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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

tau, thomas bernhard, roman, derb, vulgär

Tau

Thomas Mulitzer
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 06.09.2017
ISBN 9783218010801
Genre: Romane

Rezension:

Oder Verfolger?

Nun, wie auch immer "Weng", das klingt chinesisch, gemeint ist aber ein kleines Dorf in Österreich, dasjenige nämlich, das in Thomas Bernhards Debütroman "Frost" eine Rolle spielte. Der Autor hat nämlich den Einwohnern einen Spiegel vorgehalten und zwar nicht zu knapp: selbstgerecht, voller Vorurteile, ja bösartig, so waren sie.

Für seinen Nachfolger, den namenlosen Ich-Erzähler des Romans, ist es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, allerdings eine mit Bezug zu Bernhard. Er kehrt in den (inzwischen ehemaligen) Gasthof seiner Großeltern ein bzw. zurück, in dem das Buch entstand. Und zwar, inzwischen Assistent an der Uni, tatsächlich auf den Spuren von Bernhard zu Forschungszwecken.

Ein Buch, das es seinen Lesern nicht unbedingt leicht macht, denn Mulitzer schreibt scharfzüngig, provokant und bewusst polarisierend. Will er den Einwohnern von Weng (das es wirklich gibt, Bernhard hatte dort zwei Jahre in einer Lungenheilanstalt zugebracht) tatsächlich die Meinung geigen? Nun, es ist wohl mehr eine Auseinandersetzung mit Thomas Bernhard und dessen Figuren, vor allem aber mit sich selbst und seinen Erinnerungen.

Für Bernhard-Leser und Fans (bin ich beides nicht) sicher um einiges erfüllender als für mich, die die Entwicklungen wieder und wieder als verwirrend empfand. Und zu viel Sex, viel zu viel Sex für meinen Geschmack - hier wäre weniger wesentlich mehr gewesen, gerade auch im Hinblick auf die eigentlichen Schwerpunkte.

Dennoch, der Autor beeindruckt mit glasklaren Formulierungen, schwarzem Humor, scharfsinnigen Schlussfolgerungen - sprachlich ein wahrer Genuss. Wer sich also auf was Neues in jeder Hinsicht einlassen möchte - für den könnte dieses Buch was sein!

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(90)

128 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 81 Rezensionen

krebs, familie, brustkrebs, adhs, liebe

Sieh mich an

Mareike Krügel
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2017
ISBN 9783492058551
Genre: Romane

Rezension:

in Katharinas Leben? Vielleicht, denn sie hat irgendwas Störendes in ihrer Brust entdeckt,  etwas richtig Fieses, was ihr zu denken gibt, zumal sie genetisch vorbelastet ist.

Also, eigentlich ist sie sich fast sicher, dass sie nicht mehr lange leben wird, so jedenfalls kommt es bei mir rüber. Aber sie klammert es aus, da es ja viel Wichtiges gibt in ihrem Leben, über das sie nachzudenken fast keine Zeit hat. Zwischen Familie, Job, aber auch ihrem Innenleben - Reflexionen, Erinnerungen - zerrissen bricht er doch immer wieder hervor, dieser böse kleine Gedanke, bis - ja, bis es gewissermaßen kracht.

An diesem Freitag spitzt sich nämlich alles auf eine Explosion zu. Auch wenn es nicht so scheint, aber dieser Knall findet statt und ich muss sagen, in meinen Augen hat er eine Menge vom Charme des Buches geraubt. Ohne wäre besser gewesen, denn Katharinas spitzzüngige Wahrnehmung ihrer Umgebung, vor allem der sie umgebenden Personen ist einfach herrlich geschrieben, trotz oder auch gerade wegen der Tragik ein wahrer Lesegenuss.

Denn Autorin Mareike Krügel versteht es hervorragend, Situationen in Worte zu fassen, Emotionen rüberzubringen, ihrer Protagonistin Katharina Gestalt zu verleihen - nämlich die einer nicht gerade unkomplizierten Mittvierzigerin, die schon so einiges mitgemacht hat. Was sie quasi so nebenher rüberbringt. Sehr gelungen. Außer dem Knall halt, der wirkt unglaubwürdig, finde ich. Aber sonst ein wirklich eindrucksvoller und eindringlicher Roman.
       

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

prag, wien, berlin, münchen, marianne altmann

Die Frau im hellblauen Kleid

Beate Maxian
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.11.2017
ISBN 9783453422124
Genre: Romane

Rezension:

Es wird nämlich in den 1920ern genäht - und zwar für die angehende österreichische Schauspielerin Käthe Schlögel, die darin vorspricht. Der Beginn einer großen, aber dennoch steinigen Karriere, die von viel Missgunst und Gemeinheiten in schwierigen Zeiten geprägt ist.

In den 10er Jahren des 21. Jahrhunderts gibt es das Kleid immer noch, es hängt im Schrank von Käthes Tochter Marianne, die nun selbst eine alte Frau ist.

Marianne wohnt zusammen mit Tochter Vera und Enkelin Sophie und in aller Leben spielen Theater und Film eine große Rolle. Und eine Menge Geheimnisse - Vera weiß nämlich längst nicht alles über ihren Großvater und hat ihrerseits wieder der Tochter  verschwiegen, wer deren Vater ist. Und außerdem gibt es eine jahrzehntelange Feinschaft zu Familie Bleck, die als Produzenten einen großen Einfluss sowohl auf die österreichische als auch auf die deutsche Filmlandschaft hatten. Und nun will Vera einen Film über ihre Mutter drehen, die ihr in diesem Zusammenhang jeglichen Kontakt zu den Blecks untersagt... bis sie ihre Meinung ändert. Veras Film soll nicht nur von ihr, sondern auch von ihrer Mutter Käthe handeln.

In Rückblenden bis in die 1920er Jahre erfährt der Leser Käthes und später auch Mariannes Werdegang. Ich liebe solche Romane, die auf mehreren Zeitebenen spielen und Vergangenes mit Gegenwärtigem zusammenbringen. Ebenfalls liebe ich die Bücher von Beate Maxian, die mir bereits als Krimiautorin der Reihe um die abergläubische Journalistin Sarah Pauli ein Begriff ist - keinen einzigen dieser Bände habe ich versäumt und jeden einzelnen über alle Maßen genossen, spielt in ihnen nicht nur die Spannung, sondern auch der spezielle Charme Österreichs, vor allem die Wiener Schmäh eine nicht geringe Rolle.

Sollte das hier auch so sein? Ich nehme es gleich vorweg, ja, Beate Maxians Begabung im Atmosphärischen und in der Figurenbeschreibung kommt auch im "Hellblauen Kleid" heraus.

Nur leider schlägt die Autorin ein bisschen über die Stränge, nämlich über die Erzählstränge und verheddert sich gelegentlich in einem Zusammenhang bzw. bleibt irgendwo in der Mitte hängen und führt so manchen Gedankengang nicht zu Ende. Fand ich leider unbefriedigend, auch wenn ich das Buch insgesamt wirklich sehr genossen habe. Übrigens hat auch in diesem Roman der Aberglaube eine kleine Rolle gespielt - vielleicht eine thematische Visitenkarte von Beate Maxian? Es würde passen, denn auch hier wird dieser Punkt sehr stimmig und charmant präsentiert.

Ich hoffe jetzt, dass Beate Maxian weitere historischen Romane "zaubern" wird, denn trotz kleiner Minuspunkte habe ich das Buch sehr genossen. Für alle, die gerne kluge und stimmige Familiengeschichten bspw. aus der Feder von Heidi Rehn oder Katja Maybach genießen, sicher ein Volltreffer!

