Sigismunds Bibliothek

130 Bücher, 132 Rezensionen

Zu Sigismunds Profil
Filtern nach
130 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

25 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

Achtzehn Hiebe

Assaf Gavron , Barbara Linner
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 26.02.2018
ISBN 9783630875637
Genre: Romane

Rezension:

Eitan Einoch war schon die Hauptfigur in „Ein schönes Attentat“, dem 2008 veröffentlichten Debütroman des inzwischen als Bestseller-Autor gerühmten israelischen Schriftstellers Assaf Gavron (50). Zehn Jahre später spielt Eitan Einoch wieder die Hauptrolle in Gavrons neuem Roman „Achtzehn Hiebe“, im Februar beim Luchterhand-Verlag erschienen. Auch wenn auf die Ereignisse des Debütromans stellenweise Bezug genommen wird, ist der neue Roman keine Fortsetzung.
Es ist ein im heutigen Tel Aviv spielender, unterhaltsamer Krimi, dessen Vorgeschichte sich 1946 vor der Staatsgründung Israels zugetragen hat, als die Briten noch das Mandat über Palästina hatten. Inzwischen ist Eitan Einoch selbständiger Taxifahrer, der seine Fahrgäste mit Anekdoten zur Geschichte Israels unterhält. Er ist geschieden, Vater einer kleinen Tochter, um die er sich liebevoll an zwei Wochentagen kümmert. Eines Tages erhält er den Auftrag, eine liebenswerte 85-jährige Dame, die sich ihm als Lotta Perl vorstellt, täglich zum Friedhof zu fahren, wo ihr kürzlich verstorbener Jugendfreund begraben liegt. Eitan erfährt ihre Lebens- und Liebesgeschichte: Als 17-Jährige hatte sich das jüdische Mädchen verbotenerweise in einen britischen Soldaten verliebt, ebenso ihre Freundin. Nach 66 Jahren hatte sich das Quartett nun wiedergetroffen. Lotta ist überzeugt, ihr Jugendfreund sei ermordet worden. Als Eitan Einoch beginnt, gemeinsam mit seinem Freund Bar diesem Verdacht nachzugehen, finden sie Lotta Perl tot im Bett. War es Mord?
Im Laufe der locker und durchaus humorig erzählten Kriminalhandlung erfahren wir in mehreren Rückblicken Atmosphärisches und Wissenswertes aus der Zeit des Mandats: Die Briten waren bei den Juden verhasst und wurden von zionistischen Untergrundorganisationen bekämpft. Neben der Todesstrafe gab es bei den Briten auch die Prügelstrafe, die dem Roman seinen Titel gibt. Die Untergrundkämpfer revanchieren sich auf dieselbe Art, nehmen britische Soldaten gefangen und rächen sich an ihnen mit der Lederpeitsche. Eines Abends trifft es auch Lottas Freunde.
Bedauerlicherweise verzettelt sich Assaf Gavron in seinem Roman, der eigentlich interessante Ansätze hat. Doch wird in den Rückblicken ins Jahr 1946 das Alltagsleben der Juden unter britischer Verwaltung recht oberflächlich behandelt, auch kommen die verfeindeten Palästinenser überhaupt nicht vor. Es stimmt, was Lotta Perl sagt, dass sich die Liebenden nicht um Politik gekümmert haben. Dennoch hätte der israelische Autor in seinem Roman auf die Vorgeschichte seines Heimatstaates intensiver eingehen müssen. Auch die Handlung in heutiger Zeit wird bei Gavron nicht wirklich zum richtigen Krimi, sondern plätschert seitenweise fröhlich und in manchen Absätzen sogar trivial vor sich hin.
„Achtzehn Hiebe“, vom Thema her ein passender Roman zum 70.Jahrestag der Staatsgründung Israels, verspielt diese Chance. Es hätte ein spannender Krimi vor historischem Hintergrund werden können. So bleibt es ein austauschbarer Unterhaltungsroman, eine bunte Mischung aus Liebe und Verrat, Schuld und Verbrechen. Die anfängliche Spannung und Erwartung, aufgelockert durch eine Prise Humor, verflacht mit zunehmender Seitenzahl. Und: Wozu braucht es eigentlich die in Einzelheiten geschilderten Bettszenen? Sie tragen nichts zur Sache bei, sondern mindern noch das Niveau dieses Romans. Schade! Ich hatte vom neuen Buch des mehrfach ausgezeichneten Bestseller-Autor mehr erwartet.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

england, krimi, 50er jahre, geheimdienst, reihe

Der Tote in der Kapelle

Elizabeth Edmondson , Peter Beyer
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.02.2018
ISBN 9783442486120
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nur ein Jahr vor ihrem plötzlichen Tod hatte die erfolgreiche britische Schriftstellerin Elizabeth Edmondson (1948-2016), in Deutschland vor über zehn Jahren durch „Lady Helenas Geheimnis“ bekannt geworden, die ersten zwei Bände ihrer neuen Krimireihe um Geheimagent Hugo Hawksworth noch veröffentlichen können. Der erste Band erschien nun im Februar beim Goldmann-Verlag unter dem Titel „Der Tote in der Kapelle“ als Taschenbuch. Hatte sich Edmondson in ihren früheren Werken stark an Jane Austen und deren Zeit orientiert, erinnert diese Krimireihe in Handlung und Atmosphäre stark an Bücher von Agatha Christie oder Edgar Wallace.
Der Krimi spielt in England im Nachkriegsjahr 1953 – es gibt noch immer Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs nur auf Bezugsschein. Der wegen einer im Feindeinsatz erlittenen Beinverletzung ins Kriegsarchiv im provinziellen Selchester versetzte Geheimagent Hugo Hawksworth wird auf dem alten Selchester Castle einquartiert, wo noch Gespenster ihr Unwesen treiben sollen. Dort wird bei Renovierungsarbeiten in der Schlosskapelle unter den Bodenplatten ein Skelett entdeckt. Es sind die Gebeine des letzten Earls, der vor sieben Jahren während einer Abendgesellschaft plötzlich verschwand. Polizei und Geheimdienst wollen die Akte unbedingt schließen und bezichtigen den vor Jahren in Palästina gefallenen Sohn Tom des Mordes. Misstrauisch geworden, nimmt sich nun Hugo Hawksworth dieses geheimnisvollen Mordfalles an und sucht mit Freya, der Nichte des Earls, nach dem wahren Täter.
Auch wenn in Edmondsons Krimi kein Nebel um die alten Schlossmauern wabert, wie wir es aus den deutschen Wallace-Filmen kennen, ist dieser britische Krimi in gewisser Weise ähnlich aufgebaut. Die Handlung ist locker geschrieben, alles ist ziemlich geheimnisvoll: Bei der damaligen Abendgesellschaft im Jahr 1946 waren vier Gäste anwesend, außerdem vier Personen des Personals. Das Schloss war durch starken Schneefall von der Außenwelt abgeschnitten. War der Mörder also jemand vom Personal? Oder vielleicht einer der Gäste? Oder etwa alle Gäste gemeinsam - wie in Christies „Mord im Orient-Express“?
„Der Tote in der Kapelle“ ist gewiss keine anspruchsvolle Lektüre, kein tiefenpsychologischer Thriller, wie wir ihn heute von den skandinavischen Autoren kennen, sondern eher ein unterhaltsamer Roman zum Feierabend. Wir lernen wie in den alten britischen Krimis einige skurrile, auch geheimnisvolle oder burschikose Charaktere kennen. Ein Mordmotiv ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, weshalb es unmöglich ist, uns frühzeitig für einen möglichen Täter zu entscheiden. Erst am Schluss des Romans wird der Mordfall auf Selchester Castle gelöst.
Die neue Krimireihe von Elizabeth Edmondson war in Großbritannien erfolgreich. Ob sich dies in Deutschland wiederholen wird, mag bezweifelt werden, da hierzulande die Christie- und Wallace-Welle vorbei ist und heutige Leser eher für bluttriefende Psychokrimis zu begeistern sind. Wer sich aber einen Sinn für britische Krimi-Klassiker bewahrt hat, dem wird wohl auch „Der Tote in der Kapelle“ gefallen. Den zweiten Band dieser unvollendeten Reihe, „Mord auf Selchester Castle“, kündigt der Goldmann-Verlag für Februar 2019 an. Für einen dritten Band konnte Edmondson nur Notizen hinterlassen, nach denen ihr Sohn, der Schriftsteller Anselm Audley, den dritten Band „A Matter of Loyalty“ (2017) verfasst hat.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

wien, 1. weltkrieg, familien-saga, liebe, österreich

In Zeiten der Liebe und des Krieges

Michael Wallner
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.02.2018
ISBN 9783866124387
Genre: Historische Romane

Rezension:

Schon mit der Wahl des Covers erscheint der im Februar im Piper-Verlag veröffentlichte Roman „In Zeiten der Liebe und des Krieges“ des österreichischen Theaterregisseurs und Schriftstellers Michael Wallner (60) nicht unbedingt als anspruchsvolle Lektüre. Tatsächlich entwickelt sich auch erst im zweiten Teil eine gewisse Spannung, die in den Kriegswirren von 1914/1915 ihren Höhepunkt findet. Gemessen an Wallners Bestseller „April in Paris“ (2006), der immerhin in über 20 Sprachen übersetzt wurde, ist sein neuer Roman enttäuschend.
Wallner beginnt seine „Korff-Saga“ im Vorkriegsjahr 1912. Die Wiener Oberschicht ist in ihrem operettenhaft erscheinenden Alltag erstarrt. Abendgesellschaften, Sommerpartys und geistloser Smalltalk bestimmen ihr Leben. Ebenso oberflächlich erschöpft sich darin leider auch der Roman, obwohl der Autor einige für die damalige Zeit wichtige Punkte anreißt: Da gibt es die jüdische Bankiersfamilie Hahn, die trotz ihres Reichtums im katholisch-konservativen Kaiserreich angesichts des latent vorhandenen Antisemitismus' um gesellschaftliche Anerkennung buhlen muss. Die inzwischen mit einem Katholiken verheiratete Tochter Lydia durfte als junge Frau trotz ihrer Begabung nicht an einer Universität studieren. Ihr Ehemann Maxim Korff ist der Prototyp des neureichen Geldadels, der wiederum vom alten Adel nicht als ebenbürtig anerkannt wird.
So historisch interessant diese und andere Stichpunkte sind, bleiben sie leider nur Randbemerkungen, weshalb es dem Roman sehr an Tiefe fehlt. Stattdessen arbeitet der Autor mit altbekannten Klischees: Der macht- und geltungshungrige Industrielle Maxim Korff hat eine Affäre mit der Ehefrau seines Kompagnons und bändelt später mit seiner Hausdame an. Ehefrau Lydia wiederum flieht in die Arme eines mittelmäßigen Tenors. Einen Familienskandal gibt es natürlich auch, als sich Korff-Sohn Philipp in seine Hahn-Cousine Alexandra verliebt. Doch diese Affären und Skandale dürfen den Kreis der Familie nicht verlassen, weshalb nach außen „heile Welt“ vorgegaukelt wird.
Plätschert Michael Wallners Roman über viele Seiten locker dahin, gewinnt er erst mit dem Attentat in Sarajevo und dem Kriegsbeginn 1914 etwas an Dramatik. Die Österreicher sehnen diesen Krieg als reinigenden Gewitterregen herbei, der ihr Kaiserreich aus seiner politischen und gesellschaftlichen Erstarrung zu lösen verspricht. Doch schon bald zeigt sich das wahre Bild des Krieges, als die einst freudetaumelnden Soldaten in Särgen oder schwerverwundet nach Wien zurückkehren. Das Operetten-Österreich beginnt, sich aufzulösen.
Michael Wallners erster Band seiner Korff-Saga bleibt trotz einiger historisch interessanter Aspekte leider nur ein leichter Unterhaltungsroman ohne Tiefgang. Im Februar 2019 soll der zweite Band „Als die Hoffnung uns gehörte“ folgen. Dann werden wir Junior Philipp Korff im New York des Jahres 1923 erleben.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

