StefanieFreigerichts Bibliothek

752 Bücher, 297 Rezensionen

Zu StefanieFreigerichts Profil
Filtern nach
767 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(828)

1.631 Bibliotheken, 35 Leser, 3 Gruppen, 119 Rezensionen

humboldt, gauß, wissenschaft, mathematik, abenteuer

Die Vermessung der Welt

Daniel Kehlmann , ,
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 23.09.2005
ISBN 9783498035280
Genre: Romane

Rezension:

Vorab: der Roman ist eine FIKTIVE Doppelbiographie mit zahlreichen Abweichungen zur Realität, zum Vergleich  https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Vermessung_der_Welt#Die_Frage_der_Authentizit%C3%A4t
Ich empfehle, vorher kurz diesen Abschnitt des Wikipedia-Artikels anzulesen –  man verliert angesichts des mitreißenden Romans sonst leicht den Blick auf die (realen, vom Roman GELEGENTLICH abweichenden) Fakten. Ein Roman „darf das“ natürlich, er ist Fiktion, aber lebendig gemalten Bilder könnten sich sonst vor die Realität schieben, falls man eine Meinung zu den ECHTEN Personen äußern möchte.

Der Deutsche Naturforscherkongress in Berlin 1928 bildet die Rahmenhandlung; Carl Friedrich Gauß reist auf Einladung von Alexander von Humboldt an. Dazwischen und danach eingebettet sind Kapitel, die sich abwechselnd dem Werdegang der beiden jetzt älteren Wissenschaftler widmen.

Kehlmann entfernt sich zwar in einigen Dingen, wie oben angedeutet, von der Realität, folgt aber im Wesentlichen den „echten“ Lebensstufen der beiden Koryphäen. Dabei treten Unterschiede hervor wie auch Gemeinsamkeiten, besonders die absolute Hingabe mit einiger Selbstaufgabe: „In der nächsten Mission bekamen sie Ameisenpastete zu essen. Bonpland weigerte sich, aber Humboldt kostete ein wenig. Dann entschuldigte er sich und verschwand eine Weile im Unterholz.“ S. 122

Über diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten und vor dem Hintergrund der jeweiligen wissenschaftlichen Tätigkeiten spannt Autor Kehlmann höchst unterhaltsam ein Wissenschaftspanorama auf, wobei beide oft von ihren Zeitgenossen nicht verstanden werden: „Die Mitte Spaniens sei kein Becken, erklärte Humboldt. Die Geographen seien wieder einmal im Unrecht. Vielmehr sei sie ein Hochplateau und habe einst als Insel aus einem vorzeitlichen Meer geragt.
Selbstverständlich, sagte Bonpland und nahm einen Schluck aus seiner Flasche. Als Insel.“ S. 42 .

Für den Leser ist die Lektüre auch dadurch amüsant, weil er die damals revolutionären neuen Möglichkeiten als längst Vergangenes kennt - oder als weiterhin nicht Erreichtes. Gauß: „Bald, erklärte er, würden Menschen die Menschen mit der Geschwindigkeit eines abgeschossenen Projektils von Stadt zu Stadt tragen. Dann komme man von Göttingen in einer halben Stunde nach Berlin.“ S. 8 f Nun, pünktlich würde heute schon reichen, und das weiß der Leser natürlich.

Ich mag NACH diesem tollen Roman geradezu durch die passenden Wikipedia-Artikel fliegen (nachher, dann lesen sie sich wirklich wie im Fluge). Viele der zeitgenössischen Persönlichkeiten und historischen Bezüge werden im Roman nur angedeutet – die Schlacht von Jena und Auerstadt oder ein vermeintlicher Turnvater Jahn. Namen werden selten genannt, selbst der von Wilhelm Humboldt nie. Somit durchaus ein Einstieg in weitere Lektüre und Recherche.

Vollends begeistert hat mich dann der Schluss, mit dem Kehlmann den Leser entlässt in die Erörterung, was denn nun „besser“ sei: unbequem-halsstarrig beharrend oder angepasst-gefördert, aber auch von den eigenen Plänen abgehalten? Mit Familie und dennoch allein oder allein und auf der Suche?

Fazit: unterhaltsam zurechtgebogen, aber eben wirklich unterhaltsam dabei. 5 Sterne.

  (3)
Tags: alexander von humboldt, carl friedrich gauß, fiktive biographie   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

miss marple

The Murder at the Vicarage

Agatha Christie
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 01.01.2010
ISBN 9780007208425
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags: miss marple   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

37 Bibliotheken, 14 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

zeitgenössische belletristik

Die Lichter unter uns

Verena Carl
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.04.2018
ISBN 9783103973631
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Black Coffee

Agatha Christie , Charles Osborne
Fester Einband: 188 Seiten
Erschienen bei HarperCollins UK
ISBN 9780002326629
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

10 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

ddr, ddr-zwangsadoptionen, familiengeheimnis, wende

Kranichland

Anja Baumheier , Beate Rysopp
Schallplatte: 2 Seiten
Erschienen bei Audiobuch, 20.03.2018
ISBN 9783958620506
Genre: Romane

Rezension:

«Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen.» (Aristoteles)

Meist guter Unterhaltungsroman. Text meistens top, Lektorat meistens Flop
wie das? Nun, die Geschichte an sich, der „Plot“ ist stimmig, die Figuren sind gut gezeichnet, es gibt Entwicklungen, sie sind nicht eindimensional. Es ist immer wieder einmal gefühlvoll (nicht zu oft, nicht zu viel), aber einige Male dann doch sehr emotional (naja – nicht so meins; nie). Vergleichbar vielleicht mit „Die Nachtigall“, Kristin Hannah.

Text: Ich habe das Hörbuch gehört, vorgetragen von Beate Rysopp, die ich als sehr angenehm empfand und die dafür sorgt, dass ich gut mitbekomme, welcher Person ich gerade folge. Allerdings gibt es zwischen jedem der 206 Abschnitte auf den 2 mp3-CD sehr deutliche Pausen – findet ein Wechsel zwischen den Zeitebenen statt (damals und heute alternieren im Handlungsfortschritt), sind die hilfreich zur Unterscheidung, jedoch nicht auch bei einer Fortsetzung der Handlung. Dadurch war es für mich zu Beginn schwierig, die Zeiten zuzuordnen und die Charaktere. Überhaupt, die Charaktere: es wäre nett, wenn bei fast allen Hörbüchern, die ich kenne, eine grobe „Personalliste“ beiläge; und ja, ich weiß, das kann auch spoilern (im Krimi würde ja z.B. der Mörder nicht fehlen). Hier würde reichen:
die Eltern: Johannes und Elisabeth Groen
Elisabeths Mutter Käthe
die Nachbarin Hertha
Elisabeths Freundin Eva
die Kinder: Charlotte, Marlene und Theresa, sowie Theresas Tochter Anna
Tom – Miterbe von Theresa
Anton
Wieland – Mitschüler und Freund von Marlene

Die Erzählung beginnt 1936 und endet in der Jetztzeit gegen 2012, umfasst die Zeit des Nationalsozialismus, die DDR und die Zeit nach der Wende, mit Handlungsorten hauptsächlich Berlin (Ost) und Rostock. Anhand der Familie Groen und ihres Umfeldes erzählt Autorin Baumheier über die deutsche Geschichte; sie macht plausibel, woraus gerade zu Beginn viele Hoffnung schöpften bei der Staatsgründung, den Chancen auch für nicht Privilegierte, dem Anspruch auf ein Leben in Gleichheit und ohne Krieg. Parallel dazu wird durch den Strang im Heute klar, dass es mindestens ein Geheimnis gibt in der Familie.

Tochter Theresa, geschieden und Mutter einer studierenden Tochter, erhält ein Testament, das alles durcheinanderwirbelt. Sie und ein Tom, von dem sie nie vorher gehört hat, haben von Tochter Marlene geerbt. Dabei war doch Marlene schon länger tot – und wer ist Tom? Auch die inzwischen demente Elisabeth trägt eher zu weiterer Verwirrung bei: „Anton hat sie gerettet“. Anton? Charlotte, Anna und Theresa machen sich auf die Suche.

Die Familie Groen ist „linientreu“, Vater Johannes arbeitet im Ministerium für Staatssicherheit, bis auf die Anfänge lebt die Familie in Berlin. Marlene ist das Kind, das aus der Reihe tanzt. Damit zeigt sich eine kleine Schwäche des Buches, denn über das „normale“ Leben in der DDR, wie es der entsprechende Teil meiner Familie erlebt hat, erfährt man wenig. Von Johannes‘ Seite gab es weniger Versorgungsprobleme als für „Normalos“, die Übereinstimmung mit der Ausrichtung war gegeben, die meist verhassten „Russen“ (eigentlich ja Sowjets) waren in der Person von Kolja väterliche Freunde. Und die aufmüpfige Marlene ging weiter als die meisten – es wurde ja eher über die Versorgungslage gemeckert, die kleine Flucht statt der großen „echten“ in Erwägung gezogen. Mir fehlt, ehrlich gesagt, phasenweise etwas mehr DDR in dem Buch, und ich selbst bin „Wessi“. Mir fehlt der Fahnenappell, die Schulessen, Horte, Partnerbetriebe der Schulen, Demo zum 1. Mai, Feiern im Arbeitskollektiv, Wehrlager, Ferienstätten der Betriebe – irgendetwas davon; alles, was gleichzeitig „im Westen“ nicht von Bedeutung war (es gibt nur Panzer malen, Thälmann-Pioniere, Micky-Maus-Verbot). Versorgungsnot wird thematisiert nur über Elisabeths Freundin Eva, das ist angesichts der anderen Situation der Familie nachvollziehbar, aber genau wie die Situation auf dem Wohnungsmarkt wiederum eher typisch für die meisten. Einzig Charlotte durchläuft merkbar zumindest einige der Stationen des üblichen Lebens. Dafür wird aufgezählt, was man aß (ohne das Ost-Jägerschnitzel zu erklären, das Theresa mit ihrem Patienten isst). Das alles ist jedoch nur ein persönliches Befinden, es tut der weitgehenden Nachvollziehbarkeit des Buches keinen Abbruch.

Ich lese keine Liebesromane, mag keine Rührseligkeit, und weitestgehend kommt der Text bei mir „durch“. Das Ende ist mir etwas zu dick aufgetragen, kleinere Stellen zwischendurch (vor allem bezüglich Wieland – dem begegnet man ZWEI MAL zufällig??). Sehr eindringlich und gut dargestellt fand ich hingegen die Szenen im Gefängnis, die Demenz-Anfänge, die psychischen Probleme, die Änderungen bei Johannes. Bis auf die Hochzeit hatte ich alle „Personenstandsentwicklungen“ dank des (*grummel*) Klappentextes geahnt bei Anna, Theresa, Tom, fand das Buch aber dennoch spannend, da ich das „Warum“ erfahren wollte. Ein „Leitmotiv“ im Roman störte mich sehr: ALLE Probleme hätten geringer sein können, wenn man miteinander geredet hätte – und vor allem, wenn man nachgefragt hätte. Was immer schief lief, es wurde angenommen, alle anderen hätten die jeweilige Person verraten, zuletzt so Theresa. Das lief auch wirklich permanent wiederholt immer gleich ab: Handlung, teils mit besten Absichten. Es wird etwas vertuscht. Schlechtes Gewissen bei denen, die es vertuschen. Weitermachen. Wenn es herauskommt, Ablehnung aller durch den, dem man etwas nicht erzählt hatte. Keiner fragt irgendwie nach, geht offensiv damit um. Das ist nicht logisch, Menschen sind verschiedenen: es müsste schlicht verschiedene Reaktionen geben.

