Snjoka

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109 Bibliotheken, 1 Leser, 4 Gruppen, 12 Rezensionen

geister, schnitterin, mord, fantasy, polizei

Das Flüstern der Toten

Darynda Jones , Ralf Schmitz
Flexibler Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Egmont LYX, 12.07.2012
ISBN 9783802584213
Genre: Fantasy

Rezension:

Charley Davidson
ist Barkeeperin, Privatdetektivin, Beraterin der Polizei von Albuquerque, New Mexico, und nicht zuletzt Schnitterin, Sensenmann oder besser gesagt Sensenfrau.
Denn sie weist den verstorbenen Seelen den Weg ins Jenseits. Sie führt diejenigen ins Licht, die den Weg dorthin selbst nicht finden, noch etwas zu erledigen haben oder einfach noch nicht bereit sind zu gehen.

Charley sieht dementsprechend Geister und kann mit ihnen kommunizieren, und umgekehrt funktioniert dies auch bestens.
Und sie kann ihre Gabe als Beraterin der Polizei nutzen, natürlich fast nur in aller Heimlichkeit, um nicht als verrückt abgestempelt zu werden. Denn es ist natürlich sehr praktisch, wenn man die Verstorbenen noch direkt am Tatort zu ihrem eigenen Tod befragen kann.

In ihrem aktuellen Fall muss Charley nun in Zusammenarbeit mit der Polizei, oder besser gesagt mit ihrem Onkel Bob und dem attraktiven Garrett Sworpes, den Mord an drei Anwälten aufklären, die nach ihrem gewaltsamen Tod den Beistand der Schnitterin ersucht haben und ihr von nun an hilfreich bei der Aufklärung zur Seite stehen.

Und immer wenn Charley in eine brenzlige Situation gerät, was recht häufig passiert, weil sie sich nie zurück- oder heraushalten kann, wird sie von einer dunklen Erscheinung gerettet, den Charley nur den "großen Bösen" nennt. Er materialisert sich aus Rauch und Schatten und verschwindet genau so plötzlich wie er auftaucht.

Und dann erscheint ihr seit Monaten jede Nacht der attraktive und geheimnisvolle Reyes in ihren Träumen. Aufgrund der gemeinsamen, nächtlichen Aktivitäten verzehrt sie sich nach ihm und ihren Begegnungen, auch, wenn sie nicht weiß, wer oder gar was er ist.
Welches Wesen, das weder Mensch noch Geist zu sein scheint, hat die Macht, sich in ihre Träume zu schleichen, sie zu berühren und ihr den Verstand zu rauben?
Gibt es gar einen Zusammenhang zwischen ihrem bedrohlichen, mysteriösen Retter und ihrem leidenschaftlichen Traummann?
Und auf welcher Seite stehen die beiden?

Charley versucht dies herauszufinden, und dabei gerät die Aufklärung der Morde an den Anwälten immer wieder aus Charleys Blickwinkel, die wirklich Schwierigkeiten hat, ihre Gedanken und Aufmerksamkeit zu fokusieren, genau so wie aus dem Blickwinkel des Lesers.
Denn der Mordfall ist wirklich tödlich langweilig, weder spannend noch interessant, sodass ich keine große Lust verspürte, diesen zu verfolgen.

Wer aufgrund des verträumten Covers eine niedliche Heldin im Blümchenkleid, ein romantisches Medium à la "Ghost Whisperers" Melinda Gordon erwartet, wird jedoch enttäuscht werden.
Charley Davidson ist tough, selbtsbewusst, mutig, stark.
Ihre weiche Seite versteckt sie jedoch nur hinter markanten und sarkastischen Sprüchen. Aufgrund ihrer Gabe musste sie früh lernen mit Misstrauen, Unglauben und Verachtung umzugehen, die ihr Bekannte, Polizeikollegen oder sogar die eigene Familie entgegen bringen. Dabei hat sie jedoch immer ihre Hilfsbereitschaft und ihr Mitgefühl bewahrt. Für die Toten hat Charley immer ein offenes Ohr, immer einen flapsigen Spruch parat. So hält sie ihr selbst geschmiedetes Schild aus Sarkasmus und Stärke immer hoch, wenn sie sich vor ihrer Umwelt schützen muss.

Doch Charley stehen auch andere Menschen zur Seite:
Die stets muntere, aufgeschlossene und hilfsbereite Nachbarin und Sekretärin Cookie, der gutmütige, wenn auch etwas mürrische Onkel Bob sowie der attraktive und arrogante Detective Garrett Sworpes und ein paar mehr oder minder verrückte Geister.
Diese wirken zwar alle ein wenig stereotyp, dafür aber umso sympathischer. Und über Cookie und ihre Sprüche kann man mehr als einmal schmunzeln.

Und da wären wir auch schon beim Humor, der mich nicht voll und ganz überzeugen konnte. Entweder ich empfand ihn als zu gewollt oder habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Dennoch gibt es aber immer wieder amüsante Szenen oder sarkastische oder ironische Dialoge, über die man lachen muss.
Der Schreibstil ist einfach, locker, ein wenig flapsig und schnoddrig - jedoch passend zu Setting, Geschichte und der Ich- Erzählerin.

