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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Das Jahr mit den zwei Sommern

Matthias Boll
Flexibler Einband: 292 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 28.07.2017
ISBN 9783743126909
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

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80 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

spanischer bürgerkrieg, spanien, spionage, bürgerkrieg, verrat

Der Preis, den man zahlt

Arturo Pérez-Reverte , Petra Zickmann
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.09.2017
ISBN 9783458177197
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags: franco   (1)
 

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

stille, wegweiser, nordpol, ich, seele

Stille

Erling Kagge , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2017
ISBN 9783458177241
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Nichts tun kann jeder, Meditation muss man lernen“ – dieser Spruch aus mir unbekannter Quelle kam in den Sinn, als ich die Präsentation und Leseprobe dieses Buches gesehen hatte. Nachdem ich es dann real vor mir gelesen lag, wollte ich als Rezension dazu erst folgendes schreiben:

 


.“
Leider wäre damit nicht nur eine Eingabe in der Eingabmaske unmöglich, es wäre auch wenig hilfreich für jeden, der über dieses Buch nachdenkt. Also: braucht man dieses Buch?

 Wichtig: es ist KEINE Anleitung für irgendetwas, auch keine Abhandlung über die Stille. Am ehesten entspricht das Büchlein dem, was ich so als „Nachttisch-Büchlein“ werte (kein Coffeetable-Buch, das sind die, die eher nur zum Anschauen sind, weniger zum Lesen). Am meisten liegt mir Text Nummer 7, mit der Erkenntnis „Häufig entscheide ich mich dafür, etwas zu tun, statt die Stille mit mir selbst auszufüllen.“ S. 43

 Im Wesentlichen besteht der wirklich sehr sehr schön gestaltete Band aus 33 (!) kurzen Texten über die Stille, Texten, die man als eine Art Anschubser, zu Anregung, Meditation nutzen mag. Ich mag solche Bücher auf dem Nachttisch oder in einer ruhigen Ecke – zum Beruhigen des Geistes, Herunterkommen, Nachdenken. Das Buch ist angenehm unesoterisch, ohne dabei beliebig zu sein, es gibt sowohl Texte zum Wesen von Stille als auch über Erkenntnisse in und aus der Stille, aus persönlichen Erfahrungen des Autors geboren. Man mag manches als Allgemeinplatz aburteilen wie die imaginierte Betrachtung von Menschen aus dem All mit dem Fazit „Mir wurde klar, dass im Laufe der Zeit der einzige Unterschied darin bestand, dass die Eifrigsten ein etwas größeres Haus hatten, in dem sie die Nacht verbrachten.“ S. 32, dennoch sollte man dabei nicht aberkennen, dass die Leistung darin besteht, den Leser über Themen wie Werte, Relativierungen überhaupt innehalten, geschweige denn nachdenken zu lassen.

 Also: ist das jetzt banal – oder nein? Nun, es gibt tatsächlich nichts spektakulär Neues im Buch. Aber die Abschnitte sind gut geschrieben, anregend, kurzweilig. Ich bin tatsächlich in der vorletzten Nacht zufällig aus einem Alptraum aufgewacht, den ich vielleicht 1-2 Mal im Jahr träume, eine alte Erinnerung ohne weiteren "Therapiebedarf"; ich kann dann stets schlecht wieder einschlafen und lese meist, meist sehr lange. Das offene Buch des Tages war „Stille“. Ich lag nach einem Abschnitt wieder und habe geschlafen (das wird den Alptraum nicht „heilen“, auch keinerlei Trauma, aber andererseits überanalysiert man ja auch im normalen Leben nicht, warum einen bestimmte Musik aufputscht, auch wenn es diese Untersuchungen durchaus gibt. Der Ton macht es, auch hier).

 Man könnte jetzt dem Büchlein also natürlich vorwerfen, es nutze schlicht zu „nichts“– aber genau das IST ja der Nutzen…und das auf so hübsche Art und Weise. Ich bitte um ein Versinken in kurzer Stille über diesen wirklich hübschen und ganz eigenen Zirkelschluss.

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Tags: den geist zur ruhe bringen, erdrückende stille, meditation, zur ruhe kommen   (4)
 

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

deutscher buchpreis 2017 shortlist, berlin verlag

Romeo oder Julia

Gerhard Falkner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.09.2017
ISBN 9783827013583
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: berlin verlag, deutscher buchpreis 2017 shortlist   (2)
 

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

darwin im alter, regenwurm, marx, darwin

Und Marx stand still in Darwins Garten

Ilona Jerger
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 11.08.2017
ISBN 9783843715829
Genre: Sonstiges

Rezension:

Bitte vergiss den Klappentext, die Inhaltsangabe alles. Bitte stell dir zwei ältere Herren vor, die da in England leben – der eine in Kent, der andere in London. Beide sind sie sehr lang mit ihren Ehefrauen verheiratet und haben mit ihnen eine stattliche Anzahl Kinder bekommen – zehn der eine, sieben der andere. Beide haben sehr gelitten, als einige Kinder vor ihnen starben. Beide leben in Hausgemeinschaft mit treuen Angestellten, sind besessene Arbeiter in ihren jeweiligen Metiers, geradezu Arbeitstiere, ohne Rücksicht auf sich selbst. Beide involvieren die Familien in ihr Werk, die Frauen oder Kinder schreiben nieder, lesen Korrektur, arbeiten mit. Beide sterben 1881 respektive 1882. Beide kommen aus angesehenen, wohlsituierten Familien, leiden im Alter an einer angeschlagenen Gesundheit.

Hier kommt im Buch ein Doktor Beckett ins Spiel: Die beiden Herren sind Karl Marx und Charles Darwin, und mir war tatsächlich nicht bewusst gewesen, welche Ähnlichkeiten es doch gab (in Ordnung, der eine lebte meist prekär, der andere vom Familienvermögen der Wedgewoods, der eine im Vaterland, der andere im Exil, ...dennoch). In Darwins Arbeitszimmer steht ein Exemplar von „Das Kapital“ mit persönlicher Widmung, er schickte einen Dankesbrief an Karl Marx. Auch das ist Bestandteil des Romans. Der Buchdoktor stellt das Bindeglied zwischen beiden dar. Autorin Ilona Jerger lässt Darwin äußern „In der Tat ist die Vorstellung schmeichelhafter, direkt von Gottes Hand erschaffen worden zu sein, als einen irrwitzig langen und verschlungenen Weg von den Eizellern über die Rüben genommen zu haben…“ S. 91. Beckett hingegen bemerkt zum Begründer der Evolutionstheorie, der besorgt ist, als „Gottes-Mörder“ in die Geschichte einzugehen: „Wenn die Menschen nicht mehr auf das Traumland im Jenseits hoffen können, dann sind sie endlich bereit, für ein gutes Leben im Diesseits zu kämpfen. Die Leidensbereitschaft sinkt rapide, wenn es nach dem Tod keine Entlohnung gibt.“

