Tintenelfes Bibliothek

1.403 Bücher, 234 Rezensionen

Zu Tintenelfes Profil
Filtern nach
1406 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

129 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 86 Rezensionen

familie, liebe, leben, hamburg, schuld

Bis zum Himmel und zurück

Catharina Junk
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 13.03.2018
ISBN 9783463406947
Genre: Romane

Rezension:

Die Drehbuchautorin Katja bekommt eine ungeahnte Chance als sie ein Drehbuch für eine Familienserie schreiben soll. Schnell muss ein Konzept her: Ein Apfelhof im Norden, eine Protagonistin, die mit ihrer Familie gebrochen hat und plötzlich mit der Vergangenheit konfrontiert wird. Ein bisschen Liebe muss natürlich auch dabei sein. Katja beginnt zu schreiben und muss schon bald feststellen, dass ihr Drehbuch wie aus dem eigenen Leben gegriffen ist. Denn unverhofft bekommt Katja einen Anruf mit einer erschreckenden Nachricht und zu alledem steht auch noch eine Halbschwester vor ihrer Tür. Zeit für Katja in das Drehbuch ihres eigenen Lebens einzugreifen.

Catharina Junks zweiter Roman „Bis zum Himmel und zurück“ hat mich mit seiner Leichtigkeit trotz eines doch eher ernsten, tragischen Themas komplett überrascht. Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, einen heiteren Wohlfühlroman zu lesen und doch ist er von einer ungewöhnlichen Tiefe und Dramatik gekennzeichnet, die einem das Lachen im Halse stecken bleiben lässt. Dieser gelungene Balanceakt hallt noch immer in mir nach.

Katja ist eine junge Frau, die im Leben schon viel mitmachen musste und im Schreiben Zuflucht sucht. Hier kann sie sich die Welt gestalten, auch wenn die Realität sie schnell wieder einholt. Ihre Beziehung zu Ratko ist von Unverbindlichkeiten geprägt. Aber Ratko ist sowieso immer voller Pläne, die er nie umzusetzen vermag. Da braucht Katja eigentlich auch nicht weiter planen. Wie angenehm. Dafür ist sie in der Lage, sich schnell auf andere einzustellen und mal eben das Drehbuch für eine Folge der Krimiserie „Wache Mitte“ umzuschreiben, weil die berühmte, leider jedoch unberechenbare Hauptdarstellerin Dorit Wagenfels es gerade so wünscht. Dennoch ist Katja zunehmend davon genervt, dass jeder glaubt, mit ihr umspringen zu können, wie es ihm beliebt.
Zu Glück gibt es da noch Joost, der zusammen mit der neuen Halbschwester Jella auftaucht und mit dem sie sich vom ersten Augenblick an verbunden fühlt. Er ist es auch, der ein wenig Licht in die Ereignisse aus Katjas Kindheit bringt, so dass die Chance besteht, dass Katja eines Tages ihren Frieden mit ihren Eltern, aber auch mit sich selbst machen kann.

Catharina Junk schreibt locker und flüssig, nimmt ihre Leser*innen von der ersten Seite an mit und vermag es auf eine unglaublich lebendige Art zu fesseln. Sie schreibt bildhaft, teilweise szenisch und eingängig, so dass man sich sofort mit Katja identifizierten kann, egal wie chaotisch, verwirrend und verletzlich diese junge Frau ist. Sie berührt und bringt die Leser*in gleichzeitig zum Lachen, denn so wie Katja ihr Leben beschreibt, zeugt es von einem gesunden Humor.

„Bis zum Himmel und zurück“ – der Titel spielt auf „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich habe“ an – ist ein wunderbar einfühlsamer und berührender Roman, der nicht nur Schmökerqualitäten entwickelt und fabelhaft zu unterhalten vermag, sondern zugleich Tiefgang und Tragik entwickelt. Mich konnte das Buch so sehr begeistern, dass ich demnächst auch Junks Debüt „Auf Null“ („Liebe wird aus Mut gemacht“) lesen möchte, obwohl mich das Thema nicht besonders reizt. Aber ich kann mir nun vorstellen, dass Catharina Junk etwas ganz besonderes daraus macht.
Von mir gibt es für „Bis zum Himmel und zurück“ eine absolute Leseempfehlung!

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(82)

124 Bibliotheken, 18 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

bretagne, liebe, paris, frauen, frankreich

Die Schönheit der Nacht

Nina George
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2018
ISBN 9783426654064
Genre: Romane

Rezension:

Gestohlene Momente im Stundenhotel, das Gefühl, nicht das aus ihrem Leben gemacht zu haben, was hätte sein können – die renommierte Verhaltensbiologin Claire ist sich nicht sicher, ob das was ist, was sie und ihr Mann Gilles seit Jahren miteinander, nebeneinander haben, alles gewesen sein soll. Als ihr Sohn Nicolas seine Freundin Julie vorstellt, lädt das Ehepaar die jungen Leute ein, den Sommer mit ihnen an der Betonischen Küste zu verbringen. Hier hat Claire mit elf Jahren zum ersten Mal zu sich selbst gefunden, immer wieder kehrt sie seitdem ans Meer zurück. Julie hingegen ist zum ersten Mal am Meer und gemeinsam mit Claire, mit der sie sich verbunden und vertraut fühlt, entdeckt sie sich selbst neu. Zwei Frauen auf der Suche nach dem Glück und nach sich selbst.

Nina Georges neuer Roman beschäftigt sich mit der Frage nach dem Sein, nach dem Sinn und dessen, was ein erfülltes Leben ausmacht. Dabei bedient sie sich in geradezu philophischer Manier Metaphern über das Meer und das Leben. Der Roman lebt von der wohlgeschliffenen, überbordenden Sprache und dem französischen Flair, das mit eingestreuten Vokabeln untermalt wird. Es ist ein Balanceakt zwischen Poesie und Schwülstigkeit, der fast immer gelingt. Nur manchmal fühlte ich mich von wohlgesetzten, geradezu bedeutungsschwangeren Sätzen gerade gepeitscht. Zu sehr drängte sich das Gefühl auf, belehrt zu werden und eine Lebensphilosophie aufgedrängt zu bekommen. Vor allem zu Beginn war ich auf der Suche nach der Geschichte inmitten verschwurbelter, sinntragender Sätze, die, um ihre Bedeutung noch zu unterstreichen, zuweilen kursiv gesetzt werden.

Mit Claire konnte ich mich kaum identifizieren, obwohl wir doch sicher alle auf der Suche sind. Trotz aller betonten Sinnlichkeit konnten mich ihre Gefühle kaum überzeugen. Sie blieb für mich unnahbar, keine ihrer Beziehungen, sei es die zum Mann, zum Sohn oder zu Julie, konnte mich berühren. Vielleicht lag es auch daran, wie sehr sie das Muttersein ablehnt und wie sie immer über allen Dingen zu schweben scheint. Keine Vorwürfe, keine Verletzungen angesichts der Untreue von Gilles.
Claires Midlife-Crisis konnte mich nicht abholen, obwohl wir fast im selben Alter sind. Es geht um die Vergänglichkeit und Begehrlichkeit der Jugend, um Sinnlichkeit im Alter, Begehren und stets die Frage, wer man sein können und ob es dafür zu spät ist. Grundtenor ist durchgehend das Thema Sex, der Genuss von Wein, Gerüche und das Meer.

Auch wenn ich das Buch sehr gut lesen konnte und ich die sprachliche Gewandtheit Nina Georges einerseits sehr bewundere, ihre kunstvollen Formulierungen mir jedoch hin und wieder auch ein wenig „too much“ sind, wird „Die Schönheit der Nacht“ nicht eines meiner Lieblingsbücher werden. Vielleicht komme ich in meinem Leben an die Stelle, an der ich das Buch nochmal lesen möchte. Sehr gefallen hat mir das Nachwort, in dem die Autorin erzählt, wie der Roman entstanden ist und was sie dabei getrieben hat.

Gespannt bin ich auf die Lesung mit Nina George am 17. Mai in der Buchhandlung Graff, für die ich mir bereits eine Karte geholt habe.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(53)

85 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

roman, drei frauen, ehe, ex-ehefrau, bruder-schwester beziehung

The Wife Between Us

Greer Hendricks , Sarah Pekkanen , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 15.05.2018
ISBN 9783499291173
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als dieser Psychothriller (ursprünglich mit dem Titel „Die Andere“) angekündigt wurde, konnte ich es kaum erwarten, ihn zu lesen. Nun weiß ich gar nicht, wie ich das Buch beschreiben soll, ohne zu viel zu verraten, denn es gibt einige unerwartete Twist, die sich – so viel darf ich verraten – alle logisch und zufriedenstellend auflösen.

Zunächst geht es um Nellie, die den smarten, weltmännischen Richard bei einem Flug kennengelernt hat. Richard verkörpert alles, was die junge Erzieherin, die nebenher noch kellnert, nicht hat: Geld, Sicherheit und ein Leben in Wohlstand. Bei ihm fühlt sie sich geborgen, ein Leben mit ihm scheint die Erfüllung aller Träume zu sein. Zu gut, um wahr zu sein? Doch Nellie fühlt sich auch beobachtet, am liebsten hat sie die Türen fest verriegelt, was auch mit einem Trauma aus ihrer Collegezeit zu tun hat.

Vanessa hingegen hat alles verloren, was ihr Leben an Richards Seite einst ausmachte: Geld, Sicherheit und ein Leben in Wohlstand. Die Trennung von Richard macht ihr zu schaffen und während sie versucht, die Scherben ihres Lebens wieder zusammenzusetzen, tut sie alles, damit er die neue Frau an seiner Seite nicht heiratet.