Nach einem tollen und lustigen Start mit einer schönen und innovativen Idee und Hintergrundgeschichte, in der sich eine Schnitterin in ein Wesen verliebt, das sie nur aus ihren Träumen kennt, folgt leider ein durchschnittlicher Mittelteil, in der die Ermittlungsarbeit im Vordergrund steht.
Bei der Ermittlungsarbeit wie auch im "Fall" Reyes werden Charley die verschiedenen Puzzleteilchen einfach vor die Füße geworfen, sodass sie sie nur noch gemütlich zusammenstecken muss und keinerlei Spannung oder Nervenkitzel aufkommen kann.
Doch zum Glück folgt ein Ende, in der Charley und Reyes wieder mehr in den Mittelpunkt rücken und in der das schaurige und spannende Geheimnis um die Existenz von Reyes offenbart wird, welches mich doch an der gesamten Geschichte am meisten interessierte.
Das Ende ist überraschend, beantwortet viele Fragen, wirft aber genau so viele wieder auf, sodass man einfach weiterlesen muss, da man auch wissen will, ob oder wie es mit Charley und Reyes weitergehen kann, ob Garrett Sworpes irgendwann noch ein Wörtchen mitreden darf und welche Überraschungen Charley noch als Privatdetektivin, Frau und Schnitterin bereithalten wird.

Ich würde
gute 3 Sterne
für dieses Debüt zücken, sodass für die nächsten Bände noch reichlich Luft nach oben bleibt, die Darynda Jones hoffentlich auch nutzen wird.
Für die nächsten Bände würde ich mir mehr dunkle, bedrohliche Mystik wünschen (das Ende des ersten Bandes hat dies ja schon angedeutet), mehr Charley- Reyes- Szenen und mehr Spannung.
Insgesamt eine leichte, unterhaltsame, wenn auch mitunter etwas langatmige Urban Fantasy- Geschichte, die endlich mal ohne Vampire, Werpanther oder Engel auskommt, dafür aber in Zukunft hoffentlich mehr schöne und schaurige Geistererscheinungen bieten kann. Die Idee mit den Geistern finde ich nämlich wirklich toll!
Ich bin auf jeden Fall gespannt und neugierig, wie es weitergehen wird!

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liebe, drachen, draki, fantasy, jäger

Firelight - Brennender Kuss

Sophie Jordan , Julia Sroka
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei Loewe, 01.08.2011
ISBN 9783785570456
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die sechzehnjährige Jacinda ist eine Draki, ein Drachenblut.
Sie liebt das Fliegen, die grenzenlose Freiheit über den Wolken, den eisigen Wind in ihren rotgoldenen Flügeln, den feuchten Dunst des Nebels auf ihrer schimmernden Haut, doch ihre Freiheitsliebe und ihre rebellische Art kosten ihr beinahe das Leben.

Bei einem vom Rudel verbotenen Tagflug wird sie fast von Drachenjägern gefangen genommen, woraufhin ihre verwitwete Mutter beschließt, zusammen mit Jacindas Zwillingsschwester Tamra, das Drachenrudel in den nebligen Bergen zu verlassen.
Sie will Jacinda vor der drohenden Gefahr, die von außerhalb in Gestalt der gut organisierten Drachenjäger auf sie wartet, schützen, aber auch vor der Bedrohung, die von innerhalb des Rudels auf Jacinda lauert.
Denn Jacinda ist eine Nachfahrin ganz besonderer Drachen, die fast ausgestorben sind.
Jacinda kann Feuer speien und so soll sie mit dem Sohn des Rudelführeres, Cassian, vermählt, gepaart werden, um ihre Art aufrecht zu erhalten.

Sie flüchten bei Nacht und Nebel in eine Wüstenstadt in der Nähe von Las Vegas, da es Jacinda unter diesen klimatischen Verhältnissen leichter fallen soll, ihre rotgolden schimmernde Drachenhaut für immer abzustreifen.
Doch Jacinda will kein Mensch werden.
Sie will nicht so werden wie ihre Mutter, die sich gegen das Dasein als Drachen entschieden hat und sich seitdem nicht mehr verwandeln kann.
Und sie will auch kein normaler Teenager wie ihre Schwester Tamra werden, die sich zum Leidwesen des Drachenrudels nie verwandeln konnte und seitdem wie eine Außenseiterin, Ausgestoßene behandelt worden ist.
Doch kann Jacinda sich ihrer Familie zuliebe für ein Leben als Mensch entscheiden?
Kann sie ihr Drachenerbe verleugnen und die Faszination fürs Fliegen vergessen?

Todunglücklich beginnt Jacinda ein neues Leben fernab von der vermeintlichen Sicherheit in ihrem Heimatdorf.
Da trifft sie auf ihrer neuen High School Will, einen der Drachenjäger, wieder, der sie auf der Jagd verschont und ihr Leben gerettet hat, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn statt sich von ihm fernzuhalten.
Denn in Wills Nähe erwacht aus reinem Überlebensinstinkt der Drache in ihr zu neuem Leben, kämpft um seine Vorherrschaft. Und das Risiko enttarnt zu werden, wird immer größer, je näher sie sich kommen.
Und da Jacinda den Draki nicht sterben lassen kann und will, sucht sie dennoch die Nähe ihres unberechenbaren Todfeindes...

Doch wird Will Jacinda wiedererkennen, das Geheimnis um Jacinda lüften, da er nicht weiß, dass eine Draki die Gestalt ändern kann und als Menschenmädchen auf seine High School gehen kann?
Werden er und seine Jägerfamilie es merken, dass sie kein normales Mädchen ist?