Kurzweilig beschreibt der Roman die „alten Tage“ der beiden Persönlichkeiten, mit Rückblicken in die jüngere Geschichte (ich empfehle so in der Mitte des Romans mindestens ein Überfliegen der jeweiligen Wikipedia-Artikel – das ist im Buch wirklich gut gemacht und „inhaliert“ sich sehr leicht und locker). Breiten Raum nimmt die Diskussion zur Auswirkung auf Glaubensthemen ein, auch das, wie ich finde sehr elegant, mit dem ablehnenden, wetternden Marx, der gläubigen Frau von Darwin und Darwin selbst, „Die christliche Position hatte er verlassen, die atheistische wollte er nicht einnehmen.“ S. 186 Sein Vetter schlägt ihm zuletzt die Pascal’sche Wette vor: „Wenn du an Gott glaubst, und es stellt sich heraus, dass es einen gibt, hast du gewonnen und fährst gen Himmel. Wenn du hingegen nicht an Gott glaubst und es doch einen gibt, dann verlierst du die Wette und fährst zu Hölle. Und wenn du an Gott glaubst, und es stellt sich heraus, dass es keinen gibt, hast du zwar verloren, aber eigentlich nicht viel. Also wette, dass es ihn gibt! Das ist in jedem Fall die bessere Wahl. Denn du setzt mit wenig Einsatz auf einen satten Gewinn – die ewige Seligkeit.“ Cousin Francis zu Darwin, S. 216

Passend dazu aus der Grabrede, die Engels für den Freund und Weggefährten hielt: „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der menschlichen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte….

Sehr geeignet, um unterhaltsam und irgendwie sehr komfortabel Einblick in Leben und Werk zweier Männer (und ihres Umfeldes) zu bekommen, die das moderne Weltbild maßgeblich geprägt haben. Ich hätte es mir zu meinem damals sterbenslangweiligen Abschnitt im Geschichtsbuch gewünscht. Dennoch…fehlt irgendetwas, auch wenn das altmodisch klingen mag, so der gewisse „Pfiff“. Ich denke, ein paar Seiten mehr vielleicht wären es gewesen?

Solide 3,5 Sterne.

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Tags: darwin, darwin im alter, marx, regenwurm   (4)
 

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

1408, reliquien, mord, tübingen, konstantinopel

Die Salbenmacherin: Historischer Roman (Historische Romane im GMEINER-Verlag)

Silvia Stolzenburg
E-Buch Text: 501 Seiten
Erschienen bei GMEINER, 05.08.2015
ISBN 9783839247242
Genre: Sonstiges

Rezension:

Tübingen, 1408. Ein finsterer Geselle schleicht durch die nächtlichen Straßen der Stadt, er hat einen Sack bei sich und er will töten.
Gleichzeitig in Konstantinopel. Olivera arbeitet mit ihrer Großmutter in der Offizin, der Salbenküche, und ist ungeduldig: viel zu alt findet sie sich mit ihren schon 16 Jahren dafür, dass sie von ihrem griechischen Vater immer noch nicht verheiratet wurde, da dieser warten möchte. Und das, während gerade der heimliche Schwarm der jungen Frau zu Gast ist, der deutsche Fernhändler Laurenz Nidhard, mit seinem für sie ungewöhnlichen rotblonden Haar. Doch ihn verbinden Geschäfte mit Oliveras Vater, von denen die Männer den Frauen lieber nicht erzählen.

Fast hat man den Einstieg in das Buch vergessen, während sich die Handlung zwischen den jungen Leuten als Liebesgeschichte mit leidenschaftlichen Details entfalten könnte; nicht unbedingt mein Genre, selbst wenn es sich um einen historischen Roman handelt: zu häufig ist das historische nur das „Feigenblatt“ für schlicht einen Liebesroman mit viel Kitsch und wenig historischem Anteil. Nicht so hier, die Kombination aus Kriminalroman mit sehr viel historischem Hintergrund, speziell auch zum Thema der Salbenküche, und, ja, auch einem Anteil an Liebesgeschichte hat mir viel Freude bereitet. Mich belustigte, wie viele „wärmende Tränke“ es bereits zum Frühstück gab, aber in Ermangelung hygienischer Alternativen (und Heizungen) sicher realistisch.

Was nun die Verbindung zwischen Olivera und Laurenz sowie den Untaten in Laurenz‘ Heimatstadt angeht, da kam mehr, als ich erwartet hatte, viel mehr. Viel hat der Aberglaube der Zeit mit der Handlung zu tun und viel erfährt man auch über die Einstellung der Leute. Da ist das kosmopolitische Konstantinopel, wo Olivera gebildet heranwächst, wenn sie auch stark behütet wird und vor allem auf die Schicklichkeit geachtet wird. Und da ist das kleinstädtische Tübingen, das Fremde misstrauisch beäugt und schnell Aberglaube und Vorurteile zugrunde legt. Der Glaube, dass Armut und Krankheit als Strafe Gottes zu werten sind und damit ihre Bekämpfung als gotteslästerlich, wiegt vor. Geschickt fügt Autorin Silvia Stolzenburg Erklärungen zu vielen Begriffen und Zusammenhängen dadurch ein, dass Olivera sie Laurenz erklären muss oder umgekehrt.

Medizinisch-naturheilkundliche Themen interessieren mich und über den Beruf der Salbenmacherin hatte ich noch nichts gehört: Sie steht damit sowohl Hebammen zur Seite als auch dem Medicus, dem Apotheker oder als etwas, was man heutzutage wohl in einer Drogerie finden könnte, mit diversen Schönheitsmittelchen; faszinierend, wie deren Zubereitung aber auch die mittelalterliche Konstitutionslehre als Grundlage für Behandlungen mit einfließen (wer sich mit Shakespeare oder Molière beschäftigt hat, wird das lieben). Auch die Rolle der Frau fließt gebührend ein, herrlich die Ehevorbereitung durch die Oma: „Du weißt sicher, dass der weibliche Körper kälter, schwächer und poröser ist als der des Mannes“ Kapitel 12, wobei Oliveras Erziehung wohl eher recht modern ist, Konstantinopel und ihrer Herkunft entsprechend, im Gegensatz zu Tübingen.

