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1968

Claus Koch
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 26.02.2018
ISBN 9783579086552
Genre: Sachbücher

Rezension:

In diesem Buch behandelt Claus Koch den Mythos 68 und dessen Folgen und versucht, das Erbe der 68er begreifbar zu machen. Auch stellt er Vergleiche zwischen dem politischen Projekt des Aufbegehrens damals und der Bereitschaft der aktuellen Jugend, aktiv zu werden, an.

Was mir an diesem Werk sehr gefallen hat, ist, dass Koch viel aus den Werken Maos, Marx' und anderen zitiert, da ich auf diese Weise viele Ausdrücke aus meinem normalen Wortschatz wiederentdecken und konkret einordnen konnte. Auch habe ich auf diese Weise Anregungen noch zu lesender Bücher erhalten. Viele Werke zum Thema 1968 bedienen sich zwar ganz selbstverständlich solcher Begrifflichkeiten, erklären diese jedoch nicht so genau wie es in diesem Buch geschehen ist.
Was mir allerdings sehr negativ aufgefallen ist, ist die Selbstdarstellung des Autors: Er war einer der ersten, hat aber verstanden, dass der Kommunismus nicht so zielführend ist, wie von der Bewegung angenommen, während andere für solche Erkenntnisse zu verblendet waren; und die Bewegung, wie er sie mitbegründet hat, wurde nachher von anderen kopiert - jedoch ohne die Ausmaßen des Originals jemals zu erreichen. Auf mich wirkte das sehr selbstgefällig und überflüssig. Darüber hinaus wurde ich den Eindruck, immer wieder Verbitterung zwischen den Zeilen erkennen zu können, jedoch ohne zu verstehen, auf was sie letztendlich bezogen ist - immerhin scheint sie bei unterschiedlichen (und konträren) Aspekten durch - nicht los. Andere Passagen hingegen wirkten geradezu verträumt-schwärmerisch...

Alles in allem hält dieses Werk viele Informationen bereit und zeigt die Anfänge und Beweggründe der 68-Bewegung gekonnt auf. Die Idee, diese Bewegung aus der Perspektive verschiedener Generationen zu betrachten, gefällt mir äußerst gut, allerdings lässt mich der Autor mit seinen Werturteilen zwiegespalten zurück. Ich vergebe daher 3 Sterne.

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Wie Demokratien sterben

Steven Levitsky , Daniel Ziblatt , Klaus-Dieter Schmidt
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 29.05.2018
ISBN 9783421048103
Genre: Sachbücher

Rezension:

Langsam aber sicher verwandeln sich einige Demokratien in autoritäre Staaten - und das auf ganz schleichende und daher unauffällige Art und Weise. Die Autoren Levitsky und Ziblatt versuchen in ihrem Werk, zu erklären, wie es dazu kommen kann und was dagegen unternommen werden könnte. Dabei wird auf zahlreiche Beispiele eingegangen, um ein möglichst ganzheitliches Bild zu zeichnen.
Begonnen wird mit noch recht allgemeinen Beobachtungen, die das generelle Phänomen zu fassen versuchen. So setze sich Autoritarismus beispielsweise im Gegensatz zu früher nicht mehr über Putsche oder Ähnliches durch, sondern über Wahlen. Somit würden "Institutionen [...] zu politischen Waffen" (S.16).
Im Anschluss daran wird immer konkreter auf einzelne Staaten oder historische Ereignisse eingegangen, was zugegebenermaßen manchmal etwas sehr ausführlich wird und das Lesen dann erschwert. Manchmal wirkte es auf mich, als hätten die Autoren - aus lauter Begeisterung für ein Unterthema - den roten Faden verloren.
Sehr spannend ist der Abschnitt, in dem die vier Hauptindikatoren für autoritäres Verhalten aufgezeigt und auf politische Handlungsweisen bezogen werden (S.32,f.). Im weiteren Verlauf werden auch verschiedene Politiker auf diese Aspekte hin untersucht.
Auch auf den Umgang mit Politikern, welche Demokratien gefährden, wird eingegangen. Am wichtigsten sei es, autoritäre Politiker auf demokratische Weise nicht zu viel Einfluss gewinnen zu lassen. Den Ausführungen zufolge fungieren Parteien als "Demokratiewächter", werden dieser Rolle allerdings immer seltener gerecht.
Trump beispielsweise gehört zu den "Birthern", welche öffentlich anzweifelten, dass Obama in Amerika geboren sei und ihm so das Recht absprachen, Präsident zu sein. Eine Person, die bereits vor Jahren durch so geartete politische Äußerungen aufgefallen ist, hätte bereits von Anfang an von demokratischen Parteien von der Politik ferngehalten werden müssen, so die Autoren.
Zudem werden die Rahmenbedingungen, um einen Präsidenten seines Amtes zu entheben, genannt. Beeindruckend ist, dass diese wesentlich geringere Hürden darstellen, als man glauben würde. Die Autoren halten jedoch fest, dass eine solche Amtsenthebung - auch beim aktuellen Präsidenten - mehr als unwahrscheinlich sei, da es zu den amerikanischen Normen gehöre, den Präsidenten im Amt zu behalten und hinter ihm zu stehen.
Hier liegt auch ein weiterer, für die Autoren äußerst wichtiger, Punkt: Die stabilsten Demokratien stützen sich nicht nur auf schriftlich festgehaltene Gesetze, sondern ebenfalls auf ein Geflecht aus Normen.
Sehr spannend war für mich die Blickweise der Autoren, dass Amerikas Ordnung noch im 20. Jahrhundert feststecke, in dem Normen noch sehr viel zählen. Dies sei der Grund, weswegen man hinter Trump stünde, was auch immer für politische Ziele er verfolgen würde, was allerdings im Gegensatz zu den vielen Brüchen mit amerikanischen Normen seinerseits stünde. So sei die Bevölkerung nicht in der Lage, mit dem modernen Provokanten korrekt umzugehen.

In meinen Augen hält dieses Buch einige sehr interessante Denkanstöße bereit und gewährt Einblicke in die amerikanische Gesellschaft. Leider verliert sich das Buch bis kurz vorm Mittelteil in zu vielen zu detailreichen Ausführungen. Glücklicherweise wird das Buch in der zweiten Hälfte wieder spannender und der Lesefluss verbessert sich sehr. Gerne hätte ich noch ein paar Beispiele mehr zum aktuellen Europa gehabt und dafür auf ein paar zum amerikanischen Raum verzichtet.

Alles in allem handelt es sich um ein sehr empfehlenswertes Buch, das jedoch passagenweise etwas ermüdend wird. Daher vergebe ich vier von fünf Sternen.

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Unser Projekt Bauernhof

Matthias Rompe
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 12.10.2016
ISBN 9783800108138
Genre: Sachbücher

Rezension:

In diesem Buch stellt Familie Rompe - bestehend aus Matthias, Anne, Johanna, Helene und Richard - 100 Anleitungen, Rezepte und Ideen für DIY und Selbstversorgung vor.
In "Wie alles begann" werden die Rahmenbedingungen des Projektes Selbstversorgung vorgestellt und vom Traum vom Landleben erzählt. Daraufhin widmet sich das Kapitel "Unser Haus" dem Ausbau der eigenen vier Wände. Hier werden das Selberbauen von Küche, Bad-, Schlachtraum oder Spa sowie dem Kinderzimmer, Fußboden, Türen und Oberlichtern als preiswerte Alternativen genauso wie Rezepte aus der Küche des Hauses vorgestellt. Im Anschluss daran wird der Hof in den Fokus gerückt: Mauern, Tore, Zäune, Hoftor, Sitzecken, Räucherrezepte, Garten - die Vielfalt ist groß. Als nächstes folgt das Kapitel "Unsere Tiere": Hier findet der Leser alles über Hühner, Enten, Gänse, Wachteln, Kaninchen und Bienen. So werden einige Ideen zur Selbstversorgung und Tipps zur Haltung gegeben. Abgerundet wird das Ganze durch "Werkzeuge", damit man für alle Gelegenheiten gerüstet ist.

Dieses Buch zeigt von Anfang an, wie die Familie das Projekt der Selbstversorgung angeht. So erfährt man von allen Schwierigkeiten und bekommt wichtige Denkanstöße für die eigene Planung an die Hand. Die vorgestellten Tipps helfen wirklich, zu verstehen, wie man ganz neu anfängt. Beeindruckend war für mich beispielsweise das Bauen einer Küche mit den einfachsten Mitteln. Doch zeigt dieses Buch nicht nur, wie man einzelne Unterprojekte startet, sondern auch, wie der Bauernhof zu einer Art Selbstläufer wird.
Für mich besonders ansprechend waren die vielen Rezepte für Wein, Brot, Weingelee und vieles mehr.

Alles in allem ist "Unser Projekt Bauernhof" eine leicht verständliche Hilfestellung für jeden, der davon träumt, auf dem Land neu anzufangen und den Schritt in Richtung Selbstversorgung zu wagen. Mut macht dieses Werk sicherlich - denn auch mit kleinen Mitteln lässt sich viel erreichen.

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Die neuen Paten

Jürgen Roth
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Heyne, 27.11.2017
ISBN 9783453201897
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dieses Werk soll aufzeigen, wie Trump, Putin, Erdogan, Orbán & Co als die "neuen Paten" regelrechte "Mafia-Staaten" errichten. So bedienen sich die autoritären Machthaber mafiöser Strategien um den Staatsapparat nicht nur zu infiltrieren und zu schwächen, sondern letztlich ganz zu übernehmen. Dabei ist jeder, der die Herrschaft bedroht, als Feind zu betrachten und zu behandeln.

