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Alice im Wunderland

David Chauvelle , Xavier Collette , Lewis Carroll
Fester Einband: 72 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 11.03.2010
ISBN 9783940864116
Genre: Comics

Rezension:

An dieser Stelle muss ich mich erst einmal outen: Gelesen habe ich Lewis Carrolls Klassiker "Alice im Wunderland" noch nicht, beziehungsweise nur auszugsweise im Studium. Deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, die Geschichte durch David Chauvels und Xavier Collettes Comicadaption zu entdecken und erst so richtig kennenzulernen. Begeistert war ich von der ersten Seite an, denn vor allem Collettes hypnotisierende Zeichnungen haben mich voll in ihren Bann gezogen. Bereits das Cover gibt einen ersten Eindruck davon, wie Collette Alice darstellt und ihre Geschichte inszeniert. Nämlich unkonventionell, modern, frisch und unheimlich besonders. Alice ist bei ihm nicht das klassisch blonde Mädchen mit dem Wallehaar, der Schleife im Haar und dem blauen Puffärmel-Kleid mit der weißen Schürze, das wir vor allem aus dem Disney-Film und von unzähligen Illustrationen kennen. Nein, Collette drückt seiner Alice seinen eigenen Stempel auf. Und das gefällt mir unwahrscheinlich gut.

Die Alice im Comic hat zumindest mich an eine Mangafigur erinnert. Nicht nur ist sie schwarzhaarig, trägt einen frechen Bob und hat ein sehr markantes, spitz zulaufendes Gesicht, was sie alles andere als mädchenhaft wirken lässt. Ihre Figur hat bei Collette außerdem etwas Spitzbübisches, Linkisches und vielleicht auch Verschlagenes an sich. Das macht auch die Geschichte erwachsener und reifer - vor allem in Verbindung mit Collettes Darstellung des Wunderlands. Seine Zeichnungen finde ich magisch und fantasievoll, aber nicht schrill, verspielt oder märchenhaft. Sie sind in gewisser Weise düster und faszinierend. Einerseits sind es die überwiegend dunklen und eher gedeckten Farben, die diesen Eindruck erzeugen, andererseits aber auch die Motive, die Mimik und Gestik der Figuren und die schnellen Wechsel zwischen den Szenen. Dieser Stil gefällt mir richtig gut und ich finde es beeindruckend, wie Collette es geschafft hat, dem Leser seine ganz eigene Alice zu präsentieren - losgelöst von all den Illustrationen und Trickfilmen, die das Bild von ihr seit Jahrzehnten geprägt haben. Denn Collettes Alice hat mich gefangen genommen, mich begeistert und mich hypnotisiert. Deswegen ist der Comic für mich in erster Linie ein bildgewaltiges, opulentes Feuerwerk, das mir ein ganz anderes Wunderland gezeigt hat, als ich das erwartet hätte.

Wie ich hingegen Chauvels Texte und Dialoge bewerten soll, war mir nach dem Lesen nicht sofort klar. Denn die Unterhaltungen und die Handlung selbst, die ja auf Carrolls Geschichte beruhen, sind dermaßen abstrus und abgefahren, dass ich zwischenzeitlich ziemlich verwirrt war. Ich weiß aber, dass genau das die Geschichte um Alice im Wunderland ausmacht und dass Lewis Carroll nicht umsonst der wohl bekannteste Vertreter der sogenannten Nonsense-Literatur ist. Demnach gehe ich davon aus, dass Chauvel sich eng an die Vorlage gehalten und trotzdem etwas Eigenes aus der Geschichte gemacht hat. Er schreibt sehr poetisch und einnehmend, was den Comic noch einmal um einiges plastischer macht. Und das Lesen ist definitiv ein unglaublich abgefahrener Trip - meistens weiß man nicht, wie einem geschieht. Mir gefällt dieses Rasante, dieses Flatterhafte und einfach komplett Verwirrende. Ich finde es großartig gemacht. Allerdings hatte ich hier und da das Gefühl, der Geschichte nicht ganz folgen zu können - was möglicherweise einfach an der Kürze des Comics liegt. Auf 72 Seiten ist eben nun mal nicht so viel Platz wie auf 300 und mehr. Ich vermute, dass Chauvel und Collette die Handlung stark eingekürzt haben, was bei einer Comicadaption natürlich absolut gerechtfertigt ist. Ich denke, dass ich der Handlung besser hätte folgen können, wenn ich die Vorlage gekannt hätte. Wie gesagt: Ich bin ohnehin begeistert von diesem Comic, aber Fans von "Alice im Wunderland" werden schlichtweg von den Socken sein.

Mein Fazit
Wenn einem "Alice im Wunderland" nur vage ein Begriff ist, so wie mir, wirkt die Comicadaption vielleicht etwas lückenhaft und zu stark eingekürzt. Nichtsdestotrotz ist sie aber großartig gelungen, denn Chauvel und Collette haben hier einen Klassiker der Weltliteratur genommen und völlig neu interpretiert. Von Alice als schwarzhaarigem, irgendwie verschlagenem Mädchen bis hin zu den Darstellungen des Wunderlands: Der Comic wirkt erwachsener, düsterer und faszinierender als alles, was ich bisher von Alice kannte. Und genau deswegen ist er für mich große Unterhaltung par excellence.

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Tags: alice im wunderland, comic, comicadaption, graphic novel, klassiker, lewis carroll, nonsense literatur   (7)
 

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Artemis

Andy Weir , Jürgen Langowski
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 05.03.2018
ISBN 9783453271678
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Andy Weir sagte mir bisher gar nichts, denn "Der Marsianer" habe ich noch nicht gelesen (mittlerweile habe ich aber den Film gesehen und für großartig befunden). Der Klappentext zu "Artemis" hat mich einfach neugierig gemacht, weil er nach irrem Sci-Fi-Krimi auf dem Mond und damit insgesamt richtig cool klang. Und tatsächlich hat mich Andy Weir mit seiner etwas anderen Science-Fiction-Geschichte gleich auf den ersten Seiten komplett abgeholt und das vor allem mit seiner grandiosen Hauptfigur. Erstmal: Wie cool ist das bitte, dass es endlich mal einen modernen Science-Fiction-Roman mit einer weiblichen Protagonistin gibt? Damn, endlich, endlich, endlich! Mich haben die Männer in dem Genre einfach nur noch genervt, Jazz hingegen ist einfach nur der Hammer.

Was bringt Andy Weir nicht alles in ihrem Charakter zusammen: Nicht nur, dass Jazz aus Saudi Arabien kommt und streng genommen eine Muslima ist - nein, sie ist auch ziemlich schräg, hat eine unglaublich große Klappe, hat in der Vergangenheit schon den ein oder anderen Mond-Mann verschlissen und somit einen gewissen Ruf, ist obendrein unglaublich clever und hat jede Menge kriminelle Energie. Aber: Sie hat auch ihre Prinzipien und ist einfach witzig, was wichtig ist, denn so findet man sie trotz ihres sehr speziellen Charakters sympathisch und supercool. Jazz ist eine Mischung aus Antiheld, Superhirn und Schmusebär und damit ein wirklich abgefahrener Charakter, was mich super überrascht und schließlich von den Socken gehauen hat. Da die Geschichte aus Jazz´ Perspektive erzählt wird, bekommt man als Leser ihre teils verdrehten Gedanken ungefiltert ab und das allein macht den Roman zu einem echten Erlebnis.

Aber auch die übrigen Figuren sind stark, unkonventionell und besonders. Ich mochte beispielsweise auch Jazz´ Vater sehr, der einerseits verschroben, andererseits aber auch sehr gütig und warmherzig auf mich wirkte. Oder den Kneipenwirt, der Jazz bei jedem Besuch seine neueste Schnaps-Kreation andreht. Oder den freakigen Svoboda, der Jazz im Verlauf der Geschichte den ein oder anderen Gefallen tut und sich dafür auf etwas andere Art und Weise bezahlen lässt. Oder aber Officer Rudy - der einzige Polizist auf dem Mond und ebenso heiß und attraktiv wie nervtötend. Andy Weir hat in "Artemis" einen großen Pool an richtig coolen Charakteren geschaffen, die einfach von vorne bis hinten Spaß machen und der Geschichte das gewisse Etwas geben.

Natürlich fand ich außerdem das Setting spektakulär und großartig - durch Jazz´ Augen empfindet man Ehrfurcht für die karge, stille und dabei irgendwie anmutige Mondlandschaft. Ihre Liebe zum Mond und zu Artemis kommt sehr schön zum Ausdruck, auch wenn Andy Weir uns natürlich auch die Schattenseiten einer eigenständigen Gemeinde auf dem Mond zeigt. Die kleine Welt von Artemis wird von Geld regiert - die Stadt gilt als abgefahrenes Reise-Ziel und als exklusiver Rückzugsort für die Superreichen, während einfache Arbeitskräfte wie Jazz in schmalen Konservendosen leben und sich nicht mal eine fünfminütige Dusche leisten können. Klar, dass es in Artemis einen Untergrund gibt beziehungsweise einen florierenden Markt für illegale Geschäfte gibt und da passt Jazz wunderbar rein. Ein weiterer Fakt am Rande: Artemis kann man gut als Multi-Kulti-Stadt bezeichnen, denn dort leben Menschen aus allen Winkeln der Erde. Und sie fühlen sich selbst nicht als Saudis oder als Japaner oder als Amerikaner - sie fühlen sich als Artemisier, als eine Gemeinschaft, die ohne die Fähigkeiten des einen nicht existieren kann. Was für eine starke Botschaft!

Ich finde, dass Andy Weir insgesamt sehr plastisch und authentisch erzählt. Er streut viele technische Details in die Handlung ein, die mich aber nicht (wie bei anderen Werken des Genres) überfordert oder ermüdet, sondern die mich interessiert und unterhalten haben. Jazz besitzt jede Menge Know How und sie ist unheimlich clever - eine Tatsache, die den Roman richtiggehend belebt. Er blüht durch seine Nerdigkeit und die vielen freakigen Details auf und das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Dadurch bleibt die Handlung durchgehend spannend, obwohl mir diesbezüglich hier und da ein bisschen die Innovation gefehlt hat. Die Geschichte, die Weir um die Kleinkriminelle Jazz und den reichen Unternehmer Trond spinnt, ist zwar alles andere als langweilig oder abgedroschen, aber sie ist eben auch nicht völlig neu und hätte als konventionelle Kriminalgeschichte sicher einige Plot Twists und Überraschungen vermissen lassen. Als Krimi auf dem Mond aber konnte mich "Artemis" schlussendlich überzeugen.

Mein Fazit
Cool, frisch, abgefahren, modern und absolut unterhaltsam: Andy Weir hat mit "Artemis" eine Art von Science Fiction geschrieben, wie ich sie so bisher noch nicht gelesen habe. Besonders großartig fand ich die freakigen und trotzdem liebenswerten Charaktere und das abgespacete Setting. Da konnte ich der Geschichte auch die ein oder andere kleinerere Schwäche verzeihen - ein wirklich großes Lesevergnügen!

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Tags: krimi, leben auf dem mond, mond, science fiction, sci-fi   (5)
 

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Schneewittchen

Lylian , Nathalie Vessillier
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 23.07.2018
ISBN 9783962191429
Genre: Comics

Rezension:

Ich bin ein Märchen-Fan, auch wenn ich den meisten der modernen Adaptionen klassischer Volksmärchen, die zurzeit gefühlt überall sind, nicht viel abgewinnen kann. Eine Comic-Adaption klang da für mich wesentlich verlockender und ganz ehrlich: Das Cover zu "Schneewittchen" von Lylian und Nathlie Vessillier aus dem Splitter Verlag macht einfach unglaubliche Lust auf ein klassisches Märchen, das modern in Szene gesetzt wurde. Und genau das ist dieser Comic auch. Schon nach den ersten Seiten hat mich Lylians Version der Geschichte, frei nach den Gebrüdern Grimm, vereinnahmt, verzaubert und mitgenommen auf Schneewittchens Reise zu den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen.

Ich habe mich beim Lesen schnell in Lylians fantasievollen, sehr blumigen und poetischen Erzählstil verliebt, der einfach sensationell mit der Geschichte, wie wir sie kennen, harmoniert und ihr gleichzeitig eine moderne und frische Note gibt. Lylian kleidet das Jahrhunderte alte Märchen in ein strahlendes Gewand aus zauberhaften Worten und entführt uns so in eine märchenhafte Welt, die wir alle kennen, die wir dabei aber trotzdem ganz neu entdecken. Anders als viele andere Autoren, die die Erzählung bis heute aufgegriffen haben, hält sich Lylian jedoch nah an die überlieferte Vorlage von Jacob und Wilhelm Grimm. Und das gefällt mir unheimlich gut. Ich finde es vor allem deshalb so großartig, weil es dem Autoren gelingt, einerseits das Rohe und Brutale aus dem Original aufzugreifen, das Märchen andererseits aber dennoch kindgerecht und mit vereinnahmender Leichtigkeit zu erzählen. Gleichzeitig streut Lylian eine genau richtig dosierte Prise Witz und Komik in seine Nacherzählung ein und unterhält so auf extrem hohem Niveau.

Und eines merkt man recht schnell: Lylian und Nathalie Vessillier sind absolut auf einer Wellenlänge. Text und Comic Strip ergänzen sich bei "Schneewittchen" so unfassbar gut, wie ich das bisher selten erlebt habe, und transportieren den Zauber des Märchens auf atemberaubende Art und Weise. Die Zeichnungen sind detailverliebt, anmutig, modern und so unglaublich farbenfroh - sie wirken einerseits kindlich verspielt, andererseits aber auch anspruchsvoll und haben eine ganz eigene Note. Wie Lylian mit seinen Worten verleiht auch Nathalie Vessillier dem Grimmschen Märchen neuen Glanz, lässt Schneewittchen strahlen und hat zumindest mich mit ihren kraftvollen Bildern, den wundervollen Figuren und den Darstellungen der sieben Zwerge und ihrer Heimat in einen Strudel aus Fantasie und Traum gezogen.

Besonders schön finde ich, dass man sich bei dieser Comic-Adaption nicht entscheiden muss - ist es nun eine verharmloste Märchen-Adaption für Kinder oder doch eher eine Geschichte für Erwachsene? "Schneewittchen" legt sich nicht fest. Der Comic ist dank seiner blumigen Sprache und der bunten, detailverliebten Bilder sicherlich gut für Kinder geeignet, aber auch große Märchenfans kommen absolut auf ihre Kosten. Ich jedenfalls konnte beim Lesen des Comics auf jeder Seite etwas Neues entdecken, mich neu in das Märchen von Schneewittchen verlieben - und ich habe mich auf keiner einzigen Seite gelangweilt. Für mich war es ein absoluter Hochgenuss, von vorne bis hinten.

Mein Fazit
Lylians und Nathalie Vessilliers "Schneewittchen" ist märchenhaftes Kino zum Lesen. Die Erzählung ist dicht dran an der überlieferten Originalfassung der Gebrüder Grimm und doch gelingt es Autor und Zeichnerin, dem Märchen mehr zu entlocken, es zu einem bildgewaltigen Erlebnis zu machen und Leser, die die Geschichte von kleinauf kennen, völlig neu zu begeistern. Lylians Texte sind wunderbar blumig und fantasievoll, Vessilliers Zeichnungen eine absolute Wucht. Und ich bin schlicht und ergreifend hin und weg!

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Tags: comic, grimms märchen, märchen, märchenadaption, schneewittchen   (5)
 

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Finsterwalde

Max Annas
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 24.07.2018
ISBN 9783498074012
Genre: Romane

Rezension:

Vor fast genau einem Jahr habe ich mit Max Annas´ *Illegal* einen Roman gelesen, der mich aufgewühlt und schockiert hat - und mir beziehungsweise uns Deutschen, uns Menschen auf sehr schmerzhafte Art und Weise einen Spiegel vorgehalten hat. Mir war deswegen eigentlich klar, dass Max Annas seiner Linie auch mit seinem neuen Buch "Finsterwalde" treu bleibt - er tut genau das und legt dabei noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. Alleine beim Überfliegen des Klappentextes geschweige denn beim Lesen der eigentlichen Geschichte hat man fast augenblicklich einen fetten Kloß im Hals - und das ist gut so.

Während Alltagsrassismus mittlerweile wieder salonfähig geworden ist und die neuesten Entgleisungen einer gewissen Partei in der Öffentlichkeit oftmals nur halbherzig mit dem Spruch "Die Geschichte soll sich nicht wiederholen" kommentiert werden, labert Max Annas nicht lange um den heißen Brei herum. Er verliert sich nicht in "Was wäre, wenn..."-Visionen, sondern er zeigt auf sehr drastische und sehr aufrüttelnde Art und Weise, was die logische Konsequenz daraus wäre, würde in Deutschland erneut eine nationalistische, eine fremdenfeindliche Partei an die Macht kommen. Dass er dieser Partei in seinem Roman kein Gesicht und ihr den schlichten, aber aussagekräftigen Namen "D" gibt, spricht meiner Meinung nach Bände. Mich hat dabei Annas´ deutlicher Fokus sehr beeindruckt: Denn er lässt "D" sozusagen als Puppenspieler im Hintergrund agieren. Der Leser und auch die Figuren bekommen die Parteiangehörigen nicht zu Gesicht. Das ist ein großartiger schriftstellerischer Kniff, denn so erreicht Annas, dass der Leser sich nicht auf "D" als das pure Böse, den einwandfrei Schuldigen oder auch den Bösewicht stürzt. Stattdessen zeigt er auf, was die Machtübernahme der Partei und die Auflösung der EU mit den Bürgern machen. Wie die Menschen in Deutschland ganz ohne viel "Hilfe" von außen zu den Instrumenten einer fremdenfeindlichen Regierung werden.

Ein ebenso beklemmendes wie beeindruckendes Szenario. Denn es zeigt einfach, wie sich die Männer und Frauen an der Spitze bequem zurücklehnen können, während die Bürger ihre Ideale aus Eigenitiative leben und ihre absurden Gesetze rigoros umsetzen. So kann sich auch der kleine Mann als stolzer Deutscher fühlen. Ehrlich gesagt gruselt es mich bei der Vorstellung und ich bekomme Gänsehaut. Denn es ist einfach exakt das, was den Nationalsozialismus so verheerend gemacht hat. Es war schließlich das Volk, das einen grausamen Diktatoren an die Spitze gebracht und seine unvorstellbaren Methoden begrüßt, gefeiert, umgesetzt und geduldet hat. Und wie sich die Geschichte tatsächlich wiederholen kann, wenn wir Rassismus und Nationalismus eine Plattform geben, wenn sich die Menschen erneut kopflos von einer offen fremdenfeindlichen Partei instrumentalisieren lassen, hält Max Annas uns in "Finsterwalde" bis ins Detail vor Augen.

