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156 Bibliotheken, 0 Leser, 4 Gruppen, 53 Rezensionen

thriller, perry hollow, mord, sarg, serienkiller

Das Schweigen der Toten

Todd Ritter , Michael Windgassen
Flexibler Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch, 25.01.2011
ISBN 9783499255885
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
In Perry Hollow, einem verschlafenen kleinen Nest, mitten im ländlichen Nirgendwo Pennsylvanias wird eine grausam zugerichtete Leiche in einer Holzkiste gefunden. Der Tote ist ein älterer (unbescholtener) Farmer, George Winnick, aus Perry Hollow, der weder Feinde hatte, noch sonst irgendein Motiv für die Tat liefert. Kat Campbell die örtliche Polizeichefin, die bisher außer einigen Raufereien oder Trunkenheitsfahrten keine großen Verbrechen aufklären musste, holt sich Hilfe von der Bundespolizei, das ruft Nick Donelly zusammen mit seinem Team, auf den Plan.
Nachdem sich der örtliche "Nachrufschreiber" Henry Goll meldet, dass er kurz vor dem Tod des Farmers schon ein Fax über sein Ableben erhalten hat, wird klar, hier geht es um mehr als nur Rache an einem älteren Mann.

"Das Schweigen der Toten" ist der Debüt-Thriller von Todd Ritter, dem ich leider, auch mit viel gutem Willen, kaum mehr als Mittelmaß bescheinigen kann. Für einen "Erstling" sicher kein schlechtes Buch, allerdings für mehr als einen Versuch, sich von der Masse der (Einheits-)Thriller abzuheben, reicht es nicht aus. Ich weiss nicht, ob ich gerade nicht einfach zu viele Bücher aus dieser Richtung gelesen habe, dass mich dieses bekannte Schema (Psycho-Täter, Ermittler mit kleinem bis mittelgroßem Spektrum an Problemen, einige (mitunter ungeschickt präsentierte) Verdächtige, bei denen von vornherein klar ist, dass sie noch nicht der richtige Psycho sein können, denn was wäre dann der Inhalt der restlichen zwei Drittel des Buches) einfach nicht mehr "vom Hocker reißt".
Normalerweise sind Thriller meine bevorzugte "Einschlaflektüre", ich erwarte damit auch keine großen Denkanstöße, nur sehr (sehr) bedingt (Lebens-) Weisheit, nicht unbedingt Stoff zum Nachdenken, nur etwas, das mich "beunruhigt" einschlafen lässt - einfach ein wenig "Thrill" oder Gruselstimmung, menschliche Abgründe und eine Geschichte, die mich (trotz oder gerade wegen meines recht geringen Anspruchs) nicht unterfordert und an 100 andere Bücher erinnert.

Todd Ritter hatte auch einige gute Ansätze, sich etwas von der Masse abzuheben, welche allerdings entweder etwas halbherzig waren oder irgendwie verkümmert sind. So beginnt es schon mit dem Opfer, keine schöne junge Frau, nein, ein älterer Mann, das hat ja prinzipiell schon einmal ein gewisses Potenzial.
Dem ersten Toten folgen natürlich noch weitere, zeitlich aber mit größerem Abstand, die Geschichte zieht sich quasi über mehr als ein halbes Jahr (was man fast überlesen hätte können).
Einige Klischees wurden auch gar nicht bemüht (schön), so gab es keine Reibereien zwischen den Behörden und keine Lovestory zwischen Kat und Nick (was ich mir allerdings durchaus noch vorstellen könnte, sollte dies nicht das einzige Buch mit den beiden bleiben).
Dann gab es noch Henry Goll, ein Charakter, der eigentlich auch noch ausbaufähiger gewesen wäre, Problembeladen, entstellt, einsam und durch die seltsamen Faxe in den Fall involviert, aber auch seine Geschichte verläuft recht seicht im Sand.
Aber damit hat es sich dann auch schon, mit dem Auslassen der (schon zig malig bemühten) Klischees - Kat (eine perfekt unperfekte Frau mit kleinen Fehlern, geschieden, alleinerziehend…) ist Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom (was mir so zwar noch nicht untergekommen ist, aber leider so herzig und relativ problemlos geschildert wird, als wäre er nur ein Kind mit einer gewissen Lernschwäche). Nicks (er ist übrigens gutaussehend) Schwester wurde wahrscheinlich Opfer eines Serientäters und er klärt (Serien-)Verbrechen sozusagen in ihrem Namen auf… (…kommt mir irgendwie "unheimlich" bekannt vor…).
Das ganze ist noch garniert mit einigen Bewohnern von Perry Hollow, dem örtlichen Kleinganoven, Leuten die entweder ihren (seltsamen) Hobbys nachgehen oder sich anderweitig ein wenig verdächtig machen, aber alle beschriebenen Menschen sind oder werden in irgendeiner Form in den Fall einbezogen, es gibt niemanden, der nicht involviert wird, da fehlt der Geschichte einfach ein "Teil Geschichte", der der Tiefe und Atmosphäre verleiht, der zu den Morden noch etwas erzählt - so war mir das leider einfach zu wenig, Ansätze dazu wären ja auch vorhanden gewesen.

Die Taten an sich sind relativ brutal, was sich schon im Prolog abzeichnet, denn da erlebt man die letzten Minuten von George Winnick mit und man (frau) möchte nicht unbedingt mit hm tauschen… Aber auch das ist nichts was ich nicht schon unzählige Male gelesen habe, brutal - "schön und gut", ein schockierender Einstieg - mag ich eigentlich, aber wenn der einzige Unterschied zu anderen Büchern in den Details der Grausamkeiten liegt, ist mir auch das zu wenig. Ansonsten finden sich noch Beschreibungen zum Einbalsamieren von Toten, was zwar auch nicht für schwache Nerven geeignet ist, allerdings weit hinter meinen Erwartungen zurückblieb (denn auf einer der ersten Seiten bekam der Leser Vorschusslorbeeren in Form von: «Ein äußerst überzeugendes, vor Blut nur so triefendes Debüt.»….. präsentiert.)
Die Geschichte wird genretypisch (einfach) aus der Sicht von Kat, Nick oder Henry Goll erzählt. Kurze Kapitel mit einigen Überraschungen und kleinen Cliffhangern, die sich in der Regel im nächsten Kapitel auflösen. Vieles wird meiner Meinung nach (zu) kurz abgehandelt, Nebenhandlungen und Nebencharaktere (und damit auch der gesamte Inhalt) kommen etwas zu kurz (und wenn nicht zu kurz, dann einfach etwas lieblos und mit wenig Raffinesse).
Zeitlich ist der Thriller in drei Teile aufgeteilt, grob gesagt handelt es sich die jeweiligen Zeitabschnitte der Morde, die jeweils ähnlich strukturiert sind und sich kaum voneinander unterscheiden.
Die Umschlaggestaltung verspricht meiner Meinung nach mehr "Thrill" als das Buch letztendlich bietet, der Titel dagegen ist eigentlich recht passend, denn den Opfern wird (vor ihrem Tod) der Mund zugenäht…

Auch mit dem Ende lässt es sich bei mir nicht punkten, erwartungsgemäß ein großer Showdown mit einem Täter, der dem geübten Leser spätestens ab der Mitte des Buches, ins Visier gekommen ist und ein Motiv, das man nur als an den Haaren herbeigezogen bezeichnen kann.

Insgesamt kein schlechter, aber auch keinesfalls mehr als ein durchschnittlicher (teilweise recht brutaler) Debüt-Thriller, der dem Genrekenner leider kaum etwas neues oder außergewöhnliches bieten kann - keine neue Idee, im besten Fall einige spannende Lesestunden.

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krimi, mord, regen, liebe, autobahn

Das Regenmädchen

Gabi Kreslehner
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 16.12.2010
ISBN 9783550088605
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Eine junge Frau läuft über die Autobahn und wird nachts, bei Regen von einem Auto erfasst und überfahren. Die Tote ist jung, hübsch, gut gekleidet und bei sich hat sie nichts, was auf ihre Identität schließen lassen könnte. Die Ermittler Franza Oberwieser und Felix Herz stellen schnell fest, dass die junge Frau Verletzungen hat, die nicht von dem Unfall herrühren können, als in der Nähe der Autobahn, auf einem Rastplatz Blutspuren gefunden werden, wird recht schnell klar, der Tod war (nicht ausschließlich) ein Verkehrsunfall, die junge Frau wurde schon auf dem Rastplatz verletzt und möglicherweise ihrem Schicksal überlassen oder auch verfolgt und von ihrem Verfolger auf die Autobahn getrieben.
Franka und Felix machen sich auf die Suche nach der Identität der Toten, nach dem Motiv, das ein eventuell vorhandener Verfolger gehabt haben könnte und finden die traurige Geschichte des "Regenmädchens".

Meine Meinung:
"Das Regenmädchen" ist das Krimidebüt von Gabi Kreslehner, vorher hat sie einige Kinderbücher veröffentlicht.
Zum Einstieg in die Geschichte findet sich der Leser (oder wahrscheinlich eher die Leserin, ich denke, es ist ein Buch, das eher die Damenwelt anspricht) in dem Fahrzeug des Unfallfahrers, der auf der regennassen A9 zu seiner Familie unterwegs ist, unterwegs mit einer Lüge im Gepäck, denn er war bei seiner Geliebten, nicht auf Geschäftsreise, als plötzlich eine Gestalt auf sein Auto zutorkelt und er nichts gegen die Kollision tun kann. Ein Unfall - der nicht nur das Leben der jungen Frau kostet, auch das Leben des Fahrers wird von einer Sekunde auf die andere aus der Bahn geworfen, einerseits wird er die Wahrheit sagen müssen, andererseits muss er auch mit der Schuld weiterleben, die, auch wenn er eigentlich nichts dafür kann, mit dem Tod der Frau verbunden ist.

Danach entwickelt sich die Geschichte in drei Ebenen weiter, zum Großteil mit der Geschichte der Kommissare und deren Ermittlungen, einen kleineren Teil des Buches nehmen die Gedanken eines jungen Mannes namens Ben ein, der seine Beziehung zu seiner Freundin Marie schildert und im letzten Drittel des Buches werden einige Gedanken des Täters offenbart, diese beiden Erzählstränge sind kursiv gedruckt, was dem Leser den Wechsel der Perspektive ankündigt und am Schluss vermuten lässt, dass Ben und der Täter identisch sein könnten.

Der Stil in dem das Buch geschrieben ist, lässt sich durchaus als sehr eigen bezeichnen, kurze Sätze, teilweise mit poetischem Einschlag, die mir außergewöhnlich gut gefallen haben und die meist Franzas Gedankenwelt entsprungen sind. Am Anfang des Buches kommt das recht häufig vor, was das Buch wirklich besonders macht, allerdings relativiert sich leider die Häufigkeit der schönen verschnörkelten Gedanken im Laufe des Buches.
Ein extremer Kontrast zu den lyrischen Gedanken bietet auch relativ schnell schon Bens Geschichte, von Marie erzählend (…"Titten wie Melonen"…) - hmm, nicht ganz so schön (und verdammt wenig poetisch), einerseits ok, verdeutlicht es, als Kontrast, Franzas doch recht poetische und schön düster "ver-rückte" Welt, aber andererseits passt es für mich nicht so ganz in den Kontext (…Ben scheint Marie zu lieben, zu vergöttern, denkt ein halbwegs intelligenter Mensch (auch wenn es ein Mann ist) so etwas?…). So wechseln sich schöne (wenn auch meist traurige) Gedankenfragmente, mit teilweise sehr umgangssprachlichen (und harten) Begriffen ab - zumindest ungewöhnlich, ich weiss nicht, ob das der Versuch ist, das Buch auch für die Herren der Schöpfung lesbar zu machen (aber reicht da ab und zu mal "Titten" und "fi..en" aus?), oder ob es einfach nur als Kontrastpunkt dienen soll, um die düstere Grundstimmung des Buches besser zur Geltung kommen zu lassen.

Die Stimmung des ganzen Buches ist durchaus als "regnerisch" zu bezeichnen, ein düsteres, fast hoffnungsloses Buch, das ein wenig an die düsteren Krimis und Thriller aus nordischen Landen erinnert, aber nicht ganz an die Qualität der Geschichten der "Nordländer" heranreicht. Sprachlich finde ich das Buch außergewöhnlich und durchaus (… für Leser, die die zwischendurch härtere Gangart nicht stört…) gelungen, anfangs kann auch die Story auch noch einiges bieten, was sich aber im Laufe der Geschichte etwas (wie auch die Poesie) relativiert.

Ein Krimi der mit wenig Blut auskommt, die Stärke des Buches ist eigentlich die ruhige Weise, in der es erzählt wird, im Vordergrund stehen die Geschichten (vor allem Franzas) und der Beteiligten.
Die Autorin versucht über die kursiven Gedankeneinschübe Spannung zu erzeugen, was auch anfangs gut gelingt, denn der Leser weiß nicht wer Ben (Franza hat einen gleichnamigen Sohn) und Marie (die Tote?) sind. Jedoch verzettelt sie sich meiner Meinung nach recht schnell, indem sie das Augenmerk auf Franzas Leben lenkt, eine Frau am Rande eines Burnout, vom Ehemann betrogen, selbst ihren Mann betrügend, die versucht Ehe, Boyfriend, Familie und Beruf in einem Leben unterzubringen.
Wahrscheinlicher wäre ich etwas begeisterter, wenn sich Franzas anfängliche Gedankengänge durchs ganze Buch gezogen hätten, wenn sie auch ihr Leben, ihre Ehe oder ihren Freund auf eine ähnliche Weise "bedacht" hätte wie sie anfänglich über den Regen oder das "Regenmädchen" philosophiert hat, jedoch verliert sich das zunehmend und ein ebenfalls etwas härterer Ausdruck hält Einzug.

Charaktere neben Franza und dem "Regenmädchen" bleiben etwas blass, hätten mehr Tiefe benötigt, was schon bei Felix beginnt, der zum 4. Mal Vater wird und ab der zweiten Buchhälfte ständig Magen- und Verdauungsprobleme hat (will ich so etwas als Leser eigentlich überhaupt wissen?), aber ansonsten irgendwie nicht greifbar wird.
Einige (kleinere) Handlungsstränge fand ich deplaziert (z.B. die Entwicklung des Unfallfahrers) und kann mir nicht erklären, warum das überhaupt Erwähnung fand, denn zur Entwicklung der Geschichte war es nicht notwendig (und auch noch vollkommen unglaubwürdig).
Die "Krimihandlung" plätschert eigentlich nur neben viel Privatem dahin, der geübte Krimileser wird schnell merken woher der Wind weht, welche Spur(en) in die falsche Richtung gehen und wer wirklich etwas mit dem Tod der jungen Frau zu tun hat.
Die Covergestaltung ist passend zu Buch, visualisiert die Traurigkeit, die sich eigentlich durch das ganze Buch zieht und auch, wenn man sich anfangs wundert, warum ein Kind, denn die Tote ist ja schon etwas älter, abgebildet ist, gibt das Buch zum Ende eine Erklärung dafür.

Insgesamt ein eigenständiger (nicht ganz genretypischer) Krimi, der mir als Leser nicht schon bekannt vorkam und der auf sehr eigenwillige (und außergewöhnliche) Art erzählt wird - allerdings auch mit kleinen Schwächen kämpft. Für ein Debüt vergebe ich vier Sterne (sonst würde ich wohl noch einen abziehen, denn aus der Geschichte und den sprachlichen Spielereien hätte noch einiges mehr herausgeholt werden können).

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761 Bibliotheken, 9 Leser, 13 Gruppen, 138 Rezensionen

aachen, thriller, mord, psychiater, psychothriller

Das Wesen

Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.12.2010
ISBN 9783596186327
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
1994 - ein kleines Mädchen wird ermordet aufgefunden, die Kommissare Alex Seifert (ein Neuling) und Bernd Menkhoff (ein alter Hase) suchen im Umfeld des Kindes nach dem Mörder und werden nach einer Zeugenaussage fündig, der in der Nachbarschaft wohnende Psychiater Dr. Lichner wird, nach dem sich Menkhoff stark für seine Überführung engagiert hat, bei einem Indizienprozess, für 13 Jahre inhaftiert.
15 Jahre später erhält Kommissar Menkhoff einen anonymen Anruf, dass ein Mädchen verschwunden ist, der Anrufer nennt die Adresse, wo das Kind, bzw.seine Eltern wohnen sollen und legt auf. Als die beiden die Angaben überprüfen, fahren sie zu genannter Adresse und Dr. Lichner öffnet die Tür… und die Ermittler finden heraus, er hat eine kleine Tochter…

Meine Meinung:
Das Buch beginnt mit einem Prolog aus dem Jahr 2007, ein Mann wird aus einer Justizvollzugsanstalt entlassen, er ist voller Hass und sinnt auf Rache. Wer dieser Mann ist, darauf wird nicht eingegangen, doch wird dem Leser relativ schnell klar, dass es sich bei dem ehemaligen Häftling um Dr. Lichner handeln müsste.