"Firelight - Brennender Kuss" ist eine der Geschichten, an die ich ohne große Erwartungen herangegangen bin:
Einsames, unglückliches, gerade erst zugezogenes Mädchen verliebt sich in den bad boy der hiesigen High School, der von allen Mädchen begehrt wird, aber keine erhört, bis er auf das Drachenmädchen mit dem rotgoldenem Haar trifft.
Eine typische Romantic Fantasy mit einem dicken, mythischen Geheimnis, einer romantischen Liebe und ganz viel High School Flair eben.
Aber dann entpuppte sich "Firelight" als wahrer Überflieger!
Schon nach wenigen Zeilen war ich in Jacindas Geschichte gefangen, konnte ihren Freiheitsdrang spüren, ihre rotgold schimmernde Haut sehen und ihre Trauer um den Abschied von ihrem Heimatdorf und ihrem bisherigen Leben und ihren Willen, den Drachen in ihr nicht zu vergessen oder gar abzutöten, nachvollziehen.

Doch Jacinda ist innerlich zerrissen, hin- und hergerissen zwischen dem, was sie will und soll und weiß dabei selbst nicht wirklich, was sie will, und verletzt dabei die Menschen, die ihr nahestehen - auch in purer egoistischer Absicht.
Einerseits will sie sich ihrer Familie, besonders ihrer Schwester Tamra zuliebe, in der Wüstenstadt eingewöhnen, denn sie kann auch Tamras Gefühle nachvollziehen:
Beide Mädchen haben in der neuen Heimat die Rollen getauscht. Während Tamra zu einem High School- Liebling emporgestiegen ist, fühlt sich nun Jacinda plötzlich als die Außenseiterin, die nicht dazugehören kann.
Andererseits will Jacinda mit aller Kraft und Macht ein Drache bleiben, koste es, was es wolle.

Jacinda sucht Wills Nähe, weil sie sich bei ihm lebendig fühlt, ihr Draki wieder erwacht, da Will so viele widersprüchliche Gefühle in ihr auslöst. Denn sie weiß auch, dass seine Nähe gefährlich werden kann- für sie, ihre Familie, für ihr altes Rudel.
Doch wenn die beiden sich treffen, vibriert die Luft, lodert die Haut, brennen die Küsse - und schließlich ist man als Leserin selbst ganz Feuer und Flamme für Jacinda und Will.
Vor allem auch weil ihre gegenseitige Anziehungskraft und Liebe nicht wie so oft in Romanen üblich nur auf vorgeschobenen Äußerlichkeiten beruht.

Und dabei ist die gesamte Geschichte noch
in ergreifende, poetische, mitreißende, lebendige Worte gehüllt,
in spannende und unerwartete Szenen aufgeteilt,
mit viel Fantasie, tollen, überraschenden Ideen, einer schön durchdachten Hintergrundgeschichte und tollen, mehr oder weniger liebenswürdigen, authentischen Charakteren gespickt,
mit einem bedrohlichen Drachenrudel mit sektenähnlichen Zügen und einem gefährlichen, unberechenbaren Feind versehen
sowie mit einer brodelnden Liebesgeschichte garniert,
sodass man wirklich nicht mehr von der Geschichte loskommt.
Und am Ende bleibt man als Leser mit einem atemlosen und dramatischen Cliffhanger in der heißen, spannungsgeladenen Luft Kaliforniens hängen...

Auch wenn einem als Leser von Paranormal Romances viele Elemente der Geschichte bekannt vorkommen mögen, bietet "Firelight - Brennender Kuss" dennoch viel mehr und hält seine Versprechen.
"Firelight" verbreitet nicht nur Rauch, sondern lässt Flammen auflodern und Funken sprühen.
Vor allem sprachlich gesehen und aufgrund der fantasievollen Ideen und Beschreibungen und überraschenden Wendungen und Auflösungen hebt es sich von anderen Jugendfantasyromanen ab.
Themen wie Andersartigkeit, Akzeptanz, Außenseitertum und Anpassung lässt die Geschichte zudem ein wenig tiefgründiger erscheinen.

Außerdem passt das Cover perfekt zu Drachenmädchen Jacinda:
Das golden schimmernde Papier, das glühende Auge mit der konkaven Pupille, die rotgoldene Drachenhaut und nicht zuletzt die glänzende, rote Haarpracht!

Eindeutig 5 Sterne!!!
Ich bin echt überrascht und begeistert worden!
Ein Buch voller bildhafter und spürbarer, spannungsgeladener und verwirrender Emotionen und einer Bedrohung, die über allem schwebt und aus verschiedenen Richtungen auf Jacinda und Will lauert, welches Jung und Alt gleichermaßen begeistern, mitfiebern und entbrennen lassen wird.
Und ich freue mich auf die Fortsetzung "Firelight - Flammende Träne", die hoffentlich Ende des Jahres erscheint.

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liebe, zeitreise, london, zeitreisen, fantasy

Rubinrot

Kerstin Gier
Fester Einband: 345 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2009
ISBN 9783401063348
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die sechzehnjährige Gwendolyn Sheperd wohnt nebst Mutter und zwei jüngeren Geschwistern und einer mehr oder minder anstrengenden und stocksteifen Verwandtschaft in einem herrschaftlichen Anwesen mitten in London.

Und Gwens Familie hat es ganz schön in sich:
Tante Maddy hat Visionen, Cousine Charlotte besitzt angeblich ein Zeitreisegen und Gwen kann Geister sehen.
Doch Gwen behält ihre Gabe meistens lieber für sich, denn im Mittelpunkt der Familie steht ihre gleichaltrige Cousine Charlotte, die zu allem Übel auch noch langbeiniger, charmanter, liebreizender ist.
Charlotte wird schon von Kindesbeinen an mit Geschichts- und Mysterienunterricht und allem möglichem Primborium wie Fechten, Tanzen oder Reiten auf ihre bevorstehenden Zeitreisen vorbereitet und die ganze Familie wartet gespannt auf ihre erste Reise in die Vergangenheit, ist nahezu aus dem Häuschen.