Hervorragend: es gibt ein Glossar, das ich aufgrund der geschickten Textführung aber nicht brauchte, ausführliche Erläuterungen der Autorin zur Einordnung sowie ein Literaturverzeichnis, das ist richtig gut gemacht alles. Manko? Für den, den es stört: die Anteile Liebesroman sind schlicht genau das - wenn mich hier persönlich das auch in dem Gesamtkontext dann (fast zu meiner Überraschung) überhaupt nicht nervte. Und vielleicht fällt es mir nur auf, weil ich Christin bin: kann jemand mit Religion nichts anfangen, stört mich das nicht, hinterfragt jemand, finde ich das sogar gut und in dem vorhandenen historischen Kontext fände ich es sogar sehr angebracht, aber mir erwähnte Olivera etwas zu oft Sätze wie in Kapitel 2 „Doch war sie sich seit Langem sicher, dass Gott kein Ohr für die Anliegen der Frauen hatte.“ Es sind aber nur die wenigen Stellen; ich werde mir wohl den Folgeband trotzdem besorgen. Ach, und irgendwann war mir eine bestimmte Entwicklung für das Ende klar, einfach, weil es dem Kanon dessen entspricht, wie sich Hauptfiguren entwickeln „dürfen“, falls es sich denn nicht um einen Roman wie die „Buddenbrooks“ handelt, bei dem wir dem Niedergang aller beiwohnen dürfen (genauer geht es nicht, ohne zu spoilern). Ohne das überzubewerten, legen meine heißgeliebten Krimis wie auch andere Schmöker da wohl auch andere Erwartungshaltungen der Leser zugrunde als anspruchsvollere oder experimentellere Romane, aber deshalb wechsele ich ja auch gerne die Genres…

Gute 4 Sterne und eine echte Lesefreude unter Erweiterung des Wissens!

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Tags: 1408, betrug, konstantinopel, mord, reliquien, salbenmacher, serienmorde, tübingen   (8)
 

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184 Bibliotheken, 29 Leser, 1 Gruppe, 55 Rezensionen

belgien, dorf, roman, freundschaft, pubertät

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Kindliche Unschuld

Lize Spit schreibt gnadenlos gut, sie hat mich in eine Art Wachkoma geschrieben, völlig niedergemäht. Der Roman fordert, ist anspruchsvoll, literarisch sehr komplex, meisterhaft komponiert; dennoch ziehe ich einen Vergleich mit einem anderen Genre. Praktisch alle Krimis und Thriller, die ich je gelesen habe, sind wie Kindergarten gegen „Und es schmilzt“, und ich habe einige gelesen. Im Moment fühlt es sich so an, als könnte ich das nicht mehr (unschuldig) wie zuvor. Der Leser begleitet Eva und ihre beiden besten, einzigen, langjährigen Freunde, Pim und Laurens, aufeinander bezogen und aneinander gebunden durch die Herkunft aus dem kleinen Dorf, die einzigen im gleichen Alter. Dazu wirken aller Eltern und Geschwister, besonders Evas kleine Schwester Tesje.

Die Sprache ist zwar wie beschrieben komplex, dennoch lässt sich der Text einfach lesen, direkt; die Komplexität zeigt sich mehr darin, wie vielschichtig, vieldeutig viele Textstellen sind. So lässt Ich-Erzählerin Eva uns wissen: „Ich kann nur dafür sorgen, dass er nicht fällt. Ich kann nicht dafür sorgen, dass er nicht springt.“ S. 16 Diese Art der Hoffnungslosigkeit, der Erkenntnis, der Ernüchterung, die absolute Brutalität der Direktheit der Aussage, das zieht sich durch den ganzen Roman, immer mit den Sprüngen zwischen den jeweils für sich chronologisch voranschreitenden Zeitebenen im „Jetzt“ und in der Kindheit, die dafür sorgen, dass ich wissen wollte, was passiert, warum, wie können sie. Ich musste gelegentlich das Buch senken, nachsinnen, nach Luft schnappen, entsetzt fragen, ob das wirklich dahinter steckt, wollte aber gleichzeitig immer weiter, konnte das Buch nie wirklich hinlegen. Vieles kann man sehen, man ahnt es als Leser, sicher auch im Dorf. Doch man muss hinsehen wollen, selbst als Leser glaubte ich manches erst, wenn ich es zweimal las.

Gelegentlich gibt es andere um Eva herum, die zarte Ansätze machen, sich zu kümmern, doch: „Erzählen, was ich fühlte, was sie hören wollte, konnte ich nicht. Wenn die Dinge, die ich loswerden wollte, irgendwo anders hinkönnten, dann hätte ich sie ja nicht zu erleiden brauchen.“ S. 147 Da gibt es dieses Bedürfnis, dazu zu gehören, jemandem wichtig zu sein, wie bei allen von uns. Im Buch erwartet man früh schon die große Eskalation. Es wird gelinde gesagt sehr heftig, das ist kein Buch für Zartbesaitete, schont nichts und niemanden. Man beendet Seiten mit dem Gefühl, Gaffer bei einer Massenkarambolage gewesen zu sein, fühlt sich beschmutzt. Das muss nicht jeder mögen, das wird viele verstören, aber dennoch passt alles genau so.

Das Eis schmilzt und das Buch lässt niemanden kalt. Man muss das nicht mögen, man kann auch niemandem „viel Vergnügen“ bei der Lektüre wünschen, aber für die Bewertung, dass das meisterhaft ist, braucht es das auch nicht. Mit geschmolzenem Eis kann man nicht warm duschen.

Eiskalt 5 Sterne

Ich denke, als Hörbuch wäre das nichts für mich – sehr komplex die zeitlichen Sprünge, die Andeutungen, vor allem: zu heftig per Stimme direkt in den Kopf.

 

Folgebuch/ähnliches Buch:

es gibt nichts ähnliches

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Tags: belgien, dorfleben, dysfunktionale familie, kinderfreundschaft, mutproben   (5)
 

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

kloster, schicksal, biographie, nonne, autobiographie

Was in zwei Koffer paßt

Veronika Peters , Doris Wolters , Corinna Zimber , acoustic media
Audio CD: 2 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 01.06.2007
ISBN 9783899642612
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags: autobiographie, biographie, kloster   (3)
 

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(83)

130 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

paris, roman, nanny, familie, kindermord

Dann schlaf auch du

Leïla Slimani , Amelie Thoma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 21.08.2017
ISBN 9783630875545
Genre: Romane

Rezension:

Vorab: Das ist KEIN Thriller, auch wenn "psychologischer Thriller" auf der Rückseite aus den Besprechungen zitiert wird - mehr Hinweise bietet die Auszeichnung mit dem Prix Goncourt, dem wichtigsten französischen Preis für LITERATUR. Der Titel "Dann schlaf auch du" klingt leider auch nach Spannungs-Massenware; das Original heißt "Chanson douce", sanftes oder Wiegenlied.

