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137 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

bipolare störung, manisch-depressiv, biographie, autobiographie, roman

Die Welt im Rücken

Thomas Melle
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 26.08.2016
ISBN 9783871341700
Genre: Biografien

Rezension:


Die Zerbrechlichkeit der menschlichen Psyche


Thomas Melle „Die Welt im Rücken“


Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.
 

Thomas Melle wurde 1975 in Bonn geboren und wuchs in schwierigen Verhältnissen auf. Wie er sagt, wohnte er in einem „Haribo Slum“.
Seine Romane „Sickster“ und „3000 Euro“ standen auf der Long- bzw. Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Auch „Die Welt lm Rücken“ war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zusätzlich schreibt Thomas Melle Theaterstücke.
Thomas Melle leidet an einer manischen Depression, und dieses Buch ist eine Autobiografie seiner persönlichen Bipolarität. Die Symptome zeigten sich erstmalig während des Studiums 1999 in Tübingen. Der moderne Begriff für diese Krankheit lautet Bipolarität. Thomas Melle bevorzugt die ältere Bezeichnung. Für ihn klingt der Terminus Bipolarität zu technisch und verharmlost die Krankheit.


Das Buch beginnt mit drei Prologen, die die drei Phasen der Krankheit beschreiben. Die Erzählung ist chronologisch aufgebaut, mit drei großen Kapiteln, 1999, 2006, und 2010. In diesen Jahren kam es zu manischen Schüben, die sich jedesmal steigerten. Und ein Kapitel 2016, das die Gegenwart schildert.
Der manisch-depressive führt drei Leben: Die manische Phase:Die Phase der Euphorie, Aktivität und Selbstüberschätzung, die der Depression: Zustand der absoluten Passivität, selbst einfache Alltagstätigkeiten werden zu einer großen Herausforderung. Zwischen diesen beiden Phasen steht dann der Gesundete, um das entstandene Chaos in den beiden anderen Phasen zu beseitigen und zu verstehen. Da Ursachen für die bipolare Störung schwer zu ermitteln sind, versucht Melle mit der Beschreibung der Ereignisse seine Krankheit für ihn und damit auch den Leser begreifbarer zu machen.


Im ersten Prolog beschreibt er eine depressive Phase, in der er sich von seiner Bibliothek trennt. Auch die Bibliothek kann Teil der Identität eines Menschen sein. Mit dem Verkauf der Bibliothek verliert Thomas Melle einen weiteren Teil seiner Identität. Jeder der eine Bibliothek besitzt, kann verstehen wie bitter es ist, seine Bücher zu verlieren.

Der zweite Prolog behandelt die manische Phase. Bei Melle drückt sich dies in einer Fixiertheit auf prominente Menschen aus. So schildert er Sex mit Madonna und den Kontakt mit Björk, die ihm inzwischen auf die Nerven geht. 
Der dritte Prolog, die Phase der Gesundung, ist eine sachliche Auseinandersetzung, mit der Krankheit. Die Suche nach Ursachen, medizinische und biochemische Erklärungen der Krankheit. Da die Krankheit jederzeit ausbrechen kann, fällt es ihm schwer die Krankheit als Teil seiner Persönlickeit zu akzeptieren. 
So ist der Aufbau des gesamten Buches:Beschreibung der Depression, manische Phase und Analyse der Krankheit. Die Beschreibung der manischen Phasen nehmen den größten Teil ein.


Er schreibt E-Mails mit zum Teil wenig sinnvollen Inhalten und wird zum Internet Troll. Terrorisiert seine Umgebung und geht seinen Freunden auf die Nerven, die sich von ihm trennen. Er leidet unter einer Paranoia, einem Verfolgungswahn, und sieht in allem an ihn gerichtete Botschaften, das können Schilder, Ampeln, Menschengruppen oder Texte in Popsongs sein. Die Umwelt wird intensiv wahrgenommen.


„Man lebt in der Überzeugung, jeglichen und alles in seinen Bann ziehen zu können, ist bis in die letzte Nervenfasern von Kraft, Können, Allmacht, Glück und dann wieder von Panik, Wut und Schuld durchdrungen.“


Diese Krankheit führt zu einem intensiven Leben, während der Manie einem Rauschzustand ähnlich. Er beschreibt schonungslos seinen Krankheitsverlauf und die Folgen: Verlust der Wohnung und Freunde, Suizidversuch. hoch verschuldet und Einlieferung in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie. Er spart peinliche und beschämende Tatsachen nicht aus. Er hat seinen Ruf ruiniert und es bleibt ein Gefühl von Scham zurück.


Nach einer Aussage von Thomas Melle war er die Vorlage für die fiktiven Figuren in seinen Romanen und Theaterstücken, und hofft, er kann er sich nach dem Schreiben dieses Buches auch anderen Figuren widmen. 
Diese Krankheit führte zu einer größeren Sensibilisierung gegenüber Menschen und der Gesellschaft und zu einer neuen Selbstwahrnehmung.


„Ich kann nur sagen, dass ich nun Dinge kenne, die mir fremd geblieben wären, dass es da einen intuitiven Wissensschatz gibt, der mir zur Verfügung steht. Ich weiß, dass mein eigenes Leiden meine Empathie für andere verstärkt und verfeinert hat. Die Krankheit hat mich an Orte geführt, die furchtbar und erkenntnisreich zugleich waren, und kenne nun das ganze Spektrum der Gesellschaft, in der ich lebe; bin vielleicht, da von ihnen gegängelt, auch für die Repression dieser Gesellschaft noch stärker sensibilisiert. Die Krankheit mag mich auf ewig gebrochen haben. Vielleicht hat sie mich aber auch, gegen meinen Willen, erst zum Schriftsteller gemacht.“
Die Schilderungen zeigen die Zerbrechlichkeit der menschlichen Psyche. Das Buch ist eine anstrengende Lektüre, aber in einer fesselnden Sprache geschrieben. Ich hätte den Roman gekürzt, denn es kommt zu Wiederholungen.


