StefanieFreigerichts Bibliothek

1.043 Bücher, 427 Rezensionen

Zu StefanieFreigerichts Profil
Filtern nach
1062 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Teufelskälte (Ein Fall für Tommy Bergmann 2)

Gard Sveen , Detlef Bierstedt , Günther Frauenlob

Erschienen bei TIDE exklusiv, 16.06.2017
ISBN 9783844915389
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

"mord":w=1,"widerstand":w=1,"norwegen":w=1,"spion":w=1,"deutsche besatzung":w=1

Der letzte Pilger (Ein Fall für Tommy Bergmann 1)

Gard Sveen , Detlef Bierstedt , Günther Frauenlob
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 26.02.2016
ISBN 9783844913620
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

May god have mercy on your soul, Gott sei deiner Seele gnädig, mit diesem Satz wird die junge Agnes während des Zweiten Weltkriegs von Großbritannien aus auf eine Mission nach Norwegen geschickt. Das Land ist von den Deutschen besetzt und sie arbeitet im Widerstand. Agnes' verstorbener Vater war Norweger, die wiederverheiratete Mutter ist Engländerin, begeistert von Hitler wie Schwester und Stiefvater, zu Agnes' Entsetzen. Die junge Frau ist mit diesem Familienhintergrund prädestiniert für einen Einsatz als Spionin, soll sich mit Männern einlassen, um Informationen zu liefern, doch wünscht sich bald wichtigere Aufgaben. Mit dem Unternehmer Gustav Lande lernt sie einen wichtigen Partner der Deutschen und dessen kleine Tochter kennen. Als sich der Witwer mit ihr verlobt, obwohl Agnes heimlich einen anderen liebt, steckt sie bald tiefer in einem gefährlichen Spiel, als sie sich je vorstellen konnte. 2003 wird ebenfalls in Norwegen ein grausamer Fund gemacht. Die drei Leichen liegen seit Jahren dort, zwei Erwachsene und ein kleines Mädchen. Eine Leiche hat auf einem Ring eine Widmung mit dem Namen Gustav. Der Osloer Polizist Tommy Bergmann wird indessen zu einem aktuellen Mord geschickt. Carl Oscar Krug war ein bekannter Widerstandskämpfer und Unternehmer und wurde jetzt grausam ermordet mit einem Hitlerjugend-Messer. Tommy beginnt, Verbindungen zu sehen, und verbeisst sich in den Fall.

Ich bin gerade sehr begeistert vom Ende des Krimis, von den völlig unerwarteten Wendungen, mit denen ich so nie gerechnet hätte. Ab einem bestimmten Punkt glaubt ich, eine Ahnung vom Fortschritt der Handlung zu haben, und lag doch völlig daneben. Häufig liegt es bei Spannungsliteratur so, dass ich das Gefühl einer künstlich aufgebauten Spannung habe, im Sinne von "Wenn jetzt diese eine Person zur Abwechslung die Wahrheit sagte, könnte man sich das ganze Buch sparen - laaaangweilig". Hier jedoch ist die gesamte Handlung sehr komplex. Zuerst sah ich den Zusammenhang zwischen dem alten und dem neuen Mord nicht, dann gab es einen Zusammenhang, aber keine sinnvolle Erklärung. Dann hatte ich einen Mordverdächtigen, aber das Motiv passte mit der Tat nicht zusammen. Das ist so clever gemacht und so sinnvoll eingebettet in die reale Situation während der Besatzungszeit, dass der Autor wirklich großes Lob verdient.

Ich mag Krimis mit historischen Komponenten und hatte  ganz durch Zufall kurz zuvor von Jo Nesbø "Rotkehlchen" gelesen mit einem ganz ähnlichen Plot, auch Norwegen, eine neuer und ein alter Fall, die durch eine Tat aus der Zeit von Besatzung und Widerstand miteinander verbunden sind. Nesbøs Roman ist eine Gangart härter (beim Pilger ist die Beschreibung des aktuellen Mordes die brutalste Situation am ganzen Buch - mit dem Messer gemetzelt und mit ausgestochenen Augen, schlimmer wird es später nicht; die Spannung speist sich stark aus den Ängsten Agnes'), dafür finde ich das Buch von Sveen deutlich logischer, realistischer hinsichtlich von Tat und Tatmotivation. Empfehlen kann ich beide. Bemerkenswert am "Pilger" war für mich, dass sich die Wechsel zwischen den Zeitebenen für mich gut anfühlten, üblicherweise ist mir so etwas zu künstlich voller Cliffhanger oder ich mag eine Ebene deutlich lieber oder man erzählt mir alles zu langsam. Hier ist das so mysteriös, das hat mich immer weiter getrieben.

Womit ich ein Problem hatte, war zu einem gewissen Zeitpunkt der Ermittler. Endlich einmal wieder kein "beschädigter" Typus - dachte ich. Ich fing an, den rauchenden Einzelgänger zu mögen, der sich vorsichtig in die Mutter von einem der Mädchen aus der Kindermannschaft, die er trainiert, zu verlieben beginnt - bis ich hören durfte, woran seine vorige Beziehung gescheitert war. Tommy hatte seine frühere Lebensgefährtin geschlagen, Besserung gelobt, es wieder getan. Uff. Das ist jetzt nicht so wirklich eine Identifikationsfigur und hätte beinahe zum Abbruch gehört, was schade gewesen wäre. Dennoch frage ich mich ernsthaft, welcher Autor sich gerade so etwas antut?? Und den Lesern? 
Edit: das scheint wichtig zu sein für Band 2.

Ich habe den Krimi gehört gelesen von Detlef Bierstedt und bin von seinem Vortrag begeistert, die nuancierte Sprechweise mit sinnvollen Pausen half beim Verständnis des recht komplexen Texts, definitiv aber kein Hörbuch für nebenbei - seitdem jäte ich gerne Unkraut mit Hörbuch.

5 Sterne und direkt Griff zu einem der Folgebände, der schon kurz vorher hier lag, bis ich von den Vorgängern erfuhr.

#4 https://www.lovelybooks.de/autor/Gard-Sveen/Die-stille-Tochter-1809971060-w/rezension/2150713302/

  (1)
Tags: deutsche besatzung, mord, norwegen, spion, widerstand   (5)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

"gewalt":w=1,"missbrauch":w=1,"behinderung":w=1,"alkoholismus":w=1,"kindesmisshandlung":w=1,"kindesvernachlässigung":w=1

Wind in deinen Segeln: Ready to be found

Jessica Winter
E-Buch Text: 372 Seiten
Erschienen bei null, 23.06.2019
ISBN B07THDJQNX
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich lese fast nie Liebesromane, aber diese Jessica-Winter-typische Kombi mit etwas Spannung, gesellschaftskritischen Themen und eher selbstbewussten Protagonistinnen mit etwas Frechheit ohne dieses reine Geschmachte mag ich. Hier bekommt die Geschichte an sich wieder 5 Sterne, wird jedoch abgewertet auf 4 wegen eines fiesen Cliffhangers, der das Buch eindeutig als nicht einzeln lesbar einordnet. Ich hätte lieber Band 1 und Band 2 gleich hintereinander gelesen, statt jetzt bis zum Herbst zu warten – auch wenn ich fairerweise zugebe, genau die aufgerufenen 99 Cent als Wunschpreis für ebooks zu haben – da wären mir 1,98 dann doch lieber gewesen mit den „fehlenden“ Seiten. Kaufe werde ich Band zwei natürlich auf jeden Fall, aber nun zum Buch selbst.