Das Buch ist in Kapitel zu den jeweiligen Politikern unterteilt. Im Anschluss daran findet sich auf den Seiten 271 bis 304 das Quellenverzeichnis. Auf mich machte es den Eindruck, als sollte jede Aussage gut belegt werden - auch wenn dies zum Teil mithilfe von anderen Werken des Autors, Bild-Artikeln sowie Facebook-oder YouTube-Links geschieht. In meinen Augen ist dies etwas schade, da ich mich mehr über weniger und dafür durchweg seriöse Quellen gefreut hätte.
Generell, empfand ich das Buch als anstrengend zu lesen, obwohl mich die Thematik sehr reizte. Oft beeinhaltete ein einzelner Abschnitt bereits derart viele, mir nicht geläufige Namen (über die ich mich vorm Weiterlesen dann erst etwas informieren wollte), dass von einem Lesefluss kaum zu sprechen war. Auch erdrückten mich die vielen Hochrechnungen (oder besser Schätzungen...?) passagenweise.
Gerade in dem Kapitel zu Donald Trump bestand ein großer Teil aus Informationen, die - zumindest in groben Zügen - mittlerweile geläufig sein sollten (Stichwort Beton). Oder - egal ob es nun letztendlich gänzlich stimmt -, dass Trump "nach Recherchen [der Washington Post] in diesen einhundert Tagen 492 Mal falsche oder irreführende Aussagen gemacht hat. [...] Nur an zehn von hundert Tagen habe Trump keine falschen oder irreführenden Aussagen von sich gegeben. An sechs dieser zehn Tagen soll er übrigens Golf spielen gewesen sein" (S. 39).
Dennoch gab es auch einige sehr interessante Informationen. Besonders bemerkenswert waren einige Zitate, beispielsweise eines von Seehofer, der über Trump lobend sagte:
"Er setzt mit Konsequenz und Geschwindigkeit seine Wahlversprechen Punkt für Pukt um. In Deutschland würden wir da erst mal einen Arbeitskreis einsetzen, dann eine Prüfgruppe und dann noch eine Umsetzungsgruppe" (S.16). Bei manchen, nicht vom Autor getroffenen, Aussagen hätte ich am liebsten aufgeschrien. Auch, etwas genauer den schier überall praktizierten Nepotismus vor Augen geführt zu bekommen, war beeindruckend. Denn dieser findet sich keineswegs nur bei Trump, der öffentlich bekennt, Vetternwirtschaft zu mögen (S.42).

Mich lässt das Buch zwiegespalten zurück, da ich einerseits die Thematik als äußerst wichtig, die Umsetzung aber zum Teil als nicht gelungen erachte. Sehr dichte Passagen wechseln sich mit eher lockeren und weniger wissenschaftlichen Abschnitten ab.

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264 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 123 Rezensionen

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Die Geschichte des Wassers

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 19.03.2018
ISBN 9783442757749
Genre: Romane

Rezension:

In diesem Werk werden zwei unterschiedliche Erzählungen miteinander verwoben. Die eine Handlung spielt sich in Norwegen im Jahr 2017 ab, als die beinahe 70jährige Signe versucht - Umweltaktivistin, die sie ist - versucht, das Klima zu retten. Kurz zuvor ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt und musste erschrocken feststellen, dass ein nahe gelegener Gletscher abgebaut wird um das Eis für perfekte Cocktails feiner reicher Leute zu verkaufen.
Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit David und seiner Tochter Lou, die sich beide auf der Flucht befinden. Denn ihr Zuhause in Südfrankreich ist im Jahre 2041 nicht mehr bewohnbar - jahrelang fiel kein Regen mehr; es herrscht große Wassernot. Ihre restliche Familie haben sie während ihrer Flucht verloren und hoffen, sie bald wiederzufinden.

Die beiden Geschichten werden mit kurzer und prägnanter Sprache erzählt und wechseln sich ab. Manchmal waren diese Wechsel es für mich etwas schwierig, da ich mich gerade in den anderen Erzählstrang eingelesen hatte. Allerdings verleiht diese Verknüpfung an mancher Stelle auch Spannung. Leider konnte ich mit den Charakteren nur schwer warm werden, was meinen Lesefluss stark beeinflusst hat. Sehr gut haben mir auf der anderen Seite jedoch die Beschreibungen der Umweltkatastrophen gefallen: Welche verheerenden Auswirkungen kann unser Konsumverhalten haben? Gerade bei der in der Zukunft spielenden Geschichte, ist die Tragik der Familie stets spürbar und rüttelt einen wach. Außerdem wird sehr einleuchtend wie auch alarmierend beschrieben, wie der Wassermangel zu Kriegen und weiteren Katastrophen führt.

Alles in allem kann ich dieses Buch weiterempfehlen. Manchmal hat mir etwas Spannung gefehlt und die Charaktere konnten nicht alle meine Sympathie gewinnen, doch halte ich die Botschaft des Buches für außerordentlich wichtig und ich denke, dass sich ein jeder mit den Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Umwelt auseinandersetzen sollte. Da es sich bei "Die Geschichte des Wassers" um den zweiten Teil des „Klima-Quartetts“ handelt, bin ich gespannt auf die anderen Bücher, die ich sicherlich noch lesen werde.

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110 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Terror

Ferdinand Schirach
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442714964
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Grob dürfte mittlerweile ein jeder die Handlung kennen, da das Theaterstück viel diskutiert worden ist: Als ein Terrorist ein Flugzeug der Lufthansa kapert und die Piloten zwingt, auf die menschengefüllte Allianz-Arena in München zuzusteuern, stellt sich die Frage, ob und wenn ja, wie man eingreifen darf oder sogar muss. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe - Lars Koch - das Flugzeug ab. Alle 164 Passagiere sterben, jedoch bleiben die 70.000 Besucher des Stadions am Leben. Dass von seinen Vorgesetzten kein Kommando erteilt wurde, hatte allerdings seine Gründe... Und so muss sich der Pilot vor Gericht verantworten - sowohl für seine Schuld als auch für seine Freisprechung gibt es zahlreiche Argumente und Regelungen. Ob er letztendlich verurteilt wird, liegt am Publikum, welches die Rolle der Schöffen einnimmt, oder am Leser.

Ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich von dem Theaterstück nur gehört hatte und mir nun gerne ein eigenes Bild machen wollte. Tatsächlich lohnt es sich ausgesprochen, das Buch zu lesen - auch wenn man meint, die Dilemma-Situation ja bereits zu kennen. Die vielen Details, gesetzlichen Vorgaben und Alternativmöglichkeiten kann man unmöglich anders erfahren. Im Buch finden sich beide Enden - die Verurteilung und die Freisprechung -, während im Theaterstück das von der Mehrheit gewählte Ende aufgeführt wird. Sehr interessant finde ich hier, dass eine Internetseite betrieben wird, auf der man die weltweit gewählten Enden auf einer Karte sehen kann. So wird in Europa fast ausschließlich die Freisprechung und in asiatischen Ländern die Verurteilung gewählt.
Das Buch endet mit einer Rede von Schirachs zu Charlie Hepdo, die mich ebenfalls fesseln konnte. Generell hat der Autor mich mit diesem Werk wieder vollkommen in seinen Bann ziehen können. Das Buch hatte ich in kürzester Zeit beendet ohne eine Pause eingelegt zu haben. Dabei ist es wahrlich keine leichte Kost: Kann man ein Leben gegen ein anderes aufwiegen? Sollte man nicht zunächst alle Möglichkeiten ausprobieren, bei denen niemand zu Tode kommt? Wie bindend ist das Gesetz und macht man die Menschen, über die man in solchen Situationen entscheidet nicht zum Objekt? Was ist mit ihrer, im Grundgesetz festgehaltenen, unantastbaren Würde?

In meinen Augen ist dies kein überschätztes Werk. Ganz im Gegenteil halte ich es für äußerst wichtig, es gelesen und sich mit dem Thema ausführlich befasst zu haben. Es vermittelt nicht nur eine Sensibilität für (politisches) Handeln in schwierigen (Terror-)Situationen, sondern zeigt auch auf, welche Grundsätze unseren Staat zusammenhalten. Auch macht es bewusst, wie fatal vorschnelle Beurteilungen offenscheinig simpler Situationen sind. Ich kann "Terror" nur weiterempfehlen!

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

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Superfood Heimische Wildpflanzen

Karin Greiner
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 15.09.2016
ISBN 9783800103737
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer Pflazenpower für Detox, Anti-Aging, Immunboosting oder Wellness sucht, muss kein Geschäft aufsuchen, denn vieles wächst so auch vor der eigenen Haustür. Dieses Buch zeigt 28 Wildpflanzen zum Selbersammeln, Inhaltsstoffe und ihre Wirkweise auf den Körper, bietet herzhafte und süße Rezepte mit Wildkräutern und -früchten. Dabei stehen Regionalität und Saisonalität im Vordergrund.

