TochterAlice

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

krieg, hass, hamburg, ostpreußen, flucht

Gestorben wird immer

Alexandra Fröhlich , Keil & Keil
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.10.2016
ISBN 9783328100010
Genre: Romane

Rezension:

Denjenigen von Agnes Weisgut, einer Frau, die nur 13 Jahre jünger ist als das 20. Jahrhundert - ein Weg, der in den 1930er Jahren im damals noch stolzen Ostpreußen beginnt. Agnes kann sich nicht vorstellen, diesen wunderschönen Landstrich jemals zu verlassen - überhaupt blickt sie in eine mehr als rosige Zukunft, mit eigener Berufsausbildung, einem stattlichen Mann und einem wunderschönen Haus mitten im schönen Königsberg.

Doch es kommt alles ganz anders - kurz nach ihrem Abitur ziehen ihre Eltern mit ihr aufs Land und sie heiratet den einfachen Steinmetz Wilhelm Weisgut, der in Grabsteinen macht und Hitler verehrt. Bald ist Wilhelm im Krieg und sie mit einer immer größer werdenden Kinderschar und einer mehr als garstigen Schwiegermutter zu Hause.

Und gald schon findet sie sich im Hamburg der Nachkriegszeit wieder - wo sie wieder in Grabsteinen macht. Wie gesagt, Leichen pflastern ihren Weg, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise

Ein Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts - eines wie kein anderes: Aber waren das nicht eigentlich alle? Hatte nicht jede der Frauen, die mindestens einen Krieg durchmachen mussten, einen eigenen, stets steinigen Weg zu gehen, hat es nicht viele von ihnen - wie Agnes auch - aus ihrer Heimat in eine ganz andere Umgebung verschlagen, in der sie sich mühsam wieder berappeln mussten?

Alexandra Fröhlich erzählt hier eloquent, einfühlsam und unterhaltsam die Geschichte von Agnes. Halt, nein, eigentlich ist es die von drei Frauen, nämlich auch von ihre Tochter Martha und ihrer Enkelin Birte, drei Frauen, die einen unterschiedlichen Weg gehen, der sie irgendwann wieder zusammenführt.

Denn Agnes muss ein dunkles Geheimnis loswerden. Und nicht nur sie. Denn es schwebt eine Tragik über der Familie, die ihresgleichen sucht.

Ein wirklich mitreißendes Buch, in dem man schwelgen kann und das sicher Fans des Bestsellers "Altes Land" auf seine Seite ziehen wird, auch wenn es die Autorin am Ende etwas zu bunt treibt mit dem, was sie ihren Figuren so alles zumutet. Figuren übrigens, die ganz wunderbar gezeichnet sind - man kann sie sich ganz leicht vor Augen führen. Ebenso wie die Sprachgewalt Alexandra Fröhlichs Bewunderung verdient, schafft sie es doch auf gerade mal dreihundert und paar Seiten, ein großes Familienepos auszubreiten.

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

organspende, liebe, trauer, freundschaft, roadtrip

Für immer ein Teil von mir

Michelle Andreani , Mindi Scott , Henriette Zeltner
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.01.2017
ISBN 9783959670692
Genre: Jugendbuch

Rezension:

wollen Cloudy und Kyle den ein oder anderen Zeitgenossen auf ihrem Roadtrip in Richtung Kalifornien - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, haben sie doch vor einem halben Jahr ihre Freundin Ashlyn verloren - einige ihrer Organe jedoch leben durch eine Spende in anderen Menschen, denen dadurch ein neues Leben geschenkt wurde, weiter.

Ashlyns Mutter hat allen diesen Menschen Briefe geschrieben, in denen sie über ihre Tochter erzählte - und es gab eine Menge rührendes Feedback. Nun sind die Freunde der Tochter auf dem Weg zu den Menschen.

Ein interessantes Thema, könnte man meinen, aber in Wahrheit wird dieses Thema kaum angesprochen. Die Organempfänger bleiben - bis auf eine - leb- und farblos, sie werden kurz abgehandelt.

Im wesentlichen handelt das Buch, das wechselweise aus der Perpektive von Cloudy und Kyle erzählt, vom Verhältnis dieser beiden jungen Leute, ihrer Vergangenheit, ihren Animositäten. Und von dem, was sie bewegt.

Und ehrlich gesagt, ist das nicht besonders interessant, da vieles an der Oberfläche bleibt. Aus diesem Buch hätte was werden können, aber das Autorinnengespann hat seine Chance leider nicht genutzt.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

motorradtour, luang namtha, inseln, luang prabang, paxte

Streifzug durch Laos

Erik Lorenz , Gabriele Pittelkow
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.04.2014
ISBN 9783931989910
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wer Reiseberichte in ihrer eigentlichen Bedeutung, also als persönliche Erlebniserzählungen gewürzt mit viel Wissenswertem in der Tradition bspw. von Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg liebt - der sollte zu Erik Lorenz' Streifzug durch Laos greifen!

Eine so liebevoll geschriebene und aufgemachte Studie über ein sehr besonderes Land, das ich selbst schon bereist habe und sehr gern mag, habe ich noch nie gelesen, zumindest nicht von aktuellen Reisereportern! Das im Drachenmond Verlag erschienene Buch enthält nicht nur zahlreiche detaillierte Kapitel, die dem Lesenden die Möglichkeit geben, sich Laos quasi flächendeckend zu erschließen, nein, sie enthalten auch Zeichnungen - jedes Kapitel eine eigene, die auf jeder Seite abgebildet ist und es gibt noch einen Mittelteil mit Fotos. Für Leser, denen die Optik sehr wichtig ist, also genau das Richtige.

Was mir sehr gut gefällt: Erik Lorenz erzählt von seinen Reiseerlebnissen so, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein, es ist lustig, unterhaltsam und er beschreibt nicht nur die Gegenden, sondern auch die Menschen - Einheimische ebenso wie zufällige oder auch ständige Reisegefährten auf eine witzige und treffende Art und Weise, so dass man sie quasi vor Augen hat.

Laos mit seinem ganzen Reichtum an Flora und Fauna erschließt sich uns in diesem Buch - aber auch seine Geschichte, seine Kultur erzählt der Autor quasi nebenher.

Ein sehr besonderes Land mit einer reichen Kultur und einer schwierigen Geschichte - nach diesem Buch werden alle, die noch nicht in dem Land waren, Lust darauf bekommen, es wieder zu bereisen - und ich träume davon, irgendwann einmal ein zweites Mal hinzufahren und mir noch viel mehr anzuschauen!

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53 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

thriller, hamburg, mord, bernhard aichner, triologie

Totenrausch

Bernhard Aichner
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 09.01.2017
ISBN 9783442756377
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen lohnt.

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits in den Vorgängerbänden "Totenfrau" und "Totenhaus"- ist auf der Flucht: jede Menge Leichen haften ihr an. Diesmal führt ihr Weg über den Umweg in den hohen Norden geradewegs nach Hamburg - und Blum wäre nicht Blum, wenn sie nicht schnurrstracks auf der Reeperbahn und im Rotlichtmilieu landen würde - und das mit ihren beiden Töchtern im Schlepptau!

Dass sie bald nicht mehr Blum, sondern Marie Müller heißt und dem brutalen Zuhälter Schiele auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist - das müssen Sie nicht verstehen. Jetzt noch nicht - erst, wenn Sie der Geschichte von Brünhilde Blum/ Marie Müller literarisch gefolgt sind.

Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist .

Ein ruhiger, aber heftiger Thriller und damit eine ausgesprochen ungewöhnliche, umso wirkungsvollere Kombination. Teilweise sind die Entwicklungen dennoch ein wenig langsam. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall.

Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und dass blut fließt und die nicht zu empfindlich sind. Im Gegensatz zum Vorgänger "Totenhaus", der meinen Geschmack nur teilweise getroffen, bin ich diesmal so ziemlich auf meine Kosten gekommen. Und empfehle die Geschichte mit Brünhilde/Marie, die mit diesem Band vollendet bzw. abgerundet wird, von ganzem Herzen!

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57 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

tod, trauer, familie, verlust, seele

Solange ich in deinem Herzen bin

S.D. Robertson , Allys Olsen
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 09.01.2017
ISBN 9783959670739
Genre: Romane

Rezension:

wird die kleine Ella, als ihr Vater Will von einer Autofahrerin, die auf den Boden ihres Wagens statt auf die Straße schaut, totgefahren wird. Da ihre Mutter Alice auch nicht mehr lebt, ist sie nun ganz allein auf der Welt. Elternlos zieht nun zu ihren Großeltern, den Eltern von Will, die sich rührend um sie kümmern, aber auch nicht mehr die Jüngsten sind und sowieso nicht die Eltern ersetzen können.

Der Leser erlebt die Geschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive - nämlich aus der des toten Will. Dieser hatte seiner Tochter versprochen, sie nie mehr allein zu lassen und muss dieses Versprechen nun brechen.

Oder doch nicht? Gibt es für ihn eine Möglichkeit, ins Leben zurückzukehren, den Tod rückgängig zu machen? Oder kann er möglicherweise aus dem Reich der Toten mit Ella Kontakt aufnehmen, an ihrer Seite sein?

Ein interessantes Thema, dachte ich mir, mit einem geradezu metaphysischen Ansatz. In der Tat eine interessante, ausgesprochen ungewöhnliche Geschichte, doch leider war alles ein wenig zu sensationsorientiert aufgebaut.

Gerade zum Ende hin jagte eine Räuberpistole die nächste, wurde die Geschichte immer verwegener. Zudem kamen zu viele Tote darin vor für meinen Geschmack, mir hätte es besser gefallen, wenn sie sich aufs Wesentliche, also auf Will und Ella konzentriert hätte. Ein interessanter Gedanke zum Leben nach dem Tod, der leider ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist.


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16 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

2. weltkrieg, graphic novel, zweiter welkrieg, augenzeugenberichte, stalingrad

Großväterland

Christian Hardinghaus , Markus Freise
Fester Einband
Erschienen bei Panini, 17.10.2016
ISBN 9783957989420
Genre: Comics

Rezension:

um es einmal sehr allgemein zu beschreiben, präsentieren der Historiker Christian Hardinghaus und der Zeichner Markus Freise hier einmal in ungewohntem Format. Zeitzeugenberichte aus dem zweiten Weltkrieg sind es, die hier sozusagen im Comicmodus aufbereitet werden. Dabei verlieren sie keineswegs die Ernsthaftigkeit, die Gewichtigkeit der Bedeutung, nein, die Zeichnungen lassen die Vorgänge - die meisten gezeichneten Ereignisse spielen sich an der Front ab - noch eindringlicher und vor allem plastischer wirken.

Ziemlich starker Tobak also, der hier Schülern - denn dies ist die primäre Zielgruppe - vorgesetzt werden soll. Doch die Autoren wissen, was sie tun und gehen hart gegen bestehende Gefahren wie verblassende Erinnerungen - eine natürliche Folge des allmählichen Verschwindens von Zeitzeugen - an. Es sind sieben längere und 2 kürzere (so genannte One-Pager) Kriegsberichte von insgesamt sieben Männern und zwei Frauen, alle in den 1920ern geboren, bei Kriegsbeginn also teilweise noch Kinder, auf jeden Fall aber Jugendliche.

Die gesamte Bandbreite, die Ausweitung des Zweiten Weltkrieges wird hier vorgeführt, die Berichte kommen aus unterschiedlichen "Ecken", von der Ostfront natürlich, dann schildert einer der jungen Männer seine Erlebnisse am D-Day in der Normandie, aus Norwegen, Polen und und und. Ebenso wie geographische Verschiedenheiten prägen zeitliche Unterschiede die Geschichten - sie erstrecken sich über die gesamten (fast) sechs langen, furchtbaren Kriegsjahre.

Unterfüttert hat Christian Hardinghaus die Zeitzeugenberichte mit zahlreichen Hintergrundinformationen zu jedem einzelnen Erlebnis, die aus dem Buch ein fundiertes, informatives und enorm bereicherndes Instrument sowohl für den Schulunterricht als auch die individuelle Fortbildung werden lassen. Und das definitiv nicht nur für junge Leute!

Ich fand es schade, dass es keine Fotos und keine näheren Informationen zu den Zeitzeugen gab, wenn ich es auch gut nachvollziehen kann, dass sie möglicherweise anonym bleiben wollten. Dennoch, es hätte die ganzen Bezüge noch um einiges lebendiger werden lassen!

Als ein weiteres Manko sehe ich die aus meiner Sicht nicht allzu individualiert gestalteten Personenzeichnungen. Bei Gisela bspw. der wir gleich im ersten One-Pager zu Kriegsbeginn begegnen, war für mich nicht auszumachen, ob sie ein junges Mädchen, ein Kind oder sogar schon ein älterer Mensch ist - auch das Geschlecht ist für mich nicht ganz klar zu identifizieren. Und das ist nicht der einzige Fall, so dass es aus meiner Sicht ein deutliches qualitatives Gefälle zwischen Texten und Zeichnungen gibt.

Aber dennoch ist das Buch insgesamt ein außerordentlich lohnenswerter Beitrag zur Verarbeitung des Zweiten Weltkrieges - nicht nur für junge Menschen!

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7 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

deutsch, graphic novel, berlin, deutscher, rezension

Westend

Jörg Ulbert , Jörg Mailliet
Fester Einband
Erschienen bei Berlin Story Verlag GmbH, 21.10.2016
ISBN 9783957230980
Genre: Comics

Rezension:

 "Do you know what it's like to hate when it's way down deep inside?" (Violent Femmes - Promise)

Dies ist nur einer von vierzehn Songs auf der Playlist, die "Westend Berlin 1983", ein Politdrama der Extraklasse in Bildern begleitet und dem Leser/Betrachter dabei hilft, sich stante pede in die 1980er zu versetzen, wohlgemerkt in die erste Hälfte dieses einerseits so unauffälligen, andererseits jedoch durchaus ereignisreichen Jahrzehnts, an dessen Ende der Beginn der Auflösung der DDR stand.

Davon ist jedoch hier, im Jahre 1983, noch nicht das Geringste zu spüren: die RAF und ihre Splittergruppen sind  noch sehr aktiv, die Hausbesetzerbewegung befindet sich auf ihrem Höhepunkt, linke politische Kräfte unterschiedlicher Ziel- und Schwerpunktsetzung bestehen, formieren sich, fallen auseinander - und der Bhagwan ist auf seinem Siegeszug durch die deutschen Landen - allenthalben bilden sich Kommunen seiner Gefolgsleute, der sogenannten Sannyasins. Eine wilde, eine bewegte Zeit, auch wenn nicht jeder das alles mitbekommen hat.

