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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Hinter dem Orangenhain

Irma Joubert , Thomas Weißenborn
Fester Einband
Erschienen bei Francke-Buchhandlung, 01.06.2017
ISBN 9783868276602
Genre: Historische Romane

Rezension:

Und zwar aus einer ganz besonders schwierigen Lage: Pérsomi lebt in Südafrika in ärmlichsten Verhältnissen und hat oft genug nicht ausreichend zu essen. Wir begleiten sie von Kindheit an und erleben ihr Schicksal als eines von vielen Kindern einer Beiwohnerfamilie, die bei reicheren Gutsbesitzern auf dem Grundstück lebt und für diese arbeitet. Leider will ihr Vater seinen Töchtern auch auf andere Art beiwohnen und bei Pérsomis Schwester gelingt ihm das auch.

In ganz jungen Jahren sagt Pérsomi vor Gericht gegen den Willen ihrer Mutter gegen ihn aus, nachdem sie erfahren hat, dass er gar nicht ihr leiblicher Vater ist und macht so von sich reden. Bald darauf hat sie die Möglichkeit, in die örtliche Schule zu kommen, wo sie in einem Internat hat. Im Gegensatz zur Heldin Hildegard aus dem Vorgängerroman "Sehnsuchtsland", in dem sich der Protagonistin wenig Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bieten, bietet sich Pérsomi die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu gehen, die Schule mit Auszeichnung abzuschließen und Jura zu studieren. Unterwegs begegnen ihr Menschen, die ihr zeigen, was Freundschaft und Wertschätzung ist und auch ihr starker Glaube nicht nur an Gott, sondern vor allem an die Gerechtigkeit hilft ihr, so manche Situation durchzustehen.

Privat läuft es nicht ganz so glatt - hier muss sich Pérsomi schon früh mit Verlusten auseinandersetzen, die nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass ihre Mutter ihr den Namen ihres wahren Vaters nicht nennen will. Aber auch die schwierigen Bedingungen - der Roman spielt während und nach dem Zweiten Weltkrieg - tragen das ihre dazu bei und Pérsomi muss sich häufig in politischen Angelegenheiten gegen diejenigen, die ihr die Liebsten sind, stellen.

Eine Frau, die in vielerlei Hinsicht etwas erreichen will - ob es ihr gelingt, das können Sie erlesen. Dabei erfahren Sie eine Menge über die politischen Entwicklungen gerade in den Jahren, in denen die Apartheid-Politik am stärksten zum Tragen kam.

Ein Frauenschicksal in Deutschland in der Mitte und der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie ich es so bislang noch nicht gelesen habe. Die Autorin Irma Joubert eröffnet neue Perspektiven, Blickwinkel und Aspekte. Manches wird nicht so vertieft, wie ich es mir gewünscht hätte, dennoch habe ich dieses fesselnde Buch nicht aus der Hand legen können. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend: ein historischer Roman über den Lebensweg einer besonderen Frau, der lesenswert ist!

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71 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

juden, winterberg, judenverfolgung, 2017, schicksal

Solange die Hoffnung uns gehört

Linda Winterberg
Flexibler Einband: 471 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.06.2017
ISBN 9783746632896
Genre: Romane

Rezension:

ein jiddisches Kinderlied, das sie Abend für Abend mit ihrer Tochter singt, ist der Opernsängerin Anni Kluger geblieben.

Das Grauen der Judenverfolgungen im Zweiten Weltkrieg durch die Nationalsozialisten wird bereits in vielen Romanen thematisiert (wobei es aus meiner Sicht nicht genug geben kann), wobei es aber immer noch Aspekte gibt, die nicht ganz so ausführlich beleuchtet wurden.

Hier hat die Autorin Linda Winterberg aka Nicole Steyer das Thema Kindertransporte in einem packenden Roman verarbeitet, in dem die Geschichte des Mädchens Ruth erzählt wird, die mit ihrer Mutter, der berühmten Sopranistin und Solistin der Frankfurter Oper Anni Kluger, durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten aus einem überaus angenehmen Leben mit viel Musik gerissen wurde.

In einer hoffnungslosen Situation - die Mutter hat in der Annahme, es könne so schlimm nicht kommen, die Ausreise so lange aufgeschoben, bis es zu spät war - gibt es für Ruth doch noch eine Chance. Einige Monate nach der Reichskristallnacht kann sie mit einem Kindertransport nach England reisen und dort ihre Schulausbildung fortsetzen - allerdings ohne ihre Mutter.

Die Autorin schreibt gekonnt und hat mich mit ihrer Geschichte so fesseln können, dass ich das Buch - das kein dünnes ist - in weniger als zwei Tagen durchgelesen hatte. Für Leser, die wie ich nicht vom Thema Zweiter Weltkrieg in allen Varianten lassen können, ist es ein gefundenes Fressen, vor allem, da auch weitere Schicksale, bspw. von Annis Kollegen und Ruths Freunden thematisiert werden und die Darstellung dadurch eine ziemliche Bandbreite und Weitläufigkeit erhält.

Wir folgen dem Schicksal von Ruth bis in die 1950er Jahre und es ist eine sehr wechselhafte und für meinen Geschmack zeitweilig zu aktionsreiche Geschichte, in der auch leider nicht alle Charaktere so eindringlich dargestellt werden, wie sie es verdient hätten und wie es die Autorin auch vermag. Dies hat man bspw. an der Figur von Annis Weggefährten Georgina/Norbert aus der Oper gesehen, einer überaus faszinierenden Persönlichkeit, aus meiner Sicht DEM Sympathieträger im Roman.

Etwas fürs Herz ist dieser Roman, denn es geht viel um Leidenschaften und Sehnsüchte, wobei aber die historischen Ereignisse an keiner Stelle außer Acht gelassen werden. Als faszinierend empfand ich die Einbindung zahlreicher wahrer Begebenheiten aus dem Frankfurt der 1930er und 1940er Jahre. Keine Frage, bei der Recherche hat Linda Winterberg ganze Arbeit geleistet und die Geschehenisse gelungen in ihre Geschichte eingearbeitet, wenn es auch an manchen Stellen einfach zu viele sind.

Dennoch ein überaus lesens- und empfehlenswerter Roman, den ich nicht aus der Hand legen konnte!

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160 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

toskana, liebe, italien, young adult, tagebuch

Love & Gelato

Jenna Evans Welch , Henriette Zeltner
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 12.06.2017
ISBN 9783959670913
Genre: Romane

Rezension:

ist es, das da aus Seattle kommend in der Toskana, die ihre neue Heimat werden soll, landet: Lina hat nach kurzer und schwerer Krankheit ihre Mutter verloren und soll nun bei ihrem Vater in Italien leben, von dem sie bis vor Kurzem noch überhaupt nichts wusste.

Und zunächst mag sie dort auch überhaupt nicht bleiben, ist ihr neuer Wohnort doch - gerade in ihrer aktuellen Situation - ein äußerst morbider: sie lebt auf einem amerikanischen Soldatenfriedhof, einer Gedenkstätte also. Außerdem ist ihre beste Freundin tausende von Kilometern entfernt, überhaupt alle Menschen, die sie kennt, auch ihre Großeltern.

Doch langsam freundet sie sich mit ihrer Umgebung an und lernt nicht nur ihren Vater zu schätzen, sondern auch das Umfeld - es zeigt sich, dass es sehr attraktive Jungs in der Toskana gibt, die auch gar nicht abgeneigt sind, mit Lina Zeit zu verbringen.

Wenn sie mal dazu kommt, denn sie ist an das Tagebuch ihrer Mutter aus deren Italienzeit gekommen und an deren Geschichte ist so einiges ziemlich fragwürdig. Allmählich tastet sich Lina vor, nicht ohne Hilfe der neuen Bekannten.

Ein schönes Jugendbuch, das auch sehr eindringlich die Stimmung in der Toskana spiegelt und nur gelegentlich zu sehr an der Oberfläche bleibt.

Sommerlektüre fürs Gemüt nicht nur für junge Italienurlauberinnen!

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31 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

okapi, westerwald, mariana leky, tod, dorf

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 18.07.2017
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Im kleinen Westerwälder Dorf kündigt sich der Tod auf ungewöhnliche Weise an: durch ein Okapi, das Selma, der Großmutter der Ich-Erzählerin Luise im Traum erscheint. Den tragischsten Todesfällen im Umfeld von Selma ging seit Jahrzehnten dieser Traum voraus und so ist auch Luises erste Erfahrung damit eine tragische, die ihr im Alter von zehn Jahren widerfährt und die ihr weiteres Leben - zumindest, so lange wir sie begleiten dürfen, prägen
wird.

