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22 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

cornwall, trauer, kinder, verlust, 2016

Der Duft von Nelken

Noa C. Walker
Flexibler Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Amazon Publishing, 25.10.2016
ISBN 9781503942141
Genre: Romane

Rezension:

im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor sieben Jahren verunglückten ihr Mann Oliver und die beiden gemeinsamen Kinder bei einem Flugzeugabsturz und seitdem führt die noch recht junge Frau ein völlig freudloses Leben. Finanziell ist sie eigentlich mehr als gut gestellt, da sie von ihrem Vater mehrheitliche Anteile an einem gutgehenden Konzern geerbt hat. Doch dann erfährt sie von ihrem väterlichen Freund Siegfried, einem Weggefährten ihres Vaters, der in die Unternehmensführung eingebunden ist, dass von außen auf merkwürdige Art und Weise Aufkäufe von Aktien getätigt werden und man Gefahr läuft, die Mehrheit zu verlieren. Dass sie selbst diese schon längst nicht mehr besitzt, wusste sie gar nicht, da sie ihre Geschäfte voll und ganz ihrem Mann, einem ausgesprochen attraktiven Kerl aus Cornwall, überlassen hatte.

Sandra löst sich aus ihrer bisherigen Apathie und beginnt, den Dingen nachzugehen. Dabei stößt sie auf ein prall gefülltes Bankenschließfach in der Schweiz, von dem sie nichts wußte und auf zahlreiche weitere Ungereimtheiten, die zu einem großen Teil auch mit Olivers Familie in England zu tun haben. Für Sandra beginnt ein langer und leidvoller, für die Leser ein überaus spannender Weg.

Denn die Autorin Noa C. Walker lässt uns in ihrem immerhin mehr als 400seitigen Schmöker nicht eine Seite lang ausruhen - Längen sucht man hier vergeblich. Dafür geht es Knall auf Fall von einer Aufdeckung zur nächsten, wobei sich - wie es bei Spannungsliteratur auch sein sollte - natürlich stets auch neue Probleme, neue Hindernisse ergeben.

Ein tolles Buch, in dem zwar manches, aber längst nicht alles, schwarz und weiß ist. Das erfährt man aber auch nur ganz am Ende, wobei die Wendungen, die die Geschichte nimmt, zwar tollkühn, aber in keinster Weise unrealistisch sind. Es geht auch viel um Emotionen und da zeigt  die Autorin eine sehr menschliche Seite: Irrungen und Wirrungen sind wie schon einst bei Fontane an der Tagesordnung und sie können jedem widerfahren - man muss nur damit umzugehen wissen. Am Ende bleiben einige wenige Punkte offen, was mich aber gar nicht stört, denn im Leben ist es genauso: wenn ich mehr brauche, setze ich mein Kopfkino ein, das aber von der tollen Autorin schon kräftig angekurbelt wurde!

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47 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

wüste, arabien, gefahr, geheimnisse, webb

Das Versprechen der Wüste

Katherine Webb , Babette Schröder , Katharina Volk
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Diana, 14.11.2016
ISBN 9783453291843
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dass Frauen auch schon zu Beginn und in der Mitte des 20. Jahrhunderts ihren eigenen Kopf hatten, stellt die britische Autorin Katherine Webb eindrucksvoll unter Beweis, indem sie uns in "Das Versprechen der Wüste" mit zwei Frauen bekannt macht, die Zeit ihres Lebens vom Nahen Osten geträumt hatte - die ältere der beiden, Maude Vickery, wollte ihn erforschen und hat das im Jahre 1909 auch getan, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich.

Joan Seabrook hingegen möchte Ende der 1950er Jahre die Region kennenlernen, sie für sich erobern, da ihr fantasievoller, leider kürzlich verstorbener Vater diese ihr ihre ganze Kindheit hindurch in den schillerndsten und prächtigsten Farben geschildert hatte - und das, ohne je da gewesen zu sein.

Die beiden Frauen - denkbar unterschiedlich - treffen 1958 im Oman aufeinander, mitten im Dschabal-Krieg, der zwischen den Kolonialherren und den eigentlichen Bewohnern des Landes geführt wurde, also in einer sehr gefährlichen Zeit. Wobei dem Leser auch Maudes Jugend nicht vorenthalten wird, so dass es quasi zwei Erzählstränge gibt. Es sind charakterstarke Frauen, die den Willen haben, ihre Ziele auch tatsächlich zu erreichen, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder Stolpersteine gibt, die gefährlich am Ego nagen. Uns wird hier vor Augen geführt, dass Frauen auch in Zeiten, in denen sie noch keine bzw. kaum eine Lobby hatten, eine Menge bewirken konnten, auch wenn das persönliche Glück manchmal auf der Strecke blieb.

Denn es geht hier nicht nur um Frauenpower, nein, auch die Kraft der Liebe spielt eine große, eine wichtige Rolle: in diesem Roman versetzt sie einerseits Berge, stösst aber auch - in Form von unerwiderter Liebe - Menschen kurz vor den Abgrund. Nicht ganz hinein, dazu haben die Charaktere in diesem Roman zu viel Kraft, auch wenn sie sich dessen nicht immer bewusst sind.

Bisher habe ich Katherine Webb als Autorin saftiger Schmöker nicht ohne Anspruch kennengelernt, diesmal ist sie jedoch - ohne sich ganz von dem Genre zu entfernen - über sich selbst hinausgewachsen und hat einen faszinierenden, spannenden und eindringlichen historischen Roman mit hohem Informationsgehalt und viel Seele geschaffen, den ich dennoch Schmöker nennen möchte - und zwar einen im besten Sinne!

Ein Buch, das ich wirklich gern gelesen habe, das ich bis zum letzten Satz nicht aus der Hand legen konnte. Wer mal wieder in einem Buch versinken und noch lange daran zurückdenken möchte, wer Historisches und ungewöhnliche Geschichten mit (Frauen)Power mag, der ist hier richtig und sollte den weihnachtlichen Wunschzettel noch um diesen Titel ergänzen. Glauben Sie mir, es lohnt sich!

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

konzentrationslager, geigen, dachau, orchester, ss offizier

Geigen der Hoffnung

Titus Müller , Christa Roth
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei adeo, 11.10.2016
ISBN 9783863341176
Genre: Historische Romane

Rezension:

haben die Häftlinge in Dachau gespielt, auch wenn die Nationalsozialisten das Orchester ausschließlich zu ihrer eigenen Unterhaltung - und grausamerweise zur Begleitung der Exekutionen mit heiteren Weisen gegründet hatten. Anhand dieses Themas beschreibt Titus Müller den Aufenthalt des polnischen Juden Marek, eines Musikers und seines Bruders Stani im Konzentrationslager Dachau in den letzten Kriegsmonaten.

Ich kann nicht sagen, dass ich die Lektüre genossen habe, das wäre unpassend für den Inhalt, aber ich empfand Titus' Schilderungen - wie gut, dass in diesem Teil nur die seinigen enthalten waren, er beschreibt die Verhältnisse sehr eindringlich und ich empfand die Lektüre als grausam und erhebend zugleich, erhebend aufgrund des - es wurde ja schon erwähnt - überaus menschlichen Charakters von Marek und auch von einigen anderen wie Willi und dem polnischen Arzt. Willi ist ein Kommunist reinster Art, der der Ideologie, dass alle Menschen gleich und jeder von ihnen wertvoll ist, unbeirrt folgt, wie bewundernswert!

Ein zweiter Erzählstrang widmet sich der Erinnerung: der israelische Geigenbauer Weinstein sammelt "gerettete" Geigen, die "Violins of Hope", Geigen der Hoffnung, die die Erinnerung an die Grausamkeit des Holocaust für immer aufrechterhalten werden. Leider vermag die Journalistin Christa Roth, Verfasserin dieses Teils, trotz großartiger Recherchearbeiten lange nicht mit ihrem Co-Autor mitzuhalten, weswegen ich diese inhaltlich sehr interessanten Passagen fast als störend empfand.

Im letzten, ausschließlich von Titus Müller verfassten, Teil habe ich nochmal genau den Qualitätsunterschied der beiden Autoren gespürt, aber ich werde einem Buch, in dem Titus Müller so großartig schreibt, ganz sicher keine Punkte abziehen. Hier wird eindringlich dargelegt, wie Menschlichkeit beim Überleben helfen konnte.


