TaHa

TaHas Bibliothek

16 Bücher, 16 Rezensionen

Zu TaHas Profil
Filtern nach
16 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

92 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

kate morton, familiengeheimnis, cornwall, das seehaus, liebe

Das Seehaus

Kate Morton , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Diana, 10.04.2017
ISBN 9783453359468
Genre: Romane

Rezension:

Im Mai 2017 ist Kate Mortons 622 – seitige Familiengeschichte im Diana Verlag als Taschenbuch erschienen. Der Roman spielt auf verschiedene Zeitebenen (20, 30 Jahre 1910-12). Zeitenwechsel werden nicht angekündigt, sie passieren mitunter im Fließtext und ergeben sich in der Geschichte wie selbstverständlich.

 Zum Inhalt:

Zentrale Figur ist Sadies, eine beurlaubte Londoner Polizistin. Ihr Chef denkt, sie bräuchte nach einem Fall, der sie sehr beschäftigt hat, mindestens 4 Wochen Urlaub. In eben jenem macht sie sich auf zu ihrem Großvater nach Cornwall (2003).  Dort joggt sie mit den Hunden und entdeckt dabei am See ein Herrenhaus. Es sieht aus, als wären die Bewohner gerade noch da gewesen. Aufgeschlagene Bücher liegen aus, auf den Tischen ist noch Besteck. Jedoch ist überall eine dicke Staubschicht. Die Protagonistin will herausfinden, was in und mit diesem Haus los ist. Familie Edevane hat dort gelebt und deren kleinster Sohn ist verschwunden. Theo wurde früher aus seinem Babybett gestohlen. Sadie lenkt das bislang ungeklärten Unglück, das spurlosen Verschwinden des Kindes, von ihren beruflichen Problemen ab. Sie gräbt immer tiefer in der Familiengeschichte der Edevanes.

Einen anderen Handlungsstrang in der Jetzt–zeit dominiert Alice Edevane, eine von drei großen Schwestern von Theo. Sie liebt es, Rätsel zu lösen. Zurückgezogen lebt sie als Krimiautorin und zeigt einen sehr eigenen, eher verschrobenen Charakter. Für ihren Assistenten ist sie nur großartig. Sie erlebt der Leser 1933 als 16-Jährige beim Mittsommernachtsfest auf dem Landgut ihrer Familie und begleitet sie durch ihr Leben.

Morton verwendet ein interessantes Stilmittel: Das Vorwissen von Lesern um die Geschichte der Titanic wird verwendet, um Spannung zu erzeugen. Immer wieder wird Zeitgeschichtliches gestreift, vor realen Hintergründen agieren die Figuren.

 Hier liegt ein leichter, gut zu lesender, eingängiger Roman vor, gute Unterhaltung. Eine zeitweise etwas „blumige“ Sprache transportiert die Optik des Covers. Trotz des beachtlichen Umfanges gibt es kaum Längen. Über die vielen Protagonisten muss man sich erst einmal einen Überblick verschaffen. Bei den Figuren der Vergangenheit zoomt sie sehr nah dran, wobei sie die Figuren der Gegenwart tendenziell nüchterner schildert.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

bilderbuch, blinzeln, augen, bloss nicht blinzeln

Bloß nicht blinzeln!

Tom Booth , Katja Gabriel , Tom Booth
Fester Einband: 40 Seiten
Erschienen bei cbj, 04.09.2017
ISBN 9783570174524
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Im Grunde denke ich oft, es sind schon so ziemlich alle Geschichten auserzählt, die sich für das Medium Bilderbuch eignen. Wirklich Neues, nie Dagewesenes, habe ich in letzter Zeit eigentlich nicht mehr gesehen. Nicht falsch verstehen! Es kommen ganz oft sehr schöne, bezaubernde Bilderbücher auf den Markt. Welche mit großarten Bildern, interessanten Formaten, schönen Versen. Aber so richtig neu? Etwas, das ich so gar nicht vermutet hätte?

Hier ist so ein seltenes Exemplar:

Bloß nicht blinzeln! Von Tom Booth ist am 4.9.2017 im cbj Verlag erschienen. Die Geschichte ist simpel wie lustig: Ein kleines Mädchen spielt das Blinzelspiel. Es geht darum, wer zuerst blinzelt. Immer mehr Tiere kommen dazu, die sich als Konkurrenten anbieten. Das besondere aber ist, dass der Zuhörer, der Leser und Betrachter des Buches, aufgefordert wird, sich am Blinzelspiel zu beteiligen. Das Kind tritt also gegen einen Elefanten, einen brüllenden Affen und andere Tiere an.

Insgesamt kommt dieses Buch sehr reduziert daher und zieht genau daraus seine Kraft. Die Geschichte kommt mit wenig Schrift aus, die jedoch direkt beim jeweiligen Sprecher steht. Ich finde die Idee großartig. Auf den Bildern ist es nie hektisch, bunt oder voll. Der beige Hintergrund wird vom Cover bis zur letzten Seite durchgehalten. Eine unaufgeregte Klarheit spricht sowohl mich als auch die Kinder an, die das Buch mit mir betrachtet haben. Trotzdem gibt es immer was zum Schauen. Der Autor beweist wirklich Humor, wenn er die alte Schildkröte über Seiten hinweg immer ein klein wenig weiter ins Bild schleichen lässt.

Wenn das Buch noch auf einen Vorleser mit einem Händchen für Timing und Sprachtalent hat, ist Unterhaltung garantiert.

Es gefällt mir sehr gut, dass das Buch ohne App zum Buch auskommt.

Und übrigens: Wir haben verloren...

