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96 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

drachen, magie, panther, götter, rezension

Drachenhaut

Frances G. Hill
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 01.07.2012
ISBN 9783760784533
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Götter liegen im Wettstreit: der listige Naga fordert die anmutige Peri Banu zu einer Wette heraus. Ein Teil dieser Wette ist, dass er den Prinzen Massinissa, den Sohn des ebenso mächtigen wie grausamen Shâyas und gleichzeitig das Patenkind der Peri Banu, mit einem Fluch belegt. So fristet der Prinz die eine Hälfte des Monats in der Gestalt eines gefährlichen Werpanthers, die zweite Hälfte dagegen als verwachsener, kamelähnlicher Zwerg. Nur ein Tag im Monat bleibt ihm, an dem er ganz Mensch ist: Dunkelmond.

Lilya wächst als Waise im Haushalt ihres Großvaters auf, dem mächtigen Beg und Magier Kobad. Von den meisten anderen Familienmitgliedern wird das Mädchen wegen ihrer dunklen Haut und ihrer rätselhaften Brandnarben gemieden und zudem werden üble Gerüchte über sie in Umlauf gebracht. Nur ihr Großvater Kobad kümmert sich um sie und gewährt ihr mehr von seiner kostbaren Zeit als jedem anderen Mitglied der Familie – was wiederum Neid auf Lilya heraufbeschwört. Und dann ist da noch ihre liebevolle Amme Ajja, die Lilya liebt wie eine Tochter. Dennoch fühlt sie sich sehr einsam und sie verlässt nur selten das Haus.

Bis sie eines Tages bei einem Basarbesuch auf Den Naga und den Werpanther Amayyas trifft. Eine Begegnung, die ihr Leben in der folgenden Zeit ordentlich durcheinanderwirbelt. Bald weiß sie kaum mehr, wer sie ist und wo sie wirklich hingehört…

Frances G. Hill (Susanne Gerdom) entführt ihre Leser diesmal in eine märchenhaft-orientalisch wirkende Welt, die sie bildhaft und lebensnah vor dem inneren Auge des Lesers entstehen lässt. Ihre Sprache und ihr Stil sind wie immer geschliffen und ausgefeilt, grazil und atmosphärisch und dennoch sehr schnell und angenehm zu lesen.

Wir tauchen in eine Welt mit ausgefeiltem magischen System und vielen interessanten und faszinierenden Figuren ein, so dass es schwer fällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen.
Die Charaktere sind sehr tiefgründig, facettenreich und einfühlsam gezeichnet und laden den Leser ein mit ihnen zu leiden, um sie zu fürchten und sich mit ihnen zu freuen. Die Hauptfigur Lilya ist sehr interessant und voller Geheimnisse, wobei sich einige davon auch ihr selbst erst im Laufe der Geschichte enthüllen. Hier ist der Leser hautnah dabei und hat so Gelegenheit, eine sehr interessante Entwicklung zu verfolgen. Ein tragender Aspekt des Romans ist die Selbstfindung der Hauptfigur, das Finden einer eigenen Identität, da ihr das gewohnte Leben gründlich auf den Kopf gestellt wird.

Auch die Entwicklung des Prinzen Massinissa kann sich durchaus sehen lassen. Seinen langen und tragischen Leidensweg durch den Fluch stellt die Autorin sehr eindringlich und gekonnt dar. Auch er hat nur eine richtige Bezugsperson, nämlich den Obersteunuchen Aspantaman, der ihn liebt wie einen Sohn. Die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden hat mich sehr berührt.
Daneben wartet das Buch mit zahlreichen weiteren liebenswerten, teilweise aber auch hassenswerten, Nebenfiguren auf, von denen jeder einen neuen interessanten Aspekt mit ins Buch bringt und die so manche Überraschung für den Leser bereithalten.

Der Plot strotzt vor Einfallsreichtum und schönen Ideen, der Spannungsbogen bleibt konstant hoch und insbesondere Der Naga sorgt immer wieder für auflockernde, humorvolle Elemente in der Geschichte. In der Mitte des Buches kommt durch einen Standortwechsel Lilyas noch einmal so richtig Schwung in die Geschichte und der Leser lernt gemeinsam mit Lilya nochmals eine Reihe toller Charaktere kennen.
Auch der Schluss ließ mich sehr zufrieden zurück, denn alle wichtigen Fragen und Konflikte wurden geschickt und zufriedenstellend aufgelöst.

Fazit: „Drachenhaut“ ist ein fantasievoller und spannender Fantasy-Roman, den ich nur wärmstens weiterempfehlen kann.

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40 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

vampire, drachen, maya, weltuntergang, magie

Last days on Earth

Julian Frost
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Piper, 16.04.2012
ISBN 9783492702553
Genre: Fantasy

Rezension:

Julian Frost, übrigens ein Pseudonym der Autorin Susanne Gerdom, legt hier einen phantastischen Kriminalroman mit Science Fiction-Elementen vor, der mich die ganze Strecke hindurch fesseln konnte.

Die Kriminalermittlerin Karla van Zomeren, eine Weiße Hexe, untersucht eine Serie von Diebstählen, bei denen mehr oder weniger wertvolle Bücher entwendet wurden, zumeist Sammlerstücke. Sie alle haben eine Thematik gemeinsam: den Weltuntergang. Im Zuge der Diebstähle wurden zwei Morde begangen, die seltsamerweise nicht in den Akten der Polizeiinstitute auftauchen. Karla ahnt schnell, dass dieser Fall tiefer greift, als auf dem ersten Blick zu ahnen ist.

Karla ist wenig begeistert, als sie den Partner kennenlernt, mit dem sie diesen Fall bearbeiten soll. Raoul Winter ist ein freiberuflicher Ermittler, der zu den Dunkelmagiern gehört – einer Spezies, die Karla verabscheut. Deshalb begegnen sich die beiden, besonders aber Karla, anfänglich mit großem Misstrauen.

Hinzu kommt noch, dass Raoul zeitweise nicht er selbst ist, da er der Wirt eines Daimons namens Brad ist. Dieser versorgt Raoul mit einer Fülle von Informationen, die ihm bei seiner Polizeiarbeit sehr wertvoll sind. Jedoch ist das Beherbergen eines Daimons längst nicht nur mit Vorteilen behaftet, wie Raoul schmerzvoll feststellen muss. Wenn Brad „am Steuer“ ist, behandelt er Raouls Körper nicht gerade pfleglich und auch seine Ernährungsgewohnheiten sind mehr als skurril.

Ich war sehr angetan von der komplexen Welt voller Magie, die sich in diesem Buch vor dem Leser entspinnt. Fasziniert hat mich auch die Vielfalt an fantastischen Wesenheiten, die diesen Roman bevölkern und immer wieder für Überraschungen gut sind. Fernab von Schwarz-Weiß-Zeichnungen arbeitet Susanne Gerdom/Julian Frost ihre Figuren liebevoll und schattierungsreich aus, so dass ich mich schnell mit ihnen identifizieren konnte und Sympathien sowie Antipathien entwickelte. Dabei ist nichts so wie es scheint und viele Figuren offenbaren im Laufe der Geschichte anfangs ungeahnte Wesenszüge und Geheimnisse.

Besonders Karla macht im Laufe der Geschichte eine interessante Entwicklung durch, da sie durch einen unglücklichen Zwischenfall unvermittelt aus ihrem gewohnten Leben gerissen wird und sich somit komplett neu im Leben orientieren muss. Doch sie ist eine starke Frau und lässt sich durch ihre privaten Schwierigkeiten nicht darin beirren, weiter in ihrem geheimnisvollen Fall zu ermitteln.
Im Zuge dessen arbeitet das Ermittlerteam Karla/Raoul immer besser zusammen und auch privat entwickelt sich ihre anfangs kühle Beziehung langsam zu einer Art Freundschaft.

Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig und interessant charakterisiert. So erhalten wir auch einen Einblick in die Welt der Vampire und der Drachen, wo es ebenfalls Spannendes zu entdecken gibt.
Der Plot ist durchgehend spannend und voller unvermuteter Wendungen und geheimnisvoller Andeutungen, so dass der Leser viel Stoff zum Mitdenken und Miträtseln geliefert bekommt.

Der Schluss lässt ein paar Fragen und Handlungszweige offen, so dass ich sehr auf eine Fortsetzung hoffe, denn diese fantastische Welt birgt noch viel Potenzial für spannende Geschichten.

Fazit: „Last Days on Earth“ ist ein spannender Fantasy-Krimi, der den Leser in eine magische Welt entführt und den ich allen Fantasy-Freunden nur ans Herz legen kann.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

krimi, thriller, hamburg, lettland, anna jonas

Ölspur

Lukas Erler
Flexibler Einband: 333 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2012
ISBN 9783442743094
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thomas Nyström ist Halbschwede, von Beruf Neurologe und forscht am Max-Planck-Institut in München. Als seine Freundin, die Journalistin Helen Jonas, sich einige Tage nicht bei ihm meldet, fährt er besorgt zu ihr nach Hamburg, um nach dem Rechten zu sehen. Seine Vorahnung hat ihn leider nicht getrogen: Helen ist tot. Gefunden hat man sie in einer Saunakabine. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge ist sie eines natürlichen Todes gestorben – an Herzversagen. Die Polizei verbucht den Fall als abgeschlossen. Thomas jedoch fallen einige Unstimmigkeiten auf, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten.

Zusammen mit Helens jüngerer Schwester Anna stellt Thomas auf eigene Faust Nachforschungen an. Skeptisch gegenüber der Polizeiarbeit, weihen sie den ermittelnden Kommissar Geldorf nicht in ihr Vorhaben ein.
Sie finden schnell heraus, dass Helen einem Umweltskandal auf der Spur war. Haben sie die Recherchen das Leben gekostet? Bald wird ihnen klar, dass sie gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen, der bereit ist, für den Profit über Leichen zu gehen.

Hervorragend recherchiert, befasst sich der Roman mit einer Thematik, die für mich persönlich in dieser Intensität Neuland war: ökologische Katastrophen, ausgelöst durch Havarien von Öltankern. Dabei werden die zweifelhaften Machenschaften der großen Ölkonzerne, Reedereien und Zertifizierungsgesellschaften aufgedeckt und angeprangert. Ein weiteres Thema ist die Kritik an der enormen Macht großer PR-Agenturen.
Außerdem wird noch ein weiteres sehr düsteres Thema angeschnitten: der Jugoslawien-Krieg und seine Grausamkeiten.
Zu einigen Schauplätzen der Geschichte erfährt man durch Annas Leidenschaft für touristische Aktivitäten interessante Details.

Somit empfand ich das Buch als sehr lehrreich. Der Leser wird umfassend und detailreich über das Thema Tankerhavarien informiert und erfährt zudem noch einiges darüber, in welchem skandalös schlechten Zustand viele Öltanker auf den Weltmeeren unterwegs sind. Zumeist werden die Informationen in gut verdaulichen Häppchen in Dialogen und Expertengesprächen vermittelt, wobei die beiden Hauptfiguren Thomas und Anna auf dem selben Wissensstand sind wie die Leser, so dass alle Erklärungen für Laien verständlich sind.

Lukas Erler wurde für diesen Krimi nicht umsonst für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Die Geschichte ist durchgehend spannend, was vor allem dem Gefühl der permanenten Bedrohung geschuldet ist, das durch den übermächtigen Gegner entsteht und für Nervenkitzel sorgt.

Die Protagonisten und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte hat der Autor mit großem psychologischem Geschick gezeichnet. Das Ermittlungsteam Anna und Thomas hat mir sehr gut gefallen.
Thomas ist Neurologe, kommt aber privat nur schwer mit der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters zurecht. Ansonsten erscheint er wie ein „typischer“ Wissenschaftler, korrekt und ein wenig unauffällig. Mit Helen verbindet ihn eine etwas kuriose Beziehung. Eine feste Beziehung hat wegen des hohen Freiheitsdranges der beiden wohl nicht funktioniert, so dass sie zum Schluss nur noch eine platonische Liebe verbindet. Diese findet aber weitgehend über e-Mails statt, so dass Thomas nach einigen Tagen ohne Helens elektronische Rückmeldung sehr um sie besorgt ist.
Anna dagegen ist eine Punkerin und Autonome, die der Polizeigewalt sehr skeptisch entgegensteht. So unterscheidet sie sich in ihren Auffassungen und Moralvorstellungen einerseits deutlich von Thomas, andererseits harmonieren die beiden in menschlicher Hinsicht sehr gut miteinander. Beide verbindet die Liebe zu Helen und der Wunsch, die wahre Ursache ihres Todes aufzuklären.

Im Laufe der Handlung verändert sich Thomas drastisch; seine Hilflosigkeit und Angst bringen eine dunkle Seite in ihm zum Vorschein. Der Leser fragt sich mit Gänsehaut, wie weit er wohl zu gehen bereit ist, um seine große Liebe zu rächen. Thomas macht es zu seinem einzigen Lebensziel, Helen zu rächen und die Wahrheit über ihren Tod ans Licht zu bringen. Sein Leben und sein Wesen erfahren durch seine Erlebnisse eine Wandlung, die sich nicht mehr so schnell rückgängig machen lässt. Auch Anna entwickelt sich, wird erwachsener und legt ihre Punk-Attitüde weitgehend ab, behält aber ihre Selbstsicherheit und Schlagfertigkeit, was sie durchaus sympathisch macht, wenn sie auch zuweilen für meinen Geschmack etwas zu ungestüm und impulsiv handelt.

Das Ende hält noch einen überraschenden Twist bereit und ich war recht angetan, zumal der Autor nicht den Fehler macht, die beiden Protagonisten zu unbesiegbaren Superhelden geraten zu lassen, sondern relativ realistisch bleibt. Einige wenige offene Handlungsfäden machen neugierig auf die Folgebände des Krimis.

Fazit: „Ölspur“ ist ein spannender und gleichzeitig lehrreicher Wirtschaftskrimi über die skrupellosen Machenschaften der Reedereien und Ölkonzerne. Besonders hat mich die Zeichnung der Hauptcharaktere überzeugt. Aber auch die Art, wie die Sachinformationen vermittelt wurden, fand ich sehr gelungen. Eine Empfehlung an alle Krimi-Fans.

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deutschland, krimi, anna jonas, jetztzeit, die dreckigen geschäfte der ölindustrie

Ölspur

Lukas Erler
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.02.2010
ISBN 9783036955629
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thomas Nyström ist Halbschwede, von Beruf Neurologe und forscht am Max-Planck-Institut in München. Als seine Freundin, die Journalistin Helen Jonas, sich einige Tage nicht bei ihm meldet, fährt er besorgt zu ihr nach Hamburg, um nach dem Rechten zu sehen. Seine Vorahnung hat ihn leider nicht getrogen: Helen ist tot. Gefunden hat man sie in einer Saunakabine. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge ist sie eines natürlichen Todes gestorben – an Herzversagen. Die Polizei verbucht den Fall als abgeschlossen. Thomas jedoch fallen einige Unstimmigkeiten auf, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten.

Zusammen mit Helens jüngerer Schwester Anna stellt Thomas auf eigene Faust Nachforschungen an. Skeptisch gegenüber der Polizeiarbeit, weihen sie den ermittelnden Kommissar Geldorf nicht in ihr Vorhaben ein.
Sie finden schnell heraus, dass Helen einem Umweltskandal auf der Spur war. Haben sie die Recherchen das Leben gekostet? Bald wird ihnen klar, dass sie gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen, der bereit ist, für den Profit über Leichen zu gehen.

Hervorragend recherchiert, befasst sich der Roman mit einer Thematik, die für mich persönlich in dieser Intensität Neuland war: ökologische Katastrophen, ausgelöst durch Havarien von Öltankern. Dabei werden die zweifelhaften Machenschaften der großen Ölkonzerne, Reedereien und Zertifizierungsgesellschaften aufgedeckt und angeprangert. Ein weiteres Thema ist die Kritik an der enormen Macht großer PR-Agenturen.
Außerdem wird noch ein weiteres sehr düsteres Thema angeschnitten: der Jugoslawien-Krieg und seine Grausamkeiten.
Zu einigen Schauplätzen der Geschichte erfährt man durch Annas Leidenschaft für touristische Aktivitäten interessante Details.

Somit empfand ich das Buch als sehr lehrreich. Der Leser wird umfassend und detailreich über das Thema Tankerhavarien informiert und erfährt zudem noch einiges darüber, in welchem skandalös schlechten Zustand viele Öltanker auf den Weltmeeren unterwegs sind. Zumeist werden die Informationen in gut verdaulichen Häppchen in Dialogen und Expertengesprächen vermittelt, wobei die beiden Hauptfiguren Thomas und Anna auf dem selben Wissensstand sind wie die Leser, so dass alle Erklärungen für Laien verständlich sind.

Lukas Erler wurde für diesen Krimi nicht umsonst für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert. Die Geschichte ist durchgehend spannend, was vor allem dem Gefühl der permanenten Bedrohung geschuldet ist, das durch den übermächtigen Gegner entsteht und für Nervenkitzel sorgt.

