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150 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

cornwall, bäckerei, liebe, jenny colgan, sommer

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Jenny Colgan , Sonja Hagemann
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.06.2017
ISBN 9783492311298
Genre: Liebesromane

Rezension:


Zum Inhalt:
Polly hat es sich auf Polbearne so schön eingerichtet. Ihre kleine Bäckerei betreibt sie mit Leidenschaft und Erfolg. In Huckle hat sie ihre große Liebe gefunden und gemeinsam leben sie in einem Leuchtturm. Eigentlich läuft alles richtig rund. Bis die Besitzerin der Bäckerei stirbt und ihr Neffe Malcolm das Geschäft rationalisieren will. Und so bricht an Cornwalls Küste erneut ein Sturm aus ...



Meine Meinung:
Da hab ich doch glatt zu einer Fortsetzung gegriffen. "Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg" ist nämlich Teil 2 von "Die kleine Bäckerei am Strandweg" und bald steht auch noch Weihnachten bevor. Zu meiner Erleichterung funktioniert der Roman auch ohne Kenntnis der Auftaktstory und macht sogar noch Lust auf mehr. Jenny Colgan hat auf Polbearne eine so liebenswerte Gemeinde, nebst allerliebstem geflügeltem Sidekick, erschaffen, dass es wirklich schwerfällt, den Roman beiseite zu legen. Duftendes Bäckereiambiente voller Leidenschaft, skurriles Wohnflair, Existenzsorgen, die ebenso realistisch wie das wechselhafte Küstenwetter daherkommen, leicht überzeichnete, aber liebenswerte Nebenfiguren, Eifersucht und Freundschaft sorgen für gute, kurzweilige Wohlfühl-Unterhaltung. Allein Hauptfigur Polly ist mir bisweilen zu sehr zum Jammern aufgelegt und lässt das Stehaufmännchen, das sie laut Aussagen der anderen immer ist, gelegentlich vermissen. Jenny Colgans Gespür für lebensnahe, unterhaltsame Dialoge und abwechslungsreiche Szenenwechsel, die den Leser nicht auf der Strecke und zudem keine Langeweile aufkommen lassen, machen ihren Sommerband über die kleine Bäckerei am Strandweg zu lesenswerter Lektüre. Nicht nur für Fans von Englandromanen. Und zum Schluss gibt's auch noch verführerische Rezepte zum Ausprobieren.

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Tags: bäckerei, cornwall, huckle, küste, lebenstraum, leidenschaft, liebe, nei, polbearne, polly, selbständigkeit, wohlfühlroman   (12)
 

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(62)

111 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 42 Rezensionen

roman, petra durst-benning, kochwettbewerb, maierhofen, die blütensammlerin

Die Blütensammlerin

Petra Durst-Benning
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.03.2017
ISBN 9783734100123
Genre: Romane

Rezension:


Zum Inhalt:
Mit Ende vierzig sieht es für Christine nicht rosig aus. Von Ehemann Herbert endgültig verlassen, sitzt sie im gemeinsamen Haus ohne Beruf und ohne Perspektiven. Als Herbert verkündet, er wolle das Haus verkaufen, wird es eng. Doch zum Glück ist Maierhofen inzwischen ein Mekka für Genussliebhaber, sodass Christine kurzerhand das nicht mehr traute Heim in ein Bed & Breakfast verwandelt. Und als schließlich ein großer Kochwettbewerb bevorsteht, überreden die Maierhofener Frauen Christine zur Teilnahme mit einem Single-Team. Und so hat sie bald das Haus voll unterschiedlicher Persönlichkeiten, die nach dem passenden Partner suchen ...

Meine Meinung: "Die Blütensammlerin" ist bereits der dritte Roman in Petra Durst-Bennings Maierhofen-Reihe. Nach "Kräuter der Provinz" war "Das Weihnachtsdorf" erschienen, der aber kein Lesemuss ist, um mitzukommen. Die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit werden in "Die Blütensammlerin" knapp und unaufdringlich zusammengefasst, sodass der Roman unabhängig gelesen werden kann. Nachdem sich in "Kräuter der Provinz" Großstadtpflanze Greta angesichts des Allgäuer ländlichen Charmes wiedergefunden hatte und sogar in Maierhofen sesshaft wurde, ist mit Christine nun die nächste Single-Frau an der Reihe. Hauptdarsteller aber ist und bleibt Maierhofen, denn das darf wieder seinen Zauber spielen lassen und die zum Kochwettbewerb angereisten einsamen Herzen ordentlich umkrempeln. Dabei ist die Geschichte in Bezug auf die reglementarische Seite des Genussmekkas nicht mehr so blauäugig romantisch wie es noch "Kräuter der Provinz" war, so hat Christine z. B. ordnungsgemäß ein Gewerbe anzumelden. Amüsant ist zudem die Verkupplungsidee, die, und so ist nun mal das Leben, nicht bei allen funktioniert. Trotzdem hätte ich mir gern mehr von der bodenständigen Christine gewünscht, die mir so authentisch vorkommt und überaus sympathisch ist. Im großen Kochteam mit seinen unterschiedlichen Charakteren hat sie zwar als Gastgeberin ihren Platz, kommt aber meines Erachtens zu kurz. Auch von Greta & Co. hätte ich gern mehr gesehen, ob wieder in Maierhofen-Feeling einzutauchen. Trotzdem ist "Die Blütensammlerin" wieder eine schöne, ausgewogene Geschichte mit Schmunzel- und Seufzermomenten und reizvollen Rezepten.

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Tags: christine, genuss, maierhofen, maierhofen-reihe, neuanfan, neue liebe, single   (7)
 

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78 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

paris, james joyce, tanz, samuel beckett, tänzerin

Die Tänzerin von Paris

Annabel Abbs , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.07.2017
ISBN 9783746633169
Genre: Romane

Rezension:


Zum Inhalt:
1928 ist Lucia Joyce auf dem besten Weg eine gefragte Tänzerin zu werden. Der moderne Tanz ist ihr Ausdruck, ihr Lebensinhalt. Allerdings ist es alles andere als einfach, die Tochter von James Joyce zu sein. Als Samuel Beckett in das Leben des erblindenden Schriftstellers tritt und bald als Vorleser tagtäglich in der Pariser Wohnung der Joyces anzutreffen ist, verliebt sich Lucia und beginnt, sich ein Leben mit dem wortkargen Iren zu ersinnen. Doch als Muse ihres Vaters ist sie geradezu an ihn gefesselt ...

Meine Meinung:
Nach Caroline Bernards "Rendezvous im Café de Flore", das Ende 2016 erschienen war und in der Künstlerromanreihe von atb gewissermaßen aus der Reihe tanzt, weil es sich mit fiktiven Figuren auseinandersetzt, bietet Annabel Abbs nun ihre Version eines Ausschnitts aus dem Leben der real existierenden Lucia Joyce. Kein leichtes Unterfangen ist diese Auseinandersetzung mit Joyces Tochter, die als psychotisch galt und nach verschiedensten psychiatrischen Diagnosen den Rest ihres Lebens in Anstalten verbrachte. In der Ich-Perspektive versucht die Autorin in ihrem Debüt nun, die junge Lucia mit all ihrer Leidenschaft für den Tanz und ihren Kampf um Selbstbestimmung einnehmend wie auch unterhaltsam zu beleuchten. Sie wechselt zwischen zwei Erzählebenen: einmal in der Vergangenheit und einmal in der Gegenwart, als die junge Frau mit gerade 27 Jahren bei Jung eine Psychoanalyse durchläuft. Entstanden ist ein Roman, der Lucia nicht von vornherein als geisteskrank brandmarkt, sondern ihren Tanz und ihre Talente in lebhaften, mitunter allerdings kitschigen Bildern zeigt, aber auch eine geradezu naive, unreflektierte Versessenheit auf Samuel Beckett in den Vordergrund stellt, die zu Wiederholungen und Längen führt. Im Gegenzug steht ihr gesamtes Umfeld in nicht nuanciertem schlechtem Licht da. Es entsteht trotz der nach Identifikation heischenden Ich-Erzählung eine merkwürdig abweisende Distanz, die durch die Unterbrechung des Spannungsbogens durch die Sitzungen bei Jung noch verstärkt wird, sodass "Die Tänzerin von Paris" (warum auch immer der Originaltitel "The Joyce Girl" im Deutschen so stiefmüttlerlich missachtet wurde) einen ebenso bedrückenden wie schalen Eindruck hinterlässt und die Frage aufwirft, ob Abbs die zeitlebens missachtete Lucia auf ihre Weise rehabilitieren oder Wasser auf die Spekulationsmühlen gießen wollte. Meines Erachtens ist "Die Tänzerin von Paris" eher ein Roman für Leser, die ihr Bild von James Joyce ergänzen möchten. Ein Roman "nach der wahren Geschichte von Lucia Joyce", von dem vom Klappentext irregeführte Happy-End-Liebhaber besser die Finger lassen sollten.


Nachtrag: Im Übrigen störe ich mich hier sehr am Cover. Auf Wiedererkennung getrimmt, passt es - bis auf Paris - überhaupt nicht. Lucia Joyce ist als reale Figur von Fotografien nicht unbekannt und hatte keine blonde Bürofräuleinfrisur. Auch das obligatorische blaue Gewand hat so gar nichts mit der Geschichte zu tun. Gern hätte ich mir hier mehr Bezug zum Roman gewünscht.

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Tags: 1920er jahr, geisteskrankheit, james joyc, lucia joyc, roma, tanz um selbstbestimmung   (6)
 

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(1)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Lavendelstürme

Margot S. Baumann
Flexibler Einband: 326 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783548290331
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

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(45)

76 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

florenz, liebe, düfte, duft, münchen

Die Galerie der Düfte

Julia Fischer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2017
ISBN 9783426653845
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:
In München betreibt die Mitzwanzigerin Johanna Stern-Reiter, angeschmiegt an die elterliche Apotheke, ein Geschäft, in dem sie mit feinen Sinnen erfolgreich Pflanzenwässer und Naturkosmetik kreiert und verkauft. Von einem besonderen Aqua, mit dem sie aufwuchs, inspiriert, wünscht sie es sich sehnlich, Düfte der ehrwürdigen Florentiner Officina Profumo di Santa Maria Novella in ihrem fantasievollen Sortiment führen zu dürfen. Doch Johanna erntet eine mechanische Absage nach der anderen. Schließlich folgt sie einem kleinen Stups und reist nach Florenz, um die Geschäftsführung der jahrhundertealten Firma persönlich von ihrer „Sternwarte“ zu überzeugen. Bald schon steht sie Kopf und Nase der Officina gegenüber und bringt beide gehörig durcheinander. Während Co-Geschäftsführer Luca Fortini völlig hingerissen von der schönen jungen Frau vorsichtige Annäherungsversuche unternimmt, hat Johanna nur Augen für seinen Bruder Sandro, den Duftexperten. Wie schon ihre Mutter in den 1980ern verfällt Johanna nachhaltig nicht nur dem Charme der Arnostadt ...