"Das Wesen" hat mir etwas besser gefallen, als Arno Strobels Psychothriller-Debüt "Der Trakt", welches mir einfach zu sehr Frauenbuch als Thriller war. Im Anschluss an "Der Trakt" konnte man bereits eine Leseprobe dieses neuen Thrillers von Arno Strobel lesen und die Leseprobe hat mich damals durchaus angesprochen, die ersten Seiten sind (wieder) als sehr spannend zu bezeichnen.
Aber auch schon wie beim Vorgängerbuch hatte ich meine Probleme mit dem Buch und den handelnden Personen "warm" zu werden. Aus Arno Strobel und mir scheint es (literarisch) irgendwie nichts zu werden. Ich höre und lese relativ viele gute, oder sehr gute Kritiken über Arno Strobels Bücher, bei mir funktioniert Arno Strobels Stil des Geschichtenerzählens nicht richtig, ich halte die Bücher für durchaus interessant und lesenswert, kann mich aber der allgemeinen Euphorie nicht anschließen, für mehr als (diesmal) eine gute Grundidee und einen etwas besseren durchschnittlichen deutschen Thriller, reicht es meiner Meinung nach einfach nicht aus.

Die Geschichte wird (prinzipiell) in zwei Zeitebenen, im Jahr 1994 und im Jahr 2009, erzählt (nur im Prolog wird einmalig die Zeitebene 2007 verwendet). In der ersten Hälfte des Buches wechselt der Leser in kurzen Kapiteln stets zwischen den Jahren 1994 und 2009. 1994 wird die Geschichte der verschwundenen 4 jährigen Juliane und die Ermittlungen rund um ihr Verschwinden erzählt. 2009 begleitet der Leser Menkhoff und Seifert, wie sie wieder auf Dr. Lichner treffen, der sich wieder verdächtig benimmt. Die zweite Hälfte des Buches erzählt dann nur noch aus dem Jahr 2009.
Die Spannung resultiert anfangs weitgehend daraus, dass die beiden Geschichten parallel erzählt werden, die (relativ) kurzen Kapitel wechseln in der Regel mit einem Cliffhanger und natürlich möchte man als Leser wissen wie die einzelnen Erzählstränge weitergesponnen werden und wird so sehr gut "bei der Stange" gehalten.
Betrachtet man allerdings die beiden Geschichten losgelöst voneinander sind sie zwar durchaus recht spannend, aber nicht wirklich außergewöhnlich.
Weiterhin erzeugt Arno Strobel Spannung, indem er Alex Seifert schon 1994 an Menkhoffs Ermittlungsarbeit zweifeln lässt, Alex ist schon anfangs nicht 100%ig von Dr. Lichners Schuld überzeugt (behält seinen Verdacht aber für sich, da er sich als Neuling nicht unbeliebt machen möchte) und auch 2009 mehren sich die Anzeichen, dass evtl. Menkhoff etwas übermotiviert und voreingenommen gegenüber Dr. Lichner ist. Als Leser ist man sich stets nicht im Klaren, ob Dr. Lichner eventuell zu unrecht beschuldigt wurde oder ob er wirklich dafür verantwortlich ist, was ihm vorgeworfen wurde, aber auch bei Menkhoff kann sich der Leser nicht wirklich sicher sein, welches Spiel er spielt.
Und ich glaube hier ist der Knackpunkt, warum auch dieses Buch bei mir nicht funktioniert, ähnlich wie bei "Der Trakt", weiss man als Leser nie wirklich, wer zu den "Guten" oder wer zu den "Bösen" gehört, fast jedes Kapitel wechseln auch die Verdachtsmomente, dieses stete "verdächtig on-off" - dieses Kapitel scheint er ein "Guter" zu sein, im nächsten Kapitel scheint er es nicht zu sein, sorgt anscheinend bei den meisten Lesern für besondere Spannung, bei mir sorgt es dafür, dass keiner der so dargestellten Charaktere mir wirklich nahe kommt, keiner wächst mir ans Herz, mit niemanden fiebere ich wirklich mit - ich bin Betrachter, stehe daneben, bin aber nicht im Geschehen.
Auch die Hauptcharaktere sind meiner Meinung nach nicht besonders gut angelegt, das größte Manko ist allerdings, dass für mich wirklich niemand wirklich sympathisch rüberkommt.
Da ist zum einen der Verdächtige Dr. Lichner ein durch und durch unsympathischer Mensch, arrogant und voller Selbstüberschätzung. Dann die Ermittler - Menkhoff, der gegenüber dem Verdächtigen übermotiviert, dessen Lebensgefährtin anbaggernd und eigenbrötlerisch (aber alles andere als sympathisch) wirkt. Alex Seifert bleibt farblos, er scheint sich in den 15 Jahren, die zwischen den beiden Fällen nicht wirklich entwickelt zu haben, er ist nicht in der Lage seine Verdachtsmomente gegenüber Menkoff zu benennen, oder einmal "auf den Tisch zu hauen" - viel von seinem Privatleben wird nicht viel beschrieben, aber wenn, dann jammert er sich bei seiner Lebensgefährtin aus (hmm, ganz nett, aber taugt auch nicht wirklich als (einziger) Sympathieträger).
Eine etwas größere Rolle nimmt noch die ehemalige Lebensgefährtin Dr. Lichners ein, Nicole Klemmend, die wahrscheinlich schön und geheimnisvoll wirken soll.
Es gab auch einige Nebenfiguren (Zeugen, etc.) die durchaus auch Potential gehabt hätten mehr Erwähnung zu finden.
Damit sind alle größeren Rollen vergeben, die aber (wenn sich schon auf wenige beteiligte Personen beschränkt wird) durchaus etwas mehr Tiefe und Geschichte haben hätten können.

Das Buch ist sprachlich einfach gehalten und leicht und schnell zu lesen. Meiner Meinung nach wurden etwas zu viele Cliffhanger bemüht, es passiert etwas - cut - nächstes Kapitel, wenn´s spannend wird - cut… Bei so vielen Wechseln ist es ganz sinnvoll, dass die Kapitel stets mit Datum und Uhrzeit überschrieben sind.
Die Dialoge fand ich teilweise (wie auch schon bei "Der Trakt") einfach etwas hölzern und gestelzt.
Das Ende ist zwar stimmig, die Zusammenhänge werden für den Leser endgültig (und unter weiteren Wendungen) gelüftet, war aber zu dem weitesgehend unaufgeregten Rest des Buches etwas zu tief in der Klischeekiste gewühlt (ist natürlich auch Geschmacksache und mir persönlich kann man es im Bezug auf ein gutes Ende auch nur recht schwer "recht machen").
Den Titel fand ich etwas irreführend, ich hätte spontan auf Science Fiction getippt.

Die Geschichte ist prinzipiell gut erdacht und intelligent angelegt, für meinen Geschmack allerdings etwas zu konstruiert und nicht optimal umgesetzt. Ein Buch das mehr auf das (Psycho-) Duell zwischen zwei (leider unsympathischen) Menschen (Menkhoff + Lichner) setzt, als auf blutige Effekte. Ein solider deutscher Psychothriller, mit meiner Meinung nach eindeutig verschenktem Potenzial.

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727 Bibliotheken, 14 Leser, 14 Gruppen, 101 Rezensionen

london, jack the ripper, zeitreise, zeitreisen, liebe

Die Landkarte der Zeit

Félix J. Palma , Willi Zurbrüggen
Fester Einband: 716 Seiten
Erschienen bei Kindler, 17.09.2010
ISBN 9783463405773
Genre: Historische Romane

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281 Bibliotheken, 2 Leser, 9 Gruppen, 83 Rezensionen

bayern, krimi, mord, oma, provinzkrimi

Winterkartoffelknödel

Rita Falk
Flexibler Einband: 233 Seiten
Erschienen bei dtv, 21.09.2010
ISBN 9783423248105
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Franz Eberhofer, einst Kriminalbeamter in München, wurde wegen seiner unbeherrschten Art, zum (einzigen) Dorfpolizisten in seinem kleinen Heimatort Niederkaltenkirchen weggelobt. Dort lebt er zusammen mit seinem (kiffenden und Beatles hörenden) Vater und seiner schwerhörigen Großmutter. Auch sein Berufsleben verläuft in sehr ruhigen Bahnen, denn in Niederkaltenkirchen ist die (bayerische) Welt noch in Ordnung, zusammen mit Hund Ludwig dreht er gemächlich seine Runden. Eines Tages taucht die schöne Mercedes Dechampes-Sonnleitner auf und bringt Franz´ Hormone (und auch den Rest der männlichen Niederkaltenkirchner) etwas durcheinander. Als im Dorf die Familie Neuhofer, nach und nach, durch seltsame Unfälle dahingerafft wird, beginnt Franz daran zu zweifeln, dass die Familie Neuhofer nur einfach (immer) Pech hat, er versucht auf eigene Faust hinter die wahren Umstände der Unfälle zu kommen.

Meine Meinung:
"Winterkartoffelknödel" ist kein Krimi im eigentlichen Sinne, auch Provinzkrimi (wie auf dem Umschlag betitelt) trifft es auch noch nicht ganz - Provinz, ja (sehr viel), Krimi, nein, nicht wirklich (kaum der Rede wert).
Trotzdem hat mir das Buch recht gut gefallen, wobei das daran liegt, dass das Buch komplett in (bayerischer) Umgangssprache formuliert ist. Der Satzbau mutet sicherlich dem Nichtbayern seltsam an, aber auch für mich als Eingeborene war es etwas "strange", denn normalerweise bin auch ich gewohnt, in "ordentlichem" Hochdeutsch zu lesen (das beginnt schon bei der Stellung der Wörter an sich), denn normalerweise ist die Wortstellung in Hochdeutsch etwas anders und auch bayerische Ausdrücke und Redewendungen findet der Leser zu hauf. Deswegen habe ich mich auch köstlich amüsiert - (Vorsicht - Outing) ich spreche so, genau so wie die Einwohner von Niederkaltenkirchen (ja, schweres Schicksal, aber es ist so ;-)))).
Wenn man das so liest, merkt man, wie seltsam (fast schon etwas einfältig) wir Bayern doch im benachbarten "hochdeutschen Ausland" wirken müssen.

Zur Geschichte an sich gibt es relativ wenig zu sagen, die (Krimi-) Handlung ist recht unspektakulär, eigentlich vollkommen vorhersehbar und auch eigentlich vollkommen unspannend.
Hauptsächlich besteht das Buch aus kleinen Geschichten und Anekdoten rund um die Bewohner Niederkaltenkirchens gepaart mit einigen Ereignissen aus Franz Familie. Sympathieträger ist eindeutig die fast taube Oma (die aussieht wie eine Rosine und Gandalf ohne Bart), die zwar nichts hört, aber immer auf der Suche nach einem Schnäppchen ist und für die Familie Eberhofer kocht.
Franz erzählt die Geschichte aus seiner (politisch teilweise auch nicht ganz korrekten) Sicht, was objektiv gesehen oft auch etwas naiv und einfältig anmutet, die Perspektive wechselt auch nicht.
Die Charaktere sind ebenso einfach gestrickt, teilweise originell und/oder schrullig, aber auch volles Programm aus der (bayerischen) Klischeekiste (der geldgierige Ossi, die schöne verführerische "Französin", die rumänische…), gepaart mit jedmöglichem Vorurteil. Für ein Buch, das ich eher in die Klamauk-Ecke schieben würde, ausreichend, für mehr Anspruch sind jegliche Beschreibungen, Dialoge oder Ausführungen im Buch keinesfalls geschrieben.

Prinzipiell sind die gezeichneten Figuren, wie auch die Gesamtgeschichte recht lustig und überzogen, aber auch recht simpel und durchschaubar (so eine Art geschriebenes bayerisches Volkstheater).
Das Buch ist durchweg einfach und auch sehr schnell zu lesen, es sei denn der (dialektunkundige) Leser "stolpert" über den bayerischen Dialekt.
Das Buch darf man nicht unbedingt für "bare Münze" nehmen, denn auch in Bayern sind die neuzeitlichen Errungenschaften schon angekommen und grundsätzlich besteht auch ein bayerisches Dorfgefüge nicht nur aus "Halbdepperten" und gelebten Klischees.

Ein Glossar am Ende des Buches erleichtert den "sprachlich ausländischen Nachbarn", den fast schon inflationären Gebrauch von bayerischem Dialekt.
Ebenfalls finden sich einige Rezepte, von Gerichten, die die Oma im Buch so hingebungsvoll kocht, im Anhang, was ich (obwohl ich nicht unbedingt zur Koch- und Rezeptefraktion gehöre) durchaus für eine nette Idee hielt.
Die Umschlaggestaltung passt recht gut zum Buch, hat jedoch meinen persönlichen Geschmack nicht getroffen.

Insgesamt fand ich das Buch (für mich persönlich) urkomisch - schön, ein Buch das so geschrieben ist, wie ich rede. Für den Leser, der auf einen spannenden Krimi (mit Lokalkolorit) hofft, bietet das Buch recht wenig, aber anscheinend trifft das Buch nicht nur meinen sondern auch den Geschmack "der Massen", denn es verkauft sich anscheinend recht gut (schon seit einigen Wochen auf der "Spiegel-Bestsellerliste").

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129 Bibliotheken, 2 Leser, 5 Gruppen, 35 Rezensionen

berlin, drogen, norwegen, mord, thriller

Du

Zoran Drvenkar
Fester Einband: 575 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 28.09.2010
ISBN 9783550087738
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Ein Serienkiller (der Reisende), der in keine übliche Serienkiller-Kategorie passt, tötet in größeren zeitlichen Abständen anscheinend wahllos Menschen, die durch einen Zufall zum Zeitpunkt ihres Aufeinandertreffens verbunden sind (z.B. in einem Stau), danach verschwindet er. Er benützt keine Waffen, er hat kein Motiv, er lässt in der Regel niemanden am Leben, aber er tötet keine Kinder, er hinterlässt Spuren, nur zu fassen ist er nicht.
Eine Clique von fünf Mädchen (Stinke, Taja, Nessi, Schnappi und Rute) kommt durch Zufall an eine größere Menge Heroin, sie flüchten und ziehen (ungewollt) ein Spur der Verwüstung hinter sich her, wer ihnen hilft bekommt zumindest Besuch und in der Regel Probleme mit dem "Besitzer" des Heroins - Ragnar Desche, eine Größe im Berliner "Unterwelt-Milieu" (der Logist), der nicht nur seine "Ware" verloren hat, sondern auch seinen Bruder, den er tot (und ohne das bei ihm versteckte Heroin) auffindet - Tajas Vater.
Verschiedene Personen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben bewegen und entwickeln sich durch einen Strudel von Zufällen und Gewalt aufeinander zu.

