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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

beziehung, struktur, erinnerung, familie, verschwinden

Vanishing Girls

Lauren Oliver
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HARPER COLLINS, 10.03.2015
ISBN 9781467600125
Genre: Jugendbuch

Rezension:

In "Vanishing Girls" geht es um zwei Schwestern, die sich nach einem Unfall scheinbar völlig auseinandergelebt haben. Dann verschwindet die jüngere Schwester, Dara, und Nick, die Ältere, die immer die Rolle der vernünftigen großen Schwester übernahm, macht sich auf eine abenteuerliche Spurensuche...
Das Buch liest sich sehr kurzweilig und flüssig und bietet somit entspannte Lesestunden. Es ist durchaus spannend, konnte mich jedoch nicht immer völlig in seinen Bann ziehen.
Da Ende kam für mich sehr überraschend, allerdings bin ich persönlich kein großer Fan dieser Art von Ende, wie ich es auch in Lionel Shrivers "Big Brother" oder Jodi Picoults "Leaving Time" schon gelesen habe.
Nichtsdestotrotz ein durchaus lesenswertes Buch gerade für Jugendliche.

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

klassiker

A Midsummer Night's Dream. Ein Sommernachtstraum, englische Ausgabe

William Shakespeare
Flexibler Einband: 112 Seiten
Erschienen bei HarperCollins UK, 20.03.2012
ISBN 9780007902378
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Eines der Bücher, die wir im Rahmen des Schulunterrichts lesen mussten, war "Macbeth" und ich erinnere mich noch daran, dass dieses Werk Shakespeares mich nicht wirklich berühren konnte und es mir schwer fiel, "warm" damit zu werden. Das verhielt sich bei " A Midsummer Night's Dream" (Unilektüre) glücklicherweise anders, denn tatsächlich war ich schon nach wenigen Seiten in das Buch eingetaucht, trotz des anspruchsvollen Sprachniveaus und meines bisherigen Widerstrebens, wann immer es um Shakespeare ging. "A Midsummer Night's Dream" gefiel mir gut, Interpretationen und schlaue Bemerkungen über das Stück gibt es ausreichend, da spare ich mir weitere Kommentare einfach und sage: Ja, mir hat es gefallen. Mal sehen, wie das nächste Werk Shakespeares' auf meiner Leseliste bei mir ankommen wird.

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223 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 23 Rezensionen

hollywood, becky bloomwood, shopaholic, becky, shopping

Shopaholic in Hollywood

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 500 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.01.2015
ISBN 9783442479870
Genre: Liebesromane

Rezension:

Vielleicht wäre es gut gewesen, Sophie Kinsella hätte ihre Reihe um die einkaufssüchtige, verpeilte Becky Brandon, geborene Bloomwood, mit "Mini Shopaholic" beendet. Schon damals reagierten viele treue Fans der Romanreihe eher enttäuscht auf Band 6, und "Shopaholic in Hollywood" schwächelt leider ganz merklich. Teilweise mag dies am Thema liegen, denn Hollywood gibt zwar natürlich unterhaltsame Geschichten her, ist aber doch schon ein wenig "abgelutscht". Eine wirklich originelle Handlung fehlt leider, hauptsächlich geht es darum, dass Becky eine Hollywood-Berühmtheit werden will, was in diesem Buch das zweite große Problem darstellt, denn so naiv, chaotisch und shoppingsüchtig Becky in den Vorgängerbänden auch war, sie blieb als Protagonistin doch immer eine Sympathieträgerin. Dies geht in "Shopaholic in Hollywood" leider zunehmend verloren, Becky verwandelt sich darin mehr und mehr in einen egoistischen, rücksichtslosen und von Ruhm und roten Teppichen besessenen Möchtegern-Promi. An und für sich ist es ja nicht schlimm, dass ein Protagonist auch mal ein eher unsympathischer Charakter ist, doch es passt einfach nicht zu den ersten Bänden der Reihe.

Ich gehe mit diesem Buch sicherlich auch deshalb hart ins Gericht, weil ich eigentlich echter "Schnäppchenjägerin"-Fan bin und hohe Erwartungen in diesen 7. Band setzte, wie ich fairerweise anmerken muss. Klar für mich ist nach wie vor, dass Sophie Kinsella Situationskomik wirklich meisterhaft beherrscht und obwohl die Handlung doch ein wenig zu Hollywood-lastig für meinen Geschmack war und Beckys Entwicklung mir nicht besonders "glaubwürdig" erschien, schaffte die Autorin es doch immer wieder, mich mit ihren lustigen Beschreibungen peinlicher Situationen zum Lachen zu bringen.

Ärgerlich fand ich jedoch den Cliffhanger am Ende. Somit ist klar: Band 8 kommt - und man kann nur hoffen, dass Sophie Kinsella dann wieder eine richtig spannende Story fernab des Hollywood-Rummels präsentiert. Denn dann könnte es durchaus sein, dass Band 8 mir noch richtig gut gefallen wird!

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die letzte Wahrheit

Kimberly McCreight , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.11.2014
ISBN 9783442481996
Genre: Romane

Rezension:

Kimberly McCreight sollte man unbedingt im Auge behalten, denn mit ihrem ersten Roman "Die letzte Wahrheit" beweist sie großes schriftstellerisches Talent als Krimi-Autorin. Ich las dieses Buch in wenigen Tagen aus, da es wirklich spannend war, sich flüssig las und man immer wissen wollte, wie es weitergeht. Darüber hinaus machte ich mir in jeder Lesepause eigene Gedanken über den weiteren Verlauf der Ereignisse - das Buch nahm mich also mit, berührte mich, überzeugte mich.
Das Buch handelt von der alleinerziehenden, viel beschäftigten New Yorker Juristin Kate, die in einer großen Kanzlei arbeitet. Ihre Tochter Amelia, die gerade im Teenie-Alter ist, liebt Kate über alles und versucht, ihr trotz ihres hektischen Arbeitsalltags eine gute Mutter zu sein. Das Verhältnis zu Amelia ist innig, umso schockierter ist Kate, als sie erfährt, dass ihre Tochter Suizid begangen haben soll, indem sie vom Dach der exklusiven New Yorker Schule sprang, die sie besuchte.  Viel zu schnell will der am Fall arbeitende Dedective diesen schließen, doch Kate spürt, dass irgendetwas nicht stimmt. Als dafür konkrete Anhaltspunkte auftauchen, übernimmt ein anderer Detective den Fall und gemeinsam mit Lew möchte Kate herausfinden, was in den Wochen vor Amelias mysteriösem Tod im Leben ihrer Tochter geschah...
Ein wirklich fesselndes Romandebüt, auf weitere Werke der Autorin hoffe ich bereits gespannt.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

hunde, hundeverhalten, hundehalter, kommunikation

Die Geheimnisse der Hundesprache

Stanley Coren
Fester Einband: 342 Seiten
Erschienen bei Kosmos (Franckh-Kosmos)
ISBN 9783440090985
Genre: Sachbücher

Rezension:

Eher zufällig wurde ich auf Corens "Die Geheimnisse der Hundesprache" aufmerksam. Ich bin bei Hundebüchern mittlerweile immer recht skeptisch, da über Hunde leider noch zahlreiche falsche Vorstellungen existieren, die sich teils äußerst hartnäckig halten. Corens Name kam mir vage bekannt vor, zuordnen konnte ich ihn jedoch nicht. Ein ungutes Gefühl beschlich mich bereits auf Seite 16, als Coren zu einem Fall mit einem angeblich aggressiven Hund gerufen wurde. Hier schreibt er: "Ich hatte alle üblichen Hilfsmittel dabei, um einen aggressiven Hund zu bändigen, starke Leinen, Würgehalsband, [...]" - äh, Moment mal, Würgehalsband? Ein Würgehalsband hat an einem empfindlichen Hundehals absolut nichts verloren! Man "bändigt" einen aggressiven Hund doch nicht, indem man ihm die Luftzufuhr abschneidet. Ich hatte also schon eine Befürchtung, in welche Richtung das Buch weiter gehen würde, und im Großen und Ganzen erfüllten sich meine Erwartungen leider: Coren scheint ein doch recht typischer Anhänger der Dominanztheorie zu sein, so wie er mi dem Begriff der Dominanz in dem Buch um sich schmeißt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert er dabei, nicht einmal auf den Unterschied zwischen formaler und situativer Dominanz geht er ein. Sehr oft scheint er "Dominanz" fälschlicherweise auch mit "Aggressivität" gleichzusetzen.
Coren geht fälschlicherweise davon aus, dass es zwischen Hund und Mensch eine Art Rangordnung gibt, was faktisch nicht stimmt. Leider scheint er in dem Buch ziemlich überzeugt davon zu sein. Auch seine Behauptungen über Wölfe sind faktisch oft nicht richtig. Die Behauptung, Hunde seien Rudeltiere, wie Coren sie in dem Buch macht, stimmt ebenfalls nicht.
Seine Aussagen stammen teils wirklich aus der Mottenkiste, beispielsweise Behauptungen wie: "Hunde versuchen z.B: mit Hilfe des Anlehnens ihre Dominanz über Menschen zu zeigen" oder "Wenn der Mensch [aus dem Bett] weicht, gibt er seine dominante Stellung auf und der Hund wird es wahrscheinlich weiter versuchen. Hat er wieder ERfolg, könnte er noch mehr Möglichkeiten ausloten, z.B. den Gehorsam verweigern oder agressiv werden." Die typisch verquere Logik eines Dominanztheoretikers, der immer noch nicht gelernt hat, dass Hunde nicht permanent versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Im Kapitel "Sexuelle Signale" beschreibt Coren das Aufreiten als reines Dominanzverhalten. Was er jedoch verschweigt, da er es vermutlich gar nicht weiß, ist, dass Aufreiten auch andere Gründe haben kann. Es kann, beispielsweise, als Übersprungshandlung in stressigen Situationen dienen.

Sehr interessant fand ich ja, dass Coren sich selbst anscheinend nicht als Anhänger der wissenschaftlich nicht haltbaren Dominanztheorie offenbar nicht als solcher sieht. Auf Seite 296 schreibt er: "Bis in die 20er-Jahre unseres Jahrhunderts zielte das Hundetraining drauf, den Willen des Tieres zu brechen. Bis in die 40er- und 50er-Jahre gab es Hundepeitschen und Leinen, die als Peitsche verwendet werden konnten. Nach entschiedenen öffentlichen Protesten gegen solche Grausamkeiten ersetzte man die Hundepeitsche durch Würgehalsband und Leinenruck." Kein Wort darüber, dass Würgehalsbänder und Leinenruck absolut keine adäquaten Erziehungsmethoden sind! Was soll an einem schmerzhaften Ruck am Halsband besser sein, als den Hund mit einer Peitsche zu schlagen? Es ist beides Gewalt!
Interessanterweise spricht Coren sich gegen Methoden wie Alphawurf und Nackenschütteln aus, macht aber gleichzeitig Aussagen wie: "Seinen Hund kann man nur durch eine Kombination aus zwei Faktoren kontrollieren: Er muss akzeptieren, dass der Mensch das Alphatier ist, und den Wunsch haben, dem Menschen zu dienen." Was für ein hanebüchener Unsinn! Ich kann gar nicht oft betonen, dass der Mensch seinem Hund kein "Alphatier" sein kann! Und ganz ehrlich, sklavische Ergebenheit findet man bei den wenigsten Hunden - und viele der Hunde, die sie zeigen, wurden mit sehr brutalen Methoden in die totale Unterwerfung gezwungen. Hunde lernen am effektivsten und nachhaltigsten über positive Verstärkung - ich bestätige positives Verhalten durch eine dem Hund und der Situation angepasste Belohnung. Verhalten, das so bestätigt wird, wird der Hund öfters zeigen. Natürlich klingt es romantischer, von "Hund soll Menschen dienen wollen" zu sprechen, aber so sind weder Hunde noch irgendwelche anderen Lebewesen gepolt. Unsere Wünsche sind für Hunde doch erst einmal völlig unlogisch, darum müssen wir ihnen ja auch geduldig beibringen, was wir von ihnen erwarten.
Nun ja, wenige Seiten später empfiehlt Coren den "Schnauzgriff", um einen Hund zu maßregeln. Mit der für Dominanztheoretiker so verlockenden Erklärung: "Macht die Wölfin ja auch". Ja, allerdings sind wölfische Maßregelungen, die körperlich auf die Jungtiere einwirken, höchst selten, außerdem sind wir als Menschen gar nicht dazu in der Lage, wölfische Verhaltensweisen 1:1 zu imitieren, sodass wir unseren Hund mit einem solchen Verhalten nur verwirren und ängstigen. Zudem machen Wölfe und Hunde jede Menge Sachen, die wir Menschen nie tun würden - oder begrüßt Coren Hunde auch, indem er ihnen am Po schnüffelt?