Neben Selma, DER prägenden Gestalt in Luises Leben, lernen wir eine Reihe anderer Dorfbewohner kennen, die allesamt - jeder auf seine Weise - speziell sind - die Vorstellung vom knorrigen Westerwälder, die zumindest im Rheinland (ich bin Kölnerin) gang und gäbe ist, manifestiert sich hier in Gänze.

Neben Selma und dem jahrzehntelang unglücklich in sie verliebten Optiker sind dies Luises Eltern - die sie beide, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, nicht zu fassen bekommt, ihr gleichaltriger Freund Martin, der Einzelhändler, Elsbeth und Marlies, um nur mal ein paar Namen zu nennen. Jeder von ihnen wird von Autorin Marianna Leky in aller Kürze so eindringlich geschildert, dass man ihn gleich vor sich sieht, in einigen Fällen auch hört bzw. riecht.

Ein wunderbares Buch, in dessen Verlauf wir Luise von ihrer Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein begleiten und ihr tragikomisches Schicksal - nichts anderes wird hier geschildert - in verschiedenen Lebensabschnitten erleben dürfen. Wir begegnen Luise in ihrer Einsamkeit, aber auch in Zeiten der Liebe. Ja, die Liebe ist es, die im Westerwald - und nicht nur dort - nicht immer schwer zu finden, aber stets schwer zu halten ist! Und zwar in all ihren Formen. Mariana Leky findet wunderbare Worte, um die unterschiedlichen Stimmungen, die den Roman in Bezug auf dieses ganz besondere Gefühl durchdringen, darzustellen.

Ein Roman mit Sogwirkung, so zumindest habe ich es empfunden und sehe es in der Nähe eines frühen Irvings (vor allem von Hotel New Hampshire) oder auch von "Tango für einen Hund" von Sabrina Janesch. Überflüssig zu erwähnen, dass ich beide genannten Bücher ebenfalls sehr schätze und sie bereits oft empfohlen habe. Auch dem vorliegenden wird es so gehen: ich war von der Leseprobe gleich vollkommen ergriffen, auch wenn ich vor Jahren den Vorgängerroman "Die Herrenausstatterin" nur stellenweise genießen konnte. Falls es Ihnen genauso ergeht, zögern Sie trotzdem nicht: es könnte ja sein, dass Sie Luises Charme ebenso erliegen wie es bei mir der Fall war!

Dieser Roman bietet um einiges mehr, als das, "Was man von hier aus sehen kann". Luise zumindest und auch einige andere sind bereit zu wachsen und über den Tellerrand hinweg zu schauen - in vielerlei Hinsicht. Im kleinen Westerwälder Dorf und weit darüber hinaus!

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11 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

gesellschaftskritik, schwarze schafe, england

Der Sommer der schwarzen Schafe

Joanna Cannon , Astrid Finke
Fester Einband: 414 Seiten
Erschienen bei Limes, 09.05.2017
ISBN 9783809026693
Genre: Romane

Rezension:

England: eine Straße in einer Wohnsiedlung in einem heißen, heißen Sommer 1976. Der Asphalt kocht, der Klatsch auch. Aber letzteres ist bei jeder Witterung der Fall, wie sich im Laufe der Lektüre zeigt, als es nämlich zum zweiten - um einiges knapper gehaltenen - zweiten Erzählstrang geht, der im Jahre 1967 spielt und so einiges klar rückt. Warum niemand Walter Bishop mag, beispielsweise und einige andere Punkte.

Wobei dieser Mensch gar nicht die Hauptrolle spielt: nein, die nehmen zwei kleine Mädchen ein (zumindest 1976), nämlich Tilly und Grace, die sich langweilen und stets dankbar jede Anregung zur Unterhaltung annehmen - so aktuell die Suche nach der plötzlich verschwundenen Mrs. Creasy. Die Mädels ermitteln auf eigene Art und Weise - doch immer wieder führt die Geschichte weitab vom roten Faden, wodurch es mir oftmals schwerfiel, am Ball zu bleiben.

Faszinierend ist die Demaskierung gewisser gesellschaftlicher Gruppen und die damit verbundene Aufdeckung verschiedener Eigenschaften, die vielen von uns schlummern - fiesen, kleinen Eigenschaften wie bspw. Missgunst, Neid und Geltungssucht, die am Beispiel der Anwohner dieser so friedlichen kleinen englischen Vorstadtstraße dargestellt werden. Auch Vorurteile spielen eine große Rolle.

Doch findet sich wirklich das schwarze Schafe oder gleich mehrere davon. Dadurch, dass die Autorin Joanna Cannon irgendwie ständig vom Thema abkommt - ein bisschen kam ich mir während der Lektüre vor wie beim Kaffeeklatsch im Seniorenheim - bleibt ein wirkliches Aha-Erlebnis aus, jedenfalls bei mir.

Ja, tolle Ideen, vielversprechende Ansätze, aber die Zusammensetzung passt nicht so richtig. Ein Buch, das ich leider nicht so richtig empfehlen kann - vielleicht für England-Liebhaber, die schon (fast) alles andere gelesen haben!

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19 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

rassismus, new york, usa, 1920er jahre, jazz age

Marylin

Arthur Rundt , Primus-Heinz Kucher , Primus-Heinz Kucher
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Edition Atelier, 25.01.2017
ISBN 9783903005280
Genre: Klassiker

Rezension:

Philipp liebt Marylin - vielmehr ist er von ihr fasziniert, denn er kennt sie eigentlich nicht - er beobachtet sie nur täglich im Zug auf dem Weg zur Arbeit und geht weiter, in dem er ihr folgt, sie beobachtet. Es wird für ihn zur Leidenschaft, stalken würde man das heutzutage nennen, doch Arthur Rundt, geboren 1881 in Kattowitz, lange Zeit als Journalist in Wien tätig, schrieb diesen Roman bereits 1928.

Irgendwann ist es so weit und Philipp wagt eine Ansprache - Marylin ist immer noch nicht überzeugt, doch er folgt ihr bei ihren Umzügen quer durch die Staaten und irgendwann hat er sie weichgeklopft.

Sie heiraten und Marylin ist schwanger - Philipp überglücklich. Und dann, das Kind ist da: eine abrupter Abbruch der Beziehung? Kurz und lakonisch, dabei überaus eindringlich schildert Arthur Rundt die Begebenheiten, Entwicklungen und Einflüsse, denen sich die Protagonisten stellen müssen - gewissermaßen war die Situation unausweichlich. Oder doch nicht?

Ein wahrhaft ungewöhnliches Buch aus einer anderen Zeit - mutig und offen! Wie sehr sowohl Gender- als auch Rassenprobleme aber in die Gegenwart reichen, nehme ich mehr und mehr mit Schrecken wahr. Umso eindringlicher ertönen da die klaren Worte, die Arthur Rundt in seinem bereits 1928 geschriebenen kurzen Roman zu diesem Thema fand. Ein - zumindest, was dieses Buch betrifft - sehr frauenfreundlicher Schriftsteller, auch in den 1970er Jahren hätten Alice Schwarzer und die ihren ihn sicher für seine Chuzpe bewundert - ich tue es heute noch.

Es war nicht leicht für mich, das Buch zu lesen, doch umso länger wird es in mir nachhallen! Ein Roman für Leser, die den Mut haben, Zeitzeugen zu Worte kommen zu lassen - und ihnen wirklich zuzuhören!

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62 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

humor, krimi, tatjana kruse, mord, pension

Der Gärtner war's nicht!

Tatjana Kruse
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.04.2017
ISBN 9783458362654
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

nämlich Ü60, sind die Heldinnen der neuen Reihe von Tatjana Kruse: die Journalistin Konny und Krimhild, Witwe des Kommodore (nach der Lektüre wissen Sie Genaueres über ihn). Und wer die Autorin kennt, der weiß, dass sie sogenannte Cosy-Krimis schreibt, Krimis der eher beschaulichen Art. Trotzdem sollte man beim Lesen aufpassen, nämlich vor allem darauf, dass man vor Lachen nicht vom Sofa rutscht, an Originalität und Humor ist die Autorin nämlich nicht zu übertreffen. Nach dem schwäbischen, auch schon in Rente befindlichen Kommissar Siggi Seifferheld und der zwar noch mit beiden Beinen im Berufsleben stehenden, aber nicht mehr superjungen Opernsängerin Pauline Miller nun also zweieiige Zwillingsschwestern, die in einem geerbten Haus eine Pension eingerichtet haben, die nun, nach gut einem Jahr, zum ersten Mal ausgebucht ist.