Meine Meinung:
Den ersten Thriller von Zoran Drvenkar "Sorry" habe ich als einen der besten deutschen Thriller in Erinnerung, den ich bisher gelesen habe. Damit hat es der Nachfolger nicht leicht, er muss sich damit messen lassen. Die Gefahr bei einem solch ungewöhnlichem (Thriller-) Debüt besteht, dass das (für mich) sehr hohe Niveau nicht gehalten werden kann oder die Idee nochmals (da schon einmal erfolgreich) etwas abgeändert aufgewärmt wird.
"Du" ist, obwohl es Parallelen zu "Sorry" gibt, anders und auf seine Weise ungewöhnlich. Dem Autor ist, meiner Meinung nach wieder ein sehr guter (Psycho-) Thriller/Drama/Roman gelungen, er kommt zwar nicht ganz an "Sorry" heran, das ist aber auch kaum möglich, denn die Weise, in der "Sorry" erzählt wurde war bis dahin komplett neu und überraschend für mich.
Der Leser wird wieder Teil des Buches, er wird (bei "Du" jetzt noch ausgedehnter als bei "Sorry") von einem scheinbar allwissenden und zeitweise recht zynischen Erzähler an die Hand genommen und direkt angesprochen, der Leser schlüpft in fast alle im Buch vergebenen Rollen, er ist "der Reisende", "der Logist" oder auch eines von den Mädchen - und es funktioniert wieder - der Leser wird zu einem Teil des Buches, der Leser ist mit allen im Buch auftauchenden Personen verbunden, wie auch sie auf irgendeine Weise miteinander verbunden sind. Bei "Sorry" war mir dieses "direkt angesprochen sein" anfangs etwas unangenehm, das war nachdem mir dieses Stilmittel nun schon bekannt war jetzt nicht mehr der Fall.
Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, die einzelnen Kapitel sind mit dem Namen des Charakters überschrieben, von dem der Teil des Buches handelt, wobei ich sagen muss, dass ich einige Namen (Stinke, Schnappi) recht dämlich fand, es hätte mir persönlich mit "normaleren" Namen besser gefallen.
Sprachlich und auch inhaltlich ist das Buch vielfältig und abwechslungsreich, jedem Charakter ist auch seine spezifische Weise sich auszudrücken gegeben.
Teilweise derb, teilweise eiskalt, ganz normal oder mit Selbstironie, aber auch in einigen Passagen ein wenig poetisch. Wie auch schon bei "Sorry" ist die wörtliche Rede nicht wie üblich gekennzeichnet - sie wird durch einen Bindestrich markiert, so erspart es dem Leser stetige Wiederholungen von "sagte x; meinte y…" aber leider manchmal ein wenig zu Lasten des Verständnisses.
Manche Begebenheiten werden von verschiedenen Charakteren aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, eigentlich die gleiche Geschichte, doch mit anderen Augen gesehen. Trotzdem weiss der Leser nicht alles, er weiss manchmal mehr als der Charakter in den er gezwungenermaßen schlüpft, das heißt aber nicht, dass es nicht doch noch Geheimnisse gibt, die auch nicht mit den besten Freunden geteilt werden.
Die Covergestaltung (der Mann) gefällt mir persönlich nicht so gut, prinzipiell aber passt es - die düstere Stimmung des Buches wird gut visualisiert. Den Klappentext halte ich für absolut gelungen, er verrät nichts und er macht (zumindest mich) neugierig - so sollte es immer sein.
Der Einstieg ins Buch beginnt fulminant, mit dem "Reisenden" - es ist eine verschneite Nacht, ein Stau auf der Autobahn, als sich der Stau nach einigen Stunden auflöst, fahren einige Autos, die dem "Reisenden" zu nahe waren, nicht mehr weiter…
Danach muss man als Leser etwas am Ball bleiben, bis sich die Geschichte entwickelt hat, es gibt einige Handlungs- und Zeitsprünge und die Geschichten, die erzählt werden können nicht wirklich eingeordnet werden - beschreiben sie Banalitäten oder hat das ganze einen tieferen Sinn. Man lernt die Mädchen kennen, scheinbar Zusammenhanglos dazu findet Ragnar Desche seinen toten Bruder, scheinbar wahllos schlüpft man in andere Rollen, begegnet Zufallsbekanntschaften der Mädchen, Geschichten aus der Vergangenheit der Protagonisten oder begegnet Familienmitgliedern - alles wirkt anfangs verworren. Nach und nach lernt der Leser, zumindest teilweise, die Zusammenhänge zu verstehen, wobei auch vieles bis zum Ende im Dunklen bleibt und es immer wieder Wendungen gibt, die vollkommen unvorhersehbar sind.
Das Buch ist schnörkellos und teilweise recht "hart" geschrieben, es wird nichts beschönigt. "Sorry" empfand ich in punkto "Gewalt" als grenzwertig, "Du" ist immer noch sehr weit entfernt von einem weichgespültem Buch, aber geht dahingehend nicht ganz so weit - was ich ich als positiv erachte, denn oft wird nach einem Erfolg" noch (eine "Schippe drauf") zugelegt, um noch mehr zu schocken.
Sehr viele Teile der Geschichten handeln von Beziehungen von Vätern und ihren Kindern, wie in der Kindheit erfahrene Gewalt zu neuer Gewalt führt, oder wie auch eine scheinbar normale Kindheit zu einem vollkommen gefühllosen Erwachsenen führen kann und dass prinzipiell Gewalt notwendig ist, um sich von seinen Eltern zu lösen (von ganz wenig bis zum Extremsten) um "selbst (Du) zu werden" - und immer wieder auch das "Prinzip Zufall", eine Entscheidung und die daraus folgenden Konsequenzen - wie beim Domino, eigentlich fällt nur ein Stein, aber im Endeffekt beeinflusst er auch alles nachliegende.
Obwohl "der Reisende" immer wieder zuschlägt, ist "Du"kein Thriller, vor allem kein Ermittlungsroman, die Aufklärung der Morde spielt eigentlich keine Rolle und als Leser lernt man den "Reisenden" ja auch näher kennen - ein Roman (aber "nur" Roman - ist eigentlich zu wenig) wie ein beklemmendes Roadmovie. Es ist eigentlich unmöglich "Du" einem Genre zuzuordnen.
Der "Reisende" , der auf der Suche nach sich selbst, einem Ungeheuer (aus einem Märchen seiner Kindheit) begegnet und als Ungeheuer ohne Seele den Dämon ohne Herz sucht - einen Freund, oder zumindest "Gleichgesinnten".
Eine Geschichte aus der Unterwelt, über Stolz, Rache und Vergeltung.
Geschichten über die Beziehungen von Eltern/Vätern zu ihren Kindern.
Eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über Probleme, Vertrauen, Verrat, Lügen, Liebe und Freundschaft, die über Grenzen geht - alle haben eine Gemeinsamkeit, sie sind auf der Suche, sie haben sich noch nicht gefunden.
Und das alles ohne zu belehren - Geschichten, ohne Wertung erzählt, die erst aneinandergereiht werden, dann zusammenfinden und, zwar einiges auflösen, aber nichts wirklich erklären, das Ende bestimmt der Leser für sich selber, er (Du) steht vor den Scherben vieler Leben und hat es selbst in der Hand Schlüsse aus den Geschichten zu ziehen.

Ein Buch, das für mich eigentlich keinem Genre zugeordnet werden kann.. Düster, verstörend und ungewöhnlich. In Stil und Ausdruck dem Vorgänger "Sorry" ähnlich.
Ein Buch, das, wenn man sich darauf einlässt nachdenklich macht, aber auch ein Buch, das nicht jedem Leser gefallen wird, das polarisiert.

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 24 Rezensionen

allgäu, krimi, walcher, mord, hof

Der Ahnhof

Joachim Rangnick
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.11.2010
ISBN 9783548609928
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

freundschaft, reise, freunde, hector, asien

Hector und das Wunder der Freundschaft

François Lelord ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2010
ISBN 9783492051668
Genre: Romane

Rezension:  
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(72)

140 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 37 Rezensionen

thriller, serienmörder, serienkiller, new york, mord

American Devil

Oliver Stark , Gabriele Weber-Jarić , Bettina Zeller , Gabriele Weber-Jarić
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2010
ISBN 9783492259231
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Ein intelligenter Serienkiller treibt in New York sein Unwesen, die Opfer sind ausnahmslos blond, Anfang 20, hübsch und stammen aus gutsituierten Verhältnissen. Jeder Mord wird auf seine Weise besonders inszeniert, die Opfer werden gequält, vergewaltigt und den Frauen werden Körperteile oder Organe entnommen.
Die Polizei tappt im Dunkeln und nachdem kein vernünftiger Ansatz zur Identifikation des Täters gefunden werden kann, wird ein (wegen Gewalt gegenüber einem Kollegen) beurlaubter Ermittler, Tom Harper, der sich in der Vergangenheit durch ein sehr gutes Gespür für Serientäter hervorgetan hat, reaktiviert. Zur Auflage wird ihm gemacht, dass er sich in psychologische Behandlung geben muss, um seine Aggressivität besser unter Kontrolle halten zu können - das übernimmt die Polizeipsychologin Dr. Denise Levene, die sich nach kürzester Zeit zusammen mit Tom mehr um die Mordermittlung kümmert, als um Toms Gewaltproblem.
Die Abstände zwischen den Morden werden immer kürzer, der Täter wird, obwohl er immer unvorsichtiger wird, nicht gefasst und eine Journalistin beschreibt, obwohl die Details der Morde nie bekannt gegeben wurden, die Morde des "American Devil" in allen Einzelheiten.

Meine Meinung:
Das Buch ist ein genretypischer Ermittlungsthriller, der Oliver Stark (als Debüt) gut gelungen ist. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Tom Harper und aus der Sicht des Mörders erzählt, wobei der Teil, der sich um den "American Devil" handelt relativ viel Raum einnimmt, was ich persönlich sehr schätze. Die "schnöde" Ermittlungsarbeit nimmt relativ wenig Platz ein, dagegen versucht Oliver Stark genauer auf psychologische Aspekte und Ermittlungsansätze einzugehen.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem ein pubertärer Junge bei den Eltern, der von ihm verehrten Chloe einbricht, er möchte sie nur ansehen, ihr nahe sein, da sie ihn komplett ignoriert. Sie erwacht und erschrickt, um sie zum Schweigen zu bringen und um zu verhindern, dass er bei dem Einbruch erwischt wird, wird sozusagen der "American Devil" geboren.
Danach (20 Jahre später) lernt man die Ermittler, bzw. Toms ehemalige Kollegen kennen, die nach den ersten brutalen Taten des Mörders keinen Ermittlungsansatz finden und sich bemühen, dass Tom Harper ihnen zur Hilfe kommt. Zögerlich lässt er sich auf den Deal ein, wieder in die Ermittlungsarbeit einbezogen zu werden und schluckt dafür die Kröte, die es für ihn bedeutet, sich auf eine psychologische Behandlung einzulassen.

Das Buch hat (überdurchschnittlich) viele gute Ansätze, leider wurden sie nicht so konsequent umgesetzt, dass aus dem Buch wirklich etwas neues oder besonderes geworden wäre. Für einen Genreliebhaber bietet das Buch relativ wenig, was es so oder in dieser Art nicht schon einmal in irgendeinem Buch oder Film (ähnlich) gegeben hätte, es ist aber auch nicht so, dass es ein reines Kopieren von bekannten Inhalten ist, nein, das Buch kann durchaus gegenüber der Konkurrenz bestehen, leider sticht es dabei aber auch nicht besonders aus der Masse heraus.
Die Geschichte ist gut gesponnen, die Handlung ist (zwar leider schon etwas abgedroschen, aber) gut angelegt und relativ ausführlich, keinesfalls nur eindimensional. Geschickt werden auch Wendungen eingebaut (die allerdings auch irgendwie schon bekannt anmuten), z.B. wird recht schnell ein Verdächtiger/Trittbrettfahrer gefasst, der sich zu den Morden bekennt, oder (relativ spät) wird einiges aus dem Umfeld der Familie des "American Devil" aufgelöst, auch die psychotische Persönlichkeit wird für den Leser zum Ende hin klarer, zwar ist immer alles stimmig war aber irgendwie fehlte auch immer das "gewisse Etwas".
Es sind leider viele Stereotype vorhanden - der geisteskranke, psychotische aber intelligente Killer, der mit den Ermittlern spielt, der Tathergang - relativ grausam, mit Verstümmelungen, Inszenierung und eine Trophäe die mitgenommen wird… Alles Elemente die nicht unbekannt sind.
Auch die (Haupt-) Charaktere, sind zwar teilweise fast (aber auch leider nur fast, denn es fehlt auch hier immer ein kleines Quantum, um etwas außergewöhnliches zu beschreiben, oder gute Ideen und Ansätze zu Ende zu bringen) liebevoll gezeichnet, bieten aber auch fast nichts, was es nicht schon gab - Tom Harper, eine "relativ" gescheiterte Existenz, von der Frau verlassen, Typ einsamer (und brummiger) Wolf und beruflich auf dem Abstellgleis, mit nettem "Vogeltick" (schön, endlich mal etwas anderes als "Schema F").
Eine gut aussehende (junge und blonde (bei dem einen oder anderen dürfte es jetzt "klingeln") Polizeipsychologin, die in die Ermittlungsarbeit einbezogen wird, die sich allerdings - Vorsicht, kleiner Minispoiler - nicht in eine Affäre mit Tom stürzt, sondern "normale" Freundschaft mit ihm schließt. Für mich ein großes Plus (…der Verzicht auf pseudoerotische Elemente, bei denen ich immer noch nicht ganz weiss, warum sich, auch bei dem größten Gemetzel, immer Beziehungen oder zumindest Affären der Ermittler/Forensiker/Gerichtsmediziner/Psychologen ergeben…).
Bei den Nebencharakteren dagegen hätte es durchaus noch Spielraum gegeben, sie dem Leser irgendwie näher kommen zu lassen, die bleiben im Gegensatz zu Tom, Denise oder dem "Teufel" recht unscheinbar oder blass.

Auch der Schluss findet nichts wirklich neues, ein (geringfügig überzogener), dann doch recht plötzlich kommender Showdown (dazu fällt mir ein - wo gibt es sie nur, diese unendlichen unterirdischen Gänge und endlos großen leerstehenden Fabrikhallen, in dem man sich als "kranker Geist" (auch in der größten Stadt) ungestört zurückziehen kann…).

Trotz allem, das Buch bietet eine relativ dichte, sehr gut angelegte Story, mit netten (oder "nett kranken") Protagonisten und anfänglich fast durchgehend Spannung, die sich allerdings im Mittelteil etwas relativiert, evtl. hätte es der Geschichte etwas geholfen, wenn nicht ab (ca.) der Mitte, der "American Devil" schon etwas zu viel (oder fast alles) über sich, sein Leben und seine Motivation Preis gegeben hätte und damit beginnt nur noch (unplausibel) auf persönlichen Konfrontationskurs mit Tom Harper zu gehen. Auch die Morde finden fast alle schon im ersten Drittel statt.
Sprachlich ist es, genretypisch eher einfach gehalten (aber nicht zu unterfordernd), flüssig geschrieben mit kurzen Kapiteln, stetem Schauplatzwechsel und natürlich einigen Cliffhangern. Die Handlung umfasst (neben dem Prolog) einen Zeitraum von knapp zwei Wochen und darunter leidet (wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt) schon auch etwas die Glaubwürdigkeit.
Das Cover ähnelt ein wenig einer Wand in einem Schlachthaus, es wirkt als laufe Blut an Wänden herab, mir gefällt´s - wobei ich bei dem Cover ein etwas härteres Buch erwartet hätte (…was auch nicht heißt, dass es unblutig ist...).

Ein solider Thriller und durchaus kein unbeachtliches Debüt, mit einigen guten Ansätzen, das sich aber nicht wirklich aus der Masse abheben kann, sehr vieles, ob Protagonisten oder Story, ist bereits "x-mal" ähnlich beschrieben worden. Genreliebhabern bietet das Buch wenig "Innovationen", für Genreneulinge allerdings sicherlich ein spannendes, ("mittelblutiges") Leseerlebnis.

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549 Bibliotheken, 4 Leser, 9 Gruppen, 152 Rezensionen

freundschaft, liebe, mord, alice, tod

Die Wahrheit über Alice

Rebecca James , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Wunderlich, 21.10.2010
ISBN 9783805250030
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Katherine ist 17 Jahre alt und lebt nach dem Tod ihrer Schwester Rachel bei ihrer Tante, sie hat sich selbst auferlegt nicht über ihre Schwester zu sprechen und hat sich weitgehend von allen Freundschaften zurückgezogen, bzw. nach dem Schulwechsel keine neuen Freundschaften gesucht. Sie versucht unauffällig als Einzelgängerin durch die Schulzeit zu kommen. Das Verhältnis zu ihren Eltern ist gestört, da die ganze Familie nicht mit Rachels gewaltsamen Tod zurechtkommt.
Katherine wird, sehr zu ihrem Erstaunen, von einem schönen, beliebten und etwas verrückten Mädchen, Alice, zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, nimmt recht zögerlich an und hat mit Alice zum ersten mal, seit Rachels Tod, wieder etwas Spaß im Leben. Alice weicht von diesem Moment nicht mehr von Katherines Seite, wird zu ihrer besten Freundin. Katherine verbringt fast ihre gesamte Zeit nur noch mit Alice und ihrem Freund Robbie, mit dem sie sich ebenfalls blendend versteht. Nach und nach verändert sich Alice und einige ihrer wenig schöne Seiten kommen langsam zum Vorschein, doch schafft Alice es mühelos die Menschen in ihrer Umgebung auch nach größeren Verletzungen wieder um den Finger zu wickeln.

