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61 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

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Der Turm

Uwe Tellkamp
Flexibler Einband: 976 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.03.2010
ISBN 9783518461600
Genre: Romane

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

buch, buchautor, buchrezension, empfehung, flurin jecker, hanser, jungautor, kurz, lanz, rezension, roman, romanautor, schweiz, schweizer autor, verlag: nagel & kimche

Lanz

Flurin Jecker
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 20.02.2017
ISBN 9783312010226
Genre: Romane

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Blüten aus Staub

Mario Weto
Flexibler Einband: 378 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 05.02.2018
ISBN 9783746002521
Genre: Romane

Rezension:

Erster Eindruck: Das Buch ist im Selbstverlag (Books on Demand) erschienen, und beim Auspacken war ich sehr positiv überrascht von der professionellen Aufmachung, dem eleganten Cover, dem professionellen Druckbild und der sehr angenehmen Haptik.

Inhalt: Lukas - angehender berühmter Schriftsteller, das berühmt wünscht er sich so, und geschrieben hat er eigentlich noch gar nichts - und Bianca - angehende Juristin, die ständig über ihr Studium jammert - kennen sich seit der Schulzeit, und Lukas war irgendwie schon immer in Bianca verschossen. Als Studenten treffen sie sich wieder, es kommt sogar zu einer Beziehung, und eine Woche hängt der Himmel voller Geigen. Doch dann reist Lukas für einen Studentenjob nach Griechenland (das war schon vor der Liebelei mit Bianca geplant), und irgendwie läuft ab da alles schief. Die Kommunikation will nicht so recht klappen, und als Lukas zurückkehrt, ist bei Bianca Funkstille. Verzweifelt vor Liebeskummer, nimmt Lukas die Chance wahr, für eine Weile nach Montpellier zu ziehen, weil er zwar franzöische Literatur studiert, aber irgendwie gar kein Französisch kann. Im Sprachkurs in Montpellier freundet sich Lukas mit der Dozentin Muriel an, sie stellt ihn ihrer Clique vor, und so findet Lukas Anschluss zu einer Gruppe liberaler, diskutierfreudiger, rauchender und Rotwein-trinkender, multikultureller Franzosen und erreicht sogar sein Ziel "mit Französinnen zu schlafen". Ganz besonders tut es ihm Jael an, eine geheimnisumwitterte Schönheit, deren Verlobter in Lateinamerika vor ihren Augen erschossen wurde. Die Gespräche mit Jael inspirieren Lukas, sodass er es endlich schafft, etwas zu schreiben. Nebenher entwickelt er eine Theorie über die Liebe und den Tod, die er Synologie nennt.

Meine Meinung: Ich habe nicht so recht in die Geschichte hinein gefunden. Die Hauptperson Lukas blieb mir ein wenig suspekt. Er ist hin und weg von Bianca, und der erste Teil des Romans dreht sich hauptsächlich um erst seine große Liebe, dann seinen großen Liebeskummer. Das war ein wenig nervig, weil mir auch Bianca nicht so wahnsinnig toll vorkam (tiefgründig scheint sie nicht gerade zu sein), dass ich diese grandiose Liebe, die Lukas in so viel Verzweiflung stürzt, hätte nachempfinden können. Aber vielleicht ist Lukas einfach nur ein ganz gewöhnlicher Mensch, der - wie so viele Menschen - glaubt, eine einmalige, außergewöhnliche Liebe zu erleben, und dann haben ja viele Menschen einen Hang zur Selbstüberschätzung und Nervigkeit.

Als Lukas nach Montpellier geht, fällt er seiner Lehrerin im Sprachkurs (Muriel) sofort auf, in erster Linie, weil er der älteste in dem Kurs ist, aber auch, weil er so interessante Sachen sagt, was der Grund ist, weswegen sie in ihren Freunden vorstellt. Diese interessanten Sachen muss Lukas außerhalb des geschriebenen Textes sagen; ich fand da nicht viel Bemerkenswertes und außergewöhnlich Interessantes in seinen Reden. Durch Muriels Freunde gerät Lukas in einen Kreis von so etwas wie Bohémiens, durch die er neue Literatur kennenlernt und in politische Diskussionen verwickelt wird. Weil die Studenten streiken, findet keine Uni statt, und er hat viel Zeit, die verschiedenen Cafés Montpelliers kennen zu lernen, zu schlafen, zu versuchen zu schreiben und mit seinen neuen Freunden abzuhängen. Viel Interessantes passiert dabei nicht. Die Darstellung der lebenslustigen und freizügigen Südfranzosen im Gegensatz zu dem etwas kühlen Zürcher fand ich arg stereotyp und klischeebehaftet - es sind Bettler in den Straßen, ständig wird Rotwein getrunken, und die Frauen laufen am Strand ganz selbstbewusst oben ohne rum.

Besonders auffällig ist der sehr eigenartige Stil des Autors. Viele Helvetismen, aber auch Spracheigenheiten, die man bei vielen Schweizern hört, wenn sie Hochdeutsch reden. Besonders befremdlich fand ich das, wenn Bianca und Lukas miteinander reden, da ja davon auszugehen ist, dass sie Schweizer Dialekt, ihre Muttersprache miteinander reden. Das sollte dann doch natürlich klingen. Die teils ungelenken Formulierungen empfand ich als sehr störend - sie klingen vielleicht nach Schweizern, aber eben nach Schweizern, die gerade NICHT ihre Muttersprache sprechen. (Anmerkung dazu: Ich habe ca. zur gleichen Zeit "Lanz", ebenfalls von einem Schweizer Autor, gelesen. Darin schreibt ein jugendlicher Protagonist auf Hochdeutsch, ebenfalls mit vielen Helvetismen durchsetzt, und hier wirkt die Ausdrucksweise wirklich authentisch, weil er sich ja explizit einer Fremdsprache bedient.)

Neben sehr vielen Orthografie-Fehlern (v.a. Groß- und Kleinschreibung von Personalpronomina, Verben und Adjektiven) sind mir sehr viele fehlerhafte Formulierungen aufgefallen, z.B. "die Leute wurden serviert", was wohl "die Leuten wurden bedient" heißen sollte und vielleicht eine direkte Übersetzung aus dem Französischen ist, wo diese Passivkonstruktion möglich ist, im Deutschen aber eine ganz andere Bedeutung hat. Mir ist fast auf jeder Seite eine komische oder regelrecht falsche Formulierung aufgefallen, sodass ich - v.a. in Verbindung mit den vielen Rechtschreibfehlern und ein paar wirklich groben Patzern - bald gar nicht mehr zu sagen wusste, was gewollt eigener Stil ist und was Unvermögen und mangelndes Lektorat. Es bleibt der Nachgeschmack eine völlig unzulänglich korrekturgelesenen Buches, in dem sich jemand an einem ganz eigenen Ausdruck versucht hat, der leider für mein Empfinden sehr leserunfreundlich schiefgelaufen ist.

Den Höhepunkt des Romans bildet wohl Lukas' Freundschaft mit Jael, durch die er zum Schreiben kommt sowie dazu, eine eigene Theorie zu entwickeln. Das geht alles sehr schnell, so wirklich lange kennen sich Jael und Lukas da noch nicht, und viel Austausch hat auch noch nicht zwischen ihnen stattgefunden. Daneben kommt es noch zu einer kleinen Orgie, die mit seitenlangen Decamerone-artigen Erzählungen über sexuelle Abenteuer einleitet, bevor es dann zu dritt zur Sache geht. Diese Passagen - die Orgie und die Darlegung von Lukas' Theorie - der Synologie - nehmen viele Seiten ein, die für mein Empfinden die Geschichte nicht mehr voranbrachten. Die Erläuterung der Theorie wurde geballt ziemlich ans Ende geklebt. Sie hat wohl für Lukas' Leben eine große Bedeutung, wirkt aber in ihrer Langatmigkeit ermüdend und aufgesetzt, eine Art forcierter Tiefgang für einen Protagonisten, der bis dahin noch nicht viel Bemerkenswertes getan hat; ihre Logik und Relevanz blieben mir verborgen. Die Orgie war noch ein weiteres Stereotyp, vielleicht ein Symbol für das, wie sich Lukas' Leben im schwülstigen Südfrankreich verändert hat - hier darf der spröde Zürcher sowas erleben, bevor er dann in die kalte Schweiz zurückkehrt.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

afrika, filmdreh, liebe, natur, safari

Roter Hibiskus

Katherine Scholes , Margarethe van Pèe , Margarethe Van Pée
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.10.2009
ISBN 9783426503591
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe mir "Roter Hibiskus" als Hörbuch und Hintergrundgeplätscher angehört, als ich zwei halbe Tage lang eine Routinearbeit am Computer erledigen musste. Ich bin nicht mit großen Erwartungen rangegangen, habe explizit was Seichtes gesucht, um nicht zu sehr von der Arbeit abgelenkt zu werden. Aber es das war noch nicht mal mehr seicht - das war einfach nur vollkommen langweilig und uninspiriert.


Lange Zeit hatte ich das Gefühl, die Geschichte würde einfach sehr langsam aufgebaut werden, aber irgendwann würde dann schon noch was passieren. Und dann war's plötzlich vorbei. Eigentlich ohne dass wirklich was passiert ist. Irgendwie nur Beschreibungen, und die waren auch nicht besonders atmosphärisch.

 Man kann noch nicht mal sagen, dass es doof war, weil es einfach irgendwie - nichts! war.

