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1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Nafishur Praeludium: Dariel

Mary Cronos
Flexibler Einband: 388 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 02.03.2016
ISBN 9783739249018
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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212 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, psychothriller, klinik, hypnose, amnesie

Der Seelenbrecher

Sebastian Fitzek ,
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2008
ISBN 9783785737002
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Geschichte und Erzählstil:

Sebastian Fitzeks Seelenbrecher habe ich vor Jahren zum ersten Mal gelesen - meinem schlechten Gedächtnis sei Dank konnte ich mich allerdings nur noch sehr vage an die Handlung erinnern und mich daher vom Hörbuch nochmal gänzlich überraschen lassen. In diesem (Psycho-)Thriller geht es mal nicht um einen irren Killer, sondern um einen Psychopathen, dem es irgendwie gelingt, seine Opfer in ihren eigenen Köpfen einzusperren und sie so ihren schlimmsten Alpträumen auszusetzen. 

Eine schauderschafte Vorstellung, die dem Roman von Anfang eine sehr düstere, fast schon bedrückende Atmosphäre gibt. Mir hat das Psychologische, das Sebastian Fitzek in die Geschichte einwebt, wieder einmal sehr gut gefallen. Er beherrscht es einfach perfekt, nicht nur seine Figuren, sondern auch den Leser in Angst und Schrecken zu versetzen und ein perfides Spiel mit ihm zu spielen. Eine Vielzahl an falschen Spuren und Rätseln, die zur Motivation des Täters und seiner ausgeklügelten Technik führen, lassen durchgehend Spannung aufkommen.

Fast schon atemlos hetzt man an der Seite des Protagonisten Kaspar, der an einer Amnesie leidet und nicht mehr weiß, wieso er in dieser Klinik ist, durch die dunklen Gänge des Krankenhauses und erwartet hinter jeder Biegung den Seelenbrecher. Übrigens ist der Thriller auch ohne Mörder recht brutal und explizit, lebt aber vor allem von dem Nervenkitzel, der einen nicht einen Moment zur Ruhe kommen lässt. Auch hier haben mich wieder die zahlreichen Plot Twists beeindruckt, die der Handlung stetig aufs Neue eine völlig neue Richtung geben. Spannung pur!

Das einzige, was ich an Der Seelenbrecher zu bemängeln habe, ist, dass mir Teile der Lösung am Ende einen Ticken zu banal und von Anfang an ein wenig zu offensichtlich waren. Wie gesagt - es sind nur Teile und das meiste hat mich und meinen Freund (der auf unserem gemeinsamen Arbeitsweg zum ersten Mal in den Genuss eines Fitzeks kam - und es großartig fand) wirklich überrascht, wenn nicht umgehauen. Aber vor allem die Motivation des Seelenbrechers konnte ich aufgrund des Leitmotivs, das sich wie ein roter Faden durch Fitzeks Geschichten zieht, wenn nicht direkt entschlüsseln, dann zumindest erahnen. Apropos roter Faden: Die Überschneidungen mit Fitzeks erstem Thriller, Die Therapie, fand ich ziemlich cool und originell. 

Sprecher:

Wie alle Fitzek-Thriller wird auch Der Seelenbrecher von Simon Jäger gelesen - für mich neben David Nathan einer der besten Hörbuchsprecher überhaupt. Ich liebe seine Stimme und seine Art zu erzählen - sie ist unterhaltsam und transportiert die Stimmung perfekt. Ein von Simon Jäger eingelesenes Hörbuch ist immer wieder ein Hochgenuss!

Mein Fazit


Der Seelenbrecher hat mich jetzt schon zweimal fasziniert und vor allem in Atem gehalten. Wer auf gut gemachten Nervenkitzel steht, für den ist das grandios gelesene Hörbuch mit Simon Jäger auf jeden Fall ein Muss. Ich als alter Fitzek-Hase war zwar am Ende nicht soo überrascht, durchgehende Spannung ist aber ganz sicher garantiert!

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Tags: mord, mörder, psychologie, psychothriller, serientäter, thriller   (6)
 

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148 Bibliotheken, 13 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

england, liebe, geheimnis, verbotene liebe, london

Der verbotene Liebesbrief

Lucinda Riley , Ursula Wulfekamp
Flexibler Einband: 680 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.09.2017
ISBN 9783442484065
Genre: Romane

Rezension:

Wenn man denkt, man weiß ziemlich genau, in welche Richtung Lucinda Rileys Romane mit beeindruckender Regelmäßigkeit gehen, dann kommt sie mit einem neuen Buch um die Ecke und überrascht einen komplett. Genau so war es mit Der verbotene Liebesbrief. Zwar dreht sich auch diese Geschichte wieder um ein verhängnisvolles Geheimnis aus der Vergangenheit, dessen Enthüllung weitreichende Folgen für den Entdecker hat, aber es spielt durchgehend auf einer Zeitebene. Der Leser begleitet die angehende Journalistin Joanna bei ihren Recherchen zu einem mysteriösen Liebesbrief, der ihr unter ebenso mysteriösen Umständen zugespielt wird. Und auch wenn er aus den 1920er Jahren stammt, verlässt Riley die Zeitebene der Gegenwart (hier 1995) nicht, sondern lässt den Leser diesmal genau das entdecken, was auch die Protagonistin entdeckt. Wir lernen das geheimnisvolle Leben des Schauspielers James Harrison also anhand alter Dokumente und verworrener Spuren durch die Augen von Joanna und seinen Angehörigen kennen - das ist aber nicht minder spannend. Mir hat das sehr gut gefallen und es bringt frischen Wind in Rileys Romane.

Spannend sind Rileys Geschichten ja sowieso, aber mit Der verbotene Liebesbrief wagt sie sich einmal in ein völlig anderes Genre vor. Dieses Buch liest sich nämlich nicht nur durchgehend wie ein Thriller, es ist auch einer. Das Geheimnis, dem Joanna auf der Spur ist, ist von nationaler Bedeutung und so gibt es natürlich mehrere Parteien, die vor allem daran interessiert sind, dass es ein Geheimnis bleibt. Eine gefährliche Situation jagt die andere, Paranoia und Skepsis lassen bei Joanna immer wieder Zweifel daran aufkommen, ob sie wirklich noch einen Schritt weitergehen kann. Aber wie auch der Leser wird sie in einen Sog gezogen, dem sie nicht entkommen kann und ist schon bald an einem Punkt, an dem sie nicht mehr aufhören kann.

Langeweile kommt bei der rasanten Handlung garantiert nicht auf. Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen. Die Mischung aus Familiengeheimnis und Action-Thriller hat mich von Anfang bis Ende in Atem gehalten und ich muss sagen, dass Riley diesen Genre-Mix bravourös bewältigt hat. Anders als bei vielen anderen Romanen, kommt bei Der verbotene Liebesbrief nicht erst auf den letzten Seiten Spannung auf. Riley platziert wohl dosiert und vor allem geschickt einen Plot Twist nach dem anderen und dem kann man sich einfach nicht entziehen.

Mich haben hier viele Dinge fasziniert und zum Nachdenken angeregt. Etwa die Rolle des Staates und der Monarchie, die teils fragwürdige Existenz von Geheimdiensten, die man vielleicht ab und an kritisch hinterfragen sollte, und vor allem dieses schwerwiegende, unfassbare Geheimnis, das Joanna und alle, die es aufdecken wollen, in große Gefahr bringt. Obwohl Riley den Leser systematisch mit der Nase darauf stößt, hatte ich bis zuletzt keine Ahnung, worum es geht. Wie immer grandios eingefädelt!

Natürlich kann ich keine Aussage dazu treffen, wie realitätsnah Riley die Arbeit der Geheimdienste schildert - ob man hier wirklich über Leichen gehen würde, um ein Geheimnis zu wahren, das über ein halbes Jahrhundert in der Vergangenheit liegt? Einerseits, nein. Das würde man nicht denken. Andererseits: Großbritannien ist ein traditionsreiches Land und wer weiß, wie viele Leichen die großen Adelsfamilien so im Keller haben. Eine Menge, würde ich denken. Das ganze packende Szenario würzt Riley außerdem mit einer ordentlichen Prise Romantik - wer ihre Bücher kennt, weiß, dass die nicht fehlen darf. Auch wenn sie sich hier einmal mehr einiger Klischees bedient und am Ende vielleicht ein kleines Bisschen über das Ziel hinausschießt, darf die Romanze einfach nicht fehlen. Und schließlich beginnen ja wohl die meisten bedeutenden Geschichten mit einem Romeo-und-Julia-Szenario, oder? ;)

Übrigens: Kennt ihr diese Horrorfilme, in denen die beiden verbliebenen Jungfrauen über den Killer siegen und sich selig in den Armen halten? Und dann gibt es einen Schnitt, es erscheint der Schriftzug "x Monate später" auf dem Bildschirm und wir sehen den Irren, wie er, die Axt hinter sich her schleifend, die Straße entlanggeht? Macht euch auf ein spannendes Ende gefasst ;)

Mein Fazit


Wow - wieder einmal hat mich Lucinda Riley komplett überrascht. Einerseits bleibt sie ihrem Schema (sehr zu meiner Freude) treu und entführt den Leser wieder einmal in eine längst vergangene Zeit mit großen Rätseln und Geheimnissen. Andererseits aber ist der Der verbotene Liebesbrief ein spannender Thriller, der einen kaum zu Atem kommen lässt. Das hatte ich nicht erwartet und es hat mir außerordentlich gut gefallen. Trotz vielleicht einiger nicht ganz so realistischer Situationen ist das Buch Unterhaltung pur - von der ersten bis zur letzten Seite. Ein Pageturner par excellence.

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Tags: gefährliches geheimnis, geheimnis, großbritannien, königshaus, liebe, liebesbrief, verbotene liebe, verfolgungsjag   (8)
 

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150 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

seelen, liebe, fantasy, stephenie meyer, hörbuch

Seelen

Stephenie Meyer
Audio CD
Erschienen bei Silberfisch, 01.08.2008
ISBN 9783867420273
Genre: Fantasy

Rezension:

Geschichte und Erzählstil:

Stephenie Meyer... ich bin nicht wirklich ein Fan von ihr und ihren Büchern. Es gibt kaum ein Buch, das ich schlechter fand als Twilight und seine Nachfolger. Jetzt fragt ihr euch sicher: Warum liest man dann ein anderes Buch von der Autorin? Ganz einfach - vor einiger Zeit habe ich den Film "Seelen" gesehen und fand ihn im Großen und Ganzen gar nicht schlecht. Klar, die Story war müde, aber die Idee dahinter hat mich fasziniert. Und ich hatte ein wenig Hoffnung, dass das Buch noch detaillierter wäre und mir Antworten auf Fragen geben könnte, die der Film offen ließ. 

Zuallererst: Die Idee ist wirklich großartig. Mir gefällt die Vorstellung von außerirdischen Wesen als eine Art Seelen, als Parasiten, die fremde Körper besetzen und dabei hochentwickelt und intelligent sind. Ich finde es unheimlich spannend, wie die Seelen nach und nach die Erde besetzen und sie nach ihren Vorstellungen umgestalten. Und man muss ja sagen, dass ihre Gesellschaft wesentlich fortschrittlicher ist als die der Menschen. Beinahe utopisch: Man lebt im Einklang miteinander, es gibt keine Gewalt und keine Lügen, man vertraut jedem bedingungslos, es gibt kein Geld mehr - nur noch das Gemeinwohl und den Platz jedes einzelnen darin. Okay, was heißt "beinahe utopisch"? Es ist utopisch. Wären da nicht die vereinzelt übrig gebliebenen Menschen im Untergrund, die sich nach wie vor gegen die Fremdbestimmung zur Wehr setzen und wenn nötig bis auf den Tod gegen die sogenannten Sucher, die Polizei der Seelen, kämpfen. 

Es gibt also eine Menge Stoff für eine fantastische Science-Ficiton Geschichte. Und zumindest der Hauptcharakter, die Seele Wanda, lässt auch noch hoffen. Denn sie hat tatsächlich eine Identität, die sich so stark von der eines Menschen unterscheidet, dass man in ihr zwangsläufig etwas Fremdes, Außerirdisches sehen muss. Und das ganz ohne dass sie ein kleines, grünes Männchen wäre. Ich glaube, mit Wanda will uns Stephenie Meyer den idealen Menschen präsentieren und das ausgerechnet in der Gestalt eines außerirdischen Parasiten. Ein starkes Statement, ganz zweifelsohne.

So und jetzt komme ich zum "Aber", das man sicherlich schon leicht herausgelesen hat. Und ein bisschen muss ich mich doch über mich selbst ärgern - wenn ich Twilight so dermaßen ätzend und kitschig fand, wie könnte mir Seelen dann besser gefallen? Rückblickend frage ich mich wirklich, wie ich auf diese Idee gekommen bin. Also: Die Basis stimmt und hat jede Menge Potenzial, was Stephenie Meyer aber daraus macht ist (entschuldigt bitte, aber ich kann nicht anders) in meinen Augen unter aller Kanone. Da wird über fast 900 Seiten hinweg geschwafelt, geschwafelt, geschwafelt. Es gibt keine wirkliche Bedrohung - so gut wie nie! Wo sind denn die Sucher, die hinter den Menschen herjagen? Was tun eigentlich die Menschen, außer sich in einem Erdloch zu verschanzen und alle paar Wochen ans Tageslicht zu gehen, um Essen zu klauen? 

Die Antwort: Sie labern sich voll, stänkern durch die Gegend, tragen Hahnenkämpfe aus oder haben sich wahlweise alle ganz lieb. Und die Seelen - die haben sich auch alle wahnsinnig lieb, abgesehen von der bösen Sucherin, die irgendwie ein Querschläger ist, aber dann doch keine große Rolle spielt. Wanda lässt sich problemlos davon überzeugen, dass Menschsein viel cooler ist, und will sich permanent für alles und jeden opfern. Und dann ist da noch die komplett an den Haaren herbeigezogene Viereck-Lovestory - eigentlich das einzige, das ab und an mal ein Problem aufwirft. Klar, Jared liebt Melanie, die irgendwo tief vergraben in ihrem eigenen Körper steckt. Und Wanda steht dank Melanies Erinnerungen auch irgendwie auf Jared, was der natürlich gar nicht passt. Und dann kommt noch Ian dazu, der sich selbstverständlich nicht in Melanies Körper, sondern in die derzeit dort gastierende Seele verguckt.

Junge, Junge. Was für eine lahme Handlung. Und leider macht es auch der Weltenentwurf nicht besser, denn Meyer wirft die Außerirdischen auf die Erde, gibt ein paar schwache Infos und das war's. Keine Aussage dazu, wie es diese körperlosen Wesen geschafft haben, die Erdherrschaft an sich zu reißen. Wie sie sich organisieren. Das Schärfste sind aber die Planeten, die sie vorher schon besetzt haben. Es gibt da etwa einen Blumenplaneten, einen Spinnenplaneten, einen Delfinplaneten und einen Bärenplaneten. ..... Ernsthaft? War das jetzt ein Kinderbuch für 4-Jährige oder ein Jugendroman? Wie soll man denn so etwas ernst nehmen können? Spätestens hier war ich komplett raus, denn damit hat Meyer die ganze Geschichte meiner Meinung nach ins Aus befördert. 

Man merkt einfach ganz deutlich, dass sie diese Idee mit den Seelen hatte, sie aber schlichtweg nicht weiter denken wollte oder konnte. Es gibt keinen Rahmen, der auch nur im Entferntesten Sinn ergibt. Im Großen und Ganzen ist das einfach nur eine schwachsinnige Liebesgeschichte mit etwas anderem Background. Und einer gespaltenen Protagonistin, deren menschlicher Teil trotz der gelegentlichen Einwürfe und inneren Monologe viel zu unpräsent ist. Ich habe immer noch keine Ahnung, wer Melanie eigentlich ist. Auch hier wurde das Konzept einfach nicht zu Ende gedacht. Eine körperlose Figur, die lediglich ab und an mal als Stimme aus dem Off auf den Plan tritt, verliert eben leider nach den ersten Seiten, auf denen man das noch erfrischend anders und vielleicht innovativ fand, ihren Reiz.

Sprecher:

Ulrike Grote liest Seelen und schlüpft in die Rollen von Wanda und Melanie. Mir hat ihre Interpretation sehr sehr gut gefallen - Ulrike Grote weiß ihre Stimme perfekt einzusetzen und verleiht jedem Charakter seine eigene Identität. Ihre Art, die Geschichte zu erzählen, hat mich auf jeden Fall auch dann am Ball bleiben lassen, wenn die Geschichte selbst mich nicht überzeugt hat (was eigentlich überwiegend so war).
Mein Fazit:

Hätte ich dieses Buch gelesen und mir nicht auf dem Weg zur Arbeit vorlesen lassen, hätte ich es abgebrochen. Davon bin ich überzeugt. Denn obwohl mir die Ausgangssituation und die Seelen als außerirdische Wesen gefallen, ist die gesamte Geschichte durchweg oberflächlich, an den Haaren herbeigezogen und stellenweise richtiggehend lächerlich. Es passiert fast nichts - abgesehen von den Kämpfen, die Jared und Ian ausfechten, weil sie beide auf den gleichen Körper stehen, in dem zwei unterschiedliche Mädchen hausen. Also nein. da war ich einfach raus. Auch das Drumherum kann man einfach nicht ernst nehmen (ich komme immer noch nicht über den Delfinplaneten hinweg...). Seelen möchte ein Science-Fiction-Roman, vielleicht sogar eine Dystopie sein - was aber dabei herauskommt, ist eine dröge, endlos in die Länge gezogene, super schmalzige Lovestory. Für mich ein klarer Reinfall.

