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45 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

flucht, nationalsozialismus, judenverfolgung, shanghai, juden

Das Mädchen im Strom

Sabine Bode
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608962000
Genre: Romane

Rezension:

Der jungen Gudrun aus Mainz reicht auch das "normale" Rheinwasser, um das Leben am großen Fluss in vollen Zügen zu genießen. Sie wächst als Tochter des reichen Händlers Wilhelm Salomon in den 1920er und 30er Jahren auf und ihr fehlt es an nichts, auch wenn sie in der Schule nicht gerade gut ist und es mit der Ehe der Eltern immer wieder nicht zum Besten steht.

Aber sie ist wild und lebenslustig und hat eine Freundin, die stille Margot, mit der sie durch dick und dünn geht und früh - schon im Alter von 13 Jahren  - auch einen Liebsten, Martin, mit dem sie die Freuden des Lebens genießt.

Doch leider nur bis 1933, denn Gudrun und auch Margot sind Jüdinnen und ihre Familien bekommen auch bald diverse Repressalien zu spüren. Martin, der aus einer rein deutschen Familie kommt, hält zwar weiter zu Gudrun, doch trotzdem trennen sich ihre Wege alsbald.

Etwa für immer? Man wird sehen, denn Gudrun steht eine Odyssee bevor, die sie - schon während des Zweiten Weltkriegs - mit der Transsibirischen Eisenbahn durch entlegene Gebiete führt. Die Zeit bis Kriegsende übersteht sie mehr schlecht als recht in Shanghai.

Und dann? Nun, die Erlebnisse von Gudrun während und auch nach dem Krieg sind bunt und vielfältig, der Autorin Sabine Bode fehlt es nicht an Ideen. Teilweise geht es für meinen Geschmack sogar um einiges zu wild zu, die ein oder andere Episode hat was von einer Räuberpistole und ich kam mir vor wie in einer Welt von Karl May, Hanni Münzer oder auch Heinz G. Konsalik, in der eine Sensation die andere jagt.

Die Figuren sind interessant und vielschichtig, wenn auch nur in Ansätzen, denn die meisten Akteure tauchen nur kurz auf, um dann wieder - ob für immer oder für eine Weile - von der Bildfläche zu verschwinden. Leider dehnt die Autorin ihre Beschreibung vielschichtiger Charaktere auch nicht auf alle vorkommenden Personen aus, wobei das aber auch den Rahmen sprengen würde. Es wimmelt nämlich nur so von Personal in diesem mit knapp 350 Seiten durchschnittlich langen Roman - kein Wunder, dass man da nicht allen gerecht werden kann.

Gute Ansätze, die sich aber in einem viel zu groß aufgezogenen Rahmen verlieren, ein Buch, das mir wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird, wenn es auch vor guten Ideen darin nur so wimmelte - aber eben leider nur in Ansätzen. Ein Buch, das Versprechungen macht, die es leider nicht halten kann - so sehe ich es!

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26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

verbannung, russland, jachina

Suleika öffnet die Augen

Gusel Jachina , Helmut Ettinger
Fester Einband: 541 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.02.2017
ISBN 9783351036706
Genre: Romane

Rezension:

heißt es für die junge tatarische Bäuerin Suleika, nachdem ihr Mann vor ihren Augen erschossen wird - einfach so. Er ist einer der wohlhabenderen Bauern seiner Region, ein Kulak also und weigert sich, den Befehlen des stalinistischen Regimes beugen - bedingungslose Abgaben und Umsiedlung. So wird Suleika, deutlich jünger als ihr Mann und bisher nicht an Selbständigkeit gewöhnt, auf eine Odyssee geschickt, die über ein Gefängnis in Kazan mitten in die Taiga, nach Sibirien führt, in bisher unbesiedeltes Gebiet, wo sie mit anderen Leidensgenossen, die aus unterschiedlichen Gründen verschickt wurden - Kulaken wie sie, Intellektuelle, "richtige" Straftäter, eine Kolonie gründet. Ja, Suleika öffnet in der Tat erst jetzt ihre Augen und das zieht so einiges nach sich!

Ein etwas anderer Road-Movie ist dies, in dem ein Häufchen Deportierter einfach so durch die sowjetische Landschaft geschickt wird, bis sie - eher durch Zufall - an einem Ort landen, an dem sie seßhaft werden können, einer der ganz besonders tragischen Art. Denn keiner dieser Menschen wollte seine gewohnte Umgebung verlassen, sie sind allesamt dazu gezwungen worden - wie Millionen anderer in den Jahren des Stalinismus.

Die Autorin Gusel Jachina stammt selbst aus Tatarstan und geht in ihrem Buch einem Teil der Geschichte ihrer Vorfahren nach, einem sehr schmerzhaften, den sie nichtsdestotrotz mit großartig gezeichneten Figuren, jede davon mit absolutem Wiedererkennungswert, sowie einer gehörigen Ladung Atmosphäre ausstattet. Nur pro forma erwähne ich, dass ihre Erzählungen obendrein auf sorgfältigen Recherchen basieren.

Ein spannendes Buch, wenn auch die Autorin aus meiner Sicht (noch) nicht ganz die Faszination erreicht, die bspw. eine Sofi Oksanen mit ähnlichen Themenkreisen zu vermitteln vermag, ein ausgesprochen eindringliches noch dazu, das ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde, und dem trotz der ganzen Tragik, die durchgehend mitschwingt, eine Prise Leichtigkeit innewohnt.

Das kurze Geleitwort der großen russischen Autorin Ludmilla Ulitzkaja fällt euphorisch aus, was ich wirklich gut nachvollziehen kann - ich hoffe auch, dass Gusel Jachina weiterschreibt und dabei thematisches Neuland beschreitet. Sehr zu empfehlen für jeden, bei dem das Interesse für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts internationaler Natur ist und der neben historischen Fakten eine gute Geschichte zu schätzen weiß.

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51 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

krimi, kiosk, krimödie, skater, büdchen

Voll von der Rolle

Lotte Minck
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droste Vlg, 23.02.2017
ISBN 9783770015603
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

erwartet uns diesmal bei Loretta und ihren Freunden im schönen Ruhrgebiet und eigentlich ist der Grund ein überaus erfreulicher. Frank hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und eine Bude namens "Kropkas Klümpchenbude" eröffnet, doch wird diese leider nicht nur nur von zahlungswilligen Kunden frequentiert.

Und dann liegt einer dieser ungebetenen Gäste auf einmal auch noch tot vor Franks Konsumtempel - wie könnte es anders sein, ist es Loretta, die ihn findet.

Und so kommen Minipli-Mann und Hornbrillengirl (aka Erwin und Loretta) quasi wie von selbst an einen neuen Auftrag, sehr zum Mißfallen von Lorettas Freund Pascal, aus dessen Sicht seine "Perle" ein viel zu gefährliches Leben führt. Doch Frank darf nicht in Stich gelassen werden und - um ganz ehrlich zu sein - ist auch Lorettas Spürsinn wieder erwacht und lässt sich einfach nicht unterdrücken 

Ganz schön gewalttätig geht es rund um das Büdchen zu und Loretta muss sich mal wieder durchschlagen. Doch nicht ohne "a little help from my bzw. Lorettas friends", die Fans dieser Serie bereits kennen und lieben. Wobei sie diesmal eher in kleiner Schar auftreten, aber dennoch für Furore sorgen - insbesondere Erwin natürlich, aber auch Frank, der sein neu gewonnenes Revier selbstverständlich verteidigen will.

Dass die anderen Mitglieder des Freundeskreises sich bedeckt halten - von Doris bspw. sieht man diesmal hauptsächlich Buletten und andere Leckereien - ist für mich zwar ein Schlag, aber ich blicke voller Zuversicht auf den nächsten Band, zumal sich mit Senzo und Uschi zwei neue Akteure - diesmal aus der Nachrichtenbranche - anschicken, den Freundeskreis zu Entern.

Mal wieder läuft ohne Freundschaft läuft nix - dies das Credo des Buches. Ein anderes könnte "witzig geht die Welt zugrunde" sein. Nur schade, dass es schon wieder vorbei ist, denn auch dieser, bereits achte Band der Reihe, war allererste Sahne. Wer Spaß kombiniert mit ein wenig Spannung mag, der kommt an dieser Reihe mit Loretta Luchs nicht vorbei!