Viel mehr als das darf ich eigentlich schon nicht erzählen, denn schon der erste Twist um die beiden Frauen ist verblüffend. Stück für Stück entblättert sich die ganze Wahrheit um Richard und seine Frauen – erzählt von der Ich-Erzählerin Vanessa (Präsens) und in der dritten Person von Nellie (Präteritum). Den beiden Erzählsträngen, die später verflochten werden, lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Erzählweise sehr gut folgen.

Sarah Pekkanen und Greer Hendricks, die vor ihrer Zusammenarbeit mit Sarah Pekkanen, deren Lektorin war, stricken gekonnt ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und Verwirrung. Zunächst beginnt die Geschichte eher ruhig, wenn auch von Anfang an interessant. Erst spät entfaltet sich dann das ganze Spektrum aus psychologischer Spannung, Twists und Aha-Erlebnissen. Immer mehr Fäden werden zu einem Ganzen zusammengefügt, die Motive der Personen werden deutlicher und man erkennt, wie geschickt die Geschichte konstruiert ist.

Der Schreibstil ist packend und flüssig, und doch muss man offensichtlich aufpassen, die Twists allesamt zu fassen zu kriegen, wenn ich mir die vielen Fragen auf Goodreads so anschaue. Für meinen Teil blieb keine Frage offen und ich habe alle Wendungen auf Anhieb verstehen können. Das schien aber nicht allen Lesern so ergangen sein.

Mich hat „The Wife Between Us“ sehr gut unterhalten, auch wenn der Psychothriller an Spannung nicht durchgehend mit anderen Thrillern mithalten kann. Gefallen hat mir die psychologische Zeichnung der Figuren, die sehr realistisch und nicht überzogen dargestellt wurden.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

85 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

fantasy, schach, grusel, horror, dämon

Die Spiegel von Kettlewood Hall

Maja Ilisch
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 03.04.2018
ISBN 9783426520789
Genre: Fantasy

Rezension:

Die vierzehnjährige Iris Barling arbeitet in einer Textilfabrik in Leeds für einen Hungerlohn. Mit diesem muss sie seit dem Tod ihrer Mutter auch noch die unleidliche Großmutter durchbringen, die nicht mal besonders viel für ihre unehelich geborene Enkelin übrig hat. Das Geld reicht vorn und hinten nicht und den Avancen der Männer in der Fabrik und des Vermieters will Iris nicht nachgeben. Das einzige, was Iris von ihrer Mutter besitzt, ist ein hölzernes Pferd, eine Schachfigur, wie sie später von ihrem Lehrer erfährt. Die Mutter war damals zornentbrannt als sie Iris mit dem Pferd spielen sah und seitdem hat Iris die Figur nicht wieder gesehen. Doch Iris ist sich sicher, dass die Figur irgendwo versteckt sein muss und gleichzeitig der Schlüssel zur Vergangenheit ihrer Mutter. Mit der Schachfigur beginnt für Iris ein neues Leben, denn sie öffnet ihr die Türen von Kettlewood Hall, dem Anwesen, in dem ihre Mutter vor langer Zeit als Dienstmädchen beschäftigt war und wo alles begann. Schon bald versteht Iris, warum ihre Mutter niemals über Kettlewood Hall gesprochen hat, denn in dem alten Adelssitz gehen unheimlich Dinge vor sich und die Schatten in den Spiegeln sind nur der Anfang.

„Die Spiegel von Kettlewood Hall“ ist ein sehr atmosphärischer, viktorianischer Gruselroman, der mich von der ersten Seite an zu fesseln vermochte. Bildhaft entsteht das harte Leben in der Textilfabrik, wo das junge Mädchen täglich an den Maschinen steht – zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück, viermal in der Minute. Und wehe, man kommt aus dem Tritt!
Mit Iris begegnet der Leser einer authentischen und sympathischen Ich-Erzählerin, die man nur allzu gern auf der Suche nach dem Geheimnis von Kettlewood Hall begleitet. Auch die anderen Figuren wie der vom Leben enttäuschte, sich dem Alkohol hingebende Lehrer, die verbitterte Großmutter und die eigentümlichen Bewohner von Kettlewood Hall sind sehr lebhaft und einprägsam gezeichnet.

Mit Iris‘ Eintreffen auf Kettlewood Hall wandelt sich die düster-viktorianische Fabrikatmosphäre in eine unheimliche Landhausstimmung mit exzentrischen Adligen und verängstigtem Dienstpersonal. Zwei unheimliche Hunde, die Iris bereits aus ihren Träume kennt, bewachen jeden ihrer Schritte, in den Spiegeln huschen Schatten umher und das Schachspiel, dessen fehlende Figur sich nun wieder an ihrem Platz befindet, scheint ein Eigenleben zu führen. Schlimmer noch, es scheint enger mit der Realität verknüpft zu sein als den Bewohnern Kettlewood Halls lieb sein kann.

Maja Illisch gelingt es, den Leser von Anfang an zu fesseln und stimmungsvoll in das düstere viktorianische Zeitalter zu führen. Schnell entstehen lebendige Bilder, die die Seiten nur so dahin fliegen lassen. Die Spannung wird nicht unbedingt konstant gehalten, da sich vieles bereits früh abzeichnet und es nicht allzu viele Überraschungen gibt. Jedoch weiß man nie, wem Iris am Ende vertrauen kann und wie das Spiel ausgehen wird, so dass man das Buch dann doch nicht weglegen mag. Besonders gut haben mir von Anfang an die sprachlichen Verknüpfungen mit dem Schachspiel gefallen, die vor allem zu Beginn des Romans immer wieder auftauchen. Allein dadurch wird bereits eine besondere Atmosphäre erzeugt. Mann muss jedoch nicht des Schachspiels kundig sein, um der Handlung folgen zu können.

Illisch erzählt flüssig und lebendig, die kleine eingeflochtene Liebesgeschichte bleibt zart und unaufdringlich. Die Mischung aus geschichtlichem, gut recherchiertem Hintergrund mit vielen Details, der mystischen Gruselgeschichte, Spannung mit einem Hauch Liebe hat mir unglaublich gut gefallen und ich hätte noch länger auf Kettlewood Hall verweilen können.

Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung!

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

elisabeth herrmann, cbj verlag, jugendbuch, jugendthrilller, thriller

Zartbittertod

Elisabeth Herrmann
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei cbj, 19.03.2018
ISBN 9783570165133
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mia Arnholt ist klar, dass es nicht sie sein wird, die zukünftig die Geschicke der kleinen, familiengeführten Schokoladenmanufaktur in Meißen lenken wird. Also braucht sie eine interessante Familiengeschichte, um sich für die Journalistenschule zu bewerben. Als ihr ein Foto in die Hände fällt, auf dem ihr Urgroßvater Jakob mit seinem Lehrherrn, dem bekannten Schokoladenfabrikanten Gottlob Herder nebst lebensgroßem Nashorn aus Schokolade abgebildet ist, ist ihr Interesse geweckt. Wie wäre es, wenn sie herausfinden könnte, wie und warum ihr dunkelhäutiger Urahn vor über hundert Jahren aus dem damaligen Deutsch-Westafrika nach Deutschland kam? Als sie bei dem alten Wilhelm Herder anruft, scheint dieser geradezu auf ihren Anruf gewartet zu haben. Mia macht sich sofort auf ins niedersächsische Lüneburg und muss schnell feststellen, dass ihre Wissbegier auf eine Mauer von Ablehnung stößt und zunehmend zur tödlichen Gefahr wird. Was genau verbergen die Herders? Und welchem streng gehüteten Geheimnis ist Mia auf der Spur?

Klingt doch nach einem richtig spannenden Krimi mit einem Geheimnis, Mord und Totschlag und Dramatik! Ist es auch und dazu noch so viel mehr.

Elisabeth Herrmanns neues Jugendbuch „Zartbittertod“ ist nicht nur eine actiongeladene Kriminalgeschichte mit einem Familiengeheimnis und tödlicher Bedrohung. Vielmehr vermittelt die Autorin ganz nebenbei interessante und genussvolle Einblicke in die Schokoladenherstellung und beleuchtet die Kolonialzeit um 1900 in  Deutsch-Westafrika. Der Aufstand der Herero, der inzwischen auch von der Bundesregierung als Völkermord anerkannt wurde, bekommt zunehmend Bedeutung und mit Mias Vorfahren Karl und Jakob sowie deren Nachfahren im heutigen Namibia auch ein Gesicht. Ein Kapitel deutscher Geschichte, das im Geschichtsunterricht wenn überhaupt nur eine Nebenrolle spielt, wird aus der dunklen Ecke des Vergessens geholt, ein Jugendbuch, das sicher schon überfällig war.

Mias mitreißende Suche nach ihrer eigenen Herkunft ist packend und lebendig geschrieben. Die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin und auch wenn ich eines der Rätsel bereits sehr früh lösen konnte, so blieben doch genug Geheimnisse, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Denn wer so sehr bestrebt war, das die Familiengeschichte der Herders und der Arnholts unter dem Deckmantel des Schweigens verborgen bleiben sollte, das er über Leichen geht, kam dann doch überraschend, auch wenn es viele Verdachtsmomente in verschiedene Richtungen gab.
Dabei halten sich die turbulenten Ereignisse im Haus des Schokoladenfabrikanten Herder und die fortschreitende Enthüllung des Familiengeheimnisses die Waage. Eine zarte, unaufdringliche Liebesgeschichte rundet den Roman ab. Herrmanns Appell an den für alle beteiligten fairen Umgang mit Rohstoffen wie Kakao und das Bestreben den Genozid an den Herero und Nama ins rechte Licht zu rücken, erreichen den Leser eher beiläufig und unaufdringlich, jedoch mit bleibenden Bildern. Die Einblicke in die Kolonialzeit werden von Tagebuchausschnitten von 1904, mit Originalzitaten gespickt, untermalt und führen in die Vergangenheit.