Wir befinden uns im Zentrum des Geschehens - mitten in Berlin (West) und begleiten den V-Mann Otto - Kontaktperson des Verfassungsschutzes - bei - ja, bei seinem Alltagsgeschäft, in dem es darum geht, sein Amt aus windigen Geschäften, aktuell aus dem Schmücker-Prozess, rauszuhalten. Dabei hat er sowohl mit der einen - staatlichen - als auch mit der anderen - subversiven - Seite zu tun und stürzt den Leser damit in die wildesten Verwicklungen.

Auch wenn die Bilder teilweise etwas dunkel sind, die Schrift etwas schwer entzifferbar, manche Gesichter nicht individuell genug gezeichnet sind - zumindest ich älteres Semester sehe das so - hat mich das Buch zutiefst begeistert und in die 1980er katapultiert, in die Anfänge meiner politischen Bewusstseinsbildung.

Man erfährt hier viele Einzelheiten, ich könnte mir vorstellen, dass "Neulinge" gegebenenfalls etwas googeln müssen, um wirklich durchzusteigen, um alle Nuancen, Facetten und Abwege zu erfassen, doch es lohnt sich!

Wer etwas über die linksradikale Szene und ihre Netzwerke - ja, die gab es auch vor der Zeit der Mobiltelefone und das nicht zu knapp - sowie über den Kampf gegen sie erfahren will und dies auf effiziente, anschauliche, umfassende - einfach eine ganz besondere Art und Weise tun will, der greife zu diesem Buch. Aus meiner Sicht DAS Geschenk auch für junge Erwachsene, denen die Eltern den Geist ihrer Zeit - eben den Spirit der Eighties - vermitteln wollen. Aus meiner Sicht ein Politcomic  aller- aber wirklich allererster Sahne: fundiert, mitreißend, polarisierend, anregend, bewegend, ab und an an passender Stelle auch mal abstoßend - eben einfach perfekt!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

musik, großvater, enkel, tragik, trauer

Ein letztes Lied für dich

Natasha Solomons , Martin Ruben Becker
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.11.2016
ISBN 9783499290244
Genre: Liebesromane

Rezension:

und voneinander auch nicht.

Das sind Edie, zu Kriegszeiten schon eine bekannte Sängerin und der junge Fox, Benjamin unter drei Brüdern, dessen Herz sowohl an der Klassik als auch an folkloristischer Musik hängt, die er sammelt. Edies Schlager sind eher nicht seine Welt - ihre Stimme jedoch nimmt ihn ebenso wie ihr gesamtes Wesen rasch gefangen. Das Problem ist nur
- Edie ist die Verlobte seines ältesten Bruders Jack: und der ist ein absoluter Gewinnertyp, der bislang immer alles bekommen hat, was er wollte. Hier ist es nicht anders und so gehen die beiden zunächst getrennte Wege, zumal sie einige Jahre trennen: Edie ist bereits eine reife Frau, Fox dagegen noch ein grüner Junge.

Da die Romanhandlung jedoch auf zwei Zeitebenen spielt und man rasch mitbekommt, dass Fox und Edie gemeinsame Töchter und auch Enkel haben, muss da wohl irgendwas gewesen sein. Oder ist es doch mehr Schein als Sein?

Eine überaus anrührende Geschichte, bei der die Musik, die Menschen verbinden, an vorderster Front steht, wird den Leser, der bereit ist, sich ein wenig Zeit zu nehmen, bald aufklären. Bald, weil die Handlung so anrührend und ergreifend ist, dass zumindest ich nur schwer das Buch aus der Hand legen konnte - und das trotz einiger "Unebenheiten" in beiden Handlungssträngen, sowohl demjenigen, der in der Vergangenheit spielt als auch in dem, der die Gegenwart behandelt.

Fern von Kitsch und Sentimentalität baut die Autorin ihre Story auf, mit einer Leichtigkeit, die den Leser das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Hinter dem gefälligen und flüssigen, zuweilen gar humorvollen Erzählstil stecken eine große Tiefe, eine breit gefächerte Symbolik, ein beeindruckendes Hintergrundwissen und die vielen Gedanken, die sich die Autorin bei der Entstehung ihres Buches gemacht hat.

Eigentlich strotzt dieses Buch nur so vor Tragik: Hartgrove Hall ist ein tragischer Ort, die Familiengeschichten sowohl von Fox als auch von Edie sind mit einer ganzen Reihe von Tragödien verbunden. Aber die Leichtigkeit, mit der Natasha Solomons durch die Geschichte wandelt und - auf durchaus tröstliche Weise - in die Gegenwart vorgreift, gibt dem Leser Zuversicht.

Die Welt braucht solche Bücher - Bücher, die Hoffnung und Wärme transportieren und so werde ich dieses Buch mit Sicherheit häufiger als Mutmacher oder einfach zum darin Schwelgen verschenken. Trotzdem bin ich nicht uneingeschränkt begeistert - das große Talent der Autorin für die Darstellung des Atmosphärischen geht einher mit einer gewissen Schwäche bei thematischen Übergängen. Zäsuren - in diesem Buch meist tragische, manchmal jedoch auch erfreuliche Ereignisse, sind aus meiner Sicht nicht scharf genug gezeichnet und so bleiben manche Entwicklungen ein wenig schwammig. Dennoch ein lesenswertes Buch, das sowohl die Liebe als auch die Tradition der englischen Folkmusik hochhält!

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47 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

low carb, salat, salate, kochbuch, rezepte

Shaking Salad Low Carb

Karin Stöttinger
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Brandstätter Verlag, 09.01.2017
ISBN 9783710601040
Genre: Sachbücher

Rezension:

werden hier alle vorgeschlagenen Salate - Snacks, die man sich für die Mittagspause mit ins Büro nehmen soll. Unkomplizierte Mahlzeiten, die zudem nach dem "Low carb" Prinzip zusammengestellt sind, also wenig Kohlenhydrate beinhalten. Dadurch soll der Esser beim Abnehmen unterstützt werden, aber sich auch sonst wohlfühlen. Es werden dem Körper besonders wertvolle Nährstoffe zugeführt, die sich auf alle Funktionen aus, also auch auf den Geist, auswirken. Ein neuer Mensch soll da geboren werden, so scheint es!

Kann das sein? Einfach die Ernährung umstellen und mir nix, dir nix ein anderer Mensch werden? Hatten wir doch schon, bspw. bei Weight Watchers, der Brigitte Diät und anderen Methoden. Immer noch bin ich entsprechend misstrauisch, kann diesem Salate-System, das die Autorin so begeistert vorstellt, noch nicht so recht vertrauen. Wobei das Buch definitiv keinen ganzheitlichen Ernährungsansatz propagiert, sondern eine bzw. einige Komponenten davon.