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

missverstädnnis, freundschaft, liebe

Wie Brausepulver im Bauch

Christine Fehér , Daniela Bunge
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei cbt, 28.08.2017
ISBN 9783570165041
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der 217-Seitige Jugendroman 'Wie Brausepulver im Bauch' von Christine Fehér ist 2017 im cbt Verlag erschienen.  

 

Das Buch handelt von Frieda und Anselm, der von allen nur Amsel genannt wird. Frieda bekommt eine fünf in Mathe, Anselm ist der Beste bei dieser Arbeit. In der nächsten Stunde ist Sport. In diesem Fach ist Frieda deutlich besser als Anselm. Sie nennt ihn Nerd nennt, er gib an mit seiner eins. Später bereuen beide was sie gesagt haben. Beiden geht das Gesicht des anderen nicht mehr aus dem Kopf. Wegen der fünf in Mathe nimmt Frieda Nachhilfe. Sie erzählt ihrer neuen Nachhilfelehrerin Pia von Anselm. Pia meint, sie sei verliebt. Auch Amsel spürt ein Gefühl, das beide wie Brausepulver im Bauch beschreiben. Am nächsten Tag kommt dann eine Übung für die Fahrradprüfung, welche in der kommenden Woche startfinden soll. Anselm ist ein reichlich untalentierter Radfahrer, daher möchte er im Park üben. Dabei trifft er Frieda, die ihm hilft. Sie verstehen sich gut und als sie fertig sind, nimmt Amsel sie mit nach Hause, wo sie dann gemeinsam Anselms Bartagamen füttern und beobachten. Anselms Geburtstagfeier steht an, die große Klassenfahrt und noch viele weitere lustige Ereignisse, bei denen sich die beiden näher kommen…

Die Autorin lässt die Protagonisten abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen. Jedes Kapitel beginnt mit einem Bild von Frieda oder Anselm, damit der Leser gleich eine Orientierung hat, aus welcher Sicht gerade erzählt wird. Jedes Kapitel ist mit einer großzügigen Überschrift versehen, die zu Inhalten hinleitet, z. B: 'Warum ich Elias eine schwache Blase wünsche und warum ich bei der Radfahrprüfung kaum aufsteigen kann.' Grau unterlegte SMS – Nachrichten ergänzen die Geschichte. Kleine Illustrationen spiegeln in Bildern wieder, was der Text schon sagt oder ergänzen diesen sinnvoll.

 

Fazit:

Eine heitere, leichte, humorvolle Geschichte, die auch traurige Facetten sprachlich sehr ansprechend vermittelt. Mit einer klaren Sprache erreicht die Autorin die Kinder und Jugendlichen sehr gut. Sie findet Anknüpfungspunkte an die Erfahrungs- und Lebenswelt der Jugend. Inhaltlich eignet sich das Buch klar für Jungs und Mädchen, auch das gelbe Cover ist geschlechterneutral. Was tatsächlich schade ist, sind die Illustrationen auf den Innenseiten des Covers. Sie sind ganz zart und sehr schön, aber Blümchen, Gräser, Frösche und ein Vogel in einem Pünktchenmuster eingebettet lässt Jungs das Buch wohl eher wieder zu schlagen, als anfangen zu lesen. Besonders bedauerlich ist dies, weil es immer weniger gute Jugendromane für beide Geschlechter oder Jungs jenseits von Fantasy zu geben scheint und hier eindeutig einer vorliegt.

Meine Kinder haben das Buch an je einem Tag am Wochenende durchgelesen und sind begeistert.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

liebe im alter, frankreich, tod, hörbuch, witwe

Und jetzt lass uns tanzen

Karine Lambert , Pauline Kurbasik , Iris Berben
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 06.03.2017
ISBN 9783837138283
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Hörbuch Und jetzt lass uns tanzen vom März 2017 erschien im RandomHouse Audio Verlag und ist die ungekürzte Lesung zum gleichnamigen Roman des Diana Verlages.

Iris Berben spricht mit einer warmen, ruhigen Stimme. Sie erzeugt eine fast schon heimelige, teils melancholische Stimmung.

Die Autorin Karine Lambert stellt mit den völlig unterschiedlichen Protagonisten Marcel und Marguerite zwei Figuren in den Mittelpunkt, die beide eine Verlusterfahrung gemacht haben. Marguerites sehr dominanten Ehemann, ein Notar, verstarb im hohen Alter. Das Paar siezte sich. Sie folgte seinen Ideen und Ansagen. Nach seinem Tod erinnert der Alltag die 78-Jährige schmerzhaft an den verstorbenen Ehemann. In der Metzgerei wird sie beispielsweise gefragt, ob sie auch noch Wurst für ihren Mann mitnehmen möchte. Der Sohn des Paares, Frédéric, sorgt sich um die Mutter, die nun alleine ist und macht seiner Mutter Vorschriften.

Marcel kommt aus Algerien, ist Franzose. Er war glücklich verheiratet. Mit seiner Frau Nora war er schon mitten in der Planung für ein Ehejubiläum, als diese plötzlich verstarb.  

Marcel und Marguerite lernen sich in einem Kurort kennen. Sie können über die Gleichen Sachen lachen, haben ähnliche Vorstellungen. Die beiden verlieben sich in einander, zum Unverständnis der Kinder. In der fremden Umgebung entdeckt Marguerite ihre längst vergessen geglaubte Lebensfreude durch Marcel wieder.

Die Geschichte wird durch den Perspektivwechsel der Figuren getragen. Humorvoll, berührend aber nie kitschig wird Älterwerden, Einsamkeit, Schicksal und der Mut, eine späte Liebe zu leben, thematisiert. Die sympathischen Figuren werden durch eine fein komponierte Wörterwelt regelrecht zum Leben erweckt.