„Em“, Emerald hat sich in New York mit ihrem klapprigen Auto auf den Weg gemacht zu ihren jüngeren Geschwistern, um zu ihrem achtzehnten Geburtstag ein Versprechen einzulösen. Doch nach einem Sekundenschlaf-Unfall (Leute, fahrt NIE übermüdet) muss sie in Ceaser City, Iowa, ihr Auto in eine Werkstatt geben. Dummerweise überzieht sie der Mechaniker „Gabe“, Gabriel, mit einem Wechelbad aus Ritterlichkeit und grober Unhöflichkeit. Wie soll sie so ihr Versprechen einlösen, von diversen Folgeschritten nach diesem geplanten ersten Schritt abgesehen?

Die Kapitel sind wechselweise aus der Sicht von Em und Gabe beschrieben und es wird schnell klar, dass beide eine Vergangenheit haben, die sie vor anderen eher verbergen wollen, was aber im Jetzt reichlich Probleme verursacht. Während Gabe eher dazu neigt, völlig ohne Vertrauen in die Welt zu blicken („Das Licht am Ende des Tunnels ist lediglich ein entgegenkommender Zug“), ist Em zupackend, positiv, ein Wirbelwind: „Und ich würde dir gern eines Tages helfen, eine neue Zukunft für dich zu finden, die dich genauso glücklich machen kann, wie der ursprüngliche Plan. Ich würde gern der Wind in deinen Segeln sein, verstehst du?“. Doch sobald der Leser glaubt, aus den ersten Andeutungen heraus die Wahrheit zu erahnen, kommt es noch viel dicker.

Wie gesagt, wunderschön, in einem Rutsch über Nacht inhaliert. Aber was für ein Mensch lässt Leser bis zum Herbst warten???

  (3)
Tags: alkoholismus, behinderung, gewalt, kindesmisshandlung, kindesvernachlässigung, missbrauch   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

You Die Next: The twisty crime thriller that will keep you up all night (Starke & Bell Book 2) (English Edition)

Stephanie Marland , Stephanie Broadribb
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei Trapeze, 04.04.2019
ISBN 9781409172000
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Stranger Diaries: The Bestselling Richard & Judy Book Club Pick (English Edition)

Elly Griffiths
E-Buch Text: 349 Seiten
Erschienen bei Quercus, 01.11.2018
ISBN 9781786487421
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Princess: The Early Life of Queen Elizabeth II (English Edition)

Jane Dismore
E-Buch Text: 374 Seiten
Erschienen bei Thistle Publishing, 06.06.2018
ISBN B07DLBC93Z
Genre: Biografien

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

7 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

"tourismus":w=1,"steiermark":w=1,"nachkriegsjahre":w=1,"hotellerie":w=1,"altausee":w=1,"1941 geboren":w=1

Verschüttete Milch

Barbara Frischmuth
Fester Einband: 286 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 15.03.2019
ISBN 9783351037109
Genre: Romane

Rezension:


https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Frischmuth
Der Artikel zur Autorin zu Beginn? Nun, "Verschüttete Milch" trägt deutlich autobiographische Züge, nur heißt die Ich-Erzählerin Juliane, wie die Autorin 1941 geboren in Altausee in der Steiermark. Da Buch begleitet sie bis zum vierzehnten Lebensjahr, unterteilt in Kapitel, die als Überschrift die dem jeweiligen Alter entsprechende Anrede tragen, "Die Kleine", "Juli" bis "Juliane". Der Vater fällt 1943 in Russland, die Mutter führt das Hotel weiter, das eigentlich eine "Außenstelle" des größeren Familienbetriebes ist. Dadurch wächst "die Kleine" häufig sich selbst überlassen auf, in der Obhut der Angestellten oder häufig wechselnder Kindermädchen, frei in der Natur, mit vielen Spielkameraden und Tieren. Wie häufig in ländlichen Regionen, waren die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs abgemildert, weniger Kriegshandlungen, weniger Hunger, dafür Einquartierungen. Die Region war bereits damals touristisch, Segen und Fluch in einer Region, deren Böden keinen Ackerbau zuließen, die nur Salzbergwerke kannte. Doch die Fremden verändern die Gegend, Hotels mit altem Standard haben spätestens nach dem Krieg zu kämpfen angesichts der neuen Reisemöglichkeiten. Durch den zweiten Mann der Mutter, Paps genannt, bekommt Juliane zwar einen kleinen Bruder; die finanzielle Situation wird jedoch nicht entlastet.

Ich hatte blind zu dem Titel gegriffen und wurde mit dem Abschnitt "Juliane" durchaus belohnt, nachdem ich mich durch den Beginn doch sehr hatte durchkämpfen müssen. Autorin Frischmuth zieht gerade das erste Drittel als Memoir angesichts alter Fotographien auf, entsprechend kursorisch war mein Eindruck. Dazu wechseln die Sätze gerade zu Beginn stark zwischen sehr einfach und gewunden. Die Kleine schleicht sich zu den Küken und wird dafür vom Hahn attackiert. Und was schreibt die Autorin?
"Und der Hahn?, fragte sie, die gerade noch geträumt hatte, wie der Hahn, Wttermann heißt mein Hahn, mit gespreizten Federn, leuchtend wie ein Kaleideskop, in dem sich die farbigen Mosaikglasscherben immer weiterbewegen, zum Rauchfang (anderswo heißen Rauchfangkehrer Schornsteinfeger, was wie ein upgrading klingt) hinaufflog, um zu erkunden, wo sie geblieben war." Ja klar. Ich fand es anstrengend, sah auch lange keinen Nutzen darin, etwas zu lesen, was ich mir auch anhand eigener Bildersammlungen hätte durch den Kopf gehen lassen können. Das wurde erst mit dem Älterwerden des Kindes besser, ich konnte über das Spezifische der Region lernen, die viele Nazigrößen angezogen hatte, aus der einen Erwähnung meine ich Ernst Kaltenbrunner herauszulesen, Nachfolger von Heydrich https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Kaltenbrunner, das Salzbergwerk hatte man zum Verstecken von Kunst genutzt https://de.wikipedia.org/wiki/Altaussee - im Buch sind das eher Randnotizen. Stärker herausgearbeitet wird die Veränderung des Tourismus, auch die Veränderung durch den Tourismus. "Es gab zunehmend mehr Zweithaus- und Zweitwohnungsbesitzer als seit Generationen im Familienbesitz befindliche Bauern- und Bergarbeiterhäuser und wesentlich mehr Gäste, die jahrelang im selben Privatquartier anstatt im Hotel wohnten. Mit der Zeit trugen auch weitaus mehr Sommerfrischler ihre Zweitkleidung als die Einheimischen, di sich wenigstens auf diese ihre Kleidung als angestammte Tracht berufen konnten."