Meine Meinung:
"Die Wahrheit über Alice" ordne ich für mich eher als ein Jugendbuch ein, ich denke es ist für Mädchen ab ca. 13/14 Jahren geeignet, wenn ich so darüber nachdenke, in diesem Alter hätte ich das Buch genial gefunden. Nun, ein paar Jährchen später, liest sich das Buch immer noch gut, behandelt aber Themen (Freundschaft, erste Liebe…), die ab einem gewissen Alter, bedingt durch Lebenserfahrung, ein wenig an Relevanz verlieren.
Rebecca James versteht es durchaus eine (lehrreiche + sinnvolle) Botschaft mit ihrem Buch zu transportieren - über den Umgang mit Verlusten und Schuldgefühlen und über Freundschaften, dass auch die hinterfragt werden müssen und Freundschaft nicht alles rechtfertigt. Wobei das gerade auch Katherine oft ein wenig zu erwachsen erscheinen lässt.
Die beiden Hauptcharaktere machen eine stete Entwicklung durch. Katherine lernt durch Alice wieder Spaß im Leben zu haben, beginnt zu verstehen, dass sie, auch wenn sie sich noch so sehr zurückzieht und sich jegliches Vergnügen untersagt, Rachels Tod nicht ungeschehen machen kann und es auch nichts an ihren Schuldgefühlen ändert. Sie kommt nach und nach zu dem Punkt, an dem sie zulassen kann, andere an ihrem Schmerz teilhaben zu lassen und mit der Aufarbeitung beginnt. Anfangs noch recht abhängig von Alice, beginnt Katherine aber auch die Freundschaft zu Alice zu hinterfragen, die sich im Gegensatz zu Katherine in einer unschönen Weise verändert - ihre Stimmungen sind unberechenbar, sie hat eine grausame Ader und scheint mit Vorliebe (auch Freunde) zu verletzen.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in der der Leser eine etwas ältere Katherine kennenlernt, die inzwischen eine kleine Tochter hat und die bereut, dass sie nicht zu Alice Beerdigung gegangen ist, denn sie glaubt sie immer wieder zu sehen, glaubt nicht wirklich an ihren Tod, weil sie nicht "Abschied" genommen hat.
Diesen Einstieg finde ich nur bedingt gelungen, denn er nimmt dem Buch einiges an Spannung, denn zumindest Alice Ende steht damit für den Leser schon von vornherein fest.
Danach wird Katherines Geschichte (zusätzlich zum "Jetzt" vom Prolog) in zwei Zeitebenen erzählt, als Katherine ca. 15/16 Jahre alt war, damit wird die Geschichte von Rachels Tod erzählt und als sie mit dann mit ca. 17 Jahren Alice kennenlernt.
Die Zeiteben wechseln ohne direkte Kennzeichnung, was mich mitunter im Lesefluss etwas stocken lies, da wären evtl. Überschriften ganz angenehm gewesen.
Die gesamte Geschichte ist leicht und flüssig zu lesen und auf die "Lesebedürfnisse" jüngerer Leserinnen zugeschnitten. Es werden relativ wenige Personen ausführlich beschrieben, das Buch beschränkt sich weitestgehend auf Katherine und Alice, Robbie, Rachel und der Vater von Katherines Tochter nehmen schon einen weitaus kleineren Teil des Buches ein. Darüber hinaus bleiben weitere auftretenden Personen weitestgehend im Hintergrund (Katherines Eltern, Tante…). Auch sind einige von Katherines Handlungen sind für etwas ältere Leserinnen wahrscheinlich nicht mehr so ganz nachvollziehbar. Da das gesamte Buch aus Katherines Sicht geschrieben ist fehlt ein wenig Alice' (oder irgendeine andere) Sichtweise und es wirkt in der Gesamtheit irgendwie subjektiv - einseitig wahrgenommen. Aus einer erwachsenen Perspektive heraus fehlen dem Buch natürlich auch Facetten, die (kleine) Welt wird in "gut" und "böse" aufgeteilt.

"Die Wahrheit über Alice" ist ein spannendes Buch, wenn es auch weit von einem Thriller oder ähnlichem entfernt ist. Rebecca James versteht es gut, die Geheimnisse die beide Mädchen in sich tragen für den (jungen) Leser nach und nach aufzudecken, eventuell mit ein wenig zuviel "Drama", ich hätte Katherine doch etwas mehr Glück in ihrem Leben gegönnt. Ein wenig schade fand ich nur, dass der Prolog das Ende sozusagen vorweggenommen hat, aber das mag auch Geschmacksache sein.
Auch "die Gefühle" kommen nicht zu kurz, aber auf eine nicht zu übertrieben schmalzige Art und Weise und bei der einen oder anderen Leserin werden sicherlich ein paar Tränen fließen.

Die Umschlaggestaltung finde ich sehr gelungen, sie spricht sicherlich eher die Damenwelt an, aber ich denke dafür wurde das Buch auch geschrieben. Auch der Klappentext - kurz, neugierig machend, nichts verratend - super.

Ich sehe das Buch als ein gutes Debüt aber auch eindeutig als Jugendbuch und vergebe dafür 4 Sterne. "Die Wahrheit über Alice" bietet für jugendliche Leserinnen eine (zwar auch recht ernste) spannende und durchaus lehrreiche Geschichte über Verlust, Trauer, Freundschaft und Liebe.
Wenn die Zielgruppe, die dieses Buch erreichen sollte aber eine "erwachsene" Zielgruppe sein sollte, würde noch einen Stern abziehen, denn dann müsste Rebecca James für meinen Geschmack etwas mehr bieten (an Personen, Geschichte, Tiefe, auch Grausamkeit).

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88 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 32 Rezensionen

schweden, krimi, mord, nationalsozialismus, camilla läckberg

Engel aus Eis

Camilla Läckberg , Katrin Frey
Fester Einband: 503 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 09.09.2010
ISBN 9783471350157
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Zwei Jugendliche finden bei einem Einbruch eine Leiche, es handelte sich um den ehemaligen Geschichtslehrer Erik Frankel, bei dem sie sich eigentlich nur heimlich einige "Nazi-Devotionalien" ansehen wollten, der allerdings zu diesem Zeitpunkt schon etliche Wochen erschlagen an seinem Schreibtisch sitzt. Er lebte zusammen mit seinem Bruder Axel, einem "Nazi-Jäger" und ehemals selbst vom NS-Regime Verfolgten, der sich den Sommer über in Paris aufhielt. Die Polizei beginnt zu ermitteln, doch gibt es kaum Spuren oder auch nur ein ansatzweise vorhandenes Motiv - wer könnte Interesse am Tod eines über 80 jährigen und recht zurückgezogen lebenden Mannes haben?
Patrik ein Ermittler des örtlichen Polizeiteams, der sich zum Zeitpunkt des Mordes in Elternzeit befindet, greift seinen Kollegen, einerseits aus elternzeitlicher (geistiger) Unterforderung, andererseits aus eigenem Interesse, etwas unter die Arme, denn seine Frau Erica hatte, anscheinend kurz vor dessen Tod, Erik Frankel einen NS-Orden gegeben, über den sie etwas herausfinden wollte. Den Orden fand sie eingewickelt in ein blutiges Babyhemdchen mit einigen Tagebüchern ihrer Mutter. Widerwillig beginnt Erica, die kein besonders inniges Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, die Tagebücher zu lesen und die Geschichte hinter der (vermeintlichen) Lieblosigkeit ihrer Mutter zu entdecken. Verwoben wird eine Mordermittlung in der Gegenwart mit Geheimnissen aus der Vergangenheit, zu einer Wahrheit, die niemand vermutet hätte.
Meine Meinung:
"Engel aus Eis" ist der fünfte Roman von Camilla Läckberg, welcher sich mit Fällen in Fjällbacka und dem Ermittlerteam um Patrik befasst. Die Bände sind chronologisch geschrieben und gerade was die Entwicklung der Charaktere betrifft baut ein Buch auf dem anderen auf. Beleuchtet wird insbesondere, in allen Bänden, die Lebensgeschichte von Patrik und Erica, ihre und auch die Entwicklung ihrer Familien. Die Bände bestehen jeweils auch als eigenständiges Buch, jedoch fehlt dem Leser einiges an Hintergrundinformation, also ist es, zwar kein "muss", aber schon von Vorteil, die Vorgängerbände gelesen zu haben.
Bücher, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland/Europa beschäftigen, empfinde ich oft für mich persönlich als heikel, einerseits mag ich es nicht, wenn die wenig ruhmreiche deutsche Geschichte zu schnöder Unterhaltung ausgeschlachtet wird, andererseits mag ich auch die "Schwarz-Weiß-Malerei" nicht - Deutscher = Nazi = böse (und umgekehrt), sicherlich war es keine gute Zeit, jedoch gab es auch damals auch viele Schattierungen zwischen nur "Schwarz" und nur "Weiß". Doch Camilla Läckberg schafft hier die Gratwanderung, die Geschichte für mich auf ein gutes Maß herunterzubrechen, einerseits informativ (die Geschichte der Besatzung Nordeuropas), andererseits menschlich. Ich hatte weder das Gefühl, dass die Geschichte mit einem erhobenen Zeigefinger erzählt wurde, noch dass es zu banal war, um dem schwierigen Thema wirklich gerecht zu werden.
Eine weitere (für mich) gelungene Gratwanderung besteht das Buch, bei den Teilen, die sich mit Patrick, Erica und ihrren Angehörigen beschäftigen (welche auch den größten Teil des Buches einnehmen). Das Buch ist sicherlich dem Genre Krimi zuzuordnen, doch die eigentliche Ermittlung nimmt wenig Platz im Buch ein, im Vordergrund steht eigentlich das Leben der (Haupt-) Protagonisten, welches ja durch Ericas Mutter mit Erik Frankel verbunden ist, denn sie gehörten in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges einer Clique an von Jugendlichen aus Fjällbacka an. Dieses Leben wird fast schon liebevoll und sehr detailreich geschildert, was mich in weniger gelungenen Fällen oft langweilt und oft ins Belanglose abgleitet, hat mir hier Spaß gemacht. Auch kleinere Nebenschauplätze und Handlungsstränge um andere Beteilige sind sehr gut ausgearbeitet und genauso dicht gezeichnet wie die Geschichten der Hauptcharaktere und machen das Buch für mich fast schon zu etwas Besonderem.
Camilla Läckberg gelingt es geschickt Spannung ohne Effekthascherei zu erzeugen, der Prolog ist die Ausnahme, da wird die Auffindesituation Erik Frankels recht detailreich geschildert, aber der Prolog soll ja auch primär den Leser ködern - und das tut er. Danach begibt sich der Leser mit Patrick und seinen Kollegen auf Spurensuche, beginnt mit Erica die Tagebücher ihrer Mutter zu lesen und lernt dadurch Elsy und ihre Freunde im Jahre 1944 kennen. Eingeschoben werden immer wieder Begebenheiten und Geschichten aus der Sicht von Elsys Freunden, die nach und nach dazu führen, dass Erica Elsy verstehen lernt und ihren Frieden mit ihrer bereits verstorbenen Mutter machen kann. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, kam mir der Satz "Die Wahrheit sucht sich ihren Weg" in den Sinn und das ist es auch, was das Buch für mich am besten beschreibt. 
Insgesamt ist das Buch für einen Krimi etwas anspruchsvoller geschrieben, die Handlungsstränge sind komplex und sehr gut durchdacht, die Charaktere sind liebevoll gezeichnet. "Engel aus Eis" reiht sich für mich auch nicht 100%ig in die Riege der "düsteren Nordländer" ein, es ist zwar auch kein vor Freude sprühendes Buch, aber es fehlt das "absolut Böse" und die vollkommene Hoffnungslosigkeit, die ich damit verbinde. Anfangs empfand ich die Wechsel der Handlungsstränge nur nach einem Absatz, ohne einen Kapitelwechsel etwas verwirrend, aber an diesen Schreibstil kann man sich als (von leichterer Lesekost verwöhnter Leser, bei denen das Kapitel auch (brav) mit dem Wechsel des Handlungsstranges wechselt) schnell (wieder) gewöhnen. Sehr positiv finde ich auch die geringe Klischeedichte - die Charaktere sind ganz normale Menschen, wie du und ich, mit den Problemen von Menschen, wie du und ich, allerdings ohne die gerne bemühte Alkohol- oder Drogensucht und komplett verbitterte oder gescheiterte Existenzen, aber auch ohne die Banalität, die zu einfach gestrickte (komplett austauschbare) Charaktere hervorrufen können. Die Auflösung des/r Mord/e ist stimmig, nichts bleibt offen oder hinterlässt den Leser unzufrieden und der Plot hat durchaus Potenzial nachdenklich zu machen.
Mein Fazit:

Ein durch und durch gelungener und anspruchsvoller Krimi.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, new york, scheidung, mord, klinik

Schlaf still

Kate White , Rasha Khayat
Flexibler Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 09.09.2010
ISBN 9783548282459
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Lake Warren ist 44 Jahre alt, Mutter von zwei Schulkindern und ist freiberufliche Marketingberaterin für eine Klinik die künstliche Befruchtungen durchführt. Sie wurde von ihrem Mann verlassen, der versucht das alleinige Sorgerecht für beide Kinder zu bekommen. Ihr Anwalt rät ihr, sich sehr vorsichtig zu verhalten und der Gegenseite für den Prozess keine Angriffspunkte zu liefern, also nicht auffallen, sich sehr fürsorglich um die Kinder kümmern, keine Männergeschichten… In der Klinik lernt sie den smarten Womanizer Dr. Keaton kennen und kann ihm nicht widerstehen, sie treffen sich heimlich in seinem Apartment und nach der gemeinsamen Nacht zieht sich Lake auf seine Dachterrasse zurück, schläft dort ein und als sie zu Mark Keaton zurückkommt liegt er mit durchschnittener Kehle im Bett. Lake läuft panisch davon, verheimlicht allen, dass sie bei Mark war, um nicht mit dem Mord in Verbindung gebracht zu werden, stürzt sich in ihre Arbeit und stellt nach kurzer Zeit fest, dass auch in der Klinik nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Meine Meinung:
Also ich muss sagen, das Buch hat mich ziemlich enttäuscht, es wird als Thriller angeboten und ist meiner Meinung nach nicht einmal ein "Lady-Thriller", selbst für einen Kriminalroman ist die Geschichte (ohne wirklichen Thrill) noch etwas zu dünn (für potenzielle  männliche Leser würde ich es als komplett unlesbar definieren). Sex and the City (Abklatsch) trifft auf (magersüchtigen) Thriller - nur das Carrie im Gegensatz zu Lake noch Freundinnen hatte, die sich zusammen über irgend etwas (pseudowichtiges) austauschen konnten. 
Prinzipiell erwarte ich von einem Thriller auch keine literarische Höchstleistung, sondern im besten Fall spannende Unterhaltung, mit einer neuen Idee und alles nicht zu plump oder durchschaubar präsentiert. Neben der Klassifizierung als Thriller ist auch das Cover ansprechend gemacht, lässt mehr vermuten (ein blutendes Herz), als die Geschichte zu bieten hat (blutig ist einzig das Ende von Mark Keaton). Der Titel "Schlaf still" bekommt, nachdem man das Buch gelesen hat, doch noch eine Bedeutung - den Schlaf raubt dieses Werk sicherlich niemanden. 
Dazu kommt noch der Klappentext und frage ich mich wirklich - wer schreibt diese Texte? Über dem Klappentext prangt eine Überschrift - Sie nehmen Dir das Liebste, was du hast... - ja hmm, oder eher nein, das hat mit dem Buch eigentlich gar nichts zu tun, ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, dass die Kinder jemals wirklich in Gefahr waren und die Geschichte mit dem Ehemann - Schlammschlachten um das Sorgerecht sind doch eigentlich recht normal - wenn man davon ausgeht, dass sich die wenigsten Paare im guten trennen, vor allem, wenn es um das liebe Geld geht.
Das Buch beginnt spannend mit einem Prolog, Lake ist gefangen, verletzt, ihre Situation verzweifelt und für den Leser unklar. Bisher deutet alles auf einen guten Thriller, optisch ansprechend und die ersten Seiten spannend, selbst die Geschichte hat durchaus Potenzial zu einem (zwar mehr nur für Frauen und/oder Mütter) Psychoterror-Szenario - jetzt kommt das "aber" - leider ist die Umsetzung nicht gelungen, die Story plätschert einfach nur vor sich hin, erinnert über weite Strecken an typische Frauenliteratur, bei der sich haarkleine Beschreibungen von Oberflächlichkeiten und Unwichtigkeiten aneinanderreihen (Augenfarben, Haarfarben, Nagellackfarben, Kleidung, Schuhe, Frisuren), die weder großartig mit der Geschichte zu tun haben oder diese in irgendeiner Form beeinflussen (…ich trage gerade halbhohe, tiefschwarze Sandalen, während ich auf meinem schneeweißen MacBook an dieser Rezension schreibe…;-)))). 
Viele Möglichkeiten Spannung oder ein wenig "Psychoterror-Stimmung" zu erzeugen wurden leider verschenkt, es muss ja nicht immer blutig sein, das Erzeugen einer unterschwelligen, unfassbaren Bedrohung kann durchaus gruseliger als ein Mord mit allen seinen bluttriefenden Details sein und die Leserin fesseln. Der Schreibstil ist, zum Buch passend, als einfach zu bezeichnen, der Leserin werden keine geistigen Steine in den Weg gelegt. 
Was mich erstaunte war die Einseitigkeit oder die Eindimensionalität dieses Buches, es gibt eigentlich keine Nebenschauplätze, keine wirkliche Vergangenheit, kein ganzes Bild nur das Teilstück Lake, der Streit um die Kinder und die Vorgänge in der Klinik - der Leser erfährt nur Bruchstücke und die auch nur soweit, wie sie einen Einfluss auf die Geschichte haben. Lake hat keine Freunde (bzw. lernt der Leser nur "Molly" kennen - was das heißt, kann man dadurch schon wieder erahnen), die Kinder sind (was für ein grandioser Zufall) während der ganzen Zeit in einem Ferienlager. Alle Charaktere, außer Lake, sind  anscheinend nur "Füllobjekte", um die Story voranzutreiben, man lernt niemanden wirklich näher kennen, alle erfüllen (brav) ihren Zweck, Lake auf der Suche nach den Vorgängen in der Klinik und dem Mörder Marks zu unterstützen. Alle bedrohlichen Situationen in die Lake schlittert sind entweder etwas "mau" oder etwas weniger "mau" dafür unglaubwürdig. Leider ist auch Lake kein wirklich glaubwürdiger Charakter, eine freiberufliche Marketingberaterin, bei der nie das Telefon klingelt, die keine Mails bekommt, die keine geschäftlichen Kontakte oder Freundschaften pflegen muss, die sich nicht um Aufträge kümmern muss… Eine Frau (Mutter) die nie etwas zum Essen im Kühlschrank hat, aber immer ein Glas Wein in der Hand (wenn ich jeden Abend (allein) und auch sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit Wein trinken würde - würde ich persönlich mal zu den Anonymen Alkoholikern gehen).
Das Ende fügt sich nahtlos zum Rest - der Mörder - unglaubwürdig, das Motiv - naja, die Vorgänge in der Klinik - auch naja, viel Wind um (meiner Meinung nach) wenig Skandal.
Mein Fazit:

Leider kein gelungener Thriller, eher ein mäßig spannender Frauenroman.

