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284 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 82 Rezensionen

sherlock holmes, london, krimi, scotland yard, moriarty

Der Fall Moriarty

Anthony Horowitz , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 28.10.2014
ISBN 9783458176121
Genre: Krimi und Thriller

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

gotthard, novelle, tunnelbau, tessin

Gotthard

Zora Buono
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 17.09.2015
ISBN 9783406681844
Genre: Romane

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Tags: gotthard, novelle, tessin, tunnelbau   (4)
 

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35 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

japan, krimi, tokyo, shinigami, andreas neuenkirchen

Shinigami Games

Andreas Neuenkirchen
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Conbook Medien, 01.08.2016
ISBN 9783958891067
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: japan, kasumigaseki, serienkiller, tokyo, yakuza   (5)
 

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

korruption, brasilien, armut, krimi, entführung

Der stumme Zeuge

Edney Silvestre , Kirsten Brandt
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Limes, 18.07.2016
ISBN 9783809026587
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: brasilien, kidnapping, korruption   (3)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

berlin, musik, klarstein, band, mord

Der kalte Saphir

Michael Düblin
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Verlag Johannes Petri, 02.06.2016
ISBN 9783037840986
Genre: Krimi und Thriller

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Jule Sommer, eine junge, aber bereits namhafte Musikjournalistin, gelingt ein Coup: Sie bekommt nach hartnäckiger Anfrage einen Interviewtermin mit Sebastian Winter. Winter war Ende der 1970er Tontechniker der Berliner Kultband Klarstein und lebt seit dem Ende der Band zurückgezogen. Bis heute ist der Tod des Sängers Jerome 1982 ein Rätsel und Sommer hat sich vorgenommen, genau herauszufinden, was damals passiert war. Jerome lag eines Nachts erschossen im Tonstudio und seither ist die Drummerin der Band spurlos verschwunden; aber der Täter blieb seit jeher unbekannt. Winter lädt die Journalistin in seinen griechischen Wohnsitz ein und erzählt.

Winter beginnt ganz von vorne und berichtet, wie er eher zufällig Mitglied der Band wurde. In sein Haus an der Kopischstrasse ließ er Mieter einziehen, um seinen spontanen Immobilienkauf in Berlin zu finanzieren. Der erste Interessent war eben jener Jerome, der ab diesem Zeitpunkt das Zepter im Haus übernahm. Jerome organisierte die anderen Mieter, jeder musste Musiker sein und zu seiner Vision einer Band passen. Aus den Musikern im Haus entwickelt sich die Band Klarstein, geführt und promoted von Jerome, dem Sänger, der Kontakte zu Radiostationen und Veranstaltern knüpfte. Sebastian Winter wurde zum Tontechniker, der mit Geschick und Organisationstalent das Equipment der Band zusammen stellte und funktionstüchtig hielt.

Ein besonderer Clou sind die großen Hits dieser Band, die im Lauf des Buchs erwähnt werden. Die Texte zu "Sommer", "Herbstwind" und "Bind uns los" werden lose zu einem Teil der Geschichte, dazu gibt es jeweils einen eigenen Downloadcode. Mit der Idee zu passenden Songs bietet das Buch eine gut überlegte Besonderheit, auch stilistisch meiner Meinung nach völlig passend (wer das Buch nicht lesen mag, kann die Titel übrigens auch einzeln erwerben).

Das Buch erzählt in Passagen abwechselnd vom Interview in Griechenland und von den Rückblenden Winters, mit denen er die Geschichte der Band erzählt. Michael Düblin gibt immer an, wo die Kapitel spielen und die Reihenfolge ergibt sich aus Sommers Gespräch mit Winter. Daher ist es kein Problem, der Geschichte auf zwei Zeitebenen zu folgen. Jule Sommer stellt dabei fest, dass Sebastian Winter sich nicht wie andere Interviewpartner locken und führen lässt. Er hat, ebenso wie sie, ein eigenes Drehbuch für das Gespräch entwickelt und will kein Stück von seinem vorgeplanten Bericht abrücken. Das zehrt an Sommers Nerven, hatte sie doch geglaubt, Winter mit ihrer Anfragetaktik geknackt zu haben. Aber sie registiert Winters eigenes Spiel schnell und versteht, dass er sie nur eingeladen hat, weil sie zu seinem Plan passt. Will sie mehr zum Mord an Jerome erfahren, muss sie sich auf Winters Spiel einlassen. Die Neugier folgt also zwei wichtigen Fragen; es geht nicht nur um die Aufdeckung der damaligen Umstände, sondern auch um die Hintergründe zu Winters plötzlich so bereitwilliger Einladung nach all den stillen Jahren.

In den Rückblenden begegnet der Leser intensiv dem Innenleben der Band. Mit Charisma, aber auch viel Rücksichtslosikgeit, übernahm Jerome die Führungsrolle im Haus. Nach kurzer Zeit wagte niemand mehr, ihm zu widersprechen - weder Sebastian Winter, obwohl der unter Mietrückständen zu leiden hatte und eigene Ersparnisse angriff, um die Band zu unterstützen, noch Bandmitglieder, wenn es um zum Beispiel um Urheberrechte oder Verhandlungen mit Studios und Radiostationen ging. Einzig die Percussionistin Zed hatte nicht nur den Mut zum Widerspruch, ihre Einwände wurden von Jerome sogar geduldet. Zed war zudem die einzige professionelle Musikerin mit einer begehrten Stelle bei den Berliner Philharmonikern. Dem Gründungsmythos der Band zufolge war es dem charismatischen Jerome mit nur wenigen Worten und einem Saphirring gelungen, sie dem renommierten Orchester zu entziehen.