Er erschafft ein Deutschland, das vor allem farbige Menschen beziehungsweise generell Menschen mit ausländischen Wurzeln rigoros verfolgt, ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennt, ihnen verbietet, zu arbeiten, sie zusammenpfercht und ihnen die Menschenwürde nimmt. Sie in der Folge in die Verzweiflung, den Tod, die Flucht oder die Kriminalität treibt. Das klingt bekannt und genau das macht die Situation in "Finsterwalde" so erschreckend authentisch und lebendig. Man mag es sich nicht vorstellen, aber man muss es sich vorstellen, um es zu begreifen. Und wie schon in "Illegal" findet Max Annas klare Worte, er schreibt schnörkellos, ungeschönt und auf den Punkt - und anders kann man es auch gar nicht machen. Annas will dem Leser nichts diktieren, er will demonstrieren, aufrütteln und den Leser zur Selbsterkenntnis kommen lassen. Und bei mir ist ihm das auf herausragende Weise gelungen.

Jetzt habe ich schon unheimlich viele Worte über die Ausgangssituation und das Setting verloren. Aber auch die Figuren spiegeln Annas´ Konzept durch und durch wider. Sowohl Marie und ihren Kindern als auch Theo und seiner Familie steht man von Anfang an unvoreingenommen gegenüber. Man kann sie nicht einschätzen, versteht sie und ihre Beweggründe auch nicht unbedingt, aber man beobachtet sie. Man beobachtet sie die ganze Zeit über, verfolgt, wie sie sich verändern, wie sie aus verschiedenen Gründen aufeinander zugehen. Annas bildet in seinem Roman auf fesselnde Art und Weise ab, was ein solches Regime, eine solche Stimmung in der Gesellschaft aus unterdrückten Menschen wie Marie und aus eigenständig denkenden Menschen wie Theo macht. Ohne zu werten. Denn das obliegt dem Leser.

Ein Konzept, das absolut aufgeht. Einen kleinen Wermutstropfen gab es für mich aber schließlich doch noch, denn die Handlung habe ich insgesamt als nicht so brisant, spannend und fesselnd empfunden wie das Setting selbst. Der Ausbruch aus Finsterwalde, die Suche nach den Kindern, Theos Faszination für eine Frau, die er gar nicht kennt: All das hat unglaublich viel Potenzial, die Handlung schleppt sich aber trotzdem vor allem in der Mitte stellenweise mühsam dahin. Ich weiß nicht, ob sie mir hier und da zu konstruiert wirkte oder ob ich nicht vielleicht doch etwas mehr hätte erfahren wollen üer "D" und die Zustände in Deutschland (obwohl ich es andererseits wie gesagt absolut passend finde, dass Annas zu großen Teilen den Leser einbindet und vieles dessen Fantasie überlässt). Jedenfalls hat mir der letzte Funke gefehlt, um "Finsterwalde" zum realistisch-dystopischen Meisterwerk zu machen. Nichtsdestotrotz polarisiert die Geschichte, schockiert das Drumherum, schnüren einem Annas´ deutliche Worte die Kehle zu. Und insofern hat der Roman meine Erwartungen absolut übertroffen.

Mein Fazit
Mit "Finsterwalde" hat Max Annas wieder einen Roman geschrieben, der den Leser ordentlich durch die Mangel dreht, der ihn einbezieht und selbst denken lässt. Der uns einen Spiegel vorhält und uns mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Leichte Kost ist das sicher nicht, vor allem weil der Fokus gar nicht so sehr auf einer packenden Handlung, sondern vielmehr auf diesem düsteren Setting, der beklemmenden Atmosphäre und dem Wandel der Charaktere liegt. Dabei aber geht Max Annas so geschickt und klug vor, dass man die Augen einfach nicht abwenden kann von diesem erschreckend realistischen Roman. Deswegen gibt es von mir auch eine ganz klare Leseempfehlung.

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Tags: ausländerhass, deutschland, fremdenfeindliche partei, nationalismus, politik, rassismus, zukunft   (7)
 

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Palace of Fire - Die Kämpferin

C. E. Bernard , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 23.07.2018
ISBN 9783764531980
Genre: Fantasy

Rezension:

Die beiden ersten Teile von C. E. Bernards Debütreihe haben mir gut gefallen - ganz besonders angetan war ich von dem einzigartigen Setting, dieser ganz anderen Zukunftsvision und der Idee, die hinter den Magdalenen und der Angst vor Berührung steckt. Trotzdem hat mir bisher das gewisse Etwas zum Lieblingsbuch gefehlt - vor allem die Liebesgeschichte konnte bei mir gar nicht punkten und Robin ging mir in Band 2 etwas auf den Geist. Ich hatte dann die leise Befürchtung, dass C. E. Bernard es vielleicht nicht schaffen könnte, die Innovation und Brisanz des ersten Bandes (beides habe ich in Teil 2 ein bisschen vermisst) in "Palace of Fire" wiederaufzugreifen. PUSTEKUCHEN. Was für ein grandioses, spektakuläres, nervenzerfetzendes Finale! Innerhalb der Trilogie ist es C. E. Bernard tatsächlich gelungen, einen Spannungsbogen aufzubauen, der in Teil 1 schon steil nach oben geht, in "Palace of Silk" minimal ansteigt und dann im Finale derartig in die Höhe schießt, dass ich beim Lesen stellenweise gar nicht wusste, wo mir der Kopf steht. Wahnsinn, einfach Wahnsinn.

Es ist mir tatsächlich bisher nur sehr selten passiert, dass mich ein Reihenabschluss derart vom Hocker reißen konnte und dass er vor allem die Vorgängerbände noch übertrifft (ich denke da an "Harry Potter", sonst fällt mir allerdings nicht viel ein). Genau deswegen hat es mich auch so wahnsinnig überrascht, dass "Palace of Fire" mich auf jeder einzelnen (!) Seite mitgerissen und gepackt hat, dass ich zu keinem Zeitpunkt sicher sagen konnte, wie die Geschichte enden wird. Und dass die Geschehnisse auf derart rasante Art und Weise explodiert sind - nicht erst auf den letzten Seiten, sondern wirklich von Beginn an. Setting: Ein noch düstereres London mit dem grausamen Weißen König als skrupellosem Regenten an der Spitze. Handlung: Unvorhersehbar, rasant und mit genau der richtigen Tiefe. Charaktere: Komplex und vor allem überraschend. Hier stimmte für mich einfach alles. Natürlich will ich euch aber auch noch im Detail verraten, warum "Palace of Fire" mich so umgehauen hat:

"Palace of Fire" wirkte auf mich weitaus brutaler, expliziter und brisanter als die ersten beiden Bände. Das Grauen der Hetzjagd auf die Magdalenen wird viel realer, greifbarer und echter. Vieles von dem, was in London mit den Magdalenen geschieht, hat mich an die Judenverfolgung im Dritten Reich erinnert (sicher kommt das nicht von ungefähr). C. E. Bernard geht hier bis ins grausamste Detail - sie lässt die Korrektiven, in denen Magdalenen zu unvorstellbar schrecklichen Bedingungen eingepfercht werden, vor dem geistigen Auge auferstehen. Und das tut weh. Ebenso wie die Spuren, die die jahrzehntelange Unterdrückung dieser Minderheit bei den Menschen hinterlassen hat. Und dieses unterschwellige Sehnen nach Berührung und das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, wenn man sich auch nur ansatzweise zu nahe kommt. Und tatsächlich hat all das zumindest in meinen Augen auch etwas mit unserer heutigen Gesellschaft zu tun: Natürlich ist "Palace of Fire" in erster Linie eine Fantasygeschichte, für mich aber symbolisieren die Verfolgung der Magdalenen und das Berührungsverbot, die regelrechte Angst vor Berührung, vielerlei Dinge. Vor allem unsere Angst davor, immer transparenter zu werden (nicht durch Gedankenlesen, aber durch die sozialen Medien und das Internet allgemein - was ab einem gewissen Punkt irgendwie dasselbe ist). Und die Entfremdung voneinander, das Fixieren auf uns selbst, das Wegsehen und das nicht-mehr-füreinander-Einstehen, das unsere Gesellschaft mehr und mehr dominiert. Vielleicht interpretiere ich in Reas Geschichte zu viel rein, aber für mich steht sie für so viele Dinge und allein das beeindruckt mich zutiefst.

Robin! Ich mag Robin, ich bin ihm komplett verfallen und finde ihn großartig. Wie ist das passiert? In Band 2 ging er mir noch ziemlich auf die Nerven und ich hätte ihm zu gern die ein oder andere Ohrfeige verpasst. Aber ich hatte das Gefühl, dass er in "Palace of Fire" mehr Raum bekommen hat, um sich zu entfalten. Er ist nicht mehr nur der Kronprinz, sondern er reagiert auf das, was um ihn herum passiert, er beginnt, selbstständig zu denken, und lässt sich weder von seinem Vater noch von Rea beeinflussen. Er entwickelt sich zu einem starken, selbstbewussten Charakter mit eigenen Prinzipien - und das wirkt auf mich unheimlich sexy. Was zur Folge hatte, dass mich die Lovestory schließlich doch noch gecatcht hat. Und zwar volle Kanone. Ich habe angefangen, mit Rea und Robin mitzufiebern, habe bei jedem Konflikt gebangt und vor allem nägelkauend verfolgt, wie ihre Romanze immer intensiver, atemberaubender und (ja, auch das) gefährlicher wurde. Großartig fand ich auch, dass C. E. Bernard den ein oder anderen neuen Charakter ins Spiel bringt, der die ganze Sache noch spannender macht - ich verrate nichts, aber macht euch auf jeden Fall auf Überraschungen gefasst.

Generell hat mich bei "Palace of Fire" einiges überrascht - Robins Charakterentwicklung, aber auch Rea, die die meiste Zeit über irgendwie zerrissen und unschlüssig wirkt. Was mir im Kontext richtig gut gefallen hat. Auch die Einblicke in ihr Seelenleben beziehungsweise ihren Geist fand ich schlichtweg grandios - C. E. Bernard bedient sich hier wieder ihrer unglaublich bildhaften Sprache und schafft Identitäten, die über das, was wir unter einem Charakter verstehen, weit hinausgehen. Vieles wirkt konfus, aber auch fesselnd, faszinierend, düster und einfach magisch. "Palace of Fire" erzählt uns noch mehr über das Wesen der Magdalenen, lässt uns noch tiefer eintauchen in diese unheimlich interessante, aber auch erschreckende Welt. Dabei jagt ein Hähepunkt den nächsten, sodass man kaum zu Atem kommt. Wie gesagt, ich kam kaum dazu, mir ein mögliches Ende auszumalen, da war ich schon wieder im nächsten Szenario gefangen. Und wenn eine Geschichte mich derart beschäftigt und fordert - dann ist das einfach das Beste, was passieren kann.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Ich liebe den gut durchdachten Plot, die rasante Handlung, die explosionsartig auftauchenden Twists, die noch vielschichtigeren Charaktere und auch die kraftvollen Wahrheiten, die C. E. Bernard in ihre Geschichte packt. Am Ende war ich entsetzt, fasziniert, mega aufgeputscht und super traurig darüber, dass es vorbei war. Und nach diesem ebenso sensationellen und passenden wie aber auch ein bisschen frustrierenden Ende will ich mehr. Mehr, mehr, mehr!

Mein Fazit
Rea plagt die Hautgier - ich habe nach dem dritten Band mit der "Palace of Fire"-Gier zu kämpfen. Ich will mehr lesen, mehr erleben, mehr sehen. Auch wenn C. E. Bernard die Geschichte um Rea und Robin zu einem fulminanten Ende bringt, das mich auf ganzer Linie überzeugt und mich unglaublich mitgenommen hat, will ich einfach nicht aufhören. Es kann einfach nicht zu Ende sein! Ich bin restlos begeistert - was für ein wahnsinns Reihenabschluss. Unglaublich!

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Die drei Sonnen

Cixin Liu , Martina Hasse
Flexibler Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.12.2016
ISBN 9783453317161
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Aus eigenem Antrieb hätte ich vermutlich nicht zu Cixin Lius Erfolgsroman "Die Drei Sonnen" gegriffen, da ich Geschichten über Außerirdische für mich persönlich irgendwie schwierig finde. Die vielen positiven Stimmen und mein aufkommender Faible für Science Fiction Literatur haben mich aber letztendlich überzeugt und so ist "Die drei Sonnen" bei mir eingezogen. Ich hatte schon gehört, dass Lius Ansatz ein ganz anderer sein soll und war super gespannt auf seine Geschichte um den Planten mit den drei Sonnen. Erwartungsgemäß hatte ich anfangs ein paar Probleme mit den chinesischen Namen (ja, auch das war Neuland für mich) und ich konnte auch die Geschehnisse um die Kulturrevolution in China nur schwer einordnen, nach etwa 50 Seiten hatte ich mich aber einigermaßen reingefitzt. Einen langen Atem braucht man anfangs trotzdem - ohne den Klappentext hätte ich mit dem Kontakt zu Außerirdischen vermutlich nicht gerechnet.

Die Handlung baut sich sehr langsam auf - Liu liefert unheimlich viel Input, stopft gefühlt alles an Background-Infos in die Geschichte, was möglich ist, und hat zumindest mich damit über weite Strecken überfordert. Ich habe maximal Grundkenntnisse in Physik und ich bin sicher alles andere als ein Wissenschafts-Geek. Das muss man aber definitiv sein, um sich für alles, was Cixin Liu erzählt, zu interessieren und es vor allem ansatzweise zu verstehen. Er vermittelt all das physikalische und historische Wissen leider auf derart trockene Weise, dass man eigentlich fast durchgehend das Gefühl hat, eine wissenschaftliche Abhandlung zu lesen. Und damit bin ich als Gelegenheits-SciFi-Leser eigentlich raus. Ich habe trotzdem weitergelesen, denn die Grundstory hatte einiges, was ich super spannend fand und was mich zum Nachdenken angeregt hat.

Das ist zum Beispiel der Zeitraum, in dem die Geschichte spielt: Cixin Liu lässt seinen Science Fiction Roman nicht etwa 100 Jahre in der Zukunft spielen. Ihren Anfang nimmt die Story in den 1960er und 1970er Jahren in China, zu einer Zeit, in der die Kulturrevolution das Land überrollte und die Wissenschaft sozusagen völlig neu definiert wurde. Und zu einer Zeit, in der das All eine immer größere Faszination auf die Menschen ausübte und die ersten Expeditionen in den Weltraum stattfanden. Auf mich wirkte es so, als würde Cixin Liu ein Gedankenexperiment durchspielen: Wie hätte sich die Menschheit weiterentwickelt, wenn damals, als es ähnliche Abhör- und Sendestationen wie rotes Ufer zweifelsohne gegeben hat, tatsächlich Kontakt zu außerirdischem Leben hergestellt worden wäre? Eine Frage, die ich ziemlich spannend finde und die Cixin Liu in seinem Roman auf sehr erschütterende und fesselnde Art und Weise beantwortet.

Auch die Idee, wie die Menschen mit den Außerirdischen in Kontakt treten, was diese über sich preisgeben und wie das alles mit dem skurrilen Computerspiel Three Body zusammenhängt, hat mich ziemlich beeindruckt. Cixin Liu hat mir hier jede Menge Stoff zum Nachdenken gegeben - über die Kultur und die Lebensbedingungen der Trisolarier und über den Umgang der Menschen mit ihrer Entdeckung. Der Kern der Geschichte hat mich also schon absolut gefesselt und fasziniert, vor allem weil er so clever ausgedacht und gesellschaftskritisch ist. Liu sagt zwar selbst, dass er in "Die drei Sonnen" keine Gesellschaftskritik übt, aber für mich ist das ziemlich eindeutig. Und vor allem mit einem scharfen Blick und einer Raffinesse gemacht, die mich einfach absolut überzeugen.

Für mich hat "Die drei Sonnen" also eigentlich wirklich das Zeug zu einem echten Knüller. Doch trotzdem ich Liu für seinen Einfalllsreichtum und seine Raffinesse bewundere, las sich das Buch insgesamt richtig zäh. Das liegt zum einen eben an Lius Stil, der mir schlicht und ergreifend zu wissenschaftlich ist. Übrigens habe ich in einer anderen Rezension gelesen (und auch mein Freund hat das gesagt, wenn ich mit ihm über das Buch gesprochen habe), dass einiges, was Liu in seinen Roman einfließen lässt, nicht wissenschaftlich fundiert ist, sondern die physikalischen Gesetzmäßigkeiten gewissermaßen aushebelt. Ich selbst kann das überhaupt nicht beurteilen, denn für mich gab es auf jeder Seite gleich einen ganzen Batzen böhmischer Dörfer, aber ich denke eben, dass der Kern der Geschichte jene Kritik an der Menschheit und ihrem Umgang mit dem Planeten Erde ist. Umso unnötiger und aufgeblähter wirkten die vielen, trocken theoretischen Passagen über Protonen, Nanomaterial etc. auf mich. Zum anderen haben mich letztlich auch die Charaktere nicht packen können, weil sie durchgehend blass und oberflächlich bleiben. Sie haben ihre festen Rollen und bewegen sich ausschließlich in den Grenzen, die Liu zuvor sorgfältig abgesteckt hat - so zumindest mein Eindruck. Vor allem Wang Miao, die Hauptfigur im zweiten Teil, hat mich mit seiner Passivität ermüdet und wenig unterhalten. Es gibt so gut wie keine Überraschungen und auch der Twist, den ich mir gegen Ende so sehr gewünscht habe und den die Geschichte meiner Meinung nach so dringend gebraucht hätte, kam letztendlich nicht. Was mich ein bisschen ratlos zurückgelassen hat, denn ich kann mir wirklich überhaupt gar nicht vorstellen, wie Liu diese insgesamt doch sehr träge und sich so langsam aufbauende Geschichte fortsetzen will. Ich bin zwar neugierig, habe aber die Befürchtung, dass mich die Fortsetzung ebenso wenig überraschen wird wie der Auftakt der Trilogie.

Mein Fazit
Es tut mir ja fast ein bisschen leid, dass ich mich all den begeisterten Stimmen zu "Die drei Sonnen" nicht anschließen kann. Aber der extrem theoretische und trockene Schreibstil, die unzähligen Wissenschafts-Infos, die die Geschichte unnötig aufblähen, die sich sehr langsam aufbauende Handlung und die zu schablonenhaften Charaktere haben bei mir über weite Strecken leider keine Spannung aufkommen lassen. Beschäftigt hat mich die Handlung schon und ich bewundere Lius Ideenreichtum und sein feines Gespür für Gesellschaftskritik. Wie er das Ganze verpackt hat, konnte mich aber letztendlich so gar nicht begeistern.