 Das Ende ist vorhersehbar, die Erzählung macht daraus keinen Hehl. Hier bedarf es keines verräterischen Klappentextes, bereits der erste Satz lautet „Das Baby ist tot.“ S. 9
 Autorin Leïla Slimani erzählt den einen Strang ihres Romans chronologisch, dazwischen streut sie Passagen ein wie mit eben diesem ersten Satz, die den Leser erinnern an das, was kommen wird, was längst gewesen ist. Unvermeidbar?

 Das Situation ist eine, wie es sie vielfach gibt: Zwei Erwachsene, zwei Kinder, zwei Jobs – wer soll sich um die Kinder kümmern? Myriam und Paul finden für ihre beiden Kinder die perfekte Lösung: Louise. Vordergründig ist die Nanny notwendig, weil neben Musikproduzent Paul nun auch Myriam wieder zurück in ihren Beruf als Juristin möchte, aber Slimani macht auch für den Vater der beiden Kleinen klar: „Die Kinder, ihr Geruch, ihr Treiben, ihr Verlangen nach ihm, all das rührte ihn zwar unbeschreiblich. Und manchmal wollte er am liebsten mit ihnen Kind sein, sich auf Augenhöhe mit ihnen begeben, in die Kindheit eintauchen. Doch zugleich war etwas in ihm gestorben, und das war nicht nur die Jugend oder die Unbekümmertheit. Er war nicht mehr entbehrlich.“ S. 119

 Wie gesagt, das Ende ist vorhersehbar. Was diesen Text besonders macht, ist die große sprachliche Kraft, die von ihm ausgeht, dieser Sog, diese absolut meisterliche Beherrschung der Sprache, ihrer Bilder. „Sie war in jene bleierne Betäubung gesunken, aus der man bedrückt, verwirrt und mit dem Gefühl unendlichen Leids wieder zu sich kommt. Ein so tiefer schwarzer Schlaf, dass man kurz geglaubt hat, man müsse sterben, man ist von eiskaltem Schweiß bedeckt und widersinnigerweise erschöpft.“ S. 133 Der Text bedrückt UND hält gleichzeitig im Bann.

 Während mich sprachlich die Autorin vollständig überzeugt hat, war ich zum Thema zunächst etwas gespalten. Im Gegensatz zur Situation beispielsweise im Deutschland der 70er, 80er Jahre mit wenigen Scheidungskindern und planbaren (und vor allem noch meistens lebenslang sicheren) Jobs der Eltern hat sich die Situation doch reichlich verändert: eine Frau ohne Berufstätigkeit wird eine Frau ohne eigene Rente, fertig (ja, ich empfand den Fokus hier ungerechtfertigt zu sehr auf die Mutter gerichtet, einfach auch, weil das Unglück mit ihrer Berufsaufnahme seinen Lauf nahm). Eine Projizierung der Leserin, sicherlich. Eine Reaktion, wie sie die Autorin hervorzurufen vermag, noch mehr. Ein Buch, sicher perfekt für eine Leserunde.

 Daneben wird sehr gekonnt die Unfähigkeit aller drei in der sozialen Interaktion dargestellt, der Eltern und von Louise. Ducken, ignorieren, verschieben – und gerne nicht ganz erwachsen werden, wenn möglich. Dargestellt ist das meisterhaft. Beruhigend ist das nicht, soll und kann es auch nicht, besonders die gewisse „Infantilisierung“ der Eltern, die sich ganz gerne auch „betüttern“ lassen, sie hatten schließlich einen anstrengenden Tag, während die Nanny „nur“ die lieben Kleinen genießen durfte. Man hat keine Vorurteile, aber die Nanny soll diesen entsprechen, dauernd verfügbar sein – wie, interessiert schon weniger. Eine Überprüfung? Nun, man wird sehen…

Kein Mitbringsel für junge Eltern mit dem Kind frisch bei Tagesmutter, Kindertagesstätte, Au Pair und Co., noch weniger für deren sich einmischende Schwiegermütter oder "beste Freundinnen".

 Sehr starke 4 Sterne von 5

  (17)
Tags: berufstätige eltern, doppelverdiener, illegale beschäftigung, kindermädchen, überforderung   (5)
 

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

amnesie, hörbuch, hörbuch; spannung; männerfreundschaft, freund, lüge und wahrheit

Ein perfekter Freund

Martin Suter
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 22.01.2009
ISBN 9783866047495
Genre: Romane

Rezension:

Journalist Fabio Rossi macht sich so seine Gedanken, als er im Krankenhaus erwacht, in das er mit diversen Kopfverletzungen eingeliefert wurde. Dumm nur: er erinnert sich nicht, wie er dorthin gekommen ist und warum. Auch die Frau, die ihn besucht, kennt er nicht, dabei ist sie seine Freundin. Doch wo ist wirklich seine Freundin? Gut nur, dass sein bester Freund erreichbar ist. Oder? Alles, was er sicher glaubt, scheint nicht mehr verlässlich. Und das ist erst der Anfang, denn er soll für die Zeitung einer großen Sache auf der Spur gewesen sein.

„Ein perfekter Freund“ gestaltete sich überraschend als perfekter Hörgenuss vorgetragen von Sebastian Koch, eine 4-CD-Box, die völlig zu unrecht einige Zeit im Schrank verbracht hatte. Der Klappentext weist die Geschichte als Psychokrimi aus – ich würde es eher als einen Zwitter zwischen psychologischem Roman und Gesellschaftskrimi ansehen, nur um keine falsche Erwartungshaltung zu wecken. Der Tonfall ist direkt, kein Wunder, man nimmt ihn dem zwischen Verstörung und Wut schwankenden Rossi ab, der nach seiner Verletzung plötzlich das Gefühl haben muss, im falschen Leben aufgewacht zu sein. Ihm fehlen 50 Tage, und es scheinen nicht die gewesen zu sein, an denen er der angenehmste Zeitgenosse gewesen ist.

 Doch bald stellt er fest, dass auch um ihn herum einige Doppelbödigkeiten zu existieren scheinen, einige davon von gefährlicher Natur. Doch was ist wirklich, was nicht? Parallel zu seiner Rekonvaleszens-Therapie versucht er, sich die Realität zurück zu erarbeiten, denn wie sagt sein Psychiater Dr. Vogel: „In jedem von uns steckt das Gegenteil seiner Selbst. Und fast jeder kommt in seinem Leben einmal an einen Punkt, an dem er ausprobiert, ob es sich dabei nicht vielleicht um sein wahres Selbst handelt.“

Unterhaltsam, verwirrend, spannend, mit einem gewissen Sarkasmus, direkt. Sehr gute 4 Sterne! Mich störte, dass es eine gekürzte Lesung ist, was und wie viel es auch immer ist, was man mir da vorenthält.

