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21 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

thriller, skandinavien, finnmark, krimi, fixer

Midnight Sun

Jo Nesbø , Jo Nesboe
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Random House UK Ltd, 05.11.2015
ISBN 9781846559914
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach „Blood on Snow“ veröffentlicht Jo Nesbø mit „Midnight Sun“ den zweiten Band einer Reihe lose zusammenhängender, kurzer Romane. Die Hauptperson ist eine andere, aber der Fischer („the Fisherman“) ist wieder die dunkle Gestalt im Hintergrund. Mit Jon Hansen kreiert Nesbø ebenso einen Auftragskiller, der eigentlich gar keiner sein möchte, einen der letztendlich keinen Menschen umbringen kann. Das wird ihm auch zum Verhängnis, als er eines Tages statt ihn umzubringen mit einem in Ungnade gefallenen Mitarbeiter des Fischers einen Handel eingeht. Daraufhin schuldet Jon dem Fischer einen großen Geldbetrag, wodurch er selbst zu einem Gejagten wird. Nach einem missglückten Mordversuch an ihm, entschließt sich Jon, in den einsamen Weiten der Finnmark in dem kleinen Ort Kåsund Unterschlupf zu suchen. Im Dorf trifft er Menschen, die ihm wohlgesonnen sind und welche, die ihn ablehnen. Er erhält die Erlaubnis, eine gewisse Zeit in einer Jagdhütte außerhalb des Dorfes zu wohnen. Von dort hält er Ausschau nach den Männern, die der Fischer nach ihm schickt. Lange muss er nicht warten.


Jon erinnert mich zu stark an die Hauptperson aus „Blood on Snow“. Die beiden sind sich sehr ähnlich. Hier hätte etwas Abwechslung einsetzen können. Lea ist eine interessante Frau, ihr Sohn Knut ein aufgeweckter Junge. Man kann Jon's Zuneigung beiden gegenüber gut nachempfinden. Somit wünscht man den dreien ein glückliches Ende. Rings um die drei platziert Nesbø eine ganze Reihe ausgefallener Menschen: den verbitterten Laestadianer-Priester und zugleich Leas Vater; den brutalen Alkoholiker Hugo, den Lea heiraten musste, nachdem er sie vergewaltigt hat; die wilde Anita oder auch den etwas verrückten Sami-Priester Mattis.


Der Schauplatz in der einsamen Finnmark ist gut gewählt. Die Weite und Schönheit der Landschaft kommt in Nesbøs Beschreibungen sehr gut heraus. Auch passt sie hervorragend zur Handlung und zu den Personen.


Die Handlung hat mich nicht vollständig überzeugt. Zwar konnte ich die meiste Zeit mitfiebern, aber weniger wegen den Killern, die Jon verfolgten, sondern vielmehr wegen Lea und der Beziehung zu Jon. In ernster Gefahr ist Jon eigentlich nur im letzten Drittel, aber selbst da stellen sich seine Verfolger zu leichtgläubig und nachlässig an. Bis zum Ende steigt die Spannung noch einmal dramatisch an, aber es kommt nicht, wie ich es für Jo Nesbø erwartet hätte. Somit hat der Schluss mich auf der einen Seite enttäuscht, auf der anderen aber auch erfreut.


„Midnight Sun“ ist im Vergleich zu den anderen Büchern, die ich von Jo Nesbø gelesen habe, weichgespült und sentimental. Ohne je ein Buch dieses Genres gelesen zu haben, würde ich es dem Subgenre Romantic Thriller zuordnen. Wenn man sich darauf einstellt, dann ist es ein lohnenswertes Buch. Für die Freunde härterer Thriller ist dieser Roman aber nichts.


Hinweis: Dieses Buch erhielt ich kostensfrei als Rezensionsexemplar von lovelybooks.com. Gelesen habe ich es in der englischen Ausgabe.

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311 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 76 Rezensionen

familie, murmeln, cecelia ahern, der glasmurmelsammler, roman

Der Glasmurmelsammler

Cecelia Ahern , Christine Strüh
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 18.11.2015
ISBN 9783810501523
Genre: Romane

Rezension:

"Der Glasmurmelsammler" ist nicht das erste Buch von Cecilia Ahern, das ich lese. Aus diesem Grund wusste ich auch, dass ihre Bücher nicht so romantisch-verklärt sind, wie man vielleicht denken könnte. Die Kurzbeschreibung verstärkte den Eindruck nur noch, dass es sich bei ihrem neuen Buch um keinen schnulzigen Liebesroman handelte. Damit sollte ich recht behalten.

Cecilia Ahern erzählt in "Der Glasmurmelsammler" die Geschichte Sabrinas und die ihres Vaters Ferguson. Der 57-Jährige hatte vor nicht allzu langer Zeit einen Schlaganfall und damit einhergehend eine Art Amnesie, die bestimmte Teile seiner Erinnerung betrifft. Sabrina besucht ihn nach ihrer Arbeit als Bademeisterin regelmäßig im Pflegeheim, um das Vergessen nicht schlimmer werden zu lassen. Eines Tages erhält sie vom Pflegeheim mehrere Kartons, die für ihren Vater abgegeben wurden. Sie staunt, als sie die Kartons öffnet und sich darin unzählige, akribisch katalogisierte Murmeln befinden. Für Sabrina öffnet sich ein bisher völlig ungeahnter Blick auf ihren Vater, seine Vergangenheit und ihr eigenes Leben.

Im Buch stehen zwei Personen im Fokus: Sabrina und Ferguson. Beide sind mehrschichtig und authentisch gezeichnet, aber dennoch keine Charaktere, mit denen ich vollumfänglich mitfiebern konnte. Mindestens eine Randfigur, wenn nicht gar einige mehr, hat das Zeug, von Sabrina abzulenken, allein durch ihre interessantere Persönlichkeit.

Auch wenn die Handlung andauernd auf mittlerem Niveau spannend bleibt, fehlte mir in gewisser Weise eine Steigerung, ein Höhepunkt wie im klassischen Dramenaufbau. Eventuell lassen sich die Ereignisse auf der Künstler-Feier als solcher interpretieren, mir aber reicht das nicht. Die Szene war so schnell wieder zu Ende, wie sie begonnen hat, was ich aber im Übrigen durchaus authentisch fand. Wäre dort mehr passiert, hätte Cecilia Ahern zu tief in die Gefühlskiste gegriffen.

