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Das Päckchen

Franz Hohler
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 11.09.2017
ISBN 9783630875590
Genre: Romane

Rezension:



Der neue Roman des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler beschäftigt sich mit einem alten bibliophilen Werk und seinem Weg durch die Geschichte.

Der Roman beginnt damit, dass der Bibliothekar Ernst Stricker am Berner Hauptbahnhof den Hörer eines öffentlichen Telefons abnimmt und nicht wirklich weiß warum:
"Er schaute sich um, um zu sehen, ob da jemand war, der sich vielleicht zurückrufen ließ, aber erst am übernächsten Apparat sprach ein fremdländischer Mann eindringlich und leise in die Muschel, ohne auch nur den Kopf zu drehen. Da machte er den ersten Schritt, hob den Hörer und sagte: 'Hallo?'"


Eine alte Frau am anderen Ende der Leitung sucht ihren Neffen Ernst und Ernst Stricker lässt sich, indem er vorgibt jener Ernst zu sein, und dann auch gleich in die Wohnung der alten Dame fährt, auf eine Geschichte ein, die er nicht für möglich gehalten hätte. Die alte halbblinde Dame bittet Ernst darum, ein kleines Päckchen aufzubewahren, damit es nicht in falsche Hände gelangt. Zuhause öffnet Ernst heimlich das Päckchen, von dem er seiner Frau erst sehr viel später erzählen wird, was die Verwicklungen noch kompliziert, und entdeckt darin an handgeschriebenes Exemplar des sogenannten „Abrogans“ eines Wörterbuchs, das als ältestes deutschsprachiges Buch gilt. Ernst denkt, dass er das Original in Händen hält. In der Zeitung in der das Buch eingewickelt ist, entdeckt er einen Hinweis auf eine Berghütte.

Und nun ruht er nicht, bis er dieser Spur folgen kann und Erstaunliches dort findet. In der Zwischenzeit blendet Franz Hohler in der Zeit zurück und erzählt immer wieder von dem Mönch Haimo und seiner Partnerin Maria, der im Jahr 772 durch Zufall Schreiber am Kloster Weltenburg wird und darf den „Abrogans“ schreiben, der ihm vom Abt diktiert wird.

Danach wird er vom Abt auf eine über zehnjährige Reise nach Italien geschickt, wobei er (zusammen mit Maria, die unterwegs ein gemeinsames Kind verlieren wird) unterwegs immer wieder Station in Klöstern machen soll, wo er im Gegenzug für die Abschrift des Abrogans andere wichtige Schriften kopieren und nach Weltenburg schicken soll, bevor der Abrogans sein endgültiges Ziel in Montecassino finden soll.

In abwechselnden Kapiteln treibt Hohler die alte und die gegenwärtige Geschichte vorwärts mit überraschenden Wendungen und einem versöhnlichen Ende.

Ein intelligenter und unterhaltsamer Roman mit viel hintergründigen Humor.







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Paula

Sandra Hoffmann
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 21.08.2017
ISBN 9783446256828
Genre: Biografien

Rezension:



In ihrem letzten vor fünf Jahren erschienenen Roman „Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist“ erzählte die Schriftstellerin Sandra Hoffmann die sehr einfühlsame Geschichte einer Lebensbilanz und einer große Liebe. Die Geschichte eines Lebens voller Bewahrung und voller schmerzhafter Verluste.  Und es war eine stille Hommage an die unzähligen unbekannten Menschen, die in den Hospizen und Heimen dieses Landes sterbende Frauen und Männer begleiten, indem sie ihnen zuhören, ihre Hand halten und es aushalten, sonst nichts mehr tun zu können. Jedes Leben ist wertvoll, und es ist wert erzählt zu werden, das war die leise Botschaft dieses zärtlichen Buches, das, wie sich nun  im zweiten bisher leider von der Kritik wenig beachteten Roman „Paula“ herausstellt, ebenso biographische Bezüge besitzt wie „Paula“ selbst.

Als die Großmutter gestorben ist, sitzt die Erzählerin vor einer Kiste voller Bilder, die sich ihr nicht öffnen. Denn was kann man von einem Leben erinnern, was kann einem bleiben von einem Menschen, der sich sein ganzes Leben lang dem Schweigen verschrieben hatte?

1997 ist sie gestorben ist Paula mit 82 Jahren gestorben. Nun fast zwei Jahrzehnte danach macht sich Sandra Hoffman auf eine schmerzhafte aber schlussendlich heilsame Spurensuche. Sie ist "Gast und die Fremde zugleich" in ihrer eigenen Geschichte, die dadurch geprägt ist, dass sie ebenso wie die Großmutter immer an ihre Rollen scheiterte.

"Sie hat ihr ganzes Leben, alle ihre Geheimisse, aber auch alle ihre Nöte mit ins Grab genommen." Die Autorin, selbst aufgewachsen in einem freudlosen und vom Schweigen dominierten Elternhaus, überschattet von einem dunklen Geheimnis, will mit ihrer Spurensuche dem Leben der geliebten und gehassten Großmutter genauso eine Geschichte geben wie das eigene auf eine neue Spur zu setzen.

Sandra Hoffmann  erzählt eindrucksvoll und voller Brüche von ihrer tastenden Suche nach einem Glück, das es auch im Leben der Großmutter einmal gegeben haben muss. Indem sie eine über das Schicksal der ehemaligen Reinemachefrau hinausreichende Biografie entwirft, schreibt sie auch ihr eigenes Leben neu und gibt ihm neuen Grund.

Was mich sehr berührt hat, ist  eine große Liebeserklärung an den Ehemann der Autorin. Mit ihm, schreibt sie, sei "alles besser, nur weil wir uns haben, auch wenn wir gerade kilometerweit voneinander entfernt sind".
Ein kluges und sehr berührendes Buch. Ich bin auf das nächste Buch von Sandra Hoffmann  sehr gespannt.








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schwarzgeld, mord, athen, kostas charitos, mafia

Offshore

Petros Markaris , Michaela Prinzinger
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 23.08.2017
ISBN 9783257070033
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



In allen seinen bisherigen Romanen der letzten Jahre hat sich der griechische Schriftsteller Petros Markaris mit seinem Kommissar Kostas Charitos, seiner Familie und seinen Kollegen und Bekannten als ein kritischer und Chronist der griechischen Verhältnisse gezeigt. Insbesondere seine Trilogie zur Finanzkrise mit den Bänden „Faule Kredite“, „Zahltag“ und „Abrechnung“ hat seinen Landsleuten schonungslos den Spiegel vorgehalten, aber auch den Lesern in Deutschland etwa eine ganz andere Sicht der tatsächlichen Lebensverhältnisse in Griechenland unter der Krise und der Knute der EU vermittelt.

Markaris nutzt mit Kriminalromamen ein literarisches Genre, um die gesellschaftlichen und politischen Zustände und Veränderungen der griechischen Gesellschaft im Zuge der Globalisierung  zu analysieren und zu beschreiben. Er unterhält nicht nur, sondern macht nachdenklich.

