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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ein Grab in den Wellen

Abby Geni , Urban Hofstetter
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 03.04.2017
ISBN 9783866124233
Genre: Romane

Rezension:

sucht die Naturfotografin Miranda auf den Farallon Islands vor der Küste San Franciscos - und sie findet sie auch. Abgesehen von einigen Naturforschern, mit denen sie die Unterkunft teilt, ist es dort menschenleer, nur alle zwei Wochen werden sie mit dem Nötigsten vom Festland versorgt. Zunächst stört es Miranda nicht, dass ihr achtlos, ja unfreundlich begegnet wird, dass sie sogar mit falschem Namen angesprochen wird - aber irgendwann wird es bedrohlich. Und kurz darauf wird einer der Forscher - ausgerechnet der Unangenehmste - ertrunken aufgefunden und der Rest der Gruppe teilt sich in Spreu und Weizen. Oder doch nicht? Wie hängt das alles miteinander zusammen.

Ein Krimi und doch kein Krimi, ein Spannungsroman und doch wieder keiner, eine Geschichte über die Natur? Das auf jeden Fall und man sollte einen Sinn für so etwas und für Stimmungen der Landschaft haben, wenn man sich auf die Lektüre einlässt - denn sie hat durchaus die ein oder andere Länge, für den einen mehr, für den anderen weniger. Kommt darauf an, wie man mit Beschreibungen von Landschaft und Lebewesen klarkommt. Ich persönlich mag sie, soweit sie stimmungsvoll ist - was hier definitiv der Fall ist - eigentlich sehr gern, doch stellenweise wurde es sogar mir zuviel.

Wen das aber nicht schreckt und wer zudem eine Vorliebe für Krimis - oder sowas ähnliches - der ungewöhnlichen Art hat, der ist hier an der richtigen Adresse. Und man sollte sich schon so ein bisschen gruseln können - eher ohne wohlige Schauer, denn ab und an wird es durchaus bedrohlich und diese Drohungen gehen sowohl von Mensch als auch von Natur aus.

Etwas für Naturliebhaber, die nicht zu sehr in literarischen Kategorien denken, denn es fällt schwer, dieses Buch zu kategorisieren. Aber Vorsicht, nach dieser Lektüre könnte man beginnen, das, was einem bisher lieb und teuer war -  im Hinblick auf Natur und Mensch -, zu fürchten!

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(22)

39 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

psychothriller, thriller, wahn, sabine trinkaus, stalking

Seelenfeindin

Sabine Trinkaus
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783740800833
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

wurde hier die Journalistin Konstanze - und zwar durch ihren Exfreund Klaus, der sie durch diverse perfide Ränke bis in die Psychatrie gebracht hat. Und selbst jetzt ein nettes Leben mit ihrer Nachfolgerin Heike führt. Behauptet jedenfalls Konstanze, Klaus hingegen stellt gegenteilige Thesen auf und Konstanzes Therapeutin Nadja muss sich mit dem ganzen Fall herumschlagen.

Nadja ist eigentlich eine supererfolgreiche Psychotherapeutin - aber vor einiger Zeit hat es einen Vorfall gegeben, der sie beruflich in Schwierigkeiten gebracht hat und so hat sie es in der Einrichtung, in der sie tätig ist, nicht gerade leicht - auch wenn der Chef versichert, hinter ihr zu stehen. Zudem steckt sie auch persönlich in einer Krise.

Ein Auflauf von Unsympathen ist es, auf den der Leser hier trifft - da bin ich wirklich froh, dass ich im wahren Leben nicht von solchen Kreaturen umgeben bin! Dass es sie gibt - gar keine Frage! Ich persönlich bin wirklich froh, dass sie im Buch steckenbleiben, da ertrage ich sie nämlich ganz gut, zumal die Geschichte ganz spannend ist und auch einige überraschende Wendungen nimmt. Die Figuren hat Autorin Sabine Trinkaus wirklich gut und vielschichtig gezeichnet, das ist eine ihrer totalen Stärken, da sehe ich auch gerne nach, dass die Geschichte einige Längen aufweist.

Dennoch ein wirklich interessanter und stellenweise ungewöhnlicher Psychothriller, in einem für diese Autorin ganz neuen Stil!


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35 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

roman

Die Liebe in diesen Zeiten

Chris Cleave , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 07.04.2017
ISBN 9783423261401
Genre: Romane

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(31)

71 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

ardennen, krieg, jüdin, charakterstudie, weltkrieg

Heute leben wir

Emmanuelle Pirotte , Grete Osterwald
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 23.03.2017
ISBN 9783103972115
Genre: Romane

Rezension:

Dass Belgien im Zweiten Weltkrieg - einmal mehr nach dem großen Leid, das dem Land und seinen Einwohnern bereits im Ersten Weltkrieg zugefügt wurde, unglaubliche Schäden zugefügt wurden, ist bekannt. Wie groß das Ausmaß dieser Leiden vor allem und gerade auch in Bezug auf Einzelschicksale ist, das konnte ich bisher nur erahnen.

Hier begegnen wir der kleinen Renée, einem siebenjährigen jüdischen Mädchen, das es in die Ardennen verschlagen hat - woher sie kommt, wer ihre Eltern sind, das erfahren wir nicht, denn auch Renée kann sich nicht mehr an sie erinnern, so lange ist sie schon auf sich selbst gestellt - unvorstellbar in der heutigen Zeit. Bisher hat sie es dank unterschiedlicher mutiger Menschen, denen sie begegnet ist und die sie unter ihre Fittiche nahmen, geschafft zu überleben, doch jetzt macht der belgische Geistliche, dem sie zuletzt anvertraut wurde, einen entscheidenen, aber verständlichen Fehler: er übergibt sie an amerikanische Soldaten - so denkt er. Dass dies in Wirklichkeit Deutsche sind, Angehörige der SS, die sich mit fremden Federn schmücken und so in den letzten Kriegsmonaten noch versuchen, ihre Seite auf besonders perfide Art zu stärken, das ahnt er - und viele andere um ihn herum auch nicht. Doch Renée gerät an einen ungewöhnlichen Vertreter der nationalsozialistischen Ideologie und der SS: Matthias, der nicht nur deutsche, sondern auch kanadische Wurzeln hat und lange Jahre bei einem Indianerstamm gelebt hat, also für damalige Verhältnisse eine sehr internationale Vergangenheit aufweist. Und dieser, obwohl eigentlich außergewöhnlich brutal und kaltschnäuzig agierend, kann sie einfach nicht umbringen, wie es sein Auftrag gewesen wäre. "Nicht er hat entschieden, sie nicht zu töten. Sie hat es entschieden." (S. 283)

Er bringt sie bei einer belgischen Bauersfamilie unter, die - wie könnte es in diesem Roman anders sein - auch in vielem ziemlich besonders ist, gleichwohl  wie alle zu der Zeit unter den verschiedenen Besatzungsmächten, die alle auf ihr Recht pochen, leidet. Gerade auch an diesen Menschen - der Familie Paquet - kann man das Leid der Belgier, die als Zivilisten quasi mitten an der Front "hingen", sehr gut und sehr schmerzhaft nachvollziehen.

Ein Buch, das mir lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein Buch, in dem nichts schwarz bzw. weiß bleibt, ein Buch, das den Leser dazu herausfordert, nicht eindimensional zu denken, ihn daran hindert, die Figuren in "gut" und "schlecht" aufzugliedern. Auch die Verteilung der Sympathien fällt nicht immer leicht, einige Figuren, nicht zuletzt die beiden Protagonisten Matthias und Renée, aber auch einige Nebendarsteller,  wie bsp. Philibert, der mitten im Roman wie aus dem Nichts auftaucht, "nicht alle Fritten in derselben Tüte hat" (S. 139) und dem Geschehen eine entscheidende Wendung gibt, erschienen mir doch arg konstruiert und teilweise so unglaubwürdig, dass es mir streckenweise schwerfiel, der Handlung so richtig ernsthaft und engagiert zu folgen - so wie es ein Roman, der eine solch wichtige Episode der jüngeren Geschichte thematisiert und dabei ungewöhnliche Wege beschreitet, es eigentlich verdient hätte.