Die Protagonisten und ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte hat der Autor mit großem psychologischem Geschick gezeichnet. Das Ermittlungsteam Anna und Thomas hat mir sehr gut gefallen.
Thomas ist Neurologe, kommt aber privat nur schwer mit der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters zurecht. Ansonsten erscheint er wie ein „typischer“ Wissenschaftler, korrekt und ein wenig unauffällig. Mit Helen verbindet ihn eine etwas kuriose Beziehung. Eine feste Beziehung hat wegen des hohen Freiheitsdranges der beiden wohl nicht funktioniert, so dass sie zum Schluss nur noch eine platonische Liebe verbindet. Diese findet aber weitgehend über e-Mails statt, so dass Thomas nach einigen Tagen ohne Helens elektronische Rückmeldung sehr um sie besorgt ist.
Anna dagegen ist eine Punkerin und Autonome, die der Polizeigewalt sehr skeptisch entgegensteht. So unterscheidet sie sich in ihren Auffassungen und Moralvorstellungen einerseits deutlich von Thomas, andererseits harmonieren die beiden in menschlicher Hinsicht sehr gut miteinander. Beide verbindet die Liebe zu Helen und der Wunsch, die wahre Ursache ihres Todes aufzuklären.

Im Laufe der Handlung verändert sich Thomas drastisch; seine Hilflosigkeit und Angst bringen eine dunkle Seite in ihm zum Vorschein. Der Leser fragt sich mit Gänsehaut, wie weit er wohl zu gehen bereit ist, um seine große Liebe zu rächen. Thomas macht es zu seinem einzigen Lebensziel, Helen zu rächen und die Wahrheit über ihren Tod ans Licht zu bringen. Sein Leben und sein Wesen erfahren durch seine Erlebnisse eine Wandlung, die sich nicht mehr so schnell rückgängig machen lässt. Auch Anna entwickelt sich, wird erwachsener und legt ihre Punk-Attitüde weitgehend ab, behält aber ihre Selbstsicherheit und Schlagfertigkeit, was sie durchaus sympathisch macht, wenn sie auch zuweilen für meinen Geschmack etwas zu ungestüm und impulsiv handelt.

Das Ende hält noch einen überraschenden Twist bereit und ich war recht angetan, zumal der Autor nicht den Fehler macht, die beiden Protagonisten zu unbesiegbaren Superhelden geraten zu lassen, sondern relativ realistisch bleibt. Einige wenige offene Handlungsfäden machen neugierig auf die Folgebände des Krimis.

Fazit: „Ölspur“ ist ein spannender und gleichzeitig lehrreicher Wirtschaftskrimi über die skrupellosen Machenschaften der Reedereien und Ölkonzerne. Besonders hat mich die Zeichnung der Hauptcharaktere überzeugt. Aber auch die Art, wie die Sachinformationen vermittelt wurden, fand ich sehr gelungen. Eine Empfehlung an alle Krimi-Fans.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

frankfurt, zusammenhalt, sly, drogen, freundschaft

Arm sind die anderen

Pete Smith
Fester Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 02.08.2011
ISBN 9783800056354
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Inhalt:
Die längste Nacht in Sylvesters Leben ist die Nacht vor Heiligabend: denn in dieser Nacht verschwindet seine depressive Mutter. Nach einem Ausflug mit seinem besten Freund Agi findet er ihre Abschiedsbotschaft, mit Lippenstift auf den Spiegel geschmiert: „Ich kann einfach nicht mehr.“
Sofort übernimmt Sly die Verantwortung für den Rest der Familie: seine drei jüngeren, etwas neurotischen Geschwister und seinen dementen Großvater. Die Familie lebt in Armut, in einer viel zu kleinen Wohnung, und hat nur das Nötigste zum Leben zur Verfügung. Hat diese prekäre Lebenssituation die Mutter schließlich zum Äußersten getrieben? Sly und seine Geschwister geben die Hoffnung nicht auf und machen sich auf die Suche…

Mein Eindruck vom Buch:
Slys Mutter leidet nach vielen unglücklichen Beziehungen und der leidvollen Erfahrung häuslicher Gewalt durch den Vater ihres jüngsten Kindes unter schweren Depressionen. Diese machen es ihr fast unmöglich, in ihren „dunklen Tagen“ den Haushalt zu führen. Auch ihre berufliche Situation ist schwierig, immer wieder gerät sie in den Strudel der Arbeitslosigkeit.
Zu ihrem Glück hat sie in Sly einen sehr verantwortungsbewussten Sohn, der sich an ihrer Stelle auch schon mal um den häufig verwirrten Großvater und die jüngeren Geschwister kümmert.

Die zwölfjährige Enja hat eine Neigung entwickelt, sich notfalls auch mit Gewalt zu verteidigen, um nicht in eine Opferrolle zu geraten. Ihre Freizeit verbringt sie am Computer ihrer Mutter, in Chatrooms, auf der Flucht vor der Realität. Im wirklichen Leben hat sie keine Freunde, zeigt sich aber dennoch nach außen hin sehr selbstsicher und stark.
Innozenz hat sich hingegen mit seinen zehn Jahren schon der Gothic-Szene angeschlossen, umgibt sich mit deutlich älteren Personen und hat keinen Anschluss an Gleichaltrige. Er hat eine Vorliebe für die Farbe Schwarz, ist psychisch labil und neigt zu depressiven Verstimmungen.
Der jüngste Spross der Familie, Flo, ist noch ein Kleinkind und bedarf deshalb wie auch der Großvater der Fürsorge seiner älteren Geschwister.

„Arm sind die anderen“ ist ein wertvolles Jugendbuch. Auf nur 160 Seiten setzt sich der Autor mit einem sehr brisanten gesellschaftlichen Thema auseinander: Armut, und ganz besonders auch Kinderarmut. Das tut er auf eine erfrischend lockere, kaum sentimentale Art und Weise. Gewürzt ist der Roman mit einer guten Prise Humor und Situationskomik, was dem Buch mit seinem tragischen Grundthema sehr gut tut.

Im Laufe der Geschichte erzählt der Ich-Erzähler Sly immer wieder in Rückblicken Episoden aus seinem Leben und so erhält der Leser nach und nach einen tiefgehenden Eindruck davon, welches Leid die Familie schon durchmachen musste. Auf diese Weise kann der Leser auch ein Verständnis für die neurotisch-ungewöhnlichen Verhaltens- und Lebensweisen der jüngeren Geschwister Enja und Inno entwickeln.

Der Autor schlägt in seinem Werk durchaus gesellschaftskritische Töne an. So prangert er beispielsweise die überbordende Bürokratie an, die bedürftigen Menschen oft Steine in den Weg legt sowie das häufig demütigende und herablassende Verhalten der Behörden gegenüber sozial schwachen Menschen. Und nicht nur von den Beamten, auch vom ganzen restlichen sozialen Umfeld, wie den Schulklassen und der Nachbarschaft, schlägt der armutsgebeutelten Familie Spott, Ausgrenzung und teilweise sogar Verachtung entgegen.

Die Botschaft wird verpackt in eine saloppe, manchmal auch ein wenig vulgär angehauchte Sprache, die jedoch dem Alter der Kinder angemessen erscheint. Gepaart wird dies mit einigen sprachlich sehr kunstvoll geschilderten, fast schon poetisch anmutenden Textstellen, die tief in Slys Seele blicken lassen. Immer wieder lässt Pete Smith durchscheinen, dass Sly kein schlechter Mensch ist, sondern vielmehr ein intelligenter und verantwortungsbewusster Teenager, der aber durch seine schwierige Vergangenheit eine Neigung entwickelt hat, sich notfalls auch mit Gewalt zu verteidigen. Dies tut er aber nicht aus Überzeugung und purer Lust an Gewalt, sondern immer dann, wenn es darum geht, sich und seine Familie gegen ungerechte Behandlung zu verteidigen. Ich jedenfalls konnte seine Motive und Beweggründe stets nachvollziehen.

Der Familienzusammenhalt der Geschwister ist bemerkenswert und wird immer wieder betont. Familie ist und bleibt das Wichtigste im Leben von Sly und seinen Geschwistern. Auch wenn es manchmal Streit gibt, so halten sie doch, wenn es hart auf hart kommt, alle zusammen. Dieser Aspekt des Buches hat mir gut gefallen und hat mir die Charaktere auch schnell näher gebracht.

Auch die Handlung selbst ist gekonnt gestrickt und hält die eine oder andere überraschende Wendung für die Leser bereit. Der Schluss war mir dann zwar ein wenig zu süßlich geraten, aber auch das sehe ich im Nachhinein und mit einiger Zeit Abstand zur Lektüre nicht mehr so eng. Immerhin bleiben einige Punkte zum Schluss auch offen und laden dazu ein, die Geschichte im Kopf noch ein wenig weiterzuspinnen.

Fazit: „Arm sind die anderen“ spricht ein bedeutsames Thema auf unterhaltsame Weise und mit einem Augenzwinkern an. Ein gelungener gesellschaftskritischer Roman über (Kinder-)Armut, aber auch ein schönes Loblied auf die Familie und deren Rückhalt und Zusammenhalt. Empfehlenswert, nicht nur, aber natürlich ganz besonders für Jugendliche! (Altersempfehlung des Herstellers: 14-17 Jahre)

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33 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

erfolg, ratgeber, glück, wegweiser, tipp

Einfach erfolgreich sein

Pierre Franckh
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 05.09.2011
ISBN 9783442338900
Genre: Sachbücher

Rezension:

Sehr persönlich und authentisch beschreibt Pierre Franckh seinen persönlichen Weg zum Erfolg und lädt seine Leser dazu ein, sich die für das eigene Leben hilfreich erscheinenden Tipps herauszugreifen und sie auf den eigenen Lebensweg zu übertragen. Seine Aussagen untermauert er mit einprägsamen beispielhaften Geschichten aus seinem eigenen Leben.
Auch die theoretischen Grundlagen aus der Psychologie werden angeschnitten und schließlich findet sich noch eine Menge Aufgaben und praktischer Ratschläge für die Leser.

Pierre Franckh liefert hier einen sprachlich sehr liebevoll verfassten Ratgeber darüber, wie es möglich ist erfolgreich zu sein, ohne sich selbst dabei zu verbiegen. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch das Buch: „Was ist Erfolg für dich?“, worüber es sich in jedem Falle nachzudenken lohnt.

Auffällig ist, dass sich manche Aspekte und Aussagen innerhalb des Buches mehrmals wiederholen, was didaktisch im Grunde ganz geschickt ist: Schließlich prägt sich der Stoff durch mehrfache Wiederholung viel besser ein. Nun, mich persönlich haben die Wiederholungen dennoch ein wenig gestört und meiner Meinung nach hätten dem Buch ein paar Seiten weniger gut getan.
Nicht alle Inhalte des Buches sind brandneu und das Rad der Ratgeber-Literatur wurde hier sicherlich nicht neu erfunden, aber ich finde, diese wichtige Thematik ist es wert, von Zeit zu Zeit immer wieder einmal in Erinnerung gerufen zu werden.

Das Buch ist unterteilt in sieben Abschnitte, die wiederum in einzelne Kapitel untergliedert sind. Diese Kapitel werden jeweils mit einem Aphorismus oder Zitat eingeleitet, der perfekt auf den Inhalt des Abschnitts einstimmt und schon einmal zum Nachdenken anregt. Das hat mir persönlich gut gefallen, da ich Sprüche mag.
Am Ende der Kapitel wird die Kernaussage nochmals prägnant in einem Satz zusammengefasst: „Erfolg ist…“

Bei der Gestaltung hat sich der Verlag viel Mühe gegeben, begonnen bei dem ansprechenden Cover mit warmen Farben, bis hin zur gelungenen Textgestaltung mit vielen Hervorhebungen und großer Übersichtlichkeit.

Fazit: „Einfach erfolgreich sein“ ist ein recht interessanter Ratgeber, der durch die persönliche Ansprache des Lesers durch den Autor eine authentische Note erhält. Ob er nun wirklich hilfreich ist, hängt von der „Vorbildung“ des Lesers in diesem Bereich sowie von seinem bisherigen Lebensstil ab. Ich persönlich lese zwar selten derartige Ratgeber, aber dennoch kamen mir die meisten Dinge in dem Buch bereits bekannt vor. Ein paar Tipps konnte ich dennoch für mich herausziehen. Die Sprache ist einfach und schnörkellos gehalten und durch die Beispielgeschichten hat mich das Buch ganz gut unterhalten.

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Tags: erfolg, ratgeber   (2)
 

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2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Late Hector Kipling

David Thewlis
Flexibler Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Pan Macmillan, 04.07.2008
ISBN 9780330373388
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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198 Bibliotheken, 2 Leser, 6 Gruppen, 52 Rezensionen

münchen, thriller, rechtsmedizin, gesichtsrekonstruktion, carina kyreleis

Die Gesichtslosen

Stephanie Fey
Flexibler Einband: 366 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.11.2011
ISBN 9783453435865
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis ist Expertin für die Rekonstruktion der Gesichter von Toten. Nach einem schweren Autounfall und der Trennung von ihrem Freund kehrt sie aus Mexiko-City in ihre Heimatstadt München zurück, um dort eine Stelle im Institut für Rechtsmedizin anzunehmen. Dort muss sie erkennen, dass sie sich ihr Familienleben aus der Ferne harmonischer ausgemalt hat, als es in Wirklichkeit ist. Ihr Vater, der Leiter der Mordkommission, kontrolliert jeden ihrer Schritte und mischt sich für Carinas Geschmack viel zu viel in ihr Leben ein.
Ihre chaotische Schwester Wanda hat ihr zwar hilfsbereit eine Wohnung verschafft, doch leider findet sie den Wohnungsschlüssel nicht mehr. So muss Carina ihre ersten Tage in München in der unaufgeräumten Wohnung ihrer Schwester und deren verhaltensauffälligen Sohn Sandro verbringen. Ihre arbeitssüchtige Mutter Silvia hat einen Tumor an der Nase, von dem noch nicht klar ist, ob er bösartig oder gutartig ist. Außerdem scheinen ihre Eltern ein Geheimnis vor Carina zu verbergen. Zu allem Überfluss erhält sie auch noch ständig Anrufe von ihrem Ex-Freund, mit dem sie eigentlich nichts mehr zu tun haben möchte.

Doch das ist noch lange nicht alles an Turbulenzen in Carinas Leben.
Nein, sie bekommt es auch noch mit einem mysteriösen Mordversuch und dem Fund einer Frauenleiche zu tun. Eine Frau wird in ihrer Wohnung schwer verletzt aufgefunden; nach einem Selbstmordversuch wurde ihr die Gesichtshaut abgezogen. Alles deutet darauf hin, dass ihr Hund sie derart verstümmelt hat, doch das Opfer will das nicht glauben. Kurz darauf wird auf einem Spielplatz eine Frauenleiche entdeckt. Auch ihr ist das Gesicht abgezogen worden. Carinas Vater bezieht seine Tochter umfassend mit in seine Mordermittlungen ein. Deren Chefin ist davon alles andere als begeistert, da Carina kaum mehr dazu kommt, ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen.
Immerhin werden zur Identifikation der Leiche Carinas ganz spezielle Fähigkeiten benötigt und sie gibt dem Opfer sein Antlitz wieder. Stehen die beiden Fälle in einem Zusammenhang? Kann der Täter gefasst werden?

Der zweite Handlungsstrang erzählt von Rosa, einer Sekretärin, die im Innenministerium beschäftigt ist. Sie verliebt sich in einen jungen Mann aus dem Osten Deutschlands, der sie dazu überredet, für ihn bei ihrem Vorgesetzten zu spionieren. Dabei kommt sie an brisante Unterlagen, die in einem Zusammenhang mit dem Mord an Alfred Herrhausen zu stehen scheinen. Was hat Rosas Geliebter, dessen wirklichen Namen sie nicht einmal kennt, mit dem Mordfall zu tun?

Die beiden Handlungsstränge verlaufen zunächst parallel zueinander, Rosas Zweig spielt in der Vergangenheit, im München der 80er Jahre. Doch der Autorin gelingt es, beide Stränge gekonnt miteinander zu verweben. So spricht bei Carina Rosas Schwester vor und beharrt felsenfest darauf, ihre Schwester in der Stadt gesehen zu haben. Ihre Schwester Rosa, deren Leiche schon vor längerer Zeit in der Isar gefunden wurde. Auch in diesem Fall versucht Carina zu helfen. Bald schon erkennt sie, dass bei diesem Leichenfund nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war…

In einem gut zu lesenden, einfachen Sprachstil entwirft Stephanie Fey eine komplexe, sehr interessante und an vielen Stellen auch undurchschaubare und rätselhafte Handlung, die es mir schwer machte, Lesepausen einzulegen.
Sehr gelungen fand ich die Ausarbeitung der Charaktere. Carina hat eine liebenswert-chaotische Familie, die selbst viel Stoff für spannende Geschichten bietet. So spielt denn auch Carinas Privatleben eine große Rolle in dem Buch: ihre schwierige Beziehung zu ihrem kontrollsüchtigen Vater, ihr etwas komplexes Liebesleben sowie ihre Sorge um ihre Mutter und später auch – ohne jetzt zu viel zu verraten – um ihre Schwester Wanda.
Die lebhafte Wanda und deren kleiner Sohn Sandro brachten mich so manches Mal mit ihren amüsanten Eskapaden zum Schmunzeln – besonders Sandro ist trotz seiner manchmal etwas nervigen Art herzallerliebst. Diese beiden Figuren bilden, wenn man so will, das humorvolle Element des Buches.