Lange Zeit hatte ich die unterschwellige Befürchtung, dass vielleicht doch noch eine großangelegte Liebesgeschichte folgt. Nach vollständiger Lektüre kann ich nun aber die Leser beruhigen, die es wie ich eben nicht auf diese romantische Seite der Bücher Cecilia Aherns anlegen. Es folgen nur kleinere Episoden aus (Liebes-)Beziehungen, die allesamt nicht der Rede wert sind.

Zum Schluss noch zu den physischen Aspekten des Buches. Der Schutzumschlag ist meines Erachtens nach schön gestaltet. Nicht zu kindisch, aber trotzdem so, dass man den eindeutigen Bezug zu den Murmeln hat. Etwas irritierend war für mich, dass bei einem Hardcover nach den 346 Seiten des Romans noch eine 20 Seiten starke Leseprobe folgt. Bei einem Hardcover erwarte ich eigentlich so gut wie keine Werbung.

Insgesamt bekommt "Der Glasmurmelsammler" von mir 4 von 5 möglichen Sternen. Es handelt sich bei diesem Roman um eine schöne Geschichte mit ungewöhnlichem Hintergrund. Abzüge bekommt das Buch wegen der flach verlaufenden Spannung und des doch fehlenden Tiefgangs. An manchen Stellen konnte man philosophische Gedanken erahnen, diese wurden meines Erachtens aber nicht weit genug ausgebaut. So bleibt für mich eine schöne Erzählung, aber eben kein Buch, was mich anhaltend nachdenklich stimmt.

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

kettenhemd, killer, alkohol, oslo, schußwunde

Blood on Snow - Der Auftrag

Jo Nesbø , ,
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 25.09.2015
ISBN 9783957130013
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der norwegische Autor Jo Nesbø, bekannt geworden durch seine Harry Hole-Krimis, hat spätestens durch “Der Sohn” gezeigt, dass ihm die besonderen Thriller mit ungewöhnlicher Perspektive sehr gut liegen. Mit “Blood on Snow – Der Auftrag” bleibt er genau dieser Richtung treu und lässt Harry Hole weiter Urlaub machen. Sein neues Buch ist der Auftakt einer Reihe voneinander unabhängiger, schneller und kurzer Thriller. Mit 196 Seiten ist es schnell gelesen.

Inhalt:
In der Hauptrolle agiert Olav. Er ist Auftragsmörder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche und notorisch schlechtem Gewissen. Wenn er weiß, dass derjenige, den er ermorden soll, es verdient hat, dann ist es aber in Ordnung. Was er nicht kann ist Fluchtwagen fahren (zu auffällig unauffälliger Fahrstil), Raubüberfälle durchführen (schlechtes Gewissen wegen möglichen psychischen Schäden der Bankangestellten) und im Prostitutionsgewerbe für Ordnung sorgen (verabscheut Gewalt gegenüber Frauen). Eines Tages bekommt er einen neuen Auftrag von seinem Chef Daniel Hoffmann. Das Ziel ist Hoffmanns überaus attraktive Frau Corinna. Kaum hat Olav angefangen, sie zu beschatten, ist er auch schon verliebt in sie. Als er dann noch sieht, wie sie von ihrem vermeintlichen Liebhaber geschlagen wird, wirft er alle Pläne über Bord und beginnt ein gefährliches Spiel.

Personen:
Mit Olav ist Jo Nesbø wieder ein ungewöhnlicher Charakter gelungen. Von einem Profikiller mit solchen Gewissensbissen und so einem “zarten Seelchen” liest man nicht oft. Ob Nesbø es ein wenig übertrieben hat, was die niedrige Selbstachtung Olavs angeht, mag jeder selbst abwägen. Olav ist facettenreich, nein mehr noch, er ist in gewisser Weise schizophren. Wenn er es schafft, ein Buch zu lesen, weiß er bald nicht mehr, was der Autor sich erdacht hat und was er selbst sich in seinem Kopf dazu gedichtet hat.
Außer Olav gibt es denn eher unspannenden Gangsterboss Daniel Hoffmann, seinen erbitterten Gegner, genannt “Der Fischer”, die grazile und geheimnisvolle Corinna, sowie die andere Frau in Olavs Leben: die taube und humpelnde Maria, die er aus der Drogen- und Prostitutuinshölle geholt hat. Während Nesbø Daniel und Corinna Hoffmann wenig Besonderes mitgegeben hat, fallen Maria und “Der Fischer” doch recht stark auf und passen so sehr harmonisch zu Olavs ungewöhnlicher Person.

Stil:
Beim Lesen von “Blood on Snow” ist man einem ständigen Wechsel zwischen den beruhigenden Gefühlswelten Olavs und der blutspritzenden Realität seines Lebens ausgesetzt. Kaum wägt man die Hauptpersonen in Sicherheit, kommt das Unglück um die Ecke und zieht sie wieder mit sich in die Tiefe. Das Buch ist dadurch bis zur letzten Seite spannend.
Olavs poetische Ader spiegelt sich auch in Nesbøs Sprache und Ausdrucksweise wieder, denn Olav ist der Erzähler seiner Geschichte. Schon der Auftakt des Buches beschreibt in wohl gewählten Worten einen blutigen Auftragsmord so, als wäre es ein beeindruckendes Naturphänomen, ein Kunstwerk oder ein Gedicht. Nesbø erzählt hier mit “Blood on Snow” nicht nur eine Geschichte, sondern nutzt ganz bewusst, diese tiefgreifende Sprache um Olav lebendig werden zu lassen.