Auch erschienen mir einige Handlungsstränge so ungewöhnlich, dass es hilfreich gewesen wäre, auf der anderen Seite das alltägliche, das damals übliche, soweit man etwas, das sich während des Zweiten Weltkrieges abgespielt hat, überhaupt so bezeichnen kann. Aber Sie verstehen hoffentlich, was ich meine: wenn alles außergewöhnlich und seltsam ist, nutzt es sich irgendwann ab.

Zudem hatte ich das Gefühl, dass einige Darstellungen und auch Redewendungen sehr modern abgefasst sind - zu modern für die 1940er Jahre. Dennoch habe ich den Roman sehr gern und mit Genuss gelesen und empfehle ihn mit den erwähnten kleinen Vorbehalten gerne weiter.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Karges Land

Erik Storey , Wulf Bergner
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492060677
Genre: Krimi und Thriller

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Unser tägliches Leben

Riikka Pelo , Stefan Moster
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 16.02.2017
ISBN 9783406706325
Genre: Romane

Rezension:

sind es, die hier thematisiert werden, in zwei verschiedenen Jahren, zwischen denen Welten zu liegen scheinen. Schwerste Kost in mehrfacher Hinsicht ist dieser Roman, der in harten Zeiten spielt: in den Jahren 1923 und 1939 nämlich, zunächst im tschechischen Exil, dann in Russland in tiefster Stalinzeit - die Sowjetunion zeigt ihr grausamstes Gesicht. Ohnehin schwere Kost, die noch härter zu verdauen ist, wenn man sich verdeutlicht, dass es hier um reale Menschen geht, nämlich um die große russische Dichterin Marina Zwetajewa und um ihre Tochter Ariadna - zwei Menschen, die den Lauf der Dinge vollkommen unterschiedlich sehen. Während Marina die Sowjetunion verhaßt ist, kann sich Alja, wie ihre Tochter genannt wird, für die Errungenschaften des Kommunismus begeistern - zunächst jedenfalls.

Es geht hier nicht um die große Politik bzw. nur teilweise - es geht darum, was die Welt - oder doch bestimmte Teile davon - aus den Menschen ihrer Zeit macht, wozu sie sie bringt, wie sie sie leben lässt. Aber es geht auch um das Verhältnis zwischen Marina und Alja, letztere zunächst noch ein Kind, das von ihrer Mutter ganz schön gefordert wird, als Co-Autorin eines Buches, das die beiden gemeinsam verfassen, beispielsweise.

Der Finnin Riikka Pelo ist - was die Recherchen und auch das Aufgreifen der Dichtkunst Zwetajewas - ein Meisterwerk gelungen, mit dem ich dennoch nicht glücklich wurde, auch wenn das möglicherweise eine sehr subjektive Wahrnehmung ist: Ein sehr intensiver Stil ist, aus der Sicht der beiden Protagonistinnen dargestellt, der diesen Roman prägt, doch so eindringlich er zeitweise daherkommt, so ausführlich und - ja, umständlich muss ich sagen, ist er wiederum an anderen Stellen.

Zudem wird der Leser ziemlich alleine gelassen, finde ich - allein mit der Geschichte Marina Zwetajewas und derjenigen ihrer Tochter, wie auch mit Zusammenhängen verschiedener Akteure in ihrem Umfeld, die immer mal auftauchen. Ich hätte ein Namensverzeichnis und ein ausführliches Nachwort gebrauchen können, auch wenn ich mich in der Geschichte des Stalinismus und der Sowjetunion insgesamt einigermaßen auskenne und auch Marina Zwetajewa mir nicht völlig fremd ist. Aber nichts davon ist vorhanden und so hatte ich durchgehend diverse Google-Artikel aufgeschlagen, was dem Lesefluss nicht unbedingt zuträglich war.

Auch die Interaktion zwischen Mutter und Tochter war mir zeitweise zu anstrengend, zu detailliert, zu fordernd für mich als Leserin.

Gewiss, Riikka Pelo fühlt sich ein in ihre Protagonistinnen, sie schildert zwei harte Leben in schweren Zeiten, in denen es selbst jungen begeisterten Menschen völlig unmöglich gemacht wurde, an ihren Idealen festzuhalten. Umso schwerer, zu verstehen, warum eine kritische, intelligente, ja, ungewöhnliche Frau wie Marina Zwetajewa zurückging - sozusagen ins sichere Verderben.  Die Autorin vertieft sich so intensiv in das Thema, dass sie sich für mich darin verliert - es war mir nicht möglich, ihr durchgehend so tief hinein zu folgen.

Definitiv kein Buch für jemanden, der einen Roman zur Entspannung sucht, doch wer sich für Marina Zwetajewa und ihr Umfeld interessiert und richtig tief in die Thematik einsteigen will, der ist hier an der richtigen Stelle.




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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

altenheim, pflege, liebe

Die Dame mit dem blauen Koffer

Valérie Perrin , Elsbeth Ranke
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.04.2017
ISBN 9783426654057
Genre: Romane

Rezension:

sowohl in der Gegenwart als auch vor allem in der Vergangenheit spielen in diesem Buch eine große Rolle. Ränke und Liebschaften der unterschiedlichsten Art und - hauptsächlich ungewöhnliche - Familienverbindungen.

Justine ist noch sehr jung und hat eine ungewöhnliche Vorliebe, nämlich Senioren, die sie zu ihrem Beruf gemacht hat, indem sie als Pflegerin im örtlichen Altenheim arbeitet. Am liebsten lässt sie sich von ihnen Geschichten erzählen. Ihre Favoritin ist Helene, schon über 90 Jahre alt, die gerne von ihrem "Nicht-Ehemann" Lucien erzählt, den sie vor dem Krieg kennenlernte und mit dem sie eine nicht einfache, doch umso faszinierende Beziehung verband.

Ein charmanter Roman, der stellenweise französische Leichtigkeit in sich trägt, immer wieder aber auch von Schwermut, der Last des Lebens an sich durchdrungen ist. Ein Buch, das ich mir erst einmal "erlesen" musste, in das ich hineinfinden musste, eines, das mich nicht sofort gepackt hat, sondern erst im Laufe der Handlung. Zu verwirrend waren die Ränke zu Beginn die Handlung, zu sperrig die Figuren.

Aber es hat mich dann doch gepackt, zumal es gleich zwei große Geheimnisse zu ergründen gibt, eines um den frühen Tod von Justines Eltern und denen ihres Cousins- die Väter waren Zwillingsbrüder - durch einen Autounfall, das andere um Helenes Leben.  Ja, es ist Unterhaltung, aber keine leichte, die wir hier finden, man muss sich schon sehr konzentrieren und hineinfinden in die Handlung, um ihr gebührend folgen und die ganzen Entwicklungen nachempfinden zu können, zumal es - finde ich jedenfalls - einige recht heftige Erkenntnisse zu verarbeiten gibt. Ja, die Menschen sind nicht gerade einfach, selbst nicht - oder auch gerade nicht - ihren Nächsten gegenüber.