Das Buch endet optimistisch. Zum Beginn des Buches schildert Thomas Melle den Verkauf seiner Bibliothek, am Ende des Buches beginnt er mit dem Aufbau einer neuen Bibliothek, und damit holt sich Thomas Melle ein Teil seiner verlorenen Identität zurück.




Interview im Deutschlandfunk, am 26.August 2016 mit Thomas Melle Eine Videobesprechung des Romans: https://www.youtube.com/watch?v=d0IIaSUJbgE

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

feminismus, geschichte, frauen, schrifstellerinnen, autorinnen

Ein eigenes Zimmer

Virginia Woolf , Heidi Zerning
Flexibler Einband: 130 Seiten
Erschienen bei Fischer Taschenbuch, 01.12.2006
ISBN 9783596173617
Genre: Sonstiges

Rezension:

Heute ist Internationaler Frauentag und ich möchte deshalb über das Buch einer Frau sprechen:Virginia Woolf, Ein eigenes Zimmer, bzw. der englische Originaltitel lautet A Room of One `s Own.

Der Essay basiert auf zwei Vorträgen im Oktober 1928, am Newham College und Girton College. Diese beiden Colleges gehörten zu den ersten, die Frauen zum Studium zuließen. Während der Arbeit an diesem Vortrag, fand in London ein Gerichtsverfahren gegen den lesbischen Roman von Radclyffe Hall statt, der wegen Obszönität verboten werden sollte. Virginia Woolf trat für die Freiheit der Kunst ein, und unterstützte die Veröffentlichung dieses Romans. Da Frauen vor den männlich geführten Gerichten, wenig Chancen hatten, machte sie sich grundsätzliche Gedanken über die Stellung der Frauen in der Gesellschaft.

In den Vorträgen sprach Virginia Woolf über Frauen und Literatur. Der Essay versucht verschiedene Fragen zu beantworten:

Warum gab es in der Vergangenheit wenige weibliche Schriftsteller ? Wie wurden Frauen in literarischen Werken, in wissenschaftlichen, und historischen  Abhandlungen dargestellt ? 

Warum war ein Geschlecht so wohlhabend und das andere so arm ? Welche Wirkung hat Armut auf Literatur ? Welche Bedingungen sind für die Erschaffung von Kunstwerken unerläßlich ?

In dem Essay schildert eine fiktive Frau die Recherche zu diesen Fragen. Zunächst geht sie in die Bibliothek der Universität, um ein Buch zu lesen. Ihr wird allerdings der Zutritt verwehrt, da Frauen nur in Begleitung eines männlichen Fellows die Bibliothek betreten dürfen und damit wird der Zutritt zur Bildung und Universität erschwert . Während des Spaziergangs denkt sie über die wirtschaft-liche Situation der Frauen nach. War es in der Vergangenheit für Frauen möglich über ein eigenes Einkommen zu verfügen ?  Erst in zwei Gesetzen von 1870 und 1882 (  Married Women ´s Property Acts ) wurde verheirateten Frauen das Eigentumsrecht über ihr eigenes verdientes oder ererbtes Geld zugesprochen ! 

Anmerkung:Bis 1958 war es Frauen in der Bundesrepublik Deutschland nicht erlaubt ein eigenes Konto zu eröffnen. Die Verfügungsgewalt über das Geld hatte der Mann. Bis 1977 brauchte die Ehefrau die Erlaubnis vom Ehemann, um arbeiten zu dürfen !

http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/76102/8-maerz-weltfrauentag-07-03-2012

Sie besucht das Britische Museum, um mehr über die Geschichte der Frauen zu erfahren. Sie wählt willkürlich ein Dutzend Bücher und findet nur Bücher von Männern, die über Frauen schreiben, findet aber keine Bücher, in denen Frauen über Frauen schreiben. Das Thema Frauen, scheint ein Lieblingsmotiv der Männer zu sein. Wie schreiben Männer über die Frauen ?  Männer beschreiben, die  ihrer Meinung nach „natürliche“ Stellung der Frauen in der Gesellschaft als Mutter, Ehefrau, Geliebte . Das Ergebnis der Schriften fasst der Titel eines Buches zusammen:Die geistige, sittliche und körperliche Unterlegenheit des weiblichen Geschlechts. Warum urteilen Männer so über Frauen, obwohl alle Machtpositionen von ihnen besetzt sind ?  Es ist der Zorn der Männer. Aber warum sind die Männer zornig ? Vielleicht ist Zorn ein Bestandteil der Macht, aus Angst davor, die eigene Machtposition könnte gefährdet sein. Für die Männer ist nicht die Unterlegenheit der Frauen entscheidend, sondern ihre eigene Überlegenheit !

Frauen haben seit Jahrhunderten als Spiegel gedient, Spiegel mit der magischen und erhebenden Kraft, die Gestalt des Mannes in doppelter Größe wiederzugeben.

Das Spiegelbild ist von größter Wichtigkeit, denn es lädt die Lebenskraft auf, es regt das Nerven-sytem an. Nimm es fort, und ein Mann kann sterben, wie der Drogensüchtige, dem sein Kokain entzogen wird.

Das zeigt, wie unentbehrlich Frauen für das Überlegenheitsgefühl der Männer sind, und sie empfindlich und mit Zorn auf Kritik von den „unterlegenen“ Frauen reagieren, die ihre Überlegenheit bezweifeln.