Fazit:

4h 50min Stunden feiner, unaufgeregter Hörgenuss auf vier CDs.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Gerechtigkeit

Franz Alt , Peter Spiegel
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 25.04.2017
ISBN 9783579086637
Genre: Sachbücher

Rezension:

Franz Alt ist bekannt unter anderem als langjähriger Moderator des Politmagazins 'Report Baden-Baden' beim SWF und 'Querdenker' auf 3Sat. Er ist wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, z.B. dem Adolf-Grimme-Preis, Deutschen Solarpreis und der Goldenen Kamera. Als sehr politischer (aber nicht Partei-politischer), streitbarer Mensch ist er u. a. durch seinen offenen Brief an H. Kohl nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl bekannt und aus neuerer Zeit durch sein Engagement gegen Stuttgart 21. Er hat bereits mehrere Werke veröffentlicht. Seine Internetpräsenz lautet Sonnenseite.com und führt im Untertitel: Ökologische Kommunikation mit Franz Alt.

Der Soziologe Peter Spiegel ist Gründer des Horizonte Verlages GmbH, der UNESCO Publikationen, Dreikurs und Gorbatschow Veröffentlichungen betreute. Er gründete Terra One World Network e.V. und hat mit dem Dalai Lama, Nelson Mandela und Gorbatschow persönlich zusammengearbeitet. Bislang hat er mehrere Werke veröffentlicht.

Nun haben der Umweltvisionär und der Sozialvisionär ein gemeinsames Manifest heraus gebracht mit dem Ziel, eine Grundsatzerklärung zur Gerechtigkeit für alle zu geben. Die Leitidee umfasst einen realistischen Wohlstand, Frieden auch mit der Natur, sinnstiftender Arbeit, soziale Sicherheit und Teilhabe aller. Das Werk ist in zweigeteilt. Im ersten Teil stellt Alt seine Thesen zur Gerechtigkeit vor. Er gliedert sie in die Punkte neue Globalisierung, kein Leben ohne Umbrüche und Verunsicherungen, sind wir noch zu retten, Wendezeit, utopische Oasen oder Wüsten der Banalität, auch die Bevölkerung wächst nicht ewig, 13 Öko(an)gebote, ohne Gerechtigkeit keine Demokratie.

Peter Spiegel füllt den zweiten Teil ab Seite 107 mit den Themenfeldern Gerechtigkeit als Entfaltung der menschlichen Potenziale, Revolution des Bildungswohlstands, Revolution des sozialen Wohlstands, Revolution des Demokratiewohlstands, Revolution des Gemeinwohlstands.

Angefügt werden weiterführende Links sowie Literaturangaben.

Alt legitimiert gleich zu Beginn seine Überlegungen mit (gut recherchierten) Zahlen und Statistiken (Erneuerbare Energie: Island ist heute zu 97 %, Costa Rica zu 100% erneuerbar. S. 78) . Er stellt dem Leser die Frage, was ein Rückzug in alte Nationalismen hilft, wo doch „unser Bauchnabel“ nicht der Nabel der Welt ist. In Deutschland wurden durch die 33 % Ökostrom mehr als 300000 zukunftsfähige Jobs geschaffen. (S. 30/31). Er hält eine glühende Rede auf Europa (Europa ist das Beste, was Deutschland passieren konnte). Er benennt die Schattenwirtschaft und ihre steuerliche Verwerflichkeit, Milliardensubventionen für Kohle und Atomkraft. Er plädiert für mehr Reife in der Wirtschaft. Die Lösung sieht er in einer ökosozialen, ethischen Marktwirtschaft, nicht in einer freien. Als Verlierer dieser freien Marktwirtschaft sieht er die Armen der Gesellschaft und zukünftige Generationen. Die Verweise auf Religiöses (der Begriff Wunder), Jesus und eine jesuitische Revolution sind mir zu undifferenziert, kommen oft doch sehr plötzlich. Die „Politik der Bergpredigt“ (S. 106) als Lösung anzubieten, nachdem mit flammender Leidenschaft gegen Trump, ökonomische Fehlentscheidungen und menschenfeindliche Lebensumstände postuliert wurde, schmälert die Kraft seiner Leitidee.

Spiegel liest sich in einem anderen Stil – leichter, positivistischer. Er beginnt mit einem Zitat von Wikipedia. Viele seiner Ideen präsentiert er in Form einer Aufzählung (Wohlstandsfaktoren. S. 114/115.) Er zeigt seinem Leser den Erfolg des Salman Khan auf, der die für Spiegel bedeutendste Bildungsrevolution der Menschheitsgeschichte zustande brachte – kurze Lernvideos (S. 129).  Schüler und die Verantwortungsübernahme sind im Fokus. Er postuliert einen global durchgesetzten Mindestlohn mit einer Lohnuntergrenze von 1 Dollar pro Stunde( S. 151) und erkennt darin eine soziale Innovation. Er schlägt vor, das die Länder der Welt 1% ihres BIP in einen Global Goal Fund einzahlen. Er gibt für 2016 die Summe 88 Mio. Dollar an und führt in einer Auflistung auf, wie die Mittel verwendet werden. Hier nennt er auch gleich Zahlen, z.B. 130 Mio. Dollar für globale Arbeitslosen- und Sozialgrundversicherung.

Das Werk beschäftigt sich mit sehr aktuellen Themen: Bernie Sanders, Trump, Onlinelearning, Airbnb.

