Textravaganzen

Textravaganzens Bibliothek

52 Bücher, 34 Rezensionen

Zu Textravaganzens Profil
Filtern nach
52 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Roman in Fragen

Padget Powell , Harry Rowohlt
Fester Einband: 190 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury, 31.01.2012
ISBN 9783827010520
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

118 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

shakespeare, familie, schwestern, krebs, liebe

Die Shakespeare-Schwestern

Eleanor Brown , Christel Dormagen , Brigitte Heinrich
Flexibler Einband: 374 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 20.05.2012
ISBN 9783458358350
Genre: Romane

Rezension:

„Was, wenn der Name, den man Ihnen gegeben hat, bereits von jemandem getragen wurde, der in derart intensiv ausgefüllt hat, dass allein seine Erwähnung den ursprünglichen Träger ins Gedächtnis ruft und Ihr Dasein zu wenig mehr als einem Echo verblassen lässt?“ (72)
So ähnlich ergeht es den drei Töchtern der Andreas Familie, die allesamt von ihrem literatur-verrückten Vater nach Shakespeare-Figuren benannt wurden. Da wären die bodenständige und loyale Rosalind, benannt nach der weiblichen Hauptfigur in der Komödie Wie es euch gefällt, Bianca, deren Name von Cassios Liebhaberin in Othello stammt, und das Nesthäkchen Cordelia, die sich den Namen mit der jüngsten Tochter King Lears teilt. Doch nicht nur haben die drei jungen Frauen Probleme, sich gegen ihre fiktiven Pendants zu behaupten und dem ihnen somit vorgeschriebenen Schicksal zu entfliehen, sie haben auch miteinander so ihre Schwierigkeiten. Und diese kommen unausweichlich zum Vorschein, als es alle drei Schwestern wieder in ihr elterliches Heim in den Mittleren Westen treibt. Dort kämpft ihre Mutter gegen den Brustkrebs und die Schwestern kämpfen mit sich selber. „Denn die Geheimnisse von Schwestern sind Schwerter.“ (200) Es versteht sich von selber, dass die Schwestern ihre Sorgen nicht ewig für sich behalten können…
Eleanor Brown schrieb mit Die Shakespeare Schwestern einen Roman, der die Dynamiken hinter schwesterlichen Beziehungen beleuchtet und den wahren Auslöser, der die Schwestern in ihre misslichen Situationen brachte, ausfindig macht. Denn so verschieden Rose, Bean und Cordy (die ihre Spitznamen benutzen, um sich vom literarischen Vorbild abzugrenzen und neu zu erfinden) auch sind, so sind sie letztendlich doch alle aus dem gleichen Holz geschnitzt. Das ist es auch, womit der Roman den Leser fesselt: Ein bisschen von jeder Schwester steckt in jedem von uns. Darüber hinaus wird das Debüt Browns aus einer interessanten Perspektive geschildert - über weite Strecken wird mit der ersten Person Plural, dem wir, erzählt. Da fällt es manchmal schwer zu entscheiden, welche der drei Schwestern sich gerade mit ihrer Version der Geschichte durchsetzt. Außerdem sind die vielen Shakespeare-Zitate, die die Schwestern und ihre Eltern in ihre Rede einflechten, sehr erfrischend. Eher frustrierend ist leider, dass es zu wenige Hintergrundinformationen über die Shakespeare-Charaktere gibt. Dies mag jedoch an der deutschen Leserschaft liegen, die auch mit einer Eins-zu-Eins-Übersetzung des englischen Originaltitels, The Weird Sisters, größtenteils nicht auf Anhieb hätte etwas anfangen können. Viel störender ist für mich deswegen auch das Ende des Romans, welcher zumindest für mein Empfinden ein bisschen zu aalglatt und kitschig verebbt.

____
Die Seitenangaben beziehen sich auf die erste Ausgabe, die im Mai 2012 bei Insel Taschenbuch erschien. Vielen Dank an den Verlag und an Lovelybooks für das Exemplar! Die Rezension findet ihr auch auf meinem Blog: http://textravaganzen.blogspot.de/2012/06/normal-0-21-false-false-false.html

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

reise, adelia, mittelalter, sizilien, totenleserin

Der Fluch der Totenleserin

Ariana Franklin , Werner Löcher-Lawrence
Fester Einband: 383 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.03.2012
ISBN 9783426199411
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

liebe, roman, verlust, glück, schriftsteller

Agnes

Peter Stamm
Fester Einband: 153 Seiten
Erschienen bei Arche, 01.05.2008
ISBN 9783716024034
Genre: Romane

Rezension:

„Agnes ist tot. Eine Geschichte hat sie getötet.“ (9) Mit diesen Worten beginnt Stamms Debütroman. Das schürt natürlich die Neugierde der Leser. Und in der Tat erwartet uns in dem nur knapp 150 Seiten dünnen Roman ein bewegendes Portrait einer Beziehung, die zum scheitern Verurteilt ist. Dass der Leser dies von Anfang an weiß, nimmt dabei nichts von der Spannung, denn zu sehr wird man einfach in den Bann gezogen, den dieses Spiel des Pärchens entwickelt.
Erzählt wird die Liebesgeschichte aus seiner Sicht. Der namenlose Schweizer Sachbuchautor und gescheiterter Literat lernt während eines Rechercheaufenthalts in Chicago die jüngere Physikstudentin Agnes kennen. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick. Und tatsächlich kommen die beiden sich bald näher. Trotz dieser Distanz, diesem Fremden, das ihn Agnes einfach nicht richtig einschätzen lässt. Als Agnes von seinen literarischen Gehversuchen erfährt, bittet sie ihn, ein Portrait von ihr zu schreiben. Dieses dehnt sich aus zu einer Geschichte, die die gesamte Beziehung der beiden resümiert. Schließlich kommt der Autor in der Gegenwart an. Nun widmet er sich in seinem Geschriebenen der Zukunft des Paares, entwirft fast wie ein Drehbuchautor Szenen des Beisammenseins, welche die beiden dann nachstellen. Doch irgendwann wird das dem Pärchen zu langweilig: „,Es muß etwas passieren, damit die Geschichte interessanter wird’, sagte ich endlich zu Agnes. ,Bist du nicht glücklich, so wie wir es haben?’ ,Doch’, sagte ich, ,aber Glück macht keine guten Geschichten. Glück läßt sich nicht beschreiben. Es ist wie Nebel, wie Rauch, durchsichtig und flüchtig. Hast du jemals einen Maler gesehen, der Rauch malen konnte?’“ (68) Wie soll es aber mit den beiden weitergehen, wenn die Geschichte ein Ende gefunden hat? Und wie soll sie überhaupt enden? Es beginnt allmählich, in der Beziehung zu krieseln. Was die beiden einst zusammenschweißte, entfremdet sie nun voneinander. Und als dann etwas passiert, das so nicht in der Geschichte vorgesehen war, eskaliert die Situation…
Stamms Roman schafft es, auf wenig Raum viel Platz für die Entwicklung seiner beiden Charaktere zu schaffen. Für eine Liebesgeschichte ist der Roman nicht kitschig genug, für einen Psychothriller schlägt er dennoch eher zu kleine Wellen. Und doch ist er genau richtig. Außerdem versteckt sich hinter der Handlung nicht nur eine Studie über zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch über die Schärfe der geschriebenen Worte und wie Fiktionen unser Bild vom Sein beeinflussen. Letztendlich kreiert doch jeder Mensch in seinem Kopf dutzende Geschichten, Lebensentwürfe, nimmt Ereignisse vorweg und spielt Situationen im Voraus durch. Dabei weiß doch jeder, dass es am Ende doch ganz anders kommt. Mit seiner Fiktion über die Macht der Fiktion bringt Stamm den Leser mit ruhigen Worten laut polternd auf den Boden der Tatsachen zurück. Agnes ist ein Buch, das über die Geschichte, die in ihm erzählt wird, hinaus ragt und auch über die Natur des Schreibens an sich erzählt.
__________
Die Seitenangaben beziehen sich auf die 4. Auflage, die im Januar 2011 im Fischer Taschenbuch Verlag erschien. Erstveröffentlicht wurde der Roman 1998. MeinBlog: textravaganzen.blogspot.com

  (11)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(115)