Zudem sind einige Passagen aus der Sicht des Mörders eingestreut, ein junger Mann, der offensichtlich unter einer Psychose leidet. Bemerkenswert an ihm ist vor allem, dass er sich keine Gesichter merken kann. Diese Textstellen fand ich sehr gelungen, denn so ist der Leser der Ermittlerin immer einen Schritt voraus, was aber dennoch nichts von der Spannung wegnimmt. Der tiefe Einblick in seine Psyche ist sehr überzeugend und glaubwürdig gemacht.

Die Handlung ist gekonnt erzählt und der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten, auch wenn ich einige Aspekte relativ schnell durchschaut hatte. Doch die Frage nach dem „Wie“ hat mich dennoch stets neugierig weiterlesen lassen.
Gut gefallen hat mir auch der mehrfache Sinn des Titels. Das Motiv der „Gesichtslosen“ taucht nicht nur im Zusammenhang mit dem Mord auf, sondern lässt sich genauso gut auch auf die im Buch thematisierte „dritte Generation“ der RAF beziehen.

Der einzige, wenn auch kleine, Wermutstropfen ist, dass Carinas eigentliche Arbeit als Rechtsmedizinerin in dem Buch etwas zu kurz kommt. Sie scheint mehr mit ihrer Ermittlungsarbeit oder besser gesagt, der Ermittlungsarbeit ihres Vaters, beschäftigt zu sein, als mit ihren eigenen Aufgaben. Aber für Einblicke in Carinas Beruf ist ja in den folgenden Bänden der Serie um Carina Kyreleis noch ausreichend Gelegenheit.

Den nächsten Band erwarte ich auch aus dem Grund gespannt, da ein paar offene Fäden im Zusammenhang mit den Ereignissen in Carinas Familie zurückbleiben. Denn diese Ereignisse überschlagen sich gegen Ende des Buches geradezu und Carina erfährt ein Familiengeheimnis, das sie zunächst in ein seelisches Chaos stürzt. Dieser Handlungsaspekt wird dann im nächsten Band weitergesponnen. Ich freue mich jedenfalls darauf, weitere Geschichten um Carina und ihre Familie zu lesen.

Fazit:
Das Buch konnte mich die ganze Strecke hindurch fesseln und ich fieberte gerne mit Carina und ihrer Familie mit. Ein gelungener und vielversprechender Auftakt der Reihe um die Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis, der Lust auf mehr macht. Allerdings erscheint mir das Buch stilistisch mehr als ein typischer Krimi denn als Thriller, so dass ich es vor allen Dingen den Krimifans ans Herz legen würde.

  (6)
Tags: krimi, rechtsmedizin, serienmörder, thriller   (4)
 

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

weltbild, insel der stürme, göttner, quelle

Die Königin der Quelle

Heide Solveig Göttner
Flexibler Einband: 443 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.07.2009
ISBN 9783492266963
Genre: Fantasy

Rezension:

Auch vom dritten Teil der bezaubernden Trilogie „Die Insel der Stürme“ wurde ich nicht enttäuscht.
Schnell wurde ich wieder von der Geschichte um das Eine Kind Lillia und ihre drei so unterschiedlichen Begleiter Amra, Gorun und Jemren in den Bann gezogen. Die dichte Atmosphäre des Romans nahm mich sofort gefangen. Mit kleinen, subtilen Hinweisen auf frühere Geschehnisse hilft die Autorin zuweilen dem Gedächtnis auf die Sprünge, so dass es einfach war, sich wieder in dieser faszinierenden Fantasy-Welt zurechtzufinden.
Diesmal erhalten die drei Gefährten von der Feenpriesterin Anrynan den geheimnisvollen Auftrag, den Weißen Stein zu finden, ohne den Lillias Heimkehr keinerlei Wirkung hätte und die Insel verloren wäre. Die Helden ziehen somit aus, um diesen Stein zu finden, obgleich ihnen niemand sagt, wie dieser beschaffen ist.
Der weiße Stein ist der wichtigste Stein im Edú-Spiel, dem Spiel des Wandels. Dieses Spiel spiegelt die Geschicke der Welt wider, eine Analogie, welche die Autorin auf sehr geschickte Weise in den Roman einbaut. Antiles, der Dunkle Gott, hat diesen Stein entwendet, bevor er vom restlichen Feenvolk aufs Meer verbannt wurde.
So ziehen denn die Helden aus und lassen sich dabei vom Einen Kind auf einen langen und gefahrenvollen Weg führen. Dabei ahnen sie nicht, welches traurige Schicksal ihnen die dunkle Prophezeiung voraussagt, denn Anrynan entscheidet sich, ihnen diese Weissagung vorzuenthalten. Wird die Prophezeiung eintreten oder kann das Schicksal noch abgewendet werden?

In diesem Teil der Trilogie nimmt das Feenvolk, das von den Menschen des Südens als „die Ewigen“ angebetet wird, einen größeren Raum ein. So sind in diesem Buch einige mystisch angehauchte Passagen zu finden; Anrynan erhält als die Hohepriesterin von Defágos und Angehörige des Feenvolks eine tragende Rolle. Das Feenvolk hat sich seit Langem von den Geschicken der Menschen abgewandt und ist ihnen gegenüber gleichgültig eingestellt. Die Götter haben sich von den Menschen entfremdet – einzig Anrynan hält ihnen die Treue und zerwirft sich darüber mit dem Rest des Feenvolks.

„Die Königin der Quelle“ ist ein Buch über Toleranz zwischen den Völkern, über die Sinnlosigkeit von Kriegen und Zwistigkeiten und die Bedeutung von Zusammenhalt und Freundschaft. So spielt denn auch die Freundschaft zwischen den so ungleichen Charakteren Jemren und Gorun auch in diesem Band wieder eine zentrale Rolle. Auch das Verhältnis der beiden Männer zu Amra verändert sich. Die Gefährten streiten sich, versöhnen sich, lernen sich besser kennen und verstehen, trennen sich und finden sich wieder. Finden dabei auch sich selbst.

Wieder erleben wir jedes Kapitel aus der Perspektive einer anderen Figur, wobei auch die Blickwinkel des Nraurn Nesyn und der Feenpriesterin Anrynan eingenommen werden. Auf diese Weise erhält der Leser auch einen Einblick in die Denkweisen und Gegebenheiten des feindlichen Ziegenvolks, der Nraurn. Und er lernt, dass auch das langlebige Feenvolk keineswegs unfehlbar ist und seinerseits mit internen Zwistigkeiten und Zank zu kämpfen hat.
Heide Solveig Göttner verzichtet auf jegliche Schwarz-Weiß-Malerei. Vielmehr gelingt ihr eine facettenreiche und glaubwürdige Zeichnung der Charaktere, deren Gefühlswelt und Gedanken eindringlich beleuchtet werden. Am besten hat mir gefallen, wie gekonnt die Autorin Jemrens innere Zerrissenheit zwischen dem Süden und der Solidarität mit seiner Heimat, dem Norden, darstellt. Obwohl er sich im Süden inzwischen Ansehen erworben hat, tritt dieser ihm nach wie vor misstrauisch entgegen. Dem Süden gehören jedoch seine beiden Weggefährten Amra und Gorun an, die ihm längst auch Freunde geworden sind. Auch die Motive des Dunklen Gottes Antiles werden in diesem Band deutlicher. Die Autorin zeigt uns viel Innenansicht ihrer Figuren und zeichnet sie mit großem psychologischem Geschick, so dass die Gründe für ihr Handeln immer nachvollziehbar bleiben.

Der bildhafte und detailreiche Erzählstil und die sehr angenehme und elegante Sprache sorgen dafür, dass die Handlung wie ein Film vor dem inneren Auge abläuft.
Den Abschluss der Trilogie empfand ich als sehr gelungen, da mich die Wendung am Schluss sehr überrascht hat und sich so nicht vorhersehen ließ. Der Epilog bietet dann einen Ausblick auf die Zukunft der Insel der Stürme.

Fazit: Die Trilogie „Die Insel der Stürme“ hat mit ihrem dritten Band einen runden und sehr gelungenen Abschluss gefunden. Ich kann jedem Fantasy-Leser diese wundervolle Reihe ans Herz legen. Mir hat es großen Spaß gemacht, diese drei faszinierenden Charaktere auf ihrer gefahrenvollen und entbehrungsreichen Reise durch die Insel der Stürme zu begleiten.

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689 Bibliotheken, 15 Leser, 11 Gruppen, 96 Rezensionen

familie, liebe, vergessen, tod, erinnerungen

Der Geschmack von Apfelkernen

Katharina Hagena
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.02.2008
ISBN 9783462039702
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt:
Iris, eine Bibliothekarin aus Freiburg, erbt das Haus ihrer Großmutter Bertha in dem kleinen Ort Bootshaven in Norddeutschland. Um die Erbschaftsangelegenheiten zu regeln, bleibt Iris für ein paar Tage im Haus, sucht die Orte ihrer Kindheit und Jugend auf, erinnert sich an Begebenheiten und Erzählungen aus ihrer Vergangenheit und kommt ganz nebenbei noch dem Junganwalt Max, dem jüngeren Bruder ihrer früheren Freundin Mira, näher.

Mein Eindruck:
Katharina Hagena erzählt in ihrem Debütroman eine schöne Familiengeschichte mit nostalgisch-melancholischem Grundton, die mir gut gefallen hat.

Der Einstieg ist mir zugegebenermaßen etwas schwer gefallen, denn die Autorin konfrontiert ihre Leser gleich zum Einstieg mit der Symbolik, die dann das ganze Buch durchzieht: aus Trauer um eine Verstorbene wachsen im Garten des Landhauses anstatt der roten nur noch weiße Johannisbeeren. Wiederholt werden in die Geschichte Szenen eingeflochten, die zeigen, dass der Garten und auch das Haus ein „Eigenleben“ führen und in ihrer Weise auf die realen Geschehnisse zu reagieren und diese widerzuspiegeln scheinen. Diese mystischen und fantasievollen Elemente wirken jedoch unaufdringlich und werden selten genug angewandt, um das Lesen nicht anstrengend zu machen. Vielmehr wirken solche Passagen stimmungsvoll und passen meiner Meinung nach gut in die Geschichte.

Für Iris sind Haus und Garten mit vielen Erinnerungen verknüpft, teilweise schön und Sehnsucht erweckend, teilweise aber auch schmerzlich. Sie denkt über die Lebensgeschichten ihrer Großeltern Hinnerk und Bertha nach, die sie größtenteils nur aus Erzählungen kennt, ebenso wie über die Vergangenheit von Berthas drei Töchtern Harriet, Inga und Christa, Iris‘ Mutter. Besonders lebendig sind ihre Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend, an die Sommerferien, die sie stets zusammen mit ihrer Cousine Rosmarie und der gemeinsamen Freundin Mira in dem Haus verbrachte.

Iris erkennt, dass sie das Haus, das sie früher so sehr geliebt hat, nun vielleicht gar nicht haben möchte – zu schmerzhaft sind zum Teil die mit ihm verknüpften Erinnerungen.

Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin Iris war mir beim Lesen recht sympathisch, wenn sie auch ein wenig blass blieb. Ihr hätte ein wenig mehr Charakterschärfe ganz gut getan. Ich konnte dennoch mit ihr fühlen und begleitete sie neugierig auf ihrer Erinnerungsreise.
Das Buch weist einen sehr nachdenklichen, häufig melancholischen Grundton auf, lässt sich aber dennoch leicht und schnell lesen.
Die Autorin weckt durch zahlreiche Andeutungen die Neugier auf das, was Iris noch in ihrer Erinnerung ausgraben mag – insbesondere das Unglück, das ihrer geliebten Cousine Rosmarie zugestoßen ist, bleibt lange Zeit im Dunkeln. So mochte ich das Buch zum Schluss kaum mehr weglegen, wollte immer mehr über das Leben und das Schicksal der Familienmitglieder herausfinden.

So sinniert Iris über die Demenzerkrankung ihrer Großmutter, die dieser nach und nach ihre Erinnerungen raubte, sie immer verwirrter und zum Schluss hilflos und pflegebedürftig werden ließ. Wie so viele schicksalshafte Ereignisse in ihrer Familie begann auch diese Krankheit mit einem Sturz und mit einem Apfel. Auch dies ist eines der zahlreichen Motive, die sich durch das Buch ziehen und immer wieder von der Autorin aufgegriffen werden.
Jedes Mitglied der Familie hat interessante Geschichten und Geheimnisse vorzuweisen, die manches Mal auch für Iris selbst ungelöst bleiben. Dieses Problem löst Iris auf ihre Weise, indem sie ihre lebhafte Fantasie benutzt und ihre Erinnerungen durch Ausgedachtes ergänzt und vervollständigt. So verschwimmen so manches Mal die Grenzen zwischen der Realität und den Tagträumen der Hauptfigur.

Der zumeist eher nachdenkliche Ton des Romans wird aufgelockert durch humorvolle Passagen, die sich insbesondere durch die leichte Tollpatschigkeit der Protagonistin und ihren unbeholfenen Umgang mit dem Junganwalt Max, den sie ebenfalls noch aus ihrer Kindheit kennt, ergeben.
Sehr gekonnt schildert die Autorin auch das Dorfleben, wo jeder seine Nachbarn kennt und die Leute aufeinander schauen – und sich leider auch sehr schnell eine Meinung voneinander bilden.

Etwas ungewöhnlich fand ich, dass die Dialoge nicht durch Anführungszeichen gekennzeichnet sind, sondern lediglich durch Spiegelstriche zu Beginn der wörtlichen Rede. Jedoch bereitete mir dies keine Probleme und es fiel mir erstaunlich leicht, mich auch an dieses Stilmittel zu gewöhnen.

Der Epilog hat mich dann aber ein wenig enttäuscht, er war mir dann doch etwas zu süßlich und glatt geraten, was ziemlich unrealistisch auf mich wirkte.

Zu erwähnen ist noch das meiner Meinung nach sehr ansprechende Cover, das passend zum Inhalt Äpfel sowie eine Apfelblüte zeigt.

Fazit: „Der Geschmack von Apfelkernen“ ist eine nostalgische, nachdenkliche Familiengeschichte, die ich gerne gelesen habe und mit der ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ein gefühlvolles Buch über das Erinnern und das Vergessen, das sich sehr gut als Balkon-Lektüre für einen warmen Sommertag eignet.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

siena, roman, geschichte, brigitte riebe, sodomie

Die Sünderin von Siena

Brigitte Riebe
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Diana HC, 20.08.2007
ISBN 9783453265226
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt:
Siena, 1368: Gemma, die Tochter eines wohlhabenden Tuch- und Salzhändlers, flieht aus dem Haus ihres grausamen Ehemannes Lupo di Cecco. „Wenn du dieses Haus verlässt, bist du tot.“, lautet seine Drohung. (S. 11) Durch ihre Flucht verliert sie ihren Status als ehrenhafte, verheiratete Frau und gilt fortan als Sünderin; dennoch ist sie bis zu ihrem Tod an ihren Ehemann gebunden. Kurz nach ihrer Flucht trifft sie auf die Waisenmutter Mamma Lina und deren Schützlinge und kommt auf deren Vorschlag hin zunächst im Hospital Santa Maria della Scala als Hilfskraft unter. Lina ist es auch, die Gemma überredet, ihren Stolz zu überwinden und in das Haus ihres Vaters zurückzukehren, um ihm ihre Not zu schildern. Dieser weiß allerdings nichts von Lupos wahrem Wesen, da sich dieser nach außen hin als liebevoller und fürsorglicher Ehemann gibt. Gemma fühlt sich in ihrem früheren Zuhause etwas verloren und einsam, zumal ihr Vater einen jungen Verwandten, Mario Lauinger aus Augsburg, als Lehrling bei sich aufnimmt und ihn behandelt, als wäre er sein eigener Sohn. Bald kommt es auch zu Zwistigkeiten zwischen Gemma und ihrer Stiefmutter Lavinia, so dass sie schließlich ein Zimmer in Mamma Linas Haus bezieht und dafür weiterhin für das Hospital arbeitet. Schnell schließen Gemma und Linas sechs Waisenkinder einander ins Herz.
Derweil findet der Maler Matteo Gefallen an Gemma und seine gemalten Madonnen tragen ihr Gesicht. Das Umfeld der beiden reagiert empört. Dennoch lassen sich beide nach Gemmas anfänglichem Zögern auf eine heimliche – und gefährliche – Liebesbeziehung ein.
Gleichzeitig treibt in Siena der redegewandte, scheinheilige Wanderprediger Bernardo sein Unwesen. Einige bedeutende Männer der Oberschicht wollen ihn für sich gewinnen, damit er sie bei ihrem geplanten Putsch unterstützt.
Als schließlich zwei grausame und rätselhafte Kindsmorde geschehen, gerät Gemma in ernsthafte Gefahr…

Meine Meinung:
Es ist nicht einfach, für dieses Buch eine kompakte Inhaltsangabe zu schreiben. Birgt es doch solch eine Fülle an Charakteren, Handlungssträngen und Elementen, dass es nahezu unmöglich ist, dies alles in ein paar wenige Sätze zu packen.

