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39 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

london, humor, teufel, geldheirat, dichter

Der Gentleman

Forrest Leo , Cornelius Reiber
Fester Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036737
Genre: Romane

Rezension:

Lionel Savage, ein nicht gerade sehr arbeitsamer Aristrokrat im zarten Alter von 22 Jahren, hat soeben beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Vor einem Jahr hat er, um seiner äußerst prekären finanziellen Lage zu entfliehen, reich geheiratet, doch ist seine Gemahlin, davon musste sich der hervorragende Dichter überzeugen, absolut geistlos. Darüber hinaus hat Lionel seit der Hochzeit keinen einzigen Vers mehr zu Papier gebracht, denn offenbar hemmt der Ehestand seine künstlerischen Fähigkeiten enorm. "Dichter sind zum Träumen und Tanzen im Mondschein bestimmt und für die verzweifelte Liebe" (S.70) Darüber hinaus ist er für ein eheablehnendes Gemüt prädestiniert - immerhin starben seine Eltern an ihrem Hochzeitstag. Kein Wunder also, dass seine unmögliche Situation einzig und allein auf Vivien Lancaster, jetzige Savage, zurückzuführen ist, die vergnügungssüchtig einen Lionel verhassten Maskenball nach dem nächsten veranstaltet.
Doch stellt sich nun ein neues Problem ein: Wie soll er seinem Leben ein Ende setzen? Gegen seine Idee, sich zu erschießen, wendet der wohl weltbeste Butler namens Simmons ein, dass er, da er die wenig appetitlichen Körperflüssigkeiten nach einem Kopfschuss aufwischen müsste, von jenem Vorschlag nicht gerade begeistert sei. Wieder allein gelassen - während unten ein Maskenball wütet - überlegt Lionel also, welche Alternativen des Selbstmordes sich ihm wohl böten. Just in diesem Moment betritt ein sehr freundlicher, etwas schüchterner aber sich durchaus als sympathisch herausstellender Gentleman das Zimmer des Aristokraten. Er ist gekommen, um sich bei Lionel zu bedanken, der ihn zuvor beim Pfarrer kurz in Schutz genommen habe. Die Verwirrung ist groß als sich herausstellt, dass der werte Herr der Teufel persönlich ist.
Die beiden Gentlemen - wobei der objektive Betrachter anzweifeln darf, ob diese - vom Dichter für auf sich passend befundene - Beschreibung tatsächlich zutreffend ist - unterhalten sich wunderbar bis die Sprache irgendwann unweigerlich auf Lionels Verdammnis, seine Ehefrau, fällt. Am liebsten würde er sie loswerden und stattdessen lieber wieder auf die Höhen seiner dichterischen Fähigkeiten gelangen.
Tatsächlich ist, kurz nachdem der Teufel verschwunden ist, Vivien Savage unauffindbar. Hat Lionel seine Frau ohne es ausdrücklich gewollt oder gesagt zu haben an den Teufel verkauft? Oder sogar einfach verschenkt? Da ihn das schlechte Gewissen plagt und er feststellen muss, dass er ohne Vivien vielleicht auch nicht der erfolgreichste Dichter ist, beschließt er, sie aus der Hölle zu befreien. Auf seiner abenteuerlichen Reise wird er von seinem Schwager, dem Entdecker Ashley Lancaster, seinem Butler Simmons und seiner kessen und neugierigen kleinen Schwester Lizzie begleitet und noch von einigen weiteren Charakteren unterstützt. Doch wo soll man die Rettungsaktion starten? Wo zum Teufel ist die Hölle? Und ist es vielleicht schon zu spät für Vivien?

Das Buch spielt im viktorianischen London um 1850. Forrest Leo ist es vorzüglich gelungen, den Snobismus und die Dekadenz der Aristokraten sowie für diese Zeit typische Geflogenheiten ironisch und perfekt auf den Punkt gebracht darzustellen. Generell überzeugt dieses Werk mit sehr viel geistreichem und pointiertem Humor, was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Da Lionel eine äußerst skurrile Figur ist und beinahe ständig aneckt, dennoch aber blitzgescheit und wohl gebildet ist, kommt es regelmäßig zu mehr als gelungenen Schlagabtäuschen, die so köstlich sind, dass man sich ein Schmunzeln oder Lachen nur schwerlich verkneifen kann.
In meinen Augen der größte Clou des Buches ist, dass der angeheiratete Cousin des Protagonisten dieses Werk herausgegeben haben soll. Zur Einführung merkt dieser jedoch bereits an: "Ich wurde beauftragt, diese Seiten herauszugeben und ihre Veröffentlichung zu besorgen. Ich tue es nicht gerne und möchte festgehalten wissen, dass ich es für besser hielte, wenn sie verbrannt worden wären." Warum dem so ist, erfährt der Leser mit jeder Seite die er verschlingt, da sich Hubert Lancaster die Freiheit genommen hat, die Geschichte über die reichliche Verwendung grandioser Fußnoten zu kommentieren. Dabei fällt auf, welch eine verquere (Selbst-)Wahrnehmung der Schreiberling Lionel Savage doch zu haben scheint. Darüber hinaus haben Huberts trockene und sarkastische Bemerkungen mich immer wieder zum Lachen gebracht, was bei Büchern zugegebenermaßen viel zu selten geschieht. Meist ist mir das Rumgeulke in Büchern, die den Anspruch erheben, unterhaltsam zu sein, zu krampfhaft gewollt, hier wirkt hingegen so ziemlich jede der vielen unterhaltsamen Aussagen sehr geistreich und lang erdacht.
Von der ersten Seite an konnte ich in die Erzählung abtauchen, da die Geschichte an sich schon so packend und dann auch noch wunderbar fesselnd geschrieben worden ist. Mit dem stark leidenden Lionel konnte ich bestens mitfühlen und ich habe ihn - wie auch sämtliche anderen Charaktere - schon bald in mein Herz geschlossen. Sie alle sind so wunderbar liebevoll gezeichnet, haben allesamt ihre Ecken und Kanten dass sie tatsächlich echt wirken; selbst wenn man merkt, dass einige phantastische Elemente so in der Realität kaum angetroffen werden könnten. Lionel Savage ist so unfassbar von sich überzeugt, bringt Anderen oftmals wenig Respekt entgegen, wird aber dennoch immer wieder davon übermannt, wie poetisch ein Ort, ein Satz oder ein Mensch doch ist, dass man ihm gar nichts übel nehmen kann. Für mich war es ein großer Genuss den Kontrast zwischen seiner Beschreibung und den Anmerkungen des Herausgebers erfahren zu dürfen und die Entwicklung, welche er durchläuft, mitzuerleben. Er ist eine so skurrile, versnobte, kauzige, geniale und liebenswerte Persönlichkeit, wie ich es selten in Büchern erlebt habe.
"Im Herzen bin ich Revolutionär." (S.57)
"Ich bereue meine Schroffheit zwar sofort, aber Simmons hat diese sehr unangenehme Angwohnheit, meine Gedichte kleiner zu machen als sie sind. Ich mag es nicht, wenn ich dichte und mich erhaben fühle und dann jemand des Weges kommt und es liest und für dürftig befindet." (S.91)
Der Schreibstil ist ganz vorzüglich: Forrest Leo bedient sich einer zauberhaften Wortwahl, die weder eingestaubt noch in die Kategorie "neumodischer Kram" fällt, sondern sich perfekt in die Geschichte schmiegt und ausgezeichetn zu den Figuren, den Orten sowie der Handlung passt. "Lieber ein geistreicher Narr (...) als ein närrischer Geist." (S.130) Viel Wortwitz und zahlreiche Gedanken zur Lyrik und Kunst ebenso wie spitze Bemerkungen, Sarkasmus oder intelligente Dialoge machen jeden Satz zu einem Genuss.
Ich könnte noch stundenlang darüber referieren, weswegen ich "Der Gentleman" so großartig und absolut gelungen finde, mich beschleicht allerdings die Befürchtung, dass diese Ausführungen dann doch etwas zu weit gehen und sowieso nicht mehr gelesen würden, weswegen ich jetzt zu einem Ende kommen werde. Ganz kurz zusammenfassend muss ich aber noch bemerken, dass dies ein wunderbar skurriles, humorvolles, geistreiches Buch mit liebevoll gezeichneten Charakteren, die man, gerade wegen ihrer Unperfektheit zügig ins Herz schließt, ist, dass einen nicht mehr los lässt - auch wenn man die letzte Seite bereits beendet hat. Anmerken möchte ich zudem, dass ich mich bei vielen Passagen über hervorragendes Kopfkino freuen konnte und mir dachte, dass "Der Gentleman" sicherlich auch für die Bühne geeignet wäre, um dann in der Danksagung zu erfahren, dass dieses Buch zuerst auch ein Theaterstück gewesen ist.

Von mir gibt es für dieses vielschichtige Buch über Abenteuer, Liebe, Familie, die Ehe, "Duelle und Beinahe-Duelle", Lyrik und Literatur, Dichter, Erfinder und Entdecker, den Teufel und die Aristokraten sowie zahlreiche weitere Themen definitiv weiterempfehlen. Es zählt sicherlich zu den besten Werken, die ich je gelesen habe und teilt sich zur Zeit mit "Willkommen in Night Vale" meinen persönlichen Platz 1.
Ich vergebe 5 euphorisch am Himmel funkelnde und ihre Funken versprühende Sterne für dieses meisterliche Werk!

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49 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

abenteuer, bücher, kinderbuch, fantasy, barcelona

Das verschwundene Buch

Edward Berry , Anja Rüdiger
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Sanssouci, 17.02.2017
ISBN 9783990560273
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die Geschwister Alba und Diego laufen nach Schulschluss voller Eile durch die Straßen Barcelonas. Nur schwerlich finden sie auf ihrem Weg noch die Zeit, einer ihrer Lieblingsbeschäftgung nachzugehen: Dem Suchen, Finden und Katalogisieren von Drachen. Immerhin befinden sie sich auf dem Weg zu der Buchhandlung Abrakadabra, welche von ihrer mysteriösen Tante Beatriz geführt wird. Diese hat nämlich für die beiden ein Exemplar der selbst von dem gnadenlosen und für seine kritische Haltung berühmt-berüchtigten Literaturkritiker Leo Gutenberg für die schönste Geschichte aller Zeiten ausgelobten Neuerscheinung zurückgelegt. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Kinder in heller Aufregung sind. Überall ist die Nachfrage viel höher als das Angebot, was das Buch betrifft. Merkwürdigerweise können sich Alba und Diego jedoch nicht an seinen Titel erinnern. Seltsam. Normalerweise haben sie ein ausgezeichnetes Gedächtnis - besonders wenn es um Bücher geht.
Kaum dass die Geschwister die Buchhandlung erreichen, wird ihnen das nächste Rätsel aufgegeben. Die Buchhandlung hat geschlossen, vor ihr tummeln sich die Menschenmassen und in ihr packt Tante Bea alle ausgestellten Werke des neuen Buches in Kartons.
Als sie endlich eingelassen werden, erfahren sie noch nicht wirklich, worin das Problem liegt. Doch bald schon in der Schule - und von da an überall - bemerkt die gesamte Bevölkerung, dass die Bücher durcheinander gebracht worden sind. So beispielsweise bei Peter Pan, der am Ende des gleichnamigen Werkes von Käpt'n Hook mit einer Laserpistole erschossen wird.
Zum Glück besteht eine letzte Chance, um die Welt der Bücher zu retten - doch dafür müssen sich Alba und Diego auf eine gefährliche und abenteuerliche Reise begeben. Selbst wenn sie den Mut dazu aufbringen, bleibt es jedoch fraglich, ob sie die Situation zum Guten wenden können.
Während Albas und Diegos langweiligen Eltern also vor ihren Z-Phones und Z-Tablets hocken, müssen die Kinder einige schwerwiegende Entscheidungen treffen...

Mir fällt es äußerst schwer, dieses Buch einzuordnen und zu bewerten. Das Cover hat mich sofort angesprochen und sowohl Titel als auch Klappentext konnten meine Neugierde wecken. Ebenso konnten mich die ersten Seiten dieses - wie ich mittlerweile erfahren habe - Serienauftaktes überzeugen, denn dort wird der Weg zur Buchhandlung und das Geschäft an sich beschrieben. Die Idee, dass der Bösewicht in diesem Werk, Mr. Zargo, der Gründer eines großen Technikkonzerns ist, der Produkte aller Art, vor allem aber elektronische Zeitdiebe, vertreibt, ist, wirkte auf mich vielversprechend. Dem Autor ist es gelungen, mir diesen muskelbepackten und dafür nicht gerade hellen Charakter im Handumdrehen unsympathisch zu machen. Ebenso die Eltern der Protagonisten, die sich keine Spur für ihre Kinder interessieren und stattdessen nur mit ihren Zargoprodukten Zeit verbringen.
Hier hätte ich mir gerne mehr Ausführungen gewünscht, da man über diese Thematik beim gemeinsamen Lesen mit Kindern wunderbar sprechen kann. Allerdings rückt dieser Handlungsstrang nach und nach so weit in den Hintergrund, dass man ihn beinahe aus den Augen verliert.
Als es darum geht, die Geschichte von Peter Pan zu retten und sich das Geschwisterpaar nach Nimmerland begibt, beginnt für mich der enttäuschende Part des Buches, da Unwichtiges ausgeschmückt und Interessantes so kurz gefasst wird, dass noch zu viele Fragen offen bleiben und Kopfkino nur schwerlich entstehen kann. Ich konnte mich des Eindrucks nicht verwehren, dass der Autor bestrebt war, noch auf die letzten Seiten die zweite Hälfte seines Buches zu pressen und dabei nicht bedacht hat, dass 160 Seiten manchmal nicht reichen oder sich nicht im Klaren darüber war, was man besser hätte weiter ausführen und was lediglich anreißen sollen.
Zudem wirkten einige der Lösungsvorschläge auf auftauchende Probleme für mich sehr gewollt und schnell erdacht, was ich sehr schade finde. Meiner Meinung nach bleiben auch zu viele Fragen offen. Es ist selbstverständlich, dass es für die folgenden Bände ebenfalls Rätsel geben muss, aber dennoch hätte ich mir einfach noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um noch wichtige Erklärungen erhalten zu können.
Häufig werden die Illustrationen dieses Werkes gelobt, allerdings muss ich gestehen, dass der Großteil der Zeichnungen meiner Meinung nach nicht annähernd mit dem Cover mithalten kann. Sicherlich ist dies bloß ein subjektiver Eindruck, doch ich empfand es nun einmal als schade...

