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Yeni Türkiye - Die neue Türkei

Ali Cem Deniz
Buch: 216 Seiten
Erschienen bei Promedia, 29.09.2016
ISBN 9783853714126
Genre: Sachbücher

Rezension:



Ali Cem Deniz, ein 1988 geborener und in Österreich lebender Türke versucht in seinem hier vorliegenden Buch für alle, die sich für die aktuellen Vorgänge in der Türkei interessieren bzw. besorgt darüber sind, zunächst einmal historische Informationen zu vermitteln und beschreibt die Geschichte der Türkei von der sogenannten „neuen Türkei“, wie sie in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kemal Atatürk vorschwebte mit seinem auf das Militär gestützten Laizismus bis hin zu der „neuen Türkei“, wie sie Recep Tayyip Erdogan schon vor und erst recht nach dem Putsch vom 15. Juli 2016 autoritär umsetzt.

Er verweigert sich den herkömmlichen Gegensätzen, mit denen die Türkei und ihre Gesellschaft auch bei uns oft beschrieben werden. Jenseits von rechts und links, laizistisch und islamistisch, modern und traditionell beschreibt er, sich auf viel türkische Quellen stützend, die Neuerfindung der Türkei unter Erdogan.

Wo er selbst dabei steht, ist mir allerdings nicht ersichtlich geworden. Die alevitischen Türken jedenfalls bei uns im Ort sind ausnahmslos der Meinung, der Putsch sei von Erdogan geplant worden, um seine schon lange vorbereiteten Säuberungen durchzuführen und ihm freie Bahn für seine Pläne zu geben.





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Sag mal Danke, du Frosch!

Werner Holzwarth , Daniela Kulot
Fester Einband
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 17.01.2017
ISBN 9783522458412
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Zu diesem neuen Bilderbuch haben sich mit Werner Holzwarth und Daniela Kulot zwei ausgewiesene Experten für originelle und freche Bilderbücher für Kinder zusammengetan. Sie lieben es beide, Gewohnheiten und Sprachhülsen von Erwachsenen aufs Korn zu nehmen, sie zu relativieren und die Kinder zu eigenem kritischen Denken und Verhalten einzuladen.

Hier in diesem Bilderbuch geht es um das Dankesagen. „Wie sagt man?“  Diese oft mit vorwurfsvollem Blick und spitzem Ton gestellte Frage von Eltern, Großeltern oder (un)geliebten Tanten kann jeder Erwachsene noch unangenehm in seinen Ohren rauschen hören, wenn er sich nur deutlich erinnert.

Während der Elefant und Maus sich jeweils freundlich bedanken, wenn sie etwas geschenkt bekommen, bleibt der Frosch stumm. Auch an seinem Geburtstag bedankt er sich trotz Aufforderung seiner Mutter nicht für das Geschenk der Tante. Da versuchen es der Elefant und die Maus, als Frosch ihr gemeinsames Geschenk auspacken will, mit einer paradoxen Intervention: „Du musst nicht danke sagen!“
Schaut selbst, ob sie damit Erfolg haben.

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Guck mal wie die gucken!

Werner Holzwarth , Stefanie Jeschke
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 17.01.2017
ISBN 9783522458351
Genre: Kinderbuch

Rezension:


Werner Holzwarth und Stefanie Jeschke wechseln in diesem originellen und lustigen Bilderbuch die Seiten. Denn als eine Familie mit zwei kleinen Kindern eines Tages in den Zoo kommt, um sich die verschiedenen Affengehege anzuschauen, da lassen sie die Affen und die Affenkinder ihre Eindrücke formulieren von den seltsamen Wesen, die da vor ihrem Käfig stehen und gaffen.

Herauskommen witzige Sätze und Beobachtungen, die sich genauso anhören, wenn Besucher im Zoo über Affen reden. Oder ist es etwa genau umgekehrt?

Die Illustrationen von Stefanie Jeschke geben ebenso wenig klare und eindeutige Hinweise zur Beantwortung dieser Frage wie die witzigen Texte von Werner Holzwarth. Nur am Ende wird es klarer, als die Affenmutter zu ihren Kindern sagt: „Nicht traurig sein, ihr Liebe. Morgen kommen wieder neue Menschen. Die sind bestimmt genauso lustig, glaubt es mir!“

Witzig und originell mit Spiegelvorhalteeffekt.

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Leopanther

Józef Wilkon , Piotr Wilkon
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Sauerländer, 15.01.2006
ISBN 9783794151189
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Piotr Wilkon, Jozef Wilkon, Leopanther. Eine Liebesgeschichte, Bohem 2017, ISBN  978-3-85581-539-5

Dieses zauberhaft illustrierte Bilderbuch handelt von einer eigentlich unmöglichen Liebe.  Die von Ulrike Herbst-Rosocha  aus dem Polnischen ins Deutsche übertragene Geschichte erzählt von dem kleinen Leoparden Bruno, der zu seiner ersten Jagd aufbricht. Da sieht er nach Kurzem schon zwei riesige Augen vor ihm aufleuchten. Er faucht furchterregend, doch eine lustige Stimme sagt: „Willst du mich etwa fressen? Ich heiße Lisa. Und du?“

Lisa ist ein schwarzes Panthermädchen, schwarz wie die Nacht und wunderschön. Bruno ist hingerissen und deshalb vergisst er nach einer ersten zarten Unterhaltung und der Verabredung