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Tags: amnesie, lüge und wahrheit, realität, sebastian koch liest   (4)
 

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3 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Snapshot

Brandon Sanderson
E-Buch Text
Erschienen bei Dragonsteel Entertainment, LLC, 17.02.2017
ISBN 9781938570155
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

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101 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

krieg, jüdin, belgien, ardennen, 2.weltkrieg

Heute leben wir

Emmanuelle Pirotte , Grete Osterwald
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 23.03.2017
ISBN 9783103972115
Genre: Romane

Rezension:

„einen Fuß drin und einen draußen“
Zitat von S. 131

Mann begegnet Kind, beide Einzelgänger, desillusioniert, es entsteht eine wechselseitige Anziehung. Es ist die Zeit der Ardennenoffensive: Der Mann ist Matthias, 35, SS-Tätowierung, ein Soldat im „Unternehmen Greif“; in Feinduniform agiert er als Spion für Hitlers Otto Skorzeny hinter den feindlichen Linien. https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Skorzeny
In US-Uniform verkleidet, treffen er und sein Kamerad auf ein kleines Mädchen, den vermeintlichen Rettern anvertraut vom Pfarrer, einer ihrer vielen Zwischenstationen, weil sie Jüdin ist, vermutlich sieben Jahre alt, Renée. Statt sie wie geplant zu erschießen, erschießt der Soldat den Kameraden – weil sie ihn ansieht, weil sie Schnee gegessen hat, weil…er weiß es selbst nicht so genau. Wenn sie da ist, kann er schlafen: „…die seinen Schlaf bewacht und ihm etwas verschafft, was er nie erlebt hat und nicht begreifen kann. Es ist noch zu konfus, in seinem Geist wie in seinem Körper. Es ist konfus, aber da, es existiert und erfüllt ihn nach und nach mit einer Art stiller Freude.“ S. 30

Soweit hatte ich mich richtig auf dieses Buch gefreut und mir viel versprochen, empfand das Buch aber in weiten Teilen als ziemlich trivial; bewegend nur in den Teilen, in denen ich das Naive, Klischeehafte zu ignorieren vermochte. Das beginnt damit, dass Renées Fähigkeiten nicht nur sehr mystisch überhöht werden, die Beschreibung wiederholt sich auch noch ständig im Tenor von: „Matthias stand in der Tür. Er beobachtete das Kind, völlig vertieft in das, was es gerade tat, unbekümmert, wie es schien, um alles Übrige. Dabei konnte sie so aufmerksam für ihre Umgebung sein, so umsichtig. Sie hatte eine unerhörte Fähigkeit, Dinge vorauszusehen, wie Matthias sie bisher nur bei den Indianern gefunden hatte.“ S. 39 (mystische Indianer, natürlich). Ich hätte das hier gerne zarter gemocht, nur die Beschreibungen von Renées auf der Flucht geschulter Intuition, ohne dass die Autorin gleich das Schild „Achtung, das hier ist Intuition“ daneben setzt.

Ähnliches folgt für Matthias, dessen Einschätzungen zur jeweiligen Lage gerne in eine universelle Gesellschaftstheorie münden, so zum „echten“ US-Soldaten Dan: Matthias kannte das alles auswendig, immer dieselben Früchte des Zorns bei Typen wie dem. Und sowieso war dieser Dan die Selbstgefälligkeit des konformistischen Amerika in Person. Einer von der Sorte, die sich im Bus nicht neben einen Schwarzen setzten, die fanden, dass Massaker an den Indianern durchaus deren armseliges Stückchen Land wert seien, sich aber für den bewaffneten Arm der Gerechtigkeit und der Freiheit hielten, die Inkarnation des Guten.“ S. 93 (ja, Früchte des Zorns konnte Matthias 1944 gekannt haben – aber war eine derart differenzierte USA-Kritik zu der Zeit wirklich gängig, immerhin hatte Matthias selbst nur eher isoliert für kürzere Zeit in Kanada gelebt).

Es soll wohl darum gehen, welchen Wandel, welche Läuterung wir als Leser einem der Täter der NS-Zeit zugestehen, inwiefern wir Verzeihen erlauben, wie wir Schuld werten, auch und gerade bei jemanden, der sich der Ideologie eher nicht zugehörig fühlt, aber gerne die Möglichkeiten für Aufstieg und „Abenteuer“ nutzt, wie ihm auch von seinem Vorgesetzten vorgeworfen wird, er habe „einen Fuß drin und einen draußen“ S. 131. Genauso fühlte ich mich auch bei der Lektüre. Zwischendurch bewegte mich das ganze, wollte ich mich einfach auf die beiden Einsamen einlassen, die ineinander Rettung zu finden begannen. Doch dann gab immer wieder diese anderen Momente des Buches, gipfelnd in der wundersamen Rettung à la Robin Hood. Das wird als Film sicher ein Erfolg werden, ist mir aber leider insgesamt im besten Falle zu naiv, zu romantisierend. Ich mag nicht einmal mehr 3 Sterne geben, es tut mir leid.

 

Nachtrag: Ich habe das Buch einfach "blind" haben wollen, ohne die Leseprobe gelesen zu haben (ein Fehler - bitte unbedingt lesen, einigen wird es danach sehr zusagen, anderen nicht). Dazu hatte ich das Buch in der Liste gesehen für  https://www.lovelybooks.de/thema/LovelyBooks-Romane-Challenge-2017-Die-Challenge-mit-Niveau-1408177831/ Ich hatte also auch eine entsprechende Erwartungshaltung. Letztlich fand ich aber selbst "Die Nachtigall" von Kristin Hannah, gleiche Zeit, definitiv eher ein "Schmöker", kein Buch für Man Booker und Co., weniger pathetisch. Es ist also nicht, dass ich "Schmöker" oder Abenteuer-Romane oder Krimis zu Themen nicht lesen würde, ich mag nur eine etwas genauere Entscheidung zum Genre. Wer das Buch liest ohne diese Zuordnung im Kopf, mag da besser mit klarkommen.

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Tags: ardennenoffensive, nationalsozialismus, schuld   (3)
 

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1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

abenteuerroman, klassiker, dumas der ältere

Der Graf von Monte Christo

Alexandre Dumas (der Ältere)
Fester Einband: 252 Seiten
Erschienen bei TREDITION CLASSICS, 07.03.2013
ISBN 9783849533823
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: abenteuerroman, dumas der ältere, klassiker   (3)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

thriller, daniela arnold, verdrängung, grenze zum wahnsinn, psychothriller

Scherbenbrut

Daniela Arnold
E-Buch Text
Erschienen bei null, 25.07.2016
ISBN B01J3ZWI52
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Ich habe es dir schon einmal gesagt: Verschwinde, so lange es noch geht, Charly!“
S. 185 Ja, Charlotte „Charly“ Beck hat so einige Probleme. Verliebt in den Sohn ihres Chefs klang ja noch gut, bis die vermeintliche Traumpartie aus guten Gründen zum Ex wurde und sie zu stalken begann. Dann kommt noch ein merkwürdiger Anruf: Ihre über lange Jahre beste Freundin Imogen ist gestorben und hat ein Vermächtnis für sie hinterlassen. Dieses entpuppt sich als die kleine Tochter von Imogen, die nach deren Selbstmord nun bei der völlig überforderten und überraschten Charly leben soll. Doch hätte die Mutter eines kleinen Mädchens tatsächlich Selbstmord begehen können? Und was ist mit dem merkwürdigen Unfalltod von Imogens Mann Adam? Hatte dieses tragische Ereignis seine Witwe wirklich in den Wahnsinn getrieben? Bald fängt auch Charly an, an ihrem Verstand zu zweifeln.