Meine Meinung:

Passend zu einer Jahreszeit, in der uns jeden Tag neue Düfte frisch die Nasen kitzeln oder - bisweilen unerträglich - die Luft schwängern, um Bienen zu locken, ist Julia Fischers "Die Galerie der Düfte" erschienen. Ein Sommer-Muss für alle, die Sprache und Liebesromane ohne Kitsch mögen.
Bereits im Prolog verlockt uns die Autorin detailreich, aber intensiv mit Florentiner Stadtansichten, die mitnehmen und neugierig machen, ohne das Geschehen zu überfrachten. Nicht alltägliche, mit ihren Synonymketten vielleicht nicht immer gefällige, aber nicht minder bildreiche und schöne Sprache verleihen der Liebesepisode des Prologs geradezu ätherisches Flair. Eine Stimmung, die verliebt macht in die toskanische Stadt und das Strohfeuer von Leidenschaft. Trotzdem tropft kein Kitsch in den Arno.
Wer flotte Handlungseinstiege mag, sollte geduldig sein und die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. In ihrer Gegenwartshandlung, die 2011 beginnt, erdet uns Julia Fischer nämlich wieder. Trotz allerlei Duftbeschreibungen, die ein gewisses Faible erfordern und in einem Roman um Düfte unverzichtbar sind, wird Johannas Geschichte greifbarer. Julia Fischers Sprache bleibt schön, wird aber mit gut platzierten Dialogen nahbarer, weniger detailliert und passt sich stets der Stimmung an. Mit jeder Szene, jedem Handlungsort und jeder Figur wird deutlich, dass dieser Roman ein Herzblutbuch ist. Nichts erweckt den Eindruck simpler Bildersuche, sondern sprüht vor Leidenschaft für Thema und Figuren. Fachthemen sind kompetent verpackt, ohne abgehoben zu wirken und den Leser auf der Strecke zu lassen. Orte werden lebendig, ohne den Protagonisten die Schau zu stehlen. Alles fügt sich zu einer Einheit, in der alles seinen Platz hat.
Vermeintlich Vorhersehbares wendet sich und lässt die Herzen höher schlagen.
Leicht skurril angehauchte Figuren geben dem Roman, der, wenngleich voller Licht, durchaus auch Schattenmomente thematisiert, immer wieder lebendige Leichtigkeit und animieren zum Schmunzeln.
Johanna ist als herrlich unaufdringliche, besonnene Hauptfigur dargestellt, die genauso individuell wie ihr Kleidungsstil ist, weiß, was sie will und zudem von einem intakten Umfeld profitiert. Wie sehr habe ich diese vermeintlich eigenständigen Heldinnen Mitte Zwanzig satt, die schlussendlich doch nur all ihre Individualität an der Brust eines starken Mannes aushauchen. Schon fast befremdlich schön, hat Johanna in dieser Hinsicht erst einmal nicht viel Glück. So trifft sie ungebunden in Florenz ein, wo Lucas und Sandro um sie buhlen.
Oh Gott! Nicht noch ein Liebesdreieck!
Doch, wenn es richtig funktioniert!
Julia Fischer spielt nämlich mit der Liebe, lässt uns für den einen oder anderen Fortini Partei ergreifen, zeichnet die männlichen Parts so nuanciert, wie die Liebe nun mal ist. Nicht schwarz und weiß.
So werden Entscheidungen und Verhaltensweisen nachvollziehbar und glaubhaft. Und keine Figur fällt aus ihrer Rolle. Nebenfiguren sind keine Statisten, sondern echte Sympathieträger, wenn auch nicht auf den ersten Blick: Da sind der schüchterne Niklas, der ein bisschen in Johanna verliebt ist, die hypochondrische Mechthild, die Johanna den nötigen Tritt in den Hintern gibt, um nach Florenz zu reisen, Buchhändler Korn, der gar nicht so steif ist, wie er tut, und über einen schier unerschöpflichen philosophischen Zitatfundus verfügt, und, und, und. Sie alle wachsen ans Herz, holen den Leser mitten ins Geschehen und tragen nicht zuletzt auch dazu bei, dass die Dreiecksgeschichte nicht aufgebauscht wird.
Überhaupt ist "Die Galerie der Düfte" eine sehr harmonische Geschichte – freilich nicht konfliktfrei, denn Konflikte sind die Würze guter Geschichten – aber erwachsen und unaufgeregt erzählt. Ein Roman der leisen Töne, dem es dennoch nicht an Kraft fehlt. Vielleicht weht auch ein sanfter Hauch von Magie zwischen den Zeilen.

Wer Lust hat, an lauen Sommerabenden gemächlich zwischen Florenz und München zu schweben und Teil einer sanft erzählten, bezaubernden Geschichte mit nuancenreichen, glaubhaften Figuren und einnehmenden Szenerien zu werden, wird sich in „Die Galerie der Düfte“ verlieben.

Gesamteindruck:
5 von 5 Punkten

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Tags: düfte, florenz, italien, leidenschaft, lieb, liebesroman, parfüm, sommer   (8)
 

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(63)

142 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

paris, liebe, buchladen, bücher, frankreich

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008979
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:
Sarah betreibt in der amerikanischen Kleinstadt Ashford einen kleinen Buchladen. Auch wenn sie verliebt in Bücher und generell nicht unbedingt unzufrieden ist, läuft das Geschäft nicht gerade rund, und ihre Fernbeziehung mit Ridge macht sie nur noch sehnsüchtiger nach mehr im Leben. Da kommt ihr doch eine Nachricht ihrer Freundin Sophie wie gerufen. Diese führt nämlich eine Buchhandlung in der Weltstadt Paris und hat nach ihrer jüngsten Beziehungspleite schlichtweg keinen Bock mehr auf die berühmte Stadt der Liebe. Also schlägt sie Sarah einen Ortswechsel vor: Sophie will Sarahs Buchladen in der US-Provinz führen, während Sarah in Paris Sophies "Once upon a time" übernehmen soll. Schnell stimmt die Amerikanerin zu und packt die Koffer, aber Paris gestaltet sich längst nicht so charmant, wie sie sich erhofft hätte.

Meine Meinung:

Ich hatte Lust auf einen Roman über Bücher und Paris, und Liebesromane gehen zwischendurch sowieso immer.
Leider konnte mich der zauberhafte Buchladen am Ufer der Seine nur bedingt verzaubern.
Nüchtern betrachtet ist Rebecca Raisins Roman zwar nicht übermäßig kitschig, aber ziemlich oberflächlich, beleuchtet seine Figuren und sein Setting nur schwach und ist zudem sprachlich gefällig, aber leidenschaftslos erzählt, dass kein rechter Zauber aufkommen will.
Die Idee, eine Amerikanerin nach Paris zu schicken, ist gewiss nicht neu, bietet aber noch immer einiges Potenzial. Dummerweise landet Sarah nun aber in einer Buchhandlung, die sich auf englischsprachige Literatur spezialisiert hat und von Touristen aufgesucht wird. Selbst das Personal besteht größtenteils aus englischen Muttersprachlern, sodass Sarah eher außerhalb der Buchhandlung auf landestypische Barrieren stößt. (Bei Sophies Erwähnung, Sarah würde mit ihrem Französisch prima zurechtkommen, hätte ich schon hellhörig werden sollen.) Nur kommt die junge Frau nicht unbedingt oft aus dem Buchladen heraus, der mit seinen Themenräumen und Kaminen ein wahres Schmuckstück für Liebhaber alter verwinkelter Häuser ist. So werden ihr gleich bei Ankunft genau da Gepäck und Geld geklaut, und vor allem Beatrice, Kassiererin mit höheren Ambitionen, begrüßt den amerikanischen Eindringling mit Eiseskälte. Und während Sarah sich schließlich mit Fehlbeträgen bei der täglichen Abrechnung herumschlagen muss, sehr zum Ärger von Sophie, die in Ashford Sarahs Buchladen auf Vordermann bringt, und sich beim Personal nicht durchsetzen kann, freundet sie sich langsam an mit TJ, dem unveröffentlichten Quotendichter, Océane, der wohl einzig echten Französin in Sophies Laden, und Luiz, dem weltberühmten Schriftsteller, der ausgerechnet in "Once upon a time" seine Bestseller schreibt. Rein zufällig entdecken der selbstverständlich überaus schüchterne, zurückgezogene Schriftsteller mit tragischem Vergangenheitsgepäck und die buchverrückte Amerikanerin, die in Paris so gar nicht mehr zum Lesen kommt, einen Stapel geheimnisvoller Liebesbriefe, die sie gemeinsam lesen und daraus eine Geschichte zusammenreimen. Dieser Nebenplot dient allerdings lediglich als Vehikel, um Sarahs Beziehung mit dem aufstrebenden Journalisten Ridge lahm konstruiert in Frage zu stellen. Denn eigentlich hätten die beiden endlich mal Gelegenheit für Gemeinsamkeit haben sollen. Aber nein, Rebecca Raison schickt den Mann ständig durch die Weltgeschichte (er muss sich ja einen Namen machen, bevor er sesshaft werden kann) und lässt ihre Protagonistin am langen Arm verhungern. Telefonate, Skype-Gespräche, E-Mails drehen sich immer um dasselbe und lassen keine wirklichen Beziehungsgefühle aufkommen. Im Hintergrund kichert dann immer mal eine fremde Frau und Ridge hat es immer wieder besonders konstruiert besonders eilig. Und immer wieder fragt sich Sarah, was sie eigentlich vom Leben will. Sie bekleckert sich nicht gerade mit fachlicher Kompetenz, sodass man sich unweigerlich fragen muss, wie sie sich denn seit ihrem 19. Lebensjahr mit ihrem Buchladen über Wasser gehalten hat. Von Romantik und Buchliebe allein kann doch kein Mensch leben. Sophies Pariser Buchladen ist vielleicht shabby-romantisch, aber keineswegs klein und verschlafen und stellt Sarah vor eine Herausforderung, der sie offenbar gar nicht gewachsen ist. Führungsqualitäten hat sie nicht und ihr Gespür für Zwischenmenschliches lässt sie sich von Beatrices unverhohlener Feindseligkeit untergraben. Sie braucht die stilsichere Océane, um sich neu einzukleiden und Paris außerhalb touristischer Pfade kennenzulernen. Und so läuft monatelang - seitenweise - alles schief, ohne dass wir erfahren, wer Sarah im Grunde ist oder wirklich tiefer in ihre Beziehung mit Ridge blicken, deren körperliche Chemie immer wieder erwähnt (ansonsten aber wird züchtig abgeblendet), Sarah ständiges Abwägen jedoch nicht nachvollziehbar wird. Neben Lamentieren, Ladenquerelen, Heimweh, uninteressantem Liebesbriefgeheimnis wird die Pariser Kulisse zu kaum mehr als einem aus dem Reiseführer gepurzelten Abziehbild. Und schlussendlich kommt der Weihnachtsholzhammer, der die Dinge ins rechte Lot bringt und endlich alle mal so offen miteinander sprechen lässt, dass den Figuren endlich etwas Nahbares verliehen wird.
Rebeccas Raisins "Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine" ist kaum mehr als ein seichter Liebesroman, der nun wahrlich nicht in solch einladendem Festeinband daherkommen müsste und dem es leider nicht gelingt, den Leser für seine Figuren und für den Zauber von Paris zu erwärmen. Vielleicht aber ist der Sommer nicht die beste Lesezeit für das herbstliche und schließlich weihnachtliche Setting des Romans. Vielleicht entfaltet die Geschichte zu einer anderen Jahreszeit besser ihre Stimmung. Aber eben nur vielleicht.
Wer trotzdem gern in literarische Buchläden schnuppert und leise vor sich hinplätschernde, sprachlich gefällige Geschichten ohne großen Anspruch mag, dem sei "Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine" durchaus empfohlen.