Es werden Werte, Orientierungen, eine Haltung formuliert und für sie geworben. Das ganze Manifest ist doch sehr komplex. Auf wenigen Seiten (187) wird im Grund alles verhandelt. Das hier vieles doch nicht zu Ende gedacht werden kann, Hintergründe offen bleiben, liegt eigentlich auf der Hand. Lohnenswert ist die Lektüre allemal, auch wenn die Wenigsten bei allen Thesen mitgehen dürften. Es eröffnet neue Denkmuster, sensibilisiert für Ungerechtigkeiten.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

amanda, thriller-roman, mary higgins clark, jeff

Und niemand soll dich finden

Mary Higgins Clark , Alafair Burke , Karl-Heinz Ebnet , Michou Friesz
Audio CD
Erschienen bei Random House Audio, 25.04.2017
ISBN 9783837138009
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sprecherin Michou Friesz hat eine Stimme, die zur Story passt. Stellenweise erinnert sie in Sprachmelodie und Klang an Katharina Thalbach. Die Leserin moduliert ihre Stimme, trägt durch die Geschichte. Eine gute Wahl bei der Vertonung dieses gekürzten Hörbuches, das immer noch gute sechs Stunden dauert.

 Ein großes Konglomerat an Figuren kommt auf den Hörer zu, z. B. Amanda Pierce als die Braut und Vermisste, die Journalistin Moran samt ihrem Sohn, ihren Freund Alex, ihrem liebenswerten Vater und ihrem getöteten Mann, die Praktikantin des Hochzeitsfotografen, die Freundin der Braut, Fernsehteam, Freunde, etc. Das Thema der Braut, die kurz vor der Hochzeit verschwindet, ist nicht neu und Mittelpunkt zahlreicher Romane und Krimis. Diese Kombination ist natürlich nicht die ideale Voraussetzung für einen spannenden Thriller. Da müsste dann etwas wirklich spektakuläres, überraschende passieren. Das sieht der Plot nicht vor.

Die Suche der TV Journalistin Laurie Moran fünf Jahre nach dem Verschwinden der reichen, jungen Amanda Pierce ist eine durchaus nette Geschichte, ob man sie jetzt tatsächlich als Thriller bezeichnen muss, ist fraglich. Die Dramaturgie bietet einige Höhen und auch das Ende ist tendenziell überraschend. Die gefühlte Distanz der Protagonisten zueinander wirkt etwas emotionslos. Positiv zu vermerken ist, dass auf Gewaltszenen und „Blutexzesse“ verzichtet wurde.

Es scheint wohl der dritte Band um die Figur Moran zu sein. Ich konnte der Story sehr gut folgen, auch ohne die ersten beiden Bände zu kennen.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(47)

55 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 42 Rezensionen

freundschaft, abtreibung, kalifornien, ungeplante schwangerschaft, frauen

Ein Sommer in Corona del Mar

Rufi Thorpe , Beate Brammertz
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 13.03.2017
ISBN 9783442714711
Genre: Romane

Rezension:

Eine packende, tiefsinnige, berührende Geschichte über Freundschaft, Erwachsen werden und das (erschütterte) Gefühl, jemanden zu kennen. Zu keiner Zeit vorhersehbar lässt die Autorin Rufi Thorpe den Leser teilhaben am Zerbrechen einer Freundschaft, an der individuellen Entwicklung zweier besten Freundinnen.

Mia, eine der beiden Protagonistinnen erzählt im Rückblick die Geschichte von der Freundschaft zwischen ihr und Lorrie Ann, die bereits in Kindergartentagen begann. Beide wuchsen in Corona del Mar auf, wobei ihre eigene Familie aus einer trinkenden Mutter und zwei kleinen Brüdern bestand, Lorrie Anns Familie aus einem sich und ihre Kinder liebenden Elternpaar. Die Mutter Dana Erzieherin, der Vater ambitionierter Musiker. Beide gläubig. Wohnhaft in einer kleinen, engen Zweizimmerwohnung, aber sehr glücklich. Der große Bruder versteht sich bestens mit ihr. Das pure Familienidyll, trotz widriger Umstände. Mia findet alles an ihrer Freundin perfekt: ihr Aussehen, ihren Intellekt, ihre Familie, ihre absolute Loyalität zu ihr. Die Gefühle von Lorrie Ann erfährt der Leser „aus zweiter Hand“. Diese Filter ist besonders zu Beginn des Buches so hervorragend, weil zum einen dem Leser Lorrie Ann als Quasi-Göttin vermittelt wird, zum anderen die Protagonistin Mia ihre Verbundenheit, ihre Achtung zu Lorrie Ann legitimiert. Dadurch wiegt die Erkenntnis, dass sie ihre beste Freundin wohl doch nicht so gut kannte, sie doch nicht so perfekt ist und war, umso schwerer. Auch all die Katastrophen, die Lorrie Ann aushalten und erfahren muss, treffen den Leser unmittelbar. (Um hier nichts von der Handlung vorwegzunehmen, wird auf das Benennen einzelner Schicksalsschläge der Mädchen und späteren Frauen verzichtet.) Mit wenigen Protagonisten und einer sehr unmittelbaren Erzählweise baut die Autorin eine Wörterwelt auf, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Mit Analepsen wird das Bild von Corona del Mar, Yale, dem Krankenhaus und den Figuren von Kapitel zu Kapitel vollständiger. Ich hatte bald das Gefühl, die Protagonisten zu kennen. Nach dem überraschenden Schluss des Buches bin ich fast etwas traurig, dass ich die Figuren nicht weiter begleiten kann.

Dem Buch merkt man an, das die Autorin Rufi Thorpe Literatur und kreatives Schreiben studiert hat, ihr Handwerk perfekt beherrscht. Die Geschichte wird wohl noch lange in mir arbeiten.  

 

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

kinderheim, meinlebenalszucchini, rezension, blogger, waisenkind

Mein Leben als Zucchini

Gilles Paris , Melanie Walz
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaus, 23.01.2017
ISBN 9783813507706
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman Mein Leben als Zucchini von Gilles Paris erschien 2004 im Knaus Verlag.