Jule Sommer erfährt von den kleinen Dramen hinter den Kulissen, die seinerzeit aber offenbar nie publik geworden waren. Winter füttert sie in einem kleinen Katz-und-Maus-Spiel mit immer neuen Hintergrundinformationen, um ihr Bild von der Band zu prägen. Besonders das von Jerome, der die Bandmitglieder für seine Visionen wie Spielfiguren setzt. Die heute noch lebenden Bandmitglieder haben keinen Kontakt mehr zueinander, aber für Winter vergeht offenbar kein Tag, an dem er sich nicht die Rückkehr der tief verehrten Zed wünscht. Die Geschichte der Band ist zugleich eine Geschichte verschiedener Abhängigkeiten, die nie recht gelöst werden konnten. Durch die ungleichen Beteiligungen leidet das menschliche Gleichgewicht in der Band und Jule Sommer wird zum Ventil für die Aufarbeitung. Die Aufklärung des Mordes, der sie zu Winter geführt hat, ist nur ein Teil der Geschichte, die das Buch lesenswert erzählt.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

krimi, krimi-reihe, zürich

Der Messias kommt nicht

Alfred Bodenheimer
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 01.02.2016
ISBN 9783312006861
Genre: Krimi und Thriller

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

pastor, dorf, schweine, mord, mistgabel

Sau tot

Susanne Mischke
Flexibler Einband: 53 Seiten
Erschienen bei Edition Nautilus, 23.01.2007
ISBN 9783894015428
Genre: Krimi und Thriller

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Der Storykiller

Philipp Probst
E-Buch Text: 400 Seiten
Erschienen bei Appenzeller Verlag, 30.01.2012
ISBN B007A1KRE6
Genre: Sonstiges

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Hunkelers Geheimnis

Hansjörg Schneider
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 14.12.2016
ISBN 9783257243680
Genre: Krimi und Thriller

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Tragödie auf einem Landfriedhof

Maria Lang ,
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei btb, 09.11.2015
ISBN 9783442754601
Genre: Krimi und Thriller

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 0 Rezensionen

japan, krimi

Trübe Wasser in Tokio

Masako Togawa , Bettina Thienhaus
Flexibler Einband: 155 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 01.02.2003
ISBN 9783293202528
Genre: Krimi und Thriller

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berlin, kömödie, leserunde, leserunden-buch, komödie

Driving Phil Clune

Susanne Fuß
E-Buch Text: 196 Seiten
Erschienen bei tredition, 27.04.2015
ISBN 9783732334605
Genre: Sonstiges

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Das Auge des Sehers

Anne Gold
Buch: 363 Seiten
Erschienen bei Reinhardt, Friedrich, 01.11.2011
ISBN 9783724517634
Genre: Krimi und Thriller

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 28 Rezensionen

20. jahrhundert, geschichte, sachbuch, alles ist relativ und anything goes, einstein

Alles ist relativ und anything goes

John Higgs , Michael Bischoff
Fester Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 27.03.2016
ISBN 9783458176633
Genre: Sachbücher

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49 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

hamburg, krimi, drogen, kiez, mord

Blaue Nacht

Simone Buchholz
Flexibler Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2016
ISBN 9783518466629
Genre: Krimi und Thriller

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Tags: drogen, hamburg, organisierte kriminalität   (3)
 

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

rache, krimi, wuli highlights, scheinwelten, enttäuschung

Heilige Mörderin

Keigo Higashino , Ursula Gräfe
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.08.2015
ISBN 9783492301633
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ayane Mita ist eine angesehene Patchwork-Künstlerin, deren Werke hohe Preise erzielen. Sie leitet eine erfolgreiche Patchwork-Schule mit ihrer früheren Schülerin Hiromi und auch privat sieht nach außen alles rosig aus. Seit einem Jahr ist sie mit Yoshitaka Mashiba verheiratet und das Paar pflegt einen kleinen Freundeskreis. Während Ayane ihre Eltern auf Hokkaido besucht, stirbt Yoshitaka allerdings an einer Vergiftung. Da kommt nur Mord in Frage, aber wer kann es gewesen sein? Inspektor Kusanagi merkt schnell, dass es hinter den Kulissen des Ehepaares keineswegs so adrett zuging, wie es den Anschein hatte. Yushitaka hatte ausgerechnet mit Hiromi eine Affäre und eine seltsame Ehevereinbarung mit Ayane obendrein. Von den zwei Frauen kristallisiert sich schnell Ayane als Hauptverdächtige heraus. Aber sie hat gleichzeitig auch das beste Alibi; von Hokkaido aus lässt sich der Ehemann schwerlich vergiften. "Wie ich schon sagte: Wir haben es hier mit einem perfekten Mord zu tun."

Da Kusanagi für Ayane offenbar etwas übrig hat und ein wenig voreingenommen erscheint, nimmt seine Assistentin Utsumi Kontakt zu dem Physikprofessor Yukawa auf. Sie hofft auf seine Unterstützung, um Ayane den Mord nachweisen zu können. Yukawa nimmt sich des Rätsels an und überlegt, ob es tatsächlich möglich ist, Kaffee so mit Arsen zu vergiften, dass die Vergiftung zeitversetzt eintritt und das perfekte Alibi erzielt wird.