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207 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

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Der Club

Takis Würger
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 22.02.2017
ISBN 9783036957531
Genre: Romane

Rezension:  
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44 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 9 Rezensionen

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Moonglow

Michael Chabon , Andrea Fischer
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.03.2018
ISBN 9783462050745
Genre: Romane

Rezension:  
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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

cornwall, drama, familie, familiengeschichte, herrschaftssitz, landschaftsbeschreibungen, liebe, party, romantik, schottisches hochland, schottland

September

Rosamunde Pilcher , Alfred Hans
Flexibler Einband: 623 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch Verlag in Rowohlt Verlag GmbH, 19.08.2008
ISBN 9783499247606
Genre: Romane

Rezension:

****   ACHTUNG: SPOILER REZENSION   ****


Klappentext (meine Kursivsetzungen): Das schottische Hochland - Schauplatz düsterer Geheimnisse in einer privilegierten Adelsfamilie.
Anlässlich einer großen Party, die Verena Steynton für ihre Tochter Katy veranstaltet, kehrt die bildschöne Pandora nach Strathcroy ins schottische Hochland zurück. Zwanzig Jahre zuvor war die Schwester von Lord Archie Balmerino über Nacht aus ihrem Heimatort verschwunden. Sie ging mit einem rätselhaften Geheimnis, über das bis zum Tag ihrer Rückkehr niemand ein Wort verlor. Am Abend der Festlichkeiten bricht Pandora ihr Schweigen. Ein tragisches Schicksal nimmt seinen Lauf ...

Spoiler: Stimmt nicht. Der Klappentext stimmt einfach nicht. Es gibt kein düsteres Geheimnis. Es gibt zwei Menschen, die verbotenerweise mal miteinander im Bett waren, er verheiratet, sie zu jung. Manche haben's mitbekommen, drüber gesprochen hat niemand. Das ist das ganze rätselhafte Geheimnis, das Pandora mit sich mitnimmt, als sie als junge und enttäuschte - weil ihr Angebeteter verheiratet ist und es nicht sein darf - Frau mit einem wesentlich älteren Mann durchbrennt. Mehr ist da nicht. Wenn Pandora an diesem Abend ihr Schweigen bricht, sagt sie nichts weiter, als dass sie - ach, ich weiß schon gar nicht mehr; nie aufgehört hat, an ihn zu denken; ihn immer noch liebt; er sie damals sehr verletzt hat. Irgendwas in der Art, ist doch Jacke wie Hose. Das ist nicht düster und nicht rätselhaft, sowas passiert einfach im Leben, wenn sich ein schwärmerisches junges Mädchen in einen gutaussehenden, gebildeten älteren Mann verguckt. Und das ach so tragische Schicksal nimmt seinen Lauf, weil Pandora Krebs hat und sowieso keine Chance zu leben. Hat mit der alten Schwärmerei nicht das Geringste zu tun.

Ich habe lange Zeit noch auf eine wirklich verruchte Wendung gewartet, ein uneheliches Kind wenigstens, das irgendwo platziert werden musste und plötzlich stellt sich raus, dass ein Bruder kurz davor ist, seine eigene Schwester zu ehelichen oder irgend sowas. Ca. 150 Seiten vor Schluss dachte ich das erste Mal "jetzt wird's spannend" - wurd's aber nicht. Alles, was wir erfahren, ist, dass Pandora mal mit einem verheirateten Mann im Bett war und unheilbar krank war. Und dafür haben wir uns durch über 600 Seiten gequält mit endlosen minutiösen Beschreibungen (wirklich jeder ... Handlungsschritt ... wird ... erwähnt, als wäre es keine Selbstverständlichkeit, dass Menschen Autotüren schließen, bevor sie losfahren) und aufgeblasenen Dialogen (diese Menschen reden irgendwie ziemlich viel mit ihren Hunden). Außerdem findet jede Figur in diesem Roman mindestens einmal ein Opfer, dem sie aus ihrer Vergangenheit erzählen kann, wobei sie alle lange Monologe halten, die sich anhören wie mittelprächtige Artikel aus der Lokalzeitung: umständlich formuliert, um so etwas wie eine gewählte Ausdrucksweise vorzutäuschen und eigentlich nur für diejenigen von Interesse, die selbst darin vorkommen.

Ich habe mich lange gefragt, in welcher Zeit dieses Buch spielen soll; erschienen ist es wohl 1990, die Handlung wird aber keinem konkreten Jahr zugeordnet. Autos und Flugreisen sind an der Tagesordnung, es gibt Telefon (aber keine Handys) und Kassetten, ein Schwuler lebt in Strathcroy offen sein Schwulsein, und junge Menschen tragen zerrissene Jeans. Ich habe mich irgendwann so bei Mitte / Ende der Achtziger eingependelt. Aber Kopfzerbrechen hat mir diese Frage v.a. wegen des Gesellschafts- und Frauenbildes, das hier präsentiert wird, bereitet:
Da trifft ganz selbstverständlich der Mann alle wichtigen Entscheidungen, weil er "älter und klüger" ist. Schlimm fand ich gar nicht mal so sehr, dass diese bestimmte Frau das so akzeptiert (solche Figuren kann es ja gerne geben), sondern die vollkommen kritiklose, unreflektierte Art der Darstellung, dass ein solches Ehemodell in keinster Weise hinterfragt wird; als sei dies die natürliche Ordnung der Dinge.
Oder eine junge Frau trifft nach langer, anstrengender Reise mit ihrem Freund auf Mallorca ein. Während er sich gleich in den Pool stürzt, durchsucht sie das Gästehaus, und die allergrößte Freude bereitet ihr der vollständig eingerichtete Haushaltsraum mit Waschmaschine, Wäscheleine, Bügeleisen und Bügelbrett (auch hier wieder viel zu viele Details: die Wäscheleine hätte ruhig unerwähnt bleiben können, ohne dass ich die Vollständigkeit der Einrichtung angezweifelt hätte). Zitat: "Der Anblick dieser vertrauten Gegenstände erfüllte sie mit größerer Befriedigung als aller andere Luxus zusammen, denn jetzt konnte sie endlich für Reinlichkeit sorgen." Ist klar - es ist heiß, die beiden sind verstaubt und verschwitzt angekommen, haben als junge Menschen ein Gästehaus mit eigenem Pool ganz für sich allein - und die junge Dame wäscht und plättet erst mal hübsch!

Den Männern dagegen ist waschen und bügeln nicht zuzumuten und wohl noch nicht mal eine Tasse Kaffee zu kochen oder sich morgens was zum Anziehen rauszulegen: Als die Frau des "älteren und klügeren" Mannes (der mit den wichtigen Entscheidungen) für eine Weile ihre Familie in den USA besuchen will, quartiert sie ihren Mann bei seiner Mutter ein. Merke: Dieser Mann jettet regelmäßig beruflich um die ganze Welt und hat eine Zweitwohnung in der Stadt, in der er ja auch irgendwie zurechtkommt. Aber wenn seine Frau für eine Weile weg will, muss der erfolgreiche, mittlerweile in zweiter Ehe verheiratete Geschäftsmann wieder bei Mutti einziehen! Wenigstens wissen die Männer zu schätzen, was die Frauen für sie leisten: Schon ein Achtjähriger beginnt ein Gespräch mit einer älteren Dame mit den Worten "Du bügelst sehr gut."

Gott sei Dank hat diese Gesellschaft die Frauen; ohne die würde gar nichts funktionieren. Und obwohl sie alle schuften wie die Tiere - irgendwo heißt es mal, niemand würde so viel arbeiten wie schottische Frauen - fallen so Sätze wie "Wirklich ausgezeichnet, wie du das alles organisierst. Es hat sicher damit zu tun, dass deine Mutter aus Amerika stammt." Dabei scheinen all diese Frauen hervorragend organisiert zu sein und schreiben sich ständig Listen für all ihre Aufgaben, auf denen nicht nur "Truthahn braten" steht, sondern vorsorglich auch "Truthahn rausholen". Hoffentlich scheitert das Truthahnbraten dann nicht daran, dass die gute Frau vergessen hat aufzuschreiben "Tür zur Speisekammer öffnen, Speisekammer durch die Tür betreten" ...

Ich könnte noch endlos mit hanebüchenen Beispielen weitermachen, zum Abschluss aber sei nur noch dieses angeführt: "Möchtest du was trinken? Einen Schlummertrunk? Edmund hat für Notfälle immer eine Flasche Malt Whisky im Haus."
Edmund ist ein gut situierter Schotte. Schotten - und nicht nur die reichen - haben nicht für Notfälle EINE Flasche Whisky im Haus. Schotten haben vielleicht sonst nichts im Haus, aber Whisky immer, und nie nur eine Flasche! Und sollte diese nur für Notfälle sein, dann ist halt alles ein Notfall.

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 39 Rezensionen

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Blasse Helden

Arthur Isarin
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 12.03.2018
ISBN 9783813507775
Genre: Romane

Rezension:

Kann man es einem Buch mit dem Titel "Blasse Helden" zum Vorwurf machen, dass sein Protagonist farblos und nichtssagend bleibt? Bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob ich die mir gänzlich fernbleibende Hauptfigur Anton nun gelungen – weil einen wahrlich blassen "Helden" – oder einfach nur langweilig finden soll.