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

tiger, zirkus, juden, südamerika, las vegas

Mein Herz ist ein wilder Tiger

Tanja Weber
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426304624
Genre: Romane

Rezension:

ist das Leben der Zirkusartistin Elly Simon. Beziehungsweise war es das für lange Zeit, denn inzwischen lebt sie fast hundertjährig in einem Pflegeheim in Berlin und wartet auf ihren Tod, im Gepäck schillernde und abenteuerliche Erlebnisse vergangener Zeiten.

Wild und gefährlich ist auch das Leben von John Mbete, einem Flüchtling aus Somalia, schillernd allerdings würde es niemand nennen - voller unglücklicher Erlebnisse und Traumata ist es. Er trifft im Heim auf Elly - als ihr Pfleger, sie erzählt ihm aus ihrem Leben und findet bei ihm Gehör, Verständnis und auch Zuneigung.

Weit herumgekommen ist die alte Dame, viel gesehen hat sie, auch in ihrem Leben gab es viel Trauer, es war von Verlusten geprägt, ebenso wie das noch recht Kurze von John. Für eine kurze Zeit sind sie einander Halt und Zuflucht, doch droht John bereits der nächste Verlust, denn es ist klar, dass Elly nicht mehr lange leben wird.

Eine Geschichte voller Liebe, Achtung und Zuversicht, die mich dennoch nicht in ihrer Gänze erreicht hat. Ich bin ein großer Fan von Tanja Weber, habe viele ihrer Bücher gelesen und mich für fast alle begeistern können, hier allerdings scheint mir die Geschichte nicht ganz rund zu sein. Mit ihren Schilderungen um die Suche nach einer Zuflucht, einem Zuhause hat sie mich nicht ganz erreichen können.

Auch wenn es auf jeden Fall der richtige Schritt war, gerade in diesen Zeiten den Themen Flucht und Vertreibung gerade auch ein Format, eine Präsenz auf literarischer Ebene zu verleihen. Und wie man es von der Autorin nicht anders kennt, nähert sie sich dem Thema behutsam und voller Achtung, wobei sie mutig die unterschiedlichsten Aspekte anspricht. Schwarz und weiß gibt es bei ihr definitiv nicht, auch nicht als Hautfarben, alles verbindet sich, alles ist vielschichtig und nicht so, wie es zunächst scheint. Ach, wie gerne hätte ich mich völlig begeistert in dieses Buch "geworfen", doch irgendwie hat es mich nicht ganz gepackt. Anderen mag es anders ergehen und ich möchte interessierte auf jeden Fall dazu ermutigen, sich an dieses Buch zu wagen.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

haare, familienclan, leihmutterschaf

Die Sache mit Norma

Sofi Oksanen , Stefan Moster
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2017
ISBN 9783462049633
Genre: Romane

Rezension:

Eine haarige Geschichte ist es, die Sofi Oksanen diesmal erzählt: das Schicksal Normas, die, gerade erst 30jährig, ihre Mutter Anita durch Freitod verloren hat. Anita arbeitete in einem Haarsalon - einem sehr modernen, der sich voll und ganz Echthaar-Extentions verschrieben hat. Wobei ihre Tochter definitiv keine nötig hat: sie hat mehr Haare, als sie gebrauchen kann.

Und die machen ihr nicht nur Freude, sondern bestimmen ihr Leben: nämlich als Indikatoren für Ereignisse, gewissermaßen auch als Droge - und als noch so einiges, aber das offenzulegen, würde bedeuten, Ihnen jetzt schon zu viel vom Geschehen zu verraten!

Ein bisschen was von einem Krimi hat diese Geschichte, die Menschen zusammenbringt, die seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind, teilweise, ohne es zu wissen. Norma will auf jeden Fall herausfinden, was ihre Mutter dazu bringen konnte, sich auf die Bahngleise zu stürzen. Aus ihrer Sicht kann es dafür nur einen einzigen Grund geben: nämlich sie, ihre Tochter zu schützen - aber warum, um alles in der Welt? Oder war es Mord? Und wer der Schuldige?

Um dies herauszufinden, begibt sich Norma in den Haarsalon, der von Marion geführt wird, einer Tochter von Anitas Jugendfreundin, die seit Jahren in einer Nervenklinik weilt. Auch deren Sohn sowie Exmann  mit zweiter Ehefrau hängen mit drin, also eine Sache unter Freunden? Sind sie Täter oder Opfer?

So plakativ bleibt die Geschichte nicht - so leicht macht die Autorin es uns nicht, hat sie es ja nie gemacht, zumal in dem Buch auch Gewesene auftreten, eine vor allem, Anitas Großmutter Eva, die also Normas Urgroßmutter ist und ihre große Zeit in den 1920ern hatte. Was sie dort zu suchen hat? Es hat alles seinen Sinn, seinen Hintergrund, seine Rechtfertigung: trotz allem Extremen, Überraschenden schwingt bei Oksanen auch immer etwas Rationales mit.

Wobei es ein wenig dauert, bis man darauf kommt: Sofi Oksanen schreibt ungewöhnliche Bücher: das ist mir nach der Lektüre ihres gesamten bisher in deutscher Übersetzung erhältlichen Oeuvres völlig klar, aber "Die Sache mit Norma" sprengt alles bisher Dagewesene - und zwar gewaltig.

Starke, eigenartige und eigenwillige Figuren sind, die hier agieren, größtenteils Protagonisten einer modernen Welt, die jedoch allesamt etwas Urtümliches , ja Sagenhaftes in sich tragen. Und die den Machenschaften, Problemen, Fragestellungen der Gegenwart, die hier angesprochen werden, einen Hintergrund verleihen.

Anwandlungen ins Märchenhafte hat es bei Oksanen immer wieder mal gegeben, auch wenn sie tief in ihrem Herzen immer Realistin bleibt, eine Autorin nämlich, die das wirklich Wichtige, die großen Fragen des menschlichen Daseins thematisiert und das tut sie auch in diesem Buch. Extrem und eigenwillig wie ihre Figuren ist auch dieser Roman der Autorin, man könnte ihn auch - ohne zu übertreiben - als wahnwitzig bezeichnen. Ganz sicher nicht ein Buch für jedermann, es wird bestimmt polarisieren.  Aber wer bisher einen Gewinn aus den Romanen Oksanens gezogen hat, der wird das möglicherweise auch diesmal tun - außer wenn es ihm prioritär um die historische Einbettung gegangen ist. Dennoch  - einen Versuch ist es allemal wert!

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Tags: familienclan, haare, leihmutterschaf   (3)
 

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176 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 118 Rezensionen

thriller, psychothriller, schweden, stockholm, krimi

Glücksmädchen

Mikaela Bley , Katrin Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548288444
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Weg zum Tennisunterricht ist sie verschwunden. Ein achtjähriges Mädchen, ein Scheidungskind aus einer Patchworkfamilie, das hin und her gereicht wird. Kein Kind, das auf der Sonnenseite des Lebens steht, wie sich mehr und mehr herausstellt, auch wenn es viele Bezugspersonen in ihrem Leben gibt, fast schon zu viele. Unter anderem auch eine Stiefmutter, die auch schon die "Konkurrenz", den kleinen Stammhalter, auf die Welt gebracht hat und ständig ihre Stellung behauptet. Hat sie damit zu tun?  Oder vielleicht der Tennistrainer? Oder einer der leiblichen Eltern? Wie gesagt, ist die Auswahl groß.

Dazu kommt, dass Ellen, die für ihr Magazin berichten soll, auf eine ganz eigene Art, die sich erst nach und nach erschließt, in der Geschichte drinhängt.

Das alles verspricht einen spannenden Thriller. Aber leider bleibt es über weite Phasen bei diesem Versprechen, die Geschichte kommt nicht so recht in die Gänge.