Was mich an diesem Buch schwer beeindruckt hat, sind die unfassbar abwechslungsreichen Rezepte: Ob Brombeer-Flammkuchen, Fichtenspitz-Eis, Kartoffelplätzchen, Kleeblütensahne, vegetarischer Nussbraten, Rotkleesprossen ziehen, alkoholfreier Schlehenpunsch oder Vogelbeer-Chutney - die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt. So wird man ans Experimentieren gebracht und lernt heimische Wildpflanzen von den unterschiedlichsten Seiten kennen.
Außerdem unterscheidet ein weiteres Detail dieses Buch von anderen Wildpflanzenbüchern, die ich bisher kenne. Normalerweise sind derartige Bücher in einen Teil zu den Pflanzenportraits und einen zu den Rezepten gegliedert - hier wechselt sich dies jedoch ab. Erst wird die jeweilige Pflanze vorgestellt und dann das entsprechende Rezept angefügt. Das ist sehr praktisch, da man nicht nachblättern muss, welches Rezept wozu gehört und welche Kräuter man wofür sammeln muss. Zudem sind die vorgestellten Pflanzen nach Jahreszeiten sortiert, was ich auch für sehr sinnvoll halte und die (Vorrats-)Planung erleichtert.
Insgesamt ist dieses Werk sehr ansprechend gestaltet und es sind viele vegane, laktose- oder glutenfreie Rezepte vorhanden, sodass jeder etwas für sich passendes finden dürfte. Man findet wunderbar übersichtliche Vorstellungen mit detaillierten Beschreibungen zu den einzelnen Wildpflanzen, sodass absolut nichts schief gehen kann.

Somit ist hier auf 127 kompakt das Wichtigste vorgestellt und Dank des Formates ist es perfekt für die Handtasche oder den Rucksack geeignet.
Von mir gibt es daher eine ganz klare Empfehlung und 5 Sterne!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Naturkosmetik einfach selbst gemacht

Cosima Bellersen Quirini
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 12.10.2016
ISBN 9783800103836
Genre: Sachbücher

Rezension:

Cosima Bellersen Quirini konnte mich mit ihren vorherigen Büchern absolut überzeugen, sodass diese zu einem geliebten Bestandteil meines Bücherregals zählen. Als ich dann auf ihr Buch zu Naturkosmetik stieß, war ich sehr gespannt. Zu wissen, was in der verwendeten Kosmetik enthalten ist, wünschen sich wie ich mittlerweile viele Verbraucher. Dass das Selbermachen gar nicht so aufwendig, kompliziert oder teuer ist, ist den meisten jedoch nicht bewusst. Und dann gibt es ja noch einen weiteren sehr wichtigen Faktor: Es macht richtig Spaß.

Das Beste aus der Natur gibt es in diesem Buch in verschiedenen Bereichen: Gesicht und Augen, Lippenpflege, Körperpflege und -reinigung, Baby- und Kinderpflege, Haarpflege, Hände und Füße, Zahnpflege, Sonnenschutz, Wund- und Heilsalben sowie Seifen. 170 Rezepturen, welche individuell auf die eigenen Bedürfnisse abwandelbar sind, werden gezeigt. Bei den einzelnen Rezepten finden sich Tabellen mit verschiedenen Hauttypen oder Ähnlichem, damit sich die Produkte leicht anpassen lassen. Dagegen hat Kosmetik von der Stange keine Chance. ;) Außerdem werden die wichtigsten Bestandteile vorgestellt, was animiert, selber frei zu experimentieren. Durch die ausführlichen Beschreibungen der Rohstoffe zum Schluss, lernt man zudem, welche Wirkung welcher Inhaltsstoff hat und kann selber Kombinationen zusammenstellen.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich bei einzelnen Zutaten das Gefühl hatte, dass sie eher hip und trendy als wirklich im Sinne der einfachen Naturkosmetik wirklich von Nöten sind - z. B.: Mangobutter, Wollwachsalkohole, Ceralan, Tegomuls, Fluidlecithin Super - hiervon werden nur minimalste Anteile benötigt, doch die Spannbreite der exotischen Inhaltsstoffe ist vielfältig. Manchmal wurde ich von solchen Inhaltsstoffen vom Nachmachen abgeschreckt.

Alles in allem ist dies ein sehr ansprechendes Buch, in dem von Grundauf erklärt wird, was man bei der Herstellung eigener Kosmetik beachten sollte. Dass man verstehen lernt, welche Inhaltsstoffe welchen Effekt erzielen, halte ich für eine der Stärken dieses Werkes. Auch die Möglichkeit, die Produkte genau an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, gefällt mir sehr. Schade finde ich hingegen die teilweise exotischen Zutaten, bei denen ich mir nicht wirklich sicher bin, ob sie in dieser Art tatsächlich von Nöten sind. Von mir gibt es daher 4 von 5 möglichen Sternen!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Gesunde Füße - step by step

Katy Bowman
Flexibler Einband: 122 Seiten
Erschienen bei Hans-Nietsch-Verlag, 13.03.2017
ISBN 9783862644049
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dass Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen ein Resultat von Fußproblemen sein können, ist durchaus bekannt. In diesem Buch zeigt Katy Brownman nun aber, dass es nie zu spät ist, um wieder zu gesunden Füßen zu kommen. Dafür gibt sie einem 12 Übungen an die Hand, die vielen Leiden Linderung schenken.

Zu Beginn findet man eine Art "Bestandsaufnahme" der eigenen Füße. Ehrlich gesagt war diese für mich etwas niederschmetternd. Eine Laolawelle mit den Zehen sollte beispielsweise problemlos machbar sein - bei mir... Reden wir nicht drüber :D Aufbauend auf den verschiedenen Erkenntnissen dieses Kapitels, folgen dann die Hilfestellungen. Der Autorin geht es nicht nur um Übungen, sondern auch um das richtige Schuhwerk, da dieses zentral ist. So gibt es eine Darstellung der Anatomie gesunder Füße und einen Extrateil zum Finden des richtien Schuhwerks für Schwangere, Senioren oder Kinder.
Die Übungen sind nicht kompliziert oder weit ausholend, aber dennoch wirksam. Sie lassen sich bequem Zuhause oder teilweise auch unterwegs gut umsetzen.
So erhält man auf 120 Seiten einen tiefen Einblick und eine Vielzahl an Denkanstößen und Hilfestellungen.

Ein - wie ich finde - viel zu unbeachtetes Thema, dass hier wunderbar behandelt wird. Fünf Sterne!

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Alles über Hühner

Hervé Husson
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 10.03.2016
ISBN 9783800103881
Genre: Sachbücher

Rezension:

Vorne weg: Mich hat schwer beeindruckt, wie viel Wissen mit diesem Buch vermittelt, wie viele Themen behandelt und wie anschaulich diese erklärt werden. Wer damit liebäugelt, Hühner zu halten, dürfte mit diesem Buch bestens beraten sein.

Nun aber zum Inhalt: Wie bereits erwähnt, umfasst dieser eine Vielzahl an Themenbereichen. So findet man im Kapitel "Gut vorbereitet für die Hühner" Fragen, die einen in der Planungsphase beschäftigen - wie beispielsweise, ob man Hühner halten darf oder wie viele. Hier sind die 12 häufigsten Fragen erläutert und es gibt tolle Anleitungen dazu, wie man einen Hühnerstall bauen und einrichten kann.
In "Hühnerrassen erkennen" findet man eine Vorstellung verschiedener Hühnerrassen von "A wie Araucana bis H wie Hybridhühner" - die Beschreibungen umfassen dabei jedoch nicht nur Informationen zu Körperbau, Legeleistung und Alterserwartung, sondern beispielsweise auch zu Charaktereigenschaften.
"Der Alltag mit Hühnern" wird im Anschluss daran beschrieben. Ob die Visite im Hühnerstall, die Fütterung, der Auslauf, die Verträglichkeit mit anderen Tieren oder was sonst im Alltag an Schwierigkeiten oder Fragen auftauchen kann, wird hier erläutert.
Das nächste Kapitel, "Richtiger Umgang und Pflege der Hühner", ist auch sehr hilfreich und verständlich. Themen wie Hygiene, Pflege, Krankheiten, Hühner-Hausapotheke oder Verhaltensauffälligkeiten sollten schließlich nicht vernachlässigt werden.
Außerdem dabei sind die Kapitel "Einen nachhaltigen Hühnerbestand aufbauen" - also die Brut und den Geflügelbestand zu erneuern -, "So schützen Sie ihr Geflügel" - hier geht es um Raubtiere und wirksame Schutzvorrichtungen - und "Vom Hühner- zum Geflügelhof", in welchem erklärt wird, wie man den Geflügelbestand erweitert, welche verschiedenen Tiere sich noch anbieten und was es zu beachten gibt. Im Anschluss folgen das Glossar und Register.

Auffällig ist die beeindruckende Qualität des Buches: In dem Buch finden sich 325 Fotogafien und 45 Zeichnungen. Aber auch inhaltlich lässt es keine Wünsche offen. Die Steckbriefe zu den einzelnen Hühnern sind äußerst hilfreich und umfassen unter Anderem Eierfarbe, -größe, -gewicht, Legeleistung, Statur, Herkunftsgebiet, Fleischqualität, Brutverhalten, Charakter und Haltung. Ganz begeistert bin ich zudem von der Anleitung zum Aufbau eines Hühnerstalls und dessen Einrichtung. Auch, dass erklärt wird, wie man noch um weitere Tiere erweitern kann - wenn man also geflügelsüchtig wird - finde ich ganz famos.