Es bleibt abzuwarten, ob in den folgenden Bänden auf die ungeklärten Fragen eingegangen wird. Vielleicht hatte ich an dieses Buch zu hohe Erwartungen, denn ich hatte mir "Das verschwundene Buch" anders vorgestellt. Leiser vielleicht, mit mehr spürbarer Liebe zu Büchern, einer Reihe von Drachen und aufregenden Abenteuern in einem überzeugenden Nimmerland. Dennoch ist es kein schlechtes Buch.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

33 Projekte ohne Werkstatt

Jörn U. Lindemann
Flexibler Einband
Erschienen bei Christian München, 22.03.2017
ISBN 9783959611107
Genre: Sachbücher

Rezension:

In letzter Zeit hat sich der Trend, Möbel und Dekorationsartikel selber zu bauen weiter ausgebreitet. Allerdings lassen sich viele Anleitungen nur schwerlich umsetzen, da man selbst weder über besonderes Spezialwerkzeug noch über große Räume, welche als Werkstatt dienen könnten, verfügt.
Mit diesem Buch soll es anders sein, da die 33 vorgestellten Projekte mit wenig Aufwand, auf kleinstem Raum und mit gewöhnlichen Materialien wie auch Werkzeugen umzusetzen seien.
Zu Beginn des 128 Seiten umfassenden Buches werden die benötigten Werkzeuge genaustens vorgestellt, wobei sowohl Standartwerkzeuge, die in keinem Haushalt fehlen, als auch etwas speziellere Werkzeuge, die man sich nicht zwangsläufig zuzulegen braucht, da man sie im Baumarkt ebenso leihen kann, in den Fokus gerückt werden . Von Pinseln und Holzbohrern über Zangen bis hin zu Elektrowerkzeugen ist hier eine ordentliche Bandbreite vertreten. Darüber hinaus widmet sich ein Unterkapitel den soliden und praktischen Arbeitsunterlagen. So können die eigenen vier Wände problemlos in eine Heimwerkstatt umfunktioniert werden.
Im Anschluss daran findet man die vorgestellten Projekte, gegliedert in die Kapitel "Für Einsteiger", "Für Fortgeschrittene" und "Für Experten". Die ersten Projekte sollen demnach zum "Warmwerden" dienen, sodass man sich Stück für Stück steigert und sich an immer größere Projekte wagen kann.
Die Projekte reichen von einem Messerblock, einem Beton-Leuchter, einer Flaschenschale, einem stummen Diener, einem zwei in eins Bild und Tisch bis hin zu einem Paletten-Sideboard. Zugegebenermaßen konnten mich die meisten Projekte - besonders bei den ersten beiden Kapiteln - nicht wirklich überzeugen. Bei ihnen fehlte mir ehrlich gesagt der Anreiz, sie nachzumachen. Der Trend, alles Mögliche aus Beton zu gießen beispielsweise, ist aber sowieso gänzlich an mir vorbeigezogen... Der wunderbar platzsparende Tisch hingegen hat mich sofort begeistert - einen solchen kannte ich bereits von Bildern, habe aber nie Anleitungen zum Selbermbauen finden können.
Äußerst gelungen ist, dass sämtliche Projekte sehr verständlich beschrieben und erklärt werden. Dank Schritt-für-Schritt-Anleitungen, zahlreichen Abbildungen (ca.250), übersichtlichen Materiallisten, Tipp-Texten sowie ansprechenden Einleitungen bleiben keine Fragen offen. Zudem wird hin und wieder erklärt, wie sich die vorgestellten Projekte individuell anpassen lassen, sodass die eigenen Stücke bestens in die eigene Wohnung passen.

Alles in allem ein sehr verständlich gehaltenes Buch mit zahlreichen Erklärungen und einer Vielzahl von Abbildungen, welches allerdings nicht ganz so viele beeindruckende Projekte umfasst.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Lächeln des Schwertfischs

Arthur Brügger , Monika Buchgeister
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783866124141
Genre: Romane

Rezension:

"Ich bin wirklich nicht gern mit Erwachsenen, mit Großen zusammen - ich habe das schon längst an mir beobachtet -; ich bin nicht gern mit ihnen zusammen, weil ich sie nicht verstehe."
Mit diesen Worten aus Dostojewskis "Der Idiot" wird "Das Lächeln des Schwertfischs" eingeleitet. Schon recht schnell bemerkt man, wie gut dieses Zitat auf den Protagonisten passt; wie trefflich es ihn beschreibt. Schließlich ist Charlie ein sehr besonderer Mensch. Mit seinen 24 Jahren hat er, wie er es erwähnt, noch keine Erfahrung in Liebesdingen gesammelt, raucht nicht und trinkt Kaffee lediglich "weil man es eben tut" (S.12). Er arbeitet in einem Kaufhaus als Fischfachverkäufer, was für ihn eine wunderbarere Kombination aus schönen Beruf und gutem Arbeitsplatz ist - immerhin gibt es dort das ganze Jahr über Schnee und Eis.
Manche im Kaufhaus, meistens Anzugtragende, halten Charlie für dumm, doch der mit weißem Polohemd und Schürze Uniformierte hat damit kein Problem. Schließlich zwängen sie ihm auf diese Art kein Gespräch auf. Mit einigen anderen Angestellten kommt Charlie hingegen sehr gut aus; zum Beispiel mit der bildschönen Natascha von der Käsetheke.
Charlie, der weniger ein guter Redner, dafür jedoch ein hervorragender Zuhörer ist, entschuppt, zerlegt und so weiter tagtäglich Fische für seine Kunden. Dabei anfallende Reste bringt er in die "nullte". Gemeint ist die Etage in welcher die Kaufhausabfälle gelagert werden. Hier lernt er eines Tages Émile, dem die Verwaltung der Abfälle obliegt, kennen, der weggeworfene Bücher rettet und liest. So besucht Charlie seinen neuen Freund immer häufiger und erfährt bald, dass Émile ein Geheimnis hat...

Charlie ist wirklich ein sehr außergewöhnlicher Charakter. Manchmal sind seine Gedankengänge sehr karg, die formulierten Sätze sind kurz und erinnern auf diese Weise an die Sprechart eines Kindes, doch ein andermal merkt man, dass er ein kluger, junger Mann ist. Dabei scheint Charlie sehr sensibel zu sein, sich viele Gedanken zu machen, seinen Beruf mit einer bewundernswerten Hingabe auszuüben und immer alles richtig machen zu wollen.
"Mir reicht es, das alles. Ich fühle mich schuldig, weil wir all dieses Essenszeug wegwerfen, die ganze Zeit über, man müsste einen Weg finden, damit das aufhört." (S.152)
Manchmal hatte ich den selben Eindruck wie der ein oder andere Mitarbeiter; nämlich, dass Charlie Autist ist. Der introvertierte, kindlich-naive, sehr gebildete Schweizer, der in einem Waisenhaus aufwuchs, hat eine ganz spezielle Sicht auf die Welt. Dies verleiht dem Buch einen ganz eigenen Charme und macht meines Erachtens seine Besonderheit aus. Charlie ist definitiv ein Charakter, an den ich mich noch länger werde erinnern können.
Besonders ist sicherlich auch der Handlungsort, weil der Leser, da er Charlie stets begleitet, kaum das Kaufhaus verlässt und es somit als eine kleine Welt für sich kennen lernt, die ihre eigenen Geheimnisse birgt und verschiedenste Personen beherbergt.
Dieses Buch zeichnet sich zudem durch ruhige Töne aus; vieles erlebt man wie durch einen milchigen Schleier aus weiterer Entfernung. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es sich hierbei um kein spannungs- oder actiongeladenes Werk handelt. Manchmal schien es mir sogar etwas zu unaufgeregt.

Allein vom Klappentext her wusste ich nicht genau, was mich bei dieser Lektüre erwarten würde. Allerdings hat mich bereits der Titel des Buches so sehr angesprochen, dass meine Neugierde geweckt war. Ich bereue es keineswegs, dieses Werk gelesen zu haben, denn auch wenn es sich manchmal etwas in die Länge zog, habe ich den so außergewöhnlichen Blickwinkel, den so selten gewählten Handlungsort und vor allem den besonderen Protagonisten sehr gemocht. "Das Lächeln des Schwertfischs" ist anders als ich es mir erwartet hatte, aber nichtsdestotrotz ein lesenswerter Roman.
Ich vergebe vier von fünf Sternen!

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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Agathas Alibi

Andrew Wilson , Michael Mundhenk
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.05.2017
ISBN 9783866124226
Genre: Historische Romane

Rezension:

Agatha Christie verschwindet im Dezember 1929 spurlos und selbst eine groß angelegte Suchaktion, an der sich 16.000 Menschen beteiligen, kann keine Klarheit über ihr Verschwinden verschaffen. Bloß ihr grüner Morris Cowley konnte verlassen in einem Graben gefunden werden. Hat die Queen of Crime in ihrer aus Eheproblemen resultierenden Verzweiflung Suizidabsichten? Doch wo wäre in diesem Falle ihre Leiche geblieben? Konnte die berühmte Autorin ihre Schreibblockade nicht verkraften? Wurde sie - beispielsweise vom eigenen Gatten - ermordet? Immer mehr und immer abenteuerliche Theorien finden ihren Weg in die Öffentlichkeit und auch an den ergriffenen Maßnahmen wird die zunehmende Ratlosigkeit der ermittelnden Behörden und Bewunderer Christies. Während sich Chief Constable William Kenward wegen mangelnder Ermittlungserfolge zu immer größeren Suchaktionen verleiten lässt, beauftragt Sir Arthur Conan Doyle beispielsweise ein Medium nach dem Verbleib der nicht zuletzt durch ihr kürzlich erschienenes Werk "Alibi" weltberühmt gewordenen Kriminalautorin.
So unerwartet plötzlich, wie alles begonnen hatte, endet es dann nach elf Tagen, als Agatha Christie wieder auftaucht. Unter dem Namen der geliebten ihrens Mannes, Teresa Neele, in einem Hotel in Harrogate abgestiegen, hatte sie fröhliche Tage als Dame aus Südafrika verbracht. Ursache sei, so wird bekannt gegeben, eine Amnesie aufgrund des Autounfalles. Dennoch bleiben einige Fragen offen und das Eheleben der Christies nach dem herumstochern im Privatleben durch Polizei und Presse noch mehr verschlechtert, sodass kurze Zeit später die Scheidung folgt.
In "Agathas Alibi" hat Andrew Wilson um das rätselhafte Verschwinden der Queen of Crime einen spannenden Roman geschrieben. So zahlreiche Fakten zusammengetragen und in eine Geschichte verwebt. Denn könnte es nicht sein, dass die Amnesie keine war, sondern eine Strategie um ein dunkles Geheimnis zu verdecken? Könnte es nicht sein, dass sich Agatha Christie im Würgegriff eines Widersachers befand, der ihren scharfen Verstand, ihr kriminalistisches Gespür und ihre Kenntnis über das Morden für seine Zwecke nutzen wollte? Könnte es ferner nicht sein, dass die Autorin immer mehr in ein Verbrechen gezogen wurde und immer mehr auf eine auswegslose Situation zusteuerte, sodass sie alles zu verlieren drohte?
Eine solche Geschichte wird hier erzählt. Sie nimmt ihren Anfang als Agatha Christie von der Affäre ihres Mannes erfährt und in ihrer Verzweiflung ihren Gedanken nachhängt - bis sie am Bahnsteig auf die Gleise gestoßen wird. Von jemandem, der ein grauenvolles Verbrechen plant; ein solches, das die Autorin dringend zu verhindern suchen muss.

Beim Lesen entdeckt man zwischendurch immer wieder kleine Fragmente aus Erzählungen der Queen of Crime, was ich in soweit sehr ansprechend finde als dass ihr Verschwinden als Inspirationsquelle für ihre in den folgenden Jahren geschriebenen Werke dargestellt wird. Darüber hinaus sehr gelungen ist meines Erachtens die Idee, ausgehend von Fakten eine fiktive Geschichte zu erzählen. Da im Anhang die sachlichen Grundlagen für das Buch erklärt werden, vermag der Leser so auch die beiden Bereiche zu trennen und bemerkt erst wie gekonnt Wilson die widersprüchlich erscheinenen Besonderheiten um das Verschwinden in einen logischen Zusammenhang stellt.
Agatha Christie als Protagonistin aus deren Sicht das Buch geschrieben worden ist, hat mir zudem sehr gefallen. Ihre Gedankengänge waren stets gut nachvollziehbar und man konnte sich problemlos in ihre prekäre Lage versetzen.
Aber auch die vielen anderen Charaktere wurden vom Autor sehr ansprechend und liebevoll gezeichnet. Dank genauer aber nicht langatmiger oder belangloser Ausführungen konnte ich mir das Gelesene stets sehr gut vorstellen und bereits direkt zu Beginn des Buches in die Geschichte abtauchen.
Der Schreibstil des Buches hat mir außerdem sehr gefallen und ich vermochte das Buch kaum aus der Hand zu legen. Das mag auch daran liegen, dass ständig etwas Neues geschieht oder man einen weiteren Standpunkt kennenlernt. Mich konnte "Agathas Alibi" im Handumdrehen packen und ich bin von dem Einfallsreichtum Wilsons begeistert.
Abwechslungsreich und sehr ansprechend zu lesen sind für mein Empfinden zudem die "Zeitungsartikel", die man in diesem Buch findet. So hat man den Eindruck, wirklich stets bei Agatha Christie und den anderen Figuren dabei zu sein und ihnen über die Schultern schauen zu können.