Deswegen würde ich dieses Buch nicht als Wohlfühlroman bezeichnen, nein, es tun sich wahre Abgründe in Familienleben auf. Aber es ist sehr spannend, teilweise auch berührend zu lesen, wenn es einen dann mal gepackt hat. Empfehlenswert auch als Urlaubslektüre, aber wirklich nur für Leser, die sich auch im Liegestuhl gern mal richtig konzentrieren und in eine andere Welt denken.

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59 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 25 Rezensionen

mord, stockholm, psychothriller, schweden, schwedenkrimi

Wenn das Eis bricht

Camilla Grebe , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei btb, 10.04.2017
ISBN 9783442757176
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

          entwickelt hier die schwedische Autorin Camilla Grebe die wir bislang als kriminalistisches Duo zusammen mit ihrer Schwester Asa Träff kannten: sie entwickelten gemeinsam die Reihe um die Pychotherapeuthin Siri Bergman.

Nun also im Alleingang, aber auf keinen Fall weniger packend. Aus drei Perspektiven wird die Geschichte um einen Mord erzählt: aus der eines Polizisten, der herbeigeholten Kriminalpsychologin Hanne und von Emma, die in den Fall verwickelt ist - nur wie genau?

Und auch Hanne und Peter, so der Name des Polizisten, haben bereits ihre Aktien in dem Fall, der Parallelen zu einem lange verjährten Mord aufweist. Und sie haben auch eine gemeinsame Vergangenheit, eine, die an Dramatik kaum zu überbieten ist.

Wie auch in anderen Erzählsträngen die dramatische Komponente vorherrscht - keiner der Protagonisten hat es bisher leicht gehabt, alle schleppen ein ordentliches Stück der Vergangenheit mit sich rum.

Was sich als immer dichterer, aufeinander aufbauender Fall erweist, birgt dennoch einige ganz gewaltige Überraschungen, die die Autorin geschickt in ihren Fall eingebaut hat und die den Leser quasi unerwartet erwischen. Ein wirklich spannendes Buch mit ein paar kleineren Längen in dem ein oder anderen Erzählstrang - auf einigen Punkten wird aus meiner Sicht dann doch ein bisschen zu intensiv herumgeritten.

Dennoch ein sehr lohnens- und lesenswerter Thriller, der streckenweise ganz schön an die Nieren geht und beweist, dass Camilla Grebe wirklich sehr intensiv und mitreißend zu schreiben vermag!
       

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70 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

alaska, flucht, roadtrip, familie, mutter

Bis an die Grenze

Dave Eggers , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2017
ISBN 9783462049466
Genre: Romane

Rezension:

Bis Josie zu dieser Erkenntnis kommt, ist sie bereits ein ganzes Stück gegangen und gefahren und hat sich auch innerlich eine ganze Ecke - ja, eine Dimension - weiterbewegt. Fort von ihrem hoffnungslos scheinenden Leben in Ohio, fort von ihrer aufgelösten Zahnarztpraxis, ihrer  gescheiterten Beziehung mit dem ungewöhnlichen Carl, aber immer noch mit ihren beiden Kindern Paul und Ana - auch sie nicht gerade leicht zu handhaben.

Josie selbst allerdings  auch nicht, am wenigsten von sich selbst und so ist ihr spontaner Aufbruch nach Alaska vor allem eine Reise zu sich selbst, eine Suche - und eine mögliche Erkenntnis dessen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Wer bereits Erfahrungen hat mit dem Autor Dave Eggers, der weiß, dass er sich hier auch als Leser keiner geringen Herausforderung scheint, denn Eggers nimmt sein Publikum mit auf (Ab)Wege, von denen sie bislang nicht mal zu träumen wagten. Das erledigt Eggers für sie bzw. für uns, dieser Teufelskerl, wenn es um das Schildern des amerikanischen, nein, des globalen Alltags im 21. Jahrhundert geht.

Sich Dave Eggers und Josie zu stellen, heißt, sich gewissermaßen sich selbst zu stellen, denn den Leser möchte ich sehen, der die ein oder andere absurde Situation in Josies Leben mit seinem eigenen vergleicht, sich überlegt, wie er in der ein oder anderen Situation selbst reagiert hätte.

Denn das verrate ich Ihnen schon - Josies Schicksal lädt stellenweise förmlich ein zum sich selbst Schämen. Allerdings habe ich mir im Nachhinein immer wieder die Frage gestellt, ob ich denn selbst so viel unbescholtener, so viel sauberer als Josie aus der Sache herausgekommen wäre. Ein furioser Roman, was das Innenleben der Protagonistin angeht, auch wenn man immer wieder befremdet ist.

Für das absolute Highlight im Roman muss man aus meiner Sicht schon fast bis zum Ende durchgehalten haben, dann lernt man von Dave Eggers, was der so häufig bemühte Satz "Jeder Mensch ist musikalisch" eigentlich wirklich für eine Bedeutung haben kann.

Ich hatte Spaß an diesem Buch und habe mich keine Sekunde gelangweilt, wenn mich auch manches zu sehr befremdet hat, um uneingeschränkt begeistert zu sein. Ein Buch für Leser, die sich selbst ein wenig besser kennenlernen wollen und nicht so recht wissen, wie sie es anstellen sollen. Nicht so wie Josie, würde ich sagen - aber Eggers hat mir durchaus auch auf andere Ideen gebracht!

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

das neue geheime tagebuch des hendrik groen, hendrik groen, roman, tanztee, amsterdam

Tanztee

Hendrik Groen , Wibke Kuhn
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492058278
Genre: Romane

Rezension:

Tanztee statt Eierlikör steht nun auf dem Terminplan von Hendrik Groen. Aber auch diesmal passt der Titel nicht so recht, denn Hendrik entflieht eher dem Tanztee als sich ihm zu stellen. Aber das ist auch schon das Einzige, das aus meiner Sicht an diesem Buch nicht passt, der Rest tut es um so mehr. Denn Hendrik ist ein Junge bzw. - um die Dinge klarzurücken - ein Greis aus dem Leben und zwar einer, der inzwischen schon 85 Jahre auf dem Buckel hat und seine noch überschaubare Zukunft wohl in dem Amsterdamer Seniorenheim verbringen wird, das den maßgeblichen Schauplatz des Geschehens bildet. Wo nicht (nur) der Alkoholgenuss, sondern auch die verschiedenen kleinen und vor allem größeren Zipperlein, die man eben so hat, eine ungewollt große Rolle spielen. Hendrik hat ein Buch geschrieben und zwar ist es kein Roman, sondern ein Tagebuch, das jeden Tag des Jahres 2015 dokumentiert, wie er das auch schon 2013 tat.

Hendrik ist ein Typ, der zwar nicht überschäumend frohgemut ist, dennoch ist er bereit, jeden Tag seines restlichen Lebens zu genießen, aber so, wie er es will! Und mit wem er es will! Damit ist dieses Buch quasi eine Hymne auf die Indiviualität, auf den eigenen Weg, den man in jeder Situation gehen kann, selbst wenn einem die Freunde nach und nach wegsterben. In diesem Band geht es emotional ganz schön zur Sache, denn die Tage von Hendriks bestem Freund sind nun gezählt. Und Hendrik wäre nicht er selbst, wenn er sich dem nicht so stellen würde, wie es am besten zu ihm passt - mit Trauer, aber auch mit einer gehörigen Portion Schalk im Nacken!

