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missbrauch, geruch, grenouille, geruchsforscher, tränen

Ein paar Tage in einer fremden Stadt

Valerie Springer
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 05.09.2016
ISBN 9783903091191
Genre: Romane

Rezension:

„Seine Aufnahme der Bestellungen von den Kunden, das Tippen auf dem Touch-Screen, seine Körperbewegungen, seine Handgriffe automatisierten sich und während er arbeitete, hing er seinen Gedanken nach. Hinterfragte, zerpflückte, zergliederte. Analysierte, wertete aus, rationalisierte.“ Ich legte das Buch zur Seite, auf das Nachttischen neben meinem Bett in einem Hotelzimmer in Faliraki. Ein ungehaltener Windhauch brach durch die offene Balkontür. Es vibrierte. Das Nachttischen. Darauf mein Handy. Es vibrierte. Eine SMS. Der Nobelpreis für Literatur 2016 geht an…tatatam…Bob Dylan. Überrascht und verwundert verstand ich, was geschehen war…Something was happening but you don’t know what is/Do you, Mister Jones?...Bobo’s hämisches Schmählied an den Prototyp des Kritikers. Mister Jones. Ein Gewohnheitstier. Gewöhnt im Hinterfragen, Zerpflücken, Zergliedern, Analysieren, Auswerten und Rationalisieren. Ich legte das Handy zurück auf das Nachttischen, neben das Buch. Dachte daran, den Fernseher vor dem Bett nach den sich nun wohl überschlagenden, in Unverständnis und Ratlosigkeit badenden Kommentaren sämtlicher Mister Jones‘ zu jener fatalen akademischen Entscheidung aus Schweden zu durchforsten. Stattdessen nahm ich wiederum das Buch zur Hand, schlug die Seite mit den zuvor gelesenen Zeilen auf, unterstrich diese. Am Rand fügte ich einen Kommentar…eine Frage hinzu: Hubertus = Mister Jones? All die Seiten hindurch hatte ich mich bereits gefragt, was ich von diesem Kind, Jugendlichen, jungen Mann und, will man die gegenwärtige Perspektive der Geschichte bestimmen, vierzigjährigen Herren namens Hubertus Rotten, die Hauptfigur des Romanes „ Ein paar Tage in einer fremden Stadt“ von Valerie Springer, halten soll, auch er ein Akademiker wie all die Mister Jones‘, äußerst gebildet, zweifellos talentiert, doch bohrt sich der Pfeil seiner Erkenntnis allein in von Pfeilspitzen, gleich Fahnen auf Gipfeln, übersäten Nestern von einzelnen Resultaten, bar des Zusammenhangs mit dem Großen Ganzen…Bob Dylan-Mister Jones…Valerie Springer-Mister Jones? Hatte diese Dame mit ihrem am Klappenumschlag offenbarten Lächeln einen Mister Jones geschaffen…Hubertus Jones? Sie hatte leicht grinsen, wusste sie doch Bescheid, ironisch strahlte sie einen an, Susanna ähnlich, Susanna, die trocken-lockere Vertraute und Sexgelegenheit Hubertus‘…ich ließ das Buch fallen, mir war nach Frischluft zumute, trotz des immer aufbrausender in meine Behausung einziehenden Windes, ich nahm Notizbuch, Stift, Zigaretten und Feuerzeug, trat auf den Balkon, den mich angeifernden Sturm ignorierend, Platz nehmend, an meinem Notizbuch riechend, Hubertus gleich, der auch ein solches führt, darin die ihn umgebenden Gerüche festhaltend, es Geruchsnotizbuch nennend, das meine roch vermodert, abseits der Spuren, die Springer raffiniert sähte, quer durch Raum und Zeit, durch „Beschwörung das wieder zum Leben erweckte, was verschlafen, verstaubt – aber noch nicht vermodert – partout nicht der Vergessenheit anheimfallen wollte“…ich beendete abrupt meinen Geruchsgang durch vermoderte Gefilde meiner Ratlosigkeit, wieder fiel mir dieser