Anton, einen jungen deutschen Rohstoffhändler, zieht es nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Russland – warum wird zwar erwähnt (er hofft, dort eine Freiheit zu finden, die er im Westen vermisst), aber richtig nachvollziehbar wurde es für mich als Leserin nie. Antons Beweggründe wurden mir in knappen Worten vorgesetzt wie eine nebensächliche Tatsache, die ich beim Lesen mitbedenken soll, von der sich der Autor aber nicht die Mühe gemacht hat, sie authentisch auszuarbeiten. Dieser Charakterzug sowie auch andere – Antons große Liebe zur Kultur, besonders zur russischen Kultur – blieben mir bis zum Schluss fern. Für mich entstand nie eine "runde" Person; Anton wirkte auf mich stets wie eine grobmotorisch zusammengeschusterte Romanfigur, der der Autor Eigenschaften anhängte, die seiner Geschichte dienlich sind, und alles, was für die Geschichte keine direkte Relevanz hat, auslässt. Das Ergebnis ist eine wahrlich farblose Figur, die ich nie ganz greifen konnte; ich bin jedes Mal regelrecht erschrocken, wenn Anton etwas Kulturelles unternahm, weil ich diesen Zug seiner Person immer wieder vergessen habe – weil ich ihn nicht für voll genommen habe.

Die Geschichte dreht sich um Antons Leben in Moskau und ein paar Reisen durchs Land, wobei er – v.a. in seinem Beruf – eine Reihe recht haarsträubender und skurriler Dinge erlebt und außerdem ziemlich wahllos mit allen möglichen Frauen schläft. Die Handlung wird in wenigen recht langen Kapiteln erzählt, und es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass die Ereignisse der Kapitel nicht unmittelbar aufeinander folgen, sondern teilweise in großen zeitlichen Abständen geschehen. In diesen Kapiteln trifft Anton auf immer wieder andere Personen; nur wenige tauchen mehrfach auf. Im Ganzen wirkt dieser so genannte Roman eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, die durch einen Protagonisten, seine bestehenbleibende berufliche Tätigkeit und ein paar wiederkehrende Figuren lose miteinander verbunden sind.

Bei mir blieb der Eindruck zurück, dass der Autor, der Russland wohl selbst gut kennt, ein paar Anekdoten zu erzählen hatte, die für viele westliche Leser schwer zu glauben sind – über Korruption, Gesetzlosigkeit, das Chaos der post-sowjetischen Zeit und die Kapriolen der neureichen Russen. Aus irgendeinem Grund hat er dazu die Romanform gewählt, die ihm in meinen Augen wenig gelungen ist. Ich habe ein paar isolierte Lacher gehabt, aber nichts gefunden, was mich länger beschäftigt hätte, Spannung oder Gefühle in mir geweckt hätte.

Lediglich im letzten Kapitel blitzen ein paar Möglichkeiten auf, die dieser Roman gehabt hätte – als so eine Art skurriler Agentenroman oder leider realistischer (Berufs)Abenteuerroman aus einer gefährlichen Branche. Das kam für meinen Geschmack zu spät und rettete das Leseerlebnis auch nicht mehr. Bis zum letzten Kapitel habe ich mich ziemlich durchgequält. Für meinen Geschmack wäre der Autor mit einem Enthüllungs- oder Sachbuch besser beraten gewesen. Für einen Roman verlässt er sich zu sehr auf die Unglauben (vielleicht auch Entsetzen) hervorrufende Wirkung einiger merkwürdiger Ereignisse, ohne wirklich eine authentische Geschichte zu erzählen.  

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141 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 92 Rezensionen

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All die Jahre

J. Courtney Sullivan , Henriette Heise
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 29.01.2018
ISBN 9783552063662
Genre: Romane

Rezension:  
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284 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

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Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Joël Dicker , Carina von Enzenberg
Flexibler Einband: 736 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.05.2016
ISBN 9783492307543
Genre: Romane

Rezension:

Inhalt: Der junge Schriftsteller Marcus Goldman ist mit einem einzigen Werk kometenhaft zum gefeierten Nachwuchsstar aufgestiegen. Nun lastet großer Druck auf ihm: Sein Verleger erwartet den nächsten Megahit von ihm. Nur ... Marcus will so gar nichts einfallen; er hat noch nicht ein einziges Wort zu Papier gebracht und weiß, dass ihm sein Verlag das letzte Hemd auszieht, wenn er nicht bis zur Deadline was abliefert. In seiner Verzweiflung wendet er sich an seinen früheren Professor, Mentor und Freund Harry Quebert, Autor eines der - laut Romanhandlung - besten Bücher der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Harry lädt Marcus in sein Haus in New Hampshire ein, aber in die Ruhe, die Marcus zum Schreiben hätte nutzen sollen, bricht ein Skandal ein: In Harrys Garten wird das Skelett von Nola Kellergan gefunden, die vor Jahrzehnten als Teenager verschollen ist. Als bekannt wird, dass Harry und Nola Geliebte waren, scheint Harry verloren, aber für Marcus ist es die große Chance, die Wahrheit über den Fall Harry Quebert zu erzählen und damit nicht nur seinen schriftstellerischen Ar**** zu retten, sondern vielleicht auch seinen väterlichen Freund.


Meinung: Ich habe "Die Geschichte der Baltimores" von Joël Dicker gern gelesen und habe mir vom Klappentext von "Harry Quebert" gute Unterhaltung versprochen. Anfangs war das auch noch der Fall, aber schon recht bald enttäuschte mich das Werk schwer. Immer wieder werden die grandiosen schriftstellerischen Leistungen der beiden gefeierten Autoren Harry Quebert und Marcus Goldman beschworen, aber die Passagen aus ihren Werken, die gelegentlich zitiert werden, waren nichts als gefühlsduselig, stereotyp und stilistisch gewöhnlich.

Die Geschichte verstrickt sich derart gekünstelt in immer neuen Wendungen, dass das Ende, das wohl überraschen soll, ab einem gewissen Punkt unmissverständlich zu erahnen ist. Weniger absurde Wendungen hätten es auch getan, und eine Kürzung um ca. 200 Seiten hätte dem Buch sicher gutgetan. In dem Zuge hätte man auch gewisse künstlich aufgeblasene Dialoge drastisch kürzen können, wenn z.B. zwei Personen einen Weg quer durch die Vereinigten Staaten auf sich nehmen, um einen Zeugen zu befragen und dieser bereitwillig eine ellenlange Geschichte mit unendlich vielen Details erzählt, aber als er an den Punkt kommt, dessentwegen die beiden den Weg überhaupt zurückgelegt haben, jammert er noch mal drei Zeilen lang rum, warum man diese alte Geschichte nicht ruhen lassen kann. *augenroll*
Gänzlich weglassen können hätte man auch Marcus Goldmans Mutter, die nichts als eine vollkommen überzeichnete, lächerliche, slapstickartige Karikatur einer gluckenhaften Mutter ist und nicht einen einzigen interessanten Aspekt zu der Geschichte beiträgt. 

Die dem Skandal zugrunde liegende Liebesgeschichte zwischen dem Harry Quebert und der minderjährigen Nola ist weder berührend noch schockierend, sondern einfach nur hochgradig unglaubwürdig und langweilig: Man sollte meinen, wenn sich ein über dreißigjähriger und gebildeter Mann unsterblich in einen Teenager verliebt, ist er entweder pervers, oder aber dieser Teenager muss eine ganz besondere Persönlichkeit, eine bemerkenswerte Reife, außergewöhnliche Charakterzüge haben. Aber Nola quiekt und säuselt permanent nur in bester Teenager-Manier rum und gibt nicht einen einzigen tiefgründigen Satz von sich, sondern eher Sachen wie "Ich träume davon, auf den Ball zu gehen. Ich habe immer davon geträumt, dass mich irgendwann jemand auf den Ball führt." und "Ach, allerliebster Harry, kommen Sie mir nicht mit diesem traurigen Hundeblick! Versprechen Sie mir, nie wieder gemein zu sein?" und "Knien Sie nieder. Knien Sie nieder, und bitten Sie mich um Entschuldigung." Also ist Harry vielleicht doch einfach nur pervers ...

Besonders nervtötend fand ich, dass Nola Harry bis zum Schluss siezt. Das könnte man ja evtl. noch missglückte Übersetzung abtun, aber das Buch ist im Original auf Französisch, was ja sehr wohl den Unterschied zwischen du und Sie kennt, sodass diese unerträglichen Dialoge wohl wirklich so unerträglich sind. Es fällt mir schwer, eine große Liebe nachzuempfinden, wenn ich Sachen lese wie "Nehmen Sie mich in den Arm, liebster Harry" und "Ich liebe Sie seit dem Tag, an dem ich Sie zum ersten Mal gesehen habe. Ich will für immer Ihre Frau sein."

Leider machen die Liebe zwischen einem Erwachsenen und einem Teenager und ein wirrer Kriminalfall, der eine Kleinstadt erschüttert, kein grandioses Buch irgendwo zwischen "Lolita" und "Twin Peaks". Hier hat sich jemand einfach nur gewaltig übernommen. Einen von zwei Sternen verleihe ich allein für den Fleiß, soviel Text überhaupt auf Papier zu bringen.

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205 Bibliotheken, 6 Leser, 3 Gruppen, 122 Rezensionen

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Die Herzen der Männer

Nickolas Butler , Dorothee Merkel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608983135
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe das Buch begonnen mit der Erwartung, ein 4-Sterne-Buch zu lesen. Die Inhaltsangabe und Rezensionen gaben mir die Vermutung ein, dass dies ein vielleicht etwas spröder Roman mit einer nicht alltäglichen Geschichte sei, wie mir das gefällt. Während des Lesens dachte ich ca. bis zur Hälfte, dass ich 3 Sterne würde vergeben können, und letztlich konnte ich mich dann doch nicht durchringen, mehr als 2 Sterne zu vergeben. Es ist mir einfach zu einseitig und zu stereotyp!

