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240 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

fantasy, hydden, england, william horwood, frühling

Hyddenworld - Der Frühling

William Horwood , Reiner Pfleiderer
Fester Einband: 534 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.02.2012
ISBN 9783608946383
Genre: Fantasy

Rezension:

Eine Prophezeiung wird wahr
Frühling, der erste Band der Tetralogie Hyddenworld, ist die breit angelegte Hinführung zu dem geplanten Fantasy-Epos von William Horwood. Diese verbindet historische mit real existierenden und fiktiven Orten in Englalond, dem heutigen England und basiert auf Legenden, Mythen und Prophezeiungen aus uralten Zeiten.
Die Handlungsträger der Geschichte sind Menschen und Hydden. Dies sind kleine Wiesen- und Grabenbewohner, die nah bei den Menschen wohnen. Da aber die Menschen aus Gleichgültigkeit verlernt haben, die Natur und ihre kleinen Mitbewohner zu beachten, sind sie blind geworden für diese Parallelwelt. Die Hydden hingegen, der Natur sehr nah, nehmen am technischen Fortschritt der Menschen teil, leiden auch unter dessen Folgen und können durch Henges sogar in die Menschenwelt übertreten. Der Wechsel in die Hyddenwelt dagegen gelingt nur den wenigen Menschen, die sich den Glauben an die Hydden bewahrt haben.
Die Welt der Hydden und der Menschen steht vor einer von den Menschen provozierten Umweltkatastrophe, die laut einer Prophezeiung aus dem 7. Jahrhundert nur dadurch verhindert werden kann, dass die Fragmente einer Brosche, dies sind vier verloren gegangene Edelsteine, die die Kraft der vier Jahreszeiten widerspiegeln, wieder zusammengefügt werden.

Als in dem Volk der Hydden ein Junge, namens Yakob, geboren wird, der sich zu einem Riesen entwickelt, senden ihn dessen Eltern zu seinem eigenen Schutz in die Menschenwelt. Von diesem Riesengeborenen, der sich von nun an Jack nennen soll, so sagt eine alte Legende, soll die Rettung für das Universum kommen. Von nun an begleitet der Leser diesen Hydden Jack auf seiner Reise durch die Menschen- und in die Hyddenwelt. Ängsten, Verfolgung und Grausamkeiten ist er ausgesetzt, nachdem man in Hyddenworld von seiner Existenz erfahren hat. Dass er alle Angriffe überlebt, verdankt er dienstbaren Helfern aus beiden Welten. Besonders die Liebe zu Katherine lässt ihn sein Schicksal annehmen und letztendlich in die Menschenwelt zurückkehren. Gemeinsam sind sie auf dem richtigen Weg, die Welt zu retten.
Horwood ist es mit einer fast märchenhaft altertümlichen Sprache gelungen, Hyddenworld mit den zahlreichen Charakteren für den Leser sichtbar zu machen.
Ich halte den ersten Band „Frühling“ für einen gelungenen Auftakt zu dem geplanten Epos und freue ich auf den nächsten Band.

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272 Bibliotheken, 4 Leser, 8 Gruppen, 73 Rezensionen