rätselhafte Hubertus ein und ich entzündete eine Zigarette, inhalierte tief, um meine Zweifel zu verscheuchen, wie es auch jener Protagonist pflegt, immer dann, wenn seine „Superhundenase“ zur Qual mutiert…ich notierte, freihändig und blindlinks: Dieser Hubertus, teilweise sympathisch, teilweise ein, in seinem Ordnungsdrang anal fixierter Klugscheißer und phantasieloser Langweiler, sucht das wieder zum Leben zu erwecken, „was verschlafen, verstaubt – aber noch nicht vermodert – partout nicht der Vergessenheit anheimfallen wollte“, daher teilweise sympathisch, kein typischer Mister Jones ohne Geschichte, ohne Drang dem Kern der Dinge auf den Grund zu gehen, Hubertus hat eine Geschichte, der ich nachspüren muss, egal, wie sehr ich ihn, kreuz und quer durch Raum, Zeit und Ort, sympathisch oder analfixiert empfinde, ich muss meine eigene Analfixiertheit hinsichtlich seines Anus‘ hintanstellen, seine Geschichte, denken wir nur an seine Kindheit, regt zum Mitfühlen an, damit muss ich beginnen – wenn es mich glücklich macht, kann ich ihn ja noch immer als Mister Jones im Seziermesser Onkel Freuds (v)erachten…knallte das Notizbuch auf das Tischchen, ließ alles Mitgebrachte, wo es nun einmal lag und schlenderte wieder zurück ins Innere, ließ mich aufs Bett fallen und schaltete den Fernsehapparat ein, die neuesten Nachrichten zum Amoklauf in Leipzig, der Läufer hatte sich in der U-Haft das Leben genommen, Experten wurden zur Biographie eines typischen Amoklaufers gefragt, Empirie, Wahrscheinlichkeiten und Statistiken knarrten an die Diele meines verhallten Verstandes…ich schaltete den Ton aus, schwankte ruhelos auf den Balkon, notierte: Ich will Umstände, Charakter und Handlungen Hubertus‘ begreifen, beschreiben und analysieren, alles Blödsinn: ich muss dem Wesen der Dinge nachspüren…Gähnend legte ich das Schreibzeug erneut beiseite, genug für heute, so viel war mir klar – es ging um die Dinge, die „paar Tage in einer fremden Stadt“, nun würde ich ins Bett fallen, ausschlafen, frühstücken, im Meer schwimmen, spazieren, den Urlaub geruchslos ausklingen lassen, erst Zuhause würde ich das Buch wieder aufschlagen, zu Ende lesen, erzählen, was ich zu begreifen vermochte, über diese traurige Geschichte, die Dinge, die über all dem schwebten…
Hubertus, ein bewunderter, erfolgreicher Akademiker, genauer gesagt Geruchsforscher mit „Superhundenase“, eine außerordentliche Begabung in diesem Gebiet, doch legt er sich selbst zurückhaltende Bescheidenheit auf, aber: „Vielleicht hatte ihn auch eine ganz bestimmte Erinnerung davon abgehalten, die Rolle des bewunderten Bühnenstars zu übernehmen: die Erinnerung an den Vater, der das Hubertus, Wildspezialitätenrestaurant von Feinsten als Kulisse für sein vernichtendes Herrschen genutzt hatte“. Kein Jean-Baptiste Grenouille mit besinnungslosem, größenwahnsinnigen Übermut. Auch kein Akademikersohn. Sohn eines Gastwirts und Wildspezialitätenrestaurantbesitzers aus der niederösterreichischen Provinz. Der Vater: Familientyrann. Bürgerlich-traditionell ausgerichtet – „Jegliche Abweichung von Alltag und Tradition bedeutete Angst. Unverrückbare Werte zu ignorieren, bedeutete Angst“, so die Erfahrungswelt der Mutter Hubertus‘ und Sophias‘, Gattin des Tyrannenfürsten. Die Geschwister Hubertus und Sophia, dem Bruder in Geburt fünf Jahre vorausgegangen, lernen schnell den Vater zu fürchten, beim kleinsten Regelverstoß, bei der