Während die Frage offenes Ende oder geschlossenes bei den meisten Büchern besser nicht vorher preisgegeben werden sollte, halte ich es hier für relevant zu erwähnen, dass das Ende quasi auf einen Cliffhanger hinausläuft, wie es denn mit dem jungen Mädchen in der finanziellen Situation und mit ihren beruflichen Träumen weitergeht - ich "rieche" einen Folgeband. Das ruft Vergleiche hervor zu Ulla Hahns zeitlich ähnlich angesetztem "Das verborgene Wort", doch lässt sich das schlicht gefälliger lesen, mit größerem Erkenntnisgewinn zu Milieu und Zeit. Es liegt, denke ich, nicht daran, dass ich wie Hahn Deutsche bin und nicht Österreicherin, mir wäre das ländlich-entspannte Milieu Frischmuths vertrauter als das katholisch-enge bei Hahn; es ist mir einfach zu wenig, zu wenig Überspringendes in der Schilderung der "Verschütteten Milch", zu vieles, was nur angedeutet bleibt, die Finanzen, zum Alkoholkonsum von Paps, zu Männern im Leben der Mutter, zu den familiären Beziehungen. Gäbe es tatsächlich einen Folgeband, würde ich ihn jedoch mindestens anlesen.

3 Sterne. Nicht völlig unzufrieden, aber einfach mir nicht "genug".

  (7)
Tags: 1941 geboren, altausee, hotellerie, nachkriegsjahre, steiermark, tourismus   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

"drama":w=1,"kindheit":w=1,"alokohliker":w=1

Schloss aus Glas

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
E-Buch Text: 382 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 19.04.2012
ISBN 9783455810516
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

"starke frauen":w=1,"gulag":w=1,"sibirie":w=1

Suleika öffnet die Augen

Gusel Jachina
E-Buch Text: 541 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.02.2017
ISBN 9783841212870
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Seele des Monte Pavione

Matteo Righetto , Bruno Genzler
E-Buch Text
Erschienen bei Blessing, 22.04.2019
ISBN 9783641222383
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

28 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 2 Rezensionen

"zweiter weltkrieg":w=2,"norwegen":w=2,"liebe":w=1,"freundschaft":w=1,"mord":w=1,"rache":w=1,"politik":w=1,"verrat":w=1,"polizei":w=1,"intrigen":w=1,"lügen":w=1,"intrige":w=1,"widerstand":w=1,"nazis":w=1,"attentat":w=1

Rotkehlchen: Harry Holes dritter Fall (Ein Harry-Hole-Krimi)

Jo Nesbø
E-Buch Text: 484 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 08.09.2010
ISBN 9783548920665
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der norwegische Polizist Harry Hole tut das Falsche aus den richtigen Gründen und wird weggelobt, um die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren. Da sein neuer Job aus einer Beförderung mit mehr Gehalt und mehr Langeweile besteht, verbeisst er sich in eine Meldung, dass in einer ländlichen Gegend Schüsse gehört und Patronenhülsen gefunden wurden. Bei der Waffe handelt es sich um eine Märklin – das beliebteste Werkzeug für Attentate. Bald stochert Harry herum in einem Fall, der weit in die Vergangenheit Norwegens zurückreicht, in die Zeit der deutschen Besatzung, in der es zwar Widerstandsgruppen wie den Milorg gab, aber auch viele vom Nationalsozialismus begeisterte Norweger. Daher oder einfach zur Verteidigung der Heimat ("lieber Hitler als Stalin") meldeten sich viele Norweger freiwillig für Hitlers Armee. Die Jagd, auf die sich Hole begibt, ist hochspannend und gefährlich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Milorg
https://de.wikipedia.org/wiki/Ausl%C3%A4ndische_Freiwillige_der_Waffen-SS#Norwegen
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/terje-emberland-ueber-die-norwegische-legion-14300344.html

"[Er] schrieb, dass der Neonazismus, der in ganz Europa während des wirtschaftlichen Aufschwungs der neunziger Jahre zurückgedrängt worden war, jetzt erneut mit frischer Kraft aufblühe. Ein Kennzeichen dieser neuen Welle sei, dass sie stärker ideologisch fundiert sei. Während es bei dem Neonazismus in den achtziger Jahren vor allem um Mut und Gruppenzugehörigkeit gegangen sei, mit uniformähnlicher Kleidung, rasierten Köpfen und archaischen Schlagworten wie "Sieg Heil", sei die neue Welle stärker organisiert. Sie habe einen finanzkräftigen Background und basiere nicht so sehr auf einzelnen vermögenden Anführern oder Sponsoren. Außerdem sei die neue Bewegung nicht bloß eine Reaktion auf bestimmte Phänomene der Gesellschaft, wie die Arbeitslosigkeit oder die Einwanderung ... . Es gehe ihr vielmehr auch darum, eine Alternative zur Sozialdemokratie aufzuzeigen. Das Stichwort sei Aufrüstung: moralisch, militärisch und rassenmäßig. Der Niedergang des Christentums wure als Beispiel für den moralischen Verfall angeführt, neben der Ausbreitung des HI-Virus und dem steigenden Drogenmissbrauch. Und auch das Feindbild sei teilweise neu: Die EU-Vorkämpfer, die die nationalen Grenzen und die Grenzen der Rassen durchbrächen, die NATO, die den russischen und slawischen Untermenschen die Hand biete, und der neue asiatische Kapitaladel, der die Rolle der Juden als Bankiers der Welt übernommen habe." Teil III Urias

So klar ließ das Autor Jo Nesbø eine seiner Figuren schreiben. Das Buch ist von 2000 (deutsche Übersetzuung 2003), und wenn man sich Deutschland 2019 ansieht, damals schon erschreckend deutlich in der Aussage, vor der mir viele heute den Kopf in den Sand zu stecken scheinen.

Harry Hole ist eine schwierige Person, Alkoholiker, meistens trocken, genial, aber nicht sehr talentiert im Umgang mit Menschen. Harry ist gut. So sieht er im Wald die Bäume, als er wegen der Patronenhülsen ermittelt:
"Nein, ich meine, ob ihr die vier Stümpfe dort hinten überprüft habt."
"Und warum sollten wir gerade die angucken?" ...
"Weil Märklin das größte Jagdgewehr der Welt produziert hat. Ein Gewehr von fünfzehn Kilo Gewicht lädt nicht gerade zum Schießen im Stehen ein. Man sollte also davon ausgehen, dass er sich hier auf dem Stein abgestützt hat. Das Märklin-Gewehr wirft die Hülsen auf der rechten Seite aus. Wenn die Hülsen also auf dieser Seite des Steins lagen, hat er in die Richtung geschossen, aus der wir gekommen sind. Es wäre also nicht erstaunlich, wenn er irgendein Zielobjekt auf den Stümpfen dort platziert hätte, nicht wahr?"

Nesbø lässt das Heute mit Harry Hole in den Jahren 1999 und 2000 wechseln mit der Perspektive eines alten Mannes, der eine Waffe kauft und sich zurückerinnert an die Kriegsjahre an der Ostfront und in Wien, ebenso aber mit verschiedenen anderen Protagonisten. Die Wechsel erfolgen dabei besonders im fortgeschrittenen Teil des Buch oft rasant:
"Noch einmal sah er auf seine Uhr. Wo, zum Teufel, blieb er?
Bernt Brandhaug drehte das Glas in seiner Hand und sah erneut auf seine Uhr.
Wo, zum Teufel, blieb sie?"
... der Wechsel kommt hier vor Bernt Branthaug. Das erfordert Konzentration, peitscht aber auch die Spannung hoch.