Gesamteindruck:
3 von 5 Punkten

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Tags: bücher, buchladen, lesen, liebesroman, paris, romantik   (6)
 

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(107)

220 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 91 Rezensionen

münchen, kaufhaus, juden, judenverfolgung, familiengeschichte

Das Haus der schönen Dinge

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426519370
Genre: Historische Romane

Rezension:

Zum Inhalt:
Kurz vor der Jahrhundertwende zum 20. Jh. eröffnet der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl, frisch zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt, ein Kaufhaus am Münchner Rindermarkt. Dank der innovativen Ideen seiner Frau Thea und Jacobs Sinn fürs Geschäftliche wird es bald zur ersten Adresse für die betuchtere Gesellschaft. Die mittlere Tochter Lily wuselt bereits als Halbwüchsige mit großer Leidenschaft im Geschäft herum, während ihrem großen Bruder Benno so gar nichts daran gelegen ist, in des Vaters Fußstapfen zu treten, und Nesthäkchen Sepp eher kränkelt und später eigenen Interessen folgt. So gern man sich aber auch bei Hirschvogls mit den neuesten Kreationen aus den Modemetropolen einkleiden lässt und sich bei Theas beliebten Veranstaltungen sehen lässt, so kann doch nichts darüber hinwegtäuschen, dass jüdische Kaufleute missgünstig beäugt werden. Und so kommt der Tag, an dem die Kaufhausfamilie vor einer schweren Entscheidung steht ...

Meine Meinung:
Heidi Rehns historischer Roman rund um ein fiktives Kaufhaus, das symbolhaft all jene jüdisch geführten Kaufhäuser verkörpert, die den Schrecken der Geschichte zum Opfer gefallen und für immer verloren sind, ist ambitioniert angelegt und anders, als ich ihn erwartet hätte. Denn sein unangefochtener Protagonist ist tatsächlich das Hirschvogl am Rindermarkt, das Haus der schönen Dinge. Heidi Rehn erzählt seine Geschichte, verknüpft mit der Geschichte seiner Inhaber, die eng mit ihm verwoben und dennoch fast nur ein Accessoire sind. Wir begegnen einer Vielzahl von Personen, angefangen beim engeren Kreis der Münchner Hirschvogl-Familie, der um sporadisch auftretende Verwandte aus In- und Ausland und langjährige und neue Freunde, aber auch authentische, zeitgenössische Persönlichkeiten ergänzt wird. Die Handlung nimmt 1897 ihren Anfang und endet 1952. Von Anfang an dabei bleiben Lily und ihre Freundin Cäcilie, zwangsläufig müssen wir von Figuren Abschied nehmen, andere neu kennenlernen und mit den Veränderungen der Figuren und des Kaufhauses vor dem realen Zeitgeschehen mithalten.
Mit "großen Erwartungen" beginnt der Roman bereits in einer Zeit des Umbruchs - die Jahrhundertwende steht bevor, das Leben wird moderner, und die Frauen der Hirschvogl-Familie sind erstaunlich ideenreich und geschäftstüchtig, was nicht überall Anklang findet. Besonders Thea zeigt sich kühn und schwingt sich in modischen Bloomers aufs Velociped ungeachtet des Spotts und der Kritik. Tochter Lily eifert ihr nach. Obwohl ihre Figur neben dem Kaufhaus eine Konstante des gesamten Romans ist, steht ihre Darstellung der ihrer Mutter nach. So faszinierend und interessant "Das Haus der schönen Dinge" auch zu lesen ist, so leidet der Roman doch an seiner Breite. Seine etwas mehr als 600 Seiten decken einen geschichtlich ereignisreichen Zeitraum, der zu Abstrichen in der Handlung und Figurenzeichnung führt. Als "opulent, dramatisch und emotional" angekündigt, bleiben gerade die Emotionen mitunter auf der Strecke. Während diese Zeit des Aufbaus und Aufschwungs noch recht ausführlich geschildert wird, sind immer wieder Zeitsprünge erforderlich, um den enormen Handlungszeitraum zwischen zwei Buchdeckel zu bannen. Zeitangaben in der Kapitelüberschrift und Rückblenden auf erzähltes und nicht erzähltes Geschehen helfen, sich zurechtzufinden. Allerdings fällt es nicht immer leicht, sich für Figuren zu erwärmen, Sympathien oder Antipathien zu entwickeln. Einige von ihnen erleben wir als Randfiguren buchstäblich zu marginal und nur durch die Augen der Hauptfiguren, ganz gleich, in welchem Maße sie zu deren Entwicklung beitragen müssen. Feinheiten, wie Jacobs unproblematischer Umgang mit Schweinebraten, den er gern in Begleitung seines Freundes Alois genießt, Lilys unaufgeregter Umgang mit Kunden und ihre Loyalität gegenüber dem großen Bruder, der sich nichts aus ihrer Freundin Cäcilie macht, Theas aufrechte Haltung gegenüber offenen Anfeindungen, und, und, und machen sie nahbarer. Dennoch liest sich "Das Haus der schönen Dinge" teilweise wie ein Bericht. Geschuldet ist dies Heidi Rehns Vorliebe zur Substantivierung, die trotz lebendiger Dialoge mit dialektischen Einfärbungen eine Distanz entstehen lässt, die ich als ungewöhnlich, aber keineswegs störend empfinde. Im Gegenteil: Die Rolle des Beobachters gefiel mir ausgenommen gut. Gern streifte ich durch das Kaufhaus, das wahrlich opulent dargestellt ist und eine Einkaufswelt lebendig macht, die uns heute nur aus alten Filmen bekannt sein dürfte. Auch genoss ich Heidi Rehns subtile und kluge Analyse des Zeitgeschehens, mit der sie erinnert und unaufdringlich mahnt. Mit den" großen Enttäuschungen" endet die Geschichte schließlich dicht erzählt und spart weder an Dramatik noch Emotionalität, jedoch stets in ausgewogenem Maße, ohne zu dick aufzutragen.
Neben einem Familienstammbaum im Umschlag (mit einem kleinen Zahlenfehler, der sich in einer nächsten Auflage flugs korrigieren lässt) und einer Werbeanzeige des Hirschvogl noch vor Beginn des eigentlichen Romans rundet ein Glossar am Ende mit zeitgenössischen Ausdrücken, Dialektbegriffen und Persönlichkeiten von Rang und Namen dieses insgesamt gelungenen historischen Romans.

Leseempfehlung für alle, die sich für die erste Hälfte des 20. Jh.s. interessieren.

Gesamteindruck:
4 von 5 Punkten

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Tags: deutsche geschichte, dynastie, familiengeschichte, gegenwartsgeschichte, historischer roman, judentum, judenverfolgung, kaufhäuser   (8)
 

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(79)

171 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

musik, norwegen, segeln, familiengeschichte, geheimnis

Die Sturmschwester

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 10.04.2017
ISBN 9783442486243
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: adoption, geheimnis, herkunft, musi, neuanfang, norwegen, pleiade, schwestern, segeln   (9)
 

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(24)

71 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

liebe, verrat, denkmal, romanze, neuanfang

Zurück auf Liebe

Mary Kay Andrews , Christiane Winkler
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 08.12.2016
ISBN 9783596031931
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: beziehung, freundschaf, geplatzte hochzeit, hochzeit, liebe, raumausstatte, romanze, spannung, trennung   (9)
 

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(35)

55 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

backen, vermont, liebe, kuchen, glück

Die Zutaten zum Glück

Louise Miller , Katja Bendels
Flexibler Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362647
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:
Patissière Olivia Rawlings passiert ein gewaltiges Missgeschick: Bei einer Veranstaltung in einem Bostoner Club entgleitet ihr eine spektakuläre flambierte Eistorte und verursacht einen Brand. Der ist zwar nicht ganz so folgenschwer, veranlasst die blamierte Anfangdreißigerin aber zur Flucht nach Vermont aufs Land zu ihrer alten Freundin Hannah. Die verschafft ihr prompt einen Job in einem Landgasthof, der so gar nicht zu Olivias bisherigen Arbeitsplätzen passen will. Genauso wenig wie das Leben in einem Ort, in dem jeder jeden kennt und jeder über jeden tratscht und mit jedem wetteifert. So ist Olivia bald mittendrin im großen Wettbewerb um den besten Apfelkuchen und fremden und eigenen Herzensangelegenheiten ...

Meine Meinung:
Auf dem Umschlag wird das RealSimple Magazine zitiert: "Ein Roman, der wie eine riesige Portion Seelenfutter wirkt! [...]".
Eine durchaus treffende Zusammenfassung, denn Patissière Louise Miller gelingt es in ihrem Debüt, für heimeliges Ambiente zu sorgen. Im Herbst beginnend, entführt sie den Leser in das Indian-Summer-Flair Vermonts, das mit Backofenwärme und Dessert- und Kuchendüften zu Leseabenden vor dem Kamin einlädt und, auch wenn sich die Geschichte bis zum darauffolgenden Sommer erstreckt, sich nur bedingt als Strandlektüre eignet. Dies sei jedoch lediglich angesichts des Erscheinungstermins des Romans im Frühjahrsprogramm erwähnt und soll dem Lesevergnügen keinen Abbruch tun.
Mit Olivia stellt die Autorin eine recht zwiespältige Figur vor. Mit 32 Jahren hat sie keine Modelmaße und gibt sich mit interessanten Haarfarben eine stark individuelle Note. Obwohl sie in Backstube bzw. Küche brilliert, läuft es in ihrem Leben nicht unbedingt rund. Affäre, Schulden, außerhalb des Jobs keine Sozialkontakte ... Im Laufe der Geschichte zeigt sich jedoch, dass diese Hauptfigur alles andere als gut durchdacht ist. Ihre Hintergründe bleiben angedeutet und Olivia verhält sich immer wieder kaum altersgerecht, was sich nicht immer mit ihrer Vergangenheit entschuldigen lässt. Schade, dass die äußerlich so bunt dargestellte Protagonistin schlussendlich blass bleibt und sich einer aufgesetzten, kitschigen Liebesgeschichte beugen muss und nicht zuletzt auch damit an Sympathiepunkten verliert. Auch die Beziehungsgefüge zwischen den Figuren sind so manches Mal konstruiert, weil sie sich "richtig anfühlen". Dabei bieten die Figuren Potenzial. Allen voran Hannah, aber auch ihre Freundin Hannah, die im Zuge der Geschichte leider zu Beiwerk verkommt. Und da sind noch Love Interest Martin, seine Familie, in deren Arme man sich mit einem Schrei nach Adoption werfen möchte, und natürlich Margaret, die ruppige, unnahbare, fordernde Gastwirtin, die als Nebenfigur fast schon mehr punkten kann als die Hauptfigur des Romans. Hätte Louise Miller ihren Figuren ebenso viel Beachtung geschenkt wie den unzähligen Köstlichkeiten, mit denen Olivia dem Leser imaginäres Hüftgold beschert, wäre ihr Debütroman eine wirklich runde Sache.
Wem Frauenunterhaltung mit sehr traditionellen - minunter klischeehaften - Denkweisen nichts ausmacht, wird sich mit "Die Zutaten zum Glück" jedoch wohlfühlen. Zwar bietet die Geschichte nichts Neues, aber gerade das Flair und die emotionalen Momente, die uns aus unzähligen US-amerikanischen Unterhaltungsromanen und Fernsehfilmen/-serien oder Herzkino so vertraut sind - man denke da an Nora Roberts' oder Danielle Steels Werke der 1990er -, sorgen für ein wunderbar wohliges Lesegefühl, das lange über die Schwächen des Romans hinwegtäuschen kann.
Gehe ich kritisch mit mir ins Gericht, stelle ich allerdings fest, dass es aber eben solche Vertrautheiten sind, die beim Lesen zu unverhohlenem Schnäuzen und Seufzern führen. Und dann hat ein Roman sein Unterhaltungsziel gewiss nicht verfehlt.
"Die Zutaten zum Glück" ist trotz aller Kritikpunkte keineswegs ein krude zusammengestümpertes Debüt, wenn auch nicht in so hohem Maße anspruchsvoll wie sein schlichter Umschlag und die hochtrabend angekündigte Suche nach einem Zuhause andeuten mögen. Trotzdem zieht er in seinen Bann und sorgt für behagliche Lesemomente - das Seelenfutter wird lesbar. Zwar schwirren viele Personen in dieser Geschichte herum, dass einem schon mal ganz schwindelig werden kann, doch es sind jene kleinen menschelnden Szenen - sei es voller Zuneigung oder Abneigung -, die den Leser zurückholen und genauso ankommen lassen wie Olivia.
Trotz konstruierter Liebesgeschichte, die nach Teenagerfantasie riecht.
Trotz merkwürdiger Verhaltensweisen.
Und auch trotz des kitschigen Endes, das ich der Autorin wirklich übel nehme.
Beim nächsten Mal macht sie es hoffentlich besser.