Insgesamt widmet sich das Buch dem Thema Hühner ganzheitlich und auf hohem Niveau, sodass keinerlei Fragen offen bleiben. Von mir gibt es daher 5 Sterne und eine ganz klare Empfehlung an jeden, der überlegt, Hühner zu halten, aber auch an jene, die bereits ihr eigenes Geflügel halten.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

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Beim Morden bitte langsam vorgehen

Sara Paborn , Wibke Kuhn
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DVA, 16.04.2018
ISBN 9783421048028
Genre: Romane

Rezension:

"Die Ehe ist ein Krieg. Ist es da nicht logisch, dass sie auch so endet wie alle Kriege? Einer stirbt!"
39 Jahre Ehe mit Horst - nun reicht es Irene. Als die Bibliothekarin auf die Vorhang-Bleibänder ihrer Mutter stößt, kommt ihr eine geradezu revolutionäre Idee: Wie wäre es wohl, wenn sie endlich wieder die Kontrolle über die Fernbedienung erhielte, sich nicht mehr mit gefühlskalten Sticheleien rumschlagen oder mit ihren Büchern vor Horsts Musikleidenschaft in den Keller fliehen müsste? Als sie in einem alten Buch ein Rezept für giftigen Bleizucker entdeckt, ist ihr Interesse mehr als geweckt.
In einem Notizbuch ihrer Mutter dokumentiert sie akribisch ihre Experimente und erzählt von Erinnerungen aus der Zeit vor und während der Ehe. Von weniger aufmerksamen Geburtstagsgeschenken, den alltäglichen Sticheleien und was ihr in dieser Zeit des Umbruches noch ins Gedächtnis kommt.

Für mich absolut beeindruckend ist die unglaublich sympathische Protagonistin: Als Bibliothekarin liebt sie es, zu lesen, sie mag die Ruhe und pflanzt gerne eigenes Obst und Gemüse an. Sie träumt nicht nur von einem eigenen Gewächshaus sondern auch vom Leben auf dem Land.
Während der Lektüre ist mir Irene sehr ans Herz gewachsen und sie tat mir mit ihrem Ekelpaket von Mann wirklich leid. Sehr spannend war es auch, ihre Gedanken und vielen Fragen zu verfolgen: Wie werden ihre beiden erwachsenen Kinder damit umgehen, wenn der Vater verstorben sein sollte? Wird Irene auffliegen? Funktioniert ihre Methode überhaupt? Und wird sie ihren Plan durchsetzen oder fallen lassen?

Praktische Geburtstagsgeschenke (wie seniorengerechte Messer) oder Gefühlsausbrüche wie "Ich mag dich doch" - wer kennt sie nicht? Horst scheint mit dem Fernsehsessel verwachsen zu sein, genauso wie mit der Fernbedienung. Von seinem früheren Aussehen ist auch nicht mehr viel geblieben, er ist geradezu konturenlos. Gefühlsduselei ist nichts für ihn, er hält sich eher an Fakten oder an das, was logisch ist. Außerdem verdrängt er Irene mitsamt ihren Büchern immer weiter aus dem gemeinsamen Haus (in den Keller). Mehr Wertschätzung geht ja kaum... Wer könnte mit Irene nicht mitfühlen oder keine Tränen lachen angesichts der köstlichen Beschreibungen?
Häufig sind letztere herrlich sarkastisch - Freunde des schwarzen Humors werden an diesem Werk ihre Freude haben. Die Kapitel werden durch Zitate eingeleitet - wie einer Definition der Ehe - welche beendet wird, wenn einer der Partner verstirbt; geradezu eine Aufforderung für Irene!

Für mich war dies ein Lesehighlight - innerhalb weniger Stunden hatte ich dieses bezaubernde Werk verschlungen und ins Herz geschlossen. Von mir gibt es daher eine ganz eindeutige Leseempfehlung - egal ob man selbst auch einen Horst Zuhause hat oder nicht! ;)

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Tabu

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714988
Genre: Romane

Rezension:

Als Sebastian von Eschburg noch ein Kind war, beging sein Vater Selbstmord. Von dem Moment als er seinen toten Vater auffand an, ist nichts mehr wie es war. Eschburg flüchtet sich zunehmend in die Kunst - von einem Fotografen lernt er das Kunstwerk, er saugt geradzu alles Wissen auf, und macht sich selbstständig. In seinen Bildern versucht er, die Wirklichkeit abzubilden: Einsamkeit, die Jahre, die an Körpern nagen, Sex, Makel, Schönheit - unverblümt. Mit der Zeit macht sich der Künstler einen Ruf, seine Installationen schockieren und faszinieren gleichermaßen.
Doch dann wird er des Mordes an einer jungen Frau angeklagt. Alles wirkt bizzar, unzusammenhängend und undurchdringbar. Auch die Leiche der Frau ist spurlos verschwunden... Nichtsdestotrotz schreiten die Ermittlungen immer weiter voran und schon bald zeigen sich erste Anhaltspunkte.

Der Anfang der Erzählung vermochte mich sehr zu fesseln, da mir das Schicksal Sebastian von Eschburgs äußerst nahe ging. Schon alleine was er von seiner Mutter und deren neuen Freund erleiden musste, ist schlimm genug. Zudem haben mir die Beschreibungen seiner Tätigkeit als Anfänger im Bereich der Fotografie gefallen, da sein Herumexperimentieren mit verschiedenen Blenden, Belichtungszeiten und so weiter nicht nur ihn, sondern auch den Leser fasziniert. Allerdings war die Lösung des Falles sehr offensichtlich und für mich absolut keine Überraschung. Diese Vorhersehbarkeit sorgte auch dafür, dass mir Eschbach bereits recht schnell unsympathisch wurde und mein Mitgefühl schwand.

Insgesamt handelt es sich um ein interessantes Werk mit vielversprechendem Beginn, vorhersehbarem Ende und schönem Schreibstil. Da die Lösung des Falles allerdings wenig überzeugend war, vergebe ich 2,5 von 5 Sternen!

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Gert Westphal liest Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang Goethe , Gert Westphal
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Der Hörverlag, 18.09.2017
ISBN 9783844526523
Genre: Klassiker

Rezension:

Als ich auf diese Kollektion aufmerksam wurde, war ich von der Zusammenstellung der Werke sehr angetan - auf 6 mp3-CDs mit einer Laufzeit von 63h 45 finden sich zahlreiche Werke Goethes. So umfasst die große Höredition Goethes "Autobiografie Dichtung und Wahrheit", den Reisebericht "Italienische Reise", "Die Leiden des jungen Werthers", das Versepos "Reineke Fuchs", die Gedichtsammlung "West-Östlicher Diwan", eine umfangreiche Sammlung an Gedichten und Balladen sowie Goethes Gespräche mit Zelter und Eckermann. Kurz um: Meine Neugierde war mehr als geweckt.
Gelesen von Gert Westphal, reizte mich das Hörbuch noch mehr, da mir sein Name zwar durchaus ein Begriff ist, ich jedoch zuvor noch keine seiner Lesungen gehört habe. Beschrieben wird er als "großer Goethe-Interpret" oder "König der Vorleser", der es vermag, den Worten Goethes Lebendigkeit einzuhauchen und ihren Charakter zu unterstreichen. Ein Grund mehr also, sich auf das Hörerlebnis zu freuen, dachte ich.

Die Zusammenstellung der Werke halte ich für sehr gelungen - für Goethe-Liebhaber findet sich hier ein breit gefächertes Angebot verschiedener Genre, Epochen und Thematiken. Meiner Meinung nach ist es gelungen, bei dieser Kollektion ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Allerdings, und das finde ich äußerst schade, kann ich mich den Huldigungen gegenüber dem Sprecher absolut nicht anschließen... Möglicherweise waren meine Erwartungen nach den vielversprechenden Ankündigungen auch etwas hoch - aber was ich dann zu hören bekam, war mir eher ein Graus als ein Genuss... Mir ist es noch immer ein großes Rätsel, wie man beim Lesen des Zauberlehrlings nicht im Metrum bleiben kann... Die mal 3-, mal 4-hebigen Trochäen verleihen dem bekannten Werk einen solch eingängigen Rhythmus, den sich doch eigentlich niemand zu entziehen vermag, dass man als (Vor-)leser nur so durch die Verse wallt. Selbst bei Versuchen, den Zauberlehrling als Rap zu adaptieren, blieb das Versmaß erhalten, das für das Werk doch auch so wichtig ist. Bei Westphals Lesart ging die schöne Dynamik des Werkes vollkommen verloren, man selbst war gedanklich im Werk schon weiter, auch die unbetonten Kadenzen wurden ungeachtet gelassen. Darüber hinaus sind hier in meinen Augen die Klangstruktur und semantische Ebene so eng verwoben, dass eine derart andere Betonung nicht nur das Klangbild verändert, sondern auch für gravierende Verschiebungen auf der Bedeutungsebene sorgt. So war das Lautbild ein ganz anderes - ja, Westphal hat dem Werk "Charakter" verliehen, doch ich wage zu bezweifeln, dass eben dieser der gemeinhin auf Begeisterung stoßende ist. Bei dieser Ballade ist es mir besonders schmerzlich aufgefallen, doch auch bei anderen Werken Goethes wird immer wieder an für mein Empfinden unpassenden Stellen die Stimme erhoben, eine Betonung gesetzt, eine Pause eingelegt, die Stimmhöhe gewechselt und so weiter.
Da ich mich beim Hören gedanklich so sehr an der Sprechart des Vorlesers aufgehalten habe, konnte ich mich auf die Werke selber leider nicht konzentrieren.

So lässt mich diese Kollektion etwas ratlos zurück: Eine wirklich tolle Auswahl an Werken auf der einen, aber eine für mein Empfinden wenig gelungene Präsentation dieser auf der anderen Seite. Goethe- und Westphal-Fans werden sicherlich ihre Freude haben, wenn man allerdings an Gert Westphals Art nicht sonderlich viel Gefallen findet, löst sich ein guter Teil des Hörvergnügens einfach auf.