Dazu kommen die persönlichen Verwicklungen, zum einen ist Harry tief betroffen wegen Ellen, zum anderen trifft ihn Amors Pfeil höchst unerwartet. "Er hatte Lust, sie zu fragen, wohin sie musste, wo sie arbeitete, ob ihr der Job gefiel, was sie sonst noch mochte, ob sie einen Lebensgefährten hatte, ob sie sich vorstellen könne, mit ihm auf ein Konzert zu gehen, auch wenn es nicht Raga wäre." Nach einer Stunde neben einer Frau, von der er nicht einmal den Namen weiß…

Insgesamt fand ich das ganze ein rundes Paket, ich habe dazu etwas Norwegen und den Zweiten Weltkrieg gelernt, da ich vorher nur über die Besatzung wusste, nicht jedoch über die Freiwilligen. Ich höre zufällig parallel ein Buch mit dem gleichen Setting, Norwegen, heute, damals, Widerstand und Nationalisten, und bin gespannt auf den Vergleich (Gard Sveen). Die Romanze von Hole war mir nicht zu dominant, die einzelnen Stränge wurden für mich zufriedenstellend aufgelöst, etwas mit dem Gefühl von „das gab es ja EIGENTLICH ausreichend Andeutungen“… Ich halte das gut für eine Leserunde geeignet, weil viele Punkte aufgeworfen werden, die sich für eine Diskussion eignen, zu Schuld, Verantwortung, Verpflichtungen aus Liebe. Darüber hinaus gibt es Stränge, über die der Leser besser Bescheid weiß, als die überlebenden Protagonisten, und die zum Teil unaufgeklärt bleiben – auch das wirft Fragen auf (der „Prinz“, Rakel, Brandhaug). Einzig die etwas übereinandergeschachtelte psychologische Komponente bezüglich des Täters und seiner Motivation, das war mir etwas zu dick, wenn auch in sich logisch durchgezogen. 4 ½ Sterne.

#1 https://www.lovelybooks.de/autor/Jo-Nesb%C3%B8/Der-Fledermausmann-115207262-w/rezension/1490906050/?selektiert=1490906244

  (6)
Tags: alkoholismus, attentat, besatzung, intrige, liebe, nationalismus, nazis, norwegen, rache, widerstand, zweiter weltkrieg   (11)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

"thriller":w=1,"reihe":w=1,"wien":w=1,"psychiatrie":w=1,"kindesmissbrauch":w=1,"leipzig":w=1,"anwältin":w=1,"seltsame todesfälle":w=1,"missbrauchsring":w=1

Rachesommer

Andreas Gruber
E-Buch Text: 413 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 23.04.2013
ISBN 9783641113636
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Wiener Rechtsanwälting Evelyn Meyers hat so ein Bauchgefühl, wenn etwas nicht passt. Als die Baufirma von einem väterlichen Freund wegen eines tödlichen Unfalls verklagt wird, passt etwas gewaltig nicht. Und als ihr Mentor in der Kanzlei einen tödlichen Unfall hat, spürt sie ihren Bauch ganz besonders. Und wer ist die zerbrechlich aussehende Frau?
Fast gleichzeitig wird Kriminalhauptkommissar Walter Pulaski vom Leipziger Kriminaldauerdienst in eine psychiatrische Klinik geschickt, um den Tod einer jungen Patientin zu dokumentieren - ein sicherer Selbstmord. Doch die Frau war Linkshänderin und es gab bereits vor kurzem einen Todesfall.
Leider haben zu diesem Zeitpunkt Pulaski und Meyers nur eine Gemeinsamkeit: beider Chefs wollen die Ermittlungen ihrer Mitarbeiter stoppen, da diese schlicht nicht deren Bier sind. Doch Autor Andreas Gruber hat nicht ohne Grund beide Einzelgänger auf die Seiten gebannt.

Warnung für Sensible: harte Verbrechen, was bei mir beispielsweise bedeutet, sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Tiere, Gewalt gegen Kinder, Folter - wenn auch hier nicht alles davon. Diese Spannungsliteratur würde ich eher zwischen Krimi und Thriller einordnen, zwar ist die Handlung wirklich fast durchgehend spannend und atemlos, gleichzeitig bleibt aber Raum für "police procedural" und ausreichend Darstellung der beiden Hauptfiguren; das ist übrigens keine Beschwerde, nur eine Anmerkung. Die beiden Protagonisten haben gemeinsam, sich wie Terrier in einen Fall zu verbeißen und mit einem großen Gerechtigkeitsbedürfnis gesegnet zu sein, ansonsten könnte der nach dem Tod seiner Frau durch eine falsche Chemotherapie alleinerziehende Vater einer Tochter kaum unterschiedlicher sein als die allein mit ihren Katzen lebende Workoholic-Anwältin mit Bindungsängsten und Trauma. Ja, zweimal beschädigte Ermittler - ich fand Meyers etwas "zu viel", auch wenn die gestreuten Andeutungen mich schon sehr in den Bann schlugen.  

Beim eigentlichen Fall hatte ich selten bald weniger Mitleid mit einem Teil der Opfer (auch wenn ich sonst Selbstjustiz immer ablehne), auch wenn für mich gewisse Logiklücken darin bestehen, dass hier eine "Zivilistin" und ein Polizist außerhalb von Auftrag und Gebietshoheit recht frei weiterermitteln durften; spannend war das allemal. Um das nicht falsch zu verstehen: Gruber schreibt genial, aber "dummerweise" hatte ich mit der Reihe um Sneijder/Nemez begonnen. Und was kann schon einen kiffenden bücherklauenden Misantroph in Diensten des BKA toppen? Wenn man das beiseite lässt, bleiben solide 4 Sterne.

  (7)
Tags: anwältin, kindesmissbrauch, leipzig, missbrauchsring, psychiatrie, seltsame todesfälle, wien   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(44)

54 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 33 Rezensionen

"new york":w=6,"90er jahre":w=3,"familie":w=2,"skurril":w=2,"skurril-komisch":w=2,"filmstudent":w=2,"lebesgefühl":w=1,"vergangenheit":w=1,"sex":w=1,"suche":w=1,"lustig":w=1,"selbstfindung":w=1,"juden":w=1,"schwul":w=1,"2018":w=1

Sommerfrauen, Winterfrauen

Chris Kraus
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070408
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

"italien":w=2,"sozialmoral":w=1,"familie":w=1,"historischer roman":w=1,"zweiter weltkrieg":w=1,"rezensionsexemplar":w=1,"berge":w=1,"faschismus":w=1,"diana":w=1,"weltkriege":w=1,"madonna":w=1,"rolle der frau":w=1,"mussolini":w=1,"diana-verlag":w=1,"facettenreich":w=1

Die Madonna der Berge

Elise Valmorbida , Pauline Kurbasik
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diana, 20.08.2018
ISBN 9783453292062
Genre: Historische Romane

Rezension:

"Ihr Vater hatte sich aufgemacht, um ihr einen Ehemann zu suchen. Er hat sein Maultier genommen, eine Fotografie und Proviant eingesteckt ..". Der Erste Weltkrieg und die Spanische Grippe haben viele junge Männer dahingerafft, also ist ist Maria mit ihren 25 Jahren in Gefahr, unverheiratet zu bleiben. Doch sie bekommt ihren Ehemann, einen guten Mann sogar, ohne Verstümmelungen und stark und fleißig und sogar gut sieht er aus. Sie darf vor der Hochzeit fast nicht mit ihm reden und weiß recht wenig, was sie erwartet. Eine Jungfrau muss bluten, aber sie weiß nicht, wie und warum. Nur dass sie arbeiten kann und wird, das weiß sie von klein auf, als eine von sechs Schwestern und mit mehren Brüdern, mit nur drei Schuljahren.