Leseempfehlung? Na klar. Wer kann schon duftendem Apfelkuchen und hausgemachter Musik vorm Kamin widerstehen?

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Tags: backen, frauenroman, glück, kuchen, liebe, liebesroman, pie, vermont   (8)
 

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(171)

310 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 7 Rezensionen

familie, kerstin gier, frauen, mütter, roman

Die Patin

Kerstin Gier
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.03.2014
ISBN 9783404170302
Genre: Romane

Rezension:  
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erbe, trauer, familie, liebe, witwe

In Wahrheit wird viel mehr gelogen

Kerstin Gier
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 17.03.2011
ISBN 9783404165520
Genre: Liebesromane

Rezension:  
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liebe, nicholas sparks, flucht, roman, neuanfang

Wie ein Licht in der Nacht

Nicholas Sparks , Adelheid Zöfel
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.02.2013
ISBN 9783453410534
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: gewalt in der ehe, neuanfan, neues glüc   (3)
 

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liebe, vergangenheit, mode, kragen, roman

Aimées geheimer Wunsch

Kelly Doust , Cornelia Röser
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.05.2017
ISBN 9783462049879
Genre: Romane

Rezension:

Zum Inhalt: 

1891 steht die 27-jährige Aimée kurz vor der Zweckheirat mit dem deutlich älteren, ihr so gut wie unbekannten Bernard. All ihr Gefühlschaos legt sie in die Gestaltung eines kostbaren Kragens, der sie im einstigen Hochzeitskleid ihrer verstorbenen Mutter künstlich zum Strahlen bringen soll. Über 120 Jahre später findet Maggie das opulente Accessoire in einer Kiste mit Stücken, die sie bei einer Auktion in dem Auktionshaus, für das sie arbeitet, für sich selbst ersteigert hat. Frisch befördert, bekommt sie bei einer Fernsehsendung Gelegenheit, ihre Begeisterung für alte Kostbarkeiten mit der Öffentlichkeit zu teilen ... und ruft dabei eine ältere Dame auf den Plan. Diese meint nämlich, das Schmuckstück, das auch Maggie für eine Art Kopfbedeckung hält, habe einst ihr gehört. Nun will sie mehr darüber erfahren, und die junge Auktionatorin begibt sich auf Spurensuche ... 


Meine Meinung: 

"Aimées geheimer Wunsch" ist Kelly Dousts Debütroman. Von Mode und Kreativem begeistert, verpackt sie darin ihr eigenes Interesse an alten Dingen - mit der im Originaltitel "Precious things" angedeuteten Botschaft, dass die wirklichen Kostbarkeiten nicht immer die sind, die unmittelbar ins Auge fallen. Gewiss trifft sie thematisch einen Nerv, denn Sendungen zwischen Kitsch, Krempel und echten Raritäten sind im Trend.

Der deutsche Titel "Aimées geheimer Wunsch" leitet gewissermaßen fehl, da er uns besagte Aimée als DIE Hauptfigur suggeriert, sie aber "nur" ein Teil einer Episode ist. Quasi einer der Spannringe des Romanstickrahmens - ob nun der äußere oder innere sei dabei dem subjektiven Leserempfinden überlassen. Das Stickbild jedenfalls erscheint vor unseren Augen unvollendet.

Dousts Roman umfasst mehrere Episoden, die den jeweiligen BesitzerInnen des von Aimée reich bestickten Kragens gewidmet sind. Angefangen bei Aimée in der Normandie reist das modische Detail sogar bis nach Asien, gelangt ans Mittelmeer und entfernt sich wieder ein Stück, bevor es am Boden einer Kiste im England der Gegenwart der Auktionatorin Maggie in die Hände fällt. Maggies Geschichte bildet nun den zweiten Ring des Stickrahmens. Dazwischen: episodische Rückblenden, die mal personal, mal in Ich-Perspektive erzählt und eben mal mehr, mal weniger interessant sind.

Als Kontrastprogramm zu Aimée, die wir quasi als "alte Jungfer", kleingehalten, fast schon eingesperrt in ihrem maroden Schloss mit gutem Namen, kurz vor dem Altar kennenlernen, bevor sie erst am Ende des Romans noch einmal zu Wort kommt, ist Maggie eine moderne Frau mit typischen modernen Frauenproblemen. Auf den ersten Blick scheint alles ganz heimelig. Guter, verständnisvoller Mann (sogar mit kleinem Bäuchlein), süße fünfjährige Tochter, nettes Häuschen, ein Job, der Spaß macht. Nicht übertrieben idyllisch, sondern sehr menschlich und nachvollziehbar. Aber da sind auch noch eine Stieftochter aus einer früheren Beziehung des Mannes und der unvermeidliche Spagat zwischen Job und Familie. Wir erleben mit, wie Maggie morgens zur U-Bahn hastet, sich mit ihrem Kindergartenkind reibt, weil sie zu wenig Zeit mit ihm verbringt, sehen sie hilflos im Umgang mit der pubertierenden Stieftochter und gleichzeitig vor Leidenschaft sprühend, wenn es um alte Dinge geht. Und über allem schwebt noch ein schweres Päckchen Vergangenheit (voller Missverständnisse), das es zu bewältigen gilt.

So einfühlsam Kelly Doust sich ihrer Protagonistin Maggie auch nähert, so sehr misslingt es ihr doch auch, ihre Geschichte trotz ihres Unterhaltungswertes durchgehend mitreißend zu erzählen. Immer wieder lässt sie Maggie in Gedanken verharren und über Vergangenes reflektieren, sobald ein alte Gegenstand ins Blickfeld rückt, über den dann philosophiert wird, ohne dass die Handlung nennenswert vorangetrieben würde. Trotz ausgewogener Länge von Rahmenhandlung und Rückblicken wird es stellenweise so langatmig, dass die Episoden rund um den Kragen herbeigesehnt werden. Der Schmuckkragen, der von den meisten Damen in der Vergangenheit zu einem Kopfschmuck - von einem Diadem ist die Rede - umfunktioniert wurde, sorgt allerdings überwiegend für Tragik, die ordentlich schwer wiegt. Da haben wir eine Trapezkünstlerin, eine Tänzerin, die Muse eines Malers, ein Model und eine Hausiererin, allesamt vereint durch ein perlen- und paillettenbesetztes Stück Leinen, das trotz seines verführerischen Schimmers nicht über Schattenseiten hinwegtäuschen kann. Sie müssen einander nicht kennen, keine Beziehung zueinander haben und letztendlich ist es auch nicht notwendig, dass Maggie den Weg des Kragens lückenlos entschlüsselt. Der Leser erfährt immer mehr als Maggie, aber eben auch nicht alles. Das ist so realistisch wie ernüchternd und unbefriedigend. Die Botschaft ist allerdings immer klar: Es ist nicht das Materielle, das wirklich zählt.

Kelly Doust hat zweifellos einen einfallsreichen Episodenroman gestickt, dessen hoher Anspruch schon von der nüchternen Umschlaggestaltung reflektiert wird. Allerdings greift sie hin und wieder auf blasses Garn und farblose Perlen zurück. Manches Mal ist ihr Faden zu kurz, sodass er am Ende nicht mehr verstochen werden kann. 

Wunderbare Beobachtungsgabe zeigt sich bereits zu Beginn in der starken Symbolik des Kragens und einnehmenden Szenerien im weiteren Verlauf. Allerdings kollidiert sie immer wieder mit Figuren, die geradezu irrelevant erscheinen (und man sich angesichts des ihnen z. T. auf den Leib geschriebenen Schicksals geradezu schämen möchte, dass man sie als überflüssig empfindet), oder aufgesetzten Ereignissen und Verhaltensweisen, die nicht zum Charakter passen wollen. Oft stellt sich die Frage, ob Kelly Doust nun über starke, durchsetzungsfähige und -willige Frauen schreiben oder doch lieber ein klassisches Bild bedienen will, einschließlich klischeehafter Konflikte. 

Dennoch funktioniert und unterhält "Aimées geheimer Wunsch" mit all seiner Wechselhaftigkeit und dürfte Lesern gefallen, die gern im Mottenkugelgeruch nach alten Geschichten graben.

  (3)
Tags: antiquitäte, frauen, leben, mode, träume, vergangenheit, was wirklich zählt   (7)
 

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san francisco, näherinnen, ar, frauen, fesselnd

Die Zeit, in der wir träumten: Roman

Meredith Jaeger
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841213037
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zum Inhalt: 

Als Sarah mit ihrem Romanprojekt für ihren Studienabschluss nicht weiterkommt, läuft ihr ein mehr als einhundert Jahre alter Fall über den Weg. Die Journalistin in ihr wird wieder geweckt, sodass sie ihr Thema an den Nagel hängt und für einen Bericht recherchiert. 1876 arbeiten die Näherinnen Hanna und Margaret sich die Finger blutig für das Überleben ihrer jeweiligen Einwandererfamilien. Im Geschäft der Abschätzigkeit der betuchten Gesellschaft San Franciscos ausgesetzt, warten daheim zahllose Geschwister und betrunkene, gewalttätige Väter. Als Hanna den gut situierten Lucas kennenlernt, erfährt sie zum ersten Mal Respekt und erlebt die Stadt von einer anderen Seite. Plötzlich verschwindet ihre Kollegin und einzige Freundin Margaret. Gemeinsam mit Lucas begibt sich Hanna auf eine gefährliche Suche im Rotlichtmilieu San Franciscos. Doch weshalb sollte gut einhundertvierzig Jahre später Sarah bei Ihren Recherchen schlafende Hunde wecken? Und was quält die junge Frau so sehr, dass sie ihr Eheglück mit Hunter nicht voll auskosten kann? 