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28 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mr. Widows Katzenverleih

Antonia Michaelis
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654309
Genre: Romane

Rezension:

ist Mr. Widow. Sie kennen und schätzen Bibliotheken, leihen gerne Bücher aus? Nun, dann lernen Sie doch auch eine andere Form des Verleihs kennen, einen Katzenverleih nämlich, betrieben vom alten Mr. Widow, einem Engländer par excellence, der seinen Bestand immer wieder erweitert und zwar mit Katzen in Not: solchen, die gestrandet sind, derer man sich erledigen will oder wie auch immer. Doch es ist keineswegs ein trauriges Häuflein, das sich in seinem nicht gerade kleinen Haus zusammengefunden hat, nein, den Katzen geht es gut, zumal sie ihren Job kreativ ausüben dürfen.

Im Klartext heißt das, dass sie sich aussuchen dürfen, von wem sie ausgeliehen werden wollen und mit wenigen Ausnahmen klappt das ganz wunderbar.

Beim Einsammeln von Katzen in einem Müllcontainer stößt Mr. Widow auf Nancy, die ebenfalls gestrandet ist und derer er sich annimmt. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt und bald deutet sich an, dass Nancys bisheriges Leben nicht gerade ehrenhaft ablief, nein, sie ist noch nicht einmal die, für die sich ausgibt. Oder doch?

Die Figuren, die wir hier kennenlernen, sind einfach köstlich, sowohl die menschlichen als auch die felinen. Die Autorin versteht es, ihnen einen ganz eigenen Charme zu verleihen, auch den negativen, an denen es nicht mangelt! Denn es ist ein Märchen, in dem es vor bösen Schwiegermüttern und Wölfen im Schafspelz nur so wimmelt - auch wenn man sie nicht direkt als solche erkennt.

Ein sehr schöne und ungewöhnliche Geschichte ist hier erschaffen worden: eine mit ordentlich Biss und Schmackes. Antonia Michaelis bleibt dem von ihr wenn nicht geschaffenen, dann doch sehr einfallsreich mitgestalteten Genre der Spannungsposie, die diesmal einen starken Einschlag ins Märchenhafte zeigt, treu und begeistert mich wieder einmal mit ihrer ebenso zauberhaften wie frechen Sprache und dem mehr als originellen Stil.

Vor allem aber war ich nach der Lektüre - und bin es noch - eigentümlich beschwingt, auf eine besondere, ausgelassene Art und Weise. Antonia Michaelis hat mir gezeigt, dass man seinem Leben eine neue Richtung geben kann, auch wenn man glaubt, es geht nicht mehr weiter. Ein Buch, das mir viel Kraft gegeben hat, Kraft, Lebensmut und auch gute Laune. Das ist wahre Dichtkunst: ein Märchen für Erwachsene vom Allerfeinsten, aber mit einem gehörigen Schuss Humor darin!

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

krimi, thriller

Die Lieferantin: Thriller (suhrkamp taschenbuch)

Zoë Beck
E-Buch Text: 326 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp Verlag, 10.07.2017
ISBN 9783518751190
Genre: Sonstiges

Rezension:

          Wenn auch erst nach etlichen Jahren, denn Zoe Becks neuester Thriller spielt in der Zukunft. Die Bewohner der Britischen Insel rüsten sich - in wahrstem Sinne des Wortes - zu einer fundamentalen Abstimmung über Drogen.

Wie ist das möglich - Drogen und ihre Händler haben mehr oder weniger Besitz von der ganzen Insel ergriffen und lenken ihre ganzen Geschicke. Allen voran Ellie, deren überaus florierendes Unternehmen über Drohnen läuft.

Mit dessen Hilfe will sie Rache üben am Tod ihres Bruders. Doch sie ist lange nicht die einzige Akteurin in diesem Spiel des Verderbens, das allerdings aus meiner Sicht eigentlich kein Thriller ist. Wenn man so will, will Zoe Beck höher hinaus, sie zieht die ganze British Society durch den Kakao - durch ihre ureigene, kein bisschen süße und warme Brühe. Es ist also ein Gesellschaftsroman, der hier entstanden ist und wenn man ihn als solches liest, läuft es dabei kalt über den Rücken, so realistisch ist es. Ja, so könnte es wirklich aussehen in ein paar Jahren und der Blick ist wenig einladend!

Ein wenig zu zerfasert und zu reich an Akteuren war mir dieser ansonsten sehr treffende Blick auf die künftige Welt, dessen Lektüre ich nichtsdestotrotz weiter empfehle.
       

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

aphasie, kindheit, freundschaft, fremdsein, großelter

Kirchberg

Verena Boos
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 15.09.2017
ISBN 9783351036904
Genre: Romane

Rezension:

Eine Frau steht mitten im Leben. Denkt sie. Und dann gibt es auf einmal einen Break und alles ist anders: Tumor, Schlaganfall, Gehirnschäden und auch solche der körperlichen Art. Da kann Hanna, deren Stern gerade am Aufgehen war, nicht mehr weitermachen. Weder mit ihrer Habilitation noch mit sonst etwas in ihrem bisherigen Leben.

Hoch hinaus war sie schon gekommen und wollte noch höher steigen, fort von dem schwäbischen Dorf, in dem sie aufgewachsen war, bei den Großeltern. Nachdem ihre Mutter sie nicht wollte, sie gar zur Adoption freigegeben hatte. Hatten deren Eltern das halt übernommen.

Wie man sieht, Hanna, eigentlich Johanna, hatte es nie so richtig leicht, auch wenn ihre Großeltern besondere Menschen waren, doch war sie immer eine Außenseiterin. Auf ihre Art jedenfalls. Doch eines war sie nie: Sprachlos. Erst jetzt, mit über 40, hat die Sprache als wichtigstes Kommunikationsmittel sich (fast) von ihr verabschiedet.

Hanna kehrt zurück in ihr Dorf, in das Haus ihrer Kindheit, das nun leer ist und mit Leben gefüllt werden will. Und das wird es auch - auf ganz überraschende Weise.

Ein Buch voller Einblicke und Rückblicke. Hannas Leben wird auf eine besondere Art vor dem Leser ausgebreitet, nicht nur sie spielt eine Rolle, nein, es ist auch ihr Umfeld, das zu Wort kommt. Jeder Protagonist hat sozusagen seine Zeit. Und die Autorin Verena Boos belässt es nicht bei der Vergangenheit, sondern wagt auch einen Blick in die Zukunft.

Ein Buch, in dem viel Schmerz enthalten ist, der allerdings  auf so gelassene Art transportiert, für so selbstverständlich genommen wird, dass er dem Leser gar nicht immer so deutlich vor Augen ist. Ein Buch über die Grenzen, die dem Menschen gesetzt sind, aber auch über die Möglichkeiten. Über Freundschaft, Liebe, Offenheit, Verschlossenheit und Abgrenzung. Manchmal kam es ein wenig spröde daher, auch wenn die Figuren durchaus Charme haben, vor allem Lisa, ein kleines, ein sehr kleines Mädchen, das der bereits gebrochenen Hanna auf bemerkenswert unvoreingenommene Weise begegnet und so manche Lanze für sie bricht. Doch manchmal hatte ich den Eindruck, als stehe die Autorin sich selbst im Weg, könne diesem Familienroman - denn nichts anderes ist er - nicht das Engagement, die Größe, das Herz schenken, die es verdient. Ein Buch, das ich gerne gelesen habe, auch wenn irgend etwas - ich kann gar nicht klar formulieren, was - fehlte!

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9 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

roadtrip, trauer, brügge, unvorhersehbarkeit, sarkasmus

Eddie muss weg

Katinka Buddenkotte
Fester Einband: 287 Seiten
Erschienen bei SATYR Verlag, 11.09.2017
ISBN 9783944035963
Genre: Romane

Rezension:

mit diesem Paar, das nicht ganz auf der Höhe zu sein scheint: Stan und Britta sind schon lange zusammen, aber werden sie auch diese Krise überstehen? Britta hat einen beruflichen Tiefpunkt erreicht und es beschleicht sie das Gefühl, dass er ihr von hinten in den Rücken fällt.