In seinem neuen hier vorliegenden Buch „Offshore“ hat er eine neue Regierung erfunden, unter der es in Griechenland wieder aufwärts geht, auch weil diese Regierung ideale Bedingungen geschaffen hat für ausländische Investitionen. Die Menschen können sich wieder etwas leisten und so geht auch Charitos wieder öfter essen und hat sein altes Auto auch wieder angemeldet. Seine Frau Adriani hingegen ist weiter skeptisch und traut der Lage nicht. Niemand denkt wirklich darüber nach, wo das so leicht verfügbare Geld eigentlich herkommt.

Dass der Mord an einem Reeder und dann auch ich an einem Regierungsbeamten, mit denen er im neuen Fall befasst ist, mit dieser neuen Entwicklung im Zusammenhang stehen könnten, das wird Charitos und dem gebannten Leser erst im Laufe der Zeit klar. Dass sein alter Widerpart auf der Seite der Journalisten, Sotiropoulos, im Laufe der Handlung brutal erschossen wird, macht nicht nur den Kommissar, sondern auch den Leser betroffen, der sich über viele Romane an diesen knorrigen und aufrechten Journalisten gewöhnt hatte. Sein Tod will mit wie ein Abgesang auf den kritischen Journalismus in Griechenland scheinen.

Es ist eine erfundene Situation, zugegeben, aber es könnte sein, dass diese Vision von Markaris bald schon zur harten Wahrheit in den Ländern Südeuropas werden könnte.

Sein Buch jedenfalls ist eine in einen Krimi gehüllte Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem geliebten Heimatland.



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amoklauf, 54 minuten, schule, jugendbuch, roman

54 Minuten

Marieke Nijkamp , Mo Zuber
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.09.2017
ISBN 9783841440167
Genre: Jugendbuch

Rezension:



Hier ist ein Buch anzuzeigen, das in den USA aus nachvollziehbaren Gründen ein großer Erfolg war. Es geht um das in den USA häufige Thema Amok in der Schule.

Das Buch beginnt am ersten Schultag des neuen Halbjahres an der Opportunity High School in Alabama. Während die Direktorin Mrs. Trenton ihre übliche Begrüßungsrede in der mit Schülern gefüllten Aula hält, haben sich zwei Schüler ins Schulbüro geschlichen, um in ihren Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Direktorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.

Denn als die Versammlung zu Ende ist, sind die Türen der Aula verschlossen. Es gibt kein Entkommen. Der Schüler Tyler hat die gesamte High School in seine Gewalt gebracht. Es beginnt ein nervenaufreibendes Spiel zwischen dem Amokläufer und einigen Schülern, und es gibt Opfer. Denn Tyler schießt blindwütig um sich und trifft besonders diejenigen, mit denen  er eine Rechnung offen hat, Schüler, von denen er glaubt, dass sie ihm Unrecht getan haben

Die Autorin beschreibt die Geschichte dieses 54 lange Minuten dauernden Dramas aus der Sicht von Sylv, Tomas, Autumn und Claire. Alle vier haben oder hatten auf die eine oder andere Weise Kontakt zu dem Attentäter Tyler. Autumn  ist seine Schwester, Sylv wurde von Tyler bedroht, Tomas hat Tyler über lange Zeit fertig gemacht und Claire war eine Zeitlang mit ihm zusammen.

In wechselnden Abschnitten, die jeweils einen Zeitraum von nur wenigen Minuten umfassen, was die Spannung ungemein steigert, zeigt Marieke Nijkamp die unterschiedlichen Sichtweisen der vier Jugendlichen auf Tyler. In vielen Rückblenden wird nach und nach deutlich, wie es über eine lange Zeit zu einer Entwicklung gekommen ist, die an diesem Vormittag in der Aula der Opportunity High ihr grausames Ende nimmt. Beeindruckend ist, wie sich mehrere Schüler verzweifelt gegen die Entwicklung stellen und versuchen so viele Kinder wie möglich zu retten, auch indem sie ihr eigenes Leben auf das Spiel setzen. Dieser Mut sich vielleicht mit seiner letzten Lebenstat gegen den Täter zu stellen macht Mut und Hoffnung und ist , so ist man am Ende einer atemlosen Lektüre überzeugt, der Grundstein dafür, dass die Beteiligten dieses Drama in ihrem weiteren Leben auf die eine oder andere Weise überwinden werden und wieder zum Leben finden werden.







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Menschenfischer

Jan Seghers
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 07.11.2017
ISBN 9783463406701
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



In seinem neuen sechsten Fall lässt Jan Seghers alias Matthias Altenburg seinen sympathischen Frankfurter Kommissar Robert Marthaler einem alten, einem sogenannten „kalten Fall“ nachspüren.
Ein Mord an einem Jungen im Jahr 1998 erschütterte damals das ganze Rhein-Main-Gebiet.  Der Mord an Tobias Brüning (Seghers hat sich hier wie so oft einen tatsächlichen Fall als Beispiel genommen wie er im Nachwort schreibt), dem die Kehle durchgeschnitten, Fleisch aus dem Oberschenkel genommen und die Hoden abgetrennt wurden, löste damals eine der größten Ermittlungsaktionen der Nachkriegsgeschichte aus. Doch der Täter wurde nie gefasst.

Marthalers alter Kollege Rudi Ferres hatte sich damals in beispielloser Aktivität mit den Ermittlungen befasst und nie aufgegeben, auch nachdem er sich in den Ruhestand nach Frankreich verabschiedete. Als nun Marthaler  2013 einen Anruf von jenem Rudi Ferres bekommt, der Fall sie wieder heiß. Angeblich seien neue Spuren aufgetaucht. Er solle sofort nach Frankreich kommen. Marthaler beißt an, obwohl ein Terroranschlag in Frankfurt alle in Atem hält und bekommt von seiner Chefin Charlotte von Wangenheim die Erlaubnis einige Tage Urlaub zu nehmen.

Marthaler nimmt die Akten an sich und kehrt angefixt von dem Fall nach Deutschland zurück, wo sich in der Nähe der Loreley bald eine neue Spur auftut. Dort sind zwei Roma-Jungen spurlos verschwunden.  Eine schillernde Kommissarin namens  Kizzy Winterstein ist dort mit den Ermittlungen beauftragt. Sie hat sowohl Romni als auch jüdische Wurzeln, weil beide Eltern als Babys das KZ überlebten. Eine literarische Figur, wie sie nur Jan Seghers erfinden kann.
Schon bald kommen Marthaler und Kizzy im Rahmen der Ermittlungen, die immer mehr Ähnlichkeiten zu dem Fall Brüning aufweisen, einander nicht nur dienstlich näher und es steht zu erwarten, dass Seghers mit Kizzy seinem tragischen Helden eine neue Gefährtin zugewiesen hat, die ihn  seine unglückliche Beziehung zu Tereza aus den letzten Bänden vergessen lässt.

Das Buch ist extrem spannend aufgebaut, wartet bis zum Ende immer wieder mit überraschenden Wendungen auf.  Jan Seghers zählt mit seinen durchrecherchierten und literarisch anspruchsvollen Politikthrillern zu den besten deutschsprachigen Autoren.

Weil er extrem hart und akribisch an seinen jeweiligen Büchern arbeitet, wird man nun leider wieder etwa drei Jahre auf den nächsten Band (dann wahrscheinlich wieder mit Kizzy Winterstein) warten müssen. Einen treuen Fan stört das nicht.