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46 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

kolumbien, köln, krimi, judith krieger, pendo verlag

Die Toten, die dich suchen

Gisa Klönne
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783866124004
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kolumbien ist gerade, ach was, seit Jahren immer wieder Thema der Nachrichten: gerade hat der Präsident sogar den Nobelpreis erhalten, obwohl es mit der Verabschiedung des Friedensvertrages bis dahin nicht geklappt hatte (inzwischen aber schon). Aber der Weg ist das Ziel. Naja, das kann zwar in der Politik häufiger vorkommen - und wie wir wissen tut es das ja auch, ständig eigentlich. Aber Mordermittlungen sollten eigentlich zum Ziel führen und zwar ziemlich flott. So auch im Fall des in Köln tot aufgefundenen, grausam gefolterten Kolumbianers Angelo Jaramillo, der für ein paar Tage geschäftlich in der Stadt war. Wirklich nur wegen Edelsteinen? Steckt da nicht ganz was anderes dahinter. Judith Krieger, die Kolumbien aufgrund eines langen Aufenthaltes dort wie ihre Westentasche kennt und als neue Leiterin des KK 62 Vermisstenfälle nur zufällig an den Fall gerät, hat eine Menge von Ideen, doch irgendwie zieht keine. Vor allem aber ziehen ihre neuen Mitarbeiter, die wie sie selber in die flink gegründete Sonderkommission eingebunden werden, nicht mit. Die arme Judith hat es gleich in den ersten Tagen als Chefin mit Mobbing und Arbeitsverweigerung zu tun und zwar nicht gerade auf die subtile Art, aber dagegen tun kann sie trotzdem nicht viel.

Ihr ehemaliger Kollege Manni Korzilius würde trotz jahrelangen Stillschweigens zwischen ihnen beiden helfen, wenn er könnte, doch geht gerade sein Familienleben den Bach runter - oder?

Ein aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellter Fall mit etwas verwirrendem Personal, der sehr vielschichtig ist, sich aber ein wenig schwerfällig entwickelt und ein wenig zu häufig ins Private abgleitet - nicht nur in Bezug auf Judith. So wird es in der Realität sicher fast immer sein, im Krimi würde der Leser es vielleicht manchmal ein wenig knackiger mögen. Dennoch, ich mag den Stil der Autorin Gisa Klönne, der intelligent und ein wenig sperrig ist, wie auch ihre Protagonistin Judith und habe auch diesen Band wieder sehr genossen - mit kleinen Abstrichen.

Ja, Judith Krieger ermittelt wieder - ein bisschen zu viel Privates, ein bisschen zu viel Unlogisches - aber Hauptsache, sie ist wieder da, eigensinnig und sehr speziell wie eh und je! Da sie jetzt ein KK leitet, das voll von ebensolchen Typen ist - jeder auf seine Art und Weise - bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Und in ihrem Privatleben natürlich sowieso. Die Ermittlerin ist eine Frau mit vielen Ecken und Kanten, außerdem ein nicht unbedingt stilles, aber sehr, sehr tiefes Wasser. Manches, was mit ihr zu tun hat, ist mir dann doch des Guten zu viel - dennoch lese ich immer wieder gern über sie und folge ihr in einen neuen Fall und so freue ich mich schon wieder auf den nächsten.

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39 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

ostfriesland, mord, erpressung, entführung, martinsfehn

Ihr einziges Kind

Barbara Wendelken
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2016
ISBN 9783492310123
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer glaubt, dass er die abscheulichsten, widerlichsten und verlogensten Personen bereits kennt bzw. sie zumindest schon einmal als Figuren in einem Roman oder auch Krimi erlebt hat, der wird hier eines Besseren belehrt. Die Familie Cassjen ist mit Abstand das Unangenehmste, was man sich vorstellen kann: Sohn Cord, schon in der Schule ein absoluter Loser und ein Ekelpaket noch dazu, was sein ehemaliger Klassenkamerad, der heutige Kommissar Renke Nordmann aus eigener Erfahrung bezeugen kann, hat sich das Abitur und wahrscheinlich auch den Doktortitel erkauft, seine Mutter Margit ist ebenso geschäftstüchtig wie trinkfreudig und hat zudem eine scharfe Zunge. Mit ihren Familienmitgliedern, zu denen auch ihr Lebensgefährte Erich, der frühere Landrat und Schwiegertochter Silvana, ein recht lebensunfähig wirkendes Blondchen zählen, geht sie um wie mit Leibeigenen, schließlich hat sie die Hand auf dem Geld. Und auf dem kleinen Caspar, der gerade in diese nicht gerade idealen Umstände hineingeboren wurde, sieht sie in ihm doch den Firmenerben.

Doch zunächst kommt alles anders: Caspar wird von seiner Mutter öfter mal "verlegt", doch immer - wenn auch nicht ohne fremde Hilfe - wiedergefunden, bis ein Drama seinen Lauf nimmt: Caspars Vater Dr. Cord Cassjen wird tot aufgefunden, es besteht kein Zweifel, dass er Opfer eines Mordes wurde. Und wo sind Silvana und das Baby? Wurden jetzt beide verlegt, oder sind sie, wie Margit Cassjen vermutet, auf der Flucht?

Renke Nordmann und seine Kollegin Nola van Heerden nehmen die Ermittlungen auf, die sich ebenso komplex wie kompliziert gestalten: immer wieder geraten neue Umstände, andere Personen in ihren Fokus und verändern die Sicht auf die Dinge.

Ein richtiger Klassekrimi aus deutschen Landen! Was Autorin Barbara Wendelken wie keine andere versteht, ist die Erschaffung eindrucksvoller, vielschichtiger Figuren. Sie bedarf keiner langen Ausführungen, um uns ihre Charaktere bis in die kleinste Nebenfigur hinein zu präsentieren. Und der Fall ist bis zum letzten Wort spannend, weil sich immer wieder Überraschendes ergibt. Gut, es gibt ein paar kleinere Erzählstränge, die nicht ganz aufgedröselt werden, doch das sei der Autorin verziehen. Zu empfehlen für Liebhaber hochkarätiger deutscher Regionalkrimis wie bspw. der Ostfriesenreihe von Klaus-Peter Wolf, die zufällig in derselben Gegend spielt und der die Krimis von Barbara Wendelken in keinster Weise nachstehen!


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173 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

krimi, arne dahl, schwedenkrimi, spannung, schweden

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492057707
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dem Ermittler Sam Berger begegnen wir gleich zu Beginn des Buches und er ist ein wahrhaft eigensinniger Typ, einer mit Ecken und Kanten, einer, der gewiss nicht jedermanns Freund ist - und mit Sicherheit auch kein allseits beliebter Kollege. Nein, er ist ein Typ, der polarisiert und das liegt ganz bestimmt nicht an seinem nahezu manischen Faible für Uhren, sondern eher daran, dass er ein ziemlich sturer Typ mit manchmal fast ins machohafte gehenden Attitüden ist. Einzig seine Kollegin Desiré Rosenquist steht vorbehaltlos hinter ihm, wohingegen sein Chef Allan Gudmundsson durchaus Zweifel an seinen unkonventionellen Methoden hat. Und es ist wichtig, zu einem raschen Erfolg zu kommen, wird doch nach einem 15jährigen vermissten Mädchen gesucht und nach zwei weiteren, bei deren Verschwinden zunächst aufgrund von Migrationshintergrund ein Zusammenhang mit dem IS vermutet wurde, bei denen man jetzt aber einen innerschwedischen Mordfall vermutet - in allen Fällen - es können auch noch einige mehr sein - wird derselbe Täter vermutet.

Doch wer um Himmels ist Molly Blom, die im Klappentext als Bergers Partnerin angekündigt wird? Zunächst entsteht der Eindruck, dass der Autor sie beim Schreiben vergessen hat, bis sie auf geradezu wahnwitzige Art ins Geschehen eingreift und damit diesen Krimi endgültig von der Masse der vorliegenden Skandinavien-Krimis absetzt.

Wer Ermittler mit einem vielfältigen, nicht gerade einfachen, privaten Vorleben in Kombination mit ungewöhnlichen Fällen und den Überraschungen, zu denen nur ein Arne Dahl fähig ist, mag, der ist hier trotz anfänglicher Verwirrungen an der richtigen Adresse!