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Tags: aliens, außerirdische, fremde planeten, liebe, liebesgeschichte, science fiction   (6)
 

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

hercule poirot, agatha christie, mord im orientexpress, mord, detektiv

Mord im Orientexpress

Agatha Christie , Otto Bayer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 05.10.2017
ISBN 9783455001914
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Rezension bezieht sich auf die Hörbuchfassung.


Geschichte und Erzählstil

Wie ihr ja wisst, bin ich großer Anhänger von Sir Arthur Conan Doyle und seinem legendären Detektiv Sherlock Holmes. Von Agatha Christie hatte ich bisher allerdings sehr wenig gelesen und ihrem Hercule Poirot bin ich bis jetzt sogar gar nicht begegnet. Zeit, das zu ändern! Da im November die Neuverfilmung von Mord im Orientexpress in die Kinos kommt, dachte ich, ich widme mich endlich mal diesem Klassiker. Die Hörbuchausgabe aus dem Hörverlag war dabei für mich genau die richtige Wahl, denn da ich viel im Auto höre, bin ich immer auf der Suche nach spannender Unterhaltung.

Vorab: Ich mag Agatha Christie. Sie hat einen klaren, leicht verständlichen Schreibstil, der etwas simpler ist als der von Doyle, aber dennoch sehr angenehm. Was ich vor allem mag, sind das Kuriose und das leicht Schrullige, das ihren Detektivgeschichten anhaftet. Man denke da nur an Miss Marple. Und bei Mord im Orientexpress ist das nicht anders: In diesem Zug kommen allerlei merkwürdige und geheimnisvolle Fahrgäste zusammen - ein bisschen wie ein Kaleidoskop der Merkwürdigkeiten. Alle erscheinen irgendwie verdächtig, ein bisschen zwielichtig und vor allem geheimniskrämerisch. In Verbindung mit dem Mondänen und Legendären, das dem Orientexpress anhaftet, ergibt sich so eine interessante und ziemlich spannende Ausgangssituation.

Auch Herucle Poirot habe ich direkt ins Herz geschlossen. Er ist wesentlich sympathischer als mein großer Held Holmes und vor allem hat er ein glückliches Händchen im Umgang mit Menschen. Mir gefällt seine leicht verschrobene, aufgeschlossene Art ziemlich gut. Vor allem kann er gut kombinieren und beobachtet genau, auch wenn seine Fähigkeiten nicht ganz so beeindruckend sind wie die von Holmes. Seine Deduktionen sind vielleicht ein bisschen besser nachzuvollziehen und sie sind ziemlich unterhaltsam. Die Auflösung des Mordes im Orientexpress ist auf jeden Fall überraschend und fügt sich wunderbar zusammen.

Der Fall selbst ist eigentlich recht typisch für einen klassischen Detektivroman - auch wenn die Zahl der Verdächtigen die Zahl der falschen Spuren hier deutlich erhöht. Hercule Poirot kommt vor allem dank zahlreicher Befragungen ans Ziel und diese sind unterhaltsam mitzuverfolgen. Insgesamt ist die Geschichte sehr kurzweilig, logisch durchdacht und wird überraschend aufgelöst. Auch wenn ich das Motiv am Ende beinahe etwas zu banal fand, passt einfach alles perfekt zusammen. Und ich muss unbedingt weitere Kriminalgeschichten von Agatha Christie lesen!

Sprecher:

Mord im Orientexpress wird von Stefan Wilkening gelesen und er macht das einfach grandios. Zum einen hat er eine sehr angenehme Erzählstimme, zum anderen schlüpft er so perfekt in die vielen verschiedenen Rollen der Fahrgäste, dass man schlicht und ergreifend einen Heidenspaß beim Zuhören hat. Er gibt jeder Figur entsprechend ihrer Nationalität den passenden Akzent und somit eine Identität. Poirots französischer Akzent, die verschreckte Schwedin oder die russische Adelige - einfach meisterhaft umgesetzt!
Mein Fazit:

Wer klassische Detektivgeschichten mag und Mord im Orientexpress noch nicht kennt, sollte das ganz schnell nachholen. Die Hörbuchfassung ist dafür die perfekte Wahl, denn Stefan Wilkening haucht der kultigen Geschichte neues Leben ein und macht dabei einen großartigen Job. Letztlich kann Hercule Poirot meinem Lieblingsdetektiv zwar nicht das Wasser reichen, dafür ist Agatha Christie ganz große Unterhaltung. Mord im Orientexpress macht einfach Spaß!

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Tags: agatha christie, detektiv, detektivroman, hercule poirot, meisterdetektiv, mord, mordfall, mord im orientexpress   (8)
 

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10.155 Bibliotheken, 75 Leser, 9 Gruppen, 347 Rezensionen

krebs, liebe, tod, krankheit, john green

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

John Green , Sophie Zeitz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2014
ISBN 9783423625838
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich gebe es zu: Ich bin ein Spätzünder. Als das Buch vor ein paar Jahren so sehr gehypet wurde, hatte ich keine Lust, es zu lesen. Als der Film ins Kino kam, habe ich mich 0 dafür interessiert. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das lag. Es hat mich einfach nicht in den Fingern gejuckt. Irgendwann kam ich aber doch nicht mehr am Film vorbei und dachte mir: Na gut, dann schau ich eben mal rein. Und ich liebe ihn. Ich liebe die Darsteller. Ich liebe jedes verdammte Wort. Jede einzelne Szene. Sogar das Ende. Und ich wusste: Das Buch musste ich auch noch lesen. Es muss einfach gut sein, es muss!

Die Rede ist von John Greens Weltbestseller Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Das Buch mit dem grandiosen Titel und der unfassbar traurigen Liebesgeschichte, von der man von Anfang an weiß: Sie ist zum Scheitern verurteilt. Vermutlich erzähle ich hier den wenigsten von euch etwas Neues, denn wer (außer mir) kennt dieses Buch nicht? Aber ich will euch natürlich nicht vorenthalten, was Das Schicksal ist ein mieser Verräter während des Lesens mit mir gemacht hat.

Tatsächlich kann ich die Basics relativ kurz zusammenfassen: Greens Charaktere sind phänomenal. Man kann sie in ihrer absolut vollkommenen Unvollkommenheit einfach nur lieben. Man bewundert Hazel für ihre Stärke, man kauft ihr ihren Zynismus ab und man zieht den Hut vor ihrer Art und Weise, wie sie ihr Schicksal akzeptiert. Selbst, als Gus in ihr Leben tritt und ihr klar ist, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen kann. Man will Gus' Freund sein, weil er echt und humorvoll und so unkompliziert ist. Gleichzeitig sind beide Charaktere aber eben nicht perfekt - auch sie hadern mit ihrem Schicksal, sind manchmal etwas zu hart zu sich selbst und zu den Menschen in ihrer Umgebung. Weil sie das Mitleid leid sind und weil sie einfach nur normale Jugendliche sein wollen. Hazel und Augustus sind so authentisch, dass es fast schon wehtut.

Und wisst ihr, was das Besondere an diesem Buch ist? Ich hatte tatsächlich kein Mitleid mit Hazel und Augustus. Aber das ist nichts Schlechtes. Denn vielmehr habe ich jeden Atemzug, den sie tun, genossen. Habe sie einfach so gerne beim Leben beobachtet und nicht mit einer Silber daran gedacht, dass es böse ausgehen könnte. Und das, obwohl ich das Ende ja bereits kannte. Ich finde es einfach großartig, dass Green keine rosarote Pony-Welt zeichnet. Dass er die Realität zeigt und doch auch diese vielen kleinen zauberhaften Momente, die Hazels und Augustus' Leben zu etwas Außergewöhnlichem machen. Und dass die ganze Geschichte so unsentimental und doch so bewegend erzählt ist. Das ist eine schmale Gratwanderung, die Green einfach sensationell meistert.

Überhaupt liebe ich John Greens Schreibstil. Er ist so ehrlich und unkompliziert, so perfekt abgestimmt auf seine Charaktere. Und ich finde es grandios, dass man bei dieser Geschichte von einem Extrem ins andere stürzt - ein Satz bringt einen laut zum Lachen, der nächste zum Weinen. Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist eben wie das Leben. Es ist nicht das eine oder das andere. Es ist vieles auf einmal. Und auch hier entpuppt sich Green als wahrer Meister seines Fachs, denn er würzt den Roman mit genau der richtigen Dosis Humor. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Es ist eine Art, sich mit diesem schweren Thema Krebs auseinandersetzen, die einfach nur unglaublich gut gemacht ist. Wirklich, ich ziehe meinen Hut vor John Green.

Aber... leider gibt es doch noch ein Aber. Der Film hat mich unglaublich mitgenommen und mich teilweise in tiefe Trauer gestürzt. Was hat mir das Herz geblutet! Ich wollte heulen, am laufenden Band. Das Buch hat das nicht ganz geschafft. Möglicherweise liegt es daran, dass ich die Geschichte schon kannte - andererseits heule ich beim Film jedes Mal wieder wie ein Schlosshund. Im Buch allerdings ging mir die Liebesgeschichte trotz der authentischen Charaktere nicht wirklich nahe. Natürlich - ich habe mitgefiebert und ich liebe Gus und Hazel. Aber die Chemie zwischen ihnen stimmt im Roman für mich nicht zu 100%. Ein kleines Bisschen wirkt die Liebesgeschichte auf mich wie aus dem Boden gestampft, obwohl ich die Botschaft auf jeden Fall verstehe und schätze. Gus und Hazel wissen, dass ihnen vielleicht nicht viel Zeit bleibt und es ist so zauberhaft, wie sie die verbliebene nutzen. Trotzdem hat mich der Film weitaus mehr getroffen als das Buch. Auch wenn ich es dennoch liebe und großartig finde.

Mein Fazit:
Wie viele andere vor und viele andere nach mir, sage ich: John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist ein ganz besonderes Buch. Mit so viel Tiefgang und so emotional, ohne auch nur einen Hauch von Kitsch und ohne Sentimentalität. Greens Worte beschwören Bilder von zwei Jugendlichen herauf, die sich rettungslos ineinander verlieben und denen doch so wenig Zeit bleibt. Und diese Bilder lassen einen nicht mehr los. Tatsächlich hat mich das Buch zwar weniger mitgenommen als der Film, aber dennoch: Dieses Buch ist ein moderner Klassiker und man muss es gelesen haben!

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Tags: große liebe, jugendroman, krebs, lieben, liebesroman, sterben, teenager, unheilbare krankheit, verlieben   (9)
 

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103 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 79 Rezensionen

spanischer bürgerkrieg, spanien, spionage, bürgerkrieg, franco

Der Preis, den man zahlt

Arturo Pérez-Reverte , Petra Zickmann
Fester Einband: 295 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.09.2017
ISBN 9783458177197
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich liebe historische Geschichten, die im 20. Jahrhundert spielen, und mein absoluter Lieblingsautor ist Spanier und siedelt seine Romane oft in den 1930er bis 1950er Jahren an - Der Preis, den man zahlt von Arturo Pérez-Reverte klang also nach genau der Art Geschichte, die mich in der Regel fesselt und fasziniert. Umso mehr habe ich mich über einen Platz in der Leserunde des Insel Verlags auf Lovelybooks.de gefreut. Leider merkte ich aber schon auf den ersten Seiten, dass der Roman überhaupt nicht meinen Geschmack trifft.

Woran lag das? Zumindest nicht an Pérez-Revertes Art zu erzählen. Die ist sehr eindringlich und klar und passt damit perfekt zu der Zeit, in der er seine Geschichte um den Spion Falcó ansiedelt. Das Setting, das Pérez-Reverte schafft, ist authentisch, grausam realistisch und absolut fesselnd. Er fängt vor allem die Stimmung, wie sie im Spanien der 1930er Jahre vorgeherrscht haben muss, atemberaubend gut ein und skizziert das Bild eines geteilten Landes, in dem man niemandem trauen kann. Das gesamte Szenario hat mir unglaublich gut gefallen - es ist so lebendig und pulsierend, dass es vor dem geistigen Auge des Lesers beinahe Realität wird.

Was also war es dann, was mich an dem Roman gestört hat? Zum einen das Tempo. Ich hatte mich (gemäß der Kritiken auf dem Umschlag) auf eine rasante, sich schnell und vielleicht ein wenig chaotisch entwickelnde Geschichte eingestellt. Das Tempo ist jedoch von Anfang an sehr gemächlich, der Fokus liegt auf politischen Ränken, die nach und nach geschmiedet wäre. Bis es zur eigentlichen Aktion kommt, vergeht mehr als die Hälfte des Buches. Leider sind auch die Vorbereitungen der Befreiung nicht sonderlich spannend geschildert. Dafür nimmt die Handlung gegen Ende mächtig Fahrt auf - und gerät dabei ins Straucheln. Für mich stimmte das Tempo insgesamt leider gar nicht und auch die Handlung selbst hält wenige Überraschungen für den Leser bereit, die er nicht schon dem umfangreichen Klappentext entnehmen könnte.

Mein zweiter großer Kritikpunkt sind die Charaktere - allen voran Protagonist Lorenzo Falcó. Er ist ein klassischer Antiheld, kein sympathischer Typ, was ich prinzipiell gut und spannend finde. Aber Falcó ist irgendwie ... einfach nichts. Die Geschichte wird zwar aus seiner Sicht erzählt, doch er blieb mir bis zum Schluss ein Rätsel. Ich konnte keine Prinzipien erkennen, keine erkennbaren Absichten. Er scheint einzig für seine Berufung als Spion (und Auftragskiller?) zu leben, der er kaltblütig und fast schon resigniert nachgeht. Keine seiner Entscheidungen, wenn er denn selbst mal welche trifft, war für mich nachvollziehbar und vor allem gegen Ende passt sein Verhalten so gar nicht zu der Charakterzeichnung, die Pérez-Reverte bis dahin vornimmt. Für mich ist es daher unmöglich, Lorenzo Falcó als echten Menschen zu sehen. Seine Gefühle, Gedanken, Motive - all das bleibt im Dunkeln und das sorgte leider auch dafür, dass ich einfach kein Interesse an ihm und seinem Schicksal hatte. Er hätte in der Mitte des Buches sterben können und es hätte mich kalt gelassen. Ein schlechtes Zeichen.

Nicht anders ging es mir mit der aus dem Boden gestampften Romanze zwischen Eva Rengel und Lorenzo Falcó. Wenngleich es im Verlauf der Handlung ein paar Momente zwischen den beiden gibt, die unheimlich pur und echt wirken, fehlte mir auch hier die emotionale Nähe. Höchstwahrscheinlich liegt das einfach daran, dass ich mit einer völlig falschen Erwartungshaltung an den Roman herangegangen bin. Der Klappentext suggeriert hier eine dramatische Geschichte vor dem historischen Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs - obwohl Der Preis, den man zahlt eigentlich eine detailgenau skizzierte und eher nüchterne Spionagegeschichte erzählt. Und das trifft dann überhaupt nicht meinen Geschmack. Leider.

Mein Fazit

Der Preis, den man zahlt ist eine hervorragend erzählte Spionagegeschichte vor authentischem Setting, die auf emotionale Nähe zu den Charakteren verzichtet. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist es in jedem Fall ein gutes Buch. Meinen Geschmack hat Arturo Pérez-Reverte allerdings nicht getroffen, denn ein zu gemächliches Tempo und von vorne bis hinten undurchsichtige Charaktere ließen zumindest bei mir wenig Spannung aufkommen.

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Tags: 193, 1930er jahre, bürgerkrieg, franco, franco regime, spanien, spanischer bürgerkrieg, spio, spionage, spionageroman   (10)
 

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

mobbing, lauren oliver, ausgrenzung, bitch, leben ändern

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie - Die Filmausgabe

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier , Anna Thalbach
Audio CD
Erschienen bei Silberfisch, 26.05.2017
ISBN 9783867423700
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Geschichte und Erzählstil:


Im Sommer lief die Verfilmung von Lauren Olivers Bestseller Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie ja im Kino und ehrlich gesagt war ich vom Film nicht wirklich überzeugt. Mir fehlte ein wenig Spannung und das Ende... das Ende! Aber ich wollte der Geschichte noch einmal eine Chance geben, weil sie von der Grundidee her wirklich genial ist und weil mich schon Lauren Olivers Amor-Trilogie überzeugt hat. Also griff ich zum Hörbuch und beschäftigte mich noch einmal eingehender mit Sams Geschichte.




Prinzipiell ist Wenn du stirbst (ich kürze den Titel mal ab) eine Teenager-Version von "Und täglich grüßt das Murmeltier". Es geht um Samantha Kingston, ein beliebtes Mädchen, das zumindest glaubt, das perfekte Leben zu führen - bevor es bei einem Autounfall ums Leben kommt. Doch Sam stirbt nicht, sondern ist stattdessen in einer Art Zeitschleife gefangen. Immer wieder aufs Neue durchlebt sie den gleichen Tag - den 12. Februar, der so unspektakulär beginnt und so dramatisch endet. Und egal, was sie tut: Am nächsten Morgen erwacht sie wieder in ihrem Bett und es ist wieder der 12. Februar. Eine interessante und spannende Ausgangssituation, die sich gemächlich, aber durchgehend packend entwickelt.