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53 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

berlin, gereon rath, krimi, sa, ringvereine

Goldstein

Volker Kutscher
Fester Einband: 574 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 23.09.2010
ISBN 9783462042382
Genre: Krimi und Thriller

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 25 Rezensionen

fantasy, schlangen, magie, dunibien, schlange

Der Ruf der Schlange

Andreas Gößling
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 01.08.2010
ISBN 9783608938753
Genre: Fantasy

Rezension:

Über das Buch:
Samu A. Rabov betreibt (zur Tarnung) einen Kostümverleih in Phora, der Hauptstadt Dunibiens, eigentlich ist er Geheimermittler zur Aufklärung mysteriöser Todesfälle (Mysto) des Innenministeriums. Im Jahre 713 nach der großen Flut bekommt er Informationen über einen mysteriösen Mord an einer Wissenschaftlerin (Velissa Labiano), die in einen zaketumesischen Yasnabaum verwandelt wurde. Samu verfügt ebenfalls über magische Fähigkeiten, Lakori genannt, die er (mehr oder weniger) sparsam zu seinen Ermittlungen einsetzt, denn Lakori führt zu einem Anwachsen des "Dunkeldus" und einer Schwächung des "Lichtichs", was im Endstadium zum Wahnsinn führt.
Als auch noch Professor Gol Hergo auf mysteriöse Weise ums Leben kommt - sein Rücken ist aufgerissen und ihm wurde die Wirbelsäule und sein Stammhirn entfernt - ahnt Samu, dass mehr hinter den seltsamen Todesfällen stecken könnte, aber seine Vorgesetzten wiegeln ab und versuchen alles zum "normalen" Mord herunterzuspielen. Insgesamt vermutet Samu, dass sich Danubien wieder einer großen Flut nähern könnte, denn die ehemals so verpönte Technik, die, nach dem Glauben der Dunibier, zur ersten Flut geführt hat, hält wieder Einzug ins Leben der Menschen und statt an den gemäßigten Gott Linglu zu glauben, strömen die Dunibier in Scharen obskuren Schangenkulten zu - obwohl in den alten Schriften geschrieben steht, dass es, wenn "die Schlangen aus ihren nassen Nestern kriechen", ein göttliches Zeichen ist, dass die nächste Flut naht. Immer mehr Leichen werden ohne Wirbelsäule gefunden und Schlangen verschlingen und verstümmeln die Einwohner von Dunibien - Samu findet sich in einer Verschwörung die mit dem Dunibischen Königshof zusammenhängt und nur von starken Magiern ausgetragen werden kann.
Meine Meinung:
Das Buch hinterlässt mich etwas ratlos, denn eigentlich kann ich es nicht wirklich bewerten oder objektiv beurteilen, denn mir fehlt schlichtweg "Vergleichsmaterial". "Der Ruf der Schlange" ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber ich denke es ist mehr für Hardcore-Fantasy Fans gemacht. Mich  als "ab und zu mal Fantasy Leser", hat das Buch nur schwer Zugang finden lassen. Was ich aber auch sehr positiv finde, das Buch ist kein "Schmachtfetzen", der auf der Fantasy-Welle reitet und nichts eigenständiges bietet, Andreas Gößling entwirft eine ganz eigene Welt mit ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten.
Allerdings wird es dem Leser auch nicht einfach gemacht, sich in dieser Welt zurechtzufinden, wer meint, ich hätte in der Buchbeschreibung schon ausführlich mit seltsamen Worten umhergeworfen, der wird von dem Buch sicherlich mit sonderbaren Eigennamen erschlagen. So hat fast alles in dieser Welt einen zungenbrecherischen Namen - Menschen, Tiere, Orte, Fähigkeiten. Aber irgendwie fehlte mir (als anscheinend nur "Fantasy-Light-Leser") dabei eine gewisse "Gleichschaltung", eine Gemeinsamkeit oder eine einheitliche Ebene, die dem ganzen eine Form gibt. Zum Beispiel die Namen der Charaktere - Samu Rabov, für mich hört sich das osteuropäisch an, Calin Stingard (eine Vorgesetzte, in die Samu verliebt war) geht eher in Richtung nordeuropäisch und Velissa Labiano hört sich dann wieder südeuropäisch an. Da fehlt für mich etwas das Verständnis, der rote Faden an den man sich als Leser hängen kann, alles recht exotisch aber irgendwie "zu weit auseinander" um zusammenzuhängen.
Auch die Welt um Danubien im Jahre 713 nach der Flut kann man sich ungefähr so vorstellen, als würde man alles was man so kennt (alte Kulturen unserer Zeitrechnung, unterschiedlichste Sprachen, diverse unserer Religionen oder Kulte, Staatengebilde,  Magie in jeglicher Form, Altertumsforschung, Bezeichnungen für Tiere und Pflanzen) in einen großen Topf werfen, gut schütteln und dann mit neuen Namen versehen. Die Staatsform ist eine Monarchie, das Volk befindet sich in einem ähnlichen Stadium als zur Zeit der Industrialisierung - mit einem Schuss Mittelalteratmosphäre und einige Dinge die man unserer heutigen Zeit zuordnen könnte plus Magie. Die Religion ist unserer christlichen ähnlich, ein gemäßigter Gott "Linglu", mit deutlichen Parallelen zum Christentum - Religion verliert an Gläubigen, die Menschen suchen sich aufregendere Kulte (die neuen Rituale erinnern sehr stark an Voodoo), Bezüge zu biblischen Geschichten (Jonas und der Wal) und zur Sintflut. Das ganze paart sich dann noch mit einer exotischen Flora und Fauna, einer Vergangenheit, die mich an die Hochkulturen in Süd- oder Mittelamerika erinnerte und Naturvölker, die versklavt wurden.
Für mich war das Buch keine leichte Lektüre, die Geschichte entwickelt sich langsam, was ja auch nicht anders geht, wenn man dem Leser eine komplette neue Welt neben einer Geschichte präsentiert, vieles muss dann einfach erklärt werden, also die Spannung kommt sehr langsam auf. Anfangs muss man als Leser auch ein wenig "dranbleiben" und sich selbst motivieren an der Geschichte zu lesen (zu erarbeiten… dem Leser wird hier nichts geschenkt). Die Protagonisten (hauptsächlich natürlich Samu) sind alle, wie auch die ganze dunibische Welt, sehr gut gezeichnet und ausgearbeitet. Wer Schlangen nicht mag, für den könnte sich das Buch als wahrer Schocker erweisen, die Rituale oder Schlangenszenen sind durchaus etwas eklig.  Sehr gefallen hat mir auch die Umschlaggestaltung (optisch) und die beiden Karten (ein Auschnitt der Welt um 713 ndF und eine Karte von Phora) auf den beiden ersten und letzten Seiten des Buches, welche eine große Hilfe bei dem doch recht schwierigen Zurechtfinden in dieser Welt waren und mir vermittelten, dass sich der Autor wirklich sehr viele Gedanken über sein Buch gemacht hat und nicht nur eine Story heruntergeschrieben hat. Der Schluss bleibt (leider) fast komplett offen, was wahrscheinlich auf eine Fortsetzung deutet.
Mein Fazit:
...schweigt wie ein Nachtparder beim Anblick einer Gittermakuba unter einem Butinussbaum… nein, Fantasy - für Genreliebhaber aber kein leichter Lesestoff für "Nichtkenner".

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341 Bibliotheken, 8 Leser, 17 Gruppen, 76 Rezensionen

engel, gott, fantasy, apokalypse, luzifer

Apocalypsia

Andreas Izquierdo
Fester Einband: 622 Seiten
Erschienen bei Rotbuch Verlag, 16.08.2010
ISBN 9783867891080
Genre: Fantasy

Rezension:

Über das Buch:
Die Welt gerät langsam aus den Fugen, seltsame Lichterscheinungen am Himmel läuten den Untergang ein, immer schneller verändert sich das Klima - es wird immer heißer, Umweltkatastrophen treffen Mensch und Tier, die Menschheit steht sozusagen vor den Trümmern der bisher bekannten Welt. In dieser Welt begegnen sich zwei Frauen, Judith, die sterben wollte, deren Selbstmord aber durch ein "Wunder" verhindert wurde und Esther, ihre behandelnde Ärztin, die prinzipiell schon ihr eigentliches Leben (an ihr Schicksal) verloren hat.
Die Welt der Menschen und die Welt der Engel können nur im Gleichgewicht miteinander existieren, Veränderungen auf der einen Seite bewirken immer auch Veränderungen auf der anderen Seite. So wird ein Engel geboren, Nathanel, das erste Mal in der Geschichte der Engel, dass ein versehrter nicht perfekter Engel geboren wird. Er wird von seinem Lehrmeister, dem Protestas Iax, ausgebildet und zu Gott geführt, wo sich die Engel sammeln, die an Gott glauben und die auf einen Führer warten, der sie zum letzten Kampf zwischen Gut und Böse führt, denn Gott liegt im Sterben und Luzifer sammelt die Zweifelnden um sich, um die Macht zu ergreifen und die Menschen für immer auszurotten, um sozusagen den biblischen Urzustand für die Engel wieder herzustellen.

Meine Meinung:
Ich gehöre ja eigentlich der (blutigen) Thriller-Fraktion an, aber, ab und an, vor allem, wenn ich ein wenig mehr Zeit habe und nicht nur vor dem Einschlafen lese, darf es auch gerne mal etwas anspruchsvoller sein.
Somit habe ich meinen "Resturlaub 2010" (unter anderem) mit "Apocalypsia" verbracht.
Ein Buch das ich nicht für langweilig halte und das mich (auch bei den recht
umfangreichen 622 Seiten), für mehr als drei Tage (an denen ich relativ viel Zeit hatte) am (konzentrierten) Lesen hält, ordne ich als anspruchsvoll ein. Ein Buch, das ich nicht nur für schön, außergewöhnlich und gelungen halte, welches mich auch noch Tage später beschäftigt, ordne ich dazu noch in meine private Kategorie "monumental" ein - und dahin schaffen es nicht viele. Nun, Apocalypsia hat´s geschafft.
Ein Buch über Engel - gefährlich - das könnte für mich persönlich thematisch auch vollkommen daneben gehen, gerne führen Fantasy-Geschichten schnell in eine kitschige Richtung - Setting: momentan erfolgreiches Vampir Thema, Austausch der Untoten mit Engeln, seichte Liebesgeschichte mit oder ohne ganzheitlicher Esoterik-Keule.
Nein, das Buch bewegt sich in eine ganz andere Richtung, zwar kann man ihm einen gewissen Pathos nicht absprechen, doch für mich in einer erträglichen, zum Thema passenden Weise, die ich in diesem Kontext, vollkommen tolerieren kann.

Anfangs könnte man aber allerdings schon denken, dass man sich in einen typischen (esoterisch) angehauchten Frauenroman verirrt hat. "Apocalypsia" beginnt mit Judith und Esthers Geschichte. Da sollte man etwas am Ball bleiben, es entwickelt sich…

Das Buch beschreibt zwei Ebenen, die uns bekannte Welt der Menschen, die wörtlich genommen der Apokalypse mit großen Schritten entgegen geht und die Welt der Engel, die sich ebenfalls in Auflösung befindet, da sie mit der Welt der Menschen verbunden ist und nicht im Ungleichgewicht dazu bestehen kann. Wobei die Ebene der Engel den weitaus größeren Teil des Buches einnimmt.
Für alle Leser, die sich mit der Hierarchie der Engel nicht beschäftigt haben, ist sie auf einer der ersten Seiten des Buches nachzulesen.

Alles konnte lange friedlich im Gleichgewicht nebeneinander existieren, starb ein Mensch, wurde er als Engel wiedergeboren, bis zu dem Zeitpunkt, an dem den Engeln klar wird, Gott liegt im Sterben, auch die Ewigkeit ist nicht unendlich.
Gott spricht plötzlich nicht mehr zu den Engeln, darauf hat sie niemand vorbereitet, sie sind nicht in der Lage diese göttliche Leere zu füllen. Sie halten strikt an Ritualen fest, die fast an höfisches Zeremoniell erinnern, sie sind hart (-herzig) und nicht in der Lage zu vergeben, die Fähigkeit zu Vergebung ist ihnen nicht gegeben, das kann nur der Vater.
Die Engel sind auf ihre Weise genau so blind und unperfekt wie die Menschen, beide verschließen die Augen, die Menschen vor dem Raubbau an Natur und Umwelt (auch vor Gott), die Engel vertrauen blind auf Gott, sind ohne etwas zu hinterfragen, vollkommen ihrem Schicksal ergeben und stehen ungläubig vor den "Lügen ihres Daseins", denn die auch die Ewigkeit ist anscheinend endlich.
Erschüttert von dieser Erkenntnis, dass die Unsterblichkeit eine Lüge ist, lehnt sich manch ein Engel gegen die alte Ordnung auf. Diese Gelegenheit nutzt Luzifer um nach jahrtausendelanger Verbannung nach der Macht zu greifen, Zweifel und Zwietracht unter den Engeln zu säen und Verbündete gegen die alte Ordnung zu finden.

Nathanael wird (aus Feuer) geboren, unter der Prophezeiung, dass er die Rettung für die zerbrechende heilige Ordnung ist. Sein Lehrmeister Iax wohnt seiner Geburt bei und erlebt zum ersten Mal, dass ein Engel nicht vollkommen zur Welt kommt.
Iax zweifelt stets an ihm und glaubt nicht, dass er die vorausgesagte Rettung sei, er bildet ihn aber trotzdem, wie ihm geheißen, aus und führt ihn zu Gott.
Nathanel muss lernen zu kämpfen, nicht nur um in die "letzte Schlacht" zu ziehen, sein wahrer (persönlicher) Kampf ist um Iax´ Liebe zu kämpfen, Iax der vollkommen gottergeben ist, die göttliche Ordnung nie in Zweifel zieht und zum ersten Mal in seinem Dasein Zweifel verspürt, da er Nathanael abgeneigt ist.
Nathanael ist nicht nur körperlich missgebildet, er hat auch Fähigkeiten (die allen anderen Engeln fehlen) - er kann mit allen Gottesgeschöpfen mitfühlen und er kann sich an die Liebe seiner Mutter (in der Menschenwelt) erinnern.
Nathanaels Weg, sein "Werden" und auch Iax´ (stumme) Erkenntnis ist für mich die Haupthandlung des Buches. Dazu kommen natürlich auch noch unzählige kleine Rahmenhandlungen und Personen, die den beiden auf ihrem Weg zu oder bei Gott begegnen.

Das Buch gipfelt im Endkampf zwischen "Gut" und "Böse" einem monumentalen Kampf der Engel und quasi im (fast vollständigen) Untergang der Welt der Menschen.
Das ist jetzt zwar kein vollkommen unbeschriebenes Territorium, ist aber passend und (für meinen Geschmack) interessant umgesetzt.

Es gibt natürlich sehr viele Bezüge zur christlichen (nicht nur ausschließlich biblischen) Mythologie, Kenntnisse darüber sind aber nicht unbedingt notwendig, wobei ich sagen muss, dass ein "gewisses Wissen", das Buch interessanter macht, es gibt recht viele Möglichkeiten für Eigeninterpretationen, oder auch Denkanstöße.
Das beginnt schon bei den Namen der Charaktere - Judith oder auch Esther ("beide tauchen (mythologisch) als Retter(innen) des Gottesvolkes auf") oder Nathanael (was mit "Gottesgeschenk" übersetzt werden könnte), so kann der Leser zu allen Namen passende (mythologische) Querverbindungen finden.
Sehr viele Bezüge habe ich auch zur Offenbarung des Johannes gesehen, so die "Plagen", die die Menschheit heimsuchen, aber wieder auch einige Personen/Namen die (außerhalb der Apokryphen) in der Bibel nur in der Offenbarung des Johannes vorkommen.
Wer möchte findet unzählige interessante Fragen, die sich der Leser selbst beantworten kann, wenn er möchte - über "Gut" und "Böse", die eben auch im Gleichgewicht sein müssen und das das eine das andere bedingt und beide nicht ohne einander bestehen können - nur "Gut" ist eigentlich auch kein erstrebenswerter Zustand, bzw. ist "Gut" nicht gut, wenn es "Böse" nicht gibt… (hmm, genug jetzt mit meiner kruden Philosophie).