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Tödlich Naher Osten

Ulrich Kienzle
Fester Einband: 252 Seiten
Erschienen bei sagas.edition, 30.09.2017
ISBN 9783944660127
Genre: Sachbücher

Rezension:



Jeder aufgeklärte Zeitgenosse weiß es eigentlich seit Jahrzehnten. Der Nahe Osten ist ein Pulverfass, das irgendwann die Welt in Brand setzen wird. Journalisten wie Ulrich Kienzle und ganz unterschiedliche Wissenschaftlicher wie etwa Dan Diner („Versiegelte Zeit“) haben in Artikeln und Büchern seit langer Zeit immer wieder darauf hingewiesen. Unzählige Friedensinitiativen zwischen Israel und den Palästinensern sind fehlgeschlagen, die schwierige Situation hat sich immer weiter zugespitzt.


Nun ist seit Beginn des Syrienkrieges und dem immer erbitterteren Bruderkrieg zwischen Sunniten (Saudi-Arabien) und Schiiten (Iran) mit seinen zahlreichen Stellvertreterkriegen (z.B. Jemen) die Situation nicht nur dort noch explosiver geworden. Nicht nur durch die unzähligen Flüchtlinge, die sich von dort auf den Weg nach Europa machen, sind wir in Westeuropa und spezielle in Deutschland ganz nah dran an dem „tödlich Nahen Osten“.

Ulrich Kienzles neues Buch versucht  auf eine ganz besondere Weise so etwas wie „Orientierung für das orientalische Chaos“  zu schaffen für den deutschen Leser, der Kienzle aus seiner jahrelangen Fernsehsendungen noch kennt und schätzt.

Aus jedem Land des Nahen Ostens, das er aktuell beschreibt, stellt er in kurzen Gesprächen einen Menschen vor, der zur Zeit in Deutschland lebt, weil er dort bedroht war oder aus anderen Gründen fliehen musste. So gibt er seinen aufschlussreichen Geschichten authentische Gesichter und bricht die große Politik auf eine private Ebene herunter. Doch er blickt auch zurück in die Geschichte, berichtet von seiner Zeit als Nahost Korrespondent – und von seinen aktuellen Reisen.

Anhand der elf persönlichen Geschichten erklärt anhand von elf Ländern und Regionen des Nahen Ostens die wesentlichen Zusammenhänge der Konflikte zwischen Religion und Terror, Ost und West, Staaten und Ethnien.

Das Buch ist aufschlussreich, vermag aber so wie andere auch keine wirkliche Hoffnung vermitteln, dass sich an diesem Chaos im Orient in absehbarer zweit irgendetwas ändert, einfach deshalb, weil es keine gibt.

Unsere Außenpolitik scheint relativ hilflos angesichts dieser Diagnose. Ein Hochexplosiver Zustand, der uns auch ohne Flüchtlinge noch Jahrzehnte in Atem halten wird.



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Wenn die Nacht erwacht

Louise Greig , Uwe-Michael Gutzschhahn , Ashling Lindsay
Fester Einband
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783836959582
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Der Übergang vom Tag zur Nacht hat schon immer Menschen zum staunenden Nachdenken und zu poetischen Beschreibungen geführt. Das vorliegende zuerst 2016 in London erschienene Bilderbuch von Louise Greig und Ashling Lindsay versucht dieses Staunen und diese geheimnisvollen Stimmung, „wenn die Nacht erwacht, für kleine Kinder ab etwa 3 Jahren in Wort und Bild lebendig zu machen.

In sparsamen und dennoch sehr dichten Worten  erzählt das Bilderbuch, wie der kleine Max dieses Geschehen in der Wohnung seiner Eltern, draußen vor dem Fenster und in seinem Zimmer beobachtet.
Wohin geht der Tag, wenn er müde ist? Und woher kommt die Nacht?  Max hat eine Nachtkiste in seinem Zimmer, und wenn die Nacht abends munter wie ein Schelm aus der Kiste heraussaust, begrüßt sie Max freundlich. Und mit diesem Zutrauen kann er ruhig schlafen in seinem warmen Bett.
Und am Morgen ist es umgekehrt. Die Nacht schlüpft in die von Max geöffnete Kiste und  der Tag saust heraus:
„Der Tag atmet in die Blätter,
Stille fliegt aus den Bäumen,
Gelb steigt aus den Dächern
Und ein neuen Lied beginnt.“

Ein  wunderschönes poetisches Bilderbuch.



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Meine neue Mama und ich

Renata Galindo , Thomas Bodmer , Renata Galindo
Fester Einband
Erschienen bei NordSüd Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783314103940
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Mit diesem wunderbaren, in einer knappen und reduzierten Bildsprache erzählten Bilderbuch ist es der Amerikanerin Renata Galindo sehr gut gelungen, das in der Kinderliteratur selten angesprochen und dargestellte Thema der Adoption kindgerecht aufzubereiten.
Der kleine Hund, der seine Geschichte erzählt, ist von einer Katze adoptiert worden: „Als ich zum ersten Mal zu meiner neuen Mama heimkam, war ich sehr aufgeregt. Dies würde mein neues Zuhause sein“, erzählt der rotbraune Welpe. Dass seine Mama so ganz anders aussieht als er, verunsichert ihn zuerst und er versucht so auszusehen wie seine Mama, die ein gestreiftes Fell hat. Doch bald schon lernt er, mit Unterschieden umzugehen und sich nicht um die Meinung der anderen zu kümmern. Seine neue Mama macht alles für ihn. Sie backt Pfannkuchen, tröstet ihn, wenn er hingefallen ist. Sicher, manchmal ist er auch wütend und traurig, ohne genau zu wissen warum. Doch seine Mama versteht auch das: „Mama lernt, meine Mutter zu sein, ich lerne, ihr Kind zu sein. Wir lernen beide, eine Familie zu sein.“

Es ist eine einfühlsam und warmherzig erzählte Geschichte, die eine n tief berühren kann. Es geht um Liebe, Vertrauen und Geborgenheit in einer nicht ganz gewöhnlichen Familie, die sich erst neu finden muss.

Das Thema Adoption wird zwischen den Zeilen hervorragend beschrieben aus der Sicht eines betroffenen Kindes. Ein preiswürdiges Bilderbuch.






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musso

Das Papiermädchen

Guillaume Musso , Eliane Hagedorn , Bettina Runge
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.11.2017
ISBN 9783492308564
Genre: Romane

Rezension:



Der neue wieder überaus spannende Roman des französischen Erfolgsautors Guillaume Musso ist in Frankreich schon 2010 erschienen und wird jetzt , vielleicht wegen einer Schreibpause des Autors, von Piper als neuer Bestseller präsentiert.