„Scherbenbrut“, den Titel habe ich zwar nicht ganz verstanden, aber das Buch war auf jeden Fall sehr spannend, definitiv Thriller mit einem Hang zum Psychothriller und einer Prise „Gothic Thrill“. Das vom Setting ähnlich angelegte „Stiefkind“ endete mir ja etwas sehr als Schmonzette, das bekommt hier Autorin Daniela Arnold wesentlich besser hin. Natürlich rätselt die erfahrene Leserin von Beginn an mit, wodurch ich noch mindestens einen Verdächtigen mehr hatte als irgendwann endlich endlich auch Charly. Die aufgrund der Handlung vorgegebene Beschränkung des Personenkreises tut dem Lesevergnügen dabei dennoch keinen Abbruch, zu sehr hatte mich die Autorin verwickelt in Überlegungen zu möglichen Zusammenhängen.

Einzig ein paar Dinge störten mich: Den Prolog und das erste Kapitel mit Adams Tod hätte man sich schenken können – zu sehr gängiges Schema und ohne weiteren Nutzen. Und, auch wenn die Auflösung dann recht plausibel daher kam, war es für mich doch nicht einleuchtend, wieso Charly im Krankenhaus nicht als erstes nach Jody fragte beziehungsweise warum sie sich kurz vorher mit zwei anderen Personen erpressen ließ (nein, das kann ich nur so kryptisch schreiben). Beides hätte man ohne größeren Aufwand auch anders hinbekommen haben können. Und was sollten der Traum mit dem Schrank und die Abneigung gegen die Lieblingspuppe am Ende? Da störte mich der Anflug von rosaroter Zuckerwatte-Wolke als Abschluss eher wenig. Insgesamt eine Empfehlung mit 4 von 5 Sternen!

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Tags: traum, trauma, verdrängung, wahnsinn   (4)
 

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cosy crime, zwangsstörung, tier, graupapagei, neurose

Gray

Leonie Swann , Bjarne Mädel , Christopher Heisler
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 15.05.2017
ISBN 9783844526349
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Anthropologie-Dozent Augustus Huff hat einen Vogel. Zuerst nur im übertragenen Sinne, denn diverse Zwangsstörungen sind schon deutlich, wie Waschzwang, Angst vor Bakterien, Ordnungswahn, Sortieren der Briefbeschwerer, Kapitulation vor der Zahl 8 (und 4!)und drei Mal zu klopfen. Drei Mal die Tür abzuschließen. Professor Tick-Tick-Tick hat ihn sein Student Elliot Fairbanks genannt, jetzt ist der junge Mann aus bester Familie tot. Statt sich nur wieder Ärger einzuhandeln, weil er sich an der Uni Cambridge als nächtlicher Fassadenkletterer betätigt, hat er wohl einmal zu viel geklettert: er liegt tot neben der Kapelle. Und Huff ist plötzlich offizieller temporärer Halter von Gray, dem Graupapagei, für den Elliot eine Sondergenehmigung auf dem Campus hatte.

Gray bringt das Leben des Neurotikers durcheinander: neben diversen Kommentaren, für die man auf Amazon keine Rezension gepostet bekäme (wie F**k you oder S*x), mischt sich der Graupapagei in so ziemlich alles ein, will nicht allein gelassen werden und richtet beim Fressen gerne eine ziemliche Schweinerei an. Die Herausforderung für Huff zaubert dem Zuhörer mindestens ein Schmunzeln ins Gesicht, teils diebische Schadenfreude, oft Begeisterung. Der Vorleser bringt gerade diese Geräuschkulisse sehr gut herüber.

Doch weiteres Ungemach resultiert daraus, dass den Wissenschaftler bald Zweifel plagen: kann Elliot wirklich einen Unfall erlitten haben? Oder wäre Selbstmord wahrscheinlicher? Oder…gar…? Und warum gibt es keine ordentliche Beerdigung? Was bedeuten die versteckten Fotos? Bald ermitteln zwei Zweibeiner – im Gegensatz zu anderen Krimis mit tierischer Hauptperson wird der Papagei hier nicht vermenschlicht, aber natürlich haben die Reaktionen des Vogels einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die Umgebung als bei anderen Tieren allein aufgrund der Sprache, verstärkt dadurch, dass die Sprachkünstler neben mehr als unpassenden Bemerkungen („völlig zermatscht“ auf der Beerdigung) auch Zufallstreffer und korrekte Aussagen („Keks“) liefern können. Darüber hinaus wurde die Erzählung auch deutlich spannender gegen Ende, als ich erwartet hatte, und hielt mich lange auf der falschen Fährte.

Die Sprache des Textes ist toll, ich „mopse“ das einmal von einer der vielen Rezensionen zum Buch als Beispiel: „Augustus guckte etwas ratlos in den Lampenschirm. Eine Glühbirne guckte ausdruckslos zurück.“ Dabei ist die Eignung gerade zum Hören sehr gut, es gibt nichts, bei dem ich gerne ein paar Seiten zurück etwas nachgelesen hätte, die Namen sind überschaubar, die „Performance“ von Gray ist garantiert gesprochen noch einmal das Sahnehäubchen. Den Schafskrimi der Autorin hatte ich einst abgebrochen, doch ist dieser Roman so goldig, dass auch die Schafe eine zweite Chance erhalten.