In drei großen Abschnitten und über mehrere Jahrzehnte hinweg wird die Geschichte von Nelson, Jonathan, Trevor und Thomas erzählt. Nelson und Jonathan sind als Kinder zusammen bei den Pfadfindern, wobei Jonathan ein beliebter Typ ist und Nelson keine Freunde hat und von allen gemobbt wird. Zweiter Teil: Trevor, der Sohn von Jonathan, fährt mit seinem Vater in dasselbe Pfadfindercamp, das mittlerweile von Nelson geleitet wird. Dritter Teil: Thomas, der Sohn von Trevor fährt immer noch in dasselbe Pfadfindercamp; Nelson ist mittlerweile ein alter Mann und immer noch Pfadfinder.

In allen drei Teilen kommt es zu Ausschreitungen in diversen Formen und Grausamkeiten gegenüber Hilflosen. Letztlich aber sind die Personen, die zur Pfadfinder-Bewegung gehören (wenn auch nicht immer mit ganzem Herzen), nie die wirklich Bösen. Sie begehen auch Schandtaten, schlagen über die Stränge, und es ist sicher nicht immer ein Spaß, mit ihnen zu tun zu haben, aber sie haben trotz allem ein gutes Herz und besinnen sich, wenn's drauf ankommt, auf ihre Werte. Die wirklichen Missetaten werden von Menschen begangen, die keine Pfadfinder sind.

Die Metapher des guten Pfadfinders wird echt überspannt: Nelson, der als Junge viel durchstehen muss und dem das Pfadfindertum nachgerade heilig ist, schwingt sich zum absoluten Superpfadfinder auf. Jonathan hat schon ein wenig Dreck am Stecken, ist aber irgendwie doch auch ein guter Boy Scout und kein durch und durch schlechter Mensch. Er belächelt ein wenig seinen Sohn, Trevor, der voller hehrer Pfadfinder-Tugenden und wiederum ein unanfechtbarer Gutmensch ist. Thomas letztlich, der Sohn von Trevor und Enkel von Jonathan, fährt nur widerstrebend ins Pfadfindercamp und würde viel lieber zu Hause auf seinem iPad rumtippen; er hat aber dennoch seine guten Seiten, die zum Vorschein kommen, wenn's drauf ankommt.

Die Unguten sind dann mal so richtig ungut (oder bestenfalls einfältig und ungebildet) und fahren schweres Geschütz in Sachen körperlicher Gewalt auf. Sind aber eben auch keine Pfadfinder.

Diese Schwarz-Weiß-Zeichnung ging mir bald gehörig auf den Keks, ebenso weitere einfallslose Stereotypen, durch die ich weiß nicht was verdeutlicht werden sollte: Jonathan führt seinen Sohn in einen Strip-Club, um ihn zum Mann zu machen, und Trevor hält drehbuchmäßig die erste nackte Frau, die er sieht, für die schönste Frau der Welt und bildet sich ein, sie sehe in ihm mehr als in anderen Kunden. Rachel, Thomas' Mutter, hat sich bei den Girl Scouts immer über das Getue der Mädchen wegen Eidechsen geärgert und fühlt sich trotz mordsmäßigem Kater nach ein paar Yoga-Übungen wie neugeboren. *augenverdreh*

Obwohl eigentlich gelungen erzählt, kann ich dem Buch nicht mehr als 2 Sterne geben. Da hat es sich jemand sehr einfach gemacht und nicht viel Phantasie bewiesen, um seine Figuren, deren Entwicklung über so viele Jahre ja eigentlich ganz interessant wäre, zu zeichnen: Frauen haben Angst vor Eidechsen und machen Yoga; Männer sind gute Kerle, wenn sie bei den Pfadfindern sind; wenn nicht, nicht.

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Am grünen Fluss

Carmen Rohrbach
Flexibler Einband: 239 Seiten
Erschienen bei Frederking & Thaler, 01.01.2007
ISBN 9783894052928
Genre: Sonstiges

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199 Bibliotheken, 12 Leser, 3 Gruppen, 67 Rezensionen

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Die Geschichte des verlorenen Kindes

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 614 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 02.02.2018
ISBN 9783518425763
Genre: Romane

Rezension:

Jetzt ist es vorbei. Nach gefühlten 4 x 600 Seiten ist Elena Ferrantes Neapel-Saga zu Ende, und bis zum Schluss habe ich mich immer wieder gefragt, warum ich das so verschlinge, warum ich ungeduldig dem Erscheinen eines jeden neuen Bandes entgegengefiebert habe und ihn jeweils gleich am Erscheinungstag heruntergeladen habe. Denn normalerweise lese ich "sowas" gar nicht so gerne.

Was dieses "Sowas" ist, habe ich bis zum Schluss nicht herausgefunden, dennoch hatte ich immer das unbestimmte Gefühl, Ferrante zu lesen, obwohl es so ist, wie es ist. Was ich definitiv sagen kann, ist, dass ich alles gelesen habe, obwohl ich mir bis zum Schluss nicht wirklich merken konnte, wer wer war. Antonio. Alfonso. Wo war da noch mal der Unterschied? Pinuccia tauchte plötzlich wieder auf. Wann war die noch mal das letzte Mal ...? Und was hat sie da gemacht? Die Solara-Brüder fingen beide mit M an, das ging, das konnte ich mir merken. Aber die ganzen Frauen, die ihnen der Reihe nach zufielen - wessen Schwestern waren das alle?

Das war mir aber schon im ersten Band herzlich egal. Dann wusste ich halt nicht genau, zwischen wem und wem sich diese oder jene Interaktion jetzt gerade stattfindet. Mitgerissen hat mich die Erzählung trotzdem. Hauptsächlich, denke ich, wegen der gänzlich ungeschönten Darstellung der Hauptfiguren und dem Verzicht auf jegliche Stereotypen. Ferrantes Figuren entwickeln sich, leben, lieben, trennen sich und treffen sich wieder über viele Jahre hinweg, und sie schöpfen dabei das gesamte lebensechte Potenzial an Entwicklungen aus. In wunderbarem Gegensatz zu so vielen Mainstream-Sagen weiß man nicht von vornherein, wer "gut" und wer "böse" enden wird. Die stereotype Unterteilung in "Gut" und "Böse" fehlt völlig - eine Person kann auf die schiefe Bahn geraten, trotzdem werden ihr ihre liebenswerten Eigenschaften nach wie vor anerkannt oder sie kann in einem unerwarteten Moment achtsam handeln. Es ist eine unglaublich differenziertes, authentisches Bild, das Elena Ferrante von ihren Personen zeichnet - noch bis in die letzte Nebenfigur hinein. Vor dieser Leistung über so viele Seiten hinweg muss man auch einfach mal den Hut ziehen.

Besonders zum Tragen kommt dies natürlich bei der zentralen Freundschaft zwischen Elena und Lila / Lina, die in ihrem jahrzehntelangen Bestehen immer wieder von Herzlichkeit und echter Zuneigung geprägt ist und dann wieder in Rivalität und Distanz abdriftet. Und jederzeit kann auch jeglicher Zustand dazwischen herrschen - wie lebensecht! Besonders gefallen hat mir die Ambivalenz der Hauptfiguren - Lila, die so sperrig und oft unangenehm ist, und dennoch scheint immer dieses Genie, dieses Bewundernswerte durch, das Elena von Kindheit an zu ihr hingezogen hat und das auch für den Leser erfahrbar macht, warum Lila allseits eine sowohl bewunderte als auch gefürchtete Person ist. Spannend fand ich auch, wie viel Distanz zu der Ich-Erzählerin, Elena, geschaffen wird. Auch sie wirkte auf mich oft wie aus einer Außenperspektive betrachtet - in ihrer blinden Liebe für den Jugendfreund Nino, in ihrer Arroganz, wenn sie Lila als eine Person von geringer Schulbildung betrachtet. Auch wenn wir natürlich über ihr Leben am meisten erfahren, steht sie doch in einer Reihe mit all diesen anderen Menschen, die irgendwie versuchen, ihr Leben zu meistern, mal Erfolg haben, mal scheitern, mal liebenswert, mal unsympathisch sind. Als wäre es ein Zufall, dass wir nun mal ihr Leben betrachten, aber jede andere Geschichte jeder anderen Person wäre ebenso interessant gewesen. Ihre Geschichte ist nicht "die beste", sie ist nur einfach die einzige, die ihre Geschichte erzählt.

Elena Ferrante hat sich ja für die absolute Anonymität entschieden, sodass dem handwerklichen Kniff, der Hauptfigur den gleichen Vornamen zu geben wie dem eigenen Pseudonym noch mal ein besonderer Reiz innewohnt: Einerseits fragt man sich, ob sie da nicht einfach ihre eigene Biographie niedergeschrieben hat, maskiert auf denkbar plumpe Art in der Hoffnung, dass der verkopfte Leser das Offensichtliche nicht sehen wird (Annahme: Wenn sie anonym bleiben will, würde sie ihrer Figur ja sicher einen anderen Namen geben). Andererseits, wenn alles erfunden ist, ist halt alles erfunden - Pseudonym, Hauptfigur, Saga. Eine Autorin hat die Freiheit, alles ohne versteckte Hinweise zu erfinden. Im echten Leben gibt es auch merkwürdige Zufälle, die in keinerlei Zusammenhang stehen. Zwei Personen können den gleichen Namen haben, ohne dass es etwas bedeutet, ist halt so. Ich hoffe, auf diese Überlegungen gar nie eine eindeutige Antwort zu erhalten; sie fügen für mich dem Leseerlebnis noch eine weitere spannende Komponente hinzu.

