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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

dystopie, apokalypse, postapokalypse, dbp 2015, männerwelt

Eigentlich müssten wir tanzen

Heinz Helle
Fester Einband: 173 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.09.2015
ISBN 9783518424933
Genre: Romane

Rezension:

Dunkel, kalt und grausam ist die Hölle, durch die Heinz Helle die fünf Männer seines postapokalyptischen Romans „Eigentlich müssten wir tanzen“ jagt. Doch er lässt nicht nur die Männer leiden, auch die Leser, die Seite für Seite die Grausamkeit eines hoffnungslosen Überlebenskampfes miterleben.

Jeder Herzschlag ein Sieg

Sie sind auf dem Rückweg von einem Ausflug, der eigentlich aus dem Alltag reißen und die unbeschwerte Zeit der Vergangenheit imitieren sollte. Doch nach ein paar mittelmäßigen Tagen auf einer abgelegenen Hütte in den Bergen ist nichts mehr, wie es mal war. Egal wohin die Männer schauen, entdecken sie nichts als Tod, Leere und Verwüstung. Was geschehen ist, wissen sie nicht. Wissen nicht, was die Menschen nahezu ausgelöscht und die Überlebenden zu Plünderungen bewegt und später vertrieben hat. Genauso wenig, wie die Leser nach der letzten Seite.

Mutprobe

Bereits im ersten der vielen knappen Kapitel fordert Heinz Helle uns zu einer Mutprobe heraus. Wer hat nach dem Zusammentreffen mit der unbekannten Frau den Mut zum Weiterlesen? Wer schafft, es beim Lesen das Ende der Welt auf seinen Schultern zu tragen? Es scheint so, als seien diese Fragen berechtigt, Hoffnung wird man in dem nicht einmal 200 Seiten starken Büchlein nämlich kaum finden. Helle ist gnadenlos: Mit dem Spiel von Beschreibungen und Leerstellen inszeniert er ein Kopfkino, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die Temperatur scheint mit jeder weiteren Seite um mindestens einen halben Grad zu fallen, wenn der namenlose Erzähler von der feuchten Kälte berichtet, die der immer kleiner werdenden Gruppe ebenso wie der Hunger zu schaffen macht.

Das Kind ist noch recht gut genährt, es wird bestimmt noch eine Woche überleben, wenn es nicht plötzlich wieder kälter wird, vielleicht ist die Mutter ja nur Wasser holen oder so, wir lassen es in Frieden. Als wir uns wieder in Bewegung setzen, dreht sich das Kind um und sieht uns an. Ich habe Angst, dass es zu weinen beginnt, weil ich nicht weiß, was wir tun würden, um es dazu zu bringen, wieder aufzuhören. – Seite 38

Trotzdem werden wir auf eine erschreckende Weise von der bedrückenden Stimmung und der unheimlichen Atmosphäre gefesselt. Beim Lesen legt sich die Stille des Romans auch über die Welt. Wir freuen uns nur selten über das Surren des Kühlschranks, eine zufallende Tür oder den lärmenden Staubsauger der Nachbarin. Doch Heinz Helle sorgt dafür, dass wir diese Geräusche als Zeichen des Lebens und der Zivilisation feiern.

Leben wollen

Die Sprache und Tonalität des kleinen Büchleins unterstreichen die Resignation und Hoffnungslosigkeit – die zwischendurch dann aber trotzdem nur Kopfschütteln weckt. Doch die meiste Zeit möchte man die Männer schnappen und schütteln, sie zum Kampf um das eigene Leben aufrufen und ihnen von der Schönheit der Welt erzählen. Mich hat schon lange kein Roman mehr in der Art und Weise gefesselt, wie es dieser geschafft hat. Insgesamt brauchte ich mehrere Tage für das kleine Buch, das Hörbuch Hamburg aus gutem Grund nicht zu einem Hörbuch verarbeitet hat.  Es ist radikal, es ist grausam und zwischenzeitlich nur sehr schwer zu ertragen. Warum ich es trotzdem bis zur letzten Seite gelesen habe? Ich mag Heinz Helles ganz individuellen Sprachstil, seine kleinen Ausflüge in die Philosophie und den Hunger aufs Leben, den ich beim Lesen immer mehr in mir gespürt habe.

 

Heinz Helle: „Eigentlich müssten wir tanzen“, Suhrkamp, 173 S., 19,95 Euro
Der Titel war 2015 für den Buchpreis des Deutschen Buchhandels nominiert und schaffte es auf die Longlist.

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156 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

berlin, kleinwüchsigkeit, preußen, pfaueninsel, insel

Pfaueninsel

Thomas Hettche
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 21.08.2014
ISBN 9783462045994
Genre: Romane

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224 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

mobbing, liebe, tagebuch, lehrer, schule

Sternschnuppenstunden

Rachel McIntyre , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Magellan, 20.02.2015
ISBN 9783734850073
Genre: Jugendbuch

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1 Bibliothek, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Die vier Versprechen

Don Miguel Ruiz
Audio CD
Erschienen bei Ariston, 25.02.2008
ISBN 9783720570091
Genre: Sachbücher

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

freude, freiheit, don miguel rui, sachbuch, versprechen

Die vier Versprechen

Don Miguel Ruiz
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.06.2012
ISBN 9783548745602
Genre: Sachbücher

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60 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

erwachsen werden, roadtrip, gegenwartsliteratur, freundschaft, abenteuer

Wo ein bisschen Zeit ist ...

Emil Ostrovski
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 24.07.2014
ISBN 9783841421609
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein verrückter Road Trip durch die Philosophie

Der junge Jack Polovsky spürt keine Hoffnung mehr und überlegt kurzzeitig, seinem Leben am Morgen seines Geburtstags ein spontanes Ende zu setzen. Kurz darauf erreicht ihn jedoch der Anruf seiner Ex-Freundin Jess. Diese liegt in den Wehen und schenkt gerade dem gemeinsamen Kind das Leben. Obwohl Jack zunächst entschieden gegen den Nachwuchs war, macht er sich sofort auf den Weg zu ihr. Dort angekommen erwartet ihn neben dem Wunder des Lebens allerdings eine böse Überraschung: Jess gibt den gemeinsamen Sohn zur Adoption frei, und die zukünftigen Adoptiveltern warten bereits gespannt darauf, dem neuen Familienmitglied ein liebevolles Heim zu geben.

So sehr sich Jack zunächst auch gegen den Gedanken an eine so frühe und ungeplante Vaterschaft gewehrt hat, bringt er es nach den ersten Momenten mit seinem Sohn dennoch nicht übers Herz, ihn ohne Weiteres in die Obhut fremder Menschen zu geben. So beschließt er kurzerhand, seinen bis dahin namenlosen Sohn aus dem Krankenhaus zu entführen, um ihn wenigstens einmal seiner an Demenz erkrankten Großmutter zu zeigen. Mit der Flucht aus dem Krankenhaus beginnt für Jack, den neugeborenen Sokrates, Jacks besten Freund Tommy und Jess ein Abenteuer, das Abschied und Neuanfang zugleich ist …

Menschen werden nun mal verletzt. Menschen, die Gefühle haben und sich Gedanken machen. Nur wer nichts fühlt und sich keine Gedanken macht, wird nicht verletzt.
– Seite 71 –

Ein ganz besonderer Roman über die Fragen des menschlichen Seins

Wo ein bisschen Zeit ist … von Emil Ostrovski ist trotz der jugendgerechten Sprache kein Roman, der sich ohne Weiteres überfliegen lässt. Vielmehr erzählt der Autor eine humorvolle und dennoch anspruchsvolle Coming-of-Age-Geschichte, bei der sich alles um Jacks Gedanken über Gott und die Welt dreht. Und da Selbstgespräche und Monologe auf Dauer doch ein wenig einseitig wirken, bekommt er mit seinem Sohn Sokrates einen passenden Diskussionspartner. Eigentlich antwortet ihm zwar eher Jacks Unterbewusstsein, doch das ist einfach nicht so spektakulär wie ein philosophierendes Neugeborenes, das regelmäßig die Gedanken seines Vaters hinterfragt und ihm somit ständig neue Denkimpulse mit auf den Weg gibt.

Trotz aller tiefsinnigen Gedanken sind Jack, Jess und Tommy vor allem eins: Teenager, die sich gerade an der Schwelle zum Erwachsensein befinden und ihren Platz in der Welt noch suchen. Während Jack die Dinge immer wieder unter verschiedenen philosophischen Aspekten betrachtet, gibt sich Jess eher rational. Manches Mal wirkt sie fast schon abgeklärt, doch im Verlauf der Handlung zeigt sich immer wieder, dass auch sie ein großes Herz besitzt. Im Gegensatz zu ihrem Ex-Freund lässt sie sich allerdings nicht einfach so von der Romantik eines Gedankens verführen. Tommy erscheint hingegen als oberflächlicher Witzbold. Auch hinter seiner Fassade verbirgt sich ein ernster Junge, der das jedoch hervorragend mit Humor und einer scharfen Zunge zu überspielen weiß. Und Sokrates ist vor allem eins – ein Baby mit einem abgefahrenen Namen, das beweist, dass Neugeborene tatsächlich mehr aushalten als gedacht. Der unbeholfene, aber besorgte Umgang mit dem Jungen zeigt nämlich immer wieder, dass Jess ihre Entscheidung nicht leichtfertig und unberechtigt, sondern aus tiefer Liebe zu ihrem Sohn getroffen hat.

Fazit

Wo ein bisschen Zeit ist … hebt sich deutlich von den anderen Jugendromanen ab und traut sich anders zu sein. Die Charaktere sind nicht immer bequem und verkörpern auch nicht die reichen, beliebten oder sorglosen Teenager, denen man sonst so häufig in einem Jugendroman begegnet. Sie alle tragen ihre Geschichte mit sich und haben wohl auch deshalb Ecken und Kanten. Die Handlung beschreibt zwar einen abenteuerlichen und humorvollen Road Trip, doch viel wichtiger ist die Reise durch die Philosophie, das Leben und das Universum. Und ganz in ebendieser Manier wirft jede gefundene Antwort zugleich zehn neue Fragen auf. Dieser Roman ist eine Empfehlung für alle, die gelegentlich die persönliche Weiterentwicklung eines Charakters einer spannenden Handlung vorziehen und sich nicht vor Tiefgang scheuen.

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thriller, jugendbuch, lost souls ltd., verlorene seelen, raix

Lost Souls Ltd.- Blue Blue Eyes

Alice Gabathuler , bürosüd° bürosüd° GmbH
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 16.07.2014
ISBN 9783522202046
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Lost Souls Ltd.
– sie sorgen dafür, dass Teenager ihre Seele nicht verlieren

Kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag beschließt Kata Benning, ihren Adoptiveltern einen Besuch abzustatten, um danach ein neues Leben in London zu beginnen. Doch kaum am Bahnhof ihrer Heimat angekommen, hält sie ein junger Mann namens Raix auf. Er warnt sie mit größtem Nachdruck davor, ihre Adoptiveltern aufzusuchen. Kata ist zutiefst verunsichert, denn der Fremde spricht sie mit dem richtigen Namen an und erweist sich außerdem als äußerst hartnäckig. Nach und nach breitet sich eine dunkle Vorahnung aus, weshalb sie keine Zeit auf dem Heimweg verliert. Und während sie durch ihr nobles Viertel eilt, wird ihr zum ersten Mal bewusst, wie surreal die Situation ist. Gerade noch von einem Fremden vor einer unsichtbaren Gefahr gewarnt, hastet sie nun an einer heilen Welt mit gepflegten Gärten und prunkvollen Häusern vorbei. Doch in dem Moment, in dem sie Raix’ Worte schon wieder anzweifelt, passiert es: Fast am Haus ihrer Adoptiveltern angekommen, wird Kata aus sicherer Entfernung Zeugin, wie die beiden zunächst arglos in ihre teure Limousine steigen und nur wenige Sekunden später brutal von einer Autobombe in die Luft gesprengt werden.