Schlecht hingegen einiges, was ein Lektorat hätte glattziehen müssen (selbst Geschriebenes ist IMMER schwieriger zu korrigieren, das schmälert die Leistung der Autorin nicht):
Wiederholungen.
 Da bekommt z.B. erst der Vater taube Hände beim Anblick von Marlene, später die Mutter. Das ist kein gängiges Bild für überwältigte Emotionen, aber selbst gängigeres Herzrasen oder ähnliches sollten nicht beide GLEICH bekommen.
 der Text, den Johannes verfasst hat, wird zweimal hintereinander vorgelesen – in kurzem Abstand, wozu?
Logiklücken
 Johannes und Anton schreiben einander. Die DDR hat großen Aufwand ins „Mitlesen“ gesteckt, gerade bei Briefen von/nach der Bundesrepublik UND Kolja hatte ein Augenmerk auf Johannes. Und die Briefe gingen durch? Warum kein Bote stattdessen, man muss hier nicht den gesamten Inhalt ändern.
 Anton unterschreibt an Johannes mit Doktortitel – wie logisch ist das in privaten Briefen, wenn man nicht dem anderen irgendetwas damit sagen will? Ins Hotel in Dresden checkt er ein ohne Titel
 Anton gibt seiner Enkelin Schlafmittel, die sie einen Tag außer Gefecht setzen, also fast Narkose. Er ist Arzt, aber nicht ihr Arzt – es könnte zu Unverträglichkeiten kommen bis hin zum Tod. Das tut niemand, von der rechtlichen Komponente ganz abgesehen
 (etwas verschleiert formuliert, da sonst Spoiler) Das wirkliche Alter des Babys soll vertuscht werden gegenüber Charlotte, damit sie keinen Verdacht schöpft – aber später hat das erwachsene Kind Geburtstag und Alter genau so, wie es korrekt ist. Wie logisch ist das?
 die späte Hochzeit – eigentlich entdeckt man so etwas bei der Beerdigung, Totenschein, Stammbuch, Behörden? Von vorangehender Pflege einmal ganz abgesehen, da melden sich Behörden ebenfalls
 der Lungenkrebs am Ende. Chemos/Bestrahlungen hatten in meinem Umfeld immer so eine Dauer von ½ Jahr oder einem Jahr – Ausnahme: man hat das von Anfang an gestreckt, weil ohnehin keine Hoffnung auf Heilung bestand, nur auf Verzögerung, oder es kam zu Unverträglichkeiten. Von einem Rückfall spricht man, wenn es nach der Behandlung erst einmal Stillstand oder Heilung gab. Hier gibt es die Diagnose und 4 Monate später einen Rückfall? Verschlimmerung wäre hier passender. Und: Lungenkrebspatienten ersticken meistens (wenn nicht etwas anderes vorher versagt). Und hier sitzt der Patient aufrecht am Kaffeetisch kurz vor Ende?

Das ist das Debüt von Anja Baumheier, ich möchte fast keinen der Kritikpunkte ihr anlasten, bis auf die Wiederholungen im Verhaltensschema und die Zufälle bei Wieland: bei so etwas hat ein Lektor etwas zu merken. Der Stil ist mitreißend und der Vortrag von Frau Rysopp hat dafür gesorgt, dass ich die Mängel fast nicht bemerkt hätte, wäre es nicht so gehäuft gewesen.

Geschichte an sich 4 ½ Sterne.
Gestaltung des Audiobuchs, Audiobuch generell, Lesung: 4 Sterne (Lesung dabei besser)

Die vielen Fehler, die Wiederholungen, ein paar Klischees… 2 ½ Sterne.
Also gesamt 3 ½ Sterne.
Ich mache jetzt „Welpenschutz“ für ein sonst tolles Debüt, weil ich nur 3 Sterne echt schade fände, das hat die Autorin nicht verdient.

  (11)
Tags: ddr, ddr-zwangsadoptionen, familiengeheimnis, wende   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Death in the Clouds

Agatha Christie
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 02.04.2007
ISBN 9780007234424
Genre: Sachbücher

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Poirot's Early Cases

Agatha Christie
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 02.06.2003
ISBN 9780002313124
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

45 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

barcelona, familiensaga, franco, spanien

Eine bessere Zeit

Jaume Cabré , Kirsten Brandt , Petra Zickmann
Fester Einband: 555 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 25.03.2018
ISBN 9783458177395
Genre: Romane

Rezension:

Miquel Gensana, aus dessen Sicht weite Teile des Romans erzählt werden, sitzt im Restaurant mit seiner jüngeren Kollegin Júlia. Dieses war einst der Familiensitz, das Haus, in dem er aufwuchs, doch das möchte er nicht einmal zugeben. Júlia fragt Miquel nach Bolós, Josep Maria, seinem Freund seit Schulzeiten, der gerade beerdigt wurde. Und Miquel beginnt zu reden, geradezu Rechenschaft abzulegen. Er erzählt von seinem Leben, auch von den gemeinsam mit Bolós erlebten Zeiten und von der Geschichte seiner Familie.

Zwar fällt der Beginn des Lebens von Miquel in das Ende der Franco-Zeit, diese wird jedoch eher nebenbei gestreift, es geht vielmehr um die Geschichte der Familie, um die von Miquel und jene seines Onkels. Voller schöner sprachlicher Wendungen, aber auch sehr anspruchsvoll konstruiert, stark durchsetzt mit Intertextualität, auch mit Referenzen zur Musik, das beschreibt den Stil des Romans. Beginnend mit vielen Andeutungen, von denen im Laufe der Erzählungen (fast) alle aufgelöst werden – die Handlung an sich wäre eher sehr durchschnittlich, wenn sie nicht in dieser Sprache dargebracht wäre. Doch langsam.

Da wären die häufigen zeitlichen Wechsel im Roman, die diesen oft nicht leicht lesbar machen, dazu der Wechsel zwischen Erzähler in der ersten und in der dritten Person oft in einem Satz – Miquel auf Distanz gehend zu sich selbst oder der Bruch zwischen dem „inneren“ Miquel und der von außen wahrgenommenen Person? Es wird nicht aufgelöst, muss es auch nicht, ich gewöhnte mich daran. Dann gibt es die teils langen Sätze, gelegentlich mit einem Hauch von „stream of consciousness“: "Das war echte Angst; und ich stellte mir die Frage (die ich mir auch einige Jahre später stellen sollte, als ich hoch oben an der Fassade von Can Gensana in der Kletterrose hing), was, zum Teufel, hast du hier zu suchen, Miquel, du Schwachkopf, du Idiot, zielst mit deiner Kalaschnikow wie mit einem Zahnstocher auf eine Skyhawk, einen Koloss, der hinter den Bergen aufgetaucht ist und auf dich zuhält, verfluchter Narr, und du rennst in heller Panik auf die zweifelhafte Deckung zu, die dir ein nackter Felsen bieten wird, während du überlegst, mit welchen Handzeichen du dem Piloten plausibel machen könntest, dass du mit diesem Krieg nichts zu schaffen hast, verdammt noch mal, sondern nur einen kleinen Kursus absolviert und gleich wieder weg bist." S. 134

Dazwischen dann immer wieder Schönes, Treffendes: S. 496 „Die Deinen zu begraben ist ein Zeichen dafür, dass du nicht länger jung bist...“ oder auch Profaneres aus dem Leben: S. 529 „Mittelklassehotels haben eine erstaunliche Gemeinsamkeit mit Bauernhäusern. Die diversen Wandlampen sind einzig dazu gedacht, dass man überhaupt sieht. Will man sich etwas anschauen, fangen die Schwierigkeiten schon an.“ Dazu kommen viele lateinische Zitate, noch mehr französische, etliche Passagen „im Stil von“, Literatur, Filmen und Büchern der Populärkultur; das Buch ist gegliedert wie ein Musikstück, es gibt Noten im Buch, um die Musik zu erklären, weite Passagen denn auch zur Musik, zur Literatur, zur Sprachwissenschaft,...jaaaa, der Autor weiß da schon einiges. Schön. Mich hat das lange sehr amüsiert, ich erkannte amerikanische Detektive wieder, erinnerte mich an sprachwissenschaftliche Vorlesungen, kratzte mein Latein zusammen: doch halt, BRAUCHT man das? Ich unterstelle Autoren von Büchern mit vielen Verweisen zwar, dass sie wissen, wovon sie schreiben – aber halt auch, dass sie es gerne sehen, wenn das auch alle anderen unbedingt wissen.

Dann die vielen Andeutungen – hat jemand noch so Verwandte oder Bekannte, die zu Besuch kommen, durch Wohnung oder Garten schreiten und dann so einen bedeutungsschwangeren Blick aufsetzen, am besten den Zeigefinger erheben und sagen: „Weißt du...was du tun musst, damit deine Rosen richtig wachsen, um den Kuchen richtig toll zu machen, um...“. Ich habe irgendwann gelesen, jede Kritik beruhe auf der Kernaussage „du bist nicht ich“. So in etwa schreitet der Roman voran: große Ankündigung „das große Geheimnis von Pilar“, dann viel viel Text, Zeitwechsel, Aufklärung – und man will es gar nicht mehr wissen, ahnte es schon. Mehrfach. Besserwisser.

Der Originaltitel bedeutet übrigens „Der Schatten des Eunuchen“ - Miquel zitiert auf S 464 Steiner: "Wenn der Kritiker sich umsieht, erblickt er den Schatten eines Eunuchen." ah, sein eigener Schatten, weil er quasi nicht zeugungsfähig ist, selbst keine Kunst schaffen kann, von außen zusieht. Das ist durchaus wichtig, denn lange Seiten nennt Miquel sich den Unfruchtbaren, den Sterilen, und meint dann doch nur dieses. Er, der Liebhaber der Künste, kann selbst nicht künstlerisch tätig sein, nur als Kritiker arbeiten. Irgendwie sah ich da Parallelen zu seinem generellen Ansatz zu leben. Beobachten, analysieren, passiv sein.

Überhaupt, Parallelen: ich empfinde eine gewisse Parallelität zwischen den Erlebnissen bei Maurici und Miquel, dadurch treten für mich Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser hervor. Also Miquels Leben im Untergrund - Mauricis heimliche Liebe. Beide im Bruch mit der Familie. Beide anscheinend Rückkehrer - wenn auch nicht so ganz und nicht ganz mit dem Herzen, beide positiver eingestellt zu den Frauen der Familie (die sind bislang eher Nebenrollen). Beide hinsichtlich intellektueller Neigungen vielfältig bis unentschlossen, beide gehen nicht in die Fabrik, wollen eher keine praktische oder kaufmännische Arbeit. Beide werden von ihren Wahlfamilien in lebensverlängernde Situationen gebracht ( bzw in solche, die die gesamte Einstellung verändern). Das ist ganz schön, aber auch ganz schön viel, selbst für etwas über 500 Seiten.

Fazit: ein sehr bewusst literarischer und anspruchsvoll zu lesender Roman, dessen eigentliche Grundhandlung meist wenig Neues bietet. Mir etwas „zu viel“ des Guten, tut mir leid. Der Abschnitt „Der Zweite Satz“ hätte allein 5 Sterne bekommen. So lande ich mühselig auf 3 ½ Sternen, runde aber im Vergleich zu einigen der anderen Begründungen für 3 Sterne auf auf 4 Sterne.

  (2)
Tags: barcelona, familiensaga, franco, spanien   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Alle müssen mit

Lo Malinke , Lo Malinke
Audio CD
Erschienen bei tacheles!, 10.03.2016
ISBN 9783864843419
Genre: Klassiker

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

enid blyton

Fünf Freunde auf neuen Abenteuern

Enid Blyton , Heikedine Körting , Oliver Rohrbeck , Oliver Mink
Audio CD
Erschienen bei Sony Music Entertainment
ISBN 0743211980029
Genre: Kinderbuch

Rezension:

O: Five Go Adventuring Again, 1943. Deutsch ab 1953.
Ich habe das Hörspiel gehört.
Das wäre Band 2 der Buchreihe, jedoch Band 21 der Hörspiele

Anne und ihre Cousine George treffen am Bahnhof auf Annes ältere Brüder Dick und Julian – die Kinder sind aus ihren Internaten für die Winterferien bei Georges Eltern, ausnahmsweise. Onkel Quentin arbeitet an seinem Buch. Leider wird in diesen Ferien auch ein Hauslehrer ins Felsenhaus kommen, Herr Roland.
Nach Korinthenbrötchen durch die Köchin Johanna erkunden die Fünf – inklusive Georges Hund Timmy – die Umgebung, denn zum verbliebenen Besitz von Georges Familie gehört neben der Felseninsel und dem Felsenhaus noch der Felsenhof, ein vermieteter Bauernhof, des Pächter sich über einen Beruf der Kinder freuen. Dabei entdecken sie Geheimverstecke auf dem Hof und einen Streifen mit einer geheimnisvollen Inschrift. Ob der neue Lehrer helfen kann, den Text zu entziffern? Doch während alle anderen Herrn Roland gleich mögen, ist George misstrauisch: der Lehrer mag ihren geliebten Hund Timmy nicht. Kann man einem Menschen trauen, der Hunde nicht mag?