Wie schon im ersten Band der Serie mit Kusanagi und Yukawa ist die Mörderin von Beginn an bekannt. Ayane hat auf Grund ihrer Reise ein so wasserdichtes Alibi, dass es schon irrwitzig scheint, sich überhaupt an die Arbeit zu machen. Einen anderen Täter zu finden, wäre da wesentlich einfacher. Aber Hiromi kommt nach einigen Untersuchungen nicht mehr in Frage, denn wegen ihr wollte sich Yoshitaka von seiner Frau trennen. Die Faszination des Krimis speist sich also aus der Spannung, die sich aus dem Zerpflücken von Ayanes Alibi ergibt. Yukawa entwickelt verschiedene Theorien, wie es gelungen sein könnte, verrät aber keinen Ton von seinen Vermutungen. Er lässt Utsumi und Kusanagi Fragen stellen und Informationen beschaffen, ohne ihnen den Zweck zu verraten. Und so tappen Leser und Polizei gleichermaßen im Dunkeln.

Außer Utsumis felsenfester Überzeugung, dass Ayane für die Vergiftung verantwortlich ist, gibt es bei der Polizei keinen anderen Antrieb. Für Yukawa hingegen ist die Aufgabe, Ayane zu überführen, eine Denksportaufgabe und dieser Ansatz macht es ihm letztlich viel einfacher. Er, ganz Wissenschaftler, sammelt alle denkbaren Lösungen und erreicht sein Ziel über den Ausschluss derjenigen Möglichkeiten, die sich widerlegen lassen. Die Polizei merkt erst zum Schluss, zu welcher Lösung Yukawa gekommen ist — die Puzzlesteine sind zwar da, aber ohne eine Vorstellung davon, welchen Lösungsansatz der Physikprofessor zugrunde legt, lassen sie sich kaum zusammenfügen. Ayanes Vorgehen ist tatsächlich äußerst raffiniert; ohne eine misstrauische Utsumi und einen strategischen Denker wie Yukawa als Gegner wäre sie wohl in der Tat davon gekommen. So sehr ich die Konstruktionen von Higashino und die Denkweise von Yukawa liebe, Ayanes Methode irritierte am Ende allerdings. Es ist eine perfekte Methode, klug vorbereitet und ausgefeilt geplant, aber ungewöhnlich unrealistisch. Das ist mein einziger Kritikpunkt an einem ansonsten sehr gut entworfenen Rätsel um ein Verbrechen. Im Vergleich zu "Verdächtige Geliebte" ist dieser Band ganz anders gestrickt. Wo man zuvor nicht nur rätselte, sondern ganz besonders mitfieberte, unterhält diese Geschichte als reines Denklabyrinth ohne emotionale Komponente.

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253 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 38 Rezensionen

krimi, london, detektiv, cormoran strike, schriftsteller

Der Seidenspinner

Robert Galbraith , Wulf Bergner , Joanne K. Rowling ,
Fester Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 24.11.2014
ISBN 9783764505158
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Seit dem Erfolg bei der Aufklärung des Lula Landry-Falls läuft die Detektei von Afghanistan-Veteran Cormoran Strike schon einiges besser. Seine Auftraggeber sind oft wohlhabende Eheleute, Scheidungswillige oder Liebhaber, die ihre Partner observieren lassen möchten. Nicht immer spannend, aber es spült Geld in die Kassen. Vom Landry-Ruhm angelockt wendet sich auch Leonora Quine an Strike. Ihr Mann Owen, ein Schriftsteller mit eher fragwürdigem Ruf, ist verschwunden. An die Polizei mag sie sich nicht wenden, nachdem die sich einst über eine vergleichbare Anfrage von ihr geärgert hatte. Owen Quine war schon des öfteren abgetaucht, aber dieses Mal ist es außergewöhnlich lange still um ihn. Strike will sich um Quine kümmern, obwohl er sich in diesem Fall nicht sicher sein kann, ob er tatsächlich je Geld sehen wird.

Die Hoffnung, Quine könnte in einem Autorenrefugium stecken, zerschlägt sich schnell. Der streitbare Autor überwarf sich einst mit der Besitzerin und die würde ihn unter keinen Umständen erneut ins Haus lassen. Auch sonst entpuppt sich der Vermisste als egozentrisches Ekel, das seine literarische Leistung hoffnungslos überbewertet und zu jedem eine Beziehung satter Niederträchtigkeit pflegte. Seinen Aufenthaltsort kennt keiner und wirklich wissen will es außer der Ehefrau auch niemand. Strike erfährt, dass Quines letztes Manuskript über dessen Agentin versehentlich in Umlauf gebracht wurde. Eine Panne, die ihr besser nicht hätte passieren dürfen, denn darin zieht er so bösartig über Bekannte und Kollegen aus der Verlagswelt her, dass er seither als persona non grata gilt und bereits die ersten Anwälte alarmiert wurden. Als Strike dank seiner Hartnäckigkeit und einem zufälligen Hinweis einen ermordeten Owen Quine auffindet, könnte der Täterkreis größer kaum sein.

Aus der Suche nach einem Täter wird schnell ein Wettlauf gegen die Zeit. Während Strike bei "Der Ruf des Kuckucks" einem abgeschlossenen Fall nachspürte, gilt es nun, die Ehefrau zügig aus den Fängen der Polizei zu bekommen. Die gilt schnell als Hauptverdächtige, während Strike den Gedanken absolut abwegig findet. Um Gehör braucht er beim zuständigen Beamten Anstis allerdings nicht ersuchen. Da hilft es auch nichts, dass ausgerechnet Anstis mit Strike in Afghanistan war. Die Polizei nimmt ihm nach wie vor sehr übel, dass er ihre Ermittlungen im Fall Landry gründlich widerlegt und der Öffentlichkeit gezeigt hatte, dass sie einen Mord übersehen hatten.