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24 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

lüneburg, hippies, free farms, alkaloide, profiler

Blumenkinder

Meike Dannenberg
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei btb, 14.11.2016
ISBN 9783442714490
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

oder was man halt so nennt - letztere aber gottseidank höchst lebendig. Doch kann es sein, dass die Hippieszene, auf die die BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner und der Fallanalytiker Johan Helms in der einsamen Umgebung Lüneburgs immer wieder stoßen, etwas damit zu tun hat?

Verbindungen gibt es auch nach Tschechien, diese bleiben aber lange ausgesprochen rätselhaft. Doch Blumenkinder sind die toten Mädchen, allesamt noch Kinder, nicht nur wegen der möglichen Nähe zur Hippieszene, sondern auch, weil die aufgefunden Leichen allesamt bekränzt und auch sonst mit Blumen geschmückt waren. Anteilnahme? Bildhafte Sprache? Eine ganz bestimmte Symbolik? Was führte der Mörder damit im Sinne? Und wer könnte es sein? Möglicherweise sogar eine Frau?

Nora und Jonas, beide Außenseiter in den Reihen der Lüneburger Polizei, haben es nicht leicht, vor allem nicht gegen dortigen Dienststellenleiter Mohns, einen Beamten im besten - oder auch im schlechtesten - Sinne des Wortes. Nicht für alle ihre Ideen - und gerade Nora mangelt es nicht an unkonventionellen Einfällen - gibt es einen Rückhalt, zeitweise haben die beiden sogar den Eindruck, man würde sich ihnen querstellen.

Nicht nur durch eine ungewöhnliche Geschichte, nein, auch durch neue Wege in Sprache und Stil fällt Autorin Meike Dannenberg auf und ich muss zugeben, dass ich mich damit zunächst äußerst schwer tat. Doch das ist Geschmackssache.

Wer eher die leisen Töne mag, dennoch auf ein furioses Finale nicht verzichten will, der ist hier an der richtigen Adresse!

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45 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

nachkriegszeit, roman, www.die-rezensentin.de, hamburg, verbrechen

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein schönes und doch kein schönes Buch - das ist "Trümmerkind" von Mechthild Borrmann. Schön ist es natürlich in der Hinsicht, als dass die Autorin eine grandiose Schriftstellerin ist, die anspruchsvoll, gleichzeitig packend, spannend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Zeile zu erzählen vermag und dabei einmal mehr großartige Recherchearbeit geleistet hat. Unschön, doch umso wichtiger ist das Thema: diesmal ist es wieder ein historisches Setting, in das die Handlung eingebettet ist. Der Leser wird mit zwei Zeitebenen: den 1990er Jahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit, also den Jahren 1945 bis 1947 und zwei, beziehungsweise vier Handlungsebenen konfrontiert: der um Familie Anquist/Meerbaum in der Uckermark und in Köln und der um Familie Dietz in Hamburg, jeweils auf beiden Zeitebenen.

Anna Meerbaum, Tochter von Clara Meerbaum, geborene Anquist, eine Nachfahrin von Gutsbesitzern in der Uckermark, die im Krieg alles verloren haben, stößt in den 1990er Jahren auf Informationen, die sie veranlassen, der Familiengeschichte nachzuspüren. Diese führt sie in die Uckermark, doch auch nach Hamburg zu Joost Dietz, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit als einsames, verlassenes "Trümmerkind" von der Familie Dietz angenommen und als einer der ihren aufgezogen wurde. Auf unerwartete Weise fließen die Erzählstränge zusammen.

Ich als großer Fan der Autorin habe alle ihre bisherigen Spannungsromane gelesen, um nicht zu sagen, verschlungen - am meisten gefiel mir bisher "Der Geiger", in dem es um den sowjetischen Gulag geht, doch dieses so traurige wie faszinierende Buch steht dem in Nichts nach. Obwohl ich mich in der deutschen Nachkriegszeit, einer aus meiner Sicht sehr interessanten Epoche, recht gut auskenne, wurden mir hier Eindrücke vermittelt, die nicht unbedingt neu waren, mich aber die Geschichte so plastisch und gleichzeitig so schmerzlich wie noch nie erleben ließen.

Und so traurig das Thema auch ist - Mechthild Borrmann schreibt stets mit einer ihr eigenen Zuversicht, auch mit einem gewissen Pragmatismus, der den Leser nach vorne schauen, ihn - mit gewissen Vorbehalten natürlich - optimistisch bleiben lässt. Obwohl es mir nach dieser Lektüre ganz ehrlich gesagt schwerfällt, noch an das Gute im Menschen zu glauben, trotz der starken und positiven Charaktere, die die Autorin auch in diesem Buch wieder agieren lässt - allerdings neben einigen andern, die ich nicht anders als teuflisch und von Grund auf Böse bezeichnen kann. Ein spannendes, aber auch kluges und wertvolles Buch, das ich von Herzen weiterempfehle!

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38 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

alten-wg, rentner, fortsetzung, finnland, band 2

Whisky für drei alte Damen

Minna Lindgren , Jan Costin Wagner , Niina Wagner
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.11.2016
ISBN 9783462049152
Genre: Romane

Rezension:

sind Siiri, Irma und Anna-Liisa - alle drei 90plus - gerade ihre Lebenserfahrung ließ sie zu dem werden, was sie heute sind - freche alte Damen mit ordentlich Mutterwitz und Lebensklugkeit ausgestattet, die sich kein X für ein U vormachen lassen. Diesmal sind sie ganz besonders gebeutelt, denn ihre Seniorenresidenz "Abendhain wird umgebaut und dabei werden die bejahrten Einwohner kein bisschen geschont, nein, es geht voll ans Eingemachte. Wie gut, dass sie inzwischen einen Beschützer an ihrer Seite haben und zwar einen mit ausreichend Kohle, nämlich den frischgebackenen Ehemann von Anna-Liisa, den Diplomaten Onni, dem alsbald eine Lösung einfällt - zusammen mit der etwas speziellen Margit, derer sie sich nicht erwehren können, machen sie eine WG auf - nicht umsonst besitzt der "Botschafter" schließlich etliche hochpreisige Wohnungen, die bislang nur als Geldanlage dienten.

Und da geht es bald rund: mysteriöse, zugleich dubiose Gestalten stehen vor der Tür, außerdem läuft Margit immer nackich rum und, und, und - wie gut, dass Siiri auf dem nahegelegenen Markt bald den Afrikaner Mohammed, genannt Muhis, kennenlernt, der die Leichtigkeit in ihr Leben - und das der Mitbewohner bringt! Eine ganz eigene Art der Integration.

Mir hat dieser zweite Band wesentlich besser gefallen, als der Vorgänger "Rotwein für drei alte Damen. Ich fand ihn wesentlich spritziger (auch wenn es nicht um Champagner, sondern - zumindest im Titel - um Whisky ging) und ich hoffe auf ein weiteres Erlebnis mit den den Alkohol, aber vor allem das Leben liebenden Damen. Noch immer sind die bejahrten Ermittler Ex-Agent 0070 James Gerald aus der Feder von Marlies Ferber und der laotische Leichenbeschauer Dr. Siri, der von Colin Cotterill geschaffen wurde, meine Favoriten, aber  in Band zwei sind ihnen die drei finnischen Mädels hart auf der Spur!

Und wieder bin ich neugierig darauf, wie es in Helsinki weitergeht - und zwar in Helsinki mit allem Drum und Dran! Ein besonders positiver Aspekt ist nämlich die Akzentuierung städtischer Besonderheiten, vor allem baulicher Art. Mit dem Buch durch die Stadt zu wandern und zu schauen - das wäre bestimmt spannend!

