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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

augenjäger, augensammler, fitzek, sadist, sebastian fitzek

Der Augenjäger von Sebastian Fitzek Ausgabe 2 (2011)

Sebastian Fitzek
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe (Lübbe Audio), 12.09.2011
ISBN B00BWEJL3A
Genre: Sonstiges

Rezension:

Letzte Woche habe ich euch Der Augensammler vorgestellt, das ich vor Jahren als ersten Fitzek überhaupt gelesen habe. Gestern haben wir dann die Hörbuchfassung von Der Augenjäger beendet, was auf den ersten Blick nicht unbedingt wie die Fortsetzung des Augensammlers anmutet, es aber aus verschiedenen Gründen ist. Zum einen treffen wir bereits in einer der ersten Szenen auf einen alten Bekannten und haben wieder Alina Gregoriev als weibliche Hauptfigur, zum anderen geht es wieder auf unheimlich grausame und verstörende Weise um Augen und natürlich führt einiges nach und nach zurück auf den Augensammler. Aber der Reihe nach:

In Der Augenjäger geht es erst einmal um einen neuen Serientäter, nämlich um Dr. Suker, der Frauen entführt, vergewaltigt und auf grausige Weise foltert - bis sie sich schließlich das Leben nehmen. Das klingt schaurig und das ist es auch - allerdings flachte die Spannung für mich nach der großartigen Anfangs-Sequenz erst einmal ab. Ich hatte auch Der Augenjäger vor Jahren schon einmal gelesen, konnte mich aber nur noch richtig, richtig dunkel an das ein oder andere Handlungselement erinnern. Beim Hören hat sich bei mir schnell ein Gefühl der Ernüchterung eingestellt, denn so grausam-genial Dr. Suker auch ist - warum mir als Leser jetzt plötzlich ein zweiter, auf Augen spezialisierter Sadist präsentiert wird, der in Berlin sein Unwesen treibt, ist mir noch immer nicht ganz klar. Natürlich, am Ende werden gewisse Zusammenhänge aufgeklärt, aber dennoch wirkt das Ganze auf mich zu konstruiert und erzwungen.

Leider trifft das meiner Meinung nach auch auf den großen Plot Twist am Ende und die Auflösung an sich zu. Ich verrate natürlich nichts, aber wo mich Der Augensammler vor Neugierde und mit dem Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, fast umgebracht hat, entschlüpfte mir bei der Fortsetzung am Ende nur ein müdes "Aha, soso". So sehr sich auch hier wieder Sebastians Talent zeigt, die Handlung noch einmal völlig herumzureißen und alles vorhergehende über den Haufen zu werfen - für mich war das etwas zu viel des Guten. Auch dass die ein oder andere Figur Dinge überlebt, die sich in meinen Ohren ziemlich endgültig angehört haben, war doch etwas ernüchternd. Auch wenn das eigentliche Ende schließlich überraschend realistisch und fernab jedes Hollywood-Happily-ever-afters ist.

Also: Bei Der Augenjäger gibt es einiges, was mich einfach nicht so ganz überzeugt und was die rasante und so genial ausgeklügelte Story von Band 1 irgendwie ein bisschen kaputt gemacht hat. Für sich gesehen ist das Buch aber trotzdem ein ziemlich spannender und wieder herrlich blutiger Thriller, der zur kurzweiligen Unterhaltung für hartgesottene Thrillerfans absolut taugt. Es gibt schaurige Szenen und Gänsehaut-Momente, es gibt wieder zahlreiche Plot Twists und gelungene Überraschungen, aber die Luft ist nach Der Augensammler einfach ein bisschen raus. Auch hat es mich ein wenig gestört, dass es am Ende noch so manchen losen Faden gibt beziehungsweise dass einige Dinge mit einem einzigen Satz abgetan werden und ich mir nur dachte: Wie jetzt, mehr krieg ich nicht? Da ich aber die Print-Version wie gesagt nicht mehr im Kopf habe, kann das durchaus an der gekürzten Hörbuch-Fassung liegen. Die übrigens auch wieder dank Simon Jägers intensiver Interpretation zu fesseln und vor allem großartig zu unterhalten vermag. Ich kann und will am Ende also gar nicht alles schlecht reden - sein Soll hat Der Augenjäger auf jeden Fall erfüllt.

Mein Fazit:
Nach der rasanten und so wunderbar ausgeklügelten Handlung von Der Augensammler hat mich Der Augenjäger irgendwie ein wenig ernüchtert zurückgelassen. Thrillerfans kommen zwar auch bei diesem Buch absolut auf ihre Kosten, denn an grausamen Details, Gänsehaut-Momenten und gut gemachten Plot Twist hat Fitzek auch hier nicht gespart, für mich war aber ein bisschen die Luft raus und die ganze Geschichte um Suker wirkte auf gewisse Weise aufgewärmt und vorgeschoben. Außerdem war mir am Ende die Aufklärung nicht plausibel genug, wenn auch überraschend und wie immer völlig aus der Kalten. Ich wurde also durchaus gut unterhalten, mein Lieblings-Fitzek ist dieses Buch aber nicht.

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Tags: augenjäger, augensammler, fitzek, sadist, sebastian fitzek, serienmörder, serientäter, vergewaltiger   (8)
 

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228 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 100 Rezensionen

schönheitswettbewerb, liebe, selbstbewusstsein, freundschaft, erste liebe

Dumplin'

Julie Murphy , Kattrin Stier
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.03.2018
ISBN 9783841422422
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit einigen Wochen ist Julie Murphys Roman Dumplin' gefühlt überall - mir ist das Buch schon auf der Buchmesse förmlich ins Gesicht gesprungen und da ich selbst nicht gerade Traummaße habe, musste Willodeans Geschichte einfach mit. Auch wenn es erstmal nach Klischee klingt - ich war super neugierig und gespannt darauf, wie Julie Murphy die Thematik umsetzt. Und um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich bin begeistert! Denn Julie Murphy wertet die Handlung mit so vielen Details auf, dass man sich beim Lesen einfach wohlfühlt und Clover City inklusive aller Charaktere förmlich vor sich sieht.

Zuallererst ist da Murphys Protagonistin Willowdean - ein selbstbewusstes, von innen wie von außen schönes Mädchen, das die Hänseleien ihrer Mitschüler und den Diät-Wahnsinn ihrer Mutter von sich abprallen lässt und ganz einfach ihren eigenen Weg geht. Durch den tragischen Tod ihrer Tante, die mit über 200 kg einen Herzinfarkt erlitt und viel zu jung starb, gerät Willowdean jedoch ein wenig ins Straucheln - sie verliert ihren Anker und gleichzeitig das Verbindungsglied, das sie und ihre Mutter immer irgendwie verband. Denn Will und ihre Mutter haben kein besonders gutes Verhältnis, was in erster Linie daran liegt, dass Wills Mutter weit davon entfernt ist, ihre Tochter so zu akzeptieren, wie sie ist. Dass sie ihr seit ihrer Kindheit einzureden versucht, dass sie als dickes Mädchen niemals richtig glücklich werden kann. Teilweise habe ich diesen Umgang als sehr schmerzlich empfunden und es hat mir jedes Mal einen Stich versetzt, wenn Wills Mutter ihre Tochter "Dumplin" nannte. Denn stellen wir uns alle mal kurz vor, unsere Eltern würden uns seit unserer Kindheit nur mit "Knödel" ansprechen - ähm, tut mir leid, aber ich glaube, da wäre bei mir schon lange eine Sicherung durchgebrannt. Ich hatte beim Lesen stellenweise richtige Wut auf Wills Mum und habe Will gleichzeitig dafür bewundert, dass sie diese kleine Gehässigkeit immer an sich abprallen lässt.

Aber Willowdean ist auch wie jeder Teenager in dem Alter - sie verliebt sich, muss zum ersten Mal körperliche Nähe zulassen und hasst und liebt es zur gleichen Zeit. Sie beginnt, mit sich und ihrem Körper zu hadern und fragt sich, ob sie nicht doch glücklicher wäre, wenn sie schlank wäre. Diese Gedanken kennen wir, glaube ich, alle - gerade in der Pubertät vergleicht man sich unwillkürlich ständig mit anderen, man sieht Problemzonen, wo vielleicht gar keine sind, und man fühlt sich plötzlich überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut. Julie Murphy gelingt es unheimlich gut, dieses Gefühl der Zerrissenheit und Willowdeans inneren Kampf darzustellen. Denn Will mag ihren Körper plötzlich gar nicht mehr und hat Angst davor, sich an Bos Seite in der Öffentlichkeit zu zeigen und sich so dem Spott der ganzen Stadt auszusetzen - gleichzeitig aber hasst sie sich selbst für diese Gedanken und ist wütend. Wütend darauf, dass sich in Clover City alles um das eine perfekte Schönheitsideal dreht und dass es ihr jetzt plötzlich doch etwas ausmacht, keine Schönheitskönigin zu sein.

Willowdean ist einfach ein unheimlich authentischer Charakter, weil sie so vieles ist: Selbstbewusst und stark, unsicher und kleinlaut, inspirierend und lebensfroh, liebenswert und manchmal ein bisschen nervig, mutig und feige, melancholisch und positiv. Teilweise fällt sie von einem Extrem ins nächste und nicht immer sind ihre Reaktionen absolut nachvollziehbar. Und genau das macht sie zu einem so echten Menschen, wie man ihm in Romanen nur selten begegnet. Indem sie so herrlich normal ist, ist Willowdean etwas ganz Besonderes und man hat sie ganz sicher nicht durchgehend lieb, sondern hinterfragt (wie sie selbst) hin und wieder ihr Handeln und ist auch mal wütend auf sie. Ich finde das großartig, weil Willowdean einfach ein bisschen so ist wie wir alle. Das trifft zum Großteil auch auf die anderen Charakteren zu - ihre beste Freundin Ellen, die sich plötzlich fragt, ob sie nicht etwas vom Leben verpasst, wenn sie mit Will befreundet bleibt. Wills Mutter, die von früh bis spät damit beschäftigt ist, ihrem eigenen Schönheitsideal gerecht zu werden und die dabei auch zwanghaft versucht, ihre Tochter in eben jenes zu pressen. Bo, dem Wills Maße eigentlich vollkommen egal sind, der sich aber zuerst trotzdem nicht traut, voll und ganz zu ihr zu stehen.

Dumplin' zeigt uns die Schranken in unseren Köpfen, es zeigt uns aber auch, wie wir diese Schranken überwinden. Es geht im Leben nicht ums Gewinnen oder Verlieren, nicht darum, wie andere uns sehen oder wie wir in den Augen anderer vielleicht sein sollten - es geht einzig und allein darum, man selbst und dabei glücklich zu sein. Eine schöne und wichtige Botschaft, die Julie Murphy in ganz viel Humor und Lebensfreude packt. Denn Willowdean und ihre neuen Freundinnen (die sich gemeinsam mit ihr dem Schönheitswettbewerb stellen) gehen alles andere als bierernst durchs Leben - viele witzige Situationen und Wills und Els Faible für Dolly Parton lockern die Handlung auf und machen beim Lesen einfach Freude. Ich habe diese Geschichte genossen, geliebt und gefeiert und ich war von diesem starken Ende gleichermaßen begeistert und enttäuscht. Enttäuscht, weil die Geschichte nun zu Ende war und weil Will sich nach so vielen Seiten einfach wie eine gute Freundin anfühlt. Man könnte direkt weiterlesen und nie mehr aufhören.

Mein Fazit:


Die Geschichte um Dumplin' steckt voller wichtiger Botschaften, voller Liebe (vor allem zu sich selbst), voller authentischer Charaktere und voller Humor. Das Buch macht Spaß, regt zum Nachdenken an und reißt mit - mich zumindest. Ich liebe Julie Murphys Art zu erzählen und ganz besonders bewundere ich ihre vielschichtigen und von vorne bis hinten authentischen Charaktere. Dumplin' ist einfach großartig, von der ersten bis zur letzten Seite. Ein ganz, ganz tolles Buch!

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Tags: liebe, liebe zu sich selbst, mobbing, schönheitsideal, schönheitswettbewerb, usa   (6)
 

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172 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

entführung, ultimatum, kinder, thriller, mord

Der Augensammler

Sebastian Fitzek , Simon Jäger
Audio CD
Erschienen bei Lübbe Audio , 01.06.2010
ISBN 9783785743683
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wenn ich mich richtig erinnere, war Der Augensammler vor vielen Jahren mein allererster Fitzek und ich glaube, auch mein erster Thriller von einem deutschsprachigen Autoren. Ich weiß noch, dass ich die Namen damals super befremdlich fand, allen voran den des Protagonisten Alexander Zorbach - in dem Genre liest man einfach hauptsächlich von David Hunters und Co. Mittlerweile habe ich mich natürlich dran gewöhnt, denn warum sollte ein Serienmörder nicht auch in Berlin sein Unwesen treiben? In meinen Augen steht Fitzek in Sachen Einfallsreichtum seinen Kollegen aus Übersee schon lange in nichts mehr nach, wobei seine Ideen in Der Augensammler, einem seiner früheren Romane, sowieso noch relativ unverbraucht und einfach herrlich schockierend sind.

Mit dem Augensammler nämlich hat Fitzek einen Serienmörder geschaffen, dessen Taten auf den ersten Blick an Grausamkeit und Skrupellosigkeit kaum zu übertreffen sind. Sein immer gleiches, schematisches Vorgehen, der Mord an der Mutter und die anschließende Entführung der Kinder mit einem Zeit-Ultimatum von 45 Minuten, das Entfernen des linken Auges der Kinder - all das ist eine entsetzliche Folter für die Väter und könnte so auch aus einer Folge "Criminal Minds" entsprungen sein. Was mir aber bei diesem Thriller besonders gut gefällt, ist, dass Fitzek mit dem Augensammler einen weitaus komplexeren und interessanteren Charakter geschaffen hat, als man anfangs vermuten könnte. Indem er ihn nämlich selbst durch Briefe an die Zeitung zu Wort kommen lässt, gibt er ihm nicht nur die Aura eines unmöglich zu fassenden Phantoms (wir erinnern uns an Jack the Ripper und seine berühmten Briefe), sondern er gibt ihm in seinem Wahn auch eine Möglichkeit, sich zu erklären, der Polizei und der Presse Hinweise zu geben, seine Überlegenheit zu demonstrieren und sich letztlich auch zu rechtfertigen.

Ich weiß nicht so recht, ob ich es gut finde, wie der erste Band des Zweiteilers endet (ich will euch nicht zu viel verraten) - ich glaube, ich hätte es spannender gefunden, wenn Fitzek mich noch ein wenig länger im Dunkeln gelassen und seinem Mörder erst in Band 2 die Worte in den Mund gelegt hätte, mit denen Der Augensammler endet. Nichtsdestotrotz ist die ganze Geschichte bis zu diesem explosionsartigen Ende durchzogen von zahlreichen Höhepunkten, zum Nägelkauen spannenden Situationen, irren Plot Twists und unerwarteten Handlungselementen. Wie die meisten seiner Bücher führt auch Der Augensammler den Leser tief hinab in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche und ist dabei so rasant, dass man kaum zu Atem kommt - und es auch gar nicht will.

Überzeugt haben mich außerdem die Charaktere - vom Ex-Polizisten Zorbach, den ein schwerwiegender Fehler in seiner Vergangenheit nur noch mehr dazu anspornt, den Augensammler zu finden und der sich fast schon wahnhaft in die Suche nach dem Mörder und den entführten Kindern hineinsteigert, über den wenig ehrenhaften und ungehobelten Polizisten Scholle und die blinde, auf den ersten Blick tatsächlich etwas verrückte Alina bis hin zum Augensammler selbst. Die Figurenkonstellation passt einfach perfekt zur Stimmung und zur rasanten Handlung. Das einzige, was mich schon beim ersten Lesen und auch jetzt wieder gestört hat, ist Alinas Gabe - auch wenn ich es grandios finde, wie sich gegen Ende alles entwickelt, konnte ich mich manchmal des Gefühls nicht erwehren, hier hätte es einfach noch ein Mittel gebraucht, um schließlich die ersten echten Hinweise auf den schwer fassbaren Augensammler zu liefern und Zorbach auf die richtige Spur zu bringen. Ich weiß nicht, ob Alinas Rolle hundertprozentig und vor allem auf glaubwürdige Weise in die Geschichte passt.

Trotzdem liest sich auch Der Augensammler weg wie nichts - beziehungsweise hört sich in der Hörbuchfassung nur so runter. Was sicherlich auch an Simon Jäger liegt, der bisher alle Thriller von Fitzek eingelesen hat und der einfach einen verdammt guten Job macht - man kann es nicht anders sagen. Übrigens ist auch der Aufbau des Romans etwas ziemlich Besonderes: Die Geschichte beginnt nämlich mit dem Epilog und endet mit dem Prolog - dazwischen laufen die Kapitel rückwärts ab. Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, wenn man die Handlung aber aufmerksam verfolgt, erschließt sich gegen Ende der Sinn des Ganzen. Es ist wieder so ein genialer Fitzek-Kniff, der den Thriller zu einem spektakulären Leseerlebnis macht.

Mein Fazit:


Der Augensammler ist nicht mein Lieblings-Fitzek, als meine "Einstiegsdroge" wird er für mich aber immer etwas Besonderes sein. Das Hörbuch hat mir einfach nochmal gezeigt, wie viel Spaß (klingt das eigentlich komisch?) man beim Lesen/Hören hat und wie großartig es sich anfühlt, wenn einem am Ende wie Zorbach ein Licht aufgeht und man sich denkt - Menschenskinder, wie konnte ich nur so blind sein? Rasant, vielschichtig, überraschend, grausam und vor allem unterhaltsam - Thrillerfans wird Der Augensammler ganz sicher mehr als glücklich machen.