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Tags: 1960er jahre, aliens, all, ausserirdische, china, kulturrevolution, science fiction, weltraum   (8)
 

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Die kleine Inselbuchhandlung

Janne Mommsen
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 27.03.2018
ISBN 9783499291548
Genre: Liebesromane

Rezension:

Leichte Sommergeschichten gehen bei diesem Wetter immer - auch bei mir, denn nichts lässt einen besser in der Sonne entspannen und von Urlaub träumen. Janne Mommsens Roman "Die kleine Inselbuchhandlung" ist quasi dafür gemacht: Man nehme ein traumhaftes Setting inklusive romantischer Insel-Idylle, eine vielversprechende Liebelei und ein gut gehütetes Geheimnis - heraus kommt eine locker luftige Sommergeschichte, die sich wunderbar weg liest und dabei gut unterhält. Janne Mommsen setzt einfach von Anfang an auf Atmosphäre. Die abgelegene Nordseeinsel bietet den perfekten Platz zum Lesen, Entspannen und Träumen und ist für die Protagonistin Greta das komplette Gegenteil zu ihrem hektischen und ereignisreichen Leben als Flugbegleiterin.

Janne Mommsen fängt sehr schön ein, dass die Zeit auf der Insel mitten im Meer viel langsamer läuft. Dass die Insulaner mit ihren liebenswerten Eigenarten einfach herrlich schrullig, vor allem aber loyal und besonders sind. Und man nimmt Greta ab, dass sie sich direkt wieder in diesen Ort und seine Bewohner und in die Idee, hier eine Buchhandlung zu eröffnen, verliebt. Man verliebt sich selbst ein bisschen in all die außergewöhnlichen Charaktere, das Urlaubsfeeling und den Gedanken, einfach irgendwo unbeschwert lesen und leben zu können. Die perfekte Atmosphäre also für einen echten Sommerroman.

Natürlich habe ich keinen besonders ausgeklügelten Plot erwartet - "Die kleine Inselbuchhandlung" bietet einem einfach genau das, was man erwartet. Seichte, unbeschwerte Unterhaltung ohne große Überraschungen, dafür aber mit viel Gefühl und Atmosphäre. Zum Runterkommen nach der Arbeit hat das für mich perfekt funktioniert, trotzdem kam mir die Geschichte stellenweise einfach zu plump und vorhersehbar daher. Dass Greta von heute auf morgen ihr ganzes Lben umschmeißt und sich entgegen aller Vernunft auf der Insel niederlassen will, kann man ja so noch glauben, denn solche Menschen gibt es nun mal (ich bewundere sie übrigens, denn wie schwer ist es, aus dem Alltagstrott auszubrechen und genau das zu machen, was man tun will). Die Liebelei mit Florian und die ganze Story um Claas haben mir aber ein bisschen die Lust am Lesen genommen. Ja natürlich, da muss eine Liebesgeschichte rein, aber muss das denn unbedingt auf derart stereotype und langweilige Art und Weise sein? Das ganze Tamtam erschien mir einfach unnötig, da habe ich mich lieber auf die Bücher in Tante Hilles Wintergarten konzentriert.

Auch das Geheimnis, auf das Greta in einem der Bücher stößt, wirkte einfach in die Geschichte hineingesetzt und wenig originell. Man hat sich da während des Lesens sonst etwas zusammengesponnen und dann kommt am Ende so etwas dabei heraus. Ich verrate natürlich nichts, aber in meinen Augen war das alles zu banal, um ernst genommen zu werden. Es gibt auch keine spannende Rätselsuche, wie man das aus anderen Romanen kennt - das Ganze löst sich quasi von selbst und am Ende praktisch Knall auf Fall. Greta steht, so habe ich es zumindest empfunden, ein bisschen bedröppelt daneben und weiß dazu dann auch nicht mehr viel zu sagen. Ja, nein, das fand ich schlicht und ergreifend nicht gut gemacht. Und auch der Schreibstil hat mich insgesamt nicht so richtig überzeugt, auch wenn Janne Mommsen durch viele plattdeutsche Wendungen Authentizität erzeugt, ist mir sein Stil zu schlicht und simpel. Aber genau das passt ja wiederum zur seichten Sommerlektüre, weswegen es für mich am Ende in Ordnung geht.

Mein Fazit
"Die kleine Inselbuchhandlung" ist ohne Zweifel die perfekte Sommerlektüre für träge Tage am Strand und bringt diesbezüglich alles mit, was man braucht: Ein traumhaftes Setting, schrullige Charaktere, eine kleine Romanze und ein gut gehütetes Geheimnis. Die Geschichte bietet seichte, lockerleichte Unterhaltung, man darf aber definitiv keine großen Würfe erwarten. Vieles wirkte auf mich zu weit hergeholt und plump, die Liebesgeschichte nach Schema F hätte ich nicht gebraucht und der Schreibstil war insgesamt auch nicht meins. Nichtsdestotrotz: Es hat Spaß gemacht und für zwischendurch ist das Buch einfach ideal.

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Tags: bücher, buchhandlung, geheimnis, insel, liebe, nordsee, romantik, romanze, sommer, verlieben   (10)
 

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God's Kitchen

Margit Ruile
Flexibler Einband
Erschienen bei Loewe, 12.03.2018
ISBN 9783785584477
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"God´s Kitchen" ist ein Roman, auf den ich am Loewe Verlagsstand auf der Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden bin und der vor allem aufgrund der Thematik mein Interesse geweckt hat. Das Ganze ist zwar natürlich ein Jugendbuch, ausgeklügelte oder tief philosophische Science Fiction darf man daher sicher nicht erwarten, trotzdem war ich einfach gespannt darauf, wie Margit Ruile die so brandaktuelle Thematik künstliche Intelligenz in ihrem Roman aufbereitet. Und hier gab es wirklich einige sehr faszinierende Ansätze, die mich schnell in ihren Bann gezogen haben. Allen voran das Wesen des Roboters Chi, das im Verlauf der Handlung mehr und mehr außer Kontrolle gerät und zur echten Bedrohung wird.

Auch wie Chi, dieses süße, harmlose Mädchen, dargestellt ist, jagt einem einen Schauer über den Rücken. Margit Ruile hat einen Roboter entworfen, der einerseits so angepasst und menschlich, andererseits aber auch so abnormal und bedrohlich wirkt. Diese Gegensätzlichkeit, das Für und Wieder, zeigt sich durch Chis Darstellung wirklich sehr gut. In "God´s Kitchen" spielen die Wissenschaftler, wie es ja schon der Titel andeutet, Gott und entwerfen den perfekten Menschen, dessen Aufgabe darin besteht, andere Menschen einzuschätzen, zu entscheiden, was aus ihnen werden wird und wie sie sich entwickeln. Nur dass Chi eben kein Mensch ist, sondern eine künstliche Intelligenz, die die Wissenschaftler immer weiter und weiter füttern, bis sie sich schließlich über sie erhebt und ein gruseliges Eigenleben entwickelt. Eine Story, die mich ebenso fasziniert wie abgeschreckt hat.

Der Kern der Geschichte stimmt also. Was mich hingegen nicht ganz so überzeugen konnte, ist der Rahmen. Das fängt bei der Protagonistin Celine an, einer Psychologiestudentin, die wie zufällig in dieses Projekt hineingerät und die ihrerseits über eine besondere Gabe verfügt. Denn Celine ist hellsichtig (heißt: sie kann gewissermaßen in die Zukunft blicken) und es drängt sich von Anfang an das Gefühl auf, dass diese Fähigkeit etwas mit ihrem Praktikum in God´s Kitchen zu tun hat. Ja, nun. Ich weiß nicht, warum es Celines Hellseherei gebraucht hat. Ich habe dieses Handlungselement irgendwie als sehr störend und überflüssig empfunden, als in die Geschichte hineingepresst. Auch teilweise als Lösung, wenn die Handlung drohte ins Stocken zu geraten. Überzeugt hat mich die in die Zukunft blickende Celine daher nicht wirklich. Auch ihren Charakter bekam ich bis zum Ende nicht zu fassen - ich habe das Gefühl, dass ich immer noch nicht weiß, wer Celine ist (abgesehen natürlich von ihren Visionen, die kenne ich mittlerweile in- und auswendig). Ich hätte dann doch lieber mehr über die echte Celine und vor allem über Chi und die Wissenschaftler, die an ihr arbeiten, erfahren wollen.

Denn die Infos sind insgesamt sehr spärlich. Wie bereits erwähnt, ist "God´s Kitchen" ein Jugendroman - allzu komplex und wissenschaftlich darf der Plot daher vermutlich nicht sein, das kann ich auch gut nachvollziehen. Allerdings kann man der Jugend, finde ich, doch zumindest etwas mehr zutrauen. Mir wirkte das Projekt Chi zu losgelöst, hier und da zu konstruiert. Es fehlen einfach Informationen, die es zu mehr gemacht hätten. Und leider sackte auch die Spannung ab der Mitte gehörig ab - wie Celine mit Chis Übermacht umgeht, wie sie auf des Rätsels Lösung kommt... puh, nein, das war mir zu plump. Ich dachte beim Lesen wirklich: Echt jetzt, das wars? Erst wird mit der künstlichen Intelligenz über viele, viele Seiten hinweg eine grauenvolle Gefahr aufgebaut und dann, bähm, das ist die Lösung? Ich habe mich da am Ende leider wirklich etwas veralbert gefühlt. Nichtsdestotrotz hat Margit Ruile wie gesagt viele interessante und spannende Elemente in ihre Geschichte eingebaut, die mich zum Nachdenken angeregt haben und die uns zeigen, wie unsere Zukunft möglicherweise aussehen könnte. Nur die Umsetzung, das ganze Drumherum hat leider nicht meinen Geschmack getroffen.

Mein Fazit
Margit Ruiles "God´s Kitchen" ist so ein Buch, das ich mit sehr gemischten Gefühlen beendet habe. Einerseits haben mir ihre Ideen und vor allem die Darstellung der künstlichen Intelligenz Chi und ihrer Tücken unheimlich gut gefallen. Andererseits mochte ich dieses übersinnliche Element um Celines Gabe und auch die Auflösung am Ende so gar nicht. Für mich kein spektakuläres Jugendbuch, auch wenn vieles darin den Ton der Zeit trifft.

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Tags: jugendbuch, ki, künstliche intelligenz, roboter, zukunft, zukunftsvision   (6)
 

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comic, detektiv, detektivgeschichte, dr. watson, graphic novel, james moriarty, john watson, reichenbachfall, sherlock holmes

Dr. Watson

Stéphane Betbeder , Darko Perovic
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 22.02.2018
ISBN 9783958394537
Genre: Comics

Rezension:

Es ist kein Geheimnis: Ich verehre "Sherlock Holmes" und natürlich auch seinen Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle und deshalb kenne ich schon eine ganze Reihe an Adaptionen und Pastiches. Betbeders und Perovics Graphic Novel versprach aber einmal etwas völlig Neues und super Interessantes, denn in ihrer Geschichte ist nicht Sherlock Holmes die Hauptfigur, sondern sein treuer Kompagnon Dr. Watson. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Geschichte spielt, hat direkt mein Interesse geweckt: Wir treffen Watson wenige Monate nach Sherlock Holmes´ vermeintlichem Tod am Reichenbachfall in London. Wer den Kanon oder auch die grandiose BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman kennt, weiß (und das gilt hoffentlich nicht als SPOILER - ansonsten bitte ab dem nächsten Abschnitt weiterlesen), dass Sherlock Holmes am Reichenbachfall nicht in den Tod gestürzt ist und einige Zeit später wieder in London auftaucht, um gewohnt genial zu ermitteln. Gerade deshalb war ich gespannt darauf, was Stéphane Betbeder als Autor der Geschichte aus diesem Ausgangspunkt machen würde - würde sein Sherlock Holmes wie bei Doyle zurückkehren?

Relativ schnell wird aber klar, dass Betbeder sich nur sehr bedingt bei Doyle bedient hat, denn mit seiner Geschichte schlägt er einen völlig anderen Weg ein. Das beginnt wie gesagt schon mit Dr. Watson als Hauptfigur. Auf ihm liegt in "Dr. Watson" der Fokus - es geht um seine Erlebnisse und darum, wie schwer ihn der Tod seines engen Freundes getroffen hat. Ein ziemlich spannender Blickwinkel, der einem die Figur des Dr. Watson näherbringt und einfach zur Abwechslung mal das Umfeld von Sherlock Holmes beleuchtet anstatt seine Person. Mir hat diese Herangehensweise wirklich gut gefallen, weil sie zeigt, dass auch Watson neben seiner Menschlichkeit und seinem medizinischen Wissen durchaus seine Qualitäten hat. Und ohne Holmes an seiner Seite kann er diese uneingeschränkt entfalten.

Die Handlung punktet mit einigen unerwarteten Wendungen und vor allem mit Details zu Dr. Watsons Leben vor Sherlock Holmes, die man aus Doyles Erzählungen einfach so nicht kennt. Hier und da empfand ich den Plot zwar als ziemlich wirr und über das Ende, das mich glattweg umgehauen hat, kann man sich sicherlich streiten, aber im Großen und Ganzen ist es wirklich faszinierend, was Betbeder da aus Sherlock Holmes´ Sidekick herausgeholt hat. Und wie er die Beziehung zwischen Holmes und Watson, zu der es ja mittlerweile auch seitenlange Abhandlungen gibt, interpretiert hat. Das war mal etwas wirklich Neues und Innovatives und das hatte ich so definitiv nicht erwartet.

Den Unterhaltungswert der Geschichte heben Perovics Zeichnungen zusätzlich auf ein ziemlich hohes Level. Sein Watson ist mir zugegebenermaßen als etwas zu alt und klapprig dargestellt, wenn man bedenkt, dass er nach Doyle im Jahr 1891 Ende 30 oder Anfang 40 sein müsste. Allerdings wurden sowohl Holmes als auch Watson in vielen Verfilmungen und Adaptionen deutlich älter dargestellt (ein Grund, weshalb ich die BBC-Serie "Sherlock" und die Darsteller so fantastisch finde), sodass Perovic vermutlich nur der Tradition folgt. Watson als alter Mann gefällt mir insgesamt einfach nicht so gut, weil es seine Figur so sehr zum Stereotyp verkommen lässt. Ansonsten haben mir Perovics Comic Strips aber unheimlich gut gefallen: Seine Zeichnungen sind kraftvoll und detailreich, die düstere Atmosphäre des viktorianischen London geradezu spür- und greifbar und auch die Teile, die in Afghanistan spielen, haben mich absolut überzeugt. Betbeders Text und Perovics Zeichnungen bilden eine Einheit, die hypnotisiert und gefangen nimmt. Alles in allem also eine richtig gut umgesetzte und sehr unterhaltsame Graphic Novel.

Mein Fazit
Was für eine coole Geschichte hat Stéphane Betbeder da um Holmes´ Sidekick John Watson herum gebastelt! "Dr. Watson" strotzt nur so vor interessanten und innovativen Ideen und die Geschichte geht in eine Richtung, die ich so absolut nicht erwartet habe. Auch wenn mir Perovics Watson nicht ganz so gut gefällt und der Plot hier und da ein paar kleinere Schwachstellen hat, bin ich insgesamt wirklich begeistert von dieser Graphic Novel. Das ist Unterhaltung auf hohem Niveau!

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Love, Simon (Filmausgabe)

Becky Albertalli , Ingo Herzke
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 31.05.2018
ISBN 9783551317520
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Auf den Film "Love, Simon" freue ich mich schon seit einer ganzen Weile und als ich in Salzburg über die Romanvorlage stolperte, hatte ich große Lust, vorher noch schnell das Buch zu lesen. Gesagt, getan. Ich muss aber leider sagen, dass "Love, Simon" eines dieser Bücher ist, in das ich sehr schwer hineingekommen bin. Rückblickend gefällt mir Becky Albertallis unvermittelter und ziemlich plötzlicher Einstieg zwar richtig gut, am Anfang hatte ich aber gar keinen Draht zu den Figuren und der Geschichte. Bei einigen ist das sogar bis zum Ende so geblieben. Aber der Reihe nach:

Die Geschichte selbst empfinde ich persönlich nicht als so revulotionär wie man das in letzter Zeit häufig hört. Aber das liegt vermutlich einfach daran, dass Homoesexualität für mich eine Selbstverständlichkeit ist. Als Jugendbuch jedoch trifft "Love, Simon" voll ins Schwarze, denn es enttabuisiert ein Thema, das einfach wahnsinnig aktuell ist und es spricht sicher vielen Teenagern aus dem Herzen. Ganz ehrlich: Liebesgeschichten sind im Genre Young Adult an der Tagesordnung und Liebesgeschichten zwischen zwei Jungs oder zwei Mädchen sollten nichts erfrischend Anderes oder gar etwas Außergewöhnliches sein. Und dafür ebnet Becky Albertalli, wie ich finde, den Weg, denn mir gefällt es sehr gut, dass sie die Geschichte von Simon und Blue mit einer lässigen Selbstverständlichkeit erzählt. Dass sie ihre Charaktere zwar Schwierigkeiten damit haben lässt, sich anderen zu öffnen, sie aber nicht an ihrer Identität und an ihrer Sexualität zweifeln lässt.

Blue und Simon verhalten sich einfach wie zwei ganz normale, verliebte und ein bisschen schüchterne Teenager - und genau das sind sie ja auch. Natürlich sind sie verwirrt, natürlich scheuen sie sich davor, mit ihren Eltern und ihren Freunden über ihre Gefühle zu reden. Aber welcher Jugendliche tut das nicht? Genau diese Selbstverständlichkeit meine ich. Ich finde sie großartig und das macht die Geschichte irgendwie normal besonders oder besonders normal. Die Handlung ist dabei typisch Jugendroman, hält nicht unbedingt große Überraschungen oder Plot Twists bereit, aber sie tut im Großen und Ganzen, was sie soll.

Mein Problem bei diesem Buch sind allerdings die Charaktere. Simon und auch Blue bin ich im Lauf der Geschichte durchaus nähergekommen und ich habe das gegenseitige, vorsichtige Abtasten der beiden vor allem gegen Ende begeistert verfolgt. Die zwei sind so unglaublich süß und man kommt nicht umhin, sich darüber zu freuen, dass sie sich gefunden haben. Irgendwie aber wirkt Simon merkwürdig losgelöst von seinem Umfeld. Eigentlich spielen seine drei besten Freunde Nick, Abby und Leah und auch seine Eltern und Schwestern eine wichtige Rolle, aber durch die Bank weg bleiben sie blass und oberflächlich. Ich habe am Ende nicht das Gefühl, eine dieser Figuren auch nur ansatzweise gut zu kennen. Das mag daran liegen, dass Simon selbst, aus dessen Perspektive die Geschichte ja erzählt wird, sich eingesteht, dass er nicht alles über seine Freunde weiß und vielleicht hin und wieder zu wenig Interesse an ihren Leben gezeigt hat. Und trotzdem hat es das für mich unheimlich schwer gemacht, die Geschichte von vorne bis hinten zu mögen. Dass sich alles nur um Simon dreht, steht für mich im krassen Gegensatz zu der zuvor erwähnten Selbstverständlichkeit. Irgendwie geht das für mich ganz schwer zusammen.