Doof nur, dass Gwendolyn ganz unerwartet, unvorbereitet und auf sich allein gestellt ihren ersten Zeitsprung zurück ins 19. Jahrhundert macht, obwohl sie das Zeitreisegen doch eigentlich gar nicht besitzen dürfte. Oder etwa doch?
Und dann macht sie noch einen und noch einen... im quietschbunten Regenmantel, im Schlafanzug, in der Schulstunde,...
Und so vermasselt die tollpatschige und unbedarfte Gwendolyn der lieblichen Charlotte und deren ehrgeizigen Mutter Glenda den großen Auftritt und durchrüttelt die Pläne der Geheimloge des Grafen von Saint German, der Wächter der Zeitreisenden.
Und zum Leidwesen eines anderen Zeitreisenden, des achtzehnjährigen Gideon de Villiers.
Der würde nämlich lieber mit der hübschen, eleganten und gebildeten Charlotte auf Zeitreise gehen, doch jetzt muss er sich mit Gwen, einem neugierigem, verkichertem und aufmüpfigem Teenager, zufriedengeben, um mit ihr eine ziemlich wichtige Aufgabe in der Vergangenheit zu bestreiten.

Kann das gutgehen, wo doch Gwen ihr geschichtliches Wissen eher aus Historien- und Kostümfilmen aus Hollywood bezieht und somit mit ihrem Nichtwissen brillieren und in der Vergangenheit auffallen wird wie ein bunter Hund?
Oder auch weil Gwen sich ja doch irgendwann eingestehen muss, dass sie den schnöseligen Gideon ganz süß und charmant findet?
Und den Wächtern kann sie irgendwie auch nicht so richtig trauen und die ihr auch nicht...

Tja, was soll ich sagen?
Ich hatte irgendwie ein klein bisschen mehr von "Rubinrot" erwartet, denn jahrelang bin ich um die Trilogie mit den unzähligen Lobeshymnen, der nahenden Verfilmung und mit der wunderhübschen, auffälligen Gestaltung herumgeschlichen, um sie mir jetzt in der Sonderausgabe zu gönnen. Aber dennoch wurde ich nicht enttäuscht.
Die Idee mit den Zeitreisen und deren Ausarbeitung ist süß, einfallsreich und macht irgendwie neugierig - wobei der Mythos um Zeitreisen in dieser Form sicherlich vor drei Jahren noch origineller als heute war.
Man fühlt sich selbst wie in eine andere Zeit versetzt, auch wenn Gwen immer noch hauptsächlich im heutigen London ihr Unwesen treibt, aber in einer solch aristokratisch anmutenden Umgebung verweilt oder ihre Oma "Lady Arista" nennt.
Gwen ist zudem ein tolles, lustiges, schlagfertiges Mädchen, man wünscht sie sich als beste Freundin, sie bietet eine gute Identifikationsmöglichkeit für junge Mädchen, aber irgendwie oder genau aus den Gründen kam ich mir stellenweise beim Lesen uralt vor.

Vielleicht auch, weil die Seiten so jugendbuchgerecht dick waren und die Buchstaben sehr groß, sodass ich "Rubinrot" recht schnell gelesen hatte.
Auf den etwa 340 Seiten war dann auch leider nicht so viel Handlung vorhanden, denn "Rubinrot" merkt man an, dass sie nur der Auftakt einer Trilogie bildet, da der Leser trotz Gwendolyns ungeplanter und plötzlicher Zeitreisen nur ganz langsam und behutsam in die Handlung und das Thema Zeitreise eingeführt wird und man hauptsächlich erst einmal alle wichtigen Figuren und die Loge der Wächter kennen lernt bevor ein wenig Spannung aufkommt.
Sehr schön fand ich in diesem Zusammenhang die Aufzeichnungen aus den Chroniken der Wächter zu Anfang jedes Kapitels, sodass man sich langsam einen kleinen Wissensvorsprung vor Gwendolyn aufbauen konnte.

Kerstin Gier verschießt noch nicht ihr ganzes Pulver, was aber auch andererseits sehr schön ist, da man bei "Rubinrot" nicht das Gefühl hat, dass die Geschichte mit dem ersten Band beendet und eigentlich alles erzählt ist - wie es bei vielen anderen Trilogien der Fall ist.
Stattdessen endet "Rubinrot" an der Stelle, an der andere Geschichten erst einmal anfangen. Dafür weiß man, dass in den Folgebänden diese Geschichte weitererzählt und weiterentwickelt wird und nicht eine andere Handlung aus dem Hut des Autors gezaubert werden muss, um eine Trilogie zu rechtfertigen.
Was aber auch bedeutet, dass man die folgenden Bände unbedingt lesen muss, da "Rubinrot" mehr oder weniger mitten in der Handlung endet, und ich das Gefühl hatte, dass man die Edelstein- Trilogie nicht unbedingt in drei Bänden hätte herausbringen müssen.

Der Schreibstil ist außerdem locker, ironisch, liebevoll, jugendlich, zauberhaft, aber dann doch auch irgendwie einfach und flüssig.
Ein weiterer Grund, warum man beim Lesen flott voran kommt und "Rubinrot" regelrecht verschlingen kann.