Wir wissen ja schon vom ersten Band, dass auch Hendriks eigenes Leben nicht gerade ein Rosengarten war - dennoch scheint gerade dies ihm deutlich zu machen, welche Prioritäten er noch setzen will und wann Schluss sein sollte. Auch das gehört nämlich zu einem selbstbestimmten Leben. Dieses Buch ist nicht niedlich, es ist nicht anrührend, auch wenn es bestimmte Dinge tief in mir drin sehr berührt hat (ja, das ist ein Unterschied). Ich bewundere Hendrik nicht, ich will ihn auch nicht kennen lernen - aber ich hoffe sehr, dass ich selbst und die Menschen die mir wichtig sind, im hohen Alter ebenso in der Lage sein werden, ihre Prioritäten zu setzen wie Hendrik es tut. Auf jeden Fall habe ich tiefen Respekt vor ihm und vor seiner Art, die Dinge anzupacken. Sein Seniorenclub Alanito (Alt, aber nicht tot) trotzt wie schon in den Eierllikörtagen den Widrigkeiten des Lebens, von denen es im Alter leider mehr und mehr gibt. Dass man dennoch viel Spaß haben und offen in die Welt blicken kann, das zeigt uns Hendrik hier einmal mehr!

Ich liebe diesen Kerl und seine Kumpels von Alanito! Keine Ahnung, ob es diesen Hendrik wirklich gibt, aber wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, der hat etwas geschaffen, das mich beeindrucken konnte, das ich nicht so schnell vergessen und unbedingt weiterempfehlen werde! Wer so altert, der hat es wirklich drauf!

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56 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

berlin, anna basener, ruhrgebiet, prostitution, berlin-kreuzberg

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Anna Basener
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.03.2017
ISBN 9783847906254
Genre: Romane

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

reformation, köln, martin luther, luther, inquisition

Die Reformatorin von Köln

Bettina Lausen
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.02.2017
ISBN 9783740800628
Genre: Historische Romane

Rezension:

hat die Kölner Brauerstochter Jonata von Menden schon in jungen Jahren - sie hat schon längst mit ihrem Vater geklärt, dass sie Mitspracherecht bei der Wahl ihres Ehemannes haben will. Umso fassungsloser ist sie, als ihr nach dem Tode des geliebten Bruders Lukas der Brauerssohn Sebalt - um einiges älter und ein richtig ekliger Typ, zumindest aus Jonatas Sicht als Heiratskandidat präsentiert wird. Und da lässt ihr Vater - sonst durchaus verständnisvoll - überhaupt nicht mit sich reden.

Klar, dass Jonatas anderer Bruder Enderlin, ein Kirchenmann, dort seine Hände mit im Spiel hat. Er präsentiert die alten Werte, die Inquisition und den Klerus als Machtapparat.

Nicht Jonatas Sache, hat sie doch auf einer Reise nach Sachsen - ja, sonst ist ihr Vater durchaus modern und lässt sie Geschäfte tätigen - Martin Luther predigen hören und konnte auch mit ihm sprechen - und seitdem ergibt vieles für sie einen ganz neuen Sinn.

Zumal in Köln der Druckerssohn Simon ihre Gedanken mehr und mehr vereinnahmt - aber angesichts des väterlichen Willens hat sie keine Chance. Wird es für Jonata und Simon und nicht zuletzt für ihren Glauben eine Möglichkeit zum Bestehen geben?

Die Autorin Bettina Lausen schreibt unterhaltsam und spannend, hätte aber durchaus noch ein wenig mehr kölsches Lokalkolorit hereinbringen können. Das frühneuzeitliche Setting insgesamt jedoch ist liebevoll und sorgfältig dargestellt, die Charaktere klar und mit Wiedererkennungswert ausgearbeitet. Da habe ich gern über die stellenweise unlogischen Entwicklungen hinweggesehen.

Eine Lektüre, die gerade im Lutherjahr viel Freude macht und zum Weiterdenken anregt. Für alle, die gern mal was Historisches lesen und auch an Religionsgeschichte interessiert sind!


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53 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 9 Rezensionen

flucht, syrien, roman, flüchtlingskrise, refugee

Gott ist nicht schüchtern

Olga Grjasnowa
Fester Einband: 309 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036652
Genre: Romane

Rezension:

Wie schnell man in Damaskus vor ein paar Jahren vom angehenden Mediziner bzw. einer angehenden Schauspielerin zum Flüchtling werden kann, das schildert Autorin Orga Gjrasnowa in diesem Roman, der aus meiner Sicht eher dokumentarischen bzw. zeitgenössischen Wert hat. Eindringlich schildert sie die Geschicke der beiden jungen Leute Hammoudi und Amal, allerdings diese nicht so sehr literarisch wie zeithistorisch geprägt und gerade dies macht derzeit ihren besonderen Reiz aus, wenn es auch ein tragischer, ein dramatischer, ja ein überaus schmerzlicher Reiz ist. Aber einer, den jeder von uns vergegenwärtigen sollte, da er an uns nicht vorbeigehen kann, nicht vorbeigehen darf. Diese weltpolitischen Entwicklungen berühren jeden und sie sollten auch jeden schmerzen - wie kann es sein, dass dies nicht der Fall ist.

Wir erleben Hammoudi als Winner-Typen, den es für nur fünf Tage nach Damaskus verschlagen hat: er muss seinen Pass verlängern. Aus den fünf Tagen werden fast fünf Jahre - am Ende muss er - ebenso wie Amal - an Flucht denken, um das vor wenigen Jahren noch sichere Land verlassen zu können.

Es sind quasi zwei Einzelschicksale, die hier erzählt werden, quasi zwei Parallelwelten - eher ergänzender als völlig nebeneinander existierender Art- werden dargestellt. Die Wege von Hammoudi und Amal kreuzen sich nur kurz, nur punktuell.

Ja, manchmal hat man einfach keine Wahl: wie oft das bei Menschen von ganz ähnlicher sozialer Herkunft wie uns selbst bspw. aus Syrien der Fall ist, das zeigt hier die Autorin Olga Grjasnowa.

Auch wenn Frau Grjansowa, dokumentiert, also die Ereignisse darstellt, wenn man es so nennen kann, sehr sachlich erzählt - auch dann scheint es manchmal, als wolle sie uns eine Vorlage, ja, eine Vorgabe anbieten zu den Entwicklungen unserer Zeit und fast erscheint sie mir - wenn auch überaus eindringlich - zu plakativ. Dennoch: ein lesenswerter Roman, der uns unsere Ära in all ihrer Hoffnungslosigkeit und Grausamkeit vorführt. Mit einer Härte, die manchmal einfach unumgänglich scheint.

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47 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

dublin, krimi, mordkommission, irland, intrigen

Gefrorener Schrei

Tana French , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 29.12.2016
ISBN 9783651024472
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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21 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Hier sind Drachen

Husch Josten
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.03.2017
ISBN 9783827013484
Genre: Romane

Rezension:

ist die Journalistin Caren - und sind es mit ihr viele andere Passagiere - am Flughafenterminal in London Heathrow. Es ist Samstag, der 14. November 2015, der Tag nach dem Pariser Anschlag und eben Paris ist das Ziel der Reise - Caren soll von dort für ihr Blatt über den Anschlag berichten. Doch nun gibt es eine Verzögerung aus unklaren Gründen - die Wartenden sind auf sich gestellt. So kommt Caren mit einem Herren ins Gespräch, den sie Wittgenstein nennt, da er ein Buch ebendieses Philosophen liest.

Und es stellt sich heraus - nicht nur, aber auch durch diesen Wortwechsel - dass jeder seiner eigene, subjektive Wahrnehmung von Dingen, ja von allem, was um ihn herum passiert, hat. Jedenfalls ist es so, dass am Ende dieser Warterei Carens gesamtes Leben auf den Kopf gestellt wurde. Ihr Leben, von dem sie glaubte, es bestens im Griff zu haben - sowohl ihren Bereich als auch ihr Verhältnis zu den Menschen um sie herum.