Denn an jedem 12. Februar nimmt Sam etwas anderes wahr. Richtet ihren Blick auf Mitschüler, die sie sonst ignoriert hat, auf winzige Begebenheiten und Zufälle, die ihr sonst niemals aufgefallen wären. Sie betrachtet ihr Leben plötzlich aus einem völlig anderen Blickwinkel und stellt fest, dass sie eigentlich gar nicht zufrieden ist. Nicht mit ihrer Art, wie sie andere Menschen behandelt, nicht mit ihrer Ausstrahlung und auch nicht mit ihrer nach außen hin ach so tollen Beziehung. Indem die Zeit für Sam still steht, erhält sie die Gelegenheit, die Dinge genauer zu betrachten und ihre Prioritäten anders zu setzen. Etwas, was wir alle eigentlich hin und wieder tun müssten. Hinter der Geschichte steckt eine tiefe Botschaft, die einem auf jeden Fall zu denken gibt.




Und bald realisiert Sam, dass sie diese Chance nicht erhalten hat, um sich zu retten. Sie muss etwas ändern, sie muss ihr Leben ändern. Denn Lauren Oliver packt in ihren Roman Themen wie Mobbing und Ausgrenzung - Themen, die in unserer Gesellschaft eine große Rolle spielen. Und tatsächlich ist es das ein oder andere Mal ziemlich schmerzhaft, mit anzusehen, wie gleichgültig Sam die Menschen in ihrer Umgebung sind und mit welchem Hochmut sie durchs Leben geht. Sie ist weit davon entfernt, ein sympathisches, nettes Mädchen oder gar eine Heldin zu sein. Anfangs zumindest. Denn ihre Erlebnisse öffnen ihr die Augen und sie beginnt, sich zu ändern. Und diese Charakterentwicklung hat mir wirklich unheimlich gut gefallen. Und unweigerlich führt sie zu diesem Ende, das einem schlecht gefallen kann, aber das einfach nötig ist.




Insgesamt hat mir der Roman tatsächlich besser gefallen als der Film. Er steckt voller Tiefe und Melancholie und vor allem steckt er voller Wahrheiten. Das einzige, was mich gestört hat (und das hat mich auch beim Film schon gestört), ist der erhobene Zeigefinger, den Oliver nicht immer ganz so geschickt verbergen kann. Man ahnt einfach recht früh, worauf sie hinaus will und auch wenn die Botschaft wirklich fantastisch und absolut richtig und wichtig ist, wirken gewisse Dinge einfach wie aus dem Lehrbuch. Ansonsten aber ist diese Geschichte wirklich einzigartig und in ihrer Originalität und ihrer Detailhaftigkeit großartig.




Sprecher:


Wenn du stirbst wird von Anna Thalbach gelesen, einer Synchron- und Hörbuchsprecherin, der ich wirklich unheimlich gerne zuhöre. Ihre Stimme hat etwas Kratziges, Geheimnisvolles - auf jeden Fall etwas Spezielles und sie versteht es einfach perfekt, jede einzelne Situation anders zu interpretieren. Die ideale Besetzung für Sam und ein großes Hörvergnügen.


Mein Fazit:




Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie ist ein ruhiger, melancholischer und ernster Jugendroman mit einer faszinierenden Grundidee und einer starken Botschaft. Was würden wir ändern, wenn wir wüssten, dass wir morgen sterben müssen? Lauren Oliver zeigt, dass es im Leben nicht um Belanglosigkeiten geht, aber um all die kleinen Feinheiten und die Art und Weise, wie wir den Menschen täglich begegnen. Hier und da war mir der erhobene Zeigefinger ein wenig zu übermächtig und deutlich, aber insgesamt ist das ein großartiges und vor allem ein wichtiges Buch.

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Tags: ausgrenzung, bitch, leben ändern, letzte chance, liebe, mobbing, sterben, tod   (8)
 

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garten, familiengeheimnis, geheimnisvoller garten, schicksal, toskana

Die Oleanderschwestern

Cristina Caboni , Ingrid Ickler , Nicole Engeln
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 21.08.2017
ISBN 9783837139792
Genre: Romane

Rezension:

Geschichte und Erzählstil:

Ich liebe Italien und habe erst vor Kurzem den Handlungsort von Cabonis Geschichte, Volterra in der Toskana, selbst besucht. Deswegen habe ich mich sehr auf das Hörbuch gefreut - Familiengeschichte trifft auf die einzigartige toskanische Landschaft. Das konnte für mich nur gut werden, dachte ich zumindest. Und anfangs klang die Geschichte auch recht vielversprechend: Iris, die in Amsterdam lebt und eine Kolumne für eine Pflanzenzeitschrift schreibt, steht bei einer Gartenschau in London plötzlich ihrem Ebenbild gegenüber. Und diese Begegnung setzt eine spannende Suche nach alten Familiengeheimnissen in Gang. Die Begegnung zwischen Viola und Iris und die anschließenden Konflikte mit ihren Eltern haben mich ein wenig an Erich Kästners Das doppelte Lottchen erinnert. Das Motiv ist auf jeden Fall sehr ähnlich und diente sicher als Vorbild, auch wenn sich die Handlung danach in eine ganz andere Richtung entwickelt.

Dem geplanten Treffen zwischen Iris und ihrem Vater und Viola und der gemeinsamen Mutter stellt sich nämlich Giulia Donati, die Großmutter der Zwillinge, in den Weg. Auf ihren Wunsch hin kommen sie schließlich auf dem Familienanwesen in der Toskana zusammen. Ein einstmals prächtiges Haus mit traumhaften Gärten, die nun heruntergekommen und verödet sind. Ich konnte mir diese vergangene Pracht sehr gut vorstellen und liebe diesen leicht mystischen Handlungsort, den Caboni da geschaffen hat. Zwar habe ich mich zu Beginn etwas schwer getan mit all den Blumen und Pflanzen, die die Handlung beherrschen, andererseits ist es wiederum sehr schön, dass es einen roten Faden gibt, der sich durch die Geschichte zieht. Und das ist nun mal die Leidenschaft für Blumen und das Gärtnern, die nicht nur die Zwillinge Iris und Viola, sondern alle Mitglieder der toskanischen Familie Donati gemeinsam haben. 

Leider wurde ich mit den Charakteren allerdings nicht so richtig warm. Iris war mir schon von Anfang an nicht wirklich sympathisch, obwohl sie eine gute Seele ist und erstmal alles und jeden lieb hat. Vielleicht lag es an ihrem doch sehr naiven Wesen oder auch an Nicole Engelns Interpretation, denn Iris wirkt in beinahe jedem Gespräch wie ein quengeliges Kind und das hat mich ziemlich schnell genervt. Ähnlich ging es mir mit ihrer Schwester Viola, die wiederum alles andere als ein umgänglicher Mensch ist - klar, natürlich ist sie das komplette Gegenteil. Und prahlt mit ihren Erfolgen, ist allzu schnell beleidigt und eingeschnappt - kurzum, sie zu mögen, ist wirklich schwer. Generell wirken Iris und Viola nicht wie zwei junge Frauen in den 20ern, sondern eher wie Kinder oder Teenager. Was auch daran liegt, dass sich ständig alle Sorgen um sie machen - ob sie nur mal kurz in den Wald spazieren gehen oder nach Volterra fahren. Immer heißt es: Wo sind die Mädchen, sind sie etwa ganz allein? Hoffentlich passiert ihnen nichts! Diese übertriebene Fürsorge war mir doch ein wenig suspekt.

Die Geschichte selbst hat definitiv Potenzial und enthält einige mystische, magische Elemente, die wunderbar zu dem verwunschenen Handlungsort passen. Auf dem Anwesen der Donatis läuft die Zeit irgendwie anders und das transportiert Cristina Caboni sehr schön. Die Figur der Großmutter Donati ist im Gegensatz zu ihren Enkelinnen meisterhaft dargestellt - sie spricht oftmals in Rätseln und wird von den anderen Familienmitgliedern gar nicht wirklich ernst genommen. Aber man ahnt schnell, dass sie gar nicht so verrückt ist, wie einige glauben und dass es zwischen den Gärten in der Toskana und den Zwillingen doch irgendeine übernatürliche Verbindung gibt. Diese Thematik fand ich wiederum sehr spannend - eine wirklich tolle Idee.

Aber... leider kommt hier noch ein Aber. Denn die Geschichte in ihrer Gesamtheit hat mich dann doch nicht so gepackt, wie ich das erwartet hatte. Wie gesagt, die Ideen waren da, aber im Mittelteil zog sich das Ganze arg in die Länge, während andere Spuren hingegen im Sande verliefen. Und die Auflösung des großen Geheimnisses am Ende: Naja, da hatte ich definitiv mehr erwartet. Die Lösung erschien mir im Kontext dann doch recht plump und enttäuschend. Auch die Beweggründe der Eltern (wieso haben sie ihre Töchter auseinandergerissen?) sind mir nach wie vor ein Rätsel und wurden nur nebenbei und unzureichend geklärt. Ich bin in dieser Hinsicht nun einmal ganz anderes gewöhnt: Meisterhaft gesponnene Intrigen, jahrzehntealte Rätsel, auf deren Lösung man niemals kommen würde. Beides habe ich in Die Oleanderschwestern vermisst. Und so bleibt es für mich eine ungewöhnliche Doppelte-Lottchen-Geschichte, die vielleicht nicht richtig zu Ende gedacht wurde.

Sprecher:

Wie schon erwähnt, wird Die Oleanderschwestern von Nicole Engelns gelesen, die ich bisher noch nicht kannte. Grundsätzlich hat sie eine sehr angenehme Erzählstimme und ich fand es großartig, wie sie mit dieser den grundverschiedenen Zwillingsschwestern Iris und Viola unterschiedliche Persönlichkeiten verliehen hat. Man hörte quasi immer direkt, um wen es gerade ging. Aber: An einigen Stellen verfällt Engelns in einen vertötend quengelnden Tonfall und schraubt ihre Stimme gefühlt drei Oktaven höher. Und genau das war es, was mir vor allem Iris so unsympathisch und unmöglich machte. Das ist natürlich Geschmackssache, aber hier ist Engelns für mich etwas über das Ziel hinausgeschossen.
Mein Fazit:

Ein traumhafter Handlungsort, ein altes Familiengeheimnis und ein bisschen Magie - das sind die Dinge, die mir an Cristina Cabonis Die Oleanderschwestern wirklich gut gefallen haben. Weniger mochte ich hingegen die Charaktere und den nicht sehr spannenden Handlungsverlauf. Hier wäre deutlich mehr Potenzial vorhanden gewesen. Ich fürchte einfach, die Geschichte wird mir nicht besonders lange im Gedächtnis bleiben.

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Tags: familiengeheimnis, garten, geheimnisvoller garten, schicksal, schwestern, toskana, volterra, zwillinge   (8)
 

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berlin, thriller, uwe wilhelm, brutal, thrille

Die sieben Farben des Blutes

Uwe Wilhelm
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 17.07.2017
ISBN 9783734103445
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie ihr ja sicher schon bemerkt habe, lese ich recht selten Thriller. Und wenn, dann eigentlich nur von ausgewählten Autoren (ich sag nur: Fitzek, Beckett, Brown). Die sieben Farben des Blutes hat mich aber neugierig gemacht - auf eine neue Geschichte, einen neuen Autoren, neuen Nervenkitzel. Und auch wenn mir nicht unbedingt alles an diesem Roman gefallen hat, bin ich froh darüber, dass ich ihn gelesen habe. Weil er mir nämlich gezeigt hat, dass es durchaus noch andere deutsche Thriller-Autoren gibt, die sich auf Spannung und einen spektakulären Plot verstehen. Und das wiederum zeigt mir, dass ich meine Wohlfühlzone ab und zu mal verlassen und meinen Horizont erweitern sollte.

Aber genug der Vorrede - worum geht es in Uwe Wilhelms Die sieben Farben des Todes? Es geht um einen perversen und vollkommen irren Serienkiller, der denen, die wir aus amerikanischen Büchern, Serien und Filmen kennen, in nichts nachsteht. Dionysos ist ein Monster, ein frauenhassendes Monster, das seine Opfer auf ebenso perfide wie wahnsinnige Weise umbringt und sie dabei verhöhnt. Uwe Wilhelm hat mit Dionysos einen Mörder geschaffen, der an Jack the Ripper erinnert. Der eine grausame Mission hat und der Welt mit seinen Taten vor Augen führen will, dass emanzipierte, starke Frauen auf den Scheiterhaufen gehören. Ein verstörender und zugleich elektrisierender Gedanke. Denn das, was Wilhelm da aufgreift, ist ein brandaktuelles Thema. Feminismus ist heutzutage doch ebenso vielen Menschen ein Dorn im Auge, wie er Anhänger hat. Ewig wird diskutiert über Frauenquoten und dergleichen und recht oft kommen dabei Männer zu Wort, die sich aus irgendeinem Grund von starken Frauen bedroht fühlen. Und genau so ein Mann ist Dionysos - das zumindest war mein Eindruck.

Generell zieht ich das Thema Frauenhass durch die gesamte Geschichte. Er begegnet vor allem der Protagonistin Helena Faber, die sich in einer Männerdomäne behaupten muss, an beinahe jeder Ecke. Und nicht etwa nur durch die grausamen Taten dieses Einzeltäters, sondern in ganz alltäglichen Situationen, die uns erst einmal begreifbar machen, wie tief die Verachtung der Frau in der Gesellschaft immer noch verwurzelt ist. Die Ideen, die Wilhelm hier in die Geschichte um den irren Mörder einbindet, faszinieren und polarisieren. Und es sind auch Dinge dabei, die zum Nachdenken anregen: Dass etwa seine Videobotschaften, in denen er Mitschnitte seiner bestialischen Taten festhält, unbehelligt auf Facebook, Youtube und co. geteilt werden, weil sie sich nach ihrer Veröffentlichung so rasch verbreiten, dass es unmöglich ist, sie zu löschen. Oder dass Dionysos im Schutze der Anonymität des Internets nicht nur verachtet und gehasst, sondern auch gefeiert und unterstützt wird. Das sind die Aspekte des Romans, die ihn so realistisch machen. Denn es sind genau diese Probleme, mit denen wir uns heutzutage konfrontiert sehen. Das Internet als beinahe rechtsfreier Raum, in dem jeder sagen kann, was er will, ohne dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Kurzum: Die Quintessenz des Thrillers ist genial und hat mich komplett überzeugt. Auch die Symbolik hinter den inszenierten Morden und die Heldin Helena als Opfer des Täters. An dieser Stelle muss ich die zart besaiteten Leser aber warnen: Wilhelm wird bezüglich der Darstellung der Morde und der kranken Gedanken des Killers ziemlich explizit. Viele Szenen sind sehr gewalttätig und brutal - darauf sollte man sich einstellen. Dazu schreibt Wilhelm sehr gewandt und flüssig, was einen den Roman in einem Rutsch durchlesen lässt. Der Spannungsbogen ist gut, schwächelt nur gegen Ende etwas, aber dazu komme ich noch.

Ein paar Dinge gibt es dennoch, die mich gestört haben. Zum einen die Identität des Mörders - die kannte ich nämlich schon nach 50 von 480 Seiten. Für mich war es von Anfang an einfach zu offensichtlich. Die Spuren und Hinweise, die Wilhelm eingeflochten hat, waren zu deutlich und so habe ich mich gefragt, wie blind und blöd die Polizisten eigentlich sind, dass sie da nicht von selbst drauf kommen. Die Identität wird zwar auch so weit vor dem Ende aufgelöst und von da an wird das Ganze zu einem spannenden Katz-und-Maus-Spiel mit dem Täter, der Überraschungsmoment war aber einfach verloren und das fand ich sehr schade.

Gestört hat mich auch die Entwicklung der Protagonistin Helena. Deren Entscheidungen konnte ich schon anfangs nicht immer vollumfänglich nachvollziehen, weil sie teilweise absolut unlogisch und wirr sind. Ich möchte nicht zu viel verraten, nur so viel: Im Verlauf der Handlungen leidet Helena unter einigen Amnesien, die mir ab einem gewissen Punkt einfach zu unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen schienen. Hier verlor dann auch die Geschichte für mich an Glaubwürdigkeit und Authentizität. Das war doch etwas sehr dick aufgetragen. Generell gibt es innerhalb des Plots einige Logikfehler, nichts Großes, aber dem aufmerksamen Leser fallen sie ganz sicher auf. Gegen Ende hatte ich dann außerdem ein bisschen das Gefühl, dass Wilhelm noch Zeit schinden möchte - für mich war eigentlich alles gesagt, aber die Geschichte trudelt noch gute 100 Seiten vor sich hin, ohne zu einem Ende zu kommen. Das ist dann schließlich doch noch einmal spannend, denn völlig aus der Kalten heraus wirft Wilhelm dem Leser einen fiesen Cliffhanger vor die Füße und deutet damit eine Fortsetzung an. Obwohl mir der Roman rückblickend doch ganz gut gefallen hat, weiß ich nicht, ob ich eine mögliche Fortsetzung lesen wollen würde. Denn wie gesagt - prinzipiell ist zumindest die Geschichte um Dionysos zu Ende erzählt und ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie es noch weitergehen soll. Aber das lasse ich einfach mal auf mich zukommen.