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Tags: berlin, entführung, fitzek, killer, mörder, serienkiller, serienmörder   (7)
 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

fantasy, autor, dennis frey, drachenmondverlag, fremder himmel

Fremder Himmel

Dennis Frey
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.10.2017
ISBN 9783959914901
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit Dennis Frey haben wir uns auf der diesjährigen Drachennacht lange und ausgiebig unterhalten dürfen und genau deshalb, weil Dennis ein unheimlich lieber Mensch ist und mit so viel Begeisterung von seinen Geschichten spricht, musste ich seinen Roman Fremder Himmel jetzt endlich lesen. Ich war einfach so neugierig auf diese außergewöhnliche Geschichte und auf Dennis' Konzept, das mich vom ersten Moment an begeistert hat. Denn mal ehrlich - für uns Buchmenschen sind Bücher über Bücher irgendwie der heilige Gral. Es fühlt sich einfach immer vertraut an, wenn man eine Geschichte liest, in der ein bestimmtes Buch (oder auch mehrere Bücher) eine essentielle Rolle spielen - so wie in unserem Leben eben. Dennis geht in Fremder Himmel sogar noch einen Schritt weiter und erfindet mit Mona als fiktive Autorfigur den Prototypen einer jungen, unerfahrenen und anfangs recht von sich überzeugten Schriftstellerin. Dieses Konzept hat mich vor Jahren schon in Scott Westerfelds Afterworlds begeistert und auch in Dennis' Roman ist es der Kern der Handlung - es ist das, was diese Geschichte von vornherein so wahnsinnig faszinierend und besonders macht.

Mona nämlich ist als angehende Autorin gerade zu Beginn der Geschichte fast schon auf nervtötende Weise von sich selbst und ihrem vollendeten Manuskript überzeugt. Nervtötend, aber durchaus vorstellbar, denn wir alle glaube natürlich an die Dinge, die wir selbst geschaffen haben - Kritik zuzulassen, fällt da äußerst schwer. Mona muss sich zunächst überwinden, sich fest vornehmen, an ihrem Manuskript zu arbeiten, Fehler zu erkennen und Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Das ist ein Prozess, den Dennis sehr schön und authentisch nachbildet - womit er vielen angehenden Autoren vermutlich aus der Seele spricht und wobei er vielleicht sogar seine eigenen Erfahrungen einfließen lässt.

Nun passiert etwas Unglaubliches: Mona taucht nicht nur im übertragenen Sinne in ihre eigene Geschichte ein, so wie das vermutlich alle Autoren tun, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Der geheimnisvolle Lektor Bragi nämlich schickt sie in ihre erdachte Fantasy-Welt, nach Kaemnor - wo sie am eigenen Leib spüren wird, welche Fehler sie beim Schreiben und vor allem beim World-Building gemacht hat und wie sich das auf die Handlung ihres Buches auswirkt. Eine faszinierende Vorstellung, denn vermutlich würde es vielen Autoren helfen, ihre eigene Geschichte nicht nur aus Sicht des Lesers, sondern auch aus Sicht ihrer Figuren, quasi von innen heraus, zu betrachten. Mona jedenfalls stellt ziemlich bald fest, dass sie noch sehr viel lernen muss und dass ihre Geschichte noch weit entfernt ist von einem in sich schlüssigen, logischen und packenden Fantasy-Epos mit vielschichtigen Figuren.

Es hat mir anfangs großen Spaß gemacht, Mona beim Lernen zuzuschauen. Dennis treibt es mit den Fehlern, die Mona beim Schreiben macht, auf die Spitze und zeigt beispielsweise, wie es sich auswirken kann, wenn man sich um die Figuren, die verschiedenen Orte und komplexe Handlungsstränge wenig Gedanken macht. Besonders interessant war für mich das Eigenleben, das Monas Charaktere und auch ihre Welt entwickeln, denn man hört von vielen Autoren ja immer wieder, dass ihre Figuren sich verselbständigt haben und quasi eigene Pläne für die Geschichte hatten. Dennis stellt das auf ziemlich anschauliche und eindeutige Weise dar und das hat mir wirklich gut gefallen.

Ich muss allerdings sagen - der Plot der Geschichte in der Geschichte (also der Plot von Monas Roman) hat mich insgesamt nicht wirklich überzeugen können. Einerseits ist das eine spannende Erfahrung und kann vom eigentlichen Autoren ja tatsächlich so geplant gewesen sein - Mona steht vermutlich noch ein langer Prozess bevor und ihr erstes Buch ist kein Meisterwerk. Absolut logisch und wie gesagt - ein faszinierender Punkt und eine interessante Idee, das so darzustellen. Da aber ein Großteil von Fremder Himmel in Monas Fantasywelt Kaemnor und in ihrer Geschichte spielt, hat sich bei mir leider bald Resignation eingestellt. Und ich habe mir die Frage gestellt: Will ich eine halbfertige Fantasy-Geschichte eigentlich lesen, auch wenn das Drumherum noch so originell und faszinierend ist? Ich habe keine wirkliche Antwort darauf gefunden. "Monas" Plot zieht sich einfach über weite Strecken, es fehlen die Höhepunkte und die Figuren bleiben auch nach ihren Korrekturen weitestgehend flach und oberflächlich. Das Spannende dabei ist natürlich, dass man als Leser nicht einschätzen kann, ob Dennis das seiner Protagonistin tatsächlich gänzlich so angedichtet hat - ob es vielleicht nicht genauso gewollt war. Und ich komme zu dem Schluss, dass ich von Mona lieber nichts mehr lesen möchte - von Dennis aber umso mehr. Ein ziemlich spannendes Fazit, über das ich vermutlich noch eine Weile nachdenken werde.

Mein Fazit:
Dennis Frey beherrscht sein Handwerk ohne Frage - so gut, dass ich am Ende nicht weiß, wie viel der Geschichte aus seiner Feder stammt und wie viel aus Monas. Klingt konfus und irgendwie ist es das auch. Fremder Himmel ist auf jeden Fall ein einzigartiges und auf gewisse Weise spannendes Leseerlebnis, hat aber auch seine Längen - besonders, was die Geschichte in der Geschichte betrifft. Monas Fantasy-Roman um das Land Kaemnor haben mich einfach nicht wirklich mitreißen und am Ende überzeugen können. Aber vielleicht sollte es genauso sein - außergewöhnlich ist dieses Buch ohne Zweifel und ich freue mich auf das nächste Werk von Dennis Frey, was ja auch irgendwie schräg und besonders werden soll ;)

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Tags: autor, buecher ueber buecher, fantasy, fiktiver autor, schriftsteller   (5)
 

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111 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

ready player one, vr, science fiction, ernest cline, computerspiele

Ready Player One

Ernest Cline , Hannes Riffel , Sara Riffel
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 22.02.2018
ISBN 9783596702428
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich falle direkt mit der Tür ins Haus: Mein Gott, was für einen unglaublichen Spaß hat mir diese Geschichte gemacht! Lange, lange hat Ready Player One von Ernest Cline auf meinem SuB gelegen und ich könnte mich dafür ohrfeigen (mache ich vielleicht auch noch). Erst der Kino Release des Films hat mich endlich dazu gebracht, das Buch zu lesen und das war auch dringend nötig, denn diese wahnsinnige Story hat mir so viel gegeben und mich so unfassbar gut unterhalten wie schon lange kein Buch mehr. Ernest Cline ist fast schon zu meinem neuen Buchgott geworden, denn ich bewundere jedes seiner Worte und vor allem jeden seiner genialen Einfälle. Und davon gibt es in Ready Player One (übrigens Clines Debütroman, irre!) beinahe so viele, wie James Halliday Dollar auf der Bank hat.

Aber der Reihe nach - worum geht es überhaupt in Ready Player One? In erster Linie um ein Computerspiel oder eher DAS Computerspiel, denn in der dystopischen und sehr trostlosen Zukunft, in der die Geschichte spielt, ist die von James Halliday geschaffene OASIS quasi das einzige, für das die Menschen noch leben. Die Realität ist düster, traurig und aussichtslos geworden und so fliehen die Menschen tagtäglich in die virtuelle Welt der OASIS, wo sie alles sein, alles tun und all das erleben können, was in der Wirklichkeit unmöglich geworden ist. Dieses Grundszenario erschafft eine zugleich düstere und hoffnungsvolle Atmosphäre und es ist so absolut vorstellbar und so nah dran an unserer Welt, die sich Tag für Tag weiterentwickelt und gleichzeitig zurück, dass es mich von Anfang an gefangen genommen hat. Cline zeigt uns eine mögliche Zukunftsvision, die wenig Mut macht - zugleich zeigt er uns aber auch einen Ausweg, nämlich die virtuelle Welt der OASIS. Dass die lange nicht so verlockend und perfekt ist, wie es vielleicht den Anschein hat, erklärt sich von selbst...

Die OASIS hat mich von Beginn an fasziniert, denn diese komplexe Welt, die Cline da erschaffen hat, übt einfach eine unglaubliche Anziehungskraft auf den Leser aus. Ebenso wie auf Wade, den Protagonisten der Geschichte. Wade ist in der Realität ein "niemand", so sieht er sich selbst. Er lebt für die OASIS und für Hallidays Vermächtnis. Er hat jedes einzelne Wort von Halliday aufgesogen, hat alle seine Lieblingsfilme gesehen, kennt jedes seiner liebsten Computerspiele - ist voll und ganz eingetaucht in Hallidays Leben. Und das unterscheidet Wade (oder Parzival, wie sein Avantar in der OASIS heißt) von den meisten anderen Jägern. Wade lebt die Kultur der 1980er (das Jahrzehnt, in dem Halliday ein Teenie war) wie kaum ein anderer und genau deswegen ist auch er es, der den ersten von 3 Schlüsseln entdeckt und damit die Jagd auf das Easter Egg eröffnet.

Ready Player One ist also eine riesige, temporeiche virtuelle Schnitzeljagd durch die OASIS - und durch die 1980er Jahre. Denn Ernest Cline hat in seinem Buch so viele verschiedene Stoffe miteinander verbunden, dass die OASIS für viele Leser von einer abstrakten VR zu einer sehr plastischen und vor allem vertrauten Welt wird. Ich selbst bin zwar nicht gerade ein Nerd und abgesehen von den großen Klassikern aus dem Games- und Film-Bereich (wie zum Beispiel "Pac Man", "Star Wars", "Star Trek", "Ghostbusters", "Blade Runner", Monty Python oder natürlich "Herr der Ringe") haben mir vor allem viele Konsolen- und Automatenspiele aus den 80er Jahren nichts gesagt, aber das macht überhaupt nichts. Denn Clines Roman spielt zwar in der Zukunft, ist aber gleichzeitig ein spannender und absolut irrer Trip durch die 1980er Jahre. Ready Player One ist gleichzeitig innovativ, modern und revolutionär auf der einen und absolut retro auf der anderen Seite. Und genau diese Gegensätzlichkeit, die am Ende keine mehr ist, ist es, die den Roman so spektakulär, so mitreißend und so einzigartig macht.

Ich mochte das Setting, die komplexen Charaktere, die - obwohl man sie teilweise nur in Gestalt ihrer Avatare und somit virtuell trifft - unglaublich vielschichtig sind, ich mochte vor allem Wade, den Underdog, der sich nur mithilfe seines Wissens von ganz unten bis ganz nach oben kämpft, ich mochte die wahnsinnige Detailhaftigkeit, die sich in der OASIS findet, die unzähligen Anspielungen auf die Meilensteine der Popkultur und ich mochte Clines sehr sehr ausschweifenden Erzählstil. Das ist eine kleine Besonderheit, denn in der Regel bevorzuge ich es eher straight und auf den Punkt - aber meine Fresse, was für ein gigantisches Universum Ernest Cline mit seinen Worten erschafft und was er da alles reinpackt - darüber muss man beim Lesen einfach immer wieder staunen. Es gibt so wahnsinnig viel zu sehen und zu entdecken. Und ich mag es bei diesem Buch außerordentlich gerne, dass Cline durch seinen Protagonisten Wade so viel erklärt. Dass er einen an die Hand nimmt und ihm alles zeigt. So lernt man eben nicht nur die zukünftige Welt, sondern auch unsere gegenwärtige Popkultur kennen. Es ist faszinierend und einfach spektakulär, ich kann es nicht anders sagen.

Die Geschichte selbst mag auf den ersten Blick vielleicht geradlinig und relativ vorhersehbar scheinen - wir haben hier eben einen Underdog, der im Gegensatz zu vielen großen Jägern und vor allem zu den Profis von IOI über so gut wie keine Ressourcen verfügt, der einfach irgendwie unbedeutend ist. Und genau dieser "Niemand" landet nun nach 5 Jahren erfolgloser Suche den großen Coup und findet den ersten Schlüssel. Ja, teilweise habe ich mich gewundert, wie Wade all das wissen, wie er all das tun kann - aber letztlich ist er eben ein genauso großer Nerd wie James Halliday und wie sein eigener Schöpfer, Ernest Cline. Wade ist einfach der Richtige für diesen Job und das habe ich relativ schnell gemerkt. Und die Suche nach dem Easter Egg macht schlichtweg so viel Spaß und ist ab der Mitte auch so rasant und elektrisierend, das man alles andere einfach irgendwie ausblendet. Es gab zwar einen Teil in der Mitte, der etwas langgezogen war (ich spreche von dem Hin und Her zwischen Wade alias Parzival und Art3mis, ein Avatar, in den Wade sich verguckt), aber im Vergleich zu dem ganzen Drumherum, dieser gigantischen und genial ausgeschmückten Story macht das eigentlich gar nichts aus. Denn genossen habe ich dennoch jede Seite und ich war ziemlich enttäuscht, als diese irre Reise, dieses packende Abenteuer schließlich vorbei war. Mein Gott, ich hätte Ready Player One bis ins Jahr 2045 und darüber hinaus lesen können.

Mein Fazit:

Ich weiß, ich ergehe mich in Lobeshymnen, aber ich kann einfach nicht anders: Ready Player One ist so so so gut. Es ist unglaublich detailreich, einfach so sensationell gemacht und man liest aus jeder einzelnen Seite die Leidenschaft des Autoren heraus. Man spürt von vorne bis hinten: In dieser Geschichte steckt all sein Herzblut. Und letztlich macht der Roman einfach unfassbar viel Spaß - ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das ich so sehr genossen habe. Ich freue mich deswegen auf den Film, auch wenn ich mir zu 99% sicher bin, dass er dieses Buch einfach nicht toppen kann.

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Tags: 1980er, 1980er jahre, computerspiele, popkultur, science fiction, virtual reality, virtuelle realität, vr, zukunft, zukunftsvision   (10)
 

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

comic, graphic novel, jack the ripper, london, serienmörder

Jack the Ripper

François Debois , Jean-Charles Poupard
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.12.2013
ISBN 9783868696943
Genre: Comics

Rezension:

Wie ihr merkt, wage ich mich immer weiter in die Welt der Comics und Graphic Novels vor. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich wieder einen neuen Verlag für mich entdeckt - den Splitter Verlag. Mich als heimlichen Serienmörder-Fan (klingt tatsächlich gruseliger, als es ist) hat der Comic von Francois Debois und Jean-Charles Poupard direkt angesprochen, denn abgesehen von der wirklich hochwertigen Aufmachung und Gestaltung des Buches sind mir vor allem die fantastischen Zeichnungen direkt ins Auge gesprungen.

Die Zeichnungen sind einfach herrlich detailreich - es ist hier atemberaubend gut gelungen, das viktorianische London zur Zeit Jack the Rippers aufs Papier zu bringen. Das Elend, die Düsternis von Whitechapel, die teilweise sehr heruntergekommenen und verzweifelten Prostituierten - vor allem aber die ganze Atmosphäre, die Unwirtlichkeit des rauen Londons. Einfach sensationell! Man wird bereits auf den ersten Seiten von dieser dunklen Stimmung erfasst und verschluckt und kann einfach die Augen nicht abwenden von dieser grafisch unglaublich gut umgesetzten Geschichte.

Mir gefällt auch die Kolorierung wahnsinnig gut, denn sie lebt vor allem von dem Kontrast zwischen tristem, schmutzigem Grau und leuchtendem Blutrot - etwas, was die Grausamkeit und Rohheit der Geschichte noch unterstreicht. Was soll ich noch sagen: Der Comic-Strip ist einfach faszinierend und großartig gemacht. Ich liebe die Zeichnungen! Die übrigens perfekt mit der schockierenden Geschichte um Jack the Ripper harmonieren. Jemand, der sich wie ich schon etwas mehr mit der Figur des Jack the Ripper befasst hat, wird einige Dinge finden, die mit den historischen Ereignissen übereinstimmen. So etwa die Namen die Opfer, die grausame Vorgehensweise des Täters oder den Inspektor Frederick Abberline.

Abgesehen davon aber erzählen Debois und Poupard eine ganz neue Ripper-Geschichte (oder Theorie?). Und das gleichzeitig auf völlig neue Art und Weise. Denn im Vordergrund steht nicht etwa die erfolglose Jagd nach Jack the Ripper, sondern seine Identität. Die Autoren hören bei den tatsächlich geschehenen Morden in Whitechapel nicht auf, sondern spinnen die Geschichte weiter - bringen sie nach Frankreich und Amerika und entwickeln eine faszinierende und schockierende Idee davon, wer Jack the Ripper gewesen sein könnte. Ich will natürlich nicht zu viel verraten, denn den Überraschungsmoment, den ich beim Lesen hatte, sollt ihr unbedingt auch haben. Poupards und Debois' Lösung ist einfach eine derart unerwartete, spektakuläre und auf faszinierende Weise logische, dass man auch nach dem Zuklappen des Buches weiter darüber nachgrübelt. Und vor allem muss man sich am Ende die Frage stellen: Könnten wir nicht alle der Ripper sein? Unter bestimmten Voraussetzungen? Elektrisierend und gruselig - und einfach wahnsinnig gut gemacht.