Der Roman ist stimmig und in sich wunderbar schlüssig, er war stets spannend und verdient daher meine klare Leseempfehlung. In anderen Rezensionen bin ich auf die Kritik gestoßen, man würde merken dass dies "einfach kein echter Christie-Roman sei". Es mag durchaus sein, dass man einen Unterschied zu den Werken der Queen of Crime bemerkt - ich für meinen Teil bin gar nicht mit der Erwartung, eine Imitation der Autorin zu lesen, an dieses Werk gegangen. Mir hat der Stil Wilsons ausgesprochen gut gefallen und ich bin der Auffassung, dass eine solche Erwartung überhaupt nur wenig gerecht ist...
Ich kann an diesem Buch keinerlei Kritik hervorbringen, da es mir rundum zugesagt hat und vergebe somit 5 Sterne!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

La dolce vita

Eleonora Galasso , Susanne Schmidt-Wussow , David Loftus
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knesebeck, 16.03.2017
ISBN 9783868739879
Genre: Sachbücher

Rezension:

Für Eleonora ist Essen eine Sprache, die es zu entschlüsseln gilt, und mit ihrem Kochbuch versucht sie zu dolmetschen. Die von ihr vorgestellten Rezepte, so erklärt sie zu Beginn des Buches, überzeugen durch wunderbare Aromen und sind authentisch - teils in ihrer Familie von Generation zu Generation weitergegeben und teils von anderen Italienern gezeigt worden. Bemerkenswert ist meines Erachtens, dass man für die Gerichte keine ausgefallenen Zutaten oder spezielle Gerätschaften benötigt, da die Autorin die "Küchengeheimnisse und -techniken der unterschiedlichsten Menschen, für die "italienisch essen" keine Lifestyle-Erscheinung ist, sondern unabdingbar" kenengelernt und einfließen lassen hat.
Nach einer kurzen Einführung folgt das kurze Unterkapitel "In der Vorratskammer" in dem erklärt wird, welche Zutaten man für die römische Küche stets parat halten sollte und welche (Qualitäts-)Anforderungen an diese Lebensmittel gestellt werden (sollten). Hier finden sich sowohl selbstverständliche, beziehungsweise Ausführungen, die man auch so erwartet hat, und solche, die einen ein Stück weit überraschen. Meines Erachtens zum Grundlagenwissen, welches jeder beherrschen sollte, gehört zum Beispiel, dass verwendete Eier möglichst frisch und am besten aus Freilandhaltung stammen sowie bei der Verarbeitung zimmerwarm sein sollten. Sehr hilfreich ist hingegen die Anleitung zum richtigen Artischocken schneiden.
Im Anschluss daran beginnen bereits die Rezepte, angefangen beim Frühstück. Hier gibt es zunächst wieder eine einführende Seite, welche sich vornehmlich damit befasst, wie man in einem Café in Italien frühstückt: Verschiedene Kaffeevarianten, die sich auszuprobieren lohnen, oder verschiedene Teigteilchen, die dazu passen, mit ihrer italienischen Bezeichnung und einer kurzen Erläuterung. So eingestimmt beginnt die Frühstücksrezeptreihe. Von "Maritozzi - Rosinenbrötchen" (S.18) über "Bomboloni - Gebackene Donouts" (S.31) und "Biscottoni da inzuppo - Frühstückskekse zum Eintunken" (S.32) bis hin zu "Budini di riso - Reistörtchen" (S.36) findet man abwechslungsreiche Rezepte, die selbst dem Morgenmuffel die Frühstückszeit versüßen können.
Im nächsten Kapitel gibt es Leckeres "Für Zwischendurch". In der Einführung erzählt Eleonora Galasso davon, wie sie mit anderen Kindern auf ihrer katholischen Grundschule gelegentlich kleine Leckereien stibitzten, deren Rezepte man im folgenden finden kann. Für mich besonders ansprechend sind hier die "Girelle di pan carrè con mousse di prosciutto cotto agrumata - Sandwichschnecken mit Prosciuttomousse" (S.56) oder aber der "Ciambellone di polenta alla zucca e mele - Polentakuchen mit Kürbis & Apfel" (S.59).
Danach geht es mit "Mittagessen für unterwegs" weiter. Hier beschreibt die Autorin zunächst humorvoll wie es zur Mittagszeit in Lebensmittelgeschäften zu langen Schlangen kommt, in denen die Ungeduld der ausgehungerten Italiener stetig wächst. Sowohl verschiedene Nudelgerichte als auch Salate und Brotvariationen finden sich hier. Ein kleines Highlight in diesem Kapitel ist sicherlich "Soppressata di polpo con insalata di patate e sedano - Tintenfisch-"Wurst" mit Kartoffeln & Sellerie" (S. 80) oder der "Ceci e baccalià - Freitagsfisch mit Kichererbsen" (S.89)
In "Mittagessen mit der Familie" erhält man anfangs einen kleinen Einblick in das pranzo della domenica, dem Sonntagsessen, zu dem sich meist die gesamte Familie versammelt. Besonders ansprechend sind hier "Pesce spada al cartoccio con polpo e scarola in padella - In Papier gegarter Schwertfisch mit Babykalmaren & geschmorten Endivien" (S.112).
Der "Aperitivo" ist "ein relaitiv neues soziales Phänomen und besteht aus alkoholischen Getränken, kleinen Häppchen und vielen guten Gesprächen. Er beginnt normalerweise nach der Arbeit und kann bis neun Uhr abends dauern oder auch die ganze Nacht." (S.127). Ihm ist das fünfte Kapitel gewidmet. Von "Mozzarella in carrozza - Mozzarella im Brotteig" über "Fiori di zucca ripieni - Gefüllte Zucchiniblüten" bis hin zu "Limoni ripieni alla crema di tonno - Zitronen gefüllt mit Thunfischcreme" (S.149) findet man eine Vielzahl leckerer Gerichte.
Danach folgen in Kapitel 6 "Romantische Abendessen" wie "Orata in crosta di patate - Dorade im Kartoffelmantel" (S.161).
Als nächstes folgt das Kapitel "Abendessen: #Foodhappiness", in dem die Kunst, aus wenigen Zutaten oder Resten ein köstliches Essen zu zaubern gezeigt werden soll. Tatsächlich sind die Zutatenlisten - nicht nur der vielen Gewürze wegen - doch recht lang. So zählt das Rezept "Tesoro di riso e sogliole con salsa al prosecco - Reis-Rotzunge-Timbale mit Proseccosauce" (S.184) zum Beispiel 23 Zutaten.
Im Anschluss daran wird sich der "Zeit zum Feiern" gewidmet. Ob nun die "Palline ricotta e cocco - Ricotta-Kokos-Kugeln" (S.202) oder die "Mimosa al profumo di ananas con fiorellini zuccherati - Mimosentorte mit Ananas & kandierten Blüten" (S.204) - hier dürfte jeder fündig werden.
Danach gibt es "Kuchen & Co.", ein Kapitel, bei dem ich gefühlt jedes Rezept ein Lesezeichen markieren musste - die "Fruttini gelato - Eiscremefrüchte" (S.229), Meringen, Kuchen, Eistorten, Cremetorten, Biskuitrollen konnten mein Interesse wecken.
"Für die Vorratskammer" gibt es dann ebenfalls Vorschläge wie Grissini oder Semmelbrösel, Konfitüre oder Eiswürfel.
Als letztes folgen die "Mitternachtsschlemmereien", die auch wieder durch sehr viel Abwechslung zu überzeugen vermögen.

Sehr ansprechend ist außerdem die Gestaltung des Buches: Ein jedes Rezept wird durch einen kleinen Text eingeleitet, in dem die Autorin unterhaltsame kleine Anekdoten oder Erklärungen anbringt. Außerdem sind die meisten Rezepte mit äußerst schönen Fotografien versehen, sodass einem bereits beim ersten Durchblättern das Wasser im Munde zusammenläuft. Auch zwischen den Rezepten lockern Farbfotos das Buch auf und entführen nach Italien.

(S.5 & 148)

Die Rezepte sind sehr verständlich geschrieben, sodass einem das Nachkochen und -backen leicht von der Hand geht. Dank der großen Vielfalt an Geschmacksrichtungen dürfte jeder einige passende Speisen der römischen Küche für sich entdecken können. Sowohl aufwendigere als auch simplere Rezepte finden sich in "La dolce vita", weswegen man bei jeder Gelegenheit fündig wird, wenn es um ein geeignetes Gericht geht.

Alles in allem kann ich dieses Buch sehr weiterempfehlen, da es bodenständige und sehr leckere Rezepte beinhaltet, welche durch sehr ansprechende Abbildungen und kleine Texte aufgelockert werden.

  (10)
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(2)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Madrid, Mexiko

Antonio Ortuño , Hans-Joachim Hartstein
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 08.03.2017
ISBN 9783956141652
Genre: Romane

Rezension:

Zwei sehr verworrene und verflochtene Handlungsstränge werden in diesem Buch gekonnt verknüpft. Ihre Verbindungsstelle liegt darin, dass es sich um die kompilzierte Familiengeschichte der Almansas handelt, die bewegter kaum sein könnte.
Die Handlung erstreckt sich über den Zeitraum von 1923 bis 2014, was auch erklärt, weswegen es zu derart vielen schwierigen Situatonen und unterschiedlichen Lebenswelten kommt. So begleitet man die Figuren auf Fluchten, im Spanischen Bürgerkrieg, erlebt, wie aus Freunden erbitterte Feinde werden und erlebt hautnah, wie es sich anfühlt, keine wirkliche nationale Identität zu haben und sich daher immer als außenstehend zu fühlen zu haben.

Sprachlich ist "Madrid, Mexiko" wie auch schon Ortuños Debüt äußerst eindringlich und geht mit ungeschönten Beschreibungen und kraftvollen Wörtern nahe, pflanzt sich hartnäckig festsetzende Bilder in den Kopf und lässt einen in die verschiedenen Epochen eintauchen. Viele Passagen muss man mehrfach lesen, um ihnen gerecht zu werden, da sie so geballt und geladen an Inhalt sind. Zudem sind die einzelnen Sätze, ebenso wie die Handlungsstränge an sich, dicht und eng verwoben, sodass man beim Lesen angehalten ist, aufmerksam und wachsam zu bleiben und die Augen nicht vor dem oft erschütternden Inhalt zu verschließen. Ortuños Worte lösen dabei einen starken Sog aus, lassen einen nicht mehr los und auch wenn man sich am liebsten eine Pause gönnen, um das Gelesene verarbeiten und überdenken zu können, ist man doch nicht in der Lage, das Buch länger als nötig aus der Hand zu legen. Darüber hinaus wird man sich gerade aufgrund der teilweise wütenden Worte erst des Ausmaßes bewusst, dass die beschriebenen Ereignisse für die Bevölkerung, für die Menschen ganz konkret, bedeuten und was es heißt, zur Flucht gedrängt zu werden.
"Zu sagen, er habe geträumt, wäre falsch, denn er konnte nicht ohne die Unterstützung von Tabletten schlafen, und manchmal selbst dann nicht; doch er hatte den lebhaften Eindruck zurückbehalten, dass der Concho sein keuchendes, brutales Gesicht gegen die Fensterscheibe gedrückt und in seine Wohnung gesehen hatte. Sein Schweiß, der ihm mit der Feinfühligkeit eines Faustschlags in die Nase gestiegen war, stank nach Ammoniak." (S.97)
Die Charaktere in "Madrid, Mexiko" sind sehr stark gezeichnet, weswegen man von ihnen recht schnell ein klares Bild erhält. Was nicht bedeutet, dass man wüsste, wie man über sie zu denken habe. Aber dadurch dass der Autor seinen Figuren starke Konturen verleiht, werden sie greifbar, wirken real und lassen sich in ihren Facetten wahrnehmen.
Auch gelingt es dem Autor den Leser bereits vor Beginn der einzelnen Abschnitte auf das Kommende einzustimmen - so beispielsweise durch das Zitieren der Liedzeilen "Spanish bombs rock the province / I'm hearing music from another time" (S. 203) aus "Spanish Bombs" von The Clash.
Dass die Geschichte zwischen den einzelnen Episoden von Kapitel zu Kapitel wechselt, verleiht dem Leser ein Gefühl der Unsicherheit, des Unbeständigen, wie es auch die Charaktere immer wieder erfahren müssen. Dennoch entdeckt man so die sich herauskristallisierenden Verbindungen der verschiedenen Erzählungen zueinander. Zu Beginn des Buches war es für mich gelegentlich etwas schwierig, den Überblick zu behalten ob der wechselnden Figuren, Zeiten und Orte, doch wird dies leichter mit der Zeit.