Es gibt wenige literarische Werke von Frauen. Natürlich hat es schreibende Frauen in der Geschichte gegeben. Virginia Woolf nennt Beispiele von adligen Frauen bis zur Neuzeit. Sie beschreibt unter welchen Schwierigkeiten Frauen Literatur verfassten. Nach dem traditionellen  Rollenbild waren sie für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig. Obwohl das Haus der Aufgabenbereich der Frau war, besaß sie keine Privatsphäre. Sie hatte kaum Zeit und Ruhe  um zu schreiben. Häufig konnte sie nur heimlich schreiben. Gegenüber schreibenden Männern zeigt die Gesellschaft  eine Gleichgültig, gegenüber schreibenden Frauen allerdings eine Feindseligkeit. 

In einer Gesellschaft des Patriachats gelten die männlichen Werte, vertreten Frauen diese Werte nicht in ihren Romanen, so werden ihre Bücher automatisch unbedeutende Literatur. Sie hebt Jane Austen und Emily Bronte hervor, die sich nicht an diese Vorgaben hielten. 

Sie zitiert den englischen Schriftsteller und Kritiker Arthur Quiller-Couch aus seinem Buch „On the Art of Wrting

Der arme Dichter hat in unserer Zeit, ganz so wie vor zweihundert Jahren, nicht den Hauch einer Chance....ein armes Kind hat in England wenig mehr Hoffnung als der Sohn eines athenischen Sklaven, in jene geistige Freiheit entlassen zu werden, aus der große Werke geboren werden. 

Oder wie es Virginia Woolf zusammenfasst:Die geistige Freiheit hängt von den materiellen Freiheit ab. Sie widerspricht hiermit der romantischen Vorstellung vom armen Künstler, der großartige Kunstwerke schafft.

Virginia Woolf erhielt von ihrer Tante Mary Breton eine lebenslange, jährliche Erbschaft von 500 Pfund. Das bedeutete für sie die wirtschaftliche Unabhängigkeit. 

Zitat S.42

Keine Macht der Welt kann mir meine meine fünfhundert Pfund wegnehmen. Nahrung, Haus und Kleidung sind für immer mein. Deswegen hören nicht nur Mühsal und Fron auf, sondern auch Haß und Bitterkeit. Ich brauche keinen Mann zu hassen, er kann mir nicht schaden. Ich brauche keinem Mann zu schmeicheln; er kann mir nichts geben.

Wie können nur spekulieren, hätte sie diese wirtschaftliche Sicherheit nicht gehabt, ob wir dann heute die großartigen Bücher von Virginia Woolf lesen könnten. Um ein geniales Werk zu schreiben sind bestimmte Rahmenbedingungen erforderlich:Geld, Wohnung und Ruhe. 

Daraus folgt Virginia Woolfs Forderung :

"fünfhundert (Pfund) im Jahr und ein eigenes Zimmer“. 

Damit wird Virginia Woolf zur Vertreterin eines bedingungslosen Grundeinkommen. 

Dieses Essay ist ein wichtiger Text zur Frauenbewegung, der Literaturgeschichte und zur sozialen Frage. Einfach nur brillant geschrieben und eine genaue Analyse zur sozialen Stellung der Frauen  und ihre Bedeutung in der Literaturgeschichte. 

Zum Schluß richtet sie sich direkt an die jungen Frauen. Männer und Frauen sollen sich nicht feindlich gegenüber stehen, sondern sie fordert die Gleichberechtigung und androgyne Annäherung beider Geschlechter um große Literatur zu schaffen. Eine These die in der Literaturwissenschaft umstritten ist.

Hier ist die Videobesprechung:

https://youtu.be/vTqe-FxHiv4



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Tags: feminismus, gleichberechtigung, soziale gerechtigkeit   (3)
 

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Hold Your Own

Kate Tempest , Johanna Wange
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 13.06.2016
ISBN 9783518127063
Genre: Romane

Rezension:

Rapmusik und Spoken Poetry


Kate Tempest. Hold Your Own


Ich finde die Rap-Musik und den Hip Hop sehr interessant. Diese Musik ist sehr „textlastig“, und erinnert an „Spoken Word“ oder Poetry Slam und hat damit einen Bezug zur Lyrik und Literatur. Leider konnten mich die meisten Musiker mit ihren banalen Texten und dämlichen Videos nicht überzeugen. Diese Musikrichtung wird zudem von Männern dominiert und die halten sich häufig für das Zentrum des Universums. Nachdem Jan Böhmermann in einem Video den Deutschrap parodierte, reagierte die Szene beleidigt und zeigte auch noch ihre Humorlosigkeit.


Da ist Kate Tempest eine angenehme Überraschung. Kate Tempest ist eine britische Rapperin und Lyrikerin. Sie wurde am 22.Dezember 1985 in London geboren.

Bei Suhrkamp ist ihr Gedichtband „Hold Your Own“ erschienen. Die Gedichte kann der Leser in deutscher Übersetzung, aber auch im englischen Original lesen. Hold Your Qwn heißt übersetzt:sich zu behaupten.


Die Gedichte handeln vom antiken Mythos des Teiresias. der in der Neuzeit angesiedelt wird. Im ersten Teil wird der gesamte Mythos erzählt.

Das Gedicht beginnt mit dem pubertären 15 jährigen Teiresias, der zwei Schlangen beim Liebesakt beobachtet. Er trennt die beiden Schlangen und wird in ein Mädchen verwandelt. Sie flirtet mit den Jungen, ist selbstbewusst und kann sich gegenüber den Jungen behaupten. Ein älterer Mann macht ihr einen Heiratsantrag, sie lehnt ab und kehrt in ihre Heimat zurück. Sie sieht erneut zwei Schlangen beim Liebesakt, trennt die Schlangen, und wird in einen Mann zurückverwandelt. Er wird Lehrer und lebt mit einem Mann zusammen. Gott Zeus und seine Frau streiten über die Frage, wer beim Liebesakt die größere Lust empfinde. Da Teiresias Erfahrungen als Mann und Frau besitzt, soll er den Streit schlichten. Teiresias Antwort,die Frau erlebe eine größere Lust erzürnt Hera, und läßt Teiresias erblinden. Zeus kann die Erblindung nicht rückgängig machen, schenkt dem blinden Teiresias die Fähigkeit die Zukunft vorauszusagen.