Mein Fazit:
Mein erster Splitter Comic hat mich elektrisiert, mich großartig unterhalten und mich über die Seiten hinaus gefesselt. Die Zeichnungen sind atmosphärisch, detailreich und spektakulär. Die Geschichte geht völlig andere Wege als alle Ripper-Adaptionen, mit denen ich mich bisher beschäftigt habe. Poupards und Debois' Lösung ist so schockierend wie faszinierend - was soll ich sagen, von diesem Buch muss ich einfach schwärmen. Nicht nur Ripper-Fans kommen hier hundertprozentig auf ihre Kosten!

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Tags: comic, graphic novel, jack the ripper, london, serienmörder, viktorianisches london   (6)
 

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251 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

märchen, maya shepherd, die grimm chroniken, fantasy, schneewittchen

Die Grimm-Chroniken (Band 1)

Maya Shepherd
Flexibler Einband: 146 Seiten
Erschienen bei Sternensand Verlag, 02.02.2018
ISBN 9783906829708
Genre: Fantasy

Rezension:

Märchenadaptionen sind aktuell stark im Kommen, man begegnet ihnen gefühlt an jeder Ecke. Noch stört mich das aber nicht, denn nachdem ich Christian Handels Rosen und Knochen gelesen und geliebt habe, bin ich ein klein wenig im Märchenfieber und war deswegen neugierig auf Maya Shepherds Grimm-Chroniken. Nicht nur aufgrund der Märchenthematik, sondern auch aufgrund des wirklich spannenden Konzepts. Die Grimm-Chroniken sind nämlich eine Buchserie, von der es monatlich einen neuen Teil gibt, wobei die Bände mit rund 150 Seiten relativ kompakt sind. Das Ganze hat mich ein bisschen an die Sherlock Holmes Geschichten und auch ganz einfach an eine klassische TV-Serie erinnert. Dieses Konzept auf den aktuellen Buchmarkt zu holen, finde ich wirklich eine großartige Idee und wie man an all den positiven Reaktionen sieht, hat Maya Shepherd damit auf jeden Fall einen Nerv getroffen.

Ich war also super neugierig auf die "Pilotfolge" der Grimm-Chroniken mit dem verheißungsvollen Titel Die Apfelprinzessin. Bei Äpfeln denkt man natürlich sofort an Schneewittchen, aber das ist nicht das einzige Märchen, das Maya Shepherd im ersten Band ihrer Reihe aufgreift oder eher anteasert. Es sind zum Beispiel auch Anspielungen auf "Rumpelstilzchen" und "Hänsel und Gretel" vorhanden, wobei mir Shepherds angedeutete Neuinterpretationen wirklich gut gefallen. Es wird düster, schaurig und unvorhersehbar. Das sind schon mal super Voraussetzungen für eine packende Serie.

Ich verwende ganz bewusst Worte wie "anteasern" und "andeuten", denn obwohl bereits in der ersten Folge viele Dinge angerissen werden, geht erst einmal noch nichts in die Tiefe. Wir erfahren insgesamt sehr wenig über die eingebaute Märchenwelt, über die Protagonisten, die Märchenfiguren und die Handlung an sich - man erhascht allerhöchstens einen ersten, kleinen Blick und bekommt eine ungefähre Ahnung davon, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln könnte. Einerseits ist das für die "Pilotfolge", was Die Apfelprinzessin für mich definitiv ist, absolut legitim. Man will ja quasi erst einmal einführen, will die Geschichte vorbereiten und den Leser neugierig machen. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass das bei mir nicht so ganz funktioniert hat.

Zum einen baut sich die Handlung sehr, sehr langsam auf und in Anbetracht des limitierten Umfangs war das für mich doch etwas enttäuschend. Da bewegt sich am Anfang gefühlt sehr wenig und als es endlich richtig losgeht, hat man das Buch auch schon wieder zugeklappt. Auch die Charaktere bleiben noch sehr blass und sind ziemlich oberflächlich beschrieben - ich habe mein Herz leider bisher weder an Will (der mir tatsächlich sogar recht unsympathisch ist) noch an seine besten Freunde Joe und Maggy gehängt. Die Handlung verliert sich gerade in den ersten zwei Dritteln zu sehr in Belanglosigkeiten, für die Einführung der Figuren und den Aufbau der märchenhaften Welt bleibt da leider nicht viel Platz. Wie gesagt - es ist die erste Folge und auf übermäßige Action war ich ganz sicher nicht eingestellt, aber ein wenig mehr hätte ich dennoch erwartet.

Auch die eingeschobenen Abschnitte, in denen es um die titelgebende Apfelprinzessin geht, haben bei mir leider nicht wirklich großes Interesse geweckt. Sie wirken irgendwie völlig aus dem Kontext gerissen und gehen so wenig mit den Geschehnissen in der Gegenwart zusammen, dass es mir nur sehr schwer fällt, in diese Geschichte einzutauchen. Ich bin mir absolut sicher, dass all das, was Maya Shepherd hier anteasert, in den folgenden Bänden auf sicherlich überraschende und spannende Art und Weise aufgeklärt und fortgeführt wird, aber irgendwie hatte ich mir einfach etwas ganz Anderes unter diesem ersten Band vorgestellt. Als Auftakt ist er mir zu langatmig, zu wenig spannend und polarisierend - wäre es eine Serie, ich würde vermutlich nicht weiterschauen.

Das heißt aber nicht, dass ich Die Apfelprinzessin von vorne bis hinten schlecht finde. Neben den wirklich gut gemachten und innovativen Märchen-Anspielungen und der prinzipiell interessanten Ausgangssituation konnte Maya Shepherd mich vor allem mit ihrem Schreibstil überzeugen. In Radioactive empfand ich ihn noch als etwas holprig und unausgereift, aber seitdem hat sich ganz offensichtlich eine Menge getan. Denn wenn es die Handlung nicht vermochte, mich zu packen, haben es Maya Shepherds Worte getan. Sie passen irgendwie perfekt zu dem Märchenthema und machen Die Apfelprinzessin trotz der angesprochenen Defizite (in meinen Augen!) zu einer recht kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichte. Die Umsetzung hat mir wie gesagt nicht so gut gefallen, aber ich gebe Maya und ihren Grimm-Chroniken auf jeden Fall noch eine Chance und schaue mal, ob mich die Geschichte dann in Band 2 komplett abholen und packen kann.

Mein Fazit:


Ein originelles Konzept, innovative Märchen-Interpretationen und ein wirklich angenehmer, sehr harmonischer Schreibstil - in meinen Augen spricht einiges für Die Apfelprinzessin, den Auftakt zu Maya Shepherds Buchserie Die Grimm-Chroniken. Es gibt aber wiederum auch einiges, was mir bei diesem ersten Band nicht so gut gefallen hat: Die anfangs doch recht zähe und sich träge entwickelnde Story ohne große Höhepunkte und die fehlende Tiefe der Charaktere. Da hätte definitiv mehr kommen müssen, auch im ersten Band, denn vollumfänglich hat der mein Interesse an der Geschichte nicht geweckt. Ich bin allerdings frohen Mutes, dass sich das im zweiten Band ändert und bin gespannt, ob ich dann endlich tiefer in die Märchenwelt eintauchen werde.

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Tags: gebrüder grimm, grimms märchen, hänsel und gretel, märchen, märchenadaption, rumpelstilzchen, schneewittchen   (7)
 

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243 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 49 Rezensionen

marie graßhoff, fantasy, die schöpfer der wolken, dimensionen, drachenmond verlag

Die Schöpfer der Wolken

Marie Graßhoff
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 12.10.2017
ISBN 9783959910989
Genre: Fantasy

Rezension:

Es gibt Rezensionen, die mir leicht fallen. Und es gibt Reviews, die wollen mir einfach nicht so recht von der Hand gehen. Meine Rezension zu Marie Graßhoffs Die Schöpfer der Wolken fällt definitiv in die zweite Kategorie, weil ich immer noch nicht so recht weiß, wie ich diese Geschichte für mich einordnen soll. Auf jeden Fall habe ich ewig gebraucht, um das Buch zu lesen und habe sogar zwei weitere Bücher eingeschoben, was ich sonst eigentlich nicht mache. Die Schöpfer der Wolken ist einfach anders, speziell, ungewöhnlich. Das ist prinzipiell schon mal super, weil es einfach zeigt, dass Marie Graßhoff ihre Geschichten nicht mit Gewalt in irgendein Genre quetscht oder in ein bestimmtes Schema presst. Man spürt ganz deutlich, dass Die Schöpfer der Wolken direkt aus Maries Seele aufs Papier floss - das ist etwas Besonderes und für mich ganz klar das gewisse Etwas, das die große Magie der Geschichte ausmacht.

Ich bin auch ein bisschen verliebt in Marie Graßhoffs Schreibstil, denn auch in dieser Hinsicht bricht sie alle Konventionen und macht es einfach genauso, wie sie es für richtig hält, wie sie die Worte fühlt. Ihre Art zu erzählen wirkt auf jeden Fall außergewöhnlich, ein wenig schwermütig und melancholisch vielleicht, aber auch auf gewisse Weise leicht und zauberhaft. Sie passt zur Geschichte und harmoniert wunderbar mit Setting und Charakteren.

Die Grundidee der Geschichte hat mich schnell fasziniert: Das Rätsel um Ciaras geheimnisvolle Fähigkeit und die Talente der anderen drei jungen Menschen, denen sie in Shanghai begegnet, hat mich schnell gefangen genommen und wahnsinnig interessiert. Auch das Setting selbst, das Konstrukt aus verschiedenen, sich überlappenden Dimensionen, die irgendwie aus dem Gleichgewicht geraten sind, ist fantastisch und originell.

Jetzt komme ich allerdings schon zum ersten Aber. Der Grund, warum mich die Geschichte bis zum Ende nicht so fesseln konnte, dass ich sie in einem Rutsch hätte durchlesen wollen, ist: Es gibt bis auf wenige Ausschläge eigentlich keinen Spannungsbogen. Anfangs wird durch Kobas Tod und Ciaras Reise nach Shanghai sowie die Einführung der Figuren von Xia, Wesley, Brendan und Andrew durchaus Spannung aufgebaut, der Mittelteil allerdings zieht sich gefühlt endlos. Es passieren viele Dinge, die die Handlung kein Stück vorantreiben - die Geschichte schleppt sich über weite Strecken ganz einfach quälend langsam dahin. Auch wenn es durchaus das ein oder andere rasante und explosive Handlungselement gibt - ich verlor sehr sehr schnell das Interesse an der Geschichte. Das Interesse an den Charakteren. Und das Interesse an der Auflösung.

Leider bietet die Handlung insgesamt sehr wenige Höhepunkte und Plot Twists. Das ein oder andere hat mich durchaus überrascht, es dabei aber nicht geschafft, mich wieder zurückzuholen und mitzureißen. Vor allem auch deswegen, weil vieles blass blieb. Allen voran die Charaktere - Die Schöpfer der Wolken hat viele Protagonisten, auf denen in den Kapiteln abwechselnd der Fokus liegt. Das Gute daran: Man selbst als Leser hat einen guten Rundumblick und erfährt die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. Der große Nachteil in diesem Fall: Man weiß selbst nicht so recht, auf welche Figur man sich konzentrieren soll. Fühlt man sich gerade einem Charakter besonders nahe, ist das Kapitel schon wieder zu Ende und es geht um eine andere Figur. Gleichzeitig bleiben die Charaktere beinahe durch die Bank weg blass. Ich habe daher leider schnell das Interesse an ihren Schicksalen verloren. Kurioserweise habe ich am Ende gerade mit den beiden Figuren am intensivsten mitgefühlt, über die man am wenigsten erfährt - Andrew und Koba. Vielleicht hätte es sich gelohnt, die Perspektive ein wenig einzuschränken und sich besonders auf diese beiden Figuren zu fokussieren, denn sie haben eindeutig das größte Potential.

Überhaupt scheint es so, als habe Marie Graßhoff beim Schreiben das eigentliche Ziel der Geschichte aus den Augen verloren. Ich hatte an vielen Stellen das Gefühl, dass es einfach nicht vorwärts geht, dass Elemente, die für die Handlung eigentlich gar nicht relevant sind, zum Auffüllen benutzt wurden. Trotz der großartigen Grundideen und dem faszinierenden Konzept der Dimensionen fehlt es der Geschichte meiner Meinung nach an Tiefe. Trotz der doch recht hohen Seitenzahl werden viele Dinge nur oberflächlich behandelt - von den Charakteren über die verschiedenen Dimensionen und die Fähigkeiten der Figuren bis hin zum drohenden Ende der Welt. Offene Fragen, die auch am Ende nicht beantwortet werden, machen das Dilemma für mich perfekt. Schlussendlich war ich einfach froh, als ich das Buch endlich zuklappen und beiseite legen konnte - trotz der Poesie in einigen, wirklich fantastischen Textpassagen, trotz der gelungen umgesetzten Atmosphäre und dieser Andersartigkeit, die mich so fasziniert hat.

Mein Fazit:


Die Schöpfer der Wolken ist anders, faszinierend fremdartig und unkonventionell - leider aber absolut nicht die richtige Geschichte für mich. Obwohl ich einige der Grundideen durchaus spannend und Marie Graßhoffs Schreibstil bestechend eigen und poetisch finde, musste ich mich über weite Strecken durch das Buch quälen, verlor viel zu schnell das Interesse an Charakteren und Handlung und konnte mich letztlich mit so gar nichts an dieser Geschichte identifizieren. Zusätzlich empfand ich den Roman als ziemlich langatmig, unspektakulär und irgendwie auch unausgereift. Aus dieser Idee hätte bestimmt Großartiges werden können, für mich aber bleibt die Geschichte leider oberflächlich und schwach. Obwohl ich sehr sehr sicher bin, dass sie für andere Leser perfekt ist. Man muss es wahrscheinlich einfach mögen - oder eben nicht.

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Tags: besondere fähigkeiten, dimensionen, fantasy, science fiction, shanghai, zukunft   (6)
 

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64 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

paris, provence, frankreich, bruch mit der familie, familiengeschichte

Das geheime Lächeln

Bettina Storks
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Diana, 12.03.2018
ISBN 9783453359741
Genre: Romane

Rezension:

Große Familiengeheimnisse, verworrene Geschichten und eine gute Portion Tragik - das ist der Stoff, aus dem viele meiner Lieblingsgeschichten gemacht sind. Bettina Storks' neuer Roman Das geheime Lächeln klang deshalb nach dem idealen Buch für mich. Und tatsächlich beginnt die Geschichte wirklich vielversprechend, nämlich mit der Journalistin Emilia, die durch Zufall auf ein Bildnis ihrer Großmutter stößt und sich daran macht, deren Geschichte zu enträtseln. Die Spurensuche führt Emilia zunächst in die Provence, zu einem kleinen Haus in einem idyllisch gelegenen Örtchen. Dieses Setting ist wundervoll und sehr detailgenau ausgestaltet und nimmt einen schnell mit seiner einzigartigen Atmosphäre gefangen.

Das Gleiche gilt für das Paris der 1930er Jahre, das Bettina Storks in eingeschobenen Episoden, in denen es um Sophies erste Zeit in Frankreich geht, auferstehen lässt. Es gibt im Verlauf der Geschichte noch einige weitere Orte, die man durch die Augen der Figuren entdeckt, und ich fand sie allesamt fantastisch. Das Setting harmoniert einfach wundervoll mit der melancholischen, sehr poetischen und dramatischen Geschichte, sodass man sich schnell in einen Rausch liest und den Schmöker gar nicht mehr zur Seite legen will.

Bettina Storks gelingt es darüber hinaus außerordentlich gut, Emilias Spurensuche packend und authentisch abzubilden. Es geht nicht einfach nur um die Geheimnisse, die ans Tageslicht kommen, sondern auch um die Menschen, die eng mit Sophies Lebensgeschichte verwoben sind. So etwa um den resoluten und sehr sprachgewandten Jean-Pierre, der letzte Zeitzeuge Sophies. Es gibt so manches Wortgefecht zwischen ihm und Emilia, wobei Emilias Drang, die Wahrheit aufzudecken, ein ums andere Mal mit Jean-Pierres Schweigen und seinen Gefühlen kollidiert. Emilia war mir deshalb nicht durchgehend sympathisch, denn besonders viel Feingefühl legt sie im Umgang mit Jean-Pierre nicht an den Tag. Die Spurensuche ist jedoch auch für sie ein Lernprozess, was ich wiederum sehr schön und spannend finde.

Anfangs musste ich mich erst einmal an den Erzählstil gewöhnen, insbesondere daran, dass Storks für die Kapitel um Emilia und um Sophie zwei verschiedene Zeitformen verwendet. Das las sich für mich anfangs ein wenig stockend und holprig, passt im Nachhinein aber zu den Erlebnissen der beiden Frauen. Etwas schade fand ich, dass es so wenige Episoden aus Sophies Leben gibt und dass man ihre Geschichte wie Emilia selbst eher passiv erlebt. Ich kenne es aus anderen Romanen dieses Genres, dass zu etwa gleichen Teilen auf zwei oder mehr Zeitebenen erzählt wird und das gefällt mir prinzipiell etwas besser. Auch wenn man durch Storks' Erzählweise natürlich näher an Emilia und Jean-Pierre dran ist.

Storks schneidet in ihrem Roman viele Themen an - so zum Beispiel das Leben im von Künstlern geprägten Paris der 1930er Jahre, die Verfolgung der Juden im von den deutschen besetzten Frankreich, seelische Wunden als Folge einer abwesenden und von der Familie totgeschwiegenen Mutter... Allerdings wird das meiste wirklich nur angeteasert und auch wenn man Sophies Geschichte am Ende in ihren Grundzügen versteht und die ganze Tragik um ihre Tochter Pauline erfasst - irgendwie hatte ich trotzdem das Gefühl, dass Sophie mir immer noch fremd ist. Dass nicht alles gänzlich aufgeklärt wurde. Bei all der Tragik und angesichts des Mantels aus Schweigen, den Paulines Zieheltern über ihre Mutter Sophie decken, hatte ich mir einfach vorgestellt, dass mehr dahintersteckt. So ganz zufrieden gestellt haben mich die Auflösung und das Ende einfach nicht. Ich kann nicht genau in Worte fassen, was mich stört, aber das Gefühl der Zufriedenheit und der Versöhnung wollte sich bei mir einfach nicht so ganz einstellen.