Elisabeth Herrmann schreibt gewohnt dynamisch und bildhaft. Es entsteht ein hervorragendes filmreifes Kopfkino, das mich mithoffen und -bangen ließ. Die der Zielgruppe entsprechend jugendlich angehauchte Sprache ist locker, jedoch ohne in der Wortwahl zu übertreiben. Hier setzt Herrmann eher auf flapsige, ironisch-humorvolle Bemerkungen vor allem Erwachsenen gegenüber als auf „typische Ausdrücke“, die morgen schon keiner mehr kennt.

Es steckt so viel in diesem Roman, den man einfach als spannenden Krimi lesen kann oder aber auch als einen Beitrag gegen das Vergessen. Ich fand „Zartbittertod“ einfach großartig, weil ich so viel mehr bekommen habe als ich erwartete und wenn man nach der Lektüre eines Buches beginnt, ausgiebig zu recherchieren, dann muss es wohl ein richtig gutes Buch gewesen sein! Ich jedenfalls habe anschließend einiges zur Kolonialpolitik Deutschlands gelesen und im Speziellen zum Herero-Aufstand Anfang des 20. Jahrhunderts, der als erster Völkermord des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging. Nicht, dass ich nicht schon davon gehört hätte, aber wirklich beschäftigt habe ich mich damit bisher nicht. Auch meiner Schulzeit spielte die Kolonialpolitik Deutschlands im Geschichtsunterricht nur eine geringe Rolle.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

127 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

thriller, invisible, hamburg, ursula poznanski, arno strobel

Invisible

Ursula Poznanski , Arno Strobel
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 27.03.2018
ISBN 9783805200158
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Der Thriller ist von Anfang an mitreißend und hält den Spannungsbogen durchgehend hoch. Eine Szene, die mich regelrecht den Atem anhalten ließ, ist mir auch jetzt noch sehr präsent. Auch der Schlagabtausch zwischen den Kollegen und vor allem Nina und Daniel hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht und ich finde es richtig toll, wie sich die Charaktere in ihrer Beziehung zueinander entwickeln. Der Fall, den die Mordkommission lösen muss, ist außerordentlich verzwickt."

Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog
https://tintenhain.wordpress.com/2018/03/27/ursula-poznanski-arno-strobel-invisible-2rezension/

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(102)

145 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 87 Rezensionen

krimi, cold case, hamburg, elbmarsch, mord

Totenweg

Romy Fölck
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783785726228
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die vollständige Rezension findet sich auf dem Blog
https://tintenhain.wordpress.com/2018/02/24/romy-foelck-totenweg-1-rezension/
...
Romy Fölck, die mit „Totenweg“ eine neue Krimi-Reihe startet, nimmt sich zunächst Zeit, die Charaktere zu entfalten und miteinander ins Spiel zu bringen. Auch der frühere Fall um das ermordete Mädchen vor 18 Jahren spielt in der Erinnerung von Frida und Haverkorn in Form kürzerer Rückblenden zunächst eine größere Rolle. So gewinnt der Krimi nur langsam an Fahrt, baut jedoch bereits von Anfang an eine düstere, beklemmende Atmosphäre auf, die einen kaum mehr loslässt.
...

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(37)

90 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

alice feeney, manchmal lüge ich

Manchmal lüge ich

Alice Feeney , Karen Witthuhn
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 15.12.2017
ISBN 9783499273117
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Der eher düstere, rein auf psychologische Spannung ausgelegte Thriller packt von der ersten Seite an. Die kurzen Kapitel mit wechselnder Zeitebene geben ein schnelles Tempo vor und verleiten dazu, doch statt einer Pause schnell noch ein Kapitelchen mehr zu lesen. Der Thriller ist dynamisch, mitreißend und kommt mit ungeahnten Twists. Man merkt, wie sehr man einer Ich-Erzählerin in dem, was sie preisgibt, vertraut, denn man hat nur diese eine Stimme. Umso verwirrender und unzuverlässiger ist es, wenn man feststellt, dass man dieser Stimme nicht mehr trauen kann."

Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog
https://tintenhain.wordpress.com/2017/12/15/alice-feeney-manchmal-luege-ich-rezension/

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(113)

178 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 93 Rezensionen

fantasy, his dark materials, abenteuer, england, jugendbuch

Über den wilden Fluss

Philip Pullman , Antoinette Gittinger
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 17.11.2017
ISBN 9783551583932
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Der Junge Malcolm lebt in einem Gasthaus am Ufer der Themse. Gegenüber liegt ein Nonnenkloster, in dem ein kleines Baby versteckt gehalten wird. Malcolm schnappt im Gasthaus zunehmend Beunruhigendes auf, wenn er den Eltern zur Hand geht und ahnt schon bald, dass die Fremden mit ihren merkwürdigen Fragen mit Vorsicht zu genießen sind. Auch in der Schule muss Malcolm bald vorsichtig sein, als mit dem „Bund des heiligen Alexander“ die Kirche noch stärker in die Welt der Kinder eingreift. Bald weiß Malcolm kaum noch, wem er vertrauen soll. Doch als mit einer großen Flut das Leben des kleinen Babys in Gefahr gerät, weiß Malcolm genau, was seine Aufgabe ist. Er muss das kleine Mädchen Lyra retten. Zum Glück hat er ein Boot, die La Belle Sauvage, und es beginnt eine Fahrt über den wilden Fluss.

Malcolm ist ein kluger, sympathischer, grundehrlicher Junge, den man sofort gern haben möchte. Wissbegierig und gelehrig nähert er sich der Welt der Wissenschaften und ahnt nicht, dass sich um das kleine Mädchen Lyra eine Prophezeiung rankt, die große Mächte auf den Plan ruft. Ihm zur Seite steht später die unnahbare Alice, die sowohl im Kloster als auch im Gasthaus der Eltern aushilft.
Die Geschichte, die zehn Jahre vor der „His-Dark-Marterials“-Trilogie spielt, beginnt sehr ruhig und benötigt etliche Zeit, um ein bisschen in Fahrt zu kommen. Die Spannung wird nur langsam aufgebaut, dafür werden die Charaktere ausführlich eingeführt. Die Parallelwelt mit Dæmonen als Seelengefährten in Tiergestalt, der Kirche als alles lenkende Obrigkeit, der Entdeckung von Staub, Hexen, Alethiometern, mit denen man die Zukunft voraussagen kann und anderen übernatürlichen Dingen wird nicht eigens lange erklärt. Jedoch ist es nicht notwendig, die bereits bestehende Trilogie gelesen zu haben.

Etwa ab der Hälfte des Buches wird es zunehmend packender, denn die Gefahr, in der sich Malcolm und seine Freunde befinden, steigt. Doch auch hier vermag Pullman die Spannung nicht durchgehend halten. Passagen, in denen Malcolm und Alice in einer mystischen (Parallel?)-Welt verlieren, waren für mich verwirrend, auch wenn sich hier vielleicht später noch Zusammenhänge ergeben könnten, denn „Über den wilden Fluss“ ist nicht einfach nur ein Prequel, sondern vielmehr der Auftakt zu einer neuen Trilogie, wobei der zweite Band The Secret Commonwealth 20 Jahre nach „Über den wilden Fluss“ und damit auch nach der ursprünglichen Trilogie spielen wird.

Sehr gefallen hat mir die Sprache Pullmans (resp. die Arbeit der Übersetzerin). Der Schreibstil ist klar und ausdrucksvoll und ich muss zugeben, ich stehe einfach drauf, wenn jemand keine Angst vor dem Genitiv hat.

Die Euphorie, die mich bei der älteren Trilogie sofort erfasst hatte, konnte sich bei „Über den wilden Fluss“ leider nicht wieder einstellen, auch wenn ich die Charaktere sehr mag und die Geschichte einfallsreich und interessant ist. Mir fehlte ein wenig der Überraschungseffekt, der mich umgehauen hätte. Vielleicht hat sich hier im Vorfeld ein zu hohe Erwartungshaltung aufgebaut. Dennoch möchte ich erfahren, wie es weiter geht und wie Pullman seine Geschichten miteinander verknüpfen wird.

©  Tintenhain
http://tintenhain.de

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(136)

194 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 105 Rezensionen

island, thriller, mord, sog, missbrauch

SOG

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei btb, 18.09.2017
ISBN 9783442756643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach dem etwas verunglückten Ausgang im ersten Teil „DNA“ befinden sich Huldar und Freyja beruflich auf dem absteigenden Ast. Beide mussten ihre Führungsposition aufgeben, versuchen nun aber das beste daraus zu machen. Huldar sieht sich zunächst mit einem ziemlich langweiligen, eher unspektakulären Fall konfrontiert. Er soll überprüfen, ob die in der vor zehn Jahren vergrabenen Zeitkapsel gefundenen Briefe, von denen einer die Ankündigung mehrerer Morde beinhaltet, irgendwie ernst zu nehmen seien. Der spannendere Fall, nämlich der Fund zweier abgetrennter Hände in einem Hot Tub bleibt ihm verwehrt, obwohl er zunehmend Zusammenhänge zwischen beiden Fällen zu erkennen glaubt. Erst als weitere Morde geschehen, beginnt man ihn und Freyja, die ihn eher unwillig unterstützt, ernstzunehmen.