Es ist zu hoffen, dass es ihm nicht so geht,  wie seinem Protagonisten in dem Roman „Das Papiermädchen“. Tom Boyd hat es geschafft, in den letzten Jahren ein so erfolgreicher Schriftsteller zu werden, dass er es sich leisten kann, in Malibu in einer großen Villa zu leben. Über viele Monate war er in einer leidenschaftlichen Beziehung mit einer weltberühmten Pianistin zusammen. Doch die hatte kein wirkliches Interesse an einer längerfristigen und festen Bindung und so ging die Beziehung in die Brüche. Diese Trennung stürzt Tom in seine bisher größte Lebenskrise. Er stürzt total ab, verfällt Drogen und Alkohol, und als sein Freund und langjähriger Berater Milo ihm auch noch gestehen muss, dass er durch die Finanzkrise nicht nur sein ganzes eigenes Vermögen , sondern auch das von Tom, das er verwaltete., verspielt hat, sieht Tom keine wirkliche Zukunft mehr für sich. Obwohl sein Verlag auf den dritten Band einer auf der ganzen Welt erfolgreichen Romantrilogie drängt, weigert sich Tom, auch nur eine einzige Zeile zu schreiben. Auch seine Jugendfreundin Carole, eine Polizistin, die neben Milo versucht, ihn aus seinem tiefen Loch herauszuholen, ist hilflos.

Da passiert eines Abends etwas sehr Seltsames, wie meist in den Büchern von Musso, etwas Magisches und Fantastisches, etwas jenseits aller normalen Realität. Eine Frau steht vor seiner Tür und behauptet, sie sei „Billie“, eine Figur aus einem seiner Bücher. Aufgrund einer Panne in der Druckerei ist die neueste Ausgabe des Buches fehlerhaft gedruckt worden. Mitten im Buch bricht der Text mit den Worten „schrie sie und fiel“ ab. Jene Frau, die behauptet Billie zu sein, erzählt ihm, deshalb sozusagen aus dem Buch herausgefallen zu sein aus der Fiktion in die Realität. Der skeptische Tom prüft sie mit Fragen zu seiner Figur, die nur er kennen kann. Als Billie sie alle richtig beantwortet, wächst bei ihm die Überzeugung, sie habe Recht.
Langsam beginnt sie ihm davon zu überzeugen, dass er unbedingt den dritten Band seiner Engeltrilogie schreiben müsse, um ihr endlich in der Fiktion ein anderes Leben zu geben. Der Leser ahnt es schon bald: hier bahnt sich eine ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte an.

Bis gegen Ende des ersten Drittels wartet man vergeblich auf die von Musso gewohnte Spannung und Tempoaufnahme der Handlung, aber dann geht es los. Während Milo und Carole ihren Freund Tom in einer Klinik zu einer fragwürdigen Therapie unterbringen wollen, springt Tom aus dem Fenster und flieht mit Billie zunächst nach Mexiko, wo er seiner Pianistin noch einmal begegnet und ernüchtert auch innerlich sich von ihr verabschiedet.

Doch das ist erst der Beginn eines dramatischen Abenteuers, das Tom und Billie, aber auch Milo und Carole, die ihnen folgen, bis nach Paris führt. Währenddessen macht das einzige bei einer Einstampfungsaktion des Verlags übriggebliebene Exemplar des Fehldrucks eine erstaunliche Reise, die auf magische Weise mit dem gesundheitlichen Zustand von Billie zusammenhängt…

Viele überraschende Wendungen, die man von Musso gewohnt ist, erzeugen eine fast unerträgliche Spannung bis zu einem nicht für möglich gehaltenen überraschenden Ende.



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Die Liebe in dunklen Zeiten

Alina Bach
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 12.10.2017
ISBN 9783832198626
Genre: Biografien

Rezension:


Unter dem Pseudonym Alina Bach hat eine deutsche Kinderbuchautorin und Journalistin hier ein beeindruckendes und bewegendes Buch und persönliches Zeugnis vorgelegt, das anders als die vielen aktuellen Bücher über Depression und ihre Behandlung den Fokus ganz auf die Situation der Angehörigen von an Depression erkrankten Menschen legt.

Alina Bach  Jannis Küster trifft, fühlt sie sich vom Leben beschenkt. Es beginnt eine Liebe voller Lebensfreude und Lust, Empathie und Respekt. Doch schon bald bemerkt sie gravierenden Veränderungen im Verhalten des Menschen den sie liebt, wie nie einen anderen zuvor.  Jannis kehrt sich mehr und mehr in sich hinein, ist unendlich müde, zeigt sich unfähig am normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und hat schon bald kein Interesse mehr an Sex und Nähe mit seiner Partnerin.

Es dauert sehr lange, bis beide begreifen, dass sie es mit einer ausgewachsenen Depression zu tun haben. Das Buch erzählt von „unserer Reise durch Jannis` dunkle Zeit“ ein Weg, der sich über insgesamt neun(!) Jahre erstreckt.

Immer ihre eigene Situation kenntnisreich reflektierend erzählt sie sehr persönlich aber völlig unsentimental von dieser Reise durch die Dunkelheit und hat dabei als Leser immer die Angehörigen von anderen Depressionskranken im Blick, die sie anspricht und durch ihre eigene schwere Geschichte ermutigen will, sich durch die Krankheit nicht zerstören zu lassen.

Ein hilfreiches Glossar erklärt wichtige Begriffe, die verwendet werden und ein Kapitel „Literaturen“ macht nachvollziehbar, mit welchen literarischen und wissenschaftlichen Texten sich die Autorin über diese ganze Zeit beschäftigt und auseinandergesetzt hat.


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magersucht, klinikaufenthalt, anorexia nerovsa, pari, mädchen

Tage ohne Hunger

Delphine de Vigan , Doris Heinemann
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 22.08.2017
ISBN 9783832198374
Genre: Romane

Rezension:



Mit ihren Romanen „Das Lächeln meiner Mutter (2013) und „Nach einer wahren Geschichte“ 2016) wurde die 1966 geborene französische Schriftstellerin Delphine de Vigan auch in Deutschland einem größeren Publikum bekannt.

Die Art und Weise, wie sie in beiden bei Dumont in Köln erschienenen Romanen biographische Erfahrungen literarisch verarbeitete, hat mich damals sehr angesprochen und begeistert.

Durch diesen Erfolg ermutigt, hat der Dumont Verlag nun ein Buch veröffentlicht, das 2001 das literarische Debüt de Vigans war und das sie damals wohl auch wegen dem biographischen Charakter und der sehr persönliche  Thematik unter dem Pseudonym Lou Delvig veröffentlichte.

In „Tage ohne Hunger“ erzählt sie von der 19-jährigen Laure, die unter einer schweren Magersucht leidet. Als die Krankheit ihr Leben bedroht und ohne rasche Hilfe der baldige Tod droht. Wer den Arzt, der sie anruft und ihr regelrecht befiehlt, sofort in seine Klinik zu kommen, über ihren Zustand informiert hat, bleibt im Dunkel.  Sie wartet noch einige Tage, unschlüssig, was sie tun soll: „In ihrem Bauch klopfte der Tod, sie konnte ihn berühren.“ Und sie wählt die Nummer des Krankenhauses.

Dort macht sie jeden Tag Notizen darüber, was mit ihr passiert, wie sie sich fühlt. Sie schreibt über ihre Beziehung und ihre Beziehung zu ihrem Arzt, Dr. Brunel und zu manchen ihrem Mitpatienten.  Sie berichtet ihrem Notizbuch von ihrem dauernden Kampf, von ihrer Sehnsucht nach dem alten Zustand, von der Kraft, die sie aufbringt, durchzuhalten und was ihr dabei hilft.  