Die zubereiteten Mahlzeiten locken zugegebenermaßen, sind ausgesprochen köstlich - aber auch ausgesprochen komplex. So gibt es zum Beispiel Sojapfannkuchen mit Avocado, Erbsen mit roten Zwiebeln und Würstchen, Mandelmehlkuchen mit Zitronenthymian. Alles im Glas, im Stile von Salaten. Für mich sowohl in der Zubereitung wie auch als Mittagssnack viel zu üppig und zudem an einem normalen Werktag, an dem ich meist schon vor fünf Uhr aufstehe, um zur Arbeit zu eilen, nicht zu realisieren. Also, wenn ich damit beginnen würde, käme ich zu nichts anderem mehr. Und dann stelle ich mich mit meinem Lieblingskollegen, der ebenfalls die Kantine meidet, in der Mittagspause vor:
Er: "Hmmm, lecker Salami-Käsebrot. Ich habe es mir angetoastet und ein paar Coctailtomaten dazu, das ist schon was Feines."

Ich: "Pöh, komm mir bloss nicht damit, hier siehst Du ein Glas mit Jacobsmuscheln mit Himbeeren und Macadamianüssen, für danach Pecannusscrumble mit Meerettichcreme und Erdbeeren. Und morgen gibt es Schweinebauch mit Asiasalat. Aber ich kann heute nicht länger bleiben und mit Dir die Anträge durchsehen, sonst schaffe ich es mit der Zubereitung nicht."

Nein, das ist alles ganz schön weit weg von meiner (Küchen)Welt!

Mein Fazit: ein Kochbuch voller gut verträglicher Köstlichkeiten, die in vielen Fällen von verlockenden Fotos begleitet werden Aber die Zubereitung im Alltag erscheint mir völlig unrealistisch. Leider. Deswegen werde ich wahrscheinlich auch nie erfahren, ob ich durch den Genuss dieser oft üppigen Mahlzeiten tatsächlich mein Wohlfühlgewicht (von dem ich derzeit noch um Einiges entfernt bin) erlangen werde!

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

wien, zweiter weltkrieg, juden, schuld, hanika

Das Marillenmädchen

Beate Teresa Hanika
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei btb, 12.09.2016
ISBN 9783442757053
Genre: Romane

Rezension:

Der Marillenbaum in Elisabettas Garten und die Marmelade, die sie aus seinen Früchten kocht - zwei Konstanten, die sich durch ihr Leben ziehen, weshalb ihr Vorratskeller Gläser mit Jahreszahlen beherbergt, die einem Weinkeller Konkurrenz machen könnten

Ja, die Jüdin Elisabetta hat den Zweiten Weltkrieg überlebt und das, ohne Wien zu verlassen! Da muss doch mehr als Zufall im Spiel sein? Ist es auch, aber bis man es erfasst, hat man mehrere Leben gelebt bzw. diese erlesen, zumal die Romanhandlung auf zwei Zeitebenen spielt, die es nicht gerade einfacher machen, die Zusammenhänge zu erfassen..

Zumindest für mich nicht, die ich schon durch den auf mich außerordentlich komplex wirkenden Stil ordentlich ins Straucheln geraten bin und mich mit dem Buch trotz des anrührenden Inhalts bis zum Schluss nicht anfreunden konnte. Nein, es ist definitiv nicht meine Sprache, die die Autorin spricht, auch wenn es sicher eine sehr anspruchsvolle und poetische ist und ich es mir selbst anzukreiden habe, dass ich damit nicht zurecht komme. Wenn der Inhalt nicht - zumindest teilweise - ausgesprochen eindringlich gewesen wäre, wäre dieses Buch sogar komplett an mir vorbeigegangen. Nun, Bücher sind wie Menschen: man kann nicht mit jedem. Und dieses ist eines, das für andere Leser als für mich gedacht ist!

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59 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

flüchtlinge, liebe, griechenland, syrien, familie

Grenzlandtage

Antonia Michaelis , Peer Martin , Kathrin Schüler
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 09.12.2016
ISBN 9783841504692
Genre: Jugendbuch

Rezension:

nimmt Jules Urlaub auf einer winzigen griechischen Insel im Jahr 2015, begegnet sie dort doch einem ziemlich aufregenden Typen, der sich merkwürdig verhält. Nein, eher geheimnisvoll. Aber Jule lässt nicht locker, zumal er nicht uninteressiert scheint. Und schwuppdich - schon ist sie drin in der Flüchtlingsproblematik, mit der sie zuvor noch nicht in Berührung gekommen war.

Wir alle haben über die Schiffe der Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln ankommen gelesen - und über die vielen, vielen Opfer, die damit verbunden sind. Das Autorenduo Antonia Michaelis und Peer Martin bringt uns diese Problematik näher, durch die Figur der 17jährigen Protagonistin Jule, die unversehens damit konfrontiert wird, ist dieses Buch sehr für jüngere Leser geeignet.

Wobei man sowohl als Käufer wie auch als Leser auf starken Tobak gefasst sein muss. Aber so ist es eben, dieses Thema ist kein leichtes. Und so liest sich dieses Buch überaus spannend, wie ein Krimi. Eine Reihe von Figuren, die sehr extreme Positionen einnehmen, kommen darin vor - für mich geht das teilweise zu weit. Dabei ist es jedoch sehr eindringlich.

Ich selbst habe mich an dieses Buch gewagt, da ich ein großer Fan der Autorin Antonia Michaelis bin, ihres ganz speziellen, witzigen Stils, ihrer frechen, überraschenden Ideen, mit denen sie ihre Geschichten würzt. Und davor scheut sie auch bei heftigeren, extremen Themen nicht zurück In dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht, denn "Grenzlandtage" trägt definitiv nicht diese Handschrift.  Ich bin also ganz klar nicht die richtige Zielgruppe, diese jedoch wird sicher begeistert sein und sich mehr und mehr in die Thematik vertiefen, womit die Autoren auf jeden Fall ihr Ziel erreicht haben.

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208 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

dresden, krimi, 2. weltkrieg, serienmörder, krieg

Der Angstmann

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261203
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

oder vielmehr durch Sachsen. Aber wer war er wirklich, dieser Mann (?), der junge Frauen mordete - was war ihre Gemeinsamkeit?

Der Krimi spielt im Dresden der letzten Kriegsmonate, bzw. nimmt er genau dort seinen Anfang! Wir lernen Kommissar Max Heller kennen, einen wahrhaft aufrechten Deutschen und zwar im besten Sinne des Wortes: eben keinen Nazi, sondern einen, der versucht auch in den letzten Kriegsmonaten noch (mit)menschlich zu sein, gerade auch als Polizist. Ja, auch das gab es: Ein Mann aus dem Leben, aus dem Volk, der um seine Söhne bangte, die im Krieg waren, verschollen verweißwo, wenn überhaupt noch am Leben, der um seine Essensrationen kämpfte, alte Nachbarn und Freunde nicht aufgab, auch wenn sie Juden oder erwiesene Regimegegner waren und dennoch irgendwie durchkam - gerade so, versteht sich.

Während, aber auch nach der Kriegszeiten war es in Dresden so, wie wohl in den meisten deutschen Städten: viele, ja die allermeisten, hatten Dreck am Stecken und sie waren eher selten auf der falschen Seite - nein, es waren diejenigen, die irgendwie immer durchkamen.

Gerade dies ist der Hauptverdienst des Autors Frank Goldammer: die Schilderung des historischen Teils, die wahrhaft meisterlich recherchiert und mit Leben gefüllt wurde. Die kriminalistische Handlung hingegen verdient immer mal wieder Abzüge in der Logik, in den Zusammenhängen und Übergängen - hier ist noch ordentlich Luft nach oben. Dennoch würde ich nur zu gerne wieder mit Max Heller, einem wahrhaft eigenwilligen Typen, ermitteln!