Alles in allem handelt es sich um ein sehr nahegehendes Buch, dessen Inhalt sich schwerlich zusammenfassen lässt und dessen Komplexität beeindruckt. Sprachlich ist es, wie bereits "Die Verbrannten" , außergewöhnlich - man kann im wahrsten Sinne von "wortgewaltig" sprechen. Unter anderem werden stark gezeichnete, oftmals kantige Charaktere und eine verworrene Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund verschiedener Epochen von 1923 bis 2014 gekonnt dargestellt und erzählt.

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Berge unter Sternen

Bernd Willinger , Norbert Span
Fester Einband
Erschienen bei Knesebeck, 16.03.2017
ISBN 9783957280336
Genre: Sonstiges

Rezension:

Für die Autoren Bernd Willinger und Norbert Span beginnt alles am 4. Januar 2011, als sie eine beeindruckende Aufnahme der partiellen Sonnenfinsternis über der Marchreisenspitze in den Kalkkögeln nahe Inssbruck machen können. Seitdem haben die beiden über 250 Nächte in ähnlich spektakulärer Umgebung verbracht und konnten so faszinierende (Sternen-)Himmel über Bergen festhalten.

Im Verlaufe des Buches wird man an verschiedene Orte entführt und kann so verschiedene Lichtphänomene bestaunen; so beispielsweise den Airglow (zu Deutsch Nachthimmellicht oder Nachthimmelsleuchten), welcher mich besonders beeindrucken konnte. Dieses Leuchten höherer Atmosphärenschichten erinnerte mich manchmal an Polarleuchten und wurde von in den Fotografien wunderbar eingefangen. Unter Anderem werden ebenso Zodikallicht, Lichtverschmutzung, Sternschnuppen, die blaue Stunde oder Startails abgelichtet.
Am Ende des Buches folgen noch Tipps zu Fotografie und Ausrüstung für all jene, die sich von der Sternenhimmelfotografieliebe haben anstecken lassen. Das ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich, da die Bilder stets von Erzählungen begleitet werden, die die Begeisterung der Autoren spürbar machen.

Alles in allem ein sehr ansprechender Bildband, der in einem die Fasziniation für die schönen Landschaften und den Himmel weckt. Es ist beeindruckend welch vielfältige Spektakel sich über den Bergen auf den Abbildungen erkennen lassen. Ein Werk, das neugierig macht und aufruft, sich selbst auf die Suche nach dem perfekten und einzigartigen Motiv zu machen - auch wenn dies, wie man beim Durchstöbern der 144 Seiten feststellen muss - leichter gesagt als getan ist, jahrelange Übung und Perfektion benötigt und einem schon alleine auf die Temperaturen bezogen einiges abverlangt. So gesehen gibt es von mir für "Berge unter Sternen" mit seinen 100 Abbildungen eine klare Schmöker-, Staun- und Leseempfehlung!

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kindheit, biographie, deutschland, familiengeschichte, tragisch

Das kalte Haus

Martin Osterberg
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492057899
Genre: Biografien

Rezension:

Martin Osterberg, Pseudonym eines Berliner Journalisten, hat mittlerweile zwei Kinder im erwachsenen Alter. Mit der von seiner Frau und ihm gegründeten Familie ist er, trotz gelegentlicher Schwierigkeiten, sehr glücklich. Dennoch lässt ihn seine Stammfamilie nicht los, niemals kann er ihrer kalten Atmosphäre entfliehen. Obwohl er eine sorgenfreie Kindheit hatte, wie man es wohl nennen würde, hatte er bei weitem keine glückliche oder gute. Seine heile Familie war von Distanz geprägt, eine Grundhaltung die Martin schwer zu schaffen machte und es noch immer tut. Seine Eltern sind als Kriegskinder nicht einmal bewusst kühl, reserviert und lieblos, sondern kennen diese Art des Zusammenlebens aus eigener Erfahrung und erachten sie als normal. Besonders schmerzhaft ist für den Protagonisten die defizitäre Beziehung zu seinem Vater, der ihn mal ignoriert oder ihn zu anderer Gelegenheit als ein Arschloch bezeichnet; keineswegs im Streit sondern eher als allgemeine Feststellung.
Erzählt werden in diesem Buch Episoden aus Martins Kindheit, seiner Jugend sowie seinem Erwachsenenalter in deren Verlauf er immer mehr versucht, sich seiner Familie loszusagen. Doch verfolgt sie ihn auch noch als er dieses Buch schreibt - obwohl es besser geworden ist.
"Ich bin Veteran des Krieges zwischen mir und meinem Vater." (S.8) Und dieser Kampf beginnt leider schon sehr früh und bleibt meist unterschwellig spürbar. Doch auch die Mutter kann der Familie keine Liebe oder Fürsorge einhauchen, stattdessen gibt sie jedes Mal wenn Besuch kommt eine Inszenierung ab, sodass nach Außen hin alles normal wirkt. So wird aus kritischen Kommentaren beim Betreten des Kinderzimmers ein sorgsames "Braucht ihr noch etwas?".
Martins Versuche, sich aus dem Familienleben zurückzuziehen kann man immer besser erkennen, wenn er beginnt immer mehr zu lesen und ihm bald die Bücher ausgehen.

Während des gesamten Buches wird bei Dialogen auf die Anführungszeichen verzichtet, was mich zwar zunehmend störte, aber bestens zu der bedrückenden Stimmung passte und sie noch zu verstärken vermochte. Beklemmend sind die meisten Abschnitte des Buches, denn man spürt sehr schnell, dass eine Familie so nicht sein sollte. Und dennoch ist Martins Geschichte und Familie nicht untypisch für die damalige Zeit - es regt zum Nachdenken an, dass viele Menschen unter einem derart kalten Haus gelitten haben und sich ein Zuhause, einen Ort, an den man wiederkehren kann, an dem man in Sicherheit ist, gewünscht haben.
Mit "Das kalte Haus" geht Osterberg einen weiteren Schritt von seinen Eltern weg und auf ein eigenes, unabhängiges Leben zu. Auch wenn ihm die vollständige Abnabelung wohl niemals gelingen wird, da er von der Familiensituation viel zu sehr geprägt und gefangen ist. Und vergessen kann man etwas solches nicht einfach. Die Eltern werden einen immer begleiten - selbst wenn sie bereits seit Jahren verstorben sein sollten, bahnen sie sich doch stets den Weg in die Gedanken ihres Kindes oder tauchen plötzlich und unerwartet in Form einer Erinnerung wieder auf.
"Ich habe einen Vater.
Ich habe eine Mutter.
Ich habe einen Bruder.
Ich fühle nichts."
Leider hat das Buch, da der Autor so viele unterschiedliche Situationen wie nur eben möglich zu schildern versucht, durchaus passagenweise auch seine Längen. Obwohl das Thema ausgesprochen spannend ist, musste ich mich gelegentlich aufrappeln, weiterzulesen. Da dieses Buch keine leichte Lektüre ist, lässt es sich keineswegs an einem Stück lesen. Irgendwann ist immer ein Punkt erreicht da man abbrechen muss, um das Gelesene erst einmal zu rekapitulieren und zu verarbeiten.

Empfehlen kann ich das Buch durchaus, da es einem zeigt, woran es einer Familie nicht mangeln darf: An Wärme, Zuneigung, Verständnis, Interesse und auch einer gesunden Kritikfähigkeit.

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Meine Mini-Farm

Francine Raymond , Bill Mason
Fester Einband
Erschienen bei Knesebeck, 16.03.2017
ISBN 9783957280374
Genre: Sachbücher

Rezension:

Den Traum, Selbstversorger zu werden, können nur die wenigsten realisieren. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, auch in der Stadt seinen eigenen Kleinstbauernhof zu gestalten. Ob städtischer Gemeinschaftsgarten, Vorgarten, Balkone, Hinterhöfe oder Flachdächer eignen sich beispielsweise erstaunlich gut zm Bepflanzen. Und gut geplant, lassen sich selbst in einem mittelgroßen Garten glückliche Nutztiere halten - so beispielsweise kleine Geflügelrassen wie das Bantamhuhn oder die Zwergente. In diesem Buch sollen 25 wertvolle Tipps geliefert werden, wie man jeden Quadratzentimeter Fläche bestmöglich nutzt und so zum Mini-Farmer wird.
Zu Beginn befasst sich eine kurze Einführung damit, was man beim Erwerben von einem Stück Land beachten sollte, welche groben Ideen es zur Bewirtschaftung kleiner Flächen gibt oder wie sich Gärtner und Garten verändert haben.
Im Anschluss daran folgen verschiedene Praxistipps und Berichte mehrerer Mini-Farmer, wie sie sich ein Stückchen weit selbst versorgen. Ob vom Weg vom Banker zum Kleinbauern, davon, eine Pflanzentreppe zu bauen, seinen eigenen Obstgarten anzulegen, oder eine Brennesseljauche anzusetzen - in den Kapiteln "Weltweites Wachstum", "Nicht alltäglich", "Reiche Ernte", "Landwirtschaft im Kleinformat" sowie "Magische Verwandlung" finden sich interessante Denkanstöße. Manches, wie die "Kartoffeln im Kübel", wenn auch als Kartoffelkiste, oder eine "Pflanzentreppe" aus dem Bereich des vertikalen Gärtnerns oder das Herstellen von Fruchtleder, sollten einem jeden, der sich bloß kurz mit dem Selbermachen, Urban Gardening oder Nutzgärten auseinandergesetzt hat, bereits ein Begriff sein. Sieht man dieses Buch allerdings als Werk für absolute Einsteiger, so finden sich sicherlich viele hilfreiche Anregungen, um die einem zur Verfügung stehende Fläche besser nutzen und bewirtschaften zu können.
Wenn man sich einen ersten Eindruck darüber verschaffen möchte, was so alles möglich ist, dürften die Ideen wie ein Vorgarten mit essbaren Blüten oder die Hühnerhaltung inspirierend sein und die Neugierde auf das Losgärtnern wecken.
Durch die Beispiele von Mini-Farmern wird dem Buch eine persönliche Note gegeben und man hat nicht das Gefühl, eine Sammlung von Ratschlägen durchzublättern. Zudem wird das Buch durch diese Passagen aufgelockert und zeigt dem Leser sehr viel anschaulicher als ausschließlich durch die Tipps möglich gewesen wäre, wie man seinen eigenen Weg gehen und seinen Traum von der (teilweisen) Selbstversorgung leben kann. Darüber hinaus wird das Vorgestellte für denjenigen, der zum ersten Mal nach Inspirationen sucht, so denke ich, greifbarer.
Ansprechend ist die Gestaltung des 160 Seiten umfassenden Buches, nicht zuletzt durch die 200 farbigen Abbildungen, die es einem ermöglichen, den Anleitungen besser zu folgen oder sich ein Bild von den Gärten, Dächern oder Containern, welche bewirtschaftet werden, zu machen. Außerdem hat man auf diese Weise stets etwas zu schauen und selbst beim Durchblättern bereits einen guten Überblick.

Alles in allem waren für mich leider nicht mehr sonderlich viele Ideen in diesem Buch neu, doch bin ich der Auffassung, dass man, sofern man sich der Thematik zum ersten Mal nähert, in diesem Buch kurz und bündig einige Denkanstöße erhält und zum Aktivwerden und Gärtnern ermutigt wird. Durch das Einbeziehen verschiedener Angehensweisen in Form von vorgestellten Mini-Farmern, erhält man ein Gespür dafür, dass man letztendlich genau seinen eigenen Weg finden und gehen kann, was einen motiviert, so viel wie nur eben möglich auszuprobieren und zu übernehmen zu versuchen. Das Buch ist angenehm zu lesen, da es immer wieder durch kleine Berichte zu den besuchten Kleinstbauernhöfen aufgelockert wird. Schön ist die Gestaltung mit zahlreichen Farbfotografien.

Somit kann ich "Meine Mini-Farm" als ganz leichten Einstieg in die Thematik weiterempfehlen, für jeden, der sich mit dieser jedoch bereits etwas beschäftigt hat, dürfte nicht viel Neues vorgestellt werden. Allenfalls das Beschreiben der Kleinstbauernhöfen würde dann noch reizen.

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Kritik der Vögel

Jürgen Roth , Thomas Roth , F.W. Bernstein
Fester Einband: 332 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.02.2017
ISBN 9783351050320
Genre: Sachbücher

Rezension:

"In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte." - Franz Kafka
In Zeiten, in denen von "fiesen Enten" oder den "Ratten der Lüfte" zu hören ist, bedarf es einer Richtigstellung. Diese soll in "Kritik der Vögel" geliefert werden, indem verschiedene Fragestellungen rund um die besonderen Tiere beantwortet und ihre Besonderheiten erläutert werden. Klare und deutliche Antworten sind gefragt - und Jürgen und Thomas Roth versuchen sie zu geben.
Harpyie, Habicht, Nachtigall, Hühner, Adler, Pinguine, Zilpzalp, Dodo und viele Arten mehr werden in das Blickfeld gerückt, sodass aus den ca. 11.000 existierenden Vogelarten sehr unterschiedliche Exemplare ausgewählt worden sind.
Aus den unterschiedlichsten Bereichen werden Bezüge zur jeweiligen Vogelart hergestellt - beim Huhn beispielsweise zum Verrat an Jesus durch Judas, zu Cicero oder dem Gallischen Hahn. So erhält man viele Informationen aus Gebieten, die augenscheinlich zunächst wenig bis gar nichts mit Vögeln gemein haben. Allerdings, so muss ich gestehen, verlieren sich die Autoren hier eher in Belanglosigkeiten, welche mit der Thematik nur schwerlich vereinbar sind.