Das ist aber nur ein Aspekt des Buches (welcher manchem Leser wahrscheinlich auch gar nicht so sehr ins Auge springt), es handelt sich jedenfalls nicht ausschließlich um christliche Religionstheorie und/oder ermüdende Bibelgeschichten, im Gegenteil das Buch bietet nicht nur tiefgründiges und zum Nachdenken anregendes, es bietet auch eine schöne, manchmal auch recht traurige, schwere Geschichte (die sich, wie auch Nathanael entwickelt), Endzeit-Fantasy (mit Engeln, ohne Fabelwesen), verbunden aber immer auch mit einem "Fünkchen" Hoffnung.
Bildhaft (auch sehr ausführlich) schön geschrieben, einwandfrei recherchiert, hintergründig, spannend und phantasievoll aber auch unbschönigend, hart, gewaltig. Weitab von den puttengleichen pummeligen süßen Engelchen und alles ohne "Missionierungstouch".

Das Ende schließt das Buch würdig ab, gibt aber auch keine Erklärungen für die großen Fragen der Menschheit - zurück bleibt wieder enormer (wenn er denn genutzt wird) Spielraum für eigene Interpretationen - es muss (oder kann) sich jeder Leser seinen eigenen Teil dazu (aus- oder weiter-) denken.

Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt (nein, nicht von mir, von J. P. Sartre).

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412 Bibliotheken, 8 Leser, 8 Gruppen, 70 Rezensionen

thriller, berlin, mord, entschuldigung, schuld

Sorry

Zoran Drvenkar
Fester Einband: 396 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.02.2009
ISBN 9783550087721
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Chris, Wolf, Tamara und Frauke sind typische Vertreter der "Generation Praktikum", trotz guter Bildung bieten sich ihnen im Berufsleben recht wenig (dauerhafte) Perspektiven und so dümpeln sie mehr schlecht als recht mit Ende zwanzig, ohne Ziel und in recht kindlichen Verhaltensweisen gefangen, dahin. Bis sie an einem Abend die zündende Idee haben, sie gründen eine Agentur, die sich für andere entschuldigt, was ja bisweilen für den, der sich entschuldigen müsste, nicht einfach ist, wird "fremd-übernommen" und zur lukrativen Einnahmequelle für die Freunde. Alles läuft wunderbar, bis sie wieder zu einem "Fall" gerufen werden, Chris fährt zu der ihm genannten Adresse und läutet, die Tür steht offen und er geht hinein. In der Wohnung bietet sich ihm ein grausamer Anblick, eine hingerichtete Frau und Instruktionen vom Mörder - dass er sich bei der Leiche entschuldigen soll und danach wäre noch der Tatort zu säubern und die Leiche verschwinden zu lassen, dazu sind noch Fotos gelegt, die wichtige Bezugspersonen der vier zeigen - der Mörder will klarstellen, dass wenn das mit dem Beseitigen der Leiche nicht klappen sollte, er genau weiss, wer als nächstes das Zeitliche segnet... Chris ruft seine Freunde zu Hilfe und alle zusammen tun, was der Mörder von ihnen verlangt, was sie nicht wissen ist, dass das erst der Anfang eines Alptraumes für jeden einzelnen der Freunde sein wird.

Meine Meinung:
"Sorry" ist für mich einer der besten deutschen (Psycho-) Thriller, die ich bisher gelesen habe, ein Buch, dass eine bisher noch nicht bekannte, oder ähnlich beschriebene Geschichte, in einer für mich noch nicht gelesenen Form, erzählt. Ein Buch, das mich sehr gut unterhalten hat, das in keinster Weise vorhersehbar war, das mich zum Nachdenken gebracht hat und das mir sicherlich im Gedächtnis bleiben wird.
Trotzdem kann ich "Sorry" nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, denn teilweise wird das Buch sehr brutal und grausam, wer mit (gelesenen) tiefen und real geschilderten menschlichen Abgründen kein Problem hat, bekommt hier, meiner Meinung nach, einen Thriller der Extraklasse serviert. Der interessierte Leser sollte einfach, wenn er das Buch in die Hand bekommt einmal hineinlesen, wer die ersten ca. 10 Seiten übersteht, der kann sich das Buch zulegen, wem das schon zu heavy ist, der sollte natürlich lieber nicht zugreifen. Dazu kommt noch die etwas unkonventionelle Erzählperspektive, die Geschichte ist nicht chronologisch aufgebaut und ist doch ein recht verwirrendes und verstörendes Leseerlebnis, ein Buch, das man nicht einfach "weglesen"und weglegen kann. Außerdem fehlt die "wörtliche Rede" wie man sie üblicherweise kennt - Dialoge sind mit einem Bindestrich gekennzeichnet, teilweise ist das etwas verwirrend, man weiss nicht immer, wer spricht oder wann die Aussage wieder beendet ist oder wann der "Sprecher" wechselt.
Der Einstieg ins Buch ist recht brutal, danach wird der Leser sozusagen von einem Erzähler an die Hand genommen und lernt die vier Mitarbeiter und deren Weg zu der Agentur "Sorry" näher kennen. Die einzelnen Kapitel tragen die Überschriften Chris, Wolf, Tamara oder Frauke, so erfährt der Leser verschiedene, an sich gleiche Begebenheiten oder Erlebnisse, aus verschiedenen Perspektiven, damit sind aber noch nicht alle Perspektiven abgedeckt, dazwischen gibt es noch Kapitel die mit "Du", "davor", "dazwischen", "danach" und "Der Mann der nicht da war" betitelt sind und damit lässt sich erahnen, dass es sich hier nicht um einen "Mord - wer war es - Thriller" handelt und die Geschichte wird komplex und als Leser ist man nicht sofort in der Lage alles zu verstehen oder zuordnen zu können, vieles erschließt sich erst im Nachhinein. Vor allem die "Du" Kapitel sind außergewöhnlich und fast schon ein wenig unangenehm zu lesen, denn man glaubt als Leser, vom Erzähler, direkt als Mörder angesprochen zu werden, so wird man (ungewollt) zu einem Teil des Buches, wird zum Verbrecher. Die wahre Identität des "Du" bleibt fast bis zum Schluss im Dunkeln, im letzten Drittel des Buches ahnt man aber langsam, dass man als Leser nicht damit gemeint sein sein kann.
Im Buch gibt es zwei Haupthandlungsstränge, die Geschichte der Protagonisten und die Geschichte des Mörders und zwei Zeitebenen - Chris, Wolf, Tamara und Frauke im "Jetzt" und die Geschichte des Täters in der Vergangenheit, als sich die beiden Geschichten kreuzen beginnt das eigentliche Zeitmaß der Gesamtgeschichte - der erste Mord, alles andere ist "vorher", "dazwischen" oder "danach". Damit ist ist es aber noch nicht genug, es taucht auch noch "Der Mann der nicht da war" im "Jetzt" auf, der auf Rache sinnt, obwohl er nicht die ganze Wahrheit kennt. Die wahre Geschichte hinter den Morden erschließt sich auch dem Leser erst relativ spät.
Das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht, Hauptthema ist meiner Meinung nach ein bedrückendes Spiel mit der "Schuld" und wie man damit umgeht. Der Ablasshandel hat sich schon im Mittelalter nicht bewährt und übertragen auf unsere Zeit ist es ähnlich - übernimmt der, der sich entschuldigt die Schuld, obwohl er eigentlich nichts getan hat, kann man eine Entschuldigung kaufen, kann man Schuld abgeben und trägt dann der, der sich Entschuldigt hat die Verantwortung für die Taten, für die er sich entschuldigt hat. Was macht Schuld mit Menschen, der Mörder verliert sich selbst in Schuld. Haben sich Chris, Wolf, Tamara und Frauke schuldig gemacht, als sie "Sorry" gründeten, gab es die Morde eventuell nur, weil es jemanden gab, der sich dafür entschuldigen wird und damit die Schuld abnimmt. Sehr gut wird auch beschrieben, wie die Hilflosigkeit aller Beteiligten eskaliert, wie die Moral, sobald eigene Interessen beteiligt sind, sinkt. Die Bewertung aber, wer wirklich schuldig ist überlässt der Autor dem Leser, denn Schuld und Unschuld, Gut und Böse liegen manchmal näher zusammen als man sich vorstellen kann.

Mein Fazit:
Ein sehr düsteres und auch stellenweise sehr brutales Buch, sehr ungewöhnlich in Stil und Ausdruck, verstörend und kreativ, das zum Nachdenken anregt und sicherlich nicht schnell zu vergessen ist.

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143 Bibliotheken, 1 Leser, 5 Gruppen, 41 Rezensionen

mord, psychothriller, missbrauch, berlin, pädophil

Die Stille nach dem Schrei

Isolde Sammer , , ,
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783499253706
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:

Irenes Mann ist verstorben, sie zieht den gemeinsamen vierzehnjährigen Sohn Jonas und ihren neunzehnjährigen Stiefsohn Martin allein auf. Am Rande einer Kirmes kommt es zu einer schrecklichen Tat - Jonas und ein etwas jüngere Junge, Joey, der schwer misshandelt wurde, werden tot aus einer brennenden Scheune geborgen. Der Tatverdacht fällt relativ schnell auf Martin, der allerdings beschwört, dass er Jonas in der Scheune dabei ertappt hat, wie er Joey zu Tode gequält hat und ihm daraufhin der sexuelle Missbrauch und die Gewalt, die ihm von seinem Vater angetan wurden wieder bewusst wurde und er (da Joey schon tot war) seinen Halbbruder im Affekt erschlug. Danach zündete er die Scheune an, um die Tat zu vertuschen. Irene fällt aus allen Wolken, ihr Leben ist ein Scherbenhaufen, wem soll sie noch glauben. Nach einer relativ kurzen Zeit der Untersuchungshaft wird Martin entlassen und Irene ist die einzige, die an seiner Version der Geschichte zweifelt.

Meine Meinung:
"Die Stille nach dem Schrei" ist das erste Buch aus der Feder von Isolde Sammer, die bisher "nur" Drehbücher geschrieben hat und meiner Meinung nach kein Unbeachtliches. Ein Psychothriller der sicherlich mehr für Frauen geschrieben ist, da es eigentlich Irenes Geschichte ist, die erzählt wird. Eine Geschichte, bei der der wahre Täter eigentlich von den ersten Seiten an bekannt ist, denn Martin gibt sich nur lammfromm, als Leser hat man aber recht schnell Einblick in seine Gedanken, die sich anfangs um den Sohn eines Mithäftlings drehen. Keine schönen Gedanken und es ist klar, Martin hat es geschickt verstanden die Menschen um ihn herum zu manipulieren und zu täuschen.
Als Leser leidet man von diesem Zeitpunkt an mit Irene, denn ihr Weltbild ist aus den Fugen. Hat sie als Mutter versagt, ist es möglich, dass ihr Kind zu so einer Tat fähig gewesen wäre. Hat sie ihren Mann überhaupt gekannt, war es möglich, dass er sich an Martin vergriffen haben könnte. Alles was sie weiss ist nicht wirklich sicher und natürlich sehen die Menschen in ihrer Umgebung auch nur das was sie sehen wollen - eine Mutter die die Augen vor dem Missbrauch ihres Kindes verschloss, oder eine Frau, die ein Monster aufzog, dass schon mit 14 Jahren die Untaten des Vaters perfektionierte.
Das Buch erzählt auf drei Ebenen oder Sichtweisen, zum einen aus der Sicht Irenes, dazwischen Sequenzen aus einem Brief, den Martins Freundin Tina an den im damaligen Mordfall ermittelnden Kommissar Schneider schreibt und immer wieder auch die Gedankenwelt Martins.
Das Buch beginnt mit dem Anfang von Tinas Brief an Kommissar Schneider, sie bittet ihn, auf ihren kleinen Bruder Benny aufzupassen und sie schreibt sich, nach und nach, nachdem sie erkannt hat, mit wem und auf was sie sich eingelassen hat, ihre Geschichte von der Seele, wie sie Martin vor einigen Jahren kennengelernt hat, wie er sie damals vor Mitschülern beschützt hat und, dass sie nach Jahren zufällig Martin als Beschuldigten im Mordfall an den beiden Jungen im Fernsehen sieht, von Anfang an von seiner Unschuld überzeugt ist und zu ihm halten will, wie er damals zu ihr gehalten hat. Für Tina der Beginn einer Abhängigkeit, für ihren kleinen Bruder eine stete unsichtbare Bedrohung.
Irene rappelt sich nach einiger Zeit wieder auf und ist überzeugt, dass Martin der wahre Schuldige ist, dass ihr Leben weder aus Lügen noch aus Selbstbetrug bestand und zusammen mit dem damals ermittelnden Kommissar Schneider versucht sie Beweise gegen Martin zu sammeln, auch um ihren Sohn Jonas und ihren verstorbenen Mann von den Beschuldigungen zu entlasten. Ihre widersprüchlichen Gefühle werden sehr gut dargestellt.
(Leider) lernt man auch Martins Gedankenwelt näher kennen, er ist gefangen in seinen pädophilen und grausamen Phantasien und Isolde Sammer lässt den Leser, für meinen Geschmack schon fast grenzwertig, daran teilhaben. Nun bin ich geschriebenem Horror nicht abgeneigt, auch gegen blutige Thriller habe ich keine Einwände, aber die Gedanken, die einem (fast) erwachsenen Menschen in Bezug auf (in diesem Fall männliche) Kinder kommen, waren mir fast zu widerwärtig und ich weiss auch nicht, ob es sein muss, diesen Menschen, ganz egal wie abscheulich sie als Person auch präsentiert werden, eine Plattform für ihre zutiefst ekelhaften und abartigen Gedanken geben muss. Da wäre meiner Meinung nach wirklich weniger mehr gewesen.
"Die Stille nach dem Schrei" ist trotzdem spannend, auch wenn die Sachlage eigentlich klar ist - erst möchte man Irene sagen, sie soll ihre Zweifel vergessen und die Augen offen halten, dann Tina schütteln, denn wie blind kann ein Mädchen vor Liebe sein, dass sie sich auf einen Mann wie Martin einlässt, der ihr auch immer mehr von seinem "wahren Ich" zeigt.
Das Buch ist genretypisch eher einfach zu lesen, Irenes und die Geschichte ihrer Kinder wird von mehreren Seiten beleuchtet und als Leser weiss man stets immer etwas mehr als die verschiedenen "Erzähler".
Die Klischeedichte ist, obwohl das Buch eher in die Kategorie "Frauenbuch" einzuordnen ist, relativ gering. Die Charaktere sind gut und glaubwürdig angelegt und ausgearbeitet. Irene macht sich auf die Suche nach den Ursachen, was hat Martin zu dem werden lassen, was er heute ist. Tina liebt Martin bis zur Selbstaufgabe, nur ihr kleiner Bruder ist ihr letzter Halt und Bezug zur Realität.
Die Geschichte ist wahrlich abscheulich aber nicht künstlich und mit übertriebener Effekthascherei geschrieben, gerade deswegen, weil sie Realität sein könnte, ist sie so erschreckend. Wobei für mich da auch die Frage aufkommt, kann ein solches Thema zur (schnöden) Unterhaltung hergenommen werden - ich bin mir nicht wirklich sicher, aber das sollte jeder Leser für sich selbst entscheiden.
Das Ende ist, zwar im Gegensatz zum Rest des Buches deutlich schwächer, im Grunde genommen aber stimmig zum vorher Gelesenen, allerdings störten mich die (recht kurzen) "wissenschaftlichen" Ausführungen, was einen Menschen zu einem "Unmenschen" machen kann - genetische Disposition, etc., ich hatte das Gefühl, dass Fr. Sammer mehr nach einer Rechtfertigung für sich selbst gesucht hat, warum sie solch drastische Gewalt (wenn auch nur literarisch) darstellt. Wenn es Erklärungen für den Ursprung solch unsozialen Verhaltens geben sollte, denke ich auch nicht, dass es sinnvoll ist diese in einigen Worten in einem "Roman" abzuhandeln.

Isolde Sammer ist ein guter deutscher Psychothriller gelungen, jedoch hätten Martins Gedanken und Taten für meinen Geschmack etwas sensibler behandelt werden können und ist, durch die dargestellten pädophilen und auch brutalen Teile, nur bedingt weiter zu empfehlen.

