Widmar-Puhl

Widmar-Puhls Bibliothek

5 Bücher, 3 Rezensionen

Zu Widmar-Puhls Profil Zur Autorenseite
Filtern nach
5 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

flucht, rotes kreuz, verräter, nachkriegszeit, rattenlinien

Rattenlinien

Martin von Arndt
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei ars vivendi, 24.10.2016
ISBN 9783869137247
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Martin von Arndts Roman "Rattenlinien": ein tolles Stück historischer Literatur über Nazi-Fluchtrouten in den Alpen nach dem Zweiten Weltkrieg. Hervorragend recherchiert, spannend gebaut und ausgezeichnet geschrieben. Es ist der zweite Roman mit der Hauptfigur des Kommissars Andreas Eckart, der im Ersten Weltkrieg im Schützengraben als Verschütteter traumatisiert wurde und in Berlin bei der Kripo ist.
War der erste Fall rund um eine Gruppe "Nemesis" gebaut, die in Berlin vor der Machtergreifung der Nazis Fememorde an geflüchteten Verantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern aus dem Jahr 1915 beging, so spielt der zweite Fall nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit diesem traumatisierten Helden, der keiner ist und als halber Italiener den Irrsinn des Nationalismus kennt, der aber aus seinen Schwächen manchmal auch Stärken macht, zieht er in den Kampf gegen führende Nazis, die sich unerkannt absetzen wollen.
Geschrieben ist das Ganze wieder enorm spannend, mit Witz, Bosheit und wo nötig auch Schärfe in Urteil und Ton. Die Redeweise von kroatischen Ustascha-Leuten, die Arroganz führender US-Geheimdienstleute beim Umdrehen gegnerischer "Fachkräfte" gegen Kommunisten und das hinterhältige Verheizen der eigenen Leute - das kommt alles dermaßen realistisch daher, dass wir uns fröstelnd an die üblen Praktiken CIA und NSA oder an das Auftreten aktueller Neonazis erinnern. Tatsache ist: Damals wurden die Grundlagen für die heutigen Widersprüche in der US-Spionage geschaffen.
Kaum weniger realistisch die Sprache des Monsignore im Vatikan, der salbungsvoll seine Fluchhilfe-Organisation für SS-Leute als "Rettung verirrter, bekehrter Seelen" schönredet und aggressiv wird, als ihn der Ermittler mit den Fallzahlen und dem Schweigen des Papstes zur Judenverfolgung konfrontiert.
Eckarts Verbitterung angesichts solcher Heuchelei ist ebenso ansteckend wie im Fall der US-Führungsoffiziere. Als die aber den meistgesuchten SS-Flüchtling zwei Mal entkommen lassen, weil sie ihn gegen kommunistische Regimes einsetzen wollen, nimmt der Fall eine überraschende Wendung. Eckart entdeckt, dass sein italienischer Kollege ein amerikanisch-israelischer Doppelagent ist, und beide wechseln die Seiten, um ihr Ziel doch noch zu erreichen und den Oberschweinehund nach Palästine zu entführen.
Die Doku-Fiction mit belastbaren, gut recherchierten Fakten und einem dramaturgisch dichten Plot scheint die literarische Form zu sein, die von Arndt besonders gut liegt. Da baut sich was auf im besten Sinne.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(93)

138 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 87 Rezensionen

fantasy, osten ard, tad williams, high fantasy, das herz der verlorenen dinge

Das Herz der verlorenen Dinge

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.03.2017
ISBN 9783608961447
Genre: Fantasy

Rezension:

Bei Sauwetter und Erkältung hält nichts die Seele besser aufrecht als als so ein Buch wie "Das Herz der verlorenen Dinge" von Tad Williams. Der Autor bekennt freimütig, dass sein großes Vorbild "Der Herr der Ringe" war, und so konnte er auch keinen besseren deutschen Verlag finden als die Hobbit Presse bei Clett-Cotta in Stuttgart. Der 60jährige Kalifornier war wohl der erfolgreichste "Schüler" Tolkiens und hat sein Meisterstück mit der vierbändigen Saga von Osten Ard vorgelegt, die in deutscher Übersetzung erstmals 1988 bis 1993 erschien. Auf die Taschenbuchausgabe (mit Ebook-Version) der ersten 4 Bände "Der Drachenbeinthron", "Der Abschiedsstein", "Die Nornenkönigin" und "Der Engelsturm" folgt nun die Rückkehr in die phantastische Welt des Kontinents Osten Ard. "Das Herz der verlorenen Dinge" erzählt die Geschichte uralter und unerbittlicher Kämpfe, Intrigen und Abgründe zwischen Menschen und nichtmenschlichen Wesen weiter, nachdem diese einen blutigen Eroberungskrieg verloren haben. Die Krieger von König Simon und Herzog Isgrimnur verfolgen versprengte Trupps vom Elbenvolk der Nornen und belagern deren letzten Rückzugsort in den Bergen des Nordens. Die Menschen wollen den Urhebern der Gemetzel keine Gelegenheit mehr geben, je wieder Krieg zu führen, die Nornen dagegen kämpfen mit dem Rücken zur Wand ums Überleben. 

