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Sämtliche Werke in fünf Einzelbänden. Nach dem Text der Erstdrucke oder der Ausgabe letzter Hand / Der Nachsommer

Adalbert Stifter
Fester Einband: 776 Seiten
Erschienen bei Artemis & Winkler, 18.12.1995
ISBN 9783538052000
Genre: Romane

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haus, familie, sowjetunion, moskau, grigori rjaschski

Moskau, Bel Étage

Grigori Rjaschski , Ganna-Maria Braungardt
Fester Einband: 399 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 30.03.2009
ISBN 9783462040715
Genre: Romane

Rezension:

Ich lebe, dachte sie, sie lebt noch, die alte Mähre, sie atmet und stößt sogar Dampf aus, wie eine Lok auf dem Abstellgleis, der man noch einmal eingeheizt hat. (Seite 123)

Meine Meinung

Was für ein Buch!

Wodurch ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin, weiß ich nicht mehr. Und letztlich ist das auch egal, es hat seinen Weg zu mir gefunden und sämtliche Erwartungen übertroffen. „Ein Panorama der russischen Gesellschaft im Wandel der Zeiten“ heißt es im Klappentext, und selten hat ein Verlagstext mehr auf ein Buch zugetroffen, wie es hier der Fall ist.

Der Roman hebt rückblickend im Jahre 1903 an und spannt einen Bogen über hundert Jahre bis ins Jahr 2003 - hundert Jahre mit Freud und Leid, vom zaristischen Rußland über die Sowjetunion hin zum Rußland unserer Tage. In all den Umwälzungen und dem Chaos, das diese lebhaften Zeiten mit sich bringen, gibt es einen, eigentlich zwei, ruhende Pole: das Haus in der Trjochprudny-Gasse und seine Bewohnerin Rosa Markowna. Ihr Mann hatte das Haus einst erbaut, war ein anerkannter und berühmter Architekt, aber wie das zu Stalins Zeiten so war, hat ihm das letztlich auch nicht mehr viel genützt.

Und so bleibt Rosa Markowna, die letzte, die die jüdischen Traditionen ihrer Familie hoch hält und versucht, diese nebst Sitte und Anstand über die Jahre und Jahrzehnte hinweg auf die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Was ihr mal mehr, mal weniger gelingt. Wie ein Fels in der Brandung steht sie fest, läßt alles an sich abprallen und versucht, ihre kleine Welt zu halten und einen guten Einfluß auszuüben. Viele Rückschläge und Enttäuschungen muß sie im Laufe der Jahre hinnehmen, doch sie ist aus hartem Holz geschnitzt, unterkriegen läßt sie sich nicht.

Immer wieder ziehen neue Mieter in das Haus, nicht immer werden die Wohnungen auf „normalem“ Wege frei und im Laufe der Jahre entpuppt sich sogar ein KGB-General als liebenswerter Nachbar. Es geht Auf und Ab, als Leser erleben wir ein Jahrhundert Zeitgeschichte hautnah mit und sind manchmal froh, daß nur wir wissen, wie die Dinge wirklich zusammen hängen und Rosa Markowna so manche Enttäuschung erspart bleibt, die ihr am Ende möglicherweise doch ihr gutes Gemüt geraubt hätte.

Ein Buch, das vom Hauch der Geschichte durchweht wird, über dem auch an Sonnentagen eine leichte Melancholie liegt und das bei allem Schrecken doch niemals eine positive Grundstimmung verleugnen kann. Ein Buch, das schlimme Zeiten schildert, bis hin zu üblen Gestalten der Russenmafia unserer Tage, und in dem eine Frau wie Rosa Markowna zeigt, daß auch solche Zeiten mit Anstand und Würde zu überstehen sind, daß man sich sein eigenes kleines Glück auch unter widrigsten Umständen schaffen und erhalten kann.

Ein Buch, das mich von Anfang an tief in seinen Bann gezogen und fasziniert hat, woran gewißlich auch die überaus gelungene Übersetzung (soweit ich das beurteilen kann) ihren Anteil hat.

Ein Buch, welches ich so schnell nicht mehr vergessen kann.

Was für ein großartiges Buch!


Mein Fazit

Ein grandioses Panorama des Hauses in der Moskauer Trjochprudny-Gasse und seiner Bewohner im Verlauf von nahezu hundert Jahren. Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe.

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christlicher roman, schwarzwald, liebe, verlust, weihnachten

Unter dem Mitternachtsmond

Elisabeth Büchle
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 28.08.2017
ISBN 9783957342324
Genre: Romane

Rezension:

„Dafür stehen diese Linien. Sie machen die Figuren auf den ersten Blick unvollkommen. Aber sobald man den Sinn dahinter erkennt, sind sie auch eine Zierde. Sie erzählen davon, wie aus Fehlerhaftem Schönes entstehen kann, wenn wir es zulassen.“ (Seite 106)

Meine Meinung

Dies ist nun das dritte Weihnachtsbuch der Autorin, und es könnte durchaus sein (so ganz habe ich das noch nicht entschieden), daß mir dieses am Besten gefallen hat. Jedenfalls deutlich besser als das Vorgängerbuch „Unter dem Sternenhimmel“. Hier paßt die Handlung sehr schön in die Advents- und Weihnachtszeit, und auch am Ende bleiben keine wesentlichen Fragen offen, der Schluß ist rund, stimmig und passend. Auch wenn in diesem Roman Figuren auftreten, die dem Leser schon in den beiden Vorgängern begegnet sind, so ist er doch eigenständig und ohne Vorwissen verständlich. Soweit zum Verständnis notwendig, werden die entsprechenden früheren Vorkommnisse an passender Stelle eingeflochten ohne jedoch den Lesern, die jene Bücher kennen, als aufdringlich zu erscheinen.

Besonders gefreut hat mich wieder so ein Schmankerl für die Stammleser der Autorin; ich will nicht spoilern, deshalb nenne ich ganz allgemein, daß Dinge aus einem ihrer früheren Bücher auftauchen. Da jenes frühere eines meiner Lieblingsbücher der Autorin ist, hat mir das um so mehr gefallen.

Fast hätte ich geschrieben, wie von der Autorin gewohnt, gibt es hier ein Pärchen, das auf den ersten Blick so überhaupt nicht zusammen paßt und welches darob zur Freude der Leser auch so manchen „Kampf“ miteinander ausficht. Hier sind das die künstlerisch-chaotisch tätige Debora und der Kontrollfreak Patrick, der seinen siebenjährigen Sohn Leo aus Angst, es könne ihm etwas passieren, mehr einengt als gut ist. Debora und Patrick ziehen zum gleichen Zeitpunkt in einem alten Bauernhof als Mieter ein, so daß sich Kontakte nicht vermeiden lassen. Zumal sich Leo sehr schnell mit Debora anfreundet.

Was mir hier ausnehmend gut gefallen hat, war die überaus normale Entwicklung. Es gibt Unklarheiten, Mißverständnisse und wir Leser tappen über weite Strecken über bestimmte Denk- und Verhaltensweisen im Dunkeln. Die Auflösung derselben im Verlauf des Buches ist dermaßen normal und genau genommen folgerichtig, daß dies alleine schon deshalb auffällt, weil das „Reißerische“, was man heute zu oft in Büchern findet, hier fehlt. Genau so könnte es wirklich sein, und genau deshalb finde ich das hier sehr gut.

Passend zur Jahreszeit (im Buch) war auch, daß die Legende der ersten Weihnachtskrippe eingeflochten wurde; es heißt, der hl. Franz von Assisi habe diese „erfunden“. Wie schon im ersten Weihnachtsbuch gibt es auch hier ziemlich viel Schnee, was für eine Lage mitten im Schwarzwald allerdings durchaus wahrscheinlich ist, vor allem aber zu dieser Geschichte paßt. Müßig zu erwähnen, daß die Figuren im Verlauf der Handlung mit ihren je ganz eigenen Problemen fertig werden bzw. sich diesen stellen müssen. Auch deren endgültige Auflösung fügt sich nahtlos ein bzw. führt alles zu einem - da verrate ich sicherlich nichts Unerwartetes - guten Ende.

Abschließend, wenn ich es mir recht überlege, hat mir dieses dritte Weihnachtsbuch der Autorin in der Tat am besten von den drei gefallen, wenngleich das erste „Unter dem Polarlicht“ ganz knapp dahinter liegt. Die bisher bekannten Figuren haben nun zwar alle ihre Geschichten bekommen, aber es spricht nichts dagegen, im nächsten Jahr von ganz anderen zu erzählen. Ich würde mich freuen.


Mein Fazit

Ein rundum gelungenes Buch, das so recht auf die Advents- und Weihnachtszeit einstimmen kann.

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jesus, hölle, papst, begegnungen, seelsorge

Chefvisite

Albrecht Gralle
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 23.08.2017
ISBN 9783865069849
Genre: Romane

Rezension:

Wenn Gott sich jedes Mal vor der Sünde zurückgezogen hätte, wäre die Welt gottlos geworden und schon längst untergegangen. (Seite 23)
„Bei Gott“, sagte Jeschua, „sind alle Dinge möglich. Aber manchmal sind die Umwege zu ihm gewaltig und langwierig.“ (S. 194)

Meine Meinung

Es ist ein paar Tage her, daß ich das Buch beendet habe, und noch immer bin ich mir unsicher, welche Meinung ich dazu habe. Also, daß ich es beendet habe, darüber bin ich durchaus froh, diese Meinung ist eindeutig. Nur was ich von dem Inhalt halten soll, dessen bin ich mir immer noch unsicher.

Zweifellos ist, daß der Autor einen flüssig und flott lesbaren Stil schreibt, für die Thematik angemessen. Das Buch liest sich also „schnell weg“ - ob ein solches wiederum so gut ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Seit ich vor einiger Zeit mit einem Autor eine Diskussion um ausgefeilten Sprachstil geführt habe, bin ich mir da nicht mehr so sicher, daß ein schnelles Lesen und Verstehen eines Textes unbedingt ein Zeichen von Qualität ist.