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Lied der Weite

Kent Haruf , Rudolf Hermstein
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 12.01.2018
ISBN 9783257070170
Genre: Romane

Rezension:

Erzählung über eine Reihe von Ereignissen, die einer Reihe von Menschen in der fiktiven Kleinstadt Holt im amerikanischen Bundesstaat Colorado widerfahren: Die 17-jährige Victoria ist schwanger und wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Die Lehrerin Maggie nimmt sich ihrer an und bringt mit Einfallsreichtum und einem guten Gespür für Menschen das ältere, eigenbrötlerische Brüderpaar Harold und Raymond McPheron dazu, Victoria auf ihrer Farm aufzunehmen. Ein weiterer Handlungsstrang widmet sich dem Lehrer Tom Guthrie und seinen 9- und 10-jährigen Söhnen Ike und Bobby, deren (vielleicht depressive) Mutter die Familie verlässt und Mann und Söhne sich selbst überlässt.


Der Roman von Kent Haruf besticht insbesondere durch seine distanzierte, emotionslose Erzählweise. Alle Figuren und Ereignisse werden aus einer extremen Außenperspektive geschildert. Kaum je erhält man als Leser Einblick in das Innenleben der Figuren, in das, was sie empfinden und denken. Auch das, was vor den geschilderten Ereignissen stattgefunden hat, wie es zu gewissen Dingen gekommen ist, kommt kaum zur Sprache - als würde eine Kamera zu einem gegebenen Zeitpunkt und auf eine gegebene Gruppe von Menschen gerichtet. Zur Erzählung gehört nur, was in diesen Momenten aufgenommen wird. Dadurch bleiben gewisse Dinge dem Leser verborgen, beispielsweise was es mit Ikes und Bobbys Mutter auf sich hat (ist sie wirklich depressiv?).


Mir hat diese beobachtende, neutrale, vollkommen wertfreie Erzählweise gut gefallen. Die Diskussionen in der dazugehörigen Leserunde haben mir bewusst gemacht, wie sehr man doch beim Lesen Figuren immer bewertet, die einen vorzieht, andere ablehnt, und inwieweit es offenbar vielen Menschen ein Bedürfnis ist, beim Lesen in "gut" und "schlecht" einzuteilen. Ob wohl deswegen so viel Literatur mit klaren schwarz-weißen Rollenverteilungen so erfolgreich ist? Ich empfand es als ein wohltuendes Experiment, mich beim Lesen emotional komplett von den Figuren zu distanzieren, sie und ihre Handlungen nicht zu beurteilen, sondern sie einfach nur bei ihren Handlungen zu beobachten. Das anfangs noch etwas gewöhnungsbedürftige Merkmal, dass direkte Rede nicht durch Anführungs- und Schlusszeichen gekennzeichnet ist, schien mir diesen Ansatz noch zu unterstreichen: Der Erzähler ist ausschließlich ein Beobachter, der sich sogar noch des minimalen Eingriffes, direkte Rede als solche zu kennzeichnen, enthält und das Beobachtete auf die unmittelbarste Art wiedergibt.


Einzig das letzte Kapitel hätte ich nicht gebraucht. Wenn der harmonische Ausklang auch im Rahmen der Handlung plausibel ist, erschien er mir doch in diesem in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Buch fast wie eine Konzession an den Mainstream, wie wenn ein Hollywood-Film ein Happy End setzt aus Angst, etwas anderes könnte die Mehrheit der Zuschauer abschrecken.

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338 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

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Tanz, Püppchen, tanz

Joy Fielding , Kristian Lutze
Flexibler Einband: 447 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 05.11.2007
ISBN 9783442465361
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Amanda Travis stammt aus Toronto, lebt aber seit einiger Zeit als Anwältin in Florida und genießt die Sonne und die Wärme. Außerdem hasst sie Spitznamen, hat einen toten Vater und eine verkorkste Beziehung zu ihrer Mutter, geht gerne schnell und unverblümt mit allen möglichen Männern ins Bett, verheiratet oder nicht, egal. Sie selbst was zweimal verheiratet, einmal in Kanada, einmal in Florida, geniert sich dessen aber so sehr, dass noch nicht einmal ihre beste Freundin davon weiß. Eines Tages erhält Amanda einen Anruf ihres (kanadischen, ersten) Ex-Mannes, der sie unverzüglich nach Hause zitiert, ihre Mutter habe in der Lobby eines Hotels mit drei gezielten Schüssen einen ihr gänzlich unbekannten Mann getötet. Amanda packt denkbar unpassend für Februar in Toronto und jettet in die alte Heimat. Ben, ihr Ex-Mann fungiert als Anwalt ihrer Mutter, die sich offen zu der Tat bekennt, aber mit keinerlei Informationen rausrückt, wieso sie diesen Mann getötet hat. Mehr oder weniger im Alleingang mit eingestreuter Unterstützung von Ben macht sich Amanda auf die Suche nach der Wahrheit und entdeckt ein schreckliches Geheimnis über ihre eigene Familie.

Das könnte alles recht spannend sein, ist es aber nicht - und das nicht nur, weil die Protagonistin uninteressant und zutiefst unsympathisch ist und ihre dämlichen Psychoprobleme und deren tieferen Gründe (Aversion gegen Spitznamen, Beziehungsunfähigkeit, die sich in Promiskuität äußert, eine Abneigung gegen wetterangepasste Kleidung) offenbar in der Psychoanalyse-Hausfrauengruppe zusammengesponnen wurden. Sie stellt sich eigentlich nicht besonders clever an, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, sondern profitiert nur von einer Reihe unwahrscheinlicher Zufälle. Im Hintergrund wedelt ihr Ex-Mann ständig mit den Armen und gibt die moralische Instanz, die schreit "du kannst doch nicht ...", um dann sofort, wenn es irgendwie interessant zu werden verspricht, bereitwillig in ihr Boot zu hüpfen (und dabei immer wie ein sorgfältig durchgestylter Rebell auszusehen).

Amanda macht sich ewig die gleichen Gedanken (was sie hier in Toronto macht, wie ihr Ex-Mann sexy sein kann, obwohl er nicht mehr mit ihr verheiratet ist, dass es im Winter in Kanada kalt ist, was sie in Florida mit dem dicken Pullover machen soll, ob Rot ihr steht), was vielleicht ihre gemarterte Psyche verdeutlichen soll, aber einfach nur nervt. Außerdem hat sie einen blödsinnigen Hang zu Selbstgesprächen, die gelegentliche Repliken von Unbeteiligten provozieren, aber nie einen Wert für die Story haben. Die Gespräche zwischen Amanda und Ben erschöpfen sich in Wiederholungen dessen, was der andere gesagt hat, was wohl eine gewisse erotische Spannung zum Ausdruck bringen soll, den Roman aber nur gähnend langweilig streckt.

Daneben gibt es eine ganze Reihe von absolut hanebüchenen Details, die umso mehr auffallen, als überhaupt keine Spannung aufkommt: Amanda spürt die Muskeln in ihrem Hinterkopf zucken (ich habe lange Zeit an meinem Hinterkopf rumgegrabscht, dort aber keinerlei Muskulatur gefunden); eine Familie zieht nahezu fluchtartig aus einem Hotel aus und quartiert sich für eine einzige Nacht bis zum Abflug in einem Flughafenhotel ein, ihre Kleidung verstauen sie dort in Schubladen (und ich überlege mir bei drei Tagen, ob es sich lohnt, den Koffer auszupacken ...); eine heftige Reaktion wird dadurch verdeutlicht, dass Ben mit den Schultern zuckt, bis seine Lederjacke seine Ohren streift (was für ein impulsiver Mann!); immer wieder kommt die Frage auf, wer um alles in der Welt im Februar in Toronto Urlaub macht, aber alle Hotels sind ausgebucht.

Als die bis dato sehr dem Alkohol zugetane Amanda an sich eine neckische Vorliebe für Himbeer-Pfirsich-Tee entdeckt, soll das wohl ihre Verwandlung in eine empathische, sozialkompatible Persönlichkeit einläuten, ist aber nichts als ein überstrapazierter Running gag und Anlass zu weiteren, auf Wiederholungen basierenden Dialogen ("Hast Du Himbeer-Pfirsich-Tee?" - "Himbeer-Pfirsich-Tee?" - "Ja, Himbeer-Pfirsich-Tee.")

Meinen absoluten Lieblingspatzer aber lieferte der Übersetzer: In ihrer Danksagung dankt die Autorin u.a. ihrem "Spielzeugpudel", der sie immer zum Lachen gebracht hat. Ich gehe davon aus, dass sie einen Toy-Pudel hat, finde aber die Vorstellung amüsant, dass sich nun vielleicht hunderte, wenn nicht tausende von Menschen vorstellen, sie hätte während des Schreibens immer wieder Mätzchen mit einem Plüschpudel gemacht, um sich aufzuheitern. (Ein Toy-Pudel bleibt nun mal ein Toy-Pudel. Ein Border Collie wird ja auch nicht zum Grenz-Collie.)