Und dann gibt es noch einen Charakter, den ich dermaßen weit hergeholt fand, dass das für mich sogar ein bisschen die Geschichte kaputt gemacht hat: Der Junge, der durch Zufall auf eine von Simons E-Mails stößt und ihm dann das Leben schwer macht. Ich finde es zwar gut, dass Albertalli Mobbing und Vorurteile gegen Homosexuelle thematisiert, wie sie es tut, gefällt mir allerdings nicht so ganz. Erst haben wir da einen "Erpresser", der sich Simons Geheimnis zunutze macht, gleichzeitig aber auch als Freund an seiner Seite steht, bis das Ganze eskaliert. Und dann kommt am Ende der bis in den Himmel erhobene Zeigefinger und eben jener Erpresser macht eine Kehrtwende, die ich ihm so absolut nicht abgekauft habe. Ihr seht schon, ich versuche vage zu bleiben und nichts zur Handlung zu verraten, aber das musste ich einfach noch ansprechen. Denn am Ende wirkt die Entwicklung dieser speziellen Figur einfach zu gewollt und gepresst. In Sachen Charaktere bin ich mit "Love, Simon" einfach insgesamt nicht so richtig zufrieden, obwohl die Liebesgeschichte wirklich süß ist und ich viele Aspekte an dieser Geschichte wie gesagt großartig finde.

Mein Fazit
Was ich an "Love, Simon" großartig finde: Die Selbstverständlichkeit und die Leichtigkeit, mit der Albertalli die Liebesgeschichte zwischen Blue und Simon erzählt. Die Message, die dahinter steht: Nämlich, dass Homosexualität etwas vollkommen Normales und ganz bestimmt kein Grund ist, sich selbst zu hinterfragen oder sich gar zu schämen. Und diese so unglaublich süße und unschuldige Liebe, die Simon und Blue füreinander empfinden. Hach. Was ich hingegen nicht so mochte: Die ziemlich blassen Nebencharaktere, die teilweise nur um Simon zu kreisen scheinen. Und die Charakterentwicklung einer ganz bestimmten Figur, die auf mich am Ende zu erzwungen wirkte. Ich freue mich trotzdem immer noch auf die Verfilmung und finde, dass dieses Jugendbuch zumindest in seiner Selbstverständlichkeit ganz toll geschrieben ist!

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Tags: erste liebe, erwachsenwerden, homosexualität, homosexuell, jugendbuch, jugendliebe, jugendroman, schwul, sexualität, teenager, young adult   (11)
 

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Nicht weg und nicht da

Anne Freytag , Martina Vogl
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Heyne, 19.03.2018
ISBN 9783453271593
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mit *Den Mund voll ungesagter Dinge* hat sich Anne Freytag direkt in mein Herz geschrieben und für mich stand fest: Alles, was diese Autorin schreibt, werde ich ab jetzt inhalieren. Das liegt in erster Linie daran, dass Anne Freytag sehr modern und jugendlich, aber auch sehr explizit, erfrischend und einfach authentisch schreibt. Es gelingt ihr großartig, den Fokus auf ihre Charaktere zu legen, ihnen Raum zu geben und sie mit dem Leser zu verbinden. Das hat mich bei "Den Mund voll ungesagter Dinge" schon umgehauen und genauso habe ich es wieder bei "Nicht weg und nicht da" empfunden. Dieses Buch ist stiller, ruhiger, melancholischer und irgendwie in sich gekehrter, es ist dabei aber auch so unglaublich stark und kraftvoll. Ich sage euch direkt vornweg: Diese Geschichte hat es in sich.

Und das liegt in erster Linie an den starken Protagonisten - Luise und Jacob. Luise findet nach dem tragischen Selbstmord ihres Bruders nur schwer ins Leben zurück und ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass sie sich selbst nicht mehr kennt (oder kennen will) und dass sie mit Kristophers Tod ein großes Stück von sich selbst verloren hat. Was mir aber von Anfang an wahnsinnig imponiert hat: Luise wirkt in ihrer Verletzlichkeit und ihrer Verzweiflung unglaublich selbstbewusst - das mag natürlich zum großen Teil ihre Rüstung sein, aber man kann schon ziemlich früh erahnen, was für eine starke Entwicklung Luise im Lauf der Geschichte durchmachen wird. Und Schuld daran sind zwei Menschen: Kristopher und Jacob. Während Jacob, der sich irgendwie vom ersten Moment an zu Luise hingezogen fühlt und sich seine Faszination für dieses stille, in sich gekehrte Mädchen selbst nicht erklären kann, tatsächlich da ist und sie genau dann unterstützt, wenn sie niemanden mehr an sich heran lässt und sich am liebsten vor der ganzen Welt verstecken will, ist Kristopher die ganze Zeit über präsent, obwohl er tot ist.

Ein bisschen erinnert diese Idee an Jay Ashers "Tote Mädchen lügen nicht" (und tatsächlich gibt es im Buch mehrere Anspielungen auf die gleichnamige Netflix-Serie, die ich übrigens unfassbar gut finde - im Gegensatz zur Romanvorlage) - Hannah Bakers Selbstmord und ihre Kassetten haben Anne Freytag also möglicherweise und ganz vielleicht zu ihrer Geschichte inspiriert. Aber sie geht ganz anders mit der Thematik um und nähert sich ihr auf völlig andere Art und Weise. Denn Kristopher hat seiner Schwester die Mails nicht in erster Linie hinterlassen, um sich zu rechtfertigen oder ihr seine Entscheidung begreifbar zu machen. Kristopher will nach seinem Tod niemanden zur Rechenschaft ziehen - ihm geht es einzig und allein um Luise und darum, dass sie seinen Tod akzeptiert, ihn verarbeitet und wieder Freude in ihr Leben lässt. Kristopher ist der Auslöser für Luises tiefe Trauer und gleichzeitig steht er ihr bei und hilft ihr dabei, sie zu überwinden. Ein Gedanke, der mich von der ersten Seite an mitgenommen hat und der einerseits wahnsinnig traurig und ergreifend, andererseits aber auch unheimlich schön und voller Hoffnung ist.

"Tote Mädchen lügen nicht" (das Buch) hat viele Leerstellen gelassen, was ich sehr problematisch für einen Jugendroman fand. Bei Anne Freytag gibt es diese Leerstellen nicht - sie gibt Luise die Kraft, sich der Tat ihres Bruders zu stellen - so schmerzhaft es auch ist -, sie lässt sie wütend und verzweifelt sein, lässt sie Kristopher hassen und ihn lieben, ihn verdammen und ihn verstehen. Und genau das macht die Geschichte so echt und mitreißend. Anne Freytag erfasst die Ambivalenz eines Selbstmordes - sie romantisiert ihn nicht, aber sie verteufelt ihn auch nicht. Sie zeigt ungeschönt und auf sehr schmerzliche Weise, welche tragischen Auswirkungen Kristophers Entscheidung auf seine Familie hatte. Was sein Selbstmord aus Luise und ihrer Mutter gemacht hat. Sie zeigt aber auch die andere Seite - denn Kristopher war bipolar und es gelingt Anne Freytag wahnsinnig gut, das ständige Auf und Ab seines Lebens in Worte zu fassen.

Man kann Kristopher tatsächlich auf gewisse Weise verstehen. Man kann aber auch Luise verstehen, die ihr Leben lang zu Gunsten ihres Bruders zurückstecken musste. Die vielleicht nicht die Aufmerksamkeit bekam, die sie gebraucht hätte und die früh lernte, ihren älteren Bruder zu beschützen. Die sich nach seinem Tod leer fühlt, aber ganz tief drinnen vielleicht auch frei und genau das macht das Besondere an dieser Geschichte aus. Kristophers Tod ist nicht schwarz oder weiß, er ist grau. Und er ist irgendwie zugleich hoffnungsvoll und tragisch. Luises Umgang mit diesem unglaublichen Verlust steht ganz klar im Fokus, bewegt hat mich aber auch die Reaktion ihrer Mutter, von der Luise sich nach und nach vernachlässigt und unverstanden fühlt. Luise lebt mit dem Geist ihres Bruders und seine Mails sowie auch Jacob, der ihr zu einem Zeitpunkt eine Stütze ist, in dem sie sie am meisten braucht, helfen ihr dabei, ihn gehen zu lassen.

All die Themen, die Anne Freytag in "Nicht weg und nicht da" behandelt, wiegen schwer und gehen beim Lesen unter die Haut - Selbstmord, Depressionen, der Tod eines Bruders und eines Kindes, der Umgang mit Trauer. Anne Freytag geht diese Themen auf gleichermaßen offene und feinfühlige Art und Weise an und sie schafft es, dass man trotz all der Melancholie immer wieder aufatmet. Sich über jeden kleinen Schritt, den Luise zurück in ein glückliches Leben macht, unheimlich freut. Und dass man sich einlässt auf Luise und Jacob - zwei Menschen, die sich in einer Zeit finden, in der sie einander mehr als alles andere brauchen. Ich bin einfach nur hingerissen von der Tragweite dieser Geschichte und all die Gefühle, die beim Lesen auf mich eingestürmt sind, haben mich teilweise mürbe gemacht und fast niedergedrückt. Aber nur fast: Denn die Geschichte gibt so viel Mut und Hoffnung und am Ende steht die pure Freude am Leben. Danke, danke, danke für dieses grandiose Buch!

Mein Fazit
Ich habe eigentlich nichts anderes erwartet: "Nicht weg und nicht da" ist das zweite Buch von Anne Freytag, das mich komplett umgehauen, mich in meine Einzelteile zerlegt und dann wieder zusammengesetzt hat. Ich bewundere vor allem ihren genialen Schreibstil und ich liebe ihre vielschichtigen Charaktere und ich empfinde einfach bei jedem einzelnen Wort mit. Ich kann es nicht anders sagen: "Nicht weg und nicht da" ist für mich eines der besten Jugendbücher, die ich je gelesen habe!

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Tags: depressionen, liebe, selbstmord, tod, tod des bruders, trauer, verlieben   (7)
 

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Das Mädchen, das in der Metro las

Christine Féret-Fleury , Sylvia Spatz
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 27.06.2018
ISBN 9783832198862
Genre: Romane

Rezension:

Im Rahmen der Aktion #meinLesemoment vom Dumont Verlag durfte ich mich über zwei Exemplare des wirklich hübschen Büchleins "Das Mädchen, das in der Metro las" freuen (was mit dem zweiten Exemplar passiert, erfahrt ihr später!). Und ich war gleich beim Auspacken richtig begeistert, denn optisch ist der Roman ein echtes Highlight - neben dem tollen Umschlag-Design und dem schicken Lesebändchen punktet die Sonderausgabe nämlich mit mehreren, wirklich hübsch gestalteten Seiten, auf denen man sich Notizen zu seinen Herzensbüchern machen kann. Dieser Rahmen macht die Geschichte einfach noch einmal um einiges interessanter und liefert den perfekten Einstieg ins Geschehen, was gewissermaßen etwas Besonderes ist, denn nur selten gehen die Gestaltung und die Geschichte derart Hand in Hand wie bei "Das Mädchen, das in der Metro las".

Zeit, einen Blick hinter die Kulisse zu werfen, denn viel wichtiger als Cover und Lesebändchen sind natürlich die inneren Werte des Buches. Und die haben mir bereits auf den ersten Blick unheimlich gut gefallen, denn um ihre Protagonistin Juliette baut Christine Féret-Fleury ein sehr zartes, aber gleichzeitig starkes Gerüst aus Büchern, das die Geschichte ähnlich der Zeichnungen auf dem Cover einrahmt und sie so interessant und spannend für Bücherliebhaber wie mich macht. Ich meine damit den Grundgedanken, wenn nicht sogar das Leitmotiv von Féret-Fleurys Geschichte: Dass ein einziges Buch, wenn es denn das richtige ist, das Leben eines Menschen von grundauf verändern kann. Ihm eine neue Richtung, einen neuen Sinn geben und den Menschen am Ende glücklich machen kann. Dieser Gedanke hat mich so verzaubert und gefangen genommen, dass ich eigentlich sofort drinnen war in dieser sehr süßen und sehr poetisch erzählten Geschichte.

Es hat mir wahnsinnig gut gefallen, dass Juliettes Alltag zu Beginn als eher grau, ereignislos und austauschbar geschildert wird. Féret-Fleury arbeitet hier viel mit Bildern - die eklig gelbe Wand mit Aktenordnern in Juliettes Büro, die ihren tristen Arbeitstag und ihr eigentlich tristes Leben versinnbildlicht. Paris im nassen Februar-Grau, das genauso trist wirkt wie die Bürowand und einfach keinerlei Reiz hat. Féret-Fleury hat damit den perfekten Ausgangspunkt, die perfekte Stimmung geschaffen, denn sobald Juliette auf Soliman und seine Bücher trifft, fühlt sich das beim Lesen an wie Frühling. Man spürt, wie alles auf einmal Farbe bekommt, wie die Wolken sich verziehen und das plötzliche Licht Juliette eine Energie gibt, die ihr vorher gefehlt hat. Okay, das klang jetzt sehr kitschig - aber genauso hat es sich beim Lesen für mich angefühlt und genau das zeigt, wie unfassbar gut Féret-Fleury ihr Handwerk beherrscht und wie atmosphärisch und zauberhaft ihre Geschichte ist.

Natürlich war ich auch von Solimans Mission absolut begeistert - das richtige Buch für den richtigen Menschen finden und ihm damit die Kraft geben, sein Leben zu ändern und glücklich zu sein. Dieser Gedanke ist fast schon mythisch, denn sehnen wir uns nicht insgeheim alle nach dem richtigen Buch? Dem Anstoß, der den Stein ins Rollen bringt und uns neue Wege aufzeigt - frei nach dem Motto "Raus aus dem Grau und rein ins Leben"? Bei mir jedenfalls ist das so und deshalb war ich die ganze Zeit ganz nah dran an Juliette und den anderen Figuren in der Geschichte, denen ein einziges Buch ein neues Leben schenkt. Das, was hier zwischen den Zeilen steht, hat jedenfalls eine enorme Kraft und ist dabei wundervoll träumerisch und zart.

Die Geschichte selbst hat nach meinem Gefühl zum Ende hin etwas an Intensität und Kraft verloren - wo Juliettes trister Alltag und dieses Zwischenstadium hin zu einem glücklicheren Leben mich komplett vereinnahmt und mitgenommen haben, gelang das dem sozusagen dritten Teil der Geschichte, in dem Juliette nach ihrer Begegnung mit Soliman ihr Leben endlich in die Hand nimmt, nicht so richtig. Ich weiß gar nicht genau, woran das lag. Möglicherweise daran, dass ich mir vielleicht lieber vorgestellt hätte, auf welche Weise genau ein einziges Buch ein Leben ändert und dass mir Féret-Fleury hier zu offenherzig Lösungen aufzeigt, die meiner Meinung nach nicht hundertprozentig zu den Figuren passen. Nichtsdestotrotz ist dieser Roman magisch und kraftvoll und ganz bestimmt ein besonderes Leseerlebnis, dessen Grundidee einen auch nach dem Zuklappen des Büchleins nicht mehr loslässt.

Mein Fazit
Optisch ein Highlight, atmosphärisch der Hammer, über weite Strecken träumerisch und zauberhaft und einfach DAS Buch für Bücherliebhaber: "Das Mädchen, das in der Metro las" spielt in einer ganz eigenen Liga und hat mich mit seiner Bildhaftigkeit, der poetischen Sprache und dem auf so geniale Weise neu definierten Stellenwert des Buches absolut in seinen Bann geschlagen. Die Geschichte selbst hat für mich gegen Ende etwas ihren Reiz verloren, aber das macht das Erlebnis beim Lesen nicht weniger außergewöhnlich und schön. Definitiv ein Buch, für das die Herzen aller Lesen schlagen sollten!

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Tags: buch, bücher, buecher ueber buecher, erzählung, macht der bücher, roman   (6)
 

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Palace of Silk - Die Verräterin

C. E. Bernard , Charlotte Lungstrass-Kapfer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 29.05.2018
ISBN 9783764531973
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit "Palace of Glass", dem Auftakt ihrer Trilogie um die Magdalena Rea, hat C. E. Bernard mich im März wirklich überrascht, denn die Geschichte ist so wunderbar anders, so originell und faszinierend. Ganz besonders angetan haben es mir die doch sehr ungewöhnliche Welt, die Bernard da geschaffen hat, und die einzigartigen Charaktere. Umso mehr habe ich mich auf ein Wiedersehen mit Rea, Blanc, Ninon und Co. in Band 2 gefreut. Seit einigen Tagen ist "Palace of Silk - Die Verräterin" nun auf dem Markt und setzt genau dort an, wo der erste Band endet. Rea ist nach den Ereignissen in London aus Großbritannien geflohen und hofft in Paris auf ein sicheres und freies Leben. Die ersten Tagen sind für sie jedoch ein Kulturschock und C. E. Bernard gelingt es auf eindrucksvolle Weise, dieses Gefühl auf den Leser zu projizieren. Gerade hat man sich an dieses doch sehr skurrile und dabei nicht minder faszinierende London in der Zukunft gewöhnt - an die strengen Dogmen und Regeln, die die Gesellschaft bestimmen, an den viktorianischen Kleidungsstil, an Reas Leben als Ausgestoßene. Im nächsten Moment wird man in ein Paris hineingeworfen, das nicht gegensätzlicher sein könnte.

C. E. Bernard zeichnet ein beinahe magisches, paradiesisches Bild von Paris, macht die Stadt fast schon zum Wahrzeichen der Magdalenen. Hier leben die Menschen selbstbestimmt, frei und glücklich, zeigen nackte Haut, berühren sich, zelebrieren die Liebe und verwirklich sich selbst. Paris ist so anders als London und gewissermaßen Balsam für Reas Seele und auch für die des Lesers. Denn zumindest in der ersten Hälfte des zweiten Bandes fehlt die bedrückende, düstere Stimmung, die man aus Band 1 kennt. Rea scheint aufzublühen und es wirkt, als würde ihr Leben in Paris erst richtig beginnen. Auch hier hat mich C. E. Bernards Detail- und Ideenreichtum wieder begeistert und gefesselt. Sie lässt die bunten Straßen von Paris vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen und zeichnet mit ihren Worten Bilder, die sich zumindest mir regelrecht auf die Netzhaut gebrannt haben. Ich mochte ihre sehr bildhafte und eher gemächliche als rasante Erzählweise einmal mehr sehr gerne, denn sie passt einfach so wunderbar zu dieser Geschichte und wird dem fantastischen Setting und den vielschichtigen Charakteren rundum gerecht.