Caren hat ein ganz besonderes Verhältnis zu Terroranschlägen, kann man sagen: sie hat ihre persönlichen Bezüge sowohl zu Ground Zero als auch zu Charlie Hebdo. Sie hat dem Drachen ins Auge geschaut, kann man sagen, doch wie ist es mit den Drachen in ihrem persönlichen, dem ganz privaten Bereich?

Einerseits ein leises Buch, andererseits so explosiv, wie eben ein Anschlag sein kann. Der Pariser Terroranschlag wird in einen Vergleich zu einem Anschlag auf Carens Leben gestellt und zeigt eindringlich, wie achtsam man stets sein sollte - sowohl, was sein eigenes Leben als auch, was das Leben der anderen betrifft. Ein Anschlag der persönlichen, der stillen Art kann uns jederzeit ereilen, völlig unerwartet - so wie hier.

Ein Buch, das den Leser - jedenfalls mich - auf der einen Seite fassungslos, auf der anderen ein bisschen unbefriedigt hinterlassen hat. Manches war zu viel, anderes wieder fehlte. Doch das waren Kleinigkeiten, die mich nicht davon abhalten, dieses durchaus ungewöhnliche Buch der Kölner Autorin Husch Josten von Herzen zu empfehlen. Es ist ein sehr internationales Buch, so weltoffen, wie man in diesen Zeiten nicht immer ist, aber unbedingt sein sollte - finde ich jedenfalls.

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(18)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

amsterdam, krimi, kongress, originell, britta bolt

Der Tote im fremden Mantel

Britta Bolt
E-Buch Text: 288 Seiten
Erschienen bei HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH, 17.02.2017
ISBN 9783455814224
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein unkonventioneller Typ mit klaren Wertvorstellungen: das ist Pieter Posthumus, der Protagonist dieses ausgesprochen ungewöhnlichen Krimis aus den Niederlanden, der bereits in seinem dritten Fall ermittelt. Auch diesmal steht die Atmosphäre an erster Stelle, danach kommt erst die Spannung - wobei diese auf ganz eigene Art übermittelt wird. Brutalität hingegen kommt in diesem Buch eher wenig vor, auch wenn es diesmal ein bisschen härter zugeht - aber nur im Vergleich zu den vorherigen Fällen. Vergleichen mit anderen Krimis und Serien geht es immer noch recht sanft zu, auch wenn dieser Krimi wie so viele nicht ohne Tote auskommt.

Das Setting ist ein ungewöhnliches: Posthumus arbeitet in einem Büro der Stadt Amsterdam, das sich um "einsame" Tote, um Leichen ohne Angehörige, kümmert. Dabei ist des Öfteren Ermittlungsarbeit vonnöten, denn es geht darum, möglichst viel über ihr Leben, ihr Umfeld, ihre Hinterlassenschaften in Erfahrung zu bringen - und dabei geraten Pieter und seine Kollegen immer mal wieder in die ein oder andere ungewöhnliche, prekäre oder gar gefährliche Situation. Diesmal hat er einen Obdachlosen in einem schicken Mantel "vorliegen" und es stellt sich heraus, dass das edle Teil einem Bekannten um mehrere Ecken gehörte - dieser wurde in der vorherigen Nacht schwer verletzt und liegt nun im Krankenhaus im Koma.

Überhaupt spielt Pieters Bekanntenkreis eine nicht geringe Rolle in diesem wie auch in den vorherigen Krimis - und genau das macht eine Menge vom Charme der Reihe aus, denn die Figuren sind nicht minder originell und liebevoll gestaltet als Pieter selbst - jede auf eine ganz eigene Art!



Genauso liebevoll wird auch die Stadt Amsterdam, in diesem Falle: Pieters Amsterdam geschildert. Ich habe mich gleich wieder gefragt, wie ich einer so faszinierenden Stadt so lange Jahre fernbleiben konnte, jetzt muss ich unbedingt wieder da hin.

Allerdings hoffe ich, dass ich nicht in einen Kriminalfall wie den hier geschilderten gerate, denn da geht es um Mord und Totschlag in spannenden Milieus - sowohl im Rahmen einer Umweltkonferenz als auch unter den Kleinkriminellen der Umgebung tauchen mögliche Verdächtige auf.

Wen ich aber sehr gern treffen würde, ist Pieter Posthumus selbst, gerade weil er so ist, wie er eben ist: eine Art linker Intellektueller, jedoch kein Althippie, sondern ein Mann mit einer Vorliebe für edle, hochwertige Kleidung und ebensolches Essen, auf seine Art jedoch ein durchaus unkonventioneller Typ, wenn auch mit vielen Wertvorstellungen, darunter auch althergebrachten sowie einigen sehr persönlichen Zwängen behaftet. Und er hängt an seinem Umfeld, vor allem an der Kneipenbesitzerin Anna und der jungen Tina. Wenn Sie wissen wollen, wie genau das alles zusammenhängt, müssten Sie sich die Geschichte aneignen, ja gönnen, denn es ist ein wahrer Lesegenuss, der hier auf sie wartet: Pieter Posthumus, der jüngere Bruder von Miss Marple, Dr. Siri und der große Bruder bzw. Onkel von Flavia de Luce gibt sich in seinem dritten Fall die Ehre!

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44 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

meer, roman, wal, montauk, wale

Als das Meer uns gehörte: Roman

Barbara J. Zitwer
E-Buch Text: 389 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.03.2017
ISBN 9783841212757
Genre: Sonstiges

Rezension:

So heißt eine sehr persönliche Erzählung von Max Frisch, in der er über einen Aufenthalt in dem kleinen Ort am Meer im Staate New York erzählt und um eine Romanze, die er dort erlebte: auch auf weitere Beziehungen kommt er zu sprechen.

Die Protagonistin des Romans "Als das Meer uns gehörte" der amerikanischen Autorin Barbara J. Zitwer, begibt sich ebenfalls nach Montauk, allerdings unter vollkommen anderen Vorzeichen: Adam, ihr Mann ist ganz plötzlich unter dramatischsten Umständen verstorben, während sie noch ohnmächtig ist vor Trauer, erfährt sie, dass sein Herz schon lange einer anderen gehörte - ihrer besten Freundin nämlich.

Völlig am Ende mit den Nerven und am Ende mit ihrem Latein in Bezug auf den Sohn Robbie, der ebenfalls unter Schock steht und sich gegen sie stellt, begibt sie sich nach Montauk zu ihrem einzigen noch lebenden Verwandten, ihrem Onkel Ike.

Dort schöpfen sowohl sie als auch Robbie ganz langsam wieder Kraft, wenn auch zunächst jeder für sich. Werden sie sich einander wieder nähern? Wird Tess nach der großen Enttäuschung überhaupt wieder ins Leben zurückfinden können?

Kein einfaches Thema, dem sich die Autorin hier stellt und - wie ich meine - zumindest in Teilen grandios dran scheitert. Beispielsweise durch die unzulängliche Einführung einiger Figuren, durch Erzählstränge, die im Nichts versanden - vor allem jedoch dadurch, dass sie sich selbst gleich mehrfach ein Bein stellt und über ihre eigenen Erläuterungen stolpert, indem sie sie gleich auf der nächsten Seite widerlegt oder fragwürdig erscheinen lässt.

Beim Lesen kam mir ab und an die Redewendung "Gewollt, aber nicht gekonnt" in den Sinn, auch wenn mir andere Stellen - und auch die Idee zum Roman insgesamt gefallen haben. Das absolute Highlight waren Onkel Ike sowie ein paar andere männliche Nebenfiguren. Vielleicht sollte die Autorin als Nächstes einen reinen Männerroman, bspw. einen Western schreiben, mit Männern kann sie definitiv besser!