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58 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

alaska, fracking, familie, verfolgung, polarkreis

Lautlose Nacht

Rosamund Lupton , Christine Blum
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 11.11.2016
ISBN 9783423261210
Genre: Romane

Rezension:

Eine Familie findet zueinander: Das hofft zumindest der Leser des Romans, denn Yasmin ist mit ihrer Tochter Ruby auf der Suche nach Ehemann Matt - ausgerechnet im eiskalten Dezember in den endlosen Weiten Alaskas. Er ist dort als Tierfilmer unterwegs und hat geküsst. Ja, eine andere. Das hat Yasmin zunächst auf den Plan gerufen, doch spielt das alsbald schon keine Rolle mehr, denn beim Eintreffen von Mutter und Tochter in Fairbanks stellt sich heraus, dass Matt vermisst und für tot gehalten wird.

Mutter und Tochter machen sich trotz mannigfaltiger Hindernisse auf den Weg und zwar auf überaus bemerkenswerte Weise: zunächst als Mitreisende, dann als Selbstreisende in einem Riesenlastzug, den Yasmin irgendwann gezwungen ist, selbst zu steuern.

Es ist eine Reise in Gebärden, denn die zehnjährige Ruby ist gehörlos und arbeitet vor allem mit Gebärden. Und mit dem Medium Twitter sowie einem Sprachassistenten.

Autorin Rosamund Lupton gelingt es, die Welt der Gehörlosen für uns zu öffenen. Es ist eine besondere Wahrnehmung und auch eine besondere Sprache, die sie heranzieht. Dabei neigt man fast dazu, zu vergessen, dass auch die Bedrohung der Umwelt ein großes Thema dieses Romans ist, aber keine Sorge; auch dies ist der Autorin großartig gelungen.

Ein stiller Roman mit großen Themen, der mir nur gelegentlich etwas zu sehr in sich gekehrt war. Wer ungewöhnliche Winterlektüre mit Überraschungen sucht, ist hier an der richtigen Adresse!

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54 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

roman, begegnungen, judith w. taschler, 2016, beziehung

bleiben

Judith W. Taschler
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2016
ISBN 9783426281321
Genre: Romane

Rezension:

Bleiben oder gehen - diese Entscheidung vollzieht sich in diesem Buch spät beziehungsweise hintergründig. Und mehr noch, ebenso spät werden dem Leser erst die Fragestellungen, die sozusagen zur Option standen, deutlich.

Bleiben - das ist in diesem Roman ebenso technisch wie metaphysisch, auch metaphorisch zu sehen, je nachdem, aus welcher Perspektive man die Situation betrachtet.

Ganze vier werden dem Leser angeboten, denn dieser Roman ist eine Art Sachstandsbericht oder Tagebuch, bei dem insgesamt vier Figuren: Juliane, ihr Ehemann Paul, Felix und Max zu Wort kommen. Sie alle lernten sich vor zig Jahren bei einer Zugfahrt kennen und blieben einander in verschiedenen Konstellationen verbunden. Jahre später kommen sie wieder zusammen, auf eine sehr ungewöhnliche Art und Weise, die sich dem Leser erst schrittweise erschließt. Wie nachhaltig die Bekanntschaft der vier sich aufeinander auswirkt, auch dies eröffnet sich dem Leser erst peu á peu.

Ein Roman, der mich sehr an Thommie Bayer, einen von mir sehr verehrten Autor erinnert und zwar sowohl aufgrund der verschiedenen Perspektiven ebenso wie durch die unterschiedlichen Sichtweisen - beides "verbrät"  Bayer ebenfalls gerne. Am meisten jedoch durch eine Fähigkeit, die besonders auffällt, weil sie so wenig verbreitet ist: diejenige mit wenigen Worten viel zu sagen, einen kraftvollen Roman zu schreiben.

Denn Kraft steckt in "bleiben", in diesem insgesamt recht stillen, nein, ruhigen Roman. Die Kraft des Bleibens. Was das heißt? Nun, so einiges! Es lohnt sich - lesen Sie selbst!

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

trauer, cornwall, verlust, kinder, familie

Der Duft von Nelken

Noa C. Walker
Flexibler Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Amazon Publishing, 25.10.2016
ISBN 9781503942141
Genre: Romane

Rezension:

im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor sieben Jahren verunglückten ihr Mann Oliver und die beiden gemeinsamen Kinder bei einem Flugzeugabsturz und seitdem führt die noch recht junge Frau ein völlig freudloses Leben. Finanziell ist sie eigentlich mehr als gut gestellt, da sie von ihrem Vater mehrheitliche Anteile an einem gutgehenden Konzern geerbt hat. Doch dann erfährt sie von ihrem väterlichen Freund Siegfried, einem Weggefährten ihres Vaters, der in die Unternehmensführung eingebunden ist, dass von außen auf merkwürdige Art und Weise Aufkäufe von Aktien getätigt werden und man Gefahr läuft, die Mehrheit zu verlieren. Dass sie selbst diese schon längst nicht mehr besitzt, wusste sie gar nicht, da sie ihre Geschäfte voll und ganz ihrem Mann, einem ausgesprochen attraktiven Kerl aus Cornwall, überlassen hatte.

Sandra löst sich aus ihrer bisherigen Apathie und beginnt, den Dingen nachzugehen. Dabei stößt sie auf ein prall gefülltes Bankenschließfach in der Schweiz, von dem sie nichts wußte und auf zahlreiche weitere Ungereimtheiten, die zu einem großen Teil auch mit Olivers Familie in England zu tun haben. Für Sandra beginnt ein langer und leidvoller, für die Leser ein überaus spannender Weg.

Denn die Autorin Noa C. Walker lässt uns in ihrem immerhin mehr als 400seitigen Schmöker nicht eine Seite lang ausruhen - Längen sucht man hier vergeblich. Dafür geht es Knall auf Fall von einer Aufdeckung zur nächsten, wobei sich - wie es bei Spannungsliteratur auch sein sollte - natürlich stets auch neue Probleme, neue Hindernisse ergeben.

Ein tolles Buch, in dem zwar manches, aber längst nicht alles, schwarz und weiß ist. Das erfährt man aber auch nur ganz am Ende, wobei die Wendungen, die die Geschichte nimmt, zwar tollkühn, aber in keinster Weise unrealistisch sind. Es geht auch viel um Emotionen und da zeigt  die Autorin eine sehr menschliche Seite: Irrungen und Wirrungen sind wie schon einst bei Fontane an der Tagesordnung und sie können jedem widerfahren - man muss nur damit umzugehen wissen. Am Ende bleiben einige wenige Punkte offen, was mich aber gar nicht stört, denn im Leben ist es genauso: wenn ich mehr brauche, setze ich mein Kopfkino ein, das aber von der tollen Autorin schon kräftig angekurbelt wurde!