Der Leser erfährt die Geschichte von dem 9 Jährigen Icare, dessen Mutter nach einem tragischen Unfall mit einer Schusswaffe verstirbt.  Zucchini, wie Icare genannt wird, hatte bis dahin nicht die schönste Kindheit. Er ist ein Einzelkind, der Vater hat die alkoholkranke Mutter verlassen. Weitere Angehörige hat er nicht, daher kommt er in ein Pariser Waisenhaus. Dort findet er zum ersten mal Freunde, die auch viel Trauriges erlebt haben. Für das Mädchen Camille entwickelt er ganz besondere Gefühle. Zucchini erlebt, wie schön sich Geborgenheit und Freundschaft anfühlt.

Die Geschichte wird aus der Sicht des jungen Protagonisten erzählt. In leichter, ja, kindlicher  Sprache, erfährt der Leser all das Schreckliche, Haarsträubende, dass die Kinder erlebt haben. Immer wieder wird angedeutet, was ein Kind erleiden musste. Icare findet das gar nicht so sehr schlimm, da er es noch nicht versteht. Die Kinder verwenden Wörter, die sie noch nicht so einordnet, wie es erwachsene Leser tun. Die Sprache greift ganz wunderbar auf, wie sich Icare entwickelt, was in ihm vorgeht.

Mein Fazit:

Der Anfang des Buches hat mich tatsächlich schockiert. Will ich wirklich, dass meine Kinder ihre Phantasie mit alkoholkranken Müttern, Schusswaffen und Wörtern wie „Flittchen“ anregen? Dieses Buch ist nicht das typische heile-Welt-Kinderbuch. Es geht um den Ernst des Lebens, um Einsamkeit und Schicksale aber eben auch um Zusammenhalt, Freunde und Freude, um Auswege, Zuversicht, Gemeinschaft und Liebe. Die sprachliche Umsetzung ist hervorragend gelungen. Sehr humorvoll und mit Wortwitz werden Situationen geschildert, die den erwachsene (Vor)Leser eigentlich kräftig Schlucken lassen, die Kinder aber noch gar nicht so dramatisch empfinden. Hier wird Kindern was zugetraut. Und es ist gelungen. Sprachlich wie inhaltlich!

Es ist kein einfaches Buch, aber ein gutes, über das sich sprechen lässt. Eines, an dass man noch eine ganze Weile denken wird.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

80 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

hummerfang, hummer, insel, familiengeschichte, fischerei

Die Hummerkönige

Alexi Zentner , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 09.05.2017
ISBN 9783442715442
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman Die Hummerkönige von Alexi Zentner  erschien im Mai 2017 bei btb.

Eröffnet wird ganz klassisch mit einem Prolog. Die Ich-Erzählerin führt ein in die lange Familientradition des Hummerfischens der Familie Kings und deren Leben auf der fiktiven Insel Loosewood Island. Die zweite Eröffnung beginnt mit einer frühen Erinnerung der Protagonistin Cordelia. Sie fährt mit ihrem Daddy aufs Meer hinaus und wirft den Haken der vom Vater gebastelten Angelrute versehentlich in dessen Unterlippe. Seine sanfte, ruhige und bedächtige Reaktion transportiert sehr schön den Charakter der Figur. Ihre Emotionen, die sich einstellen, als der geliebte und verehrte Daddy den kleinen Bruder auf den Schoß nimmt und erklärt, der Junge werde einmal die Geschäfte des Kings übernehmen, zeichnen den Verlauf des Plots vor. Der Leser wird mitgenommen in ein intensives Familienleben der Kings. Handwerklich sehr gut gemacht wird im Epilog die Vergangenheit und Gegenwart der Story um eine Zukunft ergänzt. Die Geschichte und mit ihr die Protagonisten entwickeln sich stringent. Die Themen des Buches sind gleichermaßen Tradition, Familie und Rollenbilder, das Ganze Umrahmt von schönen Bildern, von Natur.

Der Autor bedient sich einer sehr poetischen Sprache, die leider immer wieder ins gewollt verkünstelte abgleitet. Die Schlüssigkeit der Handlung ist nicht immer absolut gegeben. Als Beispiel muss unbedingt genannt werden, wie der „Ursprung“ der Familie, Brumfitt Kings, zu seiner Frau kam: „Es war ein Wunder. Sie wuchs aus der Gischt, und ihr Blick war auf ihn gerichtet, als wüsste sie, dass er auf sie wartet. Die unsichtbare Hand, die den Ozean zurückhiel…“  Das ist dann wohl die Kunst, die mir den Zugang zu diesem Werk erschwert hat. Die 411 Seiten haben mich leider zu keiner Zeit gefesselt.

    

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

kinder im netz, ab ins netz, internet, elternwissen

Ab ins Netz?!