Mein Fazit also: Eine traurige Geschichte über ein verschwundenes Mädchen, das leider immer mehr in den Hintergrund rückt und zeitweilig (fast) verschwindet. Wie auch einige der Erzählstränge, die vielversprechend aufgenommen werden, nicht nur um die kleine Lycke, sondern auch um Reporterin Ellen Tamm. Dabei ist diese Figur durchaus vielschichtig aufgebaut und hat - mit ein wenig Feinjustierung - durchaus das Zeug zu einer recht originellen Serienprotagonistin. Sollte es also einen Nachfolgeband geben, ich würde Ellen Tamm und damit der Autorin Mikaela Bley durchaus noch eine Chance geben. Im Moment kann sie jedoch noch nicht mithalten mit anderen Größen nordischer Kriminalliteratur.

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73 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

tod, roman, verlust, krankheit, liebe

In jedem Augenblick unseres Lebens

Tom Malmquist , Gisela Kosubek
Fester Einband: 301 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608983128
Genre: Romane

Rezension:

Ein Mann gibt sich preis: Tom verliert seine Frau, kurz bevor es zum schönsten Moment ihres gemeinsamen Lebens kommen kann:nämlich dem, in dem sie zusammenEltern werden. Und das Unfassbare passiert: das kleine Mädchen Livia - die Mutter, die noch eine Weile um ihr Leben kämpft, kann ihr noch diesen Namen geben - überlebt, die Mutter muss ihre Familie verlassen, noch bevor diese zu einer geworden ist: Karin hat eine schreckliche Krankheit, eine seltene, die spät entdeckt wird und unheilbar ist, sie erlebt ihre Mutterschaft nur noch kurz und quasi in einer Zwischenwelt - zwischen Leben und Tod.

Tom erlebt diese unfassbare Zeit, in der er - quasi automatisch - zum alleinerziehenden Vater wird - wie durch einen Film, durch den falschen Film, in den er geraten ist. Und das Schlimme - der Tod ist weiterhin um ihn herum, sein Vater und Schwiegervater ringen damit.

Und das Unfassbarste an allem - Tom Malmquist, der Autor, IST Tom, er hat diese erschreckenden Erfahrungen hinter sich, hat seine Geschichte aufgeschrieben - als Roman.

Tom ist ein Dichter, ein junger Mann, der der Poesie verpflichtet und nicht so recht von dieser Welt ist. Sprache benutzt er als Waffe, so scheint es, als eine Art Abwehrmittel gegen die Welt um sich. Und daher wirkt seine Geschichte oft sehr befremdend, sehr distanziert.

Ich kann mir vorstellen, dass das die einzige Art ist, mit diesen Schicksalsschlägen klarzukommen, sie in irgendeiner Form aushalten, ja: parieren zu können. Und deswegen hat er, der Mann des Wortes seine Geschichte in einen Roman gepackt, in dem er sie aus der Ferne erlebt: seinen Lesern gibt er sich und sein trauriges Schicksal dadurch preis. Eine sehr mutige Art, mit seinem Schicksal umzugehen, finde ich.

Ob ich das Buch empfehle? Ja, natürlich, aber die Lektüre kostet viel Kraft, man sollte es also nicht in jeder Lebenslage lesen - sondern eine wählen, in der man eine gewisse Stabilität an sich feststellt, in der man sich ein wenig auf sich selber verlassen kann. Sonst kann ich - und Tom sicher auch nicht - für nichts garantieren.

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

galapagos, tourismus, meeresbiologie, brandstiftung, tauchen

Abgrund

Bernhard Kegel
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 28.02.2017
ISBN 9783866482517
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den hat sich die Kieler Kripochefin Anne Detlefsen, Hermann Paulis neue Partnerin erträumt, doch ist sie noch nicht lange genug mit einem Wissenschaftler zusammen, um zu wissen, dass sie ihn immer mit seinen Forschungen teilen muss - so auch hier, denn die Galapagos-Inseln sind für Hermann ein wahres Schatzkästchen und außerdem sind gerade seine wissenschaftlichen Weggefährten zum Forschen da - klar, dass er sich nicht lange ziert und mittut.

Anne ist zunächst ein bisschen - oder auch ein bisschen mehr - beleidigt, entdeckt jedoch mehr und mehr ihren eigenen Bereich: neben der reichhaltigen Flora und Fauna gibt es nämlich auch Kriminalistisches zu erkunden: es hat gleich mehrere Brandanschläge auf Schiffe gegeben, einmal sogar waren Todesopfer zu beklagen. Und auf den Inseln gibt es einen ziemlich knackigen Ermittler, der nur zu gerne mit Anne fachsimpelt...

Eine Geschichte, in der es um Kriminalistisches, in großen Teilen aber auch um Umwelt- und vor allem Artenschutz geht, um die Rolle der Forschung darin (oder auch gerade nicht). Die ganze Forschercommunity, die gerade auf den Inseln weilt und ihre Belange spielen eine nicht gerade geringe Rolle.

Wobei: auch wenn es mir schwerfällt, dieses Buch einem Genre zuzuordnen: eines ist es ganz sicher nicht: ein Wissenschaftskrimi. Dafür gehen das ganz "Wissenschaftsgetue" zu wenig in die Tiefe, an die Subtanz, der in seinem Erzählstil und den Inhalten durchaus klug agierende Bernhard Kegel lässt sich nie endgültig bzw. bedingungslos auf dieses Sujet ein, so mein Eindruck.

Dennoch eine durchaus lohnenswerte Lektüre, in der als weitere Themen die Liebe im Alter und immer wieder Interessenskonflikte verschiedener Art. Und Galapagos wird ausgesprochen atmosphärisch geschildert, mich juckt es schon, dorthin zu reisen.

Selbst Darwin, der Vater der Galapagos-Forschung, bekommt seine Rolle - in einem Prolog, der sich aus meiner Sicht allerdings ein wenig verliert, am Ende kann ich seine Relevanz fürs Geschehen nicht so recht einordnen.

Keine leichte Lektüre, ich empfand sie phasenweise sogar als sperrig, habe aber dennoch mit Genuss gelesen und am Ende mein Buch mit einer gewissen Befriedigung beiseite gelegt. Neue Interessen wurden geweckt, alte wiederbelebt - was will man mehr.

Für Freunde von klugen Unterhaltungsromanen, die Wissenschaftsthemen nicht abgeneigt sind, genau das Richtige!

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

beziehung, studium, kindheit, ukrain, liebe

Sammlung der Leidenschaften

Natalka Sniadanko , Anja Lutter
Fester Einband
Erschienen bei Haymon Verlag, 03.02.2017
ISBN 9783709972502
Genre: Romane

Rezension:

Ost und West gesellt sich gern? Naja, manchmal: und einfach ist es auch nicht immer. Dass Olessja eine Au-Pair-Stelle im Badischen bekommt, ist ein Glückstreffer, dass sie diese auch noch bei einer protestantischen Familie kriegt, die Bildung nicht nur für die eigenen Kreise großschreibt, ist ein Glücksfall.

Dabei ist es gar nicht so, dass Olessja auf Gedeih und Verderb in den Westen wollte, nein, über ihre Sozialisierung im heimischen Lemberg erfahren wir zunächst so einiges - bspw. dass die Mädchen dort mehr als behütet aufwachsen - zumindest in den besseren Kreisen, aus denen auch Olessja stammt - aber dennoch so ihre eigenen Wege gehen, wenn es darum geht, das Leben an sich mit allem Zipp und Zapp - also auch dem anderen Geschlecht zu erkunden.

Aber so schräg wie in Süddeutschland geht es da nicht zu, denn nachdem Olessja ihre behütete Aupair-Rolle verlässt und ein Studium aufnimmt, macht sie die Erfahrung, dass ukrainische Frauen offenbar als Freiwild gelten: ihre genau so gemeinte Zimmersuche wird als etwas ganz anderes verstanden und auch sonst hat sie es nicht gerade leicht.

Aber Olessja geht mit wachen Augen durchs Leben und ist zudem mit einer gehörigen Portion Humor und auch Mut gesegnet: was ihren Aufenthalt mehr als erträglich und dieses Buch lesenswert macht. Wenngleich man sich bei der Lektüre ab und an ein wenig wundert, um dann beim genaueren Hinsehen zu erfahren, dass es sich hier um ein Buch handelt, dass 2001 erstmals aufgelegt wurde. Also, die ganzen Dramen, die sich jetzt so in der Ukraine abspielen, sind noch in weiter Ferne und auch die EU-Grenze ist noch nicht so weit in den Osten gerückt.