Über all das Gefasel von "Rudelführer" und "Rangordnung" kam das eigentliche Thema des Buches, auf das Coren eingehen wollte, viel zu kurz. Er wollte ja quasi beweisen, dass Hunde eine "Sprache" haben, wobei er da meiner Ansicht nach den Mund etwas zu voll nahm und nicht wirklich mit irgendwelchem neuen Wissen auftrumpfen konnte. Im mittleren Teil des Buches konzentrierte er sich stark auf die Körpersprache der Hunde, für absolute Anfänger mag es da die ein oder andere interessante Beschreibung geben, allerdings können Beschreibungen alleine (Abbildungen gab es nur wenige) oft auch trügerisch sein und nicht zuletzt muss man ja auch immer bedenken, dass man die Körpersprache eines Hundes im Ganzen und in einem spezifischen Kontext sehen muss. Die Idee, dass Hunde eine richtige Sprache haben, kam mir eher so vor wie ein möglichst spannender Aufhänger,  der den Erwartungen des neugierigen Lesers dann nicht gerecht werden konnte.

Für mich ist "Die Geheimnisse der Hundesprache" eines jener Hundebücher, die man nicht braucht.  Viel mehr lernt man, wenn man sich mit positivem, gewaltfreiem Hundetraining beschäftigt oder Bücher von Autoren wie McConnell und Bloch liest. 

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424 Bibliotheken, 28 Leser, 0 Gruppen, 135 Rezensionen

thriller, cody mcfadyen, smoky barrett, die stille vor dem tod, mord

Die Stille vor dem Tod

Cody McFadyen , Axel Merz
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.09.2016
ISBN 9783785725665
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mehrere Jahre hat es gedauert, bis der fünfte Teil der Thrillerreihe rund um die FBI-Ermittlerin Smoky Barrett erschien. Wie alle anderen Fans von Cody McFadyen fieberte auch ich dem neuen Buch sehnsüchtig entgegen.
Und nun? Nun, "Die Stille vor dem Tod" reicht meiner Ansicht nach einfach nicht an die vorhergehenden Bücher heran. Das Buch liest sich nach wie vor zum Großteil spannend und man ist nach wie vor am Ausgang der Geschichte interessiert, doch es gibt so viele Kritikpunkte, die das Lesevergnügen schmälern.
Was mir an diesem Buch auffiel, ist McFadyens krampfhafte Bemühung, immer blutrünstigere und abartigere Mord- und Folterszenen zu beschreiben. Die Gräueltaten des neuen Falls reichen ihm hierbei nicht einmal aus, er lässt Smoky Barrett auch an vergangene Fälle zurückdenken und beschreibt in allen Einzelheiten äußerst grausame Details. Wer die Reihe um Smoky von Anfang an gelesen hat, wird verstehen, was ich meine, wenn ich sage, dass McFadyen in diesem Punkt inzwischen klar übertreibt, denn manchmal ist weniger mehr. Es erscheint einfach nicht sonderlich realistisch, dass die Fälle von Mal zu Mal brutaler werden.
SPOILER!!
Auch ansonsten hatte dieses Buch so seine Schwachstellen. Der Anfang begann fulminant und fesselnd, doch dann überstürzten sich die Ereignisse auf eine doch recht unglaubwürdige Art und Weise.
Was mich an dem Buch besonders gestört hat, ist die Tatsache, dass die Killer es wieder mal auf Mrs Barrett abgesehen haben. Das wird langsam zum "alten Hut", dass Smoky persönlich bedroht, entführt und und das Leben ihrer Liebsten gefährdet wird. Wieder mal wird einem der Ermittler im Team ein geliebtes Familienmitglied von einem der Täter genommen - und man denkt sich, unrealistischer geht es ja langsam nicht mehr.
Aber was mich ganz besonders an dem Buch gestört hat, ist der Teil der Auflösung, die einem am Ende vor den Latz geknallt wird. Ich dachte mir einfach nur: Das Buch hatte Potenzial, trotz aller Übetriebenheiten, und die Auflösung hat so ziemlich alles versaut. Smoky Barrett wurde bereits einmal von einem Vertrauten - ihrem Therapeuten Peter Hill - auf schlimmste Weise verraten, und nun reiht sich auch noch Dr Childs (und möglicherweise AD Jones, dies erfährt man aber erst im nächsten Teil mit Sicherheit) in die Reihen der Bösewichte ein? Also steckt das FBI in Wahrheit voller heimlicher Mörder und Psychopathen? Und warum wird überhaupt nicht auf den "Blutlinie"-Fall eingegangen, haben Peter Hill und Dr Childs völlig unabhängig voneinander agiert?
SPOILER ENDE
Nein, die Handlung des Buches ist leider wirklich nicht die stärkste, zudem stehen die Ermittlungsarbeiten hier überhaupt nicht im Fokus, was ich schade fand, denn genau das empfinde ich eigentlich immer als den fesselndsten Teil eines mitreißenden Thrillers. Das Buch war durchaus spannend und im McFadyen-typischen Stil gehalten, aber manchmal ist weniger mehr. Man hat das Gefühl, alles, was irgendwie möglich ist, wird Smoky Barrett und ihrem Team angetan, nur damit die Fälle möglicht schockierend und brutal bleiben.
Die Fortsetzung, die bestimmt folgen wird, werde ich auf jeden Fall wieder lesen, da ich Smoky Barrett doch ins Herz geschlossen habe und den Schreibstil des Autors schätze (wobei es im aktuellen Band teilweise arg pseudo-philiscosophh wurde). Nichtsdestotrotz bin ich  enttäuscht von "Die Stille vor dem Tod".

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Mein Hund hat eine Seele

Laurent Amann , Asim Aliloski
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Goldegg Verlag, 01.02.2015
ISBN 9783902991362
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Viel Wind um nichts", diese Worte kamen mir bei der Lektüre von "Mein Hund hat eine Seele" des Öfteren in den Sinn. Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Buch durchaus etliche positive Rezensionen erhielt.

Meiner Ansicht nach ist "Mein Hund hat eine Seele" nur etwas für eingefleischte Esoterik-Fans. Denn ganz ehrlich, wer sonst kann Absätze wie den folgenden ernst nehmen:
"Menschen mit einer Lebensmittelvergiftung fragen sich beispielsweise selten, ob hier mentale oder emotionale Blockaden im Spiel sind, sie geben dem schlechten Fisch die Schuld. Ist die Nahrung der Grund für diese Erkrankung? Physisch gesehen ja, spiritiuell jedoch nicht, da jede Krankheit geistige Ursachen hat, braucht es hier auch eine neue Einsicht. Es ist kein Zufall, dass genau Sie diesen schlechten Fisch erwischt haben. War er für Sie bestimmt? Er wollte Sie auf etwas aufmerksam machen. Spirituell müssten Sie sich fragen: Gibt es Menschen und Situationen in meinem Leben, die ich nicht verdaue? Hege und pflege ich vergiftete Gedanken im Alltag, die mich wehrlos und ohnmächtig machen? Diese versteckte Botschaft wird Ihnen durch den schlechten Fisch übermittelt. Spirituell gesehen gibt es keine Zufälle, nie."
Für mich ist das einfach nur leeres Esoterik-Geschwafel, mit dem sich heutzutage aber anscheinend recht gut Geld scheffeln lässt. Ich habe mich beim Lesen dieser Passage eher für die Autoren fremdgeschämt...

Ganz gut finde ich jedoch ihre Ansätze, mit Hunden umzugehen. Gewalt in der Hundeerziehung wird von ihnen abgelehnt und sie machen ganz gut auf die Bedürfnisse der Vierbeiner aufmerksam. Allerdings sind ihre Tipps nicht gerade weltbewegend oder brandneu, viele Themen, die Hundebesitzer interessieren würden, werden auch überhaupt nicht angesprochen. Die Ratschläge, die sie geben, bekommt man heutzutage in jedem anderen modernen Hundeerziehungs-Ratgeber auch, nur eben ohne die esoterischen Ausführungen.

Für mich hatte das Buch wenig Substanz. An den Stellen, an denen es z.B. um Wölfe ging, hatte ich zudem nicht wirklich das Gefühl, dass die Autoren sich mit der Thematik wirklich gründlich auseinandergesetzt haben. Das Buch bleibt irgendwie immer oberflächlich und seicht, versucht aber, zwanghaft tiefgründig und "spirituell" zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für viele Hundebesitzer brauchbare Tipps enthält und war einfach genervt von dem ständigen Geschwafel über Seelenbotschaften.

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

thriller, mark billingham, mord, überraschend, spannend

Die Lügen der Anderen

Mark Billingham ,
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.02.2016
ISBN 9783453438330
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mark Billinghams "Die Lügen der anderen" handelt von drei britischen Paaren, die sich in einem Urlaubsresort im amerikanischen Florida kennenlernen. Zwar gibt es von Anfang an Spannungen zwischen ihnen, doch da man denselben kulturellen Hintergrund teilt, verbringt man trotz nicht völliger Sympathie recht viel Zeit zusammen. Kurz vor Ende des Urlaubs verschwindet dann ein geistig behindertes Mädchen  aus dem Resort, das mit seiner alleinerziehenden Mutter dort war. Ein einschneidendes Erlebnis, das insbesondere eine der Frauen, Angie, emotional berührt. Kurz darauf kehren die Paare nach England zurück und beschließen, sich gegenseitig zum Abendessen einzuladen. Doch es kommt zu immer größeren Spannungen zwischen den einzelnen Protagonisten und auch innerhalb der Paare, und sie werden einander auf gewisse Weise immer unheimlicher...

Mark Billingham hat hier einen klugen, kurzweiligen psychologischen Krimi geschaffen, der sehr flüssig lesbar und somit eine ideale Urlaubslektüre ist. Die drei Paare waren meiner Ansicht nach recht gut charakterisiert, wenngleich es meist etwas ungewöhnlich ist, wenn die Protagonisten in einem Buch eindeutig keine Sympathieträger sind. Ich empfand die Idee hinter dem Roman als ziemlich originell und betrachte auch die Umsetzung als ingesamt gut gelungen, wobei ich mir manchmal detailliertere Beschreibungen einzelner Erlebnisse gewünscht hätte. Gut gelungen ist es Billingham, die Spannung des Lesers über das Buch hinweg immer weiter zu erhöhen, da man sich natürlich fragt, welcher der Protagonisten etwas mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun haben könnte.
Leider empfand ich die Auflösung dann als etwas enttäuschend, da gegen Ende des Buches doch schon recht klar ist, wie die Geschichte ausgehen wird. Zudem blieben mir für meinen Geschmack einfach zu viele Fragen und Handlungsstränge offen.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Fein gemacht!

Sabine Winkler
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 07.08.2010
ISBN 9783440116265
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer mit seinem Hund trainieren möchte, sollte wissen, was er tut - und vor allem, wie er seinen Vierbeiner am besten belohnen kann und wie er damit umgeht, dass mal etwas nicht so gut klappt wie erhofft.

Sabine Winkler geht in diesem Buch auf die unterschiedlichen Formen der Belohnung ein und liefert somit einen wertvollen Leitfaden für all jene, die mittels positiver Verstärkung mit ihrem Hund trainieren. Sie spricht diverse Probleme an, die im Training auftreten können, welche z.B. auch anhand zweier anschaulicher Fallbeispiele geschildert werden.

Ich empfand dieses Buch als informativ und fundiert. Die Autorin ist auf dem neuesten Stand, was das Hundetraining betrifft, und Anfänger können bestimmt viel von ihr lernen. Zudem lohnt sich das Buch für all jene Menschen, die mit ihrem Vierbeiner gerne hundesportlich aktiv sein möchten.