Brigitte Riebe erweckt in „Die Sünderin von Siena“ das mittelalterliche Siena zum Leben und beschwört die Atmosphäre der Stadt herauf, so dass der Leser sich eine gute Vorstellung von dem Leben der Menschen dort zu dieser Zeit machen kann. Die Autorin scheint sehr gewissenhaft recherchiert zu haben, worauf auch die Literaturempfehlungen am Schluss des Buches hindeuten. In einem Anhang erläutert sie auch, welche Elemente der Handlung historisch belegt sind und wo sie sich künstlerische Freiheiten herausgenommen hat. Zugunsten der Dramatik hat sie sich einige historische Ungenauigkeiten erlaubt.
Hilfreich ist auch der Stadtplan vorne im Buch.

Der Roman ist in drei Bücher aufgeteilt, die nach den drei Contraden Lecorno, Selva und Oca benannt sind. Zudem ist er in fortlaufend nummerierte Kapitel eingeteilt.

Das Buch bietet eine große Vielzahl an Figuren auf, wobei ich zu Beginn ein paar Probleme damit hatte, das Personal auseinanderzuhalten. Dies galt besonders für die Kinder, die Beschwörer und die Mitglieder von Gemmas Familie. Zuweilen verwirrend ist auch die Fülle an Handlung. Der Roman ist derart dicht, dass ich zuweilen den Überblick zu verlieren drohte. Es empfehlen sich jedenfalls keine längeren Lesepausen, da der Leser ansonsten Gefahr läuft, einige Elemente der Handlung wieder zu vergessen.
Langeweile kam für mich in diesem Buch dagegen zu keiner Zeit auf.

Die Haupt- und Nebenfiguren sind einfühlsam und größtenteils auch glaubwürdig ausgearbeitet. Nach und nach lernt man sie immer besser kennen, wobei sie jedoch trotzdem ihre Geheimnisse bewahren.
Gemma ist eine Hauptfigur, mit der ich gerne mitfieberte und –litt. Am besten hat mir aber die Figur der Mamma Lina gefallen. Sie wirkt faszinierend ob ihrer geheimnisvollen Vergangenheit, die immer wieder angedeutet wird und mit der offensichtlich auch einige der Verschwörer etwas zu tun haben. Erst ganz zum Schluss wird ihr Geheimnis enthüllt und es konnte mich sehr verblüffen, auch wenn im Nachhinein vieles darauf hingedeutet hat. Aber auch viele andere Figuren verbergen erstaunliche Geheimnisse, so dass den Leser einige unerwartete Wendungen und Überraschungen erwarten.

Bemängeln muss ich die Beziehung zwischen Gemma und Matteo, die mir etwas zu unglaubwürdig erscheint. Matteo verliebt sich auf den ersten Blick in Gemma und verfällt ihr, zeichnet seine Madonnen mit ihrem Gesicht und denkt nur noch an sie. Mit dieser Besessenheit von seiner Angebeteten fiel mir Matteo etwas auf die Nerven; zumal Gemma dann wirklich auf sein Werben eingeht und sich ebenfalls Hals über Kopf in ihn verliebt. Die Stellen mit Matteo und Gemma waren dann auch diejenigen, die mir am wenigsten gefallen haben. Fast wirkte es auf mich, als hätte die Autorin zwingend eine Prise Romantik mit in ihren Roman einbauen wollen, auch wenn er das meiner Meinung nach gar nicht gebraucht hätte.
Lesenswert hat das Buch für mich vor allem die Kriminalgeschichte um die Kindsmorde und deren Aufklärung gemacht. Wollte jemand Mamma Lina oder Gemma schaden? Oder ist ein Verrückter in der Stadt unterwegs? Dies waren die Fragen, die ich mir während des Lesens vor allem gestellt habe. Die Auflösung ist logisch und hat mich ebenfalls überzeugt.
Auch die Verschwörung des Rates der Neun fand ich interessant, wobei mir dieser Handlungsstrang fast ein wenig zu kurz kam.
Ein großes Thema des Romans ist die Scheinheiligkeit und Intoleranz der Kirche, die Feindseligkeit gegenüber allen, die von der Norm abweichen. So zieht sich das Thema der Versündigung wie ein roter Faden durch das Buch. Nicht nur Gemma, sondern auch fast alle anderen Figuren haben auf ihre Weise „gesündigt“.

Das Buch hat eine klare Sprache, so dass es sich sehr schnell wegschmökern lässt. Etwas verwirrend fand ich allerdings die Perspektivwechsel mitten in den Kapiteln.

Fazit: „Die Sünderin von Siena“ ist ein kurzweiliger, gut recherchierter historischer Krimi mit einer Prise Romantik, den ich durchweg spannend fand und an manchen Stellen kaum mehr aus der Hand legen mochte. Trotz ein paar Kritikpunkten habe ich das Buch gerne gelesen und kann es allen Fans von historischen Romanen empfehlen.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

krimi, agatha christie, klassiker, schuld, verdacht

Und dann gabs keines mehr

Agatha Christie
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hachette Collections, 01.01.2008
ISBN B002KWZEH0
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:
Zehn Menschen werden – mit den unterschiedlichsten Begründungen – auf eine einsame Insel mit dem Namen „Nigger Island“ berufen. Die Insel hat einst einem Multimillionär gehört, der darauf einen sehr vornehmen, luxuriösen Landsitz erbaut hat, die Insel dann jedoch verkauft hat. Nun sind die verschiedensten Gerüchte in Umlauf, wer wohl der geheimnisvolle Käufer sein mag. Man weiß lediglich, dass es sich um einen Mr. U. N. Owen handelt. Als die Mitglieder der „eigenartig zusammengewürfelten Gesellschaft“ (S. 30) durch eine besprochene Schallplatte allesamt eines Mordes beschuldigt werden, wird klar – hier geht irgendetwas nicht mit rechten Dingen zu! Jemand weiß über die düsteren Geheimnisse Bescheid, die jeder der zehn Anwesenden mit sich herumträgt. Als auf der Insel die ersten Mordfälle auftreten, wird klar: Der ominöse Mr. Owen muss dringend gefunden werden!

Die bizarren Morde sind angelehnt an den alten Kinderreim „Zehn kleine Negerlein“, der in jedem der Gästezimmer an der Wand hängt. Außerdem verschwindet nach jedem Mord eine der anfangs zehn Porzellanfiguren, die im Esszimmer auf dem Tisch stehen. Da die Insel wegen eines Unwetters komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist, müssen die Anwesenden davon ausgehen, dass einer von ihnen für die grausamen Morde verantwortlich ist. Und so wächst das gegenseitige Misstrauen, es wird wild spekuliert und alle Eventualitäten werden durchgegangen, während ein „Gast“ nach dem anderen auf perfide Weise das Zeitliche segnet. Den Überlebenden ist klar, dass der Täter dringend gefunden werden muss, denn er wird nicht ruhen, bis auch der letzte von ihnen für seine Untat gesühnt hat…

Meine Meinung:
Agatha Christie, die „Queen of Crime“, übertrifft sich hier mal wieder selbst. Ich bin sehr angetan von diesem genial konstruierten Kriminalroman, der mich konstant und gänzlich ohne Längen in Atem hielt. Das Ende war für mich alles andere als vorhersehbar und hat mich sehr erstaunt. Und doch erscheint die Auflösung logisch und glaubwürdig, was bei einer solch komplexen Geschichte schon bemerkenswert ist.

Der Leser erhält Eindrücke von den Gedanken und Gefühlen der einzelnen Charaktere – und doch bleibt jeder auf seine Weise geheimnisvoll und mysteriös, so dass auch ich während des Lesens geneigt war, niemandem zu vertrauen. Natürlich waren mir einige der Figuren sympathischer als andere, mit manchen konnte ich mich besser identifizieren als mit anderen, aber dennoch konnte ich beim Miträtseln keinen der Überlebenden als Täter ausschließen.

Sehr gut gefallen haben mir die unheimliche Stimmung und das unterschwellige Grauen, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. So konnte ich als Leserin die Angst der Figuren zumindest ein wenig nachempfinden, in dieser ausweglosen Situation, gefangen auf einer Insel, offenbar mit einem mordlustigen Irren. Agatha Christie stellt sehr überzeugend und mit psychologischem Geschick das wachsende Misstrauen zwischen den zehn Anwesenden dar – bis zum Schluss niemand mehr irgendjemandem traut. Zwar werden Zweckbündnisse eingegangen, aber genauso schnell wird wieder „Verrat“ begangen, denn in einer solchen Extremsituation ist dann doch jeder sich selbst der Nächste. Hinzu kommen noch die Schuldgefühle der Menschen, denn obwohl ihre Morde juristisch nicht nachgewiesen und belangt werden können, haben sie doch schwere Schuld auf sich geladen. Dies und die Todesangst der Betroffenen machen den Roman auch aus psychologischer Sicht sehr spannend und interessant, zumal die Autorin uns am Innenleben der Figuren reichlich teilhaben lässt.

Fazit: Dieser geschickt konstruierte Krimi ist meiner Meinung nach unbedingt empfehlenswert für ein paar spannende Lesestunden. Die geschickt konstruierte Handlung und die überraschende Auflösung machen das Lesen zu einem gänsehautintensiven Lesevergnügen.

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140 Bibliotheken, 0 Leser, 7 Gruppen, 11 Rezensionen

krimi, hercule poirot, england, zahnarzt, mord

Das Geheimnis der Schnallenschuhe

Agatha Christie , Ursula von Wiese
Flexibler Einband: 206 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 16.11.2006
ISBN 9783596173099
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:

Der berühmte belgische Privatdetektiv Hercule Poirot muss erfahren, dass sein Zahnarzt Dr. Morley ermordet in seiner Praxis aufgefunden wurde. Und dabei hat er ihn just an diesem Tag noch gesehen, da er sich bei ihm einer Zahnbehandlung unterziehen musste. Alles deutet auf einen Selbstmord hin, da er mit einer Pistole in der Hand gefunden wurde. Doch Poirot ist überzeugt, dass es sich um Mord handelt, denn der Zahnarzt hat sich bei seinem Besuch ganz normal und unauffällig benommen.
Es gibt drei Patienten, die seit Poirots Besuch in der Praxis waren: der reiche, aber bescheidene Großbankier Alistair Blunt, die gutmütige, etwas geheimnisvolle Mabelle Sainsbury Seales und der griechische Erpresser Amberiotis. Spielen diese drei Patienten eine Rolle bei dem Mord? Oder ist gar ein Bediensteter des Zahnarztes oder dessen Praxispartner schuldig? Weiß seine Schwester, mit der er zusammenlebte, mehr als Sie zugibt? Kurz darauf geschehen noch zwei weitere Morde, die offensichtlich mit der ersten Tat in Verbindung stehen. Obwohl der Scotland-Yard-Inspektor Japp noch immer von einem Selbstmord ausgeht, nimmt Poirot Ermittlungen auf. Und er deckt Erstaunliches auf…

Meine Meinung:

Wie die meisten von Agatha Christies Kriminalromanen ist auch dieser hier wieder sehr spannend zu lesen und ein wahrer Pageturner. Ich mochte das Buch kaum mehr aus der Hand zu legen und erwartete gespannt die Auflösung dieses verworrenen Falles.

Die Autorin versteht es meisterhaft, falsche Spuren zu legen und Verdachtsmomente aufkommen zu lassen, die sich später wieder in Wohlgefallen auflösen. So hatte ich der Reihe nach fast alle Charaktere einmal in Verdacht, etwas mit den Morden zu tun zu haben. Poirot kombiniert wie immer schnell und clever, verrät dem Leser aber nur einen Teil seiner Vermutungen und deutet manches nur an. So gelingt es Agatha Christie, Spannung zu erzeugen und diese stetig aufrecht zu erhalten.

Über den Egozentriker Hercule Poirot habe ich mich stellenweise wieder sehr amüsiert. Sein sehr ausgeprägter Ordnungssinn wird als running gag immer wieder angedeutet, was mich auch immer wieder zum Grinsen bringt. Auch die humorvolle Schilderung von Poirots Zahnarztbesuch zu Beginn des Buches hat mich sehr zum Schmunzeln gebracht. Solche Stellen lockern den ansonsten etwas düsteren Krimi in gelungener Weise auf und lassen den Leser durchatmen.

Agatha Christies Schreibstil ist wie immer angenehm und flüssig zu lesen und die Nebencharaktere haben interessante Hintergründe, die oft recht undurchschaubar sind. Die vielen Figuren und deren verworrene Beziehungsstruktur untereinander haben es mir jedoch nicht immer leicht gemacht, den Überblick zu behalten. Es ist ratsam, sich ein kleines Personenverzeichnis anzulegen, um das Miträtseln und Spekulieren zu erleichtern.

Die Auflösung hat mich dann doch überrascht, ich wäre von selbst nicht darauf gekommen und hatte diese Figur nicht mal als Täter in Verdacht. Poirots immense Auffassungsgabe wirkt auf mich zwar manchmal, und ganz besonders in diesem Roman, etwas unrealistisch, aber darüber sehe ich großzügig hinweg.

Alles in allem hat mich „Das Geheimnis der Schnallenschuhe“ gut unterhalten. Die Handlung ist sehr gut durchdacht, die beteiligten Charaktere sind interessant und undurchsichtig. Der Fall selbst ist allerdings relativ komplex, so dass man etwas Konzentration für die Lektüre aufbringen muss. Für Fans von Agatha Christie ist der Roman ein Muss, für alle anderen ebenfalls empfehlenswert.

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59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

fantasy, phantasien, die legenden von phantasien, geräusche, schmetterlinger

Die Verschwörung der Engel

Wolfram Fleischhauer
Fester Einband: 395 Seiten
Erschienen bei Droemer/Knaur
ISBN 9783426196465
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt:
Der junge Schmetterlinger Nadil und seine Freunde fliegen zusammen mit ihrem Meister Toralon nach Mangarath, der Stadt der Töne und der Musik, wo die Phantásier unzählige Geräuschattraktionen genießen und bestaunen können. Dort wollen sie neuen Sternenstaub für ihre Schmetterlinge holen, der ihren Schmetterlingen die Fähigkeit zu fliegen verleiht. Allerdings wird ihnen dort ein seltsamer Empfang zuteil: sie dürfen nicht ins Sternputzerviertel, da es angeblich in Mangarath neue Regeln gibt. Dies aber kommt Nadil reichlich seltsam vor und er will es nicht so einfach hinnehmen – zumal der Sternputzer Josian Pegario ihm wortlos das Amulett seines Großvaters Saru überreicht, den Nadil schon länger nicht mehr gesehen hat. Hinzu kommt noch ein reichlich merkwürdiges Gespräch, das Nadil zufällig belauscht und in dem er von seltsamen Lichterscheinungen erfährt, die überall in Phantásien zu sehen sind. Warum wird seinem Großvater unterstellt, ein Verräter zu sein und in Silandor eingedrungen zu sein? Bald schon wird Nadil klar, dass Mangarath unter seiner fröhlichen Fassade ein dunkles Geheimnis birgt und dass in Phantásien nicht mehr alles ist, wie es sein sollte…

Meine Meinung:
„Die Verschwörung der Engel“ von Wolfram Fleischhauer gehört zur Reihe „Die Legenden von Phantásien“, in der sich deutsche Autoren und Autorinnen von Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ inspirieren lassen und eigene Abenteuer rund um Phantásien aufschreiben. Da ich „Die unendliche Geschichte“ selbst noch nicht gelesen habe, kann es natürlich sein, dass mir einzelne Andeutungen entgangen sind und ich einzelne Aspekte der Geschichte nicht verstanden habe. Dennoch tat meine Nichtkenntnis von Michael Endes bekanntem Buch meinem Lesegenuss keinen Abbruch. Vielmehr verleitet es mich zur baldigen Lektüre desselben.