Wie gewohnt kurzweilig, mit den „alten“ Sprechern, also Oliver Rohrbeck, Oliver Mink, Ute Rohrbeck und Maud Ackermann (und natürlich Hund Timmy) und dem Titellied leider in der  Europa-Version.
Gemäß des (vermuteten) Zeitgeists, kann ein Vater (Onkel Quentin) Kinder eigentlich für ziemlich unerwünscht halten, und Kindern zu glauben, wenn ein Erwachsener etwas anderes sagt, ist auch nicht nötig (bitte nicht falsch verstehen: ich kenne ausgeprägte Lügner jedes Alters, doch eigentlich weiß man das als Nahestehender…hier geht es um die grundehrliche George). Nach diesem Buch hätte ich auch heute noch am liebsten ein Haus mit Geheimgang, Geheimfächern und Geheimtür, um ganz ehrlich zu sein. Ach, und was arbeitet Onkel Quentin eigentlich? Es gibt da so ganz angedeutete Bezüge zur nationalen Sicherheit, man darf dann sicher die Entstehung der Geschichte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht vergessen. Schwach fand ich hier den Part, in dem George nicht geglaubt wurde, nicht nachvollziehbar aus Sicht aller, die sie kennen.

4 Sterne

  (21)
Tags: enid blyton   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die drei Musketiere: Band 1

Alexandre Dumas (der Ältere)
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei null, 12.12.2012
ISBN B00ANU7FCI
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

belletristik, familiengeheimnis

Sisters One, Two, Three

Nancy Star
E-Buch Text: 354 Seiten
Erschienen bei Lake Union Publishing, 01.01.2017
ISBN 9781503992481
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fiona limar, itzehoe, schimmelreiter, schleswig-holstei

Das Schweigen der Mörder

Fiona Limar
E-Buch Text: 332 Seiten
Erschienen bei null, 22.11.2016
ISBN B01MQNGO7B
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

enid blyton, klassische fünf freunde

Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel

Enid Blyton , Heikedine Körting , Oliver Rohrbeck , Oliver Mink
Audio CD
Erschienen bei Sony Music Entertainment
ISBN 0743211979924
Genre: Kinderbuch

Rezension:

O: Five on a Treasure Island 1942, deutsche Übersetzung seit 1953. Ich höre das Hörbuch.
Die Reihenfolge der Hörbücher ist falsch: Dieses hier ist das erste Buch der Reihe, bei den Hörbücher ist es Nummer 20 (von 21klassischen Büchern, also von Blyton selbst verfassten).

Beim ersten Mal mit diesem Hörspiel waren das noch Kassetten, der Kassettenrekorder (ohne Radio!) stand auf dem Boden zwischen einem Haufen mit Lego und wir bauten und hörten wie gebannt. Das hier war ein Geschenk an mich selbst, aus nostalgischen Gründen.

„Dick“ Richard verbringt wieder die Ferien bei seiner gleichaltrigen Cousine „George“ Georgina und deren Hund Timmy, zusammen mit seinem älteren Bruder Julian und seiner jüngeren Schwester Anne. Die Kinder rudern zur Felseninsel, die einmal George gehören soll. Ein Unwetter bringt ein versunkenes Schiff an die Oberfläche, dessen Kapitän einst ein Vorfahr von George war. An Bord finden die Kinder eine geheimnisvolle Kiste. Beim Versuch, sie zu öffnen, kommen sie Georges Vater in die Quere und können nur eine Metallbox retten. In ihr findet sich ein Hinweis auf einen verborgenen Schatz. Doch Georges Vater verkauft die Kiste und plötzlich will der Käufer auch ihre geliebte Felseninsel erwerben. Die Kinder bezweifeln, dass der Fremde dort wirklich ein Hotel eröffnen will, und gehen auf Schatzsuche. Doch sind die Fremden wirklich weit?

Wie haben wir das geliebt! Natürlich wollten wir Mädchen alle George sein, sie kann besser tauchen als Julian, umsteuert die gefährlichen Felsen auf dem Weg zur Felseninsel ohne Probleme und ist stets mutig. Ich habe immer noch alle Bücher und jetzt auch wieder die Hörspiele und die TV-Versionen, die klassischen Versionen, versteht sich (es gibt „nachgemachte“, also nicht von Enid Blyton selbst verfasste, nein danke). Enid Blyton hat bei mir die Liebe zum Lesen geweckt, die Bücher sind unzählige Male gelesen worden von mir (an meine Liebsten und alle Unbekannten, die mit zu meinen Liebsten zählen wollen: zum Geburtstag würde ich mich über Original-Bände freuen, bitte auch in der klassischen Optik. Es geht auch zu Ostern oder zum Tag der verlorenen Socke ;-). Ist das heute noch spannend für Kinder? Wen interessiert das. Ich werde es zwar der Vollständigkeit demnächst mal testen, aber wann sollten Freundschaft, Abenteuer, Hunde, eigene Inseln und eine spannende Geschichte jemals aus der Mode kommen.

Die Streaming-Datei hat die „alten“ Sprecher, also Oliver Rohrbeck, Oliver Mink, Ute Rohrbeck und Maud Ackermann (und natürlich Hund Timmy). Manko/Achtung: ich war geschockt vom Titellied. Wikipedia half: das ist die Europa-Version. Scheußlich. Ich mag die Polydor-Version https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Freunde#Musik
„Wann immer sich ein Abenteuer lohnt: / Angst und Schrecken kennen wir nicht, / denn das sind wir gewohnt. / Wo immer ein Rätsel zu lösen ist, / hoch in dem alten Schlo-oß / oder im Schmugglerne-hest. / Fünf Freunde, das sind wir: / Julian, Dick und Anne, / George und Ti-hi-mmy, der Hu-hu-hund. / Fünf Freunde, das sind wir. / Wir kommen schnell herbei, / wann immer ihr es wo-ho-hollt – / und schon sind wir da-ha-ha-ha.“

Trivia
Und bitte nicht „der einzigste der Schlossräume“ och neee. Einzig ist schon Superlativ. Und man gibt Kindern nur das halbe Frühstück, wenn sie zu spät zu selbigem erscheinen. Über Onkel Quentin heißt es: „Er hatte nie viel Liebe für die Kinder gehabt.“ Das hört man von seinem Vater doch gerne.

5 Sterne. Was sonst?


Edit: ich bin noch weiter in meine frühe Kindheit abgetaucht:

 
Im Buch lernen die Kinder einander in diesem Band kennen – anfangs ist besonders George nicht sehr begeistert vom Besuch ihrer Cousins und Cousine, unter anderem deshalb, weil sie heimlich einen Hund besitzt, Timmy. Ihr Vater hat ihn ihr verboten und befohlen, dass sie ihn weggibt. Dieser Part fehlt im Hörspiel – die Kinder müssen einander nie kennenlernen, sondern kennen sich schon längst. Timmy lebt bei George.

Von diesem Buch gibt es keine Folge in der klassischen TV-Serie von 1978 – vgl. http://fuenffreundefanpage.at/de_folge-a.htm , jedoch hat man den Beginn des Buches (wie die Kinder einander kennenlernen und den Part um den versteckten Timmy) in den Film „Fünf Freunde auf der Felseninsel“ integriert, somit fungiert diese Folge als Teil 1 der TV-Serie (korrekt als Buch ist es Teil 5).


  (21)
Tags: enid blyton, klassische fünf freunde   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

enid blyton, europa titelmelodie, fünf freund buch #1, fünf freunde, fünf freunde hörbuch #20

Fünf Freunde beim Wanderzirkus

Enid Blyton , Heikedine Körting , Oliver Rohrbeck , Oliver Mink
Audio CD
Erschienen bei Sony Music Entertainment
ISBN 0743211784924
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags: enid blyton, europa titelmelodie, fünf freund buch #1, fünf freunde, fünf freunde hörbuch #20, hörspiel, klassische folgen   (7)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Mit offenen Karten. (6877 605)

Agatha Christie

Erschienen bei SCHERZ VERLAG GMBH, 01.06.1992
ISBN 9783502506133
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

agatha christie, belgischer privatdetektiv, belletristik, cornwall, 20. jahrhundert

Nikotin

Agatha Christie , Otto Albrecht von Bebber [Übers.]
Flexibler Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.11.1978
ISBN B0026KWOG0
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mord in drei Akten (AC 16, Poirot 9) O: Three-Act Tragedy. In den USA erschienen 1934 als "Murder in Three Acts" mit leichten Abweichungen, die einzige Erzählung neben "Die Schattenhand" / "The Moving Finger", für die das gilt, siehe http://www.agathachristie.com/stories/three-act-tragedy/, dann 1935 wie eingangs genannt in Großbritannien. Deutsche Übersetzung durch Otto Albrecht van Bebber im Goldmann-Verlag, meine Goldmann-Ausgabe ist von 1985. 2012 für Fischer / bzw. für Atlantik 2016 neu übersetzt durch Henning Ahrens. Meine Ausgabe ist leider nicht gelistet, ich hänge ein Foto des Covers an.

Warum erleben einige Menschen so viel mehr als andere? Kann es sein, dass sie gewisse Aktionen anziehen? So diskutiert es eines Tages der frühere Schauspieler Sir Charles Cartwright mit seinen beiden Besuchern, dem Nervenarzt Sir Bartholomew Strange und dem Gentleman Mr Satterthwaite. Das könnte interessant werden - denn alle werden zu Sir Charles' Dinnerparty erscheinen - neben weiteren Gästen, zu denen auch gehört: Hercule Poirot, Meisterdetektiv. Und wirklich gibt es am Abend einen Toten, wenn auch ohne Anlass für Mordermittlungen. Doch Poirots Anwesenheit scheint tatsächlich gewisse Entwicklungen zu begünstigen...

Schauplätze:
Cornwall
London
Monte Carlo
Yorkshire

Personen:
Sir Charles Cartwright
Hercule Poirot
Dr. Bartholomew Strange
Lady Mary Lytton Gore und
ihre Tochter Hermione "Egg"
Captain Dacres und Ehefrau Cynthia
Muriel Wills (Anthony Astor)
Angela Sutcliffe
Oliver Manders
Butler Ellis
Miss Milray
Mr Satterthwaite

Zeitgeist:
Mrs Christie konnte hier mehrfach darauf herumreiten, wie hässlich eine der Personen ist (Miss Milray), es heißt noch eindeutig Nervenarzt, Nervenklinik. Manches Mal beschleicht mich bei der AC-Lektüre das Gefühl, mit unseren "modernen" Bezeichnungen oder dem Vermeiden bestimmter habe sich doch wenig geändert an dem, was "die Leute" sagen, "unter der Hand". Zunehmend ist das Gefühl, die Autorin spiele genau damit.
Ach, und damals konnte man sich wirklich nicht erklären, warum ein Mensch auf völlig gerader Straße die Kontrolle über sein Auto verlieren konnte - heute würde da jedes Smartphone einen Grund bieten...

Trivia:
Referenzen: auf Druck von Mr Satterthwaite gibt Poirot sein einziges berufliches Versagen zu, dargestellt in der Geschichte "Die Pralinenschachtel"/ "The Chocolate Box" aus "Poirot's Early Cases". Satterthwaite beginnt gegenüber Cartwright mit der Episode "Der Zaubertrick" / "At the Bells and Motley" aus der Sammlung "Der seltsame Mister Quin" / "The Mysterious Mr Quin".
Satterthwaite ist auch ein wesentlicher Akteur in jenen Geschichten. In einem Gespräch mit Mr. Satterthwaite im zweiten Akt, Kapitel 1 erwähnt Poirot Styles, den Schauplatz von Agatha Christies erstem Roman "The Missing Link" / "Das fehlende Glied in der Kette".
Die Handlung dieses Buches wiederum wird erwähnt in "Hercule Poirot's Christmas" durch Colonel Johnson und in "Die Morde des Herrn ABC" / "The ABC Murders" durch Poirot selbst gegenüber Hastings.