Der Klappentext hat mich sehr angesprochen, da er versprach, dass auf viele Fragestellungen, die sofort mein Interesse weckten, im Buch eingegangen würde. Darunter sowohl Fragen, die das Bild eines gewissen Vogels innerhalb der Gesellschaft, den Ursprung von Ausdrücken und Sprichwörtern oder das Verhalten der Vögel behandeln. "Dass nicht einmal Kant dazu etwas gesagt hat, unterstreicht die Dringlichkeit einer transzendentalbiologischen Kritik der Vögel, die mit klaren Urteilen und zugleich mit einem Größtmaß an Empathie nicht spart, was auch stille, andächtige Betrachtungen einschließt." Erwartet habe ich ein gleichermaßen unterhaltsames wie auch informatives Buch, welches mich den gefiederten Freunden ein Stückchen näherzubringen vermag.
Leider zog sich das Buch für mein Empfinden arg in die Länge und gab eher weniger Antworten auf naheliegende Fragen, als von mir erhofft. So musste ich das Werk immer wieder aus der Hand legen, da es mir andernfalls viel zu anstrengend und ermüdend geworden wäre. Viele der präsentierten Kenntnisse über Vögel dürfte der Leser bereits haben, andere, vornehmlich die Bezüge zu anderen Themengebieten, sind eher gekünzelt als gekonnt, was den Lesefluss sehr hemmt. Darüber hinaus vermag der Schreibstil nicht gerade Spannung aufzubauen oder aufrecht zu erhalten; ganz im Gegenteil ist das Buch sehr holprig und unzusammenhängend geschrieben, was spürbar anstrengt.
Ansprechend sind hingegen die Illustrationen F.W. Bernsteins, welche sich dem Stil der "Neuen Frankfurter Schule" zuordnen lassen.

Alles in allem bin ich von dem 332 Seiten umfassenden Buch enttäuscht, da es nach meiner Auffassung nicht das eigentlich versprochene Thema behandelt und sich nur äußerst schwierig lesen lässt. Die Gestaltung hingegen ist gut und gelegentlich stößt man auf interessante und unterhaltsame Passagen.

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leineneinband, gefühle, gedichte, jahreszeiten

Hundert Gedichte

Rainer Maria Rilke , Gisela Häussermann , Ulrich Häussermann
Fester Einband: 142 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.01.2017
ISBN 9783351036775
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Dieser Gedichtband widmet sich besonders Werken Rainer Maria Rilkes aus seiner frühen und mittleren Lebenszeit. In den Kapiteln "Aus den dichterischen Anfängen", "Aus dem "Buch der Bilder" und seinem Umkreis", "Aus dem "Stunden-Buch", "Aus den "Neuen Gedichten" und ihrem Umkreis" und "Aus den späten Gedichten" werden 100 Gedichte vorgestellt. So erhält man einen guten Einblick in Rilkes Stil und aufgrund der chronologischen Abfolge der Werke ein Gefühl dafür, wie sich der Lyriker weiterentwickelte und andere Themen in sein Blickfeld nahm.
Im Anhang befinden sich sowohl ein sehr ansprechendes Nachwort, welches unter anderem vielversprechende Sichtweisen auf die vorangegangenen Gedichte bietet und somit den Drang, sie noch weiter zu erforschen, verstärkt, Daten zu Rilkes Biografie, mit denen man die Gedichte besser einzuordnen vermag und Rilke ein wenig besser kennen lernt als auch ein alphabetisches Gesamtverzeichnis.

Da ich zugegebenermaßen kaum Gedichte von Rilke kannte, war ich auf die Zusammenstellung dieses Bandes äußerst gespannt. Die Auswahl ist für mein Empfinden bestens gelungen, da man sich sehr schön in die einzelnen Phasen seines Schaffens hineinfinden kann; nicht zu letzt dank des Nachwortes.
Beim mehrmaligen Lesen und Durchstöbern dieses feinen Büchleins konnten mich viele der abgedruckten Gedichte für sich gewinnen - allen voran "Der Panther" (S.74) und "Sie hatte keinerlei Geschichte..." (S.13). Diese leisen, zarten, aber dennoch kraftvollen und ausdrucksstarken Gedichte, welche einem in Windeseile fein ausgearbeitete Bilder in den Sinn kommen lassen, haben mich sehr beeindruckt.
Darüber hinaus ist das 142 Seiten umfassende Buch mit seinem Leineneinband und dem Lesebändchen äußerst ansprechend gestaltet, sodass das Schmökern noch mehr Vergnügen bereitet.

Von mir gibt es eine Empfehlung an alle Lyrikfreunde und vor allem an jene, die Rilkes Werke gerne kennenlernen würden und daher eine Auswahl aus verschiedenen Schaffensphasen bevorzugen.

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Frische Gedichte

F.W. Bernstein
Fester Einband
Erschienen bei Kunstmann, A, 15.02.2017
ISBN 9783956141690
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

F.W. Bernsteins Lyrik, Grafik und Satire wird zur sogenannten »Neuen Frankfurter Schule« gezählt. Mit Heiterkeit werden in seinen Gedichten unter anderem politische, alltägliche, absurde, philosophische oder auch humorvolle Themen behandelt ebenso; finden aber Dichter und ihre Werke - beispielsweise Rilke - Beachtung.
Unterteilt in die Kapitel "Drinnen und draußen", "Das Tier und wir", "Vom Dichten, Sport und Mord", "Die letzten Dinge", "Historisches und Politisches", "Kunst, Kulinarik und Musik", "Huldigungen und Gelegenheitsgedichte", "Zu Zeichnungen von Chlodwig Poth" und "Kleinkram und lyrische Störanfälle" finden sich höchst unterhaltsame Gedichte für jede Gelegenheit. Selbst wenn seine Lyrik gute Laune verbreitet und vor Satire, Unbeschwertheit und Übermut strotzt, wagt sich Bernstein ebenso an ernstere Inhalte.
Gedichte wie "Baum, hast im Wald nix verloren" (S.26), "Das Veilchen schreit" (S.195), "Dem Lyrikfreunde" (S. 53), "Die Karikatur-Kathedrale" (S. 146) oder "Der Wasserrohrbruch" (S.202) sorgen durch reichlich Abwechslung für großen Lese- und Lyrikgenuss. Was alle Gedichte gemein haben, ist ihr ganz eigener Rhythmus und ihre Melodie. Vieles wirkt wie ein Singsang, ein Loblied, eine Treibjagd oder ein freudiger Tanz. Darüber hinaus gelingt es dem Dichter vortrefflich eine ganz eigene Atmosphäre schon beim kürzesten Gedicht aufzubauen.

So ist dieses "Spätwerk" von 208 Seiten wärmstens an alle Freunde heiterer und vielschichtiger Lyrik zu empfehlen. Ob der Amtsantritt von Angela Merkel oder eine Kaninchenjagd - mit Bernsteins lebendigen Gedichten vermag man über das Unterschiedlichste zu schmunzeln. Dank des großen Einfallsreichtums konnte ich den Gedichtband Stück für Stück mit Freude lesen und wurde der Lyrik nicht müde.

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trilogie, sally green, nathan, half bad, half lost

Half Lost (Half Bad)

Sally Green
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Penguin, 31.03.2016
ISBN 9780141350905
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nachdem Soul O’Brien die Kontrolle über den Hexenrat an sich gerissen und eine brutale Schlacht zahlreiche Opfer vor allem auf Seiten der Allianz gefordert hat, ist der Kampf zwischen Weißen und Schwarzen Hexen brutaler und vernichtender geworden. Noch immer ist es eine große Herausforderung die Rebellen, welche sich der Allianz angeschlossen haben, zu einigen und zu Solidarität und Vertrauen zu bewegen, da sich sowohl Weiße und Schwarze Hexen als auch Half Bloods unter ihnen befinden. Der Half Code Nathan Bryn verändert sich darüber hinaus zuneh

mend, denn seit Annalise seinen Vater, den mächtigsten und brutalsten Schwarzen Hexer Marcus, erschossen hat, verzehrt sich Nathan nach Rache. So wie er immer kräftiger und seine Magie immer tödlicher wird, so nimmt auch sein wahnsinniges Verlangen nach Vergeltung zu.
Immer wieder droht er der Dunkelheit zu verfallen und seine Weiße Seite zu verlieren. Glücklicherweise hat er an seiner Seite treue Gefährten - allen voran Gabriel. Doch werden aus ihren Reihen immer mehr in den Tod gerissen, während die Regierung und ihre Rekruten immer mächtiger werden. Der siebzehnjährige Nathan, der sich mittlerweile so alt und ausgelaugt fühlt, als wäre seine letzte Stunde bereits angebrochen, muss alles geben, um die ihn verachtende Gesellschaft zu retten - doch ist es dieses Opfer wert?
Bald schon steht der Plan, den Hexenrat zu attackieren, Soul zu töten und faire Gerichtsverfahren für alle Täter in Gang zu setzen um so eine Gesellschaft zu schaffen, in der niemand ausgegrenzt, gejagt, gefoltert oder sonstwie diskriminiert wird.
Doch ist das alles andere als leicht, gerade da Nathans widersprüchliche Gefühle zu einer großen Schwäche werden können...

Bei "Half Lost" handelt es sich um den letzten Band der Trilogie um Nathan Bryn. Von den vorangegangenen Bänden war ich mehr als begeistert, da sie temporeich, spannungsgeladen, voller Wendungen, mit so unterschiedlichen Charakteren ausgestattet, von den Themen her sehr durchdacht und von der kreierten Welt her derart realistisch waren, dass ich sie nicht aus der Hand zu legen vermochte und die Wörter förmlich eingeatmet habe. Noch immer haben mich "Half Bad" und "Half Wild" nicht losgelassen und dementsprechend gespannt habe ich auf den dritten Part gewartet.
Das Buch beginnt spannend wie immer, auch der Mittelteil lässt einen nicht los, doch das Ende kommt mir, nach all den Seiten, auf denen der zu lösende Konflikt aufgebaut wurde, etwas zu simpel und abrupt daher. Wären die letzten 30 Seiten anders gefüllt worden, hätte auch dieser Band das Potential gehabt, eine volle Punktzahl mehr als zu verdienen.
Denn auch in diesem Buch sind die Charaktere wieder bemerkenswert gut umgesetzt; Nathan wird immer erwachsener und man merkt den Zwiespalt in dem er sich befindet, die ganzen Konflikte in ihm, deutlicher denn je; Annalise glänzt durch überwiegende Abwesenheit, was, da ich ihr nicht besonders viel abgewinnen konnte, äußerst angenehm ist; Gabriel ist so wunderbar wie eh und je und auch all die anderen Figuren werden mit so viel Liebe gezeichnet, dass man sich am liebsten noch länger von ihnen umgeben lassen würde. Auch die Gegenspieler, die Unsympathen, wobei eine solche Abgrenzung bei der Reihe äußerst schwierig vorzunehmen ist, haben ihren Charme.
Der Schreibstil ist nach wie vor simpel und sehr gut verständlich, das Lesen bereitet keine Schwierigkeiten und die Seiten fliegen nur so dahin.
Ein Highlight dieses Buches waren - wie bei den ersten beiden Teilen auch - die wunderbaren Dialoge voller sarkastischer Bemerkungen, die ich gerne mehrfach gelesen habe. Der Humor der Trilogie ist einfach wunderbar und ich habe ihn sehr genossen. Besonders die Gespräche zwischen Nathan und Gabriel konnten mich packen und die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander war ausgesprochen spannend.
Sally Green hat zudem ein Händchen dafür, Atmosphäre schnell ins Gegenteilige kippen zu lassen, sodass man die Charaktere häufig durch Höhen und Tiefen begleitet, wodurch man gar nicht mehr weiß, was als nächstes auf einen wartet.
Ich könnte - abgesehen vom Ende - noch seitenweise über "Half Lost" schwärmen, werde mich nun allerdings zurückhalten; auch, um nicht zu spoilern.

Mich hat "Half Lost" sehr gepackt und fasziniert, ich konnte von der ersten Seite ins Geschehen eintauchen und das Buch kaum noch aus der Hand legen. Gerade nach den ersten beiden Teilen der Trilogie ist dieser Band ein guter Abschluss, allerdings hätte ich mir ein anderes Ende erhofft, da dieses doch zwischen klischeehaft-überzogen und schön-ist-es-aber-trotzdem schwankt.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen, die kraftvoll den Himmel entflammen.

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Schönes und gesundes Haar

Monika Wolfram
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Anaconda Verlag, 31.07.2015
ISBN 9783730602126
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mit den in der Werbung für Shampoo, Conditioner, Haarfarben und Co. verbreiteten Mythen wie Hair-Repair oder schnellerem Haarwachstum räumt Friseurmeisterin Monika Wolfram in ihrem Buch "Schönes und gesundes Haar" auf.

