weißer Büffel bringt Klarheit - nicht nur in seine Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft: er wird vom alten Medizinmann als Lehrling angenommen. Zum Ende seiner Ausbildung muß er alleine in die Wildnis, um sein Medizintier zu finden. Aber gefunden wird er auch von den Schädelspaltern, den Todfeinden des Volkes. Es beginnt eine lange und qualvolle Odyssee mit ungewissem Ausgang.


Meine Meinung

Don Coldsmith steht das Verdienst zu, daß er uns mit seinen Büchern an Dinge erinnert, die schon im Nebel der Geschichte unterzugehen drohten. (S. 187) So ist im Nachwort zu lesen, und in der Tat gelingt es Don Coldsmith auch hier wieder, vergangene Zeiten in hellem Licht lebendig werden zu lassen. Den Begriff „erstrahlen“ will ich hier besser nicht verwenden, da würde Eule vermutlich auch widersprechen. Denn von „erstrahlen“ ist über weite Teile des Buches wahrlich nichts zu merken, von „leben“ aber schon - und wenn es nur durch Qual und Schmerzen ist.

Der in der Rezension zum Vorgängerband angedeutete Generationenwechsel ist inzwischen im Gange. Zwar tauchen einige der - oft immer noch nicht so alten - Recken auf, doch das Augenmerk liegt auf der nächsten Generation. Eule, der zweite Sohn von Der-ohne-Kopf muß erwachsen werden, auf härtere und schnellere Art, als auch der Leser sich das vorgestellt hätte. Er würde weit reisen und den Stamm seines Vaters besuchen, lautete eine Prophezeiung seines Lehrmeisters Weißer Büffel. Der Leser ist vermutlich genau so gespannt auf diese Begegnung wie Eule. Um so schrecklicher wird dann das tatsächliche Zusammentreffen.

An die eher handlungsbezogene Schreibweise habe ich mich inzwischen gewöhnt; dem Autor gelingt es, in wenigen Sätzen eine Welt aufzubauen, die ich mir gut vorstellen kann. Über weite Strecken des Buches war ich genau genommen recht froh, daß Coldsmith auf ausladende Beschreibungen verzichtet. Die Andeutungen reichten aus, mir mehr als genug Informationen über die Handlung zu vermitteln.

Gerade in diesem Buch ist es mir besonders aufgefallen, wie gut es dem Autor gelingt, ganz aus der Sicht der Indianer zu schreiben. So erlebt der Leser die Begegnung mit den Spaniern auch rein aus Sicht Eules, der noch nie Kontakt mit Weißen (sieht man vom Besuch seines Großvaters viele Jahre zuvor in seiner frühen Kindheit ab) hatte und weder deren Sitten und Gebräuche noch deren Denk- und Handlungsweise kennt. Besonders erwähnt sei hier Eules Besuch der „Medizinhütte“, die so aus seiner Sicht geschrieben ist, daß sein Unverständnis und sein Entsetzen mehr als spür- und nachvollziehbar werden und der Kulturschock, den er erlebt, überaus greifbar wird. Beeindruckend auch, wie realistisch das Überleben in der Wildnis beschrieben wird.

Was mir besonders gut gefallen hat ist, wie Coldsmith die Denkweise und Mythologie der Indianer einbezieht, vor allem im Hinblick auf Eules Medizintier und dessen wiederholtes Auftauchen. Ich schätze, weder Eule noch der Leser können sich in jedem Fall sicher sein, ob das eine Vision oder das tatsächliche leibhaftige Auftreten des Tieres ist, was beschrieben wird. Das ist mir schon etliche Male auch bei anderen Autoren so begegnet, erwähnt seien Colin Stuart, Robert Conley oder Kerstin Groeper.

Die ganze Zeit über hatte ich beim Lesen eine leicht wehmütige Stimmung, denn es heißt Abschied nehmen. Abschied von den Übersetzungen, denn dies ist - nicht unbedingt ein Ruhmesblatt für deutsche Verlage - der letzte Band, der auf Deutsch erschien. Abschied von vielen vertrauten Figuren, denn in den Originalbänden ist ein Stammbaum enthalten mit Angaben, wer in welchem Buch auftaucht. Und nur wenige der „alten“ sind da für die nächsten Bände noch verzeichnet. Die Welt ist im Wandel, das Alte muß dem Neuen Platz machen. Innerhalb weniger Jahre haben die Elk-Hunde (= Pferde) das gesamte Leben der Indianer verändert. Die nächste Generation, die das Leben ohne Pferde nur noch aus den Erzählungen der Alten kennt muß sich neuen Problemen stellen, die zu bewältigen sind. Die Welt und das Leben verändern sich. Ob immer zum Besseren, sei dahingestellt.