Katja Reim
Flexibler Einband
Erschienen bei Kösel, 03.04.2017
ISBN 9783466310791
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Autorin legt den Lesern wirklich unterhaltsam und sehr plausibel ihre Grundhaltung dar die grob heißt: begleiten statt verbieten und von Anfang an altersgemäß an Medien heran führen. Es geht um sinnvollen Umgang mit Medien und neuen Technologien jenseits von Zeitbegrenzung und Kindersicherungen. Hier liegt kein Ratgeber vor, der Eltern und Erziehungsberechtigte mit Informationen versorgt, wie Endgeräte für die Kindernutzung vorzubereiten und/oder sicher zu machen sind. Nein! Das Buch ist eher wie eine charmante Erzählung aufgebaut, in der die Autorin ihre eigenen Erfahrungen als Mutter einer kleinen Tochter notiert. Der Plan der Autorin ist, die Tochter möglichst vor der Pubertät fit in Sachen Medien zu machen. Hintergrund ist, dass sie erwartet, mit Eintritt der Pubertät weniger an das Kind heranzukommen und sich dann darauf verlassen kann, dass die Tochter ja fit ist. (Diese Einstellung muss jetzt einfach mal unkommentiert stehen bleiben.) Sehr interessant ist, dass sie darlegt, warum sie von der vielbeschworenen „Zeitenregelung“ für elektronische Medien absieht. Wenn also etwas künstlerisch-kreatives mit Smartphone oder Tablett gemacht wird, darf Maria auch lange und ohne Reglementierung an das entsprechende Gerät. Sie führt aber auch sehr schön an, dass sie selber als Mutter sich in neue Software einarbeitet, um diese dann ihrem Kind zu erklären, mit dem Kind zusammen zu üben, bis es selbständig funktioniert. (Die Idee, die Kinder die Fotokalender machen zu lassen ist übrigens gut!) Das Buch ist ein netter und sicher richtiger Einstieg ins Thema für alle, die kleine Kinder haben. Für Teenagereltern bräuchte es tatsächlich mehr Infos. Auch, wenn diese die Kinder medienfit gemacht haben, tun sich Gefahren und Themen auf, auf die dieses Buch keine Antwortet bietet. Die genannten Apps richten sich eher an die Kleinen und deren Eltern.

Was wirklich ärgerlich ist an diesem Buch, sind die blauen Sprechblasen, in denen wörtlich das wiedergegeben wird, was man obendrüber oder untendrunter im Fließtext lesen kann. Hier wird nicht Wesentliches extrahiert oder etwas Neues eingeleitet, sondern schlicht wiederholt.

Fazit: Für Eltern von Kindergartenkindern ein schöner, kompakter, unterhaltsamer und kurzer Einstieg ins Thema. Fragen von Eltern von Großen werden tendenziell nicht beantwortet (aber auch nicht aufgeworfen). 

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

kinderbuch

Der Hutz - Das Geheimnis der Buschinsel

WALKO
E-Buch Text: 192 Seiten
Erschienen bei cbt, 24.07.2017
ISBN 9783641194697
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Dieses Buch nimmt man einfach in die Hand. Die Covergestaltung ist außergewöhnlich wertig und selbst die Rückseite sehr schön und vor allem kreativ gemacht. Beim ersten Aufschlagen finden sich auf der Doppelseite alle Protagonisten gezeichnet und mit einer kurzen Erklärung versehen. Die Schrift sieht aus, als hätten die beiden Kinder Lena und Elvis Hilfslinien gezeichnet und ihre Notizen gemacht. Dieses Konzept funktioniert! Das Buch hat einen sehr großen Aufforderungscharakter und die Story enttäuscht nicht. Immer wieder unterstützen schwarz-weiß-Bilder den Text oder ergänzen die Geschichte. Die Figuren sind sehr plastisch ausgestaltet. Der Australier überzeugt mit Wortwitz und ist ein brillanter Gegenspieler des Hutz. Die Dialoge mit ihm sind an vielen Stellen urkomisch. Als Vorlesebuch fordert es sprachliches Talent, da der Hutz, der Australier und Häuptling brillante Vorlagen liefern, die eine entsprechende Umsetzung brauchen. Die Geschichte ist allerdings so gut gemacht, dass zumindest unsere Kinder aufs Vorlesen verzichtet und selber gelesen haben. Eine wirklich gelungene Reihe, die man nur empfehlen kann.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Schiller für Kinder

Peter Härtling , Peter Härtling
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 22.11.2004
ISBN 9783844501612
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Peter Härtling fungiert hier wie ein gutmütiger, ruhiger Großvater. Er erklärt Wörter, die man heute nicht mehr kennt oder nur im Dialekt, z.B. in Sachsen versteht, schildert Schillers Kindheit, gibt an, in welchem Alter der junge Dichter sein erstes Gedicht verfasst hat. Immer wird der Hörer mit Du angesprochen. Dann liest er die Gedichte. Er trägt mit seiner unverkennbaren Stimme vor. Die ganze Produktion ist wieder kindlich noch kindgerecht, aber sie traut den Kindern zu, die unbestreitbar schwierige Sprache Schillers anzuhören und Gefallen daran zu finden. Und es gelingt! Die ganze Familie ist eingeladen, sich diesem heute unbekannten Sprachfluss zuzuwenden, die Verse zu genießen. Ganz unaufgeregt und reduziert kommen sowohl die Darbietung der Lesung wie auch das Cover daher. 

Ich würde das Hörbuch für Kinder ab Klasse 6 empfehlen.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

