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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

roman, susann rehlein, liebe, berlin, kaufhaus

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Susann Rehlein
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832198107
Genre: Romane

Rezension:

Skurril, nicht immer für bare Münze zu nehmen, dabei überraschend tiefgründig, stilistisch eigenwillig, aber auch anstrengend

Zum Inhalt:

In ihrem Zimmer bastelt sie Schneekugeln. Weil sie hellsehen kann, trifft sie dabei genau den Nerv ihrer Kunden. Ihre Lebensmittel lässt sie sich liefern. Ihr Vater ist tot. Ihr Name ist Lucy und dank ihrer hinterhältigen französischen Mitbewohner sitzt sie bei Psychologe Pawel, der ihr eine schwierige Aufgabe stellt: rausgehen soll sie und Menschen kennenlernen. Doch Lucy ist bemerkenswert unfreundlich und will einfach nur ihre Ruhe. Oder doch nicht?

Meine Meinung:

Der erste und bislang letzte Roman, den ich von Susann Rehlein lesen durfte, war "Auch die Liebe hat drei Seiten". "Die erstaunliche Wirkung von Glück" hat sich an mir vorbeigemogelt. Trotz dieser nur einmaligen Leseerfahrung habe ich wieder ein etwas anderes Lesevergnügen erwartet. Schließlich hat Susann Rehlein in diesem Roman schon gezeigt, dass sie ein Händchen für ausgefallene Figuren hat, die alles andere als gefällig sind und sich die Lesersympathien nicht unbedingt auf der ersten Seite erschleichen. So auch Lucy nicht. 

Die Sechsundzwanzigjährige ist so sperrig und eigenartig wie die Sprache des personalen Erzählers, durch dessen Augen wir sie kennenlernen. Erfrischend anders ist aber durchaus etwas anderes. Denn Lucy und ihre Gedanken sind anstrengend. Mit ihrer Geschäftsidee, Menschen mit auf den ersten Blick bizarren Schneekugeln zu versorgen, ist Lucy skurril und eigenbrötlerisch, und da sie ihre Aufträge online und postalisch abwickelt, muss sie weder aus dem Haus noch persönlichen Kontakt zu anderen Menschen pflegen. Dass ihr die Menschen für ihre Kreationen viel zu viel Infos vor die Füße werfen, ist ihr geradezu zuwider - sie hat schließlich ein übersinnliches Gespür für das, was andere brauchen. Dabei ist es ihr schnurz, was andere von ihr denken oder ob sie sie vor den Kopf stößt. In ihrer agoraphobischen und misanthropischen Art (nein, nein, so ist sie natürlich nicht) wird die kalte Ravioli aus der Dose löffelnde Lucy zur Herausforderung. Die Jeans fällt ihr fast schon vom Leib. Darüber trägt sie das Tutu ihrer Ex-Mitbewohnerin, und um die Menschen auf der Straße auszublenden, hat sie Ohrenschützer auf - auf den ersten Blick gehört Lucy zu jenen Menschen, die bei anderen sofort alle Klischee-/Vorurteils-/Mitleidsglocken bimmeln lassen. Es bedarf eines genaueren Blickes und einer Portion Geduld, um mit dieser Protagonistin warm zu werden. Nicht immer sind die Handlung um sie und ihr Handeln glaubwürdig. Mit ihrer "nicht normalen", nicht konformen Art gelingt es dieser Figur jedoch, Menschen um sich zu scharen, die allesamt genauso ihre Ecken und Kanten haben und uns unweigerlich eben genau die Vorurteile und Klischees vor Augen führen, die wir so gern pflegen. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, immerhin wird sie bereits im U4-Text und in der Kurzbeschreibung angesprochen, und schließlich hat sie auch hier mehr als eine Seite. Dadurch und vor allem durch die schmerzlichen Einblicke in Lucys Vergangenheit entsteht eine tiefgründige Note, die "Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" in Verbindung mit Susann Rehleins eigenwilligem Stil zu einem Leseerlebnis der besonderen Art macht. Der Roman ist dabei aber auch kein gefälliges Werk und ganz sicher nicht jedermanns Sache. Wer seiner Lektüre aufgeschlossen entgegentritt und Abwechslung vom Einheitsbrei sucht, findet in "Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" nicht nur ein marodes Kaufhaus als bunten Schauplatz, sondern eine wahre Spielwiese farbenfroher Charaktere, die für allerlei Emotionen sorgen, und kreativer Szenen (und Wortschöpfungen), die Überzeichnungen schnell verzeihen lassen.


Gesamteindruck:

4 von 5 Punkten

  (2)
Tags: eigenbrötlerisch, einsamkeit, freunde, liebe, lucy, lucy schröder, roman, schneekugeln, susann rehlein, vergangenheit   (10)
 

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spanien, liebe, auswandern, bully, reise

Hasta La Pista - Wo die Liebe hinfährt

Sophia Monti
E-Buch Text: 211 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 05.10.2016
ISBN 9783960870869
Genre: Liebesromane

Rezension:

Zum Inhalt:
Dass es für Anja Rembrand ohne T rund laufen würde, kann man nun wirklich nicht behaupten: In der Redaktion wird sie gemobbt und Freund Andy hat sich ein duftendes Mangagirly aus der Drogerie angelacht. Als ihr Ex und inzwischen platonischer Freund Jan ankündigt, er werde sich eine einjährige Auszeit von Stadt- und Businessleben nehmen und mit einem Bully nach und durch Spanien tuckern, lässt sich Anja anstecken. Weg mit Andy, weg mit dem Job, weg mit der Wohnung. Ganz und gar auswandern will Anja in ihr heißgeliebtes Spanien und springt ohne zu fackeln in Jans platonischen Bully ...

Meine Meinung:
Da ich immer noch kein großer E-Book-Leser bin, aber ab und an gerne mal typische Frauenunterhaltung lese, sie aber nicht immer als Baum in der Handtasche mit mir herumschleppen will, kommen mir Romane wie Sophia Montis "Hasta La Pista" gerade recht. 
Locker stolpern wir mit Ich-Erzählerin Anja durch die aktuellen Unwegsamkeiten ihres Lebens. Und Anja ist weder auf den Kopf noch auf den Mund gefallen und präsentiert Gedanken und Dialoge, die größtenteils richtig Spaß machen und für einen Lacher gut sind. 
Montis Charaktere sind an sich und in ihren Paarungen vermutlich nicht allzu ernst zu nehmen, denn natürlich passen Anja und ihr fremdgehender Musikus Andy auf den ersten Leserblick schon nicht zusammen. Die spionierenden Nachbarn, Jans italienisch-furienhaft eifersüchtige Freundin Marcella, Anjas mobbende Kolleginnen und Ausgleichspol=beste Freundin Tine passen perfekt ins Chick-Lit-Genre, das hier routiniert und sprachlich angemessen bedient wird. 
Während Anja zu Beginn noch amüsant schnippisch-sarkastisch daherkommt, wurde mir ihre Art besonders im Spanien-Part des Romans dann doch etwas zu viel. So wurde uns die junge Dame als Spanienliebhaberin mit ordentlichen Spanischkenntnissen präsentiert, als jemand - und das ist der gebührende ernste Handlungsstrang des Romans -, der weiß, worauf er sich einlässt und Land und Leute zu schätzen und zu respektieren weiß. Neben Anjas Liebesdilemma (leider wird da im Klappentext schon viel zu viel gespoilert) tut sich da nämlich ein großer Konflikt auf, als sie ausgerechnet in eine Hochburg deutscher Einwanderer gerät, die alle deutschen Klischees weidlich pflegen. Auch wenn sie den eigenen Landsleuten durchaus kritisch gegenübersteht, bekommt ihr eigener Ton plötzlich eine Note von Respektlosigkeit, die mir so gar nicht gefallen wollte. So amüsant ihre Vergleiche auch sein mögen, in meinen Ohren schießt die gute Anja so manches Mal zu scharf und macht einen tüchtig verbitterten Eindruck, wo sie doch eigentlich voller Optimismus losgezogen ist. Einerseits wünscht sie sich mehr Offenheit gegenüber den Spaniern, blickt aber selbst nicht weiter über den Tellerrand ihrer Mitmenschen, die sich hier, das gebe ich zu, hinter einer ziemlich unsympathisch schillernden, sonnengebräunten Fassaden verstecken. Gern hätte ich mir auch mehr spanischen Zugang zu den Spaniern gewünscht - ein "fragte ich auf Spanisch" hätte mir da schon genügt, seitenweise spanische Dialoge wären schließlich kontraproduktiv. Stattdessen bekommen die spanischen Charaktere Gelegenheit, sich mit seltsamem Deutsch abzumühen.
Nicht ganz glücklich war ich mit der im Klappentext bereits angedeuteten Dreiecksgeschichte, besonders weil wir keine Chance bekommen, den Andy kennenzulernen, in den sich Anja irgendwann mal verliebt hat, um nachvollziehen zu können, was sie miteinander verbindet. Denn so schlecht sie ihn in ihrer anfänglichen Nichtraucher-Ausräucher-Orgie mit Freundin Tina zeichnet, kann er ja fast gar nicht sein.
Dennoch ist es Sophia Monti gelungen, eine runde Geschichte zu erzählen und ihren Handlungssträngen ein würdiges Ende zu setzen und dabei gleichzeitig neue Türchen zu öffnen. Freche Metaphern treffen auf Ally-McBeal-Kopfkino und sorgen für kurzweilige Lektüre, der man schlussendlich auch die Macken verzeiht. Dass ich mir trotz Chick-Lit auch mal einen ganz unerwarteten Ausgang gewünscht hätte, kann die Autorin ja nicht ahnen.