Obwohl ich das Buch sehr gerne und aufmerksam gelesen habe, war für mich persönlich aber leider nicht viel Neues dabei. Ich hätte mir noch einige "konkretere" Belohnungs -bzw. Trainingstipps für Alltagssituationen gewünscht. Die Beschreibungen sind zwar anschaulich und nachvollziehbar, aber meist auch sehr allgemein gehalten, sodass man nicht immer ganz genau weiß, wie man daraus jetzt in einer ganz bestimmten Alltagssituation profitieren kann.

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Büchlein aber sehr zufrieden und empfehle es auch gerne weiter.

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24 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

englisch, wildniss, überleben, dystopie, liebe

Pandemonium

Lauren Oliver
Flexibler Einband: 375 Seiten
Erschienen bei Hodder & Stoughton, 01.03.2012
ISBN 9781444722932
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich begann "Pandemonium" ohne das Wissen, dass es sich hierbei um die Fortsetzung des ersten Teils einer Trilogie handelt. Wahrscheinlich hätte ich das Buch gar nicht gelesen, wenn mich Lauren Olivers Jugendbuch "Before I fall" vor ein paar Jahren nicht von der Autorin überzeugt hätte.

Am Anfang fiel es mir etwas schwer, in die Geschichte hineinzukommen und ich ware ein paar Mal kurz davor, abzubrechen. Dies lag aber hauptsächlich daran, dass ich aufgrund des nicht gelesenen ersten Teils des Buches nicht so recht wusste, worum es in dem Buch eigentlich gehen sollte. Nach den ersten paar Dutzend Seiten war ich dann aber bereits irgendwie in die Geschichte "eingetaucht" und wollte sehr gerne wissen, wie es mit der Protagonistin Lena weitergehen wird.

Die Idee des Buches fand ich ziemlich originell. Ja, ich finde, da hat sich Lauren Oliver wirklich ein spannendes Szenario ausgedacht. Von Umsetzung und Schreibstil her erinnerte mich das Buch teils stark an die "Hunger Games", doch es hatte dennoch seinen ganz eigenen Charme zu bieten.

Brilliant fand ich den Schreibstil nicht, eher "typisch Jugendbuch". Das Buch liest sich flüssig und relativ temporeich, aber mich wirklich ganz und gar auf Lena einlassen - nein, das gelang mir leider nicht, dafür wurde mir zu wenig auf ihr Gefühlsleben eingegangen. Trotzdem wollte ich jedoch wissen, wie die Geschichte ausgeht!

Den Plot an sich fand ich ganz gut, allerdings mit einigen deutlichen Schwächen. Viel zu oft - unrealistisch oft - hat die Protagonistin einfach nur Riesenglück und man fragt sich, ob diese ständigen "Rettung in letzter Sekunde"-Szenarien, in die sie gerät, nicht etwas übertrieben sind. Darüber konnte ich letztlich aber hinwegsehen. Obwohl spannend, machten diese unrealistischen Szenarien das Buch natürlich gleichzeitig weniger glaubwürdig. Für ein Jugendbuch empfand ich die Handlung jedoch als völlig in Ordnung.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger. Dieser ist durchaus vielversprechend und erweckte in mir auch die Neugierde, wie es wohl im nächsten Buch Olivers weitergehen wird. Aber leider hatte ich den Cliffhanger bereits vorausgeahnt. Wirklich überraschend kam die plötzliche Plot-Wendung für mich also nicht.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Hunde sind anders

Jean Donaldson
Fester Einband: 294 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 15.01.2009
ISBN 9783440111598
Genre: Sachbücher

Rezension:

Jean Donaldsons "Hunde sind anders" sollte genau wie Patricia McConnells "Das andere Ende der Leine" Pflichtlektüre für jeden Hundehalter sein. In ihrem Buch räumt Donaldson nämlich äußerst direkt und noch dazu nachvollziehbar erklärt mit dem Vorurteil auf, ein Hund müsse sich dem Menschen um jeden Preis unterordnen und man müsse einfach nur die Rolle des Alphatieres übernehmen - wenn nötig, dann auch mit Gewalt. Donaldson zeigt auf, welch schlimme Formen des Hundetrainings diese Einstellung schon hervorgebracht hat und wie verrückt es ist, den besten Freund des Menschen mit Methoden wie Würge- oder Stachelhalsbändern zu traktieren. Ihr Buch ist ein Plädoyer für positive Verstärkung und faires, gewaltfreies Hundetraining, das die Bedürfnisse des Vierbeiners ernst nimmt und achtet.
Das Buch ist wissenschaftlich fundiert, da Donaldson sich darin auch mit lerntheoretischen Erketnnissen auseinandersetzt und plausibel aufzeigt, warum ein belohnungsorientiertes Training besser ist als ständiges Strafen und Unterdrücken des Hundes. Mit ihrem Buch hat Donaldson dazu beigetragen, die positive Verstärkung als Prinzip der Hundeerziehung einem großen Publikum bekannt zu machen und Hundehalter davon zu überzeugen, dass sie keine "Erziehungshalsbänder" brauchen, damit ihr Hund auf ihre Signale hört.

Das Buch liest sich allerdings sehr amerikanisch, was für mich ein kleiner Nachteil ist. So teile ich nicht die Boxenversessenheit der Amerikaner, die das Boxentraining als "Crating" bezeichnen. Natürlich kann eine positiv aufgebaute Box für den Hund ein wunderbarer Ruheort sein, aber dass man zwingend eine Box braucht, um dem Hund Stubenreinheit beizubringen, und ihn ständig räumlich begrenzen soll, bis er die Stubenreinheit und alle Hausregeln gelernt hat, finde ich problematisch. Nichtsdestotrotz ist der praktische Teil des Buches, der sich der Grunderziehung mittels positiver Verstärkung widmet, sicherlich gerade für Hundeneulinge teilweise ganz hilfreich.


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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The Winter Horses

Philip Kerr
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Walker Books Ltd., 02.10.2014
ISBN 9781406359831
Genre: Kinderbuch

Rezension:

"The Winter Horses" erzählt die Geschichte der jungen jüdischen Ukrainerin Kalinka, deren Familie von den Nazis ermordet wurde. Kalinka gelang es, den Nazis zu entfliehen, doch nun ist sie ganz auf sich alleine gestellt schon seit Monaten unterwegs. Dies ändert sich, als sie in einem großen Naturreservat ankommt und dort Freundschaft mit den normalerweise sehr scheuen und Menschen gegenüber misstrauischen Przewalski-Pferden schließt. Doch die Nazis haben es auf die Wildpferde abgesehen und machen erbarmungslos Jagd auf die Tiere, welche sie für "minderwertig" halten. Da die Leitstute verwundet wurde, nimmt Kalinka sie und ihren männlichen Partner mit zu dem Häuschen von Max, welcher mit seinem treuen Hund Taras schon seit vielen Jahren auf das Reservat und seine tierischen Bewohner aufpasst. Max versorgt die Wunde der Stute und kümmert sich auch um das Mädchen, doch leider kann Kalinka nicht bei ihm bleiben. Max stattet sie mit allem aus, was nötig ist, um eine beschwerliche Reise aus der Gefahrenzone antreten zu können. Dabei übernimmt Kalinka jedoch auch eine besondere Ausgabe: Sie muss die beiden Przewalski-Pferde Temüjin und Börte, die sich ihr angeschlossen haben, ebenfalls mit in die Freiheit führen, da die seltenen Pferde vom Aussterben bedroht sind und Temüjin und Börte möglicherweise sogar das letzte Paar, mit dem man weiterzüchten könnte.

Das Buch ist ein Roman der leisen Töne und erinnerte mich ein wenig an "The Snow Child" und "The Girl with Glass Feet". Allerdings ist "The Winter Horses" insbesondere für ein jüngeres Publikum gemacht, wie man am schlichten Schreibstil unschwer erkennt. Die Geschichte ist liebevoll und durchaus spannend erzählt, doch der historische Aspekt spielte eine für meinen Geschmack nur recht untergeordnete Rolle. Außerdem ist die Geschichte alles in allem betrachtet doch nicht immer ganz realistisch, insbesondere da den beiden Pferden fast menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden und sie scheinbar jedes Wort verstehen können, das Kalinka zu ihnen sagt. Ich bevorzuge Bücher, in denen Tiere sich auch wie Tiere verhalten.
Ganz wunderbar beschrieben wurde vom Autor jedoch der alte Max mit seinem Hund Taras; tatsächlich empfand ich die ersten Seiten des Buches, in denen es hauptsächlich um die beiden ging, als die besten Seiten der Lektüre. Irgendwie war Max für mich der wahre Sympathieträger des Buches, während die Geschichte um Kalinka mich nur stellenweise berührten konnte.

Insgesamt betrachtet ist der Roman vor allem für jüngere Leser geeignet, die seit ein paar Jahren Englisch lernen oder ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Wissen Hunde, dass sie Hunde sind?

Kate Kitchenham
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 03.04.2014
ISBN 9783440139516
Genre: Sachbücher

Rezension:

Kate Kitchenham, Journalistin und Hundeexpertin, geht in diesem Buch spannenden Fragen rund um unsere vierbeinigen Hausgenossen auf auf den Grund. Meist geht es dabei um so interessante und komplexe Fragestellungen wie: Wie erleben Hunde eigentlich die Welt? Was wissen sie über uns, über sich selbst? Haben Hunde Gefühle? Welche Emotionen kennen sie, welche sind ihnen eher fremd?
Präsentiert werden Forschungsergebnisse und Theorien im Rahmen von Interviews mit renommierten Größen in der "Hundewelt", beispielsweise den Verhaltensforschern Günther Bloch, Dorit Feddersen-Petersen und Udo Gansloßer. Gesprochen wird also mit Menschen, die zweifelsohne äußerst kompetent auf dem Gebiet der Kanidenforschung sind.
Dabei sind die Interviews jedoch in einem für Laien verständlichen Stil gehalten. Zwischendurch werden immer wieder die Ergebnisse aus Forschungsstudien mit manchmal verblüffenden Ergebnissen präsentiert.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Aufmachung des Buches mit wunderschönen Fotos und angenehmer Schriftgröße.
Meiner Ansicht nach hätten die Interviews aber ruhig noch ausführlicher sein und die Forschungsergebnisse genauer präsentiert werden können; wer versucht, auf dem neuesten Stand der Kanidenforschung zu bleiben und sich regelmäßig zu diesem Thema beliest, weiß bereits einiges von dem, was die interviewten Forschungsgrößen in "Wissen Hunde, dass sie Hunde sind?" erklären. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch insgesamt betrachtet eine Bereicherung im Regal eines jeden Hundefreundes.

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

hun, tagesablauf, wölfe, hundeerziehung, bloch

Wölfisch für Hundehalter

Elli H Radinger , Günther Bloch
Fester Einband: 191 Seiten
Erschienen bei Kosmos, 01.04.2010
ISBN 9783440122648
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Wölfisch für Hundehalter" wird unter Hundefreunden gerne einmal empfohlen und gilt oft auch als "Lektüre rund um den Hund, die man gelesen haben muss". Tatsächlich ist das Werk von Günther Bloch und Elli Radinger durchaus lehrreich und informativ. Insbesondere, wer mehr über das Sozialverhalten freilebender  Wölfe erfahren möchte, bekommt hier einiges an Input.

Hinzu kommt, dass das Buch versucht, mit einigen "alten Zöpfen" aufzuräumen, die in der Hundeerziehung in gewissen Kreise nach wie vor als Wahrheiten verkauft werden. Dazu zählen so unsinnige Behauptungen wie: "Ein Hund will seinen Halter ständig dominieren, weshalb man ihm unbedingt zeigen muss, dass der Mensch der Ranghöchste ist!"

Jemand, der diese Legenden bereits kennt und weiß, dass sie nicht zutreffen, erfährt in diesem Buch nicht allzu viel Neues über den Umgang mit seinem Vierbeiner. Hartnäckige Verfechter der Dominanztheorie hingegen können durch die Lektüre von "Wölfisch für Hundehalter" durchaus etwas dazulernen.