Diese Notizen werden ihr Jahre später, als sie längst wieder in ein normales Leben zurückgekehrt ist und Mutter zweier Kinder geworden ist, helfen, dieses Buch zu schreiben, unter dem Schutz eines Pseudonyms, aber nicht weniger offen und ehrlich. Später dann wird sie mit ihren weiteren Romanen auch öffentlich mit ihrem Namen dafür stehen, dass sie persönlich Erlebtes und Erfahrenes auf eine Weise literarisch verarbeitet, die dem Leser Respekt abringt.

„Noch heute sagt sie trotz der vielen Jahre, die vergangen sind, und trotz der Lebensfreude, die sie wiedergefunden hat, genau das, wenn sie davon spricht: Er hat mir das Leben gerettet.“

Eine ganz außergewöhnliche und wertvolle Heilungsgeschichte, die unter die Haut geht und nicht nur Betroffenen Mut zum Leben vermittelt.

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tod, verlust, trauerbewältigung, bilderbuch, zusammenhalt

Ein Himmel für Oma

Antonie Schneider , Betina Gotzen-Beek , Betina Gotzen-Beek
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 16.06.2017
ISBN 9783815770030
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Nach wie vor ist in unserer Gesellschaft das Thema Sterben und Tod von starken Tabus geprägt. Ich will einmal die These aufstellen, dass diese, nach meiner Einschätzung zunehmende Tabuisierung mit der Tatsache zusammenhängt, dass früher breite Schichten tragende und tröstende religiöse Vorstellungen und Interpretationen nicht mehr tragen und wirken.

Wenn Erwachsene schon selbst mit diesem Thema für sich selbst und untereinander eher vermeidend umgehen, dann tun sie erst recht im Verhältnis zu ihren Kindern. Diese kennen noch nicht die herrschenden Tabus und stellen ihren Eltern und Großeltern Fragen über das Sterben und den Tod, wenn sie damit konfrontiert sind.

Eltern reagieren dann oft unsicher. Sie scheuen sich über etwas so Unbegreifliches zu sprechen und fragen sich, ob ihr Kind die Wahrheit verkraftet.

Das vorliegende Bilderbuch von Antonie Schneider im Coppenrath Verlag, der zuletzt mit „Als Mama nur noch traurig war“ sich einem ähnlich tabuisierten Thema zuwandte), will Eltern dabei unterstützen, offen und doch behutsam mit ihren Kindern über das Thema Tod zu sprechen, wenn diese danach fragen oder wenn es in der Familie durch den Tod etwa von Großeltern auftaucht.

In der Geschichte hier geht es um die beiden Geschwister Lena und Valentin , ihre Oma und deren neuer gelber Vogel Chaja. Chaja bedeutet „Leben“ erklärt die Oma ihren Enkeln. Und bald schon ist der Vogel in das gemeinsame Leben mit Eltern, Oma und Kindern integriert.

Doch als es Wintre wird, wird Chaja krank und irgendwann stirbt der kleine Vogel. Die ganze Familie begräbt ihn im Garten.
Später fragt der kleine Valentin seine Oma, ob sie auch einmal sterben wird, und die Oma antwortet ihm ehrlich und erzählt im Geschichten von Chaja und hält den Vogel so für den kleinen Jungen lebendig.

Als irgendwann auch die Oma schwach und bettlägerig und schließlich stirbt sie. Und die ganze Familie hat von ihr gelernt, dass sie über das Geschichtenerzählen in ihren Herzen weiterlebt.

Ein warmherzig erzähltes Bilderbuch über Sterben und Tod, Abschied und Trauer und wie liebe Menschen und Wesen in unseren Herzen weiterleben.

Die Fachberaterin für Psychotraumatologie Anna Pein hat auf den letzten beiden Seiten, die sich an die vorlesenden Eltern richten, etliche hilfreiche Erklärungen und Hinweise gegeben.

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Nest

Janine Burke
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei oekom verlag, 04.09.2017
ISBN 9783960060116
Genre: Sachbücher

Rezension:



„Was sind Nester anderes als Kunst?“  Das ist die feste Überzeugung der Kunsthistorikerin, Schriftstellerin und Hobbyornithologin Janine Burke. Sie hat viele Jahre lang auf Reisen in ihrer Heimat Australien, in Europa, Amerika und Afrika Vögel beobachtet, insbesondere ihre Nester, die sie bald als Kunstwerke zu identifizieren lernte.

Ihr hier vorliegendes Buch „Nest“, das Susanne Darabas aus dem australischen Original ins Deutsche übersetzt hat, ist die stark biographisch geprägte Geschichte dieser Leidenschaft, voller Beobachtungen, Eindrücken und Gefühle und vielen Reminiszenzen an die Literatur.
Geschmackvoll illustriert durch Zeichnungen des britischen Künstler- und Ornithologenehepaars Eliza und John Gould sowie Paschalis Dougalis wird das Buch all jene begeistern, die Natur, Literatur und Kunst lieben.




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grimmig & anders

Brüder Grimm , Hans Christian Andersen , Scott Plumbe
Fester Einband
Erschienen bei Esslinger ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 19.09.2017
ISBN 9783480232925
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Insgesamt sieben Gruselmärchen von den Brüdern Grimm, Hans Christian Andersen, Alexandr Afanassjew, Oscar Wilde und anderen sind in diesem schönen Buch versammelt, das der international bekannte Illustrator Scott Plumbe mit traumhaften Bilderwelten illustriert hat, Bilder, die auch den kleinen Betrachter, aber auch den vorlesenden Erwachsenen sofort in ihren Bann ziehen und verzaubern.

Die hier abgedruckten Geschichten vermitteln nicht zuletzt durch die geheimnisvollen und düsteren Bilder von Scott Plumbe ein schaurig-schönes Gänsehautgefühl, ohne dass sie die Kinder in Angst versetzen.

Als Kind habe ich solche Bilder und Geschichten geliebt und sie in den klassischen Ausgaben der Märchen von Grimm und Hauff gefunden.

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theaterstück, kinderoper, fedriger freund, freundschaft, kinderbuch

Fell und Feder

Lorenz Pauli , Kathrin Schärer
Buch
Erschienen bei Atlantis Verlag , 08.09.2017
ISBN 9783715207377
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Ein wahrhaft originelles und absolut ungewöhnliches Bilderbuch hat das bewährte Duo aus Lorenz Pauli und Kathrin Schärer hier im Atlantis Verlag vorgelegt. Erzählt wird die Geschichte der Freundschaft zwischen einem Hund und einem Hund in einer auch literarisch anspruchsvollen Umsetzung.

Die beiden spielen nämlich ein Theaterstück, das von ihrer eigenen Freundschaft handelt. Zunächst als zwei Einzelgänger lebend, begegnen sich die beiden. Das Huhn träumt von Freiheit und Abenteuer und einen Piratenschatz, der Hund von einem starken Freund, der ihm Geschichten erzählen kann. Huhn und Hund helfen einander. Verbringen viel Zeit, erleben Lustiges und Wundersames, erzählen sich Geschichten und merken, dass sie gute Freunde sein können.