Fazit: 
Turbulenter Roadtrip mit flotten Dialogen, schnippischen Innenansichten, Liebesdilemma und durchaus kritischem Blick auf das Auswanderungsthema. Alles in allem routinierte Chick-Lit für Fans.

Gesamteindruck:
4 von 5 Punkten

  (2)
Tags: auswandern, auswanderstory, costa blanc, deutsch, dreiecksgeschichte, e-boo, frauenunterhaltung, klischee, liebe, liebesdreieck, neues lebe, spanien, unterhaltung   (13)
 

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liebe, glück, freunde, freundschaft, honigmilch

Honigmilchtage

Julia Rogasch
E-Buch Text: 391 Seiten
Erschienen bei Forever, 12.08.2016
ISBN 9783958181250
Genre: Romane

Rezension:


Fazit vorab: 
Frauenroman, der mit einer durchaus realistischen Glücks-Schmiede-Idee und einer Hauptfigur mit ordentlichem Identifikationspotenzial punktet, aber an Vorhersehbarkeit und noch unausgereiftem Stil krankt. Wer an trüben Tagen Kurzweil und eine kleine Portion Glück sucht, ist mit diesem E-Book dennoch nicht falsch beraten.

Zum Inhalt:
Mit ihrem Leben könnte Carla eigentlich zufrieden sein: Mit Ende 20 ist sie schon eine Weile in harmonischer Ehe mit ihrer großen Liebe Julius verheiratet, sie arbeitet im Außendienst eines Pharmaunternehmens und hat in ihrer jüngeren Schwester die beste Freundin, die man sich denken kann. Und doch läuft es nicht richtig rund. Der Job erfüllt sie nicht; viel zu erfolgsheischend und befremdlich erscheinen ihr ihre Kollegen, lediglich die zehn Jahre ältere Nele hat sich zur Freundin entwickelt, und als Carla den Mund auf macht, um ihre Unzufriedenheit mit dem "System" in der Firma kundzutun, muss sie um ihre Stelle fürchten. Auch Julius ist als Juniorpartner in seiner Kanzlei mächtig eingespannt und immer auf Achse, und so manches Mal fragt sich Carla, wie Familiengründung in diese Konstellation, in der jeder viel zu wenig Zeit für den anderen hat, passen soll. Als Nele ihr an einem jener Tage, die nach viel heißer Milch mit Honig verlangen, einen Glücksratgeber schenkt, beginnt Carla, ihr Leben zu hinterfragen, und beginnt eine E-Mail-Korrespondenz mit der Autorin. Als sich eine einschneidende berufliche Veränderung androht, ist Carla schließlich bereit, alles hinzuschmeißen. Doch genau an diesem Tag erleidet Julius einen schweren Zusammenbruch ...

Meine Meinung:
In Schaltjahren wie diesem gibt es genügend Tage, an denen nur noch eine mollige Erinnerung an Kindheitstage, als man noch umsorgt wurde, hilft. Frauenromane wie Julia Rogaschs "Honigmilchtage" sind da grundsätzlich eine gute Wahl. 
Zu meinem Bedauern zählt "Honigmilchtage" zu jenen Romanen, die mir sprachlich und stilistisch stark die Lesefreude getrübt haben, was sich deutlich in der Punktwertung niederschlägt. Und dabei ist die Idee gar nicht mal so schlecht und der Roman durchaus unterhaltsam.
Julia Rogasch zeichnet ihre Protagonistin Carla als eine Person, mit der sich die Leserin um die Dreißig, aber auch um die Vierzig oder eben an jedem anderen Wendepunkt im Leben wunderbar identifizieren kann. Sie ist keiner jener jammervollen Charaktere, die sich von Satz zu Satz selbst bedauern, sondern ist sich der Defizite in ihrem Leben durchaus bewusst. Sie ist gewissermaßen gefestigt und erfreut sich eines gesunden Umkreises. Es ist schon mal erfrischend, einen Charakter zu lesen, der nicht tonnenweise Familien- und Vergangenheitsgepäck mit sich herumschleppt. Auch ohne Trauma ist Carla einfach an einem Punkt, an dem eine Veränderung angezeigt ist. Wie im echten Leben braucht auch sie nur den passenden Anstoß ... oder mehrere. 
Als Ich-Erzählerin reflektiert sie im Präteritum recht scharfsinnig über ihr Leben; es steht außer Frage, dass wir es mit einer klugen Person zu tun haben, die mehr aus ihrem Leben machen will, und einer Frau, die bereit ist, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotzdem wirkt der Roman, der sich fast schon anspruchsvoll "Glücksroman" nennt, vergleichsweise oberflächlich. Auf unzähligen Treffen, die zwar Carlas gefestigtes soziales Umfeld verdeutlichen, wird immer wieder viel gegessen, getrunken und gefeiert, aber die Augenblicke, in denen es so menschelt, dass es ans Leserherz geht, waren mir für einen Glücksroman zu wenig. Überdies passen Carlas Handlungen gelegentlich nicht zu dem Bild, das sie von sich selbst zeichnet. So kann sie sich einerseits mit ihren erfolgsverliebten Kollegen nicht anfreunden, will das Klassentreffen nicht besuchen, weil sie mit den Schulkameraden von damals "nicht kann", vertraut sich dann aber in einem schwachen Moment einem Wildfremden auf einer Parkbank an und schließt auf Sylt erstaunlich schnell neue Freundschaften. Gleichzeitig reagiert sie wie eine beschützende Löwin, wenn ihrer Familie weh getan wird, wobei sie aber die Angelegenheit nicht genau hinterfragt, sondern erst einmal ohne Vertrauensvorschuss überemotional reagiert und dann oft der Zufall die Dinge richten darf. Hier wie auch für das gesamte Setting hätte ich mir feinere Abstufungen gewünscht. Auch die Charaktere haben vorwiegend den Stempel "lieb" - die klischeehafte Ex einmal ausgenommen -, und so hätte hinter Carla und ihrer Schwester Marie, die fast immer ein echter Fels in der Brandung ist, zwischendurch aber auch mal aus der Rolle fallen darf, vor allem Julius, dem das Schicksal einigermaßen übel mitspielt, mehr Tiefe gut getan.
Der Stil der Autorin ist geprägt von Füllseln (direkt, dann auch gleich mal, unmittelbar, ja ...) und einem Mix von Substantivierung, Relativsätzen, deren Bezug zu weit entfernt steht, und umgangssprachlichem Erzählen. Letzteres funktioniert zwar in Dialogen, die trotz einiger überzogener Einschübe englischer Aussprüche authentisch überkommen, und gibt dem Roman eher den Stil einer schnell dahin geschriebenen Mail an eine Freundin; er passt aber irgendwie nicht zu Carlas eher träumerischem Charakter, die sich bei Gelegenheit gern in eine Decke kuschelt, eine Honigmilch genießt oder am Strand spaziert. Anflüge sinnlichen Erzählens verblassen noch zu stark, und ab und an wirkt die Timeline kürzer, als sie eigentlich ist, was insbesondere den Handlungssträngen um die Nebenfiguren etwas an Glaubwürdigkeit nimmt.
Spaß machen, trotz der Vorhersehbarkeit der Geschichte, die gefestigten Freundschaften der Figuren und Carlas Wandlung von der herumgeschubsten Außendienstlerin zu einer angehenden Geschäftsfrau, die sich eben genau auf diese Freundschaften verlassen kann, wendig und optimistisch ist und schlussendlich versteht, was persönliches Glück für sie bedeutet. Typische Verwicklungen und Mißverständnisse pflastern den Weg, sorgen aber dank der schlüssigen Umsetzung der Hintergrundidee für angenehm kurzweilige Lektüre.

Gesamteindruck:
3 von 5 Punkten

  (4)
Tags: beziehung, ehe, freunde, geschäftsidee, glück, glück schmieden, honigmilch, ideen, job, krankheit, liebe, neuer jo, neues leben, regentage, vertrauen   (15)
 

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weihnachten, liebe, dublin, adoption, engel

Ist die Liebe nicht schön?