Daher vergebe ich - noch immer etwas zwigespalten - 2 von 5 Sternen

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Heilkräuter - Überliefertes Wissen für Hausapotheke und Küche

Elfie Courtenay
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Mankau Verlag, 15.05.2017
ISBN 9783863743468
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Wissen unserer Vorfahren zu nutzen und auf die Kräuter, welche uns die Natur gibt, zurückzugreifen, wird heutzutage wieder Wunsch vieler Menschen. Deswegen gibt die Kräuterpädagogin Elfie Courtenay viele Informationen zur kulturhistorischen Entwicklung von Kräuterbrauchtum sowie Volksmedizin und portraitiert mehr als 70 Pflanzen mitsamt ihrer Inhaltsstoffe und Wirkungen, stellt somit über 250 Anwendungen und Rezepte für die eigene Hausapotheke und Küche vor.
Das Buch ist in die Einführung und die Kapitel "Volksmedizin und Kräuterbrauchtum", "Belege aus der Vergangenheit", "Typische Bräuche von einst ins Heute", "Heilkräuter von A bis Z" sowie den Anhang mit giftigen und geschützten Heilpflanzen, Wirkstoffen, Bezugsquellen und Begriffserklärungen unterteilt.

Die einzelnen Heilpflanzen werden äußerst ansprechend vorgestellt: Erkennungsmerkmale, verwendete Pflanzenteile, Sammelzeit sowie wichtige Inhaltsstoffe lassen sich stets in einem blauen Kästchen unter einer Fotografie der entsprechenden Pflanze auf einen Blick ablesen. Zudem finden sich eine Beschreibung, welche Eigenschaften, Geschichtliches oder Orte, an denen man die Pflanzen entdecken kann, eine Erklärung von Verwendungsmöglichkeiten, Nebenwirkungen, Rezepte, mögliche Verwechslungsgefahren sowie viele Abbildungen.

Mich hat das Buch angesprochen, denn auch wenn meiner Auffassung nach womöglich nicht so viele Heilkräuter wie in anderen Büchern zu dem Thema vorgestellt werden, ist die Beschreibung dieser doch sehr ausführlich. Zudem erhält man nicht nur Wissen zu den einzelnen Pflanzen, sondern zur Verwendung von Kräutern als Medizin im Allgemeinen, sodass man Heilkräuter besser einzuordnen weiß. Ich habe die Lektüre dieser einführenden Kapitel als spannend empfunden und würde das Buch weiterempfehlen.

4,5/5 Sternen

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Brennnessel

Gabriele Leonie Bräutigam
Flexibler Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Hans-Nietsch-Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783862643851
Genre: Sachbücher

Rezension:

Seit einer ganzen Weile nun sind die Superfoods auf der Überholspur und haben mittlerweile ihren festen Platz in Kochbüchern gefunden. Doch sind die meisten gängigen Superfoods wie Cranberrys oder Chia-Samen teure Produkte, die von weit her importiert werden. Dabei gibt es die gefragten Superfoods auch heimisch - regional und saisonal. Oft werden sie einfach vollkommen unterschätzt - so zum Beispiel die Brennnessel. Wissenschaftliche Studien zeigen nämlich, dass sie unser wertvollstes heimisches Blattgemüse darstellt und mit Höchstwerten an Eisen, Eiweiß und Chlorophyll zu punkten vermag. Positiv soll sie sich daher auf die Beweglichkeit der Gelenke, Entgiftung, Stärkung des Immunsystems, die Potenz, Haut und Haar auswirken und bei Allergien, Hautproblemen, Stress und Burn-Out helfen.

In dem Buch findet man 43 vegetarische und vegane Rezepte, die klar zeigen, wie lecker und abwechslungsreich Brennnesseln zubereitet werden können. Das Buch gliedert sich in die Kapitel "Wissen", "Praxis", "Ernährung", "Gesundheit", "Schönheit" sowie den Anhang. Was mir hier bereits sehr gefällt ist, dass erst im dritten Kapitel die Rezepte folgen weil man zuvor erst Wissenswertes erfährt zu den Inhaltsstoffen oder auch der Verarbeitung. Dennoch finden sich auch innerhalb dieser einleitenden Kapitel bereits Anleitungen zum Beispiel zu verschiedenen Kuren, Selbstversorger-Tipps, der richtigen Ernte (- dem schmerzfreien Pflücken ;) und rohen Naschen) und so weiter.
Ausgesprochen ansprechend ist meines Erachtens zudem die Tabelle zur Brennnessel in den Jahreszeiten sowie jene zur Verarbeitung und Vorratshaltung, welche die wichtigsten Basiskomponenten im Überblick zeigt. Die daraufhin folgenden Küchentipps runden das Bild ab und bereiten perfekt auf die Rezepte vor.
Besonders gut haben mich die Rezepte "Frühlingskräutersuppe 'Grüne Neune'" (S.50), "Frittierte Brennnesselblätter" (S. 54), "Ziegenkäse in dreierlei Nesselkleid" (S. 60), "Mini-Brennnessel-Quiche mit Sauerrahm" (S. 62), "Brennnessel-Snacks à la Sushi" (S. 64) und "Veggie-'Grillwürste'" (S. 90) angesprochen. Aber auch die anderen Rezepte haben mein Interesse geweckt, sodass ich es gar nicht mehr abwarten kann, dass die Brennnesseln endlich wieder sprießen.
Die Rezepte sind sehr verständlich und gut strukturiert gestaltet und bestens erklärt. So beispielsweise bei den Gnocchis, da hier eine Doppelseite extra erklärt wie man diese an sich am besten zubereitet - mit vielen Fotografien und einer Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Tinkturen, Smoothies und Kuren vermisst man in diesem Werk selbstverständlich keineswegs, sodass wirklich keine Wünsche offen bleiben.

Alles in allem bin ich mit diesem Buch mehr als zufrieden!

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Der Fall Collini

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714995
Genre: Romane

Rezension:

Der junge Anwalt Caspar Leinen übernimmt als ersten richtigen Auftrag die Pflichtverteidigung für einen älteren, zuvor unbescholtenen Mann, der vierunddreißig Jahre als Werkzeugmacher bei Mercedes gearbeitet hat. Der erstaunlich große Italiener hat in einem Berliner Luxushotel einen alten Herrn - scheinbar grundlos - getötet. Zu seiner Motivation schweigt er beharrlich, leugnet jedoch zu keinem Zeitpunkt seine Tat.
Das Opfer ist ein deutscher Industrieller, welcher hoch angesehen war und den Leinen noch aus seiner Kindheit kennt. Denn Heinz, das Opfer, war der Großvater von Leinens bestem Freund. So ergeben sich immer mehr Schwierigkeiten für den Anwalt: Seine emotionale Involviertheit, dass er die Verbliebenen schon Jahre kennt, dass sein Mandant nichts zu seiner Verteidigung sagt und überhaupt die Umstände der Tat vollkommen im Dunkeln liegen.
Leinen beginnt daher mit eigenen umfassenden Nachforschungen, sodass sich Stück für Stück ein stimmiges - und erschreckendes - Gesamtbild zusammenfügt.

"Der Fall Collini" ist ein sehr beeindruckendes Werk, da man anfangs genauso sehr im Dunkeln tappt wie Leinen selbst und erst Stück für Stück zu verstehen beginnt, worum es eigentlich geht. Dabei erfährt man einiges über den Ablauf von Strafprozessen und lernt aufgrund der Recherche Leinens aus weiteren Bereichen, welche ich um nichts zu verraten nicht nennen werde, dazu. Meisterhaft erzählt wird die Lektüre nie langweilig oder zäh, sondern liest sich an einem Stück und zieht den Leser von der ersten Seite an in den Bann. Allerdings eignet sich dieses Buch wegen seiner Thematik und den vielen Informationen mit denen man konfrontiert wird, keineswegs für ein Lesen zwischendurch.

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Schuld

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442714971
Genre: Romane

Rezension:

In diesem Buch werden 15 Geschichten erzählt, welche die Frage nach Schuld ins Wanken bringen. Kann man tatsächlich jemandem die Schuld zuschreiben? Gibt es immer mehrere Schuldige? Und wioe sieht es dann mit Gut und Böse aus?

Einige der Geschichten sind mir wirklich extrem nahegegangen... Besonders bei "Einsam", in der es um Larissa geht, die nach einer Vergewaltigung ihre Schwangerschaft nicht bemerkte und völlig unter Schock das Neugeborene sterben ließ, musste ich zahlreiche Pausen einlegen und das Werk erst mal eine Weile beiseite legen... Auch bei der Geschichte um den Internatsschüler Henry, welcher von selbsternannten Illuminaten in einer Spirale von Demütigungen und Gewalt beinahe ermordet wird, habe ich mich fragen müssen, wozu Menschen alles in der Lage sind...
Diese Frage hat mich eigentlich durch das gesamte Buch begleitet, da der Autor einen schonungslos an menschliche Abgründe führt und den Blick immer wieder auf die Schuldfrage richtet.
Jene ist (leider?) nicht annähernd so leicht zu beantworten wie man es gerne hätte, so stellt man beim Lesen fest. Deswegen sollte man sich nach jeder einzelnen Erzählung Zeit nehmen, um über das Gelesene nachzudenken und sich des Inhaltes bewusst zu werden.
Des Weiteren lernt der Leser noch einiges Wissenswertes, da der Autor immer wieder Fakten, Erklärungen oder Statistiken in die Geschichten einfließen lässt.
Großartig versteht von Schirach dies alles mit fesselnder Sprach zu verknüpfen.

So ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild und ein sehr empfehlenswertes Buch!

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Die Würde ist antastbar

Ferdinand von Schirach
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei btb, 13.02.2017
ISBN 9783442715008
Genre: Sachbücher

Rezension:

Auch wenn in unserem Grundgesetz steht, die Würde des Menschen sei unantastbar wird sie tatsächlich jeden Tag angetastet. In diesem Werk finden sich essays, welche präzise Situationen zeigen, in denen die Menschenwürde angetastet wird. Dabei werden unterschiedliche Themen behandelt wie der Fall Kachelmann, die Raucher- und Nichtraucherthematik und so weiter.

Die Texte sind kurz und bündig gehalten, dennoch vermag man als Leser sehr schnell und gut abzutauchen. Meiner Meinung nach ist es sehr spannend, auf welche Bereiche von Schirach aufmerksam macht. Nach dem Lesen habe ich das Gefühl noch etwas sensibler zu sein was das Thema der Menschenwürde betrifft.

Alles in allem handelt es sich um ein sehr kurzweiliges und spannendes Buch, welches man unbedingt gelesen haben sollte. Mit seinen 134 Seiten ist es zwar nicht sonderlich umfangreich, jedoch inhaltlich genug geladen um eine ganze Weile über das Gelesene nachzudenken. Dies war mein erstes Werk von von Schirach und definitiv nicht das letzte.

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Trick 17 - Küche

Kai Daniel Du , Benjamin Behnke
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Frech, 10.08.2015
ISBN 9783772474682
Genre: Sachbücher

Rezension:

In diesem Werk finden sich 222 von Kai Daniel Du und Benjamin Behnke zusammengetragene sowie ausprobierte Lifehacks, die den Alltag in der Küche erleichtern sollen. Ob beim Abwasch, beim Kochen, beim Backen oder beim Aufräumen - mit den richtigen Kniffen soll einem einiges an Arbeit erspart bleiben. Spätestens nach dem Klappentext war ich ganz neugierig, welche Alltagsdinge sich auf welche Art und Weise zweckentfremden lassen, um sich das Leben leichter zu machen.
Man findet hier:
"38 x Vorbereiten & Zubereiten
33 x Ausprobieren & Genießen
29 x Servieren & Garnieren
23 x Snacks & Mahlzeiten
26 x Outdoor & Barbecue
25 x Partys & Feiern
24 x Aufbewahren & Frischhalten
24 x Aufräumen & Reinigen"
Äußert ansprechend ist, dass diese Kapitel farblich sortiert sind, sodass man wie bei einem Wörterbuch spielend leicht sofort die richtige Kategorie auszuwählen vermag. Auch die einzelnen Buchseiten sind sehr übersichtlich gestaltet: Viele Farbfotografien und kurze (Schritt-für-Schritt-) Anleitungen ermöglichen ein leichtes Verständnis und die Möglichkeit, in Windeseile den richtigen Lifehack auszuwählen und auszuprobieren.
Die Kapitel beginnen stets mit einem kurzen Tipp beziehungsweise Ratschlag, der für den folgenden Abschnitt typisch ist. Beendet werden die Kapitel dann mit ein paar linierten Seiten, auf denen man eigene Notizen festhalten kann. So entwickelt sich das Lifehack-Buch stets weiter.

Die Lifehacks an sich sind zum Teil sehr witzig und überraschend, zum Teil aber auch schon längst bekannt und nichts Überraschendes. Bei dem ein oder anderen Tipp bezweifle ich zudem, dass sie tatsächlich eine Erleichterung darstellen - beispielsweise bin ich der festen Überzeugung, einen Apfel schneller und ordentlicher schälen zu können als wie bei Tipp 41 vorgestelllt auf einen Akkuschrauber gespießt... An Empfehlungen wie diesen merkt man deutlich, dass das Autorenduo bemüht war, möglichst viele skurrile Tipps für Anfänger wie auch Fortgeschrittene Improvisierliebhaber bereitzustellen.
Dennoch war ich überrascht, dass ich einen Großteil bereits von meiner Mutter kenne und diese sie auch nicht neu erfunden hatte...

Alles in allem denke ich, dass man viele schöne Anregungen in diesem Buch findet, auch wenn ein paar keine wirklichen Erleichterungen, aber sicherlich nicht unamüsante Spielerein darstellen. Leider sind viele der gelisteten Geheimtipps tatsächlich keine - sind sie doch längst gang und gäbe.
Ich vergebe 3,5 Sterne

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So komm ich gut an

Bernd Görner
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Scorpio Verlag, 17.04.2017
ISBN 9783958030978
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wenn man Leute danach befragt was ihrer Meinung nach wichtig ist, um schnell beruflich wie auch privat gut anzukommen, so lautet die Antwort meist "eine souveräne und sympatische Ausstrahlung". Um besser Kontakte knüpfen zu können, wäre es also von Vorteil eben jene Persönlichkeitsmerkmale zu erlenen - in "So komm ich gut an" soll dem Leser genau dies ermöglicht werden. Daher umfasst dieses Buch sowohl Übungen, Frageseiten zum Ausfüllen als auch Fallbeispiele und Praxistipps.
Bernd Görner, ehemaliger Theaterregisseur und Journalist, hat bereits beinahe 20 Jahre Erfahrung als Trainer und Coach. In diesem Werk bezieht er sich häufig auf seinen Freund Martin, der in der Weihnachtszeit mit seinem Maronenstand und seiner offenen und ehrlichen Art zu überzeugen vermag.

Mir waren diese Martinbezüge manchmal etwas zu viel, denn ich hatte schon schnell verstanden, dass in uns allen ein Martin steckt, den wir bloß noch zu wecken brauchen... Viele Übungen und Denkanstöße sind meiner Auffassung nach nicht zu unterschätzen, allerdings gab es auf der ein- oder anderen Seite auch Geheimtipps, die keine waren. Beispielsweise dürfte es selbstverständlich sein, dass ich mich anderen gegenüber aufrichtig und offen verhalten muss um Offenheit und Ehrlichkeit bei meinem Gegenüber erwarten zu können...

Mein Fazit ist daher, dass dieses Werk einige wertvolle Hilfestellungen und "Anstupser" umfasst, jedoch demjenigen, der sich bereits etwas mit der Thematik auseinandergesetzt hat, auch einige bereits bekannte Aspekte offenbart.
3,5 Sterne

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Vegetarisch - Das Kochbuch

Clémence Catz
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Hans-Nietsch-Verlag, 27.03.2017
ISBN 9783862644063
Genre: Sachbücher

Rezension:

Mit diesem Buch soll man die vegetarische Küche von Grund auf kennen- und schätzen lernen. Daher finden sich sowohl grundlegende als auch speziellere Anleitungen in diesem umfassenden Werk von 252 Seiten.
Das Buch gliedert sich in die Kapitel "Das Know-How: Küchenhelfer im Einsatz", "Die Basics: Selbst gemacht", "Wissenswertes, Küchentipps & Gerichte - von Klassisch bis Außergewöhnlich" sowie dem Anhang mit Rezeptregister, Glossar, Bezugsquellen und Literaturempfehlungen.
Im ersten Abschnitt werden Entsafter, Dörrautomat, die elektrische Kaffemühle als Hochleistungsmixxerersatz, der Gemüdehobel und die kleine Pfanne vorgestellt. Ich muss gestehen, dass ich jedes einzelne dieser Utensilien durchaus kenne und zu verwenden weiß. Deshalb denke ich, dass dieses Werk besonders für Einsteiger bestens geeignet ist und von Grund auf alle basics vermittelt - wie ja auch versprochen wird. Sehr ansprechend ist meines Erachtens, dass sowohl die Funktionsweise erläutert als auch Rezeptvorschläge für die einzelnen Küchenhelfer gegeben werden. So gibt es zum Dörrer beispielsweise eine Fruchtlederanleitung - so kann man sich bereits mit den Hilfsmitteln vertraut machen.
Das nächste Kapitel behandelt Themen wie die richtige Zubereitung von Hülsenfrüchten oder Milchkefir, die Herstellung veganer Milch, Mayonnaise, von veganem Käse, Joghurt und Ähnlichem. Auch diese Basics kannte ich bis auf wenige Ausnahmen bereits, war jedoch überrascht, welche exotischen Zutaten zum Teil verwendet werden, da ich simplere Rezepte kennengelernt habe. Die allermeisten Rezepte aus diesem Kapitel kommen jedoch mit wenigen und leicht erhältlichen Ingredienzen aus und sind daher meines Erachtens wunderbar anfängergeeignet.
Der sich nun anschließende Part vermochte mich am meisten zu überzeugen, da sich hier wertvolle Tipps zum Umgang mit vegetarischen Zutaten wie Agar-Agar oder Hilfestellungen zum Backen ohne Butter oder Eier finden. Außerdem sind die Rezepte dieses Abschnittes in meinen Augen am hilfreichsten, da sie unglaublich ausführlich und mit vielen Informationen versehen sind. So erhält man nicht lediglich ein fertiges Rezept, welches man dann stupide nachkochen kann, sondern vielmehr ein Rezept und eine Anleitung wie man das entsprechende Gericht selbst kreieren und dementsprechend an die eigenen Wünsche, Vorstellungen und Vorlieben anzupassen vermag. Außerdem werden das Kochen mit Blütenwässern und ätherischen Ölen thematisiert, was ich spannend fand.
Was mich offen gestanden ein wenig überrascht hat ist, dass ich bei diesem Werk eher den Eindruck hatte, ein Einsteigerbuch zur veganen Küche in den Händen zu halten, als ein vegetarisches Kochbuch durchzublättern. Aber auch vegetarische Rezepte sind vorhanden - ebenso wie rohköstliche.
Angesprochen hat mich, dass man sehr viel zu Techniken und Verarbeitungsmethoden erfährt, anstatt eine Rezeptesammlung vorgelegt zu bekommen. Allerdings hätte ich mich dennoch über mehr als 90 Rezeptideen gefreut, denn so hätte es noch mehr Abwechslung gegeben. In diesem Buch gibt es schließlich einige Rezepte, von denen dann Abwandlungsmöglichkeiten vorgestellt werden.
Da die Anleitungen gut bebildert und ausführlich sowie verständlich beschrieben sind, fällt das Nachmachen gar nicht schwer und es kann nichts schief gehen - ein Buch, das zum Nachmachen, Experimentieren und Kreativwerden aufruft.