Warmherzig und mit viel hintersinnigem Humor erzählt, zeigt die Geschichte, „dass es im Theater um das richtige Leben geht“, wie das Huhn nach der Vorstellung resümiert. Im Frühjahr 2018 erscheint diese Geschichtemit Musik von Charlotte Perrey und Rodolphe Schacher als Kinderoper auf einer CD und wird auch öffentlich aufgeführt.



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Das wunderwilde Wolkenhaus

Nina Hammerle , Nina Hammerle
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Ellermann, 21.08.2017
ISBN 9783770749232
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Eine schöne, skurrile, wilde und überaus lustige Geschichte hat die Kinderbuchautorin Nina Hammerle da erfunden und mit gelungenen  Reimen erzählt.

Humorvoll und mit vielen subtilen Details gespickt, erzählt sie vom Wolkenhaus Nummer 4 und seinen ungewöhnlichen Bewohnern, die sie nach und nach „belichtet“ und beschreibt. Da ist Kunigunde, die auf einem Bein steht und mit ihrer Mütze ihre Suppe aufwärmt. Oder Hinz und Kunz im Erdgeschoß, die mit dem jeweils anderen im Nebenzimmer telefonieren, statt einfach miteinander zu reden. Oder die Prinzessin, die aber nicht auf einer Erbse, sondern auf einem Blumenkohl liegt.

Viele andere schräge Bewohner werden in Reimen vorgestellt, Figuren, die den Kindern Freude machen werden und sie zu immer neuem Vorlesen bringen werden. Auch die Reime werden sie bald beginnen mitzusprechen und dabei Spaß zu haben.



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Ballonfahrt mit Hund

Matthew Olshan , Leena Flegler , Sophie Blackall
Fester Einband
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783836959797
Genre: Kinderbuch

Rezension:



„Die (fast) wahre Geschichte der ersten internationalen Luftfahrt im Jahr 1785“ erzählt  Matthew Olshan in  diesem von Sophie Blackall eigenwillig und phantasievoll illustrierten Bilderbuch aus dem Gerstenberg Verlag, das Leena Fleger aus dem Englischen übersetzt hat.

Bis auf wenige erfundene Details, für die sich der Luftfahrtfan Olshan die Freiheit genommen hat, berichtet das Bilderbuch über die Fahrt des Amerikaners Dr. Jeffries, der lieber ein Engländer wäre, mit seinem französischen Pilot Monsieur Blanchard über den Ärmelkanal von Großbritannien nach Frankreich im Jahr 1785. Damit waren sie die ersten, denen das gelang.

Doch sie haben schon vor der Fahrt ein ernstes Problem. Sie können sich gegenseitig nicht ausstehen. Dennoch starten sie am 7. Januar 1785 zu ihrem Vorhaben, während dem sich schon bald ernsthafte Probleme zeigen. Nun müssen die beiden Streithähne wirklich zusammenhalten soll ihr Vorhaben nicht scheitern.

Ein lustiges und fast wahres Bilderbuch über die erste internationale Ballonfahrt.




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Der kleine rote Pullover

Brigitte Weninger , Katharina Sieg
Fester Einband
Erschienen bei Annette Betz ein Imprint von Ueberreuter Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783219117400
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Eine in ein lustiges Rätsel verkleidete heitere Wintergeschichte erzählt Brigitte Weninger in ihrem neuen Bilderbuch, das im Wiener Annette betz Verlag erschienen ist und das Katharina Sieg ansprechend und farbkräftig illustriert hat.

Sie beginnt damit, dass der Vater der Rabenfamilie eines Tages einen roten Kinderpullover von der Wäscheleine stiehlt und ihn  dann stolz seiner Frau zeigt. Vater Rabe will mit dem Pullover ein Dach für das Nest seiner Kinder bauen. Doch seine Frau ist dagegen und schimpft, denn die Farbe Rot locke doch nur den Falken an. Vater Rabe wirft den roten Pullover weg, der nun eine besondere Reise unternimmt, indem er verschiedenen Waldbewohnern zu ganz unterschiedlichen Zwecken dient, bis ich am Ende der Förster wiederfindet und ihn als das Kleidungsstück wiedererkennt, das von der Wäscheleine seines Hauses verschwunden war.

Er wundert sich und fragt sich, was die verschiedenen Spuren, die die Tiere in der Wolle hinterlassen wohl zu bedeuten haben. „Aber der kleine rote Pullover verriet es nicht.“

Die Kinder werden es nach dem Vorlesen besser wissen. Eine schöne Geschichte mit absolut gelungenen und sympathischen Tierfiguren. Die Kinder werden ihre Freude an diesem Bilderbuch haben.




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Sommer-Wörterwimmelbuch

Rotraut Susanne Berner
Pappbuch
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 01.07.2017
ISBN 9783836956116
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Viele Jahrgänge von Kindern sind seit etwa 2004 mit den schlussendlich fünf Bänden der Wimmelbücher von Rotraut Susanne Berner aufgewachsen, haben mit ihnen erkennen und benennen gelernt, konnten mit Hilfe der mit ihnen die großen Bücher immer wieder betrachtenden Eltern die in den Wimmelbüchern verborgenen Geschichten identifizieren und mit ihrer eigenen Phantasie weitererzählen.

Unser Sohn hat über viele Jahre, seit er etwa eineinhalb war, diese Bücher geliebt und kannte die Namen aller auftretenden Personen. Denen, die von Rotraut Berner ohne Namen gelassen worden waren, gab er welche und die Geschichten, die er um sie herum erfand, waren jedes Mal lustig und lebendig.

Als ich das neue Sommer-Wörter-Wimmelbuch in die Hände bekam, habe ich mich gern an diese schöne Zeit erinnert. Berner hat aus dem alten Sommerwimmelbuch ein hochkantiges Buch gemacht, das auf jeder Doppelseite verkleinert die alten Bilder zeigt, aber im unteren Fünftel ein kleines Wörterbuch gezeichnet mit den Objekten, die auf der jeweiligen  Seite zu sehen sind. Die Kinder können deshalb neben dem Betrachten der Bilder und dem Erfinden von Geschichten auch die Objekte und Dinge, die unten abgebildet und benannt sind, suchen, finden und ihren Namen aussprechen lernen.

Eine schöne Idee. Bei dieser ganz neuen Art, die Welt von Wimmlingen zu entdecken, lernen die Kinder spielerisch, wie die Dinge heißen und wie ihre Namen geschrieben werden.




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Auch Prinzessinnen müssen mal pupsen

Ilan Brenman , Susan Niessen , Magali Le Huche
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 16.01.2017
ISBN 9783845816395
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Wie viele Mädchen in ihrem Alter begeistert sich die kleine Laura für Prinzessinnen und kennt auch einige: Cinderella, Schneewittchen und natürlich die kleine  Meerjungfrau.

Eines Tages kommt sie ganz aufgeregt aus dem Kindergarten und rennt gleich mit einer sie quälenden Frage zu ihrem Vater. Ihr Freund Marcello hat Cinderella abfällig als Pups-Prinzessin bezeichnet, was Laura zu der Frage führt: Müssen Prinzessinnen auch pupsen?

Ihr Vater reagiert verständnisvoll und mit viel Phantasie. Er zieht das „geheime Buch der Prinzessinnen“ aus dem Regal und erzählt ihr die Geheimnisse, wie Cinderella, Schneewittchen  und auch die kleine Meerjungfrau in bestimmten Situation gepupst haben.