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

tod, krebs, drogen, liebe, tom kummer

Nina & Tom

Tom Kummer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 17.03.2017
ISBN 9783351050351
Genre: Romane

Rezension:

Das sind Nina und Tom, beziehungsweise wollen sie es sein - kühl und provokant den Ton angeben, wo sie auch sind, glamourös und auffallend wirken in ihrer eigensinnigen, oft auch zerstörerischen Beziehung, die über Jahrzehnte hält - bis in den Tod. Denn Nina - mittlerweile 47jährig und Mutter zweier Söhne, ist unheilbar krank - sie wird an Krebs sterben. Das steht von vorneherein fest, denn ihr Mann, der Journalist Tom Kummer, nimmt dieses Ereignis voraus.

Es ist zwar ein Buch über das Sterben, aber mehr noch über das Leben, sein Leben mit Nina, das er dem Leser hier offen und schonungslos - sowohl gegen sich selbst als auch gegen Nina darlegt. Es ist kein herzliches Buch, denn Herzlichkeit ist einfach nicht der Stil von Tom und von Nina auch nicht - sie kultivierten die Distanz, ja, die Arroganz, was häufig verstörend auf mich wirkte. Wenn es nicht so tragisch geendet hätte, wäre es mir stellenweise lächerlich vorgekommen, bspw. Ninas Aufzug, als sie sich - in einer Bar, wie könnte es anders sein - kennenlernten.  Übrigens war der von Tom nicht viel besser - sehr extrem stilisiert, sogar mit Nazi-Elementen, auffällig sogar mitten in den 1980ern, als eigentlich alle knallbunt herumliefen. Irgendwie wirkte Nina wie ein masochistisches Huhn, Tom wie ein zerrupfter Krieger einer überirdischen Armee - so kenne ich es als Kölnerin aus dem Karneval und konnte die beiden als Stil-Ikonen - man möge mir verzeihen - nicht so recht ernst nehmen.

Dazu kam ein schonungsloser Umgang mit dem jeweils anderen und auch mit sich selbst - dabei spielten sowohl Drogen als auch Gewalt über lange Jahre hinweg eine Rolle.

Was soll ich sagen: auch wenn ich im selben Alter wie die Beiden bin, wir sprechen einfach nicht dieselbe Sprache, leben möglicherweise gar auf anderen Planeten. Toms Verlust hat mich umso mehr berührt, denn vor dem Tod sind wir irgendwie alle gleich, kapitulieren zwar unterschiedlich, doch in unserer Ohnmacht gegen ihn gibt es keine Abstufung, auch keine Distanz. Allerdings musste ich bis zum Ende lesen, bis die Distanz zwischen mir und dem Buch bzw. seinem Autor sich für kurze Zeit legte. Es fällt mir schwer, dieses Buch weiterzuempfehlen - am besten schauen Sie selbst, ob Sie gewillt sind, diese ungewöhnlichen Menschen kennenzulernen, mit ihnen zu leben und zu leiden.

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24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

pasta, italienische küche, kochen, pizza, italien

Simply Pasta, Pizza & Co.

Julian Kutos
E-Buch Text: 184 Seiten
Erschienen bei Löwenzahn Verlag, 23.01.2017
ISBN 9783706628549
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer mag das nicht? Köstliche Pizza, Pasta und Antipasti mit mediterranem Aroma zubereitet und mit südlichem Charme und Flair kredenzt - kaum einer kann da widerstehen! Mir geht es genauso und so stürzte ich mich mit Begeisterung auf dieses Kochbuch, um die Delikatessen auszuprobieren, zu verkosten und in mein Herz zu schließen.

Ein Buch mit einer ausführlichen Einführung, die sowohl Bemerkungen und Ausführungen zur italienischen Küche beinhaltet, als auch Grundrezepte bspw. für Brühe, Tomatensugo, Pesto und was sonst so in der italienischen Küche eingesetzt wird.

Ein Buch, das sowohl die italienische Küche als auch den Koch Julian Kutos ausführlich vorstellt, ein Aspekt, der mir den Genuss daran etwas genommen hat: die italienische Küche ist jetzt nicht so Außergewöhnliches bzw. Unbekanntes, dass man sie noch einmal in allen Einzelheiten vorstellen müsste, als hätte man etwas Neues entdeckt - im Gegenteil, eine Reihe von Gerichten wie Spaghetti Bolognese, diverse Pizzen, Spaghetti Carbonara und Vitello Tonato sind bereits mehr oder weniger fest im bundesdeutschen und sicher auch österreichischen - dort ist der Koch beheimatet - Alltag integriert. Und ein Koch sollte schon so charismatisch wie Jamie Oliver oder Sarah Wiener sein, um sich in den Vordergrund zu rücken - mit Verlaub ist das in vorliegendem Falle eher nicht gegeben.

Es gefällt die Anleitung zur Zubereitung in kleinen Schritten, was das Buch auch für Anfänger nützlich und hilfreich macht. Allerdings sind aus meiner Sicht die Bestandteile oft in eigenartigen Zusammenstellungen kombiniert, bspw. ist die Walnusspasta viel zu fettig (was ich aber im Vorfeld aufgrund bestimmter Kocherfahrung aushebeln konnte) und die Pasta al Limone viel zu sauer (da bin ich drauf reingefallen und sowohl mein Mann als auch ich selber haben die vollen Teller stehen lassen - war mir in meiner langjährigen Küchenkarriere bisher nicht passiert).

Es gibt natürlich viel mehr und sehr unterschiedliche Rezepte darin, wenn sie sich auch nur auf Pizza, Pasta, Vorspeisen und Cocktails beschränken und ich machte die Erfahrung, dass kleine Hinweise zu Kochzeiten, Temperaturen, oder auch Mengenangaben bspw. bei Gewürzen fehlen, die wirklich hilfreich gewesen wären.

Für mich also leider kein Buch, dem ich die Treue halten werde, auch wenn es viele interessante Rezepte beinhaltet - wahrscheinlich passen "Simply Pasta, Pizza & Co." und ich einfach nicht zusammen.

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

flucht, judenverfolgung, juden, shanghai, nationalsozialismus

Das Mädchen im Strom

Sabine Bode
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608962000
Genre: Romane

Rezension:

Der jungen Gudrun aus Mainz reicht auch das "normale" Rheinwasser, um das Leben am großen Fluss in vollen Zügen zu genießen. Sie wächst als Tochter des reichen Händlers Wilhelm Salomon in den 1920er und 30er Jahren auf und ihr fehlt es an nichts, auch wenn sie in der Schule nicht gerade gut ist und es mit der Ehe der Eltern immer wieder nicht zum Besten steht.

Aber sie ist wild und lebenslustig und hat eine Freundin, die stille Margot, mit der sie durch dick und dünn geht und früh - schon im Alter von 13 Jahren  - auch einen Liebsten, Martin, mit dem sie die Freuden des Lebens genießt.

Doch leider nur bis 1933, denn Gudrun und auch Margot sind Jüdinnen und ihre Familien bekommen auch bald diverse Repressalien zu spüren. Martin, der aus einer rein deutschen Familie kommt, hält zwar weiter zu Gudrun, doch trotzdem trennen sich ihre Wege alsbald.

Etwa für immer? Man wird sehen, denn Gudrun steht eine Odyssee bevor, die sie - schon während des Zweiten Weltkriegs - mit der Transsibirischen Eisenbahn durch entlegene Gebiete führt. Die Zeit bis Kriegsende übersteht sie mehr schlecht als recht in Shanghai.