Manchmal jedenfalls. Aber sie sollte sich besser nicht darauf verlassen, dass es für immer so behäbig weitergeht, denn auf einmal sitzen sie im Auto nach Brügge und alles wird ganz, ganz anders. Also nicht nur das Land, sondern auch sie selber. Und das gleich auf mehreren Ebenen!

Hinter den humorvollen Schilderungen der Autorin Katinka Buddenkotte verbergen sich kluge und ernste, ja immer traurigere Entwicklungen, die man erst einmal erfassen muss.

Definitiv kein Klamauk von der Blödelfront, sondern vielmehr ein wahrhaftiger Schicksalsroman mit Raffinesse  der allerdings haarscharf an mir und meinen Lesebedürfnissen vorbeischlitterte. Das hat aber nur was mit meinem persönlichen Lesegeschmack zu tun. Wer gerne überrascht wird, der sollte das Buch nicht links liegenlassen!

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

krimi, tom thorne, band 14, ehrenmorde, atrium verlag

Love like blood

Mark Billingham , Peter Torberg
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Atrium Zürich, 08.09.2017
ISBN 9783855350209
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

werden im Rahmen sogenannter Ehrenmorde jährlich zig junge Frauen und viele davon leb(t)en mitten unter uns. Wenig wissen wir darüber und Mark Billingham, der schon einige mehr oder weniger spannende Krimis geschrieben hat, trägt dazu bei, hier ein Tabuthema zu beleuchten.

Und wie er das tut - dieser Krimi ist eindeutig einer seiner spannendsten und gelungensten, auch wenn streckenweise recht ruhig daherkommt. Aber dann zieht es auch wieder an.
Einmal mehr ist  die ebenso außergewöhnliche wie vielschichtige Londoner Ermittlerin Nicola Tanner involviert, doch diesmal leitet sie die Untersuchung nicht. Sie ist nämlich stark lädert, hat sie doch ein privates Unglück der schlimmsten Art erfahren. Aber sie holt sich ein paar Kollegen ins Boot, allen voran den etwas unkonventionellen, man könnte sogar manchmal sagen: nassforschen Thorne - und stößt gemeinsam mit ihnen zunächst auf eine ganze Reihe von Hindernissen.

Asien - denn die Personen, die Tanner verdächtigt, einen Ehrenmord verübt zu haben, kommen von diesem Kontinent - bebt, doch das Londoner Team kommt nicht weiter. Oder doch?

Mark Billingham schreibt eloquent und eindringlich, er entwickelt gekonnt eine gewisse Spannung, die er aus meiner Sicht diesmal durchgehend halten kann. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, man kann sich sowohl die Mitglieder der muslimischen Gemeinde als auch weitere Figuren, die im Erzählverlauf eine Rolle spielen, sehr gut vorstellen.

Trotz einigen ziemlich brutalen Szenen ist dies ein eher ruhiger Spannungsroman, der überhaupt nicht auf Knalleffekte setzt, sondern auf subtile Schwingungen und Verwebungen.  Obwohl, es ist ein richtig, richtig dickes Ende und wenn dies nicht Billingham wäre, würde ich den Autor verdächtigen, doch ein klein bisschen sensationslüstern unterwegs zu sein.

Die Auflösungen waren für mich dieses Mal eine absolute Überraschung. Nicht so sehr die Personen, sondern vielmehr die Motive bzw. die Motivationen. Wirklich sehr geschickt und und klug konstruiert!  Und es war immer was los, was bei diesem Autor nicht immer der Fall ist. Aus meiner Sicht sein bislang gelungenster Spannungsroman, den ich wirklich jedem Krimifreund ans Herz lege!

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84 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

new york, liebe, das saphirblaue zimmer, mehrere zeitschienen, lauren willig

Das saphirblaue Zimmer

Karen White , Beatriz Williams , Lauren Willig , Sonja Rebernik-Heidegger
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.09.2017
ISBN 9783734104275
Genre: Romane

Rezension:

mitten in New York, nämlich im titelgebenden saphirblauen Zimmer, das immer wieder ins Spiel kommt, erlebt man bei der Lektüre dieses Romans.

Drei Zeitebenen sind es, auf denen der Roman spielt und jede hat ihre eigene Protagonistin: 1892 ist es Olive, deren ehemals begüterte Familie verarmte und die sich nun ihr Brot als Dienstmädchen verdienen muss. 1920 Lucy, Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und 1944 die Ärztin Kate.

Ihnen allen ist eine Liebe gegeben, die nicht sein darf. Nicht ein und dieselbe natürlich, nein, es sind drei verschiedene bittersüße Erlebnisse. Doch sie alle verbindet ein blutrotes Band - nein, eigentlich ein saphirblaues Zimmer.

Drei Heldinnen, drei Autorinnen - ob eine jede dem Buch eine der Figuren geschenkt hat? Ich weiß es nicht, doch haben die Autorinnen - alle drei sind erfahren, haben der Welt bereits den ein oder anderen Roman geschenkt , jeweils im Alleingang geschrieben, versteht sich - eine schwungvolle, atmosphärische Geschichte gezaubert, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, bis ich damit durch war!

Aber dennoch, ganz glücklich bin ich nicht, denn es sind einfach zu viele Zufälle, die sich da im Wandel der Zeiten ereignen. Anderes hingegen versandet einfach, doch damit konnte ich besser leben. Aber dass irgendwelche Briefe noch genau dort liegen, wo sie vor über 20 Jahren hingebracht wurden - dazu sind es nicht nur Briefe - und der Geschichte damit eine entscheidende Wendung geben, um nur ein Beispiel zu nennen: das war dann doch des Guten zu viel für mich.

Man merkt, dass hier Könner(innen) am Werk waren, aber vielleicht sind sie selbst einfach zu tief in ihre Geschichte eingestiegen und konnten am Ende keine gesunde Distanz mehr entwickeln, um ein paar Übertreibungen auszumerzen. Keine schlimmen, es ist eher sowas wie kleine Pickel, die ausgedrückt werden müssen. Das Buch lohnt sich dennoch auf alle Fälle, ganz unbedingt!

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(23)

40 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

thriller, forensik, gerichtsmedizin, forensikerin, 2017

Totenstarre

Patricia Cornwell , Karin Dufner
Fester Einband: 600 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 11.09.2017
ISBN 9783959671255
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kay Scarpetta freut sich auf ein entspanntes Wochenende mit ihrem Mann Benton, der einzige Wermutstropfen ist der bevorstehende Besuch ihrer eher aus Pflichtbewusstsein geliebten Schwester Dorothy, aber den wird sie "with a little Help from her Friends" schon wuppen!

Wie der Leser sich bereits denken kann, kommt Kay eine Leiche dazwischen ein junges Mädchen, das dem, mit dem sie vor wenigen Minuten noch zu tun hatte, sehr ähnelt.

Und sie wird nicht die einzige bleiben...
Bis sich die Dinge aber weiterentwickeln, geht eine Menge Zeit ins Land - und sehr, sehr viele Seiten! Die Lektüre zieht sich und zwar nicht zu knapp! Es ploppen reihenweise Nebenbaustellen auf, sei es durch das Auftreten weiterer Figuren, sei es durch das Einflechten weiterer Erzählstränge. So spannend die Fakten auch sind, so zäh zieht sich das Geschehen dahin, nicht zuletzt durch die zahlreichen Wiederholungen.

Ja, Kay Scarpetta ist wieder da, die Gerichtsmedizinerin der (Krimi)Herzen!  Sie ist alt und umständlich geworden, genau wie ihre Autorin. So richtig Schmackes kam ganz zu Beginn und dann erst wieder am ganz Ende auf. Wem das reicht, der wird sich auf ein Wiedersehen mit der erfahrenen Fachkraft in ihrem nunmehr 24. Fall freuen. Auch ich hatte mich sehr gefreut, war aber am Ende dann doch ein wenig enttäuscht.