Zufällig lief die Verfilmung mit Suchet, während ich auf den ersten Seiten war. Jene mit Tony Curtis kannte ich. Beide fassen bestimmte Personen zu nur einer zusammen, sind jedoch sehr nahe am Original, wenn auch die Version mit Curtis etwas in die Moderne und an einen anderen Ort verrückt wurde (was wenig auffällt) als auch eine leichte Verschiebung des Motivs bietet (die ich sogar als recht glaubwürdig empfinde gegenüber dem ursprünglichen, das so heute wohl keines mehr böte). Ich finde beide gelungen, tatsächlich sogar einen Hauch spannender, wo ich das Buch teils als etwas zäh empfinde. Daher nur 4 Sterne.


1. The Missing Link (1920) = Das fehlende Glied in der Kette (1929). Gleichzeitig erstes AC überhaupt. https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-fehlende-Glied-in-der-Kette-142905060-w/rezension/1244913044/1244917397/

2. Murder on the Links (1923) = Mord auf dem Goldplatz D (1927) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-auf-dem-Golfplatz-142810680-w/rezension/1245744308/

Anthologie: Poirot Investigates (1924) = Poirot rechnet ab (1924)(Kurzgeschichten) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Poirot-Investigates-144867380-w/rezension/1248721044/

3. (1926) The Murder of Roger Ackroyd = Alibi  (1928)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/The-Murder-of-Roger-Ackroyd-The-Detective-Club-1246094036-w/rezension/1432047893/

chronologisch wurden dazwischen die (periodisch veröffentlichten) Kurzgeschichten aus "Poirot's Early Cases" geschrieben, sie wurden jedoch erst 1974 gemeinsam herausgebracht als genannte Anthologie. Deutsch Hercule Poirot's grösste Trümpfe - jedoch später, nur in Teilen. Siehe Wikipedia.

4. O: The Big Four(1927)/ D: Die großen Vier (1963) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-gro%C3%9Fen-Vier-142977410-w/rezension/1545133908/  

5. The Mystery of the Blue Train (1928) = Der blaue Express (1930)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-blaue-Express-142805430-w/rezension/1545411714/

Dazwischen liegen die Stücke

Alibi (1928) - so derTitel im Englischen - dem zugrunde liegt natürlich der deutsche Titel des oben genannten dritten Poirot-Romans

Black Coffee (1930) - später novellisiert durch Charles Osbourne (1998)


6. Peril at Endhouse (1932) = Das Haus an der Düne (1933) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-Haus-an-der-D%C3%BCne-Kriminalroman-Peril-at-Endhouse-Goldmann-98-Goldmann-Krimi-Rote-Krimi-344200098X-Aus-d-Engl-%C3%BCbertr-von-Otto-Albrecht-van-Bebber-1545885014-w/rezension/1545912425/


7. Lord Edgeware Dies (1933) = Dreizehn bei Tisch (1934) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Dreizehn-bei-Tisch-297993841-w/rezension/1546436580/

8. Murder on the Orient Express (1934) / Murder on the Calais Coach = Mord im Orient-Express / Die Frau im Kimono (1934) / Der rote Kimono https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-rote-Kimono-145149940-w/rezension/1546781789/


9. Three Act Tragedy US: Murder in Three Acts (1935) = Nikotin (1935) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Nikotin-142687260-w/rezension/1551091753/


10. Death in the Clouds/Death in the Air (1935) = Tod in den Wolken (1937)


11. The A.B.C. Murders (1936) = Die Morde des Herrn ABC (1937)

12. Murder in Mesopotamia (1936) = Mord in Mesopotamien (1939)
13. Cards on the Table (1936) = Mit offenen Karten (1938)
14. Death on the Nile (1937) = (Der) Tod auf dem Nil (1959)
15. Dumb Witness (1937) = Der ballspielende Hund (1938)
Anthologie Murder in the Mews (1937) = Hercule Poirot schläft nie oder Auch Pünktlichkeit kann töten (1984?)
17. Appointment with Death (1938) = Der Tod wartet/Rendezvous mit einer Leiche (1944)
18. Hercule Poirot's Christmas (1938) =  Hercule Poirots Weihnachten (1961)
19. Sad Cypress (1940) = Morphium (1943)
20.One, Two, Buckle My Shoe (1940) = Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1951)
21. Evil under the Sun (1941) = Das Böse unter der Sonne (1945)
22. Five Little Pigs (1942) = Das unvollendete Bildnis (1957)
23. The Hollow (1946) = Das Eulenhaus (1947)
24. The Labours of Hercules (1947) = Die Arbeiten des Herkules (2 Bände)
25. Taken at the Flood (1948) = Der Todeswirbel (1950)
26. Mrs. McGinty's Dead (1951) = Vier Frauen und ein Mord (1956)
27. After the Funeral (1953) = Der Wachsblumenstrauß (1954)
28. Hickory Dickory Dock (1955) = Die Kleptomanin (1958)
29. Dead Man's Folly (1956) = Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1959)
30. Cat among the Pidgeons (1959) = Die Katze im Taubenschlag (1961)
31. The Clocks (1953) = Auf doppelter Spur (1965)
32. Third Girl (1956) = Die vergessliche Mörderin (1968)
33. Hallowe'en Party (1959) = Die Schneewittchen-Party (1971)
34. Elephants Can Remember (1972) = Elefanten vergessen nicht (1973)
35. Poirot's Early Cases (1974) = Poirots erste Fälle ()

36. Curtain () = Vorhang ()

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

orientexpress, krimi, hercule poirot, agatha christie, aufklärung

Der rote Kimono

Agatha Christie , Elisabeth van Bebber [Übers.]
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 01.06.1981
ISBN B002A0CQQY
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

O: "Murder on the Orient-Express", erschienen 1. Januar 1934 (US Version: "Murder on the Calais Coach", umbenannt zur Vermeidung einer Verwechslung mit einem Buch von Graham Greene von 1932, „Stamboul Train“, das in den USA veröffentlich wurde als „Orient Express“, siehe englischsprachige Wikipedia). Mein Buch heißt „Der rote Kimono“, ein alternativer Titel, der sich weiter unten in meinem Text erklärt, und so zuerst 1934 in deutscher Sprache erschien. Ich lese das Taschenbuch von 1984 aus dem Goldmann-Verlag mit der Uhr auf dem Cover (als Referenz zu der später gefundenen). Alte Rechtschreibung, bei den Zitaten erkennbar.

„Hoffen wir, daß sie im Taurus nicht einschneien.“ S. 6 So wünscht man es dem Meisterdetektiv Hercule Poirot, als er in Aleppo, Syrien, den Taurus-Expreß besteigt, um dann nach Besuch Istanbuls in den Orient-Express wechseln zu können. Beim Aufenthalt zwischen den beiden Zugfahrten erhält er ein gutdotiertes Angebot von dem US-Amerikaner Ratchett, der nach Erhalt von Drohbriefen Schutz wünscht. Der Meisterdetektiv lehnt ab. Beide besteigen den Orient-Express im selben Wagen, es finden sich weitere Mitreisende. Bald hat Poirot eine unruhige Nacht: „Mit einem Sprung war er aus dem Bett, riß die Tür auf und schaute hinaus. Nichts! Nur zur Rechten ging eine Frau in scharlachrotem Kimono den Gang hinab.“ S. 29 Dann wird morgens Ratchett erstochen aufgefunden – da der Zug in einer Schneewehe zwischen Vincovci und Brod fest steckt, nimmt Poirot die Ermittlungen auf.

Die Handlung ist Christie/Poirot extrem: generell erhält der Leser hier „Whodunnits“, kennt die Beteiligten und kann selbst mitermitteln. Es gibt nicht den unbekannten, durchreisenden Täter. Allerdings gibt es mehrere Fälle, in denen vermeintliche Nebenpersonen sich als Täter entpuppen, gar der Ich-Erzähler oder ein vermeintliches Opfer. Hier hingegen stellt sich der Kreis der Verdächtigen aufgrund der Kammerspiel-Situation von vorneherein als geschlossen dar (o.k., nicht ganz…). Ein Zug im Schnee, keiner konnte rein, keiner kommt raus, die Türen zu den anderen Zugteilen waren nicht nutzbar.  Dazu ist der Leser quasi an der Seite von Poirot bei der Ausführung des Verbrechens dabei und entdeckt gemeinsam mit ihm so einiges an Spuren.

Vermutlich kenne ich diese Romanhandlung am besten von allen Christies, auch wegen der von mir geliebten Verfilmung mit unter anderem Ingrid Bergman, Lauren Bacall, Sean Connery, Vanessa Redgrave, Michael York und Anthony Perkins. Ich lese das Buch und sehe die Schauspieler aus dem Film vor mir, den ich als sehr werkgetreu empfinde (siehe dazu weiter unten). Nur die übliche „Konfrontation“ aller mit ihren kleinen Geheimnissen verläuft im Buch zunächst einzeln oder grüppchenweise, erst dann erfolgt der Showdown, im Gegensatz zum Film, bei dem man dieses zusammengefasst hat. Die Schauspieler sind gut, gerade Ingrid Bergman mit ihrer Darstellung als reichlich schlicht und dem Gerede über ihre „armen braunen Babys“...

Dafür ist das Buch bissiger. Da darf sich Poirot freuen: „Noch vor einer Stunde überlegte ich, wie ich mir über die Langeweile unseres erzwungenen Aufenthalts hinweghelfen könnte, und nun wird mir das herrlichste Problem beschert.“ S. 36 Übersetzt: Wie schön, jemand ist ermordet worden! Weiter: „„Mit mehr Kraft als Ritterlichkeit brachte der Direktor die ohnmächtige Dame auf einem Stuhl unter…“ S. 116

Andere Gedanken bringt: „Auch Poirot wußte über Mrs. Hubbards Tochter schon hinlänglich Bescheid, und mit ihm jedermann im Zug, der einigermaßen die englische Sprache verstand! Daß sie und ihr Gatte zu dem Lehrerkollegium einer großen amerikanischen Schule in Smyrna gehörten und daß dies Mrs. Hubbards erster Aufenthalt im Orient gewesen war, und was sie von den Türken und ihrer schlampigen Art hielt und von dem hanebüchenen Zustand ihrer Straßen.“ S. 24 Bevor jemand sich auf die Zehen getreten fühlt: nicht Agatha Christie übt hier Kritik, sondern Mrs Hubbard. Es gibt einiges, was man der Autorin anlastet (ich bin da noch unentschlossen), unter anderem einen gewissen Nationalchauvinismus: in diesem Buch spielt sie munter mit den Vorurteilen jeder Art. Die US-Amerikaner ziehen über die Briten her und umgekehrt, der belgische Bekannte von Poirot wähnt den italienischstämmigen US-Amerikaner natürlich bei der Mafia und so fort. Im Prinzip findet wohl die meisten von Christies Lesern etwas, dem sie heimlich zustimmen und in die komfortable Situation geraten, es nicht selbst sagen zu müssen…während ich den Eindruck gewann, dass die Autorin einen Heidenspaß dabei gehabt zu haben schien. Herrlich unterhaltsam statt humorfreier Political Correctness (ja, ich weiß, es gibt auch andere Textstellen in anderen Büchern, die mindestens fraglich sind).


Trivia
Poirot spricht deutsch! Zumindest steht das so in meiner deutschen Ausgabe, er führt dort das Verhör mit der Zofe der Prinzessin in deutscher Sprache S. 107.
Das Buch spielt eindeutig an auf die Entführung des Lindbergh-Babys

Zum Film von 1974:
der Freund Poirots bei der Eisenbahngesellschaft hat im Film einen anderen Namen, eher ein Italiener statt eines Belgiers. Martin Balsam spielt diesen Signor Bianchi statt M. Bouc aus dem Buch
Der Diener wird im Film gespielt von John Gielgud und heißt Mr. Beddoes statt Masterman. Mehr dazu https://de.wikipedia.org/wiki/Mord_im_Orient-Expre%C3%9F_(1974)
Der Film ist wirklich toll!!