Vor allem mit Mitgliedern einer Rockband, aber dazu noch mit weiteren Herren ganz spezieller Couleur - und dann hält auch noch der Tod - und zwar in durchaus brutaler Weise - Einzug. Da sind Konny, Krimhild und nicht zuletzt ihr Faktotum Herr Hirsch, ein vom Leben gebeutelter ehemaliger Bankangestellter, gefordert! Oder war es am Ende einer von ihnen. Denn jeder Hausbewohner - aber wirklich jeder - hatte einen Grund bzw. eine Option (wenn auch längst nicht alle gleich stichhaltig waren), diesen Mord zu begehen.

Dazwischen passiert eine Menge Verwirrendes, vor allem jedoch Unterhaltsames und wie nicht anders von Tatjana Kruse gewöhnt, wird jeder, aber auch wirklich jeder Erzählstrang aufgedröselt und zwar ganz besonders genüsslich!

Wieder ein toller, unterhaltsamer Krimi mit jeder Menge Alleinstellungsmerkmalen, wie wir es von Tatjana nicht anders kennen. Konny, Krimhild und Herr Hirsch sind einfach nicht zu toppen! Ich bin wieder begeistert und freue mich auf ihr nächstes Abenteuer, wen auch immer es diesmal treffen wird. Obwohl schon im besten Alter, wünsche ich den Dreien noch ein mehr als langes Leben - in zahlreichen Bänden dieser neuen, wunderbaren Serie!

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Glitzer, Glamour, Wasserleiche: Ein rabenschwarzer Pauline-Miller-Krimi

Tatjana Kruse
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 28.06.2016
ISBN 9783709937471
Genre: Sonstiges

Rezension:

Pauline im Sommerspektakel: diesmal hat es sie - nach Salzburg - nach Bregenz verschlagen, wo sie bei den Sommerfestspielen auf der Bühne stehen soll - selbstverständlich als Primadonna in der Hauptrolle. Puccinis "Turandot" wird heuer gegeben und wieder trifft Pauline auf liebe und weniger liebe Kollegen aus der ganzen Welt, wobei ihr diesmal die Hauptrolle von der Soubrette gehörig geneidet wird.

Doch hat das etwas zu tun mit den Hunden, die in Bregenz verschwinden? Oder gar mit der Leiche, die aus den Tiefen des Bodensees auftaucht? Sie werden es im Laufe der Lektüre dieses absolut grandiosen, mondänen und tollkühnen, also in bester Opernqualität verfassten Krimis erfahren. Nur eines soll schon verraten werden: Pauline ist wieder mittendrin im Geschehen und betritt divengleich jede ihr sich bietende Bühne. Noch zuverlässiger tritt sie jedoch in jedes ihres sich bietende Fettnäpfchen, was den Krimi zu einem humorvollen Spektakel werden lässt.

Wieder ein toller, unterhaltsamer Krimi mit jeder Menge Alleinstellungsmerkmalen, wie wir es von Tatjana nicht anders kennen. Pauline und ihre unverwechselbare Entourage sind einfach nicht zu toppen! Ich bin wieder begeistert und freue mich auf Paulines nächstes Abenteuer, wo auch immer es sie - und uns - hin verschlagen wird! Ich hoffe, wieder vor eine eindrucksvolle Operkulisse - Verona wäre als sommerliches Spektakel noch eine Option!

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46 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

speyer, maybach, münchen, zweiter weltkrieg

Die Stunde unserer Mütter

Katja Maybach
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2017
ISBN 9783426516072
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eine dramatische und bewegende Familiengeschichte schildert die Autorin Katja Maybach in ihrem Roman "Die Stunde unserer Mütter" und taucht dabei tief ein in die Geschichte des nationalsozialistischen Regimes - hier geht es um die letzten Jahren, also die Zeit des zweiten Weltkriegs. Thematisiert wird aber nicht das Leben an der Front, sondern das der Daheimgebliebenen, also der Frauen sowie der Eltern der Soldaten. Hier geht es um Maria, wohnhaft in einer bayrischen Kleinstadt, die von ihrem Bruder Philipp gebeten wird, seine englische Frau Vivien und ihre Tochter Antonia bei sich aufzunehmen, da er in der gemeinsamen Wohnung Juden unterbringen und somit vor der Deportation schützen will. Auch Maria, deren Mann Werner an der Front ist, hat eine Tochter im Teenageralter und so geht es hier um Mütter und um Töchter und auch um die Generation davor, nämlich um die Eltern von Maria und Philipp, wohnhaft in der Pfalz.

Ein Konzept, das nicht neu ist bei Katja Maybach, doch der historische und auch dramatische Kontext ist wie jedesmal vollkommen unterschiedlich zu den Gegebenheiten der vorherigen Romane und  wird wie immer eindringlich geschildert.Wie immer jedoch bei Katja Maybach - und das mag ich ganz besonders gern - sind es die Frauen, denen eine ganz besondere Rolle und Relevanz zukommt.

Diesmal erlebt der Leser die letzten Jahre des Nationalsozialismus fern von der Front sehr realitätsnah und authentisch, zudem hat Katja Maybach wie immer sorgfältig recherchiert und mitreißend geschrieben. Eine Autorin, auf die man sich verlassen kann, sowohl hinsichtlich der historischen Einbettung als auch der Erzählkunst, die so gekonnt ist, dass es schwer ist, die Lektüre vor dem eigentlichen Ende zu unterbrechen. In diesem Roman hat mich ganz besonders die Einbindung des eigenen Familienschicksals der Autorin bewegt - sie hat nämlich Briefe ihres Vaters von der Front und auch andere Elemente aus ihrer eigenen Vergangenheit - bzw. der ihrer Familie - in die Handlung eingebunden.

Was ich noch an den Romanen von Katja Maybach schätze: ihre Protagonisten sind keineswegs durchgehend Sympathieträger. Im vorliegenden Buch fiel es mir bis zum Schluss schwer, Verständnis für einige Handlungen ganz besonders der beiden Töchter Antonia und Anna zu entwickeln, was aber meiner Lesebegeisterung keinen Abbruch tat. Was man auch von Katja Maybach kennt: sie steht nicht unbedingt für ein überraschendes Ende. So ist auch diesmal wieder die Entwicklung in groben Zügen vorauszusehen. Doch auch das stört kein bisschen!


Alles in allem macht dieses Buch große Lust auf weitere Roman von Katja Maybach, soweit man die noch nicht alle verschlungen hat. Der vorliegende ist wärmstens zu empfehlen für jeden, der gerne einen gelungenen, in die Zeit des 2. Weltkriegs spielenden Roman liest und es liebt, sich von der Geschichte entführen zu lassen, darin zu schwelgen. Ein Buch, das eher die weibliche Leserschaft adressiert, doch aufgrund der atmosphärischen Schilderung und der vorzüglichen Rechercheleistung auch dem ein oder anderen historisch interessierten Herren - sofern er einer süffigen Erzählweise mit romantischen Elementen nicht abgeneigt ist - eine interessante Lektüre bescheren könnte

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

liebe, israel, vergangenheit, meschugge, claudia s. c. schwartz

Meschugge sind wir beide

Claudia S. C. Schwartz
Geheftet: 256 Seiten
Erschienen bei Eden Books, 09.06.2017
ISBN 9783959100755
Genre: Biografien

Rezension:

Haben Sie schon mal ein unerwartetes Geschenk erhalten? Eines, das vollkommen aus heiterem Himmel kam, das Sie nie erwartet hätten und das sie umso mehr bewegte? Mir passiert das öfter: sei es, weil ich die richtigen Menschen um mich schare (wenige, aber ganz besondere), sei es, weil ich die Dinge anders wahrnehme als manch anderer - ich denke mal, es ist von beidem ein bisschen!

Mein neuestes Geschenk hat mir eine mir bis dahin unbekannte Person gemacht, die Schauspielerin Claudia Schwartz, die ihre Liebesgeschichte mit dem israelischen Musiker Shaul und zugleich eine Geschichte ihrer beiden Familien aufgeschrieben hat. Vollkommen unbekannter, normaler Familien also? Das Erstere stimmt, das zweite aber nicht und zwar im allerbesten Sinne nicht!