Lesern, die Kay Scarpetta bisher noch nicht kennen, würde ich vehement davon abraten, mit diesem späten Fall einzusteigen - im Verlauf der Lektüre wird so einiges an Vorwissen vorausgesetzt!

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(47)

53 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

krimödie, humor, krimi, blumensprache, mord

Mausetot im Mausoleum

Lotte Minck
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droste Vlg, 11.09.2017
ISBN 9783770015610
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dunkle Wolken über dem (Ruhr)Pott: Loretta und Pascal haben sich getrennt und zwar aus pragmatischen Gründen. Pascal kommt mit den Ermittlungsarbeiten, in die Loretta immer wieder rein zufällig hereingerät, überhaupt nicht klar und ist ausgezogen. Loretta ist so fertig, dass sie sich von allem fernhält, auch von ihren Freunden, die sie mit gutem Essen und Besuchen bei der Wahrsagerin aufzumuntern versuchen. Da nicht mal Ersteres klappt, ist es wirklich ernst. Wenigstens lässt sie sich durch eine geliehene Fotoausrüstung zu einem neuen Hobby motivieren.
 
Trotz ihrer Trauer mangelt es nicht an neuen Herrenbekanntschaften und bald hat Loretta eine erste Verabredung zum Fotospaziergang, die aber leider mit einer Leiche endet.

Auch wenn Loretta sich von Leichen fernhalten will und jetzt in Dennis' Sex-Hotline sogar Nachtschichten übernimmt, kann sie sich da nicht raushalten. Sogar Pascal, dem sie immer noch verbunden ist, wird reingezogen und dabei geht es um Leben und Tod. Wird er überleben?

Dass die anderen Mitglieder des Freundeskreises eher wenig auftauchen, ist für mich zwar ein Schlag, aber ich blicke voller Zuversicht auf den nächsten Band, das wäre dann bereits der Zehnte!

Trotz der geringen Sichtbarkeit von Frank und Co.: Mal wieder läuft ohne Freundschaft  nix - dies ist wie immer das Credo der Loretta-Reize. Ein anderes könnte "witzig geht die Welt zugrunde" sein. Nur schade, dass es schon wieder vorbei ist, denn auch dieser, bereits neunte Band der Reihe, war sehr unterhaltsam, auch wenn er im Vergleich zu den direkten Vorgängern ein Ideechen abfiel. Wird Loretta vielleicht müde? Ich hoffe nicht!

Denn trotz allem: Wer Spaß kombiniert mit ein wenig Spannung mag, der kommt an dieser Reihe mit Loretta Luchs nicht vorbei!

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(74)

110 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

island, thriller, sog, missbrauch, mord

SOG

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei btb, 18.09.2017
ISBN 9783442756643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das klingt wie aus einem SF-Roman, aber ist dennoch bittere Realität in den Ermittlungen der Kripo in Reykavik: dort wurden vor über 10 Jahren Schüler aufgefordert, ihre Visionen für die Zukunft aufzuschreiben und einer von ihnen hat auf die kaltblütigste Weise den Entwicklungen vorgegriffen: dort werden Morde vorausgesagt, die zum Teil inzwischen tatsächlich geschehen sind.

Hat das alles etwas mit der Leiche eines Mädchens aus derselben Zeit zu tun - auch darauf gibt es Hinweise? Aber bald schon finden sich Verbindungen zur Gegenwart - und zwar welche der gruseligsten Art. Ich will nicht viel verraten, aber wer was gegen abgetrennte Körperteile hat, sollte sich von diesem Buch verhalten.

Nur so viel: der ganze Kriminalbereich Islands im weitesten Sinne outet sich als korrupter Sumpf sondergleichen, in den auch Familien - bis hin zu Kindern im Kindergartenalter - mit hineingezogen werden.

Wie im Vorgängerfall "DNA" setzt die isländische Autorin Yrsa Sigurdardottir das  mehr oder weniger unfreiwillig zueinander findende Ermittlergespann bestehend aus Psychologin Freya und Kommissar Huldar ein - beide hatten schon mal eine Begegnung, eine der ganz anderen Art.

Aber lesen Sie selbst, denn es ist wie immer unterhaltsam und originell, was die isländische Autorin hier verzapft hat. Allerdings sollten Sie nicht zu zart besaitet sein, denn es ist ganz schön starker Tobak, der hier aufgetischt wird und auch Kinder spielen eine Rolle und auch sie bzw. der Umgang mit ihnen sind Themen, die von der Autorin nicht gerade sanft dargestellt werden.

Also definitiv eher was für Thrillerfans als für Freunde des klassischen Whodunnit. Und für solche, die auf überraschende Wendungen stehen, wobei es für meinen Geschmack manchmal fast zu absurd zugeht. Ein bisschen weit hergeholt sind die Konstruktionen auf jeden Fall und das ist noch eine Untertreibung meinerseits.

Dennoch wieder ein spannender Fall mit schrägen, gut und eindringlich dargestellten Protagonisten, den ich gern gelesen habe. Ich hoffe sehr, dass Freya und Huldar, deren Nicht-Beziehung mal wieder auf die Probe gestellt wird, erneut zuschlagen und dass ihre Hassliebe sich endgültig in die ein oder andere Richtung verlagert. Wie auch immer, ich würde gern mehr von ihnen lesen!

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34 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

roman, wien, absturz, stadt, österreicher

Wer hier schlief

Isabella Straub
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 15.09.2017
ISBN 9783351050429
Genre: Romane

Rezension:

ist Philipp, nachdem er für besagte Schönheit namens Myriam alles aufgegeben hat. Alles - das ist ein komfortables Leben inklusive gut situierter Partnerin, in deren Unternehmen für Sicherheitstüren er einen sicheren und guten Job hat. Aber nur, bis er sie verlässt, dann bricht alles zusammen, denn auch Myriam ist auf einmal unauffindbar. Und bevor sie das wurde, hat sie sich ganz schön geleistet.

Wobei sich Philipp - wie im Laufe der Lektüre mehr und mehr deutlich wird - schon immer so durchs Leben gestromert hat. Auch in den Zeiten vor Myriam. Doch jetzt wird es ernst. Allmählich - und das geht schnell - verliert er sich selbst, zunächst ohne es zu merken. Er hat auf Risiko gesetzt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und irendwie klappt nichts, denn "möglicherweise hatte er nicht das Geringste von dem, was irgendwer brauchte". (S.124)

Das Buch lebt durch ungewöhnliche Settings und interessante Nebenfiguren wie einen plötzlich auftauchenden alten Herrn oder auch Philipps Schwester Andrea oder auch die SUHOs (Abkürzung für Suddenly Homeless, eine ebenso realistische wie intensive Bewegung, die es wirklich geben könnte). Eine Art Roadtrip könnte man Philipps Odysee, zu der der beabsichtigte Start in ein neues Leben quasi wird, auch nennen.

Gelegentliche Abstecher ins Tragikomische offenbaren die wunden Stellen des Protagonisten Philipp, der "nie gelernt hat, sich vor Verletzungen zu schützen" (S. 118).  Er und auch die meisten der anderen Akteure sind wahrlich keine Menschen, die auf der Sonnenseite des Lebens weilen. Aber wenn man es an sich heranlässt, ist es trotzdem ein positives Buch, weit davon entfernt, für Frustration zu sorgen.

Die Ursache dafür ist nur durch die Lektüre desselben herauszufinden, aber glauben Sie mir - es lohnt sich, in diese von Isabella Straub geschaffene Welt einzutauchen. Ihre Sätze sind treffend - auf wenigen Seiten skizziert sie eine Fülle von Charakteren, auf die man erstmal kommen muss - und die man so schnell nicht vergisst - und auch die Handlung ist nicht ohne. Hier zeigt sich, dass das Alltägliche oft die besten Geschichten birgt - wobei es diesmal durchaus noch Luft nach oben gibt, wenn auch nur ein kleines bisschen!