Leider fand ich die Gliederung des Buches nicht allzu ansprechend. Das ganze Buch besteht immer aus einer populären, aber falschen Behauptung über Wölfe bzw. Hunde, dann eine kurze Erklärung unter dem Titel "Fakt ist..." und eine Erläuterung namens "Bedeutung für den Hundehalter". Oft bleiben die Erklärungen und Erläuterungen jedoch recht oberflächlich, auf vieles wird nicht näher eingegangen. Wer sich darum schon einigermaßen gut mit Hunden auskennt, wartet hier vergeblich auf wirklich neues Wissen.

Zudem verursachten mir persönlich ein paar der Erziehungstipps doch leichtes Unbehagen. Bloch und Radinger haben eindeutig Ahnung von Hunden und viele ihrer Ratschläge sind für Anfänger durchaus gut zu wissen, da ja auch mit etlichen Mythen und Märchen rund um unsere Fellnasen aufgeräumt wird. Nichtsdestotrotz werden einige fragwürdige Tipps gegeben, beispielsweise jener, in manchen Situationen einen "Schnauzgriff" anzuwenden, der unter Wölfen gelegentlich ebenfalls als Disziplinierungsmaßnahme genutzt wird. Allerdings sind wir Menschen nun mal keine Wölfe oder Hunde und können den Schnauzgriff sicherlich nicht 1:1 imitieren. Letztlich verunsichert man durch solche Korrekturen den Hund in den meisten Fällen nur. Außerdem wird in dem Buch unter anderem auch beschrieben, dass Wölfe Mitglieder ihrer sozialen Gruppe gelegentlich disziplinieren, indem sie diese auf den Boden drücken (was nicht mit dem Alphawurf gleichzusetzen ist, von dem explizit abgeraten wird). Dennoch wird nicht empfohlen, dasselbe zu tun. Von daher finde ich die Erklärung, warum so ein Schnauzgriff legitim sein soll, eher dürftig und recht widersprüchlich.

An anderer Stelle(Seite 156)  wird der Tipp gegeben, einen jungen, jagdfreudigen Hund mit einer Doppelleine an einem älteren, gut erzogenen Artgenossen zu befestigen und dann den alten Hund zu rufen, damit der junge Hund lernt, so ebenfalls zurückzukommen. Diese Methode halte ich in kaum einen Fall für gerechtfertigt, da erhebliche Verletzungsgefahr besteht!

Die meisten Erziehungstipps sind zwar gut, doch ich finde es schade, dass Bloch und Radinger sich nicht verstärkt auf das Wolfsverhalten und dessen Analyse konzentriert haben. Schließlich gibt es bereits Dutzende Erziehungsratgeber, in denen vieles auch ganz genau erläutert wird.

Nicht zuletzt finde ich es irgendwie "problematisch", von dem Verhalten frei lebender Wölfe auf den richtigen Umgang mit unseren Vierbeinern zu schließen. In gewissen Aspekten macht dies gewiss Sinn, dies möchte ich dem Buch keinesfalls absprechen; zudem wird von den Autoren immer wieder betont, dass es zwischen Hund und Mensch keine Rangordnung gibt. Da aber quasi direkt von der Erklärung zu wölfischen Verhaltensweisen dazu übergegangen wird, zu erlären, was dies für das Hundehalterdasein bedeutet, finde ich dies nicht zu 100 Prozent schlüssig.

Am interessantesten war es für mich, die Schilderungen über die Wölfe zu lesen, die Bloch und Radinger beobachtet haben bzw. immer noch beobachten. Davon hätte ich mir eigentlich noch mehr gewünscht.

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184 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

schafe, krimi, mord, irland, schäfer

Glennkill

Leonie Swann
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 30.04.2012
ISBN 9783442478088
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schäfer George Glenn liegt tot auf der Weide, ein Spaten ragt aus seinem Körper. Die Schafe sind diejenigen, die ihn zuerst entdecken, und sie sind zutiefst verunsichert. Wer kümmert sich nun um sie? Nach und nach erwacht unter den Schafen jedoch nicht nur ein Interesse an solch praktischen Fragen, sondern auch an dem Rätsel, wer George umgebracht hat, denn: Spaten bringen nicht wie von Zauberhand Menschen um. Zum Glück sind Georges Schafe mit einigen Talenten gesegnet, wie man sie unter Durchschnittsschafen sicherlich nicht so schnell findet: Da ist zum Beispiel Gedächtnisschaf Mopple, der sich wichtige Informationen für immer einprägen kann, die kluge Schafslady Miss Maple, deren dedektivischer Spürsinn immer wieder zu neuen Erkenntnissen führt, und der schwarze Othello, der auch das Leben jenseits der Weide kennengelernt hat...

Ein Krimi aus der Perspektive einer Schafsherde zu schreiben ist auf jeden Fall eine originelle Idee, die Leonie Swann auch mit viel Charme umgesetzt hat. Allerdings ist es doch etwas eigenwillig, ein ganzes Buch fast ausschließlich aus der Sicht wolliger Wiederkäuer zu lesen, zumal die Schafe in Swanns Roman doch eine oftmals recht verdrehte Denkweise haben, was von Zeit zu Zeit den Lesefluss erschwerte.

Hinzu kommt, dass die Schafe selbst in dem Buch eine viel zentralere Rolle einnehmen als die Ermittlungen rund um den Mord; wer also einen "richtigen" Krimi erwartet, ist mit "Glennkill" nicht unbedingt gut beraten.

Allerdings ist es auch erfrischend, einmal etwas völlig anderes zu lesen und das Buch hat durchaus einige sehr berührende, spannende oder auch schlicht lustige Momente zu bieten. Darum vergebe ich drei Sterne.

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121 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

jesus, jesus liebt mich, david safier, humor, lusti

Jesus liebt mich

David Safier , Ulf K. , any.way , Barbara Hanke
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2014
ISBN 9783499268281
Genre: Romane

Rezension:

Marie aus Malente ist eigentlich eine ganz normale, durchscnittliche junge Frau mit dem Talent, sich immer ausgerechnet in die falschen Männer zu verlieben. Dies führt auch dazu, dass sie mit Krankenpfleger Sven vor den Traualtar tritt - und erst im letzten Moment wird ihr klar, dass sie nicht den Rest ihres Lebens mit diesem Mann verbringen möchte, sodass sie die Hochzeit abbläst. Doch lange kann Marie nicht über ihr kompliziertes Liebesleben nachdenken, denn in ihrem Elternhaus, in dem sie bei ihrem Vater und dessen junger Freundin aus Weissrussland lebt, taucht plötzlich der gutaussehende, faszinierende Zimmermann Joshua auf, der dort eigentlich den Dachstuhl reparieren soll. Doch irgendetwas an ihm zieht Marie unwiderstehlich zu ihm hin und sie findet sich bei einem äußerst schrägen Date wieder, in dessem Verlauf Joshua ihr gesteht, der Messias zu sein. Zunächst ist Marie mehr als skeptisch und glaubt, es mit einem Verrückten zu tun zu haben - doch nach einer Weile kann sie nicht mehr leugnen, dass Joshua vielleicht in Wirklichkeit Jesus ist - und wo der sich rumtreibt, kann Satan natürlich nicht weit sein...

David Safiers "Jesus lieb mich" ist nette, schräge Unterhaltungslektüre für zwischendurch. Das Buch eignet sich für den Urlaub und hat bei mir hie und da auch für einen kleinen Lacher oder etwas Schmunzeln gesorgt. Allerdings wurde das volle Potenzial der Geschichte meiner Ansicht nach nicht ausgeschöpft. Tränen gelacht habe ich beim Lesen leider nicht. Nichtsdestotrotz eine nette und kreative Story. 

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28 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

austauschschüler, jugendliche, wien, das austauschkind, erziehung

Das Austauschkind

Christine Nöstlinger , Eva Schöffmann-Davidov , Max Bartholl
Flexibler Einband: 154 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 04.02.2008
ISBN 9783407789846
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ewalds Eltern wollen immer nur das Beste für ihren Sohn. Seine Mutter hat einen richtigen "Notenfetisch", Ewald soll immer nur die besten Schulnoten nach Hause bringen. Da er im Unterrichtsgegenstand Englisch jedoch Probleme hat, muss ein Austauschkind aus England her, durch dessen Anwesenheit Ewald seine Fremdsprachenkenntnisse verbessern soll. So sieht jedenfalls der Plan seiner Eltern aus. Am Flughafen taucht dann jedoch nicht der wohlerzogene, höfliche Austauschjunge auf, sondern dessen Bruder dicklicher rotblonder Halbbruder Jaspar, den gute Manieren nicht sonderlich zu kümmern scheinen und der Ewalds Eltern schon bald in den Wahnsinn treibt...

Auf charmante, lockere und doch berührende Art beschreibt Autorin Christine Nöstlinger in "Das Austauschkind" einen Austauschschüler, dessen merkwürdiges Benehmen eigentlich nur Schutzschild vor weiteren Enttäuschungen ist. Zwischen Ewald und Jaspar entsteht schließlich sogar eine ungewöhnliche Freundschaft. 


Fazit: Eine sehr erfrischende "Weglese-Lektüre", geeignet sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ich heiße Berit und habe eine Borderline-Störung

Berit Anders
Fester Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Patmos Verlag, 31.05.2011
ISBN 9783843600620
Genre: Sachbücher

Rezension:

Berit Anders weiß lange nicht, dass sie an einer Borderline-Störung leidet. In ihrem Buch beschreibt sie den langen Weg in ein besseres Leben, wobei ein Therapeut ihr besonders unterstützend zur Seite steht. Doch während ihres Selbstfindungsprozesses muss Berit sich auch mit ihrer schwierigen Vergangenheit auseinandersetzen, denn in ihrer Kindheit und Jugend wurde sie körperlich misshandelt und sexuell missbraucht.

Berit Anders entschied sich für einen Schreibstil, der sich stark von dem anderer Tatsachenberichte unterscheidet: Das Buch wirkt fragmentarisch, manchmal fast zusammenhangslos, doch genau dies spiegelt wieder, wie es in Berits Innerem ausgesehen haben muss, wie verwirrt und verzweifelt sie gewesen sein muss, weil sie immer wieder zu scheitern schien.

Das Buch ist ein sehr persönlicher Bericht, was einerseits zu einer äußerst berührenden Lektüre macht, andererseits aber scheint es für Betroffene selbst genau dadurch nur bedingt geeignet.

Das Buch ist eher für Menschen geeignet, die ein grundsätzliches Interesse an Persönlichkeitsstörungen und Heilungsprozessen haben als für Angehörige oder Borderliner selbst. Dies wurde für mich auch im Nachtrag deutlich, denn der Psychotherapeut Heinz-Peter Röhr, der diesen verfasste, schreibt darin sinngemäß, dass eigentlich immer die Mutter verantwortlich für die Entstehung einer Borderline-Störung ist, was meiner Ansicht nach eine sehr einseitige und sicherlich faktisch falsche Darstellung ist. Allerdings ist hier hervorzuheben, dass das Buch bereits vor einigen Jahren erschien, als man möglicherweise noch so dachte - genauso, wie man früher Müttern die Schuld daran gab, wenn ihre Kinder autistisch waren.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

aggression, familie, hass, selbsthass, selbstverletzendes verhalten

Schnittstellen

Anja Abens , Meike Abens
Flexibler Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 24.08.2010
ISBN 9783404616701
Genre: Biografien

Rezension:

Meike und Anja Abens verfassten dieses Buch gemeinsam, um eine sehr schwierige Zeit ihres Familienlebens verarbeiten zu können, denn Meike, das jüngste Kind von Anja Abens, entwickelte im Laufe ihrer Jugend psychische Probleme. Zu diesen zählten Perfektionismus, Selbsthass, eine Essstörung und schließlich auch selbstverletzendes Verhalten in Form von Ritzen. Abwechselnd berichten Mutter und Tochter auf sehr authentische Weise, wie es ihnen damals ging und wie sie die Geschehnisse erlebten. Dabei beschreiben sie die Situationen genau so, wie sie sie damals empfunden und erlebt haben, ohne auf erst später entwickeltes Wissen oder Einsichten zurückzugreifen. Gerade dies macht ihre Geschichte sehr mitreißend und lebendig für den Leser.