So weit, so ungut die ewige Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse - nur dass Gut und Böse auf beiden Seiten zu finden sind, ebenso wie Sympathieträger und Feindbilder, Helden, Feiglinge, Verräter und Rassisten. Diese Tatsache macht aus einem Märchen das Spiegelbild menschlicher Unzulänglichkeiten schlechthin. So komplex und vielschichtig die Völker der Erde, so komplex und vielschichtig hat Williams auch den erfundenen Kontinent Osten Ard und dessen Bewohner beschrieben. Inhaltsangaben will ich hier nicht einfach wiederholen, sie finden sich für Neueinsteiger und alte Fans von Osten Ard im Vorwort und in mehreren Anhängen reichlich.

Besondere Hinweise haben aber der spannende Aufbau, das Ensemble der Charaktere und Völker sowie die unterschiedlichen Ebenen der Handlung verdient. Durchaus reale Vorbilder haben die fiktiven Menschenvölker der "Sterblichen": Erkynländer, die der Autor ähnlich wie klassische Engländer des Mittellters modelliert. Im ersten Band es neuen Zyklus spielen die Rimmensgarder Nordmänner die Hauptrolle, die an Winkinger erinneren. Hinzu kommen das Reitervolk der Hernestyri, die römisch-byzantinisch wirkenden Nabannai, die dunkelhäutigen Wranna aus den tropischen Sümpfen und das Steppenvolk des Thrithing.  Die nicht-menschlichen Quanuc erinnern an die Trolle und Zwerge unserer Märchen und kommen sowohl als Riesen als auch in anderen Gestalten vor. Sie sind mehr oder weniger intelligent und spiegeln das Spektrum exotischer Naturvölker wieder. Die großen Gegenspieler der "Sterblichen" aber sind die "Unsterblichen".

Die Geschwistervölker der Sithi und Nornen sind eigentlich nur extrem langlebig und untereinander zerstritten bis verfeindet. Diese Feenwesen werden viele Jahrtausende alt, und im Großen Ganzen kann man sagen: Die Sithi, mit golfarbener Haut und weißen Haaren, sind eher Verbündete der Sterblichen. Die Nornen (den Namen kennen wir aus der Edda  und aus Wagners Ring des Nibelungen als "Schicksalsschwestern" der Götter) aber hassen die Menschen und wollen sie ausrotten. Nun, diese Gefühle basieren durchaus auf Gegenseitigkeit. Umso spannender, dass Williams nicht nur abwechselnd aus der Perspektive der Nornen und der Menschen erzählt, sondern quasi in neutraler Position eine Chronistin der Sithi über die Ereignisse berichten lässt. Besonders sie formuliert häufig zeitlos aktuelle Fragen, die auch in Zeiten von "Fake News" zum Nachdenken anregen:

"Die Ungewissheit jener Tage brachte auch viele Geschichten und Gerüchte hervor, die bis heute umgehen und die Arbeit einer einfachen Chronistin unendlich erschweren. In solchen Zeiten ist die Wahrheit immer schwer fassbar. Man könnte sogar sagen, wenn die Königin schläft, gibt es plötzlich viele Wahrheiten... In ihrer Abwesenheit sind Tatsachen nicht mehr verlässlich." Man ersetze die Königin des Märchens durch das Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat - und schon lässt sich dieses Buch auch sehr modern deuten und ist keine Flucht mehr aus einer hässlichen Wirklichkeit.

"Das Herz der verlorenen Dinge" ist ein uralter Talisman, ein kostbares Amulett, das von Generation zu Generation unter den Großmeistern des Nornen-Ordens der Bauleute vererbt wird. Es symbilisiert sowohl das verlorene Paradies der Nornen aus der Zeit vor der Trennung von den Sithi als auch eine Vision von einer künftigen, gemeinsamen Zuflucht mit den Sithi. 