Der Auflösung der Schießerei wohnt zwar noch ein gewisser inhärenter Grusel inne, mindestens ebenso gruselig aber ist das hingeschluderte Happy End, das überhaupt nicht interessiert, weil die Charaktere von vornherein nicht interessant waren.

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77 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

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Schloss aus Glas (Filmausgabe)

Jeannette Walls , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diana, 21.08.2017
ISBN 9783453359680
Genre: Romane

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410 Bibliotheken, 20 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

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Der verbotene Liebesbrief

Lucinda Riley , Ursula Wulfekamp
Flexibler Einband: 680 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 18.09.2017
ISBN 9783442484065
Genre: Romane

Rezension:

Alle Männer sind markig und gutaussehend (nur die wichtigen und guten; die unwichtigen und bösen sind bestenfalls unauffällig, schlechtestenfalls fett und versoffen). Alle Frauen sind atemberaubend schön (auch die bösen, aber sie sind böse-schön, merkt man gleich!). Die guten Mädels haben auch nach drei Schwangerschaften noch einen makellosen Body (muss das sein? Ändert an der Story nichts, trägt nur zu ihrer Konstruiertheit bei). Es geht nicht nur um einen berühmten Schauspieler, es geht UM DEN BESTEN SCHAUSPIELER DES JAHRHUNDERTS. Es geht nicht nur um eine unmögliche Liebe, es geht UM DIE TOTAL UNMÖGLICHE LIEBE. Die Intrigen sind nicht nur bösartig und unfassbar, sie SIND JA SOWAS VON BÖSARTIG und DERART UNFASSBAR. ES GEHT UM DEN GRÖSSTEN SKANDAL ÜBERHAUPT. Ich schreibe das extra in Großbuchstaben, weil ich mich von den überzogenen Klischees regelrecht angeschrien gefühlt habe.

Ich spare mir hier eine Inhaltsangabe; wer das wissen will, soll die anderen Rezensionen lesen. Der Roman trumpft mit noch mal und noch mal und noch mal und noch mal einer Wendung auf und glaubt, dadurch total raffiniert und ausgefuchst zu sein; eigentlich ist er aber nur künstlich aufgeblasen, effektheischend und vorhersehbar - und am Schluss total unrealistisch. An den Haaren herbeigezogen, bis es so richtig wehtut auf dem (und im!) Kopf.

Der Stil ist furchtbar. Banale Handlungen werden bis ins letzte Detail beschrieben: Die Tür wird geöffnet, es wird hindurchgegangen, die Tür wird wieder geschlossen (das wäre ausbaufähig: die Hand könnte nach der Klinke greifen und sie danach wieder loslassen; der Schlüssel könnte vorher gezückt und nachher weggelegt werden). Und wenn ein Cliffhanger her muss, bestellt jemand Roomservice oder kocht einen Tee, um die nächste Wendung künstlich etwas hinauszuzögern. Irgendwie muss man die 600 Seiten ja vollkriegen ...

Die deutsche Übersetzung lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Wer bestellt schon "geeisten Tee"? Das Zeug heißt Eistee! Wie stößt man wohl auf Englisch auf eine "Duzfreundschaft" an, wenn es gar kein Du gibt? Und nein, der gute Herr muss sich nicht "eventuell" damit abfinden (was an der Stelle überhaupt keinen Sinn ergibt), sondern "letzten Endes". Der Satz macht nur Sinn, wenn da im Englischen "eventually" gestanden hat (was nun halt leider nicht "eventuell" bedeutet).

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

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Reisen im Licht der Sterne

Alex Capus
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423145312
Genre: Romane

Rezension:

"Reisen im Licht der Sterne" ist kein Roman, keine Biographie, kein Sachbuch und irgendwie auch kein Reisebericht, wie der Titel vielleicht naheliegt. Es ist von allem ein bisschen, eine Zusammenstellung von gut recherchierten Fakten über eine bestimmten Teil des Lebens von Robert Louis Stevenson (RLS) und die Entstehungsgeschichte seines berühmtesten Werkes "Die Schatzinsel" und einigen abenteuerlichen Spekulationen. Alex Capus verpackt das in seinem flüssigen, amüsanten Erzählstil in ein ebenso informatives wie unterhaltsames Buch.
RLS, Abkömmling einer erfolgreichen und gut situierten schottischen Ingenieursfamilie, verliebte sich in die wesentlich ältere Fanny, die sich lange nicht so recht entschließen mochte, sich von ihrem Mann und Vater dreier Kinder zu scheiden. Stevensons puritanische Familie betrachtete die Liaison mit einer älteren verheirateten Frau voller Verachtung und schnitt Robert Louis vom Geldstrom ab. Als Fanny sich endlich scheiden lässt und die beiden heiraten konnten, reisten sie quer durch die Südsee und landeten schließlich auf Samoa, wo sie sich für den Rest ihres Lebens niederließen. RLS gab an, dass das Südsee-Klima seiner schwer angeschlagenen Gesundheit gut täte.  Auf Samoa begann er, mehr als Unterhaltung für Fannys Sohn gedacht, "Die Schatzinsel" zu verfassen - jeden Tag ein Kapitel, das er abends zum großen Vergnügen der ganzen Familie vortrug.

Große Teile des Buches berichten von diversen Schatzsucher-Expeditionen nach Cocos Island, das gemeinhin als die Schatzinsel angenommen wird: Einer der größten Schätze der Menschheit, der Kirchenschatz von Lima, dessen Verbleib nie geklärt wurde, soll dort liegen. Naturgemäß sind die irrwitzigen Versuche ganzer Heerscharen von Menschen, diesen Schatz zu finden, an sich schon sehr amüsant und abenteuerlich, und Capus' leichter, lakonischer Erzählstil mit gut gesetzten Pointen macht das Ganze noch besonders vergnüglich.


Und dann gibt es da noch die These, dass die Schatzinsel vielleicht eine ganz andere sei, und ob nicht vielleicht ... Neben Fakten kommen hier auch viele Spekulationen zum Tragen, wohl genau die verheißungsvolle Mischung, die seit Jahrhunderten Abenteurer dazu veranlasst hat, an die Existenz des Schatzes und die Möglichkeit, ihn zu bergen, hat glauben lassen.


Ein schmales Büchlein mit einer gut ausgewogenen Mischung aus etwas Geschichte, etwas Biographie, etwas Literaturgeschichte, Südseeromantik, viel Abenteuer und einer guten Prise Humor. Bei der Fülle der Fakten, die Capus zusammengetragen haben muss (unglaublich lange Literaturliste!), hätte das Buch leicht ein gelehrter dicker Wälzer werden können. Es ist ihm aber gelungen, ein pointiertes, unterhaltsames Extrakt zusammenzustellen und den Leser im richtigen Moment auch ein bisschen im Ungewissen zu lassen, was nun Wahrheit und was Fiktion ist. Und das sind doch die besten Geschichten!


Ich habe nie "Die Schatzinsel" gelesen und hatte nie besonderes Interesse daran; nun habe ich richtig Lust bekommen, diesen Klassiker mal zu lesen.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

The Paying Guests

Sarah Waters
Flexibler Einband
Erschienen bei Little, Brown Book Group, 04.09.2014
ISBN 9780349004587
Genre: Romane

Rezension:

Frances Wray lebt mit ihrer Mutter im Haus der Familie bei London. Der Krieg hat ihre zwei Brüder gefordert, und der Vater hat das Familienvermögen durch Fehlinvestitionen verloren und ist verstorben. Der Lebensstandard der Familie, die an Dienstboten gewohnt war, ist drastisch gesunken. Frances versorgt sie beide mit Gerichten aus dem billigsten Fleisch und flickt unermüdlich Löcher in ihren abgewetzten Kleidern. Um das Haus halten zu können, sehen die beiden Frauen sich gezwungen, die Zimmer der gefallenen Söhne zu vermieten. Das junge Ehepaar Barber - Lilian und Leonard - zieht ein. Nach anfänglichen Berührungsängsten (Frances und ihre Mutter wissen nicht, wie man sich als Vermieter verhält, wie viel und welche Art von Kontakt schicklich ist) freundet sich Frances mit Lilian an und fühlt sich mehr und mehr auch körperlich von ihr angezogen. Es kommt nicht nur zu einer Liebesbeziehung zwischen den beiden Frauen, sondern auch zu einer Katastrophe, die nicht nur die Beziehung, sondern auch die Menschen an sich auf eine harte Probe stellt.


Die Geschichte wird sehr detailliert erzählt und beschreibt umfangreich die Protagonisten - insbesondere Frances - und ihre Beziehungen zueinander. Schon zu Beginn des Romans wurde mir das zu viel. Ich habe lange darauf gewartet, dass mal was Interessantes passiert. Frances putzt ewig das Haus, fährt mit dem Bus nach London und wieder zurück, kocht billige Gerichte, hält ungelenke Schwätzchen mit ihren Mietern und oberflächliche Konversationen mit ihrer Mutter. Man lernt sie als eine nach außen hin gut funktionierende Person kennen, die aber eine tiefe innere Traurigkeit mit sich herumträgt. Ihre ewige Putzerei ist ein Ausdruck, wie ordentlich sie das Leben der beiden Wray-Frauen zusammenhält - alles hat einen makellosen Schein. In der Freundschaft mit Lilian kann sie endlich aufleben und ein paar - zunächst noch ganz harmlosen - Vergnügen nachgehen. Sie vernachlässigt ihre Hausarbeiten; Staub setzt sich auf den Kaminsimsen ab, aber Frances hat - wenigstens in ihrem Inneren - endlich so etwas wie ein Leben jenseits von Sorgen und Verpflichtungen. Ihre Mutter aber betrachtet die Freundschaft mit der Mieterin mit Argwohn, und als die Beziehung erotisch wird, müssen Lilian und Frances sie natürlich sowohl vor Mrs Wray als auch Leonard und der ganzen Welt verstecken. Dann passiert die große Katastrophe, die das Leben der beiden Protagonistinnen ab da völlig beherrscht, und wieder müssen sie etwas für sich behalten.