Trotz der beängstigenden Vorwarnung ist sich Kata sicher, dass der junge Mann vom Bahnhof nur ihr Bestes wollte und nichts mit dem Mord an ihren Eltern zu tun hat. Mit dieser Annahme liegt Kata goldrichtig, denn Raix gehört gemeinsam mit seinen Freunden Ayden und Nathan einer Untergrundorganisation namens Lost Souls Ldt. an. Gemeinsam mit einigen Vertrauensmännern versuchen die Jungs andere Jugendliche in Gefahr aufzuspüren, um sie vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Sie wissen, wie wichtig ihre Arbeit ist, denn die Mitglieder der Lost Souls Ltd. sind selbst vom Leben gezeichnet und kämpfen gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit. Nun sind sie also für Kata Schutzengel der etwas anderen Art, doch die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Während Ayden, Raix und Nathan scheinbar gegen Windmühlen kämpfen, müssen sie zusehen, wie Kata kurz davor ist, blind in ihren eigenen Tod zu laufen.

Sie hatte sich vorangekämpft, mit gefesselten Händen, ein Kraftakt, der alles von ihr abverlangt hatte. Vielleicht war sie deshalb unvorsichtig geworden und hatte sich in das Licht des Suchscheinwerfers gestellt, ohne zu wissen, wer im Helikopter saß. Gleich danach hatte sie sich gefragt, ob sie einen schrecklichen Fehler gemacht hatte.

– Seite 246 –

Ein Reihenauftakt, der mit den typischen kleinen Schwächen zu kämpfen hat

Meiner Erfahrung nach ist der erste Band einer Reihe immer eine Sache für sich, denn meistens schlummern darin kleine Stolpersteine, die einen guten Roman mit viel Potenzial trotzdem trüben können. Dieses Problem hat auch der Roman Blue Blue Eyes. Obwohl die Story durchaus interessant ist, werden die verschiedenen Charaktere nicht greifbar. Das passiert dadurch, dass sich zu viele Erwähnungen tragischer Schicksale wie ein roter Faden durch die Handlung ziehen. Natürlich ist genau das auch ein signifikanter Teil der Erzählung, doch ein bisschen weniger wäre letztendlich mehr gewesen. Obwohl klar ist, dass die Mitglieder der Lost Souls Ltd. schlimme Schicksale hinter sich haben, hielt sich mein Mitgefühl in Grenzen, denn die dramatischen Erlebnisse der Vergangenheit werden größtenteils nur als Randbemerkung eingefügt. Am einprägsamsten fand ich daher noch immer Nathans Geschichte, denn über ihn erfährt der Leser bereits in diesem Band etwas mehr. Er ist für mich neben Aydens Ziehvater Joseph die Figur, die mich am meisten berühren konnte.

Zu Kata konnte ich hingegen keine Verbindung aufbauen. Das mag auch daran liegen, dass ich gar nicht genau wusste, welche Rolle sie in diesem Thriller spielt. Natürlich sollte sie von den Lost Souls gerettet werden, doch ihr Erzählstrang, der sich immer wieder mit dem ihrer Retter abwechselte, war einfach nicht prägnant genug. Das klingt wahrscheinlich härter, als es tatsächlich ist, denn ich glaube, dass in dieser Reihe gutes Unterhaltungspotenzial steckt. Aus diesem Grund versuche ich auch nicht zu negativ zu bewerten, dass die Charaktere bisher etwas blass erschienen und kaum etwas Genaues über die Arbeit der verlorenen Seelen erzählt wurde, schließlich sollen noch drei weitere Romane rund um die Lost Souls Ltd. erscheinen. Da Alice Gabathuler jedoch besonders im letzten Drittel meine Neugierde wecken konnte, kann ich diesen Roman mit einigen Abstrichen trotzdem empfehlen.

Fazit

Alice Gabathuler ist ohne Frage eine tolle Schriftstellerin, die sich mit diesem Auftakt eine mächtig große Aufgabe vorgenommen hat. So viele Leben und Handlungsstränge in einen Band zu packen ist nämlich meiner Meinung nach eine wirkliche Herausforderung. Ich hoffe, dass die Charaktere nach dem ersten „Kennenlernen“ zukünftig etwas greifbarer werden und somit mehr Augenmerk auf das Gefühl und die Spannung im Handlungsstrang gelegt wird – eben genauso wie im letzten Drittel des ersten Bandes. Es wird also spannend, was uns in der Fortsetzung erwartet. Das Potenzial für gute Unterhaltung ist auf jeden Fall gegeben.

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51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

boxen, sport, nazis, krieg, verfolgung

Deutscher Meister

Stephanie Bart
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 12.08.2014
ISBN 9783455404951
Genre: Romane

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570 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 106 Rezensionen

new york, 20er jahre, the diviners, jugendbuch, magie

The Diviners - Aller Anfang ist böse

Libba Bray , Barbara Lehnerer
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.10.2014
ISBN 9783423760966
Genre: Jugendbuch

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stalking, tumblr, instagram, social media, mobbing

An jedem einzelnen Tag

Mary Scherpe
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.09.2014
ISBN 9783404608294
Genre: Biografien

Rezension:

Es gibt Bücher, die sich nur schwer bewerten lassen. Zu diesen Titeln gehört auch Mary Scherpes An jedem einzelnen Tag. Für mich stellt sich nämlich bei Tatsachenberichten wie diesem die Frage, was ich überhaupt bewerten will: Mary Scherpe ist Bloggerin, aber keine Autorin, beschreibt traumatische Erlebnisse, folgt aber keinem Plot. Welche Maßstäbe sind also gerechtfertigt, wenn ich dieses Sachbuch empfehle – oder eben nicht? Welche Gedanken mir zu diesem Titel durch den Kopf gehen, erfahrt ihr in meiner Rezension.

Alles begann mit ein, zwei beleidigen Profilen im Internet

Mary Sherpe lebt den Traum vieler Blogger. Ihr einstiges Hobby ist mittlerweile ihr Beruf und sichert ihren Lebensunterhalt. Privat- und Berufsleben lassen sich nicht mehr ohne Weiteres in den Medien trennen. Wer ihren Blog Stil in Berlin kennt, wird wahrscheinlich auch schon einmal etwas von Mary gehört haben. Die Gratwanderung zwischen öffentlichem und privatem Leben war bisher kein Problem im Netz. Doch eines Tages muss sie sich mit einem Problem auseinandersetzen, das meist nur in den Kreisen von Prominenten vermutet wird, weil es noch immer ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist: Mary hat einen Stalker. Entgegen der ersten Vermutung stammt dieser nicht aus dem Internet, sondern aus Marys Umfeld. Das Netz ist lediglich seine Plattform, um der Bloggerin seine Macht zu demonstrieren. Doch sie lässt sich nicht in die Opferrolle drängen, wehrt sich gegen beleidigende Kopien ihrer Onlineprofile und zieht sich eben nicht aus der Onlinewelt zurück.

Mittlerweile hat Mary sogar einen Verdacht, der sich durch Zufall bestätigt. Trotzdem hat sie keine rechtliche Möglichkeit, sich gegen die unerwünschten und unangenehmen Kontaktaufnahmen zur Wehr zu setzen. Solange sie sich nicht von dem Stalker nachhaltig einschüchtern lässt und zum Beispiel ihren Wohnort wechselt oder ihren Arbeitsplatz aufgibt, muss sie diese Angriffe auf ihre psychische Gesundheit erdulden. Denn nichts anderes sind diese Attacken: Der Stalker möchte Mary am Boden sehen, endlich Macht über sie ausüben oder einfach nur zwanghaft ein Teil ihres Lebens und ihrer Gedanken sein. Vielleicht reicht es ihm aus diesem Gründen nicht mehr, die junge Bloggerin nur online zu bedrohen. Mary bekommt immer häufiger Produktproben, Bestellungen und Zeitschriften nach Hause geschickt. Außerdem lässt er sie regelmäßig wissen, wenn er sich vermeintlich in ihrer Nähe aufhält. Doch er hat sicherlich nicht mit Marys Kampfgeist und diesem Buch gerechnet …

 

Wie ein kleiner Teufel hatte er sich an meinem Bein festgekrallt und zerrte an mir. Biss mir in die Waden, bremste mich, ließ mich stolpern, und ich musste mich sehr anstrengen, damit er mich nicht ganz zu Fall brachte. Los wurde ich ihn nicht; schneller gehen half nichts, wegrennen konnte ich nicht – ich musste ihn überall mitschleppen und jedem erklären, warum mir so eine fiese Kreatur am Knöchel hing. Dachte ich am Anfang, einfach nicht hinschauen zu müssen, war er mittlerweile so groß und hässlich geworden, dass ich ihn nicht mehr ignorieren konnte. Nur mit Mühe und Not kam ich überhaupt einen Schritt voran. – Seite 111 –

Mary muss sich erst selbst vollends zum Opfer erklären, um tatsächlich Hilfe zu bekommen

Bevor ich nun auf meine persönliche Meinung zu diesem Buch eingehe, möchte ich erst einmal festhalten, dass sich meine Bewertung lediglich um formale Dinge wie die Sprache dreht. Ich sehe mich in Anbetracht der Hintergründe nämlich keinesfalls in der Lage, inhaltliche Aspekte zu bewerten. Trotzdem möchte ich natürlich gerade hierzu einiges loswerden. Ich kann mich noch daran erinnern, dass dieses Buch mittags in meinen Briefkasten flatterte. Ich las den Klappentext, überflog die ersten Seiten und beendete einige Stunden später das Buch, weil ich auf der letzten Seite angelangt war. Wer sich also nach dem Spannungsgehalt fragt, findet hier seine Antwort. Und trotzdem ist das kein Teil meiner Bewertung. Warum? Die Antwort ist ganz einfach: Mary Scherpe folgt keinem Plot. Sie beschreibt ein dramatisches Spiel von Aktion und Reaktion. Die Aktionen möchte ich nicht noch durch eine Form zusätzlicher Aufmerksamkeit belohnen. Marys Reaktionen hingegen kann ich mangels eigener Erfahrungen nicht bewerten.

Trotzdem möchte ich ihr an dieser Stelle meinen ganzen Respekt aussprechen, denn sicherlich ist es nicht leicht, in solch einer Situation nicht den Mut zu verlieren. Gleichzeitig war ich überrascht, wie präsent und gleichzeitig tabuisiert dieses Thema in unserer Gesellschaft ist. Sie zeigt nämlich auch auf, dass eben nicht nur Prominente Ziel solcher Attacken werden. Marys Erlebnisse sind beim Lesen beklemmend, düster und keinesfalls leichte Kost. Kaum vorzustellen also, wie es sich erst in ihrer Haut anfühlen muss. Zusätzlich lässt sie auch andere Opfer zur Sprache kommen. Abgerundet werden die Recherchen von zahlreichen empirischen Untersuchungen und Berichten aus den sozialen Medien. Ich hoffe, dass dieses Buch aufrüttelt, das Thema Mobbing weiter in den Fokus der Öffentlichkeit rückt und somit nicht nur in der Politik, sondern auch in den Köpfen der Menschen ein neues Denken einsetzt. Am schockierendsten waren nämlich noch immer solche Aussagen, die den Opfern eine Teilschuld geben, den Rückzug aus der Öffentlichkeit fordern oder das Problem herunterspielen.