Strikes Position ist ambivalent: Offiziell ermitteln kann er nicht; er ist darauf angewiesen, dass seine Gesprächspartner überhaupt mit ihm sprechen wollen. Sein Instinkt, die Beobachtungsgabe, seine Arbeitseinstellung und seine Menschenkenntnis helfen ihm zwar, aber ihm fehlen die bewährten Ermittlungsmethoden, die er als Inspektor beim Militär einsetzen konnte. Da waren Akteneinsicht, eine Tatortbegehung oder offizielle Zeugenbefragungen kein Problem. Andererseits profitiert er vom Ruhm, den ihm der Fall Landry einbrachte. Er wurde nicht nur bekannt als Detektiv, sondern auch als unehelicher Sohn eines Rockstars, was ihm eine zwar unerwünschte, mitunter aber hilfreiche Aura verleiht.

Sehr neugierig macht Strikes Sekretärin Robin Ellacott. Sie geriet zu Beginn von Strikes Tätigkeit nur durch Zufall an den Job bei ihm, entwickelte sich aber immer mehr zu einer engagierten Hilfe, die für ihre Tätigkeit brennt und nach Fortbildungen und neuen Aufgaben fiebert. Sehr zum Unmut ihres Verlobten Matthew, der kaum eine Gelegenheit auslässt, Robin wegen ihrer "unklugen" Berufswahl Vorhaltungen zu machen - ohne einen dummen Irrtum der Jobvermittlung könnte sie jetzt in einer Personalverwaltung das Doppelte verdienen. Für Robin wird der Fall Quine nicht nur zu einer Belastungsprobe der Beziehung, sondern auch zu einem persönlichen Entwicklungsschritt. Diese Nebenhandlung wirft ein aufschlussreiches Licht auf Partnerschaften, wenn Rollenbilder oder Erwartungshaltungen unbewusst oder unausgesprochen in der Luft hängen. Galbraith findet klare Worte für hellsichtige Beobachtungen. Robin Ellacott ist im zweiten Band für mich der spannendste Charakter. Dabei gehöre ich definitiv nicht zu denen, die sich eine Liaison zwischen Strike und ihr wünschen; Robin ist schlicht ein sich entfaltender Mensch, der langsam aber sicher spürt, was er will und — vor allem — was er nicht will.

Durch kluge Nebenhandlungen, die den originalen Fall einrahmen, wird so ein dicker Schmöker nie langweilig. Jedes Teilstück entwickelt einen Sog, der so lange funktioniert, bis man das Buch nachts kurz vor Mitternacht tatsächlich pappsatt, aber zufrieden zuklappt und rekapituliert. Das Finale überlassen wir daher Ute, die bereits Teil 3 kennt, und ihrer Prophezeiung: "Ich schwör dir, das ist so eine Reihe, die wird immer besser, und man hängt am Haken!"

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Giftaffe

Arimasa Osawa , Katja Busson , Peter Münder
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 11.08.2014
ISBN 9783865324177
Genre: Sonstiges

Rezension:

Wer in der Unterwelt ermittelt, dem eröffnet eine interessante Spur oft eine Verknüpfung zu anderen kriminellen Tätigkeiten. Durch solch eine zufällige Verknüpfung wird auch Oberkommissar Samejima vom Eingreiftrupp Shinjuku auf eine merkwürdige Aktivität in seinem Revier aufmerksam. Im Stadtteil Okubo observieren der Eingreiftrupp und die Abteilung für öffentliche Sicherheit ein Wohnhaus, in dem illegales Glücksspiel angeboten wird. Drahtzieher sind Yakuza aus Taiwan, die sich parallel zu den japanischen Yakuza etablierten und oft auch geschäftliche Beziehungen miteinander unterhalten. Während der Observation fällt ein Mann besonders auf, dessen gefährliche Härte sogar durch die Videokamera spürbar ist. Durch Zufall erkennt Samejima den Mann kurz darauf vor einem taiwanesischen Restaurant wieder, setzt sich instinktiv auf seine Fährte und erfährt dadurch von einem taiwanesischen Rachefeldzug, der demnächst auf Tokyos Straßen stattfinden könnte.

Die Yakuza vom Ishiwa-Clan beherbergen offenbar das taiwanesische Clanoberhaupt Ye Wei, mit dem sie seit Jahren im Schmuggel zusammenarbeiten. Nachdem Ye einen Auftragskiller verraten hat, steht er selbst auf dessen Abschussliste und findet derzeit in Tokyo Unterschlupf. Aber Ye weiß genau, dass der Killer geduldig warten kann und seine Opfer bisher nie verfehlt hat. Ye weiß, dass dieser "Giftaffe" irgendwann seine Spur in Tokyo finden wird. Ein taiwanesischer Elitepolizist, ähnlich hartnäckig und unnachgiebig wie Samejima, sucht in Japan auf eigene Faust nach dem Giftaffen. Samejima greift ein und will verhindern, dass der Killer auf seinem Rachefeldzug einen Bandenkrieg der Yakuza anzettelt. Denn sobald japanische Yakuza sterben, werden die anderen nervös.