Carmel Harrington
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 10.10.2016
ISBN 9783956496004
Genre: Liebesromane

Rezension:

Inhalt und Meinung:

"Ist die Liebe nicht schön?" ist ein harter Brocken, will man den Roman besprechen, ohne zu viel zu verraten. Kein Wunder, dass der Klappentext Ereignisse aus dem letzten Drittel des Romans anspricht, die Carmel Harringtons Roman erst die wahre Weihnachtsmagie verleihen. Carmel Harringtons Lieblingsfilm Frank Capras Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?" mit einem wunderbaren James Stewart als herzensguter George Bailey, dem schließlich die Dinge aus dem Ruder gleiten und überirdische Hilfe auf den Plan rufen. Der deutsche Titel und auch der Originaltitel (Every time a bell rings) sind eine wunderbare Anspielung auf diesen Film, denn Harringtons Roman hat sich die Geschichte des Films als Vorbild genommen und bedient sich unterhaltsam an ihr, ohne es an eigener Kreativität mangeln zu lassen. Wer "Ist das Leben nicht schön?" nicht kennt, findet sich bei der Lektüre keineswegs auf verlorenem Posten wieder, verpasst allerdings die eine oder andere Anspielung. Wer den Film kennt, aber in Geschichten, die a priori nicht in die fantastische oder paranormale Schublade gehören, nichts mit übersinnlicher Einmischung in einem ansonsten sehr realistischen Setting anfangen kann, ist mit einem anderen Weihnachtsroman vermutlich besser beraten. "Ist die Liebe nicht schön?" führt uns ins weihnachtliche Dublin und zu Protagonistin Belle Bailey (!), die im Großteil des Romans als Ich-Erzählerin das Ruder in der Hand hält und nur sehr sporadisch anderen Figuren für einen Ich-Exkurs Platz macht. Auf verschiedenen Zeitebenen dürfen wir sie durch ihr Leben und ihre Entwicklung bis zur erwachsenen Frau begleiten. Schon früh erfahren wir, dass sie ein Pflegekind war. Von der leiblichen Mutter nicht gewollt, findet das farbige Mädchen nach missglückten Aufenthalten in Pflegefamilien mit acht Jahren ein Heim bei der unkonventionellen Pflegemutter Tess. Und Tess sorgt dafür, dass der Weihnachtswunsch der in sich gekehrten, schweigenden Belle wahr wird: Sie schenkt ihr einen Freund fürs Leben. Eine ganze Weile lässt uns Carmel Harrington daran teilhaben, wie die Kinder zusammengeschweißt werden. Feinfühlig thematisiert sie Belles Hautfarbe, ihre Ängste und Traumata, ihre Verluste und ihre große Liebe. Besonders die Passagen aus Belles Kindheit reflektieren großes Einfühlungsvermögen in die Gedanken und Gefühle des Pflegekindes. Bewusst wird in einer Sprache erzählt, die ein Hineinfühlen erlaubt und sich sogar bis zur erwachsenen Belle fortsetzt, in der ein verletztes Kind weiterlebt. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass Belle ähnlich ihrem Filmvorbild schließlich an einem dramatischen Wendepunkt angelangt, der ihr das geliebte Weihnachten vermiest. Zwischen tiefgründig und romantisch erhält die Geschichte den für Filmkenner nicht unerwarteten Konflikt mit Ausflug in eine Alternativwelt, die vermutlich zum Zünglein an der Waage wird und über Gefallen und Nichtgefallen entscheidet.  In meinen Augen aber ist "Ist die Liebe nicht schön?" ein gut durchdachter, ausgewogen gestalteter Roman, der ohne Längen alles bietet, das weihnachtliche Lesestunden versüßt. Ohne zu lamentieren, zeigt Carmel Harrington soziale und persönliche Licht- und Schattenseiten auf, während sie gleichzeitig eine zauberhafte Liebesgeschichte entspinnt, die wieder an Seelenverwandtschaft glauben lässt. "Ist die Liebe nicht schön?" versetzt mit wohldosiertem Lokalkolorit den Leser ins Dublin der ausgehenden 1980er und der Gegenwart, lässt zu den Taschentuchvorräten greifen und bietet dennoch hin und wieder Anlass zum Schmunzeln. Kleine Holprigkeiten wie Datumsfehler überliest man bereitwillig. Und schließlich klappt man das Buch mit einem wohligen Gefühl im Herzen zu. Braucht man an Weihnachten mehr?

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Tags: belle und jim, bester freun, dubli, glück, irlan, ist das leben nicht schön, ist die liebe nicht schön, kindhei, liebe, pflegefamilie, pflegekin, vergangenhei, weihnachte, weihnachtstraditionen   (14)
 

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goldene zwanziger, münchen, historischer roman, berlin, jetse

Spiel der Hoffnung

Heidi Rehn
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426515921
Genre: Historische Romane

Rezension:

Stimmungsvolles Zeitbild der ausklingenden Goldenen Zwanziger, in denen längst nicht mehr alles glänzt

Zum Inhalt:

Ende 1926 führt eine Adresse aus dem Nachlass ihrer Mutter die junge Ella Wittkamp zu dem Münchner Professor Constantin Lutz. Der stellt sie prompt dem Industriellensohn Jobst Kirchenreuth als seine Nichte vor. Ein halbes Jahr später ist auch Professor Lutz tot und Ella mit Jobst verheiratet. Lutz' Hinterlassenschaft an Ella besteht in einer ominösen Mappe mit Unterlagen, die ihre Zukunft bei den Kirchenreuths sichern soll. Doch zunächst genießen die frischgebackenen Eheleute ausschweifende Flitterwochen an den angesagtesten Locations Europas. Es wird gespielt, gekokst und ordentlich Geld zum Fenster herausgeworfen. Zurück in München folgt die Ernüchterung: Hatte Jobst bereits während des Honigmonds ab und an durch Abwesenheit geglänzt, sitzt Ella, die vor ihrem Umzug nach München berufstätig war, bald in der Familienvilla der Kirchenreuths oft nutzlos herum und darf den weiblichen Repräsentationszweck erfüllen. Während es für Schwiegermutter Isolde kaum ein wichtigeres Thema als den hoffentlich bald eintreffenden Nachwuchs gibt, ist Ella ihrer Schwägerin Viktoria ein Dorn im Auge. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, Ella als Hochstaplerin zu entlarven ...


Meine Meinung:

"Spiel der Hoffnung" ist der erste Roman, den ich von Autorin Heidi Rehn lesen durfte, und ich kann jetzt schon sagen, dass er trotz kleiner Abstriche bestimmt nicht der letzte war.

Heidi Rehns historischer Roman, der knapp drei Jahre im Leben seiner Protagonisten abdeckt, entführt den Leser in die vermeintlich schillernde Welt des Jetsets der 1920er Jahre und flicht gekonnt historische Fakten ein, um interessante Einblicke in diese Zeit des erneuten Umbruchs zu bieten.

Zum stimmungsvollen Gesamtbild tragen vor allem Rehns Figuren bei, die mehrschichtig gezeichnet sind und sich nicht in ein Schema pressen lassen. 

Allen voran steht Ella, die im Grunde ihrer Vergangenheit beraubt ist und sich im Laufe der Geschichte nach und nach kennenlernt, und dieses Kennenlernen ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Entgegen Jobsts Auffassung, dass die Vergangenheit vergangen ist und nur das Jetzt zählt, ist es ihr wichtig, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Der Große Krieg liegt noch nicht lang zurück, und während Jobst die Zeit an der Front hinter sich lassen will, sind es gerade diese Jahre, die Ella entwurzelt haben. Dass sie sich in Rehns Geschichte dennoch vergleichsweise lang dem süßen Leben hingibt, bevor sie endlich der ominösen Mappe des Professors auf den Grund geht, lässt sich wohl mit ihrer Jugend entschuldigen. Da darf im ersten Teil durchaus gefeiert und geshoppt werden. Kleider und Handtaschen, Variétés und Casino sind an der Tagesordnung und werden lebendig und sehr bildhaft geschildert. 

Nach dieser cleveren, unterhaltsamen Ablenkung besticht die zweite Romanhälfte schließlich mit ordentlich Spannung und Dynamik. Nicht zuletzt sind die Hintergründe um die Mappe des Professors höchst interessant und glaubwürdig erzählt.

Wenngleich Ella, die es aufgrund ihrer einfachen Herkunft gewöhnt ist, für sich zu sorgen, unumstritten im Mittelpunkt steht, sind die übrigen Figuren längst keine Randstatisten. Während Ella sich nicht in die Ehefrau-und-Mutter-Rolle pressen lassen will und der schwiegerelterliche Erwartungsdruck schwer auf ihr lastet, hat Gegenspielerin Viktoria diese Pflicht schon mal erfüllt. Als Mutter von Zwillingen tritt sie in der Villa der Kirchenreuths und in der Öffentlichkeit gebührlich auf.

Hinter der Fassade bröckelt es aber gewaltig, wie Heidi Rehns personal erzählter Schwenk auf Viktoria zeigt. Sie versteht es ausgezeichnet, die ältere Schwägerin zugleich als durchtrieben, verzweifelt, mütterlich und sogar bemitleidenswert darzustellen.