london, sherlock holmes, krimi, dr. watson, mord

Das Geheimnis des weißen Bandes

Anthony Horowitz , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 12.12.2011
ISBN 9783458175438
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der neue Sherlock Holmes Roman von Antony Horowitz entstand 81 Jahre nach dem Tod von Sir Arthur Conan Doyle, dem berühmten Verfasser der Sherlock Holmes Kriminalgeschichten.
In der Ich-Form berichtet darin Dr. Watson, der gute Freund und Chronist von Sherlock Holmes, ein Jahr nach dessen Tod von einem Fall, dessen monströse Ausmaße ihn bisher davon abgehalten hatten, ihn der Öffentlichkeit zu präsentieren.
„Das Geheimnis des weißen Bandes“ beginnt damit, dass Dr. Watson, inzwischen ein berühmter Arzt in London, seinem Freund Holmes einen Besuch in der Baker Street 221b abstattet, der von einem Fremden gestört wird. Der Mann, ein gewisser Mr. Carstairs, erbittet die Hilfe von Sherlock Holmes. Er fühlt sich verfolgt von einem Mann mit einer flachen Kappe auf dem Kopf und einer frischen Narbe auf der Wange, der ihm aufzulauern scheint. Er fürchtet einen Racheakt.
Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel vom Inhalt verraten. Nur so viel kann ich sagen, dass von nun an die authentisch wirkenden Protagonisten Dr. Watson und Sherlock Holmes in einem zweiten Handlungsstrang umgeben sein werden von skrupellosen, düsteren Figuren, die vor nichts zurückschrecken und unsere beiden Helden gar in Lebensgefahr bringen. Beide Handlungsstränge sind gekonnt ineinander verwoben, so dass sie den Leser immer wieder erschaudern lassen.
Schauplatz ist das detailliert beschriebene Milieu der Londoner Straßenkinder und der Unterwelt, wie auch die Welt der sogenannten vornehmen und sozial engagierten Bürger der Stadt. Ein weißes Seidenband weist dem Detektiv den schwierigen Weg zur Lösung des Falles.
Der Roman ist gekonnt im Stil Conan Doyles verfasst, übertrifft jedoch durch einen zusätzlichen Handlungsstrang deutlich die klassischen Kriminalgeschichten an Länge. Er überzeugt durch Sprache, Stil und Spannung. Ein bisschen reicht er sprachlich in unsere Zeit, wenn beispielsweise wiederholt von der Alternativlosigkeit einer gewissen Situation die Rede ist. Da ich jedoch nicht das englische Original vor mir liegen habe, könnte der Begriff "Alternativlosigkeit" allerdings auch auf einen Übersetzungsfehler zurück zu führen sein.
Ebenso gelungen wie die Geschichte selbst, die bis zum Ende hin immer wieder neue Spannungselemente zu bieten hat, ist das geheimnisvoll wirkende Cover mit weißer, verschnörkelter Schrift auf schwarzem Leineneinband.
Ich bin begeistert von diesem Werk und glaube, es wird auch bei vielen anderen Sherlock Holmes Fans Begeisterung hervorrufen.

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179 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 47 Rezensionen

kongo, bonobos, freundschaft, dschungel, wissenschaft

Lucy

Laurence Gonzales , Britta Mümmler
Flexibler Einband: 430 Seiten
Erschienen bei dtv, 18.11.2011
ISBN 9783423248907
Genre: Romane

Rezension:

Auf der Flucht vor Rebellen findet Jenny Lowe, eine Bonobo-Forscherin, im kongolesischen Urwald im Haus ihres getöteten Kollegen Stone dessen Tochter Lucy hilflos vor. Jenny nimmt das 15 jährige Mädchen mit in ihre amerikanische Heimat Chicago. Sie will Lucy eine Bleibe geben, bis deren Angehörige gefunden sind.
Schon bald stellt sich heraus, dass Lucy, die von klein auf mit ihrem Vater im Urwald gelebt hat und von ihm vorzüglich unterrichtet worden ist, keine Angehörigen hat. So bleibt sie bei Jenny und wird in die amerikanische Schule aufgenommen. Aus dem unsicheren und scheuen Naturkind wird in relativ kurzer Zeit - dank ihrer amerikanischen Freundin Amanda - ein typischer amerikanischer Teenager. Sie lernt die Jugendsprache und den Gebrauch von Handy und Computer. Vor allem muss sie verstehen lernen, dass man das alles braucht, um „in“ zu sein.
Den Notizbüchern, die Jenny aus Stones Haus mitgenommen hatte, entnimmt sie voller Schrecken, dass Lucy ein Hybridwesen ist. Sie ist das Ergebnis einer künstlichen Befruchtung. Ihr Vater ist der Forscher Stone, ihre Mutter in ein Bonobo-Weibchen.
Jenny möchte die Herkunft des Mädchens geheim halten, um sie vor dem Rummel und den vielen Gefahren, denen sie dann ausgesetzt sein würde, zu bewahren. Aber schon bald infiziert sich Lucy mit einem Virus, das es bisher nur bei Tieren gegeben hat. Sie zieht das Interesse der Gesundheitsbehörden auf sich und der Teufelskreis beginnt.
Der Roman von Laurence Gonzales ist spannend und bedrückend zugleich. Die Protagonistinnen Jenny Lowe und Lucy wirken authentisch. Jennys Fürsorge und Liebe wirken ebenso echt wie Lucys Naturverbundenheit und innere Zerrissenheit, wenn sie sich wiederholt die Frage stellt, wer sie wirklich ist und warum ihr Vater – ihr Schöpfer – ein solches, ihr gegenüber verantwortungsloses Experiment gewagt hat. Auch Amanda überzeugt in ihrem toleranten, liebevollen Umgang mit den beiden Protagonistinnen.
Trotz der Vorzüge dieses Romans stört mich seine Schwarz-Weiß-Malerei. Die Menschen sind entweder sehr gut oder teuflisch böse
Der Roman hat mehr zu bieten. Er ist nicht perfekt, aber er enthält Botschaften, die man hören sollte wie:
Wissenschaftler sollen ethisch-moralisch und verantwortlich mit der Schöpfung umgehen, und eine Gesellschaft sollte dem Fremden mit Toleranz begegnen.
Ich habe diesen Roman gerne gelesen, war berührt und wurde nachdenklich. Ich kann ihn nur weiterempfehlen.