Fazit

An jedem einzelnen Tag von Mary Scherpe zeigt eindrucksvoll, dass Stalkingopfer sich noch immer erst selbst zum Opfer stigmatisieren müssen, um tatsächlich Hilfe zu bekommen. Das Nachstellen stellt nämlich ein sogenanntes Erfolgsdelikt dar. Das bedeutet für Menschen wie Mary, dass sie keine rechtliche Handhabe gegen ihren Stalker haben, solange sie in ihrer Lebensführung nicht nachhaltig beeinflusst werden. Sie müsste also zum Beispiel erst umziehen oder ihren Job aufgeben, um tatsächlich Hilfe zu bekommen. Das ist für sie jedoch keine Option. Deshalb startete sie eine Petition zur Verschärfung des sogenannten Nachstellungsparagrafen. Sie fordert, dass nicht mehr die tatsächliche Beeinträchtigung vorliegen muss, sondern bereits die Möglichkeit einer Beeinträchtigung ausreicht. Über 40.000 Unterstützer hat diese Petition bereits – und doch werden im Netz auch immer wieder Stimmen der Kritik laut, die zum Beispiel vor einem Missbrauch des Paragrafen nach dessen Änderung warnen. Ich stimme Mary Scherpe zu, dass die Gesetzgebung etwas ändern muss. Wie diese Änderung jedoch aussieht, sollte wohl überlegt sein, um den Opfern tatsächlich den Schutz zu bieten, den sie benötigen.

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187 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 27 Rezensionen

soul seeker, fantasy, liebe, im namen des sehers, tod

Soul Seeker - Im Namen des Sehers

Alyson Noël ,
Fester Einband: 450 Seiten
Erschienen bei Page & Turner, 11.11.2013
ISBN 9783442204090
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Kampf gegen das Böse geht weiter …

Nachdem Cade Daire das Leben ausgehaucht hat und sie sich nun in der Oberwelt befindet, bricht für seinen Bruder Dace eine Welt zusammen. Er weiß nicht, dass sich die Sucherin Daire mit fremder Unterstützung zurück ins Leben gekämpft hat und sich bereits auf dem Weg zu ihm in die Mittelwelt befindet, um ihn zu retten. Dace hat tatsächlich jede Hilfe nötig, denn nach Cades Angriff befindet er sich dort noch immer schwer verletzt und ohne Seele. Obwohl er ohne seine große Liebe nicht mehr leben will, erfüllt ihm niemand den Wunsch nach dem Tod. In seiner Verzweiflung traut er seinem Verstand nicht mehr und kann zunächst gar nicht glauben, dass die tot geglaubte Daire tatsächlich zurückgekehrt ist, um ihn zu retten, als sie plötzlich vor ihm steht.

Doch bisher konnte sie nur den Körper ihres Freundes vor dem Verfall bewahren, seine Seele befindet sich noch immer irgendwo in der Mittelwelt. Somit haben beide keinen Grund zum Aufatmen und dürfen sich keine Pause erlauben. Schon bald wird außerdem klar, dass sich nicht nur das Paar auf der Suche nach der frei schwebenden Seele befindet. Für Daire und Dace beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der fast aussichtslos erscheint. Sobald beide eine Hürde überwunden haben, taucht wieder eine weitaus größere auf. Und außerdem schwebt über den Köpfen der beiden noch immer die dunkle Prophezeiung, die das Ende aller Tage ankündigt …

Nach einem schwachen Anfang weckt das Ende hohe Erwartungen für das kommende Finale …

Wie bereits angekündigt, konnte mich dieser Band nur teilweise überzeugen. Würde ich die erste Hälfte dieses Bandes ignorieren, käme ich wahrscheinlich aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Leider geht das aber nicht. Deshalb muss ich sagen, dass mich der Beginn überhaupt nicht fesseln konnte. Vielmehr bin ich nach dem Lesen des gesamten Bandes der Meinung, dass viele Details und Handlungsstränge nicht unbedingt von Bedeutung waren, weshalb ich mich umso mehr freue, dass die Handlung zum Ende hin noch einmal richtig Fahrt aufgenommen hat und ein spannendes Finale verspricht.

Besonders gut gefällt mir an diesem Band, dass die Entwicklung der Charaktere noch weiter voranschreitet. Gut und Böse lassen sich nicht mehr so eindeutig abgrenzen wie zuvor. Außerdem werden plötzlich Charaktere für die Handlung bedeutsam, denen wir bisher keine große Beachtung geschenkt haben. Hierbei denke ich besonders an die bisher recht zickige Lita, die sich nun als echte Hilfe und gute Freundin erweist. Während des langatmigen Beginns bringen ihre Dialoge mit Xotichl zumindest jede Menge Witz und Humor in die Geschichte.

Fazit

Nun steht also das Finale der Soul Seeker-Reihe vor der Tür. In meinen Augen ist die Reihe dank der komplexen Dimensionen und vielen mystischen Elemente recht anspruchsvoll, doch dieser Band verliert sich in ziemlich vielen Kleinigkeiten, wodurch die Spannung, die durch den Vorgängerband aufgebaut wurde, leider zunächst einmal konstant sinkt. Doch wer sich davon nicht entmutigen lässt, wird mit einem spannenden und ganz besonders emotionalen Ende belohnt. Obwohl dieser Band schwächelt, freue ich mich sehr auf ein vielversprechendes Finale, das dieser Reihe hoffentlich einen würdigen Abschluss beschert.

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

roman, familie, poetisch, liebe & beziehung, kraniche

Die Nacht des Kranichs

Patrick Ness , Sibylle Schmidt
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 31.03.2014
ISBN 9783442313563
Genre: Romane

Rezension:

Ein Roman über das Lieben und Geliebtwerden

Es ist mitten in der Nacht, als George ein jämmerliches Wehklagen vernimmt, das ihn in den Garten seines Hauses führt. Dort findet er in der gespenstischen Dunkelheit einen Kranich, der ihn aufgrund seiner fesselnden Schönheit und stattlichen Größe zugleich fasziniert und verwundert. Doch ihm bleibt nicht viel Zeit zum Staunen, denn im Flügel des Vogels steckt ein langer Pfeil und das austretende Blut macht deutlich, dass der Kranich dringend Hilfe benötigt. Nachdem George das Tier von dem quälenden Fremdkörper befreit hat, schlägt der Vogel noch einige Male mit den Flügeln und verschwindet plötzlich in der schützenden Dunkelheit der Nacht. Danach ist die beißende Kälte der einzige Beweis, dass George nicht träumt und die ungewöhnliche Begegnung tatsächlich stattgefunden hat.

Am nächsten Tag scheint die wunderliche Nacht schon fast vergessen, als eine elegant gekleidete Frau namens Kumiko Georges Copyshop betritt. Es wird schnell klar, dass die geheimnisvolle Fremde und George eine ganz besondere Beziehung verbindet. Obwohl Kumiko das Geheimnis um ihre Herkunft wie einen Schatz hütet, verliebt sich George Hals über Kopf in sie. Und während George sich immer mehr und schmerzlicher nach ihrer Liebe verzehrt, scheint Kumiko trotz ihrer Zuneigung all die Zeit nicht greifbar für ihn. Das ändert sich erst, als sie ihm eine herzzerreißende Geschichte über das Lieben und Geliebtwerden erzählt, die Georges Leben verändert …

Eine Geschichte ist am Ende niemals beendet. Es gibt immer ein Danach. Und selbst wenn die Geschichte selbst behauptet, es gäbe nur diese eine Version, sind in ihr andere Versionen angelegt. Nein, eine Geschichte ist keine Erklärung, sondern ein Netz, durch das die Wahrheit fließt. In diesem Netz verbleibt einiges von der Wahrheit, aber nie alles, nur gerade so viel, dass wir mit dem Wundersamen leben können, ohne dass es uns umbringt. – Seite 154 –

Ein modernes Märchen für aufgeschlossene Leser

Beim Lesen des Romans durfte ich unglaublich viele Gefühlsregungen erleben. Von Skepsis über Unglauben, Trauer, Wut, Mitgefühl und Rührung war alles dabei. Die Nacht des Kranichs ist ähnlich wie Kumiko einfach nicht greifbar. Daher braucht es beim Lesen auch besonders viel Geduld und eine gehörige Portion Offenheit, denn Patrick Ness macht es seinen Lesern mit Sicherheit zunächst nicht leicht, diese komplexe Geschichte zu verstehen. Und doch weiß er nicht nur dank des bezaubernden Plots zu unterhalten, denn der Roman zeichnet sich immer wieder durch starke Gegensätze und krasse Stilbrüche aus. Sobald man sich in der stellenweise besonders poetischen Sprache verliert, holt Patrick Ness seine Leser durch schon fast ordinäre Ausdrücke, Gedankengänge oder Gespräche wieder in die Realität zurück. Obwohl ich mich beim Lesen erst an den Stil gewöhnen musste, finde ich diese Methode besonders gelungen, um die Geschichte nicht zu einem kitschigen Märchen abdriften zu lassen, denn somit hätte Kumikos weises Märchen innerhalb der Erzählung seine besondere Wirkung verloren.

Außerdem verleiht Patrick Ness seinen Charakteren auf diese Weise bedeutend mehr Menschlichkeit und Profil. Das Zusammenspiel der Charaktere ist in diesem Roman ohnehin ganz besonders außergewöhnlich. Die friedliche und besonnene Kumiko ist beispielsweise der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte und doch ist sie für den Leser ebenso geheimnisvoll wie für George und erscheint immer wieder nur als Randfigur. Viel bedeutender sind George und seine erwachsene Tochter Amanda, die beide recht unzufrieden mit ihrer eigenen Persönlichkeit sind. Doch während George trotzdem recht ruhig und gutmütig auftritt, wirkt Amanda ständig aggressiv und getrieben. Und hier kommt Kumiko wieder ins Spiel, denn ihre Gegenwart hat eine derart starke Wirkung auf die beiden, dass die Leser dadurch sämtliche Facetten der menschlichen Psyche beobachten können.

Fazit

Dieser Roman ist genau das Richtige für all diejenigen, die sich mal wieder nach anspruchsvoller Literatur und einem modernen Märchen sehnen. Beim Lesen stellt sich häufig das Gefühl ein, dass Patrick Ness nicht erzählt, sondern beschreibt. Dabei stehen in diesem Roman wieder einmal nicht die einzelnen Handlungen, sondern die Besonderheiten der menschlichen Charaktere sowie die Gesamtkomposition im Vordergrund.

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808 Bibliotheken, 11 Leser, 2 Gruppen, 109 Rezensionen

liebe, jugendbuch, familie, boston, freundschaft

Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte

Jessica Park , Bea Reiter
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Loewe, 21.07.2014
ISBN 9783785578674
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wie Julie zum Babysitter einer 13-Jährigen und einer lebensgroßen Pappfigur wurde

Julie Seagles Leben in Boston beginnt mit einer mittelschweren Katastrophe, dabei steht bereits der erste Tag am College kurz bevor. Statt sich über die erste Wohnung zu freuen und Pläne für das Leben in der neuen Stadt zu schmieden, steht sie nach ihrer Ankunft in Boston vor dem Nichts. Doch eigentlich ist das nicht ganz so richtig. Um genau zu sein, steht sie nach ihrer Ankunft vor einem einstöckigen Burrito-Restaurant – und das befindet sich wiederum genau dort, wo Julie über das Internet eine Wohnung gemietet und natürlich im Voraus bezahlt hat. Mann muss kein Genie sein, um zu merken, dass sie über den Tisch gezogen wurde. Doch sie hat Glück im Unglück. Eine alte Studienfreundin ihrer Mutter lebt mit ihrer Familie in Boston und bietet ihr nach der ersten Enttäuschung einen sicheren Unterschlupf.