Einziges Mini-Manko: meines Wissens nach wird wohl im Buch davor gewarnt, jetzt gleich einen Papagei nach Hause zu holen, das fehlt LEIDER im Hörbuch. Ich möchte das daher unbedingt hinzufügen: Papageien sind Schwarmvögel, Einzelhaltung ist nicht artgerecht – andererseits sind sie bei Artgenossen extrem wählerisch. Papageien sind sehr langlebig, der „durchschnittliche“ Papagei „erlebt“ meist mehrere Halter, das Thema mit dem Zusammenleben ist NICHT nach so kurzer (!) Zeit wie bei einem Hund oder Pferd vorbei. Auch Zeitaufwand und Lärm, den so ein Tierchen produzieren kann, sollten nicht unterschätzt werden. Das beschriebene Zerlegen von Möbeln, Pflanzen, Fingern und die Schweinerei mit dem Futter sind mehr als realistisch (ich ergänze Baden, Klettern, Platzbedarf, Reinigung, sehr ätzende „Häufchen“, Zugluftempfindlichkeit, Neigung zu Neurosen – wenn man unterstellt, dass Katzen „Personal“ hätten, sind Papageien garantiert die Egozentriker-Diven unter den Tieren). Selbst bei der Haltung mit mehreren sind das keine Tiere für einen normalen Berufstätigen, sie brauchen die Beschäftigung – den Rentner werden sie allerdings wohl eher überleben. Und: nicht jeder dieser Charakterköpfe erhält Grays Sprachvermögen: ich kenne sowohl einen Vogel, der aufgrund des gelben Fahrzeuges „die Post ist da“ ankündigt (wenn auch bei jedem gelben Auto) als auch einen, der schlicht „Hallo“ als einziges spricht. Das dann dafür auch gerne stundenlang.

Also: „Gray“ sollte unbedingt einziehen mit 5 von 5 Sternen, aber als (Hör-) Buch.

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Tags: cambridge, cosy crime, graupapagei, neurose, papagei, tier, zwangsstörung   (7)
 

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thriller, ethan cross, mord, serienkiller, ich bin die angst

Ich bin die Angst

Ethan Cross
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.11.2014
ISBN 9783404170784
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mal ernsthaft: Inwiefern haben Buchcommunitys Euch „verdorben“??  😜

Lange lange Jahre galt für mich “Buch aus einem ‘meiner‘ Genres = muss gut sein“. An Büchern wie Ethan Cross‘ „Shepard“-Reihe merke ich, wie es mir Buchcommunitys „schaden“ - ich bin anspruchsvoller…;-)
Bereits bis zu Seite 70 hat es mich mehrfach gegraust – jedoch nicht (nur), weil es sich hier um einen der auch auf eklige Details fixierten Thriller handelt (man darf also Gewaltexzessen live und in Farbe beiwohnen). Nein, mich störten so Sätze wie S. 51 „Über einem weißen Button-Down-Hemd trug er eine Khakihose und ein hellbraunes wollenes Sportsakko.“ Ja, muss lustig aussehen, so eine Hose über einem Hemd. Auch der „Bleistiftbart“ von S. 8 war im Original wohl ein „pencil beard“, was man eigentlich mit dem fast vergessenen „Menjoubärtchen“ übersetzt, auch wenn diese Mode mit Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland dann doch verpönt war. Dazu: Pathos. S. 70 „Schofield war ohne Seele geboren, aber bald würde er ein Stück von Jessies Seele rauben. Er würde empfinden, was sie empfand. Er würde von ihrem Glück kosten und es sich zu eigen machen.“ Die Übersetzung von „The Prophet“, sehr passend zum Inhalt, mit „Ich bin die Angst“ ist da nur noch ein Detail.

Es ist bereits der zweite Band, den ersten hatte ich gewonnen. Ich verstehe ja sonst nie die Fixierung mancher Leser auf Cover, die ich schlicht übersehe und vergesse, mag jedoch schöne Gestaltungen mit Lesebändchen, passenden Vorsatzblättern, toller Haptik. Aber bei dieser Reihe gestehe ich fast widerwillig: ich finde die Optik umwerfend, gerade auch als Reihe. Alle Bände sind komplett monochrom, da die Schrift in gleicher Farbe wie der Rest des Covers geprägt wurde, somit erhoben und fühlbar ist, dabei lackiert wurde im Gegensatz zum sonst matten Look. Auch der Buchschnitt nimmt die Cover-Farbe auf, der Titel findet sich dabei umlaufend in weiß wieder. Jeder Band hat eine eigene Farbe: Nummer 1 war schwarz, dieser Band 2 ist rot (es folgen noch weiß, braun, grau). Ja, das ist optisch und haptisch toll. Da ich auch schon Figuren rein zum Hinstellen gekauft habe, werde ich die Bücher vermutlich in eine Vitrine stellen – nochmals lesen muss ich das nicht.

Ich habe natürlich das Buch beendet, in den letzten drei Jahren habe ich nur eines final abgebrochen. Wie Band 1, ist auch „Ich bin die Angst“ sehr spannend geschrieben, mischt Action mit (meist krankem) Psycho – dennoch bleiben meine Beschwerden über ALLE Seiten bestehen, ärgern mich ob des wirklich spannenden Schreibstils nur noch mehr. O.k., die Slasher-Thriller mag man oder nicht (gelegentlich geht das bei mir, auch wenn es mich stört), aber gegen das Pathos hätte man etwas tun können, gegen seltsame Übersetzungen, gegen unlogische Überleitungen. Positiv: es gibt praktisch keine Rückwärtsspoiler (o.k., die Verbindung zwischen Marcus und Francis war eigentlich von Beginn an klar, da ist nichts zu spoilern – aber sonst nichts weiteres). Insgesamt finde ich Band zwei jedoch deutlich besser als Band 1, da er nicht so überzogen ist.

Es scheint seit dem Ende von „Ich bin die Nacht“ etwas Zeit vergangen zu sein, Ex-Cop Marcus Williams ist jetzt festes Mitglied der Shepard-Organisation, der geheimen Gruppe unterhalb des Justizministeriums. Aufnahme-Voraussetzung ist ein Trauma, damit sich die Agenten besser in die Fälle hineinversetzen können: Marcus‘ Eltern wurden in seiner Kindheit getötet. Es gab zwischen den beiden Bänden einen Einsatz in Harrisburg, der gefährlich wurde, und daraufhin Ärger mit Maggie Carlisle, ebenfalls Shepard und seine noch oder nicht-mehr Freundin. Ihre Mutter wurde umgebracht. Das hat alles so einen leichten Batman-Touch mit den einsamen Helden, dabei finde ich es problematisch, dass leider ein ziemlicher Fokus auf einer gewissen Billigung von Selbstjustiz liegt (wie jüngst auch bei einigen anderen Büchern). Was das Manko dieser Selbstjustiz ist, bereitet Marcus im Buch reichlich Probleme.

Zum Fall selbst möchte ich zusätzlich zum Klappentext wenig verraten, hinzu kommen ein kleinerer Fall zu Beginn zum Warmlaufen, Reibereien mit lokalen Behörden, Sekten und Satanismus. Den Psychopathen Ackerman wiederum mochte ich wider Willen, wie im ersten Band. Allerdings scheint er keine Stimmen mehr zu hören? Und Marcus knackt etwas seltener mit den Nackenmuskeln und Maggies Neurosen werden auch etwas weniger beschrieben, aber gerade die Nackenmuskeln waren in Teil 1 schon nervig. Dafür wartet Cross mit etlichen Wendungen auf, von denen ich nur eine vielleicht zwei Seiten vorher erahnt hatte.