Die Idee des Romans ist durchaus originell und hat mich gereizt, denn die Frage, wie Jesus wohl reagieren würde, käme er heute, habe ich mir selbst schon oft gestellt. Jesus hat zu seiner Zeit weder Tabus beachtet noch sich an die Regeln gehalten, wieso sollte das bei einer erneuten Ankunft auf der Erde heute anders sein? Insofern kann ich dem Autor folgen. Genau genommen, würde ich so ein Verhalten Jesu sogar erwarten. Aber würde er vieles, was er damals gelehrt hat, wirklich so radikal über den Haufen werfen, wie in diesem Buch dargestellt?

So heißt es z. B. in Matthäus 5,18: „Amen, ich sage euch: bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist.“, auch in weiteren Stellen im NT bekräftigt Jesus die Gültigkeit der Heiligen Schrift. Wie der Autor dann zu der Schlußfolgerung „Die Bibel ist kein Wahrheitslexikon, sondern ein seelsorgliches Buch.“ (vgl. S. 193, im Buchzusammenhang sinngemäß gemeint, man kann die Bibel so verstehen, wie man es gerade braucht), entzieht sich meinem Verständnis.

Mehr als seltsam fand ich auch den Besuch beim Papst - obwohl, ich bin mir nicht ganz sicher, ob Autor und Verlag (beide evangelisch) bewußt ist, was sie mit der Darstellung im Buch implizieren: es wird nämlich der Primat des Papstes sowie indirekt seine Stellung als Stellvertreter Christi (und damit die Röm.-Kath. Kirche als die Kirche) dargestellt. Insofern stimme ich mit dem Autor allerdings überein.

Und ein drittes sei noch erwähnt: Jesus tritt im Buch auf, sagt (sinngemäß) „Ich bin der Auferstandene Jesus, der gekommen ist, um nach dem Rechten zu sehen“ - und jeder glaubt das sofort ohne irgend einen Zweifel oder gar Rückfrage. Wenn zu mir jemand mit diesem Anspruch käme, würde ich schon etwas mehr als einen so nebenbei hingeworfenen Satz benötigen, um dem Glauben zu schenken. Mag sein, daß der wiedergekommene Jesus eine Ausstrahlung hatte, daß man ihm das sofort abnahm - nur hat der Autor mir das nicht nahe bringen können, ich mußte mir das als Erklärung selbst zusammen reimen. Auch hatte ich das Gefühl, immer wenn es ernst wird, blendet der Autor aus, als ob er nicht wüßte, wie er das schreiben bzw. beschreiben soll.

Was mich am Buch aber wirklich gestört hat, ist die Nachbemerkung. Die ist nämlich keine Nachbemerkung, sondern Teil des Romans. Der Ist mitnichten mit dem Wort „Ende“ zu Ende, sondern erst mit der Nachbemerkung. Bei so etwas fühle ich mich vom Autor immer auf den Arm genommen, und das schätze ich nicht. Matheson hat das in seinem Roman „Das Ende ist nur der Anfang“ zwar sehr ähnlich gehandhabt, aber dort ist das als „Epilog“ gekennzeichnet - und damit eindeutig Teil der Romanhandlung. Hier wird der Eindruck erweckt, daß der Roman zu Ende sei und der Autor noch ein (sachliches) Nachwort gibt - was nicht stimmt.

Inhaltlich gefallen - auch das gab es - haben mir die Aussagen Jesu über die Schöpfung und Entwicklung derselben sowie die Ansicht, daß die Erde nicht der einzige bewohnte Planet im Universum ist. Der Astrophysiker Sebastian von Hoerner hat in seinem Buch „Sind wir allein? SETI und das Leben im All“ die Wahrscheinlichkeit, daß es auf anderen Welten Leben gibt, ausgerechnet. Diese ist in Promille zwar extrem gering, bezogen auf die Größe des Universums jedoch in tatsächlicher Anzahl wiederum relativ hoch.

Insgesamt habe ich „Chefvisite“ als ein gut und locker zu lesendes Buch empfunden, das die Möglichkeit eines erneuten Besuches Jesu auf der Erde durchspielt. Der Roman vermag einige, darunter durchaus positive, Denkanstöße zu vermitteln; jedoch hatte ich über weite Strecken das Gefühl, daß der Autor dem Jesus des Buches vor allem sein eigenes Wunschdenken in den Mund gelegt hat. Vieles davon mag dem heutigen Zeitgeist entsprechen, nur ob es auch dem Geist Jesu entspricht?


Mein Fazit

Jesus zurück auf der Erde, um nach dem Rechten zu sehen. Locker und flüssig geschrieben, ist der Autor für meine Begriffe zu sehr dem Zeitgeist verhaftet und verfolgt zu sehr sein eigenes Wunschdenken.

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327 Bibliotheken, 16 Leser, 2 Gruppen, 8 Rezensionen

russland, krieg, klassiker, napoleon, familie

Krieg und Frieden

Leo N. Tolstoi , Hermann Röhl
Fester Einband: 1.536 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.10.2007
ISBN 9783866471764
Genre: Klassiker

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jane austen, biographie, biografie, england, 19. jahrhundert

Geliebte Jane

Jon Spence , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 01.10.2007
ISBN 9783458350125
Genre: Biografien

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73 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

russland, st. petersburg, zar peter, sankt petersburg, newa

Die Stadt des Zaren

Martina Sahler
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 11.08.2017
ISBN 9783471351543
Genre: Historische Romane

Rezension:

Kein Mensch kann uns die Garantie geben, dass es die richtige Entscheidung ist, aber ist es nicht aufregend, aufzubrechen und neue Ziele ins Auge zu fassen? (Seite 49)

Meine Meinung

Zur Zeit meiner Kindheit und Jugend gab es diese Stadt nicht. Jedenfalls nicht mit diesen Namen. Und so war es denn auch Leningrad, in das ich 1986 hätte reisen wollen, wegen einschneidender familiärer Ereignisse jedoch nicht konnte. Niemand hätte damals gedacht, daß es nur noch ein paar Jahre dauern würde, bis Leningrad von der Landkarte verschwinden und St. Petersburg in alter Pracht wieder auftauchen würde. Aber wie das heutige St. Petersburg entstand ist damit noch lange nicht erklärt. Das tut Martina Sahler in ihrem neuen Roman auf eine Weise, daß ich ins Grübeln geraten bin, ob ich die seinerzeit ausgefallene Reise nicht doch noch nachholen sollte. Und das ich, der um Großstädte stets einen möglichst großen Bogen zu machen pflegt.

Gleich zu Beginn berichtigt die Autorin den auch von mir bisher für richtig gehaltenen Irrglauben, daß die Stadt nach ihrem Gründer - Zar Peter den Großen - benannt sei, wenngleich schon das „St.“ im Namen ein solches ausschließen sollte. Es ist der Apostel Petrus, der den Namen für die Stadt gab. Kein Wunder, daß die Kommunisten nichts besseres wußten, als diesen zu ändern.

Wer heute nach St. Petersburg reist, sich Filme oder Bilder davon ansieht, kann sich kaum vorstellen, welche ungeheuren Mühen es für die Menschen im beginnenden 18. Jahrhundert bedeutete, diese Stadt im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden zu stampfen, zumal aus einem sumpfigen, der für eine Stadtgründung alles andere als geeignet war. Aber der Zar wollte es so - und da gab es kein Erbarmen, es hatte so zu geschehen.

Man merkt dem Roman an, daß die Autorin hier besonders viel investiert hat, sei es Recherche, sei es Arbeit am Text, sei es Herzblut, das in dieses Buch mit eingeflossen ist. Mir ist eigentlich nur ein Kritikpunkt aufgefallen: das Buch dürfte ruhig noch etliche Seiten länger sein. Es gibt einige Orts- und Zeitsprünge, die manchmal den Eindruck des episodenhaften erwecken können. Auf der anderen Seite wäre es für den Leser möglicherweise ermüdend, immer wieder von den gleichen Schwierigkeiten und Problemen zu lesen, die sich damals ergaben. Es ist vermutlich eine Sache der persönlichen (Lese-)Vorliebe, ob man die „fehlenden Seiten“ vermißt oder nicht.

Auf jeden Fall ist es der Autorin gelungen, die Gründung der Stadt St. Petersburg sehr anschaulich darzustellen. Sie erzählt vom eisernen Willen des Zaren Peter dem Großen und seiner Zerrissenheit: einerseits war er den Traditionen Rußlands verhaftet, andererseits für seine Zeit offen und hochmodern und stets dabei, Rußland und seine Menschen in die moderne Zeit zu führen, und sei es mit Gewalt. Wir lesen von vielen, historischen und fiktiven, Menschen, die die Stadt bevölkern und ihren Teil zum Aufbau beitragen, sei es nun zwangsweise (wie die schwedischen Kriegsgefangenen oder die Leibeigenen) oder freiwillig, wie der deutsche Arzt Dr. Albrecht mit seiner Familie.

Es entsteht ein vielfältiges Panorama, das die Jahre 1703 bis 1712 in all ihren Facetten lebendig werden läßt. Ich habe mich mit den Menschen gefreut, mit ihnen gelitten, manche bedauert, andere gehaßt, das Wasser rauschen, das Feuer knacken gehört. Kurz: der Autorin ist es in diesem Roman noch besser als in ihrer „Wolgatrilogie“ gelungen, eine vergangene Welt zum Leben zu erwecken. Sollte ich also jemals doch noch nach St. Petersburg kommen, hat dieses Buch einen nicht geringen Anteil daran.


Mein Fazit

Ein farbenprächtiges Bild der Gründung von St. Petersburg, das auch die dunklen Seiten nicht verschweigt. Gut geschrieben mit vielen Details - lesenswert.