Was ich jedoch schade finde, ist der Fokus auf das Kranksein, wohingegen kaum Seiten darauf verwendet werden, den Prozess der Heilung zu beschreiben. Man hat das Gefühl, Meike erkenne ganz plötzlich, was ihr Ziel sei (nämlich ein Studium beginnen zu können) und dadurch wäre plötzlich alles gut. Ich hätte es interessant gefunden, mehr darüber zu erfahren, wie die Dinge sich für die Familie wieder zum Positiven entwickeln konnten, insbesondere nachdem Meike ihrer Mutter gegenüber oftmals äußerst angriffslustig gewesen war. Das muss doch Spuren hinterlassen und die Beziehung der beiden stark geprägt haben, worauf jedoch kaum eingegangen wird.

Ich denke, dass das Buch sich jedoch gut für Menschen eignet, die sich für das Thema der Selbstverletzung interessieren, sowie auch für Angehörige psychisch kranker Menschen, die deren Gedankengänge durch die Beschreibungen Meikes möglicherweise besser nachvollziehen können. Weniger geeignet erscheint mir das Buch durch die potenziell triggernde Wirkung für die Betroffenen, die im Endeffekt auch nicht wirklich Lösungsansätze vorgeschlagen bekämen. Dafür bietet das Buch einen meinen Erfahrungen zufolge sehr realistischen Einblick in das Zusammenleben mit einem psychisch kranken Familienmitglied.

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245 Bibliotheken, 17 Leser, 6 Gruppen, 10 Rezensionen

ken follett, ddr, kalter krieg, jahrhunderttrilogie, kinder der freiheit

Kinder der Freiheit

Ken Follett , Dietmar Schmidt , Rainer Schumacher , Tina Dreher
Flexibler Einband: 1.216 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.03.2016
ISBN 9783404173204
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mit großer Begeisterung las ich Folletts Erstlingsroman der Jahrhundert-Trilogie, "Sturz der Titanen". Der Nachfolger "Winter der Welt" gefiel mir insgesamt immer noch sehr gut, wobei mir immer schon klar war, dass Follett kein Tolstoi ist. Doch "Kinder der Freiheit" kann ich leider nicht mehr als 3 Sterne geben.
Historisch betrachtet fand ich das Buch absolut interessant. Man erfuhr sehr viel über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in verschiedenen Ländern und auf zwei verschiedenen Kontinenten - Amerika und Europa - ,und gerade, wer sich für die Politik des 20. Jahrhunderts interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.
Trotzdem ist der Roman nicht ausgezeichnet. Grund dafür sind die meist recht blassen, farblosen Charaktere, die Follett hier entworfen hat. Es handelt sich bei den Protagonisten zumeist um Nachfahren jener Protagonisten der ersten beiden Bände, und es stellt sich ob ihrer Schablonenhaftigkeit nicht wirklich ein Gefühl der Zuneigung für diese Charaktere ein. Mir jedenfalls war ihr Schicksal ziemlich egal, zumal sie sowieso nur zwei Dinge zu tun zu haben schienen: beruflich erfolgreich zu sein und mit anderen Leuten ins Bett zu gehen. Mehr war da einfach nicht - keinerlei Tiefgang, keine authentischen Gefühle.
Da hätte Follett die ohnehin im Übermaß vorhandenen Beschreibungen sexueller Begegnungen lieber streichen und sich stattdessen ganz auf historische Ereignisse konzentrieren sollen - oder er hätte sich bei der Charakterisierung der Hauptprsonen mehr Mühe geben müssen.
Was mir in dem Buch auch sehr stark fehlte, war die Sichtweise des "kleinen Mannes", denn alle in dem Buch sind auf irgendeine Weise Überflieger und meist sehr stark ins aktuelle Weltgeschehen verwickelt, beispielsweise als Berater des sowjetischen Politbüros oder TASS-Journalistin, die heimlich regimekritische Aktivitäten betreibt. Alles sehr interessant, aber was ist mit den "einfachen Leuten"? Es ermüdet auf Dauer, dass all diese Personen bis auf Überlegungen, mit wem sie ins Bett gehen sollen, anscheinend einfach nur wahnsinnig erfolgreich sind und jedes historisch bedeutende Ereignis aus nächster Nähe mitbekommen.

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28 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

hunde, verhalten, bewegung, disziplin, andere methode

Tipps vom Hundeflüsterer

Cesar Millan , Melissa Jo Peltier , Melissa Jo Peltier , Andrea Panster
Fester Einband: 379 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag (HC), 16.03.2007
ISBN 9783442337828
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich habe versucht, „Tipps vom Hundeflüsterer“ so vorurteilsfrei und unvoreingenommen wie nur möglich zu lesen. Dies ist natürlich nicht einfach, ist Millan doch der wohl umstrittenste und kommerziell erfolgreichste „Hundetrainer“ der Welt. Die Lektüre seines Buches hat mich aber davon überzeugt, dass Herr Millan von Hunden ebenso wenig versteht wie ein durchschnittlicher Dreijähriger von Quantenphysik.

Warum ist das so? Nun, zunächst einmal basiert Millans Hundeverständnis auf der sogenannten „Dominanztheorie“. Diese geht davon aus, dass Hunde im Zusammenleben mit dem Menschen ständig die Rangordnung hinterfragen und die Position des „Alphatiers“ oder „Rudelführers“ übernehmen wollen, sodass man ihnen andauernd zeigen muss, dass sie nicht der Boss sind. Entwickelt wurde diese Theorie, um Beziehungen zwischen Mitgliedern organisierter Tiergesellschaften erklären zu können. 1802 wurden bei Hummeln Rangordnungen entdeckt, auf Wirbeltiere angewendet wurde das Modell 1922. Schjelderupp-Ebbes beschrieb in seiner Arbeit das Sozialverhalten von Hühnern, die einfache, lineare Hierarchien für den Sozialstatus haben.

Auf Hunde übertragen, kommt es bei der Dominanztheorie aber zu zahlreichen Problemen. Zunächst einmal wurde die Dominanztheorie quasi „eins zu eins“ auf das Hund-Mensch-Verhältnis übertragen. Hund und Menschen gehören aber nicht derselben Spezies an, sodass ernst zu nehmende Verhaltensforscher wie Patricia B. McConnell inzwischen überzeugt davon sind, dass Hund und Mensch gar kein „Rudel“ bilden können. Selbst zusammenlebende Hunde bilden strenggenommen kein Rudel, da es sich bei einem Rudel immer um miteinander verwandte Tiere handelt.  

Darüber hinaus gibt es keine einzige wissenschaftliche Studie, welche die Richtigkeit der Dominanztheorie in der Mensch-Hund-Beziehung belegt. Zudem weiß man heute, dass „Dominanz“ ein äußerst missverstandenes Konzept ist: Tatsächlich gibt es nämlich „den“ dominanten Hund nicht, jeder Hund kann in bestimmten Situationen „dominant“ auftreten, in anderen wiederum vermeidend und unsicher. Menschen glauben überdies oft, „Dominanz“ sei mit „Aggression“ gleichzusetzen, was einfach nicht der Wahrheit entspricht.

Oftmals beruft sich Millan in seinem Werk auf „Energien“. Seiner Meinung nach muss man als Mensch einfach nur die richtige „ruhige und bestimmte Energie“ ausstrahlen. Gleichzeitig vertritt er die wissenschaftlich nirgendwo belegte Ansicht, es gebe Hunde unterschiedlichen „Energieniveaus“, wobei er diesen Begriff nie wirklich definiert. Mal scheint er ihn ein hohes Energielevel synonym mit „Dominanz“ zu verwenden, mal einfach einen sehr aktiven, lebhaften Hund damit zu meinen. Dieses Konzept ist aber ohnehin zu vernachlässigen, da es wohl nur spirituell angehauchte Menschen anspricht.

Interessant ist auch, dass Millan sehr oft von Vermenschlichung spricht. Er ist der Meinung, viele Hundebesitzer würden ihren Hund vermenschlichen, was zu Problemverhalten führen könne. Gleichzeitig vermenschlicht er Hunde aber auch, wenn er ihnen unterstellt, sie seien stets darauf aus, ihren Rang und ihren Status innerhalb des „Rudels“ (das es so ja gar nicht gibt!) zu verbessern. Dabei sind eher wir Menschen diejenigen, die äußerst rang- und statusbewusst sind und in deren Gesellschaft Ansehen und Macht eine große Rolle spielen.  

 

In seinem Buch finden sich sehr viele fragwürdige, widersprüchliche oder schlichtweg faktisch falsche Aussagen. Von diesen möchte ich nun auf einige eingehen:

Bereits auf Seite 18 verwendet Millan den Begriff des „Rudels“, und zwar auf eine missverständliche und inkorrekte Weise. Lange Zeit ging man davon aus, dass es im Wolfsrudel eine streng hierarchische Ordnung gibt und die sogenannten Alphatiere, also die Ranghöchsten im Rudel, jedes Fehlverhalten massiv bestrafen und eine Art „Tyrannenherrschaft“ führen. Tatsächlich stammt dieser Irrglaube aus Forschungen an gefangenen Wölfen, die in unnatürlichen Bedingungen leben mussten – nicht selten in viel zu beengten Verhältnissen, willkürlich mit fremden Artgenossen zusammengesteckt, und unter Futterknappheit leidend. Natürlich löste dies des öfteren als  „aggressiv“ interpretierte Verhaltensweisen aus. David Mech beobachtete und erforschte viele Jahre lang Wolfsrudel in freier Wildbahn und fand so heraus, dass diese stets aus Familienverbänden bestehen. Leitwolf und Leitwölfin sind keine strengen Autoritäten, sondern ganz im Gegenteil fürsorgliche Eltern. Vor allem die Jungtiere genießen erst einmal „Narrenfreiheit“, die Jungtiere werden also nicht streng gemaßregelt, sondern dürfen wild herumtoben, erwachsene Tiere um Futter anbetteln, und zu Zurechtweisungen kommt es äußerst selten. Interessanterweise beobachtete Mech innerhalb von 13 Jahren bei seinen Wolfsbeobachtungen auf Ellesmere Island keinerlei Dominanzstreitigkeiten mit anderen Wölfen!

 

Auf Seite 28 beschreibt Millan seinen Umgang mit Beauty, einer angstaggressiven Deutschen Schäferhin, die zurückweicht oder angreifen will, sobald sich ihr jemand nähert. Wörtlich schreibt er: „Wenn ich sie anleinen will, muss ich sie so lange hetzen, bis sie müde wird, und dann warten, bis sie aufgibt. Es kann sein, dass ich das tausendmal machen muss, bis ihr klar wird, dass es das Beste ist, wenn sie zu mir kommt, sobald ich die Hand nach ihr ausstrecke.“ Geht man so mit einem angstagressiven Hund um, gewinnt man so sein Vertrauen? Wer auch nur über ein Fitzelchen Einfühlungsvermögen besitzt, wird solche Praktiken hoffentlich ablehnen.

Auf Seite 34 behauptet Millan, dass Hunde es vorziehen, in einem „Hunderudel“ zu leben als in einer menschlichen Familie. Allerdings gibt es Untersuchungen, die diese Ansicht widerlegen – tatsächlich scheinen Hunde die Gesellschaft von Menschen denen ihrer Artgenossen auf Dauer vorzuziehen! Auch bekommen die Hunde in Millans Dog Psychology Center angeblich 7 bis 8 Stunden Bewegung pro Tag. Wenn man bedenkt, dass das Ruhebedürfnis eines erwachsenen Hundes bei 18 bis 20 Stunden liegt und Hunde somit den Großteil des Tages verdösen (was auch bei Straßenhunden so ist), wird einem klar, dass Millan die Hunde körperlich ständig an ihre Grenzen bringt und diese nicht etwa ruhig und unterordnungsbereit, sondern einfach nur todmüde sein und unter chronischem Schlafmangel leiden müssen.