Im Vergleich dazu bleibt Ellas Gatte Jobst in meinen Augen etwas blass. Bereits auf der Hochzeitsreise zeigt er sich mit großen Pupillen und schwankt zwischen zärtlicher Zuneigung zu Ella, wilder Begierde und stoischer Verschlossenheit. Angesichts der flotten Heirat sind Konflikte vorprogrammiert. Die jungen Eheleute kennen sich nicht wirklich. Es ist Ellas verständigem, einfühlsamen und nicht zuletzt geduldigem Charakter zu verdanken, dass der eheliche Handlungsstrang nicht mit der Rückkehr nach München beendet ist. Mit den kurzlebigen Jetset-Affären hat das Paar nichts gemein: erfreulicherweise verbinden es nämlich echte Gefühle, die - wie auch Jobst technisches Interesse und sein Geschäftssinn - im Laufe der Geschichte immer mehr Kontur annehmen dürfen. Ellas und Jobst Liebesgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen ist angenehm zu lesen und bietet einen ausgewogenen, wohltuenden Gegenpol zu der von Ressentiments, Erpressung und Gewalt geprägten Ehe von Viktoria und Jobst Bruder Falk.

Die Darstellung der Familien- und Beziehungsgefüge gelingt Heidi Rehn besonders gut, da sie sich nicht auf soziale Zeitklischees beschränkt, sondern gekonnt die unterschiedlichen politischen Anschauungen und Lebensvorstellungen der Beteiligten aufzeigt. Diese bergen nicht nur Konfliktpotenzial, sondern auch Raum für eine Fortsetzung der Kirchenreuth-Familiensaga. Neben den Veränderungen, die durch Ellas Heirat mit Jobst in der Familie entstehen, erfährt auch der zeitliche Hintergrund ihrer Geschichte Veränderungen. 

So projiziert die Autorin ein kontrastreiches Bild der sehr verschiedenen Städte München und Berlin: Während Ellas Heimat Berlin lebendig leuchtet, weltoffen ist und dem aufstrebenden Nationalsozialismus noch die Stirn bietet, ist das München der Kirchenreuths buchstäblich dunkel (Leuchtreklame ist verboten) und konservativ. Im Hintergrund aber findet Hitler mehr und mehr Anhänger. Auch hier besteht durchaus Raum für eine Weitererzählung des Handlungsstrangs rund um die Maschinenbaufirma der Kirchenreuths. 

Rehns Nebencharaktere sind interessant, haben stringente Handlungsstränge und verschwinden nicht sang- und klanglos. Sie schreibt ihnen passende Dialoge in passender Sprache auf den Leib und macht sie damit glaubwürdig. Reale politische Persönlichkeiten erhalten ebenfalls dann und wann einen kleinen Statistenauftritt, womit das Zeitbild angenehm abgerundet wird.

Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit Heidi Rehns Nominalstil, den ich als geradezu bürokratisch steif empfinde. So versucht sich Ella beispielsweise "im Herausfinden der Wahrheit", Viktoria steigt "nach dem Aussteigen" (aus der Tram) unangenehmer Geruch in die Nase oder Ella unterhält sich mit Rike "während des Durchgeknetetwerdens" ... Im Gegensatz dazu nimmt das "Patsch!", mit dem jede Ohrfeige angekündigt wird (und es gibt so einige Ohrfeigen in diesem Roman), schon fast comichafte Züge an. Auch ein paar Wiederholungen  - so wird beispielsweise ständig Viktorias Haarfarbe erwähnt - führen dazu, dass ich einen Punkt vom Gesamteindruck abziehe. 

Dennoch ist "Spiel der Hoffnung" ein rundum befriedigender historischer Roman zwischen Familiensaga und europäischer Geschichte Ende der Goldenen Zwanziger und macht Lust auf mehr Lektüre über diese Epoche. 

 

Fazit: 

Ausgewogener historischer Roman, der mit schillernden Szenerien mitzureißen weiß, aber auch mit Schattenseiten und lauten wie auch leisen Töne überzeugt und nuancierte Figuren bietet. Empfehlenswert für Leser, die sich für die Zeit der Weimarer Republik interessieren und gleichzeitig eine glaubwürdige Familien- und Liebesgeschichte genießen möchten. 

 

Gesamteindruck:
4 von 5 Punkten

  (4)
Tags: familiensaga, geschichte, goldene zwanziger, herkunft, historischer roman, industri, jetse, jüdin, lieb, liebesgeschichte, obere gesellschaft, spannung, vergangenheit, weimarer republi   (14)
 

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liebe, ehe, ruhm, erfolg, new york

Champagner und Stilettos

Lauren Weisberger , Martina Tichy , Regina Rawlinson
Flexibler Einband: 413 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 13.06.2011
ISBN 9783442474219
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: arbeit, beruf, beziehung, eh, glitzerwel, jetse, leben, liebe, musik, rockstar, ruhm, star sein   (12)
 

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

südtirol, dolomiten, erster weltkrieg, gadertal, liebe

Ein Tal in Licht und Schatten

Marie Buchinger
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2016
ISBN 9783426517550
Genre: Historische Romane

Rezension:

Zum Inhalt:
Als jüngstes Kind und einzige Tochter der Kastlungers wächst Elisabetha (Elisa) Anfang des 20. Jahrhunderts im Gadertal relativ abgeschottet von den Entwicklungen der Welt auf. Zusammenhalt in Familie und Nachbarschaft, arbeitsintensive Viehhaltung und Frömmigkeit prägen ihren Alltag. Als der Sohn des alten Costa, ihres Nachbarn, mit seiner italienischen Ehefrau und seinen drei Kindern zu Besuch kommt, erhascht Elisa erstmals einen Blick auf die Welt jenseits der Berge. Während sich Chiara, kaum älter als Elisa, damenhaft reserviert gibt, begegnet ihr deren älterer Bruder Vito schon offener; er spricht mutig Ladinisch und interessiert sich nicht nur für die italienische Heimat seiner Mutter, sondern auch für die Welt, in die sein Vater geboren wurde. Ihre Freundschaft festigt sich, als die Italiener nach Costas Tod dauerhaft ins Gadertal übersiedeln. Sosehr sich Vito auch an das Leben in den Bergen anpasst, ist er doch im Herzen ein Forscher und Entdecker und würde gern später Ingenieur. Doch dann wird ihm ein ordentlicher Strich durch die Rechnung gemacht: Durch einen Unglücksfall hat er, kaum erwachsen, für Hof und Familie zu sorgen, und in Europa beginnt ein Krieg. Gleich drei von Elisas Brüdern werden eingezogen, und als Italien in den Krieg eintritt, hält der Konflikt auch im Gadertal Einzug. Vito muss sich entscheiden: Bleibt er als Familienoberhaupt und Landwirt auf seinem Hof oder zieht er in den Krieg? Doch ist er Österreicher oder Italiener? Und Elisa ist kein unscheinbares kleines Mädchen mehr, sondern eine anziehende Heranwachsende, und Vito muss sich eingestehen, dass er längst mehr für sie empfindet als nur Freundschaft ... 