Auch die Figuren sind ein wenig klischeebeladen und stereotyp, damit sie sich in eine jugendliche Geschichte einfügen und ihre Aufgaben erfüllen können. Aber dennoch bringen sie ganz schön viel Humor, Lebendigkeit und Pep in die Geschichte.
Da wäre die ehrgeizige, von Neid zerfressene Tante Glenda, die gestrenge Großmutter Lady Arista, die schrullige Tante Maddy, die keiner so wirklich ernst nimmt, eine Schar undurchsichtiger Wächter, die über die Zeitreisenden und den Chronografen, die Zeitreisemaschine, wachen, eine Schneiderin mit französischem Akzent, die neugierige, lustige, stets hilfsbereite Freundin Leslie und nicht zuletzt der süße, aber arrogante love interest Gideon de Villiers.
Zu eine meiner Lieblingsfiguren entwickelte sich dann regelrecht der mürrische Dr. White, mit dem sich Gwendolyn mehr oder weniger absichtlich herrlich amüsante Wortgefechte liefert.

Eine jugendliche, humorvolle, zuckersüße, zauberhafte Geschichte mit einer sympathischen, amüsanten, flapsigen Hauptfigur - trotz meiner Kritikpunkte.
Der größte Pluspunkt (neben dem Cover und der Zeitreiseidee mitten im heutigen und historischen London) ist eindeutig der Humor, den Kerstin Gier ihrer Ich- Erzählerin Gwendolyn in jeder Lebenslage, in jeder Epoche in den Mund legt.
Mit viel Ironie nimmt sich Gwen selbst und ihre Umwelt nicht immer so ganz ernst. Und im Doppelpack mit ihrer besten Freundin Leslie verdoppelt sich dann auch der Humoranteil nicht nur rein rechnerisch.
Die Geschichte ist wirklich zum kringeln!

Und auch wenn ich mir stellenweise echt zu alt für die Geschichte vorkam, bin ich doch nicht von ihr losgekommen und habe den Kauf dann schlussendlich doch nicht bereut.
Irgendwie wollte ich ja schon wissen, ob Gwen die altehrwürdigen Wächter noch auf die Palme bringen wird, ob Gwens betuchte Verwandtschaft ihre Contenance noch mehr verlieren wird, wann Gideon Muskelkater in seiner zu hoch getragenen Nase bekommt und was es mit Lucy und Paul auf sich hat, die es sich mit dem Zirkel der Zeitreisenden vor einigen Jahren verscherzt haben.
Vor allem baut sich gegen Ende richtig Spannung auf, die Handlung nimmt Fahrt auf und man erfährt endlich, wie Gwendolyns und Gideons doppelbödige, undurchsichtige, vielleicht auch gefährliche Aufgabe in der Vergangenheit aussehen wird.

Ein unterhaltsames, kurzweiliges, freches, liebevoll geschriebenes
Zeitreisekomödchen
mit ganz viel Wortwitz
und herrlich ironischen Dialogen,
lebendigen Figuren,
historischem Flair nicht nur durch auftoupierte Perücken und gepuderte Näschen
und einem Hauch Romantik für jugendliche Leserinnen- oder eben auch junggebliebene.
Nett und niedlich! Zauberhaft und zuckersüß!
Aber für die folgenden Bände würde ich mir neben jeder Menge Humor noch ein bisschen mehr Spannung wünschen. Und ich verstehe jetzt auch endlich, warum "Rubinrot" verfilmt wird - das könnte ein richtig schöner, lustiger, romantischer Kostümfilm für Jung und Alt werden.

Bereit, Snjoka?
Bereit, wenn Ihr es seid, Saphirblau und Smaragdgrün ;O) !

4,5 von 5 Sternchen!

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liebe, hamburg, suizid, selbstmord, beziehung

Wenn die Nacht am stillsten ist

Arezu Weitholz
Buch: 160 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 05.09.2012
ISBN 9783888977756
Genre: Romane

Rezension:

Anna sitzt am Bett ihres Freundes Ludwig.

Ludwig, der seine Kindheit und Jugend in einer wohlgeordneten schwäbischen Familie weit hinter sich gelassen hat, der schon in jungen Jahren promoviert hat und jetzt aufstrebender Redakteur eines angesagten Hamburger Gesellschaftsmagazines ist.

Ludwig, dessen Leben sich um die richtige Musik dreht, die teuersten Klamotten, die angesagtesten Partys und Bars, die einflussreichsten Leute, die richtige Meinung.

Ludwig, der ehrgeizig, fleißig, egoistisch, beherrscht und elitär ist, immer perfekt sein will, der jeden Schwächling, Feigling und Versager nennt, der nicht seinen Idealen entspricht.

Ludwig, der seinem scheinbar perfekten, oberflächlichen Leben nun vermutlich ein Ende setzen wollte - vielleicht durch eine Überdosis Medikamente.
Doch warum?

Und Anna sitzt an seinem Bett - Ludwig bewusstlos - so spricht sie in der Stille der Nacht über sein und ihr Leben, ohne von ihm beurteilt und verurteilt zu werden.
Über all die Dinge, die sie ihm vorher nie anvertraut hätte, weil er sie nicht verstanden hätte oder gar nicht hätte hören wollen, denn Ludwig wollte nie "Verlierergeschichten" hören.