sonderpädagogen, recht, integration, behinderung, nrw

Die Inklusionsfalle

Michael Felten
Fester Einband
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 27.02.2017
ISBN 9783579086729
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als erfahrener Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter in der Lehrerbildung führt der Autor ein in die Thematik der Inklusion an Schulen und die Bildungssituation an deutschen Schulen. Schon der Titel zeigt an, wie es um das Bildungssystem steht. Der Leser (sehr erfrischen, dass es sich endlich mal jemand traut, die „Funktion, nicht die konkrete Person“ zu meinen und auf das mit der Zeit mühsame Verwenden der weiblichen neben der männlichen Form zu verzichten [S. 10]) erfährt umfangreiche Hintergründe zur Inklusionsdiskussion von der Umsetzung der Behindertenrechtskonvention über die politische Motivation, die Einsparung von teuren wie bestens ausgebildeten Sonderpädagogen, dem grundgesetzlich verankerten Gleichbehandlungsgebot bis zum absoluten Gewinner dieser Entwicklung: dem Bildungsmarkt. Kritisch beleuchtet wird das gemeinsame beschulen von Kindern mit Behinderung unterschiedlichster Art und Form, Normal- und Hochbegabten und die Auswirkungen auf Lehrer, Schüler und Eltern. Der Autor formuliert sehr treffen, differenziert und pointiert, dabei zieht er passende Beispiele und wissenschaftliche Studien heran. Probleme, wie das gemeinsame Unterrichten von „Lernunlustigen und Hochbegabten“ an Gymnasien, spricht er an. Er zeigt auf, dass diese keineswegs gelöst wurden, im Gegenteil. Nun gibt es die politische Idee, zusätzlich noch Kinder in diese schon heterogene Gruppe zu inkludieren, die die Ziele der jeweiligen Schulform nicht erreichen können. Die Auswirkungen, die diese Entwicklungen auf die Lehrerausbildung haben, sind schockierend und können unmöglich wirklich gewollt sein. Unterhaltsam konstatiert er, dass Deutschland doch kein armes Land sei, das sich eine Beschulung, die den unterschiedlichen intellektuellen Fähigkeiten der Kindern gerecht wird, nicht mehr leisten könne. Er plädiert für mehr Augenmaß, Vernunft und Aufbegehren der Gesellschaft im Allgemeinen und der Lehrerschaft im Besonderen. Sehr ausgewogen zeigt er Lösungen und Alternativen auf, etwa das Eingehen von Partnerschafen von Gymnasial- und Förderklassen. Er verortet seine Ausführungen häufig gut begründet in NRW. Den Rheinland-Pfälzern sollte es aber vor dem Hintergrund der flächendeckenden Einführung der Schulform IGS und der Ganztagsschulen mit zweifelhafter fachlicher und finanzieller Ausstattung die Augen öffnen bei folgendem Absatz: „Wenn ein entmutigtes Kind zu früh oder zu viel sich selber überlassen bleibt, wird es mit Sicherheit unter seinen Möglichkeiten bleiben. Wenn ein Pubertierender zu häufig zwischen Aufgaben wählen kann, wird er das Attraktivere oft gerne dem Mühsameren vorziehen. (S. 123)“  Michael Felten hat die Thematik komplett durchdrungen, das zeigt er auch daran, dass er auch an die Hochbegabten und leistungsstarken Schüler denkt, die ja in der Inklusionsdebatte häufig vergessen werden. Sachsen rechnet er an, dass dort auch für diese Kinder Fördermöglichkeiten geschaffen werden. Hier muss natürlich noch weiter gedacht werden, denn hier tut sich ein gesamtgesellschaftlich relevantes Thema auf. Deutschland braucht Leistungseliten, zukünftige Ingenieure, Ökonomen, Juristen. Das Niveau in der Schule dauerhaft abzusenken oder durch Zieldifferenzierung viel Zeit „zu verschwenden“, kann sich eine Industriegesellschaft auf Dauer nicht leisten. Moralisch muss auf den Prüfstand, ob eine Wertegemeinschaft tatsächlich gut daran tut, Förderung zu reduzieren und einen geschützten Rahmen aufzulösen zugunsten einer ideologischen Gleichmacherei.

Fazit:

Dieses Buch geht jeden an!

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

erziehung, pädagogik, falsche bildungspolitik,e, entwicklungsstillstand, symbiothisches verhalten zu elter

Die Wiederentdeckung der Kindheit

Michael Winterhoff
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 26.06.2017
ISBN 9783579086620
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als Kinder- und Jugendpsychiater trifft Herr Winterhoff naturgemäß auf Kinder und Jugendliche, die in ihrem Verhalten von der Norm abweichen. Genau aus dem Grund habe ich mich bislang seinen Büchern verwehrt, in dem er mit diesem Blick auf Kinder (und deren erziehende Erwachsene) schaut und attestiert, dass sie zu Tyrannen würden. Ich sehe nicht die Kinder aus einer psychiatrischen Praxis, sondern nicht in Behandlung befindliche Kindergarten- und Schulkinder. Eines eint uns: Wir stellen beide fest, dass die Kinder heute ein anderes Verhalten zeigen, als früher. Für ihn sind alle Kinder heute so anders als früher, ich sehe das selektiver. Winterhoff reklamiert für sich 1995 als Wendepunkt. Ich sehe diese erst gut ein Jahrzehnt später. Fest steht jedoch, dass das veränderte Verhalten keineswegs positiv ist und ich stelle fest: der Mann hat was zu sagen, er hat Ahnung und eine begründete Meinung, er verfügt über Ideen, woher die Veränderungen rühren und bietet Lösungen an. Er entlastet einerseits Eltern von dem Vorwurf, ihre Kinder nicht erzogen zu haben, mahnt jedoch fast im gleichen Atemzug die Erziehungsverantwortung der Erwachsenen an.

 

Die ersten 30 Seiten lese ich in einem „Rutsch“ und merke, wie ich anfange mich aufzuregen, weil mir das alles so bekannt vorkommt. Kinder, denen ich alles x-mal sagen muss, die nicht zuhören (wollen oder können), die auf die klarste und eindeutigste Ansage mit einer Frage erwidern, statt mit einer logischen und altermäßig eigentlich machbaren Antwort, Kinder, die nach der Hälfte der Stunde langsam mal anfangen, ihre Sachen auszupacken ist doch für viele von uns Alltagsgeschäft. Die Erklärung dazu gefällt mir ausgesprochen gut und klingt sehr plausibel. Die Kinder bringen die Erwachsenen dazu, dass diese sich auf die Kinder einstellen, nicht umgekehrt. Erwähnt wird die frühkindliche-narzisstische Phase, in der die Kinder von den Erwachsenen Reaktionen einfordern, um die Welt zu begreifen. Grenzen werden thematisiert, die Halt geben, die durch Menschen oder Gegenstände bestehen können und die durch das erproben von Reaktionen ausgelotet werden müssen. Sehr interessant!