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Tai Chi für zwischendurch. Kompakt-Ratgeber

Barbara Reik
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei Mankau Verlag, 23.01.2017
ISBN 9783863743772
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wenn man im stressigen Alltag von einem Termin zum nächsten hetzt, gar nicht weiß, wie man den vielen verschiedenen Anforderungen gerecht werden soll oder einem für die an einen gestellten Herausforderungen schlicht und ergreifend die Energie fehlt, ist es dringend Zeit für eine Auszeit. Mit diesem Kompakt-Ratgeber soll man mithilfe des altbewährten Wissens aus Tai Chi, Chi Gong sowie Jin Shin Jyutsu neue Kraft schöpfen und gestärkt sowie ausgeglichen durch den Alltag kommen können.
Dabei sollen die Bewegungsabläufe problemlos für zwischendruch geeignet sein, sodass man sie perfekt in den Tagesablauf einbauen kann.
Das Buch beginnt mit dem Kapitel Kapitel "Grundlagen", in dem unter Anderem die verschiedenen Begriffe und Theorien erklärt werden. So ist Tai Chi eine altbewährte, aus der chinesischen Kampfkunst hervorgegangene Trainingsmethode, welche Ausdauer und Beweglichkeit sowie Gleichgewicht und Koordination fördert. Zudem sollen die die Übungen das Immunsystem unterstützen und bei Herz-Kreislauf-Beschwerden, Angstzuständen und Stressfolgen helfen.
Qi Gong hingegen soll sowohl innerlich als auch äußerlich stärken - die Regeneration des Körpers wird angeregt, damit die Lebensenergie wieder fließen kann und man sich ruhiger, ausgeglichener und beschwingter fühlt.
Jin Shin Jyutsu soll durch Handauflegen in Kombination mit den anderen beiden Prinzipien für reichlich wohltuende Entspannung sorgen und Harmonie wieder herstellen.
Im Anschluss daran beginnt der Praxisteil, zusammengesetzt aus den Unterkapiteln "Wie übe ich richtig?", in dem die richtige Atmung, Körperhaltung und Ähnliches wunderbar verständlich erklärt werden, "Die Vorübungen", welche einen beim zur Ruhe kommen unterstützen sollen, "Die Basisübungen", "Die Übungen des Tai Chi Qi Gong", "Die Form der fünf Elemente" sowie "Hilfe zur Selbsthilfe: Jin Shin Jyutsu".
Die Übungen umfassen eine breite Spannbreite von sehr einfach und anfängergeeignet bis hin zu anspruchsvolleren Bewegungsabläufen. So hält dieses Buch für jeden das Richtige bereit.
Die einzelnen Seiten sind ganz ansprechend gestaltet: Bereits neben der Übung kann man an einem Symbol erkennen, ob die Übung im Sitzen oder im Stehen ausgeführt wird. Danach folgt stichpunktartig eine Liste, die zusammenfasst welche Effekte die Bewegungsabläufe haben, also wogegen sie beispielsweise hilft. Im Anschluss daran wird die Übung verständlich aber kurz und bündig Schritt-für-Schritt erklärt und anhand vieler Farbfotografien verdeutlicht. Außerdem finden sich häufig noch Varianten, welche man dann zum Beispiel selbst mit einem Rückenleiden ausüben kann und Tipp- sowie Hilfeboxen verbessern das Verständnis noch weitergehend.

Ich bin von der Vielzahl der wohltuenden Übungen begeistert und freue mich, mit diesem Kompakt-Ratgeber auch wenn ich wenig Zeit habe, zur Ruhe kommen und neue Energie schöpfen zu können. Da das 127seitige Buch ein sehr taschentaugliches Format hat, lässt es sich perfekt überallhin mitnehmen. Was ich zudem noch als nennenswert empfinde ist, dass dieses Werk aus Recyclingpapier in Deutschland hergestellt worden ist.
Von mir gibt es daher eine ganz klare Empfehlung und volle fünf Sterne!

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Cuba!

Dan Goldberg , Andrea Kuhn , Jody Eddy , Claudia Theis-Passaro
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Christian München, 22.03.2017
ISBN 9783959611121
Genre: Sachbücher

Rezension:

So abwechslungsreich wie die Königin der Karibik selbst ist auch Kubas Küche: kreolische, afrikanische, karibische und spanische Einflüsse tragen zu einer unglaublich vielseitigen Küche bei, die zu entdecken es sich lohnt. Mit diesem Buch begibt man sich auf eine Reise durch die kubanische Küche und Kultur, da das Autorenteam bemüht war, nicht bloß Rezepte abzudrucken, sondern darüber hinaus einen Einblick in die Lebenswelt auf der karibischen Insel zu gewähren. So weckt "Cuba!" die Reiselust, weckt das Fernweh und stimmt einen für eine Kubareise richtig ein.

Die Rezepte sind in die Kapitel "Grundrezepte", "Naschen & plaudern", "Kubanische Kraftpakete", "Am Malecón", "Drei Amigos", "Töpfe & Eintöpfe", "Dim Sum & ein bisschen Rum", "On the Road", "Azúcar (Zucker" sowie "Happy Hour auf Kuba" gegliedert und durch das Kapitel "Der kubanische Vorratsschrank" abgerundet. Wie man bereits an den Überschriften erkennen kann, begleitet man das Trio auf der Reise über Kuba und lernt so nicht nur leckere Gerichte, sondern auch Land und Leute kennen. Durch Anekdoten und Erzählungen erhält das Buch den Charme eines Reisetagebuchs, in welchem die Reisenden viele Leckerein verewigt haben, um später immer wieder in Urlaubsgefühlen und Erinnerungen schwelgen zu können. Da es zu den aller meisten Rezepten zudem eine kleine Einführung mit Wissenswertem enthält, erhält dieses Werk einen persönlichen Hauch und durch die "Reiseberichte" werden die Authentizität sowie die Gastfreundlichkeit und Freundlichkeit der Kubaner spürbar.
Die Rezepte sind ausgesprochen vielseitig und bisher war jedes der ausprobierten ein wahrer Gaumenschmauß. Ich war über die Vielseitigkeit der kubanischen Küche sehr überrascht und wirklich begeistert, denn so kommen Freunde der verschiedensten Geschmacksrichtungen auf ihre Kosten.
Was mir zudem zusagt, ist das Kapitel zu Cocktails und Kuchen, da so ein stimmiges Gesamtbild entsteht und man sich eine wunderbare kubanische Woche machen kann. Den Mojito-Kuchen beispielsweise muss ich möglichst bald mal ausprobieren.

Alles in allem ist dieses Buch äußerst empfehlenswert und mehr als nur ein Kochbuch. Durch zahlreiche wunderbare Fotografien, Geschichten über Begegnungen mit Kubanern, vielfältige Rezepte und sehr verständliche Anleitungen kann man voller Freude nach Kuba abtauchen. Was noch auffallend ist, dass Zeitangaben gänzlich fehlen - ich bin eigentlich ein großer Freund solch realistischer Einschätzungen, dennoch lässt man sich auf diese Art und Weise auf viel mehr Gerichte ein, gibt auch zeitlich Aufwendigerem eine Chance und konzentriert sich auf das Kochen als Erlebnis, die Zubereitung und den Geschmack, anstatt einen straffen Zeitplan im Hinterkopf zu haben.
Und gerade bei einem kubanischen Kochbuch, ist diese entspannte Herangehensweise doch unbedingt angerbracht und passend.