Aber einiges hat sich kein bisschen geändert - der Mensch und seine Leidenschaften nämlich, die sich hier sammeln.

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26 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

roman

Kraft

Jonas Lüscher
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 08.03.2017
ISBN 9783406705311
Genre: Romane

Rezension:

18 Minuten: Diese kurze Zeitspanne soll das Leben des Tübinger Rhetorikprofessors Richard Kraft ändern - zum Besseren natürlich. Er ist dazu ausgewählt worden, eine Kernfrage des Lebens zu beantworten. Für die beste Antwort ist eine Million Dollar ausgelobt worden, diese benötigt Kraft, um die Scheidung von seiner Frau, nein, eigentlich von seiner Famlie finanzieren zu können.

Zwei Wochen Zeit hat er zur Vorbereitung in den USA, dem für ihn im Moment gelobten Land und macht sich auf zu einer Reise, die ihn, wie es sich herausstellt, in die Vergangenheit führt. In seine eigene, in sein früheres Leben, man könnte auch sagen: in seine früheren Leben. Zunächst dadurch, dass sein Helfer in der Not, der ihm erst zu diesem Projekt verhilft, ein Weggefährte aus alten Zeit ist, als er im Neoliberalismus noch die Rettung sah.

Aus der Chance auf ein neues Leben wird nicht nur durch diese Begegnung eine Rückkehr zu alten Zeiten. Kraft hinterfragt - zum ersten Mal, so scheint es - die Reaktionen und Aktionen verschiedener Schlüsselpersonen, die im Laufe der Jahre zu bestimmten Wendungen führten. Und dies führt den Kraft auf den Weg: Kraft hat endlich die Kraft, einen Entschluss zu fassen, von dem er nicht mehr abweichen wird.

Ein kurzer, aber doch weitläufiger Roman ist es, den Jonas Lüscher uns hier beschert hat. Ich habe mich darauf gefreut, nachdem ich den Erstling "Frühling der Barbaren" noch in bester Erinnerung hatte, ob der originellen Ideen und der spritzigen Wortwahl. Im Folgeroman hält Lüscher dies - so finde ich - nur phasenweise durch. Stellenweise schwafelt er sich ebenso durch den Roman wie die von ihm geschaffene Figur Adam, ein Sohn des Protagonisten und von den Schachtelsätzen habe ich mich teilweise erschlagen gefühlt.

Das Ende hat den Roman richtig rund gemacht, dennoch fühle ich mich nach Abschluss des Buchs in etwa so ermattet, als hätte ich einen 1000seitigen Klassiker, von Joyce zum Beispiel oder von einem der vielgerühmten Russen hinter mich gebracht, allerdings nicht demselben satten Gefühl der Befriedigung. Ich muss es nicht immer pragmatisch haben, aber angesichts der immer wiederkehrenden laaangen Sätze habe ich mich dann doch immer wieder nach Sachlichkeit gesehnt. Den Roman empfehle ich nur Lesern, die darauf für einige Zeit verzichten können.

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

graz, köln, spannend, serienmörder, krimi

Anton zaubert wieder

Isabella Archan
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei CONTE-VERLAG, 30.09.2016
ISBN 9783956020933
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das ist die Ermittlerin Willa Stark, die es bereits zum zweiten Mal aus Graz in die rheinische Tiefebene verschlägt, wo sie sich überaus wohlfühlt. So wohl, dass sie am liebsten für immer dort bleiben würde, denn in Graz hat sie so einige Altlasten zurückgelassen, ohne die es sich für sie weitaus leichter leben lässt.

Jetzt ist ihr Typ wieder gefragt, da ein Landsmann von ihr - sogar ebenfalls gebürtiger Grazer, allerdings schon im Kindesalter von Kölschen adoptiert und somit auch im Rheinland zu Hause - eines Serienmordes an Frauen verdächtigt wird, an älteren. Dennoch ist eventuell sogar ein Mord aus Leidenschaft zu vermuten. Auch dieser Mann, Anton, hat wie Willa eine Last in Graz zurückgelassen: er hat als kleines Kind den Mord an seiner Mutter mitansehen müssen, ein Erlebnis, das ihn - wie könnte es anders sein - fürs Leben geprägt hat.

Doch es ist nicht nur die Handlung, es ist auch die Atmosphäre, die Figuren, mit denen die Autorin Isabelle Archan beeindruckt. Man hat sie förmlich vor Augen, sowohl das vielschichtig dargestellte Kölner Kripo-Team als auch die Charaktere, die in die Mordfälle verwickelt sind.

Düster und beklemmend ist das Szenario an vielen Stellen, auch wenn ab und zu eine gewisse Leichtigkeit aufblitzt. Gestört hat mich lediglich, dass die Opfer eher als Randfiguren fungierten - wenn überhaupt: außer dem ersten Opfer blieben sie eigentlich ganz im Hintergrund, wie auch ihre Hinterbliebenen, das gesamt Umfeld.

Dennoch: ein stilsicher und damit elegant und wortgewandt erzählter Krimi, den ich mit Genuss gelesen habe, gerade auch als Kölnerin. Für Krimifans im Rheinland und darüber hinaus sehr zu empfehlen!

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schwangerschaft, hypochonder, geburt, schwangerschaftsmanager, lustig

Die Schwangerschaft des Max Leif

Juliane Käppler
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.03.2017
ISBN 9783426519745
Genre: Romane

Rezension:

Und zwar vor allem an Verantwortung - seine Maja ist nämlich schwanger und das muss gecoacht werden. Zudem hat er gut zu tun - nicht nur als Musiklehrer in Majas neuer Kita "Kling Klang".

Als Hypochonder ist Max nicht mehr unterwegs, denn mit seiner Einsamkeit ist es vorbei - ihm fehlt es an Zeit, sich neue Krankheiten auszudenken. Auch wenn er immer noch seine russische Putzfrau Jekaterina Poljakow hat, die über Haus und Seele - und inzwischen auch über Maja - wacht, hat sich doch vieles geändert: Max ist nun Teil eines Paares und ebenso Teil eines Kita-Teams. Und wichtiger, als auf sich selbst zu achten, ist es zu schauen, dass es den anderen gut geht - Maja vor allem, aber auch den Kids. Und Big Mama, der kreolischen Kita-Köchin, dem Herzstück des Teams sozusagen. Zumal sie mit Frau Poljakow, die natürlich auch im "Kling Klang" putzt, so gar nicht kann.

Wie man sieht: es gibt einiges zu tun. Dazu gehört auch, Maja jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Und Musik spielt bei Max, auch wenn er kein Produzent mehr ist, immer noch eine große Rolle - die Playlist des Lebens nimmt eben nie ein Ende! Leif is Leif!

Wie im Vorgängerband "Die sieben Tode des Max Leif" ist der Protagonist nicht nur für eine Überraschung gut. Und weil jeder das bekommt, was er verdient, kann nicht nur Max, sondern auch seine Maja, aber auch andere Figuren mit dem ein oder anderen Bubenstück überraschen.

 Max' Geschichte, die ich im Vorgängerband noch  als eine Art modernes Märchen bezeichnen habe, entwickelt sich zum Alltagsmovie der ganz besonderen Art. Auch diesmal fungiert er wieder als eine Art moderner Prinz oder Glücksritter, aber einer der ganz besonderen Art und um ihn herum springen jede Menge Prinzessinnen, Froschköniginnen, gute Feen, aber auch böse Schwiegermütter. Nur, wer wen verkörpert, das wird oft erst nach einer ganzen Weile klar.

Genau das Richtige für die Ferien oder für ein entspannendes Wochenende: Eine leichte Lektüre mit vielen Überraschungen und nicht ohne Anspruch, gerade auch, was Wertvorstellungen angeht! Wer seine Freizeit zur Freu-Zeit machen, also genießen und nicht vergeuden will, sollte nicht lange fackeln und zu diesem Buch greifen. Nicht zuletzt deswegen, weil der Stil der Autorin Juliane Käppler einfach wundervoll ist.