Es wäre übertrieben, Nornen und Sithi einfach als schwarze und weiße Magier abzutun; aber sie haben besondere Fähigkeiten, ungewöhnliche Macht durch Kenntnise der Natur und der Psyche. Sie sind so etwas wie Tolkiens Elfen - erweitert um das Spektrum asiatischer Kampfsportler. Ihre Schwäche liegt in einem extrem durchritualisierten Kastenwesen mit sehr starren Traditionen - ein massives Gegengewicht zu jener Kreativität, die sie sonst verkörpern. Elemente einer faszinierenden Hochkultur stehen hier in brutalem Kontrast zu einer lähmenden, grausamen Bürokratie religiösen Zuschnitts. - Na, und dass auch Menschen keine Intrige auslassen, ist ja hinlänglich bekannt.

Für mich ist der faszinierendste Aspekt der Saga, die hier wieder auflebt, die Diskussion von Identität und Anderssein, Krieg und Frieden. "Das Herz der verlorenen Dinge" ist ein philosophisch und psychologisch kluges Buch, geschrieben in einer spannenden, eleganten Sprache, die niemals ermüdet: ein echter Pageturner. 

Ich kenne Tolkien, bin aber Neuling in Sachen Tad Williams. Das Ergebnis dieser Lektüre war Genuss ohne Reue. Es hat sich gelohnt, sich auf diesen Autor einzulassen, auch wenn der Werberummel um den Roman manchmal lauter ist als das Schlachtegetöse darin. Schon für August ist der nächste Band geplant, "Die Hexenholzkrone", und im Oktober kommt Tad Williams auf Lesereise nach Deutschland. Der Tanz um dieses goldene Kalb dürfte viel Aufmerksamkeit von anderen Büchern abziehen, die auch etwas verdient hätten.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Floß der Medusa

Franzobel
Fester Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 30.01.2017
ISBN 9783552058163
Genre: Romane

Rezension:

Der Franzobel alias Franz Stefan Griebl hat noch nie appetitliche Büchlein geschrieben. Er ist bekann für seine derben Grotesken und Trash-Krimis. Das hier aber hat historische Ausmaße: Die Geschichte von 15 der 147 ausgesetzten Floßpassagiere der historischen französischen Fregatte Medusa (nomen est omen, wieder mal!), die 1816 vor der Küste des Senegal strandete, ist nichts für Freunde der gepflegten Salonlektüre und nichts zum Goutieren. Da ist von Kannibalismus die Rede, aber das dient nur als historisierende Folie für eine ERZÄHLTE Abrechnung mit der ganzen (zumindest der ganzen westlichen) Zivilisation. Nicht, dass wir die noch echt nötig gehabt hätten nach den Balkankriegen des feinen Herrn Milosevic. Die haben uns wohl daran erinnert, wie dünn der Putz unserer Zivilisation ist und wie schnell der bröckelt, wenn es Druck gibt. Doch so grauenvoll gut hat das Grauen wohl noch kaum einer in die Form eines Romans gepresst und so fein gebacken: Da gibt es Szenen des Kannibalismus von Menschen aus gutem Hause, die übereinander herfallen vor Hunger und Pisse trinken vor Durst, die schlimmer als Tiere miteinander umgehen und sämtliche schönen Märchen des Humanismus Lügen strafen. Da ist der Mensch des Menschen Wolf, da gibt es Brutalitäten und Hass und Verachtung gratis oben drauf. Da gibt es aber auch jede Menge Parallelen zu den Verhältnissen von heute, die können nämlich jede Sauerei durch technische Fortschritte um ein paar Potenzen noch steigern. Da gibt es geschmackliche und literarische Grausamkeiten im Dutzend billiger. Das alles wäre nicht zu ertragen ohne Franzobels rabenschwarzen Humor und die Gewissenheit: Der Mann hat Recht mit seinem Zorn auf die Gesellschaft, ist ein gnadenlos guter Beobachter und schreibt mit einem brillanten schwarzen Humor. Absolut Preisverdächtig!
Ein Wermutstropfen muss aber doch sein: Kannibalismus ist schon moralisch und physisch ekelhaft genug, man muss sich nicht so darin suhlen wie Franzobel. Der westlichen Gesellschaft "aufgeklärter Humanisten" kann man die Maske auch mit deutlich weniger Lust am Skandalösen und Grausamen die Maske vom Gesicht reißen. Am Ende sind hier sämtliche Elemente des Unterhaltungsromans gabz einfach unangebracht.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Kinder der verlorenen Gesellschaft

Safiye Can
Fester Einband
Erschienen bei Wallstein, 27.02.2017
ISBN 9783835330481
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

gedichte, lyrik, moderne, safiye can, türkei

Rose und Nachtigall

Safiye Can
Fester Einband
Erschienen bei Größenwahn Verlag, 24.01.2014
ISBN 9783942223645
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags:  
 
5 Ergebnisse