Fazit:
“Blood on Snow” ist zwar ziemlich kurz, erzählt aber auf den recht wenigen Seiten eine gute Geschichte, mit besonderen Personen. Nesbø ist damit wieder ein herausragender Thriller gelungen. Wem “Der Sohn” gefallen hat, wird sicher auch “Blood on Snow” verschlingen. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass neben all dem Blut die Gefühle der Hauptpersonen eine mindestens so tragende Rolle einnehmen. Da die Balance zwischen beidem für mich sehr gelungen ist, würde ich gern 4,5 Sterne vergeben, was ich aber auf 5 Sterne aufrunden muss. Kommentar

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156 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 80 Rezensionen

finnland, internet, krimi, schule, skandinavien

Lauras letzte Party

J. K. Johansson , Elina Kritzokat
Flexibler Einband: 266 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 06.07.2015
ISBN 9783518465905
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

“Lauras letzte Party” ist der erste von drei Bänden einer Gruppe finnischer Autoren mit dem Pseudonym J. K. Johansson. Die Trilogie spielt in Palokaski, einem fiktiven Vorort von Helsinki. Alle Bände beschäftigen sich mit dem Verschwinden junger Mädchen und drehen sich um die Hauptperson Miia.

Inhalt:
Miia arbeitete lange Zeit für die Polizei und wurde dabei als „Internetpolizisitin“ berühmt. Sie ermittelte im Netz, vor allem in den Sozialen Netzwerken. Ziel der Ermittlungen waren unter anderem Kinderpornoringe.
Facebook ließ Miia nicht mehr los, bis sie einsah, internetsüchtig zu sein. Dies war der Grund, wieso sie den Polizeidienst verlassen hat. Im Anschluss zog sie zurück in ihre alte Heimat Palokaski, um an ihrer alten Schule als Sonderpädagogin anzufangen. Einer ihrer Kollegen ist ihr Bruder Nikke, der als Psychologe sowohl Schüler als auch Lehrer betreut.
Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres verschwindet die sechzehnjährige Laura scheinbar ohne jede Spur von der alljährlichen Ferienabschlussfeier am Strand. Miia fäält schnell wieder zurück in ihre alte Ermittlerrolle und unterstützt ihren alten Kollegen Korhonen tatkräftig. Als Lauras Eltern eine Facebookseite einrichten, um ihre Tochter zu finden, beginnt ein wahrer Sturm an Kommentaren über Lauras Leben und vor allem ihre Sexualität, sowie über mögliche Verdächtige. Die Anschuldigungen machen auch nicht Halt vor dem Kollegium der Schule.

Cover:
Das Cover ist schön gestaltet und wirkt düster und hochwertig. Gegenüber der Leseprobe sind inzwischen auch die falschen Namen verschwunden. Etwas empfindlich wirkt aber das Material. Es kam schon mit Beschädigungen an und sieht nach dem Lesen noch etwas mitgenommener aus.

Wertung:
Die Personen des Buches sind schnell sympathisch, manchmal auch etwas überraschend, wobei dies vielleicht ein wenig aufgezwungen wirkt. Die Handlung bieten einen guten Einstieg, zeigt einige vorhersehbare und einige unvorhergesehene Wendungen. „Lauras letzte Party“ ist durchweg spannend. Es werden immer mal wieder kleine Hinweise gegeben, die dann aber zum Teil nie wieder aufgegriffen werden, vielleicht ja dann in den nächsten Bänden. Somit ließt sich das Buch ruckzuck und das ein oder andere Mal wird man auch angeregt, etwas mitzudenken und eigene Vermutungen aufzustellen.

Die Themen „Internet“ und „Soziale Medien“ stehen bei diesem Buch zwar im Mittelpunkt, sind aber authentisch eingeflochten und wirken nie deplatziert. Dies ist nicht selbstverständlich.

Abzüge gibt es ganz klar für das Ende des Buches. Hier macht sich bemerkbar, dass einige der Autoren wohl normalerweise Serien-Drehbücher schreiben. Es gibt nicht nur einen Cliffhanger, sondern gleich eine ganze Batterie davon. Am Ende des Buches wird höchstens die Hälfte aller Gedanken aufgeklärt und es kommen sogar noch neue dazu. So fühlt man sich fast dazu verpflichtet, die nächsten Bände auch zu kaufen, um überhaupt zu verstehen, was dahintersteckt.

Fehler sind mir wenige aufgefallen, lediglich der dusselige Übersetzungsfehler, bei dem „Onkel H.“ sich mit „Eno“ abwechselt (eno = finn. Onkel) hätte weder Übersetzer, noch Lektor passieren dürfen.

Fazit:
Mit 267 Seiten ist der Roman wirklich schnell gelesen. Die spannende Handlung und der leichte Schreibstil helfen dabei. So ist „Lauras letzte Party“ ein gutes Buch für längere Zugfahrten, aber nichts für den gehobenen Lesegenuss. In der Wertung bekommt das Buch bei mir eine Schulnote 2, beziehungsweise gerade noch 4 Sterne. Hauptkritikpunkt ist dabei das viel zu offene Ende und die damit verbundene Unklarheit nach dem Lesen.

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133 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 49 Rezensionen

thriller, psychiatrie, mord, psychothriller, antonia fennek

Schwarzweiß

Antonia Fennek
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei LYX ein Imprint der Bastei Lübbe AG, 15.01.2015
ISBN 9783802595332
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Antonia Fennek, die bisher unter ihrem bürgerlichen Namen Melanie Metzenthin historische Romane veröffentlicht hat, legt unter diesem Pseudonym nun ihr Thrillerdebut vor. Da sie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, liegt es nahe, dass sich „Schwarzweiß“ in eben diesem Umfeld bewegt.

Inhalt:
Regina Bogner ist Psychiaterin in der forensischen Psychiatrie in Hamburg, also dem Ort, wo geistig erkrankte Straftäter verwahrt und behandelt werden. Sie schlägt sich dabei sehr gut und hat Freude an ihrem Beruf.
Eines Tages bekommt sie am Frühstückstisch die Akte eines neuen Patienten, der ihr zugeteilt wurde. Niklas Rösch wurde für den grausamen Mord an seiner Nachbarin verurteilt. Er hat sie auf rituelle Art zu Tode gefoltert und war dabei keineswegs zimperlich. Kaum in der Aufnahmestation angekommen, beginnt Rösch auch schon Psychospielchen, um die Oberhand gegenüber den anderen Patienten, Pflegern, Ärzten und auch Regina Bogner zu gewinnen. Außerdem scheint er etwas über sie zu wissen, was außer ihrer Tochter sonst niemand in Deutschland wissen kann. Es beginnt eine Suche nach den Hintergründen seiner Tat und seines Lebens, sowie den Ereignissen aus Regina Bogners Vergangenheit.