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Genesis: Ein Krimi mit Folgen (Bibel lesen lernen)

Vogelsang Anton
Geheftet: 156 Seiten
Erschienen bei Verlag Catholic Media, 16.06.2017
ISBN 9783939977308
Genre: Sonstiges

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rom, liebe, liebesgeschichte, liebesroman, italien

Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom

Mark Lamprell , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 24.07.2017
ISBN 9783764506179
Genre: Liebesromane

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Geradeaus quergedacht

Wilhelm Imkamp
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Bernardus Verlag, 18.11.2016
ISBN 9783810702593
Genre: Sonstiges

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Krieg und Frieden: Die Päpste und der Islam

Ulrich Nersinger
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei Bernardus Verlag, 24.03.2016
ISBN 9783810702456
Genre: Sonstiges

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neues testament, jesus, evangelium

Messias ohne Manieren: Umgeworfene Tische, verfluchte Bäume und derbe Beschimpfungen - die provokanten Gegensätze von Jesus verstehen.

Mark L. Strauss
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 19.06.2017
ISBN 9783957342409
Genre: Sachbücher

Rezension:

Er wusste, dass ein Kommen der Dreh- und Angelpunkt der Menschheitsgeschichte war, der Höhepunkt von Gottes Erlösungsplan. Es gab keinen Plan B. (Seite 57f)

Meine Meinung

Jesus von Nazaret glauben viele zu kennen. Und deshalb mögen ihn auch viele, selbst wenn sie ansonsten mit „seiner“ Kirche nicht allzuviel am Hut haben. Viele mögen die Version von Jesus, die sie sich von ihm machen. Aber haben sie wirklich den ganzen Jesus im Blick oder bauen sie ihre Sympathie auf wenige Schriftstellen, die sie kennen? Denn Jesus sagte nicht nur, daß man die andere Wange hinhalten oder die Feinde lieben soll. Er (ver-)fluchte, verdammte die Obrigkeit, warf Geldwechsler unter Anwendung von Gewalt aus dem Tempel und störte damit deren Geschäft oder schickte tausend Schweine in den Tod. Wie paßt das zu dem Bild des Friedens, das sich viele Menschen von ihm machen? Paßt das überhaupt zu ihm?

Es sind diese, teilweise überaus schwierig zu verstehenden Stellen im Neuen Testament, welche sich der Autor vornimmt und mit großer Sachkenntnis für die Menschen unserer Tage erklärt und interpretiert. Oft wird nämlich der Fehler gemacht, solche Vorkommnisse und Jesusworte mit und an den Maßstäben unserer Zeit zu messen, wodurch man sie nicht nur mißverstehen kann, sondern auch überhaupt nicht ahnt, welche Sprengkraft das für die Zeitgenossen Jesu hatte, wie ungeheuerlich ihnen vieles vorkommen mußte.

In Zwölf Kapiteln mit Überschriften wie „Revolutionär oder Pazifist?“, „Gesetzlich oder voller Gnade?“, „Höllenprediger oder sanfter Hirte?“ oder „Gescheiterter Prophet oder siegreicher König?“ entwirft der Autor ein Bild von Jesus, das so manchen überraschen dürfte. Vor allem aber löst er scheinbare Widersprüche auf, wenn Jesus beispielsweise zum einen großen Wert auf Familie legt, andererseits sich aber von seinen Blutsverwandten lossagt bzw. es so klingt, als ob er selbiges täte. Dabei zitiert Strauss immer wieder die entsprechenden Verse im Neuen Testament, aber auch die passenden aus dem Alten Testament. Den Menschen der Zeit Jesu waren viele Stellen aus dem AT geläufig, weshalb sie Anspielungen und Zusammenhänge verstehen konnten, die wir heute schlicht eben aus Unkenntnis des AT übersehen. Es ist ein großes Verdienst des Autors, eben solche Zusammenhänge aufzuzeigen.

Wichtig ist auch, daß Strauss ein eminent großes Wissen hat, dieses jedoch so darbietet, daß es auch für den „interessierten Laien“ gut und problemlos verständlich ist; er kommt ohne „Fachchinesisch“ aus. Dabei wird auch immer wieder deutlich, wie geradezu zentral eine genaue Übersetzung der Bibel ist. Denn manche Worte lassen sich verschieden übersetzen, weil sie im Original verschiedene Bedeutungen haben. Als Beispiel sei das Wort „hassen“ erwähnt, das man auch mit „weniger lieben“ übersetzen könnte, wodurch sich gleich ein ganz anderer Sinn ergibt (vgl. S. 161f). Es sind solche Feinheiten, auf die Strauss aufmerksam macht und dadurch zu tieferem - oder überhaupt erst richtigem - Verständnis verhilft.

Besonders interessant für mich war das Kapitel „Höllenprediger oder sanfter Hirte?“ (Seite 123ff). Ich habe schon etliche Erklärungen zum Opfertod Jesu gelesen, muß aber zugeben, daß mich bisher keine so recht überzeugen, oder genauer, mir diesen nachvollziehbar erklären konnte. Strauss ist dies als erstem Theologen nun überzeugend gelungen, indem er darlegt, daß es sich um einen geistlichen Kampf zwischen Himmel und Hölle handelte, den Jesus ausfocht und durch seinen Tod und Auferstehung diesen Kampf gewonnen hat.

Insgesamt ist dies ein Buch, das enorm viel an Informationen enthält und darob verdient, mehrfach gelesen zu werden, denn beim ersten Lesedurchgang wird man sich sicherlich nicht alles merken oder gar bemerken können, was in dem Buch steckt. Ein Buch, das ich mit großem Gewinn gelesen habe und welches gewißlich zu den besten Sachbüchern zählt, die mir je untergekommen sind. Jeder, der den wahren Jesus kennenlernen möchte, sollte zu diesem Buch greifen.


Mein Fazit

Ein sehr gut lesbares Buch, in dem anscheinend schwierige und widersprüchliche Aussagen und Handlungen Jesu verständlich und schlüssig erklärt werden. Sicherlich eines der besten Bücher zum Thema.

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rechte christen, afd

Als Christ die AfD unterstützen?

Andreas Malessa
Flexibler Einband: 110 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 02.05.2017
ISBN 9783865069801
Genre: Sachbücher

Rezension:

Es gibt keine Religion, die ohne Konsequenz für die Lebensführung bleibt. Insofern hat jede Religion auch eine politische Dimension. Sie betrifft nicht nur das private, sondern auch das öffentliche Leben. (Seite 27)

Meine Meinung

Zu Zeiten eines Franz Josef Strauß hieß es noch, rechts von der Union dürfe kein Platz für eine demokratische Partei sein. Aber das ist lange her, die Union ist weit in die Mitte (bzw. je nach Sichtweise nach links) gerückt, und rechts von ihr ist somit ein riesiges freies Feld entstanden. Immer wieder haben Parteien versucht, in diesen Bereich vorzustoßen, um die entstandene Leere auszufüllen. Derzeit trifft dies auf die AfD zu. Doch füllt sie diese Leere wirklich aus, ist sie wirklich nur rechts von der Union angesiedelt - oder ist sie mittlerweile doch außerhalb des Spektrums, das gemeinhin als demokratisch bezeichnet wird, angekommen. Und ist diese Partei, angesichts der kommenden Bundestagswahl durchaus aktuell, für Christen überhaupt wählbar?

Dieses Buch versprach Antworten auf diesen Fragen, aber - um es gleich vorweg zu nehmen - so ganz glücklich bin ich nicht damit geworden. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, daß der Autor nicht faßbar ist, daß er um das Thema herum schreibt ohne glasklar Stellung zu beziehen. Was möglicherweise daran liegt, daß ich mit seinem Schreibstil nicht zurecht kam, denn grundsätzlich waren seine Schlußfolgerungen schon eindeutig gegen die AfD. Nur angekommen ist das bei mir nicht so recht.

Schließlich habe ich das Buch ein zweites Mal gelesen, um dem auf die Spur zu kommen. Dabei fiel mir auf, daß der Autor Begriffe auf andere Art definiert, als ich sie definieren würde - oder als sie von der AfD definiert werden. Damit konnten seine Erklärungen nicht so ganz aufgehen. Als Beispiel sei hier „Multi-Kulti-Gesellschaft“ genannt. Der Autor definiert praktisch jede Gesellschaft als „Multi-Kulti“ (vgl. Seiten 39ff). Den Gesichtstätowierten und die Diakonisse, den Gel-im-Haar-Manager im Nadelstreifen und die Henna-im-Haar-Hippiefrau im Batickwickelrock. Schrille Punks und blasse Nerds, füllige Kegelclubdamen und drahtige Klappfahrrad-Wanderer ziehen da an mir vorbei, Fußballfans in Vereinskluft trinken sich Optimismus an, Teenagerbuben schielen unterm Hoodie einer blonden Diva auf Highheels hinterher, bis wir alle von den örtlichen Obdachlosen um Geld oder Zigaretten angeschnorrt werden. (S. 39) Es wäre, um klar argumentieren zu können, sich also vonnöten, sich erst einmal auf eine gemeinsame Begrifflichkeit zu einigen oder, genauer, der Autor müßte für seine Argumentation die gleiche Begrifflichkeit verwenden wie die, deren Standpunkte er angreifen will. So hatte ich über weite Teile des Buches das Gefühl, daß Autor und AfD quasi aneinander vorbei redeten.

In insgesamt zehn Kapiteln geht der Autor auf Äußerungen der AfD ein. Mit Überschriften wie „Die reden wenigstens Klartext“, „Die lassen sich nicht bevormunden“ oder „Die brechen politische Korrektheit auf“. Gerade im letztgenannten Kapitel fiel mir wieder auf, daß der Autor - für meine Begriffe - oft eigene Definitionen verwendet, denn soweit ich ihn verstanden habe, ist er der Ansicht, so etwas wie politische Korrektheit gibt es praktisch nicht. Nun, als geschriebenes Gesetz gibt es das in der Tat nicht. Wenn man aber zu manchen Themen eine andere Meinung als die derzeit herrschende (oder als sich herrschend meinende) vertritt, wird man sehr schnell feststellen, daß es so etwas wie „politische Korrektheit“ eben doch gibt.