In den Kapiteln "Die Haut - Aufbau der Haut, Kopfhautanomalien" und "Das Haar - Aufbau & Anomalien" erfährt der Leser Grundlegenes, auf dem die weiteren Ausführungen aufbauen. "Waschen und Pflegen" beschäftigt sich unter anderem damit, wie man seine Haare richtig wäscht oder auskämmt, welche Pflege wann und wie benötigt wird, wie man das richtiges Shampoo ausfindig macht, behandelt Mythen wie Hair-Repair und gibt darüber hinaus wichtige Informationen zu Duschgels, Waschlotionen, Bioprodukten sowie eine kleine Warenkunde.
Danach wird sich beim "Styling" dem Glätten, Kreppen, Lockenstab, Einlegen und Naturlocken gewidmet. Auch das "Haareschneiden" - von der richtigen Beratung, über andere Mythen oder die Frage, wie die Wunschfrisur zu finden ist und man lange Haare erreichen kann - wird in einem Kapitel ausführlich behandelt. Das Thema "Haare färben" wird in die Bereiche Pflanzenhaarfarben, Tönungen, Intensivtönungen, Colorationen, Blondieren, Blondierwäsche, Strähnen sowie Finden der passenden Haarfarbe unterteilt. Danach folgen "Dauerwelle", "Haarausfall, Toupets & Perücken, Extensions, Haartransplantation" und abschließend noch "Wissenswertes" beispielsweise wie der Friseur seinen Namen bekam.

Auf 144 Seiten erhält man einen kompakten Überblick zum Thema Haare. Einiges dürfte zwar zum Allgemeinwissen zählen und daher bereits bekannt sein, Neues erfährt man allerdings auch vieles. Die Ausführungen sind ausnahmslos sehr leicht verständlich und die Themen so gewählt, dass ein breites Spektrum behandelt wird, sodass man sich mit unterschiedlichen Bereichen auseinandersetzen kann. Zugegebenermaßen hatte ich mir jedoch etwas mehr Tiefgang bei den Betrachtungen erhofft und gerade aufgrund des Untertitels "über 100 Tipps und Tricks aus der Praxis" Rezepte oder Ähnliches erwartet. Letztendlich fehlte mir dieses für ein abgerundetes Leseerlebnis.

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Todschick

Gisela Burckhardt
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.11.2014
ISBN 9783453603226
Genre: Sachbücher

Rezension:

Von den schlechten Arbeitsbedingungen in Ländern wie Bangladesh dürfte mittlerweile jeder bereits gehört haben. Spätestens nach Rana Plaza waren die fatalen Bedingungen der Sweatshops schließlich in aller Munde - doch hat, wie von zahlreichen Unternehmen angekündigt, eine Verbesserung stattgefunden?
Noch immer neigen wir dazu, teureren Marken eher unser Vertrauen zu schenken und die schlechten Arbeitsbedingungen und mangelhaften Sicherheitsstandarts auf Billigproduzenten zu schieben. Doch ist dies leider auch heute noch ein unglaublicher Trugschluss.
Gisela Burckhardt hat viele Recherchen betrieben und zeigt nun in ihrem Buch auf erschreckende Weise, wie wenig sich trotz der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach Rana Plaza getan hat. Dabei geht sie ungeschönt auf die zahlreichen Probleme ein, zeigt die Geschichte von Betroffenen und lässt sie zu Wort kommen, nennt Firmen beim Namen und erklärt, worauf man als Konsument achten kann.

"Pro Kopf kauft eine Deutsche jährlich rund 14 Kilogramm Kleidung (das sind z.B. 23 Jeans oder 140 T-Shirts) und entsorgt in den Altkleidermüll wiederum neun Kilogramm (das sind z.B. 15 Jeans oder 90 T-Shirts). So landen jedes Jahr 750.000 Tonnen Altkleider in den Sammelcontainern, was Einnahmen von 375 Mio. Euro bedeutet." (S.166) Für mich war beim lesen nicht nur erschreckend, wie die Bedingungen in den produzierenden Ländern ist, sondern auch wie sorglos in Deutschland mit Kleidung umgegangen wird. Es ist schier unglaublich wie viel Kleidung unter Verletzung der grundlegendsten Rechte und Gefährdung der Gesundheit produziert wird, nur um kurz darauf in die Mülltonne zu wandern.
Äußerst interessant waren für mich auch die abwechslungsreichen Darstellungen, welche beispielsweise die Preiszusammensetzung eines T-Shirts von H&M für 4,95€, bei dem der Lohnanteil lediglich 2,6% beträgt, verdeutlichen. (S.201) Ebenso tragen Fotografien oder Steckbriefe dazu bei, dass die Lektüre niemals langweilig wird. Darüber hinaus ist der Schreibstil sehr packend und keineswegs trocken oder ermüdend, obwohl zahlreiche Informationen genannt werden.
Meines Erachtens sind außerdem die Recherche-Ergebnisse zu verschiedenen Fabriken, den dort herrschenden Bedingungen und Standarts sowie den jeweiligen Einkäufern, in verschiedene Preissegmente gegliedert, höchst interessant. So erhält man einen guten Einblick und weiß mit Beteuerungen großer wie auch kleinerer Firmen, von solchen menschenverachtenden Praktiken bei der Textilproduktion nichts zu wissen, besser umzugehen. Erstaunlich ist, wie viele bekannte Firmen tatsächlich bei den diesem Buch zugrunde liegenden Recherchen auftauchen...
Ansprechenderweise nennt die Autorin am Ende "zentrale Stellschrauben, die für eine menschenwürdige Zukunft der Arbeiterinnen in den asiatischen Textilverbriken entscheidend sind", sodass man als Leser abschließend einen Ausblick erhält, was sich wie ändern muss. (S. 208)
Darüber hinaus werden Alternativen und Weiterführendes wie Kleidertausch, Minimalisten, hilfreiche Internetadressen z.B. zu Öko-fairer Mode genannt. Zudem werden drei empfehlenswerte Label vorgestellt: Global Organic Textile Standarts (GOTS), Fairtrade International (FLO) sowie Fair Wear Foundation.
Für ein durchgehendes Verständnis beim Lesen sorgt außerdem Glossar, in dem Abkürzungen erklärt werden.

In meinen Augen handelt es sich bei "Todschick" um ein sehr wichtiges Buch, dessen Thematik in der Öffentlichkeit viel präsenter sein sollte. Daher kann ich es auch jedem nahe legen, da sich nur etwas ändern kann, wenn man sich informiert hat und wachgerüttelt worden ist - und dass sich etwas ändern muss, dürfte offensichtlich sein. Ein Buch, bei dem man die Augen nicht mehr verschließen kann.

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tod, familie, gefühle, verletzlichkeit, krankheit

Herr S. bekommt Besuch: Roman

Patrick Hinz
E-Buch Text: 211 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 02.11.2016
ISBN 9783958247987
Genre: Romane

Rezension:

Als Beobachter von Eitelkeiten, gelebtem Egoismus, dem Wahnsinn, den man Leben nennt, und manchmal sogar von purer Menschlichkeit sieht sich Herr S.. Dabei ist er ein "Schubladiseur" (S.6), der jede Person, die ihm begegnet schnell einordnet und mit einem passenden Stempel versieht. Bei sich selber ist eine solche Einschätzung allerding so gut wie unmöglich, denn sicher darüber, wer er ist, ist er keineswegs.
Eines Tages steht plötzlich sein Cousin Pascal vor der Tür - gerade dieser ungeliebte Verwandte mit dem Hare-Krishna-Lächeln und dem Beruf als Reiki Meister hat ihm gerade noch gefehlt. Da sich seine Lebensgefährtin und er aufgrund zunehmend abnehmender Schwingungen zur Zeit trennen und er niemanden hat, bei dem er unterkommen könnte, zieht er bei Herrn S. ein. Dieser kann sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen als sich mit dem Weltverbesserer sein Heim zu teilen. Bald schon ist seine Wohnung mit Räucherstäbchenduft sowie Meditationsmusik gefüllt und zu Essen gibt es Tofu in allen Variationen.
Gerade als Person, die andere Menschen nur zu gerne auf Distanz hält und sich deswegen von Freundinnen schnellstmöglich mit schon längst zurecht gelegten Begründungen aus seinem Leben verbannt, ist dieser unangekündigte und andauernde Besuch alles andere als angenehm.
Doch nicht genug, denn bald schon klingelt es erneut an seiner Tür: Vor ihm steht, nach all den Jahren, seine Mutter, alt und todkrank. Obwohl es zwischen den beiden nicht gerade vor familiären Gefühlen sprudelt, zieht auch sie mit zu Herrn S., dessen Leben sich Stück für Stück verändert...

Mit Herrn S. konnte ich mich anfangs überhaupt gar nicht anfreunden, da er mir als der Unsympath schlechthin erschien: Ein Aufreißer wie er im Buche steht, der Frauen geradezu routiniert abserviert und des Morgens vor die Tür setzt. Nur nach und nach blitzt hinter der Fassade des Herrn S. der Mensch Stephan Zimmermann auf, der sich durchaus mehr Gedanken macht und von deutlich mehr Gefühlen erfüllt ist, als er gerne wahr hätte.
Aus seiner Sicht ist der Roman geschrieben, wobei besonders die sarkastischen Bemerkungen die Freude am Lesen bereiten und Herrn S. Leben einhauchen.
Ganz im Gegensatz zu Herrn S. war ich sozusagen von der ersten Sekunde an Pascal-Anhänger. Vielleicht auch gerade weil der (Noch-) Unsympath ihn nicht ausstehen konnte. Aber der Weltretter, der in so ziemlich jeder Organisation bereits für die Rechte Anderer eingetreten ist und nun selber Hilfe benötigt, gleichzeitig aber auch Herrn S. in die richtige Richtung stupsen möchte, ist eine abwechslungsreiche und liebenswerte Figur.
Sehr menschlich wirkt auf mich gerade Herr S.' Mutter, die sich nur schwerlich eingestehen kann, dass sie die Hilfe Anderer benötigt und sich gegen die Bemühungen, ihr das Leben leichter zu gestalten, zunächst vehement währt.
Nicht nur das Zusammenleben, sondern auch Schicksalsschläge in der Familiengeschichte werden thematisiert, da die Protagonisten von der Vergangenheit eingeholt werden. So tauchen stetig neue Schwierigkeiten auf, die es zu bewältigen gibt - und über allem steht Herr S.' Frage nach der eigenen Identität.
Das Buch von 225 Seiten lässt sich sehr angenehm lesen, da der Schreibstil unaufgeregt und sehr leicht verständlich ist, sodass die Seiten nur so dahin fliegen. So lässt sich das Buch problemlos an einem Stück lesen und man taucht schnell in die Geschichte ab.

Alles in allem eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe und die zeitweise zum Nachdenken anregt oder zum Lachen bringt.

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berlin, nachkriegszeit, thriller, krimi, roman

Onkel Toms Hütte, Berlin

Pierre Frei
Flexibler Einband: 542 Seiten
Erschienen bei Heyne, 03.06.2005
ISBN 9783453431133
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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hörbuch

Unberechenbar

Vince Ebert , Vince Ebert
Audio CD
Erschienen bei Der Hörverlag, 29.02.2016
ISBN 9783844521047
Genre: Humor

Rezension:

Häufig wird im Nachhinein viel in Ereignisse interpretiert, viele haben das Geschehene schon immer geahnt, wiederum Andere erkennen eindeutige Muster aus denen sich universell geltende Regeln ableiten lassen. Als nicht durch Ausbildung sondern Einsicht oder Erleuchtung qualifizierte Gurus können sie der planungswütigen Menschheit dann Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum gelungenen Leben vermitteln - und wenn die Rechnung nicht aufgeht, liegt es daran, dass die einzelnen Schritte nicht korrekt befolgt werden.
Doch lässt sich das Leben wirklich so einfach durchplanen? Wohl eher nicht, dafür ist das Leben wohl viel zu komplex und der Zufall ein doch zu entscheidender Faktor. Vince Ebert, der in seinem Physikstudium gelernt hat, die Welt mit Formeln und Algorithmen zu beschreiben, widmet sich mit seinem neuen Programm der Unberechenbarkeit des Lebens und den damit verbundenen Vorteilen. Selbstverständlich darf da wissenschaftlicher Input, wie zum Serendipitätsprinzip, nicht fehlen.

Auch wenn für mich sicherlich nicht jeder Gag ein Schenkelklopfer war - einige Passagen hätten meines Erachtens besser weggelassen werden können-, habe ich mich gut unterhalten gefühlt und den Live-Mitschnitt genossen. Es ist auch schön, die Reaktionen des Publikums zu hören und Vince Eberts Art vorzulesen ist abwechslungsreich, sodass es nicht langweilig wird, zuzuhören.

So kann ich "Unberechenbar - Warum das Leben zu komplex ist, um es perfekt zu planen" weiterempfehlen; die 2h 20 guter Unterhaltung vergehen wie im Flug.

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thriller, entführung, helen callaghan, dear amy, psychothriller

Dear Amy - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

Helen Callaghan , Heike Reissig
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur, 10.01.2017
ISBN 9783426654200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Lehrerin Margot Lewis schreibt beim Examiner eine Kolumne, in welcher sie Ratschläge für ihr per Post zugesandte Probleme zu liefern versucht. Ein Mädchen, Katie, welches die Schule an der Margot arbeitet besucht, wird seit einigen Wochen vermisst. Da es keinerlei Erfolge bei der Suche nach ihr gibt und sie aus schwierigen Familienverhältnissen stammt, scheint die Polizei ihre Nachforschungen allmählich einzustellen. Doch ist sie wirklich fortgelaufen? Und selbst wenn, weswegen sollte sie unauffindbar sein? Wenn sie nun doch entführt worden ist?
Margot nimmt das ungewisse Schicksal der Schülerin sehr mit, zumal es sie an das Verschwinden der damals ebenfalls 15-jährigen Bethan Avery erinnert, welche vor fast zwanzig Jahren für immer von der Bildfläche verschwand. Man vermutet, sie sei entführt und umgebracht worden, denn ein blutdurchtränktes Kleidungsstück von ihr wurde gefunden. Darüber hinaus verschwand sie kurz nachdem ihre Großmutter, die das alleinige Sorgerecht hatte, ermordet wurde.
An einem Tag erhält Margot einen beunruhigenden Brief - an die Kolumne "Dear Amy". Eine kindliche, unsichere und ängstliche Schrift, ein garusamer Inhalt und eine schockierende Unterschrift bewegen sie dazu, den Brief der Polizei zu zeigen. Doch diese nimmt Margot gar nicht erst ernst - schließlich ist es recht spät für einen Hilferuf von Bethan. Und wie sollte sie überhaupt an Papier, Briefmarken und einen Briefkasten gelangen, wenn sie doch, wie sie schreibt, in einem Keller gefangen gehalten wird?
Doch bleibt es nicht bei einem Brief: Eine Botschaft nach der anderen wird von der vermeindlich Toten an "Dear Amy" geschickt. Und irgendwann meldet sich doch noch die Polizei bei Margot... Denn es gibt beängstigende Neuigkeiten. Und Katies Leben ist in höchster Gefahr...