215 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 72 Rezensionen

krimi, oxford, homosexualität, mord, liebe

Alle Rache will Ewigkeit

Val McDermid , Doris Styron
Flexibler Einband: 567 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 20.12.2011
ISBN 9783426509937
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Kriminalpsychologin Charlie Flint wurde vom Dienst suspendiert, nachdem ein Mann, dessen Unschuld sie beteuerte, auf freien Fuß kam und anschließend vier Frauen tötete. Dann erreicht sie ein Päckchen ohne Absender, in dem sich Zeitungsartikel zu einem anderen Mordfall, in dessen Prozess bald eine Verurteilung erwartet wird, befinden. Ein Bräutigam wurde während seiner Hochzeitsfeier angeblich von seinen zwei Geschäftspartnern ermordet, weil diese befürchteten wegen schmutziger Geschäfte verpfiffen zu werden. Doch wer hat diese Artikel geschickt? Und warum? Soll Charlie etwa eine falsche Verurteilung verhindern und sich so rehabilitieren? Oder sollte sie besser die Finger davon lassen? Während Charlies Lebensgefährtin Maria sich zunächst eher rational und unbeeindruckt gibt, macht Lisa, Charlies heimlicher Flirt, ihr Mut. Und so begibt sich Charlie auf eine Spurensuche, die sie auch zurück in ihre eigene Vergangenheit, ans College in Oxford, führt… Die Mutter der jungen Witwe ist nämlich eine ehemalige Dozentin von Charlie und die Frau namens Jay, mit der die Witwe Magda sich scheinbar über den Tod ihres Mannes hinwegtröstet, hielt sich bereits zu Studienzeiten im Umfeld eines ziemlich ähnlichen tödlichen Unfalls auf. Oder war das alles gar kein Unfall? Charlies Gespür und ihre Menschenkenntnis scheinen ihr den richtigen Weg zu Weisen, die Beweisführung aber gestaltet sich problematisch. Oder gibt es vielleicht gar keine Beweise und gar keine falsche Verdächtigung? Ist Charlies Intuition vielleicht verwirrt, genauso wie ihre Gefühle für Lisa sie verwirren? Denn diese gefährdet nicht nur Charlies Beziehung zu Maria, sondern auch ihr Leben.
McDermids Krimi wirft leider nicht so viele Fragen auf, wie es hier zunächst den Anschein erwecken mag. Von Anfang an weiß der Leser, dass die eigentlichen Verdächtigen unschuldig sind und Jay Dreck am Stecken hat. Lediglich für die Auflösung der Einzelheiten muss man sich gut 500 Seiten lang gedulden. Die große Kehrtwende bleibt aus, denn man muss kein Krimi-Fan sein um zu ahnen, dass die Figur der Lisa eine weitere Funktion haben muss außer die der Außenstehenden, die Charlies Liebe zu Maria auf die Probe stellt. Obwohl der Roman in einem lesbischen Milieu angesiedelt ist, sind die darin geschilderten Beziehungen und ihre Probleme konventionell. Dies soll vielleicht zeigen, dass homosexuelle Beziehungen nicht anders sind als heterosexuelle, aber es bereichert weder die Handlung noch die Charakterkonstellationen. Haben die Figuren mit Vorurteilen zu kämpfen, so sind die Darstellungen davon mindestens so abgedroschen wie die Vorurteile an sich. Was dieser Roman allerdings zeigt, ist, dass Gesetzesverfechter sowie Gesetzesverletzer auch nur Menschen sind.
Kann dieser Kriminalroman mich inhaltlich nicht überzeugen, so punktet auch das Äußere nicht: Verzweifelt habe ich versucht, den Titel und das auf dem Cover abgebildete brennende Streichholz in eine stimmige Verbindung zu bringen und bin letzten Endes doch kläglich gescheitert. Als ich jedoch einen Blick auf den englischen Originaltitel warf, wurde mir vieles klar: Trick of the Dark, so lautet der nämlich.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

23 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

stadt, leblos, jo, pessimismus, hass

Vollkommen leblos, bestenfalls tot

Antonia Baum
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 14.09.2011
ISBN 9783455402964
Genre: Romane

Rezension:

Die junge Ich-Erzählerin will aus dem kleinbürgerlichen Idyll, welches überschattet wird von der Scheidung ihrer Eltern, ausbrechen und zieht ohne Plan, aber mit vielen Plänen nach dem Abitur in die große Stadt. „Man kann alles machen. Ich will was werden. Ich weiß noch nicht genau, was, aber ich will. Ich schaue in den Himmel, ich habe ein eigenes Glück, denke ich, worauf ich aufpassen werde, und ich wünsche, bitte, bitte, bitte, dass es gut wird.“ (16) Doch anscheinend passt sie nicht gut genug darauf auf, denn anstatt ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen und sich Stück für Stück ein bisschen Eigenständigkeit aufzubauen, geht die junge Frau eine Beziehung ein, zu Patrick, der sie, wie sie selbst so schön sagt, als „Besitztum“ (30) behandelt. Lief die Erzählerin vorher vor ihren sich immer wieder streitenden (Stief-)Eltern weg, ist sie nun ständig auf der Flucht vor Patrick. Dieser findet sie jedoch jedes Mal, oder lässt sie sich, ohne das zugeben zu können, gar finden? Gegen wen sollte die Erzählerin sonst ihre unglaubliche Wut und Abscheu, die sie immer wieder in lange, detaillierte Mordgedanken fasst, wenden? Gegen sich selber etwa? Schließlich muss die Antiheldin in Baums Roman sich selber eingestehen: „Du, denke ich, hast anderen immer ihr Ferngesteuertsein vorgeworfen, […] und nun, denke ich, bist du selber zu der ferngesteuertsten aller Ameisen unter der Sonne avanciert“ (109). Letzten Endes kann sie Patrick entkommen, oder vergrault ihn, das kann man nicht so genau sagen, aber anstatt aus ihren Fehlern zu lernen begibt sie sich in die nächste ungesunde Beziehung, zu Jo, einen mittelalten und mittelmäßigem Theaterschauspieler. In diesen ist die ach-so-erwachsene Erzählerin verknallt wie eine 13-jährige Pubertierende. Nun ist sie diejenige, die dem Partner hinterher rennt und die Luft zum Atmen nimmt. Natürlich kann auch das nicht gut gehen. Und wieder gibt es seitenlange Folter- und Mordgelüste.
Antonia Baums Debütroman soll als Charakterstudie der heutigen Generation von jungen Menschen Anfang zwanzig funktionieren. Die namenlose Erzählerin, mit der sich jeder identifizieren können soll, soll für die jungen Menschen stehen, die nichts mehr zu befürchten haben außer sich selbst. Und den Druck, sich selbst zu verwirklichen. Frauen kommen dabei irgendwie schlechter weg als die Männer, die als dominante Alphamännchen dargestellt werden. Die seitenlangen Gedankengänge spiegeln einen Menschen wieder, der auch im übertragenen Sinne nichts mit einem Punkt abschließen kann. Leider gibt sich die Erzählerin vorrangig als aggressiver Naseweis, der am Ende glücklicherweise doch ein bisschen was versteht und endlich einmal innehalten kann. Baums Roman passt auf die Aussage des betrunkenen und gescheiterten Schriftstellers, die sie in einer Art Prolog der Geschichte der Erzählerin voranstellt: „Keine Geschichten, nichts Ganzes, nur Bedeutungsloses. Aber ich kann nichts dafür. Wäre ich arm, wäre ich ein Ali, würde irgendjemand eine Bombe auf mich werfen, mich wenigstens diskriminieren oder meine Menschenrechte verletzten, glaub mir, es wäre ganz anders.“ (5) Ist es aber nicht.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

gentrifizierung, 20-30 jährige, new york, superman, comic

Die Festung der Einsamkeit

Jonathan Lethem , Michael Zöllner
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Tropen, 06.09.2004
ISBN 9783608500684
Genre: Romane

Rezension:

Dylan ist ein weißer Junge unter vielen schwarzen Kindern im Brooklyn der 70er Jahre. Von den meisten anderen Nachbarskindern ausgegrenzt, freundet er sich ausgerechnet mit dem berühmt-berüchtigten Mingus an, Sohn des noch berühmteren und berüchtigteren Barrett Rude Jr., einer Funk und Rap Legende. Wie Dylan, dessen Vater Maler ist und experimentelle Filmaufnahmen macht, kommt auch Mingus aus einem eher ungeregelten Haushalt. Außerdem sind die Mütter beider Jungen abwesend. Obwohl diese Abwesenheit allgegenwärtig ist, wird sie jedoch nie explizit thematisiert. Vielmehr flüchten die beiden sich in die Musik, die Kunst des Graffitis, in den Drogenrausch und in die Welt ihrer Comic-Superhelden. Ein Ring, den Dylan von einem sterbenden Obdachlosen geschenkt bekommt, verleiht den Jungs magische Kräfte; so können die beiden, denen bereits in jungen Jahren so viel Schlechtes widerfuhr, zumindest versuchen, mit der gemeinsamen Kreation des Helden ‚Aeroman’ etwas Gutes zu tun.
Doch als die beiden aus dem Kinderalter herauswachsen, trennen sich ihre Wege nach einem tragischen Vorfall, der Mingus ins Gefägnis bringt und über den sein bester Freund sein Leben lang Stillschweigen bewahren wird. Dylan, der zuvor oftmals schon hin und her gerissen war zwischen der Funk- und Rapmusik seiner schwarzen Nachbarskinder und dem Punk und Rock seiner weißen Mitschüler, hat auch auf dem College Anpassungsprobleme. War Dylan in Brooklyn nicht schwarz genug, ist er in Camden nicht weiß genug. Und obwohl es ihm gelingt nach einem weiteren Ortswechsel ein Studium abzuschließen, kann er seine Vergangenheit nicht vergangen sein lassen. Um endlich Frieden mit sich selbst zu schließen, zieht es nach zwanzig Jahren nicht nur Dylan, sondern auch ‚Aeroman’, nach Brooklyn, in die ‚Fortress of Solitude’, zurück…
Jonathan Lethems ,coming-of-age novel’ versieht den Realismus des Ghettos mit ein bisschen Magie, ohne dabei an Authentizität einzubüßen. Außerdem ist die Perspektive eines weißen Jungen als Außenseiter inmitten des afro-amerikanisch geprägten Brooklyns sehr interessant. Dabei ist die Art und Weise, wie (pop-)kulturelle Güter wie Musik und Graffiti Identitäten produzieren, allgemeingültig und macht so diese einzigartige Geschichte universell.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

superpowers, music, graffity, gentrification, comic book heroes

The Fortress of Solitude

Jonathan Lethem
Flexibler Einband: 511 Seiten
Erschienen bei Faber And Faber, 06.01.2005
ISBN 9780571219353
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dylan ist ein weißer Junge unter vielen schwarzen Kindern im Brooklyn der 70er Jahre. Von den meisten anderen Nachbarskindern ausgegrenzt, freundet er sich ausgerechnet mit dem berühmt-berüchtigten Mingus an, Sohn des noch berühmteren und berüchtigteren Barrett Rude Jr., einer Funk und Rap Legende. Wie Dylan, dessen Vater Maler ist und experimentelle Filmaufnahmen macht, kommt auch Mingus aus einem eher ungeregelten Haushalt. Außerdem sind die Mütter beider Jungen abwesend. Obwohl diese Abwesenheit allgegenwärtig ist, wird sie jedoch nie explizit thematisiert. Vielmehr flüchten die beiden sich in die Musik, die Kunst des Graffitis, in den Drogenrausch und in die Welt ihrer Comic-Superhelden. Ein Ring, den Dylan von einem sterbenden Obdachlosen geschenkt bekommt, verleiht den Jungs magische Kräfte; so können die beiden, denen bereits in jungen Jahren so viel Schlechtes widerfuhr, zumindest versuchen, mit der gemeinsamen Kreation des Helden ‚Aeroman’ etwas Gutes zu tun.
Doch als die beiden aus dem Kinderalter herauswachsen, trennen sich ihre Wege nach einem tragischen Vorfall, der Mingus ins Gefägnis bringt und über den sein bester Freund sein Leben lang Stillschweigen bewahren wird. Dylan, der zuvor oftmals schon hin und her gerissen war zwischen der Funk- und Rapmusik seiner schwarzen Nachbarskinder und dem Punk und Rock seiner weißen Mitschüler, hat auch auf dem College Anpassungsprobleme. War Dylan in Brooklyn nicht schwarz genug, ist er in Camden nicht weiß genug. Und obwohl es ihm gelingt nach einem weiteren Ortswechsel ein Studium abzuschließen, kann er seine Vergangenheit nicht vergangen sein lassen. Um endlich Frieden mit sich selbst zu schließen, zieht es nach zwanzig Jahren nicht nur Dylan, sondern auch ‚Aeroman’, nach Brooklyn, in die ‚Fortress of Solitude’, zurück…
Jonathan Lethems ,coming-of-age novel’ versieht den Realismus des Ghettos mit ein bisschen Magie, ohne dabei an Authentizität einzubüßen. Außerdem ist die Perspektive eines weißen Jungen als Außenseiter inmitten des afro-amerikanisch geprägten Brooklyns sehr interessant. Dabei ist die Art und Weise, wie (pop-)kulturelle Güter wie Musik und Graffiti Identitäten produzieren, allgemeingültig und macht so diese einzigartige Geschichte universell.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(255)

480 Bibliotheken, 5 Leser, 7 Gruppen, 66 Rezensionen

zirkus, liebe, elefant, amerika, tierarzt

Wasser für die Elefanten

Sara Gruen , Eva Kemper
Fester Einband: 396 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.02.2008
ISBN 9783832180263
Genre: Romane

Rezension:

Gruens Roman eröffnet mit einem starken Prolog: Die Tiere sind los! Und inmitten des Chaos beobachtet der Protagonist eine grausame Gewalttat über die er sein Leben lang schweigen wird… zumindest bis er uns seine Lebensgeschichte erzählt.
Der Prolog wird anschließend kontrastiert mit dem 1. Kapitel, dessen Handlung in einem Altenpflegeheim angesiedelt ist. Unser Protagonist und Erzähler ist nun 90 Jahre alt, oder 93 (so genau weiß er das selbst nicht mehr), und sein derzeitiges Dahinvegetieren könnte nicht unterschiedlicher sein von seinem einstigen Zirkusleben. Die Erinnerungen daran bekommen wir in den folgenden Kapiteln geschildert, immer mal wieder unterbrochen durch den Pflegeheimalltag. So erfahren wir dass Jacob Jankowski, so heißt unsere Hauptfigur, im Alter von 23 Jahren sein Tiermedizinstudium an einer Eliteuniversität schmeißen musste, weil seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind und ihm nicht einen Dollar hinterlassen haben. Jacob kehrt seinem alten Leben den Rücken und gerät, wie ihr es euch sicher schon denken könnt, durch Zufall an einen Wanderzirkus namens „Benzini Brothers Most Spectacular Show on Earth“.
Water for Elephants ist thematisch in erster Linie ein Roman über das (Über-)Leben während der Großen Depression. Das Zirkusleben wird dabei nicht romantisiert; die miteinbezogenen authentischen Fotografien mögen das zwar zunächst vermuten lassen, doch Gewalt gegen Tiere und Menschen wird nicht ausgespart. Treibende Kraft hinter der Handlung ist Jacobs Liebe für Rosie, eine Elefantendame, und Marlena, eine Pferdeakrobatin. Letztere ist jedoch mit ihrem Trainer verheiratet… Diese Dreieckskonstellation bietet selbstverständlich jede Menge Konfliktpotential. In dieser Hinsicht reiht sich Gruens Roman in ein recht traditionelles und konventionelles Schema ein - die Handlung ist leider vorausschaubar und glänzt bestenfalls durch seinen Schauplatz. Im Englischen würde ich Water for Elephants salopp als ‚easy read book’ abtun. Too easy.