Positives:
Antonia Fennek gelingt mit “Schwarzweiß” ein überwiegend sehr spannender und dichter Psychothriller, dem man deutlich ihre Fachkompetenz anmerkt. So wird das Leben auf der Station und die Psyche Röschs sehr glaubwürdig beschrieben. Sehr detailliert werden auch die Straftaten geschildert, was sicher nichts für jeden ist, aber vor allem den Lesern härterer Thriller zusagen könnte.
Langweilig ist das Buch an keiner Stelle. Auch wenn der Täter von vornherein bekannt ist, gibt es doch genug Details und Hintergründe, die der Leser erst Stück für Stück erfährt.
Ebenfalls positiv zu erwähnen ist das angehängte Nachwort, in dem Antonia Fennek noch den Vergleich zur Realität zieht, sowie das Glossar, in dem ein paar wichtige Begriffe kurz erläutert werden.

Negatives:
Für meinen Geschmack fehlt am Finale eine deutliche Spannungsspitze. Einen letzten Kick hätte ich mir dort gewünscht, denn den Moment, bei dem man noch einmal die Luft anhält und am gedanklich am Liebsten die Augen schließen möchte, vermisste ich.

Fazit:
„Schwarzweiß“ ist meines Erachtens nach sehr empfehlenswert, vor allem, wenn man gern über brutale Psychopathen liest und nicht unbedingt das ganze Buch lang miträtseln möchte, wer denn die Tat begangen haben könnte.
In Schulnoten bekommt Antonia Fenneks Thriller von mir eine 2+, beziehungsweise 4 von 5 möglichen Sternen.

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869 Bibliotheken, 10 Leser, 7 Gruppen, 130 Rezensionen

dystopie, jugendbuch, teri terry, zersplittert, trilogie

Zersplittert

Teri Terry , Petra Knese , Marion Hertle
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.01.2014
ISBN 9783649611844
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Jugend-Thriller "Zersplittert" der Autorin Teri Terry ist das zweite Buch einer Trilogie und folgt auf "Gelöscht". Die Handlung spielt in der Mitte des aktuellen Jahrhunderts, also einige Jahre in der Zukunft. England ist seit 30 Jahren nicht mehr das, was es einmal war. Die sogenannten Lorder haben die Macht im Land übernommen und England zu einem dystopischem Überwachungsstaat ausgebaut. Wer sich Ihnen in den Weg stellt, wird entweder verschleppt, getötet oder geslated. Letzteres wird nur bei unter sechzehnjährigen angewendet und bezeichnet das komplette Löschen jeglicher Erinnerungen. Selbst Laufen und Sprechen müssen Slater neu lernen. Um sie im Anschluss sicher kontrollieren zu können, erhalten alle Slater einen Chip ins Gehirn implantiert und ein sogenanntes Levo ans Handgelenk. Dieses dient der Kontrolle der Stimmung des Slaters. Wird dieser aggressiv oder verzweifelt, löst das Levo starke Schmerzen, Ohnmacht oder sogar den Tod des Slaters aus.
Das Buch beginnt damit, dass Kyla, die Hauptperson, eine Slaterin, trotz allen Maßnahmen einen Mann, der Sie angreift, beinahe umbringt. Als sie beginnt, zu verstehen, was die gerade getan hat, kommt in ihr die Frage auf, wieso sie diese Fähigkeit hat, die sie eigentlich als Slater nicht haben dürfte. Als dann auch immer mehr Erinnerungen von ihrer Zeit vor dem Slating aus ihrem Unterbewusstsein hervor kommen, schlägt sie gefährliche Wege ein. Relativ schnell versteht sie, dass sie nicht wie die anderen ist. Sie versucht nun herauszufinden, was dahinter steckt. Bald weiß sie nicht mehr, wer sie wirklich ist und wem sie überhaupt vertrauen kann.

Da ich "Gelöscht" nicht gelesen habe, hatte ich befürchtet, dass ich nicht in die Handlung finde. Dies war aber sehr viel leichter als gedacht. Auch ohne den ersten Band erfährt man schnell alles wichtige und kann sich gut in die Hauptperson hinein versetzen. Die Erzählung legt nach wenigen Kapiteln schnell an Geschwindigkeit zu. So bleibt die Spannung von Anfang bis Ende auf einem guten Niveau. Die Handlung beschreibt immer wieder überraschende Wendungen, wobei man irgendwann ahnt, dass das Offensichtliche nicht die Wahrheit ist. Trotz der komplexen Zusammenhänge, kann man meist gut nachvollziehen, was passiert ist. Logische Fehler sind mir fast nicht aufgefallen. Auch sonst sind mir nur sehr wenige Druckfehler ins Auge gefallen. Was mich manchmal etwas gestört hat, waren die vielen Schwärmereien, die Kyla mal dem einen Mann, mal dem anderen Mann entgegen bringt. Gewaltszenen gibt es eine ganze Menge, die teilweise auch ziemlich intensiv, aber immer kritisch beschrieben werden.

Die ideale Zielgruppe des Buches sind für mich weibliche Thriller-Leser im Alter von 15 bis 21. Für diesen Bereich würde ich eine Schulnote 1- vergeben. Das Buch ist aber auch für Jungs und junge Erwachsene empfehlenswert. Da ich in diese Kategorie falle, kann ich hier ruhigen Gewissens eine 2+ vergeben.