Das Buch beginnt mit einem reichlich geheimnisvollen Prolog, aus dem ich noch nicht recht schlau wurde. Darin erlebt der Leser einen Kampf zwischen mächtigen Engeln an der Grenze von Phantásien, der mit der Vernichtung einiger dieser Engel endet.
Nachfolgend lernt der Leser zunächst Mangarath kennen, die Stadt der Töne und Klänge mit ihren zahlreichen Geräuschattraktionen wie dem Geräuschdom und dem Stadion der Glückssänger. Die Hauptrolle in dem Buch spielen die Schmetterlinger aus Nevisehr. Dies ist ein liebenswertes Volk Phantásiens, dessen Fortbewegungsmittel Schmetterlinge sind, die mittels Sternenstaub aus dem Sternputzerviertel fliegen können. Schnell schloss ich Nadil und seinen Freund Piri ins Herz. Vor allem aber gefielen mir die niedlichen, sprechenden Schmetterlinge.

Die Figuren des Buches sind sehr erfrischend und liebenswert und ich konnte gar nicht anders, als sie ins Herz zu schließen. Auch verschiedene, skurrile Nebenfiguren entlockten mir immer wieder ein Grinsen, seien es die Flötenalbe, die immer schlecht gelaunten Brummlerchen oder auch die nicht gerade intelligenten Stierwächter. Aber auch die bösartigen Wesen wie die Quäldrohnen und Iblisse werden anschaulich beschrieben.

Mit einer sehr bildhaften und teilweise fast schon poetischen Sprache beschreibt Wolfram Fleischhauer Mangarath und all die anderen Orte Phantásiens, die Nadil und Piri auf ihrem Abenteuer zu Gesicht bekommen. Die Atmosphäre der Geschichte ist märchenhaft und ob all der Rätsel auch ein wenig mysteriös. Der Autor bedient sich eines herzerfrischenden, einerseits nachdenklichen aber andererseits auch humorvollen Erzählstils, der mich schnell in seinen Bann zog.

Das Buch ist in drei Teile eingeteilt, die wiederum in kürzere Kapitel aufgeteilt sind. Die Protagonisten des Buches werden im Laufe der Geschichte mehrmals voneinander getrennt, was zu verschiedenen Handlungssträngen führt, die schließlich gekonnt wieder miteinander verknüpft werden. Immer wieder wird auch aus der Sicht der „Bösen“ erzählt, so dass der Leser Nadil und seinen Freunden teilweise um ein paar Nasenlängen voraus ist.

Nach und nach wird die ganze Geschichte immer rätselhafter und lädt förmlich zum Miträtseln und Nachdenken ein. Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen, welche die Akteure in Atem halten. Einige der immer wieder eingestreuten Andeutungen und Teillösungen und –erklärungen verknoten dem Leser das Gehirn und regen nicht selten auch zum Nachdenken an.

Der Autor lässt uns die Geschichte aus der Perspektive verschiedener Charaktere miterleben, wobei es oftmals vorkommt, dass die Perspektive mitten im Kapitel wechselt. Zudem bedient er sich oft des Stilmittels der Cliffhanger am Ende eines Kapitels, was mir aber hier gut gefiel, weil es die Neugier auf den Fortgang der Geschichte aufrecht erhielt.

Die Auflösung kommt dann auch sehr philosophisch daher und regt zum Nachdenken an, und kann meiner Meinung nach sogar auch auf verschiedene Aspekte der Realität und unserer heutigen Gesellschaft übertragen werden (falls hier nicht mal wieder die Fantasie mit mir durchgeht).

„Die Verschwörung der Engel“ ist ein märchenhafter Roman, bei dem das Motiv der Unvorstellbarkeit und die Fantasie an sich einen ganz großen Stellenwert einnehmen. Dieses Wohlfühlbuch vermag nicht nur jungen Lesern ein paar schöne Lesestunden zu bereiten.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

historischer roman, 2008, historisch, bücherei

Die Tochter des Salzsieders

Ulrike Schweikert
Fester Einband: 447 Seiten
Erschienen bei Knaur
ISBN 9783426660638
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt:
Schwäbisch Hall, 1510. Anne Katharina Vogelmann stammt aus einer gut situierten Salzsieder-Familie. Ihre Eltern sind beide schon verstorben; die Rolle des Familienoberhauptes nimmt nun ihr strenger älterer Bruder Ulrich ein. Mit im Haushalt leben auch ihr jüngerer Bruder Peter und ihre sanftmütige Schwägerin Ursula. Von der 17-jährigen Anne Katharina wird – als Jungfrau aus gutem Hause – erwartet, dass sie eine für die Familie Vogelmann vorteilhafte Ehe eingeht, um deren Reichtum zu mehren. Anne Katharina hadert innerlich mit den strengen Moralvorstellungen und den Verhaltensregeln, an die sich eine junge Frau zu halten hat. Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ist ihr ein Dorn im Auge. Ihr engster Vertrauter ist ihr greiser Großvater, im Geiste noch fit, aber aufgrund seiner Blindheit und Gebrechlichkeit ins Spital verbannt. Dennoch führt Anne Katharina ein recht sorgenfreies Leben. Ihre heile Welt erhält jedoch schlagartig Risse, als ein mysteriöser Kindsmord geschieht. Wer steckt dahinter, und was war der Grund? Und dies soll nicht der einzige Mord bleiben, der in Hall geschieht. Die Hinweise häufen sich, dass sogar Anne Katharinas Familie in die schrecklichen Geschehnisse verwickelt ist. Anne Katharina beschließt allen Konventionen zum Trotz, der Sache auf den Grund zu gehen….

Mein Eindruck:
Für mich war „Die Tochter des Salzsieders“ das erste Buch von Ulrike Schweikert. Ich hatte im Vorfeld viel Positives von der Autorin gehört, was natürlich meine Neugier erweckte. Im Großen und Ganzen hat mir der Roman gut gefallen und ich habe ihn gerne gelesen – wenngleich ich auch ein paar Kritikpunkte anzubringen habe.

Bereits der Prolog macht neugierig: Anne Katharina hat einen Albtraum, in dem ihre Verwandten zunächst den Tod erleiden und schließlich als maskierte Dämonen wieder erscheinen; sie selbst gerät in Gefangenschaft. Bereits hier erfährt der Leser, dass es sich bei diesem Traum um eine Art Vorahnung handelt. Diese Einführung fand ich sehr gelungen, da sie Spannung aufbaut und – im Nachhinein betrachtet – metaphorisch gut den Inhalt der Geschichte beschreibt.

Das Buch vermittelt seinen Lesern einen umfassenden Einblick in das Handwerk der Salzsieder zur damaligen Zeit; die Arbeit und die Gerätschaften sind sehr anschaulich und genau beschrieben. Auch bietet es einen interessanten Einblick in die Lebensumstände der Schwäbisch Haller in der damaligen Zeit. Den doppelten Lesegenuss hat natürlich, wer sich in Hall auskennt (was bei mir persönlich leider nicht der Fall ist), denn diesen Lesern werden so einige der im Buch auftauchenden Orte und Straßen bekannt vorkommen.

Ein großes Thema des Buches ist die Rolle der Frau zu der Zeit, in der die Handlung spielt. Anne Katharina ist eine starke Frau mit eigenem Willen, die schmerzlich die Ungerechtigkeit empfindet, dass Frauen weitaus weniger Rechte und Freiheiten genießen als Männer. Sie ist eine intelligente junge Frau, politisch interessiert und den Männern in politischen Diskussionen durchaus ebenbürtig. Immer wieder wird sie jedoch ermahnt, dass die Politik Sache der Männer sei und eine Jungfrau sich nicht einzumischen habe. Auch der Unterricht bei ihrem Ziehvater, dem Mönch Pater Hiltprand, wird ihr von ihrem älteren Bruder verboten. Außerdem sieht Ulrich die Besuche bei ihrem geliebten Großvater, der große Stücke auf seine Enkelin hält, alles andere als gerne. Vielmehr soll sie sich sittsam verhalten, typischen Frauenbeschäftigungen nachgehen und einen Siederburschen heiraten, um den Reichtum ihrer Familie zu mehren.

Anne Katharina fügt sich diesen Konventionen und Erwartungen nur scheinbar. Als der Säugling einer Junkermagd auf mysteriöse Weise ermordet wird, ist sie überzeugt davon, dass die junge Magd selbst nicht die Schuld an dem Tod ihres Sohnes trägt. Sorgsam hütet sie das Geheimnis, wer der Vater des Kindes ist. Als dann noch die Hebamme Els bedroht wird, ist Anne Katharina sich sicher: irgendetwas geht nicht mit rechten Dingen zu. Und weshalb verschwinden darüber hinaus regelmäßig größere Bestände an Holz, das für den Handel vorgesehen ist? Sind hier Holzdiebe am Werk?

So wird die Geschichte allmählich zu einem spannenden historischen Kriminalroman, die Handlung nimmt gehörig an Fahrt auf. Anne Katharina beschließt, den seltsamen Geschehnissen eigenständig auf den Grund zu gehen. Nach und nach erschüttern immer mehr Morde die sonst so beschauliche Stadt. Auch in Anne Katharinas Familie gehen mysteriöse Dinge vor, was ihr den Verdacht aufdrängt, dass auch sie in die sonderbaren und grausamen Geschehnisse verwickelt ist. Obwohl Anne Katharina sich selbst in große Gefahr bringt, stellt sie weiter Nachforschungen an…

Das Buch ist meist spannend zu lesen und an manchen Stellen fiel es mir schwer, es wieder aus der Hand zu legen. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und relativ einfach zu lesen. Die Auflösung fand ich persönlich recht überraschend; während des Lesens hatte ich wechselnde Personen als Täter in Verdacht, aber stets die Falschen.
Allerdings konnte ich keinen richtigen Zugang zur Hauptfigur Anne Katharina finden, auch wenn ich sie grundsätzlich mochte und sympathisch fand. Emotional konnte sie mich jedoch nicht erreichen. Vielleicht, weil sie zu sehr dem in Mittelalter-Romanen gängigen Klischee der „starken, rebellischen Frau“ entspricht.

Soweit ich es beurteilen kann, hat die Autorin für den Roman sehr gut und detailliert recherchiert, ein Vorwort führt in die Haller Salzsiederei ein und ein Nachwort erläutert, welche der geschilderten Geschehnisse der Wahrheit entsprechen, welche Personen tatsächlich existiert haben, und was die Autorin selbst erdichtet hat. So erfährt der Leser etwa, dass im mittelalterlichen Hall tatsächlich eine Familie Vogelmann existiert hat. Ein Personen- und ein Begriffsregister runden das Buch ab. Zu erwähnen ist auch noch die Landkarte von Schwäbisch Hall vorne im Buch. Neugierig gewordene Leser können sich Leseanregungen in einem Literaturverzeichnis holen.

Fazit: „Die Tochter des Salzsieders“ hat mich gut unterhalten und insbesondere der Schluss vermochte mich zu überraschen. Wer einen unterhaltsamen Mittelalter-Krimi lesen möchte und dabei ins Schwäbisch Hall des Spätmittelalters abtauchen möchte, dem kann ich dieses gut recherchierten Roman durchaus empfehlen. Spannende, wenig anspruchsvolle Lektüre, die unterhaltsame Lesestunden verspricht.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

jugendbuch, historisches

Funke der Freiheit

Tilman Röhrig
Flexibler Einband
Erschienen bei Arena
ISBN 9783401025865
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Am 23. März 1819 wird in Mannheim der Lustspieldichter und russische Staatsrat August von Kotzebue von einem Theologiestudenten aus dem Ort Wunsiedel im Fichtelgebirge auf brutale Weise ermordet. Dieser politische Mord erschüttert nicht nur die Bevölkerung Mannheims, sondern die Tat schlägt Wellen weit über die badische Stadt hinaus. Die Stadtoberen fürchten um den Ruf der Stadt und sind ängstlich darauf bedacht, die Tat und die möglicherweise dahinter steckende Verschwörung unter Einsatz einer Spezialkommission rückhaltlos aufzuklären.

Nahezu der gesamte Roman spielt am Krankenbett Sands im Mannheimer Zuchthaus. Dort wird die schwere Brustverletzung, die der Mörder sich nach der Tat selbst zugefügt hat, behandelt und Sand von Regierungsbeamten im Rahmen des Verhöres ausführlich zu seiner Tat befragt. Somit erfährt der Leser die Hintergründe der Tat zum größten Teil aus dem Munde des Mörders selbst, verfolgt seine Entwicklung und seine Beweggründe.

Carl Ludwig Sand sieht zu keinem Zeitpunkt ein, dass er mit dem Mord Unrecht begangen hat und ist der festen Überzeugung, seinem deutschen Vaterland damit einen Dienst erwiesen zu haben. Er strebte damit einen Beitrag zur Einheit Deutschlands an und hielt Kotzebue für einen Feind gerade dieser. Ich hatte beim Lesen so manches Mal das starke Bedürfnis, den jungen Mann zu schütteln und anzuschreien, um ihn zur Vernunft zu bringen.

Während des Verhörs sind die Untersuchungsbeamten der festen Überzeugung, dass Sand nicht die ganze Wahrheit sagt, dass er versucht, einen mit an der Tat Beteiligten zu decken. Zunächst vermuten sie eine Verschwörung, dann aber gelangen sie mehr und mehr zur Überzeugung, dass der Mörder durch einen Dritten zu der Tat angestiftet, ja verführt, wurde. Dies würde seine Verblendung und seine feste Überzeugung, ein großes Opfer gebracht zu haben, erklären. Großen Wert legt der Autor darauf, dem Leser klarzumachen, dass Sand im Grunde auch nur ein Opfer ist, ein Opfer von radikalen Dozenten und glänzenden Rhetorikern, denen er blind nachfolgte. Stark unter Verdacht stand der Jura-Dozent Karl Follen, aber auch der radikale Turnvater Friedrich Ludwig Jahn hatte wohl seinen Anteil an der Verführung des Studenten zu diesem radikalen Nationalismus.

Die Literaturhinweise am Ende des Buches verraten, dass der Autor sehr genau und detailreich recherchiert hat und sich große Mühe gab, das damalige Geschehen authentisch und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Deshalb erfährt der Leser viel über die damalige Zeit, vom frühen deutschen Nationalismus bis hin zu den umstrittenen Karlsbader Beschlüssen, von den Schilderungen der damaligen Medizinkunst bis hin zum wahrheitsgetreuen Bild der Stadt Mannheim im frühen 19. Jahrhundert. Auszüge aus Sands Tagebuch, aus seinen Briefen an seine Mutter und aus Werken des radikalen Dichters Theodor Körner lassen die Geschichte noch authentischer wirken. Das Buch war für mich deshalb äußerst lehrreich, gerade da ich mich vorher noch nie wirklich mit dieser Zeit beschäftigt hatte und daher der historische Hintergrund des Romans Neuland für mich war. Allein deshalb schon war es für mich eine wichtige und interessante Leseerfahrung.

Die Szenen am Krankenbett wechseln sich ab mit Rückblenden, die in der Gegenwart geschrieben sind und Erinnerungen des Protagonisten darstellen sollten. Diese Rückblenden liefern oftmals eine willkommene Abwechslung zu dem fortdauernden Frage- und-Antwort-Spiel des Untersuchungsrichters und des Mörders. Bisweilen fand ich es auch etwas langatmig, dem andauernden Prozess zu folgen.

Der Schreibstil und die Wortwahl des Romans sind ebenfalls an die damalige Zeit angepasst und lassen das Buch noch realitätsnäher erscheinen. Allerdings fiel es mir gerade deshalb auch ein wenig schwer, einen Einstieg in den Roman zu finden, da der Schreibstil aus heutiger Sicht doch ein wenig hölzern und anstrengend wirkt. Die Geschichte mutet stellenweise eher an wie ein Bericht, der Leser ist nur Beobachter und findet nicht wirklich ins Geschehen. Die Dialoge wirken sehr authentisch, da der Autor für einfachere Charaktere passenderweise manchmal Umgangssprache verwendet, während die höheren Beamten sich sehr gewählt, manchmal hochgestochen ausdrücken. Allerdings benutzt der Autor öfter Wiederholungen, die mir mit der Zeit eher negativ auffielen. So bezeichnet er den Untersuchungsrichter unentwegt als „beleibt“, der Stadtphysikus verhakt nicht nur einmal „die Daumen im Rücken“. Aus irgendeinem Grund empfand ich diese Äußerlichkeiten ab und an als störend.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Handlungsstrang um Friederike, die Tochter des Oberzuchtmeisters, die für Sand schwärmt und ihm durch ihren Vater Blumen als Dekoration für sein Krankenzimmer zukommen lässt und den Schustergesellen Sebastian, der wiederum in Friederike verliebt ist. Dieser Handlungszweig wirkte auf mich etwas fehl am Platze und hat mich immer wieder aus der Geschichte geworfen.

Das Buch ist eigentlich als Jugendbuch konzipiert, doch finde ich persönlich, dass es gerade wegen seines etwas angestaubt wirkenden Schreibstils und der hohen Dichte an historischen Fakten und auch des Themas wegen eher für historisch interessierte Erwachsene geeignet ist. Aber das ist nur mein persönlicher Eindruck und natürlich möchte ich nicht ausschließen, dass sich auch historisch interessierte Jugendliche für das Buch erwärmen können.