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99 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

zukunft, sachbuch, dataismus, geschichte, menschheit

Homo Deus

Yuval Noah Harari , Andreas Wirthensohn
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 06.10.2017
ISBN 9783406704017
Genre: Sachbücher

Rezension:

und mehr noch im Gehirn hatte ich nach der Lektüre des Buches "Homo Deus" des israelischen Wissenschaftlers Yuval Noah Harari. In seiner ebenso klugen wie polarisierenden Geschichte von Morgen taucht Harari tief in die Geschichte und Kultur, die Natur und die Entwicklung des menschlichen Werdens, seiner unterschiedlichen (Um)wege ein.

Wozu ist eine Geschichte der Zukunft überhaupt notwendig? Nun, diese Antwort fällt nicht schwer im Hinblick auf die Sorgen, die der Mensch der Gegenwart - sowohl im Allgemeinen als auch als Individuum zu tragen hat: Bedrohung der Umwelt, Radikalisierung der Gesellschaft(en), Kampf gegen Krankheiten, gegen Armut und vor allem für den Frieden und die Gerechtigkeit. Da schadet es nichts, Visionen zu entwickeln bzw. dazu einzuladen, selbiges zu tun. Denn Harari bezieht den Leser durchaus in seine Überlegungen und Darstellungen, in sein gesamtes Modell mit ein. Es sind - aus meiner Sicht - mehr Darstellungen, ja Präsentationen als Überlegungen, denn der Professor - Harari ist Historiker, hat u.a. in Oxford studiert und lehrt an der bekannten Hebrew University - ist ausgesprochen eitel. Und unbescheiden (wozu er allen Grund hat, auch wenn dies nicht jedermanns Sache ist). Vor allem ist er ausgesprochen mutig, denn es war vorauszusehen, dass er sich mit seinen Thesen angreifbar macht.

Ja, die Thesen - sie betreffen, wie bereits erwähnt, ein überaus breites Spektrum an Themen, in dieser Hinsicht ist das Buch also ausgesprochen rund, denn der Autor bringt seine gesamten Überlegungen in Bezug auf die Zukunft des Menschen und die im Titel enthaltene Fragestellung, ob es ihm möglich sein wird, gottähnlich zu agieren, definitiv auf den Punkt. Nun, das möchte ich an dieser Stelle nicht näher definieren, sondern vielmehr darauf verweisen, dass eine Lektüre auf jeden Fall ein Gewinn ist, selbst wenn man - liegt im Bereich des Möglichen - irgendwann völlig genervt ist und das Buch in die Ecke pfeffert. Dann hat der Autor zumindest gewisse menschliche Instinkte des Lesers geweckt, wenn auch ablehnende. Und ihn damit zum Denken gebracht, ein zentraler Punkt.

Denn dieses kluge Buch enthält ein wahres Konvolut an Anregungen. Hararis Gedanken zur Religion bspw. konnte ich in vielem nicht teilen, aber sie haben mich zum Nachdenken, zu einer Auseinandersetzung nicht nur mit Gott, sondern vor allem mit mir selbst gebracht, die noch andauert. Ein sehr wichtiger Aspekt des Buches ist die Nachhaltigkeit, die Langlebigkeit der Gedanken. Denn obwohl der Autor aus der aktuellen Situation heraus argumentiert, wird dies auch noch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren seine Relevanz haben.

Yuval Noah Harari - ein moderner Philosoph? Definitiv, würde ich sagen und zwar einer, dessen Namen man auch noch in späteren Jahrhunderten kennen wird. Ein Trendsetter sozusagen, denn er benennt die Themen, die für uns und die nachfolgenden Generationen von Bedeutung sind und zwar in der Sprache seiner Zeit. Es muss nicht unbedingt gefallen, was der Autor schreibt, aber bewegen sollte es!

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

samenspende, familie, suche, spermaspender, gefühlschaos

No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam

Natasha Friend , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband
Erschienen bei Magellan, 13.07.2017
ISBN 9783734850295
Genre: Jugendbuch

Rezension:

vor allem, wenn die Befruchtung im Reagenzglas erfolgt und man als Erzeuger nicht großartig irgendwelche Konsequenzen zu tragen hat. Als Samenspender nimmt man keinerlei finanzielle Verpflichtung auf sich, im Gegenteil, man wird dafür bezahlt.

Will Bardo hat sich so als Collegestudent etwas dazuverdient und ist auf diese Weise im Alter von 38 Jahren Vater von fünf Kindern im Teenageralter. Ein stolzer? Man weiß es nicht, denn er kennt sie nicht.

Von diesen fünf Kindern, aufgewachsen in vier Familien, machen sich vier auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater. Das Ganze geht von Milo und Hollis aus, die bei lesbischen Elternpaaren aufgewachsen sind und sich im Alter von 14, 15 auf die Suche nach ihren Wurzeln machen wollen. Aus ihrer Perspektive ist die Geschichte auch geschrieben, sie erzählen abwechselnd. Außer ihren Mitstreitern, die ja auch ihre Halbgeschwister sind, spielt auch JJ eine nicht gerade kleine Rolle: er wurde als Baby adoptiert, ist Milos Freund - bald auch der von Hollis - und nimmt ungeheuren Anteil an ihrem Schicksal.

Abgesehen von der Vatersuche gibt es mehrere andere relevante Themen wie bspw. Homosexualität und das Teenagerdasein an sich. Autorin Natasha Friend geht das Thema locker und eloquent an und gibt dem Leser das überaus angenehme Gefühl, dass lesbische Eltern etwas völlig Normales sind. Sind sie ja auch in Zeiten der Ehe für alle, oder nicht? Ist bloß noch nicht jeder drauf gekommen.

Ein warmherziges Buch mit gut entwickelten Figuren - ganz eindeutig eine Stärke der Autorin - das in ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten in Zeiten von Trump sicher nicht nur auf Zustimmung stößt. Also auch ein mutiges Buch, was in der Hinsicht schade ist, dass sowas überhaupt nötig ist. Und es schlägt eine Bresche für Kinder, die in etwas anderen als der üblichen Familienkonstellation aufwachsen.

Absolut lesenswert, vor allem, da die Geschichte eine ganz andere Entwicklung nimmt als die eigentlich erwartete. Unkonventionell und warmherzig - einfach gut!

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225 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

lize spit, roman, belgien, und es schmilzt, kindheit

Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Nein, Belgien, aber dafür nicht zu knapp! Eva wächst in dem kleinen Ort Bovenmeer in einer scheinbar intakten Familie auf: es ist alles da, was man braucht: Bruder, Schwester und vor allem beide Eltern. Dass dennoch ganz gewaltig der Wurm drin ist, fällt nur den wenigsten auf und die sind sich nicht sicher, was genau sie sehen. Evas kleine Schwester Tesje ist nämlich verhaltensgestört - kommt ja in jeder besseren Familie vor, sowas. Denken die Nachbarn.

Und Eva hat Freunde, sie wächst in einem Dreierklübchen mit zwei gleichaltrigen Jungs auf, manche nennen sie auch die drei Musketiere - von der Schulbank bis zum späten Abend machen sie jahrelang alles gemeinsam.

Aber trotzdem, irgend etwas stimmt nicht und das offenbart sich erst allmählich, auch Eva selbst. Sie muss das Dorf erst verlassen und neun Jahre meiden, bis sie weiß, was sie will.

Und dann kommt sie zurück mit einem riesigen Eisblock im Gepäck und setzt ein Ausrufezeichen.

Ein Roman, der Trauer transportiert, Einsamkeit und Hilflosigkeit. Wie um Himmels Willen war die junge Autorin Lize Spit dazu imstande, aus diesen Elementen eine kraftvolle Geschichte zu konstruieren, in einem ganz eigenen Stil, einer eigenen Sprache, einen, der einige überaus eindringliche Charaktere beinhaltet. Evas Freunde sind es allerdings nicht, sie bleiben eher grau, es sind die Nebenfiguren, die farbig werden, diejenigen, an die auch Eva nicht nahe genug herankommt. Nicht nahe genug, um ihre Welt bunt werden zu lassen.