Mein Fazit:

Die sieben Farben des Blutes hat mich in vielerlei Hinsicht fasziniert und vor allem über Seiten hinweg in Atem gehalten. Ein solider und eigentlich herausragend guter deutscher Thriller, der mit genialen Ideen und einem völlig abgedrehten Killer mit gruseliger Motivation glänzt. Es gab einige Dinge, die mich nicht ganz überzeugt haben - vor allem die teilweise an den Haaren herbeigezogene Charakterentwicklung und die Identität des Täters, die mir schon nach den ersten Seiten klar wie die berühmte Kloßbrühe war. Und dennoch: An der guten Unterhaltung und der perfiden Faszination, die die Morde auf einen ausüben, gibt es nichts zu rütteln.

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Tags: berlin, frauenhass, frauenmorde, krimi, morde, mörder, mordserie, serienkiller, serienmörder, spannung, thriller   (11)
 

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klassiker der weltliteratur, starbucks, rezension, blogger, erzählungen

Literatur zum Mitnehmen! - Neulich bei Starbucks ...

Jill Poskanzer , Nora Katz , Wilson Josephson , Regina Rawlinson
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.07.2017
ISBN 9783442159307
Genre: Humor

Rezension:

Einmal Literatur zum Mitnehmen, bitte! Wer wünscht sich das nicht manchmal - ich sag nur "So many books, so little time" und das Gemeinschaftswerk aus der Feder von Jill Poskanzer, Nora Katz und Wilson Josephson hat mir auf jeden Fall deutlich gemacht, dass ich noch einige Defizite in Sachen Weltliteratur habe. Tatsächlich nämlich kannte ich unglaublich viele Autoren und Figuren, auf die die vielen kleinen Anekdoten Bezug nehmen, nicht. Leider erschloss sich mir daher auch nicht immer deren tieferer Sinn - aber das ist ja nicht die Schuld des Autorentrios, sondern allein meine. :D

Aber der Reihe nach: Wie ist Literatur zum Mitnehmen überhaupt aufgebaut, was ist das für ein Buch? Es ist eine Sammlung wirklich kurzer Erzählungen beziehungsweise Anekdoten und Gedichte, die alle in der fiktiven Umgebung eines Starbucks Ladens spielen. Dieses Starbucks ist der Ort, an dem die Créme de la Créme der Weltliteratur zusammenkommt, um Kaffee oder Tee zu trinken. Eine ziemlich coole und witzige Idee, die die Autoren da hatten. Vor diesem Hintergrund nämlich vermitteln sie dem Leser in aller Kürze die Eigenheiten großer Schriftsteller und Dichter und zeigen typische Charakteristika ihrer bekanntesten Figuren auf - ohne allerdings das Ganze zu ernst nehmen.

So wirken doch einige Typen, die im Starbucks ein- und ausgehen, recht verschroben und skurril. Und dass sie dann noch einen Caramel Macchiato oder sonst ein extrem ausgefallenes Heißgetränk ordern, macht die Sache natürlich umso komischer. Mir gefällt, dass die Autoren Handlungen großer Werke der Weltliteratur genommen und einmal in ein ganz anderes Licht gerückt haben - ohne sie dabei jedoch ins Lächerliche zu ziehen. Beispiel gefällig?

"Harry Potter geht zur Theke und bestellt einen Butterbier Latte, weil Dumbledore es ihm aufgetragen hat und er sich ziemlich sicher ist, dass er dem Alten vertrauen kann."

Muhaha, ist das nicht genial? Stark vereinfacht, aber irgendwie bringt es das doch auf den Punkt, oder? Natürlich bestellt Harry einen Butterbier Latte, was sonst! Der Bezug zu Hogwarts und der magischen Welt ist also da. Und tatsächlich macht das Verhältnis zwischen Harry und Dumbledore doch einen großen Teil der Handlung aus und ist Harrys unerschütterliches Vertrauen in den betagten Zauberer bis zum Schluss ein Schlüsselelement. Und genau so handhaben es Poskanzer und co. bei jedem anderen berühmten Stoff oder seinem Autoren. Sei es die Liebe zum Gemetzel bei George R. R. Martin, die düstere Gänsehaut-Stimmung in Stephen Kings Romanen oder die tiefe Melancholie der Anna Karenina. 

Über die meisten Anekdoten kann man sich wirklich köstlich amüsieren - wie gesagt, insofern einem derjenige, den sie betrifft, ein Begriff ist. Einige Größen habe ich wirklich vermisst (was ist mit Sherlock Holmes??? Wo ist Goethe? Jules Verne?), bei anderen habe ich mich gefragt, wieso sich die Autoren wohl für sie entschieden haben. Aber: Logischerweise haben hier ja sicher persönliche Vorlieben mit reingespielt und es sind eben die abgedrehten Gedankenspiele von Poskanzer und co., an denen sie uns teilhaben lassen. Deswegen ist das eigentlich kein wirklicher Kritikpunkt. Und man kann das Buch ja immer wieder lesen - was ich auch auf jeden Fall tun werde, sobald ich ein wenig aufgeholt habe.

Mein Fazit:Für Literaturfans und Büchernerds (wie wir das ja alle sind) ist Literatur zum Mitnehmen die perfekte Lektüre für zwischendurch: Witzig, clever, kurzweilig, originell und - eben das - Literatur zum Mitnehmen. Ich finde die Idee hinter den witzigen Anekdoten genial und habe mich des Öfteren köstlich amüsiert. Allerdings sind die Erzählungen immer dann nur halb so komisch, wenn man den jeweiligen Autor oder Charakter nicht kennt. Deswegen gibt es von mir einen Punkt Abzug, auch wenn das natürlich absolut subjektiv ist und einfach mit dem Know How des Lesers zusammenhängt.

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Tags: anekdoten, autoren, erzählungen, klassiker der weltliteratur, schriftsteller, weltliteratur   (6)
 

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zeitreise, liebe, leuchtturm, fluch, new york

Vierundzwanzig Stunden

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 01.06.2016
ISBN 9783866124011
Genre: Romane

Rezension:

Diese Rezension bezieht sich auf die Hörbuchfassung.
Geschichte und Erzählstil:
Guillaume Musso... ist irgendwie eine Klasse für sich. Sein Buch Vierundzwanzig Stunden hat mir einmal mehr gezeigt, dass bei seinen Romanen nichts (aber auch gar nichts!) so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Musso führt wie kaum ein anderer Autor in die Irre, spielt mit dem Leser, überrascht ein ums andere Mal und lässt am Ende eine Bombe platzen. Am Klappentext darf man sich bei ihm auf keinen Fall orientieren, denn es kommt IMMER anders, als man es auch nur ansatzweise vermutet.
Bei dieser Rezension muss ich deshalb diesmal etwas vage bleiben, denn jedes Wort zur Handlung wäre bereits ein riesiger Spoiler. Wie gesagt: Bei Musso springt man ins kalte Wasser und lässt sich auf das Außergewöhnliche, Extreme ein, ohne vorher zu ahnen, worum es gehen könnte. So wurde auch ich wieder komplett überrascht, als die Handlung sich in eine Richtung bewegte, mit der ich so absolut nicht gerechnet hatte. Anhand des Klappentextes habe ich Vierundzwanzig Stunden für eine Art Thriller mit romantischen Zügen gehalten. Ich dachte: Vielleicht ist Arthur Costello ein Auftragskiller, der nach einem letzten Job aus dem Geschäft aussteigen will? Oder er muss sich wegen einer Affekt-Tat vor der Polizei verstecken? Oder... Alles falsch! Auf das, was Guillaume Musso einem präsentiert, kommt man nie im Leben. Versprochen!
Tatsächlich liest beziehungsweise hört sich Vierundzwanzig Stunden wie ein spannender Thriller, denn jedes Kapitel beginnt und endet mit Ungewissheit. Ungewissheit für den Protagonisten Arthur und für den Leser. Es ist eine rasante, irre Reise, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass das Leben oftmals viel zu schnell an einem vorbeizieht und einem kaum Zeit lässt zum Innehalten und Genießen. Klingt rätselhaft - genau das ist es auch! Ich für meinen Teil habe etwas gebraucht, um mich mit der doch sehr abgefahrenen und unkonventionellen Handlung abzufinden und in der Mitte zieht sich diese sogar ein wenig in die Länge, bevor sie für das unfassbare Ende noch einmal Fahrt aufnimmt.
Und das ist es: Unfassbar! Erst dachte ich: Das kann er nicht machen, das ist ja unerhört! Aber eigentlich ist es ziemlich genial. Denn es gelingt Musso, mit dem Ende noch einmal alles über den Haufen zu werfen und die Handlung in einen völlig neuen Kontext zu stellen. Es ist genauso unvorhersehbar wie der gesamte Handlungsverlauf - genauso schräg, genauso faszinierend, genauso unglaublich. Die Liebesgeschichte nimmt tatsächlich nur einen kleinen Platz in der Handlung ein, umspannt am Ende aber alles - auch hier, chapeau! Auf jeden Fall muss man den Roman erst einmal sacken lassen, bevor man ihn für sich selbst einordnet und bewertet. Und so ganz ist mir das immer noch nicht gelungen.
Sprecher:
Richard Barenberg liest Vierundzwanzig Stunden und seine Interpretation hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Er hat eine warme, angenehme Vorlesestimme (auch wenn sie vielleicht einen Ticken zu tief ist für den jungen Arthur, den ich mir vorgestellt habe). Christiane Marx liest hingegen nur eine kurze Passage aus Lisas Sicht, die ich ebenfalls mochte, auch wenn es hier gerne etwas mehr hätte sein können. Alles in allem aber eine schöne Hörbuchproduktion.
Mein Fazit:
Manchmal weiß ich nicht, ob ich Guillaume Musso lieben oder hassen soll. Was er mit dem Leser macht ... Himmelherrgott, meine Nerven! Genial sind seine Ideen, seine schier unvorhersehbaren Plot Twists und seine Fähigkeit, mit einem epischen Ende noch einmal alles Vorhergehende über den Haufen zu werfen, aber zweifelsohne. Die Elemente in Vierundzwanzig Stunden waren mir teilweise zwar einen Ticken zu abgefahren, die schriftstellerische Fertigkeit muss ich jedoch uneingeschränkt bewundern. Lasst euch einfach mal drauf ein!

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science fiction, zukunft, aliens, weltraum, raumfahrt

Extraterrestrial - Die Ankunft

Larry Niven , Jerry Pournelle
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei Mantikore-Verlag, 16.08.2017
ISBN 9783945493991
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Bei Extraterrestrial - Die Ankunft handelt es sich um die Neuübersetzung des Science Fiction Klassikers The Mothe in Gods Eye von Larry Niven und Jerry Pournelle, der bereits 1974 erschien. Der Mantikore Verlag hat dem Roman einen modernen Titel und ein neues Gewand gegeben, allerdings kann beides nicht über den recht angestaubten Inhalt hinwegtäuschen. Sicher war mir von Anfang an klar, dass ein in den 70er Jahren geschriebener Science Fiction Roman sich signifikant von modernen Werken des Genres unterscheidet (erlebt habe ich das ja zum Beispiel auch bei Das Erbe der Sterne von James P. Hogan, das mir sehr gut gefallen hat). Aber: Bei Extraterrestrial lassen bereits die veralteten und oftmals militärisch geprägten Begriffe (etwa "Fähnrich"), der enorme religiöse Hintergrund und die monarchische Herrscherstruktur vermuten, dass hier eine Generalüberholung dringend nötig gewesen wäre, damit der Roman im 21. Jahrhundert überhaupt ernst genommen werden kann.
Über den teilweise sehr sperrigen (wenn auch überwiegend flüssigen) Schreibstil sowie die unglaubwürdige Gesellschaftsstruktur (dazu weiter unten mehr) bin ich ebenso gestolpert wie über die Unmengen an Rechtschreib-, Grammatik- und Logikfehler, die sich wie ein roter Faden durch den Roman ziehen. Traurigerweise der einzige rote Faden, den ich entdecken konnte. Ungelogen und ohne zu übertreiben: Auf jeder (!) einzelnen Seite fanden sich gleich mehrere wirklich böse Fehler, darunter so lapidare wie "dass/das", Fehler bezüglich der Groß- und Kleinschreibung und falsche Konjugationen. Teilweise musste ich einen Satz mehrmals lesen, um ihn inhaltlich überhaupt zu verstehen. So etwas ist mir bisher noch nie untergekommen und es darf in einem lektorierten Buch einfach nicht passieren, auch dann nicht, wenn dieses Buch in einem verhältnismäßig kleinen Verlag erschienen ist.
Nun zum Inhaltlichen: Der Klappentext lässt Großes vermuten und wenn man die ersten paar hundert Seiten mit unzähligen Charakteren und Diplomatie im Weltraum hinter sich gebracht hat, wird es auch tatsächlich erst einmal ziemlich spannend. Positiv überrascht war ich von der Darstellung der Außerirdischen, die rein gar nichts mit den fiesen grünen Männchen gemein haben, die man aus so vielen Büchern und Filmen kennt. Die Autoren haben sich bei der Beschreibung der Aliens wirklich große Mühe gegeben, sie mit außergewöhnlichen physiognomischen Eigenheiten, einer faszinierenden Kultur und einer in Bezug auf manche Dinge recht fortschrittlichen Gesellschaft ausgestattet. Ich fand es bemerkenswert, dass die Aliens in Bezug auf so einiges wesentlich weiterentwickelter waren als die Menschen in Nivens und Pournelles Roman.
Und damit wäre ich auch schon an dem Punkt, der mir am meisten missfallen hat. Die Menschheit ist in Extraterrestrial schmerzhaft rückständig dargestellt. Auf der einen Seite stehen die Raumfahrt und die Besiedlung verschiedenster Planeten. Auf der anderen die monarchische Regierungsform des Imperiums, eine schon jetzt mehr als veraltete Gesellschaftsstruktur, eine fehlende Emanzipation der Frau, eine religiöse Ausrichtung, die ich so nicht nachvollziehen konnte, und und und. Und das 1000 Jahre in der Zukunft. Ach du Schreck, da kippt man als Leser im 21. Jahrhunderts beinahe vom Stuhl. Für mich war das einfach dermaßen absurd und hatte nichts gemein mit anderen Romanen, Serien und Filmen des Genres aus der Zeit. Kaum etwas vom Entdeckungsdrang in "Star Trek", keine Weltraumschlacht wie in "Star Wars"...nichts. Vermutlich haben sich die Autoren große Mühe gegeben, eine eigene, von allen möglichen Vorlagen unabhängige Welt zu erschaffen und sind meiner Meinung nach grandios daran gescheitert.
Ich muss leider ganz ehrlich sagen, dass ich kaum etwas (bis auf die Aliens, kurioser Weise) in Extraterrestrial ernst nehmen kann. Da wäre etwa Sally, die einzige Frau an Bord der MacArthur, die von ihren männlichen Kollegen nicht mal im Ansatz wertgeschätzt wird. Die schon davon redet, irgendwann heiraten und am Herd enden zu müssen, weil das nun mal so ist. Die sich mit den Köchen unterhält, weil ihr das weibliche Schwatzen an Bord fehlt... Und mir fehlen angesichts dessen die Worte. Einerseits könnte man vermuten, die Autoren hätten die Menschheit absichtlich derart rückständig in gesellschaftlichen Belangen dargestellt, denn die Aliens zeigen im Gegensatz dazu eine wesentlich fortschrittlichere, ausschließlich von Frauen geführte Gesellschaftsstruktur. In dem Fall würde Extraterrestrial implizit Gesellschaftskritik üben... Andererseits wirkt dieses Konstrukt 1000 Jahre in der Zukunft schlicht und ergreifend zu unglaubwürdig. Ich kann mich nur wiederholen: Ernst nehmen kann ich es nicht.
Schwer getan habe ich mich generell mit der zukünftigen Welt in Extraterrestrial. Man bekommt zwar einen kurzen Abriss zur Geschichte des Imperiums geliefert, all die fremden Welten auf den Planeten und auch der Planet der Splitterer (die Außerirdischen) blieben für mich allerdings ungreifbar und vage. Das Ganze ist einfach wenig anschaulich dargestellt und vermutlich hätte hier zumindest eine Karte, wie man sie in vielen Fantasy Büchern findet, geholfen. Schade, denn grundsätzlich haben mich die Idee vom Imperium und all die besiedelten Planeten, nicht zuletzt natürlich die Welt der Splitterer sehr fasziniert. Ähnlich ging es mir auch mit den Charakteren, die so wenig Individualität besitzen, dass sie zu einem trüben Einheitsbrei verschwimmen und man sie bald nicht mehr auseinanderhalten kann.
Abschließend noch ein paar Worte zur Handlung: Von der Grundidee her - grandios. Die Umsetzung - katastrophal. An vielen Stellen zog sich das Geschehen in die Länge wie Kaugummi und dann plötzlich passierte alles Schlag auf Schlag und ohne Luft zu holen. Bevor die Handlung in die nächste langatmige Phase überging. Das Tempo stimmte durchgängig einfach überhaupt nicht. Auch ein erkennbarer roter Faden fehlte, vielversprechende Handlungsstränge verliefen im Sand. Stattdessen diplomatisches Geschwafel über mehrere Hundert Seiten. Nein, auch die Handlung konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen.
Mein Fazit:
Leider kann ich die Dinge, die mir an Extraterrestrial gefallen haben, an einer Hand abzählen: Die faszinierend dargestellten Außerirdischen mit allem Drumherum, die Grundidee vom menschlichen Imperium, der anfängliche Konflikt mit den Aliens. Davon abgesehen stimmte für mich bei diesem Science Fiction Roman überhaupt nichts. Von der handwerklich katastrophalen Neuübersetzung über eine wirre, völlig unstrukturierte Handlung und ein vollkommen veraltetes Gesellschaftsbild bis hin zu lieblos und blass gezeichneten Charakteren. Für mich war Extraterrestrial leider eine große Enttäuschung. Ich denke aber auch, dass der Roman einfach nicht mehr in die heutige Zeit passt. Er ist bei Weitem nicht so genial wie andere Klassiker (in der Rezension habe ich einige genannt) und vermutlich deshalb in der Versenkung verschwunden.