armee, besetzung, briten, handelsreisende, amerikaner

Der Reisende

Arnaldur Indriðason , Anika Wolff
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783785725979
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Historische Krimis, vor allem solche aus jüngster europäischer Geschichte und Weltkriegszeiten, erfreuen sich seit wenigen Jahren steigender Beliebtheit. Vielleicht deshalb ging auch Islands Bestseller-Autor Arnaldur Indriðason (57), seit 1995 bekannt durch seine Krimireihe um Kommissar Erlandur, in seiner neuen Serie um die beiden Ermittler Flóvent und Thorson um sieben Jahrzehnte zurück. Diese auch für Island politisch und gesellschaftlich umwälzenden Kriegszeiten scheint Indriðason jetzt aufarbeiten zu wollen und beginnt in seinem ersten Band „Der Reisende“ im Jahr 1941, als die britischen Besatzungstruppen von den amerikanischen abgelöst wurden.
In der Wohnung des deutschen Staatsbürgers Felix Lunden in Islands Hauptstadt Reykjavík wurde ein Mann durch einen gezielten Kopfschuss aus einem amerikanischen Colt hingerichtet. Dem ermittelnden Kommissar Flóvent wird, da man wegen des Colts den Täter unter den Amerikanern vermutet, der vor Jahren aus Island nach Kanada ausgewanderte, in der Ermittlung von Kriminalfällen unerfahrene britische Militärpolizist Thorson zur Unterstützung zugeteilt. Schon bald steht fest, dass das Mordopfer gar nicht Felix Lunden, sondern ein isländischer Handelsreisender und früherer Schulkamerad Lundens ist. Schnell weiten sich die Ermittlungen in verschiedene Richtungen aus: War es Mord aus Habsucht oder Eifersucht oder etwa die Folge einer Erpressung? Oder handelt es sich gar um die Abrechnung unter Spionen? Immerhin ist der Deutsche Felix Lunden, der vielleicht das eigentliche Mordopfer sein sollte, ein überzeugter Nazi. Flóvent und Thorson müssen schnell Ergebnisse vorweisen, da der US-Militärgeheimdienst schon droht, der isländischen Polizei diesen Fall zu entziehen.
Trotz des Zeitdrucks und der Brisanz des Mordfalles gehen beide Polizisten ihren Ermittlungen scheinbar in aller Ruhe nach. Dieser Eindruck wird noch durch den ruhigen, manchmal auch langatmigen Erzählstil betont. Häufige Wiederholungen bremsen zudem die Spannung aus, wenn Flóvent und Thorson unverständlicherweise den Zeugen oder Verdächtigen bei Befragungen ihre Ermittlungsergebnisse offenbaren. Behalten erfahrene Ermittler diese nicht für sich? Oder will der Autor seine beiden Protagonisten tatsächlich als derart unerfahren hinstellen, um sie in nachfolgenden Krimis weiter aufbauen zu können? Beide Männer bleiben in ihrer Charakterisierung ziemlich unscharf. Bei Thorson wird nur kurz eine mögliche Homosexualität angedeutet, aber das war's auch schon.
Bis zum Schluss weiß man nicht, worauf Autor Arnaldur Indriðason in seinem Roman eigentlich hinaus will. Ist „Der Reisende“ nun ein Krimi oder ein Spionageroman? Die Handlung plätschert gemächlich dahin. Bei diesem Buch ließ mich nur die Neugier bis zum Ende durchhalten. Und selbst der Schluss war enttäuschend: Nicht die beiden Ermittler entlarven den Täter nach akribischer Ermittlungsarbeit, sondern dieser gibt sich völlig unerwartet selbst zu erkennen, als habe der Autor jetzt die vom Verlag geforderte Seitenzahl erreicht. Dieser neue Krimi von „Islands meistverkauftem Kriminalschriftsteller“ ist enttäuschend, vielleicht aber auch nur ein mühsamer Auftakt zur neuen Krimireihe. Hoffen wir also, dass Arnaldur Indriðason seinem Image gerecht wird und in den Folgebänden die Spannung und Dramatik noch steigert.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

24 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kalifornien, ki, macht, paralelluniversen, biowaffen

Die Tyrannei des Schmetterlings: Roman

Frank Schätzing
E-Buch Text: 736 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch eBook, 24.04.2018
ISBN 9783462318333
Genre: Sonstiges

Rezension:

Erinnerungen an Supercomputer HAL aus dem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968) und an das Tor in andere Welten im Film „Stargate“ (1994) werden wach beim Lesen des gerade bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Thrillers „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Bestseller-Autor Frank Schätzung (60). Sein spannender Wissenschaftsroman behandelt die Nutzung künstlicher Intelligenz, aktuell eines der bedeutendsten, zugleich umstrittensten Themen unserer Gesellschaft. Während Forschung und Industrie in deren Entwicklung unschätzbare Möglichkeiten zum Wohl der Menschheit sehen, wächst bei Kritikern die Angst vor möglichem Kontrollverlust.
Schätzing schildert auf 736 Seiten die existente Vielfalt nutzbringender Anwendungen zur Lösung vieler Menschheitsprobleme – um Umweltprobleme, Armut und Krankheit, vielleicht sogar den Tod zu überwinden. Was aber geschieht, wenn der von Menschenhand gebaute, anfangs mit Menschenwissen gefütterte, dann selbst lernende Supercomputer sich am Ende verselbständigt, gleich einem Schmetterling aus der Gefangenschaft seines Kokons schlüpft, vom Menschen nicht mehr aufzuhalten ist? Werden wir dann Opfer eines uns tyrannisierenden Elektronengehirns? Frank Schätzing nutzt in seinem Thriller diese diffuse Angst vor Kontrollverlust. „Ich habe Spaß am Spiel mit dem Grauen. Die Desaster-Variante ist mir immer die liebste“, sagte er erst kürzlich im Interview.
Der Roman spielt in tiefster Provinz der kalifornischen Sierra Nevada. Als Undersheriff Luther Opoku bei seinen Ermittlungen zu einem Mordfall eine in den Bergen gelegene, von der Öffentlichkeit unbeachtete Forschungseinrichtung aufsucht, gerät er bei der Verfolgung eines Verdächtigen in das tief in die Erde gebaute Rechenzentrum. Nach unbemerktem Übertritt einer sphärischen Grenze findet er sich plötzlich in einem Paralleluniversum wieder, ohne sich dessen bewusst zu sein, da sein Umfeld zunächst vertraut erscheint. Erst später mehren sich die Merkwürdigkeiten und er wird sich seiner Präsenz ein einer Parallelwelt bewusst. Gemeinsam mit Deputy Sheriff Ruth Underwood aus jener anderen Welt setzt Luther seine Ermittlungen fort, erlebt Beängstigendes und entdeckt Unglaubliches.
Verschiedene Szenarien in diesen auf unterschiedlichen Entwicklungsstufen stehenden Parallelwelten nutzt Schätzing, um die schon heute technologisch realisierten oder in Entwicklung befindlichen Anwendungen künstlicher Intelligenz und Robotik anschaulich aufzuzeigen und zu erläutern. Seine Faszination für dieses Thema nach jahrelanger Recherche ist in der Detail-Verliebtheit der Schilderungen und philosophischer Diskurse zu spüren. Doch leider geht deren Länge so manches Mal zu Lasten der Spannung, ebenso wie manche ausufernden Landschaftsbeschreibungen, die die Handlung keinen Schritt voranbringen und zum Weiterblättern verleiten. Kürzungen hätten dem Roman gut getan.
Dennoch ist „Die Tyrannei des Schmetterlings“ für uns Leser, die wir das technologisch Machbare oder nur Phantastische kaum zu unterscheiden vermögen, nicht nur ein spannender und nachdenkenswerter Wissenschaftsthriller, sondern bietet mit zusätzlichen Elementen aus Science Fiction und Fantasy eine gute Vorlage für einen Hollywood-Blockbuster.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Was mit dem weißen Wilden geschah

François Garde , Sylvia Spatz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.12.2017
ISBN 9783423146142
Genre: Romane

Rezension:

Im Herbst 1858 wird der erst 14-jährige französische Schiffsjunge Narcisse Pelletier (1844-1894) in einer Bucht der damals noch unbekannten Halbinsel Cape York im Nordosten Australiens von der Crew seines Schiffes zurückgelassen. Die nächsten 17 Jahre lebt er in einer Aborigine-Familie, nimmt deren Sitten und Gebräuche an, bis er 1875 von der Besatzung eines englischen Schiffes zufällig als „weißer Wilder“ entdeckt und nach Sidney gebracht wird. Im Herbst 1875 kommt er als 31-Jähriger nach Frankreich zurück. Als Leuchtturmwärter auf einem Außenposten bei Saint-Nazaire heiratet er 1880 eine junge Näherin. Im Alter von nur 50 Jahren stirbt er.
Diese wahre Begebenheit nutzte der französische Regierungsbeamte François Garde (59) vor sechs Jahren als Plot für seinen Debütroman „Was mit dem weißen Wilden geschah“, der noch im Erscheinungsjahr 2012 mit acht Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, darunter dem Prix Goncourt. Nach der deutschen Erstausgabe von 2014 erschien im Dezember 2017 die Taschenbuchausgabe beim dtv-Verlag.
Im Roman verwebt François Garde gekonnt Fakten und Fiktion, lässt Pelletiers Abenteuer schon 1843 beginnen, seine Wiederentdeckung im Jahr 1861, hält aber an den wichtigsten Fakten fest. Durch geschickten Wechsel zweier unterschiedlicher Stilmittel – Abenteuer- und Briefroman – lässt uns der Autor beide Zeitebenen von einander deutlich unterscheiden. Einerseits erleben wir die verzweifelte Eingewöhnungsphase des 18-jährigen Matrosen unter den Ureinwohnern, andererseits erfahren wir in den Briefen eines Amateurwissenschaftlers, des Grafen Octave de Vallombrun, an den Präsidenten der Geographischen Gesellschaft in Paris die komplizierte Wiedereingliederung des inzwischen 36-Jährigen in die französische Gesellschaft. Der Graf hatte sich während eines Aufenthalts in Sidney des „weißen Wilden“, der während der zwei Jahrzehnte im Busch jede Erinnerung an Frankreich und seine Muttersprache verloren hatte, fürsorglich angenommen, nachdem man in ihm einen Franzosen erkannt zu haben glaubte.
Die Dramatik des Romans zeigt sich in der Tatsache, dass dem jungen Narcisse Pelletier gleich zweimal seine Identität gestohlen wird: Nach dem Verlust jeglicher Verbindung in die französische Heimat hatte er sich nach Tagen der Hoffnung auf Rettung, dann der verzweifelten Todessehnsucht schließlich doch in das Leben und die Gesellschaft, in die Riten und Bräuche der urzeitlich nackt lebenden Jäger und Sammler eingewöhnt und war schließlich von ihnen aufgenommen worden. Er hatte ein neues Leben begonnen, sich eine neue Identität gegeben. Durch sein Wiederauffinden und das Bemühen anderer, ihn wieder in die französische Gesellschaft einzugliedern, nimmt man ihm nun zum zweiten Mal seine Identität, die sich Pelletier allerdings durch hartnäckiges Schweigen zu bewahren sucht: „Reden ist wie Sterben.“
François Gardes völlig zu Recht prämierter und absolut spannender Debütroman ist nicht nur historisch interessant, sondern auch soziologisch. Zumal über allem die heute wieder heiß diskutierte Frage steht, was Integration wirklich bedeutet: Gilt nur die unbedingte Einordnung oder eher das Motto „leben und leben lassen“?

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(116)

193 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

wasser, norwegen, frankreich, roman, klimawandel

Die Geschichte des Wassers

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757749
Genre: Romane

Rezension:

Nach ihrem Welterfolg „Die Geschichte der Bienen“ erschien im März mit „Die Geschichte des Wassers“ der zweite Band des auf vier Bände angelegten „Klima-Quartetts“ der norwegischen Schriftstellerin Maja Lunde (42). Ging es im ersten Band um das drohende Aussterben der Bienen, eine Voraussetzung für den Weiterbestand nicht nur menschlichen Lebens, handelt dieser zweite Band nun vom Wasser, genauer vom trinkbaren Süßwasser, ohne das wir Menschen ebenfalls zum Tode verurteilt sind.
Themen sind die Erderwärmung, die Zerstörung der Gletscher, die Natur zerstörenden Großprojekte wie Wasserkraftwerke und Staudämme, der mutwillige, profitgierige Raubbau an unserer Natur. Oft diskutierte Umweltsünden und deren mögliche Folgen verbindet die Autorin mit den Schicksalen ihrer Protagonisten, lässt dabei die Handlung kapitelweise wechselnd auf zwei Zeitebenen spielen: Die 70-jährige Umweltaktivistin Signe kämpft 2017 noch immer gegen Umweltsünden von Unternehmen und Politikern und demonstriert jetzt gegen den profitablen Abbau von Gletschereis. Mit einigen dieser in Plastikbehältern vakuumverpackten Eisstangen fährt sie im Segelboot nach Südfrankreich, um ihren für diesen Raubbau verantwortlichen einstigen Verlobten zur Rede zu stellen. Während ihrer Fahrt erfahren wir von den Anfängen ihres Umweltkampfes in früher Jugend. Schon damals sahen die Menschen nur den gegenwärtigen Wirtschaftserfolg, übersahen aber die künftigen Folgen für die Umwelt.
Der zweite Handlungsstrang um David und dessen kleine Tochter Lou spielt 2041 in einem seit Jahren von Dürre und Hitze ausgezehrten Südfrankreich. Die Menschen verlassen ihre Heimat und fliehen in den klimatisch noch erträglicheren Norden. Nicht nur Hitze und Feuersbrünste sind mörderisch in Südfrankreich, auch die Trinkwasservorräte sind erschöpft. Flüchtlinge werden kurzfristig in Lagern versorgt, bis auch dort Wasser und Lebensmittel ausgehen. Der Kampf um das letzte Süßwasser endet in Schießereien. David und Lou finden außerhalb des Lagers ein altes Segelboot an einem längst ausgetrockneten Kanal und schließlich einige im Erdboden vergrabene Plastikbehälter mit lebensrettendem Gletscherwasser. Damit verlängert sich ihr Leben um drei Monate: Wasser ist Leben!
Maja Lundes Botschaft ist einfach, doch allzu gewollt: Die von ihr beschriebene Fiktion eines ausgedörrten Frankreich in allzu naher Zukunft lässt ihre Geschichte unrealistisch erscheinen. Zudem mag der durch zunehmende Erderwärmung uns angedrohte Anstieg des Meeresspiegels durch Gletscherschmelze in Frankreich eher wahrscheinlich sein. „Die Geschichte des Wassers“ ist trotz einiger Klischees und seiner entsprechend besetzten, aber doch etwas blass gebliebenen Figuren noch ein gut lesbarer Roman, der seine Leser zum Nachdenken über unsere Welt und unser eigenes Umwelthandeln anregen mag. Aber er reicht nicht mehr an das Niveau des ersten Bandes heran. Wie mögen dann wohl die beiden noch kommenden Bände ausfallen?

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(83)

132 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

judenverfolgung, nationalsozialismus, flucht, juden, roman

Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz , Peter Graf
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.03.2018
ISBN 9783608981230
Genre: Historische Romane

Rezension:

Nachhaltig beeindruckend und in jeder Weise ungewöhnlich ist der erst kürzlich als Manuskript von 1938 wiederentdeckte und nun 80 Jahre später von Peter Graf in deutscher Erstausgabe überarbeitete, im März beim Verlag Klett-Cotta erschienene Roman „Der Reisende“ von Ulrich Alexander Boschwitz (1915-1942). Ungewöhnlich deshalb, weil Boschwitz, als Halbjude schon seit 1935 im Exil auf der Flucht, diesen eindrucksvollen Roman als 23-Jähriger schrieb. Ungewöhnlich auch, dass dieser Roman schon 1938 direkt nach den Novemberpogromen geschrieben wurde, als noch niemand den Holocaust ahnte. Ungewöhnlich schließlich die Geschichte dieses tiefgründigen Romans, der in England bereits 1939 als „The man who took trains“ veröffentlicht wurde, aber noch nie in Deutschland, obwohl sich bereits Heinrich Böll frühzeitig dafür eingesetzt hatte. Doch in den Fünfzigern wurden Themen wie Judenpogrom und Holocaust abgelehnt. So geriet der Roman in Vergessenheit. Deshalb ist es ein unschätzbarer Verdienst des Herausgebers Peter Graf, sich dieses Textes jetzt angenommen zu haben. Nachhaltig beeindruckend ist dieser Roman deshalb, da der Autor die wenigen Tage der ziellosen Flucht des jüdischen Kaufmanns Otto Silbermann minutiös schildert, dabei auf bedrückende Weise den Alltag und die Gefühlswelt seiner unterschiedlichen Figuren uns miterleben lässt. Während eines Nazi-Überfalls in seiner Berliner Wohnung gelingt es Otto Silbermann zu fliehen, wobei er seine arische Ehefrau zurücklässt, die bei ihrem Bruder in Küstrin Schutz findet. Silbermann steht unvermittelt auf der Straße – ohne Plan, ohne Ziel, mit wenig Geld in der Tasche. Als sich vermeintliche Freunde und Geschäftspartner von ihm abwenden, um ihr eigenes Leben, ihre eigene Karriere nicht zu gefährden oder – noch schlimmer – persönlichen Nutzen aus Silbermanns Notstand zu ziehen, und er sich ängstigt, in Hotels zu nächtigen, kauft er sich das erste Bahnticket. Eine Bahnfahrt folgt auf die andere, kreuz und quer zwischen Hamburg und München, Dortmund und Berlin. Silbermann versucht, als Bahnreisender für die Nazi-Schergen unauffindbar zu sein. Das wirklich Beeindruckende an dem Roman des 23-jährigen Autors sind die Gespräche Silbermanns mit seinen Mitreisenden, früheren Freunden und Geschäftspartnern. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. In diesen Dialogen und vor allem in Silbermanns Selbstgesprächen lässt der Autor uns die Atmosphäre im damaligen Deutschland authentisch nachempfinden. Tragisch wird Silbermanns Situation vor allem, als er in seiner Verzweiflung nicht nur den Nazis, sondern allen anderen Juden die Schuld an seinem Unglück gibt und selbst wie ein Nazi argumentiert: „Ich unterscheide mich durch nichts von anderen Menschen, aber vielleicht seid ihr [Juden] wirklich anders und ich gehöre nicht zu euch. Ja, wenn ihr nicht wärt, würde man mich nicht verfolgen. Dann könnte ich ein normaler Bürger bleiben. Weil ihr existiert, werde ich mit ausgerottet. Dabei haben wir eigentlich gar nichts miteinander zu tun.“

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

memory wall, anthony doerr, demenz, fossilien, erinnerungen

Memory Wall

Anthony Doerr , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei btb, 12.02.2018
ISBN 9783442715541
Genre: Romane

Rezension:

Ungewöhnlich wie ein Puzzle ist die Novelle „Memory Wall“ des amerikanischen Schriftstellers Anthony Doerr (44), die 2016 erstmals auf Deutsch, jetzt im Februar als btb-Taschenbuch erschien. In den USA kennt man sie schon seit 2010, doch erst Doerrs u.a. mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman „Alles Licht, das wir nicht sehen“ (2014) machte diesen hervorragenden Autor in Deutschland bekannt, so dass seitdem auch frühere seiner Werke übersetzt wurden. Die „Memory Wall“ ist eine Wand in dem hoch über Kapstadt gelegenen Haus der 74-jährigen Alma Konachek, an der die stark an Demenz Leidende ihre verlorenen Erinnerungen in Fotos, Notizzetteln und einer Vielzahl von Kassetten festhält. Was wäre der Mensch ohne seine Erinnerungen, fragt uns der Autor und gibt mit seiner Protagonistin die Antwort: Ein hilfloses Wesen, das sich ziellos durchs Leben bewegt, rund um die Uhr von der Fürsorge ihres schwarzen Pflegers Pheko abhängig. Nur die Erinnerungen an Vergangenes wie an ihren verstorbenen Ehemann Harold geben Almas Leben noch Sinn und Struktur. Denn zum Glück ist es – zumindest in Doerrs Novelle - Kapstädter Ärzten gelungen, verlorene Erinnerungen mittels eines futuristischen Gehirnstimulators in den verborgenen Ecken des menschlichen Gehirns abzurufen und auf Kassetten abzuspeichern, so dass Demenzkranke wie Alma diese Erinnerungen an die Jugend, an gemeinsam verlebte Ehejahre, an wichtige Momente des Lebens zuhause jederzeit nach Belieben „wie eine Droge“ konsumieren können. Doch wie oft bei Entdeckungen wird auch diese vom Autor erdachte Technik missbraucht: Ehemann Harold hatte vor Jahren außerhalb Kapstadts ein sensationelles Fossil entdeckt, versteinerte Erinnerung an urzeitliches Leben. Durch Harolds plötzlichen Tod blieb der Fundort aber unentdeckt. Nur Alma könnte ihn kennen, kann sich aber nicht mehr daran erinnern. Deshalb ist Schwarzmarkthändler Roger Tchoni auf der Suche nach dieser einen Kassette, auf Almas Erinnerung gespeichert sein könnte und bedient sich dazu des 15-jährigen Waisenjungen Luvo, der – ohne eigene Erinnerung aufgewachsen und von den Medizinern als Versuchsobjekt missbraucht – durch seine Kopfimplantate fähig ist, Almas Erinnerungsbibliothek – ein Menschenleben in Kassetten – bei nächtlichen Einbrüchen in ihr Haus zu sichten. Wie Alma sich selbst im Laufe dieser kurzen, nur 144-seitigen Novelle ihre auf Kassetten gespeicherten Erinnerungen völlig unsortiert in loser Folge abruft, so erfahren auch wir Leser die Handlung nur bruchstückweise und müssen uns die 40 kurzen Kapitel, in denen Zeit, Orte und Personen ständig wechseln, selbst zu einer chronologischen Lebensgeschichte Almas wie ein Puzzle zusammensetzen, also uns im Fortgang der Lektüre an Gelesenes wieder erinnern. Wir sind also mehr gefordert, als nur eine Handlung zu lesen. Die unsortierte, lockere Folge kurzer Szenen und meist ebenso kurzer Sätze regt den Leser zu Phantasie, zum Mitdenken und Nachdenken an. Vielleicht regt sie und sogar an, die eigenen Erinnerungen für unsere Kinder und Enkel in Fotoalben sicher abzuspeichern. Denn was bleibt sonst von uns ohne die Erinnerungen?

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Schüssler und die verschwundenen Mädchen

Victor Glass
Buch: 320 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 01.04.2018
ISBN 9783865326096
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eine unterhaltsame, zugleich historisch interessante Lektüre ist der in Augsburg und Umgebung angesiedelte Kriminalroman „Schüssler und die verschwundenen Mädchen“ von Viktor Glass (68), im April beim Pendragon-Verlag erschienen. Doch liefert der seit 15 Jahren in Augsburg lebende Autor, Verfasser mehrerer historisch-biografischer Romane, mit diesem Krimi ein auch über die regionalen Grenzen hinaus gültiges Bild des gesellschaftlichen Umbruchs am Ende des 19. Jahrhunderts. Zwanzig Jahre nach Gründung des Deutschen Reichs und der Eingliederung des bayerischen Königreiches müssen sich die Einwohner der alten Fuggerstadt auf eine neue Gesetzgebung, eine neue Währung und manche andere unliebsame Veränderung einstellen. Die Stadt wird gerade zum Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. Der technische Fortschritt wirkt sich nachteilig auf die Arbeiterschaft aus. Wo früher Handarbeit verlangt war, ersetzen jetzt Maschinen den Menschen. Viele verlieren ihren Arbeitsplatz, allen voran weibliches Hauspersonal und Arbeiterinnen. Nicht wenige wählen in dieser aussichtslosen Situation den Freitod oder verschwinden spurlos. Auch der Soldat Augustin Hipp vermisst seine junge Verlobte Luise Habenicht und sucht Hilfe bei Privatermittler Ludwig Schüssler. Dieser macht sich, unterstützt von der resoluten Haushälterin Caroline Geiger, auf die Suche nach der Vermissten. Da auch andere Mädchen unauffindbar sind, kommt bald der Verdacht des organisierten Mädchenhandels auf. Auch die Tat eines Serienmörders ist nicht auszuschließen, als Schüssler in einer alten Keltenschanze auf menschliche Knochen stößt. Zum Glück gelingt es Schüssler aber, nach spannender Ermittlungsarbeit auch diesen Fall erfolgreich abzuschließen und nicht nur Hipp und seine Verlobten glücklich zu machen. Das Buch ist wahrlich kein reißerischer Thriller, sondern eher eine zeitgetreue Millieu-Studie. Eingebettet in die Krimi-Handlung erfährt man vieles über die Zeit der Jahrhundertwende, über den gesellschaftlichen Umbruch. Doch obwohl Fachwissen bei historischen Romanen notwendig ist, kann sich zu viel davon als Mangel erweisen, wenn Autor Viktor Glass meint, alles in nur einem kurzen Roman unterbringen zu müssen. Sogar nach Aufklärung des Falles füllt der Autor noch zwei weitere Kapitel mit historischen Fakten. „Schüssler und die verschwundenen Mädchen“ ist ein locker, stellenweise auch seicht geschriebener Krimi, allerdings mit sorgsam aufbereitetem geschichtlichen Hintergrund. Das Buch ist eine unterhaltsame, entspannende, aber auch informative Lektüre zum Feierabend - nicht nur, aber vor allem für Kenner Augsburgs und seines regionalen Umfeldes.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

53 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

barcelona, spanien, musik, familienstammbaum, liebe

Eine bessere Zeit

Jaume Cabré , Kirsten Brandt , Petra Zickmann
Fester Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 25.03.2018
ISBN 9783458177395
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman "Eine bessere Zeit", im März beim Insel-Verlag erschienen, war mein erstes Buch von "Weltbestseller-Autor" Jaume Cabré (71), dessen Romane, Erzählungen und Essays vielfach ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Zugegeben, ich kannte diesen katalanischen Schriftsteller bisher gar nicht. Die Inhaltsangabe des Buches klang eigentlich vielversprechend. Aber ich habe dann doch den Roman auf Seite 170 abgebrochen: Statt einer Handlung werden die familiären Zusammenhänge der katalanischen Familie Gensana über sieben(?) Generationen in allen Einzelheiten erläutert. Dies ist abschnittsweise in seinem Erzähl- und Sprachstil, auch mit Humor und Ironie gespickt, eigentlich ganz gut zu lesen. Doch der Erzähler springt dabei hin und her, dass man die Personen und Generationen kaum noch auseinanderhalten kann. Und die ganze Zeit fragte ich mich: Wohin soll mich die Geschichte führen? Ich werde es nun leider niemals erfahren.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(42)

71 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

schlesien, gerhart hauptmann, wiesenstein, nachkriegszeit, vertreibung

Wiesenstein

Hans Pleschinski
Fester Einband: 552 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 19.03.2018
ISBN 9783406700613
Genre: Romane

Rezension:

Fünf Jahre nach seinem viel gelobten Roman „Königsallee“ um Nobelpreisträger Thomas Mann widmet sich Hans Pleschinski (61) nun in seiner auch für literaturwissenschaftlich Unerfahrene absolut lesenswerten Romanbiografie „Wiesenstein“, im März beim Verlag C. H. Beck erschienen, dem Leben und Wirken des Dramatikers und Lyrikers Gerhart Hauptmann (1862-1946). Während die vordergründige Romanhandlung nur Hauptmanns letzte Lebensmonate zwischen März 1945 und Juni 1946 in seiner geliebten Jugendstilvilla Wiesenstein, „der mystischen Schutzhülle meiner Seele“, im niederschlesischen Agnetendorf umfasst - also die dramatischen Wochen zwischen letzten Kriegstagen, russischer Besetzung, polnischer Rache und der Vertreibung aller Deutschen -, lässt Pleschinski in Gesprächen des Hauspersonals, in Rezitationen aus Hauptmanns Werken, in Tischgesprächen des Dichters oder in dessen Erinnerungen nicht nur das Leben des 83-Jährigen bis in dessen Kindheit als Hotelierssohn in Bad Salzbrunn vor unseren Augen ablaufen. Der Autor zeigt uns vor allem das kulturelle Vermächtnis des in seiner literarischen Vielfalt wie auch politisch schwer einzuordnenden Nobelpreisträgers. Gewiss, manche Passage hätte Pleschinski vielleicht kürzer fassen können. Dennoch bleibt der Roman auch für literaturwissenschaftliche Laien interessant und spannend zu lesen. Der Autor wertet nicht, lässt auch nichts aus. Er verdeutlicht, dass nicht nur Macht, sondern auch Ruhm korrumpiert: Hauptmann wurde zeitlebens, ungeachtet der Widersprüchlichkeit seiner Werke, von Öffentlichkeit und Machthabern wenn nicht verehrt, dann doch geehrt. Schon zu Kaisers Zeiten erhielt er 1912 den Literaturnobelpreis, wurde zum Nationaldichter erhoben. Förderte der Schriftsteller bei Ausbruch des Ersten wie des Zweiten Weltkriegs in seinem Werk die Kriegseuphorie, wandelte er sich nach ersten Verlusten plötzlich zum Pazifisten. Von den Nazis wurde der Volksdichter gebraucht, auch missbraucht. Selbst die russischen Besatzer wissen nach Kriegsende, sein Loblied zu singen. Zuletzt erscheint der ostzonale Kulturwissenschaftler Johannes R. Becher in der Villa Wiesenstein und will unter Verweis auf Hauptmanns Vorkriegsdrama „Die Finsternisse“, in dem er die immerwährende Verfolgung des jüdischen Volkes beklagt hatte, den schon Todgeweihten noch für das neue Deutschland gewinnen. Jeder findet also in der Vielfalt der Werke Hauptmanns für sich mindestens eines, das dem aktuell angesagten Zeitgeist entspricht und alle unpassenden zu vernachlässigen ermöglicht. Pleschinski zeigt die Widersprüche Hauptmanns: Zum 80. Geburtstag nahm dieser 1942 die Ehrungen der Nazis entgegen. Er bewirtete in der Villa Wiesenstein in Kriegszeiten den in Polen als Generalgouverneur eingesetzten Hans Frank ebenso wie später russische Kommandanten. Hauptmann wandelte als gefeierter Nationaldichter zwischen den Welten. Er selbst, den Hitler in die „Liste der Gottbegnadeten“ aufgenommen hatte, hielt sich im Rückblick für überparteilich, nennt sich in Pleschinskis Buch selbst einen „Kompromissler“, gesteht kurz vor seinem Tod aber dann doch mit Blick auf seinen langjährigen Rivalen um die Publikumsgunst, den frühzeitig emigrierten Thomas Mann: „Wer nur zuschaut, ist deswegen noch lange nicht unschuldig.“ Pleschinskis Roman „Wiesenstein“ ist ein wunderbares Buch, das jeder Freund deutscher Literatur lesen sollte.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