Insgesamt gesehen geht der Autor auf wesentliche Fragen im Zusammenhang mit der AfD, und ob die für Christen wählbar ist, ein. Allerdings empfand ich seine Argumentation über weite Strecken als nicht so recht zielführend bzw. er konnte mich damit nicht richtig erreichen. Insofern bin ich mit dem Buch nicht so recht froh geworden. Ob das möglicherweise auch mit daran liegt, daß ich versuche, mich wenigstens in Grundzügen über die jeweiligen aktuellen politischen Entwicklungen zu informieren, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist also durchaus möglich, daß das Buch auf andere Leser einen ganz anderen Eindruck macht und ihnen genau die Frage beantwortet, die der Buchtitel stellt.


Mein Fazit

In zehn Kapiteln vergleicht der Autor das Menschen- und Weltbild der AfD mit dem christlichen und versucht die Frage zu beantworten, ob diese Partei für Christen wählbar sei. Er ist zwar der Meinung „nein“, jedoch ist diese Argumentation bei mir nicht so richtig angekommen.

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mythologie, erotik, historischer roman, römisches imperium, trilogie

Der silberne Adler

Ben Kane , Dr. Holger Hanowell
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 09.12.2016
ISBN 9783404174195
Genre: Historische Romane

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Ein Stern am Sommerhimmel

Elin Hilderbrand
E-Buch Text: 450 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 15.05.2017
ISBN 9783641206352
Genre: Liebesromane

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Hill Hanta Yo eine Indianersaga, Bertelsmann, 895 Seiten

Hill
Fester Einband
Erschienen bei Bertelsmann, 01.01.1900
ISBN B003VHLA2G
Genre: Sonstiges

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Daughter of the Eagle (The Spanish Bit Saga Book 6)

Don Coldsmith
Flexibler Einband
Erschienen bei Domain, 01.05.1988
ISBN 9780553272093
Genre: Sonstiges

Rezension:

She had no choice. There had never been one.* (Seite 117)

195 Seiten, kartoniert
Mit einer Einführung von Jeanne Williams
Verlag: Bantam Domian Books, New York 1988
ISBN-10: 0-553-27209-8
ISBN-13: 978-0-553-27209-3

Dies ist Band 6 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind.
< Hier klicken > für eine Serienaufstellung aller Bände

Achtung: Inhaltsangabe wie Rezi verraten naturgemäß möglicherweise Inhalte der Vorgängerbände


Meine Meinung

Im nunmehr sechsten Band der Serie ist das Szepter endgültig auf die Enkelgeneration übergegangen. Zwar tauchen Heads-off, Owl oder auch Eagle noch als Nebenfiguren auf, aber von Coyote ist keine Rede mehr. 44 Jahre nach Beginn der Erzählung dürfte er nicht mehr unter den Lebenden weilen. Wer weiß, was er von den aktuellen Entwicklungen halten würde, denn in diesen über vier Jahrzehnten hat sich die Welt des Volkes sehr verändert. Die Einführung des Pferdes hat die Entwicklung in eine völlig neue Richtung geführt, und nur wenige sind noch am Leben, die sich an das Leben zuvor, ohne Pferde, als man noch alles zu Fuß erledigen mußte, erinnern können.

Schon der Name der Hauptfigur, Eagle Woman stellt eine Verbindung zum vorigen Buch her, in dem es um ihren Vater Eagle ging, der von seinen Abenteuern als bleibenden Schaden ein Hinken zurückbehalten hat. Die Head Splitters sollten sich eigentlich an ihn erinnern, denn er hatte ihnen eine heftige Niederlage bereitet, und es wäre wohl überhaupt besser für sie, wenn sie sich von der Familie des Heads-off fernhalten würden, haben sie doch in Auseinandersetzungen bisher jedes Mal den Kürzeren gezogen. Sie sollten also eigentlich vor Eagle Woman, der Enkelin von Heads-off, gewarnt sein. Aber wer nicht hören will, muß fühlen.

Was in gewisser Weise auch für Long Walker und Eagle Woman selbst gilt. Denn je mehr er versucht, Eagle Woman von ihren Plänen abzubringen, um so mehr verbeißt sie sich darein; es werden Entwicklungen in Gang gesetzt, die sich schließlich verselbständigen und zu einer Katastrophe auszuweiten drohen. Da Don Coldsmith die wesentlichen Entwicklungen immer aus Sicht beider Figuren beschreibt, möchte man als Leser manchmal schier verzweifeln, daß die beiden nicht sehen, wie leicht manches hätte vermieden werden können, hätten sie mehr Einfühlungsvermögen besessen - oder einfach miteinander geredet.

Eagle Woman ist eine Heroine, wie man sie heutzutage des Öfteren in Romanen antrifft, auch wenn sie nicht immer Männerkleidung trägt. Im Vorwort von Jeanne Williams wird jedoch deutlich, daß es historische Vorbilder für sie gibt. Zwar waren Kriegerinnen nicht die Regel, jedoch gab es deren im Laufe der Zeit so viele, daß die Figur Don Coldsmiths historisch gerechtfertigt ist. Immer wieder kam es vor, daß Frauen ihre Männer auf Jagd- und Kriegszügen begleiteten. Eine der bekanntesten „Kriegerfrauen“ ist die Apache Lozen, die Geronimo bei seinen Verhandlungen mit den Weißen begleitete und auch bei seiner Kapitulation dabei war.

Die Handlung entwickelt sich folgerichtig; es ist sicher von Vorteil, die Vorgängerbände zu kennen, jedoch gibt der Autor die notwendigen Informationen an geeigneter Stelle, so daß der Roman auch für sich verständlich ist. Die Denk- und Handlungsweise der Figuren ist nachvollziehbar, was auch auf die Head Splitter zutrifft, denn auch aus ihrer Sicht werden die Geschehnisse beschrieben; was nicht heißt, daß sie dadurch meine Sympathien gewonnen haben. Aber es war eine harte Welt, und jeder mußte sehen, wie er zurecht kam.

Andererseits lebten die Menschen - zwangsweise - im Einklang mit der Natur, was gewißlich nicht immer einfach war, aber zur Folge hatte, daß man die eigenen Lebensgrundlagen nicht zerstörte, sondern darauf achten mußte, diese zu erhalten. Wenn man dann des Abends am Feuer saß und sich Geschichten erzählte, mochte es sein, daß die Zufriedenheit eine größere war, als wir sie heute kennen.


Mein Fazit

Mit Eagle Woman nimmt endgültig die Enkelgeneration das Szepter in die Hand. Ihre Abenteuer sind nicht weniger gefährlich als vor Jahren die ihres Vaters, nur daß sie einen treuen Gefährten an ihrer Seite hat. Don Coldsmith erweckt aufs Neue eine untergegangene Welt zum Leben.


Sinngemäße Übersetzung (aus dem Zusammenhang):
* = Sie hatte keine Wahl. Sie hatte nie eine gehabt.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Jesus von Nazareth - Band III: Polog

Benedikt XVI.
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 01.11.2012
ISBN 9783451349997
Genre: Sachbücher

Rezension:

Was in der großen Perspektive des Glaubens Stern der Hoffnung ist, ist in der Perspektive des täglichen Lebens zunächst nur störend, Grund zu Sorge und Furcht. (Seite 111)

Meine Meinung

Es ist ein etwas seltsames Ding, über ein Sachbuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI., der von der Thematik beträchtlich mehr versteht als ich, zu schreiben. Andererseits hatte ich beim Lesen das Gefühl, daß dieses Buch genau für Menschen wie mich geschrieben ist: Christen (Katholiken), die ein gewisses Vorwissen, jedoch kein Theologiestudium haben, aber an der Person des Jesus von Nazareth interessiert sind. Ich war überrascht, wie gut verständlich das Buch geschrieben ist und mit wie wenig theologischem Fachjargon es auskommt. Der Verlag hat das Werk durch ein umfangreiches Glossar ergänzt, so daß auch Leser mit geringen bis gar keinen Vorkenntnissen keine Verständnisprobleme haben sollten, weil alle eventuell doch fremden Begriffe im Buch nachgeschlagen werden können.

In vier Kapiteln und einem Epilog geht Benedikt XVI. ausführlich auf die Berichte zu Geburt und Kindheit, vornehmlich im Lukas- und Matthäusevangelium, Jesu ein. Dabei soll dieses Büchlein, wie der Autor im Vorwort schreibt, kein drittes Buch über Jesus sein, sondern eher eine Hinführung, eine Einleitung zu den beiden großen Bänden über Gestalt und Botschaft Jesu. Diese „Einleitung“ ist ihm hervorragend gelungen.

Satz für Satz interpretiert er die Berichte der Evangelien, erklärt die Bedeutung und stellt sie in den historischen Kontext wie auch in den der Schriften des Alten Testamentes. Er erweist sich dabei, wie nicht anders zu erwarten, als profunder Kenner der Thematik, der zudem in der Lage ist, gut lesbar und leicht verständlich, auch wenn es um schwierige Fragen geht, zu schreiben.

Solchermaßen eingestimmt steht der Lektüre der beiden Hauptbände nichts mehr im Wege. Zumal ein diagonaler Blick in dieselben zeigt, daß diese gleichermaßen gut verständlich geschrieben sind.


Mein Fazit

Ausführlich und gut verständlich interpretiert Benedikt XVI. die Berichte um Geburt und Kindheit Jesu und stellt diese in den historischen Zusammenhang.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

gott, enttäuschungen, schöne bildhafte vergleiche, intuition, spiritualität

Der Schattendoktor

Adrian Plass , Christian Rendel
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 22.03.2017
ISBN 9783865069306
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe gelernt, dass die bewusste Entscheidung, den Appetit in irgendeinem Bereich zu zügeln, andern Aktivitäten einen wesentlichen zusätzlichen Schub verleiht, die der Mühe eher wert sind, ob sie etwas damit zu tun haben oder nicht. (Seite 118)

Meine Meinung

Der Name Adrian Plass ist mir immer wieder einmal begegnet, wenngleich ich noch nie ein Buch von ihm gelesen habe. Die Inhaltsangabe zu seinem neuen klang vielversprechend, so daß ich mich nun daran gewagt habe. Am Ende weiß ich nicht so recht, ob das eine gute Entscheidung war. Mein Humor ist der seine nicht. Wobei ich nicht mal sicher bin, ob in dem Buch Humor vorkam. Mich hat er jedenfalls nicht erreicht.