Und dann? Nun, die Erlebnisse von Gudrun während und auch nach dem Krieg sind bunt und vielfältig, der Autorin Sabine Bode fehlt es nicht an Ideen. Teilweise geht es für meinen Geschmack sogar um einiges zu wild zu, die ein oder andere Episode hat was von einer Räuberpistole und ich kam mir vor wie in einer Welt von Karl May, Hanni Münzer oder auch Heinz G. Konsalik, in der eine Sensation die andere jagt.

Die Figuren sind interessant und vielschichtig, wenn auch nur in Ansätzen, denn die meisten Akteure tauchen nur kurz auf, um dann wieder - ob für immer oder für eine Weile - von der Bildfläche zu verschwinden. Leider dehnt die Autorin ihre Beschreibung vielschichtiger Charaktere auch nicht auf alle vorkommenden Personen aus, wobei das aber auch den Rahmen sprengen würde. Es wimmelt nämlich nur so von Personal in diesem mit knapp 350 Seiten durchschnittlich langen Roman - kein Wunder, dass man da nicht allen gerecht werden kann.

Gute Ansätze, die sich aber in einem viel zu groß aufgezogenen Rahmen verlieren, ein Buch, das mir wohl nicht lange in Erinnerung bleiben wird, wenn es auch vor guten Ideen darin nur so wimmelte - aber eben leider nur in Ansätzen. Ein Buch, das Versprechungen macht, die es leider nicht halten kann - so sehe ich es!

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37 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

kommunismus, sibirien, verbannung, russland, jachina

Suleika öffnet die Augen

Gusel Jachina , Helmut Ettinger
Fester Einband: 541 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.02.2017
ISBN 9783351036706
Genre: Romane

Rezension:

heißt es für die junge tatarische Bäuerin Suleika, nachdem ihr Mann vor ihren Augen erschossen wird - einfach so. Er ist einer der wohlhabenderen Bauern seiner Region, ein Kulak also und weigert sich, den Befehlen des stalinistischen Regimes beugen - bedingungslose Abgaben und Umsiedlung. So wird Suleika, deutlich jünger als ihr Mann und bisher nicht an Selbständigkeit gewöhnt, auf eine Odyssee geschickt, die über ein Gefängnis in Kazan mitten in die Taiga, nach Sibirien führt, in bisher unbesiedeltes Gebiet, wo sie mit anderen Leidensgenossen, die aus unterschiedlichen Gründen verschickt wurden - Kulaken wie sie, Intellektuelle, "richtige" Straftäter, eine Kolonie gründet. Ja, Suleika öffnet in der Tat erst jetzt ihre Augen und das zieht so einiges nach sich!

Ein etwas anderer Road-Movie ist dies, in dem ein Häufchen Deportierter einfach so durch die sowjetische Landschaft geschickt wird, bis sie - eher durch Zufall - an einem Ort landen, an dem sie seßhaft werden können, einer der ganz besonders tragischen Art. Denn keiner dieser Menschen wollte seine gewohnte Umgebung verlassen, sie sind allesamt dazu gezwungen worden - wie Millionen anderer in den Jahren des Stalinismus.

Die Autorin Gusel Jachina stammt selbst aus Tatarstan und geht in ihrem Buch einem Teil der Geschichte ihrer Vorfahren nach, einem sehr schmerzhaften, den sie nichtsdestotrotz mit großartig gezeichneten Figuren, jede davon mit absolutem Wiedererkennungswert, sowie einer gehörigen Ladung Atmosphäre ausstattet. Nur pro forma erwähne ich, dass ihre Erzählungen obendrein auf sorgfältigen Recherchen basieren.

Ein spannendes Buch, wenn auch die Autorin aus meiner Sicht (noch) nicht ganz die Faszination erreicht, die bspw. eine Sofi Oksanen mit ähnlichen Themenkreisen zu vermitteln vermag, ein ausgesprochen eindringliches noch dazu, das ich mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werde, und dem trotz der ganzen Tragik, die durchgehend mitschwingt, eine Prise Leichtigkeit innewohnt.

Das kurze Geleitwort der großen russischen Autorin Ludmilla Ulitzkaja fällt euphorisch aus, was ich wirklich gut nachvollziehen kann - ich hoffe auch, dass Gusel Jachina weiterschreibt und dabei thematisches Neuland beschreitet. Sehr zu empfehlen für jeden, bei dem das Interesse für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts internationaler Natur ist und der neben historischen Fakten eine gute Geschichte zu schätzen weiß.

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

krimi, kiosk, krimödie, humor, skater

Voll von der Rolle

Lotte Minck
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droste Vlg, 23.02.2017
ISBN 9783770015603
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

erwartet uns diesmal bei Loretta und ihren Freunden im schönen Ruhrgebiet und eigentlich ist der Grund ein überaus erfreulicher. Frank hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und eine Bude namens "Kropkas Klümpchenbude" eröffnet, doch wird diese leider nicht nur nur von zahlungswilligen Kunden frequentiert.

Und dann liegt einer dieser ungebetenen Gäste auf einmal auch noch tot vor Franks Konsumtempel - wie könnte es anders sein, ist es Loretta, die ihn findet.

Und so kommen Minipli-Mann und Hornbrillengirl (aka Erwin und Loretta) quasi wie von selbst an einen neuen Auftrag, sehr zum Mißfallen von Lorettas Freund Pascal, aus dessen Sicht seine "Perle" ein viel zu gefährliches Leben führt. Doch Frank darf nicht in Stich gelassen werden und - um ganz ehrlich zu sein - ist auch Lorettas Spürsinn wieder erwacht und lässt sich einfach nicht unterdrücken 

Ganz schön gewalttätig geht es rund um das Büdchen zu und Loretta muss sich mal wieder durchschlagen. Doch nicht ohne "a little help from my bzw. Lorettas friends", die Fans dieser Serie bereits kennen und lieben. Wobei sie diesmal eher in kleiner Schar auftreten, aber dennoch für Furore sorgen - insbesondere Erwin natürlich, aber auch Frank, der sein neu gewonnenes Revier selbstverständlich verteidigen will.

Dass die anderen Mitglieder des Freundeskreises sich bedeckt halten - von Doris bspw. sieht man diesmal hauptsächlich Buletten und andere Leckereien - ist für mich zwar ein Schlag, aber ich blicke voller Zuversicht auf den nächsten Band, zumal sich mit Senzo und Uschi zwei neue Akteure - diesmal aus der Nachrichtenbranche - anschicken, den Freundeskreis zu Entern.

Mal wieder läuft ohne Freundschaft läuft nix - dies das Credo des Buches. Ein anderes könnte "witzig geht die Welt zugrunde" sein. Nur schade, dass es schon wieder vorbei ist, denn auch dieser, bereits achte Band der Reihe, war allererste Sahne. Wer Spaß kombiniert mit ein wenig Spannung mag, der kommt an dieser Reihe mit Loretta Luchs nicht vorbei!

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

tiger, zirkus, juden, südamerika, las vegas

Mein Herz ist ein wilder Tiger

Tanja Weber
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426304624
Genre: Romane

Rezension:

ist das Leben der Zirkusartistin Elly Simon. Beziehungsweise war es das für lange Zeit, denn inzwischen lebt sie fast hundertjährig in einem Pflegeheim in Berlin und wartet auf ihren Tod, im Gepäck schillernde und abenteuerliche Erlebnisse vergangener Zeiten.

Wild und gefährlich ist auch das Leben von John Mbete, einem Flüchtling aus Somalia, schillernd allerdings würde es niemand nennen - voller unglücklicher Erlebnisse und Traumata ist es. Er trifft im Heim auf Elly - als ihr Pfleger, sie erzählt ihm aus ihrem Leben und findet bei ihm Gehör, Verständnis und auch Zuneigung.

Weit herumgekommen ist die alte Dame, viel gesehen hat sie, auch in ihrem Leben gab es viel Trauer, es war von Verlusten geprägt, ebenso wie das noch recht Kurze von John. Für eine kurze Zeit sind sie einander Halt und Zuflucht, doch droht John bereits der nächste Verlust, denn es ist klar, dass Elly nicht mehr lange leben wird.

Eine Geschichte voller Liebe, Achtung und Zuversicht, die mich dennoch nicht in ihrer Gänze erreicht hat. Ich bin ein großer Fan von Tanja Weber, habe viele ihrer Bücher gelesen und mich für fast alle begeistern können, hier allerdings scheint mir die Geschichte nicht ganz rund zu sein. Mit ihren Schilderungen um die Suche nach einer Zuflucht, einem Zuhause hat sie mich nicht ganz erreichen können.

Auch wenn es auf jeden Fall der richtige Schritt war, gerade in diesen Zeiten den Themen Flucht und Vertreibung gerade auch ein Format, eine Präsenz auf literarischer Ebene zu verleihen. Und wie man es von der Autorin nicht anders kennt, nähert sie sich dem Thema behutsam und voller Achtung, wobei sie mutig die unterschiedlichsten Aspekte anspricht. Schwarz und weiß gibt es bei ihr definitiv nicht, auch nicht als Hautfarben, alles verbindet sich, alles ist vielschichtig und nicht so, wie es zunächst scheint. Ach, wie gerne hätte ich mich völlig begeistert in dieses Buch "geworfen", doch irgendwie hat es mich nicht ganz gepackt. Anderen mag es anders ergehen und ich möchte interessierte auf jeden Fall dazu ermutigen, sich an dieses Buch zu wagen.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

haare, familienclan, leihmutterschaf

Die Sache mit Norma

Sofi Oksanen , Stefan Moster
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 09.03.2017
ISBN 9783462049633
Genre: Romane

Rezension:

Eine haarige Geschichte ist es, die Sofi Oksanen diesmal erzählt: das Schicksal Normas, die, gerade erst 30jährig, ihre Mutter Anita durch Freitod verloren hat. Anita arbeitete in einem Haarsalon - einem sehr modernen, der sich voll und ganz Echthaar-Extentions verschrieben hat. Wobei ihre Tochter definitiv keine nötig hat: sie hat mehr Haare, als sie gebrauchen kann.

Und die machen ihr nicht nur Freude, sondern bestimmen ihr Leben: nämlich als Indikatoren für Ereignisse, gewissermaßen auch als Droge - und als noch so einiges, aber das offenzulegen, würde bedeuten, Ihnen jetzt schon zu viel vom Geschehen zu verraten!

Ein bisschen was von einem Krimi hat diese Geschichte, die Menschen zusammenbringt, die seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind, teilweise, ohne es zu wissen. Norma will auf jeden Fall herausfinden, was ihre Mutter dazu bringen konnte, sich auf die Bahngleise zu stürzen. Aus ihrer Sicht kann es dafür nur einen einzigen Grund geben: nämlich sie, ihre Tochter zu schützen - aber warum, um alles in der Welt? Oder war es Mord? Und wer der Schuldige?

Um dies herauszufinden, begibt sich Norma in den Haarsalon, der von Marion geführt wird, einer Tochter von Anitas Jugendfreundin, die seit Jahren in einer Nervenklinik weilt. Auch deren Sohn sowie Exmann  mit zweiter Ehefrau hängen mit drin, also eine Sache unter Freunden? Sind sie Täter oder Opfer?

So plakativ bleibt die Geschichte nicht - so leicht macht die Autorin es uns nicht, hat sie es ja nie gemacht, zumal in dem Buch auch Gewesene auftreten, eine vor allem, Anitas Großmutter Eva, die also Normas Urgroßmutter ist und ihre große Zeit in den 1920ern hatte. Was sie dort zu suchen hat? Es hat alles seinen Sinn, seinen Hintergrund, seine Rechtfertigung: trotz allem Extremen, Überraschenden schwingt bei Oksanen auch immer etwas Rationales mit.

Wobei es ein wenig dauert, bis man darauf kommt: Sofi Oksanen schreibt ungewöhnliche Bücher: das ist mir nach der Lektüre ihres gesamten bisher in deutscher Übersetzung erhältlichen Oeuvres völlig klar, aber "Die Sache mit Norma" sprengt alles bisher Dagewesene - und zwar gewaltig.

Starke, eigenartige und eigenwillige Figuren sind, die hier agieren, größtenteils Protagonisten einer modernen Welt, die jedoch allesamt etwas Urtümliches , ja Sagenhaftes in sich tragen. Und die den Machenschaften, Problemen, Fragestellungen der Gegenwart, die hier angesprochen werden, einen Hintergrund verleihen.

Anwandlungen ins Märchenhafte hat es bei Oksanen immer wieder mal gegeben, auch wenn sie tief in ihrem Herzen immer Realistin bleibt, eine Autorin nämlich, die das wirklich Wichtige, die großen Fragen des menschlichen Daseins thematisiert und das tut sie auch in diesem Buch. Extrem und eigenwillig wie ihre Figuren ist auch dieser Roman der Autorin, man könnte ihn auch - ohne zu übertreiben - als wahnwitzig bezeichnen. Ganz sicher nicht ein Buch für jedermann, es wird bestimmt polarisieren.  Aber wer bisher einen Gewinn aus den Romanen Oksanens gezogen hat, der wird das möglicherweise auch diesmal tun - außer wenn es ihm prioritär um die historische Einbettung gegangen ist. Dennoch  - einen Versuch ist es allemal wert!

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Tags: familienclan, haare, leihmutterschaf   (3)
 

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(144)

194 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 128 Rezensionen

thriller, psychothriller, schweden, stockholm, krimi

Glücksmädchen

Mikaela Bley , Katrin Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.02.2017
ISBN 9783548288444
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Weg zum Tennisunterricht ist sie verschwunden. Ein achtjähriges Mädchen, ein Scheidungskind aus einer Patchworkfamilie, das hin und her gereicht wird. Kein Kind, das auf der Sonnenseite des Lebens steht, wie sich mehr und mehr herausstellt, auch wenn es viele Bezugspersonen in ihrem Leben gibt, fast schon zu viele. Unter anderem auch eine Stiefmutter, die auch schon die "Konkurrenz", den kleinen Stammhalter, auf die Welt gebracht hat und ständig ihre Stellung behauptet. Hat sie damit zu tun?  Oder vielleicht der Tennistrainer? Oder einer der leiblichen Eltern? Wie gesagt, ist die Auswahl groß.

Dazu kommt, dass Ellen, die für ihr Magazin berichten soll, auf eine ganz eigene Art, die sich erst nach und nach erschließt, in der Geschichte drinhängt.

Das alles verspricht einen spannenden Thriller. Aber leider bleibt es über weite Phasen bei diesem Versprechen, die Geschichte kommt nicht so recht in die Gänge.

Mein Fazit also: Eine traurige Geschichte über ein verschwundenes Mädchen, das leider immer mehr in den Hintergrund rückt und zeitweilig (fast) verschwindet. Wie auch einige der Erzählstränge, die vielversprechend aufgenommen werden, nicht nur um die kleine Lycke, sondern auch um Reporterin Ellen Tamm. Dabei ist diese Figur durchaus vielschichtig aufgebaut und hat - mit ein wenig Feinjustierung - durchaus das Zeug zu einer recht originellen Serienprotagonistin. Sollte es also einen Nachfolgeband geben, ich würde Ellen Tamm und damit der Autorin Mikaela Bley durchaus noch eine Chance geben. Im Moment kann sie jedoch noch nicht mithalten mit anderen Größen nordischer Kriminalliteratur.

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