Er macht da so gut, dass Lauras Bewunderung für Prinzessinnen keinen Schaden nimmt.
Ein schönes Buch für kleine Prinzessinnen und ihre Väter.

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Der Weihnachtswichtel und der kleine Bär

Kerstin M. Schuld , Kerstin M. Schuld
Pappbuch
Erschienen bei Oetinger, 25.09.2017
ISBN 9783789104510
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Es ist kurz vor Weihnachten und der Wichtelmann hat in seiner Werkstatt viel zu tun. Weil ihm das Holz für seinen Ofen ausgegangen ist und er friert, zieht er mit seinem Esel in den Wald um etwas Holz zu holen.
Dabei beobachte er zwei Kinder, die mit ihrem Vater einen Weihnachtsbaum aus dem Wald holen und ihn mit ihrem Schlitten heimbringen. Doch die kleine Ida hat ihren Teddybär, den sie auf dem Schlitten mit in den Wald nahm, auf dem schneebedeckten Boden vergessen.

Schnell birgt der Wichtelmann den Bär, folgt dem Schlitten und schafft es heimlich, den Bär der kleinen untröstlichen Ida ihr unter den Weihnachtsbaum zu legen. Da ist die Freude groß – auch für den glücklichen Wichtel.

Eine wunderschöne, übrigens toll gereimte Wichtelweihnachtsgeschichte für kleine Kinder ab 2 Jahren.




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Mehr als alles

Hubertus Halbfas
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Patmos Verlag, 02.10.2017
ISBN 9783843609869
Genre: Kinderbuch

Rezension:




Und wieder hat der 1932 geborene emeritierte Religionspädagoge Hubertus Halbfas nach seinem konkurrenzlosen dreibändigen Werk „Literatur und Religion“ einen faszinierenden Sammelband herausgegeben, mit dessen Texten er zur religiösen Bildung für fragende Menschen jeden Alters beitragen will und mit denen er die unterschiedlichen Dimensionen des Menschlichen und des Transzendenten erschließen möchte.

Immer wieder geht es um die Bedeutung der Sprache und um den Stellenwert des kritischen Fragens. Darin ist er seinem jüngeren Kollegen Rainer Oberthür ähnlich, der mit seinen Büchern den gleichen Ansatz verfolgt.

Die einzelnen Kapitel beschreiben den gesamten Horizont menschlichen Lebens: Schweigen, Hören, Sehen, Sprechen, Schreiben und Lesen, Gehen, Fragen, Sich-Selbst-Finden, Lieben, Essen und Trinken, Feiern, Mitgehen, Bebauen und Bewahren, Hüten und Pflegen, Verletzen und Heilen und schließlich: Sterben und Tod.

Alles unter der transzendenten Perspektive, die dem Buch den Titel gab: „Es muss im Leben mehr als alles geben.“

Ein vergleichsloses Lesewerk, eine Schatzkiste und Fundgrube für ganz unterschiedliche Menschen und Professionen.

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Imagine

John Lennon , Richard Rosenstein , Jean Jullien , Yoko Ono Lennon
Fester Einband
Erschienen bei Freies Geistesleben , 23.08.2017
ISBN 9783772528002
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Wohl kaum ein anderes Lied der Musikgeschichte hat seit seiner ersten Veröffentlichung so stark die Gefühle und Sehnsüchte von Menschen weltweit so bewegt wie das Lied „Imagine“ von  John Lennon. Eine bewegende und berührende Hymne ging das um die Welt, die sprach und sang von der Kraft und der Fantasie der Menschen, denen es möglich ist sich für eine friedvolle Welt zu engagieren.

Weil dieses Lied und seine Poesie ungebrochen wahrhaftig ist, weil sich die Lage in der Welt, gegen die es ansingt, in den Jahrzehnte seit seinen Erscheinen nicht besser geworden ist, hat Amnesty International mit der Unterstützung von John Lennons Witwe Yoko Ono den französischen Illustrator Jean Jullien gebeten, den in der englischen Originalfassung und der deutschen Übersetzung abgedruckten Text zu illustrieren, was ihm mit starken und eindrucksvollen Bilder gut gelungen ist.

Yoko Ono schreibt in ihrem Vorwort: „Das Lied ‚Imagine‘ hat eine starke Botschaft: Es wurde aus einer unverkennbar tiefen Liebe für alle Menschen geschrieben.“

Dieses wunderbare Bilderbuch kann helfen, diese Botschaft an Generationen weiterzugeben, für die der Name John Lennon kein Begriff mehr ist.

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Ermordung des Glücks

Friedrich Ani , August Zirner
Audio CD
Erschienen bei OSTERWOLDaudio, 08.09.2017
ISBN 9783869523644
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



Selbst versierte Krimileser könnten wahrscheinlich nicht auf Anhieb sagen, wieviel verschiedene Ermittlerfiguren der Schriftsteller Friedrich Ani im Laufe seiner langen  literarischen Tätigkeit schon erfunden hat. Am bekanntesten ist wohl der Kommissar Tabor Süden, den Ani zuletzt aus dem Ruhestand noch in einigen Büchern ermitteln ließ. Wahrscheinlich auch deshalb, weil diese Serie über ein Dutzend Bücher über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten umfasste. An so manchen Ermittler, der danach folgte, und den Ani meist schon nach zwei oder drei Büchern durch einen anderen ersetzte, erinnert sich kaum noch jemand, was schade ist, denn jeder dieser Männer hatte eine außergewöhnliche Lebensgeschichte, wie sie nur Ani erfinden kann und alle einte sie eine Ermittlungsmethode, die man so bei kaum einem anderen Polizisten in der Krimiszene findet.

Anis Ermittler setzen sich selbst auf Spiel. Selbst jeweils auf unterschiedliche Arten aus der Welt gefallen und ihr eigenes Leben und seine Geschichte verloren glaubend, sind sie auf eigentümliche Weise in der Lage, das Schicksal der Täter und ihrer Opfer auf eine fast körperliche Art zu spüren und zu erleben, die sie während ihre Ermittlungen nicht selten selbst an deren Rand des Todes bringt.

Ani lässt sie mit Regelmäßigkeit auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungewöhnliche Art, Kriminalfälle zu lösen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenwürde zurück.

Sein neuer Ermittler Jakob Franck, den Ani nun schon in einem zweiten Fall präsentiert, ist so ein Sucher nach Verlorenem und Verschwundenem. Seit einiger Zeit im Ruhestand, hat er sich dort noch gar nicht recht eingerichtet, glaubt aber endlich ein Leben  jenseits der Toten  beginnen zu können, nachdem er über viele Jahre in seinem Dezernat sozusagen der Spezialist für die Überbringung von Todesnachrichten war, und das auch nach eigener Einschätzung immer ziemlich gut gemacht hat. So wie viele seiner Vorgänger lebt Jakob Franck allein, nachdem nicht nur sein  Job als Polizist seine Ehe scheitern ließ. Schon in seinem ersten Fall, „Der namensloseTag“, für den Ani völlig zu Recht den Deutschen Krimipreis erhielt, führten ihn seine Ermittlungen nicht nur in die Katakomben seiner eigenen  Vergangenheit, sondern auch auf eine ganz besondere Weise zurück in eine Verbindung zu seiner Ex-Frau Marion Siedler, die einzige Frau, die ihn wirklich kennt und versteht.