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71 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

spanien, freundschaft, geheimnis, vergangenheit, mallorca

Töchter des Schweigens

Elia Barceló , Petra Zickmann
Fester Einband: 424 Seiten
Erschienen bei Pendo Verlag, 13.04.2011
ISBN 9783866122666
Genre: Romane

Rezension:

Erdrückende Schuld
Elia Barceló zeichnet detailliert und psychologisch geschickt die Charaktere von sieben sehr unterschiedlichen Frauen nach, die im Jahre 2007 um die 50 Jahre alt sind. Sie alle verbindet die Zugehörigkeit zu einer Clique hoffnungsvoller, unzertrennlicher Abiturientinnen aus Elda (Alicante), die im Jahre 1974 an einer Abschlussklassenfahrt nach Mallorca teilnimmt. Auf dieser Fahrt jedoch geschieht etwas Schlimmes, das als dunkles Geheimnis, über das keine einzige von ihnen jemals zu sprechen wagt, das Leben aller überschattet.
Warum die großen Erwartungen, die die ehemaligen Abiturientinnen an das Leben hatten, nicht erfüllt werden und mit welcher Last sie ihr Leben lang leben müssen, das erzählt dieser großartige Roman

Als Rita, ehemals „das Herz“ der Clique, die inzwischen in London eine Berühmtheit geworden ist, ihren Heimatort in Begleitung ihrer Agentin Ingrid besucht, kommt es zu einem ersten Wiedersehen der sieben Frauen nach mehr als 30 Jahren und zur Katastrophe. Da Ingrid als Außenstehende nicht eingeweiht ist in das einvernehmliche Stillschweigen aller über die Ereignisse von damals, lässt sie mit einem Mallorca- Film die Vergangenheit wieder aufflammen. Kurz darauf findet Rita die Leiche ihrer Freundin Lena in deren Wohnung vor und gerät in Verdacht, sie ermordet zu haben. Die polizeilichen Untersuchungen scheinen erfolglos zu bleiben.

Geschickt lässt die Verfasserin nun in stetigem Szenen- und Zeitenwechsel die Leser teilhaben an Gesprächen und Ereignissen, die mal in der Gegenwart, also 2007 in Elda stattfinden oder im Jahre 1974 während der Klassenfahrt auf Mallorca. Immer neue Geschehnisse, unerklärliche Verhaltensweisen, Niederträchtigkeiten und dunkle Geheimnisse werden offenbar und erhalten bzw. steigern die Spannung bis zum Ende des Romans.
Eine geniale Komposition und Inszenierung, wie ich meine.

In ihrer sehr direkten, lebendigen Sprache, teilweise brutal und ernüchternd, mit einer geschickten Mischung aus Dialogen und Berichten deckt Elia Barceló die Gefühle, Beweggründe und Handlungen der Beteiligten auf. Die Protagonisten sind die Frauen, deren Solidarität beispielhaft ist. Die männlichen Akteure wirken auffallend unsympathisch und zeichnen sich durch Machogehabe und Egoismus aus.
Das Cover des Buches gibt hervorragend die geheimnisvolle und bedrohliche Atmosphäre des Romans wieder.
Ich kann den Roman nur empfehlen, glaube allerdings, dass er eher Frauen begeistern wird. Besonders gefällt mir auch, dass der Leser im Nachwort erfährt, was aus den verschiedenen Personen geworden ist.