Auf Seite 46 beschreibt Millan das Leben auf dem Land in Mexiko und meint: „Ich habe nie gesehen, dass eines der Tiere die Zähne gefletscht, meinen Großvater angeknurrt oder sich ihm gegenüber aggressiv verhalten hat.“ Gut, wenn ein Mensch sich einem Hund gegenüber immer korrekt verhält, sieht dieser vielleicht wirklich nie einen Anlass, zu knurren. Allerdings sind Knurren und Zähnefletschen normale Kommunikationsstrategien des Hundes, die erst mal nichts mit Aggression zu tun haben. Damit signalisiert der Hund einfach nur ein „Lass mich in Ruhe, du kommst mir zu nahe!“ oder „Das gefällt mir aber überhaupt nicht!“ Knurrt ein Hund seinen Besitzer an, ist er also sicherlich kein Problemhund, wie hier unterschwellig suggeriert wird – er kommuniziert einfach nur.

Auch auf Seite 60 beschlich mich ein mulmiges Gefühl, denn hier schreibt Millan: „Auf der Farm kam ein dickes Stück Seil einer Leine am nächsten, das wir in der Art, wie es auf Hundeschauen üblcih ist, um den Hals besonders schwieriger Tiere legten, bis sie uns als Rudelführer anerkannten.“ Selbst wenn es so was wie einen Rudelführer in der Hund-Mensch-Beziehung gäbe, würde ein Hund diese Position gewiss nicht aufgeben, weil eine Leine an ihm hängt. Es ist wohl nicht völlig abwegig zu vermuten, dass die Leine missbraucht wurde, um die Hunde damit zu Gehorsam und Unterordnung zu zwingen, wie es leider auch heute noch oft geschieht, obwohl eine Leine stets nur der Sicherung des Hundes dienen soll.

Auf Seite 74 gibt Millan an, den Schnauzgriff zu verwenden.  Der sogenannte „Schnauzgriff“ wird als Erziehungsmittel von manchen Trainern leider immer noch propagiert. Dabei handelt es sich um einen Griff von oben über die Schnauze mit mehr oder weniger starkem Druck gegen die Lefzen auf die darunter liegenden Zähne. Der Schnauzgriff wird damit gerechtfertigt, dass Mutterhündinnen ihre Welpen so maßregeln würden. Tatsächlich entspricht dies nicht der Wahrheit. Das „Über-den-Fang-Greifen“ kann zwar mal vorkommen, es handelt sich dabei aber nicht um ein brutales Erziehungsmittel, sondern um ein sanftes, nachdrückliches Stupsen, wenn ein Welpe besonders hartnäckig ist. Wir Menschen können diesen Schnauzgriff aber gar nicht richtig nachahmen. Durch diesen Griff verunsichern wir unseren Hund bloß und fügen ihm noch dazu Schmerzen zu.

Auf Seite 104 befindet sich das Bild eines Schäferhundes, Bildunterschrift: „Aufmerksam und dominant.“ Nun deutet die Körpersprache des Hundes jedoch einzig auf Aufmerksamkeit hin – wie bitte soll ein „dominanter“ Hund denn aussehen? Selbst wenn Dominanz eine Charaktereigenschaft wäre, würde man diese einem Hund wohl kaum auf einem einzigen Foto ansehen können. Auf Seite 105 wird ein anderes Bild mit „Ruhige Unterordnung“ beschrieben, obwohl der Hund Stresssymptome zeigt und die Ohren angelegt hat. So sieht keine ruhige Unterordnung aus – vielmehr lässt das Buch an einen Hund denken, der beschwichtigt, unsicher ist und meidet.

Auf Seite 107 schreibt Millan: „Wenn im Dog Psychology Center ein neuer Hund das Revier des Rudels betritt, gebietet es die Höflichkeit, dass er stillhält, wenn die Rudelmitglieder ankommen und ihn beschnuppern. Bleibt er ruhig stehen und wartet er, bis die anderen fertig sind, wird er leichter ins Rudel aufgenommen. Wenn er zurückweicht wird er von den anderen so lange gehetzt, bis sie genug gerochen haben.“ Konkret bedeutet das, dass Millan den Hund einfach in eine Horde fremder Artgenossen setzt und ihm keinerlei Schutz bietet. Der Hund wird somit einer massiven Stresssituation ausgebracht. Es gibt viele Hunde, die ungern von Artgenossen bedrängt werden, und es ist sicherlich nicht der richtige Weg, Artgenossen in „Tut-nix-Manier“ einfach auf diese zustürmen zu lassen. Millan unterstellt Hunden, die sich nicht beschnuppern lassen, keine Manieren zu haben – in Wahrheit haben aber jene distanzlosen, aufdringlichen Hunde keine Manieren, die jeden Hund unabhängig von dessen Körpersprache bedrängen.

Auf Seite 143 berichtet Millan von einem Spaziergang mit einem Klienten-Hund, den er unternahm, damit der Hund ihn als „dominant“ anerkannte. Nun ist die Dominanztheorie höchst problematisch und ich bin mir sehr sicher, dass der Hund hauptsächlich deshalb folgte und sich benahm, da er verwirrt und eventuell überfordert mit der neuen Situation war.

Auf Seite 158 vertritt Millan die Auffassung, dass es für einen Hund in einer Beziehung nur zwei Rollen gebe: die des Anführers oder die des Mitglieds. Wenn man bedenkt, dass wir kein Rudel mit Hunden bilden können, sondern in einem sozialen Gefüge mit ihnen zusammenleben, und es keinerlei Beweis dafür gibt, dass Hunde versuchen, ihre Halter zu „dominieren“, werden solche Aussagen sehr fragwürdig.

Auf Seite 165 behauptet Millan, der Rudelführer gehe immer zuerst aus der Tür. Lustigerweise ist genau dies eine „Vermenschlichung“ des Hundes, die er selbst ablehnt. Wer zuerst durch die Tür geht, hat auf Hunde absolut keinen Effekt, obwohl es natürlich nützlich sein kann, zuerst aus der Tür zu gehen, wenn man, beispielsweise, einen Angsthund hat, oder an einer viel befahrenen Straße wohnt. Millan meint auch, beim Spaziergang müsse der Hund immer dem Besitzer laufen, ansonsten überlasse man ihm die Führung. Das ist natürlich Unsinn und eine weitere Vermenschlichung. Ein gut erzogener Hund gehorcht seinem Besitzer hoffentlich immer, nicht nur, wenn er hinter diesem laufen muss! Ich selbst möchte übrigens sogar, dass mein Hund vor mir läuft, da ich ihn so besser im Blickfeld habe und Situationen erfolgreicher managen kann.

Auf Seite 172 widmet sich Millan der Therapie von Oprah Winfreys Hündin und schreibt: „Ich holte sie ins Rudel und korrigierte sie jedes Mal leicht mit der Leine, wenn ich sah, dass sie die Lefzen aus Angst oder Furcht zurückziehen wollte.“ Man kann einem Hund seine Angst nicht „wegkorrigieren“, schon gar nicht durch wiederholtes Rucken an der Leine! Ein Leinenruck schädigt das Vertrauen des Hundes in den Menschen und kann zu negativen Fehlverknüpfungen führen. Außerdem ist es gesundheitsschädigend, wenn man immer wieder völlig unvorbereitet am empfindlichen Hals plötzlich einen heftigen Ruck erhält – und Hundehälse sind empfindlich!

Auf Seite 177 behauptet Millan, man könne erkennen, dass der Hund sich für den Ranghöchsten halte, wenn er z.B. nach einer Trennung am Besitzer hochspringt oder zuerst durch die Tür geht. Solche Ansichten sind allerdings längst überholt. Als hochsoziale Wesen ist es für Hunde völlig normal, ihren Sozialpartner nach einer Phase des Alleinbleibens zu begrüßen. Natürlich kann man ihnen abgewöhnen, an einem hochzuspringen – das hat aber nur etwas mit Erziehung zu tun, nichts mit einer ohnehin fiktiven Rangordnung.

Auf Seite 192 wird es sehr skurril, als Millan „dominante“ Welpen beschreibt. Er behauptet, dass sich in einem Wurf ein Welpe als der dominanteste erweist und dann das Rudel führen wird. Das stimmt allerdings weder auf Hunde noch auf Wölfe bezogen. Wölfe leben im Familienverband, die Jungwölfe verlassen den Familienverband nach der Geschlechtsreife und gründen dann eigene Familien.

Auf Seite 196 rät Millan davon ab, Zerrspiele mit dem Hund zu veranstalten und warnt insbesondere davor, den Hund gewinnen zu lassen. Dabei sind Zerrspiele eine gute Möglichkeit, die Bindung zum Hund zu vertiefen. Außerdem handelt es sich hier um eine Spielsituation, der Hund denkt sich sicher nicht, wenn man ihm das Tau überlässt: „Ich hab’s doch gewusst, ich bin der Rudelführer!“ Moderne Hundetrainer raten heutzutage nur dann von Zerrspielen ab, wenn der Hund sehr ressourcenorienfixiert ist.

Seite 203 beweist, dass Bilder mehr sagen als tausend Worte. Sie zeigen eine angeleinte Hündin Millans – auffallend ist sofort, dass das Halsband sehr hoch oben am Hals sitzt und sehr eng anliegt. Dies ist nicht tierschutzkonform und schon ein leichter Ruck an der Leine wird für den Hund so höchst unangenehm, ja schmerzhaft. Man wage den Selbstversuch…

Auf Seite 208 empfiehlt Millan den Hund aufs Laufband zustellen, sollte für Spaziergänge keine Zeit vorhanden sein. Die Amerikaner mögen noch so lauffaul oder bequem sein – ein kompetenter Hundetrainer wird NIEMALS empfehlen, einen Hund aufs Laufband zu stellen, da dies nichts anderes ist als purer Zwang und Stress für das Tier. Würde Millan das Wohlergehen der Tiere wirklich am Herzen liegen, sollte er faulen Haltern raten, ihr Tier besser in sachkundigere Hände abzugeben. Richtig grotesk wird es auf Seite 273: „Für das Tiere sind die ersten beiden Wochen auf diesem Gerät eine geistige Herausforderung, weil sich der Boden bewegt und sein Instinkt ihn in diesem Fall dazu auffordert davonzulaufen!“ Alles klar – ich setze meinem Hund also einer Todesangst aus, weil ich den Hintern nicht von der Couch hochkriege und bekomme dafür sogar noch den Segen eines Hundeflüsterers, der meint, früher oder später würde der Hund sich schon aufs Laufband fixieren und es unbedingt nutzen wollen. Selbst wenn dem so ist – kurz zuvor warnt Millan selbst davor, dass es gefährlich sein kann, wenn Hunde sich zu stark auf ein Objekt fixieren. Ja, was denn nun?

Auf Seite 218 erläutert Millan den Fall von Brooks, einem Hund, der sich sehr stark auf den Laserpointer fixierte. Seine Beschreibung der Situation liest sich sehr merkwürdig: „Brooks liebte dieses Spiel, denn endlich konnte auch er einmal etwas jagen. Zur Abwechslung lief etwas vor ihm davon! Er fühlte sich ein wenig dominanter, konnte sich besser leiden und die ganze Energie, die in seinen Unsicherheiten gespeichert war, bei der Jagd nach dem Licht loswerden.“ Die Wahrheit ist, dass viele Hunde einfach sehr stark auf Bewegungsreize reagieren und dass nichts mit einem „Dominanzgefühl“ zu tun hat, sondern in der Natur des Hundes liegt. Genau deshalb raten Hundeexperten ja auch vom ständigen Ballwerfen ab. Für den Hund bedeutet dies letztlich nämlich nichts anderes als Stress!

Auf Seite 242 beschreibt Millan einen Fall und gibt an, den Hund gewaltsam auf die Seite gelegt zu haben, damit er sich einem Artgenossen unterordnete. Tatsächlich weiß man aber heute, dass dieses Verhalten unter Wölfen und Hunden nicht vorkommt. Einzig die passive Unterwerfung wurde beobachtet. Hier dreht sich ein Hund freiwillig auf dem Rücken, präsentiert seinen Bauch und verharrt reglos. Dieses Verhalten erfolgt niemals aus Zwang. Wenn doch, dann nur und ausschließlich mit der Absicht zu töten.Wer seinen Hund also mittels des „Alphawurfs“ diszipliniert, signalisiert ihm damit nichts anderes als „“Ich will Dich töten!“. Langfristig gesehen schädigt dieses Erziehungsmittel das Vertrauen des Hundes und verunsichert ihn zutiefst.