Zum Schluß will ich noch einmal das Nachwort sprechen lassen: Da tut es gut, auf Bücher wie die von Don Coldsmith zu stoßen, in denen die Indianer eben nicht die typischen Bösewichter sind, die nur immer Züge überfallen, Frauen und Kinder verschleppen und ihre Gefangenen foltern. (S. 182) Sondern, so möchte ich ergänzen, ganz normale Menschen sind. Menschen wie du und ich.

Dem ist nichts hinzuzufügen.


Mein Fazit

Eule, der Sohn von Der-ohne-Kopf, muß ganz auf sich alleine gestellt, geschildert rein aus Sicht der Indianer, seinen Weg und seine Stellung im Leben finden. Lesenswert, wie die ganze Reihe.

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150 Jahre Soll und Haben: Studien zu Gustav Freytags kontroversem Roman


Geheftet: 326 Seiten
Erschienen bei Königshausen u. Neumann, 11.02.2005
ISBN 9783826027147
Genre: Sonstiges

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islam, christentum, koran, kalifat, kreuz

Die offene Wunde des Islam: Antworten auf Hass und Zerstörung

Vishal Mangalwadi
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Fontis - Brunnen Basel, 01.02.2016
ISBN 9783038480853
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die traurige Wirklichkeit ist, dass die Europäer Angst haben, weil sie weder wissen, was den Westen groß gemacht hat, noch, warum ihre Kultur anders ist als die nichtwestlichen Kulturen. Politische Korrektheit und Multikulturalismus verbieten es ihnen zu sagen, dass und inwiefern ihre Kultur in irgendeiner Weise besser sei als andere. (Seite 130)

Meine Meinung

In unserer postmodernen Zeit hält man es für unhöflich, politisch inkorrekt, ja gefährlich, in der Öffentlichkeit über Überzeugungen zu sprechen.“ (S. 96) Wird darum, gleichsam aus „Überkorrektheit“, der Blick auf den Islam getrübt, weil es dort (auch) um Überzeugungen geht, „wir“ solche aber tunlichst nicht (mehr) haben? Zumindest in der Öffentlichkeit? Und schon gar nicht dann, wenn sie „nicht korrekt“ sind? Vor allem auch diese „Überzeugungslosigkeit“ ist es, die der Autor seziert und an den Pranger stellt, wenn er nach „Antworten auf Hass und Zerstörung“ (Untertitel) sucht.

Mangalwadi wurde von „Christianity Today“ als der „führende christliche Intellektuelle Indiens“ bezeichnet. Das merkt man dem Buch an, wobei er das Talent besitzt, auch schwierige Sachverhalte verständlich darzustellen. Es heißt immer wieder, „den Islam“ gib es nicht. Hier, in den ersten Kapiteln des Buches habe ich das zum ersten Mal ausführlich und nachvollziehbar beschrieben gefunden. Ausgehend von einen fiktiven Gespräch zwischen Saddam Hussein und George Bush, das - hätte es denn so stattgefunden wie beschrieben - möglicherweise den Golfkrieg und die darauf folgenden militärischen Konflikte überflüssig gemacht hätte, erklärt Mangalwadi die Gemengelage im Nahen Osten. Was es mit Sunniten und Schiiten auf sich hat, woher die Muslimbruderschaft kommt und welche Folgen sie im Laufe der Jahre gezeitigt hat. Vor allem aber erklärt er die verheerenden Folgen des Sykes-Picot-Abkommens aus dem Jahre 1916, in dem Großbritannien und Frankreich das Osmanische Reich unter sich aufteilten. Als Folge davon ist die ganze Region heute ein Pulverfaß.

Es waren die Beschreibungen Mangalwadis, die mir bewußt machten, daß die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten vermutlich eine vergebliche ist. Und daß sowohl die USA wie auch Großbritannien einen gehörigen Teil Mitschuld an der schier unlösbar scheinenden Situation tragen. Interessant für mich war die Sicht eines Inders auf die europäische und amerikanische Politik und Gesellschaft.