Meine Meinung: 
"Ein Tal in Licht und Schatten" ist der erste historische Roman von Diana Menschig, die hier unter dem Pseudonym Marie Buchinger schreibt und sich gleich eines sehr umfangreichen Themas angenommen hat. 
Mit viel Liebe für Land und Leute lädt sie uns zu einer Zeitreise ein ins Val Badia, das in ihrer Geschichte eine Zeit voller Veränderungen, eben Licht- und Schattenseiten, erfährt. Der Roman ist eine gelungene Mischung als Familiensaga, Heimat- und Historienroman. 
Vor der Kulisse der Dolomiten erzählt Marie Buchinger im Grunde die Geschichte zweier Familie, die durch den ersten großen Weltkonflikt des 20. Jh.s zusammengeschweißt werden. 
Sehr auf Authentizität bedacht, flicht die Autorin dabei nicht nur die ladinische Sprache ein, sondern zeigt auch die Hierarchien innerhalb der Familie auf. So ist Elisas Vater Josef unangefochtener Herr im Haus (und muss wie auch die Mutter gesiezt werden). Geradezu erwartungsgemäß zeigt er die Zuneigung zu seinen Kindern zunächst nur selten; erst im Laufe der Geschichte, darf auch er weicher werden. Selbst Nesthäkchen Elisa ist nicht vor einer Ohrfeige gefeit, Sohn Anton wird gar des Hofes verwiesen, als Lebensvorstellungen kollidieren, und auch Mischi, der Elisa vermutlich am nächsten steht, muss hart um die Gunst seines Pere arbeiten. Dennoch hält ein starkes Familiengefüge die Kastlungers zusammen, womit Elisa bereits früh einen gefestigten Charakter zeigt und schwierige Situationen mit unvorstellbarer Größe zu meistern weiß. Trotz ihres räumlich beschränkten Horizonts ist sie ein heller Kopf, wodurch sie unweigerlich zu Vito hingezogen wird.
Vitos Familie repräsentiert wiederum jene, die sich plötzlich in einer Art Niemandsland wiederfinden. Obwohl Vitos Vater Jakob ins Gadertal gehört, sind die Costas Fremde, Jakob Costa in seiner italienischen Schwiegerfamilie ebenso wie seine Frau Lucia und die drei Kinder Vito, Chiara und Giovanni später im Gadertal. Vergeblich versucht Jakob Costa, vor seinem Schwiegervater zu bestehen, und Vito, den man in den Bergen zum Veith machen will, vermisst die Weltoffenheit seiner italienischen Heimat. Heimisch werden sie dank der Hilfe der Kastlunger-Frauen, die unaufdringlich zur Seite zu stehen wissen. 
Und ebenso unaufdringlich lässt uns die Autorin am Leben in den Bergen teilhaben, indem sie über einen langen Zeitraum ihre Geschichte behutsam entspinnt. Obwohl die Vorkriegsjahre vergleichsweise ereignisarm verlaufen, tauchen wir mühelos in Elisas Leben ein und erleben mit Interesse, wie sie zu der Frau heranwächst, die wir am Ende des Romans in ein neues Leben nach dem Krieg verabschieden. 
Wir erleben ihr Licht und ihren Schatten, denn die Kriegsjahre, die personal erzählt im Wechsel durch Vitos und Elisas Augen verdeutlicht werden, fordern ihren Tribut. Während Vito erkennen muss, dass ein Teil der Ingenieurkunst, die er so bewunderte, Menschenleben um Menschenleben vernichtet, erlebt Elisa, wie ihr eigener Mikrokosmos immer kleiner wird. Nicht alle der Personen, die die Autorin in einer Übersicht vor der eigentlichen Geschichte vorstellt, werden wir wiedersehen, und die, denen wir erneut begegnen, werden verändert sein, voller Narben, die der Krieg hinterlassen hat. 
Die einzige Konstante bleibt die Liebe. Nicht einmal "nur" die Liebe, die Elisa und Vito füreinander empfinden, sondern auch die innerhalb und zwischen den Familien. Sie zu erkennen, scheint so manches Mal eine Hürde zu sein. 
Allerdings ist es gerade Elisas und Vitos Liebesgeschichte, die mich nicht so recht überzeugen wollte. Zu sehr rückten da körperliche Begierden (im Kontrast zur frommen Erziehung Elisas) in den Vordergrund, die großen Gefühle schwebten noch zu stark an der Oberfläche, und die Verknüpfung des roten Fadens war mir dann doch etwas zu abrupt; aber vielleicht ist auch das Abrupte ein Markenzeichen des Krieges.
Herstellungstechnisch hätte ich mir für diesen Roman einen Festeinband gewünscht. Nach der halben Lektüre drohte dem Wälzer der Rücken zu brechen und die Verleimung der Seiten macht einen sehr fragilen Eindruck. 
Das ändert nichts daran, dass Marie Buchinger mit "Ein Tal in Licht und Schatten" ein lesenswerter historischer Roman gelungen ist, in dem auf jeder Seite die Liebe zu dieser vom Schicksal nicht gerade verwöhnten Region und ihren Bewohnern spürbar wird.

Fazit:
Gut recherchierter historischer Roman, der in lebendigen Bildern eine Geschichte von Familie und Liebe vor der wechselhaften Kulisse der Dolomiten im Ersten Weltkrieg erzählt. Mit authentischer Sprache und weitgehendem Verzicht auf kitschige Szenerien dürfte "Ein Tal in Licht und Schatten" bei Lesern punkten, die sich für zeitgenössische Geschichten mit regionalem Bezug interessieren und sich gern von breit angelegten Handlungsrahmen vereinnahmen lassen.


4 von 5 Punkten

  (3)
Tags: 20, bergleben, elisa vito, erster weltkrieg, erziehun, gebirge, italien, krieg, licht, liebe, opfe, österreich, schatten, südtirol, zwanzigstes jahrhundert   (15)
 

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294 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, krieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Zum Inhalt: 

Als Vianne im Sommer 1939 fröhlich mit ihrer Familie ein friedliches Picknick genießt, ahnt sie noch nicht, dass ihr Mann Antoine kurze Zeit später eingezogen wird und sie mit ihrer kleinen Tochter Sophie allein im Haus ihrer Familie zurückbleiben muss. Ihre jüngere Schwester Isabelle widersetzt sich derweil hartnäckig der Internatserziehung. Sie will keine feine Dame werden, sondern in ihrem Leben Besonderes leisten. Also darf sie, wie schon unzählige Male zuvor, ihre sieben Sachen packen und zu ihrem Vater nach Paris zurückkehren. Angesichts der zunehmend angespannten Lage in der Hauptstadt und der ebenso angespannten Beziehung zu seinen Töchtern schickt der gebrochene Kriegsveteran seine Jüngste kurzerhand nach Carriveau zu Vianne. Auf der Reise erkennt Isabelle, wie stark Frankreich bereits vom Krieg erfasst ist: Flüchtlingsströme ziehen durch die Regionen, und auch Isabelle erreicht den alten Familiensitz Le Jardin nur mit Mühe und Not, nicht zuletzt mithilfe von Widerständler Gaeton, dem sie unterwegs begegnet ist. Vianne, die seit Jahren ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer Schwester pflegt, freut sich nicht unbedingt auf deren Ankunft. Zu heftig geraten die beiden verschiedenen Schwestern immer wieder aneinander. Und dann steht auch noch ein Hauptmann Beck vor der Tür. Inzwischen ist die Heimat der Schwestern besetzt, und der Deutsche besetzt nun auch noch befehlsgemäß Le Jardin. Um ihre Tochter zu schützen, duldet Vianne den Fremden im Haus. Isabelle jedoch hat es sich, jugendlich unbeherrscht, in den Kopf gesetzt, nicht die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, dass Maréchal Pétain, in den Vianne ihre Hoffnungen legt, die Lage regelt. Isabelle will eine Kriegsheldin werden ...

 

Meine Meinung:

Kristin Hannahs "Die Nachtigall" zählt zu jenen Büchern, die mich wochenlang nicht loslassen wollten, und ich habe eine ganze Weile gebraucht, um Worte für eine Rezension zu finden. Dieser Roman, der äußerlich zurückhaltend edel anmutet, ist von solcher Kraft, dass das Innehalten schwerfällt, selbst wenn die Taschentücher aufgebraucht sind.

In der Regel schwer zu verdauen, sind Kriegsthemen nicht unbedingt mein Lieblingslesestoff. In ihrem Roman macht Kristin Hannah bewusst, dass siebzig Jahre eben doch nicht so viel Abstand schaffen, wie manch einer sich erhoffen mag, und zeichnet Parallelen, die nachdenklich stimmen und schwer im Magen liegen.

Gekonnt umspannt sie ihre personale Erzählung der Kriegsjahre mit einer Gegenwartshandlung, deren alte, kranke Ich-Erzählerin ihre Identität fast bis zum Schluss zu verbergen weiß. In einer Umgebung, in der es ihr vermeintlich an nichts fehlt, doch Verluste unendlich schwer wiegen, werden in ihren Erinnerungen nun zwei Frauen lebendig, die sinnbildlich für die Zurückgelassenen stehen: die Frauen, die tagtäglich ihren eigenen Kampf auszufechten haben, sei es um das Überleben ihrer Kinder und Freunde oder aber auch im Geheimen, auf Seiten des Widerstands. Als Gespenst verfolgt der Große Krieg noch immer die meisten von ihnen (und auch an den männlichen Figuren des Romans). Ohne ihre Figuren zu verurteilen, zeigt Hannah deren Entwicklung im erneuten Ausnahmezustand des nächsten Weltkrieges. Dabei ist "Die Nachtigall" keineswegs ein trivialer Frauenroman, sondern ein literarischer Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Besatzungszeit in Frankreich, die lange Zeit, wenn überhaupt, marginal thematisiert wurde. 

Schnell wird deutlich, dass es nicht immer nur Schwarz und Weiß gibt, vielleicht nicht einmal Richtig oder Falsch. Kollaboration und Widerstand werden an Viannes und Isabelles Beispiel neu beleuchtet, und immer wieder darf der Leser umdenken und seine Erwartungshaltung revidieren und so auch dem Begriff Mut eine neue Konnotation zugestehen.

Es gelingt der Autorin, ihre beiden Protagonistinnen gleichberechtigt zu behandeln. Bewusst erspart sie uns Pathos, das so manchem US-amerikanischem Roman unangenehm anhaftet. Jede Schwester erhält den ihr zustehenden Raum. Wird es bei der einen ruhiger, folgt ein gekonnter Schwenk zur anderen, um Längen vorzubeugen und den Ereignisreichtum der Geschichte hoch zu halten. Ganz gleich, ob Isabelle und Vianne im jeweiligen Handlungsstrang räumlich miteinander verbunden sind oder nicht, reflektieren ihre Szenen stets authentische Handlungen, die dem Kriegsalltag Rechnung tragen und zum Teil in geschichtlich belegte Ereignisse und Schauplätze eingebettet sind, die von der Autorin, wie dem Nachwort zu entnehmen ist, minutiös recherchiert wurden.  

Fiktiv oder real - es ist viel, das Kristin Hannah in ihrem Roman verpackt. Trotz einfühlsamer Erzählweise schont sie ihren Leser nicht und macht nur kleine literarische Zugeständnisse. Zu kitschig? Vielleicht wenn man nie Seelenbalsam braucht. 