Der Prolog, der zwölf Jahre zuvor spielt, weist schon auf das Thema des neuen Thrillers hin: Kindesmissbrauch. Ein Thema, das ich eigentlich nicht gut lesen kann. Doch Yrsa Sigurðardóttir hat jedoch das Talent, Szenen nur anzudeuten und es allein dem Leser zu überlassen, inwieweit man das Kopfkino laufen lässt. Dies gelingt ihr auch bei sämtlichen Morden. Man weiß, was geschehen ist und auch das Wie kann man sich vorstellen. Doch die Autorin moderiert nur an und Voyeurismus bliebt außen vor, auch wenn Yrsa wieder viel Einfallsreichtum bei der Art der Morde zeigt. Auf der Lesung beim Mordsharz-Festival sagte die Autorin, dass sie beim Schreiben viel Wut im Bauch hatte. Das spürt man und ich konnte es in jedem Fall nachvollziehen.

Die Entwicklung der beiden Hauptfiguren Huldar und Freyja hat mir sehr gut gefallen. Hier passiert nichts Knall auf Fall, sondern beiden wird Zeit gegeben, ihr Leben in den Griff zu bekommen, ohne die Beziehung zwischen den beide in den Vordergrund zu setzen. Mit dem Polizisten Guðlaugur wird eine neue, überaus sympathische Figur eingeführt, von der hoffentlich auch in den nächsten Bänden mehr zu lesen ist. Sehr beeindruckt haben mich auch die Geschwister Sigrún und Þröstur.

„Sog“ ist ein spannender Thriller, in dem es förmlich nach Gerechtigkeit schreit. Dabei gibt es zwar wenige überraschende Wendungen, jedoch versteht es die Autorin, die Spannung hoch zuhalten und vor allem logisch und befriedigend die Mordfälle aufzulösen. Da Yrsa bei der Lesung sagte, dass das Buch auf einem wahren Fall beruhe, treibt mich noch immer um, was genau als Tatsache der Auslöser zu diesem Thriller gewesen ist.

Nach einem packenden Lese-Erlebnis kann ich „Sog“ auf jeden Fall weiter empfehlen und freue mich darauf, dass Haldur und Freyja noch weitere Fälle erleben werden. Yrsa Sigurðardóttir schreibt zur Zeit am vierten Fall. Wer nun Lust auf das Buch bekommen hat, sollte in den nächsten Tagen die Augen offen halten, da ich ein Exemplar verlosen werde.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(210)

404 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 126 Rezensionen

fangirl, fanfiction, jugendbuch, rainbow rowell, college

Fangirl

Rainbow Rowell , Brigitte Jakobeit
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446257009
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Cath ist ein stilles, zurückgezogenes Mädchen und ohne ihre Zwillingsschwester Wren ist sie kein Ganzes. Ausgerechnet mit Beginn des neuen Lebensabschnittes am College beschließt Wren, sich von Cath abzunabeln. Während sich Wren Jungs und Partys zuwendet, besteht Caths Universum weiterhin aus ihrer Leidenschaft für  Fanfiction zu „Simon Snow“. In dem kleinen Wohnheimzimmer, das sie sich mit der selbstsicheren Reagan teilt, lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf und flüchtet sich in die Welt, in der sie sich auskennt. Doch durch ihren „Kreatives Schreiben“-Kurs kommt sie nicht nur mit anderen Möglichkeiten des Schreibens in Kontakt, sondern auch mit Nick, einem Jungen, der ihre Leidenschaft für Worte teilt. Auch Reagans bester Freund Levi, der ständig in dem kleinen Zimmer rumzuhängen scheint, erlangt bald Caths Aufmerksamkeit, vor allem als sie das Geheimnis dieses immer lächelnden Jungen entdeckt.

Mich hat „Fangirl“ anfangs trotz des sehr gutes Schreibstils ziemlich gelangweilt. Mit der Ich-Erzählerin Cath wurde ich nicht richtig warm, sie schien mir wenig greifbar, die meiste Zeit passierte auch nichts und es drehte sich viel um Fanfiction, was ich zwar vom Thema her spannend, aber nicht handfest genug fand. Man wurde nicht so richtig eingeführt, ich hätte mir noch mehr Infos gewünscht. Die Ich-Perspektive wird immer wieder durchbrochen von kleinen Textausschnitten aus „Simon Snow“ – dem Original sowie Caths Fanfiction, aus verschiedenen Bänden und Zeitabschnitten. Leider hat sich mir die Originalgeschichte aus den Abschnitten überhaupt nicht erschlossen und da die Fanfiction ja mit den gleichen Charakteren eine andere Geschichte erzählt, erst recht nicht. Ich habe anfangs auch nicht kapiert, wer Penelope, Agatha usw. – also die ganzen Nebenfiguren der Story – sind. Das Ganze kam mir vor wie ein Harry-Potter-Verschnitt, bei dem Harry und Draco Malfoy sich ineinander verlieben, wobei Draco sich als Vampir entpuppt. Ich habe dann versucht, die Simon-Snow-Abschnitte in Bezug zum Erzähltext zu setzen, nach dem Motto, die beeinflussen sich vielleicht. Aber das hat auch nicht funktioniert, so dass ich die Auszüge bald überflüssig und störend empfand. Genauso wie die Teile, die Cath vorliest.

Doch die Geschichte um Cath nimmt später doch noch Fahrt auf und wird mit Blick auf den manischen Vater auch in hohem Maße vielschichtiger. Cath ist ein interessanter Charakter. Offensichtlich leidet sie an einer Sozialen Angststörung. Sie hasst Menschemengen und fühlt sich mit mehreren Personen in einem Raum unwohl. Gleichzeitig überlegt sie, was ihr alles Peinliches passieren könnte und geht der Situation von vornherein aus dem Weg. Ihre Zwillingsschwester Wren scheint dabei das ganze Gegenteil zu sein. Sie liebt Partys und genießt das neue Collegeleben in vollen Zügen und macht viele neue Bekanntschaften. Doch auch Cath lernt Leute kennen. Ihre Mitbewohnerin Reagan merkt, dass Cath ein schwieriger Charakter ist, und geht sehr sensibel damit um, ohne sich aufzudrängen. Ihr bester Freund Levi versteht es, Cath immer wieder ein Lächeln zu entlocken. Viel Zeit verbringt Cath vor allem mit ihrem Schreibparter Nick. Die Charaktere sind authentisch, auch wenn man von einigen nicht besonders viel erfährt. Vor allem Cath macht eine spannende Entwicklung durch und am Ende musste ich gar ein Tränchen verdrücken.

Mir hat auch der leichte, aber nicht seichte Schreibstil von Rainbow Rowell gut gefallen. Besonders gelungen fand ich die humorvollen Dialoge, bei denen ich manchmal laut auflachen musste. Hier merkt man Cath ihre reflektierten Gedanken und ihr Selbstbewusstsein an, was man aufgrund der Sozialen Angststörung erst mal gar nicht vermutet. Insgesamt hat Rowell wohl ein bisschen zu viel gewollt: Die Angststörung, der manische Vater, die Mutter, die ihre Familie verlassen hat, Wrens Umgang mit Alkohol und dann der wuchtige Anteil an Fanfiction. Tolle Themen in geballter Ladung, die den Hype aber meiner Meinung nach nicht rechtfertigen.

© Tintenhain

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

69 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

thriller, norwegen, insel, expolizist, guter anfang

... und morgen werde ich dich vermissen

Heine Bakkeid , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.06.2017
ISBN 9783499290558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Meine Rezension findet Ihr auf dem Blog
https://tintenhain.wordpress.com/2017/06/25/heine-bakkeid-und-morgen-werde-ich-dich-vermissen-1-rezension/

  (5)
Tags: thriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(182)

312 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 95 Rezensionen

entführung, new york, frankreich, brooklyn, paris

Das Mädchen aus Brooklyn

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 02.06.2017
ISBN 9783866124219
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Das Mädchen aus Brooklyn“ wartet mit einer spannenden und hervorragend erzählten Story auf. Nicht nur startet Musso mit Volldampf und lässt den Leser bereits am Anfang mit lauter Fragezeichen stehen, auch später kommt keine Langeweile auf und zwischen Paris, dem Elsass und New York decken Raphaël und sein Freund Marc eine ganz unglaubliche Geschichte auf.

Raphaël ist ein grundsolider, alleinerziehender Vater, der seinen Beruf als Autor seit der Geburt seines Sohnes eher zurückstehen lässt. Sein Glück ist perfekt als er in Anna seine Traumfrau findet. Doch kurz vor der Hochzeit wird der Traum von der gemeinsamen Zukunft jäh zerstört. Als Raphaël sich nach Annas schockierender Antwort auf die Frage nach der Vergangenheit wieder berappelt, setzt er alles daran, seine plötzlich verschwundene Verlobte zu finden.
Raphaëls Freund und Nachbar Marc, ein ehemaliger Polizist, bringt sogleich seine alten Kontakte ins Spiel, so dass die Suche nach Anna schnell voranschreitet und immer mehr Licht ins Dunkle ihrer Vergangenheit gebracht wird. Marc, den das Leben mitgenommen hat, ist ein bärbeißiger, manchmal etwas aggressiver Typ, der sich als zuverlässig und beharrlich erweist.

Musso wechselt gern den Erzählstil. Die Passagen, in denen Raphaël agiert, werden vorrangig aus Ich-Perspkteive erzählt, während Marc in der dritten Person in seinem Handeln beobachtet wird. Andere Personen erhellen mit ihrer eigenen Stimme aus der Vergangenheit die Hintergründe und erklären genauer, was dem Leser und auch den Ermittlern sonst verborgen bliebe. Die Kapitel sind klar strukturiert und werden mit passenden literarischen Zitate eingeleitet. Auch im Text finden sich immer wieder literarische Bezüge und Anmerkungen, was mir sehr gefallen hat. Musso schreibt eingängig und versteht es, seine Leser zu fesseln.