Eine Geschichte, die von einer Gesellschaft zeugt, in der mehr Schein als Sein ist, von Menschen, die aneinander vorbeigehen und zwar in Dörfern, in denen doch eigentlich jeder jeden kennt. In Bovenmeer nicht und der Umgang der Akteure miteinander ist auch nicht gerade ohne. Was ist sozial schwach? Es sind nicht diejenigen, die nicht arbeiten, keine Familie haben, sondern es sind die, die ihren Nächsten das Leben zur Hölle machen. Auf die ein oder andere Art, aus unterschiedlichen Beweggründen, mit unterschiedlichen Treibern, teilweise unbeabsichtigt.

Lize Spit - eine Powerfrau? Nein, eine Trauerfrau, jedenfalls in diesem Roman. Den man aber dennoch lesen sollte, weil er aufrüttelt und bewegt. Wäre die Autorin nicht so jung, würde ich sagen - diese Zitrone hat (noch) viel Kraft. Ja, also doch Power. Auf eine ganz eigene Art: sie gibt den Evas und Tesjes dieser Welt eine Stimme!

Verstörend und lesenswert!

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182 Bibliotheken, 16 Leser, 2 Gruppen, 37 Rezensionen

thriller, bka, maarten s. sneijder, todesreigen, selbstmord

Todesreigen

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.08.2017
ISBN 9783442483136
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


BKA-Ermittler begehen nacheinander Selbstmord, nachdem ihre Familienangehörigen auf merkwürdige Art und Weise ums Leben kamen. In einem Fall soll Sabine Nemez ermitteln, stößt aber merkwürdigerweise genau dort auf Schweigen, wo es Anworten geben sollte. Denn zu vieles deutet darauf hin, dass es Fremdeinwirklung gab. Maarten S. Sneijder, der Profi des BKA, zur Zeit suspendiert , reagiert diesmal zögerlich auf die Bitte seiner ehemaligen Elevin Sabine Nemez, hier anzupacken.

Gottseidank lässt sich Tina Martinelli, ihre ehemalige "Mitschülerin" bei Sneijder, schneller überzeugen. Doch es geht um längst Vergangenes - immer mehr wird deutlich, dass Ereignisse von vor zwanzig Jahren eine Rolle spielen, da haben die beiden Anfangsdreißigerinnen noch mit Puppen gespielt.

Also muss Sneijder ran und wenn er wie hier aus einem mehr als zwielichtigen Etablissement herausgeholt werden muss. Sneijder und Nemez: Wie Feuer und Wasser sind die Beiden, wenn sie aufeinander treffen, zischt es ganz gewaltig - wenn nicht mehr. Kann eine solche Kombi zu Erfolg führen oder werden die beiden sich aneinander aufreiben, zumal ihnen reihenweise Steine in den Weg gelegt werden - nicht nur vom Mörder selbst?

Ein überaus phantasiereicher Thriller mit vielen Überraschungen und zahlreichen Elementen eines klassischen Kriminalromans ist es, den Andreas Gruber uns hier vorsetzt. Ein Thriller, der jeden Freund von Spannungsliteratur mit den Hufen scharren lässt - doch sollte man definitiv nicht zu zart besaitet sein, wenn man sich diese Lektüre gönnt. Ein paar sehr verwegene, ja abwegige (Verw)Irrungen beinhaltet der Fall auch, doch die haben mich nur geringfügig gestört.

Dies ist der vierte Band einer Reihe. Gottseidank hatte ich den Vorgängerband - den letzten einer Trilogie -  gelesen. Dies hier ist der Auftakt zu einem weiteren"Dreier" und um das ganze Umfeld zu begreifen, sollte man zumindest "Todesmärchen", den Abschluss des ersten "Dreiers" kennen, sonst kommt man hier rasch durcheinander. Aber Sneijder und Nemez haben so viele Fans, die sich die Finger nach neuem "Stoff" lecken, dass für eine weitreichende Leserschar gesorgt ist. Und wer neu startet, hat sicher kein Problem damit, die Vorgänger vorzuschieben - sie sind so wahnsinnig spannend, dass ich sie regelmäßig vor dem Schluss nicht aus der Hand legen kann!

Eine überaus spannende und originelle Entdeckung war für mich die Reihe um den kauzigen (und das ist noch untertrieben!) Ermittler Maarten S. Sneijder. Er verdient es, mit den großen Ermittlern wie Holmes und Marple, vor allem aber harten Jungs wie Jo Nesbos Harry Hole in eine Reihe gestellt zu werden.

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458 Bibliotheken, 13 Leser, 3 Gruppen, 78 Rezensionen

thriller, märchen, profiler, bka, maarten s. sneijder

Todesmärchen

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.08.2016
ISBN 9783442483129
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eigentlich werden Eltern ja ermuntert, ihren Kindern Märchen vorzulesen und zwar nicht nur die ganz beschaulichen, da ein jedes dieser Klassiker mindestens eine Lehre fürs Leben beinhaltet. Ob das die Eltern des vielfachen Mörders Piet van Loon auch getan haben? Obwohl dieser seit fünf Jahren fest hinter Schloss und Riegel sitzt, trägt eine Serie "frischer" Morde eindeutig seine Handschrift und er hat sich zur Inszenierung derselben - im Übrigen stets einer höchst grausamen - ganz eindeutig von verschiedenen Märchen seiner Wahl inspirieren lassen.

Ist er es wirklich? Maarten S. Sneijder, der Wiesbadener Profi, wartet eine entsprechende Nachricht gar nicht erst ab und beginnt gleich mit der Jagd - an seiner Seite seine ehemalige Elevin Sabine Nemez. Wie Feuer und Wasser sind die Beiden, wenn sie aufeinander treffen, zischt es ganz gewaltig - wenn nicht mehr. Kann eine solche Kombi zu Erfolg führen oder werden die beiden sich aneinander aufreiben, zumal ihnen reihenweise Steine in den Weg gelegt werden - nicht nur vom Mörder selbst.

Ein überaus phantasiereicher Thriller mit vielen Überraschungen und zahlreichen Elementen eines klassischen Kriminalromans ist es, den Andreas Gruber uns hier vorsetzt. Ein Thriller, der jeden Freund von Spannungsliteratur mit den Hufen scharren lässt - doch sollte man definitiv nicht zu zart besaitet sein, wenn man sich diese Lektüre gönnt. Ein paar sehr verwegene, ja abwegige (Verw)Irrungen beinhaltet der Fall auch, doch die haben mich nur geringfügig gestört.

Was besonders erwähnenswert ist: dies ist der dritte Band einer Reihe. Ich habe die ersten beiden nicht gelesen und kam mir an keiner Stelle auf mich gestellt vor, der Autor versorgt den Leser stets mit den erforderlichen grundlegenden Informationen, die zum Verständnis erforderlich sind und das geschieht so beiläufig, so geschickt, dass man es gar nicht merkt. Aber dennoch - ich habe Blut geleckt und werde die beiden Vorgänger mit Sicherheit nachschieben.

Eine überaus spannende und originelle Entdeckung war für mich die Reihe um den kauzigen (und das ist noch untertrieben!) Ermittler Maarten S. Sneijder. Er verdient es, mit den großen Ermittlern wie Holmes und Marple, aber auch bspw. Jo Nesbos Harry Hole in eine Reihe gestellt zu werden.

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92 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

schicksal, liebe, krankheit, musik, autorin

Der Herzschlag deiner Worte

Susanna Ernst
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426521236
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eine? Da kann die Autorin Susanna Ernst bestimmt nur müde lächeln, denn in ihrem Buch haben sich eine ganze Reihe von Kandidaten für komplexeste Beziehungen versammelt - die sich durchaus auch mal überlappen!