42 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

jens henrik jensen, oxen, dänemark, geheimbund, verschwörung

Oxen. Der dunkle Mann

Jens Henrik Jensen , Friederike Buchinger
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.03.2018
ISBN 9783423261791
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Weiter geht die Hetzjagd auf Niels Oxen, den mit der höchsten Tapferkeitsmedaille Dänemarks ausgezeichneten früheren Elitesoldaten und nach Einsätzen gegen die Taliban und im Bosnien-Krieg schwer traumatisierten Kriegsveteran. Im März erschien im dtv-Verlag endlich „Oxen – Der dunkle Mann“, der zweite Band der hervorragenden Politthriller-Trilogie des dänischen Bestseller-Autors Jens Henrik Jensen (54). Hatte sich Oxen nach Aufklärung mysteriöser Serienmorde (Band 1: „Oxen – Das erste Opfer“, Sept. 2017) gerade wieder ein Jahr lang in den Wäldern bei einem alten Fischzüchter unter falscher Identität verstecken können, wird er nach systematischer Suche der Geheimdienstagentin Margrethe Franck nach Monaten doch aufgespürt. Franck und ihr Chef Axel Mossmann brauchen Oxens Hilfe, denn sie wollen die Hintermänner dieser Morde, die selbsternannten „Erben“ des mittelalterlichen Danehof, endlich enttarnen und ausschalten. Dieser Geheimbund sieht sich als der wahre Regent Dänemarks und scheint Regierung und Wirtschaft für seine Zwecke zu korrumpieren und zu manipulieren. Als Oxen fälschlich des Mordes am Fischzüchter verdächtigt wird, jagen ihn Polizei, Geheimdienst und – aus anderem Grund – die Killer des Danehof quer durchs Land. Ständig auf der Flucht gelingt es ihm gemeinsam mit Franck und Mossmann aber dennoch, nach etlichen Irrungen und Wirrungen dem Danehof näher zu kommen – und wird in eine lebensbedrohliche Falle gelockt. Wie schon der erste Band besticht auch „Oxen – Der dunkle Mann“ mit seinen ungewöhnlichen Charakteren – dem traumatisierten Ex-Soldaten Niels Oxen, der beinamputierten Agentin Margrethe Frank und dem anfangs recht zwielichtigen Geheimdienstchef Axel Mossmann, der zunächst mit dem Danehof zu paktieren schien und dem wir erst gegen Ende dieses zweiten Bandes zu vertrauen lernen. Aber dürfen wir dem Autor Jens Henrik Jensen trauen? Immer wieder lockt er uns auf Fährten, die sich später als gefährliche, für einzelne Protagonisten sogar tödliche Irrwege erweisen.Sicher ist die aufwändig inszenierte Handlung leichter zu verfolgen, wenn man den ersten Band schon kennt. Aber auch Neueinsteigern werden die Zusammenhänge Schritt für Schritt verständlich. Auch dies ist ungewöhnlich: Der Autor führt Erstleser nicht gleich zu Beginn des Buches kompakt in die Vorgeschichte ein, sondern immer nur häppchenweise, so wie es gerade in der aktuellen Handlung förderlich ist – mal sind es Erinnerungsbrocken Oxens, mal ein Gespräch Francks mit ihrem Freund oder auch Einblicke in Oxens Personalakte. Die Oxen-Trilogie, die - mit dem Danish Crime Award ausgezeichnet - inzwischen ein Dutzend Länder gekauft haben, erschien im dänischen Original von 2012 bis 2016. Seit Herbst 2017 veröffentlicht der dtv-Verlag endlich die drei Bände im Halbjahres-Turnus. Eine ausgezeichnete Entscheidung des Verlags! Den Vergleich mit Bestsellern bekannterer [skandinavischer] Thriller-Autoren braucht Jens Henrik Jensen keinesfalls zu scheuen. Gerade die Mischung von knallhartem Krimi in Verbindung mit Kritik an Gesellschaft, Wirtschaftssystem und Politik hebt die Oxen-Trilogie auf ungewöhnliche Weise von anderen ab. Jetzt wird es Zeit für den dritten Band „Gefrorene Flammen“, der im August bei dtv erscheinen soll und endlich das Geheimnis um die Führer des mysteriösen und mörderischen Danehof lüftet.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der Fünfzigjährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half

Mikael Bergstrand , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei btb, 11.12.2017
ISBN 9783442715848
Genre: Humor

Rezension:

Wirklich herzhaft lachen, ohne dass dieses Buch gar lächerlich oder banal wäre, darf man guten Gewissens bei der Lektüre des Romans „Der 50-Jährige, der den Hintern nicht hochbekam, bis ihm ein Tiger auf die Sprünge half“ des schwedischen Autors Mikael Bergstrand (57). Es ist nach seinem Bestseller „Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte“ (2014) der zweite Band der überaus humorvollen Trilogie um den etwas phlegmatischen Mittfünfziger Göran Borg, erstmals 2016 auf Deutsch, im Dezember 2017 nun auch als Taschenbuch im btb-Verlag erschienen. Nach seinem einjährigen Aufenthalt in Indien – davon berichtete uns der erste Band – arbeitet der Schwede Göran Borg nun wieder im heimatlichen Malmö, plagt sich mit seiner Midlife-Crisis und seiner an ihm verzweifelnden Psychotherapeutin herum, muss am Arbeitsplatz in der Werbeagentur lustlos über „humorvolle Texte über Prostata und Inkontinenz“ nachdenken, sehnt sich dabei nach Indien zu seinem zehn Jahre jüngeren Freund Yogi zurück, der demnächst die schöne Lakshmi heiraten will, doch seine Hochzeit aus „horoskopiellen Gründen“ immer wieder verschiebt. Schließlich hält es Göran in Schweden nicht mehr aus und fliegt doch spontan ein zweites Mal nach Indien - dieses geheimnisvolle und wunderbare Land mit seinen „drei Millionen Göttern und drei Mal so vielen Inkarnationen von ihnen, 300 Millionen Kühen und 18 offiziellen Sprachen“. So sehr sich dieses asiatische Land mit britisch-kolonialer Geschichte durch seine Kultur, seine Einwohner und deren Lebensart von uns unterscheidet, gelingt es dem Autor auf eine intelligente, humorvolle, leicht spöttische, niemals überhebliche, sondern besonders liebevolle Art, uns Indien und seine Bewohner mit allen Stärken und Schwächen derart nahe zu bringen, dass man beim Lesen selbst versucht ist, wie Protagonist Göran Borg sofort alles stehen und liegen zu lassen und nach Darjeeling aufzubrechen. Denn genau dort nimmt diesmal das Schicksal seines Freundes Yogi und dessen Braut Lakshmi seinen verhängnisvollen und abenteuerlichen Lauf – auf einer heruntergekommenen Teeplantage. Natürlich findet das Abenteuer ein glückliches Ende, an dessen Zustandekommen auch Göran Borg beteiligt ist und dadurch das bröckelnde Selbstbewusstsein des Mittfünfzigers wieder stärkt. In jedem Satz dieses Romans, in jeder Situationsschilderung spürt man die Faszination und Empathie, die Autor Mikael Bergstrand mit Indien verbindet. Immerhin arbeitete er doch selbst seit 2007 vier Jahre lang als Korrespondent in Neu-Delhi, hat also Indien wie kaum ein anderer genau kennenlernen dürfen. Seine Eindrücke und Erlebnisse verarbeitete er seit seiner Rückkehr in dieser Trilogie um den etwas phlegmatischen Göran Borg, wobei gewisse Gemeinsamkeiten des Protagonisten mit dem heute 57-jährigen Autor wohl nicht auszuschließen sind. Diesen zweiten Band kann man auch gut lesen, falls man Band 1 verpasst hat. Doch sollte man keinesfalls im Mai 2018 die deutsche Erstausgabe von Band 3 verpassen. Denn dann kommt Görans indischer Freund Yogi nach Schweden und mischt die kühlen Skandinavier als „Der Apfelblüten-Guru“ auf. Wir dürfen freudig gespannt sein.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(56)

60 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 56 Rezensionen

physik, quantenphysik, j.r. dos santos, einstein, wissenschaft

Der Schlüssel des Salomon

J.R. Dos Santos
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei luzar publishing, 15.03.2018
ISBN 9783946621027
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Mein Urteil zum Roman "Der Schlüssel des Salomon" ist zeigeteilt: Zum einen handelt es sich um einen ziemlich trivialen Krimi, der allein schon in seiner einfachen Sprachform in die untere Schublade der Trivialliteratur gehört. Zum anderen - und das ist der interessantere Teil - geht es um die Erklärung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge, über die man sich selten Gedanken macht, als Laie auch in ihrer Komplexität kaum verstehen kann, hier aber in einfachen Worten erläutert bekommt. Störend ist die Verbindung dieser beiden Handlungsstränge: Während zum Beispiel die CIA den Protagonisten verfolgt, um ihn zu töten, erklärt dieser seiner Freundin in aller Seelenruhe und in allen Einzelheiten naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Diese Kombination erscheint zunehmend albern und unglaubwürdig und zieht den Roman ins Banale. Nun gut, wenn man anspruchslose Unterhaltung zum Feierabend sucht, mag dieser Roman genügen. Ansonsten kann man auf ihn gern verzichten, ohne etwas versäumt zu haben.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