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

beziehungen, gemeinschaft, internat, erbschaft, gruppe

The Sense of an Ending

Julian Barnes
Fester Einband: 150 Seiten
Erschienen bei Vintage, 22.07.2011
ISBN 9780224094153
Genre: Romane

Rezension:

In Tonys Clique war Adrian immer der Exot. Der Neue. Der Ernste. Der, um dessen Gunst jeder buhlte. Doch nach dem Schulabschluss gehen die vier Jungs getrennte Wege. Tony geht dann eine Weile mit Veronica aus, aber irgendwann verläuft auch das im Sande. Bis Tony einen Brief von Adrian erhält mir der Bitte, mit Veronica ausgehen zu dürfen. Das setzt dann der Freundschaft zwischen den beiden ein endgültiges Ende. Etwa ein halbes Jahr später begeht Adrian Suizid - und keiner seiner Freunde kann nachvollziehen, warum.
An all das erinnert sich Tony nun, knapp ein halbes Jahrhundert später, nachdem er einen rätselhaften Brief erhalten hat: Der Nachlassverwalter von Veronicas Mutter informiert ihn darüber, dass Tony aus ihrem Nachlass das Tagebuch von Adrian erhalten soll. Wieso ist ausgerechnet Veronicas Mutter im Besitz dieses Buches? Und warum vermacht sie es Tony und nicht ihrer Tochter? Ist das Tagebuch der Schlüssel zu Adrians Selbstmord? All das beschäftigt Tony, aber Veronica enthält ihm das Tagebuch vor. Deswegen kommt es nach so langer Zeit wieder zu Treffen zwischen dem ehemaligen Liebespaar. Wer nun Romantik erwartet, ist auf der falschen Fährte, denn die Treffen mit Veronica lassen Vieles nur noch rätselhafter erscheinen. Und selbst als Tony sich alle Fakten erschließen kann, so kann er die Bedeutung dieser letzten Endes nur erahnen.
Julian Barnes’ The Sense of an Ending, das vergangenes Jahr den Booker Prize gewann und kürzlich in Deutsch mit dem Tital Vom Ende einer Geschichte erschien, ist ein Roman über die Macht und Ohnmacht der Erinnerung. Er erkundet die Grenzen der Subjektivität sowie den Grad an Realität oder Fiktion der eigenen Lebensgeschichte. Ganz versteckt findet man in ihm vielleicht auch die Mahnung oder den Appell, nicht erst so spät wie Tony über solche Grundzüge des menschlichen Bewusstseins zu reflektieren. Denn, das musste Tony schmerzlich feststellen, ändern kann man die Dinge im Nachhinein nicht mehr, sondern nur die Erinnerung an sie.

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

journalismus, zeitung, karriere, rom

The Imperfectionists: A Novel

Tom Rachman
E-Buch Text: 288 Seiten
Erschienen bei Dial Press Trade Paperback, 25.03.2010
ISBN B0036S49GE
Genre: Sonstiges

Rezension:

Rachmans Debüt dreht sich inhaltlich rund um die Redaktion einer englischsprachigen Tageszeitung in Rom und zeichnet sich in erster Linie durch seinen formalen Ansatz aus: Jedes Kapitel liest sich wie eine individuelle Kurzgeschichte aus der Perspektive eines Mitarbeiters; als roten Faden, der sich durch den gesamten Roman zieht und die einzelnen Geschichten zu einem kohärenten Ganzen vereint, gibt es am Ende jedes Kapitels ein paar wenige Seiten, die dem Leser fragmentarisch Einsicht in die Entstehungsgeschichte der Zeitung gewähren.
Den einzelnen Geschichten unterliegt ein gemeinsames (Kontrast-)programm: Während innerhalb der Zeitungsredaktion Oberflächlichkeit bis hin zur Anonymität herrscht, gibt es in den Geschichten intime Einblicke ins Privatleben der Beteiligten. So erlebt der Leser mit, wie beispielsweise Abbey Pinnola, auch schlicht „Accounts Payable“ genannt, bei einem Liebesabenteuer eingeholt wird von einer Personalentscheidung. Oder er erfährt, warum Ornella De Monterecchi, die treuste Leserin des Blattes, die jede Ausgabe von vorne bis hinten studiert und deswegen rund 10 Jahre im Rückstand ist, ausgerechnet die Ausgabe vom 24. April 1994 nicht finden kann und warum das ihr Leben für immer verändert. Obwohl die kleinen privaten Dramen der Mitarbeiter so viel unbedeutender scheinen als die Schlagzeilen, die die Zeitung abdruckt und die außerdem jedes Kapitel küren, sind sie doch umso interessanter, da greifbarer, menschlicher.
Nichtsdestotrotz ist der Ton in Rachmans Roman nicht durchweg ernst, denn im Alltag der Mitarbeiter gibt es so einige Kuriositäten zum Schmunzeln. Tragisch-komisch ist da wohl das passende Attribut. Und wenn dieses Buch eine Nachricht in sich birgt, dann ist es der altbekannte Slogan „Nobody is perfect“, gepaart mit „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ und Robert Frosts Lebensweisheit „Was ich vom Leben gelernt habe, kann ich in drei Worte fassen: Es geht weiter.“
Nichts Neues? Aber dennoch mit viel Mühe verpackt und schön zu lesen.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Americana

Don DeLillo , Matthias Müller
Flexibler Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 01.02.2002
ISBN 9783442451029
Genre: Romane

Rezension:

In DeLillos Debüt verfolgen wir die Geschichte des David Bell, der in der New Yorker Fernsehbranche arbeitet und dort, ähnlich wie der Hauptprotagonist in Metropolis, mit seinen 28 Jahren bereits früh zu Erfolg gekommen ist. Der Roman liest sich dabei zunächst als eine Gesellschaftsstudie Amerikas mit satirischem Einschlag, ab und an werden die bissigen Kommentare Bells über seine ach so aufgesetzte Generation jedoch abgelöst von leiser Melancholie. So beschreibt er die New Yorker Massen wie folgt: „the faces seemed gray and stricken, the bodies surreptitious in the scrawls of their coats, and it occurred to me that perhaps in this city the crowd was essential to the individual; without it, he had nothing against which to scrape his anger, no echo for grief, and not the slightest proof that there were others more lonely than he.” Aber dann auch gleich: „This was just a passing thought.” (29) Denn es gibt einfach so viel in der aufstrebenden medialen Welt, das ihn ablenkt von den Dingen, die eigentlich in Bells Kopf rumspuken: Die Geschichte seiner Familie, der Elterngeneration, die Krieg miterlebt hat und der es nicht immer so sorgenfrei blendend ging wie ihm selber.
Fernab der New Yorker Großstadt-Hektik begibt sich Bell in der zweiten Hälfte des Romans auf die Mission, einen autobiographischen Film zu drehen, amateurhaft und avantgardistisch gleichzeitig, der ihm seiner eigenen Identität näher bringen soll. Denn: „We are what we remember. The past is here, inside this black clock, more devious than night or fog, determining how we see and what we touch at this irreplaceable instant in time.” (299) Ob ihm diese Mission glückt, sollte jeder selber nachlesen. Aufgrund ellenlanger Monologe gestaltet sich das zwar teilweise etwas anstrengend, aber den Höhepunkt der Ausschweifungen während Bells Road Trips sollte man dennoch nicht verpassen. Alles hat schließlich irgendwann mal ein Ende, ganz gemäß dem Motto: „,Do you have any particular ambition in life?’ - ‚To get out of it alive.’“ (286)
______
Die Seitenangaben beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe, die 1989 im Penguin Verlag erschien. Diese Ausgabe ist in einigen Passagen von DeLillo leicht von der Erstausgabe aus dem Jahr 1971 abgeändert worden.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

new york, amerikanische literatur, cosmopolis, linousine, new economy

Cosmopolis

Don DeLillo , Frank Heibert
Fester Einband: 203 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 19.08.2003
ISBN 9783462033083
Genre: Romane

Rezension:

Ein beliebiger Apriltag im Jahr 2000. Wir befinden uns in Manhattan. Und Eric Packer, 28 Jahre alt, Multimilliardär und Businessman, möchte zum Frisör. Das ist einfacher gesagt als getan. Denn einmal in seine weiße Stretchlimousine eingestiegen, begibt er sich auf eine Odyssee, die gleichzeitig an Absurdität und Wirklichkeitsnähe nicht zu überbieten ist. Die Welt, in der wir uns befinden, ist dermaßen digitalisiert und virtualisiert, dass das wahre Leben dagegen unscheinbar blass aussieht. Dabei passiert doch so viel: Globalisierungsgegner, die demonstrieren und sich, um ihrer Botschaft Nachdruck zu verleihen und Aufmerksamkeit zu erhaschen, selbst anzünden… erotische Abenteuer und seine frisch angetraute, eher keusche Ehefrau, die Millionenerbin und Poetin ist, kreuzen mehrmals Erics Weg… er macht sich spontan nackig für Filmaufnahmen, feiert in einer Disco ab und marschiert mit im Trauerumzug für einen kürzlich verstorbenen, aber nicht dramatisch niedergeschossenen, Rapper. Die Reihenfolge ist dabei eigentlich egal, denn Eric ist zwar Dank seiner medialen Ausstattung stets nah am Geschehen, doch innerlich fern und entfremdet von dieser Welt. Alles, was ihn interessiert, ist sein Haarschnitt und der Kurs des Yen. Wieso letzterer so interessant ist, weiß der Vermögensverwalter selbst nicht so genau; mit Geld handeln tut er nur um des Geldes Willen. Er hat ja auch alles, was man sich vorstellen kann! Kork in der Limousine, ein 48-Zimmer-Apartment ausgestattet mit jeglichem technischen Schnickschnack sowie eine asymmetrische Prostata. Obwohl diese ihn ein bisschen beunruhigt, ist sie nicht das, was ihm zum Verhängnis wird. Denn die nonlineare Erzählstruktur lässt uns bereits im 2. Kapitel des 1. Teils Schlimmes vermuten... Erics 19 Jahre ältere Liebhaberin und Repräsentantin einer älteren Generation sagte einmal zu ihm: „Life is too contemporary“ (27), doch während in der Vergangenheit die Zukunft noch in der Technik lag, liegt im Jahr 2000 die Zukunft schon in der Technik.
DeLillo rechnet ab mit der Millenniumsgeneration, bevor das Millennium richtig starten konnte. Das Bild, das er dabei sprachlich aufbaut, ist fragmentiert; kaum hat ein Gedanke begonnen, wird dieser auch schon wieder abgebrochen, weil etwas ablenkt. Wichtig und unwichtig, Chaos und System, sind dabei nicht immer auseinander zuhalten. Eric Packer ist nicht bloß ein Charakter in einem Roman, er ist ein Symptom einer Gesellschaft. Sein Tod soll ein Weckruf sein, doch geht auch der im Durcheinander des Romans, sowohl auf sprachlicher als auch inhaltlicher Ebene, ein wenig unter.

______
Die Seitenangabe bezieht sich auf die Ausgabe, die 2004 bei Scribner erschien.

  (9)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

new york, amerika, amerikanische literatur, liebe, schriftsteller

Leviathan

Paul Auster
Fester Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Rowohlt, Reinbek, 01.01.1994
ISBN 9783498000394
Genre: Romane

Rezension:

In Leviathan erzählt Peter Aaron die Geschichte eines Mannes, der sich vor ein paar Tagen selbst in die Luft gesprengt hat. Der Roman beginnt wie eine Detektivgeschichte, entwickelt sich jedoch zu einer Charakterstudie; denn der Mann, dessen Lebensgeschichte Aaron versucht zu rekonstruieren, war sein bester Freund, der Schriftstellerkollege Benjamin Sachs.
Sachs, den Aaron in den 1970er Jahren in einer Bar in Greenwich Village kennen lernte, war jemand, zu dem Aaron herauf schaute - humorvoll, geistreich, talentiert und mit einer umwerfenden Frau glücklich verheiratet. Scheinbar. Denn in den knapp 20 Jahren Freundschaft musste Aaron einige Veränderungen Sachs miterleben, die scheinbar durch einen unglücklichen Fenstersturz und die damit einhergehende Nahtoderfahrung initiiert wurden. Die Lebensgeschichte Sachs bleibt dabei fragmentarisch; außerdem spielt - wie man das von anderen Auster-Romanen bereits kennt - die Macht des Zufalls eine wichtige Rolle. So erzählt Aaron gewissermaßen nicht nur die Geschichte von Sachs, sondern auch seine eigene und die von einer Ex-Prostituierten oder einer Fotokünstlerin, welche Sachs Lebensweg kreuzten und auf nahezu schicksalhafte Art beeinflusst haben.
Leviathan, so hieß Sachs Roman, den er begonnen, aber niemals abgeschlossen hat. Aaron versucht mit der Niederschreibung von Sachs Leben, dessen Ideologie Ausdruck zu verleihen. Dabei wird auf mehreren Ebenen versucht, eine objektive Wahrheit mittels verschiedener, teils widersprechender, subjektiven Darstellungen zu erreichen. Auster spielt wieder einmal mit der Fiktionalität unserer Realität und da der Roman sich flüssig liest und von überschaubarer Länge ist, wird der Leser nicht überfordert, aber dennoch auf eine gehaltvolle Art unterhalten.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

106 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

frankreich, liebe, kunst, einsamkeit, mord

Karte und Gebiet

Michel Houellebecq , Uli Wittmann
Fester Einband: 414 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.01.2012
ISBN 9783832196394
Genre: Romane

Rezension:

Jed Martin ist Künstler. Seinen Durchbruch hatte er, der ursprünglich mit akribischer Genauigkeit Schrauben ablichtete, mit fotografischen Arbeiten, die sich mit Straßenkarten auseinandersetzen. Dieser Geniestreich geht auf einen Zufall zurück:

„Auf die Bitte seines Vaters hin […] kaufte Jed eine Straßenkarte von Creuse und Haute-Vienne aus der Reihe >>Departemental-karten<< von Michelin. Und als er dort, ein paar Schritte von den in Zellophan gehüllten Sandwiches entfernt, seine Karte auseinanderfaltete, wurde ihm seine zweite große ästhetische Offenbarung zuteil. […] Die Quintessenz der Moderne, der wissenschaftlichen und technischen Erfassung der Welt, war hier mit der Quintessenz animalischen Lebens verschmolzen. […] in jedem Örtchen, jedem Dorf, das seiner Größe entsprechend dargestellt war, spürte man das Herzklopfen, den Ruf Dutzender Menschenleben, Dutzender, Hunderter Seelen […].“ (50)

Jed wird geliebt vom Michelin-Konzert, von den Kritikern und von der Russin Olga. Ob diese in seinen Arbeiten dasselbe sehen wie er? Doch Liebe ist sowieso vergänglich… Als Jed sich von seiner Kunst entfremdet, orientiert er sich um. Fortan steckt er all seine Energie in Portraitmalerei, genauer gesagt in Berufsportraits. Je mehr die Romanhandlung sich vertieft, desto deutlicher kommt der doppelte Boden des Romans hervor: Denn Houellebecq höchstpersönlich, der bereits zu Beginn des Romans am Rande der Handlung auftauchte, entwickelt sich nun zu einer Art Gegenstück, fast sogar zu einer Art Spiegel für Jed. Während letzterer an seinem Meisterwerk „Houellebecq, Schriftsteller“ arbeitet, soll der Schriftsteller eine Einleitung zu Jeds Werk schreiben. So bekommt Jed ungeahnte Einblicke in das eher traurige und einsame Leben des Schriftstellers. Doch dann geschieht ein brutaler Mord und der Roman verfällt über lange Strecken fast in einen Krimi-Modus. Nach der Klärung des Mordfalls steht Jed allerdings wieder im Fokus. Erneut muss dieser, der sowohl einen Freund als auch seinen Vater verloren hat, sein Leben und Schaffen überdenken. Und er zieht drastische Schlüsse. Doch anstatt alles dafür zu tun, um nicht so isoliert zu sterben wie der Schriftsteller und sein Vater, den er bis zu seinem Tod nicht wirklich zu kennen schien, sucht Jed gezielt die Konfrontation mit der Einsamkeit.
Houellebecqs Roman ist nicht nur im Künstlermilieu angesiedelt, er kommentiert den gesellschaftlichen Status von Kunst auf indirekte Art und Weise. Der Titel gepaart mit Jeds Haltung und Ausstellungstitel >>DIE KARTE IST INTERESSANTER ALS DAS GEBIET<< (78) bieten da einen interessanten Interpretationsansatz. Denn wenn dem so ist, dass die Karte, das menschlich geschaffene Konstrukt, tatsächlich interessanter ist als das Gebiet, welches für das reale Leben stünde, dann besagt das viel über den Stellenwert von Kunst. Hochpreisung und Kritik, Ruhm und Misserfolg, Leben und Tod - Houellebecq beleuchtet in seinem Roman stets beide Seiten der Medaille. Der Mordfall, der nahezu künstlerisch inszeniert wurde, deutet allerdings ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Karte und Gebiet in der heutigen Zeit an. Jeds Reaktion darauf, der sinnbildliche Rückzug aus dem Gebiet und das Verlorengehen mit der Karte, ist sicherlich nur eine Möglichkeit, mit dieser Entwicklung umzugehen. Doch muss es wirklich zu solch radikalen Maßnahmen kommen? Mit dieser Frage entlässt Houellebecq den Leser. Darin zeigt sich, dass Karte und Gebiet eben nicht nur ein Künster-, sondern auch ein Gesellschaftsroman von gegenwärtiger Brisanz ist.