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

nordsee, amsterdam, krimi, sklaven, kyra slagter

Kalte Brandung

Isa Maron , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 430 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.09.2016
ISBN 9783832163587
Genre: Krimi und Thriller

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

roadmovie, lebensbeichte, dbp 2016, longlist, dtsch.bpreis-longlist

Die Witwen

Dagmar Leupold
Fester Einband: 236 Seiten
Erschienen bei Jung u. Jung, 26.08.2016
ISBN 9783990270882
Genre: Romane

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(12)

27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

helfersyndrom, nicaragua, berlin, helfen, krankenschwester

Drehtür

Katja Lange-Müller
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.08.2016
ISBN 9783462049343
Genre: Romane

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51 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

burgund, frankreich, familiengeschichte, erbe, familiengeheimnis

Mein Sommer mit Mémé

Elaine Briag
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 07.11.2016
ISBN 9783959670524
Genre: Romane

Rezension:

Nein, Paulas rüstige Großmutter weiß sich und ihre Bedürfnisse nur zu gut zu positionieren und der Rest der Familie - Tochter Claire, eine kurz vor der Rente stehende Lehrerin und deren Kinder Marcel und Paula, selbst schon Mitte bzw. Ende Dreißig und zumindest in Marcels Fall mit eigener Familie - müssen kuschen. Es geht um einen dreiwöchigen Renovierungsurlaub im gerade zurückerlangten Familiensitz im Burgund. Vor allem Paula will nicht so recht, hat sie doch schon eigene, überaus verheißungsvolle Pläne. Die gefügsame Claire und der eher materiell ausgerichtete Marcel sind da schneller zu überreden, aber was soll`s: Am Ende fügt sich die ganze erweiterte Familie zusammen und verlebt erlebnis- und auch spannungsreiche Wochen, in denen sich das ein oder andere Familiengeheimnis offenbart.

Ein Buch wie viele andere? Definitiv nicht, denn Autorin Elaine Briag, in beiden Kulturen, sowohl der deutschen wie auch der französischen verwurzelt, schreibt so lebendig, dass auch der härteste Klotz sein Herz (ebenso wie seinen Magen und seine Kehle, denn auch Speisen und Weine werden liebevoll-detailliert beschrieben) im Burgund verliert. Anschaulich und leidenschaftlich, aber nie und niemals kitschig lässt die Autorin hier die Welt der Familie Pfeiffer vor unserem inneren Auge aufleben. Ja, ich kann mir das Buch sehr gut als Verfilmung vorstellen und mit dem Drehbuch dürfte es nicht mehr allzuviel Arbeit geben, denn die Autorin macht es dem Rezipienten sehr, sehr einfach, seine Vorstellungskraft zu entfalten.

Ein Muss für Frankreichfreunde und mehr noch für - freundinnen, da dieses stimmungsvolle und warmherzige Buch sicher eher Frauenherzen höherschlagen lassen wird! Ein Stück Frankreich fürs heimische Buchregal - und nicht nur  für das eigene, denn ein solches Gute-Laune-Buch schenkt man gerne Menschen, die man mag und deren Leben man für ein paar Stunden mit Freude füllen will - Freude, die lange nachhallen wird!

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66 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

drama, london, familie, schwarzer humor, intrige

Nussschale

Ian McEwan , Bernhard Robben
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 26.10.2016
ISBN 9783257069822
Genre: Romane

Rezension:

Ian McEwan ist als Hochkaräter unter den englischen Autoren bekannt, zudem als einer, der für Überraschungen gut ist: haben wir uns in "Unschuldige" im Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit wiedergefunden, sind mit den Aktivitäten eines Stalkers konfrontiert worden sowie mit einer Familiengeschichte aus der Sicht eines kleinen Mädchens und zuletzt in "Kindeswohl" mit der "großen", allgegenwärtigen Frage nach den ethischen Aspekten von Recht und Unrecht konfrontiert worden. Und jetzt - ja, man muss es so direkt sagen, wir finden uns im Mutterleib wider, denn "Nussschale" wird aus der Sicht eines ungeborenen Säuglings erzählt, der quasi seit seiner Zeugung Zeuge vom Zerwürfnis seiner Eltern ist - bzw. ist es seine Mutter Trudy, die neue Wege beschreitet, dabei immer noch im Hause des Ehemannes John, eines Verleges und Dichters lebend - er ist es, der rausgeworfen wurde, nur als zeitweiliger Besucher auftaucht.

Das Ungeborene in diesem Roman als Kind oder gar als Säugling zu bezeichnen wäre unpassend, denn es nimmt nichts weniger als eine kindliche Perspektive bzw. Rolle ein. Nein, im Mutterleib agiert es als bewusstes Wesen, das die Geschehenisse um sich herum, die es so mitbekommt, vollständig erfasst. Nicht wenig hat mich diese Perspektive irritiert, doch McEwan wäre nicht McEwan, wenn er seine Figur nicht mit völliger Selbstverständlichkeit agieren lassen würde.

Ja, es ist eine Posse, ein satirisches Werk, was der Autor hier zurechtgesponnen hat, der offenbar nach dem gewichtigen "Kindeswohl" von der leichteren Muse geküsst wurde. Doch auch Unterhaltungsliteratur erreicht bei McEwan literarische Höhen, die mich fast zögern, diesen Begriff zu "ziehen". Dies ist Humor vom Niveau eines Molíere oder Shakespeare, wenn es auch aufgrund der zeitgenössischen Einbindung - es ist eben ein Roman und kein Schauspiel - nicht ganz für die Ewigkeit passt. Mit diesem Roman zeigt er wieder einmal, was für ein Ausnahmeliterat er doch ist - ohne weiteres eines Nobelpreises würdig - so empfinde zumindest ich es: sind doch Themen, die die den Leser noch lange verfolgen, eine bis ins Mark treffende Sprache und ein eindringlicher Stil, der die Handlung noch unterstreicht, ganz klar Kriterien, die einer solchen Beurteilung zugrunde liegen sollten - und alle diese erfüllt er hier aufs Trefflichste! Wie man es bei McEwan nicht anders erwartet, ist es kein lauter Humor, der den Leser hier erwartet, nein, er ist eher tiefgründig - eben im Mutterleib verborgen.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

nie mehr zurück, zeitreisen, vivian vande velde, jugendthriller, zeitreise

Nie mehr zurück

Vivian Vande Velde , Regina Jooß
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2016
ISBN 9783492704151
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ein Leben mit Korrekturmodus habe ich mir schon öfter
gewünscht, wenn mal was gründlich schief gegangen ist, ob aus eigenem
oder fremden Verschulden: einfach die Zeit nochmal ablaufen lassen und
alles anders und damit besser machen.

Die fünfzehnjährige Zoe,
ein Mädchen, das nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens steht, hat
diese Möglichkeit: sie kann Ereignisse zurücklaufen und nochmal neu
geschehen lassen, allerdings nicht uneingeschränkt. Im Gegenteil: ihr
bleiben nur 23 Minuten Zeit, in denen alles anders gemacht werden kann
und diese können 10x wiederholt werden.  Und außerdem kann dies nur im
unmittelbaren Anschluss an das jeweilige Ereignis geschehen - schnelles
Handeln ist also angesagt.

Im vorliegenden Buch gerät Zoe in eine
Situation, in der ihre Gabe über Leben und Tod anderer entscheiden
kann: sie ist Zeugin eines Banküberfalles, bei dem ein junger Mann
erschossen wird. Dies nun gilt es zu verhindern, doch bei den ersten
Durchläufen wird es immer noch schlimmer, noch verheerender. Zoe ist
also gezwungen, im Schnellverfahren zu reifen, zu wachsen und
Verantwortung für die größte Sache überhaupt, nämlich für das Leben
anderer zu übernehmen.

Ich muss gestehen, dass ich dieses - für
ältere Jugendliche gedachte - Buch nur mäßig interessant fand und das
lag vor allem am Erzählstil der Autorin. Die wieder und wieder
heruntergenudelten Ereignisse empfand ich trotz der prekären Situation
bald nur noch als langweilig und meine Bereitschaft, mich in die Lage
des Mädchens hineinzuversetzen, sank extrem. Aus meiner Sicht hat die
Autorin längst nicht das Optimum aus der Geschichte rausgeholt, im
Gegenteil: Stellenweise ist es unglaublich langweilig und träge. Ja, das
Mädchen durchläuft einen Reifungsprozess und man erfährt auch nach und
nach das ein oder andere aus ihrem Leben, aber all das wird unglaublich
öde und vollkommen ohne Pep dargestellt. Finde ich und rate deswegen
Krimi- und Thrillerfreunden von dieser aus meiner Sicht unspannenden und
unspektakulären Lektüre ab.