Zeitgeist
Wieder finde ich gehäuft Ausdrücke, die ich noch nie (mindestens in dieser Nutzung) gehört habe – oder seeeehr lange nicht mehr:
„Nimm ein Heftchen mit Abonnementskarten für das Essen; dann hast du keine Weiterungen.“ S. 21 Weiterungen?
S. 27 „Babuschen“ Puschen?
S. 47 „schnurrig“ ich LIEBE dieses Wort schon lange.
S. 53 „Nun können wir ungesäumt mit dem Verhör beginnen.“ Ähnlich wird ungesäumt auf S. 148 genutzt, es erschließt sich aus der gemeinsamen Wortherkunft mit versäumen bzw. aus dem Gegensatz dazu.
„Und der andere willfahrte seinem Wunsch.“ S. 97 willfahren?
S. 97 „gutsagen“ anscheinend statt bürgen
S. 123 „revidieren“ für durchsuchen – wir kennen den Revisor in Banken.
…von der schieren Anzahl dieser Begriffe her ist das wohl der bisher „altmodischste“ Poirot, dennoch wirkt der Text auch mich frisch, charmant.
Kognak hilft gegen Mrs. Hubbards Ohnmacht S. 116.
S. 123 ein Fehler – einmal steht Mrs. Hardman statt Mr. Hardman.
S. 151 ein Fehler – die achte Tochter statt die echte Tochter
S. 170 man kann am Bett einen Uhrhaken – für die Taschenuhr

Bleibt nur die Frage, warum JEDER aus dem Kreis der Verdächtigen anscheinend ehrlich erschrickt, wenn bei ihnen etwas gefunden wird (Hildegarde und der Inhalt ihres Koffers, Mrs Hubbard und ihr Schwammbeutel) sowie die Frage, wie realistisch ein von den anderen Waggons abgeschirmter Waggon ist. Nun ja.

6 Sterne. Immer und immer und immer wieder.


1. The Missing Link (1920) = Das fehlende Glied in der Kette (1929). Gleichzeitig erstes AC überhaupt. https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-fehlende-Glied-in-der-Kette-142905060-w/rezension/1244913044/1244917397/

2. Murder on the Links (1923) = Mord auf dem Goldplatz D (1927) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-auf-dem-Golfplatz-142810680-w/rezension/1245744308/

Anthologie: Poirot Investigates (1924) = Poirot rechnet ab (1924)(Kurzgeschichten) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Poirot-Investigates-144867380-w/rezension/1248721044/

3. (1926) The Murder of Roger Ackroyd = Alibi  (1928)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/The-Murder-of-Roger-Ackroyd-The-Detective-Club-1246094036-w/rezension/1432047893/

chronologisch wurden dazwischen die (periodisch veröffentlichten) Kurzgeschichten aus "Poirot's Early Cases" geschrieben, sie wurden jedoch erst 1974 gemeinsam herausgebracht als genannte Anthologie. Deutsch Hercule Poirot's grösste Trümpfe - jedoch später, nur in Teilen. Siehe Wikipedia.

4. O: The Big Four(1927)/ D: Die großen Vier (1963) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-gro%C3%9Fen-Vier-142977410-w/rezension/1545133908/  

5. The Mystery of the Blue Train (1928) = Der blaue Express (1930)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-blaue-Express-142805430-w/rezension/1545411714/

Dazwischen liegen die Stücke

Alibi (1928) - so derTitel im Englischen - dem zugrunde liegt natürlich der deutsche Titel des oben genannten dritten Poirot-Romans

Black Coffee (1930) - später novellisiert durch Charles Osbourne (1998)


6. Peril at Endhouse (1932) = Das Haus an der Düne (1933) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-Haus-an-der-D%C3%BCne-Kriminalroman-Peril-at-Endhouse-Goldmann-98-Goldmann-Krimi-Rote-Krimi-344200098X-Aus-d-Engl-%C3%BCbertr-von-Otto-Albrecht-van-Bebber-1545885014-w/rezension/1545912425/


7. Lord Edgeware Dies (1933) = Dreizehn bei Tisch (1934) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Dreizehn-bei-Tisch-297993841-w/rezension/1546436580/

8. Murder on the Orient Express (1934) / Murder on the Calais Coach = Mord im Orient-Express / Die Frau im Kimono (1934) / Der rote Kimono https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-rote-Kimono-145149940-w/rezension/1546781789/


9. Three Act Tragedy US: Murder in Three Acts (1935) = Nikotin (1935) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Nikotin-142687260-w/rezension/1551091753/


10. Death in the Clouds/Death in the Air (1935) = Tod in den Wolken (1937)


11. The A.B.C. Murders (1936) = Die Morde des Herrn ABC (1937)

12. Murder in Mesopotamia (1936) = Mord in Mesopotamien (1939)
13. Cards on the Table (1936) = Mit offenen Karten (1938)
14. Death on the Nile (1937) = (Der) Tod auf dem Nil (1959)
15. Dumb Witness (1937) = Der ballspielende Hund (1938)
Anthologie Murder in the Mews (1937) = Hercule Poirot schläft nie oder Auch Pünktlichkeit kann töten (1984?)
17. Appointment with Death (1938) = Der Tod wartet/Rendezvous mit einer Leiche (1944)
18. Hercule Poirot's Christmas (1938) =  Hercule Poirots Weihnachten (1961)
19. Sad Cypress (1940) = Morphium (1943)
20.One, Two, Buckle My Shoe (1940) = Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1951)
21. Evil under the Sun (1941) = Das Böse unter der Sonne (1945)
22. Five Little Pigs (1942) = Das unvollendete Bildnis (1957)
23. The Hollow (1946) = Das Eulenhaus (1947)
24. The Labours of Hercules (1947) = Die Arbeiten des Herkules (2 Bände)
25. Taken at the Flood (1948) = Der Todeswirbel (1950)
26. Mrs. McGinty's Dead (1951) = Vier Frauen und ein Mord (1956)
27. After the Funeral (1953) = Der Wachsblumenstrauß (1954)
28. Hickory Dickory Dock (1955) = Die Kleptomanin (1958)
29. Dead Man's Folly (1956) = Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1959)
30. Cat among the Pidgeons (1959) = Die Katze im Taubenschlag (1961)
31. The Clocks (1953) = Auf doppelter Spur (1965)
32. Third Girl (1956) = Die vergessliche Mörderin (1968)
33. Hallowe'en Party (1959) = Die Schneewittchen-Party (1971)
34. Elephants Can Remember (1972) = Elefanten vergessen nicht (1973)
35. Poirot's Early Cases (1974) = Poirots erste Fälle ()

36. Curtain () = Vorhang ()

  (9)
Tags: hercule poirot   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

agatha christie, belgischer privatdetektiv, belletristik, berühmte schauspielerin, 20. jahrhundert

Dreizehn bei Tisch

Agatha Christie , Otto Albrecht van Bebber [Übers.]
Flexibler Einband: 185 Seiten
Erschienen bei München: Goldmann, 01.09.1982
ISBN B00246TU6I
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

O: Lord Edgeware Dies 1933. Meine Version ist von 1986 bei Goldmann, übersetzt von Dr. Otto Albrecht van Bebber, schon für die deutsche Erstausgabe von 1934. von 2015 gibt es eine Neuübersetzung von Giovanni und Ditte Bandini für den Hamburger Atlantik-Verlag. Im Buch erscheint Poirot zum siebten Male, Hastings zum fünften, Inspektor Japp zum vierten Male.

Bei einem Theaterbesuch erleben Poirot und sein treuer Hastings Parodien der Schauspielerin Carlotta Adams. Im Verlaufe des folgenden geselligen Beisammenseins verkündet eine andere bekannte Schauspielerin, Jane Wilkinson:  „M. Poirot, auf die eine oder andere Weise muß ich meinen Gatten loswerden!“ S. 12 Ihr Gatte ist Lord Edgeware. Und Lord Edgeware wird tatsächlich ermordet. Fortan gilt es einen Wust an Zusammenhängen, Verwechslungen, zufälligen Kommentaren und Hintergründen zu durchwaten, um den wahren Täter aufzuspüren.

Ich habe das Buch zum letzten Male vor sehr langer Zeit gelesen und konnte mich kaum erinnern. Jetzt ist mir gerade fast schwindelig aufgrund der rasanten Lösung und Lösungssuche. Wenn ich mich nicht irgendwo habe geschickt von Agatha Christie einwickeln lassen, passt die Lösung – mir passt jedoch nicht die angeblich zwingende Logik einiger von Hercule Poirot geäußerter Zusammenhänge (ich sage nur Goldzahn und weltweite Gebräuche – der sollte sich einige Regionen Osteuropas ansehen). Dazu waren einige Zufälle zwingend erforderlich für den Erfolg des Mordplans: Das Döschen durfte nicht entdeckt worden sein bis nach dem zweiten Mord und das Gift durfte nicht auf dem Weg vom Hotel nach Hause wirken, sondern erst dort (keine Sorge: das versteht erst, wer das GANZE Buch gelesen hat). Direkt: es ist ein wenig konstruiert in der Herleitung, dazu einige Zufälle von parallelen Handlungen.


Trivia
„Ein guter Titel übrigens: Lord Edgeware stirbt. Würde sich fabelhaft auf einem Bücherstand machen.“ S. 88 So äußert es hier einer der Protagonisten – was für einen Schalk im Nacken die Autorin hatte! So lautet ja dann auch der Originaltitel – der in Deutschland verwendete Titel geht zurück auf eine Gesellschaft, die im Buch beschrieben wird.

Laut Wikipedia heißt Martin Bryan im Original Bryan Martin. Sinn? Keiner. Geschickt wurde hingegen die fehlende Ecke umgesetzt – das würde hier jedoch spoilern. Wer interessiert ist, lese NACH dem Buch bitte hier https://de.wikipedia.org/wiki/Dreizehn_bei_Tisch#Handlung

Poirot liegt lange falsch, doch das hindert ihn nicht an Bemerkungen wie: „Sie, Hastings, kommen diesem hundertprozentig normalen Menschen jedenfalls so nahe wie möglich. Sie haben glänzende Momente, in denen Sie sich über den Durchschnitt erheben, und wiederum solche, in denen Sie – ich hoffe, Sie verzeihen mir! – in merkwürdige Tiefen der Stumpfheit und Blödheit hinabsteigen; doch alles in allem sind sie erstaunlich normal.“ S. 96 sowie „Im übrigen könnten sie genausoviel wissen wie ich, wenn sie den Verstand, den Ihnen der liebe Gott mitgegeben hat, gebrauchen würden. Manchmal freilich, mein guter Hastings, bin ich versucht zu glauben, daß er Sie aus Versehen bei der Verteilung überging…“S. 112 Also, ich persönlich würde ja auf solche Freunde verzichten – an Hastings Stelle.

Hastings ist verheiratet und lebt mit seiner Frau auf der gemeinsamen Ranch in Südamerika – aber ist immer wieder ziemlich lange bei Poirot in London, anscheinend nicht unbedingt aus geschäftlichen Gründen. Ich fände das nicht so toll, wäre ich Mrs. Hastings.

Es gibt einige Referenzen zu anderen Werken:
Es wird des Elisabeth-Canning-Falls erinnert in Kapitel 7, S. 50. Wikipedia vermutet einen Hinweis auf „Murder on the Links“ von 1923, deutsch „Mord auf dem Golfplatz“; wobei die Maße des Hinweises nicht stimmen – hier 4 Fuß, dort nur 2 Fuß Länge.
Ein Verweis folgt auf einen Fall mit Lady Yardly S. 121
Da untersucht Poirot das Verschwinden der Stiefel eines Diplomaten – ein Kokainschmuggel S. 153 – laut Wikipedia identisch mit einem Fall von Tommy und Tuppence in „Partners in Crime“ von 1929, deutsch „Die Büchse der Pandora“. Die Haarfarbe der Täterin stimmt nicht überein.