Dabei klang die Inhaltsangabe so interessant, und auch das Cover weckte Interesse. Daß das Motiv mit dem Inhalt nun überhaupt nichts zu tun hat, kommt ja öfters vor, ist hier nur insofern etwas schade, als daß das Bild - zumindest bei mir - die Vorstellung von einem Weihnachtsbuch weckt. Nur daß die völlig falsch ist.

Überhaupt nicht zu beanstanden ist die Übersetzung von Christian Rendel, die ganz hervorragend ist und an keiner Stelle daran erinnert, daß das ein ursprünglich englischsprachiges Buch ist. Ein Lob auch an den Verlag für die solide Ausstattung (Fadenheftung!) des Buches, das auch nach dem Lesen wie neu aussieht. Etwas, was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Aber was nützt mir alles das, wenn ich mit dem Inhalt nicht zurecht komme? Das fing damit an, daß ich das Buch auf den ersten vierzig, fünfzig Seiten als relativ sperrig empfand. Ich weiß nicht so recht, woran es lag oder wie ich es sonst ausdrücken soll, jedenfalls war das im Hinblick auf den Stil mein Leseempfinden. Weiter gelesen habe ich, weil sich die Handlung in einer Weise entwickelte, daß sie neugierig darauf machte, wie es wohl weitergehen würde.

Im weiteren Verlauf brachte der Autor dann wirklich wunderschöne Formulierungen und Bilder (z. B. Seite 116: „Der Regen trommelte gegen das Glas, als wollte er hereinkommen und sich ins Trockene bringen.“), die das Gefühl vermittelten, mitten in der Geschichte dabei zu sein. Besonders hervorheben möchte ich auch das Kapitel 17, welches aus einem bemerkenswerten Brief besteht. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich verstanden hatte, aus wessen Sicht da was beschrieben wurde - beeindruckend.

Was mir durch das ganze Buch hindurch, und mit zunehmender gelesener Seitenzahl immer mehr, jedoch immer rätselhafter wurde ist, was mir der Autor eigentlich sagen will, welche Meinung er überhaupt vertritt. Ist er nun Christ, wenn ja, wie stark oder schwach, und was für ein Christentum will er mir in dem Buch nahebringen? Soll ich Beten - oder doch besser nicht? Und überhaupt - was soll ich aus dem Buch mitnehmen? Da fällt mir der kürzlich gesehene Film „In-Lawfully Yours“ ein, in dem der Pastor recht genau und gut begründete, weshalb er eine bestimmte Form von Gebet nicht (mehr) für sinnvoll hält und darum auch nicht mehr betet. Aber hier weiß ich nicht mal, ob man überhaupt noch beten soll. Das fand ich für einen bekannten christlichen Autor denn doch reichlich seltsam.

Sicher ist die Idee des „Schattendoktors“ originell und birgt im Verlauf des Buches einiges an Themen zum Nachdenken. Allerdings werden für meine Begriffe zu viele der gestellten Fragen bis zum Ende des Buches nicht beantwortet; sie bleiben - auch in wesentlichen Dingen, schlicht offen und unbeantwortet.

Was ich mit dem Ende anfangen soll, erschließt sich mir auch nicht. Das Buch läßt mich teilweise ratlos, auf jeden Fall in bis zu einem gewissen Grade deprimiert und vor allem frustriert zurück. Unabhängig vom wirklich interessanten Gedankengang des Buches eine für mich völlig unbefriedigende Situation. Das war mein erstes und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch letztes Buch des Autors. Zumal ich, offen gesagt, keine Vorstellung davon habe, wo der Autor steht, was er mir sagen will und was ich letztlich damit anfangen soll.


Mein Fazit


Eine interessante Ausgangssituation ließ mich am Ende mit mehr offenen denn beantworteten Fragen zurück. Trotz des guten Schreibstils für mich leider ein Fehlgriff.

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Man Of The Shadows (Spanish Bit #5)

Don Coldsmith
Flexibler Einband: 10 Seiten
Erschienen bei Domain, 01.03.1988
ISBN 9780553270679
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eagle shook his head, confused. As a child, he hat been completely convinced of the reality of the stories of the Trickster. Only with the practicality of the adult had he put aside the cherished beliefs of childhood. * (Seite 100)

197 Seiten, kartoniert
Mit einem Nachwort von Robert J. Conley (Cherokee)
Verlag: Bantam Domian Books, New York 1988
ISBN-10: 0-553-27067-2
ISBN-13: 978-0-553-27067-9

Dies ist Band 5 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind. < Hier klicken > für eine Serienaufstellung aller Bände

Achtung: Inhaltsangabe wie Rezi verraten naturgemäß möglicherweise Inhalte der Vorgängerbände


Zum Inhalt

Einige Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerbandes wird Eagle, Bruder des Medizinmannes Eule, von diesem vor der letzten Büffeljagd des Jahres gewarnt, besonders vorsichtig zu sein. Die Zeichen seien gut, aber es gäbe da einen nicht zu deutenden Schatten.
Später wird Eagle sich wünschen, besser auf den Rat seines Bruders gehört zu haben. Es kommt zum Stampede der Büffelherde - und er ist mit seinem Pferd mittendrin ohne Möglichkeit zu entkommen. Über Kilometer geht die Jagd, bis ein Teil der Herde schließlich über einen Abhang in ein Flußtal stürzt - und mitten darunter Eagle.
Als er aus einer Ohnmacht erwacht, wundert er sich, weshalb er noch am Leben ist. Denn weder hätte er so weit vom Abhang aufkommen noch diesen Sturz überhaupt überleben können. Und noch seltsamer ist dieser Alte Mann, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht und ihm hilft. Mit einem gebrochenen Bein, den Winter vor der Tür, sind die Überlebenschancen äußerst gering.
Aber der Alte Mann entwickelt Fähigkeiten, die Eule an seinem eigenen Verstand zweifeln lassen. Ob es doch eine Überlebenschance gibt?


Meine Meinung


Mit diesem fünften Band, der auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände verständlich ist, ergibt sich zumindest für die deutschen Leser ein Bruch in der Reihe, denn ab jetzt heißt es in Originalsprache lesen, da nur die ersten vier Bände übersetzt wurden. Mit etwas gemischten Gefühlen begann ich also dieses Buch, ist es doch häufig Usus, daß in Übersetzungen die Namen der Figuren geändert werden. Aber in dieser Hinsicht waren die Bedenken grundlos: dankenswerterweise hatten die Figuren auch in den deutschen Ausgaben die gleichen Namen wie im Original, so daß ich ob der vertrauten Namen und Begriffe nach längerer „Leseabwesenheit“ recht bald wieder beim Volk heimisch war; es war eine Rückkehr zu guten Bekannten, auch wenn die Zeit weiter gegangen ist und jetzt die Generation der Kinder im Fokus steht. Der-ohne-Kopf, seine Frau Die Große oder auch Coyote spielen nur noch Nebenrollen.

Eagle, der älteste Sohn von Der-ohne-Kopf ist zu einem respektierten Krieger herangewachsen. Seine Visionssuche hat ihm nicht viel gebracht, mit seinem Wappentier - dem Adler - verbindet ihn wenig. Allem Spirituellen kann er wenig abgewinnen, er ist ein rational und praktisch denkender junger Mann. So schenkt er auch der Warnung seines Bruders, der der Medizinmann des Stammes ist, heute besonders vorsichtig zu sein, keine größere Beachtung. Aber das bereut er bald bitterlich.

Nach schmerzhaften Erfahrungen mit dem Weißen Mann haben die Native Americans (der Begriff „Indianer“ taucht übrigens nirgendwo in der ganzen Buchreihe auf!) schon lange begonnen, ihre Religion als eher geheime Angelegenheit zu betrachten. Schon Christoph Columbus hatte in seinen Aufzeichnungen vermerkt, daß die „Indians“ keine Religion hätten.“ Dieses Buch, schon die Einleitung macht dies überdeutlich, ist aber nur verständlich, wenn man die eben doch vorhandene Religion der Native Americans mit im Blick hat. Für diese waren die „materielle“ und die „spirituelle“ Welt weder ein Gegensatz noch radikal voneinander geschieden, sondern untrennbar miteinander verwoben. Die eine bedingte und beeinflusste die andere.

Aber Eagle hat damit nicht viel am Hut, für ihn zählt nur Logik und das, was man sehen und anfassen kann. In der Hinsicht erscheint er mir sehr modern, denn seine rationalen Erklärungsversuche für anscheinend Irrationales fänden heute vermutlich viel Anklang. Selbst als sich der Alte Mann direkt vor seinen Augen in einen Reiher verwandelt, weigert er sich zu glauben und geht davon aus, falsch gesehen zu haben.

Denn sein Helfer, der sich nur als Old Man vorstellt, scheint über Fähigkeiten zu verfügen, die ein normaler Mensch eigentlich nicht besitzen dürfte. Immer taucht er auf, wenn Eagle in großer Gefahr ist und rettet ihm mehrfach das Leben. Und immer sucht Eagle nach scheinbar logischen Erklärungen für scheinbar Unlogisches. Ehe er seinen Sinnen vertraut, bemüht er lieber gedankliche Logik. Für die Native Americans sind die spirituelle und die materielle Welt eins, beide sind real. Eagle lernt dies auf dem harten Weg, obwohl er nicht lernen wollte und dem Offensichtlichen widerstand (vgl. Nachwort von Robert J. Conley, S. 194).