Es geht also um eine Person, die nie wirklich sie selbst sein kann. Ein paar kurze Einblicke in Frances' frühere Jahre machen deutlich, dass sie durchaus eine rebellische Seite hat, dass sie einmal versucht, ihr Leben selbst zu bestimmen, aber es führte nicht zum Glück, und sie hat sie hat sich und ihre Sehnsüchte gänzlich dahinter verschanzt, das Leben ihrer Mutter und den Haushalt aufrechtzuerhalten. Dank Lilian wagt sie es wieder zu träumen, aber dann kommt die Katastrophe dazwischen.


Durchaus bemerkenswert an dem Buch finde ich die Personendarstellungen. Die Figuren sind gut durchdacht und authentisch. Die Erzählung spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, und mit Sicherheit sind die gesellschaftlichen Begebenheiten dieser Zeit sehr detailgetreu wiedergegeben. Allerdings ist diese Geschichte nicht an ihre Zeit gebunden; sie hätte sich überall und zu jeder Zeit so abspielen können. Unmögliche Liebe und daraus resultierende Katastrophen kann es zu allen Zeiten aus den unterschiedlichsten Gründen geben. Ich fand es insgesamt zu langatmig und zu wenig abwechslungsreich. Zahllose Personenhandlungen, Episoden und Dialoge verdeutlichen doch immer nur wieder die gleichen Charakterzüge, die gleichen Probleme. Die Grundidee - das Drama von Frances' reichlich verkorkstem Leben - hätte sich auch wesentlich knackiger darstellen lassen. Einen von drei Sternen vergebe ich für das solide schriftstellerische Handwerk, sowas muss man auch erst mal viele hundert Seiten lang schreiben. Gefesselt hat es mich allerdings nicht. Ich habe mich ziemlich durchgequält.

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THE FLAME TREES OF THIKA.

Elspeth. Huxley
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 01.01.1963
ISBN B00213BPAS
Genre: Sonstiges

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160 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Das Café am Rande der Welt

John Strelecky , Bettina Lemke
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2014
ISBN 9783423253574
Genre: Sachbücher

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60 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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13 Stufen

Kazuaki Takano , Sabine Mangold
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 13.11.2017
ISBN 9783328101536
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der junge Jun'ichi Mikami hat im Streit einen Menschen tödlich verletzt und sitzt deswegen im Gefängnis. Er kommt vorzeitig auf Bewährung frei. Als er zu seiner Familie zurückkehrt, muss er erleben, dass die Schadensersatzzahlungen an die Familie des Opfers seine Eltern fast ruiniert haben. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen und geben das kärgliche Einkommen ihres Geschäfts fast völlig ab. Da kommt es wie gerufen, dass Nangō, ein ehemaliger Gefängnisaufseher, Jun'ichi auswählt, ihm bei einem brisanten Auftrag, für den eine hohe Erfolgsprämie winkt, zur Hand zu gehen: Nangō soll für einen anonymen Auftraggeber die Unschuld eines zum Tode verurteilten Häftlings beweisen. Ryō Kihara soll einen ehrenamtlichen Bewährungshelfer und dessen Frau brutal erschlagen haben, kann sich aber - abgesehen von einem isolierten Erinnerungsfetzen - an nichts, was mit dieser Tat zu tun haben soll, erinnern. Nangō und Jun'ichi machen sich unter Hochdruck an die Ermittlungen; die Zeit läuft ihnen davon: wenn Ryōs Revisionsantrag abgelehnt wird, wird er in nur wenigen Tagen hingerichtet, obwohl die Beweise seiner Schuld einige verfahrenstechnische Lücken aufweisen.

Insbesondere in der Figur des ehemaligen Gefängnisaufsehers Nangō, der selbst schon an Hinrichtungen teilgenommen hat, setzt sich der Roman mit ethischen Fragen der Todesstrafe, die es in Japan noch gibt, auseinander. Auch Jun'ichi, der ja selbst einen Menschen auf dem Gewissen hat und auch die Folgen der Schadensersatzzahlungen für die Familie des Täters selbst erlebt, denkt über Schuld, Strafe und Reue nach. Interessant daran ist, dass das japanische Rechtssystem das Reueempfinden des Täters signifikant mit einbezieht. So ist es beispielsweise Ryōs großes Unglück, dass er sich an die Tat nicht erinnern kann und demzufolge auch keine Reue empfinden kann. Könnte er sich erinnern, das Paar umgebracht zu haben und würde er ehrlich bereuen, stünde er besser da als mit Gedächtnisschwund und der Möglichkeit der Unschuld.

Gleichzeitig wartet der Roman mit Verfolgungsszenen und einem ziemlich dramatischen High-Noon-Finish auf. Die Zusammenstellung dieser sowohl nachdenklichen als auch actionreichen Elemente konnte mich nicht wirklich überzeugen. Der erste Teil des Romans erzählt, wie Jun'ichi aus dem Gefängnis freikommt, von dem Auftrag an ihn und Nangō und wie sie sich an die Ermittlungen begeben. Nangōs Vergangenheit und sein Verhältnis zur Todesstrafe werden in einem eigenen Kapitel und irgendwie sehr isoliert runtererzählt. Ich empfand das als eine Unterbrechung der klassischen Ermittlungsgeschichte, die wohl aufgrund des ernsten Themas - Todesstrafe - irgendwie wertvoll sein soll, sich für mein Empfinden aber irgendwie nicht eingefügt hat und auch nicht dazu beigetragen hat, die Person Nangō authentischer zu machen.

Die Art, wie Nangō und Jun'ichi an die Ermittlungen rangehen, empfand ich als etwas naiv; sie arbeiten viel mit Überlegungen und Annahmen. Ich konnte ihren Schlussfolgerungen auch nicht immer folgen. Teilweise wurde - wohl um das Ganze geheimnisvoller zu gestalten und die Spannung zu steigern - ein entscheidender Gedanke ausgelassen. Da das, was die Figur denkt, der Schluss, zu der sie kommt, aber irgendwie nicht auf der Hand lag, fühlte ich mich teilweise etwas verloren. Oder aber es war klar, zu welchem Schluss jemand kommt, aber die Ereigniskette, die dazu führte, war irgendwie löchrig. Ein oder zweimal hatte ich auch das Gefühl, dass ein vorgeblicher Beweis schlicht falsch war, was dann das Ergebnis umso unbefriedigender erscheinen ließ. Das dramatische Finale, in dem sich die Gegner nachgerade säbelrasselnd gegenüberstehen und es um Leben und Tod geht, fand ich im Rahmen dieser Geschichte unglaubwürdig und überzogen, irgendwie wie in einem Indiana-Jones-Film, aber ohne jegliche Selbstironie.

An sich fand ich den Grundgedanken der Krimigeschichte sehr gut, aber irgendwie war die Ausführung mangelhaft, als hätte der Autor gewusst, zu welchem Ergebnis er kommen will, aber nur unzureichende Erfahrung, wie sich eine Ermittlung, Beweisführung, Schlussfolgerungen etc. gestalten müssen, damit das Ganze spannend und plausibel wirkt. Andererseits werden einem sehr detailliert die bürokratischen Hintergründe des japanischen Rechtssystem, insbesondere dessen, wie jemand zum Tode verurteilt wird, dargelegt, was ich ehrlich gesagt nicht verstanden habe und in seiner Ausführlichkeit langweilig fand.

Ich kam nicht umhin, an den Film "The Life of David Gale" (mit Kevin Spacey) zu denken, in dem es ebenfalls um einen Unschuldigen im Todestrakt geht und der so viel packender und berührender ist. Leider blieb mir das ernste Thema eines womöglich unschuldig zum Tode Verurteilten in den "13 Stufen" etwas fremd. Irgendwie war das weder Fisch noch Fleisch - sowohl gewollt nachdenklich und sozialkritisch als auch gewollt actionreich, und nichts davon konnte mich überzeugen.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Widerrechtliche Inbesitznahme

Lena Andersson , Gabriele Haefs
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei btb, 12.12.2016
ISBN 9783442714551
Genre: Romane

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Die Ehefrau

Meg Wolitzer , Stephan Kleiner
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 21.10.2016
ISBN 9783832198169
Genre: Romane

Rezension:

Joan und Joe Castleman sind auf dem Weg nach Finnland. Joe - eigentlich Joseph - Castleman ist ein populärer Schriftsteller und soll den renommierten und hochdotierten Helsinki Literaturpreis verliehen bekommen. Auf dem transatlantischen Flug denkt Joan über ihre Ehe nach - mit dem Schluss, Joe zu verlassen.