Es folgen dann Gedichte, die die einzelnen Lebensabschnitte des Teiresias beschreiben:als Kind, Frau, Mann und blinder Prophet. Der Mythos des Teiresias ist die Rahmenhandlung des Gedichtbandes, der in der Neuzeit übertragen ist. Diese Gedichte beschreiben die Lebenssituation der Menschen und die aktuelle Gesellschaft. Gedichte die sich kritisch mit Religion auseinandersetzen und die Folgen von Kriegen beschreiben. Die Gedichte stellen unsere Lebensweise in Frage und versuchen Antworten zu finden wie wir anders leben könnten.


So in dem Gedicht „Schule“ ( Suhrkamp Hold Your Own,S.72 )


Wir lernen blindlings abzuschreiben, statt zu denken

Mit den Fiesen zu paktieren, sie uns warmzuhalten

Wir lernen, weder talentiert noch klug zu sein

und die wichtigsten Lektionen,

was die Karriere anbelangt:


Wie man Befehlen folgt, wenn man gelangweilt und

am Rande des Erbrechens ist

zweifelnd und gebeugt vor Angst


Das Gedicht „Wir kamen nach den Dinosauriern“ ( Suhrkamp Hold Your Own,S.211 )


Was immer nach uns kommt,

wird in den Niederungen nach Fußabdrücken

Und Fragmente unserer Lebensweise

Aus dem Internet rekonstruieren

Ein versteinertes Smartphone in einer Glasvitrine

An der der nunmehrige Nachwuchs beim Schulausflug

vorbeilascht

Und dabei gähnt


In diesem Gedichtband geht es um die Suche, den Wechsel und den schmerzvollen Verlust von Identitäten aber keine Angst davor zu haben verschiedene Identitäten auszuprobieren und sie gegenüber der Gesellschaft zu verteidigen, und dafür steht die antike Gestalt des Teiresias. Oder wie Kate Tempest, es in dem Gedicht „Was ich weiß“ ausdrückt, Liebe das Leben, aber keine Lebenskonzepte.

Kate Tempest steht in der Tradition der Beat Poeten Jack Kerouac, Allen Ginsburg und William S. Burroughs.

Wie soll man die Gedichte lesen ? Am besten im englischen Original, die Gedichte hinterlassen beim Leser eine stärkere Wirkung und man kann gleichzeitig einen Blick auf die deutsche Übersetzung werfen. Noch besser ist es zu sehen und zu hören, wie leidenschaftlich Kate Tempest rappt und ihre Gedichte vorträgt. Bei Youtube gibt es mehrere Videos von ihr.


Hier ist eine Videobesprechung:


https://www.youtube.com/watch?v=ECgSE_JADWE

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politisches gedicht, klassiker, lyrik, versepos, satire

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen [31. Auflage]

Heinrich Heine
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam Leipzig, 01.01.1974
ISBN B003SWFBI8
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Heinrich Heine. Deutschland ein Wintermärchen


Heines kritische Haltung zu den politischen Zuständen in Deutschland, führte zum Verbot seiner Schriften und 1831 zur Übersiedlung nach Paris. Nach zwölfjähriger Emigration in Frankreich, reiste Heinrich Heine im Jahr 1843 zum ersten Mal nach Deutschland zu seinem Verleger Campe und seiner Mutter. Die Rückreise im Dezember 1843 war die Grundlage für sein Gedichtepos . Das Gedicht erschien 1844, mit Änderungen am Originaltext, wie von Heine im Vorwort erwähnt, um von der Zensurbehörde die Freigabe zur Veröffentlichung zu erhalten.


Das Gedicht besteht aus 27 Capita ( Kapiteln ). Von dem Titel des Gedichts darf man sich nicht täuschen lassen. Hier handelt es sich um politische Dichtung ! Der Winter ist eine unangenehme und kalte Jahreszeit, und somit steht diese Jahreszeit auch für die erstarrten politischen Zustände in Deutschland. Die Zustände die Heine in Deutschland schildert erscheinen ihm so irreal, wie die Märchen. Heine schildert eine Reise durch Deutschland, die Anlass ist, über die politischen Zustände in Deutschland nach zu denken.


Während der Arbeit am Wintermärchen hatte Heine einen regen Gedankenaustausch mit Karl Marx. Einige Ideen im Gedicht verdanken sich vielleicht auch diesem Gedankenaustausch, so vielleicht auch der Anfang des Gedichts, der eine utopischen Vorstellung beschreibt.


Als Heine an der Grenze die deutsche Sprache hört,ist er tief ergriffen. Die Zöllner durchsuchen sein Gepäck nach verbotenen Büchern. Heine verspottet die Zöllner:er hat in seinem Kopf noch viel gefährlichere Bücher und verbotene Gedanken.

Er verspottet den preußischen Militarismus und macht sich lustig über die Pickelhaube, die den Blitz anziehen könnte.


Köln beschreibt er als Stadt des rückständigen Katholizismus und der Inquisition. Zu Heines Zeit war der Dom noch eine Baustelle und wurde erst 1880 beendet.Für Heine wird der Kölner Dom nie beendet und sollte in einen Pferdestall um gewandelt werden.