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74 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

zauberer, jonathan strange, london, england, susanna clarke

Jonathan Strange and Mr Norrell

Susanna Clarke
Flexibler Einband
Erschienen bei Bloomsbury Publishing PLC, 01.01.2004
ISBN 9780739452103
Genre: Sonstiges

Rezension:

Jonathan Strange und Mr. Norrell haben mich ziemlich lange begleitet, denn ich habe recht lange gebraucht, dieses Buch zu lesen, zumal meine Lektüre auf Englisch war. Alles in allem hat mir der Roman gut gefallen, da es sich um eine Fantasy-Geschichte handelt, die es so wohl noch nie gegeben hat. Die Buchidee ist sehr originell und darüber hinaus auch noch gut umgesetzt.

Sehr interessant fand ich an diesem Roman, dass die historischen Ereignisse um Napoleon und einige historische Figuren mit in die Geschichte eingewoben sind. Dies macht das Buch sehr authentisch und fast möchte der Leser glauben, dass sich die Geschichte um Norrell und Strange tatsächlich so ereignet hat.
Auch der berüchtigte Lord Byron hat seinen Auftritt in diesem Buch, was mir sehr gut gefallen hat.

Ein kleiner Kritikpunkt sind jedoch die Fußnoten, die mich manchmal aus dem Lesefluss gerissen haben und die ich deshalb teilweise als etwas störend empfand. An sich haben die Fußnoten aber durchaus ihre Daseinsberechtigung, denn sie verleihen dem Buch einen „wissenschaftlichen“ Anstrich, was es noch authentischer erscheinen lässt (die Wissenschaft der Zauberei spielt ja eine große Rolle in dem Buch). Nur zogen sie sich teilweise über mehrere Seiten hin, so dass man danach fast schon wieder neu in die eigentliche Geschichte einsteigen musste, zumal die Fußnoten oft eigene, kleine Geschichten erzählten. Hier wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Der Schreibstil von Susanna Clarke sehr detailverliebt und genau, wodurch es für mich ein paar Längen gab und sich manche Szenen für meinen Geschmack ein wenig zu lange hinzogen. Ihr Schreibstil ist aber auch sehr elegant und ausgefeilt, oft auch altmodisch anmutend (ich habe es auf Englisch gelesen). Dies lässt das Buch sehr authentisch wirken und die Sprache ließ oft wunderbare, eindrucksvolle Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. Weiterhin verzichtet die Autorin auch nicht auf eine feine Prise hintergründigen, leicht ironisch angehauchten Humor, was mir sehr gut gefiel.

Der größte Pluspunkt des Buches sind zweifellos die Figuren. Mr. Norrell als verschrobener, älterer Zauberer, der sich am liebsten in seinen Büchern vergräbt, die er über alles schätzt, stellt in gewisser Weise einen Gegenpol zum jüngeren, manchmal ungestümen Jonathan Strange dar, der eindeutig praktischer veranlagt ist als sein Mentor und zudem zur Ironie neigt. Beide Charaktere haben ihre Schwächen und Fehler, sind keinesfalls reine Sympathieträger - was sie so realistisch und interessant macht. Eine gewisse Arroganz und eine gute Portion Egoismus kann man beiden nicht absprechen, und Empathie ist nicht gerade ihre Stärke. Mein persönlicher Favorit war auf jeden Fall Jonathan Strange, eine der besten Fantasy-Figuren, die ich jemals in einem Roman entdecken und begleiten durfte.

Auch die Nebencharaktere sind wunderbar ausgearbeitet und bei vielen wusste ich bis zum Schluss nicht, was ich von ihnen halten sollte. Hier sind vor allem Norrells Diener John Childermass sowie der geheimnisvolle Straßenzauberer Vinculus zu nennen. Insbesondere ersterer hat mich besonders fasziniert und in seinen Bann gezogen, so dass er sich nun den Status meiner Lieblingsfigur in diesem Roman mit Strange teilen kann. Ich habe definitiv eine Schwäche für düster-geheimnisvolle und in gewissem Sinne auch tragische Figuren. Der „gentleman with the thistle-down hair“ ist zwar grausam und ich fand ihn einerseits zwar furchtbar, aber andererseits auch sehr interessant. Und auch Stephen Black ist hier nicht zu vergessen,
die Geschichte um ihn ist ebenfalls ein sehr spannendes Element des Romans.

Immer wieder wird auch auf die Vergangenheit der Charaktere eingegangen, was sie noch lebendiger wirken wird. So wird jede Figur mit einem interessanten Hintergrund ausgestattet, der teils sogar schon wieder Stoff für weitere Romane hergäbe.

Die Gestaltung meiner englischen Hardcover-Ausgabe möchte ich ebenfalls loben, ich mag das schlichte Design des Umschlages sehr und die Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die das Buch durchziehen, sind mehr als gelungen. Der Rough Cut passt ebenfalls ganz toll zum Stil des Buches.

Im letzten Drittel nimmt die Handlung gehörig an Fahrt auf, so dass ich die letzten 200 Seiten förmlich verschlungen habe. Es gibt so einige unvorhergesehene Wendungen und die Autorin weiß ihre Leser so manches Mal zu überraschen.

Insgesamt hat mir das Buch trotz einiger Längen gut gefallen und wird mir wohl noch eine ganze Weile in guter Erinnerung bleiben.

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137 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

stephen king, krimi, colorado, landstreicher, short stories

Colorado Kid

Stephen King , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Heyne, 04.05.2009
ISBN 9783453433960
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:
Die angehende Journalistin Stephanie McCann absolviert ein Praktikum beim Weekly Islander, einem kleinen Blatt auf der beschaulichen Insel Moose-Lookit Island. Die gesamte Besetzung der Redaktion besteht aus dem 90-jährigen Vince Teague und dem 65-jährigen Dave Bowie. Die beiden etwas kauzigen, aber freundlichen Journalisten halten viel von ihrer Praktikantin und weihen sie deshalb in eine überaus rätselhafte Begebenheit aus dem Jahre 1980 ein, das Rätsel um Colorado Kid, das sie jahrelang erfolglos aufzuklären versuchten…
Am Strand von Maine, im Frühjahr 1980: zwei junge Leute finden auf dem Weg zu ihrer Highschool eine Leiche am Hammock Beach. Es handelt sich um einen ungefähr 40-jährigen Mann, der anscheinend erstickt ist. Davon bekommt auch Vince Teague Wind, der sich sofort an den Fundort begibt. Die Recherchen ergeben, dass der Mann aus Colorado stammt, was ihm den Namen „Colorado Kid“ einbringt. Wurde der Mann ermordet? Welche Motive stecken dahinter? Was wollte der Mann an der Küste Neuenglands? Und wie konnte er innerhalb kürzester Zeit von seinem Büro, in dem er vormittags noch gesehen wurde, an den Ort seines Todes gelangen, wo er abends noch in einem Imbiss gesichtet wurde?

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich trotz – oder gerade wegen – seines ungelösten Rätsels fasziniert und beschäftigt. Stephen King baut hier anhand einer rätselhaften Begebenheit der frühen 1980er Jahre eine sehr mysteriöse Stimmung auf, die mich förmlich zum Weiterlesen zwang.

Die Charaktere und der Handlungsort werden mithilfe einer scheinbar alltäglichen Szene eingeführt: Die Journalisten Vince und Dave treffen sich in einem Restaurant mit einem Redakteur eines größeren Blattes, das Boston Globe, zu einer Besprechung. Der Journalist hofft, den beiden Kollegen einige Geschichten über ungelöste Rätsel zu entlocken, da er einen Artikel über dieses Thema plant. Vince und Dave nennen dem Journalisten allerdings nur belanglose, bereits bekannte Begebenheiten, so dass er unverrichteter Dinge wieder abziehen muss. Eine besonders interessante und mysteriöse Geschichte behalten sie jedoch für sich: die Geschichte von „Colorado Kid“. Genau genommen ist diese Geschichte gar keine Geschichte, da sie kein befriedigendes Ende, keine Lösung bietet. Deshalb – und weil es ihre eigene Geschichte ist, die für keinen anderen bestimmt ist – behalten Vince und Dave das Rätsel um Colorado Kid für sich. Kurz danach entschließen sie sich jedoch, es ihrer sehr intelligenten Praktikantin Stephanie weiterzugeben.

Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt, die nur mit Ziffern überschrieben sind. Die Story um Colorado Kid, dem geheimnisvollen Toten am Strand von Maine, wird in Dialogform von den beiden Protagonisten Vince Teague und Dave Bowie an ihre Praktikantin Stephanie weitergegeben. Während die Polizei den Fall „Colorado Kid“ bald als erledigt betrachtet, stellen die beiden Journalisten – fasziniert von dem Geheimnis, dass den Toten umgibt – sehr genaue Nachforschungen über den Toten und die Todesumstände an. Sie begeben sich auf die Suche nach den Spuren des Mannes, finden vieles über seine Identität und seine Lebensumstände heraus; die Todesumstände jedoch bleiben im Dunkeln. Mit großer Neugier verfolgte ich die Erzählungen von Vince und Dave, wartete gespannt darauf, weitere Einzelheiten über Colorado Kid zu erfahren, die vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen. Doch stattdessen wird die Erzählung immer rätselhafter…

Trotz der Kürze baut Stephen King in dem Roman eine dichte, sehr geheimnisvolle Atmosphäre auf. Dies liegt zum einen an der liebevollen Beschreibung des Handlungsortes, des beschaulichen Moose-Lookit Island. Zum anderen lebt das Buch von der ungewöhnlich engen, freundschaftlichen Beziehung zwischen der jungen Praktikantin Stephanie und ihren beiden „Chefs“, Vince und Dave. Die Charaktere werden trotz der Kürze des Buches gut ausgearbeitet und insbesondere durch die gelungenen Dialoge, die mich oft zum Schmunzeln brachte, wurden mir die Drei sehr sympathisch und ich hatte nach einer Weile das Gefühl, sie schon lange zu kennen.

Der Roman überlässt, was Colorado Kid angeht, vieles der eigenen Fantasie und der Interpretation des Lesers. Es ließ mich nachdenklich, zunächst sogar etwas ratlos zurück. Jedoch vermute ich, dass er mich noch längere Zeit beschäftigen wird.

Fazit: Ein Roman, der sich sehr von den anderen Werken Stephen Kings abhebt, kein wirkliches Ende hat – und dennoch sehr kunstvoll und virtuos Spannung aufbaut und Atmosphäre erzeugt. Ein Roman über die Faszination ungelöster Geheimnisse. Empfehlenswert für alle Leser, die Geschichten ohne wirkliche Auflösung, dafür aber mit viel Interpretationsspielraum, etwas abgewinnen können. Wer das jedoch nicht kann, wird an dem Buch nicht viel Freude haben.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 5 Gruppen, 15 Rezensionen

fantasy, träume, portal des vergessens, vryn, melaras

Portal des Vergessens

Stephan R Bellem , Stephan Bellem
Flexibler Einband: 285 Seiten
Erschienen bei Ueberreuter, C, 31.01.2011
ISBN 9783800095339
Genre: Fantasy

Rezension:

Inhalt:
Peter hat bei einem schweren Autounfall nicht nur seine beiden Elternteile verloren, sondern auch sein Gedächtnis. So sind ihm außer ein paar Fotos kaum Erinnerungen an seine Eltern und an sein Leben vor dem Unfall erhalten geblieben. Jedoch hat er von seinen Eltern ein immenses Vermögen und eine sehr schöne Wohnung geerbt, so dass sich der begeisterte Geschichtsstudent um Geld keine Sorgen zu machen braucht. Sorgen bereiten ihm allerdings die unheimlich lebensechten Träume, die ihn Nacht für Nacht – und immer um dieselbe Zeit – in eine seltsame, mittelalterliche Welt entführen. Beinahe fühlt er sich wie mitten in einen Fantasy-Roman versetzt. Peter fürchtet, verrückt zu werden und erzählt deshalb seiner Therapeutin Dr. Wünschler von den eigenartigen Träumen. Was hat es mit diesen so realistisch anmutenden Träumen auf sich? Wird Dr. Wünschler Peter davon befreien können?

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einem Prolog, in welchem sich der Leser mitten in einem von Peters merkwürdigen Träumen wiederfindet. In diesem Traum trägt Peter den Namen Vryn und liefert sich einen erbitterten Kampf mit seinem Bruder Vorlokk, der scheinbar gewaltige Naturmächte entfesselt. Der Traum endet damit, dass Vryn gegen seinen Bruder siegt und dieser von einer Klippe in die Tiefe stürzt. Anschließend lernen wir Peter kennen, der schweißgebadet und verwirrt aus diesem seltsam lebensechten Traum erwacht. Peter ist scheinbar ein ganz normaler Geschichtsstudent, der ein sehr großes Interesse an seinem Studienfach hat. Aus diesem Grund hat er nicht selten das Gefühl, in der falschen Zeit zu leben. Der Leser erhält einen Einblick in Peters Studentenleben, was sehr amüsant beschrieben ist – ich als Studentin erkannte mich problemlos darin wieder.

Im Folgenden wechseln sich Kapitel aus der Sicht von Peter und solche aus der Sicht von Vryn aus Peters Träumen ab, was durch entsprechende Kapitelüberschriften gekennzeichnet wird. Unterbrochen wird diese Regelmäßigkeit zweimal durch Kapitel aus der Sicht einer völlig anderen Figur (die ich aber nicht verrate).

Die Träume bilden einen eigenen Handlungsstrang, der sich um Peters „Traum-Ich“ Vryn dreht. Die mittelalterlich anmutende Fantasy-Welt wird sehr atmosphärisch beschrieben, so dass sie sehr plastisch vor meinem geistigen Auge erschien. Vryn ist der Sohn eines einfachen Bauern, der jedoch früher einer der mächtigen vier Sonnenkrieger war. Er versucht allerdings, seine beiden Söhne von der Kriegskunst fernzuhalten – bis eines Tages sein älterer Sohn Vorlokk durch einige geheimnisvolle Krieger entführt wird. Von diesem Tag an wird Vryn zu einem Krieger ausgebildet, um eines Tages seinen Bruder befreien zu können. Warum haben diese Männer Vorlokk entführt? Wird Vryn seinen Bruder befreien können? Und will dieser überhaupt befreit werden? Mit Vorlokk ist jedenfalls schon am Tag seiner Entführung eine seltsame Änderung vorgegangen – greift er doch seinen Bruder Vryn rücksichtslos und unerbittlich an…

Peters Träume – und damit auch die Kapitel über Vryn – werden immer länger, und Peter empfindet sie immer realer. Schließlich verflechten sie sich auf eigenartige Weise mit der Realität, eine Figur aus Peters Träumen taucht auch in seiner Wirklichkeit auf. Wer ist sie? Kannte er sie in seinem Leben vor dem Unfall? Auf eine gekonnte Art und Weise verknüpft der Autor die beiden Handlungsstränge über Peter und Vryn, so dass Vryn einen immer wesentlicheren Teil von Peters Leben einnimmt. Schließlich beschließt er, angespornt von seinem Freund Frank, der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was es mit den Träumen auf sich hat…

Der Schreibstil des Autors ist detailverliebt und stellenweise recht elegant, doch insbesondere in den Kapiteln aus der Sicht von Peter wird die Sprache auch manchmal salopp, was für einen Studenten ja durchaus nicht ungewöhnlich ist.
„Portal des Vergessens“ lässt sich sehr flüssig lesen und ist auch durchgehend spannend, da man stets wissen möchte, wie es weiter geht. Der Plot ist recht originell, der Kontrast zwischen der heutigen Welt von Peter und der mittelalterlichen Welt von Vryn ist gut herausgearbeitet und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.

Das Ende wartet mit einigen Überraschungen auf, manche Dinge fand ich jedoch auch ein wenig vorhersehbar. Jedenfalls empfand ich das Ende als stimmig und passend zum Buch. Die Geschichte wirkt zwar abgeschlossen und rund, doch lässt sich der Autor durch den Epilog offensichtlich noch die Möglichkeit einer Fortsetzung offen. Ich bin ja gespannt, ob da eventuell noch etwas kommt…

Allerdings würde ich den Roman keinen zartbesaiteten und auch keinen sehr jungen Lesern empfehlen, da darin einige stark gewalthaltige und brutale Szenen vorkommen. Ansonsten bietet das Buch auf jeden Fall einige kurzweilige und spannende Lesestunden.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

island, beziehungen, liebe, trennung

Der Zeitdieb

Steinunn Sigurdardóttir , Coletta Bürling (Übers.) , Steinunn Sigurðardóttir
Flexibler Einband: 186 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 02.06.2003
ISBN 9783499232619
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt:
Alda ist eine 37-jährige, begehrenswerte und sehr von sich selbst überzeugte Lehrerin aus Reykjavik. Ihr Liebesleben ist unstet, sie hat zahlreiche Affären hinter sich und gedenkt nicht, sich auf ewig zu binden. Finanzielle Probleme sind ihr fremd, denn sie hat von ihren gut situierten Eltern ein Vermögen und einige Häuser geerbt. In einem dieser Häuser lebt sie zusammen mit ihrer Schwester Alma und deren Tochter Sigga, ganz nahe am Meer.