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126 Bibliotheken, 21 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

usa, geister, nathan hill, chicago, gesellschaftskritisch

Geister

Nathan Hill , Werner Löcher-Lawrence , Katrin Behringer
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492057370
Genre: Romane

Rezension:

Und damit meine ich - der Rest des Kontinents möge dies entschuldigen - in diesem Zusammenhang ausschließlich die Vereinigten Staaten. Vorneweg: ich schreibe diese Rezension unter dem noch frischen Eindruck einer beängstigenden, befremdenden, erschütternden, ernüchternden, aber leider alles andere als überraschenden US-amerikanischen Wahlnacht. Dass mich das Resultat so gar nicht überrascht hat, das verdanke ich neben der
aktuellen Berichterstattung auch der Lektüre von Nathan Hills "Geister", einem beindruckenden Familienroman und einer noch viel mehr beeindruckenden, möglicherweise unbeabsichtigen Analyse der amerikanischen Gesellschaft.

Worum es geht: der junge, erfolgreiche Literaturprofessor Samuel wird von einem Anwalt angerufen. Seine Mutter hat den voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner angegriffen und braucht seine Hilfe. Die Sache ist nur: Samuel hat seine Mutter seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen und ebenso lange nichts von ihr gehört - seit sie ihn und seinen Vater ohne jegliche Erklärung verließ.

Nathan Hill, ein Kind der 1970er, hat ein umfangreiches - weit über 800 Seiten langes Buch geschrieben, in dem es nicht nur um Samuel, sondern auch um seine Mutter Faye sowie um sein Umfeld in Beruf und Freizeit geht. Hintergründe werden aufgedeckt, große Teile des Buches spielen im Jahre 1968, lange vor Samuels Geburt, andere wieder in seiner Kindheit 1988, dem Jahr, als seine Mutter ging. Die Gegenwart - im Roman fällt diese ins Jahr 2011 - verwirrt und irritiert zunächst, erst nach und nach werden die "Knubbel" - und zwar wirklich jeder einzelne, dies ist ein Buch ganz ohne offene Baustellen, zumindest, was alle wichtigen Punkte angeht - aufgelöst, was dem Leser eines so umfangreichen Buches nicht selten Ausdauer abverlangt.

Nathan Hill - ein Visionär oder ein Dokumentator der amerikanischen Realität? Ich neige fast zu letzerem, aber natürlich braucht es einen hellen, einen klaren Verstand, um die Dinge so zu sehen und vor allem so darzustellen, wie er es tut. Ich muss sagen, diese Lektüre hat mir unglaublich dabei geholfen, die Entwicklungen, die derzeit in diesem Lande vor sich gehen, nachvollziehen zu können - verstehen tue ich sie noch immer nicht, aber das liegt dann eher an mir.

Der junge Autor hat eine analytische Meisterleistung abgeliefert, die eigentlich nicht kritisiert werden dürfte - ich erlaube mir dennoch, ein wenig bezüglich der Längen zu mäkeln, doch es ist eine Kritik auf einem sehr hohen Niveau. Ungeachtet dessen bewundere ich Nathan Hill unendlich für seine Leistung, einige der Fragezeichen, die in Bezug auf die Vereinigten Staaten schon lange über meinem Kopf schweben, auszuradieren und ihnen Erklärungen entgegenzusetzen. Natürlich sind es keine Lösungen, die hier geboten werden, aber wir erhalten Einblicke in das Innenleben von Amerikanern, die auf ihre eigene Art Wege suchen und teilweise auch finden - so bspw. in die Gedanken einer Studentin von Samuel Andresen, die für mich fast schon einen Prototypen der amerikanischen Gesellschaft darstellt. Und es sind Einblicke in eine Welt, die befremdet und schockiert, aber niemanden mehr überraschen sollte. Wie man dem vorbeugen kann? Indem man entweder alles oder gleich das Allerschlimmste erwartet. Und Sie werden es nicht glauben - irgendwie geht es trotzdem weiter!

Trotz aller Längen und teilweise sehr komplexen, ja zähen Schilderungen eine unverzichtbare Lektüre für jeden, der wissen will, wie Amerika tickt - gerade in diesen so instabilen Zeiten.

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82 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

widerfahrnis, flüchtlinge, deutscher buchpreis 2016, deutscher buchpreis, liebe

Widerfahrnis

Bodo Kirchhoff
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 01.09.2016
ISBN 9783627002282
Genre: Romane

Rezension:

und zwar geradewegs in den tiefen Süden, nämlich nach Italien, zieht es den frisch berenteten Endsechziger Julius Reither, der nach einem ausgefüllten, doch am Ende wirtschaftlich nicht mehr rentablen Leben als Eigentümer eines Kleinstverlages ein neues Leben im Süden Deutschlands begonnen hat. Mehr als zufällig klingelt eine Nachbarin, Leonie Palm, an seiner Tür, man kommt ins Gespräch, findet Ähnlichkeiten in den Biographien - und ehe der Leser sich versieht, sitzen die beiden auch schon in Palms - die Familiennamen spielen in dieser Novelle eine ausgesprochen übergeordnete Rolle - Cabrio und düsen über den Brennerpaß. Weiter und weiter geht es, ein wahrhaftiger Roadmovie der entfesselten Rentner, die nun die Muße haben, zu tun, was ihnen passt.

Dass es jedoch nicht immer untereinander passt, wird bald deutlich, dennoch führt ihre tollkühne Tour sie bis nach Sizilien, wo sie die Bekanntschaft eines junges Mädchens, offensichtlich ein Flüchtling, machen.

Zeitweise hatte ich den Eindruck, hier zwei veritablen Exemplaren der Gutmenschen zu begegnen, die stets wissen, was für andere das Beste ist. Und für sich selbst auch - seltsam nur, dass es in Reithers wie auch in Palms Leben so einige traurige Episoden gab, die nun, in einem gewissen Alter - beide Protagonisten scheinen ein wenig zu zögern, sich selbst als alt zu sehen, auch dies ein häufiges Zeichen unserer Zeit.

Ja, es ist eine sehr zeitgemäße Geschichte, die Bodo Kirchhoff in einer schönen Sprache verfasst hat - die Italienreise ist zeitweise ein wahrer Genuss - aber ab und zu blitzten mir beim Lesen ein paar Liedzeilen von Selig durch den Kopf: "sag mir ist es wichtig?
so richtig wichtig ist es nicht". Ja, eine schöne Novelle, aber keine, die mich lange in ihrem Bann halten wird.

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47 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

roman, susann rehlein, liebe, berlin, kaufhaus

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Susann Rehlein
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 17.10.2016
ISBN 9783832198107
Genre: Romane

Rezension:

ist Lucy Schröder - aus dem Leben ihres unleidlichen Vaters, ihrer liebevollen Großmutter, der es aber nicht möglich war, einen Zugang zu ihr zu finden und aus dem ihrer Mutter, die überhaupt schon so lange weg ist, dass man einfach nicht weiß, was da war.

Geblieben ist ihr eine recht große Wohnung, die Begabung zum Fertigen von ganz besonderen, individuellen Schneekugeln, ihr Broterwerb sozusagen - man müsste eher Raviolierwerb sagen, denn das ist es, wovon sie sich hauptsächlich ernährt - und die Gabe des Sehens. Sie sieht alles Mögliche, was erst noch kommt und dadurch werden ihre Schneekugeln zu etwas ganz besonderem.

Doch die Liebe, die hat sie nicht erlebt, das ist nichts, was ihr geblieben ist - nein, diese erfährt sie erst, als sie eine Beratungsfunktion im Kaufhaus Schönstedt annimmt und jede Menge Menschen kennenlernt, deren Schicksal sie in ihre Hand nimmt - und umgekehrt auch, doch das merkt Lucy zunächst nicht, ebenso wenig, wie sie merkt, dass sich die Liebe ihren Weg zu ihr bahnt.

Höchst verwirrend, das alles, wie im Übrigen auch das Buch an sich. Fand ich jedenfalls. Mich hat es weder gepackt, noch verzaubert und das liegt vor allem an Sprache und Stil der Autorin Susann Rehlein. Beides ist nämlich so gar nichts für mich, das habe ich bereits beim Vorgängerroman "Die erstaunliche Wirkung von Glück" gemerkt, der mich zumindest inhaltlich erreichen konnte.

Doch Lucy und ihr gesamtes Umfeld - in dem sich meiner Ansicht nach auch noch viel zu viele Figuren die Klinke in die Hand gaben - haben mich in keinster Weise erreicht, sie navigierten sicheren Schrittes geradewegs an mir vorbei.  Nicht meine Welt, nein, ganz und gar nicht: es kam mir so vor, als oszillierten Lucy und ihr Umfeld und ich und das meinige im großen, weiten Weltall geradewegs aneinander vorbei. Vielleicht lebt und schreibt Susann Rehlein ja auf einem anderen Planeten, das könnte des Rätsels Lösung sein.