Auch im neuen Fall wird Jakob Franck schmerzlich mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Als nach 34 Tagen, in dem der 11-jährige Lennard Grabbe vermisst wird, seine Leiche gefunden wird, überbringt Franck den verzweifelten Eltern die Nachricht und bleibt die ganze Nacht bei ihnen, schweigend und schon hier mit der schmerzlichen Erinnerung an seine eigene in der Jugend ermordete Schwester konfrontiert.

Obwohl Franck alle Protokolle der Mordkommission, die ihn wieder um Unterstützung gebeten hat, durchgeht, und alle Zeugen erneut befrag, fehlt vom Mörder jede Spur. Mit vielen Details, die Franck so herausfindet, baut Ani eine richtige Spannung auf. Auch die umfangreiche Beschreibung des seelischen Zustandes der Eltern des Jungen und eines, wie Jakob Franck bald richtig vermutet, Geheimnisses, das den Onkel von Lennard mit dessen Mutter Tanja verbindet, unterscheidet Anis Stil und literarische Technik von den meisten anderen Kriminalromanen.

Während etwa ein Gerichtsmediziner völlig ohne Emotionen arbeitet, setzt sich Franck seinen eigenen Emotionen und denen der Menschen, denen er begegnete, bedingungslos aus. Ani beschreibt das so:
 „Was Franck meinte, war sein ureigenes, professionelles, wenn nötig rücksichtsloses Zerstückeln der Umstände, das Ausgraben halbverwester Wahrheiten,  das Offenlegen ebenso verständlicher wie oftmals schmutziger Überlebenstricks. Die Aufklärung eines Mordes oder eines zwielichtigen Todes bedeutete, dass ein Kommissar das Recht hatte, die Welt des Menschen, der gewaltsam gestorben war, von Grund auf zu erschüttern und deren Bewohnern so lange mit unnachgiebiger Genauigkeit ihre Gewohnheiten zu entreißen, bis sie nackt in der Kälte standen und sich ihrer Erbärmlichkeit bewusst wurden. Erst von diesem Moment an – davon war Franck überzeugt – gelangte das Opfer auf den Weg zum ewigen Frieden.“

So wie viele seine Vorgänger ist Franck nicht religiös, hat aber immer einen Zugang zu den spirituellen Dimensionen des Lebens und den sündhaften Abgründen menschlicher Existenz. Er nähert sich ihnen mit einer von ihm selbst entwickelten  Methode, die er  „Gedankenfühligkeit“ nennt, und die ihm ungeahnte Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt nicht nur der Menschen, denen er begegnet, vermittelt, sondern auch und gerade in seine eigene.

Das macht ihn in manchen Situationen zum Therapeuten und Seelsorger, bringt ihn aber keinen Meter von seinem eingeschlagenen Weg ab. Ein Weg, der ihn Kraft kostet, aber ihn sehr nah kommen lässt, dem, was Ani seit vielen Jahren beschäftigt: der Essenz des Lebens und des Leidens.

Im neuen Fall wird von Ani die spirituelle Dimension dieser Essenz ganz besonders betont. Das überraschende Ende des Buches ist meiner nach ernst gemeint und drückt eine leidenschaftliche und unzerstörbare Hoffnung aus auf gelingendes und versöhntes Leben, auch nach dem Tod.


Die hier vorliegende gekürzte Lesung, die von dem Schauspieler August Zirner hervorragend eingespielt wurde, fasziniert durch ein erstaunliches Gespür für Anis mannigfaltigen Zwischentöne und hat die Tiefen des Buches und der Persönlichkeit von Jakob Franck sensibel eingefangen.





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eifel, staudamm, urft

Am Grund des Universums

Norbert Scheuer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 29.08.2017
ISBN 9783406711794
Genre: Romane

Rezension:



Mit „Überm Rauschen“, das 2009 erschien und auf der Shortlist für den Deutschen Buchkreis stand, hat der in der Eifel lebenden Schriftsteller Norbert Scheuer seine Leser zum ersten Mal in die leise und verborgene Welt eines Eifeldorfes namens Kall entführt und über seine Bewohner, ihre Beziehungen, ihre Geschichte und ihre Sehnsüchte geschrieben.

Mit „Peehs Liebe“ und „Die Sprache der Vögel“ folgte ein weiterer Roman über Kall, ein Buch, das einen treffen kann dorthin, wo man selbst klein und verletzlich, unverstanden und belacht, schwach und unscheinbar ist. Ein Buch, das mit einer faszinierende Sprache von der ersten Seite an Poesie in die Seele des Lesers zaubert, von der er lange zehrt. Und es ist Ausdruck einer Haltung, die Norbert Scheuer an einer Stelle des Buches so ausdrückt: „Vielleicht hat das Leben nur den Sinn, dass man am Ende jemandem eine Geschichte erzählt.“

Der in „Die Sprache der Vögel“, seinem dritten Dorfroman in Afghanistan kämpfende und dort schwer verletzte Vogelforscher Paul Arimond ist im vorliegenden Band genauso nach Kall zurückgekehrt, wie der ehemalige Betriebselektriker des Zementwerkes Lünebach. Er will ein Raumschiff bauen und bis ans Ende des Universums fliegen.

Der Erzählbogen reicht von der Rückkehr Pauls 2006 bis zum Jahr 2014 und beschreibt eine stille Liebes- und Alltagsgeschichte. Im Hintergrund geht es immer um eine Welt verschollener Dinge und Geheimnisse. Eine Gruppe von alten Männer, die er „die Grauköpfe“ nennt, trifft sich jeden Tag im Cafe und beobachten das Dorfgeschehen und geben ihre eigenwilligen Kommentare dazu ab.  Besonders kritisch und stellenweise auch schadenfreudig kommentieren sie die sehr schleppenden Versuche, durch die Erweiterung des Stausees ein Ferienpark zu errichten und Touristen nach Kall zu locken. Nicht die einzige Veränderung ist das allerdings, die im Dorf vor sich geht. Norbert Scheuer erzählt vom Leben unterschiedlichster Menschen, die Debatten um den Stausee sind sozusagen das Zentrum, um das er sie alle anordnet. Er erzählt von ihnen mit leisen Tönen, unspektakulär beschreibend und mit einer wunderschönen poetischen Sprache, die mich bei den früheren Büchern schon in den Bann  gezogen hat.

Der Roman besteht aus vielen kleinen, meist nur drei Seiten umfassenden Geschichten, ein „Reigen aus unendlich vielen vergessenen Geschichten", wie Scheuer in einer Danksagung schreibt. „Vielleicht kann man sagen, das unser Leben auch nur ein Reigen, aus unendlich vielen vergessenen Geschichten ist.“

Vielleicht deshalb lösen Scheuers Geschichten und seine Sprache beim begeisterten Rezensenten eine Art Wärme aus, die ihm eine ganz besondere Wertschätzung für die sonst unsichtbaren und vergessenen Aspekte seines eigenen Lebens und des Lebens insgesamt nahebringt.


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