Old Man in the Shadows ist eine in vielen Teilen der Welt gekannte Figur, wenngleich bekannter unter dem Namen „Trickster“. Von ihm darf man nur nach Einbruch der Dunkelheit sprechen, und immer wieder muß Eagle an die Erzählungen aus seiner Kindheit über den Trickster denken. Waren das für ihn früher solche mit ganz realem Inhalt, so hält er das als Erwachsener eben nur noch für Kindergeschichten. Obwohl die Anzeichen eindeutig sind, obwohl der Old Man sehr deutlich und immer mehr jenen Geschichten entspricht.

„Old Man in the Shadows“ ist nicht nur ein einfacher Abenteuerroman, es ist die Geschichte spirituellen Wachstums, des Gewinnens der Erkenntnis, daß in diesem Universum nicht alles mit „messen, zählen, wiegen“ zu erfahren und bestimmen ist, des Hineinwachsens und Annehmens der eigenen Kultur. Insofern erschien mir die „Reise“ des Eagle sehr modern. Vielleicht aber wäre es zu wünschen, daß heute viele Menschen, wenngleich nicht auf so harte Art wie Eagle, die Traditionen, Überlieferungen und Werte der eigenen Kultur schätzen und leben lernen. Im Einklang mit sich und der Welt kann so der Weg in eine bessere Zukunft geebnet werden.

Aber man sollte immer daran denken, daß vom Trickster, dem Old Man in the Shadows oder wie er sonst genannt werden mag, erst nach Einbruch der Dunkelheit gesprochen werden darf. So hat er es vor Urzeiten selbst bestimmt. Manche Überlieferungen sollte man besser nicht übergehen, wer weiß, ob man sonst in Zeiten der Not die rettende Hilfe erhält...


Mein Fazit

Verwoben in eine spannende Abenteuergeschichte um das nackte Überleben ist dies auch eine über spirituelles Wachstum, die tief in das (religiöse) Denken der Native Americans hineinführt. Don Coldsmith gelingt es wie kaum einem anderen, die Welt der amerikanischen Ureinwohner zu Leben zu erwecken.


* = Sinngemäße Übersetzung, aus dem Zusammenhang heraus:

Eagle schüttelte verwirrt seinen Kopf. Als Kind war er völlig von der Wirklichkeit der Geschichten über den Trickster überzeugt gewesen. Erst mit dem nüchternen Denken des Erwachsenen hatte er die geliebten Überzeugungen der Kindheit abgelegt.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

cheyenne, indianer, weiße, krieg, überleben

Im fahlen Licht des Mondes

Kerstin Groeper , James Ayers
Flexibler Einband: 578 Seiten
Erschienen bei TraumFänger Verlag GmbH & Co. Buchhandels KG, 13.11.2015
ISBN 9783941485488
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der weiße Mann führte zwei Kriege. Einen, um uns zu töten. Und einen, um die Erinnerung daran auszulöschen.
Black Kettle, Cheyenne Häuptling (1867, S. 7)
„So ein Mist. Es ist doch nur ein Kind! Wer schießt denn auf Kinder?“
Collins zuckte mit den Schultern. „Jeder, wenn es sich um Indianer handelt. Wir haben ja auch geschossen.“
Josh sagte nichts mehr, denn sein Bruder hatte recht. Jeder schoss auf Indianer. Zumindest hier draußen.

](Seite 274)


Meine Meinung

„Ich fand es beim Schreiben ganz schön, dass ich auch mal ‘nette’ Weiße hatte und nicht nur mordende Soldaten.“ So schreibt Kerstin Groeper im Nachwort (S. 582). Zu dem Zeitpunkt, da diese „netten Weißen“ auftauchten, war es allerdings allerhöchste Zeit für ein paar erfreuliche Gestalten. Denn bis dahin war schon so viel Leid, Schmerz und Tod passiert, daß mein Haß- und Wutpotential ins schier Unermeßliche gestiegen war. Dabei hat die Autorin die Kriegs-, eher Massakerszenen, weder unnötig ausgedehnt noch übermäßig detailgetreu beschrieben, sondern die genau richtige Balance zwischen Beschreiben und Weglassen gefunden, so daß man sich alles genau vorstellen konnte, ohne daß man als Leser horrormäßig „im Blut baden“ mußte. Schlimm genug war es dennoch. Und dieser Teil gehört, man werfe einen Blick in die Geschichtsbücher, eindeutig zum Bereich „Fakt“ und nicht zur Fiktion.

Das Buch besteht eigentlich aus zwei Teilen, die im Verhältnis ungefähr ein Drittel zu zwei Drittel zueinander stehen. Viel länger hätte der erste Teil aber nicht sein dürfen, um nicht doch die Grenze des Ertragbaren zu überschreiten. Dabei sitzt der Leser möglicherweise gemütlich im Wohnzimmer, während die der Erzählung zugrunde liegenden Menschen das einstens durchleiden mußten. Sicher sind Moekaé und ihre Nichte Rotes Blatt fiktive Figuren, jedoch tauchen etliche historisch belegte auf und wenn man sich deren Lebensweg ansieht, wird man feststellen, daß die Autorin die damaligen Geschehnisse ziemlich zutreffend wiedergegeben hat.

Und in diesem zweiten Teil, der beginnt, als die „netten Weißen“ endlich auftauchen, finden sich die für meine Begriffe beeindruckendsten Stellen; das sind nicht unbedingt die von Kampf und Krieg. Die ganze Kraft ihres Könnens zeigt die Autorin vor allem in den eher stillen, ruhigen und nachdenklichen Momenten, die auf mich am Ergreifendsten wirkten; etwa wenn Moekaé von mitleidigen Menschen versorgt wird und die Erinnerungen an frühere Zeiten hochkommen. (S. 213) Oder wenn sie nach langem Leidensweg wieder dem alten, einst so stolzen und nun nur noch müden, Häuptling Dull Knife gegenübersteht. „Ich dachte, Indianer weinen nicht.“ Offensichtlich ein Irrtum, und es mag durchaus sein, daß dann nicht nur im Buch die Tränen fließen, weil gerade in solch ruhigen Szenen eine Eindringlichkeit zutage tritt, die tief unter die Haut geht und berührt.

„Ich möchte mit meinen Büchern unterhalten, aber auch Wissenswertes vermitteln. Am meisten möchte ich jedoch Betroffenheit auslösen.“, schreibt die Autorin im Nachwort (S. 581). Beides gelingt ihr in diesem Roman. Der Schreibstil ist dermaßen „unterhaltsam“, daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Der „wissenswerte Teil“ besteht darin, daß zwar Moekaé und die Bronsons fiktive Figuren sind, an denen jedoch exemplarisch die Geschehnisse jener Zeit dargestellt werden. Denn der Überfall auf das Camp der Cheyenne, der Ausbruch aus Fort Robinson, die Verhältnisse in der Reservation und schließlich die Behandlung der Indianer durch die Armee - das ist historisch verbürgt und in den Geschichtsbüchern nachzulesen.

Am Beispiel der Protagonisten erzählt Kerstin Groeper die Geschichte der Cheyenne, vom Untergang des freien Lebens und der erzwungenen Anpassung an den Lebensstil des „weißen Mannes“, die alles andere als leicht war. Denn, so möchte man sagen, Cheyenne und Weiße lebten in völlig verschiedenen Welten. Der „weiße Mann“ brach in die Lebenswelt der Cheyenne ein und walzte rücksichtlos alles nieder, was ihm in den Weg kam. Die Cheyenne konnten untergehen - oder sich anpassen und versuchen zu überleben. Genau das, nämlich Überleben, will Moekaé, die von den Weißen dann Monika genannt wird. Als sie verwundet und am Ende ihrer Kräfte, dem Tod näher als dem Leben, von den Bronsons aufgenommen wird, prallen zwei Welten aufeinander, was noch durch die fehlende Verständigungsmöglichkeit verschärft wird.

In der Folge erleben wir das Zusammenleben und das sich langsam Annähern aus beiden Sichtweisen: der von Moekaé und auch aus der der aufnehmenden Familie Bronson. Eine besonders interessante Figur ist dabei der Vater Theodor, der zunächst mit allen üblichen Vorurteilen und Vorbehalten Indianern gegenüber behaftet und ein ewiger Griesgram ist, was beim Lesen für manchen Lacher gut ist. Seine Entwicklung im Buch ist wohl die deutlichste und macht die ganze Problematik des Aufeinandertreffens der Kulturen besonders anschaulich.

Allerdings, es war zu befürchten, geht all das nicht ohne Probleme und Mißverständnisse vonstatten, und mehr als ein Mal habe ich die Luft angehalten, ob sich manche schwierige Situation denn noch gut auflösen würde. So wurde es auch in diesem zweiten Teil, obwohl der überwiegend dem harten Leben auf einer neu gegründeten Farm gewidmet war, nie langweilig. Längen konnte ich keine feststellen, handlungsbezogene und beschreibende Abschnitte sind gut ausgewogen und lassen das Kopfkino lebhaft anspringen. Sehr angenehm ist mir auch das langsame Ausklingen des Buches aufgefallen.

Wenn dann die rund fünfhundertachtzig Seiten viel zu schnell gelesen sind, heißt es Abschied nehmen von Figuren, von denen ich kaum glauben kann, daß sie „nur“ fiktiv sind, so intensiv habe ich sie auf ihrem meist schweren Weg begleitet. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Welt verändert, nichts ist mehr wie es war, und wir können nur hoffen, daß den Überlebenden ein gutes Leben vergönnt ist.

Das Buch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.


Mein Fazit


Der schwere und leidvolle Weg der Cheyenne vom freien Leben in der Prärie in die Welt des weißen Mannes. Ein lesenswertes Buch, das den Cheyenne ein würdiges Denkmal setzt.