Denn die Geschichte von der Berlinerin Claudia, die eigentlich aus Schwaben stammt und dem Israeli Shaul liegt in ihrer Herkunft, ihrer Abstammung begründet: das wird deutlich aus den Schilderungen der Autorin. Und sie erzählt ganz schön viel, mutig gibt sie die beiden Lebensgeschichten - die ihres Mannes und ihre eigene preis und zwar weit über die eigene Generation hinaus.

Chuzpe: das ist eines der wenigen jiddischen Worte, die ich kenne (hat aber seine Wurzeln im Hebräischen und damit in der Muttersprache von Shaul) und es passt sowohl auf Claudia als auch auf Shaul und vor allem auf dieses Buch! Denn diese deutsch-israelische Liebesgeschichte polarisiert ungemein und zwar nicht nur in der eigenen Familie - dort noch am allerwenigsten, würde ich sagen - sondern im Freundeskreis und noch mehr unter entfernteren Bekannten und ganz Fremden. Die meinen, immer ihren Senf hinzugeben zu müssen, was sie selbst von einer solchen Verbindung halten, statt Claudia und Shaul ganz in Ruhe vor sich hin leben zu lassen!

Denn Toleranz bringt häufig nur das junge Paar selbst auf: und zwar in Bezug auf Grenzüberschreitungen, denen sie sich ständig stellen müssen! Und sie haben diesen Wert über Generationen hinweg von ihren Familien vermittelt bekommen, das lernen wir auch im Verlauf des Buches! Wir erfahren hier Zusammenhalt, Standfestigkeit und vor allem ganz viel Liebe! Ich jedenfalls werde dieses besondere Geschenk der Geschichte von Shaul und Claudia ganz fest in mein Herz einschließen und nicht so schnell vergessen. Und wenn Sie Angst haben, es wird zu rührselig: keine Sorge, Claudia schreibt einfach großartig und lässt jede Menge Humor mit einfließen (den der trockenen Art). Aber auch so war ich immer wieder gerührt, das liegt einfach in der Botschaft begründet, die dieses Buch vermittelt - lebt und liebt Euer eigenes Leben und macht das Beste draus.

Ein Buch für jedermann und jederfrau!

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57 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 19 Rezensionen

thriller, dolomiten, krimi, südtirol, debüt

Der Tod so kalt

Luca D'Andrea , Verena Koskull
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei DVA, 06.03.2017
ISBN 9783421047595
Genre: Krimi und Thriller

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

serienmörder, lone theils, verschwundene mädchen, krimi, journalismu

Die Mädchen von der Englandfähre

Lone Theils , Ursel Allenstein
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 19.05.2017
ISBN 9783499272530
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Alte Fotos - alte Geschichten: so ist es oft, aber meist weiß man wenigstens genau, um was es geht, handelt es sich doch um die eigene Vergangenheit oder zumindest die nahestehender Personen. Warum sonst sollte man diese Erinnungstücke aufbewahren? Der dänischen Journalistin Nora Sand, zur Zeit in London ansässig, passiert aber etwas ganz anderes: sie ersteht bei einem Trödler einen alten Koffer und entdeckt darin Fotos, die ihr aus irgendeinem Grund bekannt vorkommen. Bald ist es klar: es sind die beiden dänischen Mädchen, die auf einer Fähre von Dänemark nach England verschwanden und nie mehr gesehen wurden! Jahrzehnte ist das her und die Mädchen waren arme Kreaturen, die aus ihren Familien herausgenommen worden waren bzw. keine mehr hatten. Kein besonders heimeliges Umfeld also, in dem Nora - eigentlich ist sie Kriegsjournalistin nun recherchiert und auf eine Spur nach der anderen stößt, von denen viele jedoch im Sande verlaufen.

Nora Sand will eines nicht: ihrem Namen alle Ehre machen und ihre Nachforschungen im Sande verlaufen lassen und bleibt daher am Ball - und gerät dadurch mehr und mehr in ein Fadenkreuz - möglicherweise in das eines Mörders? Denn der Hauptverdächtige ist ein Serienmörder, der seit Jahren in Haft ist und Nora gelingt es, zu ihm vorzudringen. Er scheint einiges zu wissen - oder tut er nur so?

Nora will den Fall lösen, wird gleichzeitig aber auch im privaten Bereich auf eine - bzw. gleich mehrere - harte Proben gestellt. Bis es dann zum Showdown kommt, das seinem Namen alle Ehre macht, aus meiner Sicht jedoch nicht so recht zu dem Buch passt und zudem eine ganze Reihe unlogischer Entwicklungen beinhaltet.

Mein Fazit: vielversprechende und interessante Ansätze, die jedoch nicht in Gänze ausgereizt werden konnten. Hier ist noch ordentlich Luft nach oben. Dennoch, ich will wissen, wie es weiter geht bei Nora Sand und freue mich schon jetzt auf ihren nächsten Fall!

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39 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

dänemark, 2. weltkrieg, gegenwar, die fliederinse, lott

Die Fliederinsel

Sylvia Lott
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 15.05.2017
ISBN 9783734103353
Genre: Romane

Rezension:

und der hell- und dunkellilane und rosafarbene auch, dann malt Ruth ihre schönsten Bilder! Und das in einer mehr als dunklen Zeit, denn Ruth und ihr Mann Jakob sind Juden und befinden sich im Exil auf der dänischen Insel Fünen, wo es ihnen ganz gut geht, bis, ja bis der Deutsche (ein nicht ganz so klangvoller Ausdruck wie "Der Russe") auch hier vor der Tür steht, denn es ist der nationalsozialistischen Regierung gelungen, auch diesen Land zu besetzen. Inzwischen Eltern geworden, ist es nun für Ruth und Jakob doppelt schwierig geworden, die richtige Entscheidung zu treffen.



Ein Buch, das für mich in zwei Teile zerfällt. Insgesamt ist es über fünfhundert Seiten lang und der erste Teil könnte gut um die Hälfte gekürzt werden, so langatmig und verschlungen kommen die Schilderungen daher, so behäbig sind die Entwicklungen. Die dargestellten Fakten jedoch wie auch den Kern der Geschichte empfand ich aber als sehr fesselnd und hatte so keine Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, was mir nach gut der Hälfte des Buches auch eine unerwartete Belohnung einbrachte. Dieser zweite Teil ist nämlich der, wo die Autorin Sylvia Lott ihr wahres Können zeigt und auch wenn hier - in merkwürdigem Kontrast zu Teil 1 - einige Erzählstränge einfach versanden, die es durchaus wert gewesen wären, weiter verfolgt zu werden - dieses Buch zu einem wirklich inhaltsreichen Roman werden lässt.



Nicht nur zeigt sie die unterschiedliche Entwicklungen von Menschen in Extremsituationen ausgesprochen einfühlsam und tiefgründig auf, nein, es wird auch deutlich, wie solche Schicksalsjahre wie diejenigen des Zweiten Weltkrieges einen Jeden geprägt und auf seine Art verändert haben: am Ende hat ein jeder, auch diejenigen, die noch Säuglinge waren, sein Päckchen zu tragen und darüber hinaus auch die nachgeborenen Generationen: ein Umstand, den ich aus vollem Herzen bestätigen kann! Nicht zuletzt erfährt man eine ganze Menge über die Situation in Dänemark in den Jahren des Zweiten Weltkriegs - und hier hatte zumindest ich noch eine ganze Menge Nachholbedarf.



Ein Buch, das ich im Nachhinein von ganzem Herzen empfehlen kann, zumindest denjenigen, die bereit sind, mehr als 250 Seiten geduldig zu erlesen - hier wiederholt sich doch so einiges, vieles wird auch sehr ausgeweitet. Aber wie gesagt, es lohnt sich durchaus! Am Ende blicken Sie zurück auf einen sehr ungewöhnlichen Roman über die Jahre vor und während des Zweiten Weltkriegs und erfahren auch über das "Danach" so einiges. Auch wenn manches bereits früh abzusehen ist, ist die Entwicklung doch eine klare und schlüssige. Ein Roman auch für den Strandkorb auf Bornholm oder Fünen, den Ort des Geschehens, zumindest für Leser, die sich nicht nur berieseln lassen wollen!