Denn es sind vor allem die Figuren, die mich in diesem zweiten Band gefesselt haben. C. E. Bernard beschreibt sie auf so lebhafte und plastische Art und Weise, dass man zu jedem Charakter ein ganz konkretes Bild im Kopf hat. Ich habe bisher nur wenige Geschichten gelesen, in denen die Charaktere so viel Raum eingenommen haben (als Beispiele nenne ich hier mal "Harry Potter" und "Das Lied von Eis und Feuer") und ich mag das einfach unheimlich gerne. Man ist nicht nur ganz nah an Rea dran, aus deren Sicht die Geschichte nach wie vor erzählt wird, sondern auch an Blanc, René, dem Comte und Ninon, die ich schon nach Band 1 ins Herz geschlossen hat. Die Charaktere entwickeln sich in "Palace of Silk" weiter, es wird mehr über ihre Vergangenheit und ihr Wesen offenbart und das zu lesen, macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Mit dem französischen Roi und Madame Hiver hat C. E. Bernard außerdem zwei Figuren geschaffen, die so einzigartig sind und so witzig verschroben beziehungsweise subtil gefährlich wirken, dass man beim Lesen vom einen Lacher ins nächste Frösteln verfällt - wirklich sensationell, überragend gut gemacht.

Wie schon gesagt, entwickelt sich die Handlung auch in Band 2 eher gemächlich, was ich aber gar nicht schlimm, sondern sogar ziemlich gut finde, weil man so Zeit hat, genau hinzusehen und all diese neuen Eindrücke, die Paris und der französische Königshof bieten, auf sich wirken zu lassen. Es gibt natürlich auch in "Palace of Silk" wieder einige romantische und dramatische Szenen sowie den ein oder anderen Konflikt, sodass keine Langeweile aufkommt. Allerdings war mir der Handlungsverlauf ein wenig zu nah dran an dem aus Band 1. Was ich in "Palace of Glass" noch innovativ, neu und originell fand, hat in "Palace of Silk" einfach etwas von seinem Glanz verloren. Zum Beispiel, dass ausgerechnet Rea nun wieder an einen Königshof und wieder die Leibwächterin für einen geliebten Menschen geben muss. Und dass es da wieder eine Person gibt, die ihr und ihrem Geheimnis gefährlich nahe kommt. Oder dass sich das Hin und Her zwischen Rea und Robin weiter in die Länge zieht - mit überraschenden Wendungen am Ende zwar, aber für mich stellenweise doch leicht ermüdend. Ich hätte mir da doch mehr Feuer gewünscht, mehr Plot Twists in der Mitte und zwischen Rea und Robin vielleicht auch mehr Wagnis und mehr Leidenschaft. So ganz überzeugt bin ich von dieser Liebe noch immer nicht und auch nicht von Robin, der eigentlich die einzige Figur ist, mit der ich nicht besonders viel anfangen kann. Sein Vater wollte ihn umbringen lassen - mein Gott, da kann er doch jetzt wirklich auf all die Konventionen schei*en und mit Rea endlich das tun, was er schon die ganze Zet über tun will und was er definitiv tun sollte. :D Wenn Robin in Band 3 immer noch nicht aus dem A*sch kommt, verlier ich vielleicht den Glauben an die Kraft der Liebe :P

Was mir aber wiederum sehr gut gefallen hat, ist, dass wir in Band 2 endlich mehr über die Magdalenen, ihre Fähigkeiten und ihre Geschichte erfahren. Und auch über Rea, die wohl nicht nur einfach irgendeine Magdalena ist, sondern von den visionnaires (ich hoffe, ich habe das richtig geschrieben - ich kann ja leider null Französisch :D) in Paris fast schon als Erlöserin gefeiert wird. Warum das so ist, müsst ihr natürlich selbst herausfinden, ich habe diesen Einblick in die Gemeinschaft der Magdalenen aber sehr genossen und kann nur sagen: Es bleibt diesbezüglich weiter geheimnisvoll, spannend und herrlich magisch. Und am Ende gibt es tatsächlich den ein oder anderen Twist, der auf ein fulminantes Finale in "Palace of Fire" hoffen lässt - auch wenn ich noch ein wenig skeptisch bin, was den Ausblick auf Band 3 betrifft. Aber ich bin mir sicher, dass C. E. Bernard mich einmal mehr überraschen wird!

Mein Fazit
Als Mittelteil der Trilogie ist "Palace of Silk" wirklich gelungen und hat mich wie schon sein Vorgänger mit einem atemberaubenden Setting und vielschichtigen und sehr plastischen Figuren in seinen Bann geschlagen. C. E. Bernard geht bei Band 2 mehr in die Tiefe und füllt ihre fantastische Welt weiter aus, was mir wahnsinnig gut gefallen hat. Die Handlung, deren Verlauf mich doch sehr an Teil 1 erinnert hat, hätte für meinen Geschmack zwar ein paar mehr Höhepunkte und Überraschungen bieten können, dennoch legt "Palace of Silk" definitiv den Grundstein für ein Finale, das sich gewaschen hat. Ich bin unendlich gespannt darauf!

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Tags: gefahr, geheimnis, london, magdalena, palace of glass, paris, verbotene liebe   (7)
 

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freunde, geheimnisvoll, jugendroman, jugendthriller, mord, schuld, stalking, teenager, teenies, thriller, tod der schwester, vergewaltigung, verlust

Die Wahrheit über Alice

Rebecca James , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann , Stefanie Stappenbeck
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 01.01.2011
ISBN 9783899031140
Genre: Romane

Rezension:

Geschichte und Erzählstil:

Rebecca James´ Jugendthriller "Die Wahrheit über Alice" lag schon ziemlich auf meinem SuB und als ich letztes Jahr auf dem Bücherzirkus das dazugehörige Hörbuch entdeckte, kam mir das sehr gelegen. Der Ausgangspunkt der Story hat mich schnell fasziniert, denn es geht gewissermaßen um Stalking, das allerdings nicht (wie bei den meisten Stalking-Fällen) romantisch motiviert ist, sondern eine tiefer liegende, anfangs unklare Ursache hat. Zunächst entwickelt sich zwischen den Teenagern Katherine und Alice eine ganz normale und bald sehr enge Freundschaft, wobei ich von Beginn an ein ungutes Gefühl hatte, denn Alice geht sehr zielstrebig auf Katherine zu, wählt sie gewissermaßen aus und ebenso wie die Protagonistin selbst fragt man sich als Leser unweigerlich - wieso eigentlich? Denn Katherine ist eine Einzelgängerin, gibt nicht viel von sich preis und vermeidet es tunlichst, im Mittelpunkt zu stehen. Sie ist das genaue Gegenteil der extrovertierten, lauten Alice.

Schnell wird außerdem klar, dass Alice kein Mensch ist, der anderen gut tut. Katherine ist erst einmal begeistert, fühlt sich von Alice´ Interesse geschmeichelt und fast schon geehrt davon, dass sie ihre Freundin sein darf. Doch bald offenbart sich Alice´ wahres Wesen: Sie ist selbstsüchtig, wenig empathisch und behandelt sowohl Katherine als auch ihren On-Off-Freund wie ihre Spielzeuge. Als man sich schon fragt, wie lange Katherine sich das gefallen lässt, zieht sie die Notbremse - aber damit fängt der Horror erst so richtig an. James gelingt es, Alice´ geheimnisvolle Obsession für die stille, zurückhaltende Katherine auf mitreißende Weise darzustellen. Dass durchgehend aus Katherines Sicht erzählt wird, lässt einen die unterschwellige Bedrohung beinahe am eigenen Leib spüren. Alice ist auf gruselige Weise immer präsent, ihre grausame und selbstsüchtige Art schockiert einen mehr und mehr - der psychologische Aspekt kommt ihr einfach fabelhaft rüber.

Rebecca James arbeitet außerdem mit Zeitsprüngen - so gibt es zusätzlich zur eigentlichen Handlung Kapitel, die vor beziehungsweise nach den Ereignissen um Katherine und Alice spielen. Den Fokus legt James dabei auf Katherines großes Geheimnis, auf den Fehler, der ihre Schwester Rachel das Leben kostete. Die Schuldfrage beziehungsweise der Umgang mit dieser Schuld stehen klar im Mittelpunkt. Katherine leidet noch immer stark unter den Vorkommnissen und ist offensichtlich psychisch labil - etwas, das Alice in ihrer Durchtriebenheit und ihrer blinden Wut schamlos ausnutzt. Wieso sie das tut, warum sie sich ausgerechnet auf Katherine eingeschossen hat - das bleibt natürlich bis zum Ende ein Geheimnis, die Auflösung kommt dann vielleicht überraschend, wirkt im Kontext aber gar nicht mehr so schockierend. Alice´ ganzes Verhalten, ihr Wesen und ihre Taten deuten es eigentlich schon an, nichtsdestotrotz fand ich Katherines Umgang damit sehr spannend und bewegend. Nur war mir das hochdramatische Ende vielleicht doch einen Ticken zu viel, hier hätte James ruhig ein bisschen auf die Bremse treten können, um das Ganze authentisch und nachvollziehbar zu halten.

Generell liest beziehungsweise hört sich der Roman sehr gut - auch wenn der Thrill einen nicht durchgehend an den Fingernägeln kauen lässt und zwischendurch bereits ziemlich viel aufgelöst und erklärt (hier und da vielleicht etwas zu viel) wird, sorgt die unterschwellige Bedrohung, dieses Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht stimmt, dafür, dass die Geschichte bis zum Schluss spannend bleibt. Ich wurde sehr gut unterhalten, auch wenn "Die Wahrheit über Alice" nichts ist, was man so noch nie gelesen hat. Die Handlung wirkt hier und da leicht konstruiert und ist generell nicht wirklich genial gesponnen, aber man fiebert trotzdem mit und gerät beim Lesen / Hören in eine Art Sog - technisch gesehen hat es Rebecca James also alles in allem wirklich gut gemacht.

Sprecher:

Gelesen wird "Die Wahrheit über Alice" von der Schauspielerin Stefanie Stappenbeck, die ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Ihre Interpretation der Geschichte hat mir aber wirklich gut gefallen, denn sie hat vor allem das zurückhaltende und zerbrechliche Wesen der Protagonistin Katherine wunderbar rüber gebracht und auch den anderen Charakteren eine authentische Stimme gegeben. Eine sehr gelungene Hörbuch-Produktion!

Mein Fazit


Ich würde "Die Wahrheit über Alice" nicht unbedingt als großen oder gar revolutionären Wurf bezeichnen - für mich ist es nichts, was noch nie so dagewesen ist. Trotzdem hat das Hören mir sehr großen Spaß gemacht, denn vor allem die Atmosphäre, das geheimnisvolle und bisweilen gruselige Wesen von Alice und die unterschwellige Bedrohung haben mich gefesselt. Das Ende war mir zwar etwas too much, als Jugendthriller und kurzweilige Unterhaltung überzeugt Rebecca James´ "Die Wahrheit über Alice" aber auf jeden Fall.

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Fallende Stadt

Lauren DeStefano , Andreas Decker
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei cbt, 10.04.2018
ISBN 9783570311998
Genre: Jugendbuch

Rezension:

"Fallende Stadt" ist der Auftakt einer Trilogie und es ist der erste Roman von Lauren DeStefano, den ich gelesen habe. Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, denn mich fasziniert das Konzept - die Idee von einer Stadt in den Wolken, auf die irgendwann in der Vergangenheit Ausgestoßene von der Erde verbannt wurden. Ausgestoßene, die ihr Leben innerhalb von Jahrzehnten völlig neu organisiert haben, die eine Gesellschaft aufgebaut haben, die unserer auf der Erde nicht im Entferntesten ähnelt. So zumindest will es Lauren DeStefano dem Leser verkaufen und in Ansätzen gelingt das auch wirklich gut.

Gerade auf den ersten Seiten stellt sich schnell ein Gefühl der Andersartigkeit ein - Internment, wie die schwebende Stadt genannt wird, ist ein sich geschlossenes, strikt geregeltes System, das an ein dystopisches Gesellschaftskonstrukt erinnert. So zum Beispiel darf eine Frau immer nur dann schwanger werden, wenn ein älterer Einwohner gestorben ist - Geburtenkontrolle deluxe. Es wird außerdem genau festgelegt, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden darf und direkt nach der Geburt bekommt das Kind einen Verlobten zugewiesen. Kein Wunder, dass auch Homosexualität in dieser Gesellschaft verpönt ist und dass Frauen keine besonders hohe Stellung haben. Mein "Lieblingszitat" fasst das gesamte Gesellschaftsbild ziemlich gut zusammen. DeStefano nimmt also ein veraltetes Gesellschaftskonstrukt und treibt es mit Internment auf die Spitze. Das Ganze wirkt befremdlich, hat aber auch seinen Reiz. Das ist definitiv eine Welt, die in einen dystopischen Jugendroman passt und die mich stellenweise wirklich fasziniert hat.

Allerdings ist mir die Welt nicht konsequent genug entworfen. Beispielsweise fand ich das Vokobular teilweise etwas merkwürdig. Internment will sich vom "Boden", also quasi unserer Welt auf der Erde, distanzieren und hat daher Abstand von modernen Entwicklungen genommen, die wir kennen. Es wird ziemlich deutlich gemacht, dass Internment sich von Anfang an in eine vollkommen andere Richtung entwickeln wollte und das auch tat. Umso merkwürdiger wirkt es auf mich, dass etwa das, was wir als Kühlschrank kennen, auf Internment ein "Kühlkasten" ist, dass der Herd aber schlicht Herd heißt. Das mag vielleicht auf den ersten Blick kleinlich erscheinen, aber das zieht sich durch den gesamten Roman und es macht die Welt irgendwie weniger glaubwürdig oder vorstellbar. Ich meine - wenn es schon etwas komplett Anderes sein soll, dann doch aber richtig und von vorne bis hinten. Die Ansätze sind da und ich hätte es wirklich interessant gefunden, wenn Internment absolut anders als die Erde gewesen wäre, dafür ist mir das Worldbuilding aber hier nicht ausgereift und umfassend genug.

Auch die Charaktere haben es mir nicht unbedingt angetan: DeStefanos Protagonistin Morgan ist von Anfang bis Ende irgendwie farblos und wirkt lasch. Sie ist pflichtbewusst und Internment eigentlich treu ergeben, liebäugelt aber auch mit dem Rand und dem Boden. Vieles an dieser Welt sollte sie eigentlich stören, denn ihre Familie ist fast schon geächtet. Aber irgendwie tut es das nicht wirklich. Ich kann Morgan einfach noch immer noch nicht einschätzen, obwohl die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt wird. Es fehlt ihr jegliches Feuer, jegliche Leidenschaft oder Temperant - ich finde sie einfach nur langweilig. Gleiches gilt für ihren Verlobten Basil, den sie natürlich unsterblich liebt, weil es einfach so sein muss. Und selbstredend ist Basil perfekt, er hat keine Ecken und Kanten, er hechelt Morgan bei allem hinterher und hat mich, welch Überraschung, ebenso gelangweilt wie sie. Dem gegenüber steht Morgans beste Freundin Pen, die zwar auch nicht rebellisch ist, dafür aber ein bisschen interessanter und aufmüpfiger. Ein wenig paradox erschien es mir, dass gerade sie als glühende Verfechterin Internments beschrieben wird. In der Personenkonstellation kam mir generell einiges wenig stimmig und unlogisch vor.

Nichtsdestotrotz liest sich die Geschichte schnell runter und sie hat durchaus ihre Spannungsmomente, die mich gefangen genommen haben und mich durch das Buch fliegen ließen. Die Handlung ist zwar nicht unbedingt durchgehend überraschend, hält aber den ein oder anderen gut gemachten Plot Twist für den Leser bereit und gipfelt, wie könnte es anders sein, in einem Cliffhanger, der Lust auf die Fortsetzung macht. Denn nachdem man das doch sehr abstruse und abgeschottete Leben auf Internment kennengelernt hat, ist man einfach gespannt darauf zu erfahren, was noch kommen könnte. Und vor allem will ich jetzt unbedingt wissen, was es mit der schwebenden Stadt und ihren Bewohnern eigentlich auf sich hat. Als Reihenauftakt kann "Fallende Stadt" daher durchaus überzeugen.

Mein Fazit
Für mich ist "Fallende Stadt" von Laren DeStefano zwar ein recht gelungener Reihenauftakt mit einigen faszinierenden Handlungselementen und Plot Twists, dabei aber kein großer Wurf mit Wow-Effekt. Den Großteil der Charaktere fand ich irgendwie fade und das Worldbuilding wenig stimmig und hier und da inkonsequent. Weiterlesen werde ich aber trotzdem, denn DeStefano hat mich mit dem Cliffhanger definitiv neugierig auf die Fortsetzung gemacht.

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Tags: dystopie, dystopische welt   (2)
 

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Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß - Neuedition

Hiromi Kawakami , Jiro Taniguchi
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 20.03.2018
ISBN 9783551754493
Genre: Comics

Rezension:

Schon auf der Buchmesse hat mich Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß angelacht - Mangas sind ja eigentlich absolut nicht mein Ding, dieses Buch aber ist nur im Entferntesten ein Manga und eher eine Graphic Novel. Der Stil hat mir gleich auf Anhieb unheimlich gut gefallen, denn die Figuren sind zwar in gewisser Weise "typisch" japanisch dargestellt, dabei jedoch ohne Stereotype zu sein und vor allem ohne die klassischen Attribute, wie man sie von vielen Manga- und Animefiguren kennt (exorbitant lange Beine und riesige Brüste zum Beispiel). Nein - Tsukiko und Sensei und auch die anderen Charaktere wirken trotz des Comic-Stils auf gewisse Weise realistisch und sind in etwa so, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Auch die Orte, an denen die Hauptfiguren sich treffen und ineinander verlieben (wenn man das denn so sagen kann) sind vom Zeichner Jiro Taniguchi wunderbar dargestellt - vieles spielt sich in der Stammbar von Tsukiko und Sensei ab, die mir schnell vertraut war und die ich dank der detailhaften Zeichnungen direkt vor Augen hatte. Sowohl der Comic Strip als auch die Geschichte selbst strotzen vor japanischer Lebensart und es sind die vielen kleinen Dinge, die die Handlung so rund, so greifbar und so atmosphärisch machen. Zum Beispiel wird Essen und Trinken im Buch als purer Hochgenuss dargestellt und ich fand es großartig, dass die verschiedenen (für uns Europäer ja recht ungewöhnlichen) Gerichte und Getränke so explizit beschrieben werden. Es fühlt sich einfach alles rundum echt und authentisch an.