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61 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

wüste, arabien, katherine webb, verrat, diana-verlag

Das Versprechen der Wüste

Katherine Webb , Babette Schröder , Katharina Volk
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Diana, 14.11.2016
ISBN 9783453291843
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dass Frauen auch schon zu Beginn und in der Mitte des 20. Jahrhunderts ihren eigenen Kopf hatten, stellt die britische Autorin Katherine Webb eindrucksvoll unter Beweis, indem sie uns in "Das Versprechen der Wüste" mit zwei Frauen bekannt macht, die Zeit ihres Lebens vom Nahen Osten geträumt hatte - die ältere der beiden, Maude Vickery, wollte ihn erforschen und hat das im Jahre 1909 auch getan, wenn auch nicht sonderlich erfolgreich.

Joan Seabrook hingegen möchte Ende der 1950er Jahre die Region kennenlernen, sie für sich erobern, da ihr fantasievoller, leider kürzlich verstorbener Vater diese ihr ihre ganze Kindheit hindurch in den schillerndsten und prächtigsten Farben geschildert hatte - und das, ohne je da gewesen zu sein.

Die beiden Frauen - denkbar unterschiedlich - treffen 1958 im Oman aufeinander, mitten im Dschabal-Krieg, der zwischen den Kolonialherren und den eigentlichen Bewohnern des Landes geführt wurde, also in einer sehr gefährlichen Zeit. Wobei dem Leser auch Maudes Jugend nicht vorenthalten wird, so dass es quasi zwei Erzählstränge gibt. Es sind charakterstarke Frauen, die den Willen haben, ihre Ziele auch tatsächlich zu erreichen, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder Stolpersteine gibt, die gefährlich am Ego nagen. Uns wird hier vor Augen geführt, dass Frauen auch in Zeiten, in denen sie noch keine bzw. kaum eine Lobby hatten, eine Menge bewirken konnten, auch wenn das persönliche Glück manchmal auf der Strecke blieb.

Denn es geht hier nicht nur um Frauenpower, nein, auch die Kraft der Liebe spielt eine große, eine wichtige Rolle: in diesem Roman versetzt sie einerseits Berge, stösst aber auch - in Form von unerwiderter Liebe - Menschen kurz vor den Abgrund. Nicht ganz hinein, dazu haben die Charaktere in diesem Roman zu viel Kraft, auch wenn sie sich dessen nicht immer bewusst sind.

Bisher habe ich Katherine Webb als Autorin saftiger Schmöker nicht ohne Anspruch kennengelernt, diesmal ist sie jedoch - ohne sich ganz von dem Genre zu entfernen - über sich selbst hinausgewachsen und hat einen faszinierenden, spannenden und eindringlichen historischen Roman mit hohem Informationsgehalt und viel Seele geschaffen, den ich dennoch Schmöker nennen möchte - und zwar einen im besten Sinne!

Ein Buch, das ich wirklich gern gelesen habe, das ich bis zum letzten Satz nicht aus der Hand legen konnte. Wer mal wieder in einem Buch versinken und noch lange daran zurückdenken möchte, wer Historisches und ungewöhnliche Geschichten mit (Frauen)Power mag, der ist hier richtig und sollte den weihnachtlichen Wunschzettel noch um diesen Titel ergänzen. Glauben Sie mir, es lohnt sich!

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

konzentrationslager, geigen, dachau, orchester, ss offizier

Geigen der Hoffnung

Titus Müller , Christa Roth
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei adeo, 11.10.2016
ISBN 9783863341176
Genre: Historische Romane

Rezension:

haben die Häftlinge in Dachau gespielt, auch wenn die Nationalsozialisten das Orchester ausschließlich zu ihrer eigenen Unterhaltung - und grausamerweise zur Begleitung der Exekutionen mit heiteren Weisen gegründet hatten. Anhand dieses Themas beschreibt Titus Müller den Aufenthalt des polnischen Juden Marek, eines Musikers und seines Bruders Stani im Konzentrationslager Dachau in den letzten Kriegsmonaten.

Ich kann nicht sagen, dass ich die Lektüre genossen habe, das wäre unpassend für den Inhalt, aber ich empfand Titus' Schilderungen - wie gut, dass in diesem Teil nur die seinigen enthalten waren, er beschreibt die Verhältnisse sehr eindringlich und ich empfand die Lektüre als grausam und erhebend zugleich, erhebend aufgrund des - es wurde ja schon erwähnt - überaus menschlichen Charakters von Marek und auch von einigen anderen wie Willi und dem polnischen Arzt. Willi ist ein Kommunist reinster Art, der der Ideologie, dass alle Menschen gleich und jeder von ihnen wertvoll ist, unbeirrt folgt, wie bewundernswert!

Ein zweiter Erzählstrang widmet sich der Erinnerung: der israelische Geigenbauer Weinstein sammelt "gerettete" Geigen, die "Violins of Hope", Geigen der Hoffnung, die die Erinnerung an die Grausamkeit des Holocaust für immer aufrechterhalten werden. Leider vermag die Journalistin Christa Roth, Verfasserin dieses Teils, trotz großartiger Recherchearbeiten lange nicht mit ihrem Co-Autor mitzuhalten, weswegen ich diese inhaltlich sehr interessanten Passagen fast als störend empfand.

Im letzten, ausschließlich von Titus Müller verfassten, Teil habe ich nochmal genau den Qualitätsunterschied der beiden Autoren gespürt, aber ich werde einem Buch, in dem Titus Müller so großartig schreibt, ganz sicher keine Punkte abziehen. Hier wird eindringlich dargelegt, wie Menschlichkeit beim Überleben helfen konnte.


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köln, kolumbien, krimi, judith krieger, pendo verlag

Die Toten, die dich suchen

Gisa Klönne
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783866124004
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kolumbien ist gerade, ach was, seit Jahren immer wieder Thema der Nachrichten: gerade hat der Präsident sogar den Nobelpreis erhalten, obwohl es mit der Verabschiedung des Friedensvertrages bis dahin nicht geklappt hatte (inzwischen aber schon). Aber der Weg ist das Ziel. Naja, das kann zwar in der Politik häufiger vorkommen - und wie wir wissen tut es das ja auch, ständig eigentlich. Aber Mordermittlungen sollten eigentlich zum Ziel führen und zwar ziemlich flott. So auch im Fall des in Köln tot aufgefundenen, grausam gefolterten Kolumbianers Angelo Jaramillo, der für ein paar Tage geschäftlich in der Stadt war. Wirklich nur wegen Edelsteinen? Steckt da nicht ganz was anderes dahinter. Judith Krieger, die Kolumbien aufgrund eines langen Aufenthaltes dort wie ihre Westentasche kennt und als neue Leiterin des KK 62 Vermisstenfälle nur zufällig an den Fall gerät, hat eine Menge von Ideen, doch irgendwie zieht keine. Vor allem aber ziehen ihre neuen Mitarbeiter, die wie sie selber in die flink gegründete Sonderkommission eingebunden werden, nicht mit. Die arme Judith hat es gleich in den ersten Tagen als Chefin mit Mobbing und Arbeitsverweigerung zu tun und zwar nicht gerade auf die subtile Art, aber dagegen tun kann sie trotzdem nicht viel.

Ihr ehemaliger Kollege Manni Korzilius würde trotz jahrelangen Stillschweigens zwischen ihnen beiden helfen, wenn er könnte, doch geht gerade sein Familienleben den Bach runter - oder?