Er beschreibt wie ihn eine dunkle Gestalt mit einem Beil begleitet um seine Gedanken auszuführen. In einem Traum besucht Heine den Kölner Dom und spricht mit den Skeletten der Heiligen Drei Könige, die von ihm Respekt fordern. Sein fiktiver Begleiter zerstört mit seinem Beil die Skelette. Die Heiligen Drei Könige stehen für die „Heilige Allianz“ zwischen Russland, Preußen und Österreich die sich gegen den Liberalismus wendet und das Feudalsystems verteidigt


Über Köln-Mülheim und Hagen reist Heine weiter durch den Teutoburger Wald. Heine bedauert die Niederlage der Römer 9 n. Chr. gegen Hermann den Cherusker. Während der Panne der Kutsche hält Heine eine fiktive Rede an die Wölfe. Er werde immer mit den Wölfen heulen und niemals ein Schaf werden.

In Paderborn macht sich Heine Gedanken zum gekreuzigten Christus, den er als Menschenretter bezeichnet, der die Geldwechsler aus dem Tempel vertrieb, und dafür zur Abschreckung gekreuzigt wurde.


Heine erwähnt die Legende vom Kyffhäuser, und dem Kaiser Barbarossa, der eines Tages erwacht, um das deutsche Volk zu befreien. In einem Traum begegnet Heine dem Kaiser Barbarossa, der ihm Waffen zeigt, die von dicken Staub belegt sind und eine Fahne, die noch nicht von den Motten zerfressen ist. Nachdem Heine ihm erzählt dass man den französischen König guillotiniert hat, empfindet Barbarossa dies als Majestätsbeleidigung und fordert Respekt. Für Heine soll der Kaiser im Kyffhäuser bleiben, denn Deutschland braucht keinen Kaiser Barbarossa und auch keinen preußischen König. Für Heine richtet sich der Kyffhäuser Mythos gegen den Fortschritt und eine demokratische Gesellschaft. Durch diesen Mythos verklären die Reaktionäre die Vergangenheit.


Über Minden, das Fürstentum Bückeburg, Hannover und Hamburg-Harburg trifft Heine in Hamburg ein. Hier wird er von seiner Mutter freudig begrüßt und wie Mütter sind macht sie ihm etwas Gutes zu essen. Sie stellt ihm Fragen zu seinen Leben der letzten Jahre, die Heine aber ausweichend beantwortet.

Nach einem Essen mit seinem Verleger Campe und politischen Freunden trifft Heine Hammonia , die Schutzgöttin Hamburgs. Sie versucht Heine zu überreden, in Deutschland zu bleiben, denn die politischen Verhältnisse hätten sich gebessert. Die Göttin will Heine eine Prophezeiung über das zukünftige Deutschland geben, wenn er das Geheimnis für sich behält. Heine blickt in den Nachtstuhl Karl des Großen und ein widerlicher Geruch kommt ihm entgegen. Das Gedichtepos endet mit verhaltenem Optimismus zur Zukunft Deutschlands.


Dieses Gedicht ist antiklerikal, antinationalistisch und beschreibt satirisch und bitterbös die politischen Zustände in Deutschland. Es ist eine Kritik an Preußen dem größten Teilstaats des antidemokratischen Deutschlands. Viele Kritiken erfolgen in Träumen. Der Traum ist ein typisches Motiv der romantischen Dichtung.Selbst im Schlaf verfolgen Heine noch die politischen Zustände in Deutschland. Und jeder denkt an den Ausspruch Heines in den Nachtgedanken:Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.


Hier ist eine Videobesprechung:

https://www.youtube.com/watch?v=IqGhfLIezH8

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Tags: lyrik, politisches gedicht, satire, versepos   (4)
 

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granatenschock, liebe, 1. weltkrieg, england, frauen

Die Rückkehr

Rebecca West , Britta Mümmler
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 27.05.2016
ISBN 9783423280808
Genre: Klassiker

Rezension:

Die Rückkehr

Rebecca West wurde am 21.Dezember 1892 in London geboren und verstarb am 15.März 1983. Sie arbeitete auch als Journalistin und beobachtete für den Daily Telegraph den Nürnberger Kriegsverbrecherprozess. Sie war einige Jahre die Geliebte von H.G.Wells ( Die Zeitmaschine )

Dieser Roman kann auch als Fortsetzung zu Erich Maria Remarques Buch „Im Westen nichts Neues“ gelesen werden. Während Remarque die Leiden und Schrecken des 1.Weltkrieges an der Front beschreibt, erzählt dieser Roman, über das Leiden der Menschen als Folge des 1.Weltkrieges.

Die Geschichte spielt in einem eleganten Landhaus auf einer Anhöhe in Horrowweald, in der Nähe von London. Jenny die Ich-Erzählerin und unverheiratete Cousine von Chris Baldry, und seine Ehefrau Kitty verwalten das Anwesen, nachdem ihr Ehemann Chris im 1.Weltkrieg ist. Der Sohn Oliver, von Kitty und Chris ist bereits als Kind verstorben. Der Roman erklärt nicht den Tod von Oliver. Beide Frauen verehren Chris und verschönern das Landgut für den abwesenden Chris. Chris wird als liebenswürdig und charmant beschrieben.

Kitty und Jenny erhalten einen Besuch von Margarete Grey, die von Chris ein Telegramm erhalten hat in dem sie mit ihrem Mädchennamen angesprochen wird. Chris leidet unter einem Granatenschock, der moderne medizinische Begriff lautet:Kriegstrauma
Folge dieses Kriegstrauma ist eine Amnesie und Chris besitzt keine Erinnerungen an die letzten 15 Jahre. Er kehrt in das Landhaus zurück und fühlt sich fremd, und hat kaum Erinnerungen, an seine Ehe mit Kitty.
Er konfrontiert seine Frau mit dem Wunsch unbedingt seine Jugendliebe Margarete Grey zu sehen Es ist für Kitty schwer zu ertragen, dass ihr Ehemann sich nur an seine Jugendliebe Margarete erinnert. Kitty und Jenny sind im Leben von Chris ausgeschlossen und mit diesem Zustand können sich beide nur schwer abfinden.