Und am Ende wird klar - aus dem "Staying alive" der Bee Gees wird hier Staying a Leif, um mit den Lyrics der drei kalifornischen Herren zu singen: "Well, you can tell by the way I use my walk,
I'm a woman's man... no time to talk." Warum diese Zeilen mehr denn je auf Max Leif zutreffen - man darf gespannt sein!

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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

köln, adenauer, nachkriegszeit, krimi, 2. weltkrieg

Das Adenauer-Komplott

Sebastian Thiel
Fester Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.02.2017
ISBN 9783839220764
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Und zwar in Deutschland im August 1944! Der Krieg ist im Prinzip verloren, die Verantwortlichen versuchen, ihren eigenen Hals aus der Schlinge zu ziehen, die Bevölkerung wird absolut in Stich gelassen. Das spürt auch der junge Offizier Maximilian Engel, für den das Dritte Reich keinen Pfifferling mehr wert ist - und der dies in einer Kölner Kneipe auch unverholen kundtut.

Wie man sich vorstellen kann, findet er sich schneller im El De-Haus, wo die politischen Gefangenen gesammelt und verhört - was im Klartext heißt: gefoltert - werden. Eine geheimnisvolle Schönheit verspricht ihm Unterstützung - wenn er Fluchthilfe leistet. Und zwar niemand Geringerem als Konrad Adenauer, in Köln als ehemaliger Bürgermeister allseits bekannt.

Dies ist der Auftakt zu einer langen und engen Beziehung - einmal zwischen Engel und Adenauer, aber auch zwischen Engel und Luisa, die ihren geheimnisvollen Zauber über Jahre hinweg auf ihn ausübt. Vom auslaufenden Dritten Reich führt dieser spannende Politkrimi nämlich geradewegs in die Bundesrepublik - und damit in die Zeit des Wirtschaftswunders. Dass dieser Weg durchaus ein steiniger war, das führt uns Autor Sebastian Thiel eindringlich vor Augen, indem er gekonnt historische Realitäten mit Fiktion verknüpft - so gekonnt, dass ich mich manchmal fragte, was wahr, was erdacht war.

Auf jeden Fall hätte es auch so laufen können, wie Thiel es darstellt - es bleibt immer im Rahmen - oder auch nicht. Denn nichts ist verwegener als die Realität - das wurde mir durch die Lektüre dieses Krimis ganz deutlich vor Augen geführt.

Ein spannendes Buch für alle, die an der neueren deutschen Geschichte interessiert sind - und das dürften nicht wenige sein. Ich wünsche diesem Buch wirklich hohe Auflagen - aber vor allem wünsche ich mir, dass die Leser die Gefahren, die hier dargestellt werden - die Bundesrepublik schrammt nur ganz knapp an einer Katastrophe vorbei - nicht nur als Fiktion sieht. Denn diese sind zweifellos auch in der aktuellen politischen Situation möglich: ganz plastisch und sehr gekonnt zeigt uns Sebastian Thiel, dass Poltik eigentlich immer ein Spiel mit dem Feuer ist!

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

österreich, coming-of-age

Fliegenpilze aus Kork

Marie Luise Lehner
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 08.02.2017
ISBN 9783218010672
Genre: Romane

Rezension:

Das tut die Ich-Erzählerin dieses Buches bereits in jungen Jahren.

Ein Mädchen und ihr Vater sind die Hauptakteure dieses Buches, das Mädchen als Berichtende, als Protagonistin, der Vater sozusagen als Hauptperson. Getrennt sind die Eltern des namenlosen Mädchens bereits sehr früh - das bedeutet für das kleine Kind zwei parallele Leben nebeneinander zu leben. Wächst es bei der Mutter sehr behütet, also eher klassisch, auf, führt es bei dem Vater ein gewissermaßen hippiehaftes Nomadenleben, das zudem geprägt ist von Mangel - dem Mangel an Gegenständen, am Essen, nicht jedoch an Liebe, auch wenn der Vater - immer mal wieder psychisch krank, wie sich mit der Zeit herausstellt - diese seiner Tochter auf ausgesprochen unkonventionelle Art und Weise mitgibt.

Eine Beziehung im Wandel der Jahre - genau dokumentiert wird das Alter des Mädchens stets vom Kindergarten- bis zum Erwachensenenalter, so dass man die Ereignisse, vor allem ihre Sicht der Dinge, stets gut einordnen kann.

Kein leichtes Leben ist es, weder für den Vater, noch für das Mädchen, doch ist es abseits von Konventionen und konventionellen Bedürfnissen ein durchaus reiches Leben, auch wenn es nicht immer genug zu Essen gibt: der Vater zeigt seiner Tochter vieles, führt sie an Kunst, Kultur, auch Politik heran: dumm sterben wird sie wegen ihm, der nur schlecht schreiben kann, jedenfalls nicht.

Ein Leben abseits dem, was angesagt ist, abseits bürgerlicher Gepflogenheiten, die dem Mädchen doch durchaus bekannt sind durch die Zeit mit der Mutter. Auch wenn sich die Tochter manchmal für den Vater schämt, wie es Kinder eben tun, steht sie doch zu ihm.

Die junge österreichische Autorin Marie Luise Lehner hat mit "Fliegenpilze aus Kork" ein ungewöhnliches, gleichwohl faszinierendes Werk geschaffen, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich empfehle es Lesern, die auf der Suche nach etwas Neuem, ungewöhnlichem sind und einen Sinn für schöne Bücher haben, der Verlag Kremmayer & Scheriau gestaltet seine literarische Reihe nämlich ganz besonders orginell und liebevoll.

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260 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 136 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, roman, erinnerungen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

          Diese Frage habe ich mir während der Lektüre des vorliegenden Buches nicht nur einmal gestellt. Denn es geht um einen Mord, der viele Jahre zurückliegt, mehrere Jahrzehnte, muss man sagen.

An einem Professor namens Joseph Wieder, einem Psychologen. Über ihn, ebenso wie über den ganzen Tatvorgang und auch die Vorgeschichte herrschen ebenso viele Meinungen wie es Menschen gibt, die befragt werden. Von verschiedenen Seiten, denn auch die Geschichte selbst wird aus mehreren Perspektiven geschildert, wovon eine ein Buch im Buch ist.  Und auch die anderen sind sehr spannend und vielschichtig - erst spät erfährt man, warum der Titel "Buch der Spiegel" gewählt wurde.

Auf jeden Fall begegnen uns im Laufe der Lektüre menschliche Regungen wie Neid, Hass, aber auch Leidenschaft - Liebe eher nur in Bezug auf die Nebendarsteller. Sie sind jetzt gespannt, gar neugierig?

Dürfen Sie auch sein, allerdings muss ich gestehen, dass sich die Handlung aus meiner Sichte teilweise zäh, ja schleppend entwickelte und auch zu statisch war - auf gewissen Details bzw. Facetten wurde zu sehr herumgeritten, auf der anderen Seite verstehe ich nicht, warum einige Figuren eingebaut wurden - der Text war damit ganz klar etwas überladen und hat mich durchaus von Zeit zu Zeit verwirrt.

Dennoch interessant und lesenswert. Was mich besonders fasziniert hat, war die atmosphärische Dichte in Bezug auf die Schauplätze und das, obwohl der Autor E. O. Chirovici rumänischer Herkunft ist und erst seit vier Jahren in den Vereinigten Staaten lebt: dies ist sein erster Roman in englischer Sprache. Und auch sonst offenbart sich im Laufe der Lektüre die ein oder andere Überraschung - wenn auch ein wenig schleppend. Ein ungewöhnliches, dennoch eher konservativ strukturiertes Buch, das durchaus lesenswert ist.
       

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122 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 50 Rezensionen

krebs, roadtrip, tumor, vw-bus, leben

Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.02.2017
ISBN 9783746633213
Genre: Romane

Rezension:

beschließt Isabel zu führen - dass dieses Leben ein sehr kurzes sein wird, ist ihr von vorneherein klar, denn sie ist unheilbar an Krebs erkrankt.