Eingänglich schildert die Autorin die für beide Schwestern schicksalshaften Kriegsjahre mit all ihren Entbehrungen, all ihrem Leid. Die Kälte der Winter wird so präsent, dass dem Leser beim Halten des Buches die Finger zu gefrieren drohen. In Kauf genommen werden muss so auch die Plötzlichkeit von Ereignissen, die keine Zeit zum Verdauen lässt, den Schmerz aber noch greifbarer macht. Abrupt beschließt der Krieg Schicksale und ist überall präsent, in Hannahs kreativen Metaphern ebenso wie in der angemessen dosierten Liebesgeschichte.

Routiniert knüpft Kristin Hannah ihre wichtigsten Handlungsstränge und weiß, eine runde Geschichte zu erzählen. Dennoch gestattet sie es sich auch, Fragen aufzuwerfen, die eigene Interpretationen zulassen, und eben nicht alle Informationen mundgerecht zu servieren. Was bleibt, ist Respekt vor Frauen wie unseren Großmüttern.

 

Fazit: 

Lesenswerter Schicksalsroman, der detailreich, einfühlsam und kraftvoll die deutsche Besatzungszeit in Frankreich beleuchtet und mit nuancenreicher Figurenentwicklung überzeugt. Einnehmend. Aufwühlend. Nachhallend.

 

Gesamteindruck: 

5 von 5 Punkten

  (2)
Tags: besatzungszeit, erinnerunge, familie, frankreich, gefah, kollaboration, kristin hanna, lieb, mut, resistance, schicksal, schwester, tod, widerstand, zweiter weltkrieg   (15)
 

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liebe, romanze, familie, beziehung, romance

Frühstück im Bett

Susan Elizabeth Phillips , Eva Malsch
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.04.2013
ISBN 9783442381494
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: beziehung, eh, erb, iebesroman, liebe, romance, romanze, südstaatencharme   (8)
 

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romanze, football, erbe, reibereien, nachlass

Ausgerechnet den?

Susan Elizabeth Phillips , Gertrud Wittich
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.09.2016
ISBN 9783734103216
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: erbe, football, iebesroman, nachlass, reibereien, romanze   (6)
 

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224 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 12 Rezensionen

eishockey, liebe, assistentin, unfall, rachel gibson

Was sich liebt, das küsst sich

Rachel Gibson , Antje Althans
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 14.03.2011
ISBN 9783442473205
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: eishocke, liebesroman, reibereie, romanze   (4)
 

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liebesroman, erbe, verwicklungen

Du küsst so teuflisch gut

Susan Mallery
E-Buch Text
Erschienen bei CORA Verlag GmbH & Co. KG, 17.02.2011
ISBN B004UMNUR4
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: erbe, liebesroman, verwicklungen   (3)
 

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erotik, stalker, seal, gefahr, lust

Lust de LYX - Verhängnisvolles Verlangen

Michelle Raven
E-Buch Text: 80 Seiten
Erschienen bei e-book Egmont LYX, 20.11.2012
ISBN 9783802591235
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: erotik, gefahr, lieb, seal, sex   (5)
 

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erotik, sex, lust, one night stand, lust de lyx

Lust de LYX - Versuchung der Sinne

Lisa Renee Jones
E-Buch Text: 80 Seiten
Erschienen bei e-book Egmont LYX, 11.12.2012
ISBN 9783802591419
Genre: Erotische Literatur

Rezension:  
Tags: erotik, liebe, one night stand, sex   (4)
 

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liebe, montana, mord, ranch, testament

Der weite Himmel

Nora Roberts , Nina Bader
Flexibler Einband: 559 Seiten
Erschienen bei Heyne, 01.07.2007
ISBN 9783453502451
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: beziehung, erbe, gefühl, lieb, montana, nora roberts, schwestern, thrill   (8)
 

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46 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kerstin gier, liebe, liebesroman, roman, hochzeit

Die Braut sagt leider nein

Kerstin Gier
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.07.2016
ISBN 9783404173020
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: betru, frauenliteratur, hochzeit, liebe, liebesroman, trennung   (6)
 

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

witw, liebesroman, trauer, neues leben, liebesbrief

Weiß der Himmel von dir

Alicia Bessette , Andrea Fischer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 19.01.2012
ISBN 9783596191949
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: liebesroman, neues leben, to, verlust, witw   (5)
 

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

zukunft, merelie wei, wahrsagerin, traummann, liebesroman

Traummann aus der Zukunft

Merelie Weit
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 04.10.2013
ISBN 9783746629698
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: beste freundin, beziehung, eh, liebesroman, neue liebe, traummann, trennung, wahrsager, zukunft   (9)
 

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liebe, felicitas brandt, freundschaft, herkunft, lillian

Zum Glück gibt's die Liebe

Felicitas Brandt
E-Buch Text
Erschienen bei Carlsen, 13.02.2014
ISBN 9783646600469
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags: high schoo, liebe, paranormal romance, verrat, verwandlung, werwölfe   (6)
 

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

dystopie, liebe, zukunft, soul colours, marion hübinger

Soul Colours - Blaue Harmonie

Marion Hübinger
E-Buch Text
Erschienen bei Impress, 03.09.2015
ISBN 9783646601572
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags: dystopie, eue welten, gesellschaft, weltraum   (4)
 

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145 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 63 Rezensionen

liebe, liste, freundschaft, england, liebesroman

Eigentlich bist du gar nicht mein Typ

Anna Bell , Silvia Kinkel
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2016
ISBN 9783426520116
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags: eue liebe, frauenroman, liebesroman, rennun, selbstfindung   (5)
 

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plötzlich dämon, halbdämon, junge liebe, entscheidungen, high school

Plötzlich Dämon

Monica Davis
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Baumhaus Verlag, 15.04.2014
ISBN 9783843210737
Genre: Fantasy

Rezension:

Als wäre das Teenagerleben nicht schon turbulent genug ... Nach der Trennung seiner Eltern hat der ewige Außenseiter Daniel Taylor in Vanessa endlich ein liebes Mädchen gefunden, das ihm gut tut und sein Herz höher schlagen lässt. Doch dann steht plötzlich Marla da und behauptet nicht nur, sie sei seine Schwester, sondern auch, Daniel selbst sei ein Halbdämon und es sei ihm vorherbestimmt, die Unterwelt zu beherrschen. Mit der Erkenntnis, dass die Menschen, bei denen er aufgewachsen ist, nicht seine richtigen Eltern sind, ist auch Daniels leiblicher Vater nicht mehr weit. Mit einem Mal zerren zwei Welten an dem Jungen. Wem kann er vertrauen? Noch dazu, wo seine dämonischen Fähigkeiten so verführerisch sind. Als schließlich Vanessa zwischen die Fronten gerät, wird aus Verlockungen ein tödliches Spiel und Daniel muss sich entscheiden …

Selten hat mir ein Jugendbuch so viel Lesespaß geboten. Monica Davis (das Jugendbuch-Pseudonym einer deutschen Autorin mit dem bürgerlichen Namen Monika Dennerlein) versteht es ausgezeichnet, glaubwürdige Figuren und fantasievolle, atmosphärische Settings zu gestalten. Das Kopfkino, das sie zu erzeugen weiß, ist abwechslungsreich und kurzweilig. An keiner Stelle empfand ich die Geschichte als vorhersehbar und litt nie unter Längen. Schlüssige Handlungen, überzeugende Dialoge und Figuren, die nicht nach Schema F gepinselt sind und mitfiebern lassen - so macht Lesen Spaß.

  (3)
Tags: dämon, entscheidungen, halbdämon, high school, jugendbuch, junge liebe, unterwelt   (7)
 

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fabelwesen, freundschaft, tiere, aufklären, kinderbuch für jungen und mädchen

Magic Park - Ein Drache mit schlechtem Gewissen

Tui T. Sutherland , Kari Sutherland , Nadine Mannchen
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Loewe, 15.09.2014
ISBN 9783785578308
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der zweite Band der Magic-Park-Reihe setzt nahtlos an, wo der erste aufhörte:

Logan ist gerade dabei, sich daran zu gewöhnen, dass es in Xanadu eine Menagerie für Fabelwesen gibt, immerhin war er erst vor wenigen Tagen in die Suche nach Greifenbabys gerutscht, doch schon geht es spannend weiter. Pelly, die goldene Gans, ist verschwunden, ermordet, so wird angesichts von Blut und einzelnen Federn vermutet. Schnell fällt der Verdacht auf einen der Drachen, der zwar zu Recht ein schlechtes Gewissen hat, der vorlauten Pelly aber nicht zu Leibe gerückt ist. Alles spricht gegen ihn, und Zoe und Logan wollen keineswegs mit ihren Ermittlungen warten, bis die Beamten der Aufsichtsbehörde für magische Wesen, FABA, anrücken, um über den Drachen zu richten. 