Die Geschichte ist unglaublich komplex und zeitweise hat man das Gefühl, dass das „Wollknäuel“ immer größer wird und die Fäden immer verworrener. Dabei werden weniger falsche Spuren gelegt als dass vielmehr immer mehr Verborgenes zutage tritt. Dabei ist Musso sehr detailreich und als Leser muss man wirklich auf Kleinigkeiten achten, die manchmal eine neue Wende bringen. Es gelingt Musso, am Ende alle Fäden zu entwirren und ein befriedigendes Ende herbeizuführen, auch wenn dieses sehr überraschend kommt und noch einmal einen hervorragenden Twist einbaut. Ein paar kleinere Fragen bleiben offen, aber da ich das Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen habe, brachte der Austausch mit anderen noch ein paar Ideen, die den vom Autor dem Leser überlassenen Spielraum füllen konnten.

Mich hat das Buch von Anfang an begeistern können, vor allem weil die Spannung stetig stieg, die Charaktere auf ganzer Linie überzeugen konnten und Mussos Schreibstil genau meinen Nerv getroffen hat.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (4)
Tags: new york, spannung, thriller   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(104)

172 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 72 Rezensionen

thriller, jugendthriller, caleb roehrig, niemand wird sie finden, homosexualität

Niemand wird sie finden

Caleb Roehrig , Heide Horn , Christa Prummer-Lehmair
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei cbj, 22.05.2017
ISBN 9783570173343
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meine vollständige Rezension zu "Niemand wird sie finden" https://tintenhain.wordpress.com/2017/06/06/caleb-roehrig-niemand-wird-sie-finden-rezension/

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

muslima, buch, chick-lit, dating, beziehung

Ausgerechnet du und ich

Ayisha Malik
E-Buch Text: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne Verlag, 09.05.2017
ISBN 9783641207175
Genre: Liebesromane

Rezension:

Meine Rezension gibt's auf dem Blog
https://tintenhain.wordpress.com/2017/05/31/ayisha-malik-
ausgerechnet-du-und-ich-rezension/

  (1)
Tags: chick-lit, dating, liebesroman, muslima   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

janavoosen, weihnachte, weihnachtsmann, weihnachten, selbstfindung

Santa schmeißt hin

Jana Voosen
E-Buch Text: 235 Seiten
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 04.10.2016
ISBN 9783732526741
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

schwarzwald, grusel, mystery, sage, mysterythrille

Dunkle Wurzeln

Diana Menschig , Alexa Waschkau
E-Buch Text: 261 Seiten
Erschienen bei dotbooks, 31.08.2016
ISBN 9783958245204
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schauplatz ist ein kleines Dorf im Schwarzwald, da wo die Tannen dicht stehen und man sich schon mal im Wald verlaufen kann. Lena kehrt in ihr Heimatdorf zurück, wo sie das Haus ihrer Eltern verkaufen muss. Doch als sie zum früheren, nun verfallenen Waldkindergarten geht, bricht eine uralte Kraft hervor. Lena erfährt, dass sie schon als kleines Kind einmal damit zu tun hatte und wendet sich an Nick, den einzigen, der damals mit ihr überlebt hat.
Lenas Mitbewohner in Berlin ahnen inzwischen , dass ihre Freundin in Gefahr ist und machen sich auf den Weg, sie zu suchen. Damit setzen auch sie sich der uralten atemberaubenden Kraft aus und bringen sich selbst in Gefahr.

Das Buch ist packend geschrieben und flüssig zu lesen. Von Anfang an versucht man herauszufinden, was damals geschehen sein mochte und wobei es sich bei dem gefährlichen Wesen wohl handeln könnte. Man weiß nie genau, wem man trauen kann und wer hier seine eigenen Ziele verfolgt. Da die Charaktere gut ausgearbeitet sind, bekommt man jedoch schnell ein Gespür für sie. Besonders gut gefiel mir die Stimmung, die in dem Roman gezeichnet wird. Man hört die Äste knacken und macht sich beim Lesen etwas kleiner. Die Atmosphäre in einem Wald, vor allem im Dunkeln wurde gekonnt eingefangen.

Sehr gefallen hat mir das Verweben einer existierenden Sage mit einer modernen Geschichte. In dieser Version muss man sich auf Übernatürliches einlassen können, jedoch leider auch damit leben, wenn man nur unzureichende Antworten bekommt. Es wird Vieles im Dunkeln gelassen – mit einem Hauch Mystik und der Möglichkeit, sich selbst etwas zurecht zu spinnen. Für meinen Geschmack bleibt allerdings zu vieles ungeklärt. Von einem Thriller erwarte ich, dass meine Fragen und Vermutungen am Ende aufgegriffen, verifiziert werden oder sich als falsch herausstellen. So wurde aus meinem prall gefüllten und gespannten Fragenballon regelrecht die Luft abgelassen, was mich einigermaßen enttäuscht zurück ließ.
Dennoch ist „Dunkel Wurzeln“ ein solider, atmosphärischer Spannungsroman, der kurzweilig unterhält und ein wenig Grusel ins Wohnzimmer bringt.

© Tintenhain
http;//tintenhain.de

  (8)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(173)

261 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 111 Rezensionen

island, thriller, mord, adoption, krimi

DNA

Yrsa Sigurdardottir , Anika Wolff
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 26.09.2016
ISBN 9783442756568
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Es ist jemand im Haus“ wird Elísa von ihrer kleinen Tochter Margrét gewarnt. Doch Elísa glaubt ihr nicht und kurz darauf ist sie tot. Ermordet auf grausamste Weise und das siebenjährige Mädchen ist die einzige Zeugin. Vorsichtig versuchen die Beamten der Polizei mit Hilfe der Psychologin Freyja das traumatisierte Mädchen zu befragen und erfahren, dass Elísa wohl nicht das einzige Opfer bleiben wird. Freyja ist verblüfft als ihr der leitende Ermittlungsbeamte Huldar gegenüber steht. Ausgerechnet mit ihm hat sie vor kurzem eine Nacht verbracht und bisher glaubte sie, er sei Tischler.

Die Polizei hat kaum Anhaltspunkte, doch währenddessen gehen bei einem jungen Amateurfunker merkwürdige Zahlencodes ein. Sie scheinen mit dem Mord in Verbindung zu stehen und merkwürdigerweise auch mit seiner Person.

Mit „DNA“ startet Yrsa Sigurðardóttir in eine neue Reihe um Kommissar Huldar und die Psychologin Freyja. Zunächst fällt auf: Es gibt mit Anika Wolff eine neue Übersetzerin. Vielleicht bleiben somit zukünftig Schnitzer wie der Schreibtisch auf dem Computer (gemeint war der Desktop) oder penetrantes Kontern („Das letzte Ritual“) zukünftig erspart.

Es ist das erste Mal, dass ich bei einem Buch von Yrsa Sigurðardóttir etwas zurückschrecke. Der Mord, der gleich am Anfang passiert, ist von unvorstellbarer Grausamkeit. Zwar wird zum Ende hin klar, warum er gerade so passieren musste, dennoch frage ich mich, warum es eigentlich immer perverser werden muss. Dennoch, eins muss ich ihr lassen. Yrsa Sigurðardóttir erzählt, was passiert ist, erspart aber dem Leser eklige Details und zwingt nicht widerliche Bilder auf, die schlaflose Nächte versprechen – vor allem kommt sie nicht immer wieder darauf zurück. Der Fokus liegt bei Yrsa Sigurðardóttir nach wie vor auf genial konstruierten Plots und spannenden Verwicklungen, von denen man zunächst nichts ahnt.

Der eigentlichen Handlung wird ein Prolog vorangestellt, in dem 28 Jahre zuvor drei verwaiste Geschwister voneinander getrennt werden. Immer wieder fragt sich so der Leser, welche Rolle diese Episode aus der Vergangenheit spielt und in welchem Zusammenhang sie zu den derzeitigen Ereignissen stehen könnte. Ein geschickter Schachzug, der mich bis zum Ende hat rätseln lassen, genauso allerdings wie der Titel „DNA“. Auch hier erschließen sich erst ganz zum Schluss Zusammenhänge.

Mit ihren beiden Protagonisten Haldur und Freyja schafft Sigurðardóttir ein ungleiches Pärchen, das sich als solches nicht sieht, und dadurch sehr viel Entwicklungspotenzial hat. Gute Voraussetzungen also für die Fortsetzungen. Überhaupt zeigt Sigurðardóttir bei der Entwicklung von Charakteren besonderes Einfühlungsvermögen, Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis. Ihre Figuren sind wie aus dem Leben gegriffen und mit ihren Eigenarten sympathisch und authentisch. Dabei muss der Kommissar weder eine gescheiterte Existenz oder dem Suff verfallen sein, wie es in skandinavischen Krimis Usus zu sein scheint. Auch  die Nebenfiguren sind bildhaft gezeichnet und beleben den Plot auf ihre Weise. Dadurch, dass viel Wert auf eine anschauliche Charaktereisierung der Personen gelegt wird, könnten Leser einige Szenen als langatmig empfinden, vor allem wenn sie ihren Fokus mehr auf atemloser Spannung haben. Für mich war es denn auch eher Krimi als Thriller, wobei in meinen Augen der Spannungsbogen konsequent gehalten wurde.

Der Kriminalfall ist von den Mordmethoden her zwar echt widerlich, aber wie gesagt, man muss sich glücklicherweise nicht weiter damit auseinandersetzen, sondern kann sich vielmehr auf die Lösung desselben konzentrieren. Gar nicht so einfach, denn auch wenn keine falschen Fährten gelegt werden, ist der Fall so verzwickt, dass nicht einmal der zweite Handlungsstrang mit dem Amateurfunker wirklich Licht ins Dunkel bringt. Zwar frohlockte ich am Ende, dass ich wüsste, wer der eigentliche Mörder sei, aber nein, weit gefehlt, am Ende kam dann doch noch mal alles ganz anders – und ehrlich gesagt dann auch mit konsequent-logischer Aufklärung.

Mich hat Yrsa Sigurðardóttir mal wieder überzeugen können und ich freue mich auch schon auf den nächsten Fall von Haldur und Freyja.

© Tintenhain

  (14)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

südtirol, dolomiten, erster weltkrieg, gadertal, liebe

Ein Tal in Licht und Schatten

Marie Buchinger
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2016
ISBN 9783426517550
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Ein Tal in Licht und Schatten“ – besser hätte der Titel kaum gewählt sein können. Immer wieder legt sich ein Schatten auf das Tal im südlichen Südtirol, wo Ladinisch gesprochen wird und nur langsam der Fortschritt Einzug hält. Doch das Leben geht weiter und mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hofft man um so mehr auf die kleinen Lichtblicke, die sich entgegen allen Erwartungen dennoch immer wieder abzeichnen.

Im Mittelpunkt stehen die Familien Kastlunger und Costa. Während die Kastlungers seit Generationen in dem Tal leben, hat Jakob Costa als junger Bursche das Tal für eine längere Zeit verlassen und in Italien eine eigene Familie gegründet. Mit seiner Entscheidung ins Val Badia, das Gadertal, zurück zu kehren, um Wein anzubauen, ist seine Familie todunglücklich. Tochter Chiara kann sich mit dem bäuerlichen Leben nicht anfreunden, und Sohn Vito hatte eigentlich vor zu studieren, statt irgendwo in den Bergen zu versauern.

Die Kastlungers, allen voran Elisa und Mischi, tun ihr Bestes, um die Nachbarsfamilie heimisch werden zu lassen. Elisa lernt  mit Vito Ladinisch und Deutsch, ein Umstand, der ihm später das Leben retten soll. Mischi nimmt Vito mit in die Berge und macht ihn mit den Sagen der Dolomiten vertraut. Langsam kommen auch die Costas im Tal an und zwischen und Elisa und Vito zeichnen sich zarte Bande ab.

Zunächst gemächlich und behutsam breitet sich das Leben im Tal vor dem Leser aus. Die schwere Arbeit der Bauern, die tiefe Gläubigkeit, aber auch die fröhlichen Feste und alten Bräuche zeichnen ein lebendiges Bild. Mehr als zehn Jahre begleiten wir die Bewohner des Tals bis das Ende des Ersten Weltkrieges das Schicksal Südtirols beschließt. Der Krieg bringt nicht nur Unruhe in die beschauliche Bergwelt, sondern zunehmend auch Fahrt in die Handlung. Von der Proklamation des Kaisers „An meine Völker“ an, gelang es mir nicht mehr, das Buch aus der Hand zu legen. Schlag auf Schlag folgen die Nachrichten von der Front, und der Überlebenskampf sowohl an der Front als auch im heimatlichen Gadertal hält den Leser in Atem. Dabei gelingt es Marie Buchinger, das Leben der Zivilisten und das der Soldaten anschaulich zu beschreiben und die inneren Konflikte der Menschen einfühlsam nahezubringen. Vito, halb Italiener, halb Tiroler, wird überall Misstrauen entgegen gebracht. Elisa unterstützt zunächst freiwillig, doch zunehmend widerwillig die deutsch-österreichischen Truppen, die sich am Eigentum der Bauern gütlich tun – im Namen des Kaisers. Doch Elisa gelingen immer wieder kleine Kniffe, sich der unliebsamen Besatzung zu erwehren und auch Vito findet seinen Weg durch die Wirren des Kriegs.

Geradezu liebevoll zeichnet Marie Buchinger ihre Charaktere, für die sie sich viel Zeit nimmt. Auch wenn Elisa anfangs beinahe zu oft die Hände ringt oder zornig aufstampft, so sind es doch gerade die rebellischen Charaktere, die man zunehmend ins Herz schließt. Besonders bewegend sind die Szenen zwischen Vater und Söhnen, es hat mir so manches Mal das Herz zerrissen. Auch die junge Liebe zwischen Vito und Elisa wird wunderbar zart erzählt und es gibt einige Szenen, die sehr zu Herzen gehen. Krieg ist natürlich grausam und auch wenn Marie Buchinger zurückhaltend ist, so spart sie doch auch die schlimmen Seiten des Krieges nicht aus. Verrohte Soldaten, sadistische Offiziere, Folter, Kriegsverbrechen – immer wieder muss man beim Lesen innehalten, zu aufgewühlt, um weiterzulesen. Doch stets gibt es auch einen Lichtstreif, weshalb ich den Titel so vortrefflich gewählt empfinde. Immer wieder setzt sich auch Menschlichkeit durch, Verbundenheit und Freundschaft. Besonders die Frauen haben mir sehr imponiert und ich würde sie als die wahren Kriegshelden bezeichnen.

„Ein Tal in Licht und Schatten“ ist ein sehr berührendes Buch, das mich oft hat innehalten lassen. Gleichzeitig bietet es Einblick in die ladinische Region Südtirols und über die Zeit des Ersten Weltkrieges an der Italienischen Frontlinie. Für mich war das sehr spannend, da ich mich in diesem Jahr erstmals mit der wechselhaften Geschichte Südtirols beschäftigt habe.
Um der Geschichte Authentizät zu verleihen, verwendet Buchinger Begriffe und Redewendungen aus dem Ladinischen, die zum Teil in einem Glossar erklärt werden, wobei sich die Bedeutungen ohnehin aus dem Text ergeben. Das dem Roman vorangestellte Personenregister kann helfen, mit der Vielzahl der Talbewohner zurecht zu kommen, andererseits hatte ich zu Beginn des Buches beim Lesen längere Pausen und wusste aufgrund der sehr gut ausgearbeiteten Charaktere immer sofort, um wen es ging.

„Ein Tal in Licht und Schatten“ erhält von mir eine ganz klare Leseempfehlung für einen gekonnt erzählten, anrührenden, zuweilen leidenschaftlichen, historischen Roman, der die Liebe zu den Bergen und der ladinischen Bevölkerung Südtirols ausdrückt.

Hinter Marie Buchinger verbirgt sich die Autorin Diana Menschig, die hiermit nach „Hüter der Worte“ und „So finster, so kalt“ ihren ersten historischen Roman vorlegt. Auf ihrem Blog „Seitenrauschen“ kann man den Entstehungsprozess verfolgen und Hintergründe zum Buch erfahren.

© Tintenhain
http://tintenhain.de

  (26)
Tags: dolomiten, erster weltkrieg, gadertal, historischer roman, liebe, südtirol   (6)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(347)

786 Bibliotheken, 16 Leser, 9 Gruppen, 110 Rezensionen

dystopie, zombies, alex, tom, ashes

Ashes - Tödliche Schatten

Ilsa J. Bick , Robert A. Weiß , Gerlinde Schermer-Rauwolf , Sonja Schuhmacher
Fester Einband: 571 Seiten
Erschienen bei INK, 09.08.2012
ISBN 9783863960063
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(125)

207 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 90 Rezensionen

thriller, schönheit, goldener schnitt, mona lisa, da vinci

Das Mona-Lisa-Virus

Tibor Rode
Flexibler Einband: 460 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.03.2016
ISBN 9783785725672
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da ist sie also, meine Silvesterthriller-Herausforderung und es beginnt auf jeden Fall schon mal ganz nach dem Motto "Nackt und zerhackt", denn im Prolog machen wir die Bekanntschaft mit einem Unbekannten, der vor sich einen schönen, weiblichen Körper liegen hat, den er beabsichtigt chirurgisch zu verstümmeln. Mein erster Gedanke war natürlich "Oh mein Gott, kann ich das aushalten?"

Aber ja, denn Tibor Rode setzt in seinem Roman weniger auf eklige Szenen als auf eine gute Grundstory, die es sehr spannend macht, dem Roman auch in tiefere Schichten zu folgen. Auf den ersten Blick geht es um Entführungen mit schrecklichem Ziel, einen Psychopathen auf seinem Kreuzzug, einem suspendierten FBI-Beamten und eine Mutter, die um ihr Kind bangt. Der Stoff, der den Leser in Atem hält und von Seite zu Seite eilen lässt. Doch viel mehr geht es um Kunst, um Schönheit und was der Schönheitswahn der Jahrhunderte mit der Menschheit macht. Hier kann man durchaus auch ins Nachdenken kommen.

Tibor Rode lässt seinen Roman an vielen verschiedenen Orten spielen. Von New York bis Südamerika, von Polen über Italien und England bis nach Frankreich reicht die Suche nach einem mächtigen Mann, der in seinem Wahn die Welt zu zerstören droht. Es sind die schnellen Szenenwechsel, die eine regelrechte Sogwirkung entfalten. Meist befindet sich der Leser an der Seite von Helen, die verzweifelt nach ihrer aus einer Klinik entführten Tochter sucht, dann auch wieder ganz dicht bei dem Mann, der die Fäden in diesem perfiden Spiel in der Hand hält. Interessant sind auch die Szenen, die sich etwa 500 Jahre zuvor im Haus von Leonardo da Vinci abspielen, dokumentiert von einem bedeutenden Mathematiker seiner Zeit. Hier wird die Mona Lisa gemalt, das berühmte Gemälde, das der Anfang allen Übels ist.

Rode baut seinen Roman sehr geschickt auf, er komponiert aus vielen kleinen Szenen ein wunderbares Ganzes, das den Leser auf jeder Seite mitnimmt. Dabei spielt er durchaus mit den Abgründen der menschlichen Psyche, scheut sich aber auch nicht, in sehr geringem Maß ein phantastisches Element einzubauen, was mir sehr gut gefallen hat, weil man manche Dinge nicht mit Logik und Wissen erklären kann.
Während des Lesen hatte ich stets den Eindruck, dass hier sehr gut recherchiert worden ist. Ich bin ja jemand, der gern nebenbei googelt, wenn er auf interessante oder auch zweifelhafte Fakten stößt und ich war zu keiner Zeit enttäuscht. Zwar war ich dadurch Herrn Rode manchmal etwas voraus, aber ich fand es sehr spannend, wie geschickt die Fakten eingebaut wurden.

Mir wurde mit dem "Mona Lisa Virus" jedenfalls wieder ein wenig von meiner Psychothriller-Panik genommen, auch wenn ich weiterhin sehr vorsichtig auswählen werde.

© Tintenelfe
www.tintenhain.de

  (22)
Tags: louvre, mona lisa, schönheit, thriller   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(366)

703 Bibliotheken, 14 Leser, 3 Gruppen, 99 Rezensionen

thriller, amnesie, fremd, gedächtnisverlust, hypnose

Fremd

Ursula Poznanski , Arno Strobel , Hafen Werbeagentur
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 30.10.2015
ISBN 9783805250849
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt:
Joanna ist einer Panikattacke nahe als ein Fremder in ihre Wohnung eindringt. Ein Einbrecher? Ein Vergewaltiger? Doch es kommt ganz anders, der Fremde eröffnet ihr, er sei ihr Verlobter. Doch Joanna ist sich sicher, sie hat diesen Mann noch nie gesehen und alles deutet daraufhin, dass sie allein lebt. Wer ist dieser Mann, der gewaltsam in ihr Leben eindringt?

Erik kommt nach Hause, doch statt einer liebevollen Umarmung erwartet ihn seine Verlobte mit einem Briefbeschwerer in der Hand. Er ist fassungslos als sie ihn angreift und behauptet, ihn nicht zu kennen. Doch auch seine Sachen befinden sich nicht mehr im Haus. Ist er vielleicht derjenige, der verrückt ist?

Während Erik und Joanna versuchen herauszufinden, was los ist, wird ihre Situation immer verzweifelter. Und schon bald ist ihr Leben in Gefahr.

 

...
Die vollständige Rezension findet ihr auf
https://tintenhain.wordpress.com/2015/10/29/ursula-poznanski-arno-strobel-fremd-rezension/
...

Der Thriller “Fremd” ist aus einem kleinen Schreibexperiment zwischen Arno Strobel und Ursula Poznanski, quasi aus einer Bierlaune heraus entstanden. Sie schrieb ein Kapitel, er schrieb ein Kapitel und irgendwann stellten sie fest, die Story könnte funktionieren und ein Buch daraus entstehen. Es trifft sich gut, dass Joanna und Erik abwechselnd erzählen und so auch eine klare Verteilung bei den Autoren bestand. Abweichungen im Schreibstil erklären sich so von selbst bzw. helfen sogar beide Ich-Perspektiven auseinander zu halten. Trotzdem gibt es keine Brüche und der Roman liest sich wie aus einem Guss. Der flotte Sprachstil mit meist kurzen Sätzen und schnellen Dialogen unterstützt den Spannungsaufbau. Auch wenn man in der Hälfte des Buches ahnt, was eigentlich passiert sein muss und wie die Dinge liegen, so steht dennoch die Frage nach dem Warum im Raum und hält die Spannung aufrecht.

Was das Buch vor allem in der ersten Hälfte so spannend macht, ist, dass beide Charaktere außerordentlich glaubhaft dargestellt werden. Immer können sie auch in Bezug auf ihre Umgebung überzeugen. Man bekommt kaum einen Anhaltspunkt für die Wahrheit. Beide überzeugen den Leser absolut davon, dass ihre Wahrheit die richtige Wahrheit ist. Das macht einen großen Reiz in der Geschichte aus, und das beste daran ist, dass so absurd die Story beginnt, so überzeugend findet sie zu einem logischen und nachvollziehbaren Ende. Einzig die Tatsache, dass Erik sich nicht weiter daran stört, dass sämtliche seiner persönlichen Sachen verschwunden sind, hat mir widerstrebt.

Dass ein Thriller nicht immer auf Gewalt, Folter und Ekel setzen muss, um spannend zu sein, zeigen Poznanski und Strobel in diesem intelligenten und geschickt konstruierten Roman. Umso mehr freut es mich, dass die beiden Autoren bereits ein weiteres gemeinsames Projekt planen. Mich konnte das Buch auf ganzer Linie überzeugen und ich kann es auch denen empfehlen, die wie ich das Genre eher meiden.

© Tintenelfe
www.tintenhain.de

  (22)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

168 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

syrien, liebe, exil, damaskus, flucht

Sophia oder Der Anfang aller Geschichten

Rafik Schami
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.08.2015
ISBN 9783446249417
Genre: Romane

Rezension:

Rafik Schami, der großartige Erzähler, der selbst 1971 seine Heimat Damaskus aus politischen Gründen verließ und seither nie wieder gesehen hat, gelingt mit seinem Roman " Sophia oder Der Anfang aller Geschichten" ein eindringliches Porträt eines Exilanten. Viele autobiographische Details halten Einzug in seine Geschichte und machen das Erleben intensiver und glaubhafter. Doch wie bei Schami zu erwarten ist, geht es um viel mehr als nur um die Erwartungen und Enttäuschungen eines Heimkehrenden. In seinem Roman verwebt er die Schicksale vieler Menschen, zeigt politische Umbrüche und Hintergründe auf und erzählt natürlich von der Liebe.

Es sind viele kleine Geschichten, die Schami wie kleine Schmuckstücke in seine Rahmenhandlung verwebt. Mit mehreren unterschiedlich intensiv angelegten Handlungssträngen springt er gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, ohne dabei den Faden zu verlieren und überspannt dabei einen Zeitraum von etwa  80 Jahren. Die jüngere Geschichte Syriens wird in kleinen Häppchen serviert und es wird ein eindringliches Bild eines Landes gezeichnet, in dem die Angst vor einem erbarmungslosen und perfiden Regime die Menschen lähmt und sprachlos macht. Schami beschreibt gekonnt das Dilemma und die Sehnsucht, die Emigranten nie los werden, vor allem, wenn sie bei der Rückkehr in die Heimat Angst vor Verfolgung haben müssen. Die Sehnsucht wird mit den Jahren immer stärker, je älter der Mensch wird. Die Kindheit wird verklärt, das Erwachen aus diesem andauernden Traum kann aber nur in Konfrontation mit der Realität erfolgen.

Schami erzählt ausschweifend, weit ausholend und in ruhigem, geradezu genießerischem Ton. Es gelingt ihm immer eine intensive Atmosphäre herzustellen, sei es Weihnachten in Rom, das Partisanenleben im Norden Syriens oder die Beklemmung in der Anwesenheit eines Geheimdienstlers. Natürlich sind die Passagen, die vor allem in der Altstadt Damaskus' handeln, besonders intensiv, für Schamileser geradezu vertraut. Auch die Charaktere sind typisch angelegt und es schleicht sich schon das Gefühl ein, immer wieder auf ähnliche Schicksale zu treffen - vielleicht auch dadurch, dass Schamis Helden zuweilen ein Stück der eigenen Biographie in sich tragen. Immer wieder auch ist der Konflikt zwischen den Religionen Thema, vor allem wenn es um die Liebe geht. Es sind hier vor allem die Frauen, die für ihr Glück kämpfen, die immer wieder Möglichkeiten finden, ihren eigenen Weg zu gehen. Auch wenn dies oft mit Entbehrung und Brüchen verbunden ist. Es ist bezeichnend, dass Schamis Frauenfiguren oft sehr starke Charaktere sind, die im Hintergrund leise die Fäden ziehen.

Es ist viel, was Schami an Themen in diesen Roman hinein packt, er schweift beim Erzählen immer wieder ab, denn es sind so viele Geschichten, die dieses Mal erzählt werden wollen. "Doch das ist eine andere Geschichte" - ein Satz, den ich mit Rafik Schami verbinde - dieser Satz kommt nur einmal vor.

Mir hat "Sophia oder Der Anfang aller Geschichten" sehr gut gefallen. Schamis Schreibstil ist einfach unverwechselbar und macht süchtig nach mehr. Ich habe zwar nicht alle, aber doch die meisten seiner Bücher gelesen und möchte behaupten, dass dieses sein politischstes Buch ist. Auch wenn sich Schami vor allem auf den (kleineren) wohlhabenderen Teil der Bevölkerung bezieht und der Roman vor der Revolution und dem Bürgerkrieg spielt, so gelingt es ihm ein Bild zu zeichnen, mit dessen Hintergrund ein tieferes Verständnis der politische Lage der zur Zeit nach Europa strömenden Flüchtlinge möglich ist.

© Tintenelfe
www.tintenhain.de

  (15)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(503)

947 Bibliotheken, 27 Leser, 2 Gruppen, 157 Rezensionen

jugendbuch, thriller, ursula poznanski, layers, obdachlos

Layers

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Loewe, 17.08.2015
ISBN 9783785582305
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Dorian lebt auf der Straße. Unterschlupf sucht er in U-Bahnstationen, sein Essen hinter den Supermärkten. Als er eines Morgens mit einem Messer in der Hand neben einem toten Obdachlosen erwacht, zweifelt er an seinem Verstand. Soll er etwa den Mann getötet haben? Dorian kann sich an nichts erinnern, doch ein Mann scheint Zeuge geworden zu sein und bringt Dorian in Sicherheit vor der Polizei.
In der Villa, in die Dorian gebracht wird, leben noch mehr Jugendliche. Sie erhalten Kleidung, Essen, Bildung – doch nichts ist umsonst. Die jungen Leute führen leichte Arbeiten für den Villenbesitzer Raoul Bornheim aus, wie Flugzettel verteilen oder versiegelte Werbegeschenke überbringen. Doch als eine solche Übergabe schief geht, ändert sich Dorians Leben auf einen Schlag. Plötzlich wird er gnadenlos gejagt.

Was ich an Ursula Poznanskis Thrillern so mag, ist dass sie immer aktuelle oder besondere Themen aufgreift und auf ihre Weise umsetzt. Nach der Gefahr von Computerspielen (“Erebos”), dem Reiz von Liverollenspiel (“Saeculum”) oder Geocaching (“Fünf”) nun also die Möglichkeiten und damit auch dem Missbrauch zukunftsweisender Hightech. Poznanski führt langsam zum eigentlichen Thema hin. Lange ist nicht klar, was es mit den titelgebenden “Layers” auf sich hat. Doch der Titel ist gut gewählt. Schicht für Schicht offenbart sich nämlich, in was für ein perfides System Dorian hineingeraten ist.

Von Anfang an gelingt es der Autorin Spannung aufzubauen und weitestgehend durch das Buch zu halten. Genauso ahnungslos wie Dorian muss der Leser erst herausfinden, was hinter Bornheims Villa und den mysteriösen Aufträgen steckt. Natürlich ist von Anfang an klar, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handelt. Der Leser ist Dorian zwar oft an Wissen voraus, wird aber schnell von Dorians Erkenntnissen eingeholt, so dass es nicht öde wird. Am Ende überschlagen sich (wie üblich) die Ereignisse und auch wenn mir an dieser Stelle zeitweise die Logik abhanden kam, so rücken die Puzzleteile dann doch wieder an ihren Platz.

Poznanskis Charaktere sind wie immer gut ausgearbeitet und authentisch. Man hat immer ein ganz genaues Bild vor Augen, was die Charaktere unverwechselbar macht. Dorian ist ein kluger, reflektierter Junge, der eigentlich genau weiß, was er will und was für ein Potential in ihm steckt. Seine persönliche Familiengeschichte wirft ihn zwar aus der Bahn, aber eben nicht ganz. Hier zeigt sich, dass er vor allem viel Charakterstärke hat, auch wenn er sich manchmal für meinen Geschmack doch ein wenig als zu naiv erwies.
Gehadert habe ich generell mit der Naivität der Jugendlichen in Bornheims Villa. Sind sie wirklich so dankbar, dass sie das Denken abschalten? Sie werden in Bornheims Villa nicht nur gut aufgenommen, sondern auch gleich farblich sortiert in Gruppen unterteilt. Unterricht wird von den Jugendlichen selbst durchgeführt, nur Ethik und Sport unterrichten Erwachsene. Aller Dankbarkeit für ein warmes Zuhause  zum Trotz hätte ich hier doch ein wenig mehr Skepsis erwartet. Doch nichts dergleichen, auch der intelligente Dorian fügt sich ins System und hinterfragt nur ansatzweise.

Poznanski schreibt gewohnt spannend und in einem leichten, anschaulichen Stil. Das Kopfkino schaltet sich sofort ein und zieht den Leser in seinen Bann. Ein wenig wundert es mich, dass “Layers” nicht in Ich-Perspektive geschrieben wurde. Der Leser ist die ganze Zeit bei Dorian, vielleicht wäre so manches auch nachvollziehbarer geworden. Möglicherweise hätte das Buch dann aber noch konstruierter gewirkt? Denn ein wenig konstruiert ist die Story eben schon, um vor allem am Anfang eine möglichst geheimnisvolle Atmosphäre auszubauen. Am Ende werden jedoch nicht alle Fragen zu meiner Zufriedenheit geklärt.

“Layers” ist auf jeden Fall ein lesenswerter und gut erzählter Jugendthriller mit interessanten Ideen und einem spannenden Plot. Ein extra Augenmerk verdient übrigens das wundervolle, vielschichtige Cover, das mich auf den ersten Blick für sich eingenommen hat.

© Tintenelfe
www.tintenhain.de

  (7)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

127 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

rassismus, usa, südstaaten, harper lee, amerika

Gehe hin, stelle einen Wächter

Harper Lee , ,
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DVA, 17.07.2015
ISBN 9783421047199
Genre: Romane

Rezension:

Anfang des Jahres wurde “Go Set a Watchman”, so der Originaltitel, als literarische Sensation gefeiert. Ein verschollenes Manuskript, das Jahrzehnte in einer Schublade lag. Das Manuskript, aus dem nach einer sehr starken Überarbeitung und Veränderung der amerikanische Klassiker “Wer die Nachtigall stört” (Rezension) entstanden ist. Alle Welt wartete auf die Veröffentlichung des Buches, dem bereits vor Veröffentlichung kritische Stimmen entgegen schlugen.

Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, nachdem mir “Wer die Nachtigall stört” so sehr gut gefallen hat, dass ich es anschließend in sämtliche Bücherrunden mitnahm und weiterempfahl. Beim Lesen der “Fortsetzung” muss dem Leser immer bewusst sein, dass es sich eigentlich um den Vorgänger und um das ursprüngliche Manuskript des bekannten Klassikers handelt. Jedoch ist das ursprüngliche Werk durch die Verlegung in eine frühere Zeit und einem anderen Fokus so stark verändert worden, dass sich erstaunlich wenig Gemeinsamkeiten wiederfinden. Nicht nur ist der “Wächter” in der distanzierteren dritten Person geschrieben, auch sind es nur wenige Personen, die den beiden Büchern gemeinsam sind. Kinderfreund Dill, der eine wichtige Rolle spielt, wird im “Wächter” kaum erwähnt. Die merkwürdigen Nachbarn, die bei der Nachtigall eine große Rolle spielen und letztendlich zur Titelgebung “Wer die Nachtigall stört” beitragen, gibt es nicht. So bekommt man einen Eindruck, wie die “Nachtigall” vielleicht entstanden ist. Was schon vorher da war und was ergänzt und ausgebaut wurde. Die Gerichtsverhandlung, die den Kern von “Wer die Nachtigall stört” ausmacht, wird nur beiläufig erwähnt.

Auch wenn der Ton in der Erzählung unverwechselbar der Harper Lees ist, hat für mich “Wer die Nachtigall stört” eindeutig die Nase vorn und vor allem atmosphärisch viel voraus. Bei der “Nachtigall” spürt man förmlich die Luft flimmern, während der “Wächter” doch eher mit der Diskussion über moralische Werte punktet. Was das erzählerische Können und das schriftstellerische Handwerk betrifft, ist “Gehe hin, stelle einen Wächter” das Gesellenstück während “Wer die Nachtigall stört” eindeutig das Meisterstück ist. Es ist jedoch interessant zu sehen, was aus dem Wildfang Scout geworden ist. Die Rückblenden in die Kindheit machen einen Großteil des Charmes des “Wächters” aus, so dass durchaus verständlich ist, warum Lees Lektorin damals vorschlug, diesen Teil zum Inhalt der “Nachtigall” zu machen.

Scout wirkt als Erwachsene wenig gereift. Man spürt noch immer die kindliche Naivität, der Abschied von der Kindheit ist noch nicht vollzogen. Bei der Rückkehr nach Maycomb wirkt sie erstaunt, dass das Leben ohne sie weiter ging. Für ihren Kinderfreund Henry kann sie sich nicht richtig entscheiden. Sie will bewahren und sieht nicht den Fortgang der Zeit. Der Schock, ihren Vater zusammen in einer Versammlung mit Mitgliedern des Ku-Klux-Clanes zu sehen, erweckt ihre alte Starrköpfigkeit. Es braucht eine Weile und viel Überzeugungsarbeit des Onkels bis sie sich dem stellen kann, dass es nicht nur schwarz und weiß, gut und böse, gibt.

“Gehe hin, stelle einen Wächter” wirkt meiner Meinung nach nur in Zusammenhang mit der besseren Version “Wer die Nachtigall stört”. Auch wenn der “Wächter” unterhaltsam und nicht schlecht geschrieben ist, so kann er allein nicht komplett überzeugen. In Bezug auf die berühmte, zeitlose vollständige Überarbeitung aber interessant, weil das Buch manches klarer sehen lässt. So wird zum Beispiel deutlich, dass die den Vater vergötternde kleine Scout letztendlich nur ihre eigene, kindliche Sichtweise auf Atticus beschrieben hat, und Atticus nie der über allem stehende Vater war, von dem auch die Leserschaft so begeistert war. Auch erscheinen die in meiner Rezension beschriebenen Brüche in der Erzählweise von Scout in der “Nachtigall” begründet in der Nachbearbeitung.

“Gehe hin, stelle einen Wächter” ist auf jeden Fall lesenswert und immer noch zeitgemäß. Das Buch bietet viel Diskussionsstoff und eignet sich meiner Meinung nach excellent für Lesekreise.

© Tintenelfe
www.tintenhain.de

  (10)
Tags:  
 
1406 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.