Der Roman begleitet die Familie Marias durch die Zeit von 1923 bis 1950, meist aus der Sicht von Maria geschrieben. Das Leben ist geprägt von harter Arbeit, es gibt Selbstversorgungsanbau, alles wird verwertet, die Moralvorstellungen sind streng. "Hier geben Mütter ihren Söhnen mehr Essen als ihren Töchtern, damit die Söhne groß und stark werden und sich im Alter um sie kümmern". Ehemann Achille erwirbt einen Lebensmittelladen, der weiter mit der gleichen Arbeitsbereitschaft nach vorne gebracht wird. Maria erfährt Glück mit der Geburt der ersten Kinder, Eifersucht, Verluste. Sie bekommt die Macht der Männer über die Frauen zu spüren, die Politik. Die Familie erlebt den Faschismus, den Zweiten Weltkrieg, die unmittelbare Nachkriegszeit. Um sie herum werden nacheinander die Österreicher verteufelt, die Faschisten, die Deutschen, die Alliierten, die Partisanen, die Kommunisten. 

Der Roman beschreibt das Leben der einfachen Leute, die Sozialmoral, das Familien- und Frauenbild im ländlichen Italien der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, die Auswirkungen der Kriege. Mich hat die Sprache abgeholt, es ist nichts gekünsteltes, dafür wird viel mit Andeutungen gearbeitet, quasi schwebenden Halbsätzen, Aussagen, die plötzlich im Raum zu stehen scheinen: "Er hat sie noch nie vor jemand anderem geschlagen, nur vor den Kindern." Nur.

Das wirkt insgesamt sehr unaufgeregt; mir drängte sich auf, als habe die Autorin darstellen wollen, dass sie Zustände beschreibt als das, was eben typisch ist, nicht anklagt. Überhapt, die Moral. Zu Beginn des Romans ist Maria noch die brave naive Unschuld, die nach Sünden sucht, die sie beichten kann, bereit ist zur Selbstkasteiung. Dann, durch die Ereignisse des Lebens, wächst ihre Erkenntnis, gleichzeitig steigt das Leid. Später kommt es zu einer Art Emanzipation (es passt nicht vom Alter her, aber lieber noch möchte ich "coming of age" sagen) - und dennoch kann Maria in Bezug auf ihre eigene Tochter nicht aus der Engstirnigkeit heraus, ist ebenso borniert und philisterhaft verlogen, wie es ihr Umfeld in ihrer Jugend war.

Interessant fand ich, dass die Kirche zwar präsent war, aber der Ehrbegriff quasi außerhalb davon existierte, fast archaisch wirkte. Die Ehre der Frau ist die Ehre der Familie - das verbindet man gerne mit anderen Kulturkreisen. Es gilt, "bella figura" zu machen: vor den Leuten, vor der Familie, mit dem richtigen Kleid zur Hochzeit, dem angemessenen Verhalten. Dabei wird zwar der Spiegel als Teufelswerk verdammt, gleichzeitig aber sehr darauf geachtet, anderen die eigene Stellung deutlich zu vermitteln.
 
Es gibt für die Hauptfigur Maria in ihrem Leben gleich zwei moralische Instanzen: Da ist zum einen "die Madonna der Berge", die Madonna unter Glas, die Maria aus ihrem Elternhaus migenommen hat und zu der sie betet, die sie überall hin mit umziehen lässt. In ihren Gebeten antwortet ihr die Madonna, ist ihr schlechtes Gewissen, ihr alter ego, treibt sie an, ihre sündigen Gedanken durch Selbstkasteiung zu zügeln, oder macht ihr Vorwürfe. Zum anderen ist da für Maria eher unfreiwillig bis widerwillig La Delfina, die Dorf-Verrückte, die vielleicht gar nicht so verrückt ist. Sie ist die einzige Frau, die ohne Hemmungen lebt, offen ausspricht, was sie gehört hat, bloßstellt. Beide sind Leitbilder - die eine ist strafend, streng und gnadenlos, die andere gnadenlos ehrlich und direkt. Letzlich werden beide Maria nicht loslassen.

Ich war insgesamt sehr beeindruckt von dem sehr unaufgeregten Roman, einzig das Ende war mit etwas zu überzuckert. 4,5 Sterne.

  (21)
Tags: italien, rolle der frau, sozialmoral, weltkriege   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(59)

66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 56 Rezensionen

"thriller":w=5,"spionage":w=5,"norwegen":w=5,"geheimdienst":w=4,"ddr":w=3,"mord":w=2,"kalter krieg":w=2,"kgb":w=2,"oslo":w=2,"tommy bergmann":w=2,"krimi":w=1,"spannung":w=1,"flucht":w=1,"politik":w=1,"verrat":w=1

Die stille Tochter

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 31.05.2019
ISBN 9783471360026
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

1973 flieht die 17jährige DDR-Bürgerin Christel Heinze, die als Schwimmerin an einem Wettkampf in Norwegen teilnimmt, in die bundesdeutsche Botschaft. Doch Christel bleibt eine, die nie ankommt in dieser Zeit des Kalten Krieges: in der Bundesrepublik verdächtigt man sie, von der Stasi ins Land geschleust worden zu sein - Guillaume lässt grüßen. Wieder in Norwegen, wird sie im sozialdemokratischen Land von den meist linksgerichteten Studenten als Verräterin an der Sache beschimpft. Bald verliebt sie sich, wohl in den falschen Mann, wird erpresst mit ihrer Vergangenheit und verschwindet schließlich bekleidet mit einem Schafsfellmantel.
2016 wird eine Frauenleiche in einem See gefunden. Die Tote trägt die Reste eines Mantels aus Schafsfell. Tommy Bergmann beginnt zu ermitteln und wird verwickelt in ein Verwirrspiel mit Kalten Kriegern und Geheimdiensten, als auch noch ein Norweger getötet wird, der früher für die Sowjetunion spioniert hatte.

Die Stimmung ist meist düster und voller Vorahnung auf ein schlimmes Ende, die häufigen Sprünge ließen mich immer weiter lesen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, tiefe Einblicke erhalten zu haben. Seit der langen Zeit, in der die Sozialdemokraten an der Regierung waren, hat sich Norwegen verändert: "Tommy sah sich diskret um und hatte plötzlich das Gefühl, dass die norwegische Sozialdemokratie nur eine Illusion war. Früher hatte die Arbeiterpartei die Gesetze gemacht, während die Reichen das Geld verdient hatten, soweit die Regeln es zuließen. Heute saßen Menschen wie Christian Wessel auf beiden Seiten des Tisches." Die Vertreter der Macht, mit denen Tommy sich einlässt, offenbaren ihren Zynismus: "Die meisten Menschen hätten es in einem  aufgeklärten Absolutismus leichter oder in Platons idealem Staat. Sie wissen es nur nicht besser. In dem Chaos, das die sogenannte Demokratie mit sich bringt, sind es Menschen wie ich, wie meine Familie, die sich Macht und Geld sichern, während der einfache Mann auf der Straße brav seine Steuern zahlt und schon zufrieden ist, wenn er einen schönen Film im Fernsehen findet oder von den sozialen Medien gefesselt wird, mit denen die Amerikaner die Welt betäuben. Sie halten das, was sie um sich herum sehen, für die Wirklichkeit." Ähnlich zynisch ging man Jahre zuvor auch mit Christel um.

Ich hatte dieses Buch bereits auf dem Reader, als mir auffiel, dass es sich um Band 4 einer Serie handelt. Also habe ich zumindest den ersten Band vorgezogen, als Audio, denke aber, dass man Band 4 auch allein lesen könnte (es scheinen die Bände 2 und 3 jedoch in genau dieser Reihenfolge eng zusammenzuhängen und es gibt in diesem Band 4 einige Spoiler auf letztere zur Gesundheit von Tommy Bergmann und seiner Lebensgefährtin Susanne; nicht jedoch auf Band 1, obwohl Tommy einem Polizisten aus Band 1 wiederbegegnet - auf den damaligen Fall wird absolut nicht Bezug genommen). Wie auch Band 1 besticht dieser Spannungsroman, den ich eher als Polit-Krimi (einen Whodunnit) einordnen würde denn als Thriller, durch den starken Bezug auf einen historischen Fall. In Band 1 war das der Zweite Weltkrieg mit der deutschen Besatzung Norwegens und dem Widerstand, hier ist es der Kalte Krieg, dessen Akteure im Damals und Heute einige Geheimnisse zu hüten trachten. Der Ansatz gefällt mir sehr gut, vor allem, wie von Beginn an die Handlungsstränge im Heute (mit Tommy als Hauptperson) und Damals (aus der Sicht Christels) aufeinander zu getrieben werden. Ich fand die Anzahl der Stränge und Handelnden als durchaus komplex und habe mir irgendwann eine Liste gemacht; als Hörbuch beim Band 1 fiel mir der Durchblick deutlich schwerer.

Gefallen hat mir das während der Lektüre, weniger jedoch vom Ende her. Es bleiben einige Fragen offen, so kann ich zum Beispiel nur aus einem Nebensatz entnehmen, wer der Mann mit den teuren Lederschuhen war. Ich verstehe nicht die Motivation von mehreren Taten, wie den Zeitpunkt für den Mord an Storholt (nach dem Leichenfund, ja, aber dennoch, warum erst jetzt), das Motiv auf Täterseite damals, warum einige jetzt plötzlich reden wollen, Sascha, Kleive, in Berlin. Was wurde aus der Schwangerschaft? Und dann diese Unterhaltung am Ende - das ist irgendwie unrund (ich kann das alles nur kryptisch schreiben, um nichts zu verraten). Dazu hatte ich lange Zeit die Sorge, dass der Plot eine Wiederholung von Band 1 werden könne - es gibt einige Gemeinsamkeiten, eine unschuldig zwischen die Mühlen geratene naive Idealistin, der sich genötigt sieht, mit ihren Informanten zu schlafen. Der Name Gretchen wird wieder verwendet, es gibt wieder einen Handlungsstrang mit Deutschland (um den Markt hier mit ins Visier zu nehmen?), ältere Akteure sehen sich wieder durch Krebs zu bestimmten Aktionen genötigt (es gibt doch noch andere Krankheiten), ein Unsympath erinnert wieder an einen Vogel (Ornithologie dürfte nicht das Hobby von Autor Gaard Sveen sein). Ich habe mir gerade Band 2 geholt, denn im Gegensatz zu Band 1 (5 Sterne) war ich von dem aktuellen Band 4 nicht überzeugt. 5 Sterne zwar für Spannung, Aufbau und Setting, aber nur maximal 3 für die Handlung. Insgesamt 3,5 Sterne. Ich runde ab und lasse Luft für eine Einordnung von Band 2 und 3.

Personal (hier verwirrte mich weniger die Anzahl als vielmehr, dass einige in den Zeitsprüngen nur sporadisch auftauchen, dann mal mit Vor- mal mit Nachname):
Arvid Storholt. Hat für die Russen spioniert und war dafür im Gefängnis.
Piotr Woźniak. Findet eine tote Frau.
Tommy Bergmann. Polizist.
Fredrik Reuter, Polizeipräsident, Tommys Chef. Hat vor zehn Jahren dessen Karriere gerettet.
Sascha. Alexander Iljawitsch Maximow. "Kulturattaché" der sowjetischen Botschaft in Oslo in den Achtzigern. Führungsoffizier für wichtige Spione
Jan Amundsen. 2016 Vizekommandant des Polizeilichen Sicherheitsdienstes PST
Christel Heinze 1973 ein 17jähriges Schwimmtalent aus der DDR
Magda Heinze. Christels jüngere Schwester.
Christian Wessel. Der wichtigste Staatssekretär des Ministerpräsidenten. Altes Geld.
Gerd und Ilse Heinze, Eltern von Christel und Magda
Udo Fritz. Pensionierter Berliner Polizist.
Susanne. Tommys Lebensgefährtin, Juristin.
Mathea. Susannes 16jährige Tochter.
Petter Bruvik. Bauer.
Martin Kleive. Früher bei der Marine.
Anatoli Gerwinski. Russischer Überläufer.
Arnfinn Toft. Früher Amundsens Chef.
Melanie Mielke. Früher Christels Kollegin beim Handelskontor.
diese Charaktere werfen Fragen auf: Der Bär, Medwedew, Bjørn, Margaret Meyer


#1: https://www.lovelybooks.de/autor/Gard-Sveen/Der-letzte-Pilger-Ein-Fall-für-Tommy-Bergmann-1-1232099762-w/rezension/2150748503/

  (2)
Tags: ddr, erpressung, flucht, kalter krieg, mord, norwegen, politik, spionage, verrat   (9)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

"psychothriller":w=1,"debüt":w=1,"angststörung":w=1,"buch im buch":w=1,"panikattacke":w=1,"tote schwester":w=1

Die Falle

Melanie Raabe
E-Buch Text: 353 Seiten
Erschienen bei btb, 09.03.2015
ISBN 9783641136963
Genre: Romane

Rezension:

"Ich bin nicht von dieser Welt.
Das sagen zumindest die Leute. Als ob es nur eine Welt gäbe." S. 4 Autorin Linda Conrads, 38, hat ihr Haus am Starnberger See seit elf Jahren nicht mehr verlassen, die Panikattacken begannen bald nachdem ihre jüngere Schwester Anna ermordet worden war. Als Linda in Annas Wohnung kam, hat sie den Mörder flüchten gesehen. Jetzt will sie ihn überführen. Und dafür hat sie einen Anhaltspunkt.
"Ich werde ein neues Buch schreiben. Dei Geschehnisse von damals in einen Kriminalroman verpacken.
Ein Köder für den Mörder und eine Therapie für mich." S. 20 Doch eine Falle kann auch zuschnappen.

Das verdient dann auch wirklich das Etikett "Psychothriller". Ja, Anna wurde mit sieben Messerstichen getötet, aber mehr Gemetzel ist nicht. Der Rest des Buches besteht aus Psychoduellen, Albträumen, Erinnerungen an die Vergangenheit, Panik.
Geschickt schreibt Melanie Raabe recht verschachtelt (aber immer gut nachvollziehbar); da ist das Buch im Buch mit quasi der parallen Handlung aus der Vergangenheit, da ist die Realität und da sind Absätze, in denen Linda in Albträumen feststeckt oder Situationen imaginiert. Doch nicht jede Phantasie ist harmlos.

Mir gefällt der Scrheibstil, es wirkt oft ein wenig atemlos beim Vorantreiben mit kurzen Sätzen, dazu wird in die Tiefe gegangen, die Verhörmethoden fand ich höchst spannend.

Besonders schätze ich die Darstellung der Panikattacken, das Eingehen auf die Ängste. Ich habe selbst damit einige Zeit reichlich Probleme gehabt und musste lernen, sowohl damit nicht allein zu sein (und es auch nicht sein zu müssen), als auch dass das sehr individuell ist. Die Darstellung dürfte für "Außenstehende" gut nachvollziehbar sein. Wie sollte Linda lernen: Der Weg aus der Angst führt durch die Angst.

4 Sterne,  mir fehlt da das letzte Tüpfelchen auf dem I; das Buch ist toll, ich lese und sehe so etwas wohl zu viel... Die Thematik mag ich aber generell und der Stil ist mit dieser Atemlosigkeit irgendwie cool.

Ähnliche Thematik; Panikattacken, Trauma: https://www.youtube.com/watch?v=MPjh7NVown0 Film Copycat. Grandios, mit Sigourney Weaver und Holly Hunter (Ausschnitt. DAS hier IST blutrünstig)

https://www.lovelybooks.de/autor/Dennis-Lehane/Der-Abgrund-in-dir-1550275874-w/rezension/1760137418/

bei "Buch im Buch"
https://www.lovelybooks.de/autor/Wolfgang-Popp/Ich-m%C3%BCsste-l%C3%BCgen-1018705963-w/rezension/1956262020/

https://www.lovelybooks.de/autor/Katrine-Engberg/Krokodilw%C3%A4chter-Ein-Kopenhagen-Thriller-1506151825-w/rezension/2089874700/

  (20)
Tags: angststörung, buch im buch, debüt, panikattacke, psychothriller, tote schwester   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Mordsfreunde

Nele Neuhaus
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Eder & Bach, 09.01.2017
ISBN 9783945386415
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Prendiluna

Stefano Benni , Mirjam Bitter
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 22.08.2019
ISBN 9783803133144
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

"tod":w=1,"glück":w=1,"bretagne":w=1,"fouchet":w=1,"groix":w=1

Ein geschenkter Anfang

Lorraine Fouchet , Sina de Malafosse
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455000351
Genre: Romane

Rezension:

"Warnung" vorab: für all die Musik gibt es am Ende eine Liste, man braucht nicht, wie ich, mitzuschreiben...

Lou ist tot. Und ihre Familie droht daran zu zerbrechen. Ihr Mann, pensionierter Herzchirurg, versucht seinen Schmerz zu überspielen mit Anspielungen auf Lous bekannt schlechte Kochkünste:
"Heute Abend bleibt euch der Kuchen meiner Frau erspart", sage ich, um keine Risse zu bekommen.
Wer uns kannte, lehnte dankend ab, doch Handwerker oder neue Bekannte tappten in die Falle.
"Er blieb sogar hart, wenn man ihn in den Kaffee tunkte."
"Nicht einmal der Hund des Gärtners hat ihn angerührt."
Ihre Kinder sind entfremdet, von ihrem Vater, einander, sogar sich selbst. Sohn Cyrian verkauft hochwertige Badeinrichtungen, sein Vater sagte "Meine Tochter bringt die Männer mit ihren Filmen zum Träumen, mein Sohn bringt sie mit seinen Kloschüsseln zum Wasserlassen."
Tochter Sarah wirkt stark, doch hinter der Fassade ist sie allein, seit ihr Verlobter Patrice sie verließ: "Patrice hat etwas in mir zerbrochen. Nicht er fehlt mir, sondern die Sorglosigkeit und die Gewissheit, geliebt zu werden, das Vertrauen."
Cyrians Tochter Pomme sehnt sich nach dem Vater, der selten kommt, seine Tochter Charlotte wohnt mit ihm zusammen, hat aber dieselben Sehnsüchte, während sie von den Ängsten ihrer Mutter Albane fast erdrückt wird. Doch Lou hatte sich als quasi "letzte Amtshandlung" vorgenommen, die Familie angesichts ihrer Beisetzung zu vereinen.

Das hätte leicht in Kitsch abgleiten können, tut es aber nicht, genauer, tut es gerade nicht. Die Perspektiven wechseln zwischen den Protagonisten als Ich-Erzähler, selbst Lou ist dabei. Anfänglich waren es mir zu viele Geheimnisse, Lou hat einen geheimen Brief hinterlassen, Jo darf nichts über einen Vertrag erzählen, Pomme hatte eine Geheimnis mit ihrer Oma, Albane verbirgt ein Geheimnis, Cyrian hat Heimlichkeiten ... Ich fürchtete, dass, wenn man alle Geheimnisse kennt, wenig Buch übrigbleiben könnte. Tut es nicht.

Heimlicher Hauptdarsteller des Buches ist die Insel Groix in der Bretagne mit ihrem Dialekt, den Menschen, der Landschaft und den besonderen Speisen; alles wie auch das ganze Buch immer wieder mit einem feinen Humor, tatkräftig, nicht zimperlich.

Ein wunderschön gefühlvoll-melancholisch-federleichtes Buch, das ich auch in die Reihe meiner Verschenkbücher einreihen werde.
4 1/2 Sterne, abgerundet nur deshalb, weil mir einige Enden zu glatt aufgedröselt wurden, das ist aber eine wirlich sehr nörgelige Entscheidung. So wie bei Charlotte an einem schlechten Tag.

  (6)
Tags: bretagne, glück, groix, tod   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

"frankreich":w=2,"rache":w=2,"schuld":w=2,"dtv":w=2,"bergbau":w=2,"grubenunglück":w=2,"roman":w=1,"familie":w=1,"familiengeschichte":w=1,"brüder":w=1,"erinnerung":w=1,"vergessen":w=1,"2019":w=1,"französischer autor":w=1,"romane-challenge":w=1

Am Tag davor

Sorj Chalandon , Brigitte Große
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 18.04.2019
ISBN 9783423281690
Genre: Romane

Rezension:

„Wie die anderen Bauern hoffte mein Vater, dass sein Sohn einmal den Hof übernehmen würde, und fürchtete, dass die Mine ihn entführen könnte.“ Kapitel 1. Ich-Erzähler Michel und sein großer Bruder Jojo, Joseph, wachsen auf im Nord-Pas-de-Calais, wo der Untertagebau nach Kohle als Haupt-Arbeitgeber die Gegend dominiert. Dann ändert ein Grubenunglück alles im kleinen Wohnort der Familie, brachte 42 Männern sofort den Tod. Jojo starb mit nur 30 Jahren und sein Verlust wurde von der Familie nie verwunden, hat besonders den jüngeren Bruder nie losgelassen. Später geht Michel nach Paris, seine Recherche zum Unglück füllt eine Garage: „Ich bezeichnete es als eine Bibliothek, ein Archiv, ein Büro, aber in Wahrheit war es ein Grab. … Ich hatte darin mein Grauen vor der Kohle eingesperrt.   … wo er „…weinte, betete und Rachepläne wälzte.“

„Am Tag davor“ ist ein Buch über Verlust, aber auch über Gerechtigkeit, Wahrheit, Rache, Schuld und Vergebung. Vom Ende her betrachtet, betrifft das drei Einzelstränge: die Bergleute, Michel und den Vorarbeiter. Der Kniff ist genial: die Grundfrage nach Gerechtigkeit ist so universell wie die Schuldgefühle der Überlebenden und speziell in diesem Kontext, in dem ein Arbeitgeber in der Situation ist, alles zu dürfen, weil er alle betrifft, ist diese Verkettung über das Theoretische hinaus evident. „Zu viel Sicherheit mindert den Ertrag“, so heißt es.

2017 erschien die Originalversion dieses Romans, der mich sehr beeindruckt hat, unter dem Titel „Le Jour d’avant“. Eindringlich schildert Sorj Chalendon die Liebe der Brüder, die Abhängigkeit der Region von der Kohle, wie das Leben der Bergleute alles durchdringt, der Staub, die Krankheiten der Alten, die Verflechtung mit dem alltäglichen Leben. Sprachlich bin ich begeistert, von den Motti aus der Bergarbeitersprache, von den starken Bildern, den überraschenden Wendungen. Es ist ein Roman, aber die Steigerung, der Spannungsaufbau, davon können noch manche Krimiautoren lernen. Das Buch ist eine einzige Anklage gegen das „System Mine“, gleichzeitig Familiengeschichte, Drama, Gerichtskrimi, Sozialkritik.  Dabei ist nichts gekünstelt, alles ist so direkt und einfach wie der harte Job unter Tage.  

Absolute Leseempfehlung. 6 Sterne. 


(einmal ohne Seitenzahlen bei den Zitaten, mein ebook entzog sich da dem Zugriff)
https://www.humanite.fr/le-27-decembre-1974-la-catastrophe-evitable-de-lievin-561270

https://de.wikipedia.org/wiki/Li%C3%A9vin

https://www.youtube.com/watch?v=LxdHVrQLLQc   Jacques Brel: Jojo

  (18)
Tags: frankreich, grubenunglück, nord-pas-de-calais   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

"österreich":w=1,"exil":w=1,"migration":w=1,"balkan":w=1,"generationenkonflikt":w=1,"belgrad":w=1,"stagnation":w=1,"gastarbeiter-express":w=1

Die guten Tage

Marko Dinic
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 18.02.2019
ISBN 9783552059115
Genre: Romane

Rezension:

"Es ist ein schwieriges Unterfangen: Schließlich muss ich die Balkanesen als blutrünstiges Pack entlarven und die Westler als vorurteilsbelandene Affen, die denken, Balkanesen wären ein blutrünstiges Pack." S. 82

Eine Reise in die Vergangenheit tritt der namenlose Ich-Erzähler an, als er zur Beerdigung seiner Großmutter nach Belgrad fährt. Zehn Jahre ist er nicht mehr in Serbien gewesen, doch jetzt besteigt er von Wien den günstigen Bus, den „Gastarbeiter-Express“, und begibt sich zurück, mit diffusen Gefühlen zwischen Hass und Nostalgie. „Damals, während der ersten jugoslawischen Diasporawelle, waren viele Arbeiter gegangen, als es dem Land relativ gut ging. Nun, da vieles den Bach runtergeht und junge Leute ins Ausland regelrecht fliehen, konnten sie es uns vorhalten, unser ungebührendes Verhalten gegenüber einem Land, das sie so sehr liebten, das es in dieser Form aber auch nicht mehr gab.“ S. 12 Er erinnert sich an die Jugoslawienkriege, den Nationalismus der Väter, denen die Hand immer locker saß, an das Erstarren in der Hitze der Sommers und dadurch, dass nichts sich änderte. Es ist wohl eine Sorte Lebenslauf, der dem Debüt-Autoren Marko Dinić bekannt vorkommen dürfte, selbst 1988 geboren in Wien und in Belgrad aufgewachsen. „Vater, seine Brüder und Cousins, seine Arbeitskollegen und sein Präsident, alle wollten sie diesen Krieg, dieses Monstrum mit den Gesichtern der Arkans und Mladićs und Tudjmans und Karadžićs und Gotovinas und Miloševićs. Sie hatten es geschafft, ihre eigenen Fressen in die Geschichtsbücher einzutragen und die Zahl der Opfer so weit in die Höhe zu treiben, dass die einzelnen Namen im Begriff waren, in den Tiefen der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Was wir aber, die Kinder und Erben der Verbrecher, auf unseren Weg mitbekamen, war das unmaskierte Leid: ein sich auf dem heißen Asphalt dahinschleppendes Stück Aas in Richtung Unbekannt, gezimmert aus Krieg, Hunger und Einsamkeit.“ S. 60

Der junge Mann im Roman ist voller Hass auf den Vater, kann dieses bildhaft erklären: „Dieser gehörte, wie mein Vater, aber auch der Vater meines Sitznachbarn, zu jenen, die den Krieg mit nach Hause gebracht und das persönliche Trauma zu einem kollektiven gemacht hatten.“ S. 25 Neben starken Bildern steht aber immer eine ungezügelte Wut, die den Vater, die Nationalisten, alle überzieht mit Verachtung, mit derber Sprache. Sonst ist das nicht mein Fall, hier fand ich es passend – seine Leser wird der Autor dennoch eher nicht in der Vätergeneration finden. Im Bus der Familie entgegenrollend, dämmert der junge Mann zwischen Erinnerungen, den Ausdünstungen und Entladungen der Mitreisenden und einer Diskussion mit seinem Sitznachbarn, der fast wie ein Zwitter der Alter Egos von Ich-Erzähler und Autor wirkt; gleichzeitig Projektionsfläche, Mahner, Gewissen und Agent Provokateur: „Vielleicht waren die Österreicher mal effizient. Vor über siebzig Jahren, wenn Sie verstehen, was ich meine. Jetzt aber — und das muss mal gesagt werden — sind die Balkanesen viel effizienter. In Srebrenica beispielsweise haben nur achtzehn Soldaten innerhalb weniger Stunden über tausendfünfhundert Mann erschossen.“ S. 19

War ich durchaus angetan von der Reisebeschreibung, so scheint die Zeit in Belgrad durch die Sommerhitze eingedampft zu werden und wirkt fast wie im Fiebertraum. Gelegentlich gleitet mir die sonst wirklich gute bildhafte Sprache ins Klischee, ins Pathos ab: „Auch mein Geist ist scharf. Wie eine Papierkante durchschneidet er den leeren Raum zwischen meinen Eltern.“ S. 88, er kann aber besser: „Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinunter, zählte jeden Wirbel einzeln.“ S. 95. An mehreren Stellen zieht Dinićs Protagonist Vergleiche von seinem Mann auf der Flucht zu den Flüchtlingen der Neuzeit: „Wir selber waren nur Geduldete, die ihre inneren Kalender nach der nächsten Visumsverlängerung ausrichteten.“ Ja, ich sehe den Vergleich – das wäre aber meiner Meinung nach ein ganz eigenes Buch gewesen, hinausgehend über Generationenkonflikt, Erinnerungen, Veränderung, Opportunismus.

Kein „Wohlfüchbuch“, aber ein sprachlich sehr eindringlicher innerer Monolog zum Zustand eines Landes im Exil und daheim aus Sicht der jungen Generation. 4 Sterne.

  (7)
Tags: balkan, belgrad, exil, gastarbeiter-express, generationenkonflikt, migration, österreich, stagnation   (8)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Wir waren eine gute Erfindung

Joachim Schnerf , Nicola Denis
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Kunstmann, A, 28.08.2019
ISBN 9783956143151
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Schöne Monster

Sharlene Teo , Anke Carolin Burger
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 13.09.2019
ISBN 9783351050733
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Hundesohn

Sonja M. Schultz
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kampa Verlag, 30.08.2019
ISBN 9783311100133
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die Jakobsbücher

Olga Tokarczuk , Lisa Palmes , Lothar Quinkenstein
Fester Einband: 1.152 Seiten
Erschienen bei Kampa Verlag, 01.10.2019
ISBN 9783311100140
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 
1062 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.