Was folgt, ist wieder ein spannendes Abenteuer, das Zoes und Logans Freundschaft festigt, mehr Einblicke in das System der Menagerien bietet und für Begegnungen mit einem Quilin und außergewöhnlichen, amüsanten Werwesen sorgt. Es wird nie langweilig, die Dialoge machen Spaß, und die Hintergrundgeschichte um das Verschwinden von Logans Mutter wird nie aus dem Blick verloren und stets an passender Stelle eingeflochten. Auf das in manchen Kinderbüchern zelebrierte, nervige Beziehungsdrama wird hier verzichtet. Junge und Mädchen erleben gemeinsam Abenteuer, ohne sich anzuschmachten. Es entstehen neue Freundschaften und "Teams", und die Entwicklung der Charakter, einschließlich der Fabelwesen, ist absolut nachvollziehbar.
Ich bin inzwischen weit aus dem Lesealter heraus, aber Magic Park ist die erste Kinderbuchreihe, die ich bewusst und mit großer Freude nur für mich selbst kaufe.

  (3)
Tags: drachen, fab, fabelwesen, freundschaft, goldene gan, kinderbuch für jungen und mädchen, menagerie, quili, spannung, tiere   (10)
 

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honig, sardinien, cristina caboni, erbschaft, natur

Die Honigtöchter

Cristina Caboni , Ingrid Ickler
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.06.2016
ISBN 9783734102776
Genre: Romane

Rezension:

Ein Frauenroman, der seine Protagonistin vor liebevoll gezeichneter Mittelmeerkulisse zu einem neuen Lebensabschnitt führt und mit sanften Tönen Frauen, Zusammenhalt, Handwerk und Heimat zelebriert, stellenweise aber stark romantisiert und viel Honigsüße verströmt.

Zum Inhalt:
Als fahrende Imkerin lebt Angelica in einem Campingbus, doch ihr Herz schlägt für Sardinien. Als Kind aus ihrer sardinischen Heimat gerissen, wird sie nirgends richtig sesshaft. So betreut sie gerade die Völker eines provenzalischen Imkers, als ein höchst merkwürdiger Anruf ihrer Mutter, mit der sie ein zwiespältiges Verhältnis verbindet, sie veranlasst, zunächst nach Rom zurückzureisen. Dort entringt Angelica ihrer Mutter schließlich das große Geheimnis: Seit Jahren wähnte sie ihre Patentante Jaja schon tot, doch in Wahrheit verstarb diese erst kürzlich. Überraschung Nr. 2: Die alte Imkerin hat Angelica ihr Anwesen auf Sardinien hinterlassen. Die junge Bienenflüsterin kehrt somit zurück in das Dorf ihrer Kindheit, wo es nicht nur einige Vergangenheit aufzuarbeiten gibt, sondern auch gewaltiger Gegenwind herrscht. Denn Jajas Grund und Boden sollen einem Feriendorf weichen, und an dem Projekt ist ausgerechnet Angelicas Jugendliebe Nicola beteiligt ...

Meine Meinung:
Nach "Die Rosenfrauen" ist "Die Honigtöchter" der zweite Roman der auf Sardinien lebenden italienischen Autorin Cristina Caboni. Aus Zeitgründen konnte ich "Die Rosenfrauen" leider nicht gründlich besprechen, komme zunächst aber nicht umhin, gewisse Vergleiche zu ziehen. 

2 Leidenschaften, 2 Romane

Rosen und Bienen sind nämlich die Passion der Autorin, die, so ist ihrer Kurzbiografie zu entnehmen, selbst Rosen und Bienen züchtet. Beiden Leidenschaften hat sie jeweils einen Frauenroman gewidmet, und in beiden Romanen steht zunächst eine junge Frau mit einem ganz besonderen Talent im Vordergrund: Elena, die begabte Parfümerin in "Die Rosenfrauen", Angelica, die Bienenflüsterin in "Die Honigtöchter". Beide Frauen suchen nach ihren Wurzeln: In "Die Rosenfrauen" will Elena das perfekte Parfüm finden, das die Frauen in ihrer Familie seit Generationen beschäftigt - und unglücklich macht. Honigtochter Angelica wiederum wurde mehr von ihrer Patentante Jaja aufgezogen als von ihrer eigenen Mutter, dann aber schließlich von ihrer Mutter und deren neuem Ehemann nach Rom geholt, wo es ihr zwar gut ging, sie aber dennoch als Erwachsene wurzelnackt ohne Heimatboden von einer Imkerei zur nächsten fährt. Beide Protagonistinnen haben eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter und zudem noch eine beste Freundin in Frankreich hat. 
Als Imkerfrau - das ist so etwas wie Zahnarztfrau, nur präsentiere ich nicht mit Blitzezähnen Honig - (und weil mir "Die Rosenfrauen" ausgesprochen gut gefallen hat) musste ich "Die Honigtöchter" natürlich haben. Schließlich sind Imkerinnen auch in der Literatur nicht wirklich breit gesät, sodass ich neugierig war, was Caboni aus ihrer Angelica macht.  
Als ich aber zu lesen begann, beschlich mich eine ganz leise Befürchtung, dass die Autorin vielleicht bereits ein Lieblingsschema entwickelt hat - so man denn nach zwei Romanen überhaupt davon sprechen kann. Die Parallelen waren, auch wenn beide Romane völlig unterschiedlich starten, erst einmal sichtbar. 
Caboni macht aber alles richtig. Sie schreibt über Dinge, mit denen sie sich auskennt, und weiß, ihre Leidenschaften mit der richtigen Leidenschaft zu erzählen. Und sie schreibt über Frauen und, im weiten und engen Sinne, Familien. Das Ergebnis sind gefühlvolle Romane voller wunderschöner Bilder, die die Seiten riech- und schmeckbar machen. Und Appetit macht ja bereits die Umschlaggestaltung, die zwar den aktuellen Trend folgt, aber zum Naturmotto passt, auch wenn im Glas wahrscheinlich Zitronenmarmelade statt Honig ist.

Auf der Suche
 
Als Frauenromanprotagonistin ist Angelica erfrischenderweise nicht schwarzweiß gezeichnet. Jung und klug hat die studierte Zoologin zunächst einmal einen Lebensweg gefunden, der für sie funktioniert. Da tickt keine biologische Uhr, da stürzt sich niemand von einer Beziehung in die nächste ... Mit Hund und Katze und Campingbus ist Angelica noch lange kein verhuschtes Weibchen, dem zum großen Lebensglück ein Mann fehlt. Vermutlich hätte sie eine Karriere in Wissenschaft und Lehre machen können, aber sie steht der Natur und dem Freien einfach viel zu nahe. Vielleicht läuft sie auch weg, immerhin hat sie ihre Jugendliebe Nicola noch immer im Kopf, hat sich bisher aber nicht getraut, nach Sardinien zurückzukehren. Dazu braucht sie natürlich die Autorin, die ihr einen Anlass an die Hand schreiben muss. Aber bis es soweit ist, lebt Angelica ihr Leben, wie es ist, und versinkt nicht neben Katzenfutternäpfen in Trübsal. Sie übt einen Beruf aus, der ein ausgeglichenes Wesen und eine ruhige Hand in Einklang mit der Natur erfordert. Dennoch ist Angelica rastlos, und die Ursache liegt auf Sardinien, psychologisch einigermaßen verbuddelt, und will im Laufe der Geschichte ergründet werden. Soweit so lebensnah ...
Die Imkerin kann von Sardinien nicht lassen, viel zu abrupt hat sie als junges Mädchen die Insel verlassen müssen, und damit Jaja und auch Nicola. Jaja hat Angelicas Potenzial erkannt, sie an die Bienen herangeführt und ihr mehr im Leben mitgegeben als nur ein Berufsziel. So darf Angelica trotz aller romantischer Naturverbundenheit zu passender Gelegenheit durchaus Geschäftssinn beweisen. Diese Frau ist in der Lage, ihr Leben zu meistern. Sie kommt mit wenig aus und geht die Sache mit klugem Kopf an. Schließlich wird sie von Jaja vor die Entscheidung gestellt, ihr Erbe anzutreten und damit ihr Leben neu zu ordnen oder eben nicht. Und es ist ein gewaltiger Unterschied, ob Frau in einem Campingbus lebt und von ihrem Honorar gerade einmal Kraftstoffkosten und Verpflegung bestreitet oder ein ganzes Anwesen nebst Standimkerei bewirtschaften muss. Insbesondere letzter Punkt bekommt eine leichte Schieflage, da Caboni sich auf die Schönheit des fiktiven Ortes ihrer sardischen Heimat und das schützenswerte Wunder der Biene konzentriert und die von ihr erdachte Frauenkooperative zwar löblich und zweifelsohne ein Touristenschmankerl ist, aber vielleicht nicht ganz so nah an der Realität liegt. Von Mittelmeerluft und dem Finger im Bienenkorb wird der gewerbliche sardische Imker wohl kaum seine Betriebskosten bestreiten können. Aber gut ...
In Nicolas Gegenwart gerät unsere Protagonistin dann allerdings doch ein wenig aus dem Tritt, aber auch der Mann der Stunde glänzt mit einem Brett vorm Kopf, wenn es um Kommunikation mit einer Frau und Zukunftsmusik geht. Typische Missverständnisse strecken den Liebeskonflikt über die gesamte Geschichte. Glücklicherweise darf man diesen Handlungsstrang eher als sekundär einstufen. Denn auch wenn im Klappentext selbstverständlich Nicola als großes Love Interest gehandelt wird, ist "Die Honigtöchter" nicht in erster Linie ein anheimelnder Liebesroman, sondern ein Roman über Frauen und ihre Beziehungen zueinander - wie ein Bienenstock, in dem eben die Frauen das Sagen haben und die Männer im Herbst unsanft vor die Tür fegen. 