geringsten Auflehnung gegen Zucht und Ordnung den Gürtel zu spüren. Bereits als kleines Kind zeigt sich Hubertus feinster Geruchssinn. Seine ganze Umwelt nimmt er über Gerüche wahr. Hat die Künstlerfamilie Furtwängler, wie es Eberhard Straub, welcher Valerie Springer mit einem besonders „schönen Ouvertüre-Zitat“ eine große Freude bescherte („Auch wenn das Gedächtnis trügt und sämtliche Erinnerungen täuschen, muss es doch, trotz alledem, sogar in den Lügen einen Rest von Wahrheit geben, der den Irrenden und sich im Leben Verirrenden Halt gewährt), in einer biographischen Darstellung jener Dynastie, einem bildungsbürgerlichen Ideal folgend, die Musik als Universalsprache, in der der Mensch zu seiner wahren Natur im Einklang mit seinem Ursprung in der göttlichen Schöpfung findet, erkannt, so trifft dasselbe auf Hubertus und den Kosmos der Gerüche als die einzig wahre Wahrnehmungs-, Lebens- und Erkenntnisform zu, wenngleich mit der Einschränkung, dass dem kleinen Gasthausbub jener göttlich-menschliche Einklang aufgrund des Vaters verwehrt bleibt. Es sind die Tränen, die ihm die erste Ahnung seiner familiären Umgebung offenbaren: „Er stand auf, ging zu ihr, schmiegte sich an die Dirndlschürze der Mutter, roch ihre Tränen. Roch er richtig? Sie lächelte doch? Wie konnte er die wirren Botschaften, die einander widersprachen, deuten?“. Tränen und Lächeln – wie vermag dies für einen kleinen Jungen in Einklang zu bringen sein, vor allem, wenn er Tränen, als Zeichen von Traurigkeit, eindeutig zu erriechen vermag, doch gleichzeitig mit dem Lächeln der schauspielenden Mutter konfrontiert wird. Im Alter von zwanzig Jahren wird er seiner geliebten Lucy erklären: „Er erklärte ihr, dass ihre Tränen, die des Kummers, der Wut, der Freude, verschiedene Gerüche hätten, und sie bewirkten bei ihm, der der Welt der Gerüche verfallen war, jeweils andere Gefühlsreaktionen“. So jung und bereits in der Lage, verschiedenste Gefühlszustände anhand des jeweiligen Geruchs von Tränen zu erkennen, samt sinnlicher Erkenntnis seiner daraus resultierenden verschiedenen emotionalen Reaktionen. Hubertus kann gar nicht anders: Er verlässt das Elternhaus, zieht nach Wien und wird zu einem etablierten Geruchsforscher. Was Frauen betrifft, scheint er bindungsunfähig zu sein, sein Schicksal nach all dem in Kindheit und Jugend Erlebten. Ab dem Alter von dreißig Jahren gehört er dem Institut für Geruchsforschung an und lernt eine Kollegin namens Susanna kennen. Die beiden werden Vertraute. Trotz einmal in der Woche wiederkehrenden privaten Unternehmungen ins Theater oder in die Oper samt anschließenden Geschlechtsverkehrs entsteht keine fixe Bindung im Sinne einer aufrichtig geführten Liebesbeziehung. Obwohl sein Geruchstalent zur Voraussetzung und Basis seines Berufs wird, quält es ihn im Privaten derart, dass er es zu verdrängen sucht, gewissermaßen stilllegt, samt seinen ungeliebten Erinnerungen, die ihn aus seiner ‚Heimat‘ forttrugen – „In lange vergangenen Zeiten hatte er vollständig auf seinen Geruchssinn zählen können. Damals hatte er keinen Zweifel daran gehegt, mit dem, was ihm seine Nase sagte, richtig zu liegen. Bis er sich einmal, mit fatalem Ausgang, vertan hatte“. Etwas war geschehen. Seine „Superhundenase“ hatte sich geirrt, noch dazu „fatal“. Verdrängung setzt ein, er zwingt sich und seinen Geruchssinn in das Korsett eines „Überlebenssystems“. Bis zu jenem bedeutsamen 