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174 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

liebe, drogen, freundschaft, italien, tod

Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung

Valentina D'Urbano , Constanze Neumann
Flexibler Einband: 280 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.02.2014
ISBN 9783423249997
Genre: Romane

Rezension:

Valentina D'Urbano ist eine 28 Jahre junge italienische Schriftstellerin, die bei dem Schreibwettbewerb „Lo Scrittore“ den ersten Platz belegte und deren Buch „Il rumore dei tuoi passi“ daraufhin 2012 verlegt wurde. Nun erscheint ihr Werk auch auf Deutsch unter dem Titel „Mit zwanzig hat man kein Kleid für eine Beerdigung“.
Es spielt in einer italienischen, besetzten Plattenbausiedlung namens „La Fortezza“. Die Gebäude sind heruntergekommen, die Menschen verbittert und meist arbeitslos. Die Handlung beginnt mit dem Bericht der zwanzigjährigen Beatrice von einer Beerdigung eines Menschen, der ihr sehr viel bedeutet hat. Schon zu Beginn wird klar, dass Bea immer versucht hat, ihre wahren starken Gefühle ihm gegenüber hinter Wut und oberflächlicher Ablehnung zu verstecken. Sie blickt im Anschluss zurück auf ihre Jugend in La Fortezza, erzählt von den guten und den vielen schlechten Tagen in diesem Armutsviertel und auch von ihrem Verhältnis zu Alfonso, dem Verstorbenen.

Die Geschichte ist sehr authentisch geschrieben, in einer schroffen und stimmigen Sprache. Vor allem in den Dialogen wimmelt es nur so von ausgelassenen Silben und Umgangssprache. Die Autorin nimmt hier auch kein Blatt vor den Mund, sondern verwendet einiges an Schimpfwörtern.
Die Charaktere sind gelungen. Die wichtigen sind nicht stereotyp, sondern zeigen an sich verschiedene Seiten, mit denen man mitunter nicht gerechnet hätte. Das Hineinversetzen fällt nicht schwer. Die meisten sind einem gleich sympathisch.
Die Handlung bleibt immer so spannend, dass man das Buch ungern aus der Hand legt, bevor man alle 275 Seiten gelesen hat. Auffallend sind die kurzen Kapitel, das kürzeste mit nur zweieinhalb Zeilen. Jedes Kapitel entspricht quasi einer Szene. Daran wird auch deutlich, dass die Handlung nicht unnötig in die Länge gezogen wurde, sondern mitunter viel Handlung in wenigen Sätzen abgehandelt wurde. Das ist wohl einer der Gründe, wieso sich dieses Buch so flüssig liest.

Empfehlen würde ich das Buch Jugendlichen ab 15 Jahren, aber auch Erwachsene können hier beruhigt zugreifen. Wer nach einer romantischen Liebesgeschichte sucht, ist hier falsch. Vielmehr sollte man sich angesprochen fühlen, wenn es einem um das Leben von Menschen geht, wie sie auch in unserer Nachbarschaft leben könnten.
In Schulnoten bekommt das Buch von mir eine 1 minus, da mir das Buch sehr gut gefallen hat.

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147 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 56 Rezensionen

mord, kälte, wale, elisabeth elo, boston

Die Frau, die nie fror

Elisabeth Elo , Jürgen Bürger , Kathrin Bielfeldt
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 01.02.2014
ISBN 9783550080388
Genre: Romane

Rezension:

„Die Frau, die nie fror“ von Elisabeth Elo ist ein hintergründiger Thriller, der einen Großteil der Zeit auf dem Meer spielt. Zu Beginn des Buches berichtet die Hauptperson Pirio von ihrer Fahrt mit dem Hummerkutter ihres Freundes Ned, der damit endet, dass das Boot im dichten Nebel von einem viel größeren Schiff gerammt und versenkt wird. Ned kann sich nicht retten. Seine Leiche wird nie gefunden. Pirio aber schafft es vier Stunden im kalten Atlantik zu überleben, bis sie schließlich von der Küstenwache gerettet wird. Diese einzigartige Fähigkeit, solch eine lange Zeit in kaltem Wasser zu überleben macht sie einzigartig und weckt das Interesse der Medien, aber auch der US Navy.

Der Schutzumschlag des Buches zeigt aus der Vogelperspektive ein Frau im Parka, die durch Schnee läuft. Dazu passend auch der Einband, der in seiner weißen, leicht glitzernden Farbe auch an Schnee erinnert. Die Gestaltung gefällt mir sehr gut, passt für mich aber nicht hundert Prozent zum Buch, da Schnee eigentlich kaum erwähnt wird.

Der Anfang des Buches war mir eine Spur zu langatmig. So richtig Spannung kam für mich erst nach etwa 150 Seiten auf. Die Handlung ist inhaltlich kreativ, nimmt aber selten überraschende Wendungen. Nur selten wird der Leser wirklich überrascht. Die Thematik wurde gut umgesetzt. Der Erzählstil ist authentisch und geradlinig. So liest sich das Buch sehr flüssig. Die Charaktere sind recht unterschiedlich, für mich aber in manch schwierigen Situationen eine Spur zu mutig und cool, was aber auch mit der russischen Herkunft Pirios und der schroffen Erziehung durch ihren Vater begründet werden könnte. Durch Pirios distanzierte Art konnte ich mit ihr auch nicht vollkommen sympathisieren. Trotzdem konnte man sich aber gut in Handlung einfühlen.

In meinen Augen ist das Buch gut geeignet für Fans ruhigerer Thriller, besonders wenn Interesse an den Themen Seefahrt, Fischerei und Umweltschutz besteht. Liebhaber harter und brutaler Psychothriller würde ich dieses Buch eher weniger empfehlen.
In Schulnoten gebe ich diesem Buch eine 2 minus.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Das dunkle Haus

Åke Edwardson , Angelika Kutsch
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 11.09.2015
ISBN 9783548612676
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Erik Winter kann nicht in Spanien bleiben. Er muss zurück nach Göteborg, ein wichtiger Fall lockt ihn zurück in seine winterliche Heimat. Ein Spaziergänger, ein älterer Mann, kommt auf seiner morgendlichen Runde an einem Haus am Stadtrand von Göteborg vorbei. Er wundert sich, dass die Zeitungen seit Tagen nicht ins Haus geholt wurden, obwohl das Auto der Familie in der Einfahrt steht. Er klingelt und lauscht, aber nichts regt sich. Oder doch? War da etwas? Ja, er hört das Schreien eines Säuglings. Schließlich beschließt er, die Polizei zu informieren. Die hinzugerufenen Polizisten zögern nicht lang und öffnen die Tür. Was sich ihnen zeigt, ist ein grausames Bild. Die Mutter und auch die beiden großen Kinder wurden brutal mit einer großen Anzahl an Messerstichen hingerichtet. Aber im Nebenraum liegt der schreiende Säugling. Dafür, dass er wohl mehrere Tage allein dort lag, geht es ihm gut. Er lebt. Wer kann eine solche Tat begehen? Und wieso lässt er das Kleinkind leben? War es eine Tat aus Eifersucht? Oder aus Rache? Oder die Tat eines Verrückten? Kommissar Winter und seine Kollegen tun alles, um eine Spur zu finden. Aber dies stellt sich als schwieriger raus als erwartet.