Bisher war sie als Unternehmensberaterin sehr organisiert, geordnet und in ihrer Lebensgestaltung eher konservativ - nun wirft sie alle ihre bisherigen Werte über Bord, tauscht Businesskostüm gegen einen bunten, mit Monden bedruckten Hippierock und begibt sich in einem umgebauten VW-Bulli, um unverzüglichen gen Süden, am besten in die Provence zu fahren. Diesen bekommt sie aber nicht ohne den Besitzer, den rastagelockten Musiker Rasso, der vor der endgültigen Übergabe noch einiges zu regeln hat, bei dem Isabel ihn - sozusagen zwangsläufig - begleitet. Wobei sie eine vollkommen neue Welt kennenlernt. Und auch lieben lernt - sozusagen auf den zweiten Blick.

Und es kommt einiges anders - völlig anders, als Isabel es bislang zu denken wagte.

Ein nicht ganz neues und nicht ganz ungewohntes Thema, dieses Ausbrechen aus dem bisherigen Alltag angesichts des nahenden Todes. Eines, das auf die unterschiedlichste Art interpretiert worden ist. Die vorliegende Variante beinhaltet neben einem spritzig-witzigen Stil - so sehe ich es leider - stapelweise Klischees und eine nicht allzu originelle Umsetzung dieser immerhin recht unterschiedlichen Situationen.

Auch wenn sich das Buch leicht und schnell lesen ließ, hat es mich in dieser Hinsicht doch enttäuscht. Empfehlen würde ich es als Urlaubslektüre oder bei einer längeren Zugfahrt zur Entspannung - eben in Situationen, in denen man sich nicht allzu sehr konzentrieren muss. Denn trotz des eigentlich ernsten Themas konnte ich eine gewisse Tiefe nur in ganz geringen Ansätzen ausmachen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Hans Fallada

Peter Walther
Fester Einband: 527 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.01.2017
ISBN 9783351036690
Genre: Biografien

Rezension:

oder wie das Leben eben!

Dass Hans Fallada ein - sagen wir es mal so - überaus vielseitiges und abwechslungsreiches Leben lebte, wissen diejenigen seiner Leser, die sich für die Inhalte beziehungsweise deren Herkunft interessieren. Vieles war nämlich vom Leben der Verfassers selbst bzw. den Beobachtungen, die Rudolf Ditzen - so der eigentliche Name des Autors - im Laufe seines leider nicht allzu lang währenden irdischen Daseins so machte, inspiriert.

Aber was genau die Hintergründe waren, die Herkunft, das Umfeld, die Begegnungen, die er so im Laufe seines Lebens machte, das war mir nicht so klar. Näheres erfuhr ich dann aus der Biographie des überaus kreativen und vielseitigen Germanisten Peter Walther, während deren Lektüren man eine besonders stark ausgeprägte Seite des Herren kennenlernt: Peter Walther kann wunderbar schreiben, so anschaulich und dabei klug daher plaudern, dass zumindest ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Und das passiert mir - die ich im Laufe meines (Lese)Lebens schon so einiges an aus meiner Sicht herausragender Lektüre genießen durfte und somit entsprechend verwöhnt bin - ziemlich selten. Jedenfalls hat er mit seinen Ausführungen zu Fallada und der ganzen, reichhaltigen Gestaltung und Ausstattung des Buches die meisten angelsächsischen Autoren dieses Genres in den Schatten stellen können - und die halten aus meiner Sicht in diesem Bereich ganz klar die Top-Position. Naja, bisher jedenfalls.

Nicht nur werden Ereignisse anschaulich dargestellt, nein, auch den Personen, die ja wirkliche sind, die gelebt und Spuren hinterlassen haben, verleiht der Autor eine Präsenz, dass man meint, sie persönlich vor Augen zu haben. Dazu kommt noch seine persönliche wissenschaftliche Wahrnehmung und Eingliederung des Autors, den den rein deutschsprachigen Sprach- und Kulturraum weit übersteigt. Und das alles wird aufs Reichhaltigste ergänzt durch zahlreiche Fotografien und einen ausführlichen Anhang, der zu meiner großen Freude neben Anmerkungen und Literaturverzeichnis auch eine Zeittafel enthält.

Für mich war das Buch in vielerlei Hinsicht ein Gewinn: nicht nur durfte ich viel über Rudolf Ditzen aka Hans Fallada erfahren, der mich als Mensch und als Autor sehr interessiert, sondern auch ein wirklich mitreißendes Buch lesen, das mich mit Sicherheit auch gefesselt hätte, wenn im Fokus eine weniger faszinierende Gestalt als Hans Fallada gestanden hätte!

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

stalking, krimi, filmsternchen, 2016, notwehr

Ein Schlag ins Gesicht

Franz Dobler
Fester Einband: 365 Seiten
Erschienen bei Tropen, 13.02.2017
ISBN 9783608502169
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Robert Fallner ist ein Exbulle - das ist allerdings erst ganz neu. Er hat einen jungen Typen in Notwehr erschossen, und, obwohl eigentlich so ein richtig cooler Typ, kommt er damit gar nicht klar. Und verliert seine Frau. Möglicherweise auch seine Würde und Selbstachtung - das ist ihm selbst noch nicht so ganz klar.

Er wird eine Art Sicherheitsmann in der Firma seines Bruders Hans - schon das erniedrigend genug. Und dann noch der Fall - es geht um eine alternde Schauspielerin auf dem absteigenden Ast, die gestalkt wird. Nur angeblich oder wirklich?

Irgendwie sind in diesem Buch alle auf dem Weg nach unten - außer Hans. Oder? Und was ist mit dem Fall?

Franz Dobler hat es wirklich drauf - zumindest, was den Stil anbelangt, der ist so unterkühlt wie in den allerbesten Noir- Krimis der 1960er Jahre. Sein Held Robert Fallner ist eine Mischung aus Raymond Chandlers Philip Marlowe und Jo Nesbos Harry Hole. Eigentlich sehr einladend, finde ich, aber so gut seine Hauptfigur angelegt sind, so cool - manchmal auch heiß, irgendwie samtig-glatt seine Schilderungen, so wenig fluppt der Fall. Irgendwie ist das nichts Halbes und nichts Ganzes und so hatte ich mit dem Buch und den extremen Längen, die dem Fall die ganze Spannung raubten, so meine Schwierigkeiten. Er zog sich, ebenso wie meine Lektüre.

Man muss schon sehr auf den Noir-Stil stehen, um Gefallen an der Geschichte zu finden und genügend Geduld aufzubringen.


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26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

frankreich, england, liebe, altenheim, freunde

Der Mann an der Reling

Barbara Brandt
E-Buch Text: 288 Seiten
Erschienen bei Amazon Publishing, 11.10.2016
ISBN 9781503995970
Genre: Sonstiges

Rezension:

Und das hatte es in sich, denn neben einem schönen Leben im ländlichen Frankreich mit Albert, ihrem fürsorglichem Ehemann und in guten materiellen Verhältnissen, hat sie es auch nicht lassen können, mit dem Feuer zu spielen - mit dem Briten Robert gab es eine handfeste Affäre, die ihren Blick aufs Leben gehörig modifiziert hat. Jahre später sieht sie ein Foto von Robert mit ihrer Zwillingsschwester Sally in vertrauter Pose. Robert hat sie längst aus den Augen verloren, Sally ist verstorben. Gibt es einen Weg, herauszufinden, was passiert ist?

Ein Buch mit einem überaus einladenen Cover - frühlingshaft blühende Obstbäume mit ersten Früchten hat mir die Lektüre schmackhaft gemacht, doch konnten Klappentext und Gestaltung ihr Versprechen nicht halten: der Schreibstil erschien mir hölzern und erschwerte die Lektüre, zudem ging es sehr oft um Sex und um sexuelle Anspielungen, auch in Settings, wo das gar nicht so recht passte.

Iris' Geschichte wirkt wirr - die Abläufe waren für mich schwer nachzuvollziehen, was als Darstellung des Rückblicks einer alten Frau auf ihr Leben durchaus schlüssig war, mir das Lesen aber extrem erschwerte.

Auch die Charaktere sind aus meiner Sicht nicht eindringlich geschildert: ich habe keine großen Unterschiede zwischen Albert, Iris' Ehemann und Robert dem Geliebten gesehen, bzw. nicht verstanden, was sie an dem einen langweilte, an dem anderen so faszinierte. Im Prinzip waren sie austauschbar. Ein Roman, der mir leider wenig Freude bereitet hat und für den ich somit auch keine Empfehlung aussprechen kann.