16. November, seinem „Gang nach Florenz“, eines Tränenvortrages wegen, demzuliebe er alles liegen und stehen lässt und sich in jene italienische Stadt fortstiehlt. Es ist die Erinnerung an die Tränen, die ihn wieder, abseits seiner Arbeit, riechen und nachspüren lassen. In Florenz lernt er Kalliope kennen. Sofort kommt ihm ihr Geruch vertraut vor, ein Geruch, der ihn in die Vergangenheit zurückwirft…es ist der Geruch Lucy’s, seiner toten Ehefrau, verstorben an einem 16. November, zwanzig Jahre zuvor, die alten Fragen drängen sich ihm wieder auf: „Warum hatte er gefragt, ob sie mit ihm einen Spaziergang in dieser selten warmen, mondfinsteren Novembernacht, in ihrer ersten Nacht als Ehepaar, machen wollte? (…) Warum war sie plötzlich auf dem Gehsteig der Hauptstraße stehen geblieben, hatte ihren Kopf in den Nacken gelegt, den Sternenhimmel betrachtet, die Augen geschlossen und sich mit ausgebreiteten Armen langsam im Kreis gedreht, wie ein Kind, das zur stillen Melodie der Nacht tanzt? Warum hatte er sich an die Hausmauer gelehnt, nur einen halben Meter von ihr entfernt, und ihr einfach nur zugesehen? Warum hatte er dem, was er gewittert hatte, nicht vertraut? Warum haben sie das Auto nicht gehört?“ Die Zufälligkeiten überhäufen sich, nicht zuletzt durch den Umstand, dass Kalliope am Tag, an dem sie sich kennen lernen, Geburtstag hat, geboren am 16. November, zwanzig Jahre zuvor, zur selben Zeit als Lucy stirbt und mit ihr die „ungeborene, namenlose Tochter“. Zufall? Umso mehr sich diese Zufälle häufen, umso mehr meint der Leser in einen Krimi geraten zu sein, glaubt an eine logische Aufklärung durch Kommissar Hubertus Rotten. Dies täuscht, wie so vieles der beschriebenen Wunderlichkeiten. Oder kann es gar sein, dass Kalliope…seine Tochter..? Ihm ist nur klar, dass sie etwas in ihm zum Auftauen gebracht hat, seinen alten Geruchssinn, seine Erinnerung…Springer springt von Kapitel zu Kapitel, von Vergangenem zu Gegenwart und wieder zurück und nach vor…einzig und allein die Zukunft hält sich noch bedeckt, beständig, bis über das Ende hinaus. Hubertus sieht sich konfrontiert mit ihm nun aufgezwungenen Erinnerungen an Kindheit und Jugend, Schwester, Vater und Mutter, Dorf, Gasthaus und Restaurant, unterbrochen und ergänzt von Treffen mit Kalliope – wer Sex and Crime liebt, ist mit Springer falsch gelandet, vor allem mit Hubertus, zwischen Kalliope und ihm entspinnt sich keine Liebesbeziehung, nicht einmal eine heiße, berauschte Nacht zwischen einer jungen Dame und einem alternden Herren, Anziehung ist da, Kalliope ist ihm dankbar für sein väterlich-freundschaftliches Verhalten ihr gegenüber, er benutzt sie schlicht und weg als Vehikel zur Vergangenheitsreflexion, ihre Beziehung hat nur so lange Gegenwart bis die Zweifel der Vergangenheit überwunden sind, Kalliope weiß, was sie mit ihrem gerade gestarteten Leben anfangen will und Hubertus, trotz fortgeschrittener Jahre, einen Sinn findet…durch Kalliope beginnt Hubertus sich mit der Quantenverschränkung auseinanderzusetzen, wittert in ihr das Myterium des Auseinandergleitens altbewährter Ordnungskonzepte wie Raum, Zeit und Ort, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, ein Mittel, das ihn zur längst überfälligen Reflexion nötigt. Seine Heilung erfährt er nicht zuletzt durch die Rückreise in das Dorf seiner Kindheit, welches er seit dem Begräbnis Lucy’s nicht mehr betreten hat. Erst danach kann er sich endlich von seinen Schuldgefühlen lösen: „Eine Zeit, die nicht nachholbar, nicht verbesserbar, nicht korrigierbar war. Dass er das akzeptiert hatte. Dass es nichts zu korrigieren gab“. Ende Gut, alles Gut, aber: Eingangs sprachen wir von Mister Jones…was wird aus dem sturen Rationalisten Hubertus? Erfährt er nun einen Wandel in seinem analytischen Denken. Wir lassen ihn selbst sprechen: „Während seiner wissenschaftlichen Arbeit im Institut war der Zufall Hubertus‘ erklärter Feind. Eine Voraussage über zukünftige Ereignisse konnte sich nicht auf zufällige Resultate gründen, um ernst genommen zu werden“ – so viel wussten wir schon…doch nun: „Vielleicht, so sinnierte Hubertus, handelte es sich dabei um von den Dingen erlebtes Wissen, das aus der Vergangenheit an nachkommende zukünftige Ereignisse weitergegeben wurde, um den Menschen nicht zu enttäuschen“ – nicht die Ausmerzung des Zufälligen in Form der stetigen Verifizierung-Falsifizierung à la Popper dünkt ihn nun gewissenhaft, das ersehnte Wissen liegt bereits in den Dingen selbst, sie allein sorgen für unsere Ordnung, auf sie allein sollten wir hören, vielleicht bedeutet diese auch Verdrängung oder Lüge, doch, frei nach dem Ouvertüren-Meister Erhard Straub: vielleicht gereicht uns auch die Lüge als Wahrheit, um in unseren Irrungen und Verwirrungen ein Ziel anvisieren zu können. Worin sich Hubertus‘ neu auserkorenes Ziel manifestiert, lassen wir ihn auch noch selbst, munter und frohen Mutes, ausrufen: „Susanne verkörperte die Quintessenz eines reinen Geruchs, so wie ein virtuos gespielter, unendlich lang anhaltender einziger Ton auf einer Stradivari“…und nun?...muss ich wohl selbst schließen: Valerie Springer erschafft eine Partitur sämtlicher Klangwelten, oder sollte ich besser sagen Geruchswelten…es handelt sich nicht um die Partitur des Träumers, auch nicht des Ausgestoßenen, des Outlaw, ja selbst nicht des modernen Menschen, modern ist an Hubertus und seinem Figurenkabinett rein gar nichts, Hubertus, ein Überlebensmensch, erkennt, wie wir alle, früher oder später, die Wiederholbarkeit der Dinge, ja, alles holt uns einst ein, doch lässt er es nicht darauf beruhen, er zeigt vor, wie Reflexion zu gelingen vermag, sich darin noch einmal dem schieren Horror zu stellen, inmitten des unbeirrbaren Fortlenkens zu dem, was ist und schlussendlich sein kann. Dabei verzichtet die Autorin auf jegliches Pathos, kühl und sachlich und gerade darin kühn führt sie in das scheinbar undurchdringliche Chaos des Verborgenen und seinen quer durch das All schlagenden Ausschweiffungen, versteht es, dennoch Ordnung zu schaffen und uns so alles, scheint es durch die verlorengegangene Reihenfolge doch noch so aussichtslos zu meckern, Schritt für Schritt auseinanderzusetzen. Natürlich löst sie nicht den Mythos der Quantenverschränkung, stellt
sich jedoch eindeutig auf die Seite jener, die diese für möglich halten, doch
mit einer bestechenden Logik in der Konsequenz, diese scheinbar in Raum, Zeit
und Ort ziellos miteinander verbundenen identischen Teilchen auf das „Eigenleben
der Dinge“ zurückzuführen – Hubertus findet einen Lebenssinn abseits seines
bisherigen „Überlebenssystems“, indem er dieses Eigenleben billigt: auf diesem
Wege gelangt Valerie Springer zu einem ‚Happy End‘, ohne dem „Eigenleben der
Dinge“ deren poetisches Mysterium zu rauben.

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