Meine Meinung: 

"Die Zeit, in der wir träumten" ist ein Einwandererroman, der sich der im Zuge des Goldrauschs eingeströmten Bevölkerungsschichten annimmt, die nicht zuletzt San Francisco mit geprägt haben. Er wandelt zwischen schmutzigem Historienbild, ansprechender Liebesgeschichte, etwas dick aufgetragener Vergangenheitsbewältigung und historischem Krimi mit Laienermittlern. 

Gut gelingt Autorin Meredith Jaeger, die deutsche Wurzeln hat, die Verquickung von Heute und Gestern. In spannendem Wechsel führt sie den Leser zu San Franciscos Schauplätzen und zeigt einnehmend das Gesicht der vergleichsweise jungen Stadt im 19. Jh. Ihr Interesse an dieser Epoche ist unverkennbar und sorgt für gute Lesbarkeit. Einfühlsam und respektvoll zeichnet sie die Figuren der Vergangenheitshandlung, während Sarah als moderne Frau trotz ihrer beruflichen Hartnäckigkeit relativ blass bleibt und ihrer Schuld, die sie seit langem mit sich herumschleppt, buchstäblich feststeckt. Hier verschenkt die Autorin das Potenzial der Beziehung zwischen Sarah und Hunter, die als liebe- und respektvoll angedeutet, von Sarah durch geradezu borniertes Schweigen und Misstrauen ad absurdum geführt wird. Sie will etwas aus sich machen, ist aber die Einwanderin in ihrer reichen Schwiegerfamilie. Im Gegensatz zur deutschen Einwanderin Hanna, die sich in ihrer Not an Lucas wendet, um die verschwundene Freundin zu suchen, steht Sarah bewusst allein da. Mit einem Talent zur Selbstzerfleischung - und ihre Vergangenheit soll an dieser Stelle keineswegs heruntergespielt werden, denn sie hat schwere Schuld auf sich geladen, aber eben auch dafür gebüßt -, kommt sie ohne Hunter aus. Es gibt somit kein Millionärsermittlerduo, sondern Sarah bringt sich selbst in Teufels Küche. Zudem quetscht ihr Jaeger eine problembeladene Freundin an die Seite, deren Nebenhandlung zwar Aufmerksamkeit verdient, aber, anders als Margarets Drama im 19. Jh., nichts zur Geschichte beiträgt.

Neben einer ordentlichen Portion Pathos, die so manchem US-amerikanischen Roman innewohnt, bringt "Die Zeit, in der wir träumten" auch Vorhersehbarkeit mit. Dem geneigten Leser sei empfohlen, nur den U4-Text, nicht aber die Kurzbeschreibung zu lesen. Denn der routinierte Leser wird schon da 1 und 1 zusammenzählen können. Früh lassen sich Zusammenhänge erahnen, und es fällt fast schwer, sich auf Sarahs - interessante - Recherchen zu konzentrieren. Zu stark wird das Verlangen geschürt, den Moment, an dem sich alle Fäden verknüpfen, endlich zu erleben. Mit einem versöhnlichen Ende wertet Meredith Jaeger ihren ohne große Längen erzählten, gefühlt etwas zu kurz geratenen Roman allerdings wieder auf. 

Eine Leseempfehlung für alle, die San Francisco einmal ohne Hippie-Touch erleben und einen Einblick in eher dunklere Ecken erhalten wollen und gern gefällige amerikanische Stories lesen. 

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Tags: amerik, einwanderer, frauen, gegenwart, goldrausch, näherinnen, san francisco, schicksal, verbrechen, vergangenheit   (10)
 

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

glück, zwangsstörung, cinderella-stor, tierheim, liebesroma

Isabellas Plan vom Glück

Laura J. Coleman
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Feelings , 02.02.2017
ISBN 9783426216125
Genre: Romane

Rezension:

Zum Inhalt:

Gabriel Dallaway McAllister gehört zu New Yorks High Society. Reich und erfolgreich ist er, aber sein Leben bestimmen Zwänge und Panikattacken. Und in genau so eine Panikattacke platzt ihm Isabella hinein, als sie für das Tierheim ihrer besten Freundin mit der Klingelbüchse unterwegs ist. Die Mitzwanziger, die - zum Leidwesen ihrer Familie - ihr Leben nimmt, wie es ist, und die Dinge auf sich zukommen lässt, passt so gar nicht zu dem gebügelten, wundgewaschenen "Kontrollfreak". Aber der hat nun mal das nötige Kleingeld, um das marode Tierheim zu retten. Also lässt Isabella nicht locker, sodass Gabriel ihr schließlich einen Deal vorschlägt: Er spendet ein erkleckliches Sümmchen, wenn es Isabella gelingt, ihm einen Tag Glück zu bescheren. Abenteuerlustig willigt sie ein, aber dann kommt alles anders ...

 

Meine Meinung:

Da hatte ich mal wieder so richtig Lust auf einen Liebesroman, und die Umschlaggestaltung, die so herrlich zum Inhalt passt (New Yorker Kulisse, Pärchen mit Hund), nebst Klappentext (der sich im Nachhinein als außerordentlich kreativ entpuppt) ließen mich mal wieder zu einem E-Book greifen. Lust hatte ich auf Gegensätze, vielleicht eine kleine Cinderella-Story und Seufzermomente.

Aber wo soll ich nun anfangen? Denn "Isabellas Plan vom Glück" hat - zumindest auf zwei Dritteln - wirklich Pageturner-Potenzial, ist aber auch gespickt mit jeder Menge Kopfschüttelmomenten und geballter Dramatik, dass sich keine Begeisterungsstürme einstellen wollen. 

Die ersten 10% der Story zu schaffen, war eine ordentliche Geduldsleistung. Die Autorin schleift uns hier durch Gabriels gesamtes Leiden. Seine Morgenrituale werden en détail auseinandergepflückt, um uns schon mal mit Gabriels Zwangsverhalten zu erschlagen. Die Erklärung wird auch gleich mitgeliefert: erdrückendes, überforderndes Elternhaus. 

Erst nachdem Gabriel als gequälter Held in geradezu epischer Breite eingeführt wurde, kommt Isabella ins Spiel (klar, alle Welt nennt sie natürlich Bella). Sie ist erfrischend (und gleichzeitig auch beängstigend) sorglos, hat etwas für Hunde übrig und ist nicht auf den Mund gefallen. Und damit macht Bella schon wieder richtig Spaß. Immerhin ist sie Garant für wunderbare Schlagabtäusche mit Gabriel, die für eine Dynamik sorgen, die der Roman nach seinem langatmigen Anfang dringend braucht. So ist es auch recht amüsant, zu beobachten, wie Isabella Gabriels Forderung nach einem Tag Glück auf ihre Weise umzusetzen versucht. Dem Titel entsprechend folgt sie ihrem Plan, der eigentlich eher ein "Bauchentscheidungsding" ist, denn Minenfeld Gabriel stellt für sie Neuland dar. Dabei geht - ob naiv oder bewusst ist nicht ganz klar - recht ignorant mit Gabriels Zwangsstörungen um, lockt ihn aber immer wieder aus der Reserve und findet sich schließlich, für beide einigermaßen überraschend, in seinem Bett wieder. 

Laura J. Coleman hat ein Händchen für intime Szenen, die keinem Schema F folgen, sondern angenehm unperfekt ohne Hochleistungsanspruch erzählt werden. 

Dann aber hält Hollywood Einzug. Es geschieht ein folgenschweres Ereignis, das Paar wird über lange Zeit durch technische Widrigkeiten  (und Gabriels umwerfende Sozialkompetenz - wie kann der Mann bloß eine so große Firma leiten?) und zurechtgebogene Intrigen getrennt und muss sich sein Happy End hart erarbeiten. 

Meinen Seufzermoment bekam ich dann aber doch noch, dank eines Hundes, und glücklicherweise war dieser Moment überraschend unkitschig und glaubhaft.

"Isabellas Plan vom Glück" bietet Romantik, sprühende Dialoge, nicht zu verachtende erotische Szenen und ein dramatisches Hintergrundproblem, dem der Rechercheaufwand der Autorin und ihr Respekt gegenüber Erkrankten anzumerken ist. So bleibt es denn roter Faden und löst sich nicht unrealistisch in Wohlgefallen auf. 

Anzumerken ist dem Roman allerdings auch, dass er von einer deutschen Autorin nach Amerika verortet wurde. Fixpunkte vermag ich an dieser Stelle nicht zu nennen, lediglich bestand während der gesamten Lektüre das Gefühl fort, dass die personale Erzählung einen ausländischen Blick auf New York wirft, statt einen Eindruck der Selbstverständlichkeit zu vermitteln. (Erst nach der Lektüre habe ich mich schlau gemacht und festgestellt, dass es sich um eine deutsche Autorin handelt. Wahrscheinlich aber würde ein zwangsgestörter Gabriel in der deutschen Bankenmetropole Frankfurt in den Buchhandlungsregalen verstauben.) 

Daneben zeigt "Isabellas Plan vom Glück" einen gewissen Hang zur allgemeinen Gefälligkeit und Seichtigkeit trotz aller Tragikmomente, ganz so, als seien Charaktere und Story einem Fernsehfilm entsprungen, wie wir ihn schon vielfach gesehen haben, Hütte im Schnee inklusive. Mehr Ausgewogenheit hätte dem Roman sicher gut getan.

 

Empfohlen sei "Isabellas Plan vom Glück" dennoch allen, die gern eine Liebesgeschichte für zwischendurch konsumieren und sich an ausgewalzten Romananfängen nicht stören (und nicht emetophobisch sind).

  (2)
Tags: cinderella-stor, glück, lieb, liebesroma, new yor, zwangsstörun   (6)
 

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Zwischen Bach und Baum

Ursula Dittmer , Liv Modes , A. C. Greeley , Anna Dorb
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 17.02.2017
ISBN 9783743113626
Genre: Romane

Rezension:  
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88 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

paris, liebe, gegenwart, botanik, malerei

Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632711
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt: 

Ende der 1920er bricht Vianne aus ihrer ländliche Heimat aus, um in Paris ihren Traum zu verwirklichen. Sie will Botanikerin werden, muss sich aber zunächst als Wäscherin durchschlagen. Auf ihrem steinigen Weg in den Jardin des Plantes begegnet sie schließlich dem britischen Künstler David und lernt mit ihm die andere Seite des Pariser Lebens kennen. Doch bald bricht in jeder Hinsicht eine unsichere Zeit an.

In der Gegenwart besucht Marlène mit ihrem Mann nach vielen Jahren endlich wieder ihr geliebtes Paris. Die erhoffte Liebesreise gestaltet sich jedoch ernüchternd, sodass Marlène bald allein durch die Stadt zieht. Im Musée d'Orsay entdeckt sie schließlich das Gemälde einer Frau, die ihr verblüffend ähnelt. Die Neugier der ehemaligen Kunstgeschichtestudentin ist geweckt. Sie begibt sich auf Spurensuche, aus der weit mehr wird als die Suche nach der Muse eines Künstlers.