Insgesamt solide 3,5 Punkte, die ich dennoch nicht aufrunden möchte, weil ich erstens sauer bin über die Schludrigkeiten der deutschen Ausgabe und mich zweitens dieser Mischmasch aus Pathos mit pseudoreligiösem Gefasel (Marcus, glaubst Du an Gott? empfinde ich angesichts der Vorgehensweise seines Trupps als fast ketzerisch) und Selbstjustiz etlicher US-Werke schlicht nervt.

Das hier war Teil 1

https://www.lovelybooks.de/autor/Ethan-Cross/Ich-bin-die-Nacht-1064682888-w/rezension/1470544394/1470547147/

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tolstoi, klassiker

Anna Karenina (Centennial Edition)

Leo Tolstoy , David Magarshack
Flexibler Einband: 960 Seiten
Erschienen bei New Amer Library Classics, 01.11.2002
ISBN 0451528611
Genre: Historische Romane

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memoir, poverty, limerick, childhood, irland

Angela's Ashes: A Memoir

Frank McCourt
Fester Einband
Erschienen bei Scribner, 01.01.1996
ISBN 9781616799304
Genre: Sonstiges

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An American Tragedy

Theodore Dreiser
Fester Einband
Erschienen bei Amereon Ltd, 01.01.2000
ISBN 9780848822538
Genre: Historische Romane

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(The Amazing Adventures of Kavalier & Clay) By Chabon, Michael (Author) Paperback on (08 , 2001)

Michael Chabon
Flexibler Einband
Erschienen bei Picador USA, 25.08.2001
ISBN B005M96LXE
Genre: Sonstiges

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Alice's Adventures in Wonderland

Lewis Carroll , Jenny Frison , Adam Morris , Sarah J. Duffy
Fester Einband: 205 Seiten
Erschienen bei Idea & Design Works, 15.02.2010
ISBN 9781600105968
Genre: Fantasy

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1984

George Orwell , S. Manferlotti
Fester Einband: 641 Seiten
Erschienen bei Mondadori, 01.05.2014
ISBN 9788804643180
Genre: Sonstiges

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Justice

Faye Kellerman
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Headline Publishing Group, 09.05.1996
ISBN 9780747249498
Genre: Sachbücher

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neapel, freundschaft, italien, freundinnen, klassenkampf

Die Geschichte der getrennten Wege

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.08.2017
ISBN 9783518425756
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch beginnt 2010 – Ich-Erzählerin Elena „Lenù“ hat ihre beste Freundin „Lila“ Raffaella zum letzten Mal vor 5 Jahren gesehen. Sie schreibt, sie schreibt ihr Leben auf, Lilas Leben, die ihr einst das Versprechen abgerungen hatte, nie über sie zu schreiben, sonst käme sie. Lenù will Lila holen, sie aus dem Verschwinden holen. Mit ihrer Geschichte wechselt der Leser ins Italien kurz vor 1969 und in die Folgejahre, es ist die Zeit der beiden Frauen als „Twens“ bis in ihre Dreißiger. Lenù wird Pietro heiraten, wir begleiten die jungen Frauen durch Nachwuchs, Partnerschaft, berufliche Entwicklung, signifikante Änderungen, das Aneinander-Reiben.

Für sich allein gelesen, hätte ich mit diesem dritten Band der „Ferrante-Saga“ nie hinterfragt, ob es denn wirklich vier Bände braucht; ich bin durch die Seiten geflogen, empfand Spannung und Überraschung (ja, deutlich mehr als vorher, gerade Band 1 war mir teils etwas zäh). Besonders die vielen unerwarteten Wendungen veranlassten mich dazu, den Einstiegstext zur Handlung oben so kurz gehalten zu haben, ich möchte das Vergnügen keinem anderen Leser nehmen. Nur so viel: Die Beziehung die Frauen verändert sich, die berühmte Stärke Lilas erfährt ihre Grenzen, Lenù scheint vordergründig für kurze Zeit als die Stärkere, es kommt zu unerwarteten Wendungen, Kompromissen. Die Lektüre gestaltete sich wie ein Puzzlespiel, bei dem einzelne Steinchen ihren Platz fanden: Erkenntnisse zu Alfonso, Geständnisse über Michele Solara, die Relation Lilas zu Enzo, zu Michele, neue (alte) Lieben, Umzüge.

Für eine Leserunde fände ich das Buch sehr geeignet, mir springen so viele Gedanken im Kopf herum mit Erkenntnissen, die hier sehr schlecht preiszugeben sind, in dem Kontext aber Freude und Vertiefung bieten würden: Was bedeutet „sie ist tot“, wer griff die Wurstfabrik an, warum hat die Mutter von Lenù anscheinend andere Wertmaßstäbe für deren jüngere Schwester, weshalb erscheint die frühere Gymnasiallehrerin  so verändert. Anderes wird vertieft, so die Frage, inwiefern man dem eigenen Milieu durch Bildung wirklich entkommt kann, oder neu in die Runde geworfen, wie diverse Ernüchterungen zu Männern. Bei den Freundinnen hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dem Geheimnis des Aufeinander-Bezogen-Seins näher zu kommen, Lenùs Mutmaßungen weisen den Weg „Ich wollte etwas werden, auch wenn ich nie gewusst hatte, was. Und ich war etwas geworden, so viel stand fest, aber ohne eine konkrete Vorstellung, ohne eine wahre Leidenschaft, ohne einen zielgerichteten Ehrgeiz.“ S. 445

Ich hatte Band 1 als Zeit- und Sittengemälde Neapels der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet, Band 2 bringt viel zur Rolle der Frau und zum Unterschied zwischen den gesellschaftlichen Schichten. Band 3 nun bringt die gesellschaftliche Lage mit ein, die blutigen Kämpfe zwischen Rechten und Linken, während die Rolle der Frau vertieft betrachtet wird (wobei da von einiger Ernüchterung auszugehen sein dürfte). Gespannt bin ich jetzt auf Band 4 und die Themen, die da noch kommen können, gerade weil Band 3 ja wortwörtlich in der Luft endet. Volle 5 Sterne von 5 für Lesevergnügen, Geschichtsstunde, Zeitgeist, Gedankenanregungen.

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Tags: faschisten, florenz, freundschaft, italien, kommunisten, neapel, rolle der frau   (7)
 

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ritzen, adoption, missbrauch, schauspieler, beziehungen

A Little Life

Hanya Yanagihara
E-Buch Text: 734 Seiten
Erschienen bei Picador, 21.05.2015
ISBN 9781447294849
Genre: Romane

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