Ein aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellter Fall mit etwas verwirrendem Personal, der sehr vielschichtig ist, sich aber ein wenig schwerfällig entwickelt und ein wenig zu häufig ins Private abgleitet - nicht nur in Bezug auf Judith. So wird es in der Realität sicher fast immer sein, im Krimi würde der Leser es vielleicht manchmal ein wenig knackiger mögen. Dennoch, ich mag den Stil der Autorin Gisa Klönne, der intelligent und ein wenig sperrig ist, wie auch ihre Protagonistin Judith und habe auch diesen Band wieder sehr genossen - mit kleinen Abstrichen.

Ja, Judith Krieger ermittelt wieder - ein bisschen zu viel Privates, ein bisschen zu viel Unlogisches - aber Hauptsache, sie ist wieder da, eigensinnig und sehr speziell wie eh und je! Da sie jetzt ein KK leitet, das voll von ebensolchen Typen ist - jeder auf seine Art und Weise - bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht. Und in ihrem Privatleben natürlich sowieso. Die Ermittlerin ist eine Frau mit vielen Ecken und Kanten, außerdem ein nicht unbedingt stilles, aber sehr, sehr tiefes Wasser. Manches, was mit ihr zu tun hat, ist mir dann doch des Guten zu viel - dennoch lese ich immer wieder gern über sie und folge ihr in einen neuen Fall und so freue ich mich schon wieder auf den nächsten.

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51 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

ostfriesland, mord, entführung, erpressung, barbara wendelken

Ihr einziges Kind

Barbara Wendelken
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2016
ISBN 9783492310123
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer glaubt, dass er die abscheulichsten, widerlichsten und verlogensten Personen bereits kennt bzw. sie zumindest schon einmal als Figuren in einem Roman oder auch Krimi erlebt hat, der wird hier eines Besseren belehrt. Die Familie Cassjen ist mit Abstand das Unangenehmste, was man sich vorstellen kann: Sohn Cord, schon in der Schule ein absoluter Loser und ein Ekelpaket noch dazu, was sein ehemaliger Klassenkamerad, der heutige Kommissar Renke Nordmann aus eigener Erfahrung bezeugen kann, hat sich das Abitur und wahrscheinlich auch den Doktortitel erkauft, seine Mutter Margit ist ebenso geschäftstüchtig wie trinkfreudig und hat zudem eine scharfe Zunge. Mit ihren Familienmitgliedern, zu denen auch ihr Lebensgefährte Erich, der frühere Landrat und Schwiegertochter Silvana, ein recht lebensunfähig wirkendes Blondchen zählen, geht sie um wie mit Leibeigenen, schließlich hat sie die Hand auf dem Geld. Und auf dem kleinen Caspar, der gerade in diese nicht gerade idealen Umstände hineingeboren wurde, sieht sie in ihm doch den Firmenerben.

Doch zunächst kommt alles anders: Caspar wird von seiner Mutter öfter mal "verlegt", doch immer - wenn auch nicht ohne fremde Hilfe - wiedergefunden, bis ein Drama seinen Lauf nimmt: Caspars Vater Dr. Cord Cassjen wird tot aufgefunden, es besteht kein Zweifel, dass er Opfer eines Mordes wurde. Und wo sind Silvana und das Baby? Wurden jetzt beide verlegt, oder sind sie, wie Margit Cassjen vermutet, auf der Flucht?

Renke Nordmann und seine Kollegin Nola van Heerden nehmen die Ermittlungen auf, die sich ebenso komplex wie kompliziert gestalten: immer wieder geraten neue Umstände, andere Personen in ihren Fokus und verändern die Sicht auf die Dinge.

Ein richtiger Klassekrimi aus deutschen Landen! Was Autorin Barbara Wendelken wie keine andere versteht, ist die Erschaffung eindrucksvoller, vielschichtiger Figuren. Sie bedarf keiner langen Ausführungen, um uns ihre Charaktere bis in die kleinste Nebenfigur hinein zu präsentieren. Und der Fall ist bis zum letzten Wort spannend, weil sich immer wieder Überraschendes ergibt. Gut, es gibt ein paar kleinere Erzählstränge, die nicht ganz aufgedröselt werden, doch das sei der Autorin verziehen. Zu empfehlen für Liebhaber hochkarätiger deutscher Regionalkrimis wie bspw. der Ostfriesenreihe von Klaus-Peter Wolf, die zufällig in derselben Gegend spielt und der die Krimis von Barbara Wendelken in keinster Weise nachstehen!


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200 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 89 Rezensionen

krimi, arne dahl, schweden, entführung, schwedenkrimi

Sieben minus eins

Arne Dahl , Kerstin Schöps
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492057707
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dem Ermittler Sam Berger begegnen wir gleich zu Beginn des Buches und er ist ein wahrhaft eigensinniger Typ, einer mit Ecken und Kanten, einer, der gewiss nicht jedermanns Freund ist - und mit Sicherheit auch kein allseits beliebter Kollege. Nein, er ist ein Typ, der polarisiert und das liegt ganz bestimmt nicht an seinem nahezu manischen Faible für Uhren, sondern eher daran, dass er ein ziemlich sturer Typ mit manchmal fast ins machohafte gehenden Attitüden ist. Einzig seine Kollegin Desiré Rosenquist steht vorbehaltlos hinter ihm, wohingegen sein Chef Allan Gudmundsson durchaus Zweifel an seinen unkonventionellen Methoden hat. Und es ist wichtig, zu einem raschen Erfolg zu kommen, wird doch nach einem 15jährigen vermissten Mädchen gesucht und nach zwei weiteren, bei deren Verschwinden zunächst aufgrund von Migrationshintergrund ein Zusammenhang mit dem IS vermutet wurde, bei denen man jetzt aber einen innerschwedischen Mordfall vermutet - in allen Fällen - es können auch noch einige mehr sein - wird derselbe Täter vermutet.

Doch wer um Himmels ist Molly Blom, die im Klappentext als Bergers Partnerin angekündigt wird? Zunächst entsteht der Eindruck, dass der Autor sie beim Schreiben vergessen hat, bis sie auf geradezu wahnwitzige Art ins Geschehen eingreift und damit diesen Krimi endgültig von der Masse der vorliegenden Skandinavien-Krimis absetzt.

Wer Ermittler mit einem vielfältigen, nicht gerade einfachen, privaten Vorleben in Kombination mit ungewöhnlichen Fällen und den Überraschungen, zu denen nur ein Arne Dahl fähig ist, mag, der ist hier trotz anfänglicher Verwirrungen an der richtigen Adresse!

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31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

krimi, lüneburg, profiler, hippies, btb verlag

Blumenkinder

Meike Dannenberg
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei btb, 14.11.2016
ISBN 9783442714490
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

oder was man halt so nennt - letztere aber gottseidank höchst lebendig. Doch kann es sein, dass die Hippieszene, auf die die BKA-Sonderermittlerin Nora Klerner und der Fallanalytiker Johan Helms in der einsamen Umgebung Lüneburgs immer wieder stoßen, etwas damit zu tun hat?

Verbindungen gibt es auch nach Tschechien, diese bleiben aber lange ausgesprochen rätselhaft. Doch Blumenkinder sind die toten Mädchen, allesamt noch Kinder, nicht nur wegen der möglichen Nähe zur Hippieszene, sondern auch, weil die aufgefunden Leichen allesamt bekränzt und auch sonst mit Blumen geschmückt waren. Anteilnahme? Bildhafte Sprache? Eine ganz bestimmte Symbolik? Was führte der Mörder damit im Sinne? Und wer könnte es sein? Möglicherweise sogar eine Frau?