Joan und Joe haben sich an einem Frauen-College kennen gelernt, wo Joe kreatives Schreiben unterrichtete und Joan studierte (sie möchte auch schreiben). Vom ersten Tag an war Joan von dem smarten Dozenten angetan und lässt sich auch dadurch, dass Joe verheiratet und frisch gebackener Vater ist, nicht davon abhalten, eine Beziehung zu ihm herbeizusehnen. Zu dieser kommt es tatsächlich, sogar mit der Folge, dass Joe sich von seiner Frau scheiden lässt und Joan heiratet. Die beiden darben eine Weile mittellos in einem heruntergekommenen Hotel im Greenwich Village vor sich hin; Joan hält sie mit ihrem Job in einem Verlagshaus über Wasser. Bis Joe mit nur einigen kosmetischen Änderungen ihrer beider Liebesgeschichte als Roman herausbringt und damit einen Bestseller landet. Joan kann ihre Stelle kündigen und sich ganz den drei Kindern sowie der Rolle der titelgebenden Ehefrau des großen Schriftstellers widmen. Gedankt wird es ihr allerdings nur bedingt: Joe ist chronisch untreu und hat immer wieder was mit Kindermädchen und Studentinnen.

Die Geschichte hat nur wenige dramatische Wendungen und kaum Katastrophen zu bieten; sie erzählt von der Ehe zwischen einem erfolgreichen Mann und seiner durchaus talentierten und mit einem gewissen Ehrgeiz ausgestatteten Frau, die aber in der männerdominierten Welt der 50-er und 60-er keine echte Chance für sich sieht, ihre eigenen Ambitionen zurückstellt und hingebungsvoll die Karriere ihres Mannes unterstützt. Es ist die Geschichte wahrscheinlich sehr vieler Ehen aus dieser Zeit. Ich habe mich oft dabei ertappt mich zu fragen, ob Joan ihre eigenen schriftstellerischen Träume nicht vielleicht zu leicht an den Nagel gehängt hat, nur weil ihr mal eine Schriftstellerin gesagt hat, dass es für eine Frau kaum zu schaffen ist. Man möchte ihr fast vorwerfen, sie habe diese Aussage zu bereitwillig angenommen, um sich nicht dem Scheitern aussetzen zu müssen. Aber dann wiederum muss man sich sagen, dass wir aus unserer heutigen Perspektive die damalige Gesellschaft wohl kaum nachvollziehen können, wie schwer es Frauen wirklich gemacht wurde. Statt Joan vorzuwerfen, die Flinte zu früh ins Korn geworfen zu haben, muss man vielleicht eher versuchen sich vorzustellen, wie es wäre, in einer Zeit zu leben, in der Frauen sich Dinge wie beruflichen Erfolg und Anerkennung einfach aufgrund ihres Geschlechts bitter erkämpfen mussten, meistens wohl zum Scheitern verurteilt waren.

Ich habe die Geschichte mit Interesse verfolgt. Es ist nicht superspannend, aber gut aufgebaut und stilistisch gut erzählt mit authentisch entwickelten Charakteren. Am Schluss gibt es noch ein paar überraschende Wendungen, die allerdings, wenn man aufmerksam liest, so überraschend gar nicht sind. Eine solide Erzählung, die mich v.a. wegen des Schreibstils überzeugt hat.

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Dann schlaf auch du

Leïla Slimani , Amelie Thoma
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 21.08.2017
ISBN 9783630875545
Genre: Romane

Rezension:

Was ist das Gegenteil eines Happy Ends? Ein desaströser Anfang; und desaströser als der Anfang von "Dann schlaf auch du" geht's wohl kaum: "Das Baby ist tot" lautet der erste Satz, der zugleich das Ende der Geschichte ist; einer Geschichte, die sich auf die Suche nach den Ursachen eines doppelten Kindsmordes durch die Nanny begibt. Es ist kein Spoiler, das hier zu schreiben, denn schon auf der ersten Seite ist klar, dass nicht nur das Baby bereits tot ist, sondern auch das zweite Kind nicht überleben wird und dass die Nanny die beiden auf dem Gewissen hat.

"Dann schlaf auch du" ist also kein Krimi, der einen Mörder sucht. Die Mörderin steht von Anfang an fest; bleibt nur noch die Frage, wie es zu dieser grauenerregenden Situation kommen konnte.

Myriam und Paul haben zwei Kinder - Mila und Adam. Mila kam überraschend, aber Myriam widmet sich ihr ganz und gar und gibt ihre vielversprechende Karriere für sie auf. Adam schummelt sie dann sogar rein, um noch länger zu Hause bleiben zu können. Aber allmählich beginnen das Hausfrauen-Dasein und ein Leben, das sich nur um die Kinder dreht, an ihren Nerven zu zehren. Als sie einen alten Studienkollegen wiedertrifft und er ihr einen Job anbietet, greift Myriam begierig zu. Obwohl es sich finanziell nicht lohnt, entschließen sich Myriam und Paul, eine Nanny zu engagieren, damit Myriam in den Beruf zurückkehren kann. Sie haben Glück und finden die tadellose Louise, die sich nicht nur zuverlässig um die Kinder kümmert, sondern auch aufräumt, putzt und exzellent kocht - so exzellent, dass das Ehepaar sogar wieder anfängt, Freunde einzuladen, die sie mit Louises Gerichten bewirten.

Myriam und Paul gehen so in ihren Karrieren auf, dass es ihnen wohl gar nicht auffällt, dass Louise gar kein Privatleben zu haben scheint. Nie beschwert sie sich, wenn es abends spät wird und sie länger bleiben muss, nie verlangt sie mehr Geld. Sie hält Myriams und Pauls Welt in Ordnung, und sie nehmen es dankbar an und stellen keine Fragen, wie sie das alles schafft und was sie davon hat.

Nach und nach erfährt man, dass Louise tatsächlich so gut wie kein Privatleben hat und sogar eine überaus sorgenvolle Vergangenheit. Für sie ist die Stelle bei Myriam und Paul mehr als nur ein Job - es ist ihre Flucht aus ihrem trostlosen Leben, und sie wird immer abhängiger davon, macht freiwillig Überstunden und fürchtet die Ferienzeiten, wenn sie nicht gebraucht wird.

Wie Louise allmählich kippt, wie es letztlich zu dem eingangs beschriebenen Mord an ihren beiden Schützlingen kommt, wird auf sachliche, emotional distanzierte Weise und ohne jegliches Drama beschrieben, was eine Leistung ist angesichts des hoch emotionalen Themas.

Vielleicht liegt es an der nüchternen Erzählweise, vielleicht liegt es daran, dass man von vornherein weiß, dass alles, was hier erzählt werden wird, gründlich schieflaufen wird, dass mir die Figuren nicht wirklich nahegegangen sind. Myriam und Paul sind sicher keine schlechten Menschen und wollten nur das beste für ihre Kinder, aber wirklich mitfühlen konnte ich nicht mit ihnen. Ich habe ihr Leben für eine gewisse Zeit mit Interesse beobachtet, aber sie sind mir etwas fern geblieben - wie Personen, über die man in einem Zeitungsartikel über ein Familiendrama liest. Louise kann man ja gar nicht anders als von Anfang an mit Unbehagen betrachten, und ihre nach und nach erzählte Geschichte hat nicht wirklich Empathie in mir geweckt. Sie ist gewiss ein zutiefst verzweifelter und hilfloser Mensch, die auch nur irgendwie versucht hat, ihr Leben zusammenzuhalten. Sie bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Wahren eines äußerlich makellosen Scheins, einer tiefen Trostlosigkeit und einer gewissen Passivität gegenüber allem, was in ihrem eigenen Leben schiefläuft. Wir lernen sie an einem Punkt kennen, da sie sich wahrscheinlich schon gar nicht mehr selbst helfen kann. Ich habe - auf eine sachliche Weise - Verständnis für sie aufgebracht, aber sie hat in mir kein Mitgefühl geweckt.

Letztlich ist sie doch sehr stereotypenhaft gezeichnet und versammelt in ihrer Figur alles, was einem wohl gewisse gesellschaftliche Probleme vor Augen führen soll: Misshandlungen durch den Ehemann, eine Tochter, die irgendwann Probleme entwickelt, derer sich niemand wirklich annimmt, mangelnde Sozialkontakte, Myriam und Paul, die Arbeitgeber, die alle Annehmlichkeiten, die die Nanny ihnen bietet, gerne annehmen, ohne sich wirklich für sie als Person zu interessieren - als wäre das Ganze (eine verzweifelte Person, die zwei Kleinkinder umbringt) wirklich die Summe seiner Teile.

Wenn das alles nach einem emotionslosen Leseerlebnis klingt, ist das sicher richtig, dennoch hat mir das Buch gut gefallen. Ich bin keine Freundin von Feel-good-Romanen und Happy Ends. Ich finde es eine weitaus größere Leistung, ein derart brisantes Thema fast im Format eines nüchternen Tatsachenberichts aufzurollen. Die emtionale Distanziertheit zu wahren ist in diesem Fall der härtere Weg. Ein rührseliges Buch hätte ich wahrscheinlich sofort weggelegt. Dennoch hatte die Erzählweise für mich einige Mankos: Der allwissende Erzähler war für meinen Geschmack manchmal zu allwissend. So wird beispielsweise plötzlich die Perspektive kleinen Mila wiedergegeben, die für mich keinerlei Mehrwert für die Geschichte hatte. Auch die Kommissarin, die gegen Schluss auftaucht und den Tatort untersucht, wirkte irgendwie unzusammenhängend reingeworfen und hatte dem Ganzen nichts mehr hinzuzufügen.

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