Mein Fazit:


Das geheime Lächeln von Bettina Storks ist ein sehr poetisch geschriebener, träumerischer Schmöker mit einem wundervollen Setting und verborgenen Geheimnissen, die ganz allmählich an die Oberfläche drängen. Das Buch lässt sich wunderbar in einem Rutsch durchlesen und weiß wirklich zu verzaubern und mitzureißen. Für meinen Geschmack hätte die Geschichte jedoch noch einen Ticken tiefer in die Materie reingehen können und auch das Ende hat mich insgesamt irgendwie nicht zufriedengestellt. Trotzdem - die verworrene Familiengeschichte voller Melancholie und Urlaubsfeeling ist genau das Richtige für intensive Lesestunden.

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Tags: 1930er jahre, bruch mit der familie, familiengeheimnisse, frankreich, gemälde, große liebe, liebe, paris, provence   (9)
 

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frankreich, krimi, aquitaine, mord, marathon

Château Mort

Alexander Oetker
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.03.2018
ISBN 9783455000764
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vor ziemlich genau einem Jahr durfte ich euch Alexander Oetkers Romandebüt *Retour* vorstellen, ein Krimi, der mich mit dem traumhaften Urlaubs-Setting, dem charmanten Ermittler Luc Verlain und guter alter Detektivarbeit recht schnell in seinen Bann gezogen hat. Alexander Oetker hat damit die perfekte Basis für eine Krimireihe rundum den Schauplatz Aquitaine in Südfrankreich und seinen bisweilen unkonventionellen Kommissar geschaffen - und ein Jahr später hat mich der Hoffmann und Campe Verlag wieder überrascht, nämlich mit Chateau Mort, Luc Verlains neuem Fall. Ich habe mich sehr gefreut und darf euch den Kriminalroman nun zum Erscheinungstag vorstellen:

Chateau Mort hat ein paar Seiten mehr als sein Vorgänger und die Handlung setzt einige Wochen nach Luc Verlains spektakulärer Rückkehr in seine alte Heimat, das an der Atlantikküste gelegene Aquitaine in Südfrankreich, ein. Es ist Hochsommer, eine ungeheure Hitzewelle hält die Gegend in Atem und die Weinlese sowie der traditionelle Marathon du Médoc stehen kurz bevor. Und damit beginnt sie auch schon - die unterhaltsame Geschichte um alte, ehrwürdige Weingüter und Chateaus, um fantastisches Essen und guten Rotwein, um fiese Intrigen und natürlich einen rätselhaften Mordfall. Die Ausgangssituation ist vielversprechend - Luc Verlain ermittelt wieder!

Fast noch mehr als bei seinem Debütroman setzt Alexander Oetker bei Chateau Mort auf die Atmosphäre - er präsentiert dem Leser eine fremde und zugleich verlockende Welt. Die Welt des exquisiten Genusses, des berühmten französischen Rotweins und lokaler Spezialitäten des Aquitaine - und eine Welt, in der die ansässigen Winzer erbittert um den besten Wein und nicht selten ums pure Überleben kämpfen. Diese Welt hat etwas Bittersüßes und zu dem Urlaubsfeeling und dem Fernweh, die das Setting bereits nach den ersten Seiten in mir ausgelöst hat, gesellt sich das Gefühl von Verrat, von unterschwelliger Bedrohung. Diese ganz besondere Atmosphäre hat mich absolut gefangen genommen - Alexander Oetker versteht es einfach perfekt, Südfrankreich aufs Papier zu bringen.

Hinter all diesen großartigen Beschreibungen der Lebensumstände, der Landschaft, des Essens und ja, einfach des auf den ersten Blick so unbeschwerten Lebens im Aquitaine, tritt der Kriminalfall fast ein wenig in den Hintergrund. Was ich aber nicht negativ meine - vielmehr fügen sich Setting, Charaktere und der Fall zu einer unterhaltsamen und in sich stimmigen Geschichte zusammen. Mir hat dabei sehr gefallen, dass Luc Verlain noch ein wenig unkonventioneller und vielleicht auch selbstsicherer ermittelt als in Retour, was vermutlich an seiner persönlichen Verwicklung in den Fall liegt - denn der Hauptverdächtige ist sein jahrelanger und guter Freund Richard. Was soll ich sagen, ich steh total auf Luc: Nicht nur, weil er als charmant und gutaussehend beschrieben wird, sondern vor allem weil er ein Mann mit Prinzipien, mit Verstand und der Fähigkeit, zu differenzieren, ist. Weil er sich immer auf sein Bauchgefühl verlassen kann. Seine Partnerin Anouk ist da eher der spontane und impulsive Typ, sie ist mir noch immer nicht hundertprozentig sympathisch, aber sie ist definitiv das perfekte Gegenstück zu Kommissar Luc Verlain.

Worauf also kann man sich in Chateau Mort freuen? Auf ein fantastisches Setting an der Atlantikküste und damit verbundene Urlaubssehnsucht. Auf einen interessanten und dabei unterhaltsamen Exkurs in Sachen Wein. Auf einen rätselhaften Mordfall mit überraschenden Wendungen, jeder Menge Verwicklungen und der ein oder anderen Intrige. Auf den charmanten und eher unkonventionellen Ermittler Luc Verlain und natürlich auf die von mir so geschätzte, gute alte Detektivarbeit. Kurzum - auf einen detailreich ausgeschmückten Frankreichkrimi mit hohem Unterhaltungswert. Auch wenn es mir persönlich ein bisschen mehr Spannung hätte sein können - ich bin großer Luc Verlain Fan. Alexander Oetkers Verlain-Krimis machen einfach unheimlich viel Spaß!

Mein Fazit:

Chateau Mort ist wie sein Vorgänger ein Wohlfühlkrimi vor einer atemberaubenden Kulisse. Mich hat auch Luc Verlains zweiter Fall köstlich unterhalten, denn der charmante Kommissar ist mir einfach ans Herz gewachsen, die atemberaubende Gegend stillt mein Verlangen nach Meer und Sonne und der Kriminalfall überzeugt mit unvorhergesehenen Wendungen und fiesen Intrigen. Ein bisschen packender hätte es für mich sein können, aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt - auch Chateau Mort ist insgesamt einfach ein großartiger Krimi mit hohem Unterhaltungswert!

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Tags: frankreich, frankreichkrimi, krimi, kriminalroman, mord, mordfall   (6)
 

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verlust, trauer, tod, zwillinge, die stille meiner worte

Die Stille meiner Worte

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 09.03.2018
ISBN 9783764170790
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Spätestens seit *Wir fliegen, wenn wir fallen* und *For Good* ist Ava Reed für mich so etwas wie die Meisterin der Gefühle. Gar nicht im kitschigen Sinne, sondern wirklich bezogen auf die intensiven, mächtigen und manchmal niederdrückenden Gefühle, die wir alle kennen und über die wir nicht so gerne sprechen. Ava konfrontiert uns mit ihnen, zeigt sie uns, lässt sie uns so spüren, als wären es unsere eigenen. Und ganz genau das macht ihren neuesten Jugendroman Die Stille meiner Worte zu dem, was er ist: Eine melancholische Geschichte über die Stille, die der Tod eines geliebten Menschen in uns zurücklässt. Eine Stille, die so ohrenbetäubend und alles verschlingend ist, dass man sie mit Worten nicht vertreiben kann.

Diese Stille fühlt und lebt die 17-jährige Hannah, die mit dem Tod ihrer geliebten Zwillingsschwester Izzy ihre Worte verloren hat. Seit dem Augenblick, in dem Izzy starb, ist Hannah stumm. Ein Umstand, der die Geschichte wahnsinnig intensiv und bedrückend macht. Denn Hannah spricht zwar nicht, aber sie denkt und fühlt unheimlich viel. Ihr Kopf ist voller Gedanken, viele davon düster, schmerzhaft, hoffnungslos und selbstzerstörerisch, und Hannah hat nicht die Kraft, sie auszusprechen. Die tiefe Liebe zu ihrer Schwester und das Nichts, das ihr Tod hinterlassen hat, nehmen Hannah Tag für Tag die Luft zu atmen und drücken sie nieder. Ihre Stille und ihre stumme Verzweiflung haben sich beim Lesen auf mich übertragen und mich diesen unvorstellbaren Schmerz mit jeder Pore nachfühlen lassen. Denn die Worte, die Hannah nicht spricht, sind so echt, klar und gewaltig, dass sie sich wie kleine Messer in mein Herz gebohrt haben. Ich hoffe, ich kann das, was ich beim Lesen empfunden habe, überhaupt richtig ausdrücken - denn auch mir fehlen nach diesem intensiven Erlebnis ein wenig die Worte...

Hannahs Stille hat mich anfangs komplett überrumpelt, denn obwohl ich ja aufgrund des Klappentextes eigentlich wusste, was auf mich zukommt, haben mich die einseitigen Dialoge und Hannahs stumme Antworten auf den ersten Seiten noch irritiert und befremdet. Ihr wisst ja: Ich liebe Dialoge, ich liebe viele Dialoge und ich liebe laute Dialoge. Das findet man zumindest im ersten Teil von Die Stille meiner Worte nicht - die Geschichte ist ruhig und leise, wobei ihre Kraft in den all den ungesagten Worten liegt, in all den Gefühlen und Gedanken, die Hannahs Kopf füllen. Es ist das Ungesagte, es sind die Worte, die zwischen den Charakteren im Raum schweben, die den Leser die Geschichte so intensiv und nah wahrnehmen lassen.

Es klingt fast ein wenig ironisch, aber Ava findet genau die richtigen Worte für Hannahs Stille. Ava schreibt wundervoll poetisch, sehr metaphorisch und bildhaft - und dieser Stil passt einfach atemberaubend gut zu Hannahs Stille und zu Hannahs Worten. Die Art und Weise, wie Ava die so schmerzhafte Geschichte dieses zerbrochenen Mädchens erzählt, ist einfach sensationell - bewegend, authentisch und so kraftvoll, dass sich all das, was Hannah fühlt, auf einen selbst überträgt. Das tut weh, ist teilweise beängstigend, nimmt einem die Luft zum Atmen und zerreißt einem schier das Herz. Aber es gibt auch Hoffnung - Hoffnung darauf, dass Hannah ihre Worte wiederfindet und dass es für sie einen Weg gibt, mit dem Verlust und dem Schmerz zu leben. Denn natürlich ist Die Stille meiner Worte nicht nur eine Leidensgeschichte, es ist die Geschichte eines Mädchens, das erst wieder lernen muss, zu leben, zu atmen, zu sprechen, zu tanzen, glücklich zu sein und sich selbst zu lieben. Diesen Prozess bildet Ava in ihrem Roman auf eindrucksvolle und absolut einnehmende Art und Weise ab, denn jeder kleine Schritt, den Hannah macht, hat auch mir ein kleines Stück meines Herzens zurückgegeben.

Es gibt zwei Dinge, die Hannah im Hier und Jetzt verankern, die sie daran hindern, in all ihrer Trauer den Boden unter den Füßen und damit sich selbst zu verlieren. Zum einen ist das Mo, der Kater ihrer Schwester Izzy. Mo ist ein so treues und friedliches Tier, das Hannah mit seiner stillen Anwesenheit spürbar Trost spendet und ihr ein kleines Stück von Izzy zurückgibt. Das ist ein so unheimlich schöner Gedanke, dass ich mir beim Lesen das ein oder andere Tränchen verdrücken musste, denn als Mutti zweier anhänglicher Fellnasen weiß ich, wie viel Kraft und Trost man aus der bloßen Anwesenheit von Katzen ziehen kann. Es hat mir in so manch schwieriger Situation das Leben gerettet.

Zum anderen ist da Levi, der selbst sehr in sich gekehrt ist und wie Hannah ein Stück weit verloren wirkt. Levi ist der Mensch, der Hannah anders behandelt als ihr gesamtes Umfeld. Der ihre Trauer akzeptiert und versteht und der ihr schließlich dabei hilft, sich selbst zu heilen. Die Stille meiner Worte ist aber nicht - und das gefällt mir besonders gut an diesem Roman - eine schmalzige Romanze mit zwei gebrochenen Teenagern als Hauptakteuren. Nein, es ist die Geschichte einer noch viel tieferen, auf jeden Fall aber einer ganz anderen Liebe - der Liebe eines Mädchens zu ihrer Zwillingsschwester. Auch wenn wir Izzy nicht kennenlernen, lassen Hannahs Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, ganz besonders aber ihre Briefe an sie, sie Wirklichkeit werden, sie auferstehen. Levi hingegen wird im Verlauf der Handlung sozusagen ein zweiter Mo für Hannah - er wird ihr Anker, ihr Bezugspunkt zur Wirklichkeit - er ist die Kraft, die sie aus dem Dunkeln und ins Licht zieht.

Bevor ich euch mit meinem nun doch recht ordentlichen Wörterschwall zu Die Stille meiner Worte überflute, möchte ich noch auf ein in meinen Augen sehr wichtiges Detail der Geschichte zu sprechen kommen. Nachdem Hannahs Eltern überhaupt nicht mehr zu ihr durchdringen können, melden sie sie auf einem besonderen Internat an - Sankt Anna. Dort nimmt man sich Jugendlicher an, die "spezielle Probleme" haben, wie es im Buch selbst heißt. Jugendliche wie Hannah, die einen schweren Verlust verwinden, wie Sarah, die ihre Rollkragenpullis wie eine Rüstung trägt, wie Levi, für den Sankt Anna das einzige Zuhause geworden ist, das er hat, wie Lina, die sich ruppig und knallhart gibt, damit niemand merkt, wie kaputt sie innen drin ist. Ich finde, Ava hat ihr ein tolles Konzept geschaffen, denn Sankt Anna zeigt, wie wichtig es ist, Kinder und Jugendliche mit einer schlimmen Vergangenheit und mit schwerwiegenden Problemen nicht allein zu lassen, sondern auf sie einzugehen, sie anzuleiten und ihnen doch den Freiraum zu lassen, den sie brauchen. Ein weiterer Aspekt des Buches, der mich sehr bewegt hat und den ich im Gesamtkontext einfach wunderschön finde.

Mein Fazit:

Eine kleine Liebeserklärung: Ich liebe Avas poetischen, sehr metaphorischen Schreibstil. Ich liebe die Art und Weise, wie sie eine Geschichte erzählt - so voller Feingefühl, Liebe und Intensität. Ich liebe es, dass ihre Geschichten mich mitten ins Herz treffen, mich erst in gewisser Weise verletzen und mich dann ganz sachte wieder zusammensetzen. Ich liebe Die Stille meiner Worte, diesen ruhigen, leisen und doch so gewaltigen Roman, der beim Lesen so so vieles mit mir gemacht hat. Ich hoffe, es ist mir irgendwie gelungen, auszudrücken, wie sehr mich diese Geschichte berührt, mitgenommen und beeindruckt hat. Aber ich fürchte, in meinem Kopf sind immer noch so viele Worte, die einfach nicht nach draußen finden. Nur eins noch: Danke! Danke, Ava, für diese unglaubliche, diese atemberaubende Geschichte. Danke für deine Worte!

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Tags: tod, trauer, verlust, zwillinge, zwillingsschwester   (5)
 

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315 Bibliotheken, 12 Leser, 1 Gruppe, 59 Rezensionen

hitler, verrat, nationalsozialismus, adolf hitler, der junge auf dem berg

Der Junge auf dem Berg

John Boyne , Ilse Layer
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 24.08.2017
ISBN 9783737340625
Genre: Romane

Rezension:

Es ist eigentlich ein kleiner Skandal, dass ich euch noch nie ein Buch von John Boyne vorgestellt habe - denn seit Der Junge im gestreiften Pyjama gehört der irische Schriftsteller zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Ich liebe ihn vor allem für seine Gabe, das Unvorstellbare in Worte zu fassen (wer Der Junge im gestreiften Pyjama kennt, weiß wovon ich rede). Und genau diese Fähigkeit kennzeichnet auch seinen neuesten Roman Der Junge auf dem Berg. Wieder geht es um einen Jungen, wieder geht es um den Nationalsozialismus - diesmal aber zeigt Boyne dem Leser auf ebenso eindrucksvolle wie schmerzhafte Weise, wie zerbrechlich und anfällig die unschuldige Seele eines Kindes ist.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der kleine Pierrot - ein kluger und aufgeweckter Junge, den man schon nach den ersten Seiten lieb gewinnt. Pierrot wächst als Sohn eines deutschen Ex-Soldaten und einer Französin in Paris auf, hat einen besten Freund namens Anshel, einen treuen Hund und eine große Fantasie. Als er sieben Jahre alt ist, gerät Pierrots kleine glückliche Welt das erste Mal aus den Fugen, denn nach dem tragischen Tod seines Vaters, der die Schrecken des Ersten Weltkrieges nie verwunden hat, verliert er auch seine Mutter. Er kommt in ein Waisenhaus und muss Anshel, seinen geliebten Hund und seine Heimat Paris hinter sich lassen. Mir hat es beim Lesen fast das Herz gebrochen, denn Pierrot wirkt so verloren, so hilflos und irgendwie auch entwurzelt.

Noch deutlicher zeigt sich das, als er wenig später von seiner Tante aus Deutschland adoptiert wird - allein nimmt er die lange Zugfahrt von Frankreich bis nach Berchtesgaden auf sich und wird hineingeworfen in eine ihm völlig fremde Welt. Man spürt überdeutlich, dass Pierrot sich zunehmend selbst verliert und keine Ahnung hat, wer er eigentlich ist oder sein soll. Umso mehr, als seine Tante ihm einschärft, dass er sich fortan nicht mehr als Franzosen bezeichnen darf und seinen französischen Namen Pierrot gegen die deutsche Variante Peter eintauschen soll. Pierrot ist mit seinen 8 Jahren so jung und unschuldig, dass er gar nicht begreift, wieso er das tun soll. Oder wieso es auf einmal ein Problem ist, dass sein bester Freund Anshel Jude ist. Wieso er ihn niemals wieder erwähnen, wieso er ihm keine Briefe mehr schreiben soll.