Der 11. Fall von Kommissar Winter ist zugleich der erste, den ich gelesen habe. Spannend war er, das steht außer Frage, aber doch eher auf dem Niveau eines guten Tatorts, nicht auf dem eines Thrillers. Actiongeladene und brutale Szenen sind hier kaum anzutreffen. Der Großteil des Romans besteht aus guter, alter Ermittlungsarbeit und einer großen Anzahl an Verhören.
Die Geschichte hat mir gut gefallen, obwohl sie nicht zu den kreativsten gehört, die ich gelesen habe. Manche Wendungen kann man leicht erahnen, andere kommen überraschend. Um am Ende vollständig die Hintergründe zu verstehen, muss man schon die Gedanken gut zusammen nehmen.
Die Rolle des Kommissar Winter hat mich angesprochen, gefallen mir doch solche kantigen, düsteren Ermittler.
Vom Leseverständnis finde ich dieses Buch nicht ganz leicht. Immer wieder wechseln die Szenen unvermittelt, ohne dass gesagt wird, wer „Er“ gerade ist. Diesen Teil muss man oft aus dem Kontext erschließen, manchmal wird auch erst später klar, was eine Szene eigentlich genau zu bedeuten hatte. Besonders störend sind diese unvermittelten Sprünge dann, wenn eine Szene am Seitenende endet und die auf der nächste Seite eine ganze andere beginnt. Dies kam recht häufig vor und ich hätte mir gewünscht, diese Wechsel mit einem Trennzeichen zu kennzeichnen.

Das Buch hat mir letztendlich gut gefallen. Aufgrund der spannend erzählten Geschichte vergebe ich eine Schulnote 2, beziehungsweise 4 Sterne. Abzüge gibt es für den schwierigen Schreibstil.
Empfehlen würde ich dieses Buch für Freunde klassischer Krimis. Die etwas hartgesotteneren Thrillerfans könnten hier weniger auf ihre Kosten kommen.

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35 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

tourette, touretteshero, sachbuch, tourette;, behinderung

Sechs Millionen Kekse im Jahr

Jessica Thom , Cathrine Hornung ,
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Hogrefe, vorm. Verlag Hans Huber, 09.04.2014
ISBN 9783456853680
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Großbuchstaben sprechen nachts mit sich selbst.“, „Hast 'nen Hamster in der Hose, nimm ein Bad.“ und „Sollen wir eine Gedenkminute für Esel einlegen?“ sind nur drei der vielen verschiedenen Sätze, die ganz ohne ihr Zutun Jessica Thoms Mund verlassen. Dazwischen sagt sie immer wieder das Wort „Keks“ und das hochgerechnet 6 Millionen Mal pro Jahr, sowie unzählige, unkontrollierbare Schläge auf ihre eigene Brust.

In dem etwa 220 Seiten starken Buch „Sechs Millionen Kekse im Jahr“ berichtet Jessica Thom tagebuchähnlich von einem Jahr ihres Lebens mit Tourette. Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine neurologische Störung, die die Betroffenen dazu bringt, Dinge zu sagen und Bewegungen zu machen, die sie nicht kontrollieren können, die sogenannten Tics. Dazu gehören bei manchen Tourette-Patienten auch Beleidigungen und obszöne Gesten. Erst als junge Frau ist Jessica bewusst geworden, dass sie unter dieser Erkrankung leidet, nachdem ihre Symptome immer eindeutiger und häufiger geworden sind. Trotz der vielen Einschränkungen, die durch die Störung ihres Nervensystems in ihr Leben treten, findet sie immer wieder einen Weg, sich zu behaupten. So arbeitet sie regelmäßig für eine Jugendorganisation und wohnt auch in einer eigenen Wohnung, zusammen mit Freunden. Diese sind ein wichtiger Halt für sie und geben ihr immer die Unterstützung, die sie durch Tourette benötigt. Sie selbst bezeichnet sich als „Touretteshero“ und auch die Menschen um sie herum tragen alle Superheldennamen, die ihren Tics entsprungen sind, wie etwa „Leftwing Idiot“, King Russel“ oder „Fat Sister“.

Das Buch gibt einen guten Einblick in das Leben als Tourette-Betroffene. Jessica Thom erzählt auf anschauliche und stellenweise auch recht amüsante Weise von ihren täglichen Problemen, den Reaktionen ihrer Mitmenschen und der Fürsorge, die ihre Freunde täglich für sie aufbringen. Man kann gut nachvollziehen, wie man mit Tourette-Betroffenen umgehen sollte, was so wahrscheinlich auch auf viele andere körperliche Einschränkungen übertragbar ist. Das Buch lässt sich dank der vielen kleinen Episoden auch in sehr kleinen Stücken lesen, was für Leser mit geringer verfügbarer Zeit von Vorteil sein sollte.
Gut gefallen hat mir die Thematik und deren abwechslungsreiche Umsetzung. Eine Spannung wie bei einem guten Thriller sollte man aber nicht erwarten. Irgendwann ähneln sich die Erlebnisse doch und so ist der Umfang des Buches genau richtig.

Besonders empfehlenswert ist dieses Buch wohl vor allem für Menschen, die beruflich oder auch privat mit Tourette-Patienten zu tun haben, sowie für Leser, die gern in den Tagebüchern von besonderen Menschen lesen. In Schulnoten gebe ich diesem Buch eine 2, in Sternen ausgedrückt sind es 4 von 5.

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394 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 115 Rezensionen

schweden, liebe, freundschaft, ove, verlust

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 21.08.2014
ISBN 9783810504807
Genre: Romane

Rezension:

Mit "Ein Mann namens Ove" ist Fredrik Backman ein großartiges Erstlingswerk gelungen, gefüllt mit einer Unmenge Humor, Weisheit und Gefühl. Es ist eines der besten Bücher, die ich im letzten Jahr gelesen habe, vielleicht das Beste.

Handlung:
Ove ist ein 59-jähriger Reihenhausbewohner. Er ist penibel, streitsüchtig und einsam. Seine große Liebe, Sonja, ist vor kurzem an Krebs gestorben. Mit ihrem Tod ist auch er ein Stück weit gestorben. Als er dann auch noch von seiner langjährigen Arbeitsstelle gekündigt wird, sieht er keinen Sinn mehr in seinem Leben. So versucht er sich auf verschiedene Arten das Leben zu nehmen. Wären da nicht die aufdringlichen neuen und alten Nachbarn, die ihn immer wieder kurz davor abhalten, ohne dass sie es überhaupt merken. Und dann noch diese Straßenkatze, die plötzlich meint, seine Mitbewohnerin werden zu wollen.

Personen:
Ove ist zwar ein verbitterter Paragraphenreiter, aber trotz allem verdammt sympathisch. Vielleicht ist es seine Prinzipientreue, von der man sich selbst wünscht, dass es sie heute noch etwas öfter gäbe, vielleicht aber auch einfach sein großes Herz, was er immer wieder für einen kurzen Moment zeigt.
Die anderen Personen in Oves Umfeld sind bunt gewürfelt. Wichtig sind da vor allem die neuen Nachbarn, eine hochschwangere Iranerin, die in Ove nur das Beste sieht, ihr Mann, der weder rückwärts mit einem Hänger einparken, noch ein verklemmtes Fenster reparieren kann, sowie deren beide Töchter.
Die Personen sind abwechslungsreich und liebevoll gezeichnet. Auf ihre eigene Art sind auch sie alle sehr liebenswürdig.

Bewertung:
Das Buch hat mir hervorragend gefallen. Der Humor, mit dem Backmann Ove beschreibt, bringt einen oft zum Schmunzeln und das ein oder andere mal auch zum Lautlachen. Es gibt aber auch Momente, an denen das Buch um Ove mich sehr berührt hat.

Anhand der Schreibweise der Geschichte kann man sich gut in Ove hineinversetzen. Ich hab nicht wenige Male in den letzten Tagen selbst das Gefühl gehabt, einen kleinen Ove in mir zu haben, der sich über gar so unnötige Dinge aufregen kann. In der Hinsicht hat Backmanns Bestseller vielleicht auch einen erzieherischen Aspekt.

"Ein Mann namens Ove" verdient die vollen fünf Sterne. Da mir so gar nichts negatives einfällt, würde ich diesem genialen Buch auch eine glatte 1,0 als Schulnote zusprechen. Wann kann ein Buch über einen griesgrämigen alten Mann schon einmal so viel Lebensfreude ausstrahlen.

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wien, daniel glattauer, journalist, vater-sohn-beziehung, spenden

Geschenkt

Daniel Glattauer
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.08.2014
ISBN 9783552062573
Genre: Romane

Rezension:

Der nicht mehr taufrische und latent alkoholabhängige Journalist Gerold Plassek ist bei einem werbefinazierten Gratisblatt für die Betreuung der Randnotizen zuständig, wozu auch gelegentlich der Hinweis auf eine soziale Einrichtung zählt. Seit kurzem ist er nicht mehr allein in seinem winzigen Büro, denn sein Sohn Manuel sitzt jeden Nachmittag mit bei ihm, um seine Hausaufgaben zu erledigen. Das Problem ist nur, dass Manuel nichts davon weiß, dass Gerold sein Vater ist, und Gerold ebenfalls erst vor kurzer Zeit von Manuels Existenz erfahren hat.

Kurz nach dem Erscheinen einer Notiz zu einem überfüllten Obdachlosenheim kommt es zu einer anonymen Spende über 10.000 Euro, der ein Ausschnitt von Gerolds Artikel beigelegt ist. Als dann wiederholt der gleiche Betrag in Folge von Gerolds Artikeln bei den jeweiligen Hilfebedürftigen eintrifft, kann auch er sich nicht mehr mit einem Zufall herausreden. Der anonyme Spender muss es auf ihn und seine Artikel abgesehen haben. Parallel zur Suche nach der Identität des Spenders beginnt für Gerold auch die Suche nach dem, was ihn mit Manuel verbindet, nach dem, was ihm bisher in seinem Leben gefehlt hat.

Daniel Glattauer erzählt in seinem Roman eine spannende und bewegende Geschichte über Mitgefühl, Verantwortung, Familie und das Leben als Ganzes.
Dabei rutscht er nie ins Melodramatische ab, was wohl auch der Erzählperspektive Gerolds geschuldet ist, der zwar sentimental sein kann, aber dessen Blick auf das Leben ein eher desinteressierter und verhärteter ist.

Der Anfang der Geschichte hat mich nicht gleich gefesselt, dafür steigt die Spannung aber bis zur letzten Seite an. Mit einem Umfang von 335 Seiten hat "Geschenkt" einen Umfang, den die Handlung perfekt füllen kann. Unnötige Handlungsstränge konnte ich nicht ausmachen. Die Hauptpersonen sind gut ausgestaltet, die am Rand naturgemäß nur grob umrissen. 

Besonders auffallend waren für mich die sprachlichen Kunststücke, die Daniel Glattauer immer wieder vollführt und in denen er gebräuchliche Formulierungen kritisch hinterfragt, wie er es auch schon in seinen Kolumnen getan hat. So beschreibt er zum Beispiel, wie Gerold eine SMS mehrmals umformuliert, um ja genau das richtige und nur das auszudrücken. Diese Spielerei mit Wörtern und Sätzen war für mich der Bonus zu einem an sich schon sehr guten Buch.