Auch und vor allem die Liebesgeschichte zwischen Tsukiko und ihrem ehemaligen Lehrer, den sie nur "den Sensei" nennt (der Einfachheit halber habe ich diese Bezeichnung mal übernommen). Diese Romanze ist nicht nur aufgrund des gewaltigen Altersunterschieds ungewöhnlich (ich glaube, der Sensei ist Ende 60 oder Anfang 70, ich weiß es gerade nicht mehr genau), sondern vor allem aufgrund des Zusammenspiels der Charaktere. Die Liebe zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam und zart, sie ist die meiste Zeit über nicht körperlich, sondern rein geistig. Man spürt schnell, dass Tsukiko und der Sensei auf einer Wellenlänge sind, sie harmonieren so gut miteinander, dass man sie eigentlich weniger als traditionelles Liebespaar, sondern einfach vielmehr als verwandte Seelen sieht. Das hat mir unheimlich gefallen und mich sehr berührt, weil ich das Gefühl hatte, dass Tsukiko und der Sensei sich gegenseitig sehr gut tun, was vor allem in den Momenten klar wird, in denen sie sich einmal für längere Zeit nicht sehen - gerade Tsukiko verzehrt sich dann nach dem Sensei, vermisst seine Gesellschaft und seinen erstaunlichen Intellekt.

Das zarte Band zwischen den Hauptfiguren macht die Geschichte so leicht und wundervoll - ich habe die Graphic Novel in nur wenigen Stunden in einem Rutsch durch gelesen und dabei vor allem auch die vielen ungewöhnlichen und besonderen Szenen genossen. Das Ende kam dann für mich tatsächlich ziemlich unvermittelt, aber es hat trotzdem super gepasst. Denn "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" erzählt vorrangig davon, wie Tsukiko und der Sensei sich annähern, wie sie sich gewissermaßen ineinander fügen und zu einer Einheit verschmelzen - hier ist sozusagen der Weg das Ziel und dieses Konzept passt perfekt zu dieser ganz zarten, wenig kitschigen und doch sehr berührenden Liebesgeschichte.

Mein Fazit:

"Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" hat mich auf vielerlei Weise begeistert, weil die Geschichte so einzigartig, so zart und berührend ist und dabei vom Comic-Zeichner Jiro Taniguchi auf atemberaubende Weise grafisch umgesetzt wurde. Ich mochte die authentischen Darstellungen japanischer Lebensart und vor allem das Zusammenspiel der Charaktere - das ist wirklich mal eine ungewöhnliche und dabei nicht weniger mitreißende Liebesgeschichte. Ein wirklich schönes Buch, das mir unvergessliche Lesestunden beschert hat.

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Tags: comic, graphic novel, japan, liebe, liebesbeziehung, liebesgeschichte, manga, ungewöhnliche liebe   (8)
 

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Kleine Feuer überall

Celeste Ng , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 20.04.2018
ISBN 9783423281560
Genre: Romane

Rezension:

Vielleicht erinnert ihr euch noch daran: Celeste Ngs erster Roman, Was ich euch nicht erzählte, hat mich absolut von den Socken gehauen. Logisch also, dass ich super gespannt war auf Kleine Feuer überall. Auch diesmal geht es wieder um eine scheinbar ganz normale und glückliche Familie: Die Richardsons leben im beschaulichen Vorort Shaker Heights - ein Ort, der ihr Leben bestimmt. Denn in Shaker Heights ist alles bis ins kleinste Detail geregelt, von der Farbe der Häuserfassaden über die Höhe des Rasens bis hin zur Erziehung der Kinder. Elena Richardson schätzt diese Regeln und setzt sie eisern um, mich hat das Bild von Shaker Heights, das Celeste Ng in ihrem Roman zeichnet, allerdings mehr abgeschreckt als begeistert. Was für ein furchtbarer Ort zum Leben - Individualität scheint dort geradezu verpönt zu sein und eigentlich geht es von früh bis spät nur darum, was die anderen Menschen von einem halten. Das Leben in Shaker Heights wirkt auf mich wie der reinste Zwang und ich finde es großartig, wie Celeste Ng den Leser hinter die perfekte Fassade blicken lässt. Denn natürlich ist auch dort alles mehr Schein als Sein.

Ich habe meine Zeit gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden, die vielen verschiedenen Charaktere und Perspektiven und die wirklich sehr detailreichen Beschreibungen des Lebens in Shaker Heights haben mich aber bald gefangen genommen. Man spürt von Anfang an, dass es gewaltiges Konfliktpotenzial gibt - insbesondere durch das Auftauchen der unkonventionellen Mia, die ordentlich am friedlichen, geregelten Leben der Richardsons rüttelt. Mia ist alleinerziehend und führte gemeinsam mit ihrer 15-jährigen Tochter Pearl bisher ein Nomadenleben. In Shaker Heights will sie sesshaft werden, stößt mit ihren beinahe revolutionären Ansichten aber schnell auf Widerstand. Mit Mia und Elena stellt Ng zwei vollkommen gegensätzliche Muttertypen gegenüber - Elena als perfekte Übermutter, die dafür sorgt, dass ihre Familie repräsentabel bleibt und ihre Kinder den für sie vorgesehenen Weg einschlagen. Mia, die als freischaffende Künstlerin nur das tut, was sie wirklich tun will, und ihrer Tochter zwar finanziell nicht viel bieten, sie dafür aber uneingeschränkt lieben kann und immer ein offenes Ohr für ihre Probleme hat.

Die Handlung ist weder rasant noch voll mit Spannungsmomenten, aber das macht absolut gar nichts. Denn das Leben in Shaker Heights und das unterschwellige Brodeln, das man von der ersten Seite an wahrnimmt, sind packend genug. Die Dynamik zwischen den grundverschiedenen Charakteren tut ihr Übriges - zum einen natürlich Elena und Mia, aber auch die Richardson-Kinder und Pearl, die magisch angezogen wird vom unbeschwerten, sorgenfreien Leben der Richardsons und sich zum Erschrecken ihrer Mutter mehr und mehr verändert. Mia befürchtet dabei vor allem, dass Pearl sich selbst verliert und, geblendet vom Geld der Richardsons, vergisst, wer sie wirklich ist.

Zusätzlich schneidet Ng Themen wie Leihmutterschaft, Adoption und Abtreibung an und beleuchtet, wie mit solchen vermeintlichen Tabuthemen in einer Gemeinschaft wie der in Shaker Heights umgegangen wird. Sie geht dabei so geschickt und feinfühlig vor, dass zumindest ich mir keine eindeutige Meinung bilden konnte. Ngs Geschichte und die Schicksale ihrer Charaktere haben mir gezeigt, wie komplex und kompliziert solche Themen sind und letztlich auch, wie wichtig es ist, offen damit umzugehen und sie eben nicht, wie das in Shaker Heights praktiziert wird, unter den Teppich zu kehren. Anderssein ist dort verpönt, was Ng auch mithilfe der jüngsten Tochter der Richardsons mehr als deutlich macht: Izzy passt sich nicht an, sie geht ihren eigenen Weg und hat starke Prinzipien, die sie vehement verteidigt. Sie scheint die einzige zu sein, die realisiert, wie unperfekt das Leben der Richardsons unter der Oberfläche ist, und das macht sie zu einem der interessantesten Charaktere.

Die Worte "kleine Feuer überall" beschreiben einfach auf sensationelle und dabei so kluge Weise das Leben in einem Vorort wie Shaker Heights. Celeste Ngs Roman hat eine Symbolkraft, die mich beim Lesen schier umgehauen hat. Denn auch wenn das Leben eigentlich schön ist und nicht, wie bei anderen Menschen vielleicht, komplett in Flammen steht, können sich durch Geheimnisse, Lügen und Schweigen kleine Brandherde bilden, die sich beinahe unbemerkt ausbreiten und am Ende eben doch alles in Schutt und Asche legen. Ich liebe dieses Bild und ich liebe es, wie Celeste Ng es auf das augenscheinlich makellose Leben der Richardsons anwendet und wie sie dem die chaotische, aber freie und glückliche Lebensweise von Mia und Pearl gegenüberstellt. Ng gibt uns wieder jede Menge Stoff zum Nachdenken und eine Geschichte, die uns erlaubt, hinter die Fassade zu blicken, und die uns dabei großartig unterhält.

Mein Fazit:


Eindringlich und fesselnd erzählt Celeste Ng in ihrem zweiten Roman Kleine Feuer überall von Geheimnissen, Lügen und dem perfekten Leben, das vielleicht doch kaputter ist, als man das von außen denken würde. Ich habe gebannt verfolgt, wie die vielschichtigen Charaktere miteinander agieren, wie sie sich mehr oder weniger gut in das perfekte Vorstadtleben einfügen und wie die kleinen Feuer, unbemerkt erst und dann mit alles verschlingender Intensität, zu schwelen beginnen. Ich bin wieder einmal begeistert - und spätestens jetzt ein großer Fan von Celeste Ngs Geschichten!

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The Wife Between Us

Greer Hendricks , Sarah Pekkanen , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 15.05.2018
ISBN 9783499291173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon vor seinem Erscheinen in Deutschland war The Wife Between Us ein internationaler Bestseller - eine Verfilmung ist ebenfalls bereits in Planung. Umso gespannter war ich auf den Roman der beiden US-amerikanischen Autorinnen Greer Hendricks und Sarah Pekkanen und eines vorab: Ich habe mich sehr schnell in einen regelrechten Sog gelesen und das obwohl die Geschichte eher langsam als rasant, dafür aber sehr eindringlich und fesselnd erzählt wird. Hendricks und Pekkanen schaffen es, dass man von der ersten Seite an gebannt an "ihren Lippen hängt" und einfach immer weiterlesen MUSS.

Das liegt zunächst an der Erzählweise, denn jeweils abwechselnd werden die Geschichten von Nellie und Vanessa aus der Er- beziehungsweise der Ich-Perspektive erzählt. Das macht die Handlung ziemlich spannend, denn als Leser erfährt man so Details von beiden Seiten, allerdings ohne dabei zu wissen, wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Man beobachtet Nellie dabei, wie sie ihre perfekte Hochzeit mit dem charismatischen Richard plant - lernt ihn als liebenden, sehr aufmerksamen und treusorgenden Partner kennen. Gleichzeitig wird man mit Vanessa konfrontiert, die nach der Scheidung von Richard nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Man gewinnt den Eindruck, dass Vanessa immense psychische Probleme hat, dass sie die Trennung von ihrer großen Liebe einfach nicht verwinden kann und dass sie rasend eifersüchtig auf die neue Frau ihres Exmannes ist - so eifersüchtig, dass sie ihr nachstellt und Pläne schmiedet, um die Hochzeit zu verhindern.

Aber stimmt das? Oder ist es doch Nellies Geschichte, an der etwas faul ist - schließlich wirkt das Ganze doch viel zu schön, um wahr zu sein, oder? Pekkanen und Hendricks verstehen es einfach meisterhaft, aufs Glatteis zu führen, Wahrheiten zu verdrehen und mit ihren Worten dieses diffuse, unbestimmte Gefühl zu erzeugen, dass irgendetwas vor sich geht. Die Geschichte brodelt von Anfang an unterschwellig und nimmt einen damit gefangen. Die Atmosphäre, die hier vorherrscht, ist wirklich der absolute Hammer - man fühlt sich beim Lesen teilweise irgendwie unwohl, man will der Sache auf den Grund gehen, weiß aber nicht so recht, wie man das anstellen soll. Mir ist dabei recht schnell aufgefallen, dass man wenig über Richard erfährt und bald schon fragt man sich, wer dieser Mann ist, der augenscheinlich scharenweise Frauen verführt und dabei immer ganz Kavalier ist. Hat er vielleicht doch einen Haken, eine dunkle Seite? Oder leidet Vanessa unter Psychosen, bildet sich Dinge ein? Ist Nellies Leben wirklich so perfekt oder trügt der Schein?

The Wife Between Us geht in die Tiefe, steckt voller psychologischer Abgründe und hat mich mit dem ersten vollkommen unerwarteten Plot Twist im ersten Drittel schon komplett aus der Bahn geworfen. Auch die Charakterentwicklungen sind meisterhaft - bis zur Hälfte ungefähr weiß man einfach nicht, was und wem man glauben soll und in welche Richtung sich die Geschichte überhaupt entwickelt. Dann hatte ich so eine Ahnung (oder eher Hoffnung), was die Handlung aber nicht langweiliger, sondern umso spannender gemacht hat - die langsame Erzählweise passt hier wunderbar, es braut sich etwas zusammen und dieses Gefühl ist großartig. Nur ganz am Ende gibt es noch einmal einen Schwenker, der mir einen Ticken too much war und irgendwie blieben für mich auch ein paar Fragen offen, was mich in mancher Hinsicht ein wenig ratlos zurückgelassen hat. Ansonsten ist das aber ein Thriller, der einerseits mal etwas komplett anderes ist und der andererseits einfach so so grandios gemacht ist.

Mein Fazit:
Was für ein Trip! The Wife Between Us hat mich streckenweise richtig umgehauen, mich mitgenommen und mich fasziniert. Ich mochte vor allem die unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, dieses undefinierbare Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Und die Plot Twists - oh mein Gott, da wurde ich ein ums andere Mal umgehauen. Nur das Ende war mir einen kleinen Ticken too much, aber abgesehen davon: Was für ein großartiger, spektakulärer Roman!

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Dunkle Nächte auf Montmartre

P.B. Vauvillé , Philippe Vauvillé
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 24.04.2018
ISBN 9783455000801
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit Dunkle Nächte auf Montmartre hat das Autorenduo P. B. Vauvillé den perfekten Krimi für faule Sommertage geschrieben. Die Geschichte hat auf jeden Fall alles, was gute Krimi-Unterhaltung braucht: Einen mysteriösen Mordfall, ein atmosphärisches Setting, einen ansehnlichen Kreis an Verdächtigen mit mehr oder weniger düsteren Geheimnissen, einen charismatischen Ermittler und gute, alte Detektivarbeit. Ohne ausschweifendes Vorgeplänkel kommt die Handlung mit dem Leichenfund im Keller des Cabaret-Betreibers Moulin recht schnell in Schwung und damit tritt auch der originelle und ziemlich unkonventionelle Ermittler auf den Plan. Denn der Sache auf den Grund geht nicht etwa ein Polizist oder ein Privat-Detektiv, sondern der junge Musiker Quentin. Ungewöhnlich und neu, wenn vielleicht auch ein bisschen problematisch.

Quentin hat als Ermittler natürlich einen entscheidenden Vorteil: Er kennt das Pariser Viertel Montmartre wie kaum ein anderer und wenn er etwas nicht weiß, weiß er zumindest ganz genau, bei wem er Erkundigungen einholen kann. Ein spannendes Konzept, das durchaus Spaß macht, aber im Verlauf der Handlung vielleicht hin und wieder an die Grenzen des Plausiblen stößt. Quentin besitzt nicht unbedingt jene scharfe Beobachtungsgabe, die einen begnadeten Detektiv wie Sherlock Holmes auszeichnet, auch wenn er hier und da seine Momente hat. Quentin ist außerdem eigentlich nicht befugt, den polizeilichen Ermittlungen in die Quere zu kommen und den Mord auf eigene Faust zu untersuchen. Trotzdem tut er es und stößt dabei von Seiten der Behörden auf weniger Widerstand, als man eigentlich vermuten müsste. Was ich damit sagen will: Dass der Musiker Quentin, der sich bisher noch nie als Detektiv verdingt hat, einen Mordfall auf eigene Faust löst und am Ende den Täter stellt, erscheint mir einfach ein bisschen weit hergeholt.

Nichtsdestotrotz ist Quentin eine sehr interessante Figur und definitiv eine erfrischende Abwechslung zum althergebrachten Detektiv, wie man ihn kennt. Seine Ermittlungsmethoden beschränken sich zum Großteil auf das Befragen von Zeugen und das Zusammentragen von Informationen, beim Deuten der Spuren benötigt er hin und wieder Hilfe von seiner Mutter, die überraschend auf Besuch kommt. Dunkle Nächte auf Montmartre ist (bis auf die ungewöhnliche Ermittler-Figur) ein sehr klassischer Krimi, dessen Handlung sich nach dem Knall am Anfang eher gemächlich entwickelt, dabei aber trotzdem kurzweilig, interessant und unterhaltsam bleibt.

Was mir wirklich gut gefällt, ist außerdem das Potpourri an verschiedenen Charakteren und Persönlichkeiten, der großen Pool an Verdächtigen, mit dem sich Quentin bei seinen Ermittlungen konfrontiert sieht. Es hat sich für mich so angefühlt, als hätten P. B. Vauvillé einmal die Dächer der eng stehenden Häuser im Montmartre abgehoben und dem Leser so einen Blick hinter die funkelnden Kulissen des Viertels ermöglicht. Das sehr atmosphärische Setting passt fantastisch zu den teils sehr charismatischen, teils extravaganten und verschrobenen und teils sehr zwielichtigen Bewohnern des Montmartre. Und natürlich sind es die Lügen, die Eifersüchteleien, die Intrigen und das Gerede hinter vorgehaltener Hand, die der Handlung die richtige Würze geben. Hin und wieder hätte das Ganze für mich zwar noch einen Ticken brisanter und aufsehenerregender sein können, das Buch liest sich aber trotzdem sehr gut runter und punktet einfach mit diesem gut ausgebauten Setting und der stimmungsvollen Atmosphäre. Einzig die Auflösung des Falls hat mir dann nicht so gut gefallen, denn sie erschien mir irgendwie doch recht unspektakulär und einige Fragen blieben (zumindest bei mir) offen.

Mein Fazit:
Bei seinem Krimi Dunkle Nächte auf Montmartre setzt das Autorenduo P. B. Vauvillé auf ein fantastisches Setting, auf klassische Detektivarbeit, eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Charakteren und einen ziemlich unkonventionellen Ermittler. Und für mich funktioniert das Ganze wirklich gut, bis auf ein paar Kleinigkeiten, die einige Aspekte der Handlung hier und da etwas weit hergeholt wirken ließen. Wer aber klassische Kriminalromane mit spektakulärem Setting mag, wird mit Dunkle Nächte auf Montmartre in jedem Fall bestens unterhalten.

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Tags: detektivroman, krimi, kriminalroman, leiche, montmartre, mord, mordfall, paris   (8)
 

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Libellenschwestern

Lisa Wingate , Andrea Brandl
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Limes, 05.03.2018
ISBN 9783809026907
Genre: Romane

Rezension:

Libellenschwestern ist eines der wenigen Bücher, das mich von der ersten Seite an gepackt hat - und das meine ich wörtlich, denn schon der Prolog war so unfassbar gut und spannend, dass ich sofort von der Story angefixt war und das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte. Warum? Weil Lisa Wingate gleich zu Beginn Spannung aufbaut, indem sie die Geschichte mit einer unheimlich authentischen und dabei sehr bedrückenden Szene einleitet. Man weiß sofort, dass dieses Buch einen ziemlich mitnehmen, einem vielleicht einiges abverlangen wird - aber man muss wissen, wie es weitergeht. Ein gigantischer Einstieg in eine Geschichte, die ebenso entsetzlich wie unvorstellbar und dabei hoffnungsvoll ist. Eine Geschichte, die leider auf wahren Begebenheiten beruht.