Aber Pierrot tut, was man ihm sagt, denn er sehnt sich so sehr nach Liebe, Anerkennung und Freundschaft - es zerreißt einem schier das Herz. Und dann kommt der Wendepunkt, denn Pierrots Tante ist Haushälterin und sie führt nicht irgendeinen Haushalt - sie führt den Berghof, die Sommerresidenz des Führers auf dem Obersalzberg. Die Begegnung zwischen Adolf Hitler und Pierrot ist unvermeidlich und als es soweit kommt, hält man beim Lesen gespannt den Atem an. Was dann passiert, ist kaum zu fassen und dabei doch so erschreckend authentisch und echt. Hitler nämlich ist für Pierrot schnell das, was einer Vaterfigur am nächsten kommt. Er ist ein Vorbild, ein Mann in Uniform, vor dem man Respekt hat und dem man treu dienen kann. Etwas, in dem Pierrot voll aufgeht, denn endlich fühlt er sich wichtig, endlich hat er wieder eine Identität - die des stolzen deutschen Buben. Die des braven Mitglieds der Hitlerjugend.

Die nationalsozialistische Gesinnung, mit der Pierrot fortan jeden Tag konfrontiert wird, dringt ihm in jede Pore und verändert sein Wesen von Grund auf. Dieser Prozess ist so eindringlich dargestellt, dass einem glatt die Luft wegbleibt. John Boyne zeigt, wie einfach es ist, den Geist eines unschuldigen Kindes zu vergiften und es zum strammen Nazi zu erziehen. Das spielt nicht nur im historischen Kontext eine Rolle, sondern auch und vor allem im Hinblick auf den weltweiten Rechtsruck, den wir aktuell erleben. Was aus Pierrot wird - wie er zuerst seinen ehemals besten Freund Anshel verleugnet, wie er sich selbst als die Krone der Schöpfung, als den Herrenmenschen begreift, wie er den Krieg als neue Chance für Deutschland und für "sein" Volk feiert, wie er als verlorene Seele in seiner neuen Identität als folgsamer Deutscher aufgeht... gewaltig, unglaublich schmerzhaft, entsetzlich, authentisch und dabei einfach sensationell. John Boyne erzählt auch mit Der Junge auf dem Berg wieder eine Parabel von einem kleinen Jungen in Kriegszeiten, die uns auf eindringliche und dabei so schmerzhafte Weise dazu bringt, hinzuschauen und uns zu fragen - was hätten wir wohl getan? Was wäre aus uns geworden? Denn wenn der kleine Pierrot empfänglich ist für diese Art der "Gehirnwäsche" - sind wir es dann nicht alle?

Mein Fazit:

Was für ein phänomenales, wichtiges und großes Buch! John Boyne bringt uns auch mit Der Junge auf dem Berg wieder zum Nachdenken, er bildet ab, wie aus einem unschuldigen Jungen ein Faschist wird - wie einfach es ist, sich selbst zu vergessen, wenn man alles verloren hat. Mich hat diese Geschichte tief erschrocken und verstört, denn sie trägt so viel Wahrheit in sich. Ein unglaubliches Werk, dass definitiv das Zeug zum modernen Klassiker hat!

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Tags: adolf hitler, hitlerjugend, hj, holocaust, nationalsozialismus, zweiter weltkrieg   (6)
 

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469 Bibliotheken, 23 Leser, 0 Gruppen, 101 Rezensionen

fantasy, palace of glass, london, magdalenen, c. e. bernard

Palace of Glass - Die Wächterin

C. E. Bernard , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 19.03.2018
ISBN 9783764531959
Genre: Fantasy

Rezension:

Fantasy (vor allem Jugendfantasy) ist für mich immer irgendwie schwierig, weil man einfach so vieles schon gelesen hat und es (gefühlt) kaum noch neue und wirklich innovative Ideen gibt. Eine solche Idee aber macht den besonderen Zauber von C. E. Bernards Romandebüt und Trilogie-Auftakt Palace of Glass aus. Beziehungsweise mehrere Ideen, denn es gibt tatsächlich einiges, was ich an dieser Geschichte wirklich spannend fand. In allererster Linie ist das das Setting, das mich anfangs etwas irritiert hat. Denn die Geschichte spielt in einem London, in dem strenge Gesetzte die Menschen zu einem Leben in völliger Sittsamkeit und ja, Zurückgezogenheit verdammen. Da Berührungen verboten sind, kleiden sich die Menschen in lange, hochgeschlossene Roben, tragen von morgens bis abends Handschuhe und halten die Arme gut sichtbar auf dem Rücken. All diese Konventionen und auch die Darstellung des Königshauses, die Ächtung der sogenannten Magdalenen und die teilweise mittelalterlichen Praktiken (wie zum Beispiel Folter) zeichnen das Bild eines viktorianischen, wenn nicht sogar elisabethanischen Englands. Und jetzt kommt das Besondere: Die Geschichte spielt nicht in der Vergangenheit und auch nicht in einer Parallelwelt, sondern in der Zukunft.

Das war für mich zugegebenermaßen ein kleiner Schock, denn als Rea auf den ersten Seiten ein Handy aus ihrem langen Gewand zieht, bin ich tatsächlich fast vom Glauben abgefallen. Der technische Fortschritt, den Bernard andeutet, steht einfach im krassen Kontrast zu der teilweise sehr rückständigen und von fragwürdigen Konventionen geprägten Gesellschaft. Ich brauchte eine Weile, um mich mit dieser besonderen Welt anzufreunden, aber es ist eben auch eine Welt, die eine düstere Faszination auf den Leser ausübt und die unheimlich detailreich ausgeschmückt ist. Aus der Gestaltung dieses historisch anmutenden Londons liest man deutlich Bernards Faible für Shakespeare heraus - gekonnt verbindet sie historische Details mit fantastischen und futuristischen Elementen und erschafft so etwas ganz Neues und definitiv Einzigartiges.

Bernards London der Zukunft trägt außerdem dystopische Züge, die sich vor allem in der Ausgrenzung der Magdalenen und der totalitären Monarchie zeigen. Sie schafft eine bedrohliche Grundstimmung und auf diese Weise ein außergewöhnlich atmosphärisches Leseerlebnis. Mit Rea, einer jungen und äußerst cleveren Magdalena, liefert sie darüber hinaus eine starke Protagonistin mit einem vielschichtigen Charakter. Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird und der Fokus dabei überwiegend auf Reas Gefühls- und Gedankenwelt liegt, baut man schnell eine Bindung zu ihr auf und begreift die gefährliche Welt gleichzeitig aus der Sicht einer Untergetauchten. Ein spannender Blickwinkel, der die Geschichte umso faszinierender und lebendiger macht.

Eine weitere originelle Idee versteckt sich hinter dem Konzept der Magdalenas. Bei diesen handelt es sich um Menschen, die durch Berührung die Gedanken anderer Menschen "lesen" und diese manipulieren können. Diesen Vorgang durchlebt man beim Lesen einige Male und Bernard beschreibt ihn derart plastisch und fantastisch, dass man das Gefühl hat, dabei in eine Art Zwischenwelt gesogen zu werden. Grandios! Im ersten Band bietet Bernard außerdem bereits einen kleinen Einblick in die Kultur und die Organisation der Magdalenas und hier steckt wirklich viel Potenzial für die Nachfolgebände drinnen und ich bin gespannt, was wir im Verlauf der Reihe über die Magdalenas und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten erfahren werden.

Der Roman ist also angefüllt mit zahlreichen faszinierenden, fantastischen und spannenden Elementen, die eine reichhaltige Basis für die Geschichte bilden. Die Handlung hat vor allem Reas zunehmend verzweifelten Versuch, ihre Fähigkeiten zu verbergen, ihr gefährliches Leben als Bodyguard des Kronprinzen im gläsernen Buckingham Palace und, der Klappentext deutet es bereits an, die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Rea und Prinz Robin zum Gegenstand. Hier gibt es einige Überraschungen und gelungene Plot Twists, die Spannung aufkommen lassen, aber auch ein paar sehr stereotype Handlungselemente. Der ruppige, eingebildete Prinz etwa, hinter dessen Fassade sich ein sanftmütiger, liebenswerter Charakter verbirgt. Oder die Magdalena Rea, die sich eben ausgerechnet in ihren ärgsten Feind verliebt. Die Romanze zwischen den beiden hat mich einfach nicht so ganz vom Hocker gerissen - das hat dafür aber die phänomenal gestaltete Welt mit all ihren Tücken und Gefahren und dabei ihrer düster faszinierenden Schönheit geschafft. Und genau deswegen bin ich super gespannt auf den zweiten Band der Reihe.

Mein Fazit:

Ein Fantasy-Debüt, das mich überrascht, fasziniert und in seinen Bann gezogen hat: Palace of Glass - Die Wächterin ist ein vielversprechender und spannender Reihenauftakt mit einem spektakulären Worldbuilding, einer starken Heldin und jeder Menge Überraschungsmomenten. Ich war zwar nicht ganz so empfänglich für die doch sehr typische Liebesgeschichte, alles andere aber hat mich absolut überzeugt. Sicherlich eine der großen Neuerscheinungen im Frühjahr. Freut euch drauf!

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Tags: besondere gabe, fantasy, geheimnis, königshaus, liebe, london, verbotene liebe, viktorianisches london   (8)
 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

nationalsozialismus, anne frank, biografie, comic, graphic novel

Anne Frank

Sid Jacobson , Ernie Colón
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 15.11.2010
ISBN 9783551791856
Genre: Comics

Rezension:

Im Comic-Laden ist mir die grafische Biografie von Anne Frank direkt ins Gesicht gesprungen, denn schon das Graphic Diary (*Das Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary*) hat mich sehr beeindruckt und tief bewegt. Obwohl ich mich mit Anne Franks Leben mittlerweile ziemlich gut auskenne, war ich neugierig auf Jacobsons und Colóns Biografie, nicht zuletzt deshalb, weil ich bisher noch nie eine grafische Biografie gelesen habe. Was ist das Besondere daran? Vor allem natürlich, dass die Biografie in Form eines Comic-Strips erzählt wird. Hierzu haben die Autoren die Geschichte der Anne Frank und ihrer Familie auf die wichtigsten Stationen gerafft und im Comic-Stil umgesetzt.

Die Biografie umfasst dabei, anders als das Tagebuch und die Graphic Novel zum Tagebuch, Anne Franks gesamtes Leben, beginnt bei dem Kennenlernen ihrer Eltern und schließt auch das Geschehen nach der Verhaftung im Hinterhaus mit ein. Dabei erzählen Jacobson und Colón jedoch nicht nur Annes Geschichte, sondern betten die Geschehnisse in ihrem Leben in den historischen Kontext ein. In kleinen Exkursen, die jeweils mit dem Hinweis "Schlaglicht" betitelt sind, klären die Autoren über markante Ereignisse wie zum Beispiel die Machtergreifung Hitlers, die Nürnberger Rassengesetze, die Reichskristallnacht, die Konzentrations- und Vernichtungslager und das Ende des Krieges auf. Auch diese kleinen Exkurse werden von Zeichnungen untermalt oder mit passenden Karten ergänzt, was sie anschaulich und einprägsam macht. Für den erwachsenen Leser sind die Hinweise vielleicht eine Auffrischung des eigenen Wissens, für Kinder und Jugendliche aber sind sie optimal, denn sie helfen dabei, Annes Erfahrungen und Erlebnisse einzuordnen und das Geschehene zu verstehen.

An einigen Stellen binden die Autoren außerdem Original-Zitate aus Annes Tagebuch ein, was das Erzählte lebendiger macht, meiner Meinung nach aber nicht immer perfekt gelungen ist. Ari Folman und David Polonsky haben Annes Worte in ihrer Graphic Novel in meinen Augen besser in die Geschichte integriert - bei Jacobson und Colón wirken sie teilweise merkwürdig lose und deplatziert. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt, der mir im direkten Vergleich mit dem grafischen Tagebuch von 2017 aufgefallen ist. Ansonsten ist die Biografie wirklich sehr eindrucksvoll und bietet vor allem auch eine kindgerechte Herangehensweise an eine ernste Thematik.

Noch ein paar Worte zu den Zeichnungen: Die Comic-Strips sind relativ einfach gehalten und nicht zu überladen, sodass sie die Erzähltexte und Dialoge optimal ergänzen. Die Zeichnungen sind außerdem sehr kraftvoll und ebenso wie die gesamte Aufmachung der Biografie auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten. Mir persönlich gefallen sie nicht ganz so gut wie die intensiven Bilder der grafischen Tagebuch-Version, aber das ist schlicht Geschmackssache.

Mein Fazit:

Anne Frank. Die Comic-Biografie ist vor allem für Kinder und Jugendliche sowie für Menschen, die sich bisher noch nicht eingehender mit Anne Franks Geschichte beschäftigt haben, das ideale Buch. Eindringlich und prägnant erzählen Sid Jacobson und Ernie Colón die bewegende Lebensgeschichte der Anne Frank und betten sie sehr gelungen in die historischen Ereignisse ein. Ich persönlich mochte die Comic-Strips nicht ganz so gerne wie die des grafischen Tagebuchs von Polonsky und Folman, das Buch ist aber trotzdem ein wirklich gelungenes und sehr berührendes Werk, das sich einer ernsten Thematik auf sehr feinfühlige Art und Weise nähert.

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Tags: anne frank, biografie, comic, drittes reich, graphic novel, holocaust, judenverfolgung, nationalsozialismus, tagebuch der anne frank   (9)
 

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

judenverfolgung, niederlande, deutsche besetzung, holocaust, amsterdam

Das Mädchen im blauen Mantel

Monica Hesse , Cornelia Stoll
Fester Einband: 286 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.01.2018
ISBN 9783570172834
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist kein Geheimnis - Romane über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust stehen ganz oben auf meiner Leseliste. Einfach weil mich die Thematik seit meiner Kindheit beschäftigt und nicht loslässt, aber auch weil ich es wichtig finde, Geschichten über Menschen zu lesen, die sich in einer Zeit des Grauens ihre Menschlichkeit bewahrten. So ein Mensch ist auch Hanneke, die Protagonistin in Monica Hesses Jugendroman Das Mädchen im blauen Mantel. Auf den ersten Blick jedoch ist Hanneke vor allem eine Überlebenskünstlerin, die die Lebensmittelknappheit unter der deutschen Besatzung Amsterdams nutzt, um mit Schwarzmarktgeschäften Geld zu verdienen und das Leben für sich und ihre Eltern halbwegs angenehm zu gestalten.

Ich würde sagen - Hanneke ist anfangs weder ein besonders sympathischer noch ein unsympathischer Mensch. Sie ist einfach cleverer als die meisten Menschen und gleichzeitig fast schon etwas gleichgültig, was den Krieg betrifft. Sie wirkt, als würde sie Tag für Tag einfach funktionieren, was man spätestens dann versteht, als sich herausstellt, dass Hannekes große Liebe Bas als Soldat an der Front umkam. Es ist ein Erlebnis, das Hanneke einerseits lähmt, sie andererseits aber auch nach vorne blicken lässt. Hanneke steht außerdem sinnbildlich für alle Menschen, die damals "weggeschaut", sich nicht dem Widerstand gegen die Nazis angeschlossen, nichts gegen die Deportationen ihrer jüdischen Nachbarn und Freunde unternommen haben. Denn sie blendet das Leid der Menschen schlicht aus, um sich und ihre Familie relativ unbeschadet durch den Krieg zu bringen. Sie will nicht sehen, was sich direkt vor ihrer Nase wirklich abspielt.

Das ändert sich, als Hanneke überraschend einen sehr ungewöhnlichen Auftrag erhält - sie soll ein verschwundenes jüdisches Mädchen finden, das bei einer ihrer Kundinnen untergetaucht war. Anfangs sträubt sich Hanneke noch gegen diesen in ihren Augen absurden und aussichtslosen Auftrag, kann sich der Verzweiflung der alten Dame, die sich große Sorgen um das verschwundene Mädchen macht, aber schon bald nicht mehr entziehen. Halbherzig und widerwillig erklärt sich Hanneke also bereit, das Mädchen zu suchen und setzt damit einen Prozess in Gang, den ihrer eigenen Charakterentwicklung. Denn je tiefer Hanneke gräbt, je näher sie dabei dem antifaschistischen Widerstand Amsterdams kommt - desto mehr steigert sie sich in die Suche nach der vermissten Mirjam hinein. Man spürt schnell, dass Mirjam für Hanneke zum Sinnbild für all die deportierten, vermissten, ermordeten Menschen wird, denen sie nicht helfen kann. Hanneke ist bald schon regelrecht besessen davon, Mirjam zu finden, wobei mich ihre eigene Verzweiflung tief beeindruckt hat.

Das Verschwinden von Mirjam und der Auftrag, sie zu finden, öffnen Hanneke die Augen. Zeigen ihr, was sie bislang nicht sehen wollte, und zeigen ihr auch, dass sie als aktiver Teil des Widerstands etwas dagegen tun kann. Monica Hesse skizziert mit der Charakterentwicklung ihrer jungen Protagonistin ein mögliches "Was-wäre-wenn"-Szenario, einen möglichen Weg hinaus aus der Gleichgültigkeit und hinein in den aktiven Widerstand. Es war einerseits irgendwie befriedigend und wohltuend, andererseits aber auch schmerzhaft, Hanneke dabei zu beobachten, wie sie den ganzen Schrecken des Nazi-Regimes begreift.