Alex jedenfalls ist ein junger Vater, ein alleinerziehender zudem, der ein Kind von einer Frau bekommen hat, mit der er nie richtig zusammen war. Wobei - das ist fast einfach gegen das, was seine Eltern zu bieten haben - zu bieten hatten, muss man leider sagen, denn sein Vater Vince ist bereits verstorben und das im zarten Alter von 53 Jahren.

Nur gut, dass Alex' Schwester Cassie auf der Beerdigung ihres Vaters die Liebe ihres Lebens trifft. Und glauben Sie mir, das ist im Vergleich zu dem, was sich sonst noch so abspielt, noch überaus zahm und übersichtlich - und klar!

Sie glauben es mir nicht? Dann lassen Sie sich auf dieses Buch ein, Sie werden es nicht bereuen. Denn dank der herzerfrischenden Schilderungen von Susanna Ernst ist alles dann doch sehr gut nachvollziehbar und zeitweilig zwar geheimnisvoll, aber niemals irritierend. Und auch nicht kitischig! Auch wenn es jede Menge Verbindungen aufzudecken gibt, die sich beileibe nicht nur auf der Erde abspielen.

Wagen Sie es, gönnen Sie sich das Buch, ich schwöre: es irritiert wenn, dann nur ganz, ganz kurz und wenn Sie sich dann ausgeweint, ausgelacht und anderweitig "ausgetobt" haben, werden Sie das Buch mit einem wohlig-warmen Gefühl aus der Hand legen - natürlich erst, nachdem Sie es beendet haben, denn DAS werden Sie sich nicht entgehen lassen wollen. Die warmherzigste Familiengeschichte nämlich, die Sie seit Menschengedenken gelesen haben!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

jesus, hölle, papst, begegnungen, seelsorge

Chefvisite

Albrecht Gralle
Fester Einband: 232 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 23.08.2017
ISBN 9783865069849
Genre: Romane

Rezension:

auf Erden - das tut Jeschua, der sich Oliver und dessen Frau Charlotte während ihres Israel-Urlaubs als Gottes Sohn outet und sich kurz darauf als Gast im heimischen Hannover einstellt. Nachdem er ein paar grundsätzliche Details geklärt hat, glauben ihm Oliver und Charlotte, um alsbald in diverse Aktivitäten einbezogen zu werden. Mal kurz nach New York, um einen radikalen Taxifahrer zu bekehren, dann nach Rom, um den Papst auf einen guten Weg zu bringen (seien sie mal gespannt, ob das klappt) - Jeschua hat so einiges vor.

Aber auch für die Nöte seiner neuen Freunde hat Jeschua ein Ohr. Als nämlich die Tochter einer ehemaligen Schulkameradin von Charlotte verschwindet, ist er gleich dabei, um die Suche und vor allem die Rückkehr des Kindes zu unterstützen. Unterstützen - das heißt bei Jeschua, die Dinge zu regeln und so wundern sich Oliver und Charlotte nur (noch) wenig, als sie aufgefordert werden, Weihnachten nach Kanada zu reisen, wo sie neben Jeschua auf weitere himmlische Wesen treffen.

Albrecht Gralle kennt als Pfarrer sein Metier und bezieht locker-flockig Unübliches, ja Unkonventionelles mit ein und so bekommen wir es gar mit Außerirdischen zu tun.

Am Ende war es mir trotz des angenehmen Schreibstils und der orignellen Einfälle etwas zu viel des Guten!

Jesus came down from heaven to earth - um ein paar Dinge zu klären. Im Endeffekt hat es für mich mehr Fragen aufgeworfen als Klarheit gebracht! Aber ich kann gut verstehen, dass jemand, der den ganzen Tag an nichts anderes denkt - um es mal überspitzt auszudrücken - ein Pfarrer in seinem Job also - Lust bekommt, mal mit dem Thema zu spielen. Ein wagemutiger Versuch, der mit Sicherheit polarisieren wird! Für Leser, die den Glauben mal aus einer völlig anderen, sehr lässigen Perspektive erleben wollen, zumindest eine neue und originelle Perspektive!

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

neuseeland, neuanfang, suche, ehe, identitätssuche

Niemand verschwindet einfach so

Catherine Lacey , Bettina Abarbanell
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783351036805
Genre: Romane

Rezension:

ist manchmal die einfachste Lösung und genau das tut Elyria. Zack! Ist sie weg aus ihrer New Yorker Wohnung, von ihrem um Einiges älteren Mann Charles, einem Professor und zack, ist sie sogar fort aus den Vereinigten Staaten. Gen Neuseeland geht es mit dem Flugzeug, mit einem Ticket, das sie sich auf Kosten ihres Mannes hat ausstellen lassen. Wie sie ihr ganzes Leben in letzter Zeit auf seine Kosten gelebt hat - auch zu seinen Lasten?

Irgendwann geht das nicht mehr, denn irgendwann dreht Charles ihr den Geldhahn ab, nachdem sie sich Ewigkeiten nicht bei ihm meldet. Und als sie es dann doch tut, hat sie ihm nichts zu sagen. Nichts von Belang jedenfalls.

Warum das alles? Nun, Elyria hat ein ziemliches Trauma erlebt irgendwann und darüber dann auch zu ihrem Mann gefunden. Allerdings kann sie aus eigener Kraft nichts ändern und lässt auch Hilfe von außen nicht zu. Keine richtige jedenfalls. Denn unterwegs nimmt sie durchaus die Hilfe anderer Menschen an, wenn sie das gerade braucht.

Ich kann mir nicht helfen - ich mag Elyria nicht und ich habe auch nicht gern über sie gelesen, auch wenn Autorin Catherine Lacey zweifellos schreiben kann und ihr Porträt eines Menschen mit Vergangenheit, aber ohne Zukunft ein durchaus gelungenes ist. Aber nichts, was mich beim Lesen weiterbringt - ich könnte jetzt über den Sinn und das Sein von Elyria und ihrer Umgebung nachdenken, ich könnte versuchen, daraus Antworten auf meine Fragen zu entwickeln - wenn ich wollte. Will ich aber nicht. Ein solches Schicksal, bar jeder Energie bewirkt nichts bei mir, es zieht mich nicht einmal runter. Nein, es geht einfach an mir vorbei, dieses gut geschriebene Stück Literatur. Möge es anderen mehr bringen, ihnen besser gefallen. 

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31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

shanghai, china, dreißiger jahre in china, krieg, kolonien

Die Verschwörung von Shanghai

Xiao Bai , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.08.2017
ISBN 9783458177173
Genre: Romane

Rezension:

und manchmal nicht einmal das im Shanghai der 1930er Jahre.

Zunächst treffen wir auf den Fotografen Hsueh, die quasi Hauptperson des Romans. Er hat nicht nur diesen einen Beruf, sondern verdient sein hauptsächliches Auskommen als Begleiter der Österreicherin Therese, die inzwischen verwitwet, in Shanghai gestrandet ist und die Geschäfte ihres Mannes übernimmt.

Dass dies ein Hauen und Stechen sondergleichen wird, schreckt die Geschäftsfrau, die sich schon bald als eiskalte Verhandlungspartnerin herausstellt, nicht. Nahtlos fügt sie sich in das in Shanghai vorherrschende "jeder gegen jeden und jeder für sich selbst" ein, das umso erschreckender erscheint, als dass der Autor Xiao Bai hier hauptsächlich wahre Ereignisse "verbraten" hat.

Spannend ist der Roman durch den unterkühlten Stil nur am Rande, doch gibt er einen treffenden Einblick in die Atmosphäre des Shanghai der frühen 1930er Jahre, man hat es bildlich vor sich und kann sich das Geschilderte auch gut als Film vorstellen.