62 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 32 Rezensionen

krimi, rumänien, mord, korruption, einsamkeit

Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

Oliver Bottini
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 30.01.2018
ISBN 9783832197766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Alles beginnt 2011 mit einer Massenkarambolage auf der A19 in Mecklenburg mit elf Todesopfern und endet drei Jahre später mit einem Showdown und drei Toten nahe Temeswar in Rumänien. Dennoch ist der mit dem Deutschen Krimipreis 2018 ausgezeichnete Roman „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ kein typischer Krimi. Der im November im Dumont-Verlag erschienene Roman von Oliver Bottini (47), der als einer der bedeutendsten Krimiautoren Deutschlands gelobt wird und mit inzwischen fünfmaliger Auszeichnung auf den Deutschen Krimipreis abonniert zu sein scheint, ist eher eine spannende, gleichsam berührende, vor allem beklemmende Mischung aus Politthriller, Gesellschaftsroman und Krimi. Es geht um die negativen Auswirkungen großflächig betriebener Landwirtschaft, um Globalisierung, um die Auswüchse des Kapitalismus: Sowohl im Osten Deutschlands als auch in Rumänien gehört der einfache Mensch wieder zu den Verlierern. Der Autor versteht es ausgezeichnet, den Wechsel sowohl vom kommunistischen System der DDR als auch dem diktatorischen Ceaușescu-Regime Rumäniens in ein demokratische Staatssystem zu analysieren. Das Ergebnis seiner Analyse ist niederschmetternd: „Da hatten sie für die Demokratie gekämpft und den glitzernden Kapitalismus bekommen – und gaben sich damit zufrieden“, zieht der rumänische Kriminalkommissar Ioan Cozma resigniert sein Fazit. Denn im Grunde hat sich hier wie dort kaum etwas geändert: In Rumänien wie in Ostdeutschland sitzen die alten Funktionäre und Eliten noch immer an den Hebeln der Macht oder sie wurden durch Großkonzerne ersetzt. "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" zeigt die Dramatik der Globalisierung, den Ausverkauf des eigenen Landes an internationale Agrarkonzerne und die sich daraus ergebenden Folgen. Bottini schildert eindringlich den Überlebenskampf des "kleinen Mannes" in Ostdeutschland und Rumänien nach der Wende, erzählt von Trauer und Leid und von Menschen, die trotz erlittener Tragödien und aller Ohnmacht immer noch den Mut aufbringen, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Bottinis Roman scheint durchgängig von Hoffnungslosigkeit und Trauer geprägt: Maik Winter verliert bei der Massenkarambolage auf der A19 die Ehefrau und beide Kinder, er bleibt allein zurück und versucht, in Rumänien bei seinem Jugendfreund Jörg Marthen sich ein neues Leben aufzubauen. Landwirt Marthen, dessen Familie im mecklenburgischen Prenzlin nach der Wende durch betrügerische Machenschaften ein zweites Mal um ihr Eigentum gebracht wurde, hat sich in Westrumänien sein Neu-Prenzlin aufgebaut. Doch andere wollen das Land und lassen seine Tochter Lisa ermorden, um Marthen gefügig zu machen oder aus Rumänien zu vertreiben. Letztlich verkauft Marthen seine rumänischen Ländereien an einen arabischen Großkonzern und baut sich in Mecklenburg eine neue Existenz auf. Bei aller Hoffnungslosigkeit schimmert erst am Ende des Romans doch noch der Glaube an Gutes und an Menschlichkeit durch. „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist ein Roman mit starker Nachhaltigkeit: Auch wenn das letzte Kapitel längst gelesen ist, lässt einen das Buch noch lange nicht los ….

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

liebe, bangladesch, arbeiterad, b angladesh, adoption

Die letzte wahre Geschichte

Tahmima Anam , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 463 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 12.02.2018
ISBN 9783458363255
Genre: Romane

Rezension:

Eine gefühlvolle Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden höchst unterschiedlichen Kulturkreisen USA und Bangladesh bewegt, ist der im Februar im Insel-Verlag erschienene Roman „Die letzte wahre Geschichte“ der in Bangladesh geborenen und heute in London lebenden Autorin Tahmima Anam (42). Dieser – nach „Zeit der Verheißungen“ und „Mein fremder Bruder“ – dritte Roman der mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerin beschreibt die Suche nach der eigenen Identität, um dem Leben eine Richtung und einen Sinn geben zu können. Die junge Paläontologin Zubaida aus Bangladesh verliebt sich in Harvard in den Amerikaner Elijah, heiratet jedoch aus Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie und den familiären Traditionen ihren Jugendfreund Rashid. So lebt Zubaida zunächst ein völlig fremdbestimmtes Leben, an dem sie völlig zugrunde zu gehen droht. Erst im späteren Verlauf der Handlung trifft sie Elijah wieder. Endlich besinnt sie sich auf sich selbst und beginnt, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen. Schließlich muss sie erfahren, als Baby adoptiert worden zu sein, weshalb sie sich auf die Suche nach ihren wahren Wurzeln, ihrer wahren Identität macht. „Die letzte wahre Geschichte“ lässt die Autorin ihre Protagonistin in Ich-Form erzählen – wohl nicht zuletzt deshalb, weil Tahmima Anam, die in Dhaka geboren, aber in Paris, New York und Bangkok aufgewachsen ist und an der Harvard University studiert hat, in diesem Roman zweifellos autobiographische Erfahrungen und Erlebnisse eingearbeitet hat. An manchen Stellen verliert sie sich vielleicht gerade deshalb allzu sehr in – zumindest für deutsche Leser – eher unbedeutende Kleinigkeiten, wodurch ihr Roman gelegentlich etwas langatmig wirkt. Andererseits ist dieser Gegensatz und Widerstreit zweier Kulturen überaus gefühlvoll, verständnisvoll und sehr tiefgehend geschildert, so dass der Leser viel über das Leben in Bangladesh, dessen Zweiteilung in eine wohlhabende Oberschicht und eine in armen, wenn nicht gar elenden Verhältnissen lebende Unterschicht erfährt. Alles in allem ist „Die letzte wahre Geschichte“ ein interessanter, durchaus lesenswerter Roman – wenn man als deutscher Leser bereits ist, sich dieser fremden Kulturlandschaft im ärmsten Land unserer Welt zu öffnen.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(51)

70 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

kurzgeschichten, strafe, ferdinand von schirach, fesselnd, justiz

Strafe

Ferdinand von Schirach
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 05.03.2018
ISBN 9783630875385
Genre: Romane

Rezension:

Es scheint völlig gleichgültig zu sein, in welcher literarischen Form der deutsche Schriftsteller Ferdinand von Schirach (54) seine juristischen und philosophischen Gedanken zu Papier bringt: Es werden immer Bestseller! Nach den beiden Romanen „Der Fall Collini“ (2011) und „Tabu“ (2013), seinem Essay-Band „Die Würde ist unantastbar“ sowie seinem viel beachteten Theaterstück „Terror“ (2015) kam nun endlich wieder nach „Verbrechen“ (2009) und „Schuld“ (2010) ein dritter Band mit Kurzgeschichten „Strafe“ im Februar beim Luchterhand-Verlag heraus. Gerade einmal 190 Seiten stark, in großer Typographie, in wenigen Stunden leicht zu lesen, haben diese zwölf Erzählungen in ihrer Tiefgründigkeit mehr Aussagekraft als mancher dicke Roman. In bewährter Erzählweise, in kurzen Sätzen, ohne ein schmückendes Wort zuviel, geht es in „Strafe“ um die Frage, was eigentlich Wahrheit bedeutet, und um die Persönlichkeitsbildung der unterschiedlichen Figuren – oder um uns selbst: Wie wurden wir, wer wir sind? Wie in den zwei Vorgängerbänden gibt es bei Schirach auch in „Strafe“ keine guten und keine bösen Menschen. Oft sind die vermeintlichen Täter schicksalsbedingt eher Opfer, wie Schirach in seiner früheren Laufbahn als Strafverteidiger wohl wiederholt hat feststellen müssen. Es sind gerade diese philosophischen Gedanken um die Lebenswege seiner doch so normal-menschlichen Protagonisten, die Schirachs Bücher von den Werken anderer Autoren maßgeblich unterscheiden. Man spürt in seinen Erzählungen, wie der Jurist seine Figuren für ihre Handlungen bis hin zu Mord und Totschlag niemals verurteilt, sondern mit ihnen fühlt, ihr Handeln wenn nicht entschuldigt, so zumindest verstehen kann. Er erzählt in diesen zwölf Geschichten von Einsamkeit und Fremdheit, vom Streben nach dem kleinen Stückchen Glück, das sich doch jeder von uns im Leben wünscht, und über das klägliche Scheitern dabei. Auch in Schirachs drittem Erzählband geht es also nicht um die geschilderten Kriminalfälle - manchmal sind es nicht einmal solche. Sondern es geht in den zwölf Geschichten um uns, die Menschen und ihre Schicksale, ihre Sehnsüchte und Leiden. Sicher wird auch „Strafe“ im Buchhandel wieder zu einem Mega-Bestseller hochgepriesen. Doch unabhängig davon: Liebhaber guter Literatur sollten sich diesen Erzählband keinesfalls entgehen lassen. Wer noch kein Schirach-Fan ist, dürfte durch diese Lektüre einer werden.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(83)

193 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

musik, vinyl, liebe, freundschaft, plattenladen

Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie

Rachel Joyce , Maria Andreas
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 29.12.2017
ISBN 9783810510822
Genre: Romane

Rezension:

Es war einmal ein Plattenladen. So beginnt die märchenhafte Geschichte um „Mister Franks fabelhaftes Talent für Harmonie“ der britischen Schriftstellerin Rachel Joyce (56), die im Dezember beim Verlag Fischer Krüger erschien. Wie schon in ihrem Erstlingswerk „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ist auch dieses Buch wieder eine Liebeserklärung an Außenseiter, die inmitten einer oft gnadenlosen Gesellschaft trotz eigener Schwächen ihr Leben zu meistern versuchen. Vor allem aber ist dieser Roman eine Liebeserklärung an die Musik in all ihrer Stimmungsvielfalt. Wir lernen Frank kennen, den jungen Inhaber eines kleinen Schallplattenladens in einer verkommenen Sackgasse einer vergessenen Ecke der Großstadt, der sich dem Zeitenwandel widersetzt, moderne CDs und Kassetten verachtet. Auch die Bewohner ringsum und die benachbarten Ladenbesitzer hadern mit dem Mainstream der Moderne. Da ist die schroffe Maud mit ihrem Tattoo-Studio, Pater Anthony mit seinem Devotionalienhandel und die Williams-Zwillinge vom Bestattungsinstitut. Sie bilden die kleine Gemeinschaft der Unity Street. Ihnen und vielen anderen hat Frank mit seiner besonderen Gabe schon helfen können: Er hört in seinen Kunden, welche Musik sie brauchen, um glücklich zu sein. So hilft er „dem Mann, der nur Chopin mochte“ mit dem Gesang Aretha Franklins. Frank sortiert seine Platten nicht alphabetisch, sondern nach Stimmungen. Er macht keinen Unterschied zwischen Klassik und Jazz, Pop und Punk: Gut ist, was gut tut. Doch die Harmonie in der Gemeinschaft der Unity Street wird durch Dissonanzen getrübt: Nicht nur, dass geldgierige Immobilienhaie Haus für Haus aufkaufen und sich die Bewohner der systematischen Zerstörung nicht erwehren können. Eines Tages steht eine Fremde vor Franks Schaufenster, Ilse Brauchmüller, eine junge Deutsche im grünen Mantel, mit grüner Handtasche und grünen Handschuhen. Frank verliebt sich unsterblich, ist aber völlig hilflos: Er kann nicht hören, welche Musik in ihr klingt. Joyce' neuer Roman liest sich wie Musik: Nach ruhigem Anfang, in dem uns die Figuren mit ihren eigenwilligen Macken vorgestellt werden, wird es im zweiten Satz schneller und lauter, die Immobilienhaie treten auf, erste Ladenbesitzer schließen, Ilse Brauchmann bringt die bisherige Harmonie durcheinander, Maud reagiert eifersüchtig. Dieser zweite Satz endet mit turbulentem, verstörendem Finale. Nach 20 Jahren beginnt der dritte Satz, langsam, um schließlich in Händels vielstimmigem Halleluja harmonisch zu enden. „Das Leben ist scheiße, aber es passt in eine Sonate!", hatte schon Franks Mutter gewusst. Rachel Joyce lässt uns in ihrer sehr liebevoll erzählten Geschichte an Franks wechselvollem Leben teilhaben. Ja, manchmal gleicht der Roman wirklich einem Märchen. Aber er tut wohl - wie gute Musik.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ein zufälliger Tod