Meine Meinung: 

Mit "Rendezvous im Café de Flore" zeichnet Caroline Bernard ein einladendes Bild von Paris, wobei insbesondere die Gegenwartszeichnung durch subtile Touristenkritik lebendig wird und damit den sich zunächst einschleichenden Eindruck eines Reiseromans rasch wieder zunichte macht. Ebenso lebendig gestaltet sich der Handlungsstrang um Gegenwartsprotagonistin Marlène, die mit ihren vierzig Jahren in ihrem Leben und in ihrer Ehe an einem Wendepunkt steht. So ernüchternd und, zum Teil, ermüdend ihr Leben seziert wird, so realistisch ist es doch dargestellt. (Damit dürfte die eine oder andere Leserin genauso ihre Schwierigkeiten haben wie mit Bernards unverblümter Leidenschaft für Paris.) Neue Kraft schöpft die Gegenwartshandlung ausgerechnet aus der Vergangenheit. Der Leitspruch von Marlènes Großmutter: "Rum ist rum" wird von Caroline Bernard routiniert ausgehebelt. Es ist eben nichts "rum", und Viannes Geschichte verdient es, aufgearbeitet zu werden. Wenngleich die Umschlaggestaltung mit Pariser Flair und Dame im blauen Kleid Erinnerungen an Anne Girards "Madame Picasso" und Gloria Goldreichs "Die Tochter des Malers" wachruft, wird der Roman der deutschen Autorin den Erwartungen jener Leser  nicht gerecht, die sich hier ein weiteres Lebensbildnis eines echten Künstlers erhoffen. Viannes und Davids Geschichte ist fiktiv, wenn auch sinnbildlich für die starken Frauen des Zweiten Weltkriegs, denen so oft der Heldinnenstatus versagt bleibt. Auch Maler David kann durchaus für jene Männer stehen, die der Krieg auf einen anderen Weg geführt hat. Somit hat der Handlungsstrang in der Vergangenheit durchaus seine Berechtigung, hätte aber nach meinem Dafürhalten mehr Raum einnehmen dürfen. Denn wo Marlène zwar authentisch ist und Identifikationspotenzial für Leserinnen in ihrem Alter mitbringt, da ist Vianne um Einiges vielschichtiger und interessanter. Immerhin nimmt ihre Handlung mehrere Jahre ein und zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung vom Mädchen mit einem zeitgemäß frauenuntypischen Traum hin zu einer starken Persönlichkeit, die zu großen Opfern bereit ist. Schade, dass Carline Bernards Roman leicht mit Kristin Hannahs "Die Nachtigall" kollidiert, in dem es ebenfalls eine Vianne gibt und den ich vor noch nicht allzu langer Zeit gelesen und damit nicht ausreichend namentlichen und thematischen Abstand gefunden hatte. Dennoch kann es in der Literatur nicht genug Viannes dieser Art geben! 

Insgesamt ausgewogen erzählt, mit Figuren, die nicht vordergründig nach Sympathie heischen, verdient "Rendezvous im Café de Flore" auf jeden Fall eine Leseempfehlung. Nicht nur für Parisfans.

  (3)
Tags: frauen, frauenroman, gegenwart, glück, künstler, liebe, paris, résistance, spurensuch, vergangenheit, zweiter weltkrieg   (11)
 

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

jazz, chicago, musik, usa, roaring twenties

Die Musik der verlorenen Kinder

Mary Morris , Gabriele Weber-Jaric
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 05.12.2016
ISBN 9783746632728
Genre: Historische Romane

Rezension:  
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479 Bibliotheken, 17 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

brasilien, adoption, liebe, vergangenheit, schwestern

Die sieben Schwestern

Lucinda Riley , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.09.2016
ISBN 9783442479719
Genre: Romane

Rezension:  
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53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

roman, liebe, susann rehlein, einsamkeit, kaufhaus

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Susann Rehlein
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832198107
Genre: Romane

Rezension:

Skurril, nicht immer für bare Münze zu nehmen, dabei überraschend tiefgründig, stilistisch eigenwillig, aber auch anstrengend

Zum Inhalt:

In ihrem Zimmer bastelt sie Schneekugeln. Weil sie hellsehen kann, trifft sie dabei genau den Nerv ihrer Kunden. Ihre Lebensmittel lässt sie sich liefern. Ihr Vater ist tot. Ihr Name ist Lucy und dank ihrer hinterhältigen französischen Mitbewohner sitzt sie bei Psychologe Pawel, der ihr eine schwierige Aufgabe stellt: rausgehen soll sie und Menschen kennenlernen. Doch Lucy ist bemerkenswert unfreundlich und will einfach nur ihre Ruhe. Oder doch nicht?

Meine Meinung:

Der erste und bislang letzte Roman, den ich von Susann Rehlein lesen durfte, war "Auch die Liebe hat drei Seiten". "Die erstaunliche Wirkung von Glück" hat sich an mir vorbeigemogelt. Trotz dieser nur einmaligen Leseerfahrung habe ich wieder ein etwas anderes Lesevergnügen erwartet. Schließlich hat Susann Rehlein in diesem Roman schon gezeigt, dass sie ein Händchen für ausgefallene Figuren hat, die alles andere als gefällig sind und sich die Lesersympathien nicht unbedingt auf der ersten Seite erschleichen. So auch Lucy nicht. 

Die Sechsundzwanzigjährige ist so sperrig und eigenartig wie die Sprache des personalen Erzählers, durch dessen Augen wir sie kennenlernen. Erfrischend anders ist aber durchaus etwas anderes. Denn Lucy und ihre Gedanken sind anstrengend. Mit ihrer Geschäftsidee, Menschen mit auf den ersten Blick bizarren Schneekugeln zu versorgen, ist Lucy skurril und eigenbrötlerisch, und da sie ihre Aufträge online und postalisch abwickelt, muss sie weder aus dem Haus noch persönlichen Kontakt zu anderen Menschen pflegen. Dass ihr die Menschen für ihre Kreationen viel zu viel Infos vor die Füße werfen, ist ihr geradezu zuwider - sie hat schließlich ein übersinnliches Gespür für das, was andere brauchen. Dabei ist es ihr schnurz, was andere von ihr denken oder ob sie sie vor den Kopf stößt. In ihrer agoraphobischen und misanthropischen Art (nein, nein, so ist sie natürlich nicht) wird die kalte Ravioli aus der Dose löffelnde Lucy zur Herausforderung. Die Jeans fällt ihr fast schon vom Leib. Darüber trägt sie das Tutu ihrer Ex-Mitbewohnerin, und um die Menschen auf der Straße auszublenden, hat sie Ohrenschützer auf - auf den ersten Blick gehört Lucy zu jenen Menschen, die bei anderen sofort alle Klischee-/Vorurteils-/Mitleidsglocken bimmeln lassen. Es bedarf eines genaueren Blickes und einer Portion Geduld, um mit dieser Protagonistin warm zu werden. Nicht immer sind die Handlung um sie und ihr Handeln glaubwürdig. Mit ihrer "nicht normalen", nicht konformen Art gelingt es dieser Figur jedoch, Menschen um sich zu scharen, die allesamt genauso ihre Ecken und Kanten haben und uns unweigerlich eben genau die Vorurteile und Klischees vor Augen führen, die wir so gern pflegen. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, immerhin wird sie bereits im U4-Text und in der Kurzbeschreibung angesprochen, und schließlich hat sie auch hier mehr als eine Seite. Dadurch und vor allem durch die schmerzlichen Einblicke in Lucys Vergangenheit entsteht eine tiefgründige Note, die "Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" in Verbindung mit Susann Rehleins eigenwilligem Stil zu einem Leseerlebnis der besonderen Art macht. Der Roman ist dabei aber auch kein gefälliges Werk und ganz sicher nicht jedermanns Sache. Wer seiner Lektüre aufgeschlossen entgegentritt und Abwechslung vom Einheitsbrei sucht, findet in "Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" nicht nur ein marodes Kaufhaus als bunten Schauplatz, sondern eine wahre Spielwiese farbenfroher Charaktere, die für allerlei Emotionen sorgen, und kreativer Szenen (und Wortschöpfungen), die Überzeichnungen schnell verzeihen lassen.


Gesamteindruck:

4 von 5 Punkten

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Tags: eigenbrötlerisch, einsamkeit, freunde, liebe, lucy, lucy schröder, roman, schneekugeln, susann rehlein, vergangenheit   (10)
 

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

spanien, liebe, auswandern, bully, reise

Hasta La Pista - Wo die Liebe hinfährt

Sophia Monti
E-Buch Text: 211 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 05.10.2016
ISBN 9783960870869
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:
Dass es für Anja Rembrand ohne T rund laufen würde, kann man nun wirklich nicht behaupten: In der Redaktion wird sie gemobbt und Freund Andy hat sich ein duftendes Mangagirly aus der Drogerie angelacht. Als ihr Ex und inzwischen platonischer Freund Jan ankündigt, er werde sich eine einjährige Auszeit von Stadt- und Businessleben nehmen und mit einem Bully nach und durch Spanien tuckern, lässt sich Anja anstecken. Weg mit Andy, weg mit dem Job, weg mit der Wohnung. Ganz und gar auswandern will Anja in ihr heißgeliebtes Spanien und springt ohne zu fackeln in Jans platonischen Bully ...

Meine Meinung:
Da ich immer noch kein großer E-Book-Leser bin, aber ab und an gerne mal typische Frauenunterhaltung lese, sie aber nicht immer als Baum in der Handtasche mit mir herumschleppen will, kommen mir Romane wie Sophia Montis "Hasta La Pista" gerade recht. 
Locker stolpern wir mit Ich-Erzählerin Anja durch die aktuellen Unwegsamkeiten ihres Lebens. Und Anja ist weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen und präsentiert Gedanken und Dialoge, die größtenteils richtig Spaß machen und für einen Lacher gut sind. 
Montis Charaktere sind an sich und in ihren Paarungen vermutlich nicht allzu ernst zu nehmen, denn natürlich passen Anja und ihr fremdgehender Musikus Andy auf den ersten Leserblick schon nicht zusammen. Die spionierenden Nachbarn, Jans italienisch-furienhaft eifersüchtige Freundin Marcella, Anjas mobbende Kolleginnen und Ausgleichspol=beste Freundin Tine passen perfekt ins Chick-Lit-Genre, das hier routiniert und sprachlich angemessen bedient wird. 
Während Anja zu Beginn noch amüsant schnippisch-sarkastisch daherkommt, wurde mir ihre Art besonders im Spanien-Part des Romans dann doch etwas zu viel. So wurde uns die junge Dame als Spanienliebhaberin mit ordentlichen Spanischkenntnissen präsentiert, als jemand - und das ist der gebührende ernste Handlungsstrang des Romans -, der weiß, worauf er sich einlässt und Land und Leute zu schätzen und zu respektieren weiß. Neben Anjas Liebesdilemma (leider wird da im Klappentext schon viel zu viel gespoilert) tut sich da nämlich ein großer Konflikt auf, als sie ausgerechnet in eine Hochburg deutscher Einwanderer gerät, die alle deutschen Klischees weidlich pflegen. Auch wenn sie den eigenen Landsleuten durchaus kritisch gegenübersteht, bekommt ihr eigener Ton plötzlich eine Note von Respektlosigkeit, die mir so gar nicht gefallen wollte. So amüsant ihre Vergleiche auch sein mögen, in meinen Ohren schießt die gute Anja so manches Mal zu scharf und macht einen tüchtig verbitterten Eindruck, wo sie doch eigentlich voller Optimismus losgezogen ist. Einerseits wünscht sie sich mehr Offenheit gegenüber den Spaniern, blickt aber selbst nicht weiter über den Tellerrand ihrer Mitmenschen, die sich hier, das gebe ich zu, hinter einer ziemlich unsympathisch schillernden, sonnengebräunten Fassaden verstecken. Gern hätte ich mir auch mehr spanischen Zugang zu den Spaniern gewünscht - ein "fragte ich auf Spanisch" hätte mir da schon genügt, seitenweise spanische Dialoge wären schließlich kontraproduktiv. Stattdessen bekommen die spanischen Charaktere Gelegenheit, sich mit seltsamem Deutsch abzumühen.
Nicht ganz glücklich war ich mit der im Klappentext bereits angedeuteten Dreiecksgeschichte, besonders weil wir keine Chance bekommen, den Andy kennenzulernen, in den sich Anja irgendwann mal verliebt hat, um nachvollziehen zu können, was sie miteinander verbindet. Denn so schlecht sie ihn in ihrer anfänglichen Nichtraucher-Ausräucher-Orgie mit Freundin Tina zeichnet, kann er ja fast gar nicht sein.
Dennoch ist es Sophia Monti gelungen, eine runde Geschichte zu erzählen und ihren Handlungssträngen ein würdiges Ende zu setzen und dabei gleichzeitig neue Türchen zu öffnen. Freche Metaphern treffen auf Ally-McBeal-Kopfkino und sorgen für kurzweilige Lektüre, der man schlussendlich auch die Macken verzeiht. Dass ich mir trotz Chick-Lit auch mal einen ganz unerwarteten Ausgang gewünscht hätte, kann die Autorin ja nicht ahnen.