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verstorben, testament, geld, erbe, familie

Himmel zu vererben

Christa Rau , Celia Friedland ,
Flexibler Einband
Erschienen bei Brunnen, 02.02.2016
ISBN 9783765520471
Genre: Romane

Rezension:

„Es ist ja nichts dabei, wenn wir als Christen leben, und wir müssten nur so tun, als ob. Wir wären ja nicht wirklich Christen, oder?!“
„Hört sich ganz okay an! Und was müsste ich so machen als Christ?“
(Seite 40f)

Meine Meinung

Was wäre man bereit zu tun, wenn eine große, eine sehr große, Erbschaft als Belohnung winken würde? Vor dieser Frage stehen die drei Hauptfiguren des Romanes. Die Bedingung für sie: sie müssen ein Jahr lang als bewußte Christen leben. Bisher hatten sie weder mit Kirche noch mit Christsein viel am Hut und demgemäß recht wenig Ahnung. Wie lebt man also als Christ? Was muß man tun und lassen, um als Christ durchzugehen? Und kann man nur so zum Schein, um eben die Bedingung zu erfüllen, als Christ leben, das Geld kassieren und dann mit dem bisherigen normalen Leben weiter machen?

Mit genau diesem Vorsatz, ein Jahr so zu tun als ob, und dann zur „Normalität“ zurückzukehren lassen die drei sich auf die Bedingung ein. Aber so leicht wird das denn doch nicht. Und kann man überhaupt ein Jahr lang, vierundzwanzig Stunden am Tag, schauspielern und etwas darstellen, was man nicht ist? Und selbst wenn das möglich wäre - wird man von dem, was man lebt, nicht berührt und verändert? Besteht - so die Intention der Erblasserin - nicht doch die Möglichkeit, daß aus dem „Schein“ ein „Sein“ wird, weil das, was man nach außen lebt am Ende doch nach innen wirkt?

Zumindest über diese letztere Möglichkeit denken die drei der Familie Grün überhaupt nicht nach, als sie sich auf das „Abenteuer Christsein“ einlassen. Aber genau so sieht es Simon: als ein Abenteuer, als eine Abwechslung vom Routinealltag. Daß ihm dann doch recht mulmig wird, als er zum ersten Mal in eine Gruppe der Gemeinde geht und so gar nicht weiß, was auf ihn zukommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Aber als ein Abenteuer der ganz eigenen Art entwickelt sich das, was eigentlich als Charade begonnen war, denn doch. Denn zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage: wie leben die eigentlich, die Christen? Was tun sie, was tun sie nicht? Und vor allem: was sagen unsere Verwandten, Freunde, Kollegen dazu, wenn wir plötzlich Christen sind? Der erste Weg führt ins Pfarrhaus, schließlich muß der Pfarrer wissen, wie man so als Christ lebt, was man braucht. Da kommen dann doch die ersten Zweifel, ob das denn gut gehen kann. Ob Geld all die Mühe und die Veränderungen im Leben wirklich rechtfertigt.

Im Weiteren verfolgt der Leser das Scheitern der Bemühungen von Alexa, Robert und Simon, nur nach außen hin als Christen zu leben. Denn sich auf so ein Abenteuer einzulassen bringt es unweigerlich mit sich, daß früher oder später der Punkt kommt, wo man persönlich „getroffen“ wird und aus dem Spiel plötzlich Ernst wird. Zumal die gewohnte Welt der Grüns langsam aber sicher in Trümmer zerfällt und sicher Geglaubtes plötzlich unsicher wird.

Die Autorin hat diese „Reise“ so gut beschrieben, daß ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und innerhalb kurzer Zeit, fast in einem Zug, ausgelesen habe. Mit eingewoben ist die Suche nach der Herkunft des Vermögens, die ein lange gehütetes dramatisches Geheimnis aus dem Leben der verstorbenen Tante Sophie ans Tageslicht bringt. Daneben erfährt einiges darüber, wie denn „die Christen“ so leben, und daß man - obwohl Christ - dennoch ganz normal sein kann. Eine besonders angenehme Nebenfigur ist der Pfarrer, der sich zunächst über das Anliegen der Familie Grün mehr als wundert, im Weiteren jedoch wunderbar unkompliziert ist. Leider, und das ist eigentlich mein einziger Kritikpunkt, bleiben etliche Nebenfiguren recht blaß, tauchen teilweise nur kurz auf und verschwinden wieder, auch wenn man eigentlich erwarten würde, ihnen nochmals zu begegnen.

So ist das Buch, wenn man so will, eine gelungene Mischung aus Fakt und Fiktion. Denn in die fiktive Handlung eingebaut sind einige Grunddinge und -überzeugungen, die „die Christen“ haben und solcherart fast schon spielerisch vermittelt werden, ohne daß es aufdringlich oder gar missionarisch erscheint, was auch dadurch deutlich wird, daß selbst am Ende eine gewisse Portion Skepsis übrig bleibt. Der Roman ist - neben seinem unbestreitbaren Unterhaltungswert - also auch für für Menschen geeignet, die vom christlichen Glauben wenig wissen und quasi nebenbei ein paar grundlegende Dinge darüber erfahren möchten.


Mein Fazit

Die Frage „Wie ticken die Christen“? wird in einem unterhaltsamen Roman mit ungewöhnlicher Ausgangslage beantwortet.

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liebe, vergebung, familie, trauer, kinder

Ein Vater für Zach

Irene Hannon , Antje Balters
Flexibler Einband: 294 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 02.06.2016
ISBN 9783867732468
Genre: Romane

Rezension:

Es gibt viele Möglichkeiten, in einem Gefängnis zu sitzen - auch wenn keine Gitter vor den Fenstern sind. (Seite 222)

Achtung
Enthält unweigerlich Spoiler zu den vorherigen Bänden.


Meine Meinung

„Meistens war das Leben eine Aneinanderreihung von Herausforderungen. Man musste ständig mit Unvollkommenheit und Fehlern fertigwerden, musste Verluste verkraften und Hindernisse überwinden und auch an den finstersten Tagen die Flamme der Hoffnung in Gang halten.“ (Seite 260) Das könnte man eigentlich als das Motto der Reihe im Allgemeinen betrachten, ganz besonders trifft es jedoch auf diesen vierten und - leider - abschließenden Band zu.

Und die „Flamme der Hoffnung“ haben die Protagonisten in diesem Buch wirklich mehr als nötig, um alle Schwierigkeiten meistern zu können. Nathan Clay waren wir schon im Vorgängerband an seinem Tief- und Wendepunkt begegnet, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wird er hier zur Hauptfigur, wenn der Leser ihn bei seinem Versuch, sich ein neues Leben in Freiheit aufzubauen, begleitet. Seine Geschwister J. C. und Marci haben ihn nach Nantucket eingeladen und so wohnt er - wie schon in den Jahren zuvor die beiden - in Ediths Ferienhaus.

Gleich zu Beginn des Buches trifft er bei Marcis Hochzeit auf Catherine Walker und ihren etwa sechsjährigen Sohn Zach. Der Titel des Buches läßt schon vermuten, in welche Richtung sich die Erzählung bewegen wird, und auch hier ist der Weg, der mehr als nur steinig ist, das Ziel. Nathan kämpft mit den Geistern seiner Vergangenheit und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Im Gefängnis hat er viel gelernt und verdingt sich nun als Handwerker. Daneben tritt sein Talent zum künstlerischen Malen immer mehr hervor, was Kate (aus dem ersten der Lighthouse-Lane-Bände) die Gelegenheit zu einem Kurzauftritt gibt. Erst nach und nach kommt an Tageslicht, was ihn vor Jahren auf die schiefe Bahn gebracht hat.

Ganz anders bei Catherine Walker, die kürzlich nach Nantucket kam, um nach dem tragischen Tod ihres Mannes vor zwei Jahren ein neues Leben zu beginnen. Zu ihrem Sohn verhält sie sich überaus beschützend, so daß die Begegnung auf der Hochzeit nur von kurzer Dauer ist. Um so erstaunter sind beide, als sie sich kurz darauf wieder gegenüber stehen: Nathan wurde ihr als der Mann empfohlen, der ihr bei Renovierungsarbeiten helfen kann. So bleibt es denn nicht aus, wenn man den ganzen Tag über auf engem Raum zusammen ist, daß sich die beiden näher kennen lernen.

Tragisch - oder auch schicksalhaft - wird es, als zutage tritt, weshalb Catherine aus ihrem alten Leben geflohen ist. Man könnte es schon als eine besondere Ironie bezeichnen, daß ausgerechnet diese beiden Menschen aufeinander treffen mußten, denn auch wenn es über weite Strecken nicht so aussieht, können doch gerade sie mit ihrer jeweils individuellen Vorgeschichte zur Heilung des anderen beitragen - oder diese erst überhaupt ermöglichen.

Die Handlung wird an wesentlichen Punkten aus den Blickwinkeln beider - Catherine wie Nathan - erzählt, so daß man als Leser so gut wie immer beide Seiten kennt, beurteilen und verstehen kann. Die sich aus dem Zusammentreffen ergebende Problematik wird überzeugend dargestellt, die auftretenden und zu lösenden (inneren) Konflikte ergeben sich zwangläufig aus der Konstellation und zwingen die Beteiligten, sich mit der Situation, aber auch ihrer Vergangenheit und deren Bewältigung auseinanderzusetzen. Letztlich geht es um die Frage, inwieweit die Vergangenheit die Gegenwart und vor allem die Zukunft beeinflussen darf und soll, wann es an der Zeit ist abzuwarten, weiterzugehen oder gar loszulassen (vgl. S. 134).

Wie schon im vorigen Buch der Reihe spricht die Autorin auch hier wieder schwierige Themen an, die ich in dieser Heftigkeit in so einem Buch allerdings nicht unbedingt erwartet hätte, jedoch Denk- und Handlungsweise der Protagonisten überzeugend erklären. Auch dieses Mal gelingt es der Autorin wieder hervorragend, ernste und gesellschaftskritische Themen in einen Unterhaltungsroman zu integrieren. Hiermit ist Irene Hannon endgültig in meine Liste der Lieblingsautoren/-innen aufgenommen worden und ich werde sehr bald weitere Bücher von ihr lesen. Drei davon habe ich zum Glück schon hier. Nur schade, daß ich von den Leuten aus der Lighthouse Lane nun nichts mehr hören bzw. lesen werde. Aber es spricht ja nichts dagegen, die Bücher ein weiteres Mal zu lesen - was ich sicherlich auf jeden Fall tun werde.