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31 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

london, familie, mut, au-pair, aufbruch

Die Liebe zum Regen

Claire Hoffmann
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diana, 27.03.2017
ISBN 9783453291928
Genre: Romane

Rezension:

zumindest auf Zeit, das hat Vera im Sinn, als sie kurzerhand ein Angebot, als AuPair nach London zu gehen, annimmt. Und dabei ist sie schon Ende 50, zwar noch nicht im Oma-Alter, aber durchaus schon als reiferer Semester zu bezeichnen. So kommt ihr diese Offerte gerade recht. Sie kann für eine gewisse Zeit aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen, Abstand von ihrem langjährigen Ehemann Gernot nehmen und das hat sie auch bitter nötig - zu viel Verwirrendes ist zuletzt passiert, sie muss einfach mal weg.

Und "weg", das heißt: hinein in ein neues Leben, in eines mit drei Mädchen und das, wo sie doch nie Mutter war! Jetzt hat sie eine im Teenageralter, eine darunter und dazu die kleine, quicklebendige Zoe, die noch nicht einmal zur Schule geht.

Ganz schön schwer, mit der neuen Situation klarzukommen, zumal sich der Vater der drei britischen Girls, Mr. Hastings, mehr als zurück hält. Überhaupt verhält sich die Familie ziemlich eigenartig, die Mutter scheint komplett verschwunden zu sein. Was ist also los und wird Vera mit der Situation zurechtkommen?

Ein ziemlich schräges, manchmal (zu) weit hergeholtes, in weiten Teilen aber sehr warmherziges und auch witziges Werk über Zusammenhalt, Einsamkeit, Verlorenheit, Zugehörigkeit und noch vieles andere!

Vera ist eigentlich eher der norddeutsche Typ und sieht alles - aus ihrer Sicht wird erzählt, ein bisschen reduziert, hat aber Humor und das Herz durchaus auf dem richtigen Fleck. Wenn sie sich denn einmal gefunden hat, denn auch sie ist verloren.

Mir hat die eher sparsame Erzählweise bis auf ein paar Passagen durchaus zugesagt, mir gefällt es auch, eine ältere Dame als AuPair werkeln zu sehen. Dabei kommt es durchaus zu der ein oder anderen überraschenden Situation wie auch zu manch gutem Spruch wie bspw.den, dass Vera ihre Ehe irgendwann mal wie ein Joghurt vorkommt, bei dem sich der Deckel bedrohlich wölbt - irgendwie abgelaufen (S. 273). Ob sie sich aber trennt, oder ob sich dieses Zitat auf frühere Zeiten bezieht, dass müssen Sie sich schon selbst erlesen! Ich finde, dieser Ausflug nach London lohnt sich durchaus und ist als Urlaubsbegleiter bestens geeignet - ob es nun nach London oder auch in wärmere Gefilde geht, das Herz des Lesers wird er auf jeden Fall erwärmen!

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

thriller, the girl before, london, haus, psycho

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.

JP Delaney , Karin Dufner , Petra Schmidt-Schaller , Anneke Kim Sarnau
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Der Hörverlag, 25.04.2017
ISBN 9783844526134
Genre: Krimi und Thriller

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75 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

türkei, deutschland, gewalt, berlin, roman

Ellbogen

Fatma Aydemir
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 30.01.2017
ISBN 9783446254411
Genre: Romane

Rezension:

Hazal lebt in Berlin mit ihrer ganzen Familie, schon von Geburt an. Aber sie ist Türkin, wenn auch ihr Deutsch um einiges besser ist als ihr Türkisch. In ihrer Kindheit war sie alle zwei Jahre im Sommerurlaub in Bursa, eigentlich ist das alles, was sie von der Heimat ihrer Eltern kennt. In Deutschland gilt sie... nun, sie weiß selbst nicht so recht, als was, jedenfalls nicht als Deutsche. Es ist für sie schwer, ihren Platz in der Gesellschaft und mehr noch im Leben als solchem zu finden.

Zu Hause ist sie die brave Tochter, außerhalb raucht sie Joints, gibt auch mal Kontra und weiß nicht so recht, wohin mit sich. Zumal sie auch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat bisher. Jetzt wird sie achtzehn und will es mal richtig krachen lassen - im Kreise ihrer Freundinnen.

Doch dann passiert etwas und schwuppdich, ist Hazal in Istanbul, in Istanbul, das sie überhaupt nicht kennt außer von kurzem Eindruck aus dem Fenster des Busses, der sie nach Bursa bringt. Seien wir ehrlich - Hazal muss jetzt fliehen: vor der Justiz, davor, endgültig aus Deutschland ausgewiesen zu werden (ja, das geht, obwohl sie dort geboren wurde) - aber am meisten, am allerallermeisten flieht sie vor sich selbst. Vor dem, was aus ihr geworden ist, was sie nie sein sollte und vor allem - vor dem, was aus ihr noch zu werden droht. Ja, Hazal ist hart und wie ich es erwartet habe, ist sie es auch wieder nicht. So soll es sein, aber ich empfinde dieses Dilemma und den Weg, den sie damit geht, nicht als so eindringlich geschildert, wie ich es mir erhofft hätte.

Denn Hazal kennt sich selbst nicht und eigentlich hatte sie auch nie die Chance, sich kennenzulernen. Das alles fand ich - auch als Angehörige einer anderen Nationalität in Deutschland aufgewachsen - eindrucksvoll und stimmig. Dennoch: es geht mir hier zu extrem zu in alle Richtungen. Klar, die Verlorenheit der jungen Generation kommt hier durchaus zum Ausdruck, aber irgendwie fehlt es der Schilderung aus meiner Sicht ein bisschen an Kraft - das, was sie für immer in mein Herz einbrennen würde, das fehlt. Genau das erwarte ich aber von einem Buch zu einem solchen Thema, es soll lodern, krachen, explodieren. In gewisser Hinsicht tut es das auch im zweiten Teil, der in Istanbul spielt, aber nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Um mit Autorinnen wie Elif Shafak mithalten zu können, braucht es hier noch ein wenig mehr - finde ich jedenfalls.

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14 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

generation praktikum, identität, freundschaft, sommerferien, debüt

Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

Kristina Pfister
Fester Einband: 253 Seiten
Erschienen bei Tropen, 11.02.2017
ISBN 9783608501599
Genre: Romane

Rezension:

oder aber vielleicht beides: das sind die - fraglos nicht gerade starken Motivationen, die Abiturientin Annika durchs Leben führen. Wobei: Abiturientin ist sie schon seit einigen Jahren und seitdem? Nun, seitdem jobbt sie sich durch diverse Praktika, lässt sich treiben.

"Machen lassen" ist sowieso die passende Bezeichnung, denn von allein macht Annika nix. Ihre neueste Freundin Marie-Louise hat sie durch den gegenseitigen Blick durchs Fenster in die Unterkünfte kennengelernt - Annika hat Marie-Louise beim Langeweilen, Marie-Louise Annika beim Rumhängen zugesehen. Bis sie schließlich mal rüberkam. Umgekehrt wäre das nie passiert.

Ich bin schon ein paar Jahre älter, gehöre den geburtenstarken Jahrgängen an, die sich ganz schön auf die Hinterbeine stellen mussten, um ein Praktikum, geschweige denn einen Job zu bekommen. Annikas Rumhängerei, die gottseidank nur teilweise für ihre Generation, die, wie ich gelernt habe, auch Generation Praktikum genannt wird, ist mir fremd.

In der Hinsicht war es interessant, sich über dieses Buch mit dem Geist der Zeit, der ein überaus passiver ist, vertraut zu machen. Wobei: irgend etwas passiert im Laufe der Handlung mit Annika, aber ob das gut ist? Sie entfremdet sich immer mehr ihrem vertrauten Umfeld, orientiert sich neu, aber das passiert so saft- und kraftlos, dass ich mich trotz des durchaus ansprechenden  und nicht unoriginellen Stils der Autorin Kristina Pfister zeitweise schwer damit tat, am Ball zu bleiben.

Denn: Eloquent ist sie ja, die Generation Praktikum, die gleichzeitig die Generation Facebook, Handy, What's app und was weiß ich noch alles ist. Sie kommuniziert eben (auch) schreibend. Diese Aussage von Marie-Louise bspw. ist aus meiner Sicht signifikant für die Atmosphäre, die so im Buch herrscht und die mich insgesamt befremdet: "...man muss aufpassen, dass freihändig Fahrrad fahren nicht das einzige Abenteuer bleibt, das man je erlebt hat."