Sie spricht über ihre Kindheit in bescheidenen Verhältnissen, über ihren Vater, der Selbstmord begangen hat, ihre Mutter in der Psychiatrie, ihre kranken Großeltern, ihr schwieriges Uni- und Berufsleben, ihre Flucht in die weite Welt, ihre Flucht in Partys und Drogen, von der Armut und Gewalt, die sie gesehen hat.

Ich war vom ersten Satz an in der Geschichte gefangen. Alleine der Schreibstil der Autorin fesselt einen nahezu an Ludwigs Bett.
Man lauscht ganz gespannt, was Anna ihrem Ludwig an den Kopf wirft, was sie ihm zuflüstert, beichtet, auch, wenn man sich als Leser ganz praktisch fragt, warum sie nicht den Notarzt ruft...

Während Annas 50seitigem Monolog habe ich jedes Wort, jeden Satz umgedreht, wie er sich wohl in einem melancholischen, aber auch wütenden Popsong machen würde. Nicht verwunderlich, da die Autorin Arezu Weitholz auch als Songschreiberin arbeitet.
So fließen die Worte einfach so dahin, sie sprudeln aus Anna regelrecht heraus, ihre Gedanken springen hin und her:
Gleichermaßen poetisch und ergreifend wie auch schonungslos.
Jede kleine Geste wird bedeutend, jedes noch so einfache Wort besonders, sodass man als Leser nichts verpassen will und in einen regelrechten Sog hineingezogen wird.

So nimmt einem zu Beginn Annas Monolog an Ludwigs Bett gefangen, um dann abrupt die Erzählperspektive zu wechseln und den letzten Tag vor Ludwigs Selbstmord(versuch) miterleben zu können.
Und auch hier schweifen Annas Gedanken immer wieder ab, die Erzählung fließt dann einfach so dahin (genau so wie das ganze Buch mit nur zwei Kapiteln und wenigen Absätzen dahin fließt), während Anna auf dem Weg zu ihrer Mutter ins Altenheim ist und Momentaufnahmen ihres Lebens rekapituliert:
Das Leben in Afrika, die Armut und Gewalt dort, ihre Rückkehr nach Deutschland, der Job in der Redaktion, wo sie sich so fehl am Platz fühlt, die oberflächlichen und missgünstigen Kollegen, Annas Eltern, das Kennenlernen von Ludwig und Ludwig selbst und wie er Anna während ihrer achtmonatigen Beziehung behandelt hat, die sie auf seinen Wunsch hin geheimhalten musste, und wie er die Beziehung am Tag seines Selbstmord(versuch)es beendet hat. Einfach so. Mit einem schlichten "Es ist aus".

Und so lernt man als Leser Anna mit ihren Selbstvorwürfen, Komplexen und Ängsten kennen, aber auch ihre spontane, lebensbejahende und nachdenkliche Art, und Ludwig mit all seiner Selbstherrlichkeit, Diszipliniertheit und Gefühlskälte, der Anna nie wirklich kennen lernen wollte oder konnte.
Doch auch Arezu Weitholz lässt nicht zu, dass der Leser Ludwig wirklich kennen lernt.
Sie erlaubt uns nur wenige Momente, nicht länger als ein Augenzwinkern, die wir hinter seine Fassade aus harschen Worten, Arroganz, Unnahbarkeit, Zurückhaltung und Kontrolle werfen dürfen. Unter der scheinbar eiskalten, fast herzlosen Oberfläche scheint er verletzlich, einsam, enttäuscht, in sich gefangen zu sein.
So lernt man ein gegensätzliches Paar kennen, in dem sie vermutlich zu viele Schritte auf ihn zugegangen ist und er zu viele von ihr weg. Sie, der gefühlsbetonte Mensch, er, der das Rationale, die Kontrolle braucht.

Ein Roman über das Leben, die Liebe und den Tod und all das, was sich dazwischen befindet,
Missgunst und Ehrgeiz im Berufsleben, Konsum, Oberflächlichkeiten und Belanglosigkeiten - Turnschuhe, Musik, Partys, teure Uhren- wichtige und unwichtige Kleinigkeiten, die unser Leben bestimmen, hinter denen wir uns verstecken können, mit denen wir uns hervorheben können.

Es geht um die Momente, die unser Leben bestimmen, die Momente, die Annas Leben bisher bestimmt und geleitet haben:
Was war der Auslöser für den Selbstmord ihres Vaters, warum hat sie damals nicht gehandelt? Hätte sie handeln können?
Wann war der Moment, in dem sie sich in Ludwig verliebte? Doch wann hatte er beschlossen, dass es "aus" ist mit ihr und seinem Leben?
Doch gibt es überhaupt diesen einen Moment, in dem man sich bewusst oder einfach nur das Leben, das Schicksal, der Zufall sich für oder gegen etwas entscheidet? Kann man diesen Augenblick benennen, auf Tag, Zeit und Ort bestimmen?
Denn genau diese Momentaufnahmen versucht Anna im nachhinein zu finden.

Trotz der zentralen Themen - Depressionen, Suizid, Drogen, dem Loslösen, dem Abkapseln vom Elternhaus, obwohl die Eltern ihre Kinder noch bräuchten - liest sich "Wenn die Nacht am stillsten ist" aufgrund des Schreib- und Erzählstils flüssig.
Und ist dennoch keine leichte Kost, weil den Leser viele Sätze, die wie dahin geworfen wirken, aber genau platziert sind, nachdenklich stimmen werden.

Und wenn dann noch zusätzlich der trostlose Alltag in einem Pflegeheim geschildert wird, in dem sich Annas Mutter befindet, das Älterwerden, das Abhängigwerden, das Abgeschobenwerden, wird man als Leser unausweichlich auf den Boden der Tatsachen geworfen.