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(80)

143 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

kamerun, usa, new york, finanzkrise, american dream

Das geträumte Land

Imbolo Mbue , Maria Hummitzsch
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.02.2017
ISBN 9783462047967
Genre: Romane

Rezension:

          So sehen die Kameruner Jende und Neni Jonga die Vereinigten Staaten von Amerika: es ist ganz klar das Ziel ihrer Träume! Und als sie es nach zähem Ringen endlich schaffen, sich dort niederzulassen, scheinen diese Träume endlich wahr zu werden. Zumal sie erst in den USA endlich heiraten können, obwohl sie doch schon längst Eltern eines wohlgeratenen Sohnes namens Limbi sind. Und aus dem soll jetzt ein waschechter Amerikaner werden. Das bisschen harte Arbeit, das auf sie zukommt? Ein Klacks, vor allem nachdem sie die Familie Edwards kennengelernt haben, bei der Jende einen richtig gut bezahlten Job als Chauffeur bekommt und auch Neni immer mal wieder kleine und auch größere - so zum Beispiel als Köchin während der Sommerferien - Aufträge erhält.

Doch die Vorstellungen des Paares driften mehr und mehr auseinander, zumal Neni sich fortbildet und davon träumt, in die besseren Kreise aufgenommen zu werden. Jende hingegen, in seiner täglichen Arbeit als Chauffeur, sieht mehr und mehr, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Clark Edwards ist nämlich Manager an der Wall Street, ausgerechnet bei den Lehmann Brothers und wir schreiben das Jahr 2008, in dem der Börsencrash naht. Und auch vorher war Familie Edwards alles andere als frei von Problemen.

Mehr und mehr stellt sich die Frage, was "Heimat" ist. Ist diese da, wo man sich abarbeitet, um irgendwann seine Version des amerikanischen Traumes zu verwirklichen? Oder doch in der kamerunischen Stadt Limbe, aus der sie kommen und in der die Armut aus jeder Ecke quillt?

Die kamerunische Autorin Imbolo Mbue beschreibt dieses Drama eindringlich, wenn auch nicht ohne Längen. Die Themen Exil und Auswanderung sind gerade wieder brennend aktuell, wenn auch die Familie Jonga nicht geflohen ist, jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne. Eine Flucht ist es natürlich schon, die aus der Armut. Und in New York, wo die Familie landet, lastet eine Menge Verantwortung auf ihr:  die Verwandten aus der Heimat und zwar nicht nur die engsten, brauchen ständig Geld für dies und das und alles ist superwichtig. Die Jongas sollen es richten. Und das, obwohl ihr Status im (für sie) gelobten Land noch keineswegs sicher ist! Werden sie Fuß fassen können in den USA, wird es ihre neue Heimat? Oder werden sie am Ende gar keine haben?

Ein eindringliches, stellenweise auch unterhaltsames Buch, das mich aber nicht in Gänze gepackt hat. Spannend für alle, die gerne andere Mentalitäten kennenlernen, sich in die schwierige Situation von Menschen mit anderen Lebensbedingungen hineindenken. Aber trotz der Lockerheit im Stil definitiv keine leichte Kost!
       

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72 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

krimi, münchen, brauerei, mord, dialekt

Zapfig

Felicitas Gruber
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diana, 13.02.2017
ISBN 9783453358515
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

...man könnte ihn auch als zapfig bezeichnen, denn wir befinden uns hier im Herzen Bayerns, bzw. Münchens, im schönen und traditionsreichen Giesing, von wo aus Gerichtsmedizinerin Sofie Rosenhuth, ausgestattet mit ein paar Kilo mehr und einer Charmeoffensive, an der kein Mann in ihrem Umfeld vorbei kommt, ihre diversen Aktivitäten startet: sowohl die beruflichen als auch die privaten, zu denen ihr nun jedoch ein wenig die Zeit fehlt, denn es gibt einen richtig brutalen Mord an einer jungen Braut zu klären. Die zudem schwanger ist und durch sich ihre Hochzeit mit einem reichen Brauereierben gleich mehrere Gesellschaftsschichten hinaufkatapultiert hätte. Es gibt nicht wenige Neiderinnen - doch da dieser Mord nicht der Einzige bleibt und bei den folgenden diese Motivation eher nicht zieht, muss Sofie mal wieder scharf nachdenken - und sezieren.

Klar, dass sie nicht allein dasteht, wenn auch ihre große Stütze Tante Vroni sich derzeit in Reha befindet. Aber Exehemann und wiederentdeckter aktueller Lover Jo Lederer sowie dessen vermeintlicher Konkurrent, der Reporter Charlie sowie weitere Akteure scharwenzeln ständig um sie herum, von Mops Murmelchen ganz zu schweigen. Aber ob das der Lösung der Fälle dienlich ist - man wird sehen.

Die Autorin Felicitas Gruber, hinter der sich ein Team aus zwei erfolgreichen Frauen mit viel Erfahrung, vor allem jedoch Begabung und Erfolg im schreibenden Metier verbirgt, schreibt durchgehend dynamisch, witzig und spritzig. Längen sucht man hier genau wie logische Fehler vergeblich, der ein oder andere eher bayernfernere Leser wie ich müsste jedoch evtl. den ein oder anderen Begriff, die ein oder andere Wendung nachschlagen. Aber das lohnt sich hundertprozentig, man wird mit einem Feuerwerk aus Spannung, Spaß und Stil belohnt.

Ich jedenfalls bleibe am Ball und freue mich schon auf den nächsten Band mit Sofie und den ihrigen!

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45 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

usa, historischer roman, äpfel, siedler, apfelplantage

Der Ruf der Bäume

Tracy Chevalier , Juliane Gräbener-Müller
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 16.01.2017
ISBN 9783813507232
Genre: Romane

Rezension:

und was für welche: nämlich die riesigen Redwoods und Sequoien im Westen der Vereinigten Staaten dominieren das Leben von Robert Goodenough, wobei Erstere im Osten des Landes wachsen und seine Familie ernähren. Sie prägen also seine Jugendzeit, die ansonsten von durchaus harten Erfahrungen dominiert werden: seine Eltern gehen lieblos, ja brutal, miteinander und auch mit den Kindern um. Einen familiären Umgang voller Liebe und Achtung lernen sie nicht kennen und verhalten sich entsprechend  - nur Robert und seine sanfte Schwester Martha sind anders, werden jedoch früh getrennt, als die Familie auf die denkbar gewaltsamste Weise auseinanderbricht.

Daher war ich nicht wenig überrascht von meinem Fazit nach Beenden des Romans: Manchmal muß man mit der Nase auf sein Glück gestoßen werden, das war es, was ich - und Robert Goodenough - aus den Ereignissen mitnahm. Doch manchmal ist es ein langer und steiniger Weg dahin, wie seine Geschichte und damit  diejenige der gesamten Familie Goodenough und ihres Umfeldes zeigt! Und sie geht längst nicht für alle Beteiligten glücklich aus, denn es ist ein Haufen dunkler Charaktere, der sich da zusammengefunden hat, bzw. sich zu den vereinzelten Lichtgestalten gesellen. Dazu kommen wohl die schwersten Lebensumstände, die man sich vorstellen kann.

"Mein Freund, der Baum": das wäre ein Satz, den Robert Goodenough wohl niemals sagen würde, doch wenn man ihn fragen würde, ich bin sicher, er würde Bäume als seine Freunde bezeichnen - mehr als die meisten Menschen.

Obwohl das Thema kein einfaches ist und nicht nur eine tragische Seite ofenbart - nein, es sind viele Facetten, weist der Roman keineswegs eine düstere Grundnote auf. Wie erwähnt, tauchen im Handlungsverlauf zahlreiche Charaktere mit unliebsamen Eigenschaften auf, doch den meisten davon bringt man als Leser zumindest in einer Situation Verständnis entgegen oder kann ihr Handeln in der jeweiligen Lage, in der sie sich befinden, zumindest nachvollziehen.