Erzählt wird Libellenschwestern aus zwei Perspektiven und auf zwei verschiedenen Zeitebenen. In der Gegenwart lernen wir Avery Stafford kennen, eine junge Frau, die in eine reiche und einflussreiche Familie hineingeboren wurde und somit Zeit ihres Lebens privilegiert war. Sie steht kurz vor einem gewaltigen Karriereschub und vor der Hochzeit mit ihrem langjährigen Freund, als etwas Unvorhergesehenes passiert und sie ihr bisheriges Leben hinterfragen lässt. Nach jedem Kapitel über Avery folgt ein Kapitel, das aus der Sicht der 12-jährigen Rill Foss erzählt wird - einem Mädchen, das in den 1930er Jahren auf einem Hausboot aufgewachsen ist und das ihren Eltern gewaltsam entrissen und zusammen mit ihren Geschwistern in ein Kinderheim verschleppt wurde, um meistbietend an Adoptionseltern verschachert zu werden.

Die Thematik des Buches ist also wirklich harter Tobak, wird von Lisa Wingate aber auf sehr einfühlsame und dabei ehrliche und schonungslose Art und Weise verarbeitet. In den Gegenwarts-Kapiteln ist Avery dem Geheimnis ihrer Großmutter und einer Unbekannten namens May Crandall auf der Spur, während parallel dazu Rills Erlebnisse im Kinderheim der Tennessee Children's Home Society geschildert werden. Ich fand beide Sichtweisen sehr spannend, Avery ist mir als Figur aber einen Ticken zu blass geblieben - zu ihr fand ich keinen rechten Zugang, auch wenn ich es großartig finde, wie Lisa Wingate es darstellt, dass Avery durch die Geheimnisse, auf die sie stößt, ihr bisheriges sorgenfreies Leben in Frage stellt und endlich darüber nachdenkt, was sie eigentlich will. Trotzdem fand ich die Begegnung mit Trent und alles, was in Bezug auf ihn darauf folgt, etwas zu erzwungen und vorhersehbar.

Das gilt aber absolut nicht für Rills Geschichte - diese ist schmerzhaft, grauenvoll, auf gewisse Weise unheimlich und dabei wahnsinnig authentisch. Lisa Wingate schreibt sehr bildhaft - sie erweckt das "Königreich" Arcadia zum Leben, sorgt dafür, dass man den Mississippi riecht und einem die drückende Schwüle an jenem schicksalhaften Tag den Atem raubt. Sie zeigt die zwei Seiten von Rills bisheriger Kindheit, die zum einen voller Liebe und Freiheit, zum anderen aber auch von Armut und Entbehrung geprägt ist. Dem gegenüber steht die Entführung der Foss-Kinder durch Georgia Tann und ihre Verschleppung in ein Kinderheim, das einem wie die Hölle auf Erden vorkommt. Es war für mich unglaublich schwer zu lesen, wie die Kinder dort behandelt werden - wie Vieh, das gerade so am Leben gehalten wird, um meistbietend verschachert zu werden. Von Misshandlungen, körperlicher und seelischer Folter und sogar Pädophilie ganz zu schweigen. Man darf definitiv nicht zart besaitet sein, denn die Geschichte von Rill und ihren vier Geschwistern geht einem mächtig an die Nieren.

Und das Schlimmste dabei ist: Rill Foss und ihre Familie sind zwar fiktiv, Georgia Tann und die Tennessee Children's Home Society sind es hingegen nicht. In den 1930er bis hinein in die 1950er Jahre hat Georgia Tann tatsächlich Millionen von Dollar damit verdient, armen Familien die Kinder zu entreißen und sie für horrende Summen an kinderlose Reiche zu vermitteln. Auch für den Tod von Hunderten Babys ist Georgia Tann verantwortlich und die Zustände in ihren Heimen waren tatsächlich so, wie Lisa Wingate sie beschreibt. Es jagt einem einen Schauder über den Rücken und lässt einen fassungslos zurück - und genauso geht es auch Avery, als sie nach und nach den Skandal aufdeckt, der die nach außen hin so tadellose Familie Stafford in ein ganz anderes Licht rückt. Rills Schicksal und das ihrer Geschwister, das ihrer Eltern steht stellvertretend für Tausende von Schicksalen und das hat mich sehr betroffen gemacht. Lisa Wingate hat in Libellenschwestern ein Thema aufgegriffen, das in der Öffentlichkeit bis heute nicht wirklich aufgearbeitet wurde, und sie hat daraus einen Roman gemacht, der einen nicht mehr loslässt, der einen immer weiterlesen lässt - bis man am Ende fassungslos zurückbleibt. Für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes.

Mein Fazit:
Libellenschwestern erzählt eine Geschichte, die einen schockiert, mitnimmt und berührt. Die so authentisch geschrieben ist, dass man manchmal vor Entsetzen kaum mehr atmen kann. Trotzdem habe ich vor allem Rills Geschichte geliebt, weil sie wichtig ist und weil ich dieses kleine, starke Mädchen schnell fest in mein Herz geschlossen hatte. Zur zweiten Protagonistin Avery hatte ich zwar nicht durchgehend einen Draht, trotzdem ist dieses Buch ein Pageturner und es bleibt spannend, bis zur letzten Seite.

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Tags: 1930er jahre, adoption, familiengeheimnis, geheimnis, georgia tann, geschwister, geschwisterbande, kinderheim, kindesmissbrauch, misshandlung, tennessee, tennessee childrens home society, usa   (13)
 

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Der Augenjäger von Sebastian Fitzek Ausgabe 2 (2011)

Sebastian Fitzek
Audio CD
Erschienen bei Bastei Lübbe (Lübbe Audio), 12.09.2011
ISBN B00BWEJL3A
Genre: Sonstiges

Rezension:

Letzte Woche habe ich euch Der Augensammler vorgestellt, das ich vor Jahren als ersten Fitzek überhaupt gelesen habe. Gestern haben wir dann die Hörbuchfassung von Der Augenjäger beendet, was auf den ersten Blick nicht unbedingt wie die Fortsetzung des Augensammlers anmutet, es aber aus verschiedenen Gründen ist. Zum einen treffen wir bereits in einer der ersten Szenen auf einen alten Bekannten und haben wieder Alina Gregoriev als weibliche Hauptfigur, zum anderen geht es wieder auf unheimlich grausame und verstörende Weise um Augen und natürlich führt einiges nach und nach zurück auf den Augensammler. Aber der Reihe nach:

In Der Augenjäger geht es erst einmal um einen neuen Serientäter, nämlich um Dr. Suker, der Frauen entführt, vergewaltigt und auf grausige Weise foltert - bis sie sich schließlich das Leben nehmen. Das klingt schaurig und das ist es auch - allerdings flachte die Spannung für mich nach der großartigen Anfangs-Sequenz erst einmal ab. Ich hatte auch Der Augenjäger vor Jahren schon einmal gelesen, konnte mich aber nur noch richtig, richtig dunkel an das ein oder andere Handlungselement erinnern. Beim Hören hat sich bei mir schnell ein Gefühl der Ernüchterung eingestellt, denn so grausam-genial Dr. Suker auch ist - warum mir als Leser jetzt plötzlich ein zweiter, auf Augen spezialisierter Sadist präsentiert wird, der in Berlin sein Unwesen treibt, ist mir noch immer nicht ganz klar. Natürlich, am Ende werden gewisse Zusammenhänge aufgeklärt, aber dennoch wirkt das Ganze auf mich zu konstruiert und erzwungen.

Leider trifft das meiner Meinung nach auch auf den großen Plot Twist am Ende und die Auflösung an sich zu. Ich verrate natürlich nichts, aber wo mich Der Augensammler vor Neugierde und mit dem Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, fast umgebracht hat, entschlüpfte mir bei der Fortsetzung am Ende nur ein müdes "Aha, soso". So sehr sich auch hier wieder Sebastians Talent zeigt, die Handlung noch einmal völlig herumzureißen und alles vorhergehende über den Haufen zu werfen - für mich war das etwas zu viel des Guten. Auch dass die ein oder andere Figur Dinge überlebt, die sich in meinen Ohren ziemlich endgültig angehört haben, war doch etwas ernüchternd. Auch wenn das eigentliche Ende schließlich überraschend realistisch und fernab jedes Hollywood-Happily-ever-afters ist.

Also: Bei Der Augenjäger gibt es einiges, was mich einfach nicht so ganz überzeugt und was die rasante und so genial ausgeklügelte Story von Band 1 irgendwie ein bisschen kaputt gemacht hat. Für sich gesehen ist das Buch aber trotzdem ein ziemlich spannender und wieder herrlich blutiger Thriller, der zur kurzweiligen Unterhaltung für hartgesottene Thrillerfans absolut taugt. Es gibt schaurige Szenen und Gänsehaut-Momente, es gibt wieder zahlreiche Plot Twists und gelungene Überraschungen, aber die Luft ist nach Der Augensammler einfach ein bisschen raus. Auch hat es mich ein wenig gestört, dass es am Ende noch so manchen losen Faden gibt beziehungsweise dass einige Dinge mit einem einzigen Satz abgetan werden und ich mir nur dachte: Wie jetzt, mehr krieg ich nicht? Da ich aber die Print-Version wie gesagt nicht mehr im Kopf habe, kann das durchaus an der gekürzten Hörbuch-Fassung liegen. Die übrigens auch wieder dank Simon Jägers intensiver Interpretation zu fesseln und vor allem großartig zu unterhalten vermag. Ich kann und will am Ende also gar nicht alles schlecht reden - sein Soll hat Der Augenjäger auf jeden Fall erfüllt.

Mein Fazit:
Nach der rasanten und so wunderbar ausgeklügelten Handlung von Der Augensammler hat mich Der Augenjäger irgendwie ein wenig ernüchtert zurückgelassen. Thrillerfans kommen zwar auch bei diesem Buch absolut auf ihre Kosten, denn an grausamen Details, Gänsehaut-Momenten und gut gemachten Plot Twist hat Fitzek auch hier nicht gespart, für mich war aber ein bisschen die Luft raus und die ganze Geschichte um Suker wirkte auf gewisse Weise aufgewärmt und vorgeschoben. Außerdem war mir am Ende die Aufklärung nicht plausibel genug, wenn auch überraschend und wie immer völlig aus der Kalten. Ich wurde also durchaus gut unterhalten, mein Lieblings-Fitzek ist dieses Buch aber nicht.

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Tags: augenjäger, augensammler, fitzek, sadist, sebastian fitzek, serienmörder, serientäter, vergewaltiger   (8)
 

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Dumplin'

Julie Murphy , Kattrin Stier
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.03.2018
ISBN 9783841422422
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit einigen Wochen ist Julie Murphys Roman Dumplin' gefühlt überall - mir ist das Buch schon auf der Buchmesse förmlich ins Gesicht gesprungen und da ich selbst nicht gerade Traummaße habe, musste Willodeans Geschichte einfach mit. Auch wenn es erstmal nach Klischee klingt - ich war super neugierig und gespannt darauf, wie Julie Murphy die Thematik umsetzt. Und um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Ich bin begeistert! Denn Julie Murphy wertet die Handlung mit so vielen Details auf, dass man sich beim Lesen einfach wohlfühlt und Clover City inklusive aller Charaktere förmlich vor sich sieht.

Zuallererst ist da Murphys Protagonistin Willowdean - ein selbstbewusstes, von innen wie von außen schönes Mädchen, das die Hänseleien ihrer Mitschüler und den Diät-Wahnsinn ihrer Mutter von sich abprallen lässt und ganz einfach ihren eigenen Weg geht. Durch den tragischen Tod ihrer Tante, die mit über 200 kg einen Herzinfarkt erlitt und viel zu jung starb, gerät Willowdean jedoch ein wenig ins Straucheln - sie verliert ihren Anker und gleichzeitig das Verbindungsglied, das sie und ihre Mutter immer irgendwie verband. Denn Will und ihre Mutter haben kein besonders gutes Verhältnis, was in erster Linie daran liegt, dass Wills Mutter weit davon entfernt ist, ihre Tochter so zu akzeptieren, wie sie ist. Dass sie ihr seit ihrer Kindheit einzureden versucht, dass sie als dickes Mädchen niemals richtig glücklich werden kann. Teilweise habe ich diesen Umgang als sehr schmerzlich empfunden und es hat mir jedes Mal einen Stich versetzt, wenn Wills Mutter ihre Tochter "Dumplin" nannte. Denn stellen wir uns alle mal kurz vor, unsere Eltern würden uns seit unserer Kindheit nur mit "Knödel" ansprechen - ähm, tut mir leid, aber ich glaube, da wäre bei mir schon lange eine Sicherung durchgebrannt. Ich hatte beim Lesen stellenweise richtige Wut auf Wills Mum und habe Will gleichzeitig dafür bewundert, dass sie diese kleine Gehässigkeit immer an sich abprallen lässt.

Aber Willowdean ist auch wie jeder Teenager in dem Alter - sie verliebt sich, muss zum ersten Mal körperliche Nähe zulassen und hasst und liebt es zur gleichen Zeit. Sie beginnt, mit sich und ihrem Körper zu hadern und fragt sich, ob sie nicht doch glücklicher wäre, wenn sie schlank wäre. Diese Gedanken kennen wir, glaube ich, alle - gerade in der Pubertät vergleicht man sich unwillkürlich ständig mit anderen, man sieht Problemzonen, wo vielleicht gar keine sind, und man fühlt sich plötzlich überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut. Julie Murphy gelingt es unheimlich gut, dieses Gefühl der Zerrissenheit und Willowdeans inneren Kampf darzustellen. Denn Will mag ihren Körper plötzlich gar nicht mehr und hat Angst davor, sich an Bos Seite in der Öffentlichkeit zu zeigen und sich so dem Spott der ganzen Stadt auszusetzen - gleichzeitig aber hasst sie sich selbst für diese Gedanken und ist wütend. Wütend darauf, dass sich in Clover City alles um das eine perfekte Schönheitsideal dreht und dass es ihr jetzt plötzlich doch etwas ausmacht, keine Schönheitskönigin zu sein.

Willowdean ist einfach ein unheimlich authentischer Charakter, weil sie so vieles ist: Selbstbewusst und stark, unsicher und kleinlaut, inspirierend und lebensfroh, liebenswert und manchmal ein bisschen nervig, mutig und feige, melancholisch und positiv. Teilweise fällt sie von einem Extrem ins nächste und nicht immer sind ihre Reaktionen absolut nachvollziehbar. Und genau das macht sie zu einem so echten Menschen, wie man ihm in Romanen nur selten begegnet. Indem sie so herrlich normal ist, ist Willowdean etwas ganz Besonderes und man hat sie ganz sicher nicht durchgehend lieb, sondern hinterfragt (wie sie selbst) hin und wieder ihr Handeln und ist auch mal wütend auf sie. Ich finde das großartig, weil Willowdean einfach ein bisschen so ist wie wir alle. Das trifft zum Großteil auch auf die anderen Charakteren zu - ihre beste Freundin Ellen, die sich plötzlich fragt, ob sie nicht etwas vom Leben verpasst, wenn sie mit Will befreundet bleibt. Wills Mutter, die von früh bis spät damit beschäftigt ist, ihrem eigenen Schönheitsideal gerecht zu werden und die dabei auch zwanghaft versucht, ihre Tochter in eben jenes zu pressen. Bo, dem Wills Maße eigentlich vollkommen egal sind, der sich aber zuerst trotzdem nicht traut, voll und ganz zu ihr zu stehen.

Dumplin' zeigt uns die Schranken in unseren Köpfen, es zeigt uns aber auch, wie wir diese Schranken überwinden. Es geht im Leben nicht ums Gewinnen oder Verlieren, nicht darum, wie andere uns sehen oder wie wir in den Augen anderer vielleicht sein sollten - es geht einzig und allein darum, man selbst und dabei glücklich zu sein. Eine schöne und wichtige Botschaft, die Julie Murphy in ganz viel Humor und Lebensfreude packt. Denn Willowdean und ihre neuen Freundinnen (die sich gemeinsam mit ihr dem Schönheitswettbewerb stellen) gehen alles andere als bierernst durchs Leben - viele witzige Situationen und Wills und Els Faible für Dolly Parton lockern die Handlung auf und machen beim Lesen einfach Freude. Ich habe diese Geschichte genossen, geliebt und gefeiert und ich war von diesem starken Ende gleichermaßen begeistert und enttäuscht. Enttäuscht, weil die Geschichte nun zu Ende war und weil Will sich nach so vielen Seiten einfach wie eine gute Freundin anfühlt. Man könnte direkt weiterlesen und nie mehr aufhören.

Mein Fazit:


Die Geschichte um Dumplin' steckt voller wichtiger Botschaften, voller Liebe (vor allem zu sich selbst), voller authentischer Charaktere und voller Humor. Das Buch macht Spaß, regt zum Nachdenken an und reißt mit - mich zumindest. Ich liebe Julie Murphys Art zu erzählen und ganz besonders bewundere ich ihre vielschichtigen und von vorne bis hinten authentischen Charaktere. Dumplin' ist einfach großartig, von der ersten bis zur letzten Seite. Ein ganz, ganz tolles Buch!

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Tags: liebe, liebe zu sich selbst, mobbing, schönheitsideal, schönheitswettbewerb, usa   (6)
 

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alexander zorbach, alina, audible, berlin, entführung, familie, hörbuch, kinder, medium, mord, mörder, psychothriller, sebastian fitzek, thriller, ultimatum

Der Augensammler

Sebastian Fitzek , Simon Jäger
Audio CD
Erschienen bei Lübbe Audio , 01.06.2010
ISBN 9783785743683
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wenn ich mich richtig erinnere, war Der Augensammler vor vielen Jahren mein allererster Fitzek und ich glaube, auch mein erster Thriller von einem deutschsprachigen Autoren. Ich weiß noch, dass ich die Namen damals super befremdlich fand, allen voran den des Protagonisten Alexander Zorbach - in dem Genre liest man einfach hauptsächlich von David Hunters und Co. Mittlerweile habe ich mich natürlich dran gewöhnt, denn warum sollte ein Serienmörder nicht auch in Berlin sein Unwesen treiben? In meinen Augen steht Fitzek in Sachen Einfallsreichtum seinen Kollegen aus Übersee schon lange in nichts mehr nach, wobei seine Ideen in Der Augensammler, einem seiner früheren Romane, sowieso noch relativ unverbraucht und einfach herrlich schockierend sind.