Über 200 Seiten, die nachklingen werden, auch, wenn die Seiten so modern, elitär und durchgestylt wirken wie Ludwig selbst und gleichzeitig so spontan und ungeordnet wie Anna.

Und so liest sich "Wenn die Nacht am stillsten ist" wie ein nicht ganz eingängiger Song über die Liebe und das Leben:
Melancholisch, traurig, wütend, zornig, zeitkritisch, intensiv und schonungslos und doch irgendwie poetisch.

Auf jeden Fall ein Roman, aus dem man tausend Zitate schneiden könnte, um sie immer mit sich zu tragen, aber auch ein Buch, das man lieben oder hassen wird, das man spannend und interessant finden wird oder einfach nur langweilig, gut gemacht oder überkonstruiert.

Ich habe "Wenn die Nacht am stillsten ist" immer nur ungerne aus der Hand gelegt und nicht nur, weil ich wissen wollte, warum Ludwig diesen einen letzten Schritt gewagt hat und ob er es schaffen wird, sondern auch weil ich Anna näher kennen lernen wollte, ihre Beziehung, ihre Liebe zu Ludwig erfassen wollte.
Das Ende wird nicht so sein, wie es sich viele Leser erhoffen werden (inkl. mir), aber es passt eben zur Geschichte.
Ich hab dem Ende entgegen gefiebert und hatte gleichzeitig Angst davor, weil ich schon so eine Ahnung hatte während die letzten Seiten dahin geflogen sind. Und dann habe ich die Sätze der letzten Seite immer und immer wieder gelesen, den letzten Absatz, um ihn zu verstehen, und dann wars plötzlich vorüber. Aus.
Und dann denkt man über die Geschichte nach und nach und versucht sie immer und immer wieder umzudrehen, neu auszuleuchten und zu verstehen...

Eindeutig 5 Sterne!

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282 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

sommer, liebe, erwachsen werden, krebs, freundschaft

Der Sommer, als ich schön wurde

Jenny Han , Birgitt Kollmann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2013
ISBN 9783423625364
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Für die knapp sechzehnjährige Belly zählt nur der Sommer in Cousins Beach, einem fiktiven Ort, der in den Hamptons oder auf Cape Cod liegen könnte.
Das Strandhaus der Familie Fisher, die Veranda, der Strand, die Sonne, der Wind in den Haaren, der Pool und die Jungs. Vor allem die Jungs.
Conrad und Jeremiah.
Denn seit ihrer Geburt verbringt Belly mit ihrer geschiedenen Mutter Laurel und ihrem älteren Bruder Steven jeden Sommer im Strandhaus von Laurels Schulfreundin Susannah und deren Söhnen.
Belly sehnt jeden Sommer herbei. Die Monate dazwischen zählen gar nicht, haben keine Bedeutung.
Obwohl sie bisher immer nur die kleine Schwester von Steven, das Anhängsel, die nervende kleine Belly war, die man auf brüderliche Art ärgern, liebevoll necken und austricksen konnte, der man nur nach Lust und Laune Beachtung schenkte und auf Ausflüge mitnahm.
Doch diesen Sommer sollte sich alles ändern... alle haben sich verändert...
Es ist der Sommer, als Belly schön wurde und die Fisher- Jungen Conrad und Jeremiah sie plötzlich mit anderen Augen sehen...

Denn Belly ist schon seit Jahren mehr oder weniger heimlich in den achtzehnjährigen Conrad verliebt. Conrad, der immer so schweigsam und ernst, zurückhaltend und unnahbar ist. Sich unter seinen Kopfhörern verkriecht oder an seiner Gitarre zupft und nun das Footballspielen ohne jegliche Erklärung aufgegeben hat, plötzlich zu viel raucht und zu viel trinkt, der in seiner trotzigen James Dean- Pose verharrt.
Ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Jeremiah, der immer gut aufgelegt und charmant ist, ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen trägt und aussieht wie ein Tennisspieler aus den 70ern. Ein richtiger Kumpeltyp eben und ein bester Freund und der Belly weitaus mehr bedeutet als sie ahnt.

Und dann steht Belly diese Schulferien unerwartet zwischen ihren beiden so unterschiedlichen Sommerjungs ... und einem weiteren Jungen...
Denn Belly ist nicht mehr das kleine Mädchen von früher, sie erntet Blicke und Bewunderung, doch Conrad reagiert distanziert, verhält sich plötzlich wie ein großer Bruder.
Ist er auch heimlich in Belly verliebt, gar eifersüchtig, oder stecken andere Gründe dahinter?

"Der Sommer, als ich schön wurde" ist wie ein Sonnenuntergang im Spätsommer.
Man räkelt sich wohlig in den letzten, warmen Sonnenstrahlen, kuschelt sich in eine dicke Decke auf der Hollywoodschaukel, im Hintergrund läuft "Free fallin`" in einem alten, scheppernden Radio und aus der Ferne hört man ein Windspiel klimpern während das Lagerfeuer herunterbrennt.
Auch wenn man sich gewiss ist, dass die Sonne untergehen wird und den nächsten Tag nicht mehr ganz so erwärmen und zum Strahlen bringen kann wie im Hochsommer.
Denn über der ganzen Geschichte liegt durch Susannahs Erkrankung, die unperfekten Familienverhältnisse, Conrads und Stevens High School Abschluss und der Wechsel auf ein College fernab der Heimat und durch Conrads Veränderungen in der letzten Zeit eine bittersüße Melancholie und Traurigkeit, aber auch eine nicht greifbare Anspannung.
Dies wird vielleicht der allerletzte Sommer sein, den sie wie früher verbringen können...
Es ist ein Sommer, den man festhalten möchte, dessen Zeit man anhalten oder gar zurückdrehen und alles nochmal neu erleben möchte.
Und Belly setzt alles daran, dass alles so bleibt wie immer, nur besser, und sehnt gleichzeitig eine Veränderung herbei, doch kann sie mit den Konsequenzen leben?