Die Perspektive, aus welcher geschrieben wird, wechselt immer wieder, was gelegentlich etwas verwirrend, meistens aber sehr spannend und geschickt gemacht ist. Denn so erfährt man aus der Gegenwart und der Vergangenheit von Margot, Bethan sowie Katie Wichtiges Stück für Stück. Der Schreibstil ist sehr packend, wobei er sich je nach Sichtweise verändert. Dies hilft allerdings auch sich in den verschiedenen Erzählsträngen zurecht zu finden. Meines Erachtens sind diese Perspektivwechsel sehr gelungen, da die Ausdrucksweisen stets zu der jeweiligen Figur passen.
Mich hat der Klappentext dieses Werkes sehr neugierig gemacht und auch als ich die ersten Kapitel gelesen hatte, war ich von der Idee des Psychothrillers sehr begeistert. Allerdings machten mich einige Beschreibungen stutzig - schließlich fragte ich mich bereits nach dem ersten Brief dasselbe, was bald auf Seiten der Polizei folgen würden. Nach ein paar Überlegung stellte ich dann, weniger ernst gemeint, recht schnell eine etwas abstruse Hypothese auf, die meines Erachtens zwar äußerst unrealistisch aber irgendwie passend war. Die Enttäuschung war groß, als gerade diese Konstruktion des Rätsels Lösung war... Selbstverständlich wurden noch ein paar Verstrickungen, Erklärungen und Ausführungen darum geswoben, im Kern bewahrheitete sich allerdings das mehr aus Jux nach wenigen Kapiteln Erdachte. Selbst einige der Nebenhandlungen konnten mich nicht überzeugen, da sie zu vorhersehbar und klischeehaft waren.
So sind leider auch einige Elemente der Lösung äußerst unrealistisch und nicht wirklich glaubwürdig, wobei dies gerade bei dem vielversprechenden Beginn des Buches eine herbe Enttäuschung ist. Sieht man von dieser Aufklärung allerdings ab, ist der Thriller sehr temporeich und hält einige Hochs und Tiefs (der Charaktere) bereit.
Die Figuren sind sehr unterschiedlich und überwiegend realistisch gezeichnet. Bei Margot schwankte ich immer wieder zwischen Sympathie, Mitleid, Genervtsein und Skepsis. Einer derjenigen, die mit dem Fall beauftragt sind, Martin, konnte mich bis zuletzt nicht überzeugen - stets war ich misstrauisch. Dies mag auch daran liegen, dass er mir zu stark konstruiert und deswegen unecht und nicht vertrauenserweckend war.

Dennoch konnte mich das Buch fesseln und hat mich nicht losgelassen. Der Anfang des Buches ist meines Erachtens äußerst gelungen, die Charaktere sind teilweise sehr, immer wieder aber leider auch weniger, gut gezeichnet, den Schreibstil finde ich recht anpsprechend und den Aufbau mit den Perspektivwechseln sehr gelungen umgesetzt. Allerdings gestaltet sich die Auflösung in meinen Augen zu konstruiert.
Trotzdem kann ich "Dear Amy" weiterempfehlen - auch wenn es sicherlich kein Psychothriller-Highlight ist.

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen

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Über die Wahrnehmung von Kunst im Gehirn: Mit einem Vorwort von Ulrike Erbslöh

Jan A. Fischer
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Elster Verlag, 21.03.2016
ISBN 9783906065427
Genre: Sonstiges

Rezension:

Auf die Frage, wie wir Kunst wahrnehmen, kommen einem nur zu schnell die Sinnesorgane als Antwort in den Sinn. Über die Augen, die Nase, das Gehör, die Zunge oder den Tastsinn können wir schließlich Kunstobjekte im wahrsten Sinne des Wortes begreifen und erfassen. Allerdings ist das Rätsel damit noch längst nicht gelöst, denn die durch Rezeptoren empfangenen Informationen werden an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.
Doch wie? Und weswegen sind wir für bestimmte Wahrnehmungen besonders empfindlich? In diesem Buch erklärt der Kunstsammler und Wissenschaftler Professor Jan A. Fischer wie das Gehirn auf ein Kunstwerk reagiert, welche Areale beim Betrachten einer Darstellung angesprochen werden und wie es zum sinnlichen Vergnügen kommt.
"Jan Fischers Buch behandelt den Stand der aktuellen Hirnforschung und zeigt auch die Grenzen der naturwissenschaftlichen Beurteilung ästhetischer Vorgänge auf."
Beim Betrachten des Inhaltsverzeichnisses fällt direkt auf, wie umfassend dieses Werk ist. Nach einem Vorwort von Ulrike Erbslöh und einer Einführung folgen Erklärungen zu unserem Nervensystem, Untersuchungsmethoden und den Sinnesorganen. Erläutert werden auf diese Art, gegliedert in die Unterkapitel "Das Sehen", "Gehör", "Geruch", "Geschmack und Bauchgefühl", "Tastsinn" sowie "Bewusste Wahrnehmung", die verschiedenen Wege, welche das Erfassen und Begreifen eines Kunstwerkes ermöglichen.
Auf diesen Ausführungen aufbauend wird sich zahlreichen weiteren Aspekten gewidmet; von der Geometrie des Sehens über das Licht und die Farben, Raum und Perspektive, Bewegung, Gesichtserkennung, Wege zur Abstraktion, Skulpturen, Installationen und Architektur, Ton, Lärm und Musik, Geruch und Geschmack in der Kunst sowie Tasten und fühlen, Memorabilia bis hin zu Aktionskunst und Schönheit erhält der Leser ein Füllhorn an Informationen. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob Kunst analytisch vermessen werden kann, wobei hier auf verschiedene Unterthemen eingegangen wird.

Der Aufbau des Buches ist sehr gut, da man sich dank guter Erklärungen und Einführungen schnell in die komplexe Thematik einfinden kann. Ich war äußerst überrascht darüber, wie viele Informationen und Betrachtungsweisen auf 168 Seiten behandelt werden. Beeindruckend ist zudem, wie es dem Autor auch durch zahlreiche Abbildungen gelingt, die anspruchsvollen Ausführungen zu diesem komplexen Thema verständlich zu machen.
Mit diesem Werk begibt man sich auf eine spannende und faszinierende Reise durch die Kunstgeschichte und erhält bemerkenswerte Einblicke in die Verarbeitung unserer Sinneseindrücke.
Trotz - oder gerade wegen - passagenweise sehr detailreicher Erklärungen ließ meine Neugierde zu keiner Zeit nach, ganz im Gegenteil wurden die Vorgänge, welche Kunst in uns auslöst, für mich stetig spannender. Sicherlich Höhepunkte waren in meinen Augen die Unterkapitel zum Thema Ästhetik und Messbarkeit von Schönheit.

Alles in allem ist "Über die Wahrnehmung von Kunst im Gehirn" ein ausgesprochen umfangreiches und informatives Werk von sehr gut gewähltem Aufbau und ausgezeichneter Gestaltung, welches trotz seiner Komplexität und dank der ausführlichen aber nicht ausschweifenden Erläuterungen verständlich ist. Bestimmt wird hier ein spezielles Thema behandelt, welches aber äußerst spannend ist und einen neuen sowie faszinierenden Blick auf Kunst gewährt, sodass ich die Lektüre dieses Werkes sehr empfehlen kann. Ich habe äußerst viel Neues gelernt und bin noch immer sehr beeindruckt.

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Die geheimen Zeichen der Natur lesen

Tristan Gooley , Cornelia Panzacchi
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei riva, 15.08.2016
ISBN 9783868839159
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer sich in der Natur zurecht finden möchte, greift nur allzu häufig zu Apps, GPS-Geräte oder Ähnlichem. Dabei hält die Natur für den aufmerksamen Wanderer ein Füllhorn an Navigationsmöglichkeiten und Orientierungshilfen bereit, welches es sich auszuschöpfen lohnt. Allerdings ist dies, wie der Autor eingesteht, nicht für jeden der passende Weg. "Denn manche Leute schalten beim Gehen lieber das Denken ab, und wenn denen das so gefällt, ist das auch völlig in Ordnung. Viele andere aber wollen gleichzeitig mit den Beinen auch den Verstand trainieren, und genau für diese Spaziergänger ist dieses Buch gedacht." (S.15)
Wer das sehr umfangreiche Inhaltsverzeichnis betrachtet, wird sicherlich bezweifeln, dass sich diese ganzen Themen in das eigene Leben integrieren lassen, beziehungsweise dass man sich auch nur einen Bruchteil der vorgestellten Methoden merken kann. Aber mit ein bisschen Übung, so wird versichert, Aufmerksamkeit, Neugierde und logichem Denken steht dem Lesen der geheimen Zeichen der Natur nichts mehr im Wege.
"Auch unserem logischen Denken sind Grenzen gesetzt, doch sind diese Grenzen wesentlich großzügiger angesetzt als die meisten von uns denken. Tatsächlich wendet der moderne Mensch seine Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, nur allzu selten auf die ihn umgebende Natur aus [sic!]. Doch das wird sich für Sie nun bald genug ändern." (S.10)
Beherzige man das Vorgestellte, stoße man auf so viel Faszinierendes, das einem sonst noch nie aufgefallen ist - auch in der eigenen unmittelbaren Umgebeung.
"All jenen unter uns, die der Ansicht sind, dass das Gehirn im Schlaf und nach dem Tod genügend Zeit zum Ausruhen hat, schenkt Wandern neue Einsichten." (S.15)

Nach einer sehr ansprechenden Einführung werden die zahlreichen Themengebiete in den Kapiteln "Boden" (S.17), "Bäume" (S.51), "weitere Pflanzen" (83), "Moose, Algen, Pilze, Flechten" (S.109), "Auf Streifzug zwischen Felsen und Wildblumen" (S.119), "Himmel und Wetter" (S.125), "Sterne" (S. 157), "Sonne" (S. 185), "Mond" (S.197), "Eine Nachtwanderun" (S.209), "Tiere" (S. 217), "Unterwegs mit den Dayak, Teil 1" (S. 245), "Stadt und Dorf" (S.261), "Stadtbummel mit unsichtbaren Schlangen" (S.281), "Küsten, Flüsse und Seen" (S.289), "Schnee und Sand" (S.305), "Unterwegs mit den Dayak, Teil 2" (S.313), "Selten und außergewöhnlich" (S.335), "Der Durchbruch" (S.349), "Ihre unsichtbare Werkzeugtasche" (S.353), "Anhang I: Entfernungen, Höhen und Winkel" (S.361), "Anhang II: Sonnen- und schattentolerante Pflanzen" (S.373), "Anhang III: Alljährliche Meteorströme (Sternschnuppen)" (S.375) sowie "Anhang IV: Für Fortgeschrittene: Das Auffinden des Südens mithilfe der Sterne und des Mondes" (S.377) behandelt.
Da dieses Werk derart umfassend ist, werde ich auf die einzelnen Kaptel nicht speziell eingehen.
Der Aufbau ist sehr gelungen, weil auf den leichteren Feststellungen vom Beginn an aufgebaut wird, sodass der vermittelte Inhalt stetig anspruchsvoller und komplexer wird. Auch die Unterteilung in verschiedene Gebiete oder Bereiche, welche es zu betrachten gilt, wenn man der Natur ihre Geheimnisse entlocken möchte, ist äußerst sinnvoll. Dank sehr verständlicher Erklärungen werden auch schwierigere Regeln, Anleitungen oder Ähnliches einleuchtend und anwendbar.
Das allerallermeiste war mir vollkommen neu, sodass ich das Gefühl nicht los wurde, in eine vollkommen neue Welt einzutauchen. Wenn man sich mit Gooleys Buch auseinander gesetzt hat wird man nur schwerlich an einer Pfütze, einer Wiese oder einem algenbewachsenen Straßenschild vorbei gehen können ohne über die Himmelsrichtungen und vieles mehr ins Grübeln zu geraten.
Von dem Umfang der Themen bin ich schlicht und ergreifend überwältigt, da so ziemlich alles behandelt wird. Gerade deswegen werde ich das Buch auch noch das ein oder andere Mal lesen. Es ist unheimlich faszinierend, wie man von normalerweise unbeachteten Efeublättern, anderen Gewächsen, Pflanzen, Wolken, der Sonne, dem Mond, den Sternen, dem Regen, der Wuchsrichtung der Grashalme und und und vielfältige Informationen über Nährstoffe im Boden, durch Menschen verursachte Veränderungen, das Alter eines Waldes, die Entfernung zur nächsten Ortschaft und deren Größe und Einwohnerzahl,...
Bei Manchem dachte ich, dass es so gar nicht funktionieren kann, aufgrund der Begründungen des Autors ließ es sich dann aber stets nachvollziehen und durch eigenes Ausprobieren, Herumfragen oder eine kleine Recherche bewahrheitete es sich.
Mit den vorgestellten Hilfestellungen, Anleitungen, Ideen, Regeln und so weiter wird jeder Spaziergang zu einem kleinen Abenteuer und einer Herausforderung, bei der die grauen Zellen nicht lange auf ihren Einsatz warten müssen. Sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene ist dieses Buch sicherlich eine Überraschung und empfehlenswerte Lektüre.
Der Schreibstil ist so gehalten, dass die Spannung über die 416 Seiten aufrecht erhalten bleibt und man den Ausführungen gut folgen kann. Auch Dank der vielen Illustrationen sind die teilweise komplizierteren Zusammenhänge einleuchtend und können gut selber angewendet werden.