Die Biene als Vehikel
 
Der Titel "Die Honigtöchter" resümiert die Prämisse des Romans treffend: Wie einst Jaja sich des Mädchens Angelica annahm, die vaterlos dastand und von ihrer Mutter, die rund um die Uhr arbeitete, schon früh auf sich gestellt wurde, soll Angelica dieses Vermächtnis weitertragen. Ihre Aufgabe ist eine Gratwanderung zwischen Erhalten und Verändern. 
Die Bienen funktioniert hier faktisch und metaphorisch wunderbar. Während sie sich ihre Umwelt erschaffen, schärfen sie unseren Blick für das Wesentliche, und so wird schnell klar, dass eine Königin nichts ist, ohne ihr Volk. Wie Angelica, die wieder lernt, wie wichtig Gemeinschaften sind, die Synergien erschaffen, Kräfte verteilen und Veränderungen herbeiführen, ohne Gutem und Ursprünglichem zu schaden. 
Caboni verpackt ihre Botschaften behutsam und ohne den berühmten Zeigefinger. Ihre Geschichte ist wie das Leben eines Bienenstockes, dessen aktive Zeit sich im Herbst dem Ende zuneigt und der, mit neuer Königin und frischen Ideen, im Frühjahr gestärkt durchstarten kann. Und das erzählt Caboni wieder mit so treffsicherem Gespür und so viel Liebe zu ihrer Umgebung, das man die Düfte und den Wind Sardiniens zu spüren glaubt. Als jemand, der schon mehr als eine Bienenkiste schleppen durfte, hätte ich mir allerdings, wie oben angedeutet, eine differenziertere Betrachtung der imkerlichen Tätigkeit gewünscht. In Cabonis Geschichte wird noch traditionell gearbeitet - die Fotos auf Cabonis Facebook-Fanseite sprechen da übrigens eine ganz andere Sprache -, Angelica erbt von ihrer geliebten Jaja sogar Bienenkörbe, und doch plant die junge Frau, sich von diesem Beruf zu ernähren. Doch alles geht so einfach von Hand, nie wird ein Wort über die anstrengende Seite der Arbeit verloren; Angelica besänftigt ihre Völker neben Rauch auch mit Gesang, und Stiche gibt es auch nicht. Nun sind Imker (und deren in aller Regel weiblicher Innendienst) vielleicht nicht Lesezielgruppe Nr. 1, dennoch wünsche ich mir in der Fiktion doch auch einen Funken Authentizität. Die romantische Verklärung des Imkerns, die sich zwar dank der starken Bilder traumhaft liest, ist ein deutliches Manko von Cristina Cabonis Roman. 

Terminologisch unsauber

Die Imkereithematik bringt ein weiteres Manko mit sich. Da die Autorin selbst Bienen züchtet, gehe ich davon aus, dass sie in ihrer Muttersprache Italienisch alle Abläufe korrekt beschreibt und das Imkergerät korrekt benennt. 
Die deutsche Imkerterminologie ist speziell, zum Teil recht archaisch, aber doch verständlich; medizinische Fachsprache ist viel schlimmer. 
Leider trifft die deutsche Übersetzung den imkerlichen Ton oft nicht. Nun mag ich an dieser Stelle päpstlicher als der Papst sein, weil mich die Sprache der Imker tagtäglich umgibt, was nun wahrlich nicht auf jeden Frauenromanverschlinger zutrifft, und ich habe entsprechend lang mit mir gerungen, ob ich dieses Manko in meine Bewertung einfließen lassen soll oder nicht. Ähnlich empfindlich reagiere ich, wenn in Romanen Übersetzerinnen in romantischen, alten Herrenhäusern in herrlichen Arbeitszimmern traumhafte Romane in ihre Muttersprache übertragen, die Kinderlein an Privatschulen unterrichtet werden, und, und, und. Ich bin dann versucht, den Autoren die aktuellen Honorarspiegel der Branche zu übermitteln ... 
Wenn nun aber der Krimileser erwarten darf, dass bei der Autopsie der erste Schnitt nicht am kleinen Zeh angesetzt wird, wünsche ich mir doch auch saubere Recherche- und Lektoratsarbeit, wenn es "nur" um Stechgetier geht. Angefangen beim Terminus "Wanderimkerin", was Angelica nicht ist, weil sie zu Beginn nicht einmal eigene Völker bewirtschaftet und somit auch nicht mitsamt ihren Bienenstöcken einer Tracht hinterherfährt, über ihr Werkzeug, den "Stockmeißel", der im Roman zum Haken wird, bis hin zur "Nisthöhle", womit wohl das Brutnest gemeint war, läuft es terminologisch nicht immer rund. Caboni beschreibt in ihrem Roman verschiedene Arbeitsschritte, die illustrieren, dass sie ihrer Protagonistin nicht einfach mal so die Bezeichnung Imkerin gegeben hat, sondern dass sie eben wirklich Imkerin ist. Angelicas Expertenstatus wankt in meinen Augen allerdings erheblich aufgrund der unsauberen Übertragung der betreffenden Passagen. Dass dieses Manko in meiner Bewertung am Ende nur einen Punkt Abzug bringt, ist lediglich der Tatsache geschuldet, dass dem Gros der Leserschaft die Imkerei in ihren Details unwichtig sein dürfte. 

Cristina Caboni punktet wie auch schon in "Die Rosenfrauen" mit einem lebendigen personalen Erzählstil, der die Protagonisten mit geschärften Sinnen durchs Leben gehen lässt und die Schauplätze so nahbar macht, dass der Duft von eingetragenem Nektar und sommerwarmen Waben noch in der Luft liegt, wenn man das Buch längst geschlossen hat. Sie erzählt Geschichten, die die Sinne anregen und in ihnen nachhallen, und genau das macht sie lesenswert. 
Als besonderes i-Tüpfelchen empfinde ich Cristina Cabonis Kapitelanfänge. Sehr treffend beschreibt sie dort verschiedene Honigsorten, die gewiss auf Sardinien geerntet werden können: von Farbe über Duft und Kristallisationsverhalten bis hin zu besonderen Assoziationen gibt sie der süßen Ware Gestalt und macht Lust auf mehr.

Auf Cristina Cabonis nächsten Roman bin ich jedenfalls jetzt schon gespannt.

Gesamteindruck:
4 von 5 Weißdornzweigen

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Tags: angelica, bienen, fahrende imkerin, frauenroman, frauenschicksal, freundschaf, honig, imkerei, insel, landwirtschaft, liebesroma, natur, naturschutz, naturverbundenheit, nicola, sardinien   (16)
 

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Panic - Wer Angst hat, ist raus

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 21.11.2014
ISBN 9783551583291
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Heather wollte eigentlich gar nicht mitmachen bei dem verbotenen Spiel, das jeden Sommer die Schulabgänger in Atem hält. Aber sie erträgt es nicht mehr, ihre Mutter Tag für Tag zugedröhnt zu sehen und mitzuerleben, wie sie selbst und ihre jüngere Schwester vor die Hunde gehen. Das Spiel sieht sie als Chance, zu entkommen. Der Gewinn, der wartet, ist hoch. Aber auch der Einsatz. Das weiß Dodge nur zu gut. Denn seine Schwester verunglückte in der Endrunde und sitzt seitdem im Rollstuhl. Und genau bis in die Endrunde will Dodge es schaffen, um sich zu rächen. Nur stellen die jungen Leute im Laufe des Spiels fest, dass sie eigentlich keine Einzelkämpfer sein wollen, sondern irgendwie im selben Boot sitzen.

"Panic" ist das erste Buch, das ich von Lauren Oliver gelesen habe. Mitgerissen hat es mich nicht, weder mit seiner Handlung noch mit frischer Sprache. Die beklemmenden Hintergründe der Charaktere machen die Geschichte zu schwer verdaulicher Kost, auch die abwechselnden Sichtweisen von Heather und Dodge sorgen da nicht für wesentliche Auflockerung. Spannung wollte bei mir trotz der gefährlichen Aufgaben, denen sich die Spielteilnehmer stellen müssen, nicht aufkommen, und im Handlungsverlauf habe ich mehr und mehr das Interesse an den Figuren und ihren neugeordneten Beziehungen verloren. Vielleicht erwischte mich das Buch auch nur auf dem falschen Fuß, aber von einer Leseempfehlung nehme ich Abstand.

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Tags: gefahr, jugendbuch, spiel, verboten   (4)
 
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