Die Art, wie Monica Hesse die Geschichte von Hanneke und dem jüdischen Mädchen Mirjam erzählt, ist außerdem sehr klug gewählt und überzeugend umgesetzt. Der Roman liest sich wie ein Krimi - Hanneke übernimmt die Rolle des Detektivs, geht auf Spurensuche und setzt Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammen. Eingebettet in das sehr authentische Setting des von den Deutschen besetzten Amsterdams und vor dem Hintergrund der Deportation und Ermordung niederländischer Juden, entsteht so eine zum Nägelkauen spannende, unheimlich atmosphärische und wahnsinnig emotionale Geschichte. Man kann und will das Buch kaum aus der Hand legen, denn es ist so berührend und dabei so wahr...

Mein Fazit:
Eine packende Spurensuche, der verzweifelte Wettlauf gegen die Zeit und die Übermacht der Nazis, eine Geschichte, die unter die Haut geht. Monica Hesses Das Mädchen im blauen Mantel ist ein Pageturner, der fesselt, berührt und nicht mehr loslässt. Für mich eine große, sensationell erzählte Geschichte, die man wirklich gelesen haben sollte!

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Tags: amsterdam, deutsche besetzung, holocaust, judenverfolgung, niederlande, zweiter weltkrieg   (6)
 

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47 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

liebe, dschungel, fantasy, spannung, super cool und spannend

Mondlicht in deinen Augen

Lena Klassen
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 26.02.2018
ISBN 9783959914710
Genre: Fantasy

Rezension:

Mondlicht in deinen Augen von Lena Klassen ist der erste Teil der Reihe um die Legenden der Unaschkin und für mich jetzt schon etwas Besonderes, weil ich von selbst wohl nicht zu diesem Buch gegriffen hätte. Ich hatte es einfach nicht wirklich auf dem Schirm, den Klappentext zwar schon einmal überflogen, aber nicht wirklich abgespeichert. Dann jedoch hat mich das Buch als Überraschungspost aus dem Drachenmond Verlag erreicht und ich dachte mir: Gut, ich gebe der Geschichte eine Chance. Und genau das mag ich so gerne an Überraschungsbüchern - man lässt sich hin und wieder auf Geschichten ein, die man sonst womöglich niemals entdeckt hätte. Und in diesem Fall wäre mir wirklich etwas entgangen, denn Lena Klassen hat mir (altem Fantasymuffel) gezeigt, wie anders, ungewöhnlich und fesselnd moderne Fantasy sein kann.

Nach den ersten Seiten war ich noch nicht wirklich überzeugt, denn ich dachte: Möp, nicht schon wieder - gelangweilte Tochter aus reichem Hause lernt sexy Soldat kennen, schmeißt alles hin und folgt ihm direkt bis ans Ende der Welt. Ich hielt Meriande zu Beginn für einen wirklich stereotypen Charakter ohne Tiefe, ich hielt das Verhältnis zwischen ihr und dem Soldaten Ruovan für ein in diesem Genre klassisches und gleichzeitig ging es mir zwischen den beiden viel zu schnell. Genau das war jedoch der Punkt, der mich gierig weiterlesen ließ, denn ich hatte unterschwellig das Gefühl, dass das doch niemals alles sein kann. Ich hatte dieses Gefühl, dass dies nicht der Beginn einer großen Liebesgeschichte ist und war deswegen neugierig, was stattdessen auf mich zukommen würde.

Und ich habe mich nicht getäuscht - Lena Klassens Aufhänger leitet die Geschichte zwar mit der anfangs naiven und allzu schnell liebesblinden Meriande ein, führt jedoch direkt hinein in ein spannendes, atmosphärisches und für mich so vollkommen unerwartetes Abenteuer. Da wäre zunächst der Schauplatz: Sobald Meriande die dekadente Hauptstadt des Großreichs Nordun hinter sich lässt, schlägt einen der Dschungel mit all seinen Eigenarten und Gefahren in seinen Bann. Lena Klassen gelingt es einfach großartig, diese fremde Welt detailreich auszuschmücken, sodass sie plastisch, greifbar und absolut überwältigend wirkt. Ich habe die Atmosphäre des Dschungels geradezu genossen, weil ich die Kulisse so so fantastisch finde. All die fremdartigen Pflanzen, Tiere, Geräusche, Sinneseindrücke - es fühlt sich beinahe so an, als wäre man wirklich dort.

Der Schauplatz ist aber natürlich nicht das einzige, was mich an Mondlicht in deinen Augen fasziniert hat. Auch die Handlung hat mich wirklich überrascht, denn Lena Klassen spielt anfangs mit den Erwartungen des Lesers, schlägt aber dann eine völlig andere Richtung ein und hat zumindest mich damit komplett überrumpelt. Ich hatte mich auf ein schnulziges Wiedersehen zwischen Meriande und Ruovan inmitten der Düsternis des Dschungels und auf eine Liebe entgegen aller Widrigkeiten eingestellt - letzteres habe ich bekommen, aber auf völlig andere Weise als erwartet. Denn mit den Unaschkin werden unheimlich interessante Figuren (beziehungsweise vielleicht eher Wesen) eingeführt, die so faszinierend und magisch schön wie ambivalent und grausam sind. Diese fremde Kultur hat mich wahnsinnig beeindruckt und ebenso wie das gesamte Setting in ihren Bann geschlagen - irgendwie wandelt Mondlicht in deinen Augen die meiste Zeit über zwischen rauer Gewalt inmitten des Dschungels und großen Gefühlen.

Insgesamt schafft es Lena Klassen, dass man ihren Roman mit weit aufgerissenen Augen liest und am liebsten gar nicht mehr wegschauen möchte. Es gibt unheimlich viel zu entdecken, es gibt sehr viele Wow-Momente und Szenen, die einen mal geschockt und mal fasziniert zurücklassen. Diese einzigartig fremde Dschungel-Welt ist sehr beeindruckend dargestellt und die Richtung, in die sich die Handlung nach etwa dem ersten Viertel bewegt, hat mir wahnsinnig gut gefallen. Es gab vieles, was mich überrascht hat und auch die Charakterentwicklung ist toll dargestellt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten - aber dieses Fantasy-Buch hat sich fast schon heimlich, still und leise in mein Herz gemogelt. Mit dieser Geschichte zwischen großer Liebe und düsterer Bedrohung.

Mein Fazit:

Ich mag es unheimlich gerne, wenn Bücher mich überraschen, Geschichten mich verzaubern und mir eine Welt zeigen, die ich von allein vielleicht nie betreten hätte. All das trifft auf Lena Klassens Mondlicht in deinen Augen. Die Legenden der Unaschkin zu. Der Reihenauftakt konnte mich mit seinem schaurig faszinierenden Setting, dem anschaulichen Erzählstil und schließlich dem Geheimnis um das sagenumwobene Volk der Unaschkin auf ganzer Linie überzeugen. Was mir besonders gut gefällt: Lena Klassen lässt die Geschichte relativ stereotyp beginnen und schwenkt dann in eine völlig andere Richtung. Das hat mich komplett abgeholt und beeindruckt. Am liebsten würde ich direkt noch einmal in den Dschungel reisen und ich bin jetzt schon super gespannt auf die Fortsetzung.

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Tags: dschungel, fantasy, liebe   (3)
 

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168 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

liebe, herzseilakt, freundschaft, drachenmond verlag, drachenmondverlag

HerzSeilAkt

Mirjam H. Hüberli
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.08.2016
ISBN 9783959917131
Genre: Liebesromane

Rezension:

Vor fast einem Jahr habe ich HerzSeilAkt auf der ersten Leipziger Drachennacht erstanden und auch direkt von Mirjam Hüberli signieren lassen. Jetzt war es eines meiner #18für2018 und es war höchste Zeit, den Liebesroman von meinem SuB zu befreien. Ich war super gespannt auf die Geschichte, vor allem weil ich erst vor kurzen Mirjam Hüberlis *Rebell* gelesen habe und es mich nicht wirklich überzeugt hat. Umso mehr habe ich meine Hoffnung in HerzSeilAkt gesetzt - also dann, hat sich Mirjam Hüberli mit der Liebesgeschichte um Mina und Frederic in mein Herz geschrieben?

Teils, teils. Erst einmal das Positive: Neben der traumhaft schönen und sehr fantasievollen Innengestaltung (die ebenfalls aus Hüberlis Feder stammt) punktet die Geschichte mit einer für einen Liebesroman genau richtigen Leichtigkeit, mit witzigen Charakteren und einigen originellen Ideen. Anfangs ging mir Mina zugegebenermaßen ein wenig auf den Wecker mit ihrer Naivität und ihrem ständigen Genörgel, ohne dabei etwas zu ändern. Gleichzeitig ist sie aber auch eine sympathische Chaos-Queen, die die Geschichte amüsant und kurzweilig macht. Auch ihre Freundinnen, ein ziemlich bunter Haufen, fand ich gekonnt gezeichnet, wohingegen die Figur ihrer Mutter etwas blass und unausgearbeitet daherkommt (Gleiches trifft auch auf die Mutter-Tochter-Beziehung zu).

Nun zum eigentlichen: Die Handlung. Ja, die Handlung ist ganz nett, wenn auch nicht unbedingt etwas Geniales, noch nie Dagewesenes, Originelles. Wir haben Mina, die in einem ätzenden Job festhängt, eigentlich viel mehr kann, aber nicht den Arsch in der Hose oder den Esprit hat, um aktiv etwas dagegen zu unternehmen. Eigentlich ist sie ja total kreativ und schlau - aber naja, eben nicht, was die Gestaltung ihres Lebens betrifft. Und natürlich trifft sie gerade dann auf ihren Mr Right, als es ihr am wenigsten passt. Was dann folgt, erinnert stark an Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind - und das soll es, glaube ich, auch, denn Hüberli bindet explizite Anspielungen auf die turbulente Liebesgeschichte von Emmi und Leo ein und lässt ihre eigene Protagonistin sogar genau dieses Buch lesen.

Ja, puh - meinen Geschmack hat das nicht ganz getroffen. Denn die bisweilen ausschweifenden und tiefgründigen Whats-App-Nachrichten, die Mina und Frederic sich hin- und herschicken, sind zwar ganz witzig zu lesen, kommen aber schlicht nicht an die herrlich bissigen, unendlich klugen und dabei so bedeutungsschweren Wortgefechte zwischen Emmi und Leo aus Gut gegen Nordwind heran. Eigentlich hätte ich Hüberlis Geschichte gar nicht mit Glattauers Roman vergleichen wollen, aber die expliziten Anspielungen laden ja förmlich dazu ein - und hier kann HerzSeilAkt leider nur Minuspunkte sammeln.

Aber ich will gar nicht alles schlecht reden - als kurzweiliger Liebesroman tut HerzSeilAkt definitiv, was es soll. Es unterhält, liest sich flink und flüssig durch und glänzt hier und da mit wirklich süßen Ideen. Man darf nur eben keine großen Sprünge oder außergewöhnlichen Handlungselemente erwarten, denn so ähnlich hat man das alles schon einmal gelesen. Das Lesen macht trotzdem Spaß und deswegen lohnt sich die Geschichte gerade für zwischendurch.

Mein Fazit:

Besser gefallen als Rebell hat mir Mirjam Hüberlis romantischer HerzSeilAkt in jedem Fall. Auch wenn die Handlung eher durchschnittlich und der sich aufdrängende Vergleich mit Daniel Glattauers Gut gegen Nordwind doch sehr unglücklich und eher zum Nachteil für den Roman ist, weiß die Geschichte um Mina und Frederic zu unterhalten und zum Träumen einzuladen. Ein lockerleichtes Lesevergnügen für zwischendurch.

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Tags: chaotisches leben, künstlerin, liebe, liebesgeschichte, romance, verlieben   (6)
 

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

london, schreiben, schriftsteller, skurrile idee

Mr Gwyn

Alessandro Baricco , Annette Kopetzki
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783455000429
Genre: Romane

Rezension:

Obwohl mein SuB aus allen Nähten platzt und ich (theoretisch) genug zu lesen für die nächsten drei bis fünf Jahre hätte, lasse ich mir unheimlich gern Bücher empfehlen, um meine Fühler genretechnisch immer weiter auszustrecken. Auf diese Weise schaffte es auch Mr. Gwyn von Alessandro Baricco in mein Regal, denn es ist eines der Lieblingsbücher meines Kollegen und irgendwie ist es doch so: Nenne mir dein Lieblingsbuch und ich sag dir, wer du bist. Ich mag es, durch die literarischen Vorlieben eines Menschen seiner wahren Natur ein Stück näher zu kommen. Und irgendwie passt das auch ganz fabelhaft zu Mr. Gwyn, der Hauptfigur in Bariccos gleichnamigem Roman.

Mr. Gwyn nämlich ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Mann. Ein etwas verschrobener Schriftsteller, der das Schreiben braucht wie die Luft zum Atmen, den das Schreiben von Büchern für die breite Masse aber irgendwann nicht mehr ausfüllt. Und Mr. Gwyn ist ein Mensch, der Nägel mit Köpfen macht - das mag ich sehr an ihm. Während überall auf der Welt die Menschen in ihrem Alltag, in ihrem oftmals mittelmäßigen Leben gefangen sind und aus Bequemlichkeit nichts daran ändern (ernsthaft, ich spreche aus Erfahrung), zieht Mr. Gwyn einen klaren Schlussstrich. Er hängt das Schreiben von Büchern an den Nagel, um das zu tun, von dem er glaubt, dass er es gut kann und dass es ihn zufriedener und glücklicher macht.

Das also ist die Ausgangsposition von Mr. Gwyn und sie führt hinein in eine ganz zauberhafte, gleichsam zarte und starke Geschichte voller Leichtigkeit, Melancholie und Glück. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie vieles unausgesprochen lässt - dass sie dem Leser in gewisser Weise nur den Rahmen liefert und die Farben und Pinsel, damit er ihn ausfüllen kann. Man hat beim Lesen das Gefühl zu schweben und fertigt dabei in seinem Kopf ein Bild von Mr. Gwyn und seiner Tätigkeit an, das lediglich eine Version von Bariccos Geschichte ist. Eine Version von unendlich vielen, denn jeder wird dieses Buch anders lesen, erleben und interpretieren. Mir hat es unheimlich viel gegeben, Mr. Gwyn dabei zu beobachten, wie er konzentriert und diszipliniert arbeitet und dabei etwas ganz Neues erschafft, denn schließlich hat noch nie jemand Porträts geschrieben. Das Ganze ist so absurd, verrückt und am Ende doch so logisch und genial, dass man Mr. Gwyn nur bewundern kann für seinen Einfallsreichtum, seine Detailgenauigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der er anderen Menschen erklärt, was er tut. Ich mochte die durchgehend träumerische Atmosphäre und die Intimität des Ateliers, in dem Mr. Gwyn arbeitet. Ich mochte die Figuren und die Tiefe der Geschichte - ich mochte einfach alles an diesem Buch.

Die Geschichte ist von Anfang bis Ende von Poesie durchdrungen - von dieser Art Poesie, die einen leicht berührt und fliegen lässt. Ihr seht schon, es fällt mir schwer, eindeutige Worte zu Bariccos Roman zu finden, weil er einfach so besonders, so außergewöhnlich, so bezaubernd und träumerisch ist. Auch Bariccos Erzählstil hat mich absolut überzeugt, denn er harmoniert so atemberaubend gut mit der Geschichte, wie ich es bisher selten erlebt habe. Ich würde Bariccos Stil als poetisch, blumig, fantasievoll und doch klar beschreiben, als zart und kraftvoll. Einfach wunder-, wunderschön!

Zusätzlich zum eigentlichen Roman enthält das Buch drei kleine Kurzgeschichten, die unter dem Titel "Dreimal im Morgengrauen" zusammengefasst werden. "Dreimal im Morgengrauen" wiederum ist der Titel eines Buches, das in Mr. Gwyn eine nicht unerhebliche Rolle spielt - Baricco hat also das Buch im Buch geschrieben, was ich ziemlich cool finde. Es gelingt ihm unglaublich gut, eine fiktive Autorfigur und mit seinen Worten eine ganz andere Atmosphäre zu erschaffen als in Mr. Gwyn. Die Kurzgeschichten selbst treffen zwar nicht hundertprozentig meinen Geschmack, sie heben den Roman jedoch noch einmal auf eine völlig neue Stufe und sind einfach eine schöne Zugabe.

Mein Fazit:

Alessandro Bariccos Roman Mr. Gwyn besitzt eine Tiefe, die mich sehr beeindruckt und fasziniert hat. Er ist wundervoll poetisch und dabei so raffiniert geschrieben, dass der Leser mit seinen Gedanken etwas ganz eigenes aus der Geschichte macht. Ein zartes, zauberhaftes Lesevergnügen, das ich nur jedem ans Herz legen kann.

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109 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 6 Rezensionen

dystopie, comic, graphic novel, faschismus, v wie vendetta

V wie Vendetta

Alan Moore , David Lloyd
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 13.06.2007
ISBN 9783866075054
Genre: Comics

Rezension:

Mittlerweile bin ich auf den Geschmack gekommen und habe mit Graphic Novels beziehungsweise Comics ein völlig neues Genre für mich entdeckt. Irgendwann musste ich es dann lesen - V wie Vendetta, ein Klassiker, dessen Geschichte ich bisher absolut gar nicht kannte (jep, nicht einmal den Film habe ich gesehen). Und ich denke, das war auch gut so, denn so bin ich quasi kopfüber hineingefallen in diese intensive, düstere, markerschütternde Geschichte, die Alan Moore und David Lloyd erzählen. Sie ist wirklich einzigartig, weil sie so kontrastreich, so in sich gegensätzlich und dabei so stimmig ist.