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 14 Rezensionen

neuseeland, atmosphäre, unwetter, ökothriller, jon foster

Impact

Bernd Steinhardt
Fester Einband: 518 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 11.08.2010
ISBN 9783471350355
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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80 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 34 Rezensionen

segeln, liebe, unfall, humor, chaos

Hart aber Hilde

Bettina Haskamp
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Schroeder, Marion von, in Ullstein Buchverlage GmbH, 12.08.2010
ISBN 9783547711714
Genre: Romane

Rezension:

Über das Buch:
Pias Leben ist nicht ganz so einfach, sie ist verschuldet, versucht sich und ihren 17 jährigen Sohn Niklas (+ Sänger der Black Metal Band "Dead Zombies") mit drei Jobs über Wasser zu halten. Ihr Partner ist zwar gutaussehend aber ein geistiger Komplettausfall,  dem sie den Laufpass gibt nachdem er ihren Sohn aus seinem privaten Cannabis Anbau versorgt. Einen ihrer Jobs wirft sie hin, nachdem sie ihr Chef versucht zu begrabbeln, den anderen verliert sie, als sie sich das heißgeliebte Auto des dortigen Chefs (Felix) ausleiht und eine alte Dame, Hilde, umfährt, was an sich nicht so gut ist, denn Pia hat zu dem Zeitpunkt keinen Führerschein, da sie vor einiger Zeit eine rote Ampel "überfahren" hat. Das ist der Tag an dem Hilde in Pias Leben Einzug hält, zu ihrer mütterlichen Freundin wird und Pia hilft ein wenig Ordnung ins persönliche Chaos zu bringen.
Meine Meinung:
Das Buch ist sicherlich kein schlechtes, aber typische weichgespülte Frauenliteratur, ein wenig zum Schmunzeln, aber auch immer mit der passenden Lösung aller Probleme im Gepäck. Meine Schwester war ganz begeistert von dem Buch, also liegt es wahrscheinlich mehr an mir, dass ich mit so gelagerten Büchern nicht zurechtkomme, sie mich, gerade weil immer alles so gut ausgeht, zu einer besonderen Aufmerksamkeit anstacheln, die vieles hinterfragt und als komplett an der Realität vorbei gehend einstuft - so soll es wahrscheinlich ja auch sein, ein Buch zum Träumen (wie Lottospielen - immer mit der Hoffnung, dass doch noch alles gut wird), das der Leserin einen Fluchtpunkt aus der Wirklichkeit gibt und Hoffnung, dass die Lösung aller Widrigkeiten ganz einfach sein kann, wenn man nur daran glaubt, positiv denkt... nun a, nicht wirklich meins, aber zumindest hat es mich in einem Punkt zum Nachdenken gebracht - ich glaube mein Humor ist "männlich".
"Hart aber Hilde" lässt sich sehr leicht und schnell (für mich 3,5 Stunden) lesen, ist nett und gefällig und als Leserin möchte man natürlich auch wissen, wie Pia ihr Leben wieder in den Griff bekommt, es gibt also sogar einen gewissen Spannungsbogen, der mehr oder weniger von den Männern im Buch gertragen wird, welchen Märchenprinzen wird sie sich aussuchen - womit wir wieder beim Thema Realität wären - eine Frau über 30 (hier sogar über 40), die irgendwann, wenn auch nur aus Versehen einen Kinderwagen schob, wird wissen, dass damit die Attraktivität für das andere Geschlecht gen null tendiert - gerade was die "Prachtexemplare" betrifft, die sich für Pia erwärmen. Außerdem beginnt es ab ca. 30 Jahren, für Frauen, mit der Partnersuche allgemein schwierig zu werden, ich teile Männer dazu in folgende Gruppen ein - vergeben, übrig (meist zurecht, da Mängelexemplar, wohnt gerne noch bei Mutti), wieder übrig (mit Trauma aus vorhergehender Beziehung) oder psychisch gestört (bindungsunfähig, Angst vor Nähe...) - und wo sind die tollen Typen versteckt (homosexuell habe ich noch vergessen)...
Leider muss ich auch bemängeln, dass die Autorin alles einfach vergisst, was Pias Leben nicht zum "1a Durchmarsch in Richtung Happy End" machen würde. Kleine Missgeschicke, die sich auch schnell wieder ausbügeln lassen sind natürlich genügend da und gern gesehen, sonst wäre der Umfang des Buches auch recht bescheiden. Eine Frau anfahren und das noch ohne Führerschein - also unter unserem weiß-blauen Himmel geht, soweit ich weiss, Personenschaden im Straßenverkehr immer an die Staatsanwaltschaft - und wenn das ohne gültigen Führerschein passiert sein sollte... aber das ganze wurde nie mehr erwähnt und hat auch keine Konsequenz - nur im erfreulichen Sinne - Hilde betritt die Bühne.
Was mir persönlich sehr gut gefiel war, dass die Autorin ein Klischee nicht bediente, das des Horror-Seniorenheims. Altern und Verfall, körperlich wie auch geistig, sind nunmal nicht schön, Pflegepersonal ist auch immer zu wenig da und dass es schlechte Einrichtungen gibt ist auch ganz klar, aber es gibt auch gute Heime und nette Pfleger/innen. Hilde wohnt in einer Seniorenresidenz und das tut sie, körperlich und geistig noch recht fit, gerne und damit liegt sie komplett auf meiner Linie - richtig, ins Seniorenheim gehen, wenn man noch weitgehend (geistig) fit ist, da kann man die Zustände sehen und wenn es nicht gefällt, noch selbständig die Konsequenz ziehen.
Außer dem Seniorenheim bleibt aber kein Klischee unerwähnt, was bei manchem humorvollen Buch gelingt, dass die stetige Überzeichnung von Personen und Situationen das Buch trägt, gelingt hier leider nicht wirklich, somit kann ich auch den fehlenden Bezug zur Realität nicht "verzeihen". Was mir auch überhaupt nicht gefallen hat, waren die Einschübe zu "Wer wird Millionär", der Sendung, an der Felix (der Chef mit dem Auto) seit Jahren teilnehmen will, dann als Kandidat erwählt wird, sofort den "Stuhl" bei Günther Jauch erklimmt und Pia als seine Begleitung dabei hat, es geht nicht unrealistischer - doch, einfach weiterlesen. Oder auch, wie einfach Pia zu einem neuen Job kommt (da ist zwar auch nicht alles toll, aber kleine Widrigkeiten braucht das Buch), wie sie sich aus der Kleiderkammer des roten Kreuzes umwerfende "Fummel" schneidert und und und
Mein Fazit:
Nette, humorvolle Unterhaltung für Frauen, die nicht(s) hinterfagen. Leider mit wenig Realitätsbezug und Anspruch.

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346 Bibliotheken, 3 Leser, 6 Gruppen, 85 Rezensionen

thriller, serienmörder, ohio, amisch, kate burkholder

Die Zahlen der Toten

Linda Castillo , Helga Augustin
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.09.2010
ISBN 9783596184408
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:

Eine verstümmelte Frauenleiche wird auf einem Feld eines (amischen) Bauern in Painters Mill gefunden, sie wurde übelst zugerichtet und auf ihren Bauch wurden römische Zahlenzeichen eingeschnitten. Kate Burkholder, selbst als "Amische" aufgewachsen und der Glaubensgemeinschaft nicht beigetreten, somit eine "Gebannte" der Amischen, die Polizeichefin von Painters Mill beginnt zu ermitteln, 16 Jahre vorher wurden in dem ruhigen Örtchen in Ohio schon einmal ähnliche Morde verübt. Kate will nicht daran glauben, dass der Mörder wieder zurückgekehrt ist, denn sie glaubt zu wissen, was damals passiert ist und möchte verhindern, dass diese Wahrheit an die Öffentlichkeit kommt - eine Wahrheit, die ihr Geheimnis bleiben soll. Um ihr Geheimnis zu wahren verschleppt sie die Ermittlungen etwas, eigentlich hätte sie Hilfe von anderen Polizeistandorten oder vom FBI/BCI anfordern müssen und als der Täter wieder zuschlägt eskaliert die Situation, die Öffentlichkeit beginnt gegen die Polizeichefin zu rebellieren, der Bürgermeister und besorgte Bürger, die Angst um ihr Leben (oder das ihrer Kinder) und den Ruf ihres Städtchens bei den Touristen haben sorgen dafür, dass Detective Tomasetti vom BCI und der Sheriff Dexter vom Nachbarort hinzugezogen werden. Kate fühlt sich (zu Recht) hintergangen und nach und nach wird sie aus den Ermittlungen gedrängt.


Meine Meinung:

 "Die Zahlen der Toten" ist das "Thriller-Debut" von Linda Castillo und es ist durchaus recht gut gelungen. Diesem Buch sollen noch weitere Bände mit Kate Burkholder und ihrem Team in Painters Mill folgen und ich werde sicherlich wieder einen Blick darauf riskieren. Obwohl der Thriller nach altbekanntem Muster gestrickt ist empfand ich ihn nicht als langweilig, oder zu plump, oder einfach abgekupfert. Im Gegenteil ich wurde gut und spannend unterhalten. Natürlich gibt es noch Spielraum nach oben und einiges an unausgeschöpftem Potenzial, so hätte ich mir mehr Informationen über die "Amischen" gewünscht und Kates Konfliktpotenzial mit ihrer Familie, bzw. ihrer "englischen" Lebensweise ( "Englisch" so benennen Amische den Rest der Welt) hätte noch mehr einbezogen werden können, um dem Buch mehr Tiefe und etwas mehr Anspruch zu geben. 

Kurz zur Erläuterung (Quelle Wikipedia): Die Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie haben ihre Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Mitteleuropas. Im Jahre 1693 spalteten sich die Amischen von der Gruppe der Mennoniten ab. Im Jahr 2010 lebten sie in 28 Staaten der Vereinigten Staaten sowie im kanadischen Ontario in 427 Siedlungen und 1826 Gemeindedistrikten. Sie führen ein stark im Agrarbereich verwurzeltes Leben und sind bekannt dafür, dass sie den technischen Fortschritt in vielen Fällen ablehnen und Neuerungen nur nach sorgfältiger Überlegung akzeptieren. Die Amischen legen großen Wert auf Familie, Gemeinschaft und Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Sie stammen überwiegend von Südwestdeutschen bzw. Deutschschweizern ab und sprechen untereinander meist Pennsylvaniadeutsch. 

"Die Zahlen der Toten" ist ein guter, wenn auch wieder teilweise ein sehr brutaler Thriller, die Folterungen der Opfer werden sehr detailliert geschildert, mich persönlich stört das nicht, doch denke ich, dass das Buch nicht für dahingehend zarte Gemüter gemacht ist. Für unentschlossene, potenzielle Leser - einfach den Prolog lesen, sehr viel schlimmer wird es nicht. Wobei der Prolog schon, von der Brutalität her, fast an meine Grenzen geht, es ist schon wirklich sehr schockierend beschrieben, was dem Opfer angetan wird und ich frage mich, wie die Autorin (eine Frau) auf so krasse und kranke Gedanken kommt. Prinzipiell mag ich ja "kranke" Geschichten, aber ich muss auch nicht alles haarklein beschrieben bekommen, oft reichen auch schon Andeutungen, der Leser hat ja auch eine gewisse Phantasie, um sich Dinge (nach seinen Maßen) vorzustellen. Die Geschichte um Kate, ihr Geheimnis und die Ermittlungsarbeit lesen sich dagegen sehr angenehm, prinzipiell zwar auch nichts was es so oder so ähnlich nicht schon einmal gab, aber dennoch ganz unterhaltsam. 

Für mich gibt es auch noch einige Kritikpunkte, so wird auch in diesem Buch einiges an Klischees abgearbeitet, Detective Tomasetti hat seine Familie verloren, lebt depressiv mit latenter Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit und die obligatorische (und für mich überflüssige) Lovestory kommt natürlich auch noch dazu. Dagegen wurde einiges an Möglichkeiten, etwas Besonderes aus dem Buch zu machen verschenkt, zum Beispiel das Painters Mill Polizei-Team um Kate, das wären alles nette und facettenreiche Charaktere, die zusammenhalten (und auch zu Kate halten) aber (leider) nur als Statisten dienen. Oder wie schon oben beschrieben, mehr Infos über die Amischen und deren Zusammenleben mit den "Englischen". Allerdings ist die Geschichte außerhalb der Morde auch nicht zu belanglos oder wirkt auf mich wie reine, nutzlose Füllinformation, dass einfach irgendwas, zwischen möglichst ekligen Details, erzählt wird - aber insgesamt wären einfach etwas mehr Tiefe bei den (Haupt-) Protagonisten und bei der Geschichte wünschenswert gewesen. Was ich auch gar nicht mag - und was mich auch fast dazu gebracht hat, das Buch nicht zu kaufen war einerseits der Aufkleber (vorne auf dem Buch) "Unbedingt lesen" - so etwas mag ich persönlich einfach nicht (dieses Urteil soll doch eigentlich dem Leser überlassen bleiben) und außerdem noch das beigelegte Lesezeichen (mag ich eigentlich sehr) aber bitte nicht mit übermäßigen Vorschusslorbeeren - der beste Thriller des Jahres (oder so ähnlich) - für mich weist das eher auf (schwaches) Mittelmaß hin, dass es notwendig hat, wie "sauer Bier" angepriesen zu werden - und das hatte das Buch wirklich nicht notwendig. 

Lesen lässt sich das Buch einfach und schnell, abwechselnd wird aus Kates Sicht, aus der Sicht eines "neutralen Beobachters" und aus Detective Tomasettis Sicht erzählt, Einschübe über die Opfer, bzw. im letzten Drittel auch aus der Sicht des Täters sorgen für Abwechslung und Spannung. 
Der Täterkreis engt sich für den geübten Thrillerleser eigentlich fast von Anfang an stark ein und bleibt dem aufmerksamen Leser sicher nicht verborgen, auch gibt es recht wenig "falsche Fährten". Das Ende ist genretypisch, ein großer Showdown (was mir persönlich immer nicht ganz so gut gefällt und -), inklusive des Einbeziehens von Kate - für mich ohne große Überraschungen. Aber nun gut, irgendwie muss es ja enden (und mein Geschmack ist nun auch nicht das Maß aller Dinge).
Mein Fazit:
Ein recht gelungenes und spannendes Debüt, teilweise sehr brutal - wahrscheinlich mehr für Frauen.

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frankreich, historisch, historischer krimi, krimi, juden

Jakobsblut

Barbara Pope , Uta Rupprecht
Flexibler Einband: 523 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.08.2010
ISBN 9783548608334
Genre: Historische Romane

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gaukler, hexenverfolgung, inquisition, 1430, ritter

Die Seiltänzerin

Gabriele Breuer
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.07.2010
ISBN 9783548281162
Genre: Historische Romane

Rezension:

Über das Buch:
Alessandra gehört zum "fahrenden Volk", sie lebt als Seiltänzerin zusammen mit ihrem Großvater bei ihrer Sippe, die sich durch diverse Schaustellereien das Geld zum Leben verdienen. Im Jahre 1431 schlagen sie vor Bacharach ihr Lager auf. Alessandra findet mit der kräuterkundigen Wahrsagerin Sanchari einen überfallenen und verletzten Ritter im Wald, sie versorgen und behandeln ihn heimlich, bis er von seinen Männern gefunden wird. Alessandra und der Ritter Simon von Ravenstein haben sich während ihrer Treffen ineinander verliebt. Doch das Schicksal hat ihnen andere Wege vorgegeben - Alessandra soll mit dem Schausteller Sami verheiratet werden und auch Simon kehrt zur Burg Stahleck zurück um dort seine zukünftige Verlobte Mathilde kennenzulernen. Alessandra beschließt, ihre Familiengemeinschaft zu verlassen und sich auf Burg Stahleck als Magd oder Dienstmädchen anzudienen. Dort bleiben ihr gutes Verhältnis zu Simon und ihre Fähigkeiten als kräuterkundige Heilerin nicht unbemerkt und so gerät sie ins Visier der Inquisition.
Meine Meinung:
Da ich mit wenig Erwartungen an das Buch heranging und nichts anderes als eine Liebesgeschichte mit historischem Hintergrund erwartet habe, wurde ich auch nicht enttäuscht, denn mehr ist es nicht, eine schöne Geschichte, die sich genauso entwickelt, wie man es als Leser(in) erwartet. Eine unstandesgemäße Liebe im Mittelalter, die trotz diverser Schwierigkeiten und Intrigen zu einem unvermeidlichen und märchenhaften Happy End führt.
"Die Seiltänzerin" ist der erste Roman von Gabriele Breuer und er ist meinem Empfinden nach nicht besser oder schlechter, als ähnlich gelagerte Liebesromane, die mit austauschbaren Protagonisten vor austauschbaren historischen Hintergründen spielen. Für ein Erstlingswerk gut und schnell lesbar aber auch nicht zu belanglos, ein typisches Frauenbuch, für´s Herz (...solche Roman lese ich seltener als Krimis oder Thriller, deswegen stören mich hier wahrscheinlich die häufig verwendeten und stereotypen Ansätze auch nicht allzusehr, da sie mir nicht zu oft begegnen...).
Der Buchtitel und auch der Klappentext täuschen etwas, denn eigentlich hätte ich mehr Informationen über das "fahrende Volk" erwartet, mehr über die Geschichte und das Leben der "Zigeuner", wo sie herkommen, wie sie reisen, ihre Kunststücke und auch über ihren Glauben. Da bleibt das Buch leider sehr oberflächlich. Das Leben auf der Burg wird etwas ausführlicher und auch bildhafter beschrieben, doch leider für meinen Geschmack auch noch etwas zu trivial und es hatte eigentlich nichts mir bisher unbekanntes zu bieten (...ich mag das Mittelalter, bin geschichtlich auch nicht ganz unbewandert und lerne gerne neue und unbekannte Facetten kennen...), aber ich glaube das ist von mir evtl. auch etwas zu hoch gegriffen, denn primär stehen nun einmal hier die Liebe und die dazugehörigen Irrungen und Wirrungen im Vordergrund.
Die Sprache ist einfach gehalten, wobei mich der Ausdruck nicht überzeugen konnte, der mutete mir etwas zu modern an, ich bevorzuge bei einem historischen Roman eine authentischere Wortwahl (z.B. hat man damals sicher nicht von "Erbrechen" gesprochen sondern eher von "Speien").  Auch sind mir sehr viele Wiederholungen aufgefallen (...es roch zum Beispiel sehr oft nach Urin und Schweiss...), da hätte ich mir etwas mehr Phantasie gewünscht, den Schmutz und die üblen Gerüche, die zur Zeit des finsteren Mittelalters vorherrschten hätte man auch anders umschreiben können, um die mittelalterliche Welt bildlich (und geruchlich) für den den Leser zum Leben zu erwecken, so wirken die Beschreibungen bei der x-ten Wiederholung auf mich nicht mehr überzeugend und verleiten zum Querlesen. Die Figuren sind nett angelegt und entsprechen wohl den gängigen Klischees des Genres, die Guten sind so gut und rein, dass es schon fast schmerzt und die Bösen sind das ganze Gegenteil - nur hinterhältig, mißgünstig und häßlich. Alles sehr schwarz/weiß mit nur wenigen Grautönen oder Facetten. Ebenso die Story, nett zu lesen, aber doch sehr vorhersehbar und das Ende ist nicht ausgereift, es scheint so, dass die Handlung irgendwie zu Ende gebracht werden musste - das ist weder stimmig noch besonders glaubwürdig gelungen - den Schluss halte ich mit Abstand für den schwächsten Teil des Buches.
Es mag sich zwar etwas kleinlich anhören, aber wenn schon Bezug auf geschichtliche Fakten genommen wird, lege ich Wert darauf, dass sie auch gut recherchiert und richtig sind - so wird z.B. ein Papst Martin erwähnt (der einzig in Frage kommende Papst, "Martin V", ist aber schon Anfang 1431 verstorben). Da verzichte ich lieber auf den aktiven Bezug zu (real-) geschichtlichen Daten und komme mir dafür nicht ein wenig für "dumm verkauft" vor.
Mein Fazit:
Für Liebhaberinnen des Genres sicherlich ein lesenswerter Roman, wer außer einer Liebesgeschichte aber auch fundiertes Hintergrundwissen oder eine ausführliche Beschreibung des Lebens der Schausteller im Mittelalter erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.