Zeitgeist
Schwer verwirrt las ich dieses hier als zweites: „Sie war ein ausgeglichenes junges Mädchen mit einer angenehm weichen Stimme. …Ein vornehmer Charme umgab sie. Ihr fehlte vollkommen jedwede mißtönende, unangenehme oder kreischende Note. Wie ein menschgewordener sanfter Gleichklang erschien sie mir mit ihrem dunklen Haar, den ziemlich farblosen blauen Augen, dem blassen Gesicht und dem beweglichen, empfindsamen Mund. Ein Gesicht, das einem gefiel… S. 17, die schwärmerische Beschreibung von Carlotta Adams durch Hastings. Ich nenne das positiv.
Und zuvor hatte die Autorin ihren beiden Protagonisten folgendes in den Mund gelegt. Poirot: „Aber was Ihre Frage betrifft, so glaube ich,  daß Miss Adams Erfolg beschieden sein wird. Sie ist schlau und noch etwas mehr.  Zweifellos haben Sie bemerkt, daß sie Jüdin ist?“
Bisher hatte ich es zwar nicht bemerkt, aber nun, da mein Freund es erwähnte, sah auch ich die schwachen Spuren semitischer Vorfahren.
„Und da wir von Gefahren sprechen, so könnte für sie die Liebe zum Geld gefährlich werden. Liebe zum Geld lenkt solche einen Menschen oft vom klugen und vorsichtigen Pfad ab.“ S. 9f
Nun, es gibt in der Literatur über sie durchaus auch den Hinweis auf (mindestens) die Möglichkeit antisemitischer Strömungen. MEINE Lieblingsautorin? Ja, es gibt einen Passus wie den zweiten erwähnten (der zuerst im Buch auftaucht). Es gibt aber auch die Beschreibung der jungen Frau aus der Sicht von Hastings, die sehr positiv ist. Einfach nur Zeitgeist, eine damals übliche Bemerkung, wie das auch im Buch oft kolportierte Misstrauen gegenüber allem „Unenglischen“, Ausländern, sehr gepflegten Männern, Linken? Ich lasse das an dieser Stelle im Raum stehen.

Der Begleiter von Carlotta  - verwechselt Hastings: „Wenn wir eine Horde Chinesen wären, würden wir uns gegenseitig überhaupt nicht mehr erkennen.“ S.  18 und weiter, der gleiche „Jedenfalls bin ich kein verflixter Nigger!“ S. 19

Da gibt es einen Butler, schön wie ein griechischer Gott und mit weicher weiblicher Stimme – Hastings misstraut ihm. Später wird über den Butler berichtet „Scheint in ein paar der anrüchigsten Nachtclubs verkehrt zu haben – nicht etwa die landläufigen Lokale dieser Art. Nein, etwas viel Widerlicheres und Schmutzigeres, und deshalb von einer gewissen Menschengattung sehr gesucht.“ S. 108 Ich frage mich, ob das 1933 die Umschreibung für ein Bordell oder eine Schwulenbar sein sollte (nein, ich erkenne hier keine Homophobie bei Christie, eindeutig nur bei der Polizei und bei Hastings – und der lebt immerhin immer wieder mit Poirot zusammen, auch darüber ist irgendwo etwas geschrieben worden…)

Ausdrücke, die mich belustigten waren S. 53 „Heutigentags“ und „schwergehalten“ in S. 114 „Es hat schwergehalten“, sagte er, „aber etwas sind wir doch vorwärtsgekommen.“ sowie S. 120 altfränkisch – das hatte ich lange nicht mehr gehört. Dazu scheint mit einer „Droschke“ ein Taxi gemeint zu sein (man klopft an die Scheibe und der Droschkenkutscher hält das Taxi an S. 126).


Also: deutliche Schwächen, einige sprachliche Griffe deutlich daneben - ich verstand auch zunehmend nicht, was Hastings an Poirots Seite hielt.
Unterhaltsam. 3 ½ Sterne, aufgerundet (aber sehr wohlwollend).


1. The Missing Link (1920) = Das fehlende Glied in der Kette (1929). Gleichzeitig erstes AC überhaupt. https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-fehlende-Glied-in-der-Kette-142905060-w/rezension/1244913044/1244917397/

2. Murder on the Links (1923) = Mord auf dem Goldplatz D (1927) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-auf-dem-Golfplatz-142810680-w/rezension/1245744308/

Anthologie: Poirot Investigates (1924) = Poirot rechnet ab (1924)(Kurzgeschichten) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Poirot-Investigates-144867380-w/rezension/1248721044/

3. (1926) The Murder of Roger Ackroyd = Alibi  (1928)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/The-Murder-of-Roger-Ackroyd-The-Detective-Club-1246094036-w/rezension/1432047893/

chronologisch wurden dazwischen die (periodisch veröffentlichten) Kurzgeschichten aus "Poirot's Early Cases" geschrieben, sie wurden jedoch erst 1974 gemeinsam herausgebracht als genannte Anthologie. Deutsch Hercule Poirot's grösste Trümpfe - jedoch später, nur in Teilen. Siehe Wikipedia.

4. O: The Big Four(1927)/ D: Die großen Vier (1963) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-gro%C3%9Fen-Vier-142977410-w/rezension/1545133908/  

5. The Mystery of the Blue Train (1928) = Der blaue Express (1930)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-blaue-Express-142805430-w/rezension/1545411714/

Dazwischen liegen die Stücke

Alibi (1928) - so derTitel im Englischen - dem zugrunde liegt natürlich der deutsche Titel des oben genannten dritten Poirot-Romans

Black Coffee (1930) - später novellisiert durch Charles Osbourne (1998)


6. Peril at Endhouse (1932) = Das Haus an der Düne (1933) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-Haus-an-der-D%C3%BCne-Kriminalroman-Peril-at-Endhouse-Goldmann-98-Goldmann-Krimi-Rote-Krimi-344200098X-Aus-d-Engl-%C3%BCbertr-von-Otto-Albrecht-van-Bebber-1545885014-w/rezension/1545912425/


7. Lord Edgeware Dies (1933) = Dreizehn bei Tisch (1934) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Dreizehn-bei-Tisch-297993841-w/rezension/1546436580/

8. Murder on the Orient Express (1934) / Murder on the Calais Coach = Mord im Orient-Express / Die Frau im Kimono (1934) / Der rote Kimono https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-rote-Kimono-145149940-w/rezension/1546781789/


9. Three Act Tragedy US: Murder in Three Acts (1935) = Nikotin (1935) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Nikotin-142687260-w/rezension/1551091753/


10. Death in the Clouds/Death in the Air (1935) = Tod in den Wolken (1937)


11. The A.B.C. Murders (1936) = Die Morde des Herrn ABC (1937)

12. Murder in Mesopotamia (1936) = Mord in Mesopotamien (1939)
13. Cards on the Table (1936) = Mit offenen Karten (1938)
14. Death on the Nile (1937) = (Der) Tod auf dem Nil (1959)
15. Dumb Witness (1937) = Der ballspielende Hund (1938)
Anthologie Murder in the Mews (1937) = Hercule Poirot schläft nie oder Auch Pünktlichkeit kann töten (1984?)
17. Appointment with Death (1938) = Der Tod wartet/Rendezvous mit einer Leiche (1944)
18. Hercule Poirot's Christmas (1938) =  Hercule Poirots Weihnachten (1961)
19. Sad Cypress (1940) = Morphium (1943)
20.One, Two, Buckle My Shoe (1940) = Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1951)
21. Evil under the Sun (1941) = Das Böse unter der Sonne (1945)
22. Five Little Pigs (1942) = Das unvollendete Bildnis (1957)
23. The Hollow (1946) = Das Eulenhaus (1947)
24. The Labours of Hercules (1947) = Die Arbeiten des Herkules (2 Bände)
25. Taken at the Flood (1948) = Der Todeswirbel (1950)
26. Mrs. McGinty's Dead (1951) = Vier Frauen und ein Mord (1956)
27. After the Funeral (1953) = Der Wachsblumenstrauß (1954)
28. Hickory Dickory Dock (1955) = Die Kleptomanin (1958)
29. Dead Man's Folly (1956) = Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1959)
30. Cat among the Pidgeons (1959) = Die Katze im Taubenschlag (1961)
31. The Clocks (1953) = Auf doppelter Spur (1965)
32. Third Girl (1956) = Die vergessliche Mörderin (1968)
33. Hallowe'en Party (1959) = Die Schneewittchen-Party (1971)
34. Elephants Can Remember (1972) = Elefanten vergessen nicht (1973)
35. Poirot's Early Cases (1974) = Poirots erste Fälle ()

Curtian () = Vorhang ()

  (10)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Evil Under the Sun

Agatha Christie
Fester Einband: 48 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 04.07.2013
ISBN B01LPDZ582
Genre: Comics

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

29 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

Moonglow

Michael Chabon , Andrea Fischer
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2018
ISBN 9783462050745
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hastings, hercule poirot, japp, st. loo
Rezension:

O: Peril at Endhouse von 1932, der zwölfte Roman von Agatha Christie, der sechste Poirot, der dritte mit Japp, der vierte mit Hastings. Meine deutsche Ausgabe ist von 1985, aus dem Englischen übertragen von Dr. Otto Albrecht van Bebber, bei Goldmann. 2003 gab es noch eine Neuübersetzung durch Monika von Gripenberg bei Fischer.

St. Loo, an der Küste Cornwalls, im Hotel Majestic. Hercule Poirot und Hastings sind zur Erholung vor Ort und lernen die junge Nick Buckley kennen. Doch eine Kugel auf dem Boden und ein Loch im Hut der jungen Frau bedeuten nichts Gutes – als Nick berichtet, bereits weitere drei beinahe tödliche Unfälle erlebt zu haben, ist es mit dem Urlaub für den Meisterdetektiv vorbei. Doch sein Problem ist nicht nur die unbekümmerte Sorglosigkeit der Frau, auch fehlt anscheinend jedes Motiv. Dafür hat er bald im Umfeld seiner unfreiwilligen Mandantin gut zwei Handvoll möglicher Verdächtiger (netterweise hat mein Buch zu Beginn eine Liste aller relevanten Personen).

Weshalb erzählt Frederica „Freddie“ Rice, ihre Freundin Nick würde lügen? Warum behauptet Charles Vyse, Nicks Cousin und Anwalt, der Brief mit ihrem Testament wäre nie bei ihm eingetroffen? Wozu wollte der Kunsthändler Jim Lazarus ein wortvolles Bild für gutes Geld kaufen? In was mischt sich der Mieter Bert Croft ein – und warum? Warum tragen Nick und Freddie die gleiche Uhr? Hier hat mehr als eine Person etwas zu verbergen. Nun, der letzte Satz im Buch gebührt Poirot „Jetzt weiß ich alles.“ S. 191

Wenn der Leser hier angekommen ist, weiß nicht nur auch er oder sie alles, das Buch ist auch eine äußerst unterhaltsame Lektüre für mich gewesen – Ermittlungen, bei denen es zunächst einmal darum geht, gerade KEIN Mordopfer zu haben, kein erkennbares Motiv. Wieder wird die Geschichte vom Ich-Erzähler Hastings dargeboten, der sich wie üblich oft selbst im Weg steht mit seiner Rechtschaffenheit, aber gelegentlich als „blindes Huhn, das auch ein Korn findet“ zufällig in die richtige Richtung deutet. Den Wink konnte dann auch ich verstehen, allerdings so spät, dass ich vorher arg im Dunkeln tappte – der klassische „Whodunnit“, ohne grauslige Szenen, wenn auch mit einer stattlichen Auswahl an Mord(versuchs)waffen.