Nach diesem zweiten Versuch werde ich ganz sicher keinen Roman der Autorin mehr zur Hand nehmen, doch ich rate ihnen: geben Sie ihr eine Chance! Vielleicht finden Sie Eingang in Lucys Welt!


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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

liebe, partnerschaft, psychologie, vertrauen, stacheln

Stacheln in der Partnerschaft

Berger Jörg
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Francke-Buchhandlung, 01.09.2016
ISBN 9783868276121
Genre: Sachbücher

Rezension:

also mit dem Menschen, den man am meisten liebt (oder zumindest lieben sollte), ist meist kein einfacher, stösst man hier doch auf den Menschen, mit dem man es am meisten zu tun hat und der am wichtigsten ist (Kinder jetzt mal ausgenommen).

Wie auch in den Vorgängerbänden zum Umgang mit anderen bzw. mit sich selbst werden die verschiedenartigsten Persönlichkeitsstrukturen präsentiert : wir erfahren, wie ein Blender tickt, was einen Rächer treibt, wie ein Vermeider funktioniert und was einen Grenzüberschreiter dazu bringt,dem Partner auf die Pelle zu rücken. Warum sind Energieräuber so anstrengend, wie kann man einem Einschüchterer bzw. einem Abwerter trotzen? In welchem Modell erkenne ich den Partner wieder? Und in welchem mich selber - denn in der Partnerschaft - und das macht einen Unterschied zu den Vorgängerbänden aus, sind beide Seiten gefragt, Aktion und Reaktion werden hier behandelt. Berger schont uns nicht in der Aufdeckung der schwierigen Partner - ich habe mich und auch meinen Mann gleich in mehreren Charakteren wiedererkannt und glauben Sie mir, ich habe dabei keine Wiedersehensfreude empfunden!

 Aber keine Angst! Berger wäre nicht Berger, hätte er nicht eine Reihe von Lösungsmöglichkeiten parat! Es ist natürlich kein Zauberkasten, aber bestimmte Verhaltensweisen können die Begegnung mit unseren Liebsten bzw. mit uns selbst als Partnern durch Kenntnis dieser Persönlichkeitsstrukturen extrem erleichtern.

Und nicht nur das: auch gibt es viele Mischformen, von denen uns der Autor so einige vor Augen führt: Es ist schon erstaunlich, für was man so alles gewappnet sein muss. Und erst dann, wenn man zu sich und seinen Stachelnu ebenso wie zu denen des geliebten Menschen steht, wenn man sie erkennt und mit ihnen lebt, kann man im Einklang mit seiner Beziehung sein.

Ein tolles und nützliches Buch, das aus meiner Sicht aus der Masse von Werken zu diesem Thema wohltuend heraussticht und sowohl lehr- und inhaltsreich als auch unterhaltsam geschrieben ist.

Der Autor beleuchtet auch einen christlichen Ansatz und Grundgedanken zu diesem Thema- Im Gegensatz zum ersten Band hat er diesen nicht diskret in ein eigenes, abgeschlossenes Kapitel gepackt hat, sondern ihn jedem Kapitel angefügt, was mir persönlich sehr gut gefiel. Wie hätte Jesus reagieren können, wenn in ihm gerade die ein oder andere Eigenschaft dominiert, die nicht unbedingt einfach war? Was geschieht, wenn ich mich in Gottes Hand begebe?

 Ein toller Ansatz, den ich als  sehr aufschlussreich und inspirierend empfinde. Doch auch Leser, die lieber darauf verzichten, sollten sich deswegen nicht die Lektüre dieses Buches versagen. Sie können ja einfach schon mal zum nächsten Kapitel übergehen. Ich werde das Buch auf jeden Fall in Ehren halten und immer wieder mal als Ratgeber für bestimmte Situationen zu Rate ziehen und ich bin sicher, dass auch Sie es nach einer ersten Lektüre immer mal wieder aus dem Regal holen werden, um zwar nicht direkt eine Lösungsmöglichkeit, aber doch konstruktive Vorschläge für die Entwicklung von Strategien im Umgang mit dem geliebten Menschen zu finden!

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38 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

türkei, philosophie, roman, gott, feminismus

Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak , Michaela Grabinger
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 28.09.2016
ISBN 9783036957524
Genre: Romane

Rezension:

Doch dies ist nicht das Einzige, das Peri, die Protagonistin dieses
Romans, eine moderne, gebildete Mitdreißigerin umtreibt. Nein, sie ist
quasi in einen Glaubenskrieg hineingeboren mit nichtgläubigem Vater und
sehr gläubiger Mutter und brauchte lange - wenn sie es denn je geschafft
hat - um einen roten Faden für sich selbst im Dickicht der Religionen,
Glaubensrichtungen und -wege zu finden.

Das Buch beginnt mit
einem Knall: im Istanbul der Gegenwart, also im Jahre 2016, wird Peri,
während sie mit dem Auto in der Stadt ist, beraubt und dann noch
bedroht, attackiert und verletzt. Ja, Istanbul ist genauso gefährlich,
wie es uns das ganze Jahr über aufgrund der Berichterstattung in den
Medien erschienen ist, das werden Sie im Laufe ihrer Lektüre merken.

Der
Überfall - der letztendlich für Peri und ihre sie begleitende Tochter
glimpflich ausgeht - ruft in ihr Erinnerungen an vergangene Zeiten
hervor, Schuld daran ist ein aus ihrer Tasche herausgefallenes, fast
vergessenes Foto. Es weckt Erinnerungen an ihre Zeit in Oxford, die auch
mit einem Knall endete - diese abrupten Wechsel scheinen prägend zu
sein für ihre Leben, das wird der Leser, der hier am Ball bleibt, nur zu
bald erfahren.

Und es ist nicht schwer, hier am Ball zu bleiben,
denn Elif Shafak schreibt flüssig, blumig im besten Sinne des Wortes
und spannungsgeladen: die Autorin vermag es, von Beginn an eine
krimiähnliche Atmosphäre aufzubauen, die den Leser packt und bis zum
Ende nicht mehr loslässt. Elif Shafak gelingt es, fernab von jeglicher
Schwafelei und Phrasendrescherei ausdruckstark und faszinierend einen
Lebensweg zu beschreiben, der ebenso außergewöhnlich wie typisch für
unsere immer globaler werdende Zeit ist, in der Teile der Gesellschaft
sich mehr und mehr vom Säkularen abwenden und ihre Zeitgenossen dazu
zwingen, in Fragen des Glaubens und der Religion eine Position
einzunehmen, Stellung zu beziehen, ja, zu polarisieren oder sich
zumindest in eine bestimmt Ecke drängen zu lassen.

Peri ist
früher als viele andere mit einem solchen Kampf konfrontiert worden,
dadurch, dass ihre Eltern und auch ihre beiden Brüder konträre
Positionen einnehmen - zeitweise mit fatalen Folgen für die ganze
Familie.

Sie ist also schon daran gewöhnt, zwischen den Stühlen
zu stehen, als sie als junge Studentin nach Oxford geht und auch dort in
Glaubensfragen zwischen die Fronten gerät - wir schreiben das Jahr
2001, das durch 09/11 sowieso eine gewisse Zäsur, einen Einbruch, einen
Schnitt, der durch die ganze Welt ging, brachte, eine neue Wahrnehmung
des Glaubens und der Religion. Dass vieles davon zumindest in Ansätzen
schon da war, zeigt uns dieses faszinierende Buch.

Großartig!
Elif Shafak verfügt über Intensität und realistische Fabulierkunst im
allerbesten Sinne und braucht den Vergleich mit großen, preisgekrönten
Autorinnen der Gegenwart wie Anne Tyler und Sofi Oksanen nicht zu
scheuen. Gleichwohl ist sie aber auch der orientalischen Erzählkunst
verhaftet, was ihren Stil zu etwas Einzigartigem macht, das nicht genug
gewürdigt werden kann. Auch, wenn für mich der Schluss des Buches nicht
ganz mit dem Rest mithalten konnte, ist dies eine Mäkelei auf
allerhöchstem Niveau, die ich mich fast gar nicht zu äußern traue.