„Woran krankt der Islam?“ ist die Frage, die auf dem Buchrücken gestellt wird. Nach der Schilderung der eher historischen und politischen Aspekte geht Mangalwadi auf die geistig-religiöse Dimension der Thematik ein und arbeitet die Unterschiede zum Christentum deutlich heraus. Verkürzt gesagt, ist das Kennzeichen des Islam das Schwert, das des Christentums das Kreuz, was zwei völlig verschiedene Sichtweisen auf Gott und die Welt zur Folge hat. Er zeigt auf, daß es im Islam kein Grundrecht des Einzelnen auf Leben, Freiheit, Familie und Eigentum, auch nicht die Gedanken einer angeborenen Gleichberechtigung und Würde von Mann und Frau gibt (vgl. S. 100f). Ferner wurden die Grundlagen des Kalifats nie aufgegeben, als da sind: „Der Islam ist allen anderen Religionen überlegen und wird sie besiegen. Muslime können allen, die sich nicht bekehren, das Gesetz der Scharia auferlegen und ihnen hohe Steuern abverlangen oder sie töten. Von den Grundlagen her schließt somit ein Kalifat die Möglichkeit eins friedlichen und dennoch echten Islam aus.“ (S. 109) Auch wenn es der herrschenden political correctness widerspricht: es gibt einen Kampf der Kulturen. Aber nur, weil es derselben widerspricht, bedeutet das nicht, daß es weniger wahr ist.

Um die Unterschiede zwischen Christentum uns Islam deutlich zu machen, geht er natürlich auch auf die christliche Sicht der Dinge ein. Ein Augenmerk liegt dabei auf der immer stärkeren Säkularisierung und der Aufgabe von Grundwerten, wie man es in westlichen Gesellschaften feststellen kann. „Die meisten Europäer vertreten nicht mehr die Weltanschauung der Bibel, obwohl sie sich danach sehnen, dass ihre Kultur ihre christlichen Werte behält.“ (S. 139) Das sieht er mit als einen Grund, daß die derzeitige Flüchtlingswelle solche Ängste vor Überfremdung auslöst.

Vishal Mangalwadi hat ein Buch vorgelegt, in dem er mit profunder Sachkenntnis auf drängende Fragen zum Islam und den Unterschieden zum Christentum Antwort gibt. Dabei scheut er sich nicht, Dinge beim Namen zu nennen. Sein Blick „von außen“ und seine Fähigkeit, auch komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären, haben mich das Buch um so lesenswerter empfinden lassen.


Mein Fazit

Ein lesenswertes Buch über den Islam, seine Geschichte und Überzeugungen sowie die wesentlichen Unterschiede zum Christentum.

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indianer, powwow, liebe, au-pair, pine ridge

Indianisch für Anfänger

Kerstin Groeper , Astrid Gavini
Flexibler Einband: 328 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 18.11.2015
ISBN 9783941485464
Genre: Romane

Rezension:

Abends lag Kaja noch lange wach im Bett und dachte darüber nach. Für sie war Amerika immer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewesen. Ein Land, in dem Milch und Honig flossen. Stattdessen wurde sie hier mit bitterer Armut konfrontiert. (Seite 119)

Meine Meinung

Es ist Verlag wie Autorin hoch anzurechnen, daß sie in Zeiten der um sich greifenden „Pseudonymeritis“ diesen Roman unter dem Namen der Autorin veröffentlicht haben, obwohl er so ganz anders ist als ihre bisherigen Bücher. Das fängt bei der Zeit (Gegenwart) an bis hin zur Zielgruppe, bei der anscheinend an ein etwas jüngeres Publikum, das weniger Vorkenntnisse hat, gedacht wurde. Gerade, weil heute vielfach fast schon für jeden Roman ein neues Pseudonym ge- bzw. erfunden wird, habe ich großen Respekt für die Entscheidung, dies hier nicht zu tun. Aus meiner Sicht hat es dem Buch gut getan, denn so habe ich die Kompetenz für die Themen, welche ich bisher bei der Autorin gefunden habe, auch auf dieses Buch übertragen, und mit mehr als nur Verwunderung gelesen, daß man in Amerika beispielsweise wegen sexuellem Mißbrauch in Schwierigkeiten kommen kann, wenn man ein Kind zum Trösten in den Arm nimmt (vgl. S. 20). Ich fürchte, das ist zutreffend.

In den letzten Wochen habe ich Bücher dreier Autoren, die in verschiedenen Jahrhunderten bei Indianern spielen, gelesen. Direkt vor diesem las ich „Die Feder folgt dem Wind“ der selben Autorin, was einen interessanten Vergleich ergibt. Wobei ein direkter Vergleich natürlich nicht möglich ist, da die Zielgruppen verschieden sind. Dort wie hier ist der anschauliche und flüssig lesbare Stil der Autorin hervorzuheben, der es mir ermöglichte, auch bei nur wenig Zeit ein Kapitel zu lesen. Schon nach wenigen Worten war ich wieder in der Geschichte gefangen und konnte nahtlos ans letzte Lesen anknüpfen - das ist nicht bei allen Autoren der Fall. Dort wie hier war es kaum möglich, das Buch aus der Hand zu legen; einen solchen Sog entwickelte die Handlung, daß ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht.