Die Watkins sind eine merkwürdige Familie: Die Eltern sind ehrgeizige Workaholics, ihr 21-jähriger Sohn Matt ist ein absoluter Nerd, und die 13-jährige Tochter Celeste kann nicht ohne eine lebensgroße Pappfigur ihres Bruders Finn leben, der gerade die weite Welt bereist. Doch mit der Zeit wird klar, dass hinter Celestes Verhältnis zu Pappfinn weitaus mehr als nur ein harmloser Tick steckt. Trotzdem schließt Julie die Familie in ihr Herz – und das schließt irgendwie auch den lebensgroßen und sehr attraktiven Pappfinn mit ein. Möglicherweise liegt das jedoch auch daran, dass sich durch Zufall zwischen dem echten Finn und Julie eine Mailfreundschaft entwickelt hat, die Julies Herz mit jedem Lebenszeichen höher schlagen lässt. Auch aus diesem Grund kann auch sie es nicht erwarten, dass Finn endlich zu seiner Familie zurückkehrt und somit Pappfinn unnötig macht. Doch der lässt sich mit seiner Rückkehr verdächtig viel Zeit …

Das Lustige daran war, dass Papp-Finn trotz seines starren Blicks richtig süß war. Genau genommen war er sogar ausgesprochen sexy, was Julie für einen geschmacklosen Gedanken hielt, weil er eine Menge mit einer Gummipuppe gemein hatte, aus der jemand die Luft herausgelassen hatte. – Seite 34 –

Ein Roman, in dem alle Arten der Liebe vorkommen …

Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte gehört für mich zweifelsfrei zu den außergewöhnlichsten Büchern in diesem Jahr. Bereits die ersten Seiten lassen erahnen, dass ihnen gute Unterhaltung folgt, allerdings wird dort noch nicht deutlich, welcher Schatz sich hinter dem wunderschönen Cover und dem ausgefallenen Titel verbirgt. Die Leser lernen gemeinsam mit Julie die Familie Watkins kennen und erahnen ebenso wie die sympathische Protagonistin die dunklen Geheimnisse der Familie. Doch Julie bringt wieder Licht in die Familie, bei der sich alles um die Interessen der sonderbaren Celeste dreht. Sie befindet sich nämlich bereits am Anfang ihrer Pubertät, doch statt mit Freundinnen über Kosmetik und Jungs zu tratschen, sind Pappfinn und Matt ihre einzigen Bezugspersonen – bis Julie auftaucht und die Strukturen der Familie gehörig durcheinander bringt.

Ohnehin beschlich mich beim Lesen immer wieder das Gefühl, das Julie für die Familie wie ein Geschenk des Himmels wirken muss, denn mit ihrer fröhlichen und hilfsbereiten Art erscheint sie wie das komplette Gegenteil der Familie. Nur Finn besitzt eine ähnliche Leichtigkeit. Wohl auch deshalb verstehen sich die beiden auf Anhieb. Beide sind der Beweis dafür, dass sich die Liebe nicht darum kümmert, wie viele Kilometer sich zwischen zwei Verliebten befinden. Und gleichzeitig ist Finn unendlich dankbar, wie sehr sich Julie um Celeste kümmert und sie wieder und wieder aus der Reserve lockt. Diese Bestätigung braucht sie auch, denn in dem gesamten Roman erscheinen die Eltern eher als sympathische Randfiguren, denen die richtige Beziehung zu ihren Kindern fehlt. Matt hingegen ist eine Art Fels in der Brandung für die Familie – und diesen Druck merkt man ihm an. Beim Lesen kommt immer wieder das Gefühl auf, dass Matt ein alter Mann im Körper eines jungen Erwachsenen ist – also vom Verhalten her das komplette Gegenteil seines Bruders. Und doch kann die ganze Familie das Herz der Leser gewinnen. Daher erscheint dieser Roman auch stellenweise wie ein Karussell der Gefühle, das aber insbesondere durch den leichten und liebevollen Kontakt zwischen Julie und Finn immer genügend Leichtigkeit bereithält.

Fazit

Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte verspricht nicht nur jede Menge Herzklopfen, sondern auch eine ordentliche Portion Herzschmerz. Obwohl ich aufgrund eines nicht gekennzeichneten Spoilers im Netz nach der Hälfte bereits den Ausgang des Romans kannte – und ich somit den sicherlich vorhandenen Überraschungseffekt im Plot nicht bewerten kann – empfinde ich diesen Roman als sehr lesenswert. Trotzdem würde ich ihn eher reiferen Lesern empfehlen, denn die Probleme, die innerhalb der Handlung angesprochen werden, sind in meinen Augen recht tiefgründig. Dennoch muss sich niemand vor allzu schwerer Kost fürchten, denn Jessica Park findet in ihrer gefühlvollen Geschichte eine perfekte Balance zwischen Emotionen und Humor.

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217 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

liebe, jugendbuch, familie, katie cotugno, cotugno

So geht Liebe

Katie Cotugno , Astrid Finke
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Heyne, 29.04.2014
ISBN 9783453268593
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Sawyers Kampf um Reena, seine Familie und seine Liebe …

Reena kennt Sawyer bereits ihr ganzes Leben und doch wird sie mit 15 Jahren noch immer nervös, sobald sie ihn bemerkt. In all der Zeit der heimlichen Vergötterung hat sie sich allerdings eine undurchdringliche Maske antrainiert, hinter die sie nicht einmal ihre beste Freundin Allie blicken lässt. Eines Tages erfüllt sich dann Reenas Traum und aus ihr und Sawyer wird trotz der Ablehnung der Eltern ein Paar. Obwohl sich die beiden mögen und sich vollkommen ihren Gefühlen hingeben, wird die junge Beziehung der beiden von dunklen Wolken überschattet. Schließlich sieht Sawyer nur noch einen Ausweg – die Flucht. Er lässt zwar seine Freundin Reena zurück, doch sie ist nicht wirklich alleine, denn das erst 16-jährige Mädchen erwartet ein Kind von Sawyer.

Monate später reißt es Reena im Supermarkt förmlich den Boden unter den Füßen weg. Vor ihr steht nämlich der lange verschollene Sawyer und begrüßt sie fast, als sei er nie fort gewesen. Doch für das junge Mädchen hat sich einiges verändert. Sie hat noch vor der Geburt ihren Schulabschluss gemacht und nun für sich und ihre kleine Tochter ein bescheidenes Leben aufgebaut. Während Sawyer unauffindbar war, war sie den Vorwürfen und der Missbilligung der Familien ausgesetzt und hatte keine Möglichkeit diesen Situationen zu entfliehen. Doch noch mehr hat sich in Reenas Leben geändert. Der Platz als Freund an Reenas Seite ist nicht mehr frei, denn heute gehört ihr Herz Aaron, doch Sawyer will um sein Leben, seine Familie und seine Liebe kämpfen …

Sawyer gibt nicht auf, natürlich. Mein ganzes Leben schon lese ich in seinem Gesicht wie im Kaffeesatz, und an dem Abend, als ich aus der Küche seiner Eltern stürmte, verriet mir seine Miene ziemlich deutlich, dass wir aus seiner Sicht noch nicht fertig miteinander waren. Ab Wochenmitte ist die Frage nur noch, wann er den nächsten Vorstoß macht.
– Seite 189 –

Der Roman erzählt nicht nur die Geschichte einer jungen Liebe, sondern räumt gleichzeitig mit Vorurteilen über junge Eltern auf

Die ungewöhnliche Geschichte der jungen Eltern Sawyer und Reena wird aus der Sicht der jungen Mutter erzählt. Dabei wechseln sich Episoden aus der Vergangenheit und der Gegenwart ab und enden ziemlich oft mit Cliffhangern. Somit hält sich innerhalb der Handlung kontinuierlich ein Spannungsbogen, der mich dazu brachte, diese wundervolle Geschichte an nur einem Abend zu lesen. Einen riesigen Bonuspunkt bekommt der Roman von mir für die Darstellung der jungen Mutter. Entgegen vieler Vorurteile bedeutet eine frühe Mutterschaft nämlich nicht sofort das verantwortungslose und überforderte Lotterleben, das häufig in den Medien gezeichnet wird. Ganz im Gegenteil: Reena erlangte noch vor der Geburt ihres Kindes ihren Highschool Abschluss und entwickelt sich dank der Unterstützung von Freunden und Familie auch nach der Geburt stetig weiter, denn vorbildliches Verhalten hin oder her, ist es unwahrscheinlich, dass eine 16-Jährige die Erziehung eines Kindes alleine stemmt. Trotzdem zeigt Reenas Umgang mit ihrer Tochter ihre geistige und emotionale Reife.

Sawyer hingegen scheint fast ein Eindringling in Reenas neu geordnetem Kosmos zu sein. Zunächst einmal wissen wir schließlich, dass er seine frühere Freundin ohne ein Wort verlassen hat. So einen Kerl kann man nicht mögen, oder? Falsch gedacht, zumindest mein Herz hat er im Sturm erobert. Zwar gab es immer wieder Momente, in denen ich ihn nicht verstand oder seine Taten nicht nachvollziehen konnte, doch war mir immer wieder bewusst, dass er eigentlich ein feiner Kerl ist. Das ist übrigens fast schon ein Wunder, denn im Gegensatz zu Reenas Eltern gehört zumindest seine Mutter dem Typ Mensch an, den man nicht einmal unbedingt in der Nachbarschaft wohnen haben will.

Fazit

Wie man vielleicht schon an meiner Rezension merkt, steht bei diesem Roman nicht primär die Handlung im Vordergrund. Viel wichtiger ist die Entwicklung der Charaktere sowie die Darstellung der Gefühlswelt und des Zwischenmenschlichen. Dementsprechend ruhig empfand ich auch die Sprache des Romans. Für mich ist So geht Liebe von Katie Cotugno ein gelungenes Gesamtpaket und bereitet besonders viel Freude, wenn das Leserherz sich wieder einmal nach einem positiven und warmherzigen Roman sehnt, der einen mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen zurücklässt.

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681 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 123 Rezensionen

liebe, mathematik, matt haig, menschsein, menschen

Ich und die Menschen

Matt Haig ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.04.2014
ISBN 9783423260145
Genre: Romane

Rezension:

Ein nackter Professor und die Tücken des menschlichen Lebens.

Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Das fragt sich das intelligente Wesen aus dem All, das auf der Erde einen Auftrag von höchster Dringlichkeit auszuführen hat und nun in Professor Andrew Martins Körper nackt durch die Straßen irrt und die Menschen zur Begrüßung bespuckt. Das klingt alles ziemlich verwirrend? Nun, das ist es auch – ebenso wie die Menschen. Das namenlose Wesen merkt bereits nach kürzester Zeit, dass es diese Spezies nicht mag. Doch seit Professor Martin eines der größten Geheimnisse der Mathematik gelüftet hat, hat es ohnehin keine Wahl und muss sich mit den Menschen arrangieren, denn es muss der Veröffentlichung dieser brisanten Entdeckung unter allen Umständen verhindern. Wenn es dafür im Körper eines ekelerregenden Erdbewohners leben muss, nimmt es auch diesen Umstand für eine Weile in Kauf.