Mein Fazit

Mit der Geschichte um Nathan Clay und Catherine Walker geht die Serie um die Leute aus der Lighthouse Lane leider zu Ende. Trotz gesellschaftskritischer und ernster Themen und Momente ist auch dies ein Wohlfühlbuch, das mich mit Denkanstößen innerlich ruhig und zufrieden in die Welt zurück entließ.

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islam, koran, christentum, kommunikation, bibel

Koran und Bibel: Die zwei größten Religionen im Vergleich

Thomas Schirrmacher
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 30.01.2017
ISBN 9783775157742
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der fundamentale Unterschied von Christentum und Islam kann allein schon am jeweils traditionellen (also vorkritischen) Verständnis ihrer heiligen Bücher aufgezeigt werden. (Seite 15)

Meine Meinung

Im Laufe der letzten Monate habe ich etliche Bücher über den Islam gelesen, jetzt dieses zum „Vergleich“ Bibel und Koran. Von all den gelesenen war dieses das mit deutlichem Abstand beste, weil der Autor auf überschaubarem Raum einen Überblick über die wesentlichen Aussagen und Inhalte der den Religionen zugrunde liegenden „Urkunden“, also ihrer heiligen Bücher, gibt. Das Buch ist bereits in 7. (erweiterter) Auflage erschienen, liegt auch in Übersetzung vor und das Feedback von islamischer Seite an den Autor zeigt, daß er dessen Positionen „korrekt und fair“ dargestellt hat (vgl. S. 9)

Das Buch weist einen klaren Aufbau auf, der es auch als Nachschlagewerk benutzbar macht. Zu jedem Thema gibt es zunächst kurz die Sicht des Korans, dann die der Bibel und anschließend die Erläuterungen dazu. Alleine beim Lesen wird bald deutlich, daß es mehr Trennendes als Verbindendes gibt, daß beiden Religionen ein völlig unterschiedliches Gottesbild zugrunde liegt und damit auch eine sehr verschiedene Sicht auf die Welt - und den Staat. Im Islam gibt es keine Trennung von „Staat und Kirche“, denn von seinem (des Korans, Anm. von mir) Schriftverständnis her wird er immer darauf abzielen, dass nicht nur die Moschee, sondern auch der Staat dem islamischen Recht untersteht und die gesamte Schöpfung und Lebenswirklichkeit vom Koran her gestaltet wird. (S. 77) Wie anders wirkt in diesem Zusammenhang der Satz Jesu Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. (S. 78, Mt 22,21, Mk 12,17, Lk 20,25) Wenn man so will, wird die Trennung von Staat und Kirche sowohl von Jesus selbst als auch den Aposteln (z. B. Römer, 13,1-7) bestätigt und unterstützt.

Aber der grundlegende Unterschied zeigt sich im Verständnis von Koran und Bibel. Der Koran gilt im Islam als von Ewigkeit her im Himmel existent; er wurde über einen Zeitraum von 22 Jahren an Mohammed „herabgesandt“, der alleinige Autor ist Allah. Die einzige gültige Fassung ist die im klassischen Arabisch, Übersetzungen im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es nicht, nur „Deutungen“ in andere Sprachen. (vgl. S. 28f) Wichtig ist, den Koran in der Ursprungssprache zu lesen und zu zitieren, unabhängig davon, ob man das versteht oder nicht. Ein gleiches gilt auch für Gebete. Es ist nicht zulässig, mit Mitteln der Textkritik an den Koran heranzugehen - tut man es doch, kann es in Extremfällen zum Todesurteil führen.

Ganz anders auch hier wieder die Bibel. Sie gilt als von Gott inspiriert und als Gottes Wort, aber durchweg geschaffen von Menschen, die ihrer jeweiligen Zeit und Herkunft verhaftet waren. Sie ist über einen Zeitraum von vielen Jahrhunderten entstanden, beinhaltet viele verschiedene (Schreib-)Stile und soll ausdrücklich in viele Sprachen übersetzt werden, damit die Menschen nicht nur den Klang hören, sondern vor allem verstehen, worum es geht. Schon die Jesusworte sind in der damaligen „Weltsprache“ Griechisch, nicht jedoch auf Aramäisch, was Jesus vermutlich sprach, überliefert. Ein textkritisches Herangehen an den Text ist seit jeher selbstverständlich.

Sowohl für den Islam als auch für das Christentum hat der Autor nur Positionen beschrieben, die jeweils allen Konfessionen gemeinsam sind. Dadurch bleiben historische Entwicklungen zwar außen vor, jedoch werden durch die diese Konzentration auf das Wesentliche, von jeweils allen anerkannte, die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten besonders deutlich sichtbar. Was mir immer wieder auffiel, ist das völlig verschiedene Gottesbild in beiden Religionen. Je weiter ich im Buch voran kam, um so schwerer wurde es für mich, davon auszugehen, daß Christentum und Islam den selben Gott verehren. Denn die Darstellung Allahs im Koran ist sehr verschieden von der Gottes in der Bibel, welcher sich schlußendlich in der Person Jesu selbst geoffenbart hat.

Insgesamt bietet das Buch einen guten Überblick über die beiden wohl einflussreichsten und am häufigsten übersetzten Bücher der Geschichte (S. 11). Durch den klaren Aufbau, ergänzt durch ein Verzeichnis weiterführender Literatur, ist es nicht nur zum chronologischen Lesen, sondern später auch als Nachschlagewerk geeignet. Das bisher beste Buch, das ich bisher zum Thema „Christentum und Islam“ gelesen habe.

 

Mein Fazit

 Eine fundierte und sachliche „Gegenüberstellung“ von Bibel und Koran sowie deren Hauptinhalten, die Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede deutlich aufzeigt. Sehr empfehlens- und lesenswert, will man sich überblicksmäßig über beide Religionen informieren.

 


 

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vergebung, liebe, christlicher roman, freundschaft, insel

Eine perfekte Wahl

Irene Hannon
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei cap-Verlag Andreas Claus e.K., 18.01.2016
ISBN 9783867732451
Genre: Romane

Rezension:

Manche Leute gehen durchs Feuer und verbrennen sich dabei so schlimm, dass ihre Wunden nie wieder heilen, aber andere werden auf eine gute Weise durch das Feuer geformt. (Seite 295)

Meine Meinung

Auch dieser dritte (von vier) Bänden der Bücher über die Leute aus der Lighthouse Lane ist für sich verständlich, wenngleich es natürlich hilfreich ist, die Vorgeschichten zu kennen. Die Handlung setzt nach der Hochzeit von J.C. und Heather ein als, Marci - J.C.’s Schwester - nach Nantucket kommt, um Heather während der Hochzeitsreise in ihrer Teestube zu vertreten. Danach will sie einige Wochen Urlaub machen, um anschließend auf Jobsuche zu gehen. Irgendwelche Bekanntschaften oder gar eine Beziehung sind in ihren Plänen nicht enthalten. Aber wie das mit Plänen so ist, sie halten sich nicht immer daran.

So war weder von ihr noch vom Arzt Christopher Morgan die gegenseitige Anziehung, welche sie schon beim ersten zufälligen Zusammentreffen verspüren, geplant. Denn, wenn auch aus verschiedenen Gründen, haben bei auf keinen Fall vor, jemals wieder eine Beziehung einzugehen. Wer nun meint, daß das eine Wiederholung der Geschichte aus „Der Held von nebenan“ ist, liegt mit seiner Einschätzung ziemlich falsch. Sicherlich ist das Motiv, keine Beziehung zu wollen, ähnlich, die Gründe - und Folgen für die Figuren - dafür jedoch sehr verschieden. Nur langsam, teilweise erst kurz vor dem Ende, kommt ans Tageslicht, um welche „Packen“ es sich handelt, sie die beiden mit sich herumschleppen. Vor allem bei Marci war ich überrascht, denn die Autorin hat Themen aufgegriffen und verarbeitet, die in dem Genre nicht unbedingt üblich bzw. zu erwarten sind.

Dieses dritte Buch empfand ich darob als das, was die Schwere der zu bewältigenden Probleme angeht, als das tiefschürfendste. Auch die Reaktionen der Betroffenen, die Bewältigung - oder Nichtbewältigung - und der Einfluß auf das Denken und Handeln der Figuren, das Ringen und Hadern mit Gott, waren äußerst glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben, so daß sich die Geschichte sehr folgerichtig bis hin zum Ende entwickelt hat. Dabei war es auch an düsteren Stellen niemals düster oder gar hoffnungslos geschrieben, so daß ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, bis ich am Ende wußte, wie sich alles auflösen und fügen würde. Der Stil ist gut lesbar, Figuren wie Orte konnte ich mir immer vorstellen, das vielzitierte Kopfkino sprang gleich bei den ersten gelesenen Sätzen an.

Schuld und Vergebung spielten schon in den Vorgängerbänden eine Rolle, was kein Wunder ist, da diese Thematik wohl jeden Menschen mehr oder weniger stark betrifft. Aber im Vergleich zu den beiden ersten Lighthouse-Bänden wurden Ursachen wie Wirkung hier am deutlichsten thematisiert, was dieses Buch für mich zum bisher besten der Reihe macht.

Am Ende ist diese Geschichte erzählt, und habe das Buch mit einem wohligen Gefühl geschlossen. Bleibt im Band vier nur noch Nathan, Marcis Bruder, und sein Schicksal übrig, bevor es endgültig Abschied nehmen heißt von den Leuten in der Lighthouse Lane.


Mein Fazit

Ernste Themen in einen guten Unterhaltungsroman unterzubringen, ist alles andere als leicht. Irene Hannon hat das im für meine Begriffe im bisher besten Buch der Lighthouse Lane-Reihe hervorragend gemeistert.

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