_________

Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die 2011 bei Dumont erschien.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(217)

357 Bibliotheken, 13 Leser, 3 Gruppen, 59 Rezensionen

sex, therapie, tod, ehe, unfall

Schoßgebete

Charlotte Roche
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 15.08.2011
ISBN 9783492054201
Genre: Romane

Rezension:

Wessen Erstlingswerk sich über 1,3 Millionen Mal verkauft, dessen zweiter Roman muss sich unweigerlich mit dem Debüt messen. Das weiß auch Charlotte Roche und entgegnet den Spekulationen darum, ob ihr neuer Roman Schoßgebete noch tabuloser mit dem Thema Sexualität umgeht, indem sie ihn mit einer seitenlangen und peinlichst detaillierten „Blase-Szene“ eröffnet. Schoßgebete ist jedoch nicht nur in dieser Hinsicht noch radikaler als sein Vorgänger: Im Gegensatz zu Feuchtgebiete geht es in diesem Roman nicht um eine Teenagerin, die gegen die Hygiene- und Rollenvorstellungen ihrer Mutter rebelliert, nachdem jene sich hat scheiden lassen und versuchte, sich und ihren Sohn umzubringen. In Roches zweitem Werk haben wir es mit Elizabeth Kiel zu tun, einer erwachsenen Frau mit Mann und Kind. Und während Elizabeth selbst aus einer Familie stammt, die sich eigentlich gar nicht mehr als solche bezeichnen kann, mit den geschiedenen Eltern und den ständig wechselnden Lebensgefährten der dominanten Mutter, versucht Elizabeth verzweifelt, ihren Familienalltag so normal wie möglich zu gestalten. Doch was bedeutet Normalität im Leben einer Frau, die mit dem tragischen Unfalltod von drei Geschwistern, die ausgerechnet auf dem Weg zu ihrer Hochzeit starben, umgehen muss?
Diesen Kampf um ein geregeltes Leben, der sich gleichwohl als Überlebenskampf bezeichnen lässt, schildert Roche gewohnt offen und neurotisch detailbesessen. Der Roman umfasst insgesamt einen Zeitraum von drei Tagen, die scheinbar willkürlich aus dem Leben der Elizabeth Kiel gegriffen sind. Doch Elizabeths tägliche Routine schließt eben auch das Extreme mit ein: Zum einen wären da die Therapiestunden, die ihr helfen sollen, die Allgegenwärtigkeit des Todes zu akzeptieren, damit Roche die Rolle der Überlebenden ablegen und wieder zur Lebenden werden kann. Und zum anderen wäre da der Sex, der, immer dann wenn ihre Tochter gerade nicht ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge in Anspruch nimmt, ihre ganze Energie beansprucht. Sich ihrem Mann zu widmen und sich völlig hinzugeben bedeutet für Elizabeth jedoch viel mehr als bloße Lust. Denn nur dann kann sie, die quasi aus nichts mehr besteht als aus dem Trauma ihrer Vergangenheit, diese und somit sich selber vergessen. Anders als in Feuchtgebiete ist Sex hier nicht nur Rebellion, sondern auch Selbstaufgabe. Und anders als in Feuchtgebiete kann die Protagonistin ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen und neu anfangen. Denn in Schoßgebete ist das Happy End nicht nur schwach, sondern gänzlich Tarnung. Elizabeth kriegt zwar, was sie will, aber dennoch nicht, was sie eigentlich bräuchte.
So hinterlässt der Roman den Leser innerlich genauso zerrissen wie seine Hauptfigur - unerschrocken, da man sich bereits zum zweiten Mal den Neurosen von Roches Charakteren gestellt hat, und verunsichert, was das halboffene Ende des Romans betrifft. Außerdem sind Parallelen zu Roches eigener Biografie (man bedenke, dass ihr Zweitname Elizabeth ist) nicht von der Hand zu weisen, was teilweise die Lese-Erfahrung stark beeinflusst. Beispielsweise traut man sich nicht wirklich, bei den aufgebauschten Hasstiraden gegen die „Druck-Zeitung“ mit den Augen zu rollen, wenn man immerzu denken muss ‚Nach so einem Schicksalsschlag hätte ich nicht die Kraft, das ganze auch noch in einem Roman zu verarbeiten und öffentlich mein Innerstes nach Außen zu kehren!’. Wenn man trotzdem diese Extremsituation einmal ausblenden kann, ist Schoßgebete auch ein Beziehungsroman, in dem sich jeder irgendwo wieder finden kann. Wieder einmal schreibt Roche das nieder, was viele nicht aussprechen können. Und während man sich nach der Lektüre von Feuchtgebiete fragte, wie Roche diesen Erfolg an Offenheit und Radikalität übertrumpfen will, fragt man sich nach dem Lesen von Schoßgebete erst recht, was als Nächstes kommen wird - jetzt, wo sie ihr letztes großes Tabuthema, den Tod ihrer Brüder, auch überwunden hat.

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

gesellschaft, victorian age, postmoderne, viktorianisches zeitalter

The French Lieutenant's Woman

John Fowles
Flexibler Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Ccv, 04.11.2004
ISBN 9780099478331
Genre: Romane

Rezension:

Das Viktorianische Zeitalter trifft auf die Postmoderne!
Dabei beginnt alles ganz harmlos: Es ist das Jahr 1867. Charles geht mit seiner Verlobten Ernestina spazieren und die beiden laufen zufällig einer etwas ungewöhnlichen Gestalt über den Weg. „They call her the French Lieutenant’s… Woman.“ […] and how her stare was aimed like a rifle at the farthest horizon.“ (9) Doch Charles, der sich eigentlich für Fossilien interessiert, entwickelt eine Faszination für die tragische Geschichte, die hinter dieser von der Gesellschaft abgekehrten Frau steckt. Was sich zunächst als klassischer viktorianischer Gesellschaftsroman liest, bei dem es um den Konflikt zwischen standesgemäßer Heirat und persönlichem Interesse geht, wird bald zu einem erzählerischen Experiment. Denn nach knapp 100 Seiten, in Kapitel 13, meldet sich plötzlich der Erzähler zu Wort:
„I don’t know. This story I am telling is all imagination. […] Perhaps you suppose that a novelist has only to pull the right strings and his puppets will behave in a lifelike manner; […] But I find myself suddenly like a man in the sharp spring night, watching from the lawn beneath that dim upper window in Marlborough House; […] The novelist is still a god, since he creates (and not even the most aleatory avant-garde modern novel has managed to extirpate its author completely); what has changed is that we are no longer the gods of the Victorian image; omniscient and decreeing; but in the new theological image, with freedom our first principle, not authority. I have disgracefully broken the illusion?” (95-97)
Anschließend setzt er die Geschichte fort, als hätte dieser Monolog nie statt gefunden; nur ab und an fällt eine kleine Bemerkung, die uns spüren lässt, dass das Viktorianische Zeitalter nur als Illusion heraufbeschworen wurde und schon längst passé ist, wie beispielsweise ein Vergleich der Hauptfigur mit einem Computer. Erst über 200 Seiten später, wenn der Leser wieder völlig versunken in dieser Illusion ist, unterbricht der Erzähler erneut – um die Geschichte zu beenden und uns anschließend zu sagen, dass das, was er uns gerade als ‚Wahrheit’ verkauft hat, nur Wunschdenken war! Von da an kippt die Erzählung, wir befinden uns nicht mehr in einem viktorianischen Gesellschaftsroman mit leicht postmodernem Touch, sondern in einer postmodernen Spielerei mit Erzähltechniken und Ebenen der Fiktionalität, die den Leser letztendlich orientierungslos sich selbst überlässt auf der Suche nach der ‚wahren’ Geschichte über die Geliebte des französischen Leutnanten.
Fowles’ Roman beleuchtet die Vergangenheit aus der gegenwärtigen Perspektive und die Gegenwart aus der viktorianischen Perspektive. Wer hätte gedacht, dass zwei Zeitalter, die vielleicht unterschiedlicher nicht sein könnten, in einer solchen Konstellation so viel Spaß machen!?

Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die 1998 Back Bay erschien.

  (5)
Tags: gesellschaft, postmoderne, viktorianisches zeitalter   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

10 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

kunst, malerei, psychiatrie, kate oliver, acapulco

The Swan Thieves

Elizabeth Kostova
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Little, Brown Book Group, 28.01.2010
ISBN 9781847442406
Genre: Romane

Rezension:

Der Psychiater Andrew Marlow bekommt es unerwartet mit einem besonders komplizierten Fall zu tun: Der renommierte Maler Robert Oliver hat versucht, in der National Gallery of Art ein Gemälde mit einem Messer zu attackieren. Bevor Oliver sich in ein eisernes Schweigen zurückzieht, äußert er nur einen einzigen Satz: „I did it for her.“ Doch wer ist sie? Ist sie die Frau mit dem melancholischen Blick und den schwarzen Locken, die Oliver fast wie besessen portraitiert? Und ist das wiederum die Frau aus den Briefen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen und die Oliver immerzu liest? Marlows Suche nach ‚ihr’ gestaltet sich fast wie ein Krimi – Zeugen werden befragt, Beweismaterial ausgewertet, Nachforschungen angestellt. Dabei werden die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, sowie zwischen Genie und Wahnsinn mehr als einmal übertreten. Anstatt Antworten zu finden, wird es zusehends unklarer, wonach Marlow überhaupt zu suchen hat. Und warum. Und für wen.
Kostovas Roman mag zwar spannend zu lesen sein, bleibt aber eine recht oberflächliche Lektüre und bietet schlussendlich keine Einsicht in die Gedankenwelt des Künstlers. Lesenswert sind aber besonders die Kapitel, die uns ins Frankreich des späten 19. Jahrhunderts führen und die Statusfrage der Frau innerhalb der Malerzunft aufgreifen.

  (4)
Tags: kunst, malerei   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

religion, heuchelei, schräg, gegenwart, geniales ende

The Second Coming

John Niven
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Cornerstone, 30.03.2011
ISBN 9780434019564
Genre: Romane

Rezension:

Nachdem sich Gott während der Renaissance in den Urlaub verabschiedet hat, ist viel passiert, denn im Himmel vergeht die Zeit schließlich viel langsamer als auf Erden. Als er im Jahr 2011 zurück kehrt, ist er geschockt über den Zustand auf Erden: Kriege, Umweltverschmutzung und Jersey Shore. Zudem überall diese verdammten Christen die glauben, Gottes Willen besser zu kennen als er selbst und vermeintlich in seinem Sinne beispielsweise zum Schwulenhass aufrufen. Dabei findet Gott Schwule cool! Gott sieht nur noch einen Ausweg: Er schickt seinen Sohn, Jesus Christus, genannt JC, als seinen Vertreter noch ein weiteres Mal auf die Erde, um die Botschaft „Be nice!“ unters Volk zu bringen. Und womit könnte man mehr Menschen erreichen als mit American Pop Star?
Nivens The Second Coming ist sicherlich provokativ, aber keinesfalls Blasphemie. Es zeigt sich manchmal viel mehr versöhnlich. Weniger zynisch, aber sehr humorvoll werden die Konflikte unserer westlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht nur beschrieben und analysiert, es wird auch ein Lösungsansatz dargeboten, der simpler nicht sein könnte. Ob JCs friedliche Mission glückt oder ob das Second Coming letzten Endes zu einem Fall von History repeating itself wird, sollte jeder selber nachlesen. Es sei jedoch angemerkt, dass die lauten Lacher nach dem 1. Teil des Buches leider leiser werden…

  (5)
Tags: populärkultur, religion   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

28 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

englisch, familie, wichtelgeschenk, fantastisch

The Particular Sadness of Lemon Cake

Aimee Bender
Fester Einband: 292 Seiten
Erschienen bei Random House Inc, 01.06.2010
ISBN 9780385501125
Genre: Sonstiges

Rezension:

Kurz bevor Rose 9 Jahre alt wird, erlebt sie etwas äußerst Merkwürdiges, als sie nichts ahnend in den Zitronenkuchen ihrer Mutter beißt: „the goodness of the ingredients – the fine chocolate, the freshest lemons – seemed like a cover over something larger and darker […], but in drifts and traces, in an unfurling, or an opening, it seemed that my mouth was also filling with the taste of smallness, the sensation of shrinking, of upset, tasting a distance I somehow knew was connected to my mother, tasting a crowded sense of her thinking, a spiral […].” (11) Sie kann schmecken, was derjenige, der die Speise zubereitet hat, fühlt! Da Gift und Gabe oftmals einhergehen, wird Roses Erwachsenwerden zu einem täglichen Kampf, mit ihrer Fähigkeit umzugehen. Denn nicht immer will sie so offensichtlich schmecken, was ihren Freunden, ihrer Familie und Fremden auf dem Herzen liegt. Und weil Rose niemandem ihre Fähigkeit begreiflich machen kann, ohne für verrückt erklärt zu werden, ist sie so sehr mit sich selber beschäftigt, dass sie gar nicht merkt, dass in ihrer unmittelbaren Umgebung noch jemand einen ähnlichen Kampf austrägt – und zu verlieren droht.
The Particular Sadness of Lemon Cake ist eine Familiengeschichte, die zugleich fantastisch und doch so greifbar ist.

_______

Das Zitat bezieht sich auf die englische Ausgabe, die 2011 bei Windmill Books erschien.

  (7)
Tags: familie, fantastisch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

The Life and Opinions of Maf the Dog, and of His Friend Marilyn Monroe

Andrew O'Hagan
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Faber And Faber, 21.04.2010
ISBN 9780571215997
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

zombies, goethe, wahlheim, werther, weimar

Die Leichen des jungen Werther

Susanne Picard , Johann W. von Goethe
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Panini, 12.04.2011
ISBN 9783833222566
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Aus der gleichen Reihe wie Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Zombie-Jim und Sissi, die Vampirjägerin enspringt, (sehr) frei nach Johann Wolfgang von Goethe, Picards Die Leichen des jungen Werther. Beginnt der Briefroman doch ähnlich wie das Original, ist Werther bloß eine Parodie seines ursprünglichen Selbst – Macho (die Emanzipation ist seiner Meinung nach der „größte[…] Unsinn aller Zeiten“ 27), in Selbstmitleid versinkender Emo („Nein, heute werde ich die Kerze früher ausblasen als sonst und mir selbst leid tun.“ 46) und überheblich selbstverliebt („[….] das Wertvollste, was ich besitze. Meinen genialen, brillanten, so überaus begabten Verstand.“ 113). Und das provinziale und naturhafte Wahlheim wird zu einem Ort, an dem scheinbar die Fleischfäule wütet. Natürlich ist der städtische Werther (wie er, um Lotte zu erobern, mit allen Mitteln unter Beweis stellen will) diesen Primitiven, die an Untote glauben, geistig weit voraus – oder etwa primitiver als alle Anderen? Denn wir wissen ja alle, dass die rosarote Brille des Verliebtseins so Manches nicht nur schön einfärbt, sondern gänzlich ausblendet…
Wer eine ernstzunehmende Neuinterpretation des Klassikers erwartet, wird enttäuscht sein; wer sich aber köstlich amüsieren will, darf gerne zugreifen. Allerdings nutzt sich der Humor recht schnell ab, der Versuch, Werthers Sprache nachzuempfinden, scheitert bisweilen (siehe „Flirt“ 177) und die Illustrationen sind – im Gegensatz zur Covergestaltung – leider schlecht und somit überflüssig. Wer hätte letzten Endes aber gedacht, dass Goethes Meilenstein des Sturm und Drang sich zur Vorlage eines Splatter-Romans eignen würde? Während sich mancher Leser vielleicht vor Lachen krümmt, dreht sich Goethe wahrscheinlich im Grab um. Aber: „Wir wollen nicht ausschließen, dass auch die Untoten auf ihre Weise glücklich sein können.“ (280, Hervorhebung im Original)