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rom, liebe, liebesgeschichte, liebesroman, italien

Via dell'Amore - Jede Liebe führt nach Rom

Mark Lamprell , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 24.07.2017
ISBN 9783764506179
Genre: Liebesromane

Rezension:

Diesen Roman von Mark Lamprell habe ich am denkbar besten Ort zu lesen begonnen - in Rom. Und vermutlich konnte mich die wunderbar leichte Geschichte deswegen derart verzaubern. Ich war einfach in genau der richtigen Stimmung und hatte außerdem alle Orte und Sehenswürdigkeiten, an denen Lamprell seinen Roman spielen lässt, direkt vor Augen. Aber ich kann vorweg sagen: Um Via dell'Amore zu lesen und zu genießen, muss man definitiv nicht vorort sein. Denn schon nach den ersten Seiten träumt man sich in die ewige Stadt und lässt sich von der geradezu dahinschwebenden Handlung gefangen nehmen.
Denn Mark Lamprell nimmt den Leser an die Hand und mit auf einen literarischen Rundgang durch Rom, der einen die ganz besondere, irgendwie magische Atmosphäre des Ortes von Beginn an spüren lässt. Dazu ist der Roman originell geschrieben und wird aus der Sicht eines außergewöhnlichen Erzählers erzählt. Dabei handelt es sich um den Geist der Liebe, der zugleich ein allwissender und allmächtiger Erzähler ist. Er schaut von oben auf die Protagonisten, spricht sehr liebevoll von ihnen und behandelt sie wie seine Schützlinge. Er behält sich aber auch vor, in das Geschehen einzugreifen und den Figuren hier und da einen Stupser in die richtige Richtung zu geben. So versammelt der Geist der Liebe die Kunststudentin Alice, die beiden alten Damen Constance und Lizzie und das ewig zankende Ehepaar Meg und Alec in Rom, um ihre Leben für immer zu verändern und ihnen wieder neue Träume zu geben. Dabei verhindert er jedoch, dass sie sich über den Weg laufen und so gibt es drei eigenständige, süße Geschichten, die Abwechslung und Unterhaltung bieten.
Diese besondere Erzählform finde ich einfach genial und erfrischend anders. Eine grandiose Idee, die mich beim Lesen wirklich begeistert hat. Ebenso wie ein weiterer Aspekt: Mark Lamprell greift nämlich auch auf römische und christliche Legenden zurück und lässt den Geist der Liebe Auszüge der Geschichte Roms und bestimmter Orte und Gebäude erzählen. Das macht die Handlung noch lebendiger und spannender und das Setting umso realer und verträumter. In Bezug auf die Umsetzung trifft Mark Lamprell mit Via dell'Amore also absolut ins Schwarze. Der Roman lässt sich in einem Rutsch lesen und bleibt dabei durchgehend unterhaltsam und amüsant.
Auch die Geschichte selbst hat mich überzeugt. Ich mag es, dass es drei verschiedene Handlungsstränge mit ganz unterschiedlichen Hauptpersonen gibt und dass diese sich immer mal wieder kreuzen und am Ende sogar auf "magische" Weise miteinander verbunden sind. Durch kleine Feinheiten, die anfangs nicht unbedingt auffallen, verknüpft Lamprell die Schicksale der Figuren miteinander - oder besser gesagt, der Geist der Liebe tut es. Denn alles, was im Verlauf der Handlung geschieht, gehört schließlich zu seinem großen Plan, die Charaktere wieder glücklich zu machen und ihren Leben neuen Sinn zu geben.
Ich mochte sowohl die etwas exzentrische und zugleich zurückhaltende Alice, die in Rom eine völlig neue Seite an sich entdeckt, als auch die beiden alten Ladys Constance und Lizzie, die Henrys Verlust erst noch verdauen müssen und lieber in der Vergangenheit als in der Zukunft leben. Meg und Alec geben der Handlung einen amüsanten Touch, haben mich aber stellenweise auch ziemlich zur Weißglut getrieben. Ihr ewiges Gezanke und ihre teils sehr bösartigen Kommentare gingen mir des Öfteren gehörig auf den Geist und ich habe mich immer wieder gefragt, wie die beiden sich ineinander verlieben konnten. Schließlich gönnen sie dem jeweils anderen die Butter auf dem Brot nicht. Ihre Geschichte ist auch die einzige, die ich zu unrealistisch und überzogen fand, obwohl sie witzig zu lesen war. Mein Herz hing dann doch eher an Alice, bei der man sich von Anfang an sicher ist, dass sie mit ihrem Verlobten Daniel eigentlich nicht glücklich ist, und an Constance und Lizzie, die so resolut und herzlich sind, dass man sie einfach lieb haben muss.
Zum Träumen und Abschalten ist Via dell'Amore also genau das Richtige. Setting, Erzähler, Charaktere und Handlung harmonieren einfach fantastisch miteinander und ergeben ein rundes Ganzes. Hier und da hätte ich mir zwar schon gewünscht, dass die Handlung etwas tiefer gegangen wäre und insgesamt hätten es durchaus 100 bis 200 Seiten mehr sein können, aber mehr zu meckern gibt es an diesem zart romantischen und innovativ erzählten Liebesroman wirklich nicht.
Mein Fazit:
Romantisch, verträumt, faszinierend, kurzweilig und modern geschrieben: Via dell'Amore von Mark Lamprell ist die perfekte Urlaubslektüre und nimmt den Leser mit auf eine atmosphärische Rom-Reise. Mir haben sowohl die originell gezeichneten Charaktere als auch die außergewöhnliche Erzählart und natürlich das fantastische Setting unheimlich gut gefallen. Handlungstechnisch gibt es nur ein paar kleine Abzüge - ansonsten aber hat mich diese romantische Geschichte wirklich überzeugt.

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Tags: ewige stadt, italien, liebe, liebesroman, rom, romantik, stadt der liebe, verlieben   (8)
 

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rassismus, angie thomas, the hate u give, jugendbuch, thug

The Hate U Give

Angie Thomas , Henriette Zeltner
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.07.2017
ISBN 9783570164822
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Angie Thomas' Romandebüt The Hate U Give begegnet einem derzeit überall und auch ich konnte natürlich nicht daran vorbeigehen. Schon der Klappentext versprach ein brisantes, vielleicht hier und da unbequemes und vor allem ehrliches Buch. Und genau das ist es auch. Von der ersten Seite an spielt Thomas mit Vorurteilen und Alltagsrassismus, mit dem die 16-jährige Starr, ihre Familie und Freunde tagtäglich konfrontiert werden. Denn Starr ist eine Farbige und lebt in Garden Heights, einem Ghetto für Schwarze. Hier gilt das Gesetz der Straße: Ihr Vater ist Big Mav, der ehemalige Anführer einer Gang, und noch immer haben die beiden großen Gangs in Garden Heights das Sagen.


Gleichzeitig sind Starr und ihre Geschwister aber auch privilegiert, denn sie besuchen eine renommierte Privatschule in einem anderen Viertel. Während sie dafür in Garden Heights belächelt, aufgezogen und teils sogar verachtet werden, haben sie an der Schule, an der überwiegend weiße Schüler sind, jeden Tag mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Situation, die Thomas schafft, ist von Anfang an eine heikle und spiegelt zugleich den Alltag von so vielen Jugendlichen (vor allem in den USA) wieder. Die junge Protagonistin Starr ist ständig im Zwiespalt mit sich selbst. Als Teenager ist man sich über die eigene Identität sowieso noch nicht im Klaren, doch Starr ist zusätzlich gezwungen, ständig zwischen zwei Persönlichkeiten zu wechseln. Zuhause gehört sie zur Gemeinde von Garden Heights, in der Schule passt sie ihr Verhalten vollkommen ihren weißen Mitschülern an. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie anstrengend und belastend das sein muss.


Und dann ist da das Verbrechen, das Starrs ganzes Leben und auch das Viertel Garden Heights für immer verändert. Als Starrs Freund Khalil grundlos von einem Polizisten erschossen wird, kommt es zu Unruhen, Protesten und Diskussionen im ganzen Land. Und mittendrin ist Starr, die das Erlebte einfach nicht verarbeiten kann und nicht weiß, ob sie den Mut hat, auszusagen und ihre Stimme zu erheben. Denn abgesehen von den ungerechten und herablassenden Polizisten, die selbstredend geschlossen hinter ihrem weißen Kollegen stehen, sieht sich Starr auch mit dem Gangsterboss King konfrontiert. Das alles klingt vielleicht nach Thriller, aber es ist so echt, so pur und absolut realitätsnah. Denn Thomas beleuchtet das Geschehen von allen Seiten und stellt nicht einfach nur den Staat oder gar die "Weißen" an den Pranger.


Natürlich ist die Handlung voll von Rassismus und spitzen Bemerkungen, die Starr in der Schule über sich ergehen lassen muss. Auch die Reaktion der Polizei und der Presse richtet sich deutlich spürbar gegen die schwarze Minderheit. Und das macht fassungslos und wütend, gerade weil es nicht einfach nur vorstellbar, sondern weil es vielerorts einfach immer noch genauso ist. Nichts, rein gar nichts in diesem Buch wirkt in irgendeiner Weise überzogen. Thomas hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Aber nicht nur uns, sondern auch den Bewohnern von Garden Heights. Diese befinden sich in einem Teufelskreis, sind aufgrund mangelnder Arbeitsplätze und sozialer Ungerechtigkeit gezwungen, auf andere Weise zu überleben, haben aber auch aufgegeben, sich dagegen zu wehren. Die brutalen Ausschreitungen nach Khalils Tod zeigen den verständlichen Unmut der Menschen, aber auch ihre Gewaltbereitschaft. Gleichzeitig gibt es innerhalb von Garden Heights eine ausgeprägte rassistische Haltung gegenüber der Weißen - auch etwas, das Starr hautnah erfährt, denn sie hat einen weißen Freund und verschweigt es ihrem Vater, der dazu eine klare Meinung hat.


Ihr seht also: Die Handlung von The Hate U Give ist unglaublich komplex, vielschichtig und aufrüttelnd. Hinter jedem Wort steckt eine Botschaft, die gerade in der heutigen Zeit so wichtig ist. Mit Starr hat Thomas einen starken, zugleich aber auch zerbrechlichen Charakter geschaffen, der quasi zwei Leben führt und verzweifelt versucht, beide miteinander zu verbinden. Starr ist eine starke Identifikationsfigur, was die Geschichte umso emotionaler und bewegender macht. Alles, was rundum den Tod von Khalil passiert, aber auch dieser subtile Alltagsrassismus, den viele von uns gar nicht mehr wahrnehmen, für die Betroffenen aber jedes Mal ein weiterer Stich ins Herz ist, nimmt einen unglaublich mit. Dazu erzählt Thomas auf besonders eindringliche Weise und versteht es meisterhaft, die chaotischen Gedanken eines Teenagers zu all diesen entsetzlichen Geschehnissen, in Worte zu fassen. Diese Worte klingen übrigens unglaublich authentisch, denn wenn Starr mit den Schwarzen aus Garden Heights spricht, verwendet sie Ghetto Slang, um dazuzugehören, während sie sich in der Schule betont gewählt ausdrückt. Das ist ein weiterer Aspekt, der Starrs innere Zerrissenheit deutlich zum Ausdruck bringt.


Doch es gibt in Thomas' Buch natürlich auch Dinge, die einem Mut machen. Sei es der starke Zusammenhalt innerhalb Starrs Familie und innerhalb des ganzen Viertels selbst, sei es Starrs fester Freund Chris, der sich von all den Vorurteilen gegenüber seiner Freundin und ihrer Herkunft nicht beeindrucken lässt und für sie Partei ergreift, oder sei es der starke Rückhalt aus der Bevölkerung, den Starr als Zeugin des Mordes an Khalil erfährt. Wie schon gesagt - in The Hate U Give wird nicht nur eine Seite der Medaille gezeigt - es ist nicht alles einfach nur Schwarz oder Weiß. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und es ist einfach sensationell, wie es Angie Thomas gelingt, eine zugleich brandaktuelle und politische, aber auch spannende und zutiefst bewegende Geschichte zu erzählen. Dieses Buch zieht einen in einen Sog und lässt einen nicht mehr los. Man kann und will es nicht aus der Hand legen. Ich zumindest bin am Ende tieftraurig, schockiert, entsetzt, aber auch hoffnungsvoll und einfach froh darüber, dass ich diese Geschichte gelesen habe.


Mein Fazit:


Und wieder ist es ein Jugendbuch, das mich ohne Wenn und Aber begeistert hat. Die Geschichte, die Angie Thomas in The Hate U Give erzählt, ist nicht nur unglaublich wichtig und authentisch, sondern auch von Anfang bis Ende fesselnd, berührend und wahnsinnig echt. Diese Worte können einfach niemanden kalt lassen, genauso wenig wie das Schicksal von Starr, Khalil und all den anderen im Ghetto Vergessenen. Lest dieses Buch! Lest es!

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Tags: alltagsrassismus, farbige, gangs, ghetto, jugendroman, mord, polizeiwillkür, protest, rassismus, teenager, ungerechtigkeit   (11)
 

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überbevölkerung, sebastian fitzek, berlin, virus, thriller

Noah

Sebastian Fitzek , Simon Jäger , ,
Audio CD: 6 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 20.12.2013
ISBN 9783785747841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Geschichte und Erzählstil:


Sebastian Fitzeks Noah lag ziemlich lange auf meinem SuB. Aus keinem bestimmten Grund, ich kam bisher einfach noch nicht zum Lesen. Jetzt endlich habe ich mir das Hörbuch zu Gemüte geführt und bin am Ende eher semi-begeistert. Aber der Reihe nach: Mit Noah verlässt Fitzek wieder einmal das vertraute Terrain des Psychothrillers und widmet sich aktuellen und vor allem brisanten Themen. Keine leichte Kost, denn im Roman spielen neben im Untergrund agierenden Geheimorganisationen auch ein tödliches Virus, das sich rasend schnell verbreitet, und die Überbevölkerung der Erde eine wesentliche Rolle. 


Diese Themen verwebt Fitzek zu einer anfangs recht undurchsichtigen und leicht chaotischen Story, die mit dem Obdachlosen Noah ihren Anfang nimmt. Noah ist ohne Gedächtnis in Berlin gestrandet und hat eigentlich nur die Tätowierung auf seinem Handballen als Anhaltspunkt. Mithilfe von Oskar, einem ziemlich durchgeknallten Verschwörungstheoretiker, macht er sich daran, das Puzzle seiner Identität zusammenzusetzen und stößt dabei auf Geheimorganisationen, verschiedene Auftragskiller, die es auf ihn abgesehen haben, und einen ungeheuerlichen Plan, der irgendwie mit der sogenannten Manila Grippe, die die Geschehnisse noch einmal kräftig anheizt, zusammenhängt.


Gleichzeitig verfolgt man als Leser durch parallele Handlungsstränge auch, was im Hintergrund abläuft. Das Ganze ist stellenweise ziemlich wirr und wirkt andererseits auch manchmal zu abgedreht und konstruiert. Ich möchte natürlich nicht verraten, was tatsächlich hinter dem Schriftzug "Noah" steckt, aber mir war das alles zu übertrieben. Auch die rasanten Verfolgungsjagden, die sich nahtlos aneinanderreihen und bei denen Noah zahlreiche Menschen über den Haufen schießt oder umlegt, waren mir zu viel des Guten. Überzogen, unglaubwürdig und einfach absolut realitätsfern.


Im Gegensatz dazu finde ich die Grundidee durchaus spannend und überzeugend - ein Virus, das vermutlich die Hälfte der Weltbevölkerung dahinrafft und dadurch womöglich den Planeten heilt. Überbevölkerung ist ein brisantes Thema, das so aktuell ist wie nie. Die Art und Weise, wie Fitzek es in einen Thriller einbettet, ist radikal und ebenso schockierend wie faszinierend. Die Ansätze sind also wirklich gut, das Drumherum wirkte auf mich allerdings eher wie ein billiger Actionfilm á la Cobra 11. Hinzukommen am Ende derart abstruse Enthüllungen, dass man das Ganze einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Zumindest ging es mir so. Das gesamte Handlungsgerüst wackelt von Anfang an und bricht schlussendlich in sich zusammen. Mich hat das überhaupt nicht überzeugt, zumal auch die Spannung stellenweise wirklich auf der Strecke blieb und man sich nach der x-ten Leiche, die Noahs Weg pflastert, eigentlich über gar nichts mehr wundert. Schade, denn die Thematik hätte mehr hergegeben (da hat mich Dan Browns Thriller Inferno, der sich ja mit ähnlichen Themen befasst, deutlich mehr gepackt).


Sprecher:


Wie alle Vertonungen von Fitzeks Büchern wird auch Noah von Simon Jäger gelesen, einem wahrhaft begnadeten Hörbuch- und Synchronsprecher. Auch hier hat mich seine Stimme wieder vollkommen überzeugt und mich am Ball bleiben lassen, wo die Story selbst mich nicht mitreißen konnte.