Nora und Jonas, beide Außenseiter in den Reihen der Lüneburger Polizei, haben es nicht leicht, vor allem nicht gegen dortigen Dienststellenleiter Mohns, einen Beamten im besten - oder auch im schlechtesten - Sinne des Wortes. Nicht für alle ihre Ideen - und gerade Nora mangelt es nicht an unkonventionellen Einfällen - gibt es einen Rückhalt, zeitweise haben die beiden sogar den Eindruck, man würde sich ihnen querstellen.

Nicht nur durch eine ungewöhnliche Geschichte, nein, auch durch neue Wege in Sprache und Stil fällt Autorin Meike Dannenberg auf und ich muss zugeben, dass ich mich damit zunächst äußerst schwer tat. Doch das ist Geschmackssache.

Wer eher die leisen Töne mag, dennoch auf ein furioses Finale nicht verzichten will, der ist hier an der richtigen Adresse!

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66 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

nachkriegszeit, findelkind, roman, deutschland, geschichte

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein schönes und doch kein schönes Buch - das ist "Trümmerkind" von Mechthild Borrmann. Schön ist es natürlich in der Hinsicht, als dass die Autorin eine grandiose Schriftstellerin ist, die anspruchsvoll, gleichzeitig packend, spannend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Zeile zu erzählen vermag und dabei einmal mehr großartige Recherchearbeit geleistet hat. Unschön, doch umso wichtiger ist das Thema: diesmal ist es wieder ein historisches Setting, in das die Handlung eingebettet ist. Der Leser wird mit zwei Zeitebenen: den 1990er Jahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit, also den Jahren 1945 bis 1947 und zwei, beziehungsweise vier Handlungsebenen konfrontiert: der um Familie Anquist/Meerbaum in der Uckermark und in Köln und der um Familie Dietz in Hamburg, jeweils auf beiden Zeitebenen.

Anna Meerbaum, Tochter von Clara Meerbaum, geborene Anquist, eine Nachfahrin von Gutsbesitzern in der Uckermark, die im Krieg alles verloren haben, stößt in den 1990er Jahren auf Informationen, die sie veranlassen, der Familiengeschichte nachzuspüren. Diese führt sie in die Uckermark, doch auch nach Hamburg zu Joost Dietz, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit als einsames, verlassenes "Trümmerkind" von der Familie Dietz angenommen und als einer der ihren aufgezogen wurde. Auf unerwartete Weise fließen die Erzählstränge zusammen.

Ich als großer Fan der Autorin habe alle ihre bisherigen Spannungsromane gelesen, um nicht zu sagen, verschlungen - am meisten gefiel mir bisher "Der Geiger", in dem es um den sowjetischen Gulag geht, doch dieses so traurige wie faszinierende Buch steht dem in Nichts nach. Obwohl ich mich in der deutschen Nachkriegszeit, einer aus meiner Sicht sehr interessanten Epoche, recht gut auskenne, wurden mir hier Eindrücke vermittelt, die nicht unbedingt neu waren, mich aber die Geschichte so plastisch und gleichzeitig so schmerzlich wie noch nie erleben ließen.

Und so traurig das Thema auch ist - Mechthild Borrmann schreibt stets mit einer ihr eigenen Zuversicht, auch mit einem gewissen Pragmatismus, der den Leser nach vorne schauen, ihn - mit gewissen Vorbehalten natürlich - optimistisch bleiben lässt. Obwohl es mir nach dieser Lektüre ganz ehrlich gesagt schwerfällt, noch an das Gute im Menschen zu glauben, trotz der starken und positiven Charaktere, die die Autorin auch in diesem Buch wieder agieren lässt - allerdings neben einigen andern, die ich nicht anders als teuflisch und von Grund auf Böse bezeichnen kann. Ein spannendes, aber auch kluges und wertvolles Buch, das ich von Herzen weiterempfehle!

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42 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

finnland, alten-wg, rentner

Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?

Minna Lindgren , Jan Costin Wagner , Niina Wagner
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.11.2016
ISBN 9783462049152
Genre: Romane

Rezension:

sind Siiri, Irma und Anna-Liisa - alle drei 90plus - gerade ihre Lebenserfahrung ließ sie zu dem werden, was sie heute sind - freche alte Damen mit ordentlich Mutterwitz und Lebensklugkeit ausgestattet, die sich kein X für ein U vormachen lassen. Diesmal sind sie ganz besonders gebeutelt, denn ihre Seniorenresidenz "Abendhain wird umgebaut und dabei werden die bejahrten Einwohner kein bisschen geschont, nein, es geht voll ans Eingemachte. Wie gut, dass sie inzwischen einen Beschützer an ihrer Seite haben und zwar einen mit ausreichend Kohle, nämlich den frischgebackenen Ehemann von Anna-Liisa, den Diplomaten Onni, dem alsbald eine Lösung einfällt - zusammen mit der etwas speziellen Margit, derer sie sich nicht erwehren können, machen sie eine WG auf - nicht umsonst besitzt der "Botschafter" schließlich etliche hochpreisige Wohnungen, die bislang nur als Geldanlage dienten.

Und da geht es bald rund: mysteriöse, zugleich dubiose Gestalten stehen vor der Tür, außerdem läuft Margit immer nackich rum und, und, und - wie gut, dass Siiri auf dem nahegelegenen Markt bald den Afrikaner Mohammed, genannt Muhis, kennenlernt, der die Leichtigkeit in ihr Leben - und das der Mitbewohner bringt! Eine ganz eigene Art der Integration.

Mir hat dieser zweite Band wesentlich besser gefallen, als der Vorgänger "Rotwein für drei alte Damen. Ich fand ihn wesentlich spritziger (auch wenn es nicht um Champagner, sondern - zumindest im Titel - um Whisky ging) und ich hoffe auf ein weiteres Erlebnis mit den den Alkohol, aber vor allem das Leben liebenden Damen. Noch immer sind die bejahrten Ermittler Ex-Agent 0070 James Gerald aus der Feder von Marlies Ferber und der laotische Leichenbeschauer Dr. Siri, der von Colin Cotterill geschaffen wurde, meine Favoriten, aber  in Band zwei sind ihnen die drei finnischen Mädels hart auf der Spur!

Und wieder bin ich neugierig darauf, wie es in Helsinki weitergeht - und zwar in Helsinki mit allem Drum und Dran! Ein besonders positiver Aspekt ist nämlich die Akzentuierung städtischer Besonderheiten, vor allem baulicher Art. Mit dem Buch durch die Stadt zu wandern und zu schauen - das wäre bestimmt spannend!

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24 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

nordsee, amsterdam, krimi, sklaven, kyra slagter

Kalte Brandung

Isa Maron , Stefanie Schäfer
Flexibler Einband: 430 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.09.2016
ISBN 9783832163587
Genre: Krimi und Thriller

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

roadmovie, lebensbeichte, dbp 2016, longlist, dtsch.bpreis-longlist

Die Witwen

Dagmar Leupold
Fester Einband: 236 Seiten
Erschienen bei Jung u. Jung, 26.08.2016
ISBN 9783990270882
Genre: Romane

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