Annika wünsche ich nach der Lektüre dieses Buches, das genau so endet, wie es anfängt, plätschernd eben, ein bisschen mehr Leben. Abenteuer - das wäre etwas zu ambitioniert!

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181 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 74 Rezensionen

münchen, familiengeschichte, geschichte, starke frauen, judenverfolgung

Das Haus der schönen Dinge

Heidi Rehn
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426519370
Genre: Historische Romane

Rezension:

nämlich das fiktive "Hirschvogl" und seine Eigentümer, die gleichnamige jüdische Familie, stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Romans und zwar gleich über mehrere Generationen hinweg. Wir erleben das Auf der späten Kaiserzeit, in die auch das erste Ab fällt, dann geht es noch ein paar Mal im Achterbahnmodus rauf und runter, bis - man kann es sich leider ganz klar vorstellen - in der Zeit des Dritten Reiches - sich das Schicksal der Familie und das des Kaufhauses endgültig voneinander trennen.

Gut, das Hirschvogl gab es nicht, aber Hertie und Ludwig Beck, die in diesem Roman auch Erwähnung finden und es ist unglaublich spannend, diese fiktive, aber absolut realistische Darstellung in literarischer Form zu verfolgen. Zumal alle Charaktere so plastisch sind, als würde mal einen Film sehen.

Eine absolute Stärke der Autorin: die Figuren sind allesamt eindringlich gezeichnet, man sieht sie quasi vor sich, jede davon hinterlässt ihre ganz eigene Duftmarke. Dabei sind längst nicht alle sympathisch, auch die Protagonistin Lily, vor allem jedoch ihre arischen Freunde,  sind  aus meiner Sicht nicht  oder zumindest nicht durchgängig  Sympathieträger. Doch das macht nichts bzw. macht gerade dies den Reiz des Buches aus, verkörpern sie doch Eigenschaften, durch die man als Leser die jeweils beschriebene Epoche sehr intensiv vermittelt bekommt. Das wird unterstützt durch die vielen liebevollen Details die auf sorgfältigste Recherchen schließen lassen.

Es ist in jeder Hinsicht ein gewichtiges Buch, eines, das sehr viele Informationen beinhaltet, sehr viele Erzählstränge ineinander verwebt. So ist es nur allzu gut nachzuvollziehen, dass einige wenige davon nicht ganz "aufgedröselt" werden. Trotzdem ist das ein bisschen traurig, denn man kommt den Figuren sehr nahe und das macht neugierig auf die Hintergründe. Im Vergleich zu den Vorgängerromanen "Spiel der Hoffnung" und "Tanz des Vergessens" hat es mich diesmal durchaus ein wenig gestört, denn es waren beileibe nicht nur die ganz nebensächlichen Figuren, deren Schicksal sich verlor oder auch nur angedeutet wurde.

Also nicht ganz so spitze wie meine bisherige Lektüre aus der Feder von Heidi Rehn, dennoch hat es sich unbedingt gelohnt, denn neben einer packenden Geschichte gibt es noch zeitgeschichtliche Fakten - diesmal gleich aus mehreren wichtigen  Epochen der deutschen Geschichte - rund 60 Jahre werden hier abgedeckt. Zu keiner Zeit war es langweilig, im Gegenteil: sowas wie Längen gibt es bei Heidi Rehn nicht und das trotz der über 600 Seiten! Also ein Schmöker im besten Sinne, den man auch gut am Strand oder im Zug lesen kann. Aber vorher die Wertsachen gut sichern, denn zu leicht kann es passieren, dass man alles um sich herum vergisst!

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

gott, enttäuschungen, schöne bildhafte vergleiche, intuition, spiritualität

Der Schattendoktor

Adrian Plass , Christian Rendel
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 22.03.2017
ISBN 9783865069306
Genre: Sachbücher

Rezension:

Nach dem Tod seiner geliebten Großmutter, mit der er sein ganzes Leben sehr eng verbunden war, wird Jack ein ganz besonderes Erbe zuteil: nämlich ein Brief, in dem die Großmutter ihm ein wichtiges Ereignis aus ihren letzten Lebensjahren offenbart und einen Menschen, der damit in enger Verbindung stand, der ihr über so manchen schweren Moment hinweghalf - nämlich den Doc. Als Jack auf ihre Empfehlung hin mit ihm Kontakt aufnimmt, passiert etwas Überraschendes: der ihm völlig fremde Mann lädt ihn zu sich ein und zwar gleich auf ein Wochenende.

Dort geschieht noch mehr Verwirrendes - Doc fordert Jack zu einer Zusammenarbeit und damit zu einem gemeinsamen Leben auf, ohne genauer zu erläutern, wie sich selbiges gestalten würde.

Der noch recht junge Jack, für den der Glauben in seinem Leben immer eine recht große Rolle spielte, nimmt die Herausforderung an - zunächst auf Probe und sieht sich alsbald in ausführlichen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Menschen konfrontiert, denen eines gemein ist: sie haben Sorgen, oft große, aus ihrer Sicht unüberwindbare.

Und was tut der Doc? Nun, lesen sie selbst, sie werden erstaunt sein! Vielleicht auch irritiert wie ich. Soll dieses Buch uns auf einen neuen Weg des Glaubens führen? Könnte sein, doch nach reiflichem Überlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es uns einladen will, frei zu sein in unserem Glauben, frei und offen für Neues, ohne uns statischen Verpflichtungen wie etwa einem regelmäßigen Gebet zu beugen. Wohlgemerkt, dies ist meine Interpretation aus einem Gefühl höchster Verwirrung hinaus! Lassen Sie sich also von mir nicht auch noch irritieren und entscheiden Sie ganz gelassen, ob dieses Buch etwas für sie ein könnte.

Was dafür spricht: es ist kurz, nämlich nur etwas über 200 Seiten in großer Schrift. Was dagegen spricht: Sie könnten sich ziemlich ärgern, vor allem dann, wenn Sie es nicht mögen, dass jemand vage bleibt, sich in Andeutungen ergeht, nicht auf den Punkt kommt. So ging es mir jedenfalls, auf der anderen Seite jedoch genoss ich einige originelle Wendungen durchaus, auch der Grundgedanke - wenn ich ihn denn richtig gedeutet habe - war mir nicht unsympathisch. Dennoch - ich würde mal sagen, Adrian Plass ist eher nicht mein Mann, wenn es um den Genuss christlicher Romane geht, dafür war mein Start (dies war mein erster Roman des Autors) einfach zu holprig!

 

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144 Bibliotheken, 9 Leser, 2 Gruppen, 68 Rezensionen

thriller, rainer löffler, martin abel, brutal, gummersbach

Der Näher

Rainer Löffler
Flexibler Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.04.2017
ISBN 9783404174546
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

geht es hier zu in diesem saftigen Thriller, zu dem man nur greifen sollte, wenn man bereit ist, sich einer Brutalität sondergleichen auszusetzen und die deutsche Antwort auf Cody McFadyen und seinesgleichen kennenzulernen.

Martin Abel, Fallanalytiker des Stuttgarter LKA, verschlägt es mal wieder in den Kölner Raum, diesmal nach Gummersbach im Herzen des Bergischen Landes, wo es provinziell, aber dennoch unglaublich hart zugeht. Hier sind mehrere Frauen verschwunden und beim Fund der ersten Leiche wird deutlich, dass diese auf eine unglaubliche und mehr als unmenschliche Art zu Tode gekommen ist. Zudem sind alle Frauen zum Zeitpunkt ihres Abhandenkommens schwanger. Zwei davon sind erst vor recht kurzer Zeit verschwunden - ist da noch etwas zu machen. Martin Abel stößt auf überaus unkooperative Beamte bei der Gummersbacher Polizei - wird er diesen Fall, bzw. diese Fälle dennoch lösen können?

Eigentlich hat er aufgrund privater Probleme bzw. einfach bevorstehender Entscheidungen keinen Kopf dafür, aber Abel wäre nicht Abel, wenn er sich nicht in diese Materie verbeißen würde wie ein besonders hartnäckiges Nagetier. Koste es, was es wolle - und sei es seine Beziehung zur schönen Kollegin Hannah.