Mein Fazit:


Obwohl mich Schreibstil, Thematik und Teile der Story durchaus überzeugt haben, ist Noah der erste Roman von Sebastian Fitzek, der mich in gewisser Weise richtig enttäuscht hat. Zu abstrus, zu unrealistisch, insgesamt einfach zu weit hergeholt. Und auch Spannung wollte hier nicht so richtig aufkommen. Da halte ich mich dann doch lieber an Fitzeks Psychothriller.

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Tags: biowaffe, gedächtnisverlust, geheimgesellschaft, krimi, politthriller, spannung, thriller, überbevölkerung, virus   (9)
 

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barcelona, spanien, zafón, carlos ruiz zafón, friedhof der vergessenen bücher

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

Rezension:

Ein Satz - ein Satz nur und ich war wieder verzaubert von Carlos Ruiz Zafóns wunderbaren Worten. Von der Magie, die sich hinter ihnen verbirgt, und von ihrer Kraft. Es gibt, so meine laienhafte Meinung, keinen anderen zeitgenössischen Autor, der es so meisterhaft versteht, Worte zu Welten zu verweben und sie vor dem geistigen Auge des Lesers Wirklichkeit werden zu lassen. Jahrelang habe ich gelechzt nach einem neuen Roman aus Zafóns Feder, der mich zurückführt auf den Friedhof der vergessenen Bücher. Und schließlich kam Das Labyrinth der Lichter - das Buch, das den Zyklus abschließt. Aber irgendwie bin ich nicht traurig darüber, dass es zu Ende ist. Es fühlt sich richtig an und gut, denn endlich schließt sich der Kreis und alles, was noch offen war, klärt sich auf.
Aber der Reihe nach: Auch diesmal wieder ist es ein exzentrischer Protagonist, an dessen Seite der Leser durch die Gassen Barcelonas wandelt, um irgendwann unweigerlich in der Buchhandlung Sempere & Söhne zu landen, wo er auf alte Bekannte trifft. Daniel Sempere, seine Frau Bea und seinen Sohn Julián, Sempere Senior und natürlich Fermín, den etwas rauen, aber treuen und liebenswerten Freund der Familie, der einem noch aus Der Gefangene des Himmels im Gedächtnis ist. Der Weg bis zu diesem Zusammentreffen ist diesmal allerdings ungewohnt lang und (ich muss es leider sagen) leider auch langatmig. Einerseits mochte ich Alicia - eine ungewöhnliche Frau, die sich in einer Männerdomäne einen Namen gemacht hat und nicht nur ihrem Begleiter Vargas, sondern auch dem Leser gewaltigen Respekt einflößt. Andererseits wollte und wollte ich nicht so recht mit ihr warm werden. Zum einen vielleicht, weil sie so widersprüchlich ist. Zum anderen womöglich, weil sie es so sehr darauf anlegt, sich zu Grunde richten, dass einem alle, die mit ihr zu tun haben, unweigerlich leid tun.
Vor allem im Mittelteil lässt die Handlung die Spannung und das Düstere, das unterschwellig Magische, das die anderen Romane ausmacht, vermissen. Auch hat Das Labyrinth der Lichter weitaus weniger von einem Schauerroman als seine Vorgänger. Vielmehr ist es eine Art Krimi, eine Spurensuche, in deren Verlauf die letzten Geheimnisse um Mauricio Valls, seine dunklen Machenschaften als Direktor des Montjuic Gefängnisses und ein letztes Mysterium um Daniels Mutter Isabella Sempere aufgedeckt werden. Durchaus etwas, das einen als begeisterten Leser der Vorgängerromane brennend interessiert und natürlich fehlt auch der "Book-Content" nicht - macht euch auf ein Wiedersehen mit David Martín, Julián Carax und Víctor Mataix gefasst. Gewürzt wird das Ganze mit politischen Intrigen, finsteren Machenschaften und einer gefährlichen Flucht vor jenen, die Valls' Geheimnisse sicher verborgen wissen wollen.
Ihr merkt es sicher schon: Ich weiß irgendwie immer noch nicht, was ich von all dem halten soll. Auf der einen Seite, ja - da ist es Zafón pur. Mit meisterhaft gesponnenen Verknüpfungen, magisch düsteren Handlungsorten und Worten, wie man sie sonst nirgends findet. Auf der anderen Seite ist die Handlung streckenweise wirklich ermüdend und verliert unterwegs etwas von dem Zauber, der dem Friedhof der Vergessenen Bücher und dem ganzen Universum drumherum anhaftet. Und dennoch habe ich jede einzelne Seite genossen. Aaah, dieser Widerspruch. Zafón treibt mich noch in den Wahnsinn und ich ende irgendwann wie seine Buchfigur David Martín.
Denn ich muss einfach sagen, dass ich Zafóns Worte atme, sie in mich aufsage. Die Zusammentreffen mit seinen einzigartigen, grandios gezeichneten Charakteren ein ums andere Mal genieße. Und hier ist Zafón für mich die große Ausnahme: Auch wenn die Handlung einmal schwächelt, was selten genug vorkommt, um es ihm nachzusehen, tragen mich die Worte weiter. Ich schwimme einfach weiter in diesem Sog, den diese ganze Welt des Friedhofs der vergessenen Bücher auf mich ausübt. Lächle über Fermíns zotige Bemerkungen, verliere mich in diesen unendlich vielen kleinen Welten, die sich in der Geschichte verbergen. Und kümmere mich irgendwann gar nicht mehr um die Haupthandlung, denn es gibt so viel mehr zu entdecken. Und auch wenn ich das Ende dann doch etwas sehr klischeehaft und wenig Zafón-like fand und ich bei mir dachte, dass die Handlung doch langsam leichte Ermüdungserscheinungen zeigt, bin ich immer noch glücklich. Es klingt vielleicht blöd, aber bei Zafón lasse ich mir jedes einzelne Wort auf der Zunge zergehen und will immer mehr, mehr, mehr. Ganz so wie bei Fermín und seinen Sugus.
Mein Fazit:
Carlos Ruiz Zafón ist ein Genie, ein Künstler und (m)ein Gott. Bei jedem Buch verliere ich mich aufs Neue in der einzigartigen Welt, die er mit seinen Worten erschafft. Und mit Das Labyrinth der Lichter bin ich nun ein letztes Mal auf den Friedhof der Vergessenen Bücher zurückgekehrt. Es war eine spannende, eine mystische, streckenweise vielleicht etwas langatmige und zähe, aber in jedem Fall eine unvergessliche letzte Reise. Wer, wie ich, ein Fan von Zafón ist, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. In jedem Fall sollte man sich aber im Vorfeld die drei Vorgänger-Bände noch einmal ins Gedächtnis rufen. Denn Handlungsstränge miteinander verknüpfen und Vergessenes zurück an die Oberfläche holen - ja, das beherrscht Zafón einfach meisterhaft.

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Tags: 1950er jahre, 50er jahre, barcelona, franco regime, friedhof der vergessenen bücher, kriminalfall, spanien, spurensuche   (8)
 

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weltall, raumfahrt, weltraum, raumfahrtgeschichte, geschichte der raumfahrt

Wir haben ein Problem

Eugen Reichl
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Eulenspiegel Verlag, 27.06.2017
ISBN 9783359017349
Genre: Sonstiges

Rezension:


Ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass ich mich einmal für ein Buch über Raumfahrt interessieren könnte, aber meine wachsende Leidenschaft für Science Fiction Romane hat mich, glaube ich, für diesen Themenbereich sensibilisiert und neugierig gemacht. Da kam Eugen Reichls Buch Wir haben ein Problem: Storys aus der Raumfahrt wie gerufen und wie der Verlag und der witzige Titel bereits suggerieren, gibt es zwischen den Buchdeckeln so einige Kuriositäten zum Wundern und Schmunzeln zu entdecken.


Für einen sanften Einstieg kehrt Eugen Reichl, Raumfahrtexperte und Autor zahlreicher Bücher zum Thema, zu seinen eigenen Wurzeln zurück, berichtet von seiner Faszination für das Weltall und schildert, wie er die Mondlandung von 1969 miterlebt hat. Erfrischend und sympathisch finde ich dabei, dass Reichl sich allzu gerne selbst aufs Korn nimmt. Diesen humoristischen und lockerflockigen Ton behält er bei - allein, auf welche Weise er all die verschiedenen Pannen der NASA und anderer Raumfahrtgesellschaften schildert, ist zum Brüllen komisch. So wie die meisten Missgeschicke selbst: Von fehlenden Bolzen, die einen millionenteuren Satelliten zu Fall bringen über ein vergessenes Handtuch im Wassertank bis hin zu falsch montierten Teilen.


Neben den verschiedensten Pannen gibt Reichl außerdem witzige und kuriose Anekdoten aus der Raumfahrtgeschichte sowie einiges Wissenswertes zum Besten. Ich habe etwa noch einiges über die Mondlandung, die Faszination für außerirdisches Leben und die Weltraumforschung an sich gelernt. Auch diese Passagen sind jedoch nicht im nüchtern-trockenen Sachbuch-Stil verfasst. Reichl verzichtet auf komplizierte Fachsprache und macht dem (in diesem Genre eher ungebildeten) Leser so auch knifflige technische Aspekte und dergleichen begreiflich. Mit dabei ist auch immer ein Ausflug in die Geschichte - an Hintergrundinfos mangelt es in Wir haben ein Problem also auf keinen Fall.


Ergänzt werden die Storys aus der Raumfahrt von witzigen Illustrationen, dem ein oder anderen faszinierenden Gedankenspiel und Eugen Reichl persönlichen Gedanken und Meinungen. Das rundet das kleine Büchlein ab und sorgt für ein abwechslungsreiches und ebenso amüsantes wie lehrreiches Leseerlebnis. Natürlich konnte ich mich nicht für jede einzelne Geschichte erwärmen und fand einige Anekdoten spannender als andere, aber das bleibt bei einem (humorvollen) Sachbuch ja schließlich nicht aus.


Lieblingszitat:


"Eine Umfrage in den Vereinigten Staaten ergab übrigens, dass etwa 80 Prozent der Amerikaner an intelligentes Leben irgendwo im Weltraum glauben. Das ist erstaunlich, denn angeblich sind neuerdings nur noch 30 Prozent der Amerikaner davon überzeugt, dass intelligentes Leben auch in Washington existiert. Von daher kommt es wohl, dass Teleskope, die nach intelligentem Leben suchen, stets von der Erde weggerichtet sind ..." (S. 91f.)


Mein Fazit:


Wer sich für Science Fiction, das Weltall und die Raumfahrt interessiert, der sollte statt zum Roman einfach mal zu Eugen Reichls witziger Sammlung an Kuriositäten, Anekdoten und Wissenswertem zum Thema greifen. Gute Unterhaltung, viel Witz und spannende Hintergrundinfos garantiert! Klar, nicht jede Geschichte weiß zu begeistern, ich aber bin durchaus positiv überrascht. Wer hätte gedacht, dass ein Buch über Raumfahrt mich derart gut unterhalten könnte!

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Tags: geschichte der raumfahrt, mondlandung, nasa, pannen, raumfahrt, raumfahrtgeschichte, sachbuch, weltall, weltraum   (9)
 

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liebe, suche, hörbuch, familie, tagebuch

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile , Elvira Bittner , Annina Braunmiller-Jest
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 13.03.2017
ISBN 9783837138023
Genre: Romane

Rezension:


Geschichte und Erzählstil:


Kurios - das war mein erster Gedanke, als ich dem Anfang von Salvatore Basiles Roman Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes lauschte. Denn dass es sich bei seinem Protagonisten Michele um einen eigenbrötlerischen, nicht besonders gesprächigen und ziemlich verschrobenen Typen handelt, ist einem sofort klar. Auch die Ausgangssituation ist ungewöhnlich, wenn nicht sogar ein wenig bizarr: Michele führt ein Dasein als Einzelgänger, lebt quasi nur für seine Arbeit als Bahnhofsaufseher und teilt seine Wohnung mit Hunderten von Gegenständen, die die Menschen irgendwann in "seinem" Zug vergessen haben. Er spricht sogar mit ihnen und freut sich diebisch über jeden Neuzugang. Ganz ehrlich: Das hätte auch der Anfang einer "Criminal Minds"-Folge sein können. :D


Aber schnell zeigt sich, dass Michele zwar ein unbeholfener und fast schon kindlich naiver Mann, aber auch ein liebenswerter und freundlicher Mensch ist. Mit der aufgeweckten Elena, die bei ihm nach einer verlorenen Puppe sucht, ist er sofort überfordert und doch fühlt er sich zu hier hingezogen. Basile legt den Fokus im Folgenden auf Micheles inneren Kampf: Soll er sich auf Elena und die aberwitzige Suche nach seiner Mutter einlassen oder sich nicht doch lieber in seinem Schneckenhaus verkriechen und sein Leben in der gewohnten Sicherheit und Einfachheit fortführen? 


Als Leser beobachtet man Michele dabei, wie er die ersten unsicheren Schritte in der Realität tut und endlich einmal aus sich herausgeht. Das ist berührend mitanzusehen, gleichzeitig ist die Situation jedoch so abgedreht und bizarr, dass sie recht unrealistisch und wenig glaubhaft erscheint. Kann es wirklich einen 30-jährigen Mann geben, der in seinem Leben nichts gesehen hat außer einen Bahnhof und der auch gar nicht die Lust nach dem wahren Leben verspürt? Ich war beim Hören nicht ganz sicher und es gelang mir nicht immer, mich auf Basiles außergewöhnliche Geschichte einzulassen. Auf die Charaktere schon eher, denn Michele und Elena sind so grundverschieden und jeder für sich so speziell und liebenswürdig, dass man schnell Anteil nimmt an ihrer gemeinsamen Geschichte.


Generell setzt Basile bei Die wundersame Reise eine verlorenen Gegenstands vor allem auf die Gefühlswelt der Charaktere - es geht um verpasste Gelegenheiten, große Chancen und die Möglichkeit, die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten und endlich in die Zukunft zu blicken. Denn nicht nur Michele muss endlich seine Traumwelt verlassen, sondern auch Elena. Handlungstechnisch passiert im Gegensatz dazu nicht besonders viel, einen rasanten Roadtrip oder die angekündigte Reise quer durch Italien darf man eher nicht erwarten. Das war für mich etwas enttäuschend, denn aus den Handlungsorten hätte man so viel mehr herausholen können. Ich als euphorischer Italien-Fan hatte einfach mehr Flair, mehr Landschaft und ... ja, mehr Italien erwartet.


Nichtsdestotrotz ist Basiles Roman genau das Richtige für warme Sommertage: Er macht Freude, ist lockerleicht geschrieben und lässt einen die Schwere des Alltags für einige Momente vergessen. Auch wenn die einzelnen Handlungsstränge nicht besonders ausgefeilt und im Gegensatz zu den Charakteren weniger originell sind, ist es herzerwärmend und berührend, wie Michele sich auf die Suche nach seiner Mutter begibt, wie er schließlich einer heißen Spur nachgeht und dabei ständig mit sich kämpft. Denn Elena will ihm einfach nicht aus dem Kopf gehen und so ist Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands auch eine zarte, sich sehr langsam entspinnende Liebesgeschichte, die einem mit einem Lächeln auf den Lippen zurücklässt.


Der Sprecher:


Das Hörbuch wird von Annina Braunmiller-Jest gelesen, die ich schon von mehreren Vertonungen und natürlich als deutsche Synchronstimme von Kristen Stewart kannte. Ich mag ihre Leichtigkeit und ihre verträumte Art, die Basiles Roman zu einem echten Sommer-Highlight macht und wunderbar zur Handlung passt. Auch die Figuren verkörpert Annina Braunmiller-Jest einfach fantastisch. Von ihr gelesene Hörbücher sind immer ein ganz besonderer Genuss.


Mein Fazit:


Nach der ersten Faszination für Basiles einzigartige Charaktere und die liebevolle Verschrobenheit, die sich durch den gesamten Roman zieht, erschien mir Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands ehrlich gesagt gar nicht mehr so wundersam. Die Geschichte ist süß, wundervoll erzählt und herzerwärmend, aber irgendwie fehlt mir persönlich das gewisse Etwas. Dennoch ist das Buch die perfekte Sommerlektüre und genau das Richtige zum Träumen und Abschalten.

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Tags: als kind verlassen, eigenbrötler, einsiedler, einzelgänger, italien, liebe, roadtrip, suche, suche nach der mutter, verlieben, verlustängste   (11)
 

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science fiction, aliens, becky chambers, der lange weg zu einem kleinen zornigen planeten, weltraum

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Becky Chambers , Karin Will
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.10.2016
ISBN 9783596035687
Genre: Science-Fiction

Rezension:


An Becky Chambers Debütroman hat mich von Anfang an vor allem eines gereizt: Der Titel. Erscheint recht banal und oberflächlich, aber Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (übrigens wörtlich aus dem Englischen übersetzt) klingt einfach sensationell und fasst die Handlung, so viel kann ich im Nachhinein sagen, so perfekt zusammen wie kaum ein anderer Buchtitel. Und was da alles gleich nach den ersten Seiten auf einen einstürmt - wow! Becky Chambers erschafft ein komplett neues Universum, zahlreiche mehr oder weniger befremdliche Spezies mit eigenen Kulturen, Sprachen und physiognomischen Besonderheiten, die verschiedensten Planeten mit jeweils ganz eigenen Bedingungen, zahlreiche Berufsfelder, politische Systeme und und und. Viele neue Eindrücke, die man als Leser erst einmal verdauen muss. Gleichzeitig macht es unheimlich großen Spaß, auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken.