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reise, südamerika, sex, tour, comedian

Schlampen im Schlafsack

Iris Bahr , Andrea O'Brien
Flexibler Einband: 279 Seiten
Erschienen bei Malik, 11.08.2010
ISBN 9783890297583
Genre: Sonstiges

Rezension:

Über das Buch:
Iris geht, nach ihrem zweijährigen Wehrdienst in Israel, zum Studium an eine Elite-Universität in Neuengland. Allerdings ist es dort anders als sie es sich vorgestellt hat, die Studenten sind alle jünger als sie (die mussten auch keinen Wehrdienst ableisten), Freunde findet sie kaum, da sie zu den sich bildenden Grüppchen (reich, Hippie, farbig, etc.) nicht passt und auch beziehungstechnisch läuft es gar nicht so gut wie sie sich das vorher bildreich ausgemalt hat.
Nach dem ersten Semester beschließt sie mit ihrer ehemaligen Schulfreundin Talia eine Rucksacktour durch Südamerika zu machen um dort das zu finden, was ihr Neuengland bisher verwehrt hat - Spaß, Abenteuer, willige Sexpartner und eventuell auch Mr. Right.

Meine Meinung:
"Schlampen im Schlafsack" ist der Nachfolgeroman von Moomlatz - oder wie ich in Asien versuchte meine Unschuld zu verlieren. Dieses Buch habe ich nicht gelesen, ich denke auch nicht, dass es ein unbedingtes "muss" ist um den Nachfolgeroman zu verstehen. Beide Bücher beruhen (angeblich) auf Tatsachen und sollen autobiographisch sein.
Der Titel und auch die Gestaltung des Covers weisen schon den richtigen Weg, wer kein offenes Wort in Bezug auf Sexualität verträgt, sollte die Finger von dem Buch lassen. Allerdings handelt es sich hier auch nicht um ein (meiner Meinung nach) absolut widerwärtiges Buch ala "Feuchtgebiete", das Dinge beschreibt von denen der Leser vorher noch nicht einmal wußte, dass er sie nicht wissen will. Im großen und ganzen ist die Ausdrucksweise zwar etwas umgangssprachlich direkt und offen aber nicht so vulgär, dass man (als aufgeklärter und wenig verklemmter Leser) das Buch angeekelt weglegen muss.
Der Stil, in dem das Buch geschrieben ist erinnert etwas an einen Schlag Mensch, den der eine oder andere sicherlich auch aus seinem Freundes- oder Bekanntenkreis kennt - die die ununterbrochen quasseln, vom Hundertsten ins Tausendste abschweifen, abstruse Gedankengänge haben und irrwitzige Verbindungen zwischen Banalitäten knüpfen, die man nicht wirklich als sinnvoll nachvollziehen kann, meist paart sich das ganze noch mit einem Hang dazu (wie auch hier) jegliche Peinlichkeit zu erwähnen. Das ist zumindest meist ganz lustig.
Das Buch war einfach zu lesen, trotz teilweise ziemlich verschachtelter Nebensatzkonstruktionen und war leichte Unterhaltung. Für das vordergründige Thema halte ich im Buch allerdings weder die Reise noch Sex sondern die Entwicklung von einer neurosengeplagten und beziehungsgestörten Frau, auf dem Weg zur (ansatzweisen) Selbsterkenntnis, dem Erkennen von Werten, Aufarbeitung von Traumen und zu ihrem (beginnenden) Erwachsenwerden.
Meiner Meinung nach war trotzdem von vielem zu wenig da - für eine Reisebeschreibung, bzw. ein Buch, dass sich primär um eine Tour durch Südamerika dreht, wurde die Reise zu wenig und zu oberflächlich beschrieben. Für eine Entwicklungsgeschichte gab es (viel) zu wenig Tiefe. Für ein, wie angekündigt "schamloses Buch" war es (prinzipiell) nicht schamlos genug und besonders viele Partnerwechsel gab es auch nicht, also es ging nicht nur um "das eine", sondern eher um die Aufarbeitung von diversen Kindheitstraumen. Für ein Buch das "vor Witz sprühen sollte", war es zwar stellenweise durchaus lustig, hatte aber auch einige Längen. Für das Verständnis manchen Witzes ist es auch sinnvoll, wenn der Leser eine gewisse Kenntnis von jüdischer (insb. orthodoxer) Kultur hat.
Insgesamt war es mir mit 270 Seiten auch irgendwie insgesamt zu wenig. Da wäre noch einiges an Spielraum gewesen für Reiseeindrücke, für etwas detailiierte Charakterisierung der Mitreisenden oder etwas mehr aus Iris Vergangenheit, nicht nur einzelne Anekdoten aus der Familiengeschichte, um dieses oder jenes Trauma zu erklären.

Mein Fazit:
Stellenweise ganz lustig, ein wenig schamlos und nette Unterhaltung.

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473 Bibliotheken, 8 Leser, 9 Gruppen, 76 Rezensionen

thriller, internet, entführung, usa, mädchenfänger

Mädchenfänger

Jilliane Hoffman , Sophie Zeitz ,
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 16.07.2010
ISBN 9783805208925
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Lainy (Elaine) ist ein typischer 13 jähriger Teenager, nicht aus bestem Hause und mit allen Problemen, die einem die Pubertät in diesem so Alter beschert. Nach einem Umzug musste sie die Schule wechseln und der Kontakt zu ihren alten Freunden reißt langsam ab, neue Freunde hat sie noch nicht gefunden. Auch die familiäre Situation nervt, ihre Mutter interessiert sich nur für ihren (nervigen) kleineren Bruder, ihr Stiefvater ist "schmierig" und ihre große Schwester hat genügend eigene Probleme und blickt auf eine "Wegläuferkarriere" zurück. In diesem Durcheinander lernt sie in einem Chat "ElCapitan" kennen, einen 17 jährigen (sehr hübschen) Jungen - sie gibt sich für 16 aus und sendet ihm Fotos auf denen sie sich entsprechend nett zurechtgemacht präsentiert und ... er will sich mit ihr treffen... es kommt wie es kommen muss - ElCapitan ist weder sehr hübsch noch 17 Jahre alt sondern er ist ein Psychopath, der sich gezielt im Internet auf die Suche nach gutgläubigen und sehr jungen Opern macht.
Special Agent Bobby Dees beginnt zu ermitteln, obwohl alles auf eine typische Wegläuferin hindeutet, folgt er seinem Gefühl und leitet die intensivere Suche nach Lainy ein. Bobby Dees trägt selbst ein "schweres Paket", seine Tochter verschwand ebenfalls vor etwa einem Jahr spurlos, er leidet unter seiner Arbeit, denn die Suche nach anderen Kindern läßt ihn nie zur Ruhe kommen und um die Beziehung mit seiner  Frau LuAnn steht es auch nicht zum besten. Ein Reporter, Mark Felding, drängt sich etwas in den Vordergrund, denn er vermutet, dass es mehr Opfer gibt, die alle dem selben Täter zum Opfer fielen und Bobbys Ermittlungsarbeit nur bei seiner eigenen Tochter auf Hochtouren läuft aber Jugendliche aus sozial schwächeren Umfeld würden bei der Suche nach ihnen benachteiligt. Dass es mehrere Opfer und einen Serienmörder geben muss bestätig sich, nachdem Mark Felding Ölbilder von verstümmelten jungen Frauen zugestellt werden.
Meine Meinung:
Ich bin leider weder mit dem Buch noch mit seinen Protagonisten richtig "warm" geworden. Für mich ist "Mädchenfänger" maximal ein guter Durchschnittsthriller. Der Prolog, mit dem man ins Buch einsteigt, war gut gemacht, der Leser findet sich bei einem Maler, der gebannt einem (sehr fundamentalen) christlichen Prediger zuhört... und man kann sich denken, dass hier ein Psychopath und religiös motivierte Taten lauern. Danach lernt man Lainy kennen, die mit "ElCapitan" chattet und Leser ahnt, was ihn und auch Lainy erwarten wird.
Das hört und liest sich im ersten Moment durchaus spannend, aber dann tritt nach und nach die reine und trockene Ermittlungsarbeit von Bobby Dees und seine persönliche Leidensgeschichte in den Vordergrund. Genau diese Leidensgeschichte passt zu gut in den Kontext, ist unwahrscheinlich und für mich nicht glaubwürdig, einfach too much.
Das Buch ist leicht und ohne großen Anspruch zu lesen, die Kapitel sind kurz gehalten und bieten zwischen einigen für mich recht langweiligen Ermittlungs- oder Beziehungspassagen auch einiges an Spannung, das tritt immer ein, wenn man die Geschichte aus Lainys Sicht oder aus der Sicht des Psychopathen erzählt bekommt. Was leider viel zu selten vorkam. Der Plot an sich wäre spannend gewesen und hätte viel Spielraum nach oben gehabt, wenn die Geschichte der Opfer und deren Leid mehr in den Vordergrund gerückt wären, so dreht sich die Opfergeschichte eigentlich nur um Lainy, es gab aber deutlich mehr gefangene Mädchen. Auch die Geschichte und Motivation des Täters hätte mehr gewürdigt werden können, das bleibt alles recht blass. Der Lesefluss, bei den sowieso schon etwas trockenen Kapiteln um die Polizeiarbeit wird leider noch zusätzlich permanent behindert durch unzählige polizeispezifische Abkürzungen, welche zwar meist bei ihrer ersten Nennung erklärt werden, aber kurze Zeit später hat man das wieder vergessen und dann taucht dieses Kürzel wieder auf - zurückblättern oder ignorieren? Da hat man als Leser die Wahl zwischen Not und Elend ;-))).  Ebenso der Chat zwischen Lainy und ElCapitan, der war wahrscheinlich sogar recht realitätsnah dargestellt, hat mich aber irgendwie beim Lesen gestört.
Ich denke dass Jilliane Hoffman zwar einerseits aus ihrer Arbeit als Staatsanwältin profitiert, denn sie kennt die Abläufe der Ermittlung bis ins kleinste Detail, aber andererseits fehlt dem Leser das Verständnis und die Kenntnisse, die sie durch ihren Beruf als gegeben nimmt. Was ich auch nicht unbedingt schön finde sind die sehr häufig eingeschobenen Verweise auf "Cupido", ein wenig Werbung für ein Vorgängerbuch - ok, aber bei unzähligen Hinweisen nervt mich das nur und erzielt, bei mir zumindest, gegenteilige Wirkung - ich werde es mit Sicherheit (vorerst) nicht lesen.
Auch der Schluss hat mir nicht besonders gefallen, er kam für mich zu hektisch und wirkte irgendwie krampfhaft, wenig gelungen - mit großem "Show Down", einer zusätzlichen falschen Spur und ein wenig nachgereichtem Kitsch, aber mit recht dürftigen Erklärungen.
Mein Fazit:
Ein durchschnittlicher Thriller, der mit den Ängsten von Eltern spielt.

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274 Bibliotheken, 1 Leser, 9 Gruppen, 62 Rezensionen

thriller, berlin, entführung, mord, kindesentführung

Die Spur der Kinder

Hanna Winter
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2010
ISBN 9783548282558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über das Buch:
Fiona Seeberg war eine erfolgreiche Schriftstellerin, deren Tochter Sophie im Alter von vier Jahren spurlos verschwand, ihr wurde kurz nach dem Verschwinden eine weisse Lilie zugestellt, die "Handschrift" eines in Deutschland und vorrangig in und um Berlin agierenden Verbrechers, der es auf Kleinkinder abgesehen hat. Fionas Leben geriet nach dem Vorfall aus den Fugen, sie konnte nicht mehr schreiben und betäubte sich und ihren Kummer mit Alkohol. Als nach ca. zwei Jahren wieder ein Kind auf ähnliche Weise verschwindet, wird auch in Fionas Umfeld erneut ermittelt. Das erneute Auftauchen des "Lilienmörders" lässt Fiona aus ihrer Lethargie erwachen, sie beginnt wieder zu schreiben und versucht ihre Alkoholabhängigkeit in den Griff zu bekommen. Ihr Leben wieder mit klarerem Blick sehend, beginnt sie auch die Geschichte ihres Lebensgefährten Adrian zu hinterfragen, der zum Zeitpunkt von Sophies Verschwinden mit dem Kind auf einem Spielplatz war. Mit dem Ermittler Piet Karstens beginnt sie eine Affäre und macht sich auf die Spurensuche nach ihrer Tochter.

Meine Meinung:
Hanna Winter hat sich ein schon relativ oft behandeltes oder beschriebenes Thema ausgesucht und sicherlich ist es auch eines der grausamsten Szenarien, wenn kleinen Kindern Leid zugefügt wird. Leider muss ich sagen, dass ich schon bessere Thriller zu diesem Thema gelesen habe. Der Einstieg allerdings ist gelungen, so folgt man im Prolog Anne, die von ihrem Freund wegläuft um in vermeintlicher sicherer Umgebung Hilfe oder zumindest ein Telefon zu bekommen und - sie hätte eine andere Richtung nehmen sollen...

Das Buch ist stilistisch einfach und wirklich schnell zu lesen, bietet kurze Kapitel, stets mit Perspektiv- und Szenenwechsel einhergehend, was auch prinzipiell immer etwas Spannung erzeugt, denn eigentlich möchte man als Leser wissen, wie sich der aktuelle Handlungsstrang entwickelt und so wird man von Kapitel zu Kapitel ein wenig auf die Folter gespannt. Allerdings hat das auch zur Folge, dass man als Leser mit niemandem so richtig "warm" wird.

Der Plot an sich ist gut ausgedacht, die Geschichte um Sophie und auch der Täter überraschen, allerdings hatte die Umsetzung etwas "stärker" sein können und hat die, für deutsche Autoren, oft typischen Schwächen - die Charaktere sind relativ wenig ausgearbeitet, ihre Vergangenheit und ihr Charakter bleiben recht eindimensional und farblos und sie bedienen, zu viele, schon zu oft gelesene Klischees. Die ganze Geschichte wirkt etwas hölzern und bietet, trotz guten Ansätzen, recht wenig Raffinesse, es gibt sehr viele Versuche, immer neue Verdächtige zu präsentieren, die einfach etwas plump wirken. Auch einige Ungereimtheiten bleiben (...warum verheimlicht Fiona der Polizei den Stalker, der sie vor dem Verschwinden von Sophie belästigt hatte...) und die Ermittlung beruht an sich nur auf Zufällen, in die Fiona "zufällig" stolpert. Für meinen Geschmack hätte ich mir noch einiges an Hintergrundinformationen gewünscht, vor allem auch über den Täter und seine nicht unbeträchtliche Zahl an Opfern, dafür hätte ich gerne auf die Liebesgeschichte zwischen Fiona und Piet verzichtet.

Mein Fazit:
Leichte Unterhaltung, prinzipiell ein gutes Debüt, zwar mit einigen Schwächen und viel Spielraum nach oben, aber ohne Längen.

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