Denn der Sommer wird dem Herbst weichen genauso wie die unbeschwerte Kindheit und die hoffnungsverheißende Jugend dem Erwachsenwerden weichen wird. Trauer und Ängste liegen in der Luft. Sorge um die eigenen Kinder, Ängste um die Eltern.
Die Geschichte verströmt einen wehmütigen, aber auch ironischen Humor und einen herzlichen, liebevollen Ton, wenn die Ich- Erzählerin Belly immer wieder von ihren vergangenen Sommerferien und ihren Erlebnissen mit den Jungs erzählt und das Familienleben und die Freundschaften untereinander aufleben lässt.
So nimmt man an gemeinsamen Spieleabenden teil, an Strandpartys, an Wettschwimmen im Pool, an Jahrmarktbesuchen wie an Fernsehabenden mit Laurel und Susannah und sieht ihre langjährige Verbundenheit.
Und genauso erlebt man die stillen und ernsthaften Momente mit, wenn die Kinder die Auswirkungen von Susannahs Chemotherapie spüren, die nicht ganz perfekten Familienverhältnisse durchleuchtet werden, gescheiterte Ehen, die Zukunftsängste der Jugendlichen greifbar werden.

Eine durchgängige Handlung wird man jedoch vor allem in der ersten Hälfte nicht so wirklich finden, denn Bellys Gedanken springen immer wieder zurück in die Vergangenheit, dann wieder ins Jetzt und wieder zurück in ihre Kindheit. So erlebt man als Leser immer nur kurze Augenblicke, die aber voller Emotionen, winziger Gesten und bedeutender Worte sind. Was völlig ausreicht, um die Atmosphäre spüren zu können.
Und so sind dann die etwa 250 Seiten auch in 46 leicht und flüssig zu lesende Kapitel unterteilt.
Erst später bleiben wir hauptsächlich im Hier und Jetzt und erleben alle Verwirrungen, Ängste, Hoffnungen hautnah und ergreifend mit, weil Jenny Han die Teenagergefühle so perfekt, liebe- und auch humorvoll in kleinen, leisen, besonderen und auch einfachen Momenten eingefangen hat.

Auch wenn alle Charaktere mal wieder viel zu hübsch, sympathisch, fast schon zu erwachsen und zu perfekt sind, ist "Der Sommer, als ich schön wurde" ein Jugendbuch, in dem man sich gleich wohlfühlt.
Schon vom ersten Augenblick an befindet man sich einfach mittendrin in Bellys Sommer und man spürt das salzige, sanddünige, meeresblaue New England- Gefühl.
Es ist als würde man mit Belly gemeinsam am Swimmingpool sitzen, die Fußzehen ins Wasser strecken und eine eiskalte Limo aus einem Strohhalm schlürfen und die erste Liebe von Belly miterleben - ganz zart und behutsam erzählt.

Eine coming of age- Geschichte über vier Jugendliche, die sich seit Kindesbeinen an kennen, die die aufwühlende Teenagerzeit durchleben, deren Freundschaften sich weiterentwickeln,
eine zarte Liebesgeschichte, die die erwachenden Gefühle bilderreich und dennoch zauberhaft- schlicht beschreibt
sowie eine ruhige Familiensaga.
Denn in den nächsten beiden Bänden
"Ohne dich kein Sommer"
und
"Der Sommer, der nur uns gehörte"
wird die Geschichte der beiden Familien weiter erzählt.
Und so ist diese ruhige, einfühlsame, einfach schöne Geschichte mit einem ganz leisen Humor etwas für Jung und Alt, da der Roman durch seine Schlichtheit und seine gleichzeitige Vielschichtigkeit verzaubert und keineswegs oberflächlich wirkt.
Durch seine Stille, Unaufgeregtheit und Authenzität (oder einfach dadurch, wie man sich eine fast unbeschwerte und pittoreske Kindheit und Jugend auf Cape Cod vorstellt) auf alle Fälle etwas ganz Besonderes unter der Vielzahl an Jugendbüchern.

Zurücklehnen, lesen, schmunzeln, mitschwimmen, mitfühlen, mitfiebern, mittrauern:
Ein Sommer in New England, den man nicht so schnell vergessen wird, denn nächstes Jahr wird er schon ganz anders aussehen!
5 von 5 Sternchen!
Wer noch ein wenig Sommersonne genießen möchte, sollte "Der Sommer, als ich schön wurde" noch ganz schnell lesen oder die viel schönere englischsprachige Ausgabe!

Denn die beiden Originalcover geben die Stimmung von The summer I turned pretty perfekt wider:
Einerseits das verspielte, süße Cover mit den blauen Blümchen und andererseits das von der abendlichen Sonne durchflutete Cover mit Belly zwischen ihren beiden Fisher- Jungs.
Wohingegen das deutsche Cover spröde, langweilig, nichtssagend ist... es spiegelt die Geschichte in keinster Weise wider. Abschrecken lassen sollte man sich dennoch nicht ;O).

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