Anfangs hatte ich so meine Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzufinden, auch wenn Chambers es einem mit ihrem angenehmen und nicht allzu wissenschaftlichen Schreibstil eigentlich recht leicht macht. Die Begriffe, die sie für all die verschiedenen Gerätschaften, Techniken usw. verwendet, lassen sich problemlos aus dem Kontext erschließen und vor allem die etwas absonderliche Crew der Wayfarer hat man ebenso schnell ins Herz geschlossen wie die Neue an Bord, Rosemary. Dennoch lief die Geschichte ziemlich schleppend an, auch wenn es natürlich großartig und wichtig für das große Ganze ist, dass Chambers sich so viel Zeit nimmt, um das Raumschiff sowie die verschiedenen Planeten, an denen die Wayfarer andockt, die politischen Spannungen im sogenannten GU-Raum und vor allem auch die Charaktere bis ins kleinste Detail zu beschreiben.


Die Welt in Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten wirkt dadurch unheimlich plastisch und faszinierend - all die Planeten und merkwürdigen Spezies bringen einen immer wieder zum Staunen. Und genau das ist es, was den Roman zu einem wirklich großen Teil ausmacht: Als Leser begibt man sich an Bord der Wayfarer und an der Seite der Crewmitglieder auf eben die titelgebende Reise zu einem weit entfernten Planeten, erlebt unterwegs das ein oder andere Abenteuer, bringt sich in Gefahr, entdeckt fremde Welten und beobachtet (zeitweise amüsiert) das Zusammenspiel der kuriosen Crewmitglieder - allesamt Originale mit kleinen Marotten und Eigenarten, die sie so liebenswert und authentisch machen. Die Redensart "Der Weg ist das Ziel" passt hier wie die Faust aufs Auge, denn tatsächlich spielt letztlich weniger der kleine zornige Planet eine Rolle, als vielmehr die spannende und aufregende Reise durch das Weltall.


So sieht sich die Crew der Wayfarer etwa mit technischen Problemen, nervtötenden Strapazen und sogar Überfällen durch Raumpiraten konfrontiert, aber auch Spannungen innerhalb der Crew und die ein oder andere amouröse Entwicklung sorgen für Dynamik. Ich hatte beim Lesen wirklich den Eindruck, in Chambers' Universum gibt es nichts, was es nicht gibt. Da ist eben der kleinwüchsige Mechaniker Jenks bis über beide Ohren in die körperlose KI Lovey verknallt, bandeln freizügige Echsenwesen mit Menschen an, werden in der Bordküche mit großem Genuss knusprig gebratene Riesenheuschrecken verspeist, wird ein von einer rätselhaften Krankheit befallener Navigator, der sich als Paar fühlt, selbstverständlich in der Mehrzahl angesprochen und und und. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten ist eine gigantische Sammlung an Kuriositäten, die im Kontext der Handlung so herrlich normal und banal wirken, dass man sich bald über gar nichts mehr wundert. Ich finde das so großartig und sensationell, weil es einem irgendwie Hoffnung gibt. Darauf, dass irgendwann in einer weit entfernten Zukunft, sich eben doch kein Mensch mehr darum schert, wie der andere lebt.


Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn auch in der Welt der GU gibt es politische Spannungen, kriegerische Handlungen und aberwitzige Gesetze, die die ein oder andere Spezies ziemlich benachteiligen und einschränken. Insofern transferiert Chambers eben doch einen Großteil unserer Gesellschaft in den Weltraum. In etwas abgewandelter Form kommen auch Themen wie Rassismus, Sklaverei und Unterdrückung zur Sprache. Erfrischend finde ich es hierbei, dass nicht alles Negative grundsätzlich von den Menschen ausgeht, sondern anteilig von jeder Spezies im Universum. Gleichzeitig bemüht sich Chambers um einen differenzierten Rundumblick, denn als Leser erkundet man den Weltraum nicht nur (wie gewohnt) durch die Augen der menschlichen Besatzungsmitglieder, sondern auch durch die der anderen Wesen. Diese wiederum finden einiges merkwürdig an den Gewohnheiten der Menschen (Kleidung, Prüderie etc.) und machen sich bisweilen sogar über Rosemary, Captain Ashby und die Techs Kizzy und Jenks lustig. Cool fand ich es auch, dass das Wort "Alien" von jeder Spezies verwendet wird - und zwar jeweils für alle der eigenen fremden Lebensformen. So werden eben auch die Menschen zu Aliens. Ein interessanter Blickwinkel.


Die Handlung selbst hat mich nicht im gleichen Maße überzeugt wie die gigantische und detailreich ausgeschmückte Welt, die Chambers erschafft. So fand ich Rosemarys großes Geheimnis letztlich zu vorhersehbar und banal, die Fronten, zwischen welche die Wayfarer auf ihrer Mission gerät, zu klischeehaft und unausgefeilt. Die politischen Konflikte entsprechen praktisch denen auf unserer Erde und auch wenn die Geschichte damit eine einzige große Allegorie und durchaus bedeutungsschwer ist, hätte Chambers hier für meinen Geschmack ein wenig mehr ihre Fantasie spielen lassen können. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen ist ein eher gemächlicher Science Fiction Roman, dem ein Ticken mehr Action ganz gut getan hätte. Nichtsdestotrotz hat mich diese einzigartige, fremde Welt mit all ihren kuriosen Bewohnern absolut in ihren Bann geschlagen.


Mein Fazit:


Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten überzeugt nicht nur mit einem genialen Titel, sondern auch mit einer grandios gezeichneten Welt und originellen Charakteren, die jeder für sich so verschroben sind, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Eine coole Science Fiction Geschichte, die hier und da etwas ausgefeilter und actionreicher hätte sein können, die aber trotzdem großartig unterhält und den Leser gefangen nimmt. Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls schon sehr gespannt!

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krankheit, epidemie, tod, infiziert, schottland

Infiziert

Teri Terry , Petra Knese
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 04.07.2017
ISBN 9783649625995
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Zwei Bücher habe ich bisher von der britischen Erfolgsautorin Teri Terry gelesen - eines fand ich großartig, eines einfach nur schlecht (siehe meine Rezensionen zu *Mind Games* und *Book of Lies*). Deswegen war ich besonders gespannt auf den Auftakt ihrer neuen Trilogie: Infiziert. Der Klappentext liest sich wie die Zusammenfassung eines Katastrophenfilms (ich denke da zum Beispiel an "Contagion" mit Kate Winslet), aaaaber - so einfach ist es dann doch nicht. Denn neben der Seuche, die sich rasend schnell über die britischen Inseln ausbreitet und innerhalb weniger Stunden mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit zum Tod führt, spielt auch ein mysteriöser Vermisstenfall eine Rolle. Der der 12-jährigen Callie. Teri Terry verknüpft diese beiden wesentlichen Handlungselemente auf recht unkonventionelle, aber interessante und originelle Weise miteinander. Von Anfang an wechselt mit jedem Kapitel die Perspektive, wobei der Fokus auf Shay und Callie liegt.


Und so entsteht ein doch etwas abgedrehter Genremix, denn die merkwürdige und absolut tödliche Krankheit (welche nach dem Ort des ersten Ausbruchs fortan "Aberdeen-Grippe" genannt wird) steht zwar im Fokus, wird aber mit einer schaurigen Geistergeschichte und weiteren Fantasyelementen kombiniert. Damit hatte ich so gar nicht gerechnet und anfangs hat mich das etwas aus dem Konzept gebracht. Ich hatte eher vermutet, dass die Geschichte in Richtung Science Fiction gehen würde, das Übernatürliche macht die Sache mit der Epidemie allerdings weniger glaubhaft. Wenn man das erstmal akzeptiert und sich auf all die ungewöhnlichen Elemente und Charaktere (in Bezug auf Callie und später auch auf Shay erlebt man definitiv eine große Überraschung!) eingelassen hat, ist das Buch tatsächlich fesselnd und sehr rasant.


Mich haben insbesondere die Atmosphäre und die auf jeder Seite spürbare Bedrohung durch die "Aberdeen-Grippe" fasziniert und in einen Sog gezogen. Kurze Kapitel und unvorhersehbare Plot Twists erhöhen die Spannung zusätzlich, sodass man Infiziert kaum aus der Hand legen mag. In Bezug auf den Krankheitsverlauf der "Aberdeen-Grippe" und die Schilderung von Gewalt ist Terry außerdem ungewohnt explizit - es wird grausam, schmerzhaft und stellenweise zum Nägelkauen spannend. Das ganze Konstrukt um die unheilbare Krankheit, die merkwürdigen Explosionen auf den Shetland-Inseln und die auffällig vielen Vermisstenfälle, von denen Callies nur einer ist, hat mir sehr gut gefallen und Shays Lösung am Ende ist so abgefahren wie genial und faszinierend.


Auch das Zusammenspiel der Charaktere konnte mich überzeugen. Mit Shay und Callie setzt Terry auf zwei grundverschiedene Mädchen, die gezwungen sind, zusammenzuarbeiten und doch jeweils ihre eigenen Ziele verfolgen. Was ich hingegen nicht so gut gelungen fand: Die Liebesbeziehung zwischen Shay und Kai. Es musste ja so kommen (das ahnt man bereits nach den ersten Seiten), mir ging das allerdings zu schnell und es wirkte auf mich eher unglaubwürdig als romantisch. Muss man denn wirklich in jedes Jugendbuch auf Biegen und Brechen eine Liebesgeschichte reinquetschen? Genauso erscheint es mir nämlich bei Infiziert. Alleine die Namen der allzu schnell unsterblich Verliebten: Kai und Shay. Würg.


Ansonsten hat mir Teri Terrys neuestes Werk aber wirklich gut gefallen. Überraschenderweise, denn trotz der Fantasyelemente, die vor allem im zweiten Teil des Romans die Oberhand haben, hat mich die Handlung durchgehend mitgerissen und immer mal wieder ziemlich überrascht. Und wie ich es schon von Terrys anderen Romanen kannte, hat mich der lockerleichte Schreibstil mal wieder rasend schnell durchs Buch getragen. Grauenhafte, bedrückende Szenen, wie man sie aus Katastrophenfilmen kennt, eine spannende Schnitzeljagd quer durch Schottland und die über allem schwebende Frage, wer schlussendlich hinter der Verbreitung der tödlichen Krankheit steckt, ergeben eine spannende, erfrischende Mischung. All das gipfelt natürlich, wie sollte es anders sein, in einen fiesen Cliffhanger, nach dem man den zweiten Band einfach lesen MUSS.


Mein Fazit:


In Teri Terrys neuestem Jugendroman/Thriller treffen Katastrophenfilm und Geistergeschichte aufeinander - und das funktioniert erstaunlich gut. Infiziert ist ein echter Pageturner, durchgehend spannend und packend zu lesen. Anfangs war ich mir zwar unsicher, wie die Epidemie und die Fantasyelemente zusammenpassen und ein wenig wirr finde ich es immer noch, im Großen und Ganzen hat mich die Story aber überzeugt und sehr gut unterhalten. Bis auf die recht erzwungene Liebesgeschichte - auf die hätte ich getrost verzichten können.

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Tags: epidemie, fantasy, geist, geister, geistergeschichte, krankheit, pandemie, seuche, tod, tödliche krankheit, übersinnliche fähigkeiten, verfolgungsjagd, vermisstenfall, vermisstes mädchen   (14)
 

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liebe, anne freytag, homosexualität, jugendbuch, freundschaft

Den Mund voll ungesagter Dinge

Anne Freytag
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 06.03.2017
ISBN 9783453271036
Genre: Jugendbuch

Rezension:


Den Mund voll ungesagter Dinge ist mein erstes Buch von Anne Freytag. Natürlich habe ich schon viel von ihr gehört (eigentlich durchweg Positives und Überschwängliches), aber irgendwie hatte es sich bisher einfach noch nicht ergeben, eines ihrer Bücher zu lesen. Den Mund voll ungesagter Dinge hat mich auf der Buchmesse aber direkt angesprochen und ich war neugierig auf Sophies Geschichte, die einerseits so typisch für einen Teenie ist, andererseits aber auch außergewöhnlich und besonders. Und Anne Freytag hat tatsächlich nur ein paar winzige Seiten gebraucht, um mich zu überzeugen - von ihrem großartigen Schreibstil, von ihrem Talent, ohne jeden Kitsch jedes einzelne Gefühl auf den Punkt zu bringen, und von ihrer Protagonistin Sophie.


Vom ersten Moment an ist einem klar, dass der Titel des Buches wie die Faust aufs Auge auf Sophie passt. Man könnte denken, sie ist der typische zickige Teenager - kein Bock auf nichts, frech und spitzzüngig. Aber: All die Dinge, die Sophie durch den Kopf gehen, liegen ihr lediglich auf der Zunge, doch sie schaffen es nicht nach draußen. Ihr Kopfkino ist gewaltig und berauschend und dass sie zwar unglaublich viel denkt, aber beinahe nie spricht, ohne nachzudenken, macht sie zu einem authentischen Menschen mit Ecken und Kanten. Ein Sympathieträger, auch wenn sie sich selbst ganz und gar nicht so sieht. Sophie ist in mancherlei Hinsicht vielleicht etwas schrullig, nicht gerade zugänglich und teilweise sogar unnahbar - aber sie ist auch überaus liebenswert. Für mich ist sie eine starke Identifikationsfigur und ein so vielschichtiger Charakter, über den es auf jeder Buchseite etwas Neues zu entdecken gibt.


Ihr gegenüber steht die lebensfrohe, stets gut gelaunte und fast schon überschwängliche Alex, der es mit ihrer offenen Art gelingt, Sophie aus ihrem Schneckenhaus zu locken. Die beiden sind füreinander geschaffen, das spürt man von Anfang an. Sie ergänzen sich perfekt und sie sind einfach auf einer Wellenlänge. Es könnte eine einzigartige, tiefe Freundschaft sein - aber das ist vor allem Sophie bald schon nicht mehr genug. Sie trifft auf Alex und nach und nach wird ihr klar, dass sie die Liebe bisher immer falsch angegangen ist. Dass es einen Grund dafür gibt, dass sie den Sex mit Jungs nie wirklich genießen konnte. Es ist sehr berührend und spannend, Sophie bei diesem Prozess zu beobachten. Teilweise stimmen ihre Gedanken aber auch traurig, denn sie fragt sich selbst, weshalb sie nicht normal sein und auf Sex mit Jungs stehen kann, und leidet darunter, eine "Enttäuschung" für Familie und Freunde zu sein. Anne Freytag liefert einen tiefen Blick in die Seele eines jungen Menschen, der dabei ist, sein wahres Ich zu entdecken und der sich selbst erst noch verstehen muss.


In Den Mund voll ungesagter Dinge werden also klassische Teenagerprobleme thematisiert - neben der eigenen Sexualität das Verhältnis zu den Eltern, die Patchworkfamilie und der ständige Kampf um den eigenen Ruf - und natürlich Homosexualität. Das Besondere dabei ist die Art und Weise, auf welche Anne Freytag die Themen zur Sprache bringt. Offen, ehrlich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Sehr erfrischend finde ich es übrigens, dass in diesem Jugendbuch Sex kein Tabuthema ist - wie viele Jugendbücher habe ich schon gelesen, in denen die Protagonisten fast schon entsexualisiert werden und Sexualität an sich kaum angesprochen beziehungsweise mit ein paar Sätzen unter den Teppich gekehrt wird. Was völlig unlogisch ist, denn Sex spielt im Leben von 17- und 18-Jährigen auf die ein oder andere Weise eine enorme Rolle, das wissen wir alle. Ich finde es großartig, wie offen Anne Freytag damit umgeht und wie selbstverständlich auch eindeutige Szenen geschildert werden, ohne dass diese fehl am Platz wirken könnten. Hier fügt sich alles einfach wunderbar zusammen und vor allem erkennen sich sicherlich viele Leser in der manchmal unsicheren, so verzweifelt um Normalität bemühten Sophie wieder.


Was soll ich noch weiter sagen... ich bin begeistert! Ich bewundere Anne Freytags einzigartigen, klaren Stil, der einem einen Blick in die Seelen der Figuren ermöglicht und einen schon nach den ersten Seiten in einen Sog zieht. Ich konnte (und wollte) Den Mund voll ungesagter Dinge kaum aus der Hand legen, weil ich einfach wissen wollte, wie es Sophie ergeht. Weil ich Anteil an ihrem verworrenen und alles andere als leichten Leben genommen und sie in mein Herz geschlossen habe. Genauso wie Alex, ihren besten Freund Lukas, Sophies Vater, Lena und die beiden Stiefbrüder Leon und Valentin. Eine wunderbare Roman-Familie mit Ecken und Kanten, die zeigt, dass im Leben nicht immer alles rund laufen und man trotzdem in jeder Situation zusammenhalten kann.


Mein Fazit:


Ich habe mein Jugendbuch-Highlight 2017 gefunden! Ich liebe Den Mund voll ungesagter Dinge und es gibt nichts (ich wiederhole: nichts), das ich an diesem Roman bemängeln könnte. Sophies und Alex' Geschichte ist so pur, so berührend und dabei in der richtigen Dosis nüchtern erzählt, sodass nicht ein Gefühl, nicht ein Dialog kitschig oder aufgesetzt wirkt. Wer im Genre Young Adult zuhause ist, hat in diesem Buch seinen Meister gefunden - ich verspreche es!

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Tags: erste liebe, freundschaft, große liebe, homosexualität, jugendroman, lesbisch, liebe, sexualität, teenager, teenie, young adult   (11)
 

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italien, reiseberichte, erzählungen, sizilien, reportage

Sehnsucht Italien

Andreas Pehl , Stefan Schomann , Dorette Deutsch , Thomas Kernert
Audio CD
Erschienen bei Der Hörverlag, 22.05.2017
ISBN 9783844525557
Genre: Sachbücher

Rezension:


Geschichte und Erzählstil:


Ich bin ein großer Italien-Fan und liebe das Land des dolce Vita mit seiner atemberaubenden Landschaft, der einzigartigen Kultur und natürlich der grandiosen Küche. Sehnsucht Italien war daher genau das Richtige für mich, denn es ist tatsächlich eine akustische Reise durch Italien - die ideale Gelegenheit, um zumindest im Geiste dorthin zurückzukehren und einiges zu entdecken. Die Reise beginnt dabei in Südtirol, geht über Venedig, die Toskana und das Cinque Terre, weiter über Rom und Neapel bis nach Sizilien. Im Gepäck haben die Autoren beziehungsweise Erzähler zahlreiche Kuriositäten, die man garantiert nicht in jedem beliebigen Reiseführer findet.


Das Besondere sind dabei die wirklich abwechslungsreichen Inhalte, denn auf den CDs finden sich neben geschichtlichen Abrissen und kurzen Einführungen in die Leben berühmter Künstler, Musiker und historischer Persönlichkeiten auch Interviews mit Einheimischen, Einblicke in die spezifischen Besonderheiten bestimmter Städte und Landschaften und vor allem ganz viel Dolce Vita. Seid gewarnt: Hungrig sollte man sich Sehnsucht Italien auf gar keinen Fall anhören. Denn beinahe zu jeder Region gibt es den passenden Abriss zur lokalen Küche - Pasta, Wein, Risotto, Trüffel, Süßspeisen - ehrlich, da tropft einem fast durchgehend der Zahn.


Durch all die kleinen Anekdoten, Reiseberichte und Landschaftsbeschreibungen wird vor allem eine ganz besondere Stimmung erzeugt. Eine Atmosphäre, die einen sofort in den Urlaubsmodus versetzt und einen tatsächlich mitnimmt nach Italien. Natürlich gab es auch Passagen, die ich weniger interessant fand, aber das große Ganze stimmt hier einfach. Alles ist rund und macht unglaubliche Lust auf eine spontane Reise nach Italien. Besonders interessant waren für mich übrigens die Hintergrundinfos zu Regionen, in denen ich selbst schon war - zum Beispiel Venedig, Mailand, Cinque Terre, Florenz, Rom und Pompeji. 


Wenn berühmte Sehenswürdigkeiten erwähnt werden (etwa Pompeji), dann werden sie meist in einen historischen Kontext gesetzt oder aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Sehnsucht Italien langweilt also nicht mit dem typischen Reiseführer-Palaver, sondern hält auch für erfahrene Italien-Reisende noch recht viel Wissenswertes bereit. Ein bisschen enttäuscht war ich darüber, dass Regionen wie Capri, Elba, die Abruzzen oder die Toskana gar nicht erwähnt oder nur kurz gestreift werden, aber es kann eben nicht alles zur Sprache kommen und für ein Hörbuch ist Sehnsucht Italien schon recht umfangreich und liefert einen guten Überblick.


Sprecher:


Sehnsucht Italien ist eine Anthologie, eine Sammlung von Reiseberichten, kurzen Erzählungen und Interviews, die meist von den betreffenden Autoren selbst gelesen werden. Das hat mir sehr gut gefallen und macht das Hörbuch noch dynamischer und abwechslungsreicher. Für das gewisse Feeling gibt es an den passenden Stellen außerdem reichlich Soundeffekte, Musik und sogar Original-Interviews auf Italienisch. Alles in allem ist die Umsetzung also sehr stimmig - hier kommt definitiv Urlaubsfeeling auf.


Mein Fazit:


Sehnsucht Italien ist ein großartig umgesetztes Hörbuch mit vielen interessanten, spannenden und kuriosen Geschichten rundum Italien. Beim Hören kommt garantiert keine Langeweile auf (eher Hunger und Reiselust) und ich habe viele wissenswerte Dinge über das Land des Dolce Vita erfahren, die ich bisher noch nicht wusste. Hier und da hätte es ruhig ein wenig tiefer gehen können und dennoch kann die nächste Italien-Reise jetzt geplant werden. Absolute Empfehlung für alle Italien-Fans und solche, die es werden wollen.

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Tags: dolce vita, erzählungen, italien, reisebericht, reiseberichte, reiseführer   (6)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

rassismus, illegale einwanderer, illegal in deutschland, flüchtlinge, krimi

Illegal

Max Annas
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 10.03.2017
ISBN 9783498001018
Genre: Romane

Rezension:


Diese Geschichte musste ich erstmal zwei Tage sacken lassen, bevor ich mich an die Rezension setzen konnte. Max Annas liefert eine Menge Input - sein Roman ist vollgepackt mit hoch brisanten Themen, die auf solch eine klare und unbequeme Art und Weise umgesetzt sind, dass es einem teilweise eiskalt den Rücken runterläuft. Dass es so kommen würde, hat mir quasi bereits der Klappentext verraten: Es geht um Kodjo, einen jungen Mann aus Ghana, der vor einigen Jahren nach Deutschland kam und sich seit seiner Scheidung illegal in Berlin aufhält. Schon diese Ausgangssituation ist bedrückend und wirft beim Leser einige Fragen auf. Die drängendste lautete für mich: Wie kann ein Mann "illegal" sein, der seit Jahren in einem Land lebt, arbeitet und sich absolut rechtschaffen verhält? Wie kann ein Mensch überhaupt illegal sein? Die Illegalität von Einwanderern und Flüchtlingen stellt Max Annas in seinem Roman definitiv auf den Prüfstand.


Sein Protagonist ist ein stinknormaler, sympathischer und relativ unauffälliger Mann - ein Durchschnittstyp, der einfach seiner Wege geht und vor allem in Ruhe sein Leben leben möchte. Das geht allerdings nicht, denn Kodjo lebt jeden Tag mit der Angst, verhaftet und abgeschoben zu werden. Dabei kann er gut Deutsch, hat jede Menge Freunde in Berlin, eine gute Ausbildung und einen Job. Für den Leser ist Kodjos Situation von Anfang an unfair und gleichzeitig hält sie einem auf unbequeme Weise den Spiegel vor: Mit Kodjo gibt Max Annas all den Menschen ein Gesicht, die wir nicht wahrnehmen, die unter dem Radar fliegen, um hier bleiben zu können. Weil man sie hier nicht will. Kodjo muss quasi rundum die Uhr wachsam sein, der Polizei permanent aus dem Weg gehen - nicht gerade leicht für einen Schwarzen unter Weißen. Einen Schwarzen, der grundsätzlich misstrauisch beäugt und verdächtigt wird, wie er selbst immer wieder feststellt. (Anmerkung: Das Wort "Schwarzer" verwendet Kodjo für sich selbst, deswegen verwende auch ich es in meiner Rezension.)


Max Annas gelingt es dabei unglaublich gut, Kodjos Ängste und Befürchtungen in Worte zu fassen. Seine Situation ist bedrückend und vor allem greifbar, seine Angst überträgt sich auf den Leser. Und so fiebert man von der ersten Seite an mit Kodjo mit, nimmt Anteil an seiner Geschichte und das ist es, was Illegal so wichtig und unfassbar gut macht. Max Annas' klare, direkte und ehrliche Sprache gibt der Handlung etwas Beklemmendes und erzeugt eine ganz bestimmte Atmosphäre. Vor allem in Kombination mit den rassistischen Anfeindungen und all den Vorurteilen, mit denen Kodjo konfrontiert wird. Es ist etwas ganz Anderes, das Land, in dem wir leben, durch die Augen eines Menschen zu betrachten, der hier ganz offensichtlich nicht willkommen ist beziehungsweise sich nicht willkommen fühlt. Das zeigen nicht nur direkte Angriffe auf Kodjo, sondern insbesondere die vielen subtilen Kommentare, die kleinen Dinge, die ihn die Ablehnung der Menschen spüren lassen.


Annas treibt das Ganze auf die Spitze, indem er Kodjo den Mord an einer Prostituierten beobachten lässt - einen Mord, der von einem Weißen begangen wird. Durch ein Missverständnis gerät Kodjo in den Fokus der Ermittler und augenblicklich setzt eine Hetzjagd auf einen Schwarzafrikaner ein - ein gefundenes Fressen für die Medien. Als Leser weiß man, wie ungerecht diese voreiligen Schlussfolgerungen sind und was für Folgen sie für den unschuldigen Kodjo haben. Aber es ist erschreckend, wie glaubwürdig und vorstellbar dieses Vorgehen ist. Wir haben es schon dutzende Male erlebt und es wird leider auch in Zukunft so sein, dass man zuerst den zwielichtigen "Schwarzen" verdächtigt. Eine traurige Tatsache, die Annas zur Sprache bringt und durch Kodjos verzweifelte Flucht vor der Polizei und den Handlangern des Mörders anprangert.


Der Kriminalfall selbst ist in meinen Augen etwas müde konstruiert und ohne den "illegalen" Kodjo als Verdächtigen und Opfer der Justiz wäre er sicherlich nicht annähernd so brisant und spannend. Hier hätte es für meine Begriffe ruhig etwas mehr sein können - mehr Spannung, mehr subtile Bedrohung. Aber ich glaube, der Mord an der Prostituierten bildet tatsächlich nur den Rahmen für Kodjos Geschichte und soll zeigen, wie leicht es ist, einen Menschen zu verurteilen. Und wie fatal. Denn das Ende bricht derart unerwartet und grausam über den Leser herein, dass es schwer fällt, sich allzu schnell von dieser schockierenden Geschichte zu lösen. Man sollte definitiv auf alles vorbereitet sein!


Mein Fazit:


Max Annas' Illegal ist ein brandaktuelles Buch, das so klar und ehrlich geschrieben ist, dass es einen zu keiner Zeit loslässt. Es liefert definitiv eine Menge Stoff zum Nachdenken und setzt sich kritisch mit der Politik und der Justiz in Deutschland auseinander. Etwas, das wir alle hin und wieder tun sollten. Kodjo ist so eine Romanfigur, die einen so schnell nicht loslässt und auch wenn der Kriminalfall für meinen Geschmack etwas intensiver ausgearbeitet hätte werden können, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Rasant, fesselnd und bedrückend unbequem - eine unbedingte Leseempfehlung!

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Tags: flüchtlinge, illegale einwanderer, illegal in deutschland, krimi, mord, rassismus   (6)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

weltraum, mond, gesellschaftskritik, zukunft, raumfahrt

Moonatics

Arne Ahlert
E-Buch Text: 577 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783641197186
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Nach dem Sci-Fi-Klassiker Das Erbe der Sterne habe ich mich für einen neueren Roman des Genres entschieden - die Wahl fiel auf Moonatics von Arne Ahlert. Dessen Geschichte spielt nicht besonders weit in der Zukunft und ist vor allem deshalb so brandaktuell und authentisch. Denn in den 2040er Jahren liegt die Erde beinahe in Schutt und Asche - nach etlichen Naturkatastrophen und Kriegen kommt es überall auf der Welt zu Massenfluchten und zu Massensterben. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist so groß und unüberwindbar wie nie zuvor. Klar, dass sich die Menschen, die es sich leisten können, langsam umorientieren und neuen Lebensraum erschließen. Den Mond.


Diesen lernt man aus der Perspektive des Backpackers Darian kennen, der nach einer unverhofften Erbschaft 3 Wochen Urlaub auf Luna bucht. Ahlert nimmt sich wirklich ausgiebig Zeit, um seinem Protagonisten und damit auch dem Leser den von Menschen besiedelten Mond zu zeigen. Kein Paradies, wie man vielleicht erwarten könnte, sondern eine hart umkämpfte Zweigstelle der Erde, auf der sich Chinesen und Amerikaner die Vorherrschaft teilen. Darian steigt im gehobenen Resort Levania ab und taucht bald ein in die abstrus dekadente Welt des Mondes. Von Cocktailpartys, Virtuel-Reality-Erlebnissen und Mond-Safaris über Yacht-Ausflüge bis hin zu Golfspielen im Mondstaub ist alles dabei. Es scheint tatsächlich so, als habe die Elite der Erde ihr gehobenes Domizil mit allen Annehmlichkeiten ganz einfach auf den Mond verlegt. Dazu der ständige Nervenkitzel des Vakuums, das schon so manchen Leichtsinnigen das Leben gekostet hat.


Arne Ahlerts Ideen sind teilweise so abgedreht und dabei aber leider auch so vorstellbar, dass sie schlichtweg faszinieren. Die neue Welt, die er auf dem Mond erschafft, unterscheidet sich vielleicht in ihrer Beschaffenheit stark von der Erde, ist in Bezug auf die Moral der Menschen und die Gesellschaft aber zugleich ein erschreckendes Abbild dieser. Auf dem Mond regieren die Reichen und das bekommt auch Darian bald zu spüren. Intrigen, Machtkämpfe und sogar das ein oder andere Komplott sind hier an der Tagesordnung. Ahlert übt eine wirklich fein gezeichnete und spitzzüngige Gesellschaftskritik, die einen nachdenklich stimmt. Denn in vielem findet man die heutige Gesellschaft, wenn nicht sogar sich selbst wieder. Moonatics zeigt eines von vielen möglichen Szenarios, das uns und der Erde bevorsteht, wenn sich an unserem Verhalten nichts ändert.


Soviel zu den Aspekten, die mich an Ahlerts Roman beeindruckt und fasziniert haben. Leider stimmt das große Ganze für mich einfach nicht. Die Ideen und auch Teile des Plots sind absolut meisterhaft, die Umsetzung allerdings konnte mich über weite Strecken nicht überzeugen. Das liegt weniger am Schreibstil, der klar und eher nüchtern, aber auch gut lesbar und vor allem in Bezug auf die technischen Aspekte leicht verständlich ist, als vielmehr am fehlenden roten Faden. Es gibt Teile, in denen man den Mond-Hippies (den Moonatics) oder auch der reichen Elite beim seitenlangen Schwadronieren zuhört oder deren absurde Golf-Turniere verfolgt. Der Protagonist Darian steht dabei stets als stiller Beobachter im Hintergrund, sagt nicht viel, tut nicht viel und tritt auch sonst kaum in Aktion. Das ist leider ziemlich ermüdend, denn so nimmt man kaum Anteil an seinen Erlebnissen, kann sich nicht in seine Lage hineinversetzen und empfindet generell einfach keine Sympathie für ihn. Er stellt im Prinzip nur die Augen, durch die man das Geschehen betrachtet. Wenn man jedoch als Leser viel Wert auf eine detaillierte Charakterzeichnung und eine emotionale Bindung zur Hauptperson legt, wird man schwer enttäuscht.


Generell wirkt die Handlung über weite Strecken chaotisch und unstrukturiert. Mal spielen sich die kuriosesten Dinge ab, die einen zum Staunen bringen und mitreißen, mal passiert über 50 oder mehr Seiten rein gar nichts Relevantes. Geniale Ideen und Einfälle des Autors verlaufen im Sand, Geschehnisse, die auf den Leser einen großen Eindruck machen, werden von den handelnden Personen gar nicht kommentiert und eher nebenbei abgetan. Das trägt dazu bei, dass man sie kaum als echte Menschen wahrnimmt. Sehr schade. Richtig gepackt hat mich der Roman tatsächlich erst ab Seite 400 etwa. Hier nimmt die Story einen unerwarteten und rasanten Verlauf - und gipfelt in ein Ende, das seinesgleichen sucht. Im negativen Sinne. Denn das Ende ist wohl einer der am schlechtesten inszenierten und unbefriedigendsten Schlussakte, dem ich je begegnet bin. Eigentlich alles bleibt offen, nichts wird geklärt. Nun könnte man sagen, das ist genau das, was Ahlert wollte, um zum Nachdenken anzuregen. Den Leser dazu zu animieren, sich selbst auszumalen, wie die Geschichte ausgehen könnte. Aber für all den Aufwand, der im Vorfeld betrieben wurde, ist mir das einfach zu wenig. Ich dachte am Ende wirklich: Das kann doch nicht sein!? Und es stellt sich mir die Frage, ob es nicht eine Fortsetzung geben soll. Wenn ja, bin ich noch unentschlossen, ob ich diese überhaupt lesen würde. Denn emotional hänge ich nicht wirklich an Darians Geschichte.


Mein Fazit:


Moonatics wartet mit teilweise wirklich grandiosen Ideen und auf die Spitze getriebener, mit Science-Fiction-Elementen angereicherter Gesellschaftskritik auf. Potenziale hat Arne Ahlert hier aber leider zuhauf verschenkt. Ein Protagonist, über den man kaum etwas erfährt und der einfach irrelevant wirkt, und eine chaotische Story, der teilweise schlichtweg der Sinn fehlt, haben mich ewig für dieses Buch brauchen lassen. Überzeugt bin ich am Ende leider nicht wirklich, obwohl die Basis für eine großartige Geschichte wie gesagt vorhanden war.

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