Arimasa Osawa zeigt hart und illusionslos, was hinter den Kulissen des organisierten Verbrechens passiert. Samejima jagt gleich zu Beginn einen Händler von Glue, Lösungsmittel und Verdünner, die zum Schnüffeln eingesetzt werden. Dabei erklärt Osawa nicht nur die Organisation des Geschäfts, die Folgen des Glue-Konsums, sondern eben auch, warum außer einem wie Samejima kaum ein Polizist seine Mühen auf die Verfolgung des Glue-Handels verschwendet. Obwohl die Folgen gleichermaßen verheerend sind wie bei anderen Drogen bringt Glue wenig Lorbeeren auf der Karriereleiter ein und viele Polizisten kümmern sich daher nicht um dieses für die Yakuza einträgliche Geschäft.

Die japanische Yakuza arbeitet streng reglementiert. Es gibt Hierarchiestufen, Absprachen, klare und akzeptierte Grenzen. Es ist daher auch kein Problem, wenn in einem Haus verschiedene Clans in verschiedenen Etablissements agieren. Dagegen ist die Arbeitsweise der taiwanesischen Clans spontaner und härter. Und mit der Denk- und Arbeitsweise des Giftaffen kommen die Yakuza erst recht nicht zurecht. Ye kann als Gast nichts in der Befehlskette ausrichten und ist einigermaßen besorgt, ob sich die Geschäftspartner richtig vorbereitet haben. Er spürt, dass sich Hata, einer der wichtigsten Köpfe des Clans, sehr wundert, weil Ye vor einem einzelnen Mann solche Angst hat. Erst nach dem Tod mehrerer Yakuza des Ishiwa-Clans begreift Hata, dass Giftaffe wirklich nicht nach japanischem Usus spielt, erst dann kann Ye die Gegenwehr ein bisschen steuern, aber da ist es eigentlich schon zu spät. Zu diesem Zeitpunkt haben Ishiwas Leute vor lauter Wut schon längst die Kontrolle verloren und bekommen das Heft von einem Killer aus der Hand genommen, der mit einem Knowhow und einer Effizienz arbeitet, auf die die Yakuza nicht vorbereitet ist.

Samejima erfährt eher durch Zufall, dass der Giftaffe mit seinem Rachefeldzug angefangen hat. Der taiwanesische Polizist Guo identifiziert die Todesursache eines der Opfer als einen speziellen Taekwondo-Tritt, das Markenzeichen des Giftaffen. Ab diesem Zeitpunkt artet die Suche zu einem Wettlauf gegen die Zeit aus. Beide Gruppen, sowohl um Ye als auch um Samejima, verstehen, wie der Killer vorgegangen ist und nach welcher Strategie sie ihn finden können. Schon bald greifen nervöse Yakuza andere Asiaten an, weil ihnen jeder verdächtig erscheint, der chinesisch spricht. Darin offenbart sich — neben den Arbeitsweise der taiwanesischen Clans — ein weiterer cultural clash in diesem Buch. Japan und China sind historisch über verschiedene Schnittpunkte verbunden und es sind zwei Länder, die sich nicht sonderlich mögen. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Nami, einer Hostess. Als Kind einer japanischen Mutter in China aufgewachsen, ist sie doch nach ihrer Rückkehr nach Japan eine Außenseiterin. Sie lernt, ihre Vergangenheit zu verstecken, um nicht angefeindet zu werden. Die so genannten "Kriegswaisen" wie Nami sind nach nur einer Generation im Ausland schon nicht mehr gern gesehen.

Osawa spart am Showdown überhaupt nicht. Die kriminelle Energie ballt sich unweigerlich zu einem explosiven Knoten zusammen, der gar nicht anders zu lösen ist als mit einem Ausbruch aller Wut und Rachsucht, die sich in Giftaffe, Ye und den Yakuza angestaut hat. Im Shinjuku Park entscheidet sich, ob die Yakuza Giftaffe erfolgreich eine Falle stellen können oder ob der ehemalige Elitesoldat seine zahlreichen Gegener alleine zu eliminieren vermag.

Im Lauf der Zeit nimmt das Buch enorm an Tempo auf und bietet vier Charaktere, mit denen man fiebert und deren Schicksal nicht mehr gleichgültig bleibt. Nicht nur Samejima und Guo gehören ganz selbstverständlich dazu. Auch Nami entwickelt sich zu einer Identifikationsfigur, der man beistehen möchte. Selbst der Giftaffe zeigt an einigen Stellen eine Persönlichkeit, für die sich mit der Zeit Sympathien entwickeln. "Der Giftaffe" ist ein starker Krimi, der nur einen entscheidenden Nachteil hat: Es gibt keine Fortsetzung. Außer den zwei existierenden Übersetzungen ("Giftaffe" & "Der Hai von Shinjuku") gibt es, anno 2016, keine weiteren Werke Osawas zu lesen. Selbst im Englischen, wo man sonst mitunter einfach mehr Glück hat, findet sich derzeit nichts. Dann machen wir es so: Erfreuen wir uns daran, dass wir uns immerhin von diesen zwei Bücher fesseln lassen konnten statt gar keine von Osawa je kennengelernt zu haben.