Von mir gibt es daher für alle Naturbegeisterte, die ihre Umwelt mit neuen Augen betrachten und dabei ganz viel Neues entdecken möchten, eine ganz klare Leseempfehlung!

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

dolomiten, erster weltkrieg, frauen in uniform

Die Rote Wand

David Pfeifer
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.08.2015
ISBN 9783453269613
Genre: Romane

Rezension:

An einem klaren Aprilmorgen in Meran beschließt ein Mädchen ihrem Vater in den Krieg zu folgen. Schon einmal hat sie im vergangenen Sommer auf ihn warten müssen, bangte um seine Rückkehr als er nach Galazien einberufen wurde. Als er wiederkam war er nicht mehr derselbe: Sämtliches Leben schien aus ihm gewichen, in seinen Augen lag etwas Düsteres und dennoch antwortete er auf die Fragen seiner Tochter nur mit Lob für echte Kameraden, ohne die man draußen nicht zu überlegen vermochte.
Als dann also der Beginn des Ersten Weltkrieges droht und das Mädchen erneut alleine gelassen wird, beschließt es, sich als Junge zu verkleiden. Das lange blonde Haar kurz geschnitten und die Kleidung des Vaters angezogen, macht es sich auf den Weg.
Die 15jährige macht sich zwei Jahre älter, gibt sich den Namen Richard und erklärt, sie müsse in den Krieg ziehen um ihren Vater zu suchen. Kurz nachdem sie dies ausgesprochen hat, fürchtet sie eine falsche Begründung abgegeben zu haben - wären Volk, Vaterland, Kaiser und Gott nicht eine bessere Antwort gewesen? Tatsächlich ist man aber so verzweifelt auf der Suche nach Kämpfern, dass sie genommen wird. Der Schwindel ist noch nicht aufgeflogen.
Immer wieder versucht sie, beispielsweise von einem Arzt, zu erfahren, wo ihr Vater stationiert ist. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand an einen Mann erinnert und ihr weiterhelfen kann, geschwindend gering, was ihr Tag für Tag immer schmerzhafter bewusst wird. "Zum Sterben ist man ja nie zu jung." (S.33) heißt es zwar von Seiten des Arztes,
"Und wenn dann einst, so leid mir's tut,
Mein Lebenslicht verlischt,
Freu ich mich, dass der Himmel auch
Schön wie die Heimat ist." (S.35f.) tönt es jedoch von den Soldaten.
Und so marschiert die ausgemergelte, graue Karwane mit austauschbaren Kämpfern, begleitet vom Ruf "Für Gott, Kaiser und Vaterland" zur Roten Wand. Erbitterte Kämpfe auf Felsvorsprüngen oder Gipfeln mit den unterschiedlichsten Waffen prägen den Stellungskrieg. An der Seite eines echten Kameraden namens Max hält das Mädchen Erstaunliches aus, wird kräftiger, abgehärteter und willensstärker, als sie es von sich erwartet hätte. Denn das Ziel, ihrem Vater zu begegnen und ihn zu beschützen, hegt sie noch immer.
Doch auch das Mädchen Richard muss miterleben, wie immer mehr Soldaten fallen, Granaten explodieren und den Männern die Körper zerfetzen. Dabei ist es für sie von großer Bedeutung, dass die große Lüge über ihre wahre Identität niemals auffliegt.
Eine Sekunde der Unachtsamkeit und man ist verloren, so lernt sie; schließlich lauert der Feind überall und vermag von allen Seiten anzugreifen...
Das Mädchen durchlebt Höhen wie Tiefen, erfährt Langeweile bei gleichzeitiger Anspannung, lernt das Fürchten und das Töten. Aber es sind schon ganz andere im Kampf gefallen...

Im Buchdeckel und über die erste Seite erstreckt sich eine Übersichts-Karte der Rotwand, damit der Leser immerhin einen groben Überblick zum Handlungsort er- und behalten kann. Denn da das Mädchen mit verschiedenen Truppen stetig weiterzieht, ändert sich der Schauplatz Mal um Mal.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der einen direkt in eine Kampfszene katapultiert. Schon dort gibt es erste Verluste und die sehr bildhafte Sprache bewirkt, dass man aufmerksam jede Bewegung der Figuren verfolgt. "Er will noch etwas sagen, einen letzten Befehl oder vielleicht eine Verwünschung hauchen. Doch dann verlischt er, wie ein Zündholz, das in den Schnee geworfen wurde." (S. 10) Dann springt die Erzählung und man steht ganz am Anfang bei dem Entschluss des Mädchens in den Krieg zu ziehen. Den Namen der Protagonistin erfährt man im Verlaufe des gesamten Buches nicht, was den Leser permanent auf Distanz hält. Ich vermochte keine wirkliche Bindung zu ihr aufzubauen, da sie mir immer fern und nicht ganz verständlich war.
Das mag auch daran liegen, dass man kaum etwas über ihre Gedanken und Empfindungen liest. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese, gerade bei der Thematik des Buches, durchaus behandelt würden, da in einer solchen Erzählung nicht nur die einzelnen Gefechte von Belang sind. Aber nur selten blitzt bei "dem Mädchen" eine dem Leser bemerkbare Gefühlsregung auf...
Leider wandelt sich mit dem ersten Kapitel der Schreibstil allmählich, da von der ausgeschmückten Erzählweise immer weniger übrig bleibt. Am Anfang wird dies noch durch das Zitieren einiger Lieder ausgeglichen, diese fallen aber nach und nach weg, sodass eher als Ausnahme mal eine Strophe angeführt wird. Auch werden die Sätze immer simpler, weswegen das Buch auf rein sprachlicher Ebene bestens auch für junge Leser geeignet wäre.
Das Buch erscheint mehr wie ein Bericht als wie ein Roman, was meines Erachtens sehr schade ist. In einem Interview gab der Autor an, weswegen die Geschichte für ihn so faszinierend war: "Zunächst einmal den Versteckspielaspekt, also eine Spannungsebene, die weder Alpen-Krimi noch Stahlgewitter-Romantik braucht. Das Mädchen muss ja in einer reinen Männerwelt überleben. Für diese Mimikry beobachtet sie die Männer genau und ahmt Verhaltensweisen nach. Nichts studiert man so aufmerksam wie ein Objekt, das man kopieren möchte. Dazu kam die Front an sich, die mit keinem anderen Kriegsschauplatz vergleichbar war."
Ehrlich gesagt hätte ich mir sehr gewünscht, dieser psychologische Aspekt wäre wirklich mehr herausgearbeitet worden. Allerdings wird hier höchstens an der Oberfläche gekratzt, weswegen die Protagonistin auch nicht wirklich lebendig wirkt. Besser konnte ich mit den Nebenfiguren fühlen, wobei auch diese eher blass gezeichnet wurden.
Auf mich wirkt es eher so, als hätte der Autor möglichst viele Informationen gesucht, die für ein Sachbuch jedoch nicht ausreichten, um diese dann aneinander zu fügen und gelegentlich durch eine erdachte Sequenz zusammen zu basteln. Betrachtet man die faktenreichen Beschreibungen, so merkt man durchaus, dass sich David Pfeifer mit der Thematik auseinandergestezt hat.
Was mich am meisten beeindruckt ist, dass dieses Werk auf einer wahren Begebenheit beruht. Das namenlose Mädchen, welches wegen ihres Vaters an die Front geht, hieß in Wirklichkeit Viktoria Savs. Nach Kriegsende wurde sie wohl von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken "benutzt".
Führt man sich beim Lesen vor Augen, was sie und all die anderen Soldaten durchleben mussten, ist dies erschütternd.

Somit wird hier zwar ein bewegendes Schicksal behandelt, dieses aber nicht als solches vermittelt. Die Erzählung bleibt meines Erachtens weit hinter ihren Möglichkeiten, da die wie ein Bericht anmutende Geschichte wenig bis gar keinen Raum für Gefühle lässt. Ausführlicher wird sich den Beschreibungen der Front und der mit ihr verbundenen Schwierigkeiten gewidmet, wobei die Passagen zu den Felsen in meinen Augen zu genau waren. Wer sich mit dem Gebirge auskennt, mag sich bei diesen Ausführungen vielleicht ein Bild vom Ort des Geschehens machen können, mir war dies jedoch so gut wie unmöglich. Wer etwas über den Krieg in den Dolomiten erfahren möchte, kann mit dieser Lektüre vielleicht einen Einstieg finden. Auf mich wirkt das Buch leider nicht ganz rund, für Dolomiten-Interessierte hält es wohlmöglich mehr Spannung bereit.

2,5 Sterne

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Das geheime Leben der Insekten

Monique Berger , Michel Gaudichon
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 10.03.2016
ISBN 9783800103829
Genre: Sachbücher

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Highlights Kambodscha / Laos

Kay Maeritz
Fester Einband
Erschienen bei Bruckmann, 21.09.2016
ISBN 9783734306648
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Reiseziele locken Kambodscha und Laos mit ihren Naturparadiesen, einer vielfältigen Tierwelt, wunderschönen Stränden, prächtigen Palästen und Tempeln. Dieser Bildband zeigt 50 Highlights auf, die man unbedingt gesehen haben sollte und weckt das Fernweh so bereits nach einem kurzen ersten Durchblättern.
Im Inhaltsverzeichnis ganz zu Beginn sieht man bereits, dass Kambodscha und Laos einige Höhepunkte bereit halten. Auf jeden einzelnen werde ich nun nicht eingehen, die groben Stationen lauten jedoch "Phnom Penh - Stadt am Flusskreuz", "Angkor - im Herzen Kambodschas", "Kambodschas Süden - Traumstrände am Golf von Thailand", "Der Osten Kambodschas - wenig bekanntes Bergland", "Im Süden von Laos - Land am Mekong", "Vientiane und Vang Vieng - im Zentrum von Laos", "Luang Prabang - das alte Herz von Laos" sowie "Bergland im Norden - abenteuerliches Reisen".
Auf den nächsten beiden Seiten befinden sich eine Karte von Kambodscha und eine von Laos - jeweils mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten. So kann man die Route bestens nachvollziehen und bei eigenen Reiseplanungen darauf zurückgreifen. Auf einen Blick kann man auch die zuvor gelisteten Zwischenziele ausfindig machen, was mir sehr gefällt.
Danach folgt ein Einführungskapitel, in dem Kambodscha und Laos sowie deren Geschichte kurz und bündig nahegebracht werden. Auch steigt dank der wunderbaren Beschreibungen die Neugierde auf weitere Ausführungen und vor allem Farbfotografien.
Im Anschluss daran werden die einzelnen Highlights behandelt, wobei auf eine Vielzahl von Themen eingegangen wird. Zu Beginn steht stets eine Beschreibung oder Erklärung zu dem jeweiligen Ort; zum Beispiel wird bei den Killing Fields eine kurze Einführung zur Schreckensherrschaft der Roten Khmer gegeben. Des Weiteren lässt sich immer auf einem Kartenausschnitt erkennen, in welcher Gegend einen der vorgestellte Anziehungspunkt erwartet. Als nächstes erfährt der Leser äußerst viel zu der Geschichte, der Bevölkerung, der Herrschaft, dem Sehenswerten, der Natur, dem Kunsthandwerk, den Entwicklungen und Traditionen, der Kultur, verschiedenen Ausflugsmöglichkeiten, der Tierwelt, der Landschaft und und und. So kann man in die einzelnen Kapitel sehr tief eintauchen und erfährt außerordentlich viel Neues. Ich war sehr überrascht, derart viel Wissen in einem Bildband vermittelt zu bekommen. Zum Abschluss eines solchen Kapitels gibt es noch eine weitere Art Infobox, in welcher sich Zusatzinformationen und Möglichkeiten weitergehenden Informierens, beispielsweise über bestimmte Internetseiten, genannt werden. Auch über die besten Besucherzeiten erfährt man hier Einiges und darüber, wer und wie viele die verschiedenen Zeiten wahrnehmen.
Sehr ansprechend sind zudem die 230 Fotografien, welche allesamt die Neugierde und Reiselust zu wecken vermögen. Die Auswahl ist sehr gelungen und man erhält einen guten Ein- und Überblick.

So bin ich mit diesem Werk von Kay Maeritz mehr als zufrieden, denn die vielfältigen Highlights, die vorgeschlagene Route, die unzähligen Informationen oder Erklärungen sowie die wunderbaren Bilder wecken die Sehnsucht nach Kambodscha und Laos. Mit großer Freude habe ich mich beim Lesen auf eine faszinierende Reise durch die beiden Länder begeben, vieles dazugelernt und für mich entdecken können. Nun ist jedenfalls der Wunsch geweckt, möglichst viele der vorgestellten Ziele auch mit eigenen Augen in natura zu sehen.

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