Dieser Roman ist auch eine Beschreibung der englischen Klassengesellschaft. Kitty und Jenny sind aus der englischen Oberschicht, während Margarete Grey in einer armen Wohngegend lebt, und auch wegen ihrer einfachen Kleidung von Kitty und Jenny abschätzig betrachtet wird.

Jenny bringt Margarete Grey in das Landhaus. Ein Arzt untersucht Chris und führt eine Freudsche Psychoanalyse durch, mit Traumdeutungen und einer Analyse der Beziehungen von Chris zu seinen Eltern. Die Diagnose des Arztes:Chris versetzt sich mit der Amnesie in eine glücklichere Zeit zurück. Es ist auch eine gleichzeitig eine Rückkehr für Margarete in eine glücklichere Zeit, denn Margarete ist noch immer in Chris verliebt
Margarete macht aber trotzdem einen Vorschlag um Chris in die Gegenwart zurück zu bringen.Chris soll zurückgeholt werden, mit den Anziehsachen seines toten Sohnes Oliver. Margarete soll ihm die Kleidungsstücke zeigen. Margarete weigert sich, denn Chris soll glücklich bleiben und nicht wieder in den Krieg zurückkehren und deswegen in der Vergangenheit bleiben.

Dieses Buch ist eine Liebesgeschichte und beschreibt die psychologischen Beziehungen der Personen. Der Roman erschien vor hundert Jahren, und erst jetzt in Deutschland. Ich kann diesem Buch nur viele Leser wünschen !

Hier ist meine Videobesprechung:

https://youtu.be/DIAYxKdXQm4


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Tags: 1. weltkrieg   (1)
 

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island, gut, verschlüsseltes manuskript, phantastische literatur, erdschichten

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Jules Verne , Karlheinz Gabor
Audio CD
Erschienen bei Hierax Medien, 01.08.2016
ISBN 9783863520984
Genre: Romane

Rezension:

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde.


Der Roman spielt im Jahr 1863. Otto Lidenbrock ist Professor für Mineralogie und Geologie und lebt mit seinem Neffen Axel in Hamburg. Er ist ein etwas schrulliger Professor, der ungeduldig ist und zu Wutausbrüchen neigt. Seine Vorträge zur Geologie sind eher Selbstgespräche. Lidenbrock ist ein typischer Gelehrter dieses Jahrhunderts. Er spricht mehrere Sprachen, und will den Erkenntnisgewinn um fast jeden Preis. Er hält sich für einen Kolumbus der unterirdischen Welt.

In einem Antiquariat kauft er das Buch eines isländischen Autors aus dem Jahr 1230. In dem Buch findet er ein Pergament in einer kryptischen Schrift.

Axel entschlüsselt zufällig die Geheimschrift. Das Pergament beschreibt den Weg zum Mittelpunkt der Erde. Eingang ist der Snæfellsjökull ( Schneegletscher ) in Island. Nach der Zusammenstellung der Ausrüstung begleitet der Neffe widerwillig den Professor. Axel ist eine ängstliche Persönlichkeit und zweifelt am Erfolg der Expedition. Außerdem muss er seine Geliebte Griselda verlassen.

Über Lübeck, Kopenhagen erreichen die beiden Reykjavík, in Island. Hier stößt zur der Expedition der ortskundige Führer Hans Bjelke. Mit Pack- und Reitpferden beginnt die Reise zum Jökull. Jules Verne beschreibt sehr ausführlich die isländische Landschaft. Nach dem Aufstieg zum Sneffels, steigen sie in den Vulkankrater hinab. Dort finden sie eine Runenschrift von Arne Sakanussemm, der bereits zum Mittelpunkt der Erde reiste.

In dem Krater gibt es drei Eingänge. Am 26.Juni zeigt der Schatten des Skartaris um die Mittagszeit auf den Eingang zum Mittelpunkt der Erde.

Während der unterirdischen Reise verirren sich die drei und finden kurz vor dem Verdursten einen unterirdischen Fluss.

Axel wird von den anderen beiden getrennt, bekommt Panik und verläuft sich in dem unterirdischen Labyrinth. Glücklicherweise treffen sich alle drei an einem unterirdischen Ozean, an dem riesige sonnenschirmartige Pilze wachsen..

Sie überqueren den unterirdischen Ozean mit einem selbstgebauten Floss. Dort erleben sie den Kampf zwischen zwei urzeitlichen Tieren. Ein Sturm treibt sie an eine fremde Küste, mit ausgestorbenen Pflanzen und Tieren, und dem Skelett eines Urzeitmenschen. In einer Höhle finden sie Runen von Saknussemms. Die Höhle endet bereits nach wenigen Metern. Beim Sprengen stürzt der unterirdische Ozean in den Abgrund und reißt die drei mit dem Floss mit. Vom Wasser gelangen die drei auf den Lavastrom eines ausbrechenden Vulkan. Durch den Krater des Stromboli gelangen sie wieder an die Erdoberfläche.


Zusammenfassung:

Dieser Roman ist sehr leicht zu lesen und gehört zu den phantastischen Reiseromanen ( In 80 Tagen um die Welt, Von der Erde zum Mond, 5 Wochen im Ballon ). Der Roman ist sehr häufig wie eine Naturkundebuch geschrieben, umfangreiche Beschreibung der isländischen Landschaft, Abhandlungen zum wissenschaftlichen Stand der Geologie und anderen Fragen der Naturwissenschaft.
Jules Verne gilt als Erfinder des Science Fiction. Zu recht ! Dieser Roman basiert auf wissenschaftlichen Fakten und und beschreibt technische Geräte, die es zu seiner Zeit bereits gab. Diese wissenschaftlichen Grundlagen hat er kombiniert mit Phantasie, um zu zeigen was möglich ist. Gerade diese Kombination aus Phantastik und wissenschaftlichen Fakten ist auch verantwortlich für Jules Vernes Erfolg bei seinen Lesern. Aus diesem Roman wie auch den anderen Romanen spricht ein großer Optimismus, dass technische Erfindungen alle Menschheitsprobleme lösen und technischer Fortschritt auch für den gesellschaftlichen Fortschritt steht. Umweltverschmutzung, Verschwendung von Rohstoffen, Energieprobleme waren zur Zeit Jules Vernes und der beginnenden Industrialisierung noch nicht absehbar.