Eine weitere Parallele ist, daß in beiden Büchern - wenngleich auf sehr verschiedene Weise - eine weiße Frau eine Beziehung mit einem Lakota eingeht. Das für mich interessante war die Feststellung, daß manche Denk- und Verhaltensweisen anscheinend typisch für Indianer sind, nicht nur für Lakota. Don Coldsmith hat mehrere Stämme zum Vorbild für sein Volk der Spanish Bit Saga, die im 16. Jahrhundert spielt, genommen. Bei Michael Blake sind es (im Buch) Comanchen, bei Kerstin Groeper Lakota (Sioux). Auch wenn sich natürlich vieles mehr oder weniger zwangsweise geändert hat, waren doch bis in die heutige Zeit hinein viele Ähnlichkeiten vorhanden, die schon in der „Feder“ beim Verständnis der beiden Protagonisten untereinander zu Schwierigkeiten führten, und auch hier wieder auftauchen. Zumal weder Kaja noch Sonny immer den unterschiedlichen kulturellen Hintergrund gegenwärtig haben. So müssen beide immer wieder aufpassen bzw. lernen, daß viele Handlungen einfach daraus resultieren, aus welcher Gesellschaft man kommt. Was in der einen normal ist, ist in der anderen unbekannt oder vielleicht ganz anders.

Etwas seltsam fand ich, daß Kaja sich so ganz ohne Vorkenntnisse in das Abenteuer Amerika gestürzt hat. Pine Ridge mag in der Tat vielen hier kein Begriff sein, aber wenn ich für ein Jahr ins Ausland gehe (und mir bis zu einem gewissen Grad die Gegend aussuchen kann), würde ich mich doch informieren, wohin ich da ungefähr komme. Andererseits ergibt sich natürlich aus eben jener Unkenntnis der Figur die Möglichkeit, die Leser, welche teilweise vermutlich genau so unkundig sind, mit den Verhältnissen bekannt zu machen. Hierbei ist es schwierig, die richtige Balance zwischen zu viel und zu wenig Information zu finden. Mir war vieles bereits bekannt, so daß ich nicht beurteilen kann, wie es auf einen Leser, der wirklich so wenig Ahnung von den Umständen wie Kaja hat, wirkt. Kaja schien mir zu Beginn auch eine recht oberflächliche, teilweise sogar arrogante, Person zu sein; durch die Geschehnisse des Jahres in den USA hätte sie sich für meine Begriffe mehr verändern müssen als es im Buch aufschien. Denn durch die Krankheit der Gastmutter wurde sie quasi ins kalte Wasser geworfen, die Kindheit war von heute auf morgen vorbei. Erst auf der letzten Seite gibt es eine Szene, in der in vollem Umfang deutlich wird, wie sehr sie sich entwickelt hat und erwachsen geworden ist.

Mit der Thematisierung der kulturellen Unterschiede sowie den sich daraus oft ergebenden Mißverständnissen, dem auch in den USA (aber nicht nur dort) latent vorhandenen Rassismus und dem Plädoyer für ein friedliches und verständnisvolles Miteinander in der Zukunft werden im Verlauf des Buches auch durchaus ernste Themen angesprochen, ohne daß ein Zeigefinger oder gar der Holzhammer hervorgeholt werden.

Nebenbei erfährt man einiges über geschichtliche Ereignisse, (heute wieder) gepflegte Bräuche sowie die Hauptprobleme in den Reservationen. Auf deren Ursache wird nicht weiter eingegangen, das hätte den Rahmen des Buches allerdings gesprengt. Für den Leser mitunter mit einem Schmunzeln zu verfolgen sind die Schlagabtäusche zwischen Kaja und Sonny - ein Gespann, das mich an manchen Stellen an die „Paarungen“ bei Elisabeth Büchle hat denken lassen (auch wenn deren Bücher ganz anders sind als die von Kerstin Groeper).

Insgesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ich halte es für gut geeignet, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen überhaupt erst das Interesse für Indianer (wieder?) zu wecken. Die Handlung ist in sich abgeschlossen, läßt am Ende jedoch genügend Raum für eine Fortsetzung, die, wie der Verlag an anderer Stelle schrieb, in Überlegung ist. Ich hoffe sehr, daß diese kommen wird. Denn ich möchte zu gerne wissen, wie es nach den Geschehnissen dieses Buches den Figuren weiter ergeht.


Mein Fazit

„Weiße Frau“ trifft „roten Mann“ oder das Aufeinandertreffen der Kulturen heute. Ein lesenswertes Buch über Vorurteile, Mißverständnisse und deren Überwindung.

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interessant, theologisches buch, sachbuch

"Die Bibel ist ein Mythos" - muss ich das glauben?

Thomas B. Tribelhorn
Fester Einband: 302 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 07.04.2016
ISBN 9783775157131
Genre: Sonstiges

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