Da es sich bei Daniel Glattauers "Geschenkt" um ein durchweg spannendes, phantasievolles und sprachlich herausragendes Buch handelt, bekommt es von mir volle 5 Sterne und eine 1- als Schulnote.

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rache, gefängnis, korruption, spannung, liebe

Der Sohn

Jo Nesbø ,
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 06.11.2015
ISBN 9783548287782
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jo Nesbøs neuester Roman „Der Sohn“ gehört nicht zur Harry-Hole-Serie, sondern steht für sich allein. Das macht ihn aber nicht weniger spannend. Erschienen ist das Buch bei Ullstein.

„Der Sohn“ handelt auf 520 Seiten von einem jungen Mann namens Sonny, der seit 12 Jahren im Hochsicherheitsgefängnis Staten bei Oslo inhaftiert ist. Ihm werden zwei Morde zur Last gelegt, die er auch gestanden hat. Im Gefängnis ist er aber eine Besonderheit. Von den anderen Häftlingen und auch vom Personal wird er wie ein Heiliger behandelt, man nennt ihn sogar „Buddha“. Nicht selten bekommt er Besuch, der sich bei ihm seine Sorgen und sein schlechtes Gewissen von der Seele reden möchte. Auch der Gefängnispastor kommt von Zeit zu Zeit zu ihm. So erfahren wir schon recht am Anfang, dass er Sonny mit Drogen beliefert, welcher im Gegenzug einwilligt, einen weiteren grausamen Mord zu gestehen, den er aber offensichtlich nicht begangen hat. Korruption wird hier zum zentralen Thema.

Sonnys Gegenspieler und immer wieder auch Partner ist der schon in die Jahre gekommene Ermittler Simon Kefas. Seit er vor einiger Zeit unter einer schweren Spielsucht gelitten hat, ist sein Ruf angekratzt. Seine wesentlich jüngere Frau erdroht zu blinden, wenn sie nicht bald Geld aufbringen können, um eine OP zu bezahlen.

Die Charaktere, insbesondere der des jungen und fast noch naiven Sonny, sind interessant und außergewöhnlich. Sonny ist der ungewöhnlichste Serienmörder, von dem ich je in einem Thriller gelesen habe.
Simon Kefas ist kaum weniger düster als Harry Hole, wenn auch etwas bodenständiger. Mir persönlich sind wohl die Ermittler, die sich nicht um Regeln scheren müssen, die liebsten. Von daher hat Nesbø für mich hier gut gewählt.

Die Handlung ist für mich gut nachvollziehbar und logisch. Die Spannung wird hochgehalten. Erst auf den letzten Seiten wird die große Frage nach dem Maulwurf aufgelöst. Immer wieder gibt Nesbø kleine Hinweise auf überraschende Wendungen, die der aufmerksame Leser problemlos entschlüsseln kann, sowie wenigen Seiten danach noch eine deutliche Bestätigung. So wird man zwar beim Mitdenken gefordert, aber eben nicht überfordert.

Sprachlich ist „Der Sohn“ nicht besser oder schlechter als andere Thriller. Literarische Höchstleistungen zu erzielen, ist ja auch nicht das Ziel dieses Genres.

Für mich ist „Der Sohn“ wieder ein großartiger Nesbø-Thriller, der mit den Harry-Hole-Romanen in einer Liga spielt. Das Buch hat mir von vorn bis hinten ausgezeichnet gefallen. Daher vergebe ich 5 Sterne, beziehungsweise eine Schulnote 1-.

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norwegen, kriegsverbreche, kriegsgefangenschaft, oslo, kriegsverbrechen

Tödlicher Frost

Asbjørn Jaklin , Ulrich Sonnenberg
Flexibler Einband: 337 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 20.10.2014
ISBN 9783518464816
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Tödlicher Frost" ist der erste Roman des norwegischen Journalisten und Historikers Asbjørn Jaklin und soll den Auftakt einer Serie darstellen. Das Buch ist bei Suhrkamp als Taschenbuch erschienen und mit etwa 340 Seiten nicht sonderlich umfangreich.

Der Krimi spielt auf mehreren Zeitebenen. Die wichtigste ist dabei die Quasi-Gegenwart im Jahr 2009 / 2010. Dort beschäftigt den Journalisten und Ex-Elitesoldaten Alexander Winther ein rätselhafter Mord. Ein Mann wurde in einem abgelegenen Stall gefoltert und getötet. Dabei sind die Bezüge zum nahe gelegenen jugoslawischen Kriegsgefangenfriedhof kaum zu übersehen.

Weitere relevante Erzählebenen sind ein Arbeitslager im zweiten Weltkrieg, ein Treffen hoher militärischer Berater in Oslo im Jahr 1949, sowie die Jugoslawienkriege Ende des 20. Jahrhunderts. Wie diese miteinander in Verbindung stehen, erfährt der Leser im Verlaufe des Buches.

Durch den dominierenden historischen Bezug steht der Mord im Jahr 2009 ein wenig im Hintergrund. Über lange Strecke wird mehr auf den geschichtlichen Kontext eingegangen. Dabei erzählt Jaklin spannende, tief gehende und bei uns weithin unbekannte Details der Besetzung Norwegens durch die Nationalsozialisten. Dabei weckt er auch immer wieder Interesse, auf eigene Faust weiter zu recherchieren, um noch tiefer gehende Informationen zu bekommen. Viele der erwähnten Personen und Begebenheiten ist tatsächlich so historisch belegt.

Das Privatleben der handelnden Personen rückt für kürzere Phasen mehrmals in den Vordergrund, nur um kurz darauf wieder unwichtig zu werden. So bleiben die Akteure eher grob umrissene Skizzen, deren Zweck es ist, die Erzählung voranzutreiben und die historischen Verknüpfungen aufzudecken.

Für "Tödlicher Frost" vergebe ich 4 von 5 möglichen Sternen und eine Schulnote 2. Für Leser mit historischem Interesse ist dieser Krimi sehr empfehlenswert. Wer aber keine Lust auf eine Geschichtsstunde hat, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen.

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