Doch eines Tages geschieht es – Alda verliebt sich rettungslos in Anton, einen jüngeren, verheirateten Lehrerkollegen. Mit diesem verbringt sie eine wunderschöne Zeit, die jedoch nur einhundert Tage lang währt. Denn dann wird sie vom Geliebten verlassen und muss ihr Leben fortan in Sehnsucht nach ihm verbringen…

Meine Meinung:
„Der Zeitdieb“ ist ein berührendes Buch über eine verlorene Liebe und darüber, was das Verlassenwerden in einem Menschen auslösen kann.
Alda fungiert hier als Ich-Erzählerin und ihre Geschichte erzählt sie uns in der Gegenwartsform. Der Roman ist in relativ kurze Kapitel eingeteilt, die mit jeweils passenden Überschriften versehen sind, welche Neugier auf das Kommende wecken.

Alda ist in der Männerwelt heiß begehrt und wird sowohl im Lehrerkollegium als auch unter den Schülern angehimmelt. Sie ist kein Kind der Traurigkeit, und so stürzt sie sich in eine Affäre nach der anderen, aber niemals sind Gefühle mit im Spiel. Folglich bleibt es nicht aus, dass sie unzählige Männerherzen bricht. Alda ist eine oberflächliche und etwas selbstverliebte Frau. Ein Leben im Luxus ist ihr sehr wichtig und sie verreist häufig und gerne. Als der neue Geschichtslehrer Anton in ihr Leben tritt, will sie sich zunächst gar nicht eingestehen, dass sie sich Hals über Kopf verliebt hat. Und doch kann sie bald an nichts anderes mehr denken und verfällt ihm schließlich. Die beiden Kollegen stürzen sich in eine Affäre, die für Alda jedoch ganz anders ist als diejenigen davor. Zum ersten Mal empfindet sie Liebe für einen Mann, sie hat den Wunsch, ihr Leben mit ihm zu verbringen. Nach einhundert Tagen jedoch verlässt Anton sie, was ihr schier das Herz zerbricht. Ihre Liebe zu Anton lässt sie nicht mehr los.

Der Roman hat relativ wenig an Handlung zu bieten. Vielmehr legt die Autorin den Fokus auf die Beschreibung von Aldas Gefühlen und Gedanken zu dieser verlorenen Liebe. „Der Zeitdieb“ ist durchzogen von tiefgründigen Gedanken über die Liebe, die Partnerschaft, über Familie, das Älterwerden und das Leben an sich. So überträgt sich Aldas Weltschmerz auf den Leser und es fiel mir nicht schwer, mit ihr zu fühlen. Dennoch vermochte ich nur schwer mit der Hauptfigur warm zu werden, war sie mir doch etwas zu sehr von sich selbst überzeugt und zuweilen erscheint sie mir auch sehr herzlos. Als Sympathieträgerin würde ich sie jedenfalls nicht bezeichnen. Die Nebencharaktere bleiben blass und erscheinen nur in Konturen, was vermutlich von der Autorin so beabsichtigt ist, da einzig Aldas Gefühlswelt im Mittelpunkt stehen soll.

Ein wichtiger Aspekt des Buches ist die Geschichte von Aldas Familie. Ihr Vater und ihre Mutter sind längst verstorben, jedoch ist die Einrichtung in ihrem Elternhaus seit ihrer Kindheit unverändert. Weder Alda noch ihre Schwester Alma haben das Haus ihrer Eltern seit deren Tod verlassen, sie wohnen seither zusammen, allerdings in verschiedenen Stockwerken. Später im Buch trifft die Schwestern ein weiterer schwerer Schicksalsschlag. Ein anderes zentrales Thema des Buches ist das Älterwerden, die Einsamkeit im Alter und die Angst davor. Alda richtet ihr ganzes Leben auf diesen Mann, auf ihre verlorene Liebe aus und so ziehen die Jahre an ihr vorbei, indem sie ihm nachtrauert und sich nach ihm verzerrt.

In ihrer eindringlichen, intensiven und poetischen Sprache schildert die Autorin Aldas Leiden und ihre fortwährenden Gedanken an ihren verflossenen Geliebten. Dabei bedient sie sich verschiedenster Stilmittel. So finden sich in diesem Roman Passagen in lyrischer Form, Briefe an Anton, die Alda an ihn verfasst und nicht absendet, ein Dialog in Dramaform und nicht zuletzt natürlich viele Bilder und Metaphern. Diese abwechslungsreiche Gestaltung sorgt für eine unglaublich dichte Atmosphäre, die Emotionen der Protagonistin werden dem Leser sehr überzeugend und glaubwürdig vermittelt. Das Buch verlangt es, aufmerksam gelesen werden, denn die Autorin bedient sich gerne längerer und teils auch verschachtelter Sätze. Aber auch Ellipsen scheint sie zu mögen. Etwas erschwert wird die Lektüre durch das Fehlen von Anführungszeichen, so dass sich Dialoge nicht immer problemlos erkennen lassen.
Interessant fand ich auch, dass Alda manchmal von sich selbst in der dritten Person spricht. Dies hat sicherlich eine bestimmte Bedeutung, die mir aber noch nicht klar geworden ist.

Das Buch spielt in Island und bietet einen schönen Einblick in die faszinierende Kultur und die Lebensweise der Isländer. Oft tauchen stilvolle Naturbeschreibungen und –metaphern auf, welche versuchen, dem Leser die Schönheit der Natur in dem nordischen Land zu vermitteln. Im Grunde strahlt das ganze Buch die Kälte, aber auch den Zauber Islands aus. Einige isländische Begriffe sind (zumindest in der deutschen Übersetzung) in kurzen Fußnoten erklärt, wofür ich recht dankbar war.

Fazit: „Der Zeitdieb“ ist ein ruhiges und nachdenkliches Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Zwar bietet es wenig Handlung, dafür aber eine ausgefeilte und kunstvolle Sprache und faszinierende Gedankenspiele einer Frau mit gebrochenem Herzen. Ich würde es jedem, der tiefgründige Bücher mag, empfehlen.

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40 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 21 Rezensionen

usa, freundschaft, arbeitslosigkeit, roman, armut

Rost

Philipp Meyer , Frank Heibert
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 18.08.2010
ISBN 9783608938937
Genre: Romane

Rezension:

Mein Eindruck:
„Rost“ ist ein Buch, das mir so viel mehr gab, als ich von ihm erwartet hatte. Ich hatte „nur“ ein paar Stunden kurzweilige Unterhaltung erwartet, doch bekommen habe ich so viel Stoff zum Nachdenken, dass das Buch vermutlich noch monatelang in mir nachwirken wird.
Zunächst war ich skeptisch, als ich die vielen „Lobeshymnen“ auf den Roman vorne im Buch sah, kamen sie mir doch maßlos übertrieben vor. Nach der Lektüre kann ich aber sagen: das viele Lob ist durchaus berechtigt und ich stimme allen positiven Meinungen zu.

Hauptthema des Buches ist natürlich die Freundschaft zwischen Isaac und Poe, und was ein schrecklicher Vorfall in einer alten Fabrikhalle mit dieser Freundschaft macht. Denn in dieser Fabrikhalle geschieht ein ungewollter Mord, den Isaac begeht, für den jedoch sein langjähriger Freund Poe im Gefängnis landet. Während der hochbegabte Isaac sich, wie schon lange erträumt, auf den Weg nach Kalifornien macht, um dort seinen Traum eines Astrophysik-Studiums zu verwirklichen, macht Poe im Gefängnis eine sehr schwere Zeit durch. Jedoch ist es Isaac nicht bewusst, dass sein bester Freund für ihn durch die Hölle geht, da er zu diesem Zeitpunkt schon unterwegs in sein neues Leben ist. Die ganze Zeit über bewegte mich die Frage, ob er in irgendeiner Weise vom Schicksal Poes erfahren wird. Die Antwort darauf werde ich aber natürlich an dieser Stelle nicht verraten.

Wie ein roter Faden zieht sich auch der Gedanke durch das Buch, dass ein jeder versuchen sollte, in eigener Verantwortung das Beste aus seinem Leben zu machen. Immer wieder wird von verpassten Chancen der Charaktere erzählt, von Gelegenheiten, die diese aus Furcht oder aus Antriebslosigkeit nicht wahrgenommen haben. Ich hatte den Eindruck, dass dies die Botschaft ist, die dem Autor am meisten am Herzen lag und die er dem Leser vermitteln möchte. Dementsprechend brennt in den meisten der Charaktere auch der Wunsch nach einer Veränderung in ihrem Leben. Ein weiteres wiederkehrendes Motiv, das eng damit zu-sammenhängt, ist die Vergänglichkeit des Lebens, derer sich Meyers Charaktere immer wie-der bewusst werden.

Eine weitere, sich durch den Roman ziehende Thematik ist der Untergang eines ehemals blühenden Industriestandortes. Beeindruckend und treffend zeichnet der Autor das Bild einer amerikanischen Kleinstadt, die erheblich unter dem Strukturwandel und der Globalisierung leidet und förmlich ausblutet. Auf eine ebenso kompetente als auch gesellschafts- und sozi-alkritische Art und Weise spricht der Autor immer wieder ökonomische und soziologische Probleme und Themen an. So leidet die Gegend unter einer hohen Arbeitslosigkeit, woraus sich wiederum eine hohe Armutsquote und als logische Folge eine hohe Kriminalität ergeben. Immer wieder spricht Meyer Einzelschicksale an, anhand derer klar wird, wie sehr die Menschen aus dieser Gegend unter der schlechten Wirtschaftslage leiden.

Der Autor hat die Fähigkeit, mit seiner Sprache Bilder zu malen. So konnte ich mir als Leserin sehr lebhaft die Kleinstadt Buell und ihr Umland vorstellen, mit ihrer einerseits sehr maroden industriellen Infrastruktur, die aber andererseits umgeben ist von einer wunderschönen Landschaft und von einer Natur, die sich gerade anschickt, sich ihr ursprüngliches Terrain wieder zurückzuerobern.

Das Buch ist eingeteilt in relativ kurze Kapitel, was ich als positiv empfand. In einem einlei-tenden, etwas längeren Kapitel lernt der Leser zunächst Isaac und Poe, die beiden Hauptfi-guren, kennen. In den folgenden Kapiteln nimmt er dann abwechselnd die Perspektive der verschiedensten Charaktere aus dem Umfeld der beiden Protagonisten sowie natürlich der beiden Protagonisten selbst ein.

Den Figuren fühlte ich mich schnell nahe und erkannte mich selbst in vielen von ihnen zu-mindest zum Teil wieder. Der Leser erhält einen ausführlichen Einblick in die Gedankenwelt der Protagonisten. Viele dieser Gedankengänge sind wohl jedem so oder ähnlich schon einmal durch den Kopf gegangen – und wenn nicht, dann wird dies mit Sicherheit nach der Lektüre der Fall sein. Dieses Buch bietet sehr viel Stoff zum Nachdenken über sein eigenes Leben.

Isaac selbst ist hochintelligent und hat eine sehr komplexe Gedankenwelt. Dies kann an manchen Stellen etwas anstrengend für den Leser zu sein und doch lohnt es sich, ihm zu folgen. Ich persönlich fand gerade die Isaac-Kapitel sehr bereichernd und interessant. Isaacs Vergangenheit ist sehr schwierig, seine Mutter hat sich ertränkt und sein Vater sitzt seit einem schrecklichen Arbeitsunfall im Rollstuhl und ist auf fremde Hilfe angewiesen, benimmt sich außerdem wie ein Tyrann und macht seinem Sohn so sein Leben zur Hölle.

Jedoch ist auch Isaacs Freund Billy Poe, der nach außen hin eine eher harte Schale zur Schau trägt, sehr intelligent und hinter seinem oft etwas rüden Auftreten stecken sowohl Sanftheit als auch eine gehörige Portion Intelligenz. Eine weitere interessante Protagonistin ist Grace, die Mutter Poes, welche ihr eigenes Leben aufgegeben hat, um nur für ihren Sohn da zu sein. Dies würde sie zwar von Herzen gerne ändern, doch fehlt ihr dazu die Kraft. Ihr Leben lang hat sie für ihren eigenen Unterhalt und den ihres Sohnes sorgen müssen, und dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher als jemanden, der sich um sie kümmert.

Diesen Mann findet sie in Bud Harris, dem Polizeikommissar der Stadt. Dieser versucht aus Liebe zu Grace alles, um Poe vor der Haftstrafe zu bewahren. Er nimmt dabei sogar in Kauf, seine eigene Karriere zu gefährden. Doch die Liebe wird nicht in dem Maße erwidert, wie er es sich wünschen würde.

Des Weiteren nimmt der Leser zudem die Perspektive Lees ein, der ebenfalls hochintelligen-ten Schwester Isaacs. Diese besucht die Yale-Universität und hat reich geheiratet und es so geschafft, ihrem tyrannischen Vater und der Enge der sterbenden Kleinstadt zu entfliehen. Jedoch scheint sie ihre Vergangenheit seelisch noch nicht völlig hinter sich gelassen zu ha-ben. Ihr Verhältnis zu Isaac war in ihrer Kindheit sehr gut, doch während ihrer Abwesenheit haben sich die beiden Geschwister voneinander entfremdet.
Henry English schließlich ist Isaacs Vater, der seit einem schrecklichen Arbeitsunfall schwer behindert ist und im Rollstuhl sitzt. Er ist alleine völlig hilflos und benötigt deshalb die Hilfe seines Sohnes, den er allerdings nicht allzu gut behandelt. Lange Zeit fühlt sich Isaac von diesem eingesperrt und gibt ihm die Schuld dafür, dass er kein Studium aufnehmen kann - bis er sich schließlich dennoch auf den Weg macht.

Der Autor verwendet gerne lange, komplex gebaute Sätze, was das Lesen zunächst ein wenig anstrengend macht. Jedoch minderte dies meinen Lesegenuss nach einigen Seiten Einlesezeit nicht mehr. Die Dialoge sind oftmals im saloppen, umgangssprachlichen Ton gehalten, was die Charaktere und die Geschichte noch authentischer wirken lässt.

Obwohl das Buch über weite Strecken einen relativ langsamen und ruhigen Erzählstil auf-weist, flogen die Seiten nur so dahin und es gab keine nennenswerten Längen für mich. Vielmehr wollte ich immer weiter lesen, um endlich zu erfahren, welches Schicksal die lieb gewonnenen Charaktere ereilen wird.

Der Schluss des Buches ist meiner Meinung nach sehr stimmig. Das Ende wird in gewisser Weise offen gelassen, so dass der Leser sich seine eigenen Gedanken machen kann, was sehr gut zu diesem Buch passt. Nach dem Zuschlagen des Buches blieb ich sehr zufrieden, aber auch nachdenklich zurück mit dem guten Gefühl, eine sehr wertvolle Leseerfahrung gemacht zu haben.

„Rost“ ist auf jeden Fall ein faszinierendes Buch und das Lesen hat sich für mich mehr als gelohnt. Einerseits ist der Roman typisch amerikanisch, aber andererseits ist Philipp Meyers Schreibstil sicherlich als einzigartig zu bezeichnen. Hervorzuheben ist aber insbesondere seine Fähigkeit, realitätsnahe und interessante Charaktere jenseits der oft angewandten Schwarz-Weiß-Schablone zu zeichnen – Suchende, die danach streben, ihren Platz in der Welt und ihren ureigenen Weg zu finden.

Ich jedenfalls werde diesen Schriftsteller im Auge behalten und habe mir fest vorgenommen, auch sein nächstes Werk zu lesen. Ich hoffe, dass er – auch jenseits der gängigen Mainstream-Literatur – genügend Aufmerksamkeit bekommt, so dass er die Welt mit zahlrei-chen weiteren Werken dieser Qualität bereichert.

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165 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 67 Rezensionen

mauren, christen, granada, historischer roman, andalusien

Die Maurin

Lea Korte
Flexibler Einband: 663 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2010
ISBN 9783426502303
Genre: Historische Romane

Rezension:

Inhalt:
Andalusien, 1478. Die junge Maurin Zahra, Tochter einer wohlhabenden Adelsfamilie, ist Hofdame und Vertraute der Sultanin Aischa. Da Aischas Ehemann, der Emir Hassan, ihr das Verlassen des Comaresturms in der Alhambra nicht gestattet, beauftragt sie Zahra, für sie am Hof zu spionieren und sie so mit Neuigkeiten bezüglich der politischen Geschehnisse zu versorgen. Auf diese Art dringen besorgniserregende Nachrichten zu ihnen: die Mauren wollen sich fortan weigern, ihre Tributzahlungen an ihre christlichen Lehnsherren zu entrichten. Dies kann nur eines bedeuten: die friedlichen Zeiten sind fortan vorbei und ein Krieg zwischen Mauren und Christen naht. Aischa, die schon lange beeindruckt ist von Zahras Ungestüm und ihrem Mut, betraut sie immer wieder mit riskanten Aufträgen, die für Zahra nicht selten sogar lebensbedrohlich sind. Hinzu kommen ihre Gefühle für einen Kastilier, mit dem sie aufgrund der Gesetze ihres Glaubens keine Verbindung eingehen darf. Vielmehr soll sie nach dem Willen ihres Vaters mit dem reichen Ibrahim verheiratet werden, der sich bereits bei ihrem ersten Zusammentreffen als Widerling entpuppt. Kann Zahra diesem Schicksal entgehen und ihre Träume von Freiheit und Selbstbestimmtheit verwirklichen? Wird ihr alles gelingen, was Aischa ihr aufträgt?