______
Die Seitenangaben beziehen sich auf die Erstauflage des Panini Verlags, April 2011.

  (6)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(739)

1.324 Bibliotheken, 38 Leser, 8 Gruppen, 64 Rezensionen

new york, 9/11, suche, tod, trauer

Extrem laut und unglaublich nah

Jonathan Safran Foer , Henning Ahrens
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2007
ISBN 9783596169221
Genre: Romane

Rezension:

Oskars Vater befand sich in den Twin Towers, als diese am 11. September 2001 einstürzten. Damit stürzte gleichsam das sichere Gerüst von Oskars behüteter Kindheit ein. Nie wieder Daddys Gutenachtgeschichten lauschen, gemeinsames New York Times-Korrekturlesen oder Fantasieausflüge unternehmen. Bis Oskar einen Schlüssel findet und sich mit großer Entschlossenheit in ganz New York auf die Suche nach dem passenden Schloss macht:
"Of course I wanted to talk to Mom that night I decided to go hunting for he lock, but I couldn’t. It’s not that I thought I would get in trouble for snooping around, ort hat I was afraid she’d be angry about the vase, or even that I was angry at her for spending so much time laughing with Ron when she should have been adding to the Reservoir of Tears. I can’t explain why, but I was sure that she didn’t know about the vase, the envelope, or the key. The lock was between me and Dad." (51/52, meine Hervorhebung)
Doch Foers Roman erzählt nicht nur von der Suche nach dem Schloss und dem großen Warum?, das seit dem Tod des Vaters in Oskars Gedanken rumspukt, er erzählt auch von Oskars Großvater, der etwas ähnlich Traumatisches hat miterleben müssen wie zwei Generationen später sein Enkel. Dabei bedient sich Foer allerhand moderner Erzähltechniken, mit denen er verschiedene Perspektiven ergründet, die einer objektiven Wahrheit jedoch versagen, und lässt die Leser oftmals allein mit der Sinnfindung. So wird beispielsweise ein Telefongespräch zwischen Oskars verstummten Großvater und seiner Großmutter in dem Zahlencode, den der Großvater zum Kommunizieren ins Telefon eingibt, wieder gegeben oder so findet man ebenjenen Rotstift, mit den Oskars Vater einst immer die New York Times korrigierte, auch in einem Brief von Oskars Großvater wieder, den der Vater jedoch niemals erhalten hat. Dabei stehen die Profanität der Rechtschreib- und Orthografiefehler in kaum aushaltbarem Kontrast zu den unaussprechlich grausamen Kriegserlebnissen, die in dem Brief geschildert werden. Und was wollen uns die roten Markierungen sagen, die keine Fehler anzeigen?
Alles in Allem entführt Extremely Loud & Incredibly Close den Leser in eine kindliche Gedankenwelt, die sich auf ganz eigene Weise die Welt erschließt. Manchmal hat der neunjährige Oskar mehr verstanden, als so mancher Erwachsener, manchmal aber auch nicht, weil die Ereignisse außerhalb seiner Fantasiewelt sich eben nicht andersrum arrangieren und zurückspulen lassen wie das Daumenkino eines von einem der Twin Tower springenden Mannes, welches den Roman abschließt. Aber was letztendlich real ist und was nicht – manchmal mag man das eben gar nicht wissen.
Foers Roman ist traurig und lustig, verstörend und sinnig, extrem und unglaublich.

______

Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe, die 2006 im Penguin Verlag erschien. Wer es geschafft hat, den Zahlencode von Oskars Großvater zu entschlüsseln, möge sich bitte melden.

  (11)
Tags: 9/11, generationen, jonathan safran foer, new york, postmoderne, trauma   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

New York

Edward Rutherfurd
Fester Einband: 1.040 Seiten
Erschienen bei Cornerstone, 03.09.2009
ISBN 9781846051951
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sprache und identität, großstadt, new york, detektivgeschichten, postmoderne

The New York Trilogy

Paul Auster
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin Group USA, 01.12.1994
ISBN 0140131558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zu City of Glass, Teil 1 der New York-Trilogie:
Im Mittelpunkt des Romans steht der allein stehende Quinn, der normalerweise unter dem Pseudonym William Wilson Kriminalromane schreibt und nach mehreren mysteriösen Anrufen, die glatt einem seiner Romane hätten entspringen können, zu Paul Auster wird, dem angeblichen Privatdetektiv, der einen ominösen Herr Stillman vor seinem Vater schützen soll, sich später aber als ziemlich durchschnittlich lebender Buchautor erweist.
Ähnlich vertrackt wie diese Kurzzusammenfassung ist Austers City of Glass und bietet neben der Detektivgeschichte allerlei Gedanken über die Konstruktion unseres Seins und stellt dies in Zusammenhang mit unserer Sprache. Selbstreferenziell wird dabei gleich zu Beginn festgelegt: There is “no word that is not significant. And even if it is not significant, it has the potential to be so […]; the centre of the book shifts with each event that propels it forward. The centre, then, is everywhere, and no circumference can be drawn until the book has come to its end.” (8)
Darüber hinaus porträtiert Austers Werk als Großstadtroman ein unübersichtliches, aber auch unerschöpfliches New York, das sich manchmal auf untypische Art und Weise als symptomatisch für seine Bewohner präsentiert. So erlebt Quinn den Großstadtdschungel nicht als angsteinflößend, sondern als Zuflucht: “New York was an inexhaustible space, a labyrinth of endless steps, and no matter how far he walked, […] it always left him with the feeling of being lost. Lost, not only in the city, but within himself as well. […] On his best walks, he was able to feel that he was nowhere. And this, finally, was all he ever asked of things: to be nowhere.” (3f.) Letzten Endes sind es schließlich die Bewohner New Yorks, die den urbanen Text schreiben. So entpuppt sich Stillman senior schließlich als etwas tattriger, älterer Mann, der durch die Straßen des Big Apple sträunt und dabei Schrott sammelt. Dabei hinterlässt er jedoch seltsame Spuren – zumindest glaubt Quinn, aus Stillmans täglichen Routen eine geheimnisvolle Nachricht entziffern zu können. Und je tiefer Quinn sich in seine Detektivarbeit als Paul Auster hineinsteigert, je tiefer er sich in die der Großstadt ganz eigenen Sprache wagt, desto mehr wird er eins mit ihr…

Zu Ghosts, Teil 2 der Trilogie:
Der Privatdetektiv Mister Blue wird von Mister White angeheuert, um einen gewissen Mister Black zu beschatten. Was als ganz gewöhnlicher Auftrag beginnt, verläuft dennoch ungewöhnlich, eben weil Mister Blacks Leben nichts Außergewöhnliches aufzuweisen scheint.
Blue quartiert sich gegenüber von Blacks Apartment ein, in welchem dieser zurückgezogen und recht anonym lebt. Fortan beobachtet Blue Black Tag und Nacht, aber Black sitzt bloß an seinem Schreibtisch, liest und schreibt. Und wenn er das Haus verlässt, dann nur um harmlose Besorgungen zu machen. Oder? Ist Black wirklich so harmlos? Warum sollte man ihn dann beschatten lassen? Wer beschattet letzten Endes eigentlich wen? Und was für eine Rolle spielt White in dieser Dreierkonstellation? Ghosts wirft viele Fragen auf, aber anstatt passgenaue Antworten zu liefern, wird dem Leser ein Spiegel vorgehalten: Genauso, wie Blue Black spiegelt (oder umgekehrt?), spiegelt der Roman den Versuch des Lesers (bzw. eines jeden Lesers) wieder, aus in Sprache verpackten Fakten eine kohärente Struktur zu konstruieren.
Auch bei diesem Teil der Trilogie gilt, dass auch Leser, die Detektivgeschichten vielleicht nicht unbedingt zugeneigt sind, Gefallen an Austers Fiktion finden können. Ghosts ist nämlich vielmehr ein postmodernes und poststrukturalistisches Werk, das zentrale Konflikte unseres (großstädtischen) Daseins aufgreift, getarnt als Detektivgeschichte.

  (4)
Tags: detektivgeschichten, großstadt, new york, paul auster, postmoderne, sprache und identität   (6)
 
52 Ergebnisse