Harte und härteste Kost ist es, die Rainer Löffler seinen Lesern hier bietet - ich hatte von diesem Autor vor einigen Jahren bereits "Blutsommer" gelesen und fand das Buch zwar ebenfalls hart, für meine Begriffe aber dennoch im Rahmen des Erträglichen - und zudem sehr süffig und packend zu lesen.

Diesmal fällt mein Urteil etwas anders aus - Löffler überschreitet diese Grenzen definitiv und das wirkt sich zwar zugunsten der Spannung aus, geht aber definitiv auf Kosten von Stil und Struktur. Fans blutiger und blutigster Thriller, ja, auch Liebhaber von Horror-Literatur, zu denen ich mich ganz klar nicht zähle, werden hier sicher auf ihre Kosten kommen. Nur diesen empfehle ich den Band - und zwar aus vollem Herzen!

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20 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

shakespeare, der sturm, roman, margaret atwood, literatur

Hexensaat: Roman

Margaret Atwood
E-Buch Text: 320 Seiten
Erschienen bei Albrecht Knaus Verlag, 17.04.2017
ISBN 9783641161439
Genre: Sonstiges

Rezension:

Theaterdirektor Felix, Leiter des arrivierten Theaterfestivals am Makeshiweg, ist außer sich! Nach Jahren erfolgreicher Arbeit wurde ihm durch seinen Mitarbeiter Tony, der als eine Art Manager fungiert und dem er voll vertraut, ja, den er selbst in Amt und Würden gebracht hat, seine Stellung untergraben, auf die heimtückischste und perfideste Art, die er sich überhaupt vorstellen kann. Beziehungsweise gerade nicht, denn dann hätte er das Unglück ja kommen sehen. Nein, nachdem er Frau und Tochter auf tragischste Weise kurz nacheinander verloren hat, war er außer sich und konnte nur weiterleben, indem er sich auf die Arbeit konzentrierte, seine Position für etwas wirklich Gewaltiges nutzte: DIE Inszenierung von Shakespeares "Sturm".

Und dies wurde nun ausgerechnet durch seinen einzigen Vertrauten zunichte gemacht, der sich nun selbst den Direktorenposten gesichert hat - nicht ohne Hilfe von Sal O'Nally, seines Zeichens Minister für Kultur- und Denkmalpflege, einem ehemaligen Klassenkameraden von Felix - unnötig zu sagen, dass ihre Sichtweisen der Kultur von jeher differierten.

Felix ist nun am Ende seiner Kräfte und sinnt auf Rache- Er schafft sich in einem einsamen Häuschen seine Insel, in der er gedanklich stets seine Tochter Miranda an seiner Seite hat - bis sich ihm viele Jahre später tatsächlich eine Möglichkeit bietet, seinen Sturm zu inszenieren. Auf sehr unkonventionelle Art und Weise, zudem gibt es ihm die Möglichkeit, Rache zu üben, ebenfalls nicht gerade klassisch - dafür aber mit Klasse und dazu überaus stilvoll.

In diesem herrlichen Buch habe ich geschwelgt. Aus jedem Satz sprang mir beim Lesen die Freude entgegen, die Margaret Atwood beim Schreiben verspürt haben muss, genauso wie Brigitte Heinrich beim Verfassen der ebenfalls großartigen Übersetzung!  Einfach genial, die Handlung des "Sturms" neu zu gestalten und dabei das klassische Werk selbst als Mittel, nämlich als Teil der Handlung einzusetzen! Und es offenbart sich eine weitere Begabung der Autorin - nach dieser Lektüre bin ich sicher, dass aus ihr auch eine geniale Regisseurin hätte werden können!

Atwood vermag es, Shakespeare in die Gegenwart zu transportieren, dem Sujet seine Eigenheiten, seinen Shakespearismus zu lassen, aber auch etwas Eigenes einzubringen, etwas, aus dem mit jedem Wort eine Hommage an Shakespeare spricht! Ein wahrer sinnlicher Genuss ist dieses Buch, einer, den sich jeder Literatur- und Theaterfreund gönnen sollte - einfach köstlich!

Die große Margaret Atwood erweist sich Shakespeares als würdig: ihre Sturm-Adaption hat sowohl Saft als auch Kraft - und Geist und Witz noch dazu..

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

deutsche teilung, deutschland, zweiter weltkrieg

Alles, was folgte

Renate Ahrens
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.05.2017
ISBN 9783426281666
Genre: Romane

Rezension:

Ein Kriegstrauma können auch Menschen haben, die selbst gar keinen Krieg miterlebt haben, beispielsweise dadurch, dass sie von Nahestehenden vieles mitbekommen haben. Ich selbst habe beispielsweise vieles nacherleben und auch mitfühlen können durch Erzählungen meines Vaters - 16jährig eingezogen und schwer verwundet und meiner Mutter, deren Kindheit durch den 2. Weltkrieg geprägt war. Ich selbst möchte nie in die Nähe solcher Ereignisse geraten, es ist für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann.

Die Fotografin Katharina Ehlbracht, 1945 geboren, reagiert da ganz anders: Kriegsschauplätze sind sozusagen ihr täglich Brot, sie fotografierte in Vietnam, Nordirland, Südafrika und an anderen ausgesprochen gefährlichen Orten.

Anfang 1990, kurz nach der Öffnung der Mauer, erhält sie einen Umschlag mit Briefen von ihrer Mutter, aus dem hervorgeht, dass ihre Familiengeschichte eigentlich eine ganz andere ist, als sie es bisher annahm. Von einem Tag auf den anderen ist alles ganz anders. Gleich mehrere Kriegstraumata offenbaren sich nun und Katharina wird peu á peu bewusst, wie sehr die Menschen in ihrem Umfeld - und darüber hinaus - gelitten haben.

Ein spannendes und wichtiges Thema, das von Autorin Renate Ahrens überaus mitreißend und eindringlich beschrieben wird. Katharina ist längst nicht die Einzige, deren Geschichte durch die Öffnung der Grenzen und die darauf folgende Wiedervereinigung neu geschrieben wurde, wenn es auch in vielen Fällen sicher nicht so dramatisch zuging wie in dem ihrigem.

Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so spannend las sich für mich Katharinas Geschichte, der zudem eine Parallelgeschichte mit Rückblenden zugeordnet ist  - aber ich will nicht zu viel verraten.

Sehr enttäuscht war ich allerdings davon, dass die Autorin zahlreiche vielversprechende und gut gezeichnete Charaktere einführt, deren Bedeutung für die Geschichte nur angerissen wird, die quasi nur einen Kurzauftritt haben, obwohl hinter ihnen ebenfalls spannungsreiche Entwicklungen stehen - wie vielschichtig diese sind, nun, da muss der Leser seine Phantasie entwickelt und seine eigene(n) Geschichte(n) schaffen. Das fand ich ein bisschen schade, denn in der zweiten Hälfte des Romans häufen sich diese Andeutungen, mir kam es so vor, als ob die Autorin mir etwas verspricht, was sie dann nicht einlöst.

Da ich die Geschichte so sehr genoss, fand ich es besonders schade. Trotz der erwähnten Einschränkung also eine dicke Empfehlung von mir an alle, die gern über die jüngste deutsche Vergangenheit lesen und bereit sind für einen spannenden, mitreißenden, dramatischen , allerdings auch sehr traurigen Familienroman!

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

ch: niveau 2017

Nachts ist das Meer nur ein Geräusch

Andrew Miller
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Paul Zsolnay Verlag, 20.02.2017
ISBN 9783552058477
Genre: Romane

Rezension:

"Sauve qui peut"; "Rette sich, wer kann" nämlich, hat Maud, die Protagonistin dieses Romans, in ihren Arm tätowiert. Sie ist ein ungewöhnlicher Typ, der ihren Kommilitonen Tim, der sie beim gemeinsamen Hobby Segeln kennenlernt, unglaublich fasziniert, gerade weil sie sehr geheimnisvoll wirkt. Doch nach einiger Zeit wird diese geheimnisvolle Art von Kühle und bald schon von Kälte überlagert - Maud ist einfach unnahbar. Möglicherweise nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst.

Aus ihr und Tim wird durch die Geburt von Zoe bald eine Familie, die auf tragische Art auseinanderbricht - und dann ist Maud allein.

Ihre Zuflucht wird, wie schon vorher, das Segeln. Bald schon findet sie sich in anderen Welten wieder.

Ein schwieriges Buch, das mir Rätsel aufgab, wahrscheinlich mehr, als vom Autor vorgesehen. Dieser, der Brite Andrew Miller nämlich, schreibt versiert und kraftvoll, doch ich empfand diesen ungewöhnlichen Roman, der für viele sicher faszinierend ist, als große Herausforderung.