Doch der Plan gerät außer Kontrolle. Die Eliminierung des Mathematikprofessors war für das Wesen die geringste Herausforderung. Nun muss es allerdings in dessen Körper herausfinden, wer alles von der mathematischen Entdeckung weiß. Was zunächst eine Kleinigkeit zu sein scheint, kostet das Wesen jede Menge Überwindung, denn es muss nicht nur in den Körper, sondern auch in das Leben seines Opfers schlüpfen. Was es dabei über Andrew Martin und seine Artgenossen lernt, ist zunächst zu viel für das Wesen, doch mit der Zeit betrachtet es die Menschen nicht mehr als abstoßende Spezies, sondern lernt allmählich ihre Eigenheiten kennen und entwickelt für einige Menschen sogar Sympathie.

Höflichkeit ist oft Angst, Liebenswürdigkeit ist immer Mut. Aber es ist das Mitgefühl, das dich menschlich macht. Hab mehr Mitgefühl, und du wirst menschlicher. – Seite 329 –

Eine ausdrucksstarke Beschreibung des menschlichen Wesens mit all seinen Stärken und Schwächen

Eigentlich verbindet man mit einem namenlosen Wesen Dinge wie Anonymität und emotionale Distanz. So jedoch nicht in diesem Fall. Das Wesen, das von Professor Andrew Martins Körper Besitz ergriffen hat, sichert sich Stück für Stück einen Platz in den Herzen seiner Leser. Was nämlich zunächst als distanzierte Reise zu einem fernen Planeten namens Erde beginnt, wird schnell zur Erkundungstour einer Spezies, die weitaus komplizierter ist, als es zunächst erscheint. Natürlich ist die Vorstellung interessant, wie man das Leben möglicherweise auf anderen Planeten meistert, doch besonders fesselnd war die Beschreibung menschlicher Eigenheiten, wobei sich häufig die Frage nach Normen und Konventionen stellt. Wer bestimmt eigentlich, was normal ist?

Und obwohl der namenlose Fremde in Andrew Martins Körper die Logik seines Heimatplaneten schätzt, kommt er nicht umhin, sich mit den Emotionen und Gefühlen auf der Erde auseinanderzusetzen. Und davon weckt der Mathematikprofessor genug in seinem Umfeld, denn der Erfolg in seiner akademischen Laufbahn gleicht sich mit dem Misserfolg seines persönlichen Lebens aus. Die Bilanz ist erschreckend: eine kaputte Ehe, die Beziehung zum eigenen Sohn ist ein Trümmerfeld und eine seiner Studentinnen bekommt von ihm eindeutig zu viel Aufmerksamkeit. Um den Schein zu wahren, passt sich das Wesen diesen Umständen an und merkt dabei zu spät, dass es das Leben einiger Menschen dadurch gehörig auf den Kopf stellt.

Fazit

So viele neue Eindrücke lasten nun also auf einem Wesen, dem Gefühle genauso fremd sind wie das menschliche Leben. Und trotzdem analysiert es die Menschen auf eine kindlich naive und überaus intelligente Weise und schafft es, dem Leser auf ungewollt komische und gefühlvolle Art die Eigenheiten des menschlichen Wesens aufzuzeigen, die für uns selbstverständlich sind und oftmals kaum noch wahrgenommen werden.

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meer, magie, liebe, hexen, hexe

Salt & Storm - Für ewige Zeiten

Kendall Kulper , Yvonne Hergane
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER Sauerländer, 21.08.2014
ISBN 9783737351003
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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liebe, braunschweig, missionen, theater, freundschaft

Radiergummitage

Miriam Pielhau
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.06.2014
ISBN 9783832162627
Genre: Romane

Rezension:

Einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und einen Sohn zeugen – das war gestern

Maja ist 34, Theaterschauspielerin in Braunschweig, Single und mit ihrem Leben ganz zufrieden. Eigentlich. Der nahende Geburtstag bereitet ihr nämlich jede Menge Kopfzerbrechen. Der Grund dafür ist nicht, dass Maja ein Jahr älter wird, sondern die für sie schreckliche Zahl 35. Um nicht ständig darüber nachdenken zu müssen, lässt sie sich etwas ganz Besonderes einfallen. Das neue Lebensjahr muss anders werden. Daher beschließt sie, sich in den kommenden zwölf Monaten regelmäßig besondere Aufgaben zu stellen, die sie mal mehr und mal weniger an ihre Grenzen bringen.

Doch schnell denkt sie sich die Aufgaben nicht mehr wie zu Beginn selbst aus, sondern findet sie ohne Absender in ihrem Briefkasten vor. Maja hat keine Ahnung, wer ihr Leben so durcheinanderbringt. Klar ist, dass sie den Absender kennen muss. Möglicherweise ist es Edu, der Casanova des Theaterensembles, bei dem Majas Herz immer einen kleinen Hüpfer macht? Oder die Briefe stammen von Paule, Majas liebster Kollegin? Vielleicht steckt aber auch jemand ganz anderes dahinter? Für Maja ist das allerdings nicht wichtig, denn die Aufgaben reizen die junge Braunschweigerin. Und außerdem hat sie dadurch beim sonntäglichen Skat mit ihrer selbst erwählten Oma Lina immer wieder neue Gesprächsthemen …

Mit 35 hatte man einen Mann, ein Haus, ein Baby oder zwei. Und im Laufe der Jahre oder mit Hilfe des Brigitte-Abos sich selbst gefunden. Man hatte Geld, einen Filmpreis oder eine Weltreise im Kalender stehen. Man hatte, wenn gar nichts mehr half, Depressionen oder wenigstens eine amtliche Krise. Maja hatte von alldem: nichts. Wobei, bei der Krise, da war sie sich mittlerweile nicht mehr so sicher. – Seite 39 –

Eine Protagonistin, die auch eure Nachbarin sein könnte

Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit keinen Roman mehr so unaufgeregt fand – und das gleichzeitig so genossen habe. Wer nämlich bei Majas Challenges an die Erklimmung des Mount Everest, Tauchen mit Haien oder Tätowieren vom betrunkenen Fremden denkt, irrt sich gewaltig. Majas Aufgaben sind bunt gemischt, aber nicht abgedreht. Einige sind verrückt, andere Aufgaben sind wieder ganz bodenständig. Und genau diese Mischung macht ihre Geschichte so interessant. Maja ist die Frau von nebenan, die wir vielleicht auch selbst sein könnten.

Ebenso realistisch fand ich die anderen Charaktere des Romans. Einen Edu findet man wohl leicht in jeder Stadt. Er ist der Typ Mann, der mit seinem Alter, seinen geplatzten Träumen, ja, eigentlich mit der ganzen Welt nicht zurechtkommt – und trotzdem besitzt er zweifelsohne seine charmanten, witzigen und liebenswürdigen Seiten. Die Freundschaft mit Paule hingegen erinnert mich an die Freundschaften, zwischen die sich nicht die Zeit, sondern das Leben drängt. Manchmal entwickelt man sich in unterschiedliche Richtungen und aus dem „WIR“ wird nach und nach ein „Ich“ voller nostalgischer Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Und obwohl man sich noch immer mag, schätzt und respektiert, wird aus den zwei Individuen nie wieder das scheinbar unzertrennliche „WIR“. Das klingt alles ganz schön traurig, oder? Keine Sorge, der Roman ist keinesfalls schwermütig. Außerdem gibt es noch Leni, die immer wieder für Heiterkeit sorgt. Sie ist wohl der unrealistischste Charakter dieses Romans und gleichzeitig neben der Schnebel der heimliche Star der Handlung.

Fazit

Radiergummitage. Jeder kennt sie, keiner mag sie – und dank Miriam Pielhau und ihrer Protagonistin haben wir nun endlich eine Bezeichnung dafür. Ich muss gestehen, dass ich den Roman zunächst wegen der Autorin lesen wollte. Schließlich konnte mich der Roman allerdings wegen seines Inhalts überzeugen. Trotz vieler komischer Momente und der verspielten Sprache war ich überrascht, wie tiefgründig die Stimmung des Romans ist. Und genau dieser Aspekt gefiel mir außerordentlich gut. Für mich ist Radiergummitage von Miriam Pielhau ein schöner Roman voller Herz, Humor und Verstand.

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93 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 47 Rezensionen

stasi, mauerbau, freundschaft, berlin, ddr

Seitenwechsel

Michael Römling , Maximilian Meinzold , Maximilian Meinzold
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.06.2014
ISBN 9783649615170
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein nächtlicher Ausflug ist der Beginn eines lebensgefährlichen Abenteuers …

Bernhard und Georg sind zwei ganz normale Teenager, die Anfang der sechziger Jahre im geteilten Berlin leben. Bernhard lebt im Ostsektor und Georg im Westsektor. Als sie eines Nachts wieder einmal heimlich durch die brandenburgischen Wälder streifen, ahnen sie noch nicht, dass Bernhard nach diesem Ausflug die schwersten Wochen seines Lebens bevorstehen. Ursprünglich wollten beide nur eine Fotofalle installieren, um zu beweisen, dass nach 150 Jahren tatsächlich wieder Luchse in der Region leben, doch während sie die Nacht in gespannter Vorfreude auf einem nahegelegenen Hochsitz im Wald verbringen, wird die Ruhe brutal gestört. Die beiden beobachten, wie sowjetische Soldaten direkt am Waldrand geheimnisvolle Gegenstände von einem Güterzug laden. Beide wagen keinen Atemzug und dann geschieht das Unfassbare – direkt vor den Augen der Sowjets geht die Fotofalle los. Doch es kommt noch schlimmer: Als beide so schnell wie möglich zu Bernhards Vater fliehen, finden sie diesen erhängt in seinem Haus. Die Behörden sprechen von Selbstmord, doch Bernhard erkennt schnell die falschen Fährten, die der oder die Täter im Haus gelegt haben …

Auch Bernhards Bruder Julius sowie dessen bester Freund Jack, ein in Berlin stationierter Soldat der Army, spielen in diesem Roman eine besondere Rolle. Sie hängen nachts in Bars herum und verdienen gutes Geld durch den Verkauf von Schallplatten auf dem Schwarzmarkt. Wer bei Jack militärische Strenge vermutet, der irrt. Er lebt vielmehr für die Musik und das lockere Leben statt für seine militärischen Pflichten. Dies beweist er wieder einmal, als er gemeinsam mit Julius in einer Bar zwei Mädchen aufreißt, die ihm an diesem Abend noch fast zum Verhängnis werden. Warum er trotzdem so oft von seinem Vorgesetzten ins Vertrauen gezogen wird, ist ihm ein Rätsel. Doch schon bald ist Jacks Wissen für Julius und Bernhard unbezahlbar …

 

Ein Roman mit wahren Hintergründen

Michael Römling ist ein wahrer Meister darin, historische Ereignisse mit einer Prise Fiktion zu einer spannenden Geschichte zu verweben. In seinem Roman werden die Freunde zum Spielball politischer Interessen, die zur damaligen Zeit auf deutschem Raum nirgends so konzentriert aufeinanderprallten wie im geteilten Berlin. Möglicherweise halten insbesondere jüngere Leser die Handlung für unrealistisch oder übertrieben, doch wie Michael Römling es auch selbst in seinem Nachwort schreibt, könnte sie so oder so ähnlich durchaus stattgefunden haben. Der Bau der Mauer, die von der DDR-Regierung als „Antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnete wurde, riss unzählige Familien auseinander und machte die Bewohner der DDR zu gefangenen im eigenen Staat. Kein Wunder also, dass viele versuchten, dieser Situation zu entfliehen und dabei sogar den eigenen Tod riskierten.