Hier ist eine Videobesprechung

https://www.youtube.com/watch?v=na8fzEDf-ws&t=4s


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Tags: phantastische literatur, phantastische reise, science fiction   (3)
 

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2.618 Bibliotheken, 56 Leser, 12 Gruppen, 163 Rezensionen

fantasy, zamonien, bücher, hildegunst von mythenmetz, buchlinge

Die Stadt der träumenden Bücher

Walter Moers
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2006
ISBN 9783492246880
Genre: Fantasy

Rezension:

Walter Moers ist auch der Schöpfer des Kapitän Blaubär und Adolf, Der Bonker.

Hauptfigur in diesem Roman ist der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz. Auf der Lindwurmfeste bekommt jeder lesereife Bewohner einen Dichtpaten, der für seine schriftstellerische Erziehung zuständig ist.

Nach dem Tod seines Paten erbt Mythenmetz das Manuskript eines unbekannten Schriftstellers. Er ist von diesem Text überwältigt und geht nach Buchenhain, um den Verfasser zu suchen.

Die Stadt besteht aus tausenden Buchläden, Antiquariaten und riecht nach Papier und Druckerschwärze. Hier wird das oberirdische Buchenhain zu einer Metapher für den aktuellen Literaturbetrieb. Das unterirdische Buchenhain besteht aus Katakomben, die mit Büchern vollge-

stopft sind. In riesigen unterirdischen Bibliotheken suchen Buchjäger, nach wertvollen Büchern, die auf einer goldenen Liste stehen. Die Buchjäger sind wie Ritter gekleidet und jagen sich gegen-

seitig die wertvollen Bücher ab.

Mythenmetz zeigt das ererbte Manuskript dem skrupellosen Buchhändler Phistomek Smeik, der ihn

mit einem vergifteten Buch betäubt und Mythenmetz erwacht in den Katakomben.

Die Beschreibung des Labyrinths erinnert an Spukgeschichten in einem Schloß, Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ und Szenen aus „Indianer Jones“. Es ist unmöglich alle phantastischen Figuren zu beschreiben, denen Mythenmetz im Labyrinth begegnet. Es gibt Bücher, die Mythenmetz mit einem Auge anglotzen und sich wie Insekten bewegen. Die idealistischen einäugigen Buchlinge sammeln kostbare Bücher, um aus ihnen zu lernen. Jeder Buchling lernt das gesamte Werk eines Schriftstellers auswendig und übernimmt seinen Charakter. Vor allem die Buchlinge ernähren sich von Büchern !

Mythenmetz trifft den geheimnisvollen Schattenkönig, der ihn im Schreiben unterrichtet. Gemeinsam verlassen sie die Katakomben.

Hier wird auch die Frage beantwortet, wovon Bücher träumen:Sie träumen davon als sie früher ein Baum waren.

Walter Moers arbeitet in dem Roman mit Anagrammen. Innerhalb eines Wortes werden die Buchstaben umgestellt, und es entsteht ein neues Wort. Er benutzt die Anagramme für die Namen von Schriftstellern. Nur ein Beispiel:Ohjann Golgo van Fontheweg ist Johann Wolfgang von Goethe


Das Format des Buches erinnert an die Märchenbücher der Brüder Grimm und hier gibt es auch sehr schöne Illustrationen.

In vielen Fantasy Romanen geht es um Endschlachten zwischen dem Guten und Bösen, zwischen der Ober- und der Unterwelt.

Was diesen Roman von anderen Fantasy Romanen unterscheidet ist der Witz und die Ironie. Wer Fantasy Romane mag der muß „Die Stadt der träumenden Bücher lesen“ Aber auch wer nicht Fantasy Fan ist wird einen großen Lesespaß haben.

Hier gibt es eine Videobesprechung:

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mittelalter, kloster, krimi, historischer roman, italien

Der Name der Rose

Umberto Eco , Burkhart Kroeber
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.08.2008
ISBN 9783423210799
Genre: Historische Romane

Rezension:

Umberto Eco ist leider am 19.Februar 2016 verstorben. Er war Professor für Semiotik ( Die Wissenschaft von den Zeichen ) an der Universität Bologna und ein scharfer Kritiker der Politik Berlusconis.

Dieser Roman spielt im Jahr 1327, in einem Benediktiner Kloster in den Nordapennin. Die Hauptfiguren sind William von Baskerville und sein junger Begleiter Adson von Melk. Beim Eintreffen im Kloster wird die Leiche eines Mönches gefunden. William von Baskerville erhält vom Abt den Auftrag, die Todesursache zu klären, bevor zwei hochrangige Delegationen eintreffen. Er darf sich innerhalb des Klosters frei bewegen, mit Ausnahme der Bibliothek.

Bei den Ermittlungen lernt der Leser die Örtlichkeiten des Klosters kennen, den Tagesablauf der Mönche und einige Mönche werden vorgestellt.

Während der Handlung kommt es noch zu weiteren Todesfällen, die in Zusammenhang mit einem geheimnisvollen Buch stehen. In der Bibliothek kommt es zum Showdown und zur Aufklärung der Todesfälle.