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Tags: glücksspiel, taiwan, tokyo, verrat, yakuza   (5)
 

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85 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 30 Rezensionen

frankreich, paris, krimi, journalist, wirtschaft

Die Schuld der anderen

Gila Lustiger
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 19.01.2015
ISBN 9783827012272
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im Januar 2015 hörte ich zum ersten Mal von Gila Lustigers Roman im NDR Podcast. Drei Monate später gab es eine dicke Empfehlung im ARD Buffet. Seither waberte der Titel immer wieder durch meinen Hinterkopf, aber es letzten Endes fast ein Jahr gedauert, bis ich das Buch tatsächlich in den Händen hielt. Mit so viel Vorschusslorbeeren versehen war die Erwartungshaltung entsprechend. Und ich habe 120 Seiten lang am NDR und Karla Paul gezweifelt, weil sie mir die Story über einen Journalisten empfohlen hatten, der am liebsten per Selbstzweifel über sich selbst nachdenkt, die Beziehung zu seiner Deborah reflektiert und sich an seienn Großvater erinnert. 120 Seiten. Da steht eine Dominique Manotti mitunter schon knapp vor dem Finale und dieses Buch hier hatte noch nicht mal richtig angefangen. Ich war genervt. Richtig los geht es tatsächlich erst, wenn man diesen ersten Teil durchgehalten hat. Dann erst ist der Roman das, was alle versprochen haben.

Marc Rappaport ist ein Kind aus bestem Haus, mit einem Großindustriellen als Großvater, Absolvent erstklassiger Ausbildungszentren. Aber er hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Journalist gegen die großen und kleinen Skandale des Landes anzuschreiben und dem selbstverständlichen heimischen Wohlstand wenigstens halbwegs den Rücken zu kehren. Er schreibt unter anderem über Verfahren und Gerichtsprozesse und lernt dadurch den Fall Emilie kennen. Dieser 30 Jahre alte Mordfall wird auf Grund moderner DNA-Analytik neu aufgerollt und unter Verdacht gerät ein Mann, dem Rappaport beim besten Willen nicht einmal so recht den Besuch einer Prostituierten zutrauen mag. Er spürt viel mehr Angst bei den Menschen, die er dazu interviewt und will herausfinden, was diese Angst auslöst. In Emilies Geburtsort Charfeuil wird er fündig.

Rappaport reist im Buch quer durch die französische Realität. Politik und Industrie sind eng verflochten, Fehler der Wirtschaftspolitik ziehen eine Spur der Desillusionierung durch das Land und wer aufmuckt, wird mit Leichtigkeit kaltgestellt. Aufmucken lohnt also nicht und in Charfeuil ziehen die Menschen einen sicheren Arbeitsplatz anständigen Arbeitsbedingungen vor. Die Kinder werden früh darauf eingestellt, dass der Konzern am Ort Brot und Nahrung gibt und größere Ambitionen wenig bringen. Das offene und vielseitige Paris ist in jeder Hinsischt weit weg und es gilt, mit dem seine Existenz zu sichern, was da ist. Und das gilt nicht nur für Charfeuil; Rappaport wird klar, dass diese Rahmenbedingungen im Prinzip überall im Land herrschen. Was die Abhängigkeiten auslösen, wird an dem Industrieskandal offensichtlich, dem Rappaport in Charfeuil auf die Spur kommt. Eine Lehrstunde darüber, wie wenig man juristisch ausrichten kann, wenn sich die Industrie ihren Handlungsspielraum von der Politik hübsch einrichten lässt.

So offenbar die Rücksichtslosigkeit der Industrie- und Politikelite ist, so klar die eklatanten Aufreger festgelegt sind, so raffiniert zeigt Gila Lustiger aber auch, dass die Grenzen fließen. Die Schuld der "Anderen" lässt am Ende viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Lustiger verklebt sehr geschickt Kriminalfall und Korruption mit französischen, gut recherchierten und illustrierten Milieus. Dazu gehört zum Beispiel der reale Mord an Ilan Halimi, der sich in der Story wiederfindet und der Konzern Nutrissor hat das reale Vorbild Adisseo. Lustiger thematisiert die französische Wirtschaftspolitik der letzten dreißig Jahre und deren fatale Auswirkungen, sie schreibt über Eliten, die den Bodenkontakt längst verloren haben und über aggressive Jugendliche in der Vorstadt. Gesellschaftlichen Leim sucht man in dieser Realität vergebens. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die Geschichte auf der Suche nach einem Möder peu à peu noch andere Abgründe, Skandale und Dramen zutage fördert.

Nachdem die Länge zu Beginn überstanden war, folgte —wie man merkt— ein praller Roman, der viele Aspekte thematisiert ohne je überladen zu werden. Das alles regt zum Nachdenken an über Werteskalen und die Frage, was passieren muss, um Änderungen voranzutreiben, persönliche Grenzen ebenso wie gesellschaftliche Grenzen. Insgesamt eine sehr komplexe Struktur, die aber nie bleischwer und bedeutungsschwanger erdrückt. Gesellschaftsroman? Krimi? Oder vielleicht besser Panorama? Gila Lustigers Buch ist jedenfalls vieles davon.

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104 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

oper, venedig, italien, dirigent, krimi

Venezianisches Finale

Donna Leon
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 01.05.2012
ISBN 9783257231717
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Commissario Brunetti muss ins Opernhaus "La Fenice" von Venedig. Der Stardirigent Helmut Wellauer wurde in der Pause vor dem dritten Akt tot in seiner Garderobe aufgefunden. Offenbar wurde er mit Zyankali vergiftet, das seinem Kaffee zugegeben wurde. Brunettis Chef, der Polizeivizepräsident Giuseppe Patta, hat eigentlich nur zwei Anforderungen: Der Täter muss ganz besonders schnell gefunden werden und jeden Morgen um acht Uhr hat ein Bericht mit sämtlichen Fortschritten auf seinem Schreibtisch zu liegen. Bei berühmten Toten versteht die Presse keinen Spaß und die Polizei muss die Gelegenheit nutzen, kompetent und zügig arbeitend zu erscheinen. Aber ganz so einfach ist es erwartungsgemäß nicht.