Ebenso fesselnd wie die Handlung sind die Charaktere des Romans. Jede Figur zeichnet sich durch bestimmte charakterliche Eigenschaften aus. Dabei blieb mir nach dem Lesen insbesondere Jack im Gedächtnis. Die Leser lernen Jack zu Beginn des Romans als leichtsinnigen Schürzenjäger kennen, der sich scheinbar um nichts und niemanden schert – erst recht nicht um bestehende Regeln und Vorschriften. Doch genau dieser Hang zur Rebellion zeichnet ihn aus. In dem Moment, in dem dessen Freunde seine Hilfe am meisten brauchen ist, Jack ungeachtet der Vorschriften für sie da. Er riskiert ohne zu zögern sein Leben und den ohnehin schon brüchigen Frieden im geteilten Deutschland. Obwohl ich seinen Charakter auf den ersten Seiten überhaupt nicht mochte, konnte er mich mehr und mehr einnehmen, und im Nachhinein ist er für mich zweifelsfrei der spannendste Charakter der Geschichte.

Fazit

Dieser Roman liest sich aufgrund seiner dichten und atmosphärischen Erzählweise wie eine Zeitreise durch die deutsche Geschichte. Und auch bei diesem Roman staune ich wieder über den Wissensschatz, den Michael Römling ganz nebenbei durch seine Romane vermittelt. Die gekonnte Verknüpfung historischer Ereignisse mit fiktiven Charakteren macht auch hier wieder einen besonderen Spannungsmoment aus. Wer Michael Römlings Art zu Schreiben kennt, liest seine Romane immer mit der Frage nach Fiktion und Realität – und noch bevor die Lösung dann gefunden ist, ist der kurzweilige Roman auch schon wieder vorüber.

 

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175 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

familie, glücksdrachenzeit, abenteuer, leben, roadtrip

Glücksdrachenzeit

Katrin Zipse
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Magellan, 21.07.2014
ISBN 9783734850042
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nellie ist auf der Suche nach ihrem Bruder – und findet das Leben …

Die fast 16-jährige Nellie und ihr älterer Bruder Kolja waren in ihrer Kindheit unzertrennlich. Kolja kümmerte sich liebevoll um seine kleine Schwester, wenn die wieder einmal mitten in der Nacht schlaflos durch den Flur stromerte. In diesen Momenten erzählte er ihr Geschichten, bis sie der Schlaf übermannte. Doch seit dieser Zeit hat sich einiges zwischen den Geschwistern verändert. Der einst so liebevolle Bruder ist plötzlich abweisend, in sich gekehrt und macht auch vor Drogen nicht halt. Nellie verletzt Koljas Verhalten, doch als er eines Tages heimlich seine Sachen packt und geht, bricht es ihr das Herz.

Doch Nellie kann und will seinen Weggang nicht akzeptieren. Nachdem sie von seinem bestem Freund Viktor das Ziel der Reise erfahren hat, bereitet sich sie auf das Abenteuer ihres Lebens vor, denn für sie steht fest, dass sie ihrem Bruder wieder nach Hause holen wird – auch wenn sie dafür nach Avignon trampen muss. Die Reise verläuft allerdings ganz anders, als sich Nellie das vorgestellt hat. Neben der Suche nach Kolja beschäftigen Nellie nämlich noch ganz andere Dinge: Was hat es zum Beispiel mit Leni auf sich, von der ihre Mitfahrgelegenheit Miss Wedlock immer zählt, und wird sie je wieder von Elias hören, wenn die beiden nicht mehr gemeinsam bei Miss Wedlock im Auto sitzen?


Man übernimmt Verantwortung, wenn man jemanden rettet. – Seite 33 –

Ein Roman, der alles bietet, was auch das Leben bereithält …

Glücksdrachenzeit von Katrin Zipse lässt sich ohne Zweifel als Jugendroman bezeichnen, doch versteckt sich in ihm noch so vieles mehr, sodass es schwer wird, diesem Roman mit ein paar Zeilen oder einer schnöden Einordnung in ein Genre tatsächlich gerecht zu werden. Hinter der Geschichte des Roadtrips verbergen sich nämlich menschliche Schicksale, die dem Leser zwischenzeitlich die Kehle zuschnüren, wenn nicht sogar ein paar Tränen in den Augen treiben. Andererseits zeichnet sich der Roman jedoch auch immer wieder durch Leichtigkeit und keine Momente der Glückseligkeit aus – was gibt es schließlich Schöneres als die ersten zarten Blüten einer ungewöhnlichen Freundschaft. 

Die spannenden Geschichten rund um die Charaktere des Romans tragen auch dazu dabei, dass man als Leser nur so durch die Seiten fliegt, denn schließlich erfahren wir, was es mit dem geheimnisvollen Glücksdrachen auf sich hat, warum Leni und Miss Wedlock auch im hohen Alter unzertrennlich sind und natürlich auch, wieso Kolja sich von seiner Familie abgewandt hat. Er ist übrigens auch der Charakter, mit dem ich mich am meisten auseinandersetzen musste. Ich hätte ihn so wahninnig gerne nicht gemocht und für seine Taten verurteilt, aber leider konnte ich ihn trotz seiner idiotischen Aktionen tief im Inneren verstehen. 

Was er sagt, liegt jenseits von Schmerz und Eifersucht. Es ist ganz einfach eine Tatsache für ihn. Und ich weiß plötzlich, dass er recht hat und was das bedeutet: Wir haben unterschiedliche Leben gelebt. – Seite 221 –

Mein liebster Charakter des Romans war übrigens die schräge und exzentrische Miss Wedlock, die sich bereits nach ihrem ersten Auftritt einen festen Platz in meinem Herzen erobert hat. Ihre Geschichte und ihr Schicksal haben mich wahrscheinlich sogar am meisten gerührt und zum Nachdenken gebracht. An einigen Stellen stellte sich mir auch die Frage, wie man ihr in ihrem hohen Alter helfen kann? Braucht sie überhaupt Hilfe? Warum können wir oft nicht akzeptieren, dass Menschen anders, in unseren Augen vielleicht sogar ein bisschen verrückt, sind und trotzdem ihr Leben bravurös meistern? Und in meinen Augen haben Kolja, Nellie, Elias und die wunderbare Miss Wedlock eine ganz große Gemeinsamkeit: Sie alle versuchen, das Leben und das eigene Schicksal irgendwie zu meistern.

Fazit

Um ehrlich zu sein, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich Glücksdrachenzeit von Katrin Zipse überhaupt schon vollständig aufgenommen und verarbeitet habe, denn auch beim Schreiben meiner Rezension fällt mir auf, wie sehr die Geschehnisse des Romans noch immer in mir arbeiten und mich einfach nicht loslassen. Wenn ich diesen Roman in einem Wort beschreiben müsste, wäre wohl die Bezeichnung „Lebensroman“ die treffendste Bezeichnung für die Geschichte um Nellie und ihr großes Abenteuer, denn der Roman hat alles, was das wahre Leben auch zu bieten hat. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung für diesen Roman.



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250 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

mobbing, jugendbuch, das wirst du bereuen, amanda maciel, selbstmord

Das wirst du bereuen

Amanda Maciel , Christa Prummer-Lehmair , Katharina Förs
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Boje, 18.07.2014
ISBN 9783414824066
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eine Handlung, die durchaus realistisch ist – leider.

Sara und Brielle gehören zu den einflussreichsten Mädchen der Highschool – Brielle, weil sie Brielle ist und Sara, weil sie deren beste Freundin ist. Die Freundschaft der beiden war schon immer im Ungleichgewicht, doch Sara ist froh, dass Brielle ihr den Weg in die „höheren“ Kreise der Schule ebnet. Durch sie lernte sie auch ihren Freund Dylan kennen. Es ist ihre erste richtige Beziehung, bei der sie ihrem Freund mehr als schüchterne Küsse schenken will. Doch gleichzeitig ist es für sie gar nicht so leicht, über ihren Schatten zu springen und den letzten großen Schritt zu wagen.

Das Blatt beginnt sich allerdings zu wenden, als Emma Putnam an die Highschool kommt. Sie verdreht einem Jungen nach dem anderen den Kopf und hat aufgrund dessen schnell einen ziemlich schlechten Ruf weg. In den Augen der Mädchen gilt sie nämlich als – nein, ich werde es nicht schreiben, sondern die harmlosere Bezeichnung des Buches wählen – Schnalle. Sara beäugt Emma zunächst nur kritisch – bis sie eine Nachricht von Emma auf dem Handy ihres Freundes findet. In diesem Augenblick beginnt Sara einen Krieg, der Emma in den Selbstmord treibt und sie und ihre Freunde vor Gericht bringt. Doch war Emma tatsächlich so unschuldig, wie alle denken?

Alle hielten Emma Putnam für eine Nervensäge. Wir haben sie zwar nicht umgebracht, trotzdem heißt das noch lange nicht, dass wir sie gemocht haben. Und jetzt, wo alle denken, dass wir sie umgebracht haben oder wenigstens irgendwie dafür verantwortlich sind, kann ich sie noch weniger leiden. – Seite 11–

Bei diesem Roman musst du dich mit der Täterin auseinandersetzen – ob du willst oder nicht.

Eine Roman über ein Mädchen, das in den Tod getrieben wurde, ist bereits keine leichte leichte Kost. Noch härter ist jedoch die Tatsache, dass dieses Buch die Handlung aus der Sicht einer Täterin erzählt. Darf man eine Täterin sympathisch finden, mit ihr so manches Mal Mitleid haben oder sie als Mensch mit schwachem Selbstbewusstsein sehen? Trotz des Unverständnisses für ihre Taten sah ich Sara nämlich eben nicht als Monster. Vielmehr erkannte ich, dass ihre ekelhaften Mobbingattacken für sie die einzige Möglichkeit sind, Emma gegenüber ein Gefühl von Macht zu haben. Allzu oft schimmerte nämlich zwischen den Zeilen durch, dass es nicht der Hass war, der Sara zu ihren Taten trieb, sondern die eigene Unsicherheit.

Natürlich ist ist das keine Entschuldigung für ihr Handeln. Allerdings war mir diese Erkenntnis als Leserin enorm wichtig. Ich hätte es nicht ausgehalten, einen Roman zu lesen, indem Hass die grundlegende Handlungsmotivation der Protagonistin ist. Das hätte es mir aber vielleicht ermöglicht, sie konsequent doof zu finden. Das war nämlich nicht der Fall. Zwischenzeitlich fand ich es geradezu schade, dass Sara nicht in der Lage war, mal die eigene Persönlichkeit zu zeigen. In vielen Serien oder Büchern existiert das Schema der Freundinnen, bei denen eine der führende Kopf ist und die andere an eine Mitläuferin erinnert. Auch dieser Roman ist in dieser Hinsicht nicht wirklich innovativ. Trotzdem gefällt mir besonders, dass sich alle Beteiligten nicht einfach in das Schema „Gut der Böse“ pressen lassen. Alle Handelnden hadern in irgendeiner Form mit ihrem Schicksal. Durch diesen geschickten Kniff fällt es schwer, die einzelnen Personen direkt zu verurteilen, und dadurch regt diese tragische Geschichte zum Nachdenken an – auch lange Zeit nach dem Lesen.

Fazit

Auch beim Schreiben dieser Rezension fällt mir wieder auf, wie sehr mir dieser Roman unter die Haut geht – noch immer. Durch den Verzicht auf eine moralische Bewertung sowie die aktive Auseinandersetzung mit einer der Täterinnen, die übrigens nicht auf wundersame zur Heiligen wird, ist es nicht möglich, sich sofort gegen sie zu stellen. Diese und viele weitere haben mich von diesem Jugendroman überzeugt – lediglich an die Sprache konnte ich mich nur schwer gewöhnen, denn es gibt einfach bestimmte Wörter und Ausdrücke, die ich nicht in einem Roman lesen will, obwohl ich weiß, dass dieser Roman eben auch von diesen Schimpfwörtern lebt. Insgesamt ist Das wirst du bereuen genau auf seine Zielgruppe zugeschnitten und wird dort hoffentlich zum Nachdenken anregen.