William von Baskerville und Adson von Melk erinnern an die Detektivfigur Sherlock Holmes von Arthur Conan Doyle. Sherlock Holmes löst seine Fälle mit Vernunft und Logik und dies gilt auch für William von Baskerville mit seinen scharfsinnigen Analysen.

William von Baskerville, ein ehemaliger Inquisitor lehnt die Folter ab, er beschäftigt sich mit den Naturwissenschaften und unterstützt eine stärkere Beteiligung der „einfachen“ Menschen an der Machtausübung. William ist ein katholischer Mönch und der Roman spielt im Mittelalter. Die Einstellungen von William sind aber die eines Menschen der Moderne, und dies macht William dem Leser sehr sympathisch.

Der Name der Rose ist auch ein historischer Roman. Einmal treten in diesem Roman viele real existierende Person auf. Historischer Hintergrund dieses Roman ist der Armutsstreit zwischen Teilen der Franziskaner und des Papstes. Da nach Meinung der Franziskaner Christus kein Eigentum besaß, dürfen Mönche und Klöster auch kein Eigentum besitzen. Eine These, die Papst Johannes XXII als Ketzerei verurteilte, und Mitglieder des Franziskaner Orden exkommunizierte. Dieser Konflikt verstärkte auch den Machtkampf zwischen dem Papst und dem deutschen König, zwischen der geistlichen und weltlichen Macht.

Der Name der Rose ist auch ein philosophischer Roman. Seitenweise gibt es in diesem Roman philosophische und theologische Texte. Dies könnte Leser abschrecken, das Buch bis zum Ende zu lesen. Es gibt einen Dialog zwischen William und einem Mönch über das Lachen. Für den Mönch ist das Lachen unchristlich. Für William ist das Lachen eine Form von Kritik und eine Widerstandsform der Unterdrückten.

Beim Erscheinen war der Roman bei Lesern und Kritikern ein großer Erfolg.

Der Name der Rose ist ein Kriminalroman im Mittelalter, ein historischer und philosophischer Roman. Er beschreibt sehr anschaulich das Mittelalter.


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nationalsozialismus, judenverfolgung, tagebuch, geschichte, holocaust

Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten

Victor Klemperer
Fester Einband: 363 Seiten
Erschienen bei Spiegel-Verlag
ISBN 9783877630235
Genre: Biografien

Rezension:

Victor Klemperer

135. Geburtstag von Victor Klemperer
*09.Oktober 1881 † 11.Februar 1960

Klemperer beschreibt sehr genau den Alltag in Dresden während des Nationalsozialismus. Er verlor seine Professur und musste mit seiner Frau in sogenannten Judenhäusern leben. Die tägliche Angst, von der Gestapo ins Konzentrationslager deportiert zu werden.

Das Tagebuch beschreibt auch die Bombardierung Dresdens, am 13.Februar 1945. Die Bombardierung rettete Klemperer vor der Deportation ins Konzentrationslager, die drei Tage später erfolgen sollte.

Diese Tagebücher sind ein wichtiges Zeitdokument, deshalb unbedingt lesen !

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dystopie, klassiker, gesellschaftskritik, bücher, science fiction

Fahrenheit 451

Ray Bradbury , ,
Audio CD
Erschienen bei Diogenes, 27.05.2008
ISBN 9783257801804
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Ray Bradbury Fahrenheit 451


Fahrenheit 451 ist ein Klassiker der dystopischen Romane. Dieser Roman beschreibt weniger technische Innovation, sondern den Konflikt zwischen dem Einzelnen und der Staatsmacht.

Der Roman erschien 1953 und verarbeitet verschiedene Ereignisse der aktuellen Zeitgeschichte:Die Bücherverbrennungen während des Nationalsozialismus, die Verfolgung liberaler Künstler während der McCarthy Ära, die zunehmende Bedeutung von Rundfunk und Fernsehen und die Angst vor dem Nuklearkrieg.

Hauptfigur des Romans ist der Feuerwehrmann Guy Montag. Montag lebt in einem totalitären Staat der den Besitz von Büchern verbietet. Werden Bücher entdeckt, verbrennt die Einheit von Montag die Bücher an Ort und Stelle. Aus dem Opportunisten Montag zum Beginn des Romans, wird ein Widerstandskämpfer gegen den totalitären Staat.

Es sind verschiedene Ereignisse die die Haltung Montags ändern. Er trifft das Mädchen Clarissa, die ihn mit einer ganz einfachen Frage verunsichert:Bist du glücklich ? Diese Frage zwingt ihn über sein Leben nachzudenken.

Während seiner Arbeit muss er mit ansehen, wie eine Frau sich mit ihren Büchern verbrennen lässt, weil sie sich von ihren Büchern nicht trennen will. Die Veränderung der Überzeugungen Montags laufen in drei Phasen ab:das Nachdenken über die eigene Situation, die Unzufriedenheit, und dann der große Schritt zum Gegner des totalitären Staates.

Bücher können Menschen beim eigenständigen, kritischen Denken unterstützen. Genau dieses versucht der autoritäre Staat zu vermeiden. Er übernimmt für seine Bürger das Denken und beschäftigt sie mit billiger und oberflächlicher Unterhaltung.

Dieses Buch entlässt den Leser aber nicht ohne Hoffnung. Der Roman zeigt, dass Menschen bereit sind ihre Individualität und Freiheit zu verteidigen und dafür ihre Existenz zu riskieren.

Es sei hier an Edward Snowden erinnert.

Noch zwei Nachträge: 1966, wurde das Buch vom französischen Regisseur François Truffaut verfilmt. In den Hauptrollen mit Oskar Werner und Julie Christie . Auch die Zahl 451 hat im Internetzeitalter noch eine Bedeutung. Webseiten, die wegen einer Zensur nicht angezeigt werden, erhalten den Error Code 451.

Hier gibt es eine ausführliche Videobesprechung:

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