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Tags: absolut lesenswert   (1)
 

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historischer roman, braunschweig, familie, blinde, brand

Die Vergolderin

Helga Glaesener
Fester Einband: 459 Seiten
Erschienen bei List, Paul, 21.03.2011
ISBN 9783471300077
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eine schicksalhafte Begegnung

Helga Glaesener stellt mit ihrem neuen, außerordentlich gut recherchierten historischen Roman „Die Vergolderin“ wieder einmal ihr Talent unter Beweis, eine fiktive Welt gekonnt in einen historischen Zusammenhang zu bringen.
Im Mittelpunkt dieses Romans, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts überwiegend in Braunschweig spielt, steht Elisabeth Weißvogel, eine außergewöhnliche Frau, die bereits in jungen Jahren nach dem Tod ihrer Eltern große Verantwortung übernehmen muss. Sie lebt in einer Gesellschaft, in der die Männer herrschen und die Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter klar definiert ist. Sie findet mit ihren Geschwistern eine Bleibe bei ihrem Großvater in Braunschweig, der seine verwaisten Enkel der Not gehorchend aufnimmt. Elisabeth ist eine talentierte Vergolderin. Um Geld zu verdienen, vergoldet sie heimlich Spiegelrahmen, die ein Freund für sie verkauft. Das alles darf den ortsansässigen Gildemeistern der Zünfte nicht zu Ohren kommen, denn Frauen dürfen kein Handwerk ausüben oder berufstätig sein.
Elisabeths Schicksal ist unentrinnbar verwoben mit dem des blinden Kaufmanns Martin Clavius. Dieser hat ihr in einer schicksalhaften Begegnung das Leben gerettet und erbittet nun seinerseits ihre Hilfe. Er war nach einem traumatischen Erlebnis vor 18 Jahren in seiner Heimatstadt Braunschweig erblindet und ist nach langer Abwesenheit zurück gekommen um herauszufinden, was damals geschehen ist. Auf der dramatischen Suche nach der Wahrheit geschehen unglaubliche Grausamkeiten.
Elisabeth ist durch den Überlebenskampf, den sie führen muss und die Tatsache, dass sie ihre große Liebe einst nicht hat heiraten dürfen, kämpferisch, hart und misstrauisch geworden. Dadurch verspielt sie beinahe die Chance auf eine doch noch glückliche Zukunft.
Neben Elisabeth und Martin lässt Helga Glaesener gekonnt weitere Personen ins Blickfeld rücken. So entsteht ein facettenreiches Bild der Braunschweiger Gesellschaft, die vor Intrige, Neid, Verrat, Vergewaltigung und Mord nicht zurückschreckt.
In diesem dramatisch erzählten und ergreifenden Roman wird das mittelalterliche Leben und die Rechtlosigkeit der Frau in einer von Männern dominierten Welt lebendig. Während das Cover ein Gefühl der Ruhe vermittelt, überschlagen sich im Roman selbst die Ereignisse. Der Stadtplan Braunschweigs auf den Innenseiten des Buchdeckels wirkt einladend
Ich kann diesen Roman wärmstens empfehlen.

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Tags: historischer roman   (1)
 

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97 Bibliotheken, 2 Leser, 4 Gruppen, 29 Rezensionen

rumänien, banat, liebe, familiengeschichte, jacob

Jacob beschließt zu lieben

Catalin Dorian Florescu
Fester Einband: 402 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 08.03.2012
ISBN 9783406612671
Genre: Romane

Rezension:

Catalin Dorian Florescu ist Exil-Rumäne und lebt seit 1982 in Zürich. In seiner Dankesrede zur Preisverleihung des Anna Segher-Preises im Jahre 2003 sagte er:“ Wenn ich meinem Vater zuhöre oder anderen Alten, Armen, Entwurzelten, einfachen Menschen, dann funkeln Perlen in ihren Geschichten.“ Ein solches Juwel liegt mit dem von ihm geschriebenen und im Beck Verlag soeben erschienenen Buch „Jacob beschließt zu lieben“ vor uns.
Das Geschehen des Romans erstreckt sich von Mitte der 20er Jahre bis zu den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und reicht in Rückblenden bis ins 17. Jahrhundert zurück.
Im Mittelpunkt der Ich-Erzählung stehen die Vater-Sohn-Konflikte von Jakob Obertin mit k, dem Vater, und Jacob mit c, seinem ungeliebten Sohn. Der junge Obertin berichtet über seine leidvolle Kindheit und Jugend in einem freudlosen, von Brutalität des Vaters und Frömmelei der Mutter geprägten Elternhaus und über die Besiedlung des rumänischen Banats durch seine Schwaben genannten Vorfahren
Jacobs Eltern waren eine Vernunftehe eingegangen. Elsa, seine Mutter, hatte auf dubiose Weise in Amerika ihr Glück gemacht und war mit viel Geld zurückgekommen. Nach der Geburt ihres Sohnes wird sie nur noch als schweigender Teil der Familie in Erscheinung treten. Ihr Ehemann Jakob, ein ehemaliger mittelloser Stallbursche, hatte sie allein mit der Absicht geheiratet, den Bauernhof der Obertins in Besitz zu nehmen, von ihrem Geld zu profitieren, sich durch die Heirat den angesehenen Namen Obertin anzueignen und einen Erben zu zeugen. Dieser von Geburt an schwächliche Sohn Jacob wird vom Vater jedoch abgewiesen. Menschliche Wärme und Fürsorge findet der Junge nur bei einer Zigeunerin und bei seinem Großvater. Von diesem erfährt er im Laufe der Zeit in Rückblenden, warum und auf welche zum Teil kriminelle Weise seine Vorfahren im 18. Jahrhundert ihre Heimat Lothringen verlassen hatten und in das rumänische Banat ausgewandert waren.. Ihre Hoffnungen, frei von Krieg, Hunger und Not leben zu können, sollten sich nicht erfüllen.
Jacob durchlebt in jungen Jahren mehr Tiefen als Höhen. Nirgends ist er wirklich zu Hause. Er verliert seine große Liebe, wird vom herrschsüchtigen Vater brutal misshandelt, verraten und enterbt. „Er ist mein Sohn, also mache ich mit ihm, was ich will,“ lässt der Verfasser den Vater sagen (S. 110). Mit dem den Obertins eigenen starken Überlebenswillen ausgestattet, kämpft der schwächliche Junge ums Überleben und gewinnt an Stärke. In seiner Not stößt er dabei immer wieder auf fremde Menschen, die ihm helfen, sei es bei der Deportation nach Sibirien oder bei der Zwangsumsiedlung. Er arrangiert sich notgedrungen mit den Gegebenheiten und zuletzt sogar mit seinem Vater. Er verschmerzt, was unverzeihlich ist, und beginnt von Neuem, denn er ist daran gewöhnt, dass „Katastrophen zu den Obertins gehören“ (S. 113).
Florescu besitzt die Kunst, den Leser in den Bann zu ziehen. Man ist als Leser mitten im Geschehen. Wortgewandt und ausdrucksstark - fast wie in einem Film - reiht er Bild an Bild. Das Alltägliche wird zum Besonderen. Das Unscheinbare – wie die Gestalt Elsas – gewinnt an Bedeutung. Nahezu farblos dargestellt, entsteht vor den Augen des Lesers dennoch ein deutliches Bild von ihr.
Poetisch wird die Sprache, wenn es um die Liebe der Obertins zu Grund und Boden oder die Liebe Jacobs zu dem Serbenmädchen geht. Klar und sachlich, nahezu emotionslos - für den Leser daher erträglich – wird sie, wenn es um Rückblenden oder die schweren Schicksalsschläge im Leben des jungen Jacob geht. Immer wieder wird der aktuelle Bezug zur historischen Entwicklung seines Landes transparent. Dies mag mit der Absicht einhergehen, Rumänien nicht nur als das Armenhaus Europas vorzuführen, sondern seine besondere Geschichte ins Blickfeld zu rücken Dass die Verfolgung der Zigeuner in Europa seit mehr als 300 Jahren immer noch ein aktuelles Thema ist, wurde mir erneut mit Schrecken bewusst
Im Hinblick auf die erzählte Geschichte halte ich den ansprechenden Titel und das heiter-besinnliche Titelbild des Romans allerdings für irritierend, denn beide wecken Hoffnungen, die wohl nicht erfüllt werden.

Florescu hat mit diesem Roman den Bogen weit gespannt: Liebe zu Grund und Boden, Ängste und Nöte in schweren Zeiten, politische Konflikte und Gewissenskonflikte, Diktatur, Grausamkeiten und Denunziation sowie zarte Liebesgefühle verschmelzen zu einem Gesamtwerk, das höchste Anerkennung verdient. Mich hat dieser Roman tief berührt.

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