Maurizio de Giovanni , Judith Schwaab
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.12.2017
ISBN 9783442484164
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als „historische Kriminalromane der besonderen Art“ darf man wohl Mauricio de Giovannis Reihe um seinen einsamen Commissario Ricciardi im Neapel der 1930er Jahre zur Zeit des italienischen Faschismus bezeichnen. Seit bald zehn Jahren wird sie in chronologisch unregelmäßiger Folge in deutscher Erstausgabe veröffentlicht. Im Dezember erschien nun beim Goldmann-Verlag mit „Ein zufälliger Tod“ der vierte Fall, der bereits vor acht Jahren unter dem Titel „Il giorno dei morti“ in Italien ein Bestseller war. Mauricio de Giovanni (60) gilt aktuell als einer der erfolgreichsten Kriminalautoren seines Landes, dessen Bücher mehrfach ausgezeichnet wurden und in zahlreiche Sprachen übersetzt werden. Ricciardis vierter Fall, „Ein zufälliger Tod“, spielt im regnerischen Oktober 1931. Der Waisenjunge Matteo ist durch Rattengift gestorben. Alles sieht nach einem unglücklichen Unfall aus, da der ausgehungerte Straßenjunge den vergifteten Köder wohl irrtümlich gegessen haben. Die Polizeibehörde ist an der Verfolgung dieses scheinbar geklärten Falles nicht interessiert, zumal der Besuch Mussolinis in Neapel ansteht und die Stadt einen ordentlichen, verbrechensfreien Eindruck machen soll. Doch Commissario Ricciardi, der die Gabe des „zweiten Gesichts“ hat, vermutet mehr hinter dem Tod des Straßenjungen. Er nimmt sich ein paar Tage Urlaub und ermittelt auf eigene Verantwortung, unterstützt von seinem treuen Brigadiere Maione. Natürlich ist dieser Roman vordergründig ein historischer Krimi, doch steckt weit mehr dahinter. Er schildert die Zeit des politischen Umbruchs in Italien, die beginnende politische Unsicherheit in der Bevölkerung, seine Meinung nicht mehr offen äußern zu dürfen. Wir erleben den Beginn des diktatorischen Überwachungsstaates und die unsichtbare Herrschaft des allmächtigen und allgegenwärtigen Geheimdienstes. Das Kernthema dieses Romans ist aber die facettenreiche Schilderung der verschiedenen Arten und Ausformungen von Liebe, die der Autor am Beispiel seiner Figuren eindrücklich beschreibt. Da gibt es die zärtlich-romantische Liebe, die mütterliche Liebe, die Selbstverliebtheit, die enttäuschte Liebe und die zerstörerische Liebe. Es gibt aber auch die vorgetäuschte Liebe, die Liebe zum Geld und zur Macht. Und es gibt die Verkehrung der Liebe – den Hass. Wer in Giovannis Roman „Ein zufälliger Tod“ nur einen knallharten Krimi erwartet, wird enttäuscht werden. Denn in so manchem Kapitel geht es überhaupt nicht um den Mordfall, sondern wir erfahren viel über den Charakter, das Denken, Fühlen und Leben der handelnden Figuren. Commissario Ricciardis Ermittlungen bilden vielmehr eine Art roter Faden. Wer sich als Leser dessen bewusst ist, wird an Mauricio de Giovannis Roman vor allem seine Poesie schätzen (Dank an Übersetzerin Judith Schwaab!). In diesem Wissen spielt dann auch die allzu überraschende Aufklärung des Kriminalfalles eine eher untergeordnete Rolle.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

bären, bärenjagd, das, des, dolomiten

Das Fell des Bären

Matteo Righetto , Bruno Genzler
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Blessing, 13.11.2017
ISBN 9783896675996
Genre: Romane

Rezension:

Ungemein beeindruckend und tiefgründig ist der fast einer klassischen Novelle gleichende, gerade einmal 160 Seiten starke Roman „Das Fell des Bären“ von Matteo Righetto (45), im November vom Verlag Karl Blessing herausgegeben. Es ist das erste in deutscher Übersetzung veröffentlichte Werk dieses italienischen Literaturdozenten, das bereits 2013 im Original erschien und 2016 verfilmt wurde. Wie der Titel vermuten lässt, geht es im Buch um etwas Großes, um ein Abenteuer, wie es der Schuljunge Dominico anfangs vermutet - nicht ahnend, dass es letztlich ums Ganze geht: um Sieg oder Niederlage, um Leben und Tod. Der Zwölfjährige lebt allein mit Vater Pietro, einem armen Tischler, in einem kleinen Bergdorf in den Dolomiten, die Mutter starb vor zwei Jahren. Seitdem ist der Vater verbittert, in sich gekehrt, spricht kein Wort mit dem Sohn, der sich nach väterlicher Liebe sehnt, sondern verbringt seine Freizeit in der Kneipe, auch dort am Tresen einsam. Domenico ist intelligent, ein strebsamer Schüler, aber als Streber in der Klasse ebenso ein Außenseiter wie es sein Vater als Eingeheirateter in der Dorfgemeinschaft noch nach Jahren geblieben ist. Als sich Pietro eines Tages entschließt, gemeinsam mit seinem Sohn einen in den Bergwäldern lebenden gewaltigen Bären zu erledigen, der den Talbewohnern zu einer Gefahr und zum Mythos geworden ist, beginnt für Domenico ein vermeintliches Abenteuer, mit dem er glaubt, nach erfolgreichem Abschluss seiner heimlich verehrten Schulfreundin als „Bärentöter“ imponieren zu können. Doch mit jedem Schritt der beiden Männer weg vom Dorf und hinein in die fast unberührte Wildnis entwickelt sich Righettos Erzählung – neben beeindruckenden Beschreibungen der faszinierenden Bergwelt – zu einer berührenden und schließlich dramatischen Vater-Sohn-Beziehung. Der griesgrämige und unnahbare Witwer erwacht wieder zum gefühlvollen Vater, umsorgt seinen Sohn fürsorglich, erzählt ihm aus glücklichen Jahren mit der Mutter und bringt ihm das Jagen bei. Der Zwölfjährige ist dankbar für dieses unerwartete Vertrauen, wird auf dieser Expedition binnen weniger Tage zum Mann und kehrt schließlich nach gefährlichem Abenteuer als Ehrenretter seines Vaters ins Dorf zurück. „Das Fell des Bären“ ist eine poetische Geschichte, die trotz ihrer Handlungsbeschränkung nur auf Vater und Sohn ungeheuer atmosphärisch und vielschichtig wirkt. Der Roman beeindruckt schon durch die ungewöhnliche Szenerie der Dolomiten, vor allem aber durch die Schilderung des Geschehens aus Sicht des Zwölfjährigen. In der schlichten Sprache seines Buches verbindet Autor Righetto die kindliche, noch unschuldige Sichtweise des Zwölfjährigen mit den schlichten Lebensumständen der ärmlichen Bergregion. Alles in allem ist „Das Fell des Bären“ ein ungewöhnlicher, auch spannender, dabei tiefsinniger Roman, der nicht nur von Erwachsenen gelesen werden sollte, sondern durchaus auch für Jugendliche interessant sein dürfte.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Frau von gegenüber

Herrad Schenk
Flexibler Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 13.11.2017
ISBN 9783458363118
Genre: Romane

Rezension:

Ein Roman voller Lebenserfahrung ist Herrad Schenks (70) aktueller Roman „Die Frau von gegenüber“, der im November als Taschenbuch im Insel-Verlag erschien. Mit großer Einfühlungsgabe und Intensität analysiert die Sozialwissenschaftlerin und Sachbuchautorin in durchaus lockerem, deshalb leicht lesbarem Stil die Beziehungen und Abhängigkeiten ihrer Protagonisten innerhalb der Familien und Freundeskreise. Da gibt es einerseits Rüdiger Wolters, der seit dem Tod seiner Frau und seiner Emeritierung ohne Aufgabe und Verantwortung mit seinem Leben nichts mehr anzufangen weiß. Auch der Kontakt zu seinem Sohn und dessen Familie gestaltet sich schwierig und wird immer schwächer. Einsam in seiner Etagenwohnung beobachtet er nun das Leben unter sich auf der Straße und in den Wohnungen im Haus gegenüber. Dort lebt Rentnerin Irene Voigt, der es erst nach dem Tod ihres Mannes wieder gelungen ist, ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Nicht dass sie sich als vom Ehemann umsorgte Ehefrau unglücklich gefühlt hätte, nur hatte sie sich zeitlebens untergeordnet. Erst jetzt im Alter entdeckt sie ihr eigenes Ich wieder neu, hat sich einen neuen Kreis von Freundinnen aufgebaut und beginnt, ihre Freiheit zu genießen - wenn nur nicht die erwachsenen Kinder sie mit ihren Eheproblemen belasten würden. Doch nicht Irene Voigt ist die im Titel gemeinte „Frau von gegenüber“, wie man anfangs meinen könnte, sondern erst später die etwa 40-jährige, unverheiratete Frau mit Sohn und Baby, die in die Wohnung unter Irene Voigt einzieht und das Leben der beiden Alten unerwartet verändert. Das Interessante an diesem Roman ist die nur auf zwei Wohnungen begrenzte Handlung, die man sich auch als Kammerspiel auf einer Theaterbühne vorstellen kann. Dennoch gelingt es Herrad Schenk eine Dramatik und Spannung zu erzeugen, die sich – gleich der im Buch beschriebenen Wetterlage – nach einem viel zu heißen und lähmenden Sommer endlich in einem ungewöhnlich starken und klärenden Gewitter entlädt. Der mit nur 235 Seiten recht kurze Roman gibt einen treffenden Einblick in das Generationen trennende, aber auch generationenübergreifende Leben unserer Gesellschaft, in die unterschiedlichen Lebensanschauungen und -auffassungen dreier Generationen, erwachsen aus eigenem Charakter, aus Erziehung, gesellschaftlichen Zwängen und Lebensumständen. „Die Frau von gegenüber“ ist ungemein lebensnah geschrieben, so dass man nicht nur vermuten darf, dass die 70-jährige Autorin Selbsterlebtes im Roman verarbeitet hat, sondern dass sich auch der eine oder andere Leser gelegentlich ertappt fühlen dürfte.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(87)