Doch eines wird ganz deutlich: es ist nicht unsere Welt, diejenige der  Siedler und Pioniere in den Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts, aber wie spannend und bereichernd ist es, der Autorin Tracy Chevalier in diese zu folgen!

Die Wendungen vor allem in Roberts Leben werden mit so viel Charme geschildert, dass ihnen trotz der Härte, der er und auch die anderen Figuren ausgesetzt sind, eine gewisse Leichtigkeit innewohnt. Und der so oft bemühte Zauber sowieso, denn die Autorin schreibt sowohl (lebens) klug und eloquent, als auch fesselnd und eindringlich. Zudem hat sie hervorragend recherchiert. Ich jedenfalls habe das Buch erst aus der Hand gelegt, als ich die letzte Seite umgeblättert hatte!

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(37)

54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

finnland, schicksal, zufall, verlust, depression

Dinge, die vom Himmel fallen

Selja Ahava , Stefan Moster
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 14.02.2017
ISBN 9783866482425
Genre: Romane

Rezension:

In der Familie der kleinen Saara geschehen Dinge, die so ungewöhnlich sind, dass andere Menschen sie nur vom Hörensagen kennen: die Tante knackt zweimal im Abstand von wenigen Jahren einen Lottojackpot in astronomischer Höhe und Saaras noch junge, lebensfrohe Mutter Hannele wird von einem herabfallenden Eiszapfen auf überaus brutale Weise getötet - gespaltet gewissermaßen. Saaras Vater Pekka vermag es nicht, seiner kleinen Tochter eine Stütze zu sein und so ziehen die beiden zur Tante - Annu, die von ihrem ersten Lottogewinn einen riesigen Gutshof gekauft hat - dort kann sich im Prinzip jeder entfalten und Annu ist auf ihre eigene, ungewöhnliche Art durchaus für Saara da.

Bis zum zweiten Lottogewinn, nach dem Annu sich verliert, Pekka eine neue Lebensgefährtin findet und für Saara eine neue Zeit mit Stiefmutter beginnt.

Ein Buch, das an Skurrilität kaum zu überbieten ist, auch nicht an ungewöhnlichen Stilmitteln. Es wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, teilweise wird das Buch sogar zum Briefroman. Klare, rationale Ereignisse vermengen sich mit dem Unerklärlichen, Unfassbaren - ein Phänomen, das sich durch den ganzen Roman zieht.

Und neben den Figuren sind es auch zwei Häuser: Das Sägemehlhaus, wie Saaras Elternhaus genannt wird und Annus Gutshof, die mit ihrer Atmosphäre und Präsenz eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen und die ohnehin schon ungeheure Dichte des kurzen Romans noch vertiefen.

Ich habe mich stellenweise irritiert und verwirrt gefühlt, doch bin ich der Ansicht, dass die Autorin dadurch die Empfindungen der Protagonisten, nicht nur von Saara, auf den Leser übertragen und ihm dadurch ihre Lage umso näher bringen will. In meinem Fall ist ihr das gelungen: auch wenn dies kein Roman ist, der mich begeistert, hat er doch definitiv etwas in mir berührt.

Definitiv keine leichte Kost, kein Roman, den man zur Zerstreuung oder Entspannung liest, doch wer Ungewöhnliches und Skurriles, ja Morbides mag, der wird möglicherweise Gefallen daran finden.

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36 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

nigeria, musik, diktatur, afrika, liebe

Tadunos Lied

Odafe Atogun , Miriam Mandelkow
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Arche, 10.02.2017
ISBN 9783716027554
Genre: Romane

Rezension:

Genau deswegen hätte selbiger, nämlich der nigerianische Diktator, es gern, dass die Musik bei ihm spielen und ihm sozusagen nach dem Mund reden würde.

Taduno, ein Sänger, der immer nur das sang was ihn - und mit ihm das ganze Volk - bewegte, musste deswegen das Land verlassen und ins Exil gehen. Seine Strafe war merkwürdigerweise nicht die Verfolgung, sondern das Vergessen, denn als er zurückkehrte, konnte sich niemand mehr an ihn erinnern.

Die Rückkehr, der er für sehr gefährlich gehalten hatte, war es also zunächst gar nicht, denn obwohl er in seiner alten Wohnung lebte, wusste niemand mehr, wer er war. Und er musste zurück, denn man hielt Lela, seine Liebste gefangen - befreit werden konnte sie nur durch ein Loblied auf den Diktator.

Wie wird Taduno sich entscheiden? Wird er für Lela singen und damit sein Volk verraten? Oder wird er Lela ihrem Schicksal preisgeben.

Ein Dilemma von beklemmender Aktualität beschrieben in einer teilweise etwas gewöhnungsbedürftigen Sprache. Dennoch ein lesenswertes und wichtiges Buch mit einer Botschaft, die erhört werden sollte! Dass die Diktatoren dieser Welt hinhören, ist eher nicht zu erwarten - aber vielleicht andere - die gemeinsam, vereint gegen Unterdrückung angehen können.

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(98)

140 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

drogen, baby, schnee, winter, flucht

Sweetgirl

Travis Mulhauser , Sophie Zeitz-Ventura
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.01.2017
ISBN 9783423261265
Genre: Romane

Rezension:

ist die junge Percy und das längst nicht zum ersten Mal, denn ihre drogensüchtige Mutter hat sich mal wieder auf einen Trip begeben und zwar sowohl, was den Drogenkonsum anbelangt, als auch psychisch. Wie so oft ist sie einfach nicht auffindbar und Percy macht sich mal wieder auf die Suche. Und sie weiß, wo sie schauen muss, nämlich bei Shelton, DEM Drogenhändler im Ort (und es gibt tatsächlich nicht nur einen, obwohl es ein winzigkleines Kaff ist, in dem die Sucht jedoch eine große Rolle spielt).

Nur findet Percy bei Shelton nicht ihre Mutter, sondern ein Baby, das bereits ziemlich verwahrlost ist und sucht Hilfe bei Portis, der - obwohl ebenfalls süchtig - ihr seit Jahren eine Stütze und so etwas wie ein väterlicher Freund ist. Und sich bald mit ihr und Jenna - so heißt das Baby - auf der Flucht vor Sheltonn befindet, der wie ein Wahnsinniger hinter ihnen her ist. Und nicht nur er, er hat eine ganze Menge seiner Leute - und das sind wahrhaft keine Kuschelbären - auf sie angesetzt. Und bald schon wird die Sache ziemlich blutig.

Kraftvoll und wortgewaltig geht es zu in diesem Roman, der durchaus auch Spannung beinhaltet, sich aber in keine Kategorie drängen lässt. Krimi- und Thrillerfreunde werden hier ebenso auf ihre Kosten kommen wie Liebhaber gefühlvoller Familienromane und anspruchsvoller Gegenwartsliteratur und das auf höchstem Niveau.Travis Mulhauser reiht wunderschöne Sätze wie Perlen aneinander. Entfernt hat mich das Buch an "Winters Knochen" von Daniel Woodrell erinnert, das mich ebenfalls sehr beeindruckt hat, auch eine gewisse Nähe zu Stewart O'Nan habe ich gespürt. Doch Mulhauser ahmt in keinster Weise nach, dazu beinhaltet das Buch zu viel Eigenes. Ein ganz besonderer Roman, den ich sehr genossen habe und jedem Freund guter Literatur empfehle. Sie werden ihn nach der Lektüre - viel zu früh, so habe zumindest ich es empfunden - ganz erfüllt aus der Hand legen, mit dem Gefühl, etwas ganz besonderes, Unvergessliches genossen zu haben.

Mein Fazit also: eine wunderschöne Geschichte mit einer ganz besonderen Heldin, Beim Lesen zerriß es mir wieder und wieder das Herz, doch ich stand (bzw. saß) auch staunend, ehrfürchtig und voller Achtung da vor dem Autor Travis Mulhauser, der ein eigentlich kleines Buch geschrieben hat, das aber wahre menschliche Größe in sich trägt ebenso wie faszinierende Charaktere und einen Stil, der süchtig macht. An Travis Mulhauser sollte man also dran bleiben - ich wünsche ihm (und der Leserschaft) noch viel, viel Fantasie und Erzählkraft, damit er uns noch mit zahlreichen Romanen beglücken kann.

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