Miller teilt seine Geschichte in drei völlig unterschiedliche Abschnitte ein, von denen mir vor allem der mittlere, in dem Maud in ihrem Segelboot auf den Weltmeeren unterwegs ist und irgendwann auch ums Überleben kämpft, große Schwierigkeiten bereitete. Dieses Seglerlatein ist wirklich nicht meine Sprache und ich bin in diesem Falle der Faszination Meer - sonst durchaus meine Welt - überhaupt nicht erlegen.

Der erste Teil schildert ihre Beziehung zu Tim bis zum Bruch der Familie und der dritte - ja, der hat etwas sehr Märchenhaftes und Symbolisches, aber das haben sie eigentlich alle drei.

Ich habe große Parallelen zwischen dem Stil des Buches und dem Wesen von Maud empfunden: bestimmte, vor allem schmerzvolle Episoden werden einfach ausgespart bzw. weggeschwiegen - so, wie auch Maud das in ihrer Kommunikation bzw. Nicht-Kommunikation oft tut. Und sie ist definitiv nicht die einzige schwierige Figur im Roman. Ganz klar, wenn Sie zu diesem Buch greifen, dann lassen Sie sich auf etwas besonderes ein - ohne im Voraus sagen zu können, ob es sie faszinieren, oder - wie in meinem Fall - eher irritieren wird.

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56 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

häusliche gewalt, schuld, berlin, naturkundemuseum, erinnerungen

Museum der Erinnerung

Anna Stothard , Kathrin Bielfeldt
Flexibler Einband
Erschienen bei Diogenes, 26.04.2017
ISBN 9783257300482
Genre: Romane

Rezension:

Einen beneidenswerten Arbeitsplatz hat die Engländerin Cathy - sie ist nämlich Konservatorin am Museum für Naturkunde in Berlin. Und nicht nur darum ist sie zu beneiden, sondern auch um ihren Freund, den Amerikaner Tom, selbst ein erfolgreicher Wissenschaftler, der ihretwegen die Staaten verlassen und ihr in die Hauptstadt Deutschlands gefolgt ist. Und nun soll sie für ihre Forschungen geehrt werden, befindet sich also am Zenit ihres Erfolges.

Also alles in Butter? Ein Leben wie Cathy - das wünschen Sie sich auch? Ich warne Sie, es ist nicht alles so, wie es scheint - Cathys Kindheit und Jugend war alles andere als rosig. Vor allem einen ganz, ganz dunklen Flecken gibt es darin, einen Zeitpunkt, an dem sich alles änderte - in der Familie, mit den Freunden. Auch im "Damals" gab es einen Mann, mit dem Cathy eng verbunden war, Daniel nämlich.

Vor vier Jahren endete diese Zeit - sehr abrupt, durch den Fortgang Cathys. Am Tag ihrer Ehrung erhält sie jedoch ein Päckchen, das aus ihrer tiefsten Vergangenheit zu kommen scheint und es bringt so einiges in ihr durcheinander. Kann es wirklich sein, dass diese Sendung ihr Leben so beeinflusst.

Ein Tag - ein Leben. Eigentlich dreht sich alles nur um diesen einen Tag im Naturkundemuseum, doch es geht um Cathys Leben als solches. Um ihre Vergangenheit und um ihre Zukunft.  Um existenzielle Fragen - solche nach Schuld, Verpflichtung, Verantwortung, Sühne, Treue, Freundschaft, Liebe.

Große Begriffe, die genannten. Doch die junge Autorin Anna Stothard schafft es, sie alle mit Leben zu füllen, ohne auch nur ansatzweise pathetisch zu werden. Im Gegenteil, ihre "großen Worte" lesen sich überaus unterhaltsam, in einem Zug ist man durch mit diesem spannungsreichen, dabei alles andere als oberflächlichen Roman. Während der Lektüre habe ich mich oft gefragt, wie ich denn handeln würde, denn oft denkt man als Rezipient, dass Cathy sich gerade ihr eigenes Grab schaufelt. Aber am Ende des Romans konnte ich nicht anders, als zuzugeben, dass ich möglicherweise genauso gehandelt hätte. Denn das, was Cathys Leben geprägt hat, ist so stark, so heftig, dass man ihr keine Anweisungen erteilen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Ein Roman, in dem sich vieles - ja das meiste - im Inneren der Charaktere abspielt. Gleichzeitig ist es aber auch ein wirklich toller Berlin-Roman aus einer eher ungewohnten Perspektive. Unbedingt lesenswert für alle, die nach einer richtig süffigen Lektüre lechzen!

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14 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

russland, romanow, zarin, biographie, romanow-dynastie

Die Hessin auf dem Zarenthron

Marianna Butenschön
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Theiss, Konrad, 01.03.2017
ISBN 9783806234367
Genre: Biografien

Rezension:

die Kaiserin aller Reußen nämlich, Zarin von Rußland also.: bzw. zunächst die Gattin den Thronfolgers Alexander, des späteren Zaren AlexanderII, Eine Ehe, die - soweit man es beurteilen kann - in Liebe beginnt, der viele harmonische und interessante Jahre beschert sind, bevor sie als Paar, aber gewissermaßen auch als Herrscher tragisch scheitern.

Eine der spannendsten Epochen der Russischen Geschichte überhaupt wird hier beschrieben, nämlich die Mitte des 19. Jahrhunderts, in dem sich diverse geistige Strömungen, teils vom Hofe mitgeprägt, teils aber auch dagegen agitierend - bspw. die Nihilisten - entwickelten. Fasziniert habe ich erfahren, dass Gontscharow, der Autor des "Oblomow" zeitweilig die Zarenkinder unterrichtete, dass der bayerische Märchenkönig Ludwig II ein enger Vertrauter Marias war.

Marianna Butenschön beschreibt in ihrem Buch sehr ausführlich und anschaulich den Weg dieser bemerkenswerten Frau, allerdings weitgehend unbekannt gebliebenen Frau, Mutter vieler Kinder, die sich in Russland für Kirche und Kinder aus nicht so glücklichen Umständen wie auch für Bildung einsetzte.

Der Leser begegnet zahlreichen Schlüsselfiguren der damaligen Zeit, sieht das russische Reich und dessen Herrscher im Kontext und im Bezug des Staatengeflechts, der politischen Beziehungen in Europa - Marias Leben fiel immerhin - zumindest teilweise - in die Zeit Wilhelms I. - und in die Königin Viktorias von England  und nicht zuletzt in die vieler russischer Dichter und Komponisten wie bspw. Tolstoi und Tschaikowski.

Die Autorin - eine kompetente Historikerin und erfahrene Journalistin - schreibt mitreißend und fesselnd, doch manchmal entsteht der Eindruck, als wolle sie möglichst viel ihres zweifellos ungeheuren Fachwissens in das Buch packen, den Zeitgeist, wenn möglich, umfassend einfangen. Für diese Epoche stört es mich aber nicht, ist doch eine ungeheuer spannende - und umgekehrt die Zarin selbst eine nicht ganz so schillernde, auffallende und vor allem in ihrer Zeit so reich beschriebene Persönlichkeit wie einige ihrer Vorgängerinnen. Ein richtig unterhaltsames Buch nicht ohne Anspruch also, das ich stellenweise als richtig spannend empfand! Und auch als schmerzhaft, denn in späterin Schicksalsjahren muss der Leser viel mit Maria leiden, die sowohl von schwerer Krankheit geplagt als auch von ihrem Mann vernachlässigt, ja, jahrelang aufs schändlichste betrogen wurde!

Insgesamt also zweifelsohne eine wertvolle historische Dokumentation fern von Kitsch und Trivialem, die im letzten Kapitel noch eine Brücke über die nachfolgenden Jahrhunderte bis in die Gegenwart schlägt und die ich von Herzen weiterempfehle, nicht zuletzt wegen der fundierten Recherche, die sich auch im Anhang niederschlägt - Neben einer Zeittafel, den Anmerkungen und einem Glossar findet sich dort auch ein ausführliches Personenverzeichnis, wodurch zumindest ich mich als historisch interessierte Leserin reich bedacht fühle und meine Lektüre sowohl direkt "vor Ort" - also mithilfe des Buches selber unterfüttern kann als auch Anregungen für weitere Recherchen erhalte.

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