Hsueh gerät ein bisschen aus dem Gleichgewicht, da er eine Frau auf einem Schiff entdeckt hat, die ihn verzaubert. Sie spielt in einer anderen Liga, nämlich der der Politik und ihr bedeuten Emotionen durchaus etwas. Werden sie ihr bzw. beiden möglicherweise zum Verhängnis?

Wer gerne in fremde Welten und Zeiten eintaucht sowie einen extrovertierten, dabei eloquenten Schreibstil zu schätzen weiß, wird sich möglicherweise von dem Buch einfangen lassen. Ein wenig Exotik im Alltag und eine fremde, ein wenig unheimliche Welt! Etwas für Liebhaber ungewöhnlicher Literatur und historischer Themen!

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

freundschaft, schokolade, fidschi, neuanfang, gegenwartsliteratur

Zartbitter ist das Glück

Anne Østby , Gabriele Haefs
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Wunderraum, 28.08.2017
ISBN 9783336547913
Genre: Romane

Rezension:

haben die fünf Freundinnen aus Schultagen Kat, Ingrid, Maya, Lisbeth und Sina ihr Leben verbracht, als sie sich im Alter - naja, mit Ü60 hat man die Lebensmitte zumindest schon überschritten - auf Fidschi wiedersehen und zwar nicht nur für wenige Tage. Auf Initiative von Kat, die mit ihrem kürzlich verstorbenen Mann Niklas ein Leben als Globetrotterin verbrachte und zuletzt mit ihm auf Fidschi mehr oder weniger sesshaft wurde, wollen sie ausprobieren, ob ein gemeinsames Leben im Alter unter tropischer Sonne für sie in Frage kommt.

Es muss gesagt werden, dass nicht alle Frauen untereinander so freundschaftlich verbunden sind wie Kat es gerne sehen würde - es gibt Animositäten, von denen einige nichts ahnen, aber auch unterschwellige Vorbehalte und Missstimmungen.

Dennoch - es zeigt sich, dass die Frauen in wichtigen Situationen gut zusammenhalten können.

Dem Leser wird auch ein Einblick in die Mentalität der Ureinwohner Fidschis gewährt - nicht zuletzt durch die immer wieder eingestreuten Einwürfe der Haushälterin Ateca, die das Zusammenleben der fünf Damen aus einem ganz eigenen Blickwinkel betrachtet.

Ein seichter Unterhaltungsroman ist es also sicher nicht, den wir mit "Zartbitter ist das Glück" in den Händen halten. Wobei die Unterhaltung ganz sicher nicht zu kurz kommt, es aber aus meiner Sicht ziemlich tiefgründig zugeht. Stimmungen auffangen, Charaktere zeichnen, aber auch verschiedene Mentalitäten darstellen: das alles sind Stärken der norwegischen Autorin Anne Østby, die zu einem besonderen Lesegenuss führen - wenn man sich nur darauf einlässt. Und das fällt dem Leser aus meiner Sicht leicht, da der neu gegründete Wunderraum Verlag mit seinem ersten Buch ein ganz besonderes Kleinod geschaffen hat, dass nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich - also in Bezug auf die Gestaltung - eine absolute Besonderheit darstellt.

Von mir gibt es hier eine Empfehlung auf der ganzen Linie!

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93 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

hugenotten, frankreich, cevennen, krimi, südfrankreich

In tiefen Schluchten

Anne Chaplet
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auch wenn es auf den ersten Blick alles andere zu sein scheint, denn Touristen sind gerne gesehen. Auch Tori Godon, die zusammen mit ihrem leider inzwischen verstorbenen Mann Carl, einem Nachfahren von Hugenotten, die auch gerade dort in der Umgebung, in der Ardeche, ansässig waren, bevor sie vertrieben wurden, hatte bislang nur Gastfreundlichkeit erfahren.

Bis sie Näheres erfahren möchte, um einige Dinge zu klären. Adriaan, ein holländischer Höhlenforscher, ist nämlich einfach verschwunden, ganz sang- und klanglos. Und dann stirbt auch noch Didier, ein recht gesprächiger, ja schwatzhafter alter Mann.

Dann nämlich werden die Leute auf einmal schweigsam und wenden sich ab - warum wohl? Gut, dass es ein paar andere Deutsche im Dorf gibt, die Tori bei ihren Nachforschungen zur Seite stehen!

Anne Chaplet schreibt fesselnd, literarisch anspruchsvoll und mit großer Kenntnis der internationalen Zeitgeschichte, daher ist auch ihr neues Werk auf sprachlicher Ebene ein Genuss und setzt sich wohltuend von der Masse deutscher Krimis ab. Der Plot dieses Krimis, durch den eine neue Reihe eingeleitet werden soll, vermag durchaus Schritt zu halten mit den schriftstellerischen Fähigkeiten der Autorin. Allerdings bleiben gerade zum Ende hin, wo doch eigentlich aufgelöst werden sollte, im letzten Drittel ziemlich viele Dinge offen. Stört mich nicht, wenn die Reihe, die hier angefangen wird, im Laufe der Zeit das ein oder andere auflöst, auch wenn ich es insgesamt dann doch ein wenig ergebnisorientierter bevorzuge.

Wunderbar hingegen die herrlichen Schilderungen der Landschaft, der Atmosphäre und insgesamt des südlichen Frankreich, nicht der Küste, sondern der Berglandschaft, der Cevennen. Fernab von touristischen Prospekten tut sich hier eine Welt auf, die vom Leser verlangt, sie in Gänze zu erfassen - Anne Chaplet bietet dafür die besten Voraussetzungen. Ich habe schon einige der Krimis der Autorin gelesen, die teilweise in Lateinamerika spielen - ich finde, dort wurde die Stimmung nicht ganz so einfühlsam eingefangen, wie es hier in Frankreich der Fall ist. Ich empfehle das Buch für Frankreichfans, für Leser, die nicht auf actionreiche, sondern eher auf stimmungsvolle Spannung stehen und für diejenigen, die das Genre "Krimi" nicht zu eng fassen.

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Halt dich an deiner Liebe fest. Rio Reiser

Gert Möbius
Flexibler Einband: 351 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.08.2017
ISBN 9783746633473
Genre: Biografien

Rezension:

hätte R.R. gemacht, wenn er König von Deutschland wär...

Nicht nötig, denn auch so war Rio Reiser einer der ganz Großen in Deutschland, auch wenn er trotz Ton-Steine-Scherben, trotz des Agit-Pop der 1970er und 1980er ein eher leiser Poet war, einer dessen wahre Größe man erst erkennt (manchmal zumindest), wenn man seine wunderbaren Texte in eher leise Töne kleidet.

Ja, hier erzählt Gert Möbius von Rio Reiser, Rios großer Bruder. Aber er erzählt auch viel von sich, finde ich. Ein bisschen zu viel. Denn ehrlich gesagt, auch wenn das jetzt ein bisschen fies klingt: ich bin hier wegen Rio, ich möchte ihn im Mittelpunkt des Buches haben und zwar durchgehend. Auch wenn die Kindheits- und Jugendschilderungen aus der Berliner Familie interessant sind, danach interessiert mich wirklich Rio, sein Werdegang, sein Denken und tun. Und da hatte ich ein bisschen mehr auf seinen Bruder gebaut, wobei ich natürlich nicht richtig enttäuscht bin, denn interessant ist es auf jeden Fall, Rio (also Ralf, wie er wirklich hieß) aus der Perspektive von jemandem zu sehen, der immer in seinem Leben zugegen war. Toll sind natürlich die Fotos, die nicht in jeder Zeitung waren, ich hätte mir aber ein Glossar und auch eine Zeittafel gewünscht. Irgendwie hilft mir das bei Sachbüchern immer, wenn ich mal nachschlagen kann und nicht gleich googeln muss.

Etwas für wahre Rio-Verehrer, für Fans von Ton-Steine-Scherben und für die, die immer noch überlegen, was sie machen würden, wenn sie König(in) von Deutschland wären!

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