Was meine ich damit? Vor allem eines: Die Handlung ist auf der einen Seite vollkommen klar, sehr explizit und eindeutig. Erinnert ihr euch an all die Werke, die sich unterschwellig auf den Nationalsozialismus beziehen (genannt seien zum Beispiel Harry Potter und Die Tribute von Panem)? So ist V wie Vendetta NICHT. In dieser Geschichte gibt es keine Andeutungen, keine versteckten Hinweise (was das totalitäre System betrifft) - vielmehr greifen Moore und Lloyd ganz bewusst und ungefiltert die furchtbarsten Aspekte des Nationalsozialismus und des Holocaust auf und machen das England der Zukunft (beziehungsweise aus heutiger Sicht der Vergangenheit, denn das Ganze spielt Ende der 1990er Jahre - gruselig!) zu einer schaurigen Neuauflage des Dritten Reichs. Man denke nur an Konzentrationslager, Menschenexperimente, Willkür durch den Staat - man denke an den Faschismus. Und das Ganze inklusive technischer Neuerungen wie vor allem der Rundum-die-Uhr-Überwachung und der "Stimme der Vorsehung" - eine bedrückende, authentische und auf erschreckende Weise so vertraute Welt.

Auf der anderen Seite aber ist die Geschichte auch vage, undeutlich, verworren, implizit - ganz besonders in Hinblick auf zwei Dinge. 1. Der atomare Kriegsakt, der Großbritannien in die Diktatur geführt hat - und das ist auch einer meiner wenigen Kritikpunkte an diesem Buch, denn wie ihr wisst bin ich ein Fan von Hintergrundinfos. Ich brauche sie, um die dargestellte Welt in meinem Kopf vollumfänglich zu rekonstruieren. Das hat mir bei V wie Vendetta also ein wenig gefehlt, auch wenn mir bewusst ist, dass das ganz sicher nicht an der Nachlässigkeit oder fehlenden Fantasie der Autoren liegt - vielmehr wollten sie die Handlung höchstwahrscheinlich ganz gezielt in der Schwebe lassen, um ihre Allgemeingültigkeit zu betonen, was ihnen auf jeden Fall gelungen ist. 2. V.

V ist der Terrorist, der ebenso wenig zu fassen ist wie ein Schatten. Er ist dieser eine Mensch, der das System herausfordert und dessen Rachedurst ihm unvorstellbare Kräfte verleiht. Anfangs fragt man sich noch, wer V denn nun sein mag und empfindet die wenigen Infos, die man zu seiner Vergangenheit bekommt, als unzureichend und unvollständig. Wer ist er? Gegen Ende aber habe ich begriffen, dass das gar keine Rolle spielt. Denn ich verstehe V mittlerweile nicht mehr als Person, sondern als Konzept. V verkörpert den puren, kompromisslosen Widerstand, die gewaltsame Auflehnung gegen ein totalitäres System. Und ich finde es Wahnsinn, auf welche Weise Moore und Lloyd genau das dargestellt haben - dahinter versteckt sich eine so immense, bild- und wortgewaltige Kraft, dass es einen fast umhaut.

Diese Kraft durchzieht die Geschichte von vorne bis hinten - sie findet sich in den Texten, in den Bildern, in den Figuren, den Handlungen, zwischen den Zeilen. Einfach überall. Und sie trifft einen bis ins Mark. V wie Vendetta ist eine beeindruckende Symbiose aus "implizit" und "explizit", ein ständiges Schwanken zwischen "klar sehen" und "vermuten". Moores Texte und Lloyds Zeichnungen harmonieren unfassbar gut miteinander, ergänzen sich zu einem verstörenden Bild, das sich augenblicklich im Kopf des Lesers manifestiert und dort eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Mich hat so vieles an dieser Graphic Novel fasziniert - neben V war das ganz besonders die Figur des Führers, die mich nicht nur aufgrund seines Titels an Adolf Hitler erinnerte. Seine Darstellung hat mich umgehauen - wie er da sitzt, lethargisch in seinem Sessel vor all diesen Bildschirmen. Wie er alles sieht und doch gar nichts mehr begreift, nahezu handlungsunfähig ist, umgeben von seinen geifernden Schergen, die er kaum noch wahrnimmt. Ein weiteres kraftvolles Bild, das V wie Vendetta so gewaltig macht.


Ich kann nicht sagen, dass es einem großes Vergnügen bereitet, in die düstere Welt von V wie Vendetta abzutauchen. Aber die Geschichte ist pur, elektrisierend, wahnwitzig, verworren und auf so vielen Ebenen genial konzipiert - sie erschreckt und verstört einen, verängstigt und verwirrt mit ihrer Ambivalenz. Und doch ist da immer dieser eine kleine Hoffnungsschimmer, dieser V, der nach und nach nicht nur das Volk Englands aus dem Dornröschenschlaf erweckt, sondern auch den Leser. Das ist sicher eines dieser Bücher, das man vor seinem Tod gelesen haben muss.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

große liebe, liebe, liebesgeschichte, new york, romanze

Was bleibt, sind wir

Jill Santopolo , Carola Fischer , Annina Braunmiller-Jest
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 12.02.2018
ISBN 9783837139778
Genre: Romane

Rezension:

Geschichte und Erzählstil:

Es war mal wieder Zeit für ein Hörbuch: Meine Wahl fiel auf eine Neuerscheinung aus dem Hause Randomhouse Audio - Was bleibt, sind wir von Jill Santopolo. Der Klappentext hat mich ein bisschen an Romane wie An jedem einzelnen Tag, Für immer vielleicht und Zwei an einem Tag erinnert und in diese Richtung geht Santopolos Geschichte auch auf jeden Fall. Es ist die Geschichte von Gabe und Lucy, zwei Menschen, die an einem einzigen emotionsgeladenen Tag zueinander fanden und seitdem irgendwie nie richtig voneinander loskommen, auch wenn sie sich monatelang, jahrelang nicht sehen. Klingt romantisch und vor allem melancholisch und nachdenklich. Eben das ist Was bleibt, sind wir auch.

Erzeugt wird dieses Gefühl in erster Linie durch den besonderen Erzählstil, denn die Ich-Erzählerin Lucy erzählt ihre Geschichte rückblickend und richtet das Wort dabei an Gabe. Sie spricht ihn direkt an, gesteht ihm ihre Gefühle, zeigt ihm auf, was zwischen ihnen falsch lief und was wunderbar war. Ein intensiver Erzählstil, der den Leser dicht ran bringt an die Charaktere und ihn teilhaben lässt an ihren Erlebnissen und Emotionen. Außerdem drückt er eben eine besondere, bittersüße Melancholie aus, denn irgendwie hat man von Anfang an ein ganz bestimmtes Gefühl, das einen nicht loslässt. Welches das ist, müsst ihr selbst herausfinden!

Nun zur Handlung selbst: Ausgangssituation ist der 11. September 2001 - an diesem Tag begegnen Gabe und Lucy sich zum ersten Mal. Sie blicken gemeinsam auf New York, als das World Trade Center in sich zusammenstürzt, und irgendwie löst dieses Erlebnis etwas in den beiden aus, was sie für immer zusammenschweißt. Ein bittersüßer, trauriger und zugleich hoffnungsfroher Gedanke, der die Liebesgeschichte der beiden zu etwas ganz Besonderem macht. Zeigt es doch, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben und jeden Tag zu nutzen. So richtig zueinander finden die beiden jedoch erst einige Jahre später - die intensive Romanze fühlt sich auch für den Leser / Zuhörer nach großer Liebe an. Was mir besonders gut gefallen hat: Jill Santopolo ist eine der wenigen Autorinnen, die Sexszenen so richtig gut beschreiben kann. Es wirkt einfach echt und authentisch, nicht zu lächerlich-pornomäßig, zu abgedroschen oder zu unschuldig verspielt. Eben genau richtig.

Nach Gabes und Lucys kurzer, aber intensiver Beziehung flacht die Handlung allerdings deutlich ab. Die beiden gehen getrennte Weg und entwickeln sich dabei zu Charakteren, die mir nicht wirklich sympathisch waren. Gabe wirkte auf mich schnell wie ein egoistischer Vollhonk, der sich nur bei Lucy meldet, wenn es ihm schlecht geht oder er etwas Bestimmtes will, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was das bei Lucy auslösen könnte. Unsensibles Trampeltier! Lucy wiederum machte auf mich des Öfteren den Eindruck eines Fähnchens im Wind. Außerdem scheint sie chronisch unzufrieden zu sein und dabei außerstande, etwas dagegen zu unternehmen. Von diesem Moment an war für mich die Romantik vom Anfang verflogen und mein Interesse am gemeinsamen Schicksal der Figuren nahm deutlich ab.

Das Leben der beiden ist schon durchaus spannend - es gibt witzige, traurige, emotionale und weniger schöne Momente, was einfach echt und authentisch wirkt. Aber das Miteinander habe ich nach ihrer Trennung einfach nicht mehr gesehen. Das Verhalten der beiden hat zumindest mir klar gemacht, dass sie eigentlich null zusammenpassen. Diese Stimmung hat sich gegen Ende schließlich noch einmal geändert - die letzte CD war wahnsinnig packend, gefühlvoll, dramatisch und so traurig-schön. Ein wahres Gefühlschaos! Hier war ich auf jeden Fall fertig mit den Nerven und das hat die Durststrecke im Vorfeld wieder etwas wett gemacht und mich mit der Geschichte versöhnt. Das Ende ist einfach... gnaaaaah! Lest selbst!

Sprecher:

Was bleibt, sind wir wird von Annina Braunmiller-Jest gelesen - der deutschen Synchronstimme von Kristin Stewart in den "Twilight"-Filmen. Bei ihr scheiden sich sicher die Geister, aber ich mag ihre Stimme, die irgendwie leise, melancholisch und sanft klingt und damit perfekt zu Lucy passt. Was mir hier und da nicht so gut gefallen hat, ist, dass es immer mal wieder einen störenden Schalleffekt gab, der einen ein bisschen aus dem Geschehen gerissen hat. Das ist aber nur eine Kleinigkeit - ansonsten eine wirklich tolle Umsetzung.

Mein Fazit:

In Was bleibt, sind wir erzählt Jill Santopolo die melancholische Liebesgeschichte von Lucy und Gabe - eine Romanze, die definitiv ihre großen Momente hat und vor allem am Anfang und am Ende sehr berührt und mitnimmt. Zwischendrin hat mich die Geschichte nicht so gepackt und die Charaktere waren mir richtiggehend unsympathisch. Aber so ist das nun mal manchmal im Leben - man kann nicht jeden mögen. Und deswegen hat mir das Hörbuch im Großen und Ganzen recht gut gefallen. Gut gemachte Unterhaltung mit Herz.

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Tags: große liebe, liebe, liebesgeschichte, new york, romanze, verlieben   (6)
 

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prag, liebe, konzentrationslager, theresienstadt, judenverfolgung

Abschied in Prag

Alyson Richman , Norbert Möllemann , Charlotte Breuer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diana, 11.12.2017
ISBN 9783453359598
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mein erstes Buch von Alyson Richman war Der italienische Garten - und ich fand es großartig. Abschied in Prag musste ich daher unbedingt lesen, nicht zuletzt deswegen, weil Richman die Geschichte auch diesmal wieder während des Zweiten Weltkriegs spielen lässt. Von der italienischen Resistenza geht es diesmal ins historische Prag, wo die gemeinsame Geschichte der beiden Liebenden Lenka und Josef beginnt. Und das auf recht unkonventionelle Weise: Die Handlung setzt zunächst in der Gegenwart beziehungsweise im Jahr 2000 ein, in dem Josef und Lenka sich nach mehr als 60 Jahren auf einer Hochzeit wiederbegegnen - dachten sie doch eigentlich, der jeweils andere wäre bereits vor langer Zeit gestorben.

Von diesem Ausgangspunkt aus geht es in die Vergangenheit und es werden im unregelmäßigen Wechsel die Lebenswege von Lenka und Josef beleuchtet. Der Perspektivwechsel hat mir gut gefallen, denn so lernt man beide Charaktere aus nächster Nähe kennen. Allerdings traf das Konzept nicht ganz meinen Geschmack, denn während Lenkas Geschichte überwiegend chronologisch erzählt wird, springt Richman in den Kapiteln, die Josef betreffen, wild umher. Einerseits fand ich diesen Erzählstil erfrischend und originell und er bildet auf faszinierende Weise die tiefe Traurigkeit und Verzweiflung ab, die Josefs Leben von dem Moment, in dem er Lenka für tot hielt, beherrschte. Andererseits aber hatte ich das Gefühl, immer wieder aus der Geschichte gerissen zu werden. Man muss zwar natürlich nicht immer stur chronologisch erzählen, den Sequenzen, in denen es um Josef ging, fehlte allerdings ein wenig die Struktur - sie wirkten chaotisch und teilweise unzusammenhängend. Nicht ganz mein Geschmack.

Das ist aber auch schon alles, was mir an diesem Roman nicht zu 100% gefallen hat. Ansonsten hat mich die Geschichte gefangen genommen, eigentlich regelrecht durch die Mangel gedreht und mir den Atem geraubt. Während des Lesens stürmten derart viele verschiedene Emotionen auf mich ein, dass es mir teilweise schwer fiel, nach dem Zuklappen ins wirkliche Leben zurückzukehren. Was ich besonders bemerkenswert finde: Lenkas und Josefs gemeinsame Zeit ist unglaublich kurz - die meiste Zeit über sind sie getrennt voneinander und so ist ihre Liebe etwas beinahe Mystisches. Etwas, das immer da ist, wenn auch nicht greifbar. Man hat das Gefühl, dass sie mit jedem Jahr, in dem sich Lenka und Josef nicht sehen, noch größer, noch mächtiger wird. Und das ist etwas ganz Besonderes und es ist so unglaublich kraftvoll und bedeutungsschwer.

Natürlich war die Liebesgeschichte aber nicht alles, was mich bei diesem Roman nach Luft schnappen ließ. Alyson Richman gelingt es wieder einmal sagenhaft gut, dem Leser die Lebensumstände während des Zweiten Weltkriegs, ganz besonders während des Holocaust, zu veranschaulichen. Sie zeichnet Bilder vom historischen Prag, von dem Elend in Theresienstadt und dem Tod in Auschwitz, die so authentisch und plastisch sind, dass sie einen auch nach dem Lesen noch verfolgen. Das erreicht Richman nicht nur durch die detaillierte und bildhafte Beschreibung der Orte, sondern auch durch die Worte, mit denen sie ihre Ich-Erzähler die Vergangenheit rekapitulieren lässt. So erzählt Lenka von ihrer Kindheit und Jugend in Prag euphorisch, überschwänglich und beinahe verträumt, von der Zeit in Theresienstadt anfangs noch hoffnungsvoll und entschlossen, gegen Ende annähernd emotionslos. Und von den Monaten in Auschwitz abgestumpft, kalt, tieftraurig und lethargisch. Diese Art des Erzählens transportiert derartig viele und intensive Gefühle, dass das Lesen an einigen Stellen beinahe schmerzhaft ist.

Begeistert ist natürlich das falsche Wort - aber Abschied in Prag hat unheimlich viel mit mir gemacht, mich tief berührt, bewegt, mich mitgenommen und mich all die Verzweiflung, aber auch die Liebe der Protagonisten spüren lassen. Ein unglaubliches Buch, das einen im wahrsten Sinne des Wortes in einen Strudel zieht und zumindest mich so schnell nicht mehr los lässt.

Mein Fazit:

Auch mit Abschied in Prag hat Alyson Richman mich wieder komplett abgeholt. Der Erzählstil war diesmal zwar nicht immer mein Fall, dafür waren die Charaktere grandios ausgearbeitet, war die Geschichte so unfassbar plastisch und authentisch, dass man beinahe das Gefühl hatte, selbst dabei zu sein. Ein bittersüßes Erlebnis, aber ganz sicher ein großes Leseerlebnis!

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Tags: auschwitz, holocaust, judenverfolgung, konzentrationslager, prag, techoslowakei, theresienstadt, tschechien, zweiter weltkrieg   (9)
 

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drachenmond verlag, fantasy, spiegel, parallelwelt, spiegelwelt

Rebell - Gläserner Zorn

Mirjam H. Hüberli
E-Buch Text: 260 Seiten
Erschienen bei Drachenmond Verlag, 18.10.2016
ISBN 9783959917186
Genre: Fantasy

Rezension:

Langsam aber sicher wage ich mich auch an das ein oder andere Fantasybuch aus dem Drachenmond Verlag und an der Rebell-Reihe von Mirjam H. Hüberli konnte ich aus mehreren Gründen nicht vorbeigehen. Das tolle Cover, der rätselhafte Klappentext, all die positiven Meinungen - ich war einfach super neugierig auf die Geschichte. Und ich würde gerne auch Jubelschreie ausstoßen und mit verliebten Herz-Emojis um mich werfen, weil ich Mirjam Hüberli super super lieb finde und ihren Schreibstil wirklich sehr mag. Sie hat einen leichten, locker-amüsanten Stil mit einer sehr eigenen Note, was mir richtig gut gefällt. Der Lesefluss hat also schon einmal gestimmt ... aber so richtig meinen Geschmack wollte die Geschichte um Willow einfach nicht treffen.

Warum nicht? Zunächst beginnt Rebell - Gläserner Zorn sehr, sehr, sehr gemächlich, was mich gleich zu Anfang irritiert hat, denn das Buch ist insgesamt eher kompakt und ich habe mich gefragt, wie viel Raum denn schließlich die eigentliche Handlung einnehmen soll. Leider nicht sehr viel. Denn die Geschichte um Willow beginnt als typische Teenie-Lovestory - Hüberli verwendet sehr viel Zeit beziehungsweise Seiten darauf, Willows Schwärmerei für den hübschen Noah zu erörtern und geht auch beim ersten großen Date der beiden stark ins Detail. Dabei fallen aber Dinge, die ich für wichtig gehalten hätte, hinten runter. Über die Charakter beispielsweise erfährt man insgesamt sehr wenig - wer ist Willow eigentlich? Wer ist ihre beste Freundin Sam? Und wer ist eigentlich Noah? Die Figuren werde hauptsächlich äußerlich beschrieben, bleiben ansonsten aber eher blass.