Commissario Brunetti stellt sich in seinem ersten Fall als ein Polizist vor, der zunächst dem Charakter des Opfers nachspüren möchte. Erst will er potenzielle Motive verstehen, bevor er sich auf die Tätersuche macht. Helmut Wellauer war offenbar ein Mensch, der zu Lebzeiten ausreichend ekelhaft gewesen war. Wellauer entpuppt sich in seinem Leben hinter den Kulissen als moralinsaurer Prinzipienreiter, der seinen Ruhm ausnutzte. Wer nicht so wollte wie der Star, dem wurde mit wenigen Telefonaten bei anderen Kunstschaffenden die Karriere zunichte gemacht. Vor allem Sängerinnen gerieten bei ihm leicht in Abseits, wenn sie sich von ihm nicht nach seinen Vorstellungen "fördern" ließen - die Besetzungscouch lässt auch in der Klassik grüßen. Die Berichte für die 8-Uhr-Vorlage fallen zunächst also dünn aus, weil sich Brunetti viel Zeit nimmt und sich auch über die Vergangenheit des Dirigenten schlau machen will. Der vermeintlich sinnlose Ausflug zu Wellauers Karriere in den 1930er Jahren verschafft Brunetti letztlich aber den Durchblick, um die vorhandenen Informationen richtig miteinander verbinden zu können.

Die schöne Ausgabe, die ich anno 2015 gelesen habe, stammt aus der Jubiläumsausgabe des Diogenes Verlags von 2012: "20 Jahre Brunetti". Alle Bände waren seinerzeit in bedrucktes Leinen eingebunden und den Umschlag dieses Krimis ziert das beeindruckende Innere des berühmten "La Fenice" (2016 feiert die Serie übrigens bereits das nächste Jubiläum, denn der 25. Band wird erscheinen). Der Erstling der Brunetti-Serie von 1993 besticht auch mehr als zwanzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen noch durch seine Themen und die Herangehensweise an unangenehme Wahrheiten. Es geht ruhig zu, um die Konzentration auf menschliche Nöte und die persönliche Note von Brunetti zu unterstreichen. In diesem Fall porträtiert Donna Leon einen Prominenten, der sich selbst Freiheiten zugesteht, die er anderen nie gönnen würde. Wäre er Beamter, würde man es Machtmissbrauch nennen. Obendrauf addiert sich für Wellauers Opfer das Problem, dass der Dirigent auf Grund seines Ruhms über Jahre unangreifbar blieb. Einen so brillianten Musiker greift man nicht an. Ein so genialer Kopf kann gar nicht Schlechtes gemacht haben. Die Menschen, die unter ihm gelitten haben, hatten letztlich keine Chance, weil Wellauer in gewisser Weise unter dem Schutz der Öffentlichkeit stand. Und so muss Brunetti am Ende feststellen, dass die Bewertung des Ganzen nur schwer zu machen ist.

Die große Ruhe dieses Brunetti-Romans ist gewiss nicht jedermanns Sache. Die Familie ist adrett, der Commissario lässt sich von seinem stichelnden und um seinen Ruf bedachten Chef kein bisschen aus der Ruhe bringen, die vom Tod wenig berührte Witwe steht nicht sofort unter Verdacht und Brunetti benötigt nicht ein einziges Mal ein Verhör unter Druck oder eine Vorladung auf die Wache. Wer mit so viel Gelassenheit zurecht kommt, liest einen Krimi, der mit feinen Tönen sehr viel über menschliche Abgründe, Ressentiments, Abhängigkeiten und gesellschaftliche Mythen erzählt.

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krimi, stuttgart, raf, georg dengler, privatdetektiv

Die blaue Liste

Wolfgang Schorlau
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 16.03.2005
ISBN 9783462034790
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach vielen erfolgreichen Jahren als Fahnder beim BKA schied Georg Dengler aus dem Dienst aus und macht sich dank seiner beruflichen Erfahrungen als Privatermittler selbständig. Ein knorriger Einstieg, denn das letzte Gehalt des BKA landet einfach nicht auf dem Konto und die ersten Aufträge müssen erst einmal abgeschlossen werden. Wie zu erwarten finden sich zuerst Menschen bei Dengler ein, die den Partner prüfen lassen möchten oder Arbeitgeber, die ihren Angestellten misstrauen. Den Anruf eines Mannes, der seiner Lebensgefährtin Christiane helfen will, den Tod ihres Vaters emotional abzuschließen, kommt Dengler gleichfalls wie ein Spaziergang vor. Der Vater, Paul Stein, war auf einen Flug eingebucht, der mit einem Absturz im Dschungel endete. Wie kann ein Absturzopfer aber nach Abflug der Maschine noch bei der Tochter anrufen? Dengler lässt sich die Unterlagen kommen und stellt schnell einige seltsame Details fest, darunter die Tatsache, dass das deutsche BKA in ungewöhnlicher Gruppenstärke die Ermittlungen beim Absturz einer österreichischen Maschine leitete.