Ein
Buch für alle Kinder dieser Zeit, die mit offenen Augen und regem Geist
durchs Leben und durch die immer globaler werdende Welt gehen!

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133 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

new york, familie, geschwister, usa, erbschaft

Das Nest

Cynthia D'Aprix Sweeney , Nicolai Schweder-Schreiner
Fester Einband: 410 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 02.12.2016
ISBN 9783608980004
Genre: Romane

Rezension:

Einen sicheren Hafen bzw. eine Heimat im Sinne von Geborgenheit und Rückhalt haben die vier Plumb-Kinder - zumindest auf dem Papier seit Ewigkeiten erwachsen - schon lange nicht mehr, wenn sie überhaupt je sowas hatten. Früh zu Halbwaisen geworden, hat sich ihre exzentrische, stets dem Alkohol zugeneigte Mutter doch eigentlich nur um sich selbst gekümmert. Und auch sonst, untereinander gab es stets wenig Halt: dafür waren und sind Leo, Bea, Jack und Melody einfach zu unterschiedlich. Doch über all die Jahre, durch alle Widrigkeiten hindurch, gab es immer etwas, woran sie sich festhalten konnten, nämlich das "Nest" - einen erklecklichen Fond für alle vier, der ihnen offenstehen sollte, wenn Melody, die Jüngste von ihnen, ihren vierzigsten Geburtstag hinter sich hat, was zu Beginn dieses Buches nicht mehr lange dauern wird. Allerdings wird dieser Fond ausgerechnet von ihrer Mutter, der unzuverlässigsten Person unter der Sonne verwaltet und so erfüllt sie auch in diesem Falle nicht die Erwartungen aller. Denn Leo, der Älteste, gerät in eine Notsituation, in der sie ihm kurzerhand die gesamte Summe - mehrere Millionen - zur Verfügung stellt.

Ein schwerer Schlag für die restlichen Geschwister, hatten sie doch schon alle mit dem Geld gerechnet. Und es teilweise bereits einkalkuliert in ihre Lebensplanung. Und nun?

Wir lernen in diesem Roman alle vier Plumb-Geschwister und ihr jeweiliges Umfeld, ihre Familien kennen, es wird uns vorgeführt, was Familie NICHT sein sollte. Oder kann Leo das Geld rechtzeitig retournieren? Springen die anderen über ihren Schatten und helfen sich gegenseitig aus der Patsche? Lesen Sie selbst, es passiert so einiges Unvorhergesehene und sie werden Bekanntschaft mit einigen Charakteren der besonderen Art machen.

Die Autorin Cynthia D'Aprix Sweeney hat einen klassischen Familienroman geschaffen und gleichzeitig etwas überraschend Neues. Wie in diesem Genre üblich, werden die Charaktere demaskiert und zeigen in der Krise ihr wahres Gesicht. Ebenso wie ihr Umfeld - in einigen Fällen entspricht dies den Erwartungen, die der Leser früh entwickelt, in anderen wird man total überrascht. Trotzdem - ich zumindest war durchgehend froh, am Rande zu stehen und nicht zu dieser Familie zu gehören, die etwas Gestörtes, etwas Zerstörendes an sich hat. Aber - haben das nicht alle Familien? Nun, ich würde sagen, definitiv nicht in diesem Ausmaß, wenn überhaupt.

Das Buch liest sich ausgesprochen süffig, der Stil ist sowohl ausdrucksstark als auch unterhaltsam, die Charaktere gut gezeichnet. Einige wenige Male war ich ein bisschen enttäuscht von den inhaltlichen Entwicklungen - hier hätte es ein wenig mehr, da wieder etwas weniger sein dürfen. Doch das sind persönliche Wünsche, die ebenso auf meinen Lese- wie auch auf meinen Lebenserfahrungen fußen. Insgesamt ist dies ein spritziger, unterhaltsamer, teilweise auch erschütternder, ja schockierender, doch immer wieder auch humorvoller Roman über eine New Yorker Familie der Gegenwart. Eine brilliante Unterhaltung an dunklen Herbsttagen!

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38 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

habsburger, österreich, historischer roman, sissi, erzherzogin

Die letzte Prinzessin

Martin Prinz
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2016
ISBN 9783458176831
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der österreichische Autor Martin Prinz nämlich, der uns einen Roman mit dem ausgesprochen standesgemäßen Titel "Die letzte Prinzessin" vorlegt. Ein Roman auf einer ausgesprochen realen Grundlage mit zahlreichen biografischen Elementen ist es, den vorlegt und in dem es um Elisabeth Petznek, Enkelin des vorletzten österreichischen Kaisers Franz Joseph und damit auch der vielgerühmten Sissi und lange Zeit eine der heißesten Anwärterinnen auf seine Nachfolge, bis sie aus Liebe zu einem Mann darauf verzichtet und sich schon in jungen Jahren in eine im Nachhinein todunglückliche Ehe stürzt.

Es ist ein interessantes und für die damalige Zeit durchaus langes Leben, dasjenige, das Erzherzogin Eliabeth, später einfach nur Frau Petznek und Mitglied der sozialdemokratischen Partei  con1883 bis 1963, es ist prall von Ereignissen und gegensätzlichen Entwicklungen, mit denen drei "normale" Leben locker gefüllt werden könnten.

Der Autor legt seinen Fokus nicht nur auf das Wesen der - zunächst - adligen Dame, sondern oftmals auf politische Entwicklungen, die für den weiteren Verlauf eine entscheidende Rolle spielten oder aber sich als prägend für Elisabeth erwiesen. An mehreren Stellen werden Ereignisse wie bspw. der Friedensvertrag von Brest-Litowsk zum Ende des Ersten Weltkrieges seitenweise an Dokumenten dargestellt und erläutert.

Ich finde derartige politische Entwicklungen eigentlich interessant, aber die Ausführungen des Autors sind mir zu trocken und zu langweilig, oft auch unpassend.

Vergleichend möchte ich eine ähnliche Thematik von Titus Müller (Arbeiteraufstände 1848 in Berlin) im Roman "Berlin Feuerland" gegenüberstellen: Dieser Autor  hat die Darstellung der historischen Ereignisse brilliant gelöst, mindestens mit einem ebenso hohen und fundierten Anspruch an die historische Wahrheit und Qualität der Darstellung wie Martin Prinz, aber um Längen unterhaltsamer.

Die hier, am Ende des 1. Weltkriegs zur Verfügung stehende Thematik ist mindestens ebenso spannend bzw. spannungsreich, doch wie zäh empfand ich das Lesen!

Ein Beispiel ist ein zeitgenössischer Artikel zu den Ereignissen jener Zeit in Kurland, der Elisabeths Ansichten nachhaltig geprägt hat. Er führt sehr weit weg vom eigentlichen Thema und hat nur bedingt mit der Heimat Elisabeths, mit dem ehemaligen Österreich-Ungarn also, zu tun. Dieses Thema wird über viele Seiten abgehandelt

Ich hätte es viel besser gefunden, wenn statt dessen kurz und knackig die Bedeutung des Friedensvertrags von Brest-Litowsk für Österreich im allgemeinen dargestellt worden wäre und im Besonderen auf Elisabeth und ihre Ansichten. Dazu hätten ein paar Sätze ausgereicht und es wäre möglich gewesen, anderes, enger an Elisabeths Leben geknüpftes, mit einzubringen.

Ein interessantes Leben - in der vorliegenden Darstellung leider ohne  besonderen Pfiff und an vielen Stellen sehr langatmig geschildert. Aus spannenden Fakten wurde ein sehr trockenes Buch, durch das ich mich stellenweise durchgequält habe. Dazu trug auch bei, dass weder ein Namensverzeichnis noch ein erläuterndes Glossar erstellt wurde - ich musste während der Lektüre ständig googlen, um das Gelesene richtig einordnen und nachvollziehen zu können.

Man erfährt vieles, was man in diesem Kontext nicht wissen will, anderes jedoch, das in direktem Zusammenhang mit dem Wesen Elisabeths und den weiteren Entwicklungen  in ihrem Leben steht, bleibt dem Leser vorenthalten - leider! Ein Buch, das ich wirklich nur Fans des österreichischen Königshauses bzw. der damit zusammenhängenden Geschichte ans Herz legen kann!

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

adriaan van dis, biografisch, mutter-sohn-beziehung, ik kom terug, erinnerungen

Das verborgene Leben meiner Mutter

Adriaan van Dis , Marlene Müller-Haas
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 04.10.2016
ISBN 9783426281628
Genre: Romane

Rezension:

So urteilt die Mutter des Autors über den Charakter des Menschen, der sich ihr zufolge im Alter nicht abnutzt, sondern einkocht, wobei die Essenz herauskommt (S. 138). Eine spezielle Person? Aber Hallo! Beim Lesen dieses Romans, des Denkmals, das ihr eigener Sohn ihr gesetzt hat, wird deutlich, dass nicht nur ihre Kinder sie so sahen.

Die alte Dame - wir lernen sie hier kurz vor ihrem Tod kennen, einem Tod, den sie selbst sich wünscht, denn eigentlich ist sie noch ganz gut beisammen, vor allem geistig und das ist mehr, als viele Altersgenossen von sich behaupten könnten.

Ich muss gestehen, ich würde zu gern wissen, was ihr Landsmann und ungefährer Altersgenosse Hendrik Groen, dessen ehrliches Alterstagebuch "Eierlikörtage" gerade so boomt, über diese Dame sagen würde - ich glaube, sie wäre eine von denen, deren Histörchen er ab und an mal gerne lauschen würde, um sich dann aber wieder schnell zu verdrücken, wenn es gar zu garstig wird, denn das ist ein wesentlicher Charakterzug dieser Dame.

Sie hat es nie leicht gehabt und auch nicht leicht gemacht - weder sich noch anderen, teilweise auf richtig niederträchtige Art ihre Kinder gegeneinander ausspielend, dann wieder überraschend offen ihre Erinnerungen herauskramend - und die sind spannend, wenn auch unglaublich hart: zwei Weltkriege und ein japanisches Internierungslager in Indonesien liegen hinter ihr, zwei Ehen bzw. Beziehungen zu Männern, aus denen ihr Kinder blieben, eine schwierige und traurige Liebesbeziehung. Soweit wir wissen. Naja, einige wissen möglicherweise mehr, da ihnen bereits mehr über den Autor Adriaan van Dis bekannt ist bzw. sie sein Werk kennen. Ich bisher nicht und so fiel es mir recht schwer, mir dieses Buch, die Mutter des Autors und seine eigene extrem schwierige Beziehung zu ihr zu erschließen, auch wenn er großartig schreibt (und ebenso übersetzt wird) , mit Humor, Respekt, aber auch mit einer gewissen Distanz, die wohl ein Leben lang zwischen ihm und seiner mutter bestand.

Obwohl auf dem Cover als solcher bezeichnet, ist es eigentlich kein Roman, es sind eher (auto)biographische Erinnerungen, die auch für den Autor neu sind. Vieles packt die Mutter erst am Ende ihres Lebens aus, in der Hoffnung, dass man ihr dafür den Tod schenkt. Was ich damit meine? Lesen Sie selbst. Allerdings lassen Sie sich auf ein schwieriges Buch ein, auf eine Herausforderung, die gemeistert werden, Worte, die in ihrem Zusammenhang erst erobert werden müssen. Schwere Kost, allerdings mit leichten Untertönen und nichts für Leser, die einfach nur so unterhalten werden wollen!

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41 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

freundschaft, sandy taylor, krankheit, du und ich und das meer, harpercollins

Du und ich und das Meer

Sandy Taylor , Marion Ahl
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.10.2016
ISBN 9783959670746
Genre: Romane

Rezension:

So wie die Liebe und eigentlich das ganze Leben, so ist auch dieser durch und durch englische Roman - ein Roman mit Herz und Seele, emotional, ohne kitschig zu sein, taucht er tief in die Sixties ein: Die Leser müssen sich darauf einstellen, dass die Uhren (noch) anders ticken, dass nicht alles für den Menschen der 2010er nachzuvollziehen ist.

Worum es geht: Dottie Perks ist ein pummeliges junges Mädchen, das total unsportlich und auch nicht besonders schlau war. Ihre ganze Schulzeit wäre die Hölle gewesen, hätte sie nicht Mary Pickles an ihrer Seite gehabt, die sich - obwohl winzig klein - immer vor sie zu stellen vermochte. Mary Pickles, die sportlich und gut in der Schule war und allen klar machte, dass mit ihr nicht gut Kirschen zu essen ist, wenn man sich über Dottie lustig macht.

Dottie und Mary - Mary mit dem Kopf in den Wolken, immer am Träumen, Dottie viel näher am Realen dran und bald auch nicht mehr pummelig, sondern genau richtig und genau so geliebt: von ihrer Familie, den schnodderigen, doch liebevollen Eltern und den nicht immer handzahmen Geschwistern Rita und Clark, die doch immer zur Stelle sind, wenn man sie braucht. Und von Ralph: groß, still, rothaarig, zurückhaltend - und wie sich herausstellt, schon immer von Dottie begeistert. Marys Herz dagegen ist an Elton verloren, Elton, den alle Mädchen mögen, der sich aber nicht festlegen will.

Mary und Dottie - Freundinnen fürs Leben, Ralph und Dottie - ein Paar wie es passender nicht sein könnte. Doch dann passiert etwas, das dieses Gefüge durcheinander bringt und sowohl Dottie als auch den Leser am Sinn des Lebens zweifeln lässt. Ein Buch ein Film von Stephen Frears, "The Snapper" zum Beispiel, der zugegeben nicht in England, sondern in Irland und ein paar Jahrzehnte später als 1960 spielt, aber genau die Art von Mutterwitz, Tragikomik und bitterer Süße aufweist, die dem Leser hier abwechselnd das Herz erwärmt und es fast gefrieren lässt. Einige Entwicklungen waren für mich allerdings nicht nachvollziehbar, unabhängig davon,  in welcher Epoche die Geschichte angesiedelt ist, sie hinterließen in mir eine Reihe von Fragezeichen.

Dennoch ein sehr atmosphärisches Buch, in dem der Stadt Brighton ebenso ein Denkmal gesetzt wird wie der Jugendfreundschaft und der Treue. Ein Buch, in dem es nicht immer logisch und auch nicht gerecht, aber immer sehr, sehr menschlich zugeht!

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Tags: brighton, fr, freundschaften   (2)
 

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110 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

venedig, paris, liebe, philosophie, geheimnis

Das Café der kleinen Wunder

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Fester Einband: 357 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag, 17.09.2016
ISBN 9783851793680
Genre: Romane

Rezension:

Romantik pur gekleidet in viele schöne Worte und gebettet in zwei atmosphärische Städte der Liebe, nämlich Paris und Venedig. Die Pariser Studentin Nelly begibt sich nach einer Riesenenttäuschung zu einem ausgiebigen Urlaub nach Venedig. Doch der sie quälende Liebeskummer ist nicht der einzige Grund für diese Reise in den Süden - es gilt, ein Geheimnis ihrer verstorbenen Großmutter zu lüften. Auch darin geht es - wie kann es im Zusammenhang mit den beiden Städten Paris und Venedig anders sein - um Liebe.

Der Leser hat die Gegelegenheit, gemeinsam mit Nelly vor allem Venedig zu erkunden, wobei man vor allem auf derart gemütliche Cafés stößt, dass ich drauf und dran bin, dem Autor aufzulauern und ihn zu bedrängen, mir die Adressen zu nennen, denn ich bin überzeugt, dass eine so eindringliche Schilderung ein wahres Vorbild hat.

Ja, die Atmosphäre in den lauschigen Ecken der verträumten Städte: sie hat mich durchaus gepackt. Doch leider bleibt die eigentliche Liebesgeschichte ein Gerüst, sie ist einfach zu wenig süffig, vieles bleibt ungesagt und wirkt dadurch unlogisch - für mich zumindest.

Aus meiner Sicht hat der ausgesprochen eloquente, originelle und auch begabte Autor Barreau, eigentlich ein Meister des gehobenen und stimmungsvollen Unterhaltungsromans, hier ein wenig an den falschen Ecken gespart, wodurch einige seiner warmherzigen und amüsanten Ideen im Ansatz verpuffen. Trotzdem denke ich, dass Fans des Autors an dieser Lektüre ihre Freude haben werden. Ein nettes Buch für zwischendurch, aber definitiv kein Muss.

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