Auf Seite 265 sind Bilder zu sehen, wie man eine Leine angeblich richtig anlegt – nämlich so, dass der Hund bei einem „Leinenimpuls“ möglichst starke Schmerzen empfindet! Das verschweigt Herr Millan natürlich, denn für ihn ist der Leinenruck ja ein legitimes Erziehungsmittel. Warum braucht er solche Folterwerkzeuge eigentlich, wo er doch angeblich so viel ruhige und bestimmte Alpha-Energie ausstrahlt?

Auf Siete 280 verteidigt Millan seine Techniken mit der Behauptung: „In der freien Natur korrigieren Hunde einander pausenlos.“ Nein, das stimmt nicht! Es kommt sehr selten zu Korrekturen, und wenn, dann fallen diese viel nunancierter aus als Millans Korrekturen – und noch dazu erfolgen sie oft ganz ohne Körperkontakt, einfach körpersprachlich! Da Millan Hunde an der Leine ruckt, tritt und gewaltsam am Boden fixiert, kann hier von „nuanciert“ und „körpersprachlich“ jedoch keine Rede sein!

Auf Seite 282 beweist Millan, dass er die positive Verstärkung nicht verstanden hat, denn er setzt sie wohl damit gleich, einfach mit Leckerlis zu werfen. Was für ein Unsinn! Das Training mit positiver Verstärkung ist viel vielschichtiger, abwechslungsreicher und beruht vor allem auf lerntheoretischen Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler. Heutzutage weiß jeder mit einem Hauch von lerntheoretischem Wissen, dass Belohnung effektiver und nachhaltiger wirkt als Bestrafung. Tatsächlich ist „richtiges Strafen“ eine solche Kunst, dass sie kaum jemand richtig hinbekommt – dies kann man übrigens auch in Millans Sendung immer wieder beobachten, wenn er seine Korrekturen im falschen Moment anwendet. Übrigens kenne ich Hundehalter und Trainer, die auch mit sehr schwierigen Hunden (z.B. mit solchen, die ernsthafte Beschädigungs- oder Tötungsabsichten hatten) über positive Verstärkung Trainingserfolge erzielten. Wenn Millan meint, in solchen Fällen funktioniere das nicht, spricht das nicht gegen die positive Verstärkung, sondern gegen Milalns Fähigkeiten als Hundetrainer…

Auf Seite 317 gibt Millan den fast schon fahrlässigen Tipp: „Noch wichtiger ist, ihn darauf zu konditionieren, dass er das Baby als weiteren Rudelführer respektiert.“ Mal abgesehen von der haltlosen Rudelführer-Theorie: Ein Baby ist ein Baby, kein ausgewachsener Mensch, und das wissen Hunde nach heutigem Stand der Forschung sehr wohl. Wie soll ein Baby bitte einem Hund „Rudelführer“ sein??

Auf Seite 329 gibt Millan den Tipp, einen ängstlichen Hund im Hundepark sich selbst zu überlassen: „Lassen Sie nicht zu, dass er sich hinter Ihnen versteckt oder zwischen Ihren Beinen kauert.“ Heute sagt jeder Trainer mit fundierter wissenschaftlicher Ausbildung, dass man Angst nicht verstärken kann, indem man einem Hund Schutz bietet. Im Gegenteil, der Hund lernt so, dass er sich auf den Sozialpartner Mensch verlassen kann und Situationen nicht alleine regeln muss, was für ein friedliches Zusammenleben essentiell ist. Sucht ein Hund Schutz bei seinem Menschen, ist dies ein Vertrauensbeweis, den man nicht ignorieren sollte. Die Devise lautet, den Hund aus einer Situation rauszunehmen, wenn diese ihn überfordert oder ängstigt.

Auch die Tipps zur Zusammenführung mit Artgenossen (Seite 339) sind ein Witz: Millan beschreibt eine Zweithundadoption, bei der er eine Klientin unterstützte. Dem Ersthund wurde erlaubt, die neue Hündin zu besteigen, um „seine Dominanz zu demonstrieren.“ Wieder einmal wird ein Hund von Millan schändlich im Stich gelassen. Besteigen ist zu unterbinden, sofern es ja nicht einmal ein Zeichen für Dominanz sein muss. Wurde dem Ersthund seine neue Gefährtin einfach vor die Pfoten gesetzt, war er vermutlich so gestresst, dass sein Besteigen eher Übersprungshandlung war. Millan wies die Kundin auch an, den Zweithund zwei Wochen lang nicht zu streicheln, damit ihm die Rangordnung klar wird. Nun sind die Hunde aber nicht miteinander verwandt, und eine feste Rangordnung gibt es bei kaum irgendwelchen zusammenlebenden Hunden. Das können Dutzende Mehrhundehalter aus eigener Erfahrung berichten.

 

Fazit: Herr Millan mag vieles sein – ein genialer Geschäftsmann, ein begnadeter Selbstvermarkter, auf seine eigene verquere Denkweise sogar ein Hundeliebhaber – aber er ist kein Hundeflüsterer. Sein Wissen ist veraltet und besteht keine einzige wissenschaftliche Prüfung. Er hat sich seine eigene löchrige Theorie zusammengereimt, die auf pseudowissenschaftlichen Grundlagen basiert. Hunde, die ihm gehorchen, tun dies nicht aus Respekt, sondern da sie Angst vor ihm haben oder ins Meideverhalten gehen, was man in seiner Fernsehsendung anhand der Körpersprache der Tiere leicht erkennen kann. Es gibt keine unabhängigen Berichte, wonach seine Trainingsmethoden langfristig effektiv sind. Ernst zu nehmende Hundeexperten, die eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung haben, Verhaltensbiologen und sogar Tierärzte raten von seinen Methoden ab, da diese auf Zwang, Strafe und Druck beruhen und im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädigend sind.

Millan rechtfertigt seine Taten oft damit, die „Problemfälle“ zu rehabilitieren, an die sich sonst keiner rantraut – doch die Hunde in seiner Show sind sehr selten echte Härtefälle. Zudem gibt es zahlreiche Trainer, die selbst mit Hunden, die ernsthafte Beschädigungs- oder Tötungsabsichten haben, über positive Verstärkung Erfolge erzielen. Gewalt ist nie eine Lösung.

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Hunde halten mit Bauchgefühl

Kathrin Schar , Thomas Riepe
Flexibler Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Cadmos Verlag, 05.05.2014
ISBN 9783840420313
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das hier rezensierte Buch wollte ich seit längerer Zeit gerne lesen, da mich der Titel "Hunde halten mit Bauchgefühl. Zurück zu einem intuitiven Umgang mit dem Hund" neugierig machte. Es ist ja nun wirklich so, dass es wahnsinnig viele Hundebücher gibt und man generell mit Informationen über die Vierbeiner regelrecht bombardiert wird, weshalb manchmal der Eindruck entsteht, Hundehaltung sei so kompliziert wie Quantenphysik. Schon mehrmals stand ich ratlos vor Regalen voller Hundebücher und fragte mich, welcher Erziehungsratgeber wohl besonders hilfreich oder verständlich wäre.
"Hundehaltung mit Bauchgefühl" weckte in mir also die Neugierde auf einen alternativen Ansatz.

Das Buch beginnt mit einer allgemeinen Einführung, anschließend wird das Wolfsverhalten näher betrachtet und Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Canis lupus familiaris werden hervorgehoben. Anschließend widmet man sich dann den Hunden: ihrem natürlichen Tagesablauf, den unterschiedlichen Rassen und ihren Bedürfnissen und der Auswahl des richtigen Hundes.
Danach werden Lerntheorien kurz erläutert, wobei die Autoren positive Verstärkung als den besten Erziehungsweg empfehlen - wie es heutzutage jeder wirklich kompetente Hundetrainer tut. Gleichzeitig vertreten die Autoren den Standpunkt, "operante Konditionierung" sei in der Hundeerziehung nicht alles, Hunde seien durchaus dazu in der Lage, auch auf weitere Weisen zu lernen.
Weiter geht es mit Erklärungen zu Stress, dem Sozial- und Ausdrucksverhalten des Hundes.
Anschließend wird das Hundeleben in den Fokus gerückt: Es wird die Welpenentwicklung beschrieben, danach auf die Bedürfnisse junger Hunde eingegangen, und schließlich der Hund im Erwachsenenalter beleuchtet, wobei den Autoren besonders wichtig ist, das richtige Verhältnis von Ruhe und Beschäftigung zu betonen. Auch das Thema Hundesenioren wird kurz angerissen, bevor im letzten Teil des Buches noch verschiedene Themen aufgegriffen werden: die Führung des Hundes im öffentlichen Raum, die Auswahl der richtigen Hundeschule, Hundesport und Problemverhalten des Hundes und dessen Behandlung.

Insgesamt betrachtet ist das Buch ein gutes Grundlagenwerk zum Umgang mit dem Hund vor allem für Hundeanfänger oder Menschen, die sich mit ihrem Vierbeiner bisher nicht allzu ausführlich beschäftigt haben. Empfehlenswert ist das Buch für Beginner schon deshalb, weil darin klar zum Ausdruck gebracht wird, dass der Hund am besten über Belohnung lernt und nicht etwa über Strafe, Angst und Zwang.

Als Besitzerin eines Kleinsthundes hat mich die Beschreibung der Autoren des Chihuahuas als "sehr lebhaft, neugierig und mutig" besonders gefreut, da leider selbst vermeintliche Hundeexperten manchmal Vorurteilen gegenüber diesen Hunden hegen und man immer noch genügend Menschen begegnet, für die ein Chihuahua durchaus geeignet wäre, die aber der Meinung sind, es handle sich dabei ja gar nicht um einen richtigen Hund. Gut finde ich auch, dass die Autoren kurz auf die Listenhunde eingehen und darauf aufmerksam machen, dass nie bewiesen werden konnte, dass ein AmStaff, Rottweiler oder anderer "Listi" tatsächlich gefährlicher sei als irgendeine andere Hunderasse.

Nichtsdestotrotz muss ich an dem Buch auch etwas Kritik üben. Die Autoren schienen in dem Buch sehr viel unterbringen zu wollen, was leider dazu führte, dass das Buch häufig an der Oberfläche blieb und nicht wirklich in die Tiefe ging. Das fiel mir unter anderem beim Thema "Sozialverhalten und Hundebegnungen" auf. Zu dem Thema gibt es ja nun wirklich viel zu sagen, doch die Autoren beschränkten sich auf einige wenige Sätze.

Sehr oberflächlich blieb auch die Behandlung des Themas "Hundesport", was auf nicht einmal drei Seiten abgehandelt wurde und im Grunde genommen aus der Aussage bestand, Huskys müssten nicht unbedingt vor den Schlitten gespannt werden und ein Border Collie müsse kein Agility betreiben. Ich hatte das Gefühl, die Autoren haben einen zu eng gefassten Begriff von Hundesport, der sich nur auf ungesunden Ehrgeiz und Wettbewerbe bezieht. In Wahrheit aber ist die Welt des Hundesports sehr vielseitig, und hat oft genug auch nichts mit Wettbewerben zu tun. Es gibt so viele verschiedene Hundesportarten, darunter Mantrailing, ZOS, Longieren, Dummytraining, Obedience und DogDance, dass man diese große Bandbreite an Möglichkeiten doch hätte erwähnen können. Zudem wäre mir eine Betonung, wie wichtig geistige Auslastung insbesondere für sehr arbeitsfreudige Hunde ist, schon wichtig gewesen. Natürlich gibt es auch Hunde, die mit ausgiebigen Spaziergängen, einem gelegentlichen Trick und Spielstunden mit dem Besitzer absolut zufrieden sind, aber der Trend geht ja oft gerade zu anspruchsvolleren Rassen wie den Hüterlis - insbesondere Border Collies und Australian Shepherds - oder Jagdhunden wie dem Magyar Viszla, sodass es von Bedeutung ist, den Menschen klarzumachen, dass sie sich hier einen Hund ins Haus holen, der regelmäßig sinnvoll beschäftigt werden möchte.