Ein Privatermittler im deutschen Krimi? Das funktioniert nie! So jedenfalls bescheinigte man Schorlau die Aussichten für diesen ersten Fall. Ein Glück, dass Schorlau das nicht wusste. Aber die Vorbehalte lässt er in einem Gespräch zwischen dem erfolglosen Krimi-Schriftsteller Martin Klein und Dengler Revue passieren: "In Deutschland muss die Bekämpfung des Bösen immer hoheitlicher Akt sein, die Suche nach der Wahrheit darf nie Sache des mündigen Bürgers werden, nur ein Staatsbeamter findet die Wahrheit und schafft damit Ordnung. ..." Doch damit nicht genug. Klein fördert noch einen ganz anderen Mangel des deutschen Krimis zutage: "Das Böse kommt bei uns immer von außen. Es ist undenkbar, dass es mitten unter uns sitzt, dass der Staat es selbst ist, der Verbrechen ausführt; selbst die kleine Spielart, der korrupte Bulle, kommt nicht vor — in keinem Tatort, in keinem der SAT-1-Filmchen, nur in der Wirklichkeit, na, das wissen Sie wahrscheinlich besser als ich."

Und ob Dengler das besser weiß; so ganz ohne Bauchschmerzen ging seine Kündigung beim BKA nämlich nicht ab und der Hinweis auf die starke BKA-Beteiligung bei den Ermittlungen zum Flugzeugabsturz löst also, kein Wunder, Misstrauen aus. Dengler begegnete selbsternannten Gerechten, unter der Aufgabe zu ungesunden Moralaposteln mutiert. "Es gibt keine Justizirrtümer in Terroristenprozessen," lässt ihn ein eher machtheischender denn kompetenter Chef wissen, der eine ganze Generation als schuldig, unrettbar, verfaulend deklariert. Einfach weil sie Altersgenossen der RAF-Gruppierungen waren. "Jeder unter 35 sollte mindestens drei Mal spüren, wie das ist, wenn eine Maschinenpistole auf ihn gerichtet wird."

Die RAF bildet den einen Erzählstrang der Geschichte. Die womöglich letzte Tat einer zugehörigen Gruppierung war die Ermordung des Präsidenten der Treuhandgesellschaft Detlev Karsten Rohwedder im April 1991. Wer tatsächlich dahinter steckt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Wolfgang Schorlau bleibt an den gut recherchierten Fakten, so lange sie eindeutig sind jedenfalls. Denn die Täterschaft lässt Optionen für ihn offen. Die immer noch laute Theorie, dass es eine gut getarnte Geheimdienstaktion war, verknüpft er mit dem Flugzeugabsturz der Lauda-Air-Maschine im Mai 1991. An Bord war in der Tat ein bedeutender österreichischer Volkswissenschaftler, der viele Männder der deutschen Wirtschaftselite kannte, ebenso wie Rohwedder und Mitarbeiter der Treuhand. Ein Professor, der Rohwedder Leute in Berlin zur Verfügung gestellt hatte, weil die eine Möglichkeit für die Umgestaltung ehemaliger DDR-Betriebe kannten: Die Organisationsform des Gerätewerks Matrei. Matrei funktioniert seit Jahrzehnten erfolgreich als Produktivgenossenschaft und ist damit gleichermaßen ein Unternehmen, dessen Organisationsform modellhaft für andere Betriebe stehen könnte, das aber auch für konventionell denkende Wirtschaftsgrößen ein Ärgernis wäre. Haben Rohwedder und Stein sich mit einem Alleingang Feinde im eigenen Lager geschaffen?

Am Ende klingen die von Schorlau entwickelten Strukturen gar nicht so unplausibel, wenn man sich von ihm die Lücken und Verdrehungen in den Ermittlungen aufschlüsseln lässt. Das gesamte Konzept ist schlüssig aufgebaut und bündig erzählt. Dazu kommt der Wechsel in der Rollenverteilung. Dass sich der deutsche Geheimdienst oder das BKA im Gegensatz zu ihren amerikanischen oder britischen Pendants, die in Thrillern auch mal fiese Register ziehen, ausschließlich an good guy-Regeln halten, dürfte klar sein. Nur, man bekommt offenbar wenig Literatur mit solchen Aspekten. Wolfgang Schorlau macht erfreulicherweise etwas anderes vor, ohne beim Rhythmus oder der Konstruktion zu einem atemlosen Thriller zu werden.

Das Schlusswort überlasse ich Wolfgang Schorlau selbst: "Der Autor kann nur eine Geschichte erzählen, aber wenn Polizei, Justiz und Politik versagt haben, muss es dem Geschichtenerzähler erlaubt sein zu sagen: Es ist nur eine Geschichte, aber vielleicht war es so."

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Gipfel der Götter 5

Baku Yumemakura , Jiro Taniguchi , Jiro Taniguchi
Buch: 300 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 30.10.2008
ISBN 9783937102993
Genre: Comics

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Gipfel der Götter 4

Baku Yumemakura , Jiro Taniguchi , Jiro Taniguchi
Fester Einband: 306 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 30.07.2008
ISBN 9783937102900
Genre: Comics

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Gipfel der Götter 3

Baku Yumemakura , Jiro Taniguchi , Jiro Taniguchi
Buch: 330 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 30.04.2008
ISBN 9783937102863
Genre: Comics

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Gipfel der Götter 2

Baku Yumemakura , Jiro Taniguchi , Jiro Taniguchi
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Schreiber & Leser, 30.01.2008
ISBN 9783937102818
Genre: Comics

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