Fazit: 
Turbulenter Roadtrip mit flotten Dialogen, schnippischen Innenansichten, Liebesdilemma und durchaus kritischem Blick auf das Auswanderungsthema. Alles in allem routinierte Chick-Lit für Fans.

Gesamteindruck:
4 von 5 Punkten

  (3)
Tags: auswandern, auswanderstory, costa blanc, deutsch, dreiecksgeschichte, e-boo, frauenunterhaltung, klischee, liebe, liebesdreieck, neues lebe, spanien, unterhaltung   (13)
 

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

liebe, glück, freundschaft, freunde, honigmilch

Honigmilchtage

Julia Rogasch
E-Buch Text: 391 Seiten
Erschienen bei Forever, 12.08.2016
ISBN 9783958181250
Genre: Romane

Rezension:


Fazit vorab: 
Frauenroman, der mit einer durchaus realistischen Glücks-Schmiede-Idee und einer Hauptfigur mit ordentlichem Identifikationspotenzial punktet, aber an Vorhersehbarkeit und noch unausgereiftem Stil krankt. Wer an trüben Tagen Kurzweil und eine kleine Portion Glück sucht, ist mit diesem E-Book dennoch nicht falsch beraten.

Zum Inhalt:
Mit ihrem Leben könnte Carla eigentlich zufrieden sein: Mit Ende 20 ist sie schon eine Weile in harmonischer Ehe mit ihrer großen Liebe Julius verheiratet, sie arbeitet im Außendienst eines Pharmaunternehmens und hat in ihrer jüngeren Schwester die beste Freundin, die man sich denken kann. Und doch läuft es nicht richtig rund. Der Job erfüllt sie nicht; viel zu erfolgsheischend und befremdlich erscheinen ihr ihre Kollegen, lediglich die zehn Jahre ältere Nele hat sich zur Freundin entwickelt, und als Carla den Mund auf macht, um ihre Unzufriedenheit mit dem "System" in der Firma kundzutun, muss sie um ihre Stelle fürchten. Auch Julius ist als Juniorpartner in seiner Kanzlei mächtig eingespannt und immer auf Achse, und so manches Mal fragt sich Carla, wie Familiengründung in diese Konstellation, in der jeder viel zu wenig Zeit für den anderen hat, passen soll. Als Nele ihr an einem jener Tage, die nach viel heißer Milch mit Honig verlangen, einen Glücksratgeber schenkt, beginnt Carla, ihr Leben zu hinterfragen, und beginnt eine E-Mail-Korrespondenz mit der Autorin. Als sich eine einschneidende berufliche Veränderung androht, ist Carla schließlich bereit, alles hinzuschmeißen. Doch genau an diesem Tag erleidet Julius einen schweren Zusammenbruch ...

Meine Meinung:
In Schaltjahren wie diesem gibt es genügend Tage, an denen nur noch eine mollige Erinnerung an Kindheitstage, als man noch umsorgt wurde, hilft. Frauenromane wie Julia Rogaschs "Honigmilchtage" sind da grundsätzlich eine gute Wahl. 
Zu meinem Bedauern zählt "Honigmilchtage" zu jenen Romanen, die mir sprachlich und stilistisch stark die Lesefreude getrübt haben, was sich deutlich in der Punktwertung niederschlägt. Und dabei ist die Idee gar nicht mal so schlecht und der Roman durchaus unterhaltsam.
Julia Rogasch zeichnet ihre Protagonistin Carla als eine Person, mit der sich die Leserin um die Dreißig, aber auch um die Vierzig oder eben an jedem anderen Wendepunkt im Leben wunderbar identifizieren kann. Sie ist keiner jener jammervollen Charaktere, die sich von Satz zu Satz selbst bedauern, sondern ist sich der Defizite in ihrem Leben durchaus bewusst. Sie ist gewissermaßen gefestigt und erfreut sich eines gesunden Umkreises. Es ist schon mal erfrischend, einen Charakter zu lesen, der nicht tonnenweise Familien- und Vergangenheitsgepäck mit sich herumschleppt. Auch ohne Trauma ist Carla einfach an einem Punkt, an dem eine Veränderung angezeigt ist. Wie im echten Leben braucht auch sie nur den passenden Anstoß ... oder mehrere. 
Als Ich-Erzählerin reflektiert sie im Präteritum recht scharfsinnig über ihr Leben; es steht außer Frage, dass wir es mit einer klugen Person zu tun haben, die mehr aus ihrem Leben machen will, und einer Frau, die bereit ist, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotzdem wirkt der Roman, der sich fast schon anspruchsvoll "Glücksroman" nennt, vergleichsweise oberflächlich. Auf unzähligen Treffen, die zwar Carlas gefestigtes soziales Umfeld verdeutlichen, wird immer wieder viel gegessen, getrunken und gefeiert, aber die Augenblicke, in denen es so menschelt, dass es ans Leserherz geht, waren mir für einen Glücksroman zu wenig. Überdies passen Carlas Handlungen gelegentlich nicht zu dem Bild, das sie von sich selbst zeichnet. So kann sie sich einerseits mit ihren erfolgsverliebten Kollegen nicht anfreunden, will das Klassentreffen nicht besuchen, weil sie mit den Schulkameraden von damals "nicht kann", vertraut sich dann aber in einem schwachen Moment einem Wildfremden auf einer Parkbank an und schließt auf Sylt erstaunlich schnell neue Freundschaften. Gleichzeitig reagiert sie wie eine beschützende Löwin, wenn ihrer Familie weh getan wird, wobei sie aber die Angelegenheit nicht genau hinterfragt, sondern erst einmal ohne Vertrauensvorschuss überemotional reagiert und dann oft der Zufall die Dinge richten darf. Hier wie auch für das gesamte Setting hätte ich mir feinere Abstufungen gewünscht. Auch die Charaktere haben vorwiegend den Stempel "lieb" - die klischeehafte Ex einmal ausgenommen -, und so hätte hinter Carla und ihrer Schwester Marie, die fast immer ein echter Fels in der Brandung ist, zwischendurch aber auch mal aus der Rolle fallen darf, vor allem Julius, dem das Schicksal einigermaßen übel mitspielt, mehr Tiefe gut getan.
Der Stil der Autorin ist geprägt von Füllseln (direkt, dann auch gleich mal, unmittelbar, ja ...) und einem Mix von Substantivierung, Relativsätzen, deren Bezug zu weit entfernt steht, und umgangssprachlichem Erzählen. Letzteres funktioniert zwar in Dialogen, die trotz einiger überzogener Einschübe englischer Aussprüche authentisch überkommen, und gibt dem Roman eher den Stil einer schnell dahin geschriebenen Mail an eine Freundin; er passt aber irgendwie nicht zu Carlas eher träumerischem Charakter, die sich bei Gelegenheit gern in eine Decke kuschelt, eine Honigmilch genießt oder am Strand spaziert. Anflüge sinnlichen Erzählens verblassen noch zu stark, und ab und an wirkt die Timeline kürzer, als sie eigentlich ist, was insbesondere den Handlungssträngen um die Nebenfiguren etwas an Glaubwürdigkeit nimmt.
Spaß machen, trotz der Vorhersehbarkeit der Geschichte, die gefestigten Freundschaften der Figuren und Carlas Wandlung von der herumgeschubsten Außendienstlerin zu einer angehenden Geschäftsfrau, die sich eben genau auf diese Freundschaften verlassen kann, wendig und optimistisch ist und schlussendlich versteht, was persönliches Glück für sie bedeutet. Typische Verwicklungen und Mißverständnisse pflastern den Weg, sorgen aber dank der schlüssigen Umsetzung der Hintergrundidee für angenehm kurzweilige Lektüre.

Gesamteindruck:
3 von 5 Punkten

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Tags: beziehung, ehe, freunde, geschäftsidee, glück, glück schmieden, honigmilch, ideen, job, krankheit, liebe, neuer jo, neues leben, regentage, vertrauen   (15)
 

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weihnachten, liebe, dublin, irland, adoption

Ist die Liebe nicht schön?

Carmel Harrington
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2016
ISBN 9783956496004
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt und Meinung:

"Ist die Liebe nicht schön?" ist ein harter Brocken, will man den Roman besprechen, ohne zu viel zu verraten. Kein Wunder, dass der Klappentext Ereignisse aus dem letzten Drittel des Romans anspricht, die Carmel Harringtons Roman erst die wahre Weihnachtsmagie verleihen. Carmel Harringtons Lieblingsfilm Frank Capras Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?" mit einem wunderbaren James Stewart als herzensguter George Bailey, dem schließlich die Dinge aus dem Ruder gleiten und überirdische Hilfe auf den Plan rufen. Der deutsche Titel und auch der Originaltitel (Every time a bell rings) sind eine wunderbare Anspielung auf diesen Film, denn Harringtons Roman hat sich die Geschichte des Films als Vorbild genommen und bedient sich unterhaltsam an ihr, ohne es an eigener Kreativität mangeln zu lassen. Wer "Ist das Leben nicht schön?" nicht kennt, findet sich bei der Lektüre keineswegs auf verlorenem Posten wieder, verpasst allerdings die eine oder andere Anspielung. Wer den Film kennt, aber in Geschichten, die a priori nicht in die fantastische oder paranormale Schublade gehören, nichts mit übersinnlicher Einmischung in einem ansonsten sehr realistischen Setting anfangen kann, ist mit einem anderen Weihnachtsroman vermutlich besser beraten. "Ist die Liebe nicht schön?" führt uns ins weihnachtliche Dublin und zu Protagonistin Belle Bailey (!), die im Großteil des Romans als Ich-Erzählerin das Ruder in der Hand hält und nur sehr sporadisch anderen Figuren für einen Ich-Exkurs Platz macht. Auf verschiedenen Zeitebenen dürfen wir sie durch ihr Leben und ihre Entwicklung bis zur erwachsenen Frau begleiten. Schon früh erfahren wir, dass sie ein Pflegekind war. Von der leiblichen Mutter nicht gewollt, findet das farbige Mädchen nach missglückten Aufenthalten in Pflegefamilien mit acht Jahren ein Heim bei der unkonventionellen Pflegemutter Tess. Und Tess sorgt dafür, dass der Weihnachtswunsch der in sich gekehrten, schweigenden Belle wahr wird: Sie schenkt ihr einen Freund fürs Leben. Eine ganze Weile lässt uns Carmel Harrington daran teilhaben, wie die Kinder zusammengeschweißt werden. Feinfühlig thematisiert sie Belles Hautfarbe, ihre Ängste und Traumata, ihre Verluste und ihre große Liebe. Besonders die Passagen aus Belles Kindheit reflektieren großes Einfühlungsvermögen in die Gedanken und Gefühle des Pflegekindes. Bewusst wird in einer Sprache erzählt, die ein Hineinfühlen erlaubt und sich sogar bis zur erwachsenen Belle fortsetzt, in der ein verletztes Kind weiterlebt. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass Belle ähnlich ihrem Filmvorbild schließlich an einem dramatischen Wendepunkt angelangt, der ihr das geliebte Weihnachten vermiest. Zwischen tiefgründig und romantisch erhält die Geschichte den für Filmkenner nicht unerwarteten Konflikt mit Ausflug in eine Alternativwelt, die vermutlich zum Zünglein an der Waage wird und über Gefallen und Nichtgefallen entscheidet.  In meinen Augen aber ist "Ist die Liebe nicht schön?" ein gut durchdachter, ausgewogen gestalteter Roman, der ohne Längen alles bietet, das weihnachtliche Lesestunden versüßt. Ohne zu lamentieren, zeigt Carmel Harrington soziale und persönliche Licht- und Schattenseiten auf, während sie gleichzeitig eine zauberhafte Liebesgeschichte entspinnt, die wieder an Seelenverwandtschaft glauben lässt. "Ist die Liebe nicht schön?" versetzt mit wohldosiertem Lokalkolorit den Leser ins Dublin der ausgehenden 1980er und der Gegenwart, lässt zu den Taschentuchvorräten greifen und bietet dennoch hin und wieder Anlass zum Schmunzeln. Kleine Holprigkeiten wie Datumsfehler überliest man bereitwillig. Und schließlich klappt man das Buch mit einem wohligen Gefühl im Herzen zu. Braucht man an Weihnachten mehr?

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Tags: belle und jim, bester freun, dubli, glück, irlan, ist das leben nicht schön, ist die liebe nicht schön, kindhei, liebe, pflegefamilie, pflegekin, vergangenhei, weihnachte, weihnachtstraditionen   (14)
 

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historischer roman, münchen, goldene zwanziger, geschichte, berlin

Spiel der Hoffnung

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426515921
Genre: Historische Romane

Rezension:

Stimmungsvolles Zeitbild der ausklingenden Goldenen Zwanziger, in denen längst nicht mehr alles glänzt

Zum Inhalt:

Ende 1926 führt eine Adresse aus dem Nachlass ihrer Mutter die junge Ella Wittkamp zu dem Münchner Professor Constantin Lutz. Der stellt sie prompt dem Industriellensohn Jobst Kirchenreuth als seine Nichte vor. Ein halbes Jahr später ist auch Professor Lutz tot und Ella mit Jobst verheiratet. Lutz' Hinterlassenschaft an Ella besteht in einer ominösen Mappe mit Unterlagen, die ihre Zukunft bei den Kirchenreuths sichern soll. Doch zunächst genießen die frischgebackenen Eheleute ausschweifende Flitterwochen an den angesagtesten Locations Europas. Es wird gespielt, gekokst und ordentlich Geld zum Fenster herausgeworfen. Zurück in München folgt die Ernüchterung: Hatte Jobst bereits während des Honigmonds ab und an durch Abwesenheit geglänzt, sitzt Ella, die vor ihrem Umzug nach München berufstätig war, bald in der Familienvilla der Kirchenreuths oft nutzlos herum und darf den weiblichen Repräsentationszweck erfüllen. Während es für Schwiegermutter Isolde kaum ein wichtigeres Thema als den hoffentlich bald eintreffenden Nachwuchs gibt, ist Ella ihrer Schwägerin Viktoria ein Dorn im Auge. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, Ella als Hochstaplerin zu entlarven ...


Meine Meinung:

"Spiel der Hoffnung" ist der erste Roman, den ich von Autorin Heidi Rehn lesen durfte, und ich kann jetzt schon sagen, dass er trotz kleiner Abstriche bestimmt nicht der letzte war.

Heidi Rehns historischer Roman, der knapp drei Jahre im Leben seiner Protagonisten abdeckt, entführt den Leser in die vermeintlich schillernde Welt des Jetsets der 1920er Jahre und flicht gekonnt historische Fakten ein, um interessante Einblicke in diese Zeit des erneuten Umbruchs zu bieten.

Zum stimmungsvollen Gesamtbild tragen vor allem Rehns Figuren bei, die mehrschichtig gezeichnet sind und sich nicht in ein Schema pressen lassen. 

Allen voran steht Ella, die im Grunde ihrer Vergangenheit beraubt ist und sich im Laufe der Geschichte nach und nach kennenlernt, und dieses Kennenlernen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Entgegen Jobsts Auffassung, dass die Vergangenheit vergangen ist und nur das Jetzt zählt, ist es ihr wichtig, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Der Große Krieg liegt noch nicht lang zurück, und während Jobst die Zeit an der Front hinter sich lassen will, sind es gerade diese Jahre, die Ella entwurzelt haben. Dass sie sich in Rehns Geschichte dennoch vergleichsweise lang dem süßen Leben hingibt, bevor sie endlich der ominösen Mappe des Professors auf den Grund geht, lässt sich wohl mit ihrer Jugend entschuldigen. Da darf im ersten Teil durchaus gefeiert und geshoppt werden. Kleider und Handtaschen, Variétés und Casino sind an der Tagesordnung und werden lebendig und sehr bildhaft geschildert. 

Nach dieser cleveren, unterhaltsamen Ablenkung besticht die zweite Romanhälfte schließlich mit ordentlich Spannung und Dynamik. Nicht zuletzt sind die Hintergründe um die Mappe des Professors höchst interessant und glaubwürdig erzählt.

Wenngleich Ella, die es aufgrund ihrer einfachen Herkunft gewöhnt ist, für sich zu sorgen, unumstritten im Mittelpunkt steht, sind die übrigen Figuren längst keine Randstatisten. Während Ella sich nicht in die Ehefrau-und-Mutter-Rolle pressen lassen will und der schwiegerelterliche Erwartungsdruck schwer auf ihr lastet, hat Gegenspielerin Viktoria diese Pflicht schon mal erfüllt. Als Mutter von Zwillingen tritt sie in der Villa der Kirchenreuths und in der Öffentlichkeit gebührlich auf.

Hinter der Fassade bröckelt es aber gewaltig, wie Heidi Rehns personal erzählter Schwenk auf Viktoria zeigt. Sie versteht es ausgezeichnet, die ältere Schwägerin zugleich als durchtrieben, verzweifelt, mütterlich und sogar bemitleidenswert darzustellen.

Im Vergleich dazu bleibt Ellas Gatte Jobst in meinen Augen etwas blass. Bereits auf der Hochzeitsreise zeigt er sich mit großen Pupillen und schwankt zwischen zärtlicher Zuneigung zu Ella, wilder Begierde und stoischer Verschlossenheit. Angesichts der flotten Heirat sind Konflikte vorprogrammiert. Die jungen Eheleute kennen sich nicht wirklich. Es ist Ellas verständigem, einfühlsamen und nicht zuletzt geduldigem Charakter zu verdanken, dass der eheliche Handlungsstrang nicht mit der Rückkehr nach München beendet ist. Mit den kurzlebigen Jetset-Affären hat das Paar nichts gemein: erfreulicherweise verbinden es nämlich echte Gefühle, die - wie auch Jobst technisches Interesse und sein Geschäftssinn - im Laufe der Geschichte immer mehr Kontur annehmen dürfen. Ellas und Jobst Liebesgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen ist angenehm zu lesen und bietet einen ausgewogenen, wohltuenden Gegenpol zu der von Ressentiments, Erpressung und Gewalt geprägten Ehe von Viktoria und Jobst Bruder Falk.

Die Darstellung der Familien- und Beziehungsgefüge gelingt Heidi Rehn besonders gut, da sie sich nicht auf soziale Zeitklischees beschränkt, sondern gekonnt die unterschiedlichen politischen Anschauungen und Lebensvorstellungen der Beteiligten aufzeigt. Diese bergen nicht nur Konfliktpotenzial, sondern auch Raum für eine Fortsetzung der Kirchenreuth-Familiensaga. Neben den Veränderungen, die durch Ellas Heirat mit Jobst in der Familie entstehen, erfährt auch der zeitliche Hintergrund ihrer Geschichte Veränderungen. 

So projiziert die Autorin ein kontrastreiches Bild der sehr verschiedenen Städte München und Berlin: Während Ellas Heimat Berlin lebendig leuchtet, weltoffen ist und dem aufstrebenden Nationalsozialismus noch die Stirn bietet, ist das München der Kirchenreuths buchstäblich dunkel (Leuchtreklame ist verboten) und konservativ. Im Hintergrund aber findet Hitler mehr und mehr Anhänger. Auch hier besteht durchaus Raum für eine Weitererzählung des Handlungsstrangs rund um die Maschinenbaufirma der Kirchenreuths. 

Rehns Nebencharaktere sind interessant, haben stringente Handlungsstränge und verschwinden nicht sang- und klanglos. Sie schreibt ihnen passende Dialoge in passender Sprache auf den Leib und macht sie damit glaubwürdig. Reale politische Persönlichkeiten erhalten ebenfalls dann und wann einen kleinen Statistenauftritt, womit das Zeitbild angenehm abgerundet wird.

Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit Heidi Rehns Nominalstil, den ich als geradezu bürokratisch steif empfinde. So versucht sich Ella beispielsweise "im Herausfinden der Wahrheit", Viktoria steigt "nach dem Aussteigen" (aus der Tram) unangenehmer Geruch in die Nase oder Ella unterhält sich mit Rike "während des Durchgeknetetwerdens" ... Im Gegensatz dazu nimmt das "Patsch!", mit dem jede Ohrfeige angekündigt wird (und es gibt so einige Ohrfeigen in diesem Roman), schon fast comichafte Züge an. Auch ein paar Wiederholungen  - so wird beispielsweise ständig Viktorias Haarfarbe erwähnt - führen dazu, dass ich einen Punkt vom Gesamteindruck abziehe. 

Dennoch ist "Spiel der Hoffnung" ein rundum befriedigender historischer Roman zwischen Familiensaga und europäischer Geschichte Ende der Goldenen Zwanziger und macht Lust auf mehr Lektüre über diese Epoche. 

 

Fazit: 

Ausgewogener historischer Roman, der mit schillernden Szenerien mitzureißen weiß, aber auch mit Schattenseiten und lauten wie auch leisen Töne überzeugt und nuancierte Figuren bietet. Empfehlenswert für Leser, die sich für die Zeit der Weimarer Republik interessieren und gleichzeitig eine glaubwürdige Familien- und Liebesgeschichte genießen möchten. 

 

Gesamteindruck:
4 von 5 Punkten

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Tags: familiensaga, geschichte, goldene zwanziger, herkunft, historischer roman, industri, jetse, jüdin, lieb, liebesgeschichte, obere gesellschaft, spannung, vergangenheit, weimarer republi   (14)
 
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