Meine Meinung:
„Die Maurin“ war der erste historische Roman über die maurische Geschichte, den ich gelesen habe und er hat es geschafft, mein Interesse für diese faszinierende Zeit und diese faszinierende Kultur zu wecken, so dass ich mich in Zukunft noch vertiefend mit diesem Thema beschäftigen möchte.

Die Handlung des Romans beginnt im Jahre 1478 in Zahras Heimatstadt Granada. Der Leser lernt Zahras respekt- und doch auch vertrauensvolle Beziehung zu der Sultanin Aischa kennen, die diese schon seit ihrer Kindheit kennt. Auch wird Zahras Familie gelungen eingeführt und ich spürte sofort das innige Verhältnis, das Zahra zu den meisten ihrer Familienmitglieder, insbesondere aber zu ihrer älteren Schwester Hayat hat. Somit konnte ich nicht umhin, das ganze Buch über mit Zahra und ihren Lieben zu hoffen und zu bangen und die Protagonisten schnell in mein Herz zu schließen.

Das Buch hat es problemlos geschafft, mich die gesamten 650 Seiten lang bei der Stange zu halten und die Seiten flogen nur so dahin. Anhand der fiktiven Figur Zahra und deren Familie zeigt Lea Korte die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des blutigen Religionskrieges zwischen den Muslimen und den Christen auf – eine Thematik, die leider auch heute noch große Aktualität hat. Dabei ergreift sie weder für die Mauren noch für die Christen Partei, sondern hebt vielmehr immer wieder hervor, dass es auf beiden Seiten skrupellose und grausame Fanatiker gibt, aber zum Glück auch tolerante und hilfsbereite Menschen. Bisweilen nimmt der Leser auch selbst die Perspektive der anderen Seite ein, nämlich diejenige der Christen, da einige Passagen aus der Sicht des Kastiliers Gonzalo geschrieben sind.

Während Zahra und die Ihren fiktive Figuren sind, spielen auch historisch verbürgte Persönlichkeiten eine Rolle, so zum Beispiel die Sultanin Aischa, deren Sohn und späterer Emir Boabdil, die katholische Königin Isabel von Kastilien und deren Ehemann Fernando sowie der oben bereits genannte Gonzalo und noch einige andere. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, so dass für mich kein Zweifel bestand, dass sich die Geschehnisse genauso oder ganz ähnlich wie in dem Buch geschildert abgespielt haben könnten.

Zudem bringt Lea Korte ihren Lesern die maurischen Sitten und Gebräuche näher und gewährt uns einen aufschlussreichen Einblick in die muslimische Kultur der damaligen Zeit. Der Roman ist voll von lehrreichen Informationen, die jedoch so geschickt eingestreut werden, dass es nie aufdringlich oder überladen wirkt.
Der Leser merkt dem Roman an, dass die Autorin äußerst sorgfältig und genau recherchiert hat und die historischen Ereignisse und die damaligen politischen Verhältnisse so realitätsgetreu wie möglich wiedergibt. In der Nachbemerkung am Ende des Buches erfährt man, wo kleine Anpassungen vorgenommen wurden.

Ein großes Lob verdienen auch die liebevoll und facettenreich gezeichneten Charaktere, die es mir leicht machten, mit ihnen zu leiden und zu zittern. Viele von ihnen machen während der Zeitspanne, in der das Buch spielt, eine persönliche Entwicklung durch, die mich so manches Mal zu überraschen wusste.

Bis zum Schluss kann die Autorin den aufgebauten Spannungsbogen halten und auch der Schluss selbst ist sehr emotional und stimmungsvoll und lässt mich mit dem Gefühl zurück, einen wirklich guten historischen Roman gelesen zu haben. Die geplante Fortsetzung des Romans erwarte ich denn auch mit großer Vorfreude, wobei ich auch anmerken möchte, dass „Die Maurin“ sehr wohl in sich abgeschlossen ist und deshalb problemlos auch von solchen Lesern gelesen werden kann, die keine Fans von Mehrteilern sind und Einzelbände bevorzugen.

Lobend hervorheben möchte ich schließlich auch noch die Ausstattung des Taschenbuches: vom Personenverzeichnis über eine Zeittafel, den Stammbäumen des Hauses Aragón-Kastilien und der letzten Emire des Königreichs der Nasriden von Granada bis hin zu einem hilfreichen Glossar ist so ziemlich alles dabei, was das Leserherz begehrt. Der eigentlichen Geschichte wird ein Abschnitt „Was zuvor geschah…“ vorangestellt, was besonders für Leser, die (wie es bei mir der Fall ist) nicht so gut über die spanische Geschichte Bescheid wissen sehr hilfreich ist, um in das Buch zu finden.

Die Lektüre von „Die Maurin“ hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, da mich das Buch einerseits natürlich hervorragend unterhalten hat, mir aber gleichzeitig auch eine historische Epoche und Kultur nähergebracht hat, mit der ich mich vorher noch nicht beschäftigt hatte. Somit konnte ich durch das Buch auch gleich meinen Horizont wieder einmal ein Stück erweitern.

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157 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 8 Rezensionen

frankreich, 2. weltkrieg, thriller, spionage, 1944

Die Leopardin

Ken Follett , Till R. Lohmeyer , Christel Rost
Fester Einband: 543 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 03.09.2002
ISBN 9783785720905
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mai 1944. Felicity Clairet, von allen nur Flick genannt, ist Geheimagentin des britischen Geheimdienstes SOE, bekannt ist sie unter ihrem Decknamen „Die Leopardin“. Ein Angriff der SOE in Zusammenarbeit mit der französischen Resistance auf eine wichtige deutsche Telefonzentrale in einem Château in Frankreich scheitert, weshalb Flick beschließt, mit einem reinen Damenteam als Putzfrauen getarnt in das Schloss einzudringen. In Windeseile stellt sie ein Team aus sechs sehr unterschiedlichen Frauen zusammen und wagt sich mit ihnen nach einer kurzen Einweisung in das besetzte Frankreich…

„Die Leopardin“ ist ein sehr spannender Agententhriller, der auch mich, die ich keine Kennerin und Liebhaberin dieses Genres bin, überzeugen konnte. Die ständige Gefahr, in der Flick und ihre Leute schweben, ist förmlich spürbar und der Nervenkitzel überträgt sich von den Protagonisten auf den Leser. Eindrucksvoll und manchmal sehr brutal schildert der Autor die Grauen des Zweiten Weltkrieges. Die Folterszenen sind zum großen Teil nichts für schwache Nerven und sehr explizit dargestellt.

Gut hat mir gefallen, dass ein Handlungsstrang aus der Perspektive des deutschen Offiziers Franck geschrieben war, denn auf diese Weise erhielt der Leser einen interessanten Einblick in die Gefühlswelt dieses als grausamen Folterer bekannten Deutschen und bekommt eine Ahnung davon, was ihn dazu antreibt, derartige Grausamkeiten anzuordnen. Seine liebevolle Beziehung zu seiner französischen Geliebten Stéphanie zeigt, dass er auch eine andere, gefühlvolle Seite hat.

Ken Follett schafft wieder ein paar starke Frauenfiguren, und es machte mir Spaß, mit ihnen mitzufiebern. Immer wieder bedient er sich auch bekannter Klischees über Deutsche, Franzosen, Engländer und Amerikaner, doch spielt er so geschickt damit, dass es mich in keinster Weise störte.
Des Öfteren kommt es zu überraschenden und unvorhergesehenen Wendungen und auch wenn der Schluss dann ein wenig vorhersehbar war, so blieb ich doch bis zum Schluss atemlos bei der Stange und habe das Buch zufrieden weggelegt.

„Die Leopardin“ war für mich ein sehr spannendes Leseerlebnis, und ich empfehle diesen Thriller allen begeisterten Lesern von Agententhrillern, aber auch solchen, die ansonsten nicht so viel mit diesem Genre anfangen können, etwa als Einstieg.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, new york, scheidung, mord, klinik

Schlaf still

Kate White , Rasha Khayat
Flexibler Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2010
ISBN 9783548282459
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:

Lake Warren ist 44 Jahre alt, Mutter von zwei Kindern und gleichzeitig sehr erfolgreich in ihrem Beruf als Marketingexpertin. Aufgrund ihrer Scheidung von ihrem Ehemann Jack macht sie jedoch gerade eine schwierige Zeit durch. Gerade als sie beginnt, sich wieder besser zu fühlen, erfährt sie, dass ihr Ex-Mann das volle Sorgerecht für ihre Kinder erreichen will – obwohl sie sich vorher bereits auf geteiltes Sorgerecht geeinigt hatten. Ihr Anwalt rät ihr deshalb, sich während des Prozesses unauffällig zu verhalten und keinerlei Verbindung zu einem Mann einzugehen.
Dennoch lässt sie sich von dem attraktiven Arzt Mark Keaton verführen, der in derselben Klinik für Fruchtbarkeitsbehandlungen tätig ist, für die Lake ein Marketingkonzept erarbeitet. Sie verbringt eine gemeinsame Nacht mit ihm – in der er prompt ermordet wird.
Nun muss Lake sich darum bemühen, ihren „One-Night-Stand“ geheim zu halten, um nicht selbst als Verdächtige zu gelten und im Sorgerechtsstreit nicht negativ aufzufallen. Sie entschließt sich, selbst Nachforschungen anzustellen. Schon bald stellt sie fest, dass es in der Klinik nicht ganz mit rechten Dingen zugeht. Haben deren dubiose Machenschaften etwas mit Keatons Ermordung zu tun?
Lake begreift bald, dass sie sich in höchster Gefahr befindet und dass sie nicht zuletzt auch um ihre Kinder bangen muss. Wird sie rechtzeitig herausfinden, wer hinter Keatons Ermordung steckt?

Mein Eindruck:

Der Prolog ist typisch für einen Thriller: eine Frau erwacht schwerverletzt aus einer Ohnmacht und kann sich zunächst nicht erinnern, was geschehen ist.
Im Folgenden lernt der Leser die Protagonistin Lake Warren und ihre momentane Lebenssituation mittels eines Gesprächs mit ihrer neuen Freundin Molly kennen: sie steckt mitten in einer Scheidung von ihrem Ehemann Jack, die sie seelisch sehr belastet. Ihre Kinder befinden sich im Ferienlager. Beruflich betätigt sie sich als selbstständige Marketingexpertin, wobei sie im Moment ihr Hauptaugenmerk darauf legt, ein neues Marketingkonzept für eine Klinik zu entwickeln, die sich auf Fruchtbarkeitsbehandlungen spezialisiert hat.

Das Buch ist in relativ kurze Kapitel aufgeteilt, die sehr häufig mit einer Art Cliffhanger enden, was Spannung aufbaut und es mir selten erlaubte, das Buch am Ende eines Kapitels aus den Händen zu legen. Kate White bedient sich einer einfachen und schnörkellosen Sprache, so dass sich das Buch sehr flüssig und zügig lesen lässt.
Leider schleichen sich insbesondere im letzten Drittel des Buches mehrere Leichtsinnsfehler ein. So werden beispielsweise ab und an die Namen der Protagonisten verwechselt, was mich immer ein wenig aus dem Lesefluss warf.

Der Erzählstil beginnt ruhig und wird zum Ende hin immer temporeicher. Atemlos beobachtet der Leser, wie das Leben der Protagonistin aus den Fugen gerät und sie schließlich nicht mehr weiß, wem sie noch vertrauen kann. Es kann prinzipiell ein jeder hinter dem Mord stecken, zumal der ermordete Arzt auch noch glücksspielsüchtig war und zudem ein Playboy und Frauenschwarm. Somit besteht die Möglichkeit, dass die Glücksspielmafia hinter dem Mord steckt, aber genauso gut kann es sich um eine eifersüchtige Frau handeln. Lakes Ex-Mann benimmt sich in letzter Zeit ebenfalls seltsam. Und natürlich sind da auch noch die Verantwortlichen der Klinik, die vermutlich schon mitbekommen haben, dass Lake eigene Nachforschungen anstellt…

Die Handlung lädt den Leser förmlich zum Miträtseln und Spekulieren ein und ich hatte so gut wie alle Charaktere mindestens einmal in Verdacht, der Mörder zu sein oder anderweitig in den Fall verstrickt zu sein. Das ist schon einmal ein positiver Aspekt bei einem Thriller.

Ein Manko des Buches war für mich allerdings, dass ich keinen richtigen Zugang zu den Charakteren fand. Insbesondere Lake blieb die ganze Zeit über blass und trotz ihrer umfangreichen und genauen Vorstellung blieb sie mir emotional fern. Außerdem handelt sie in meinen Augen nicht immer nachvollziehbar, was aber nicht unbedingt ein Minuspunkt ist.
Zudem ist das Buch an manchen Stellen etwas unglaubwürdig. So wird der Reporter Kit Archer für meinen Geschmack etwas zu gutmütig und zurückhaltend dargestellt. Mir hätte es besser gefallen, wenn diese Figur etwas zwiespältiger gestaltet worden wäre und vielleicht ein wenig mehr vom „skrupellosen Reporter“ gehabt hätte. Stellenweise wirkt der Thriller nicht zuletzt deshalb auch ein wenig konstruiert.
Die Auflösung konnte mich größtenteils überraschen und ich wäre von selbst nicht auf den Täter gekommen, was ich positiv hervorheben möchte.

Angemerkt sei noch, dass ich das Cover des Buches sehr ansprechend gestaltet finde. Einzig beim Titel kann ich keine Verbindung zum Buchinhalt feststellen.

„Schlaf still“ war für mich eine spannende Lektüre für zwischendurch, die mir aber wohl nicht in Erinnerung bleiben wird. Allerdings sehe ich es als vordergründige Aufgabe eines Thrillers an, mir einige Stunden an spannender Unterhaltung zu bieten, was das Buch auf jeden Fall erfüllt hat. Deshalb lässt mich das Buch relativ zufrieden zurück. Wer also einen spannenden Thriller für einen gemütlichen Lesetag auf dem Sofa sucht, der ist mit „Schlaf still“ bestens bedient.

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(61)

103 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

märchen, fantasy, prinzessin, entführung, drachen

Die entführte Prinzessin

Karen Duve
Fester Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Eichborn, 20.01.2005
ISBN 9783821809526
Genre: Fantasy

Rezension:

Gekauft habe ich es mir in der Annahme, es handele sich um einen typischen Fantasy-Roman. Allerdings habe ich dann im Vorfeld schon ein paar Rezensionen überflogen und so ging ich glücklicherweise mit den richtigen Erwartungen an die Lektüre heran.

Positiv fand ich zunächst einmal die Strukturierung in relativ kurze Kapitel, die mir aufgrund meiner zurzeit eher knappen Lesezeit sehr entgegen kam. Das Cover finde ich im Übrigen auch ziemlich gelungen.

Die Einführung des Nordlandes fand ich noch äußerst erfrischend und amüsant. Voller Ironie und Einfallsreichtum stellt die Autorin die eigenwilligen Sitten und Gebräuche des Landes vor – und zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht (natürlich mal wieder ausgerechnet bei einer Zugfahrt).

Genau dieser Humor wirkt nach einiger Zeit dann aber auch ziemlich verbraucht und schaffte es immer seltener, mich zum Schmunzeln zu bringen. Außerdem wirkten auf mich einige Stellen ein wenig zu zotig. Dafür seien als Beispiel die Anspielungen auf Homosexualität einiger Charaktere genannt. Das hätte man meiner Meinung nach auch eleganter andeuten können – oder das Thema ganz weglassen.

Die Geschichte an sich hielt keine größeren Überraschungen für den Leser bereit und der Plot war doch an vielen Stellen recht vorhersehbar. Zudem blieb die Handlung doch recht an der Oberfläche und vermochte es nicht, mich emotional mitzureißen. Lisvana, Bredur und Diego waren zwar sympathische Figuren, die mir aber doch nicht wirklich nahe kamen und ihr „Schicksal“ ließ mich dann auch mehr oder weniger kalt. Außerdem ging mir Lisvanas naives und übertriebenes Ehrgefühl nach einiger Zeit dann doch ein wenig auf die Nerven.

Der Schluss allerdings hat mir dann wieder gut gefallen. Die Geschichte bekam ein wenig nachdenklichere Züge, die ihr sehr gut zu Gesicht standen. So fand das Buch ein rundes und zufriedenstellendes Ende und ich bereue – trotz einiger Mängel und auch ein paar wenigen Längen – letztendlich nicht, es gelesen zu haben.

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