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268 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 63 Rezensionen

liebe, jugendbuch, julie leuze, träume, nordsee

Sternschnuppenträume

Julie Leuze
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei INK, 03.04.2014
ISBN 9783863960650
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Svea und Nick – eine Liebe, die nicht sein darf …

Svea lebt mit ihrem Vater in einem kleinen Häuschen auf einer norddeutschen Insel. Die beiden müssen nicht nur mit den sehr einfachen Verhältnissen zurechtkommen, sondern auch mit der fehlenden Mutter, die beide vor kurzer Zeit verlassen hat. Für Sveas Vater ist mit ihrem Verschwinden eine Welt zusammengebrochen, und es scheint, dass sie einen Teil von ihm mitgenommen hat. Er ist lethargisch und raucht eine Zigarette nach der anderen und versucht für die Öffentlichkeit verzweifelt den Schein einer intakten Familie zu wahren. Für Svea ist die Situation daheim daher nur schwer zu ertragen. Ein ganz besonderer Rückzugsort ist für sie die Seehundstation, die sie neben der Schule tatkräftig mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützt.

Nick hingegen scheint alles zu haben, was man sich nur erträumen kann. Er ist beliebt, sieht gut aus und stammt aus einem reichen Elternhaus. Doch sein Leben gleicht eher einem Albtraum. Er hat niemanden, dem er seine dunklen Geheimnisse anvertrauen kann. Als die beiden sich durch Zufall bei einer Strandparty unter dem Sternschnuppenhimmel kennenlernen, gibt es einen kurzen Moment, der beiden sagt, dass sie etwas Besonderes verbindet. Doch dieses Gefühl hält nur kurz an, denn so etwas wie wahre Liebe können sich beide in ihrer gegenwärtigen Situation nicht erlauben.

Zum Teufel mit den Fehlern meiner Eltern, zum Teufel mit meiner Furcht, zum Teufel mit meinen düsteren Vorahnungen! Ich, und nur ich, bin die Gestalterin meines Schicksals. Ich bin kein Opfer und keine Marionette, ich hänge nicht an Fäden, die mich schwach und hilflos durch die Welt stolpern lassen. Ich bin frei. – Seite 331 –

Dieser Jugendroman bietet mehr als die Geschichte der Liebenden, die nicht zusammenfinden …

Sternschnuppenträume von Julie Leuze erinnert beim Lesen ein wenig an die zwei Königskinder, die aufgrund der äußeren Umstände einfach nicht zusammenkommen. Soweit mag dieser Jugendroman vielleicht noch nichts Besonderes sein, doch Julie Leuze erschafft eine realistische Welt, die gleichermaßen faszinierend und beklemmend ist. Beklemmend sind vor allem die Umstände, in denen die beiden Jugendlichen leben. Nach außen hin wahren die Familien den Schein, doch im Inneren sind sie so zerrüttet, dass die Bezeichnung Familie eigentlich schon nicht mehr zutrifft.

Doch sobald sich Svea und Nick begebenen dürfen wir Leser für beide auf bessere Zeiten hoffen, schließlich wird in der Sternschnuppennacht auf der Party mehr als deutlich, dass zwischen den beiden etwas ganz Besonderes in der Luft liegt. Doch das Leben ist nicht so einfach – nicht in unserer Welt und nicht in der Welt der beiden. Und so verhindert das familiäre Unglück das jugendliche Liebesglück. Dabei wünscht man beiden nichts sehnlicher, denn meiner Meinung nach sind die jugendlichen Charaktere dieses Romans ganz besonders liebenswert.

Bei Svea wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass sie für ihr Alter eine ziemlich schwere Last auf den Schultern zu tragen hat. Ausbrüche wie sie bei anderen Jugendlichen üblich sind, kann sie sich nicht leisten. Mit der Nacht, die sie mit Nick verbindet, übertritt sie bereits eine persönliche Grenze. Doch auch Nick schließt man sofort ins Herz. Auch wenn man in im gerne den gut aussehenden Schwerenöter sehen will, wird schnell deutlich, das er das eben nicht einfach ist. Vielmehr ist er auf der Suche nach etwas ganz Besonderem – etwas, was er in Svea sieht.

Fazit

Sternschnuppenträume von Julie Leuze ist ein realistischer Jugendroman, der besonders durch die zwei äußerst sympathischen Protagonisten zu überzeugen weiß. Der Roman, der abwechselnd aus der Sicht von Svea und Nick erzählt wird, schafft es immer wieder ernste Themen und familiäre Probleme durch kleine Glücksmomente aufzulockern. Am besten gefällt mir jedoch der Punkt, dass Julie Leuze Jugendlichen aus möglicherweise ebenfalls betroffenen Familien auf sanfte Art vermittelt, das sie nicht alleine sind und sich nicht für ihre zerrütteten Familienverhältnissen schämen müssen.

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Soul Beach - Schwarzer Sand

Kate Harrison
E-Buch Text: 376 Seiten
Erschienen bei Loewe Verlag, 10.03.2014
ISBN 9783732000814
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Diese Rezension enthält Spoiler zu Soul Beach: Frostiges Paradies {Soul Beach Bd.1}. Das Fazit könnt ihr jedoch bedenkenlos lesen.

Der Soul Beach bekommt einen neuen Gast, den Alice aus dem wahren Leben kennt …

Mittlerweile sind einige Monate vergangen, seit die schöne und talentierte Meggie Forster aus dem Leben gerissen wurde. Für ihr ganzes Umfeld dreht sich die Welt nun weiter. Nur Alice loggt sich noch immer täglich im Soul Beach ein und besucht dort ihre verstorbene Schwester. Mittlerweile ist sie so sehr mit diesem mysteriösen Ort verbunden, dass sie sogar ihr Herz an einen der Bewohner verloren hat. Danny ist alles, was sich Alice gewünscht hat. Doch die beiden haben wohl kaum eine Chance, denn Danny ist tot. Außerdem weiß Alice nicht, was aus ihren Besuchen am Soul Beach wird, wenn sie endlich den Tod ihrer Schwester aufgeklärt hat …

Von ihren Eltern bleiben die unzähligen Stunden im Internet natürlich nicht unbemerkt. Zwar hütet Alice das Geheimnis des virtuellen Paradieses noch immer wie ihren Augapfel, doch lässt sich nicht mehr verbergen, dass sie ohne Rechner und Internet nicht mehr kann. Daher wollen die Eltern Alice zwingen, wieder am Leben teilzuhaben, was in zu einer spannenden Reise nach Barcelona führt – für Alice jedoch nicht ohne Hintergedanken. Gleichzeitig ahnen sie nicht, dass sich ihre Tochter im wahren Leben jedoch in größter Gefahr befindet. Denn am Strand gibt es einen neuen Gast, den alle nur zu gut kennen. Und Alice wird selbst zur Zielschreibe eines kranken Hirns, das sich ganz in ihrer Nähe aufhält …

Meggie sollte dir eine Warnung sein. Aber anstatt das zu begreifen, scheinst du wild entschlossen zu sein, dich immer wieder in neue Gefahren zu stürzen. Sehr unklug von dir, Alice. Konzentrier dich lieber auf deine eigene Zukunft und lass deine Schwester in Frieden ruhen – bevor es auch für dich kein Zurück mehr gibt. – Seite 157 –

Der zweite Band ist ein Pageturner, der seine Leser auch nach der letzten Seite nicht mehr loslässt …

Nach dem Lesen des zweiten Bandes muss ich etwas loswerden: „WOW“! Kate Harrison hat sich mit dem Mystery-Thriller wahrlich selbst übertroffen. Bereits der erste Band konnte mich trotz kleiner Abstriche fesseln, doch dieser Band hat mich geradezu sprachlos zurückgelassen. Meine Erwartungen wurden durch die mittlerweile bekannten und unbekannten Figuren sowie der geschickten Konstruktion des Plots absolut übertroffen. Und ebenso wie beim ersten Band kam nur zu Beginn die Frage auf, wer der was sich hinter dem virtuellen Soul Beach verbirgt, denn der Strand und seine Bewohner konnten mich wieder derart fesseln, dass ich ihn einfach als gegeben hinnahm.

In diesem Band spielt die Realität jedoch fast noch eine größere Rolle als der Soul Beach, allerdings ist sie nicht weniger spannend. Denn Alice befindet sich im Visier des kranken Hirns, das mittlerweile schon zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat. Übrigens schafft es Kate Harrison auch in diesem Band wieder, mit ihren Lesern ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel zu treiben. Nun habe ich es tatsächlich geschafft, jede Person aus dem persönlichen Umfeld des Mädchens für den Mörder oder die Mörderin zu halten. Doch all die Hinweise, die Kate Harrison ihren Lesern bietet, sind meiner Meinung nach zu offensichtlich, um zu der todeshungrigen Seele zu führen, die es nun scheinbar auch auf Alice abgesehen hat.

Übrigens gibt es auch in diesem Band wieder die Momente, in denen mir Alice mit ihrer Naivität jede Menge Herzklopfen bereitete, denn obwohl sie weiß, dass sie sich im direkten Umfeld eines Mörders oder einer Mörderin befindet, hat sie noch immer ein unverständliches Urvertrauen in die Menschen, die sie umgeben. Zwischendurch blitzen zwar immer wieder Momente des Zweifels auf, doch scheinen sich diese mit einem Wimpernschlag zu verflüchtigen. Und auch der Soul Beach gehört mittlerweile zu ihrem Alltag wie das Zähneputzen – und wird dementsprechend ebenso wenig hinterfragt. Trotzdem kann man ihr das einfach nicht verübeln – ich zumindest nicht. Zwischendurch blitzte nämlich immer wieder die Erkenntnis durch, dass Alice im wahren Leben nicht zu beneiden ist, wodurch man ihr doch das eine oder andere „durchgehen“ lässt.

Fazit

Kate Harrison hat es geschafft, mich mit der Fortsetzung Soul Beach {Schwarzer Sand} geradezu sprachlos zurückzulassen. Bei Thrillern komme ich den Tätern häufig sehr schnell auf die Spur, doch bei dieser Reihe tappe ich konsequent im Dunkeln. Jede Vermutung wird nach kürzester Zeit wieder von mir verworfen, um dann doch wieder hervorgeholt zu werden. Nach diesem Band bin ich wieder genauso schlau wie zuvor und kann es kaum erwarten, den Abschluss der Trilogie in den Händen zu halten. Ich bin gespannt, wie sich die vielen Fragen in nur einem Band auflösen. Von mir gibt es für die Reihe eine absolute Leseempfehlung. Mal sehen, ob sich meine neuste Vermutung nun bestätigt.

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träume, silber, kerstin gier, liebe, jugendbuch

Silber - Das zweite Buch der Träume

Kerstin Gier
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 26.06.2014
ISBN 9783841421678
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Diese Rezension enthält Spoiler zu Silber {Das erste Buch der Träume}. Das Fazit könnt ihr jedoch bedenkenlos lesen!

Der Name Kerstin Gier wird gemeinhin mit dem Prädikat „Bestsellerautorin“ verbunden. Dabei ist es egal, ob sie wieder einen neuen ChickLit-Roman veröffentlicht oder die Jugendlichen der Welt in andere Zeiten, andere Länder oder eben wie bei „Silber“ in andere Bewusstseinsebenen versetzt. Dann wollen wir doch einmal schauen, was die Fortsetzung des Fantasyromans zu bieten hat.