 

Leider, wirklich leider, ist in dieses wirklich informative und dabei durchaus auch unterhaltende Buch nicht stringent erzählt und unterbricht durch häufige Abschweifungen,  Einrückungen und Schriftgrößenwechsel den Lesefluss. Es gibt zahlreiche Beispiele, mit denen Winterhoff seine Thesen und Ausführungen noch einmal deutlicher macht. Warum er aber dieses merkwürdige Konzept mit Luisa und Luis (geboren 2017) und Alex und Alexa (geboren 1990), die alle Kinder darstellen sollen, wählt, bleibt mir bis zum Schluss unklar. Dazu gibt es noch Beispiele aus dem Bereich Betriebssysteme und Autos. Ab der Mitte des Buches war ich unsicher, wen sich der Autor als Zielleser vorgestellt hat oder ob da einfach die „Gedanken mit ihm durchgegangen sind“, es ist zweifelsfrei auch ein emotionales Thema.  Unvermittelt geht er ganz weit zurück. Er nennt das Mittelalter als Referenzzeit und gibt dann als Datum 1417 an. Es ist für ihn auffallend, dass es kaum Quellen gäbe, die Kinderleben beschreiben und nachweisen. Hier sei auf Philippe Aries Geschichte der Kindheit verwiesen, die den Sachverhalt zügig aufklären kann.

 

Fazit:

Es ist mein erstes Winterhoff Buch und ich stelle fest, dass ich mir das, was er zu sagen hat gerne anhöre, wie er es aber zu Papier bringt mir zu langatmig, zu durcheinander und unstrukturiert, ist. Das Cover gefällt mir im Vergleich zu den weiteren Ratgebern aus seiner Feder ausgesprochen gut, da es freundlich, kindgerecht aber nicht kindlich, daher kommt, nicht den Eindruck eines belehrenden Ratgeber erweckt. Ich sehe das Buch klar als Elternbuch über Erziehung, über Kinderentwicklung, nicht als Ratgeber, nicht als Buch für Fachkräfte, die haben nämlich Beispiele den ganzen Tag und könnten eine komprimierte Fassung dieses Buches sicher besser vertragen.  

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

sachbuch gesundheit

Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln

Herbert Renz-Polster , Nicole Menche , Arne Schäffler
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Kösel, 25.10.2010
ISBN 9783466309047
Genre: Sachbücher

Rezension:

Gleichzeitig mit dem ersten Kind vor fast 12 Jahren zogen hier zahlreiche Ratgeber zum Thema Krank und wieder Gesund sein, Zahnen, Entwickeln im speziellen und allgemeinen, Kinderkrankheiten, Impfen, alternative Heilmethoden, Sprechen lernen etc. ein. Eben alles, was wohlmeinende Freunde schenken und besorgte Eltern noch ergänzen. Unnötig! Ein Buch, das im Grunde alle ersetzt, ist "Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln". Zu allem, was in den letzten 12 Jahren Kopfzerbrechen gemacht und schlaflose Nächte bereitet hat, hatte dieses Buch ein paar Tips und vor allem. Die Register sind phantastisch. Man kann nach Alphabet und verschiedenen anderen Registern unkompliziert suchen und schnell fündig werden. Ganz systematisch wird erklärt, welche Sympthome sich zeigen können, wann empfohlen wird, heute und wann bald möglichst einen Arzt aufzusuchen. Es gibt Hinweise zu Alternativen Heilmethoden und deren Grenzen sowie zur allgemeinen Entwicklung eines Kindes/Jugendlichen. Und das beste ist: Es beruhigt so sehr. Unser Exemplar ist zwischenzeitlich ziemlich "abgegrabbelt", weil es doch schon sehr oft befragt wurde. Wo habe ich gerlernt, wie man Wickel anlegt? Hier! Woher weiß ich, wie ich selber Hustensaft machen kann? Na von hier! Aus diesem Buch kenne ich viele Inhalte, die Eltern in meinen Kursen umtreiben und mich als junge Mama auch interessiert haben. Mittlerweile ist es ein Familienbuch geworden.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

überforderung, familie, amerika, roman

Gestern und heute und morgen

David Bergen , Martin Ruben Becker
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei btb, 10.07.2017
ISBN 9783442715282
Genre: Romane

Rezension:

Mit Gestern und heute und morgen schenkt uns David Bergen einen Roman, der ganz wunderbar, kurzweilig und vergnüglich unterhält. Sehr gut gefällt mir der Anfang, der gleich mitten in das Leben der Protagonistin Hope Plett führt. Mit einem Rückblick, was sie sicher gemacht hätte, früher, beginnt die Story. Der Erzähler reist immer weiter zurück in Hopes Leben, so dass sie für den Leser fast schon wie eine Bekannte wird. Dabei verliert er aber nie den Bezug zur Gegenwart der in einer mennonitischen Gemeinde in Kanada aufgewachsenen Hope. Die Geschichte entspinnt sich ganz leicht, zieht den Leser, dem sämtliche Figuren so vertraut vorkommen, in seinen Bann. Man begleitet Hope beim Erwachsen werden. Das alles in einem, wie ich finde, interessanten Rahmen, der ohne Spoiler leider nicht ausgebreitet werden kann. Die Übersetzung ist phantastisch, sprachlich ein reines Vergnügen. Die Geschichte um Hope und ihre Entwicklung gehört in diesem Sommer einfach ins Urlaubsgepäck.  

Etwas schade ist, dass mit der Covergestaltung die Zielgruppe der Leser etwas eingeschränkt wird.

  (0)
Tags:  
 
16 Ergebnisse