Leider fand ich auch den Titel des Buches schlecht gewählt. Er verspricht, den Menschen Wege aufzuzeigen, wie sie zurück zu einem intuitiven Umgang mit ihrem Hund finden können. Das Buch unterscheidet sich aber kaum von anderen modernen Erziehungsratgebern und Basiswerken über die Hundehaltung - mit dem Unterschied, dass die Autoren am Ende eines Absatzes gelegentlich darauf hinweisen, man müsse gewisse Fragen individuell nach Hund entscheiden und könne sich durchaus mal auf sein Bauchgefühl verlassen. Dass jeder Hund ein Individuum ist und darum keine Pauschalempfehlungen und -lösungsstrategien bei Problemverhalten möglich sind, ist absolut richtig. Doch wie schafft man es gerade als Hundeneuling, festzustellen, ob das Bauchgefühl richtig liegt oder nicht? Das Bauchgefühl kann einem Menschen schließlich auch sagen, er solle seinen Hund über Stunden ignorieren oder ihn einfach mal ordentlich ausschimpfen - ob das jedoch sinnvoll ist, nur weil der Bauch einem dazu rät, ist fraglich. Wenn man sich ansieht, wie nach wie vor viele Menschen mit ihren Hunden umgehen, in dem irrigen Glauben, sie würden schon richtig handeln, fragt man sich doch, wie sinnvoll solche Hinweise tatsächlich sind und ob den Menschen nicht eher ans Herz gelegt werden sollte, sich intensiver mit Hundesprache und Hundeerziehung zu befassen, um nicht auf irgendwelche Gurus hereinzufallen oder einem trügerischen Bauchgefühl zu unterliegen.

In dem Buch steht nichts bahnbrechend Neues, empfohlen wird nur, was auch in anderen guten Hundebüchern empfohlen wird: Abstand zu nehmen von Dominanz- oder Rangordnungstheorien, dem Hund ausreichend Anreize, aber auch Ruhephasen zu bieten, ihm Schutz zu geben und positiv und gewaltfrei mit ihm zu arbeiten.

Für Menschen, die sich vor der Anschaffung ihres ersten Hundes vorab informieren wollen oder für jene, die erkannt haben, dass sie einen Weg beschritten haben, der nicht auf Vertrauen, Spaß und Gelassenheit im Umgang mit dem Hund basiert, ist dieses Buch sicherlich ein sehr gutes Basiswerk, obwohl es leider sehr häufig nicht in die Tiefe geht, sondern wirklich nur sehr allgemeine Informationen vermittelt werden, und kein Thema wirklich genauer behandelt wird.
Für sehr engagierte Hundehalter, die sich bereits einiges an Wissen angeeignet haben, wird dieses Buch nicht viel Neues beinhalten, ist aber gleichzeitig auch kein Fehlkauf, da es doch zu den besseren Hundebüchern zählt, in denen mit alten Vorurteilen und falschen Überzeugungen aufgeräumt wird.

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Filou

Martina Meister
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.01.2015
ISBN 9783423348355
Genre: Biografien

Rezension:

Ich begann Martina Meisters Buch "Filou oder Glücklich mit Hund" in dem Glauben, einen angenehmen, spannenden und emotional berührenden Bericht über ihren Alltag und besondere Erlebnisse mit ihrem jungen Rüden Filou zu lesen. Leider wurden meine Erwartungen enttäuscht.
Zwar erzählt Martina Meister immer wieder mal von Filou, aber sehr häufig ist der Hund nur Nebensache in ihrem Buch - stattdessen beschreibt sie seitenlang das Leben in Paris, was mich ehrlich gesagt nicht sonderlich interessiert hat.
Zudem hat man das Gefühl, Martina Meister wäre gerne eine richtige Hundeexpertin, denn sie zitiert andauernd irgendwelche Wissenschaftler oder Hundeversteher. Das mag für Menschen interessant sein, die in ihrem Leben noch nie mit Hunden zu tun hatten oder sich kein bisschen mit ihrem Vierbeiner beschäftigen, aber werden solche Leute ihr Buch lesen? Eher nicht. Hauptsächlich gelesen werden wird das Buch von echten Hundefreunden und Menschen, die großes Interesse an ihrem Hund haben, sodass ihre Beschreibung des Clickers oder der Tierfuttermittelindustrie wohl kaum einen Leser um neue Erkenntnisse bereichern wird.
Nervig fand ich auch, dass Frau Meister behauptete, sie habe ja so viel über Hunde gelesen, dann aber doch Dinge tut, die für mich nicht nachvollziehbar sind: Beispielsweise wird der Welpe in seiner ersten Nacht in eine Box gesteckt und in dieser nicht mal ins Schlafzimmer mitgenommen! Der arme kleine Kerl jault und winselt stundenlang, macht außerdem in seine eigene Box - ja, wenn man nicht viel von Hunden versteht, tut man so was vielleicht, aber Frau Meister hat ja angeblich so viel gelesen, was waren das dann für Bücher? Denn es ist heutzutage wirklich nicht sonderlich schwierig, gewisse Erziehungsratgeber auch mal kritisch zu hinterfragen, was möglichst schon vor Anschaffung des Hundes geschehen sollte. Auch ihre Behauptung, sie könne sich hochwertiges Nassfutter nicht leisten, ließ mich schmunzeln, denn anscheinend reicht es ja für mehrwöchige Auslandsurlaube! Sie behauptet, Futter der Marke, die ich selbst aufgrund der hohen Qualität auch füttere, koste im Monat fast 200 Euro. Wenn dies stimmt, so liegt es wohl nur an den Versandkosten, was Frau Meier jedoch nicht erwähnt und somit den Eindruck erweckt, hochwertiges Fertigfutter könne man sich ja gar nicht leisten. Sogar ich als Studentin mit sehr eingeschränktem Budget kann das, indem ich eben in anderen Bereichen Abstriche mache.
Als äußerst lästig empfand ich auch, dass Frau Meister anscheinend nicht dazu in der Lage war, klar formulierte Schlussfolgerungen zum Thema "Dominanz/Rangordnung" zu ziehen und irgendwie immer wieder mal darauf zurückkommt, ohne wirklich zu erkennen, dass diese Dominanz- und Rangordnungstheorien veralteter, unwissenschaftlicher Blödsinn sind. Dabei war sie doch bei positiv arbeitenden Hundetrainern - ich hätte es ganz nett gefunden, wenn sie über dieses Training mehr berichtet hätte.
Nicht zuletzt fand ich ihre Entscheidung, sich ausgerechnet einen Flat-Coated Retriever anzuschaffen, fragwürdig. Die Flat-Coated Retriever sind sehr intelligente, arbeitsfreudige und temperamentvolle Hunde und sicherlich nicht als 08/15-Familienhunde geeignet, die keine sinnvolle geistige Auslastung bekommen. Dass Frau Meister, angeblich so belesen in Sachen Hund, nie hinterfragt, ob es Filou reicht, das Bällchen geworfen zu bekommen (ständiges Ballspielen ist gesundheitsschädigend für Hunde und lastet sie nicht geistig aus, sondern lässt sie in den "Jagdmodus" abschalten) und im Wald spazierenzugehen. Was ist mit Mantrailing, Longieren, Dummytraining, Obedience - für all das wäre ein Flat-Coated Retriever bestens geeignet! Und es würde beweisen, dass Frau Meister ihr Hund wirklich so wichtig ist und sie nicht nur schnell mal ein Hundebuch schreiben wollte, um sich selbst und ihrer Umwelt zu beweisen, wie gut sie sich doch um Filou kümmert.
Was sie über ihre Züchterin schreibt, ließ mich ebenfalls stutzig werden. Diese hält anscheinend gut 20 bis 30 Hunde, was mir eindeutig zu viel wäre. Hinzu kommt, das die Hunde wohl hauptsächlich in Zwingern leben müssen - Retriever, die zu den äußerst menschenbezogenen Rassen zählen! Will man von so einer Züchterin, die sich noch dazu von einem Futtermittelhersteller sponsern lässt und Anhängerin der Dominanztheorie ist, wirklich einen Hund? Ganz ehrlich: Da können die Hunde noch so viele Preise auf Ausstellungen abräumen - ich würde mir von einer solchen Züchterin keinen Hund holen. Aber dass Frau Meister von ihr einen Hund bekam, obwohl sie ihn überhaupt nicht geistig auslastet, obwohl das für einen Hund dieser Rasse enorm wichtig wäre, sagt ja auch schon alles.

Nett fand ich an dem Buch nur, dass Frau Meister andere Menschen dazu ermutigen will, ihr Leben ebenfalls mit einem Hund zu teilen. Ansonsten aber kann ich es nicht weiterempfehlen, da es letztlich kaum um Filou geht und Frau Meister noch dazu in einem sehr belehrenden Stil schreibt, aber in Wahrheit wohl selbst kaum besonders großes Wissen über Hunde besitzt.

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philosophie, religion

Das Wunder des Theismus

John L Mackie , Rudolf Ginters
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Philipp
ISBN 9783150080757
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie der Titel des Buches bereits verrät, beschäftigt John Leslie Mackie sich in "Das Wunder des Theismus" mit Argumenten, die für und gegen die Existenz Gottes sprechen. Hierbei geht er jedoch darüber hinaus, sich mit den "klassischen" Gottesbeweisen wie teleologischen und ontologischen Beweisen zu befassen, indem er auch auf die Ansichten moderner Philosophen eingeht und aus seiner Auseinandersetzungen mit dem Theismus eigene, für den interessierten Leser nachvollziehbare Schlussfolgerungen zieht.

Ein paar grundlegende Philosophiekenntnisse sind vorteilhaft, wenn man Mackies Argumentation immer folgen möchte; nichtsdestotrotz kann das Buch auch von interessierten Laien gelesen werden, da Mackie immer wieder das bisher Erörterte in verständlicher Sprache zusammenfasst. Trotzdem ist dieses lehrreiche philosophische Werk keine Strandlektüre, man muss sich schon wirklich auf seinen Inhalt einlassen und konzentriert lesen.

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thriller, mord, atlanta, zunge, will trent

Verstummt

Karin Slaughter , Klaus Berr
Flexibler Einband: 527 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.12.2009
ISBN 9783442372218
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Verstummt" ist ein typischer Karin-Slaughter-Thriller. Allerdings handelt es sich nicht um einen Grant-County-Thriller mit den Protagonisten Sarah Linton, Jeffrey Tolliver, und Lena Adams, sondern um dem ersten Teil der Thriller-Reihe rund um Will Trent und Angie Polaski.

Der Thriller beginnt ganz typisch für Slaughter mit blutigen Schilderungen und ziemlich derber Sprache. Beides bleibt über das gesamte Buch hinweg erhalten und ist nichts für zart Besaitete, doch kommt manchmal das Gefühl auf, dass Slaughter gerne möglichst brutale Szenen beschreibt und heftige Fäkalsprache verwendet, um den Leser dadurch zu schockieren. Weniger wäre manchmal doch mehr.

Der Thriller liest sich flüssig und ist stellenweise durchaus spannend, allerdings hat Frau Slaughter sich meiner Ansicht nach mit der Erzählperspektive keinen Gefallen getan. Viel zu früh steht fest, wer der Bösewicht ist, von diesem wird dann auch schon ein fast überzeichnetes Bild der Bösartigkeit angefertigt, sodass man sich fragt, wie dieser Mann jahrelang mit seinen grauenhaften Taten davonkommen konnte.

Ja, ich fand die Auflösung diesmal leider nicht allzu gut - ich hatte noch gehoffe, eine überraschende Wendung würde alles ändern, doch diese Wendung kam nicht. Ich empfand die Auflösung einfach als recht unglaubwürdig, die Schwarz-Weiß-Malerei der Autorin als übertrieben.

Der Showdown war so aufgebaut wie in so ziemlich jedem Thriller der Autorin. Es war an den letzten Seiten grundsätzlich nichts Schlechtes, doch hat man eben bereits ein paar Bücher Slaughters gelesen, wird man unweigerlich das Gefühl haben, dass sie eigentlich immer nach Schema F verfährt und sich nie etwas wirklich Neues einfallen lässt. Dies merkt man auch an ihren Charakteren - Will Trent erinnert doch recht stark an Jeffrey Tolliver, nur in unbeholfenerem Gewande, und Angie Polaski hat Ähnlichkeit mit Lena Adams.

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