136 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 76 Rezensionen

thriller, künstliche intelligenz, dystopie, holografie, digitale gehirne

Hologrammatica

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051490
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Viele Leser kennen den Schriftsteller Tom Hillenbrand (46) vielleicht nur durch seine humorvollen Krimis um den Luxemburger Koch Xavier Kieffer, der außerhalb seines Sterne-Restaurants Verbrecher jagt und mysteriöse Rätsel löst. In eine völlig andere Welt entführt uns Hillenbrand mit seinen Wissenschaftskrimis um die Allmacht künstlicher Intelligenz. Nach „Drohnenland“ (2014) erschien im Februar sein zweiter SciFi-Krimi „Hologrammatica“, der den Leser wirklich bis zur letzten Seite zu packen versteht. Nicht etwa in weit entfernter Zukunft in unbekannter Galaxie, sondern in erschreckend nächster Zukunft spielt „Hologrammatica“ mitten in Europa. Es ist das Jahr 2088, statt der EU gibt es EURUS mit der Hauptstadt Sankt Petersburg, ein Umschlagplatz für die Siedlertrecks nach Sibirien. Denn die Erderwärmung ist weit fortgeschritten, das Eis an den Polen geschmolzen, Miami und andere Küstenstädte sowie Inseln wie die Malediven sind unter Wasser. Die Erdbevölkerung ist durch eine Pandemie halbiert, der Alltag nur mehr Schein als Sein, denn die Menschen leben in einer durch Holonets vorgetäuschten Welt, in der das wahre, schmutzige Bild von Straßen und Häusern durch Hologramme verschönt wird. Menschliche Gehirne können gescannt und in fremden Körpern hochgeladen werden, so dass man in der Öffentlichkeit in seinem Wunschkörper auftreten kann. Alles scheint in dieser hochtechnisierten Welt möglich. Nur die Suche nach der Unsterblichkeit des Menschen blieb bisher ohne Ergebnis. Kann künstliche Intelligenz dieses Problem der Menschheit lösen? Wollen wir Menschen aber dafür die Kontrolle an uns überlegene elektronische Superhirne abgeben. Im Roman begleiten wir den aus Bengalen stammenden Londoner Galahad Singh, als Quästor eine Art Privatdetektiv, auf der Suche nach der vermissten Computerexpertin Juliette Perotte. Trotz aller Spannung und beängstigenden Visionen bleibt Hillenbrand auch in diesem Roman dem aus seinen kulinarischen Krimis bekannten Sinn für Humor treu. In dieser hochcomputerisierten Scheinwelt präsentiert er uns ausgerechnet den so unvollkommenen Protagonisten, der statt eines digitalen Hirns noch immer seine menschlichen grauen Zellen nutzt. Überhaupt ist in dieser scheinbar so perfekten Welt, in der man mit Überschallgeschwindigkeit fliegt und mit einem Spacelift zu einem Asteroiden-Gürtel übersetzen kann, nicht alles perfekt: Der Automatenkaffee im Büro schmeckt immer noch miserabel. „Hologrammatica“ ist kein typischer Sci-Fi-Roman, sondern eher ein spannender Krimi, der in allzu naher Zukunft spielt, weshalb er auch von SciFi-Verweigerern gelesen werden darf. Aber irgendwie verunsichert der Roman doch, irgendwie fühlt man sich an George Orwells „1984“ erinnert, der ja auch 1948 in seinem Klassiker eine allzu nahe Zukunft beschrieb: Könnte nicht doch vieles bald Wirklichkeit sein – und die eigenen Enkel könnten es noch erleben? Gerade diese zeitliche Nähe ist faszinierend. Es mag ja sein, dass nicht alle Phantasien des Autors wahr werden, manche auch zugunsten der Spannungskurve überzeichnet sein mögen. Aber die eine oder andere Idee könnte doch vielleicht wirklich ….

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(125)

232 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

schweden, mörder, humor, kirche, religion

Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

Jonas Jonasson , Wibke Kuhn
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei carl's books, 07.04.2016
ISBN 9783570585627
Genre: Romane

Rezension:

Herrlich skurril und komisch ist auch der dritte Roman „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ (2016) des schwedischen Bestseller-Autors Jonas Jonasson (56), der 2016 bei carl's book als Hardcover und im September 2017 beim Penguin-Verlag als Taschenbuchausgabe erschien. Nach dem unvergleichlichen Erfolg seines auch verfilmten Erstlingswerks „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (2011) und dessen Folgeband „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ (2013) ist dies nun Jonassons dritter Roman in ähnlicher Erzählweise. Und wie bei allen Serien besteht auch hier die Gefahr der Routine und Gleichförmigkeit und beim Leser die Gefahr der Langeweile. Doch dem Schweden ist es tatsächlich noch einmal gelungen, auch mit diesem dritten Buch wieder zu begeistern. Vielleicht war auch der große zeitliche Abstand zu den Vorbänden ein Vorteil. Allein schon die Handlung und Jonassons anfangs dumm erscheinende, dann doch gewitzte Protagonisten lassen schmunzeln, sofern man nicht alles allzu ernst und wörtlich nimmt. Natürlich ist es im wörtlichen Sinne überhaupt nicht komisch, wenn Johanna, die gottlose und ständig fluchende Pfarrerin, und Per, der mit Gott und der Welt unzufriedene Rezeptionist eines zu einer Billigpension umgewandelten Billigbordells, gemeinsam mit dem brutalen Mörder Anders eine Knochenbrecher GmbH gründen, um mit Auftragsmorden reich zu werden. Doch Jonassons Figuren sind derart skurril und überzeichnet, andererseits so liebevoll beschrieben, dass man ihnen nicht wirklich böse sein kann. Im Gegenteil: Gerade im zweiten Teil des Romans, wenn alle drei, nachdem Mörder Anders zum Entsetzen seiner Geschäftspartner aus purem Zufall ein gottesfürchtiger Mann geworden ist, blitzschnell aus ihrer geschäftlichen Not eine „Tugend“ machen und ihre eigene Kirchengemeinde gründen, wird aus humiriger Fiktion fast traurige Realität, der Witz des Autors wandelt sich in Sarkasmus: Kennen wir doch alle jene Sekten unserer Welt, die tatsächlich nichts anderes im Schilde führen, als ihren Anhängern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wie wollen wir es da dem vom Schicksal benachteiligten Pärchen Johanna und Per verübeln, dasselbe zu versuchen, um auch ein kleines Stück vom Glückskuchen abzubekommen? Man gönnt ihnen fast den Erfolg, wenn ihre Mitmenschen doch so dumm sind. Vordergründig mit Witz, aber hintergründig voller Sarkasmus verspottet der schwedische Autor so manche Fehlentwicklung unserer Gesellschaft, kritisiert unseren überzogenen Bürokratismus und überzeichnet menschliche Eigenarten, die uns so vertraut sind, bis ins Lächerliche. Andererseits erscheinen Jonassons Figuren aber doch so liebenswert, dass man weder dem Autor noch seinen Charakteren böse sein kann - selbst wenn sie morden. „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ ist trotz des absurd langen Buchtitels ein überaus kurzweiliger Roman, der seinen Leser oft zum Schmunzeln bringen kann - vorausgesetzt, der Leser hat Sinn für Nonsens oder zumindest ein Fünkchen Humor.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

gesellschaftskritik, interessant, kindheitserlebnis, mallorca, spanien.

Hotel Laguna

Alexander Gorkow
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462051162
Genre: Biografien

Rezension:

Ein sehr kluges, oft sentimentales, meist aber heiteres Buch sind die im August 2017 beim Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlichten Erinnerungen des mit Preisen ausgezeichneten Journalisten Alexander Gorkow (51) an das „Hotel Laguna“ auf Mallorca. „Meine Familie am Strand“, wie der Untertitel lautet, ist eine überaus unterhaltsame, zum Lachen animierende, stellenweise doch auch nachdenklich stimmende Mischung aus Familiensaga, Autobiographie, Reisebericht und Liebesroman – eine Liebeserklärung an die liebste Ferieninsel der Deutschen, insbesondere an die Bucht des Dorfes Canyamell und das 1963 direkt am Strand gebaute Hotel Laguna. Nicht chronologisch, sondern dem jeweiligen Thema angepasst, springt der Autor zwischen Kindheitserlebnissen und Gegenwart hin und her. 1967 stand der damals Einjährige zum ersten Mal mit Eltern und Schwester an dieser Bucht mit türkisblauen Wasser – nein, er stand nicht, sondern saß auf dem Arm seines Vaters. Damals konnte sich die Familie das neue Strandhotel nicht leisten und wohnte in der benachbarten Pension. Bis zu Gorkows 14. Lebensjahr verbrachte die Familie dort alljährlich ihre Urlaubswochen. Nach Jahrzehnten der Abwesenheit kehrt nun der einst kleine Alexander, inzwischen selbst Vater einer siebenjährigen Tochter, nach Canyamel auf die „Insel der überfahrenen Kaninchen“ zurück und wohnt endlich in seinem Traumhotel Laguna. Täglich paddelt er „mit dem Kajak weit heraus aus der Kindheitsbuch – und wieder zurück.“ Und so wechseln sich in Gorkows Buch gegenwärtige Beobachtungen mit Versatzstücken der Erinnerung ab - manchmal ironisch, manchmal sarkastisch, manchmal voller Liebe kommentiert. Wir lernen Gorkows Eltern in den 1960ern kennen, ein vom Krieg gebeuteltes Ehepaar, das sich in den Jahren des Leids und der Entbehrungen nicht hat unterkriegen lassen und jetzt die Urlaubswochen genießt. Wir erfahren die Unterschiede, wie man vor 50 Jahren Ferien machte, als man noch im Flugzeug rauchen durfte, und wie es heute mit Sichtung von Bewertungsportalen und Jagd nach Schnäppchen sowie der Suche nach Erlebnissen am Urlaubsort mehrheitlich üblich zu sein. War der Urlaub früher schöner? Es war eine andere Zeit: „Die alte Telefonzelle neben dem Laguna ist jetzt eine Telefonhaube. Sie war sinnvoll, jetzt ist sie sinnlos. Die Drachenhöhlen in Porto Christo waren eine halb rustikale, halb wirre Attraktion. Heute sind die Drachenhöhlen eine auf der ganzen Insel beworbene Fun-Explosion, nur sind es halt immer noch Höhlen.“ Damals war man noch Gast bei Gastgebern, es „machten „Menschen auf Mallorca Urlaub, keine Zielgruppen“. Gerade die aus der Sicht des Erwachsenen geschilderten Kindheitserlebnisse lassen beim Lesen schmunzeln, erinnert doch der Vater irgendwie an Loriots „Papa ante portas“. Jahrzehnte sind vergangen, der Vater inzwischen gestorben. Jetzt steht der erwachsene Sohn an seiner Stelle: „Ich habe mich im Meer in die Spur meines Vaters gelegt, und diesen Weg bin ich nun allein geschwommen.“ Alexander Gorkows „Hotel Laguna“ ist ein Buch der Erinnerung und des Vergleichens, ein Buch für zwei Generationen – nicht nur, aber besonders für Mallorca-Fans. Und so manches Mal wird man an die eigenen Ferien mit den Eltern erinnert - oder als inzwischen Erwachsener an die Urlaube mit eigenen Kindern.

  (0)
Tags:  
 
130 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.