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Autobiographie

Agatha Christie
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783455000528
Genre: Biografien

Rezension:

"Eigentlich sollte ich einen Krimi schreiben, doch der natürliche Drang des Schriftstellers, alles zu Papier zu bringen, nicht nur das, was er sollte, erweckt ganz unerwartet in mir das Verlangen, meine Autobiografie zu schreiben. Dieses Verlangen, so wurde mir versichert, überkommt früher oder später jeden. Jetzt hat es plötzlich mich überkommen." (S.13)
Zu Lebzeiten war die Queen of Crime immer sehr öffentlichkeitsscheu, weswegen man über die Presse wenig über ihr Privatleben erfahren konnte. Erst ein Jahr nach ihrem Tod, wurde ihre Autobiografie veröffentlicht und zeigt sehr detailliert und wunderbar ansprechend geschrieben ein ganzes Leben auf. Man begleitet Agatha Christie auf Streifzügen durch ihre Kindheit, erfährt vieles über ihre Jugend und ihr Erwachsenenalter - auch wenn ihr rätselhaftes Verschwinden nicht thematisiert wird.
Stück für Stück konnte ich mir ein besseres Bild von der berühmten Kriminalautorin machen und war sehr angetan von der Möglichkeit, ihre Entwicklung miterleben zu dürfen. Man ist hautnah dabei wenn sie größer wird und die Puppenhäuser echten Immobilien weichen.
"Ich sehe jetzt ganz klar, dass ich noch immer nicht aufgehört habe, mit Häusern zu spielen. Ich habe unzählige Häuser besucht, gekauft, getauscht, eingerichtet, ausgestattet und baulich verändern lassen. Häuser! Gott segne die Häuser!" (S.73)

Auffällig ist, dass die Erzählung immer wieder in Zeit, Ort und Thema springt, was daran liegt, dass die Autorin gerade einen geeigneten Punkt erreicht hat, um eine Brücke zu schlagen. Da Agatha Christie ihre Autobiografie gesprochen und über Tonaufnahmen (leider nur größtenteils dauerhaft) festgehalten hat, liest sich ihr Buch so, als würde sie vor einem lodernden Kamin sitzen und aus ihrem Leben erzählen.
Ich habe mich daher bei der Lektüre sehr wohl gefühlt und empfand eine sehr angenehme, vertraute Atmosphäre beim Lesen. Die Autorin wirkt so authentisch und offen und erzählt von derart vielen Erlebnissen, dass es mich schwer beeindruckte.
"Der Gedanke mutet seltsam an, aber wir erkennen erst dann, dass wir einen Menschen wirklich lieben, wenn er lächerlich aussieht." (S.74)
Immer wieder lässt die Schöpferin von Poirot und Miss Marple kleine Erkenntnisse, vielleicht sogar Lebensphilosophien und -weisheiten, einfließen, was erneut sehr viel Vertrautheit spüren lässt. Außerdem konnte ich über viele Aussagen eine ganze Weile nachdenken und war beeindruckt, sie von jemandem mit einem derart bewegten Leben hören - beziehungsweise lesen - zu dürfen.
Was mich darüber hinaus stark fasziniert hat , war, dass man zahlreiche Parallelen zwischen den unglaublich vielen Reisen der Queen of Crime und den Handlungsorten ihrer Kriminalromane entdecken konnte. Überhaupt hat mich beeindruckt, wie viel Agatha Christie von der Welt gesehen hat.
""Es liegt mir nicht, Informationen aus der Hand zu geben." (...) Wenn sie mir nicht relevant oder interessant erschienen, steckte ich alle Informationsschnitzel weg, die mir zugetragen wurden, heftete sie sozusagen in einen Ordner in meinem kopf ein - für die übrigen Mitglieder meiner Familie, die allesamt extravertierte Plaudertaschen waren, eine unverständliche Gepflogenheit." (S.125)
"Zweifellos war ich ein langweiliges Kind mit den besten Aussichten, die Sorte von Mensch zu werden, die sich besonders schwer in eine Gesellschaft einbeziehen lässt." (S.125)
Das Buch zeigt den Menschen hinter dem Mythos. Äußerst interessant war für mich zu lesen, welche ihrer Werke der Queen of Crime mehr, und welche weniger, zusagten - denn diese Einschätzungen gehen mit der weitläufigen Lesermeinung nicht unbedingt einher.
Selbstverständlich gibt es auf den 640 Seiten eine ganz schöne Menge an Informationen, weswegen ich mir die Lektüre offen gestanden etwas einteilen musste. Hätte ich versucht, die Autobiografie mehr oder weniger an einem Stück zu lesen, so hätte ich die Anekdoten nicht ausreichend zu schätzen gewusst oder gar nicht erst richtig wahrgenommen. Wohl dosiert und in mal kleineren, mal größeren Häppchen ist dieses Werk jedoch wahrlich ein Genuss.

Ich bin sehr froh, dieses mächtige, spannende, faszinierende und beeindruckende Werk gelesen zu haben und kann es jedem Leser Agatha Christies Kriminalromane nur wärmstens ans Herz legen. Man erfährt äußerst viel zu ihrem Leben und Wirken, den gesellschaftlichen und zeitlichen Umständen sowie zu ihren Einstellungen und Erkenntnissen.

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So schmeckt Thailand

Lonely Planet , Gabriele Lichtner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Christian München, 22.03.2017
ISBN 9783959611046
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die thailändiche Küche zeichnet sich durch eine Vielzahl exotischer, scharfer, pikanter und raffinierter Aromen aus, welche gerne kombiniert werden um eine Ausgewogenheit zu erlangen. Lonely Planet hat auf einer Reise durch das kulinarische Thailand festgestellt, welche Unterschiede es regional in der durch die chinesische, indische und europäisch geprägte Küche gibt – so ist der traditionelle Norden eher durch die Verwendung saisonaler und milder Zutaten, Zentralthailand durch die kulturelle Vielfalt Bangkoks und der Süden durch Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten geprägt. Eins scheint jedoch jeder Region gemein: Die Verbundenheit zu dem Essen. Die Gerichte haben häufig eine große Bedeutung und sind so beispielsweise mit der Familiengeschichte verwoben, da sie von Generation zu Generation weitergegeben werden oder gehören zu einer regionalen Tradition. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es sich hier nicht um Fast Food handelt: Häufig köcheln Gerichte stundenlang vor sich hin, bis sie ihren wunderbaren Geschmack vollends entfaltet haben und im geselligen Beisammensein das Essen eingenommen wird.
Die Autoren haben für „So schmeckt Thailand“ zahlreiche Gastronomen und Produzenten aufgesucht und sich mit ihnen ausgetauscht. So enthält dieses Buch nicht nur authentische Rezepte, die teilweise über Genereationen perfektioniert wurden, sondern darüber hinaus Informationen zum jeweiligen Koch und seienr Region in Thailand. Auf diese Weise erfährt der Leser noch Spannendes über Land und Leute und kann bestens nach Thailand abtauchen oder weiß die Gerichte noch besser zu würdigen.
Gegliedert wird das Kochbuch in die Regionen „Zentralthailand und Bangkok“, „Nordthailand“, „Nordostthailand“ sowie „Südthailand“. Dies sit äußerst ansprechend gelöst, da zu Beginne ines jeden Kapitels zunächst eine Karte anschaulich verdeutlicht, mit welcher Region sich im Folgenden befasst worden ist und eingezeichnet wurde, wo die einzelnen Köche zu finden sind. Des Weiteren wird jedem dieser Punkte auf der Karte das entsprechende Gericht mit einer Zahl zugeordnet, welches mitsamt Bezeichnung und Seitenzahl daneben gelistet ist.
Im Anschluss daran folgen jeweils die Rezepte, Vorstellung der Köche und der Gegend.
Da sich beim Erstellen des Buches um Authentizität bemüht wurde, sind die Rezepte genauso niedergeschrieben worden, wie von den Köchen beschrieben. So werden teilweise exotische und in Deutschland selbst im Asiamarkt schwer auffindbare Zutaten verwendet oder Gerichte aufwendiger zubereitet, da beispielsweise auf Elektrogeräte verzichtet und lieber ein Mörsel oder Ähnliches verwendet wird. Wie im Vorwort bereits angekündigt, steht es dem Kochbegeisterten jedoch selbstverständlich frei, die Rezepte an den eigenen Zeitplan und die eigene Küchenausstattung anzupassen. Darüber hinaus lassen sich auch die Zutatenlisten modifizieren: Bei sehr außergewöhnlichen Zutaten werden Alternativen genannt und der Schärfegrad darf gerne etwas runtergeschraubt werden.
Da eine thailändische Mahlzeit häufig aus mehreren kleinen, in der Mitte der Runde aufgestellten, Gerichten besteht und nur manchmal aus einem großen, sind die Mengenangaben anders als in anderen Büchern: So wird zum Beispiel beschrieben, wie viele Portionen als Teil einer größeren Mahlzeit diesem Rezept entsprechen. Mich hat dies sehr angesprochen, weil in vielen Kochbüchern selbst ein solcher Teil einer Mahlzeit gerne als eigenständige Portion dargestellt wird, weswegen man sich dann plötzlich über die kleine Menge wundert. Außerdem wird man auf diese Art dazu animiert, verschiedene Köstlichkeiten zu kombinieren und direkt mehrere Rezepte gleichzeitig auszuprobieren. Sehr gut lässt sich dies zudem dadurch leisten, dass es sowohl zeitlich gesehen aufwendigere als auch sehr schnelle Rezepte in diesem Buch gibt. So kann man die Rezepte perfekt aufeinander abstimmen.
Sehr ansprechend sind des Weiteren die ungefähr 275 Abbildungen, die schon beim ersten Durchblättern das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen und das Fernweh zu wecken vermögen. Dank der Gespräche mit den Köchen ist man näher an dem jeweiligen Gericht, lernt etwas über (Koch-)Kultur, Landschaft und vieles mehr. Sympathisch wirken auf mich auch die Zitate, welche sich häufig auf den Rezeptseiten finden lassen: Hier kommentieren die Köche beispielsweise die Gerichte und geben an, dass sich die Mahlzeit alternativ auch mit Fisch/Fleisch/Garnelen/… zubereiten lässt – je nachdem was heute gefangen worden ist.
Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Kochbuch, welches einen nach Thailand entführt und mit großer Leichtigkeit die Vielfalt und Ausgewogenheit der thailändischen Küche vor Augen führt. Nicht nur die wunderschöne Gestaltung sondern auch das Nahebringen von Land und Leute machen „So schmeckt Thailand“ zu einem besonderen Werk, dessen authentische Rezepte und Geheimtipps aus erster Hand man nur zu gerne in die eigene Küche bringt.

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