Versteht mich nicht falsch - es ist nicht so, dass ich mich beim Lesen der ersten 150 durchgehend gelangweilt hätte. Aber im Kontext der gesamten Geschichte ist die Einführung einfach eine ganze Ecke zu mächtig und leider auch zu belanglos geraten. Denn ehe dann wirklich einmal etwas passiert, vergeht eine ganze Menge Zeit und man hat bereits mehr als die Hälfte gelesen. Dann gibt es einen wirklich spannenden Ortswechsel und mit dem mysteriösen Bo auch endlich mal einen komplexeren, interessanteren und vor allem undurchsichtigen Charakter. Willows Interaktion mit Bo wirkte auf mich allerdings hier und da etwas holprig und wenig authentisch. Denn ernsthaft - wenn dich ein sehr, sehr, sehr geheimnisvoller Typ anquatscht (mehr gehe ich hier nicht ins Detail) und dich davon überzeugen will, mit dir zu kommen, ohne dir auch nur den Hauch eines Grundes dafür zu nennen, was tust du? Genau, du nimmst die Beine in die Hand und verdünnisierst dich.

Generell hatte ich den Eindruck, dass einfach eine Fülle an Informationen fehlt. Klar, wie bei den meisten Geschichten bekommt man diese häppchenweise hingeworfen. Aber gefühlt tappen sowohl der Leser als auch Willow als Protagonistin bis zum Ende im Dunkeln, sodass sich der erste Teil der Trilogie nicht wie ein erster Band, sondern wie ein extrem aufgeblähter Prolog für Teil 2 anfühlt. Eine Ausgangssituation. Das hat mich ziemlich enttäuscht, denn als eigenständiger Roman kann Rebell - Gläserner Zorn zumindest mich deshalb so gar nicht überzeugen. Es gibt durchaus interessante Ideen und das Worldbuilding für die Spiegelwelt, in die es Willow im Lauf der Geschichte verschlägt, ist im Ansatz wirklich interessant und hat garantiert Potenzial. Aber auch hier kratzt Hüberli lediglich an der Oberfläche und da auch die Handlung selbst wenig überrascht oder in Atem hält, war ich am Ende wirklich enttäuscht.

Obwohl Rebell - Gläserner Zorn durchaus das Potenzial zum rasanten Fantasyroman hat, war mir die Geschichte insgesamt einfach nicht rund genug. Leser und Protagonistin werden einfach viel zu sehr im Dunkeln gelassen, sodass man am Ende wenig mehr weiß als am Anfang. Hier stimmte mir das Verhältnis überhaupt nicht. Man hat einfach das Gefühl, beim Lesen kein Stückchen weitergekommen zu sein. Ein weiterer negativer Effekt: Die Figuren bleiben relativ blass, ebenso wie die fremde Welt hinter den Spiegeln und einfach die Geschichte insgesamt. Deswegen war Rebell - Gläserner Zorn leider gar nichts für mich - es hat mich weder erreicht noch mitgerissen oder großartig unterhalten. Die Geschichte war okay, mehr aber leider wirklich nicht.

Mein Fazit:

Nach Sarah Adlers Knochenjob konnte mich auch dieser Drache überhaupt gar nicht überzeugen. Die Handlung wirkt unausgewogen, kommt nur sehr schleppend in Gang und überrascht wenig bis gar nicht. Gestört hat mich aber vor allem das Fehlen von Informationen, denn am Ende steht man wie Willow selbst genauso ratlos wie am Anfang da und hat immer noch nicht den blassesten Schimmer, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Das verdirbt mir ein wenig die Lust auf Teil 2 und 3, obwohl es durchaus spannende Ideen und Ansätze gibt, die mein Interesse an der Geschichte geweckt haben. Ich muss wohl noch einmal in mich gehen, um herauszufinden, ob ich diese Trilogie weiter lesen möchte. Denn Band 1 war leider gar nichts für mich :/

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Tags: fantasy, liebe, magie, parallelwelt, spiegel, spiegelwelt, verlieben   (7)
 

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science fiction, jugendbuch, galaxie, erste liebe, fortsetzung

Wir zwei in neuen Welten

Kate Ling
Flexibler Einband
Erschienen bei ONE, 26.01.2018
ISBN 9783846600634
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Entgegen der allgemein vorherrschenden Meinung fand ich Kate Lings Romandebüt Wir zwei in fremden Galaxien letztes Jahr wirklich cool. Ich fand diese verfahrene, einzigartige Situation auf der Ventura faszinierend und habe gemeinsam mit Seren und Dom der Lösung ihrer Probleme entgegengefiebert. Die war am Ende: die Flucht von der Ventura. Zusammen mit Mariana und Ezra sind die beiden auf dem fremden Planeten Huxley-3 gelandet und genau hier setzt Kate Ling die Geschichte in Wir zwei in neuen Welten fort. Zunächst einmal recht unspektakulär, denn das Vierergespann muss sich zuallererst auf dem Planeten zurechtfinden, was eine besondere Situation ist. Keiner von ihnen musste je Nahrung beschaffen oder war gar dem Wetter ausgesetzt.

Die Ausgangssituation hört sich letztlich spannender an, als sie es ist. Denn so fasziniert Seren, Dom und Co. auch von der atemberaubenden Natur, der Möglichkeit, schwimmen zu gehen, und dem Geschmack köstlicher Früchte sind - als Leser ist man es nicht. Schließlich kennt man das alles und Ling gelingt es hier nicht so recht, die Gefühle ihrer Protagonistin zu transportieren. Ein wenig mag das auch am Worldbuilding liegen, denn obwohl Huxley-3 durchaus seine Eigenheiten hat (fluoreszierende Seesterne und leuchtende Riffs zum Beispiel) ähnelt der Planet der Erde ungemein. Die spannende Entdeckungsreise erleben somit nur Seren, Dom, Ezra und Mari - der Leser nicht. Hier hätte ich einfach etwas mehr erwartet, denn wenn man schon die Chance hat, sich einen vollkommen neuen Planeten mit allem drum und dran auszudenken, warum nutzt man sie dann nicht?

Für Seren und ihre Freunde hält Huxley-3 allerdings doch ein paar Überraschungen bereit und so kommt die Handlung nach der zähen Anfangsphase noch ordentlich in Schwung. Hier möchte ich natürlich nicht zu viel verraten, aber es gibt einige unerwartete Wendungen und Begegnungen und ein paar der Rätsel, die die Ventura dem Leser und den Charakteren mit auf den Weg gegeben hat, werden gelöst. Am spannendsten fand ich tatsächlich die Charakterentwicklung, denn in Freiheit und ohne das starre Regelgerüst der Ventura handeln Seren, Dom, Ezra und Mari ganz anders - sie haben andere Probleme zu lösen, sehen sich mit anderen Herausforderungen konfrontiert und bewerten auch sich selbst ganz anders. Auch wenn zumindest mir die bedrückende Atmosphäre und das interessante Setting der Ventura ein wenig gefehlt haben, weiß die Geschichte so dennoch über weite Strecken zu überzeugen.

Größter Schwachpunkt des Romans ist allerdings Seren. Klar muss man sich vor Augen halten, dass sie ein Teenager und vermutlich mit der neuen Situation vollkommen überfordert ist. Aber mit ihrer unvernünftigen, sturen Art empfand ich sie eigentlich fast durchgehend als ziemlich nervtötend. Teilweise ändert sie ihre Meinung so rasant, dass man gar nicht mehr hinter her kommt. Ganz zu schweigen von Dom, der mir einfach nur leid tat. Besonders das ein oder andere Eifersuchtsdrama hat mich ziemlich zermürbt. Nicht nur, weil es so unnötig und belanglos war, sondern auch, weil es der Handlung einen guten Teil Tiefe und Spannung nimmt. Ich hoffe inständig, dass das Leben auf Huxley-3 Seren noch verändert und dass ich ihre Handlungen in Teil 3 wieder besser nachvollziehen kann.

Ich will gar nicht alles schlecht reden: Alles in allem ist Wir zwei in neuen Welten ein solider Jugendroman mit einem Ticken Science Fiction und ganz viel Romantik. Aber es ist eben nicht die spannende, mitreißende Fortsetzung, die ich erwartet hatte. Nichtsdestotrotz ist der Grundstein für ein packendes Finale gelegt und ich hoffe, dass Kate Ling für Band 3 noch einmal ordentlich Fahrt aufnimmt.

Mein Fazit:

Wir zwei in neuen Welten ist ein etwas schwächelnder Mittelteil mit einigen Längen, bei dem meiner Meinung nach Potenzial verschenkt wurde. Mit Seren war ich großteils gar nicht zufrieden, die anderen Charaktere haben sich dafür großartig entwickelt und mich letztlich überzeugt. Die Geschichte liest sich trotz einiger Startschwierigkeiten schnell durch und weiß durch überraschende Wendungen und originelle Handlungselemente zu unterhalten. Ich hoffe allerdings auf einen wieder stärkeren dritten Teil.

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teri terry, epidemie, jugendbuch, seuche, großbritannien

Manipuliert

Teri Terry , Petra Knese
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 16.01.2018
ISBN 9783649626008
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Infiziert von Teri Terry war eine meiner großen Buch-Überraschungen 2017, weil es sich als etwas völlig anderes entpuppt hat als erwartet und mich mit einigen beängstigend guten Ideen wirklich begeistern konnte. Das offene Ende hat mich natürlich super neugierig auf die Fortsetzung gemacht und im Januar war es endlich so weit: Mit Manipuliert ist der zweite Band der Trilogie um Shay, Kai und Callie erschienen. Nahtlos knüpft die Geschichte an die Ereignisse aus Band 1 an und so hat man keine Schwierigkeiten, sich wieder in die Handlung hineinzudenken. Auch sonst bleibt Terry bei Manipuliert ihrem Stil treu und erzählt wieder aus drei verschiedenen Perspektiven - durch die Augen von Shay, Kai und Callie wirkt die Geschichte dynamisch, rasant und lebendig. Auch die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man sich schnell in der Handlung verliert und eigentlich nicht mehr aufhören möchte, zu lesen.

Aber worum geht es eigentlich? Shay hat sich auf den Shetland-Inseln gestellt, weil sie sich für den Träger des tödlichen Virus' hält. Eine heldenhafte, selbstlose Tat, die man dem Teenager Shay auf den ersten Blick gar nicht zutraut. Und auch sonst wirkt die Protagonistin in Teil 2 wesentlich reifer, geordneter und klüger - was aber auch nicht weiter verwundert, schließlich hat sie die tödliche Krankheit überlebt und an der Seite von Kai viele furchtbare Dinge erlebt. Insofern fand ich Shays Charakterentwicklung in Manipuliert nicht nur nachvollziehbar, sondern auch sehr gelungen und vor allem überzeugend umgesetzt. Ein bisschen anders war das mit Kai - bei ihm hatte ich teilweise das Gefühl, dass er auf der Stelle tritt. Einerseits will er Shay unbedingt finden und geht gefühlt für sie durchs Feuer - andererseits fragt er sich selbst immer wieder, warum eigentlich. Er erinnert sich scheinbar fast ausschließlich an ihre schlechteren Eigenschaften und das hinterlässt beim Leser irgendwie einen bitteren Nachgeschmack.

Neben den bekannten Charakteren, allen voran natürlich Shay, Kai und Geister-Callie, führt Terry in Band 2 der Trilogie einige neue Figuren ein. Bei manchen hatte ich das Gefühl, dass sie unbedingt als Gegenpart her müssen, um die Handlung etwas aufzupeppen - ganz besonders bei Freja, einer Überlenden, die wie Shay die Wahrheit über die Seuche verbreiten will. Hierzu wird natürlich nicht gespoilert, aber mit ihrer erst unnahbaren und dann allzu schnell nervtötend verständnisvollen Art ging sie mir bald gehörig auf den Geist. Kein Charakter, den ich gebraucht hätte.

Die Handlung selbst ist ebenso spannend wie die des ersten Bandes. Die Seuche wirkt nun noch bedrohlicher, greifbarer und tödlicher - sie breitet sich immer weiter aus und hinterlässt tief verängstigte, verstörte und nun auch skrupellose Menschen. Teri Terry rückt besonders die Veränderungen in der Gesellschaft, der Politik und einfach im Miteinander in den Fokus. Es ist fast, als hätte die Krankheit Zombies zurückgelassen, die ihre Wut auf die Überlebenden richten und sie für etwas bestrafen, das sie nicht beeinflussen konnten. Hier nimmt die Geschichte dystopische Züge an und wirkt gleichzeitig unheimlich authentisch. Denn ich würde soweit gehen, zu behaupten, dass die Menschen im echten Leben auf solch eine zerstörerische Krankheit wohl ganz ähnlich reagieren würden. Der Hass, das Leid, die Angst - all das ist in Manipuliert beinahe greifbar.

Ansonsten hält Manipuliert jede Menge Überraschungen für den Leser bereit und ist durch all die geschickt eingebundenen Plot Twists beinahe unerträglich spannend. Gleichzeitig erfährt man wieder etwas mehr über die Seuche und ihren Ursprung und hier sind interessante und originelle, wenn auch nicht immer ganz plausible Ideen dabei. Einen fiesen Cliffhanger gibt es natürlich auch wieder und so kann zumindest ich es kaum erwarten, den Abschluss der Reihe zu lesen. Unterhaltsam und spannend bis zum Schluss!

Mein Fazit:

Teri Terrys Manipuliert hat mich ebenso mitgerissen, unterhalten und schließlich überzeugt wie Band 2. Mit interessanten Entwicklungen, unvorhersehbaren Plot Twists und einer starken Protagonistin weiß die Geschichte den Leser mitzureißen und bleibt bis zum Ende auf einem extrem hohen Spannungslevel. Einzig die Charakterentwicklung von Kai fand ich etwas daneben, ebenso wie so manch neue Figur. Ansonsten aber ein wirklich großartiger zweiter Teil, der Lust auf ein packendes Finale macht!

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zamonien, comic, walter moers, graphic novel, moers

Die Stadt der Träumenden Bücher - Die Katakomben

Walter Moers , Florian Biege
Fester Einband
Erschienen bei Knaus, 09.01.2018
ISBN 9783813505023
Genre: Comics

Rezension:

Mittlerweile wisst ihr: Ich bin ein Fan von Walter Moers und ganz besonders von seinem Roman Die Stadt der träumenden Bücher. Der erste Teil der Graphic Novel hat mich unglaublich begeistert, mir sehr, sehr großen Spaß gemacht und mich vor allem immens beeindruckt. Und wie hätte es anders sein können - das Gleiche trifft auch auf Band 2 zu. Moers und Biege haben Hildegunst von Mythenmetz' irrsinnige Reise durch die düsteren und geheimnisvollen Katakomben Buchhaims sensationell illustriert. Man trifft den Schattenkönig, die (schrecklichen) Buchlinge, die gemeingefährlichen Bücherjäger und so manch anderes Getier der Unterwelt.

Walter Moers' Fantasie ist einzigartig und das zeigt sich einmal mehr bei dieser grandios umgesetzten Graphic Novel. All die Orte, die ich bereits aus dem Roman kannte, werden derart plastisch und detailreich dargestellt, dass es sehr schwer fällt, den Blick auch nur für eine Sekunde abzuwenden. Ich zumindest habe all die fantastischen Eindrücke in mich aufgesaugt und diese atemlose Reise durchgehend genossen. Auch bei diesem Teil ergänzen sich Bild und Text wieder spektakulär gut und ergeben eine Einheit - das Leben macht nicht einfach nur Spaß, sondern verschlingt einen regelrecht, zieht einen hinein in die buchige Welt der Katakomben.

Den Teil, in dem Hildegunst von Mythenmetz in die Katakomben unter Buchhaim gerät und dort ein unglaubliches Abenteuer nach dem anderen erlebt, fand ich schon immer am spannendsten. Bei der Graphic Novel ist das nicht anders - atemlos und zugleich fasziniert eilt man an der Seite des unglückseligen Lindwurms durch die verschachtelten Gänge, flieht vor gefährlichen Monstern, entdeckt das düstere Schloss Schattenhall und atmet einmal mehr den Geruch Jahrhunderte alter Bücher ein. Man merkt dem Comic einfach von der ersten bis zur letzten Seite an, dass er das Produkt harter und wohlüberlegter Arbeit ist - jede Zeichnung sitzt, jedes Wort ist voll von Bedeutung. Und vor allem tut die Kürze (im Vergleich zum doch recht umfangreichen Roman) der Geschichte absolut keinen Abbruch.

So richtig zu schätzen weiß man die Graphic Novel spätestens, wenn man auf den letzten Seiten angelangt ist, denn diese zeigen das Making Off des Comics. Eine spannende Zugabe, die einen kleinen Einblick in den Schaffensprozess von Moers und Biege bietet und zeigt, wie viel Arbeit in diesem Projekt steckt. Mich hat es dazu gebracht, die Zeichnungen mit all ihrer Kraft, ihren vielen Details und ihrer Intensität noch einmal mit ganz anderen Augen zu sehen. Und so kann ich sagen: Zusammen mit dem ersten Band ist der zweite Teil von Die Stadt der träumenden Bücher so ziemlich eines der grandiosesten, fabelhaftesten Bücher, das ich je lesen durfte. Ich habe nur einen einzigen Kritikpunkt: Es war viel zu schnell vorbei. :D

Mein Fazit:

Wie schon den ersten Teil muss man dieses Buch einfach lieben. Die Graphic Novel Die Stadt der träumenden Bücher. Die Katakomben ist so sensationell, so prachtvoll, so berauschend gut, dass es einfach nichts Vergleichbares gibt. Dieses Buch werde ich bestimmt noch viele viele Male lesen und wahrscheinlich werde ich es jedes Mal ein bisschen mehr lieben. Falls das überhaupt möglich ist.

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Tags: buchhaim, comic, hildegunst von mythenmetz, stadt der träumenden bücher, walter moers, zamonien, zamonien-roman   (7)
 
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