Mit dem Augensammler nämlich hat Fitzek einen Serienmörder geschaffen, dessen Taten auf den ersten Blick an Grausamkeit und Skrupellosigkeit kaum zu übertreffen sind. Sein immer gleiches, schematisches Vorgehen, der Mord an der Mutter und die anschließende Entführung der Kinder mit einem Zeit-Ultimatum von 45 Minuten, das Entfernen des linken Auges der Kinder - all das ist eine entsetzliche Folter für die Väter und könnte so auch aus einer Folge "Criminal Minds" entsprungen sein. Was mir aber bei diesem Thriller besonders gut gefällt, ist, dass Fitzek mit dem Augensammler einen weitaus komplexeren und interessanteren Charakter geschaffen hat, als man anfangs vermuten könnte. Indem er ihn nämlich selbst durch Briefe an die Zeitung zu Wort kommen lässt, gibt er ihm nicht nur die Aura eines unmöglich zu fassenden Phantoms (wir erinnern uns an Jack the Ripper und seine berühmten Briefe), sondern er gibt ihm in seinem Wahn auch eine Möglichkeit, sich zu erklären, der Polizei und der Presse Hinweise zu geben, seine Überlegenheit zu demonstrieren und sich letztlich auch zu rechtfertigen.

Ich weiß nicht so recht, ob ich es gut finde, wie der erste Band des Zweiteilers endet (ich will euch nicht zu viel verraten) - ich glaube, ich hätte es spannender gefunden, wenn Fitzek mich noch ein wenig länger im Dunkeln gelassen und seinem Mörder erst in Band 2 die Worte in den Mund gelegt hätte, mit denen Der Augensammler endet. Nichtsdestotrotz ist die ganze Geschichte bis zu diesem explosionsartigen Ende durchzogen von zahlreichen Höhepunkten, zum Nägelkauen spannenden Situationen, irren Plot Twists und unerwarteten Handlungselementen. Wie die meisten seiner Bücher führt auch Der Augensammler den Leser tief hinab in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Psyche und ist dabei so rasant, dass man kaum zu Atem kommt - und es auch gar nicht will.

Überzeugt haben mich außerdem die Charaktere - vom Ex-Polizisten Zorbach, den ein schwerwiegender Fehler in seiner Vergangenheit nur noch mehr dazu anspornt, den Augensammler zu finden und der sich fast schon wahnhaft in die Suche nach dem Mörder und den entführten Kindern hineinsteigert, über den wenig ehrenhaften und ungehobelten Polizisten Scholle und die blinde, auf den ersten Blick tatsächlich etwas verrückte Alina bis hin zum Augensammler selbst. Die Figurenkonstellation passt einfach perfekt zur Stimmung und zur rasanten Handlung. Das einzige, was mich schon beim ersten Lesen und auch jetzt wieder gestört hat, ist Alinas Gabe - auch wenn ich es grandios finde, wie sich gegen Ende alles entwickelt, konnte ich mich manchmal des Gefühls nicht erwehren, hier hätte es einfach noch ein Mittel gebraucht, um schließlich die ersten echten Hinweise auf den schwer fassbaren Augensammler zu liefern und Zorbach auf die richtige Spur zu bringen. Ich weiß nicht, ob Alinas Rolle hundertprozentig und vor allem auf glaubwürdige Weise in die Geschichte passt.

Trotzdem liest sich auch Der Augensammler weg wie nichts - beziehungsweise hört sich in der Hörbuchfassung nur so runter. Was sicherlich auch an Simon Jäger liegt, der bisher alle Thriller von Fitzek eingelesen hat und der einfach einen verdammt guten Job macht - man kann es nicht anders sagen. Übrigens ist auch der Aufbau des Romans etwas ziemlich Besonderes: Die Geschichte beginnt nämlich mit dem Epilog und endet mit dem Prolog - dazwischen laufen die Kapitel rückwärts ab. Das mag auf den ersten Blick befremdlich wirken, wenn man die Handlung aber aufmerksam verfolgt, erschließt sich gegen Ende der Sinn des Ganzen. Es ist wieder so ein genialer Fitzek-Kniff, der den Thriller zu einem spektakulären Leseerlebnis macht.

Mein Fazit:


Der Augensammler ist nicht mein Lieblings-Fitzek, als meine "Einstiegsdroge" wird er für mich aber immer etwas Besonderes sein. Das Hörbuch hat mir einfach nochmal gezeigt, wie viel Spaß (klingt das eigentlich komisch?) man beim Lesen/Hören hat und wie großartig es sich anfühlt, wenn einem am Ende wie Zorbach ein Licht aufgeht und man sich denkt - Menschenskinder, wie konnte ich nur so blind sein? Rasant, vielschichtig, überraschend, grausam und vor allem unterhaltsam - Thrillerfans wird Der Augensammler ganz sicher mehr als glücklich machen.

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Fremder Himmel

Dennis Frey
Flexibler Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.10.2017
ISBN 9783959914901
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit Dennis Frey haben wir uns auf der diesjährigen Drachennacht lange und ausgiebig unterhalten dürfen und genau deshalb, weil Dennis ein unheimlich lieber Mensch ist und mit so viel Begeisterung von seinen Geschichten spricht, musste ich seinen Roman Fremder Himmel jetzt endlich lesen. Ich war einfach so neugierig auf diese außergewöhnliche Geschichte und auf Dennis' Konzept, das mich vom ersten Moment an begeistert hat. Denn mal ehrlich - für uns Buchmenschen sind Bücher über Bücher irgendwie der heilige Gral. Es fühlt sich einfach immer vertraut an, wenn man eine Geschichte liest, in der ein bestimmtes Buch (oder auch mehrere Bücher) eine essentielle Rolle spielen - so wie in unserem Leben eben. Dennis geht in Fremder Himmel sogar noch einen Schritt weiter und erfindet mit Mona als fiktive Autorfigur den Prototypen einer jungen, unerfahrenen und anfangs recht von sich überzeugten Schriftstellerin. Dieses Konzept hat mich vor Jahren schon in Scott Westerfelds Afterworlds begeistert und auch in Dennis' Roman ist es der Kern der Handlung - es ist das, was diese Geschichte von vornherein so wahnsinnig faszinierend und besonders macht.

Mona nämlich ist als angehende Autorin gerade zu Beginn der Geschichte fast schon auf nervtötende Weise von sich selbst und ihrem vollendeten Manuskript überzeugt. Nervtötend, aber durchaus vorstellbar, denn wir alle glaube natürlich an die Dinge, die wir selbst geschaffen haben - Kritik zuzulassen, fällt da äußerst schwer. Mona muss sich zunächst überwinden, sich fest vornehmen, an ihrem Manuskript zu arbeiten, Fehler zu erkennen und Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Das ist ein Prozess, den Dennis sehr schön und authentisch nachbildet - womit er vielen angehenden Autoren vermutlich aus der Seele spricht und wobei er vielleicht sogar seine eigenen Erfahrungen einfließen lässt.

Nun passiert etwas Unglaubliches: Mona taucht nicht nur im übertragenen Sinne in ihre eigene Geschichte ein, so wie das vermutlich alle Autoren tun, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Der geheimnisvolle Lektor Bragi nämlich schickt sie in ihre erdachte Fantasy-Welt, nach Kaemnor - wo sie am eigenen Leib spüren wird, welche Fehler sie beim Schreiben und vor allem beim World-Building gemacht hat und wie sich das auf die Handlung ihres Buches auswirkt. Eine faszinierende Vorstellung, denn vermutlich würde es vielen Autoren helfen, ihre eigene Geschichte nicht nur aus Sicht des Lesers, sondern auch aus Sicht ihrer Figuren, quasi von innen heraus, zu betrachten. Mona jedenfalls stellt ziemlich bald fest, dass sie noch sehr viel lernen muss und dass ihre Geschichte noch weit entfernt ist von einem in sich schlüssigen, logischen und packenden Fantasy-Epos mit vielschichtigen Figuren.

Es hat mir anfangs großen Spaß gemacht, Mona beim Lernen zuzuschauen. Dennis treibt es mit den Fehlern, die Mona beim Schreiben macht, auf die Spitze und zeigt beispielsweise, wie es sich auswirken kann, wenn man sich um die Figuren, die verschiedenen Orte und komplexe Handlungsstränge wenig Gedanken macht. Besonders interessant war für mich das Eigenleben, das Monas Charaktere und auch ihre Welt entwickeln, denn man hört von vielen Autoren ja immer wieder, dass ihre Figuren sich verselbständigt haben und quasi eigene Pläne für die Geschichte hatten. Dennis stellt das auf ziemlich anschauliche und eindeutige Weise dar und das hat mir wirklich gut gefallen.

Ich muss allerdings sagen - der Plot der Geschichte in der Geschichte (also der Plot von Monas Roman) hat mich insgesamt nicht wirklich überzeugen können. Einerseits ist das eine spannende Erfahrung und kann vom eigentlichen Autoren ja tatsächlich so geplant gewesen sein - Mona steht vermutlich noch ein langer Prozess bevor und ihr erstes Buch ist kein Meisterwerk. Absolut logisch und wie gesagt - ein faszinierender Punkt und eine interessante Idee, das so darzustellen. Da aber ein Großteil von Fremder Himmel in Monas Fantasywelt Kaemnor und in ihrer Geschichte spielt, hat sich bei mir leider bald Resignation eingestellt. Und ich habe mir die Frage gestellt: Will ich eine halbfertige Fantasy-Geschichte eigentlich lesen, auch wenn das Drumherum noch so originell und faszinierend ist? Ich habe keine wirkliche Antwort darauf gefunden. "Monas" Plot zieht sich einfach über weite Strecken, es fehlen die Höhepunkte und die Figuren bleiben auch nach ihren Korrekturen weitestgehend flach und oberflächlich. Das Spannende dabei ist natürlich, dass man als Leser nicht einschätzen kann, ob Dennis das seiner Protagonistin tatsächlich gänzlich so angedichtet hat - ob es vielleicht nicht genauso gewollt war. Und ich komme zu dem Schluss, dass ich von Mona lieber nichts mehr lesen möchte - von Dennis aber umso mehr. Ein ziemlich spannendes Fazit, über das ich vermutlich noch eine Weile nachdenken werde.

Mein Fazit:
Dennis Frey beherrscht sein Handwerk ohne Frage - so gut, dass ich am Ende nicht weiß, wie viel der Geschichte aus seiner Feder stammt und wie viel aus Monas. Klingt konfus und irgendwie ist es das auch. Fremder Himmel ist auf jeden Fall ein einzigartiges und auf gewisse Weise spannendes Leseerlebnis, hat aber auch seine Längen - besonders, was die Geschichte in der Geschichte betrifft. Monas Fantasy-Roman um das Land Kaemnor haben mich einfach nicht wirklich mitreißen und am Ende überzeugen können. Aber vielleicht sollte es genauso sein - außergewöhnlich ist dieses Buch ohne Zweifel und ich freue mich auf das nächste Werk von Dennis Frey, was ja auch irgendwie schräg und besonders werden soll ;)

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Ready Player One

Ernest Cline , Hannes Riffel , Sara Riffel
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 22.02.2018
ISBN 9783596702428
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ich falle direkt mit der Tür ins Haus: Mein Gott, was für einen unglaublichen Spaß hat mir diese Geschichte gemacht! Lange, lange hat Ready Player One von Ernest Cline auf meinem SuB gelegen und ich könnte mich dafür ohrfeigen (mache ich vielleicht auch noch). Erst der Kino Release des Films hat mich endlich dazu gebracht, das Buch zu lesen und das war auch dringend nötig, denn diese wahnsinnige Story hat mir so viel gegeben und mich so unfassbar gut unterhalten wie schon lange kein Buch mehr. Ernest Cline ist fast schon zu meinem neuen Buchgott geworden, denn ich bewundere jedes seiner Worte und vor allem jeden seiner genialen Einfälle. Und davon gibt es in Ready Player One (übrigens Clines Debütroman, irre!) beinahe so viele, wie James Halliday Dollar auf der Bank hat.

Aber der Reihe nach - worum geht es überhaupt in Ready Player One? In erster Linie um ein Computerspiel oder eher DAS Computerspiel, denn in der dystopischen und sehr trostlosen Zukunft, in der die Geschichte spielt, ist die von James Halliday geschaffene OASIS quasi das einzige, für das die Menschen noch leben. Die Realität ist düster, traurig und aussichtslos geworden und so fliehen die Menschen tagtäglich in die virtuelle Welt der OASIS, wo sie alles sein, alles tun und all das erleben können, was in der Wirklichkeit unmöglich geworden ist. Dieses Grundszenario erschafft eine zugleich düstere und hoffnungsvolle Atmosphäre und es ist so absolut vorstellbar und so nah dran an unserer Welt, die sich Tag für Tag weiterentwickelt und gleichzeitig zurück, dass es mich von Anfang an gefangen genommen hat. Cline zeigt uns eine mögliche Zukunftsvision, die wenig Mut macht - zugleich zeigt er uns aber auch einen Ausweg, nämlich die virtuelle Welt der OASIS. Dass die lange nicht so verlockend und perfekt ist, wie es vielleicht den Anschein hat, erklärt sich von selbst...

Die OASIS hat mich von Beginn an fasziniert, denn diese komplexe Welt, die Cline da erschaffen hat, übt einfach eine unglaubliche Anziehungskraft auf den Leser aus. Ebenso wie auf Wade, den Protagonisten der Geschichte. Wade ist in der Realität ein "niemand", so sieht er sich selbst. Er lebt für die OASIS und für Hallidays Vermächtnis. Er hat jedes einzelne Wort von Halliday aufgesogen, hat alle seine Lieblingsfilme gesehen, kennt jedes seiner liebsten Computerspiele - ist voll und ganz eingetaucht in Hallidays Leben. Und das unterscheidet Wade (oder Parzival, wie sein Avantar in der OASIS heißt) von den meisten anderen Jägern. Wade lebt die Kultur der 1980er (das Jahrzehnt, in dem Halliday ein Teenie war) wie kaum ein anderer und genau deswegen ist auch er es, der den ersten von 3 Schlüsseln entdeckt und damit die Jagd auf das Easter Egg eröffnet.

Ready Player One ist also eine riesige, temporeiche virtuelle Schnitzeljagd durch die OASIS - und durch die 1980er Jahre. Denn Ernest Cline hat in seinem Buch so viele verschiedene Stoffe miteinander verbunden, dass die OASIS für viele Leser von einer abstrakten VR zu einer sehr plastischen und vor allem vertrauten Welt wird. Ich selbst bin zwar nicht gerade ein Nerd und abgesehen von den großen Klassikern aus dem Games- und Film-Bereich (wie zum Beispiel "Pac Man", "Star Wars", "Star Trek", "Ghostbusters", "Blade Runner", Monty Python oder natürlich "Herr der Ringe") haben mir vor allem viele Konsolen- und Automatenspiele aus den 80er Jahren nichts gesagt, aber das macht überhaupt nichts. Denn Clines Roman spielt zwar in der Zukunft, ist aber gleichzeitig ein spannender und absolut irrer Trip durch die 1980er Jahre. Ready Player One ist gleichzeitig innovativ, modern und revolutionär auf der einen und absolut retro auf der anderen Seite. Und genau diese Gegensätzlichkeit, die am Ende keine mehr ist, ist es, die den Roman so spektakulär, so mitreißend und so einzigartig macht.

Ich mochte das Setting, die komplexen Charaktere, die - obwohl man sie teilweise nur in Gestalt ihrer Avatare und somit virtuell trifft - unglaublich vielschichtig sind, ich mochte vor allem Wade, den Underdog, der sich nur mithilfe seines Wissens von ganz unten bis ganz nach oben kämpft, ich mochte die wahnsinnige Detailhaftigkeit, die sich in der OASIS findet, die unzähligen Anspielungen auf die Meilensteine der Popkultur und ich mochte Clines sehr sehr ausschweifenden Erzählstil. Das ist eine kleine Besonderheit, denn in der Regel bevorzuge ich es eher straight und auf den Punkt - aber meine Fresse, was für ein gigantisches Universum Ernest Cline mit seinen Worten erschafft und was er da alles reinpackt - darüber muss man beim Lesen einfach immer wieder staunen. Es gibt so wahnsinnig viel zu sehen und zu entdecken. Und ich mag es bei diesem Buch außerordentlich gerne, dass Cline durch seinen Protagonisten Wade so viel erklärt. Dass er einen an die Hand nimmt und ihm alles zeigt. So lernt man eben nicht nur die zukünftige Welt, sondern auch unsere gegenwärtige Popkultur kennen. Es ist faszinierend und einfach spektakulär, ich kann es nicht anders sagen.

Die Geschichte selbst mag auf den ersten Blick vielleicht geradlinig und relativ vorhersehbar scheinen - wir haben hier eben einen Underdog, der im Gegensatz zu vielen großen Jägern und vor allem zu den Profis von IOI über so gut wie keine Ressourcen verfügt, der einfach irgendwie unbedeutend ist. Und genau dieser "Niemand" landet nun nach 5 Jahren erfolgloser Suche den großen Coup und findet den ersten Schlüssel. Ja, teilweise habe ich mich gewundert, wie Wade all das wissen, wie er all das tun kann - aber letztlich ist er eben ein genauso großer Nerd wie James Halliday und wie sein eigener Schöpfer, Ernest Cline. Wade ist einfach der Richtige für diesen Job und das habe ich relativ schnell gemerkt. Und die Suche nach dem Easter Egg macht schlichtweg so viel Spaß und ist ab der Mitte auch so rasant und elektrisierend, das man alles andere einfach irgendwie ausblendet. Es gab zwar einen Teil in der Mitte, der etwas langgezogen war (ich spreche von dem Hin und Her zwischen Wade alias Parzival und Art3mis, ein Avatar, in den Wade sich verguckt), aber im Vergleich zu dem ganzen Drumherum, dieser gigantischen und genial ausgeschmückten Story macht das eigentlich gar nichts aus. Denn genossen habe ich dennoch jede Seite und ich war ziemlich enttäuscht, als diese irre Reise, dieses packende Abenteuer schließlich vorbei war. Mein Gott, ich hätte Ready Player One bis ins Jahr 2045 und darüber hinaus lesen können.

Mein Fazit:

Ich weiß, ich ergehe mich in Lobeshymnen, aber ich kann einfach nicht anders: Ready Player One ist so so so gut. Es ist unglaublich detailreich, einfach so sensationell gemacht und man liest aus jeder einzelnen Seite die Leidenschaft des Autoren heraus. Man spürt von vorne bis hinten: In dieser Geschichte steckt all sein Herzblut. Und letztlich macht der Roman einfach unfassbar viel Spaß - ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das ich so sehr genossen habe. Ich freue mich deswegen auf den Film, auch wenn ich mir zu 99% sicher bin, dass er dieses Buch einfach nicht toppen kann.

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Tags: 1980er, 1980er jahre, computerspiele, popkultur, science fiction, virtual reality, virtuelle realität, vr, zukunft, zukunftsvision   (10)
 
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