Trivia
Der Diener von Poirot heißt hier Georges (z.B. S. 6), nicht George wie im vorangehenden Buch. Damit wäre er eher frankophon, kein Brite.
Intertextualität:
Poirot und Hastings siezen einander wieder in der deutschen Übersetzung, nach dem „Ausrutscher“ im letzten Poirot, „Der blaue Express“. Zu Beginn wird auf diese Ereignisse Bezug genommen, es sei im letzten Winter gewesen.
Hastings weist darauf auf Poirots Liebe zu Ordnung und Symmetrie hin – er habe durch das Zurechtrücken von Nippsachen auf einem Kaminsims schon einen Fall gelöst (14. Kapitel, S 118 – s. „Das fehlende Glied in der Kette“ / The Mysterious Affair at Styles“
mit Hilfe von Wikipedia zum Buch:
Poirot erinnent in Anwesenheit von Commander Challenger an den Fall „Die Pralinenschachtel“ aus „Poirot’s Early Cases“ (Kapitel 15, S. 131)
Inspector Japp spielt an auf Alibi / The Murder of Roger Ackroyd, als er Poirot damit aufzieht, dass dieser sich doch schon einmal zum Züchten von Kürbissen zurückgezogen hätte, statt weiter Mordfälle aufzuklären (Kapitel 16)
Ich zitiere weiter Wikipedia:
• Das im Roman beschriebene Hotel hat sein reales Vorbild nicht in Cornwall, sondern in Devon. Es ist das Imperial Hotel in Torquay.
• In Kapitel 7 sprechen die Personen über eine Fliegerin, die nach Australien geflogen ist. Damit ist Amy Johnson gemeint, die vom 5. bis zum 24. Mai 1930 den ersten Soloflug einer Frau von England nach Australien vollbrachte.

Zeitgeist
Mich irritierte an einigen Stellen die Wortwahl: „Durch lange Bekanntschaft gewitzigt, mißtraute ich seinen Komplimenten.“ S. 5 Gewitzigt? Poirot bezeichnet Nick als „Flederwisch“ S. 113 – nie gehört vorher, ehrlich. https://de.wikipedia.org/wiki/Flederwisch
Wiederum werden Damen (nicht das Personal) in besonderer Art und Weise geschont, dieses spezielle Ehrenverständnis irritiert mich  eher. Gar nicht nachvollziehen kann ich hingegen die gleiche Rücksicht gegenüber dem Lieferanten des Nachschubs am Ende (ja, kryptisch, spoilert sonst). Niemand beschäftigt Personal, das gebildet ist, engagiert, hübsch,…

Dann besorge ich mir jetzt ein Packung Cailler-Schokolade, ohne Füllung, und vergebe vorher sehr gerne
5 Sterne.


1. The Missing Link (1920) = Das fehlende Glied in der Kette (1929). Gleichzeitig erstes AC überhaupt. https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-fehlende-Glied-in-der-Kette-142905060-w/rezension/1244913044/1244917397/

2. Murder on the Links (1923) = Mord auf dem Goldplatz D (1927) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-auf-dem-Golfplatz-142810680-w/rezension/1245744308/

Anthologie: Poirot Investigates (1924) = Poirot rechnet ab (1924)(Kurzgeschichten) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Poirot-Investigates-144867380-w/rezension/1248721044/

3. (1926) The Murder of Roger Ackroyd = Alibi  (1928)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/The-Murder-of-Roger-Ackroyd-The-Detective-Club-1246094036-w/rezension/1432047893/

chronologisch wurden dazwischen die (periodisch veröffentlichten) Kurzgeschichten aus "Poirot's Early Cases" geschrieben, sie wurden jedoch erst 1974 gemeinsam herausgebracht als genannte Anthologie. Deutsch Hercule Poirot's grösste Trümpfe - jedoch später, nur in Teilen. Siehe Wikipedia.

4. O: The Big Four(1927)/ D: Die großen Vier (1963) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-gro%C3%9Fen-Vier-142977410-w/rezension/1545133908/  

5. The Mystery of the Blue Train (1928) = Der blaue Express (1930)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-blaue-Express-142805430-w/rezension/1545411714/

Dazwischen liegen die Stücke

Alibi (1928) - so derTitel im Englischen - dem zugrunde liegt natürlich der deutsche Titel des oben genannten dritten Poirot-Romans

Black Coffee (1930) - später novellisiert durch Charles Osbourne (1998)


6. Peril at Endhouse (1932) = Das Haus an der Düne (1933) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-Haus-an-der-D%C3%BCne-Kriminalroman-Peril-at-Endhouse-Goldmann-98-Goldmann-Krimi-Rote-Krimi-344200098X-Aus-d-Engl-%C3%BCbertr-von-Otto-Albrecht-van-Bebber-1545885014-w/rezension/1545912425/


7. Lord Edgeware Dies (1933) = Dreizehn bei Tisch (1934) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Dreizehn-bei-Tisch-297993841-w/rezension/1546436580/

8. Murder on the Orient Express (1934) / Murder on the Calais Coach = Mord im Orient-Express / Die Frau im Kimono (1934) / Der rote Kimono https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-rote-Kimono-145149940-w/rezension/1546781789/


9. Three Act Tragedy US: Murder in Three Acts (1935) = Nikotin (1935) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Nikotin-142687260-w/rezension/1551091753/


10. Death in the Clouds/Death in the Air (1935) = Tod in den Wolken (1937)


11. The A.B.C. Murders (1936) = Die Morde des Herrn ABC (1937)

12. Murder in Mesopotamia (1936) = Mord in Mesopotamien (1939)
13. Cards on the Table (1936) = Mit offenen Karten (1938)
14. Death on the Nile (1937) = (Der) Tod auf dem Nil (1959)
15. Dumb Witness (1937) = Der ballspielende Hund (1938)
Anthologie Murder in the Mews (1937) = Hercule Poirot schläft nie oder Auch Pünktlichkeit kann töten (1984?)
17. Appointment with Death (1938) = Der Tod wartet/Rendezvous mit einer Leiche (1944)
18. Hercule Poirot's Christmas (1938) =  Hercule Poirots Weihnachten (1961)
19. Sad Cypress (1940) = Morphium (1943)
20.One, Two, Buckle My Shoe (1940) = Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1951)
21. Evil under the Sun (1941) = Das Böse unter der Sonne (1945)
22. Five Little Pigs (1942) = Das unvollendete Bildnis (1957)
23. The Hollow (1946) = Das Eulenhaus (1947)
24. The Labours of Hercules (1947) = Die Arbeiten des Herkules (2 Bände)
25. Taken at the Flood (1948) = Der Todeswirbel (1950)
26. Mrs. McGinty's Dead (1951) = Vier Frauen und ein Mord (1956)
27. After the Funeral (1953) = Der Wachsblumenstrauß (1954)
28. Hickory Dickory Dock (1955) = Die Kleptomanin (1958)
29. Dead Man's Folly (1956) = Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1959)
30. Cat among the Pidgeons (1959) = Die Katze im Taubenschlag (1961)
31. The Clocks (1953) = Auf doppelter Spur (1965)
32. Third Girl (1956) = Die vergessliche Mörderin (1968)
33. Hallowe'en Party (1959) = Die Schneewittchen-Party (1971)
34. Elephants Can Remember (1972) = Elefanten vergessen nicht (1973)
35. Poirot's Early Cases (1974) = Poirots erste Fälle ()

36. Curtain () = Vorhang ()

  (12)
Tags: hastings, hercule poirot, japp, st. loo   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

22 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

überfischung, ökothriller, fischerei, hörbuch, meer

Das Meer

Wolfram Fleischhauer , Johannes Steck
Audio CD
Erschienen bei Argon, 01.03.2018
ISBN 9783839816226
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Teresa wacht auf. Sie ist gefesselt, kann sich nur undeutlich erinnern. Sie ist auf einem Schiff. Was ist geschehen? Teresa ist als Fischereibeobachterin auf den Weltmeeren unterwegs; ein undankbarer Job, der ihr ein Herzensanliegen ist, aber auf wenig Gegenliebe bei den Fischern stößt. Autor Wolfram Fleischhauer verbindet ihre Geschichte mit der von Johann „John“ Render, ihrem Lebensgefährten und EU-Funktionär sowie der von Ragna und Antonio Di Melo, Vater und Tochter. Er ist ein Karrierist auf der internationalen Bühne, spezialisiert auf Fischerei, sie ist Umweltaktivistin zum Schutz der Meere. Beide haben sich entfremdet – und mit den falschen Leuten eingelassen. Einige davon sind wohl die Buzuals, Vater und Sohn, sowie der Thailänder Subatra – große Nummern in der Fischereiindustrie. Und dann ist da noch Adrian, Ragnas Jugendliebe, Dolmetscher, er erzählt, wie die Geschichte aller zusammengeführt wurde.

„Von zwei Dingen sollte man nie wissen wollen, wie sie gemacht werden: Politik und Würste.“ So lautet der Spruch, der im Büro von John Render hängt. Er bildet die Fischereibeobachter aus, sieht die Gefährdung der Meere und ist doch meist ernüchtert ob der wenigen Möglichkeiten, die den offiziellen Stellen bleiben. „Manche Arten schaffen es nicht einmal mehr, den Nachwuchs bis zur normalen Geschlechtsreife durchzubringen, weil wir überall zu früh abfischen.“ Bei den Zitaten hat mir Google geholfen, denn ich habe das Hörbuch genossen – die Sprache ist plastisch, Fleischhauer schafft es, die Situation gut darzustellen und dem Leser/Hörer nahezubringen. Überfischung, illegales Fischen geschützter Arten und deren Umetikettierung, Beifang, Müllberge im Meer. Neu waren mir Quasi-Sklavenarbeit auf einigen Trawlern, Gewalt gegen die völlig ungeschützten und oft rechtlosen Fischereibeobachter, Bergbau auf dem Meeresboden. Und das Ende empfand ich als sehr zum Tenor des Textes passend.

Die Handlung ist spannend, gerade dadurch, dass regelmäßig die Perspektiven wechseln zwischen den oben genannten Protagonisten und weiteren. Lange weiß man nicht, wer auf wessen Seite steht und wie mit wem zusammenhängt. Dazu macht der Autor eindeutig klar, dass es um Geld geht, viel Geld, durch eine Steigerung der Ausbeute ohne Rücksicht auf Verlust, sei es bezüglich des Ökosystems Meer, der Fische, bei denen der extrem hohe Beifang von 80 Prozent gleich wieder entsorgt wird, noch in Bezug auf Menschenleben. Die drastische Handlung der Aktivisten wird bestimmt nicht beschönigt, jedoch wird der Leser allein durch die Fakten zum Umgang mit dem Meer definitiv vor die Frage gestellt, welche Lösungen er bitte als Alternative vorschlagen würde. Da ist keine Öko-Romantik, die nächsten Beispiele zur Plünderung, ohne an ein Morgen zu denken, folgen – sei es Sand, Müll, Bananen. Der Ton ist sachlich, nüchtern, plastisch, aber auch mit einem zynischen Humor (herrlich der EU-Funktionär, der seine Bananen erst nach einem Blick in seine Kontrollliste verspeisen möchte). Das Hörbuch wurde gelesen von Johannes Steck, den ich als sehr angenehm empfand – er interpretiert allerdings weniger jede wörtliche Rede mit einer anderen Stimmlage, wer darauf Wert legt, die einzelnen Personen konnte ich dennoch jederzeit unterscheiden.

was störte? Nun, das alles kam als Hörbuch gut rüber, jedoch hätte ich mir für die vielen genutzten Abkürzungen im EU- und Rechte-Dschungel ebenso eine Liste gewünscht wie für die wichtigsten Namen auf der sehr schön gestalteten Hülle (hörend bekommt man die einfach nicht so zuverlässig mit). Und bei den wenigen englischsprachigen Sätzen fand ich Sprecher Steck nicht wirklich überzeugen (failure klang wie failer) – was aber angesichts der sonst wirklich tollen Lesung kein so schlimmes Manko war. Ach, und die sehr langen und häufigen Beschreibungen der Fischvergiftungen – das wirkte auf mich fast schon komisch, da hätte weniger gereicht.

4 ¾ Sterne, natürlich aufgerundet.

  (9)
Tags: ausbeutung, ökothriller, politthriller, überfischung   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

agatha christie, belgischer detektiv, belletristik, england, 20. jahrhundert

Der blaue Express

Agatha Christie
Flexibler Einband: 189 Seiten
Erschienen bei Scherz Verlag, 01.01.1986
ISBN B002K7A9U2
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

O: The Mystery of the Blue Train, 1928. Der achte Roman von Agatha Christie, dabei
der fünfte Roman mit Poirot, in Deutschland 1930 übersetzt von Ernst Simon (vgl. Wikipedia).
Inspektor Japp wird erwähnt (Poirot telegraphiert ihm), er tritt aber nicht selbst auf. Meine Ausgabe ist aus dem Scherz-Verlag, 13. Auflage von 1984 in der Übersetzung von Heinz Looser. Es gibt eine weitere Übersetzung von 2004 von Gisbert Haefs.