Das Böse hört nicht auf zu träumen …

Nachdem Liv Silber im wahrsten Sinne des Wortes einen Albtraum durchlebt hat und nur knapp dem Tod entkommen ist, findet sie weder in ihren Träumen noch im Alltag endlich Ruhe. Das Zusammenleben ihrer neuen Patchworkfamilie gestaltet sich nämlich als relativ schwierig. Schuld daran ist die intrigante Großmutter, die es sich nicht nehmen lässt, den neuen Familienmitgliedern bei jeder Gelegenheit ihre Abneigung zu demonstrieren. Und Liv hat noch einige Sorgen mehr. In der Frognal Academy wird sie plötzlich zu Secrecys Zielscheibe, die auf dem Tittle Tattle Blog munter ein Geheimnis ihrer Mitschüler nach dem anderen ausplappert.

Doch weitaus schlimmer ist das unheimliche Gefühl, das Liv nachts in ihrem Träumen verfolgt. Seit ihre Gegenspielerin Anabel in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht ist, müsste Liv sich eigentlich wieder sicher in den Traumkorridoren fühlen. Doch weit gefehlt. Ein Gefühl tief im Inneren sagt ihr, das noch immer etwas Böses in den Gängen lauert. Und trotzdem ist es für sie ein Schock, als sich ihre schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten und sie plötzlich nicht nur um ihr eigenes Leben fürchten muss. Wie Liv aus eigener Erfahrung weiß, ist der Weg in fremde Träume mit den richtigen Hilfsmitteln nämlich ein Kinderspiel …

Mein Atem ging so laut, dass ich nichts anderes hören konnte, aber ich war mir sicher, dass das Rascheln mir dicht auf den Fersen war. Und es kam näher. Schwungvoll schlidderte ich um die Ecke in den nächsten Gang, in dem meine Tür lag. Rascheln trifft es auch nicht wirklich, da denkt man eher an eine harmlose Ratte – und dieses Rascheln hier war alles andere als harmlos. – Seite 15  –

Mit jeder Seite gewinnt die Handlung an Spannung …

Auch Das zweite Buch der Träume verspricht wieder jede Menge Unterhaltung, wobei ich mich beim Lesen eines Buches nicht auf den Namen eines bekannten Autors oder einer bekannten Autorin verlasse. Und so las ich die ersten Seiten des Romans durchaus kritisch. Das Gefühl größter Begeisterung wollte sich einfach nicht von Beginn an einstellen. Sie kam zwar noch – wie man auch an meiner Bewertung sieht – allerdings benötigte ich einige Zeit, um mit dem Roman und seinen Protagonisten wieder warm zu werden.

Dennoch sind mir auch in diesem Band die Figuren schließlich wieder sehr ans Herz gewachsen. Liv ist in meinen Augen eine tolle Protagonistin. Auch auf Henry wird in wieder ein ganz besonderer Fokus gelegt – und doch bleibt er weiterhin erst einmal der Geheimnisvolle, der sich von niemandem, also auch nicht von seiner Freundin Liv, freiwillig in die Karten schauen lässt. Trotzdem gewinnt er schließlich deutlich an Sympathie, denn gemeinsam mit Liv lernt der Leser Henry Seite um Seite besser kennen. Grayson hingegen kam für meinen Geschmack in der Handlung leider etwas zu kurz. Allerdings muss ich gestehen, dass er ebenso wie Lotti und Mia zu meinen liebsten Charakteren der Handlung gehört.

Trotz der sehr unaufgeregten Erzählweise verspricht der Roman wieder einige unterhaltsame Lesestunden. Nach dem etwas schleppenden Start, konnte mich die Handlung dennoch überzeugen. Ein besonderes Highlight sind die Intrigen der Menschen, die noch eine Rechnung mit Liv offen haben. Ich bin gespannt, wie die Trilogie bei ihrem nächsten Band ein Ende finden wird – und wer sich letztendlich hinter unserem allseits beliebten Lästermaul Secrecy verbirgt.

Fazit

Silber {Das zweite Buch der Träume} kann nicht ganz mit seinem Vorgängerband mithalten. Dies liegt in meinen Augen besonders am Anfang. Trotz großer Vorfreude wollte sich auf den ersten Seiten nicht die richtige Stimmung beim Lesen einstellen. Dennoch kann der Roman den ersten Eindruck wieder revidieren, denn im Verlauf der Handlung kann Kerstin Gier ihre Leser wieder fesseln. Ich bin sehr gespannt, welchen Abschluss die Trilogie im nächsten Band finden wird.

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Lieblingsgefühle

Adriana Popescu
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.04.2014
ISBN 9783492304511
Genre: Liebesromane

Rezension:

Das Leben lässt sich nicht immer planen …

und die Liebe und die Kreativität schon gar nicht. Das muss auch Layla feststellen, als sie nach monatelangen Abenteuern in der Welt ins heimische Stuttgart und somit auch zu Tristan zurückkehrt. Obwohl beide das Wiedersehen kaum erwarten können, fahren die Gefühle danach regelrecht Achterbahn. Die Liebe auf Distanz war für beide keine Herausforderung, doch die Beziehung von Angesicht zu Angesicht birgt Probleme, an denen sie zu scheitern drohen …

Und auch beruflich durchlebt Layla nach ihrer Rückkehr ein rasantes Auf und Ab. Während sich in den Augen ihrer Umwelt gerade all ihre Träume erfüllen, kämpft sie tief in ihrem Herzen mit Eifersucht, Unsicherheit und Ideenlosigkeit – schlechte Voraussetzungen für eine Fotografin, die zuvor alle mit ihren einzigartigen Motiven verzaubert hat.


Ein Roman, der zeigt, dass man sich selbst lieben muss, um eine gesunde Beziehung zu führen.

Für mich ist Lieblingsgefühle kein typischer Liebesroman und unterscheidet sich zumindest für mein Empfinden thematisch auch sehr stark von seinem Vorgänger. Während sich Lieblingsmomente eher um die ersten Schritte in die gemeinsame Beziehung von Tristan uns Layla drehte und die beiden auf dem Weg von einer guten Freundschaft zu einer außergewöhnlichen Beziehung zeigte, beschäftigt sich Lieblingsgefühle in meinen Augen eher mit der Beziehung von Layla zu sich selbst. Damit bietet Lieblingsgefühle seinen Lesern Einblicke und vielleicht auch manchmal Denkanstöße, die andere Liebesromane verweigern. Gar nicht verkehrt, schließlich bestimmt doch auch das eigene Selbstbild irgendwie das Bild einer Beziehung. Doch gerade das hängt bei Layla in Lieblingsgefühle mächtig schief.

Bereits im Vorgängerband konnten wir sie mit all ihren Unsicherheiten kennenlernen. Und stets war Tristan zur Stelle, um Layla wieder sanft auf den richtigen Weg zu führen. Doch dieses Mal ist bei den beiden Sand im Getriebe. Die Kommunikation funktioniert nicht richtig, und obwohl sie die räumliche Trennung mit Bravur gemeistert haben, trennen das Paar nach dem Wiedersehen Welten. Der Teufelskreis aus Schweigen, Enttäuschung und Verletzung zieht sich immer enger um Tristan und Layla – bis beide schließlich irgendwie die Notbremse ziehen müssen …

Trotz leichter Probleme in den Roman zu finden, konnte mich die Geschichte von Tristan und Layla auch dieses Mal wieder mit jeder Seite mehr überzeugen. Lieblingsgefühle erschien mir zwangsläufig durch Laylas Gedanken und Zweifel etwas düsterer, dennoch gefällt mir gerade dieser Aspekt im Nachhinein besonders gut. Wer braucht schon einen Liebesroman, in dem die Protagonisten in einer Wattewelt leben? Das tun wir schließlich auch nicht. Trotzdem sollte sich niemand abschrecken lassen, denn Adriana Popescu schafft natürlich mit ihrem einzigartigen Erzählstil immer wieder tolle Momente, die den Lesern das Herz aufgehen lassen – und wie auch der Vorgänger ist dieser Roman wieder eine gelungene Liebeserklärung an ihre Wahlheimat Stuttgart.

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bücher, google, buchhandlung, geheimnis, rätsel

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Robin Sloan , Ruth Keen
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blessing, 03.03.2014
ISBN 9783896674807
Genre: Romane

Rezension:

Eine wundersame Buchhandlung, voller Geheimnisse …

Clay Jannon ist ein arbeitsloser Webdesigner, der dringend einen Job braucht. In seiner größten Verzweiflung führt ihn das Schicksal zur durchgehend geöffneten Buchhandlung des alten Mr. Penumbra, der eine Aushilfe für die Nachtschicht sucht. Der Job entspricht zwar nicht Clays Kriterien, doch er kann es sich nicht leisten, wählerisch zu sein. Schon bald merkt er, dass es in San Francisco keinen zweiten Laden wie diese Buchhandlung gibt. Nicht nur das geheimnisvolle Ambiente macht diese Buchhandlung zu etwas Besonderem. Auch Clays Aufgaben im Laden sowie die Kunden geben ihm immer wieder Rätsel auf.

Clay soll nämlich jeden einzelnen Besucher der Buchhandlung bis ins kleinste Detail dokumentieren. Und während er sich auf die außergewöhnlichen und häufig auch wundersamen Kunden des Mr. Penumbra konzentriert, ahnt er langsam, dass sich zwischen den meterhohen Regalen ein Geheimnis verbirgt. Doch Clay musste dem Ladenbesitzer sein Versprechen geben, nicht in den Büchern zu schnüffeln. Aber eines Tages siegt die Neugier. Für Clay, seine Freunde und Mr. Penumbra beginnt das wohl größte Abenteuer ihres Lebens …

“Wenn man ein Buch liest, spielt sich die Geschichte definitiv im Kopf ab. Wenn man sie hört, spielt sie sich irgendwie in einer kleinen Wolke ab, die den Kopf umgibt, wie eine flauschige Strickmütze, die man sich bis über die Augen gezogen hat.” – Seite 288 –

Eine bezaubernde Liebeserklärung an die Bücher? Wohl eher an die Technik.

Die New York Times schreibt, dass Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra eine bezaubernde Liebeserklärung an die Welt der Bücher sei. Dieses Testimonial und der Klappentext weckten bei mir völlig falsche Vorstellungen. In meinen Augen ist diese Liebeserklärung nicht geglückt. Zwischenzeitlich las sich der Roman nämlich eher wie eine Lobpreisung von Google, Programmiersprachen und Typografie. Und genau das ist für mich der größte Kritikpunkt dieses Romans. Ich will beim Lesen Rätsel lösen, Abenteuer erleben und mit den Protagonisten mitfiebern. Doch das kam bei diesem Roman durch die hohe technische Affinität des Autors nicht zustande. Erst die Auflösung konnte mich wieder etwas milder stimmen.

Trotzdem ist Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra ein schöner Roman für Zwischendurch. Wer sich nicht an den vielen technischen Beschreibungen oder einigen Stereotypen bei den Charakteren stört, wird mit hiermit sicherlich Freude haben. Auch wenn die Handlung einige Schwächen aufweist, lädt die erfrischende und witzige Schreibweise des Autors nämlich zu einigen gemütlichen Lesestunden ein. Ob diese Lobgesänge auf Google nun im Nachhinein einfach ein stilistisches Mittel sind, kann somit also jeder Leser selbst rausfinden, ohne wertvolle Lesezeit zu verschwenden.

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