Die Grande Dame führt geschickt mehrere Handlungsstränge zusammen:
Mitten in Paris läuft ein dubioser Handel ab, bei dem es um wertvolle Steine geht – doch welche Parteien sind beteiligt? Wer ist der weißhaarige Mann?
Der US-Millionär Rufus van Aldin möchte, dass seine Tochter Ruth zustimmt, ihre unglückliche Ehe zu beenden, bevor sie an die Riviera abreist. Für sein geliebtes Kind hat er extra wertvollen Schmuck erworben - zu oft hat ihr Ehemann Derek Kettering sie betrogen, neuestens mit der Tänzerin Mireille. Doch auch Ruth hat etwas zu verbergen.
Katherine Grey hat lange als Gesellschafterin gearbeitet, bis ihre Arbeitgeberin starb und ein besonderes Testament hinterließ. Da begegnet ihr ein Mann.

Es war für mich ein kurzweiliges Lesevergnügen, diesen recht dünnen Roman zu lesen, der anmutet wie eines dieser Kammerspiel-artigen Theaterstücke – eine Person tritt links auf, während eine andere rechts abtritt; andere begegnen sich immer in Entscheidungssituationen. Wie in einer Kurzgeschichte laufen die Ereignisse der verschiedenen Handelnden fast simultan ab, wodurch ihre Leben binnen kurzem miteinander verknüpft sind. Ja, da treffen dann einander völlig Unbekannte dreimal aufeinander – doch, so etwas geschieht. Natürlich ist desgleichen Häufung nicht mehr so glaubhaft, aber aufgrund des charmanten Stils ähnlich einer altmodischen Komödie lasse ich Agatha Christie hier alles durchgehen.

Für mich ist das das erste ihrer frühen Werke mit bereits allen typischen Charakteristika: ein gewisser trockener Humor, ein verzwickter Plot, gerne mit Neben-Plots und vielen unerwarteten Wendungen, ein Herz in Nöten, eine unbedachte Entscheidung, einige übliche Verdächtige und ein Poirot-typisches Ende: er doziert vor der versammelten Gruppe, spielt alle Möglichkeiten vor. „Van Aldin erkannte nun, daß Poirot gerade diesen Zug vorgeschlagen hatte, um das Verbrechen zu rekonstruieren. Der Detektiv spielte ganz allein sämtliche Rollen….“ S. 176 . Frau Christie mochte dieses Buch übrigens laut Wikipedia wohl wenig, weil sie es, wie „Die großen Vier“/“The Big Four“, hauptsächlich aus einer finanziellen Misere heraus möglichst schnell schreiben musste, um liquide zu sein, dazu in einer emotional angespannten Situation (Tod der Mutter, Ehebruch durch ihren Mann mit anschließender Scheidung und einigen Problemen). Dem Vorgänger merkte ich das an – dieses hier bereitete mir Vergnügen.


Trivia
Gleich zwei Damen tragen ein Peignoir – das musste ich glatt nachschlagen, einen eleganten Damen-Morgenrock. In Frankreich ermittelt der Kommissär (ja, „ä“).
Meine Ausgabe hat mindestens zwei Stellen, die ich für Typos halte: „Rufus van Aldin machte sich diese atmosphärischen Verhältnisse auf seine Arzt zunutze…“ (Arzt statt Art) sowie S. 26 „Du hast doch außer dir selbst wenigstens noch einen Menschen lieb. Ruth ist das aber gar nicht imstande.“ Das oder eher dazu imstande?
Auf S. 142 hat Katherine so eine Art „Erscheinung“ – ähnliche Themen gibt es später in den Romanen, die Autorin hatte da wohl gewisse parapsychologsche Interessen (seltsamerweise wird der Beleg aus diesem Buch dafür später nicht genannt).
Amüsant, dass die Polizei das Haus des Comte durchsucht – dieses aber heimlich tut, was dann wohl illegal wäre.
Es erscheint wieder Joseph Aarons ab S. 166 – wie schon im Vorgänger, „Die großen Vier“ hilft der Theateragent bei Identifikationen in seiner Branche.
Zu Beginn des Buches wohnt Katherine im fiktiven St. Mary Mead – da gibt es doch später eine gewisse Miss Jane Marple von dort.
Zum ersten Mal taucht Poirots Diener George auf.
Zum ersten Mal taucht ein Privatermittler namens Goby auf, hier beauftragt von van Aldin. Er erscheint auch in “After the Funeral”/Der Wachsblumenstrauß und “Third Girl”/Die vergessliche Mörderin.
In “Death on the Nile”/(Der) Tod auf dem Nil wird Poirot auf diesen Fall angeprochen, da Miss van Schuyler über ihn von ihrem alten Freund Rufus van Aldin gehört habe.


Zeitgeist
Es gibt hier einen Gebrauch des Begriffs „Rasse“, der mich zuerst stutzen ließ: „Über den Beruf Olga Demiroffs konnte kein Zweifel bestehen, ebensowenig wie über ihre Rassenzugehörigkeit.“ S. 5 Dann die „Beruhigung“ mit  S. 74 „Eine dicke amerikanische Dame, die den beiden gegenübersaß, beugte sich vor und sprach mit der entschlossenen Betonung, die der amerikanischen Rasse eigen ist,…“
Die Verwendung scheint hier unbekümmert zu erfolgen – interessant gerade angesichts des immer wieder einmal auftretenden Vorwurfs, Christie pflege gelegentlich antisemitische Stereotypen. Mit den beiden Sätzen oben im Hinterkopf liest sich für mich das folgende jedoch anders: Poirot will Hilfe von einem bekannten Hehler, dem er vor 17 Jahren geholfen hatte:
“Siebzehn Jahre sind eine lange Zeit”, sagte Poirot nachdenklich. “Aber ich glaube, mit Recht sagen zu dürfen, daß ihre Rasse nicht vergisst.”
“Sie sprechen von den Griechen?”
“Nicht unbedingt.”
Einige Augenblicke herrschte Schweigen, dann richtete sich der alte Mann stolz auf.
“Sie haben recht, Monsieur Poirot”, sagte er ruhig. “Ich bin Jude, und sie haben doppelt recht. Unsere Rasse vergisst nicht.”
Für mich appeliert hier Poirot an das Ehrgefühl aufgrund der Tatsache, dass sein Gegenüber Jude ist  - o.k., auch Hehler, aber Ehrenmann.
Typisch hingegen finde ich in einem Christie Bemerkungen ähnlich der folgenden: die Zofe betritt das Zimmer “Poirot begrüßte sie mit seiner gewohnten Höflichkeit, die auf Leute ihres Standes nie ihre Wirkung verfehlte.” S. 124 Ja, das gesamte Setting ist stets sehr standesbewusst.
Hübsch übrigens, dass man Affären der Ehepartner aus Taktgefühl nicht notwendig in Vernehmungen anspricht.
Grandios folgender Spruch: „Meine Alte war auch Tänzerin, ehe ich sie geheiratet habe, aber Gott sei Dank hat sie nie Temperament gehabt. Im eigenen Heim hat man dafür keine Verwendung.“ S. 168

Bestens gelaunte 4 ½ Sterne, muss ich dann ja aufrunden.



1. The Missing Link (1920) = Das fehlende Glied in der Kette (1929). Gleichzeitig erstes AC überhaupt. https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-fehlende-Glied-in-der-Kette-142905060-w/rezension/1244913044/1244917397/

2. Murder on the Links (1923) = Mord auf dem Goldplatz D (1927) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Mord-auf-dem-Golfplatz-142810680-w/rezension/1245744308/

Anthologie: Poirot Investigates (1924) = Poirot rechnet ab (1924)(Kurzgeschichten) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Poirot-Investigates-144867380-w/rezension/1248721044/

3. (1926) The Murder of Roger Ackroyd = Alibi  (1928)https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/The-Murder-of-Roger-Ackroyd-The-Detective-Club-1246094036-w/rezension/1432047893/

chronologisch wurden dazwischen die (periodisch veröffentlichten) Kurzgeschichten aus "Poirot's Early Cases" geschrieben, sie wurden jedoch erst 1974 gemeinsam herausgebracht als genannte Anthologie. Deutsch Hercule Poirot's grösste Trümpfe - jedoch später, nur in Teilen. Siehe Wikipedia.

4. O: The Big Four(1927)/ D: Die großen Vier (1963) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Die-gro%C3%9Fen-Vier-142977410-w/rezension/1545133908/  

5. The Mystery of the Blue Train (1928) = Der blaue Express

Dazwischen liegen die Stücke

Alibi (1928) - so derTitel im Englischen - dem zugrunde liegt natürlich der deutsche Titel des oben genannten dritten Poirot-Romans

Black Coffee (1930) - später novellisiert durch Charles Osbourne (1998)


6. Peril at Endhouse (1932) = Das Haus an der Düne (1933) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Das-Haus-an-der-D%C3%BCne-Kriminalroman-Peril-at-Endhouse-Goldmann-98-Goldmann-Krimi-Rote-Krimi-344200098X-Aus-d-Engl-%C3%BCbertr-von-Otto-Albrecht-van-Bebber-1545885014-w/rezension/1545912425/


7. Lord Edgeware Dies (1933) = Dreizehn bei Tisch (1934) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Dreizehn-bei-Tisch-297993841-w/rezension/1546436580/

8. Murder on the Orient Express (1934) / Murder on the Calais Coach = Mord im Orient-Express / Die Frau im Kimono (1934) / Der rote Kimono https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Der-rote-Kimono-145149940-w/rezension/1546781789/


9. Three Act Tragedy US: Murder in Three Acts (1935) = Nikotin (1935) https://www.lovelybooks.de/autor/Agatha-Christie/Nikotin-142687260-w/rezension/1551091753/


10. Death in the Clouds/Death in the Air (1935) = Tod in den Wolken (1937)


11. The A.B.C. Murders (1936) = Die Morde des Herrn ABC (1937)

12. Murder in Mesopotamia (1936) = Mord in Mesopotamien (1939)
13. Cards on the Table (1936) = Mit offenen Karten (1938)
14. Death on the Nile (1937) = (Der) Tod auf dem Nil (1959)
15. Dumb Witness (1937) = Der ballspielende Hund (1938)
Anthologie Murder in the Mews (1937) = Hercule Poirot schläft nie oder Auch Pünktlichkeit kann töten (1984?)
17. Appointment with Death (1938) = Der Tod wartet/Rendezvous mit einer Leiche (1944)
18. Hercule Poirot's Christmas (1938) =  Hercule Poirots Weihnachten (1961)
19. Sad Cypress (1940) = Morphium (1943)
20.One, Two, Buckle My Shoe (1940) = Das Geheimnis der Schnallenschuhe (1951)
21. Evil under the Sun (1941) = Das Böse unter der Sonne (1945)
22. Five Little Pigs (1942) = Das unvollendete Bildnis (1957)
23. The Hollow (1946) = Das Eulenhaus (1947)
24. The Labours of Hercules (1947) = Die Arbeiten des Herkules (2 Bände)
25. Taken at the Flood (1948) = Der Todeswirbel (1950)
26. Mrs. McGinty's Dead (1951) = Vier Frauen und ein Mord (1956)
27. After the Funeral (1953) = Der Wachsblumenstrauß (1954)
28. Hickory Dickory Dock (1955) = Die Kleptomanin (1958)
29. Dead Man's Folly (1956) = Wiedersehen mit Mrs. Oliver (1959)
30. Cat among the Pidgeons (1959) = Die Katze im Taubenschlag (1961)
31. The Clocks (1953) = Auf doppelter Spur (1965)
32. Third Girl (1956) = Die vergessliche Mörderin (1968)
33. Hallowe'en Party (1959) = Die Schneewittchen-Party (1971)
34. Elephants Can Remember (1972) = Elefanten vergessen nicht (1973)
35. Poirot's Early Cases (1974) = Poirots erste Fälle ()

36. Curtain () = Vorhang ()

  (15)
Tags: agatha christie, hercule poirot, poirot   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

london

Gewagtes Spiel

Martha Grimes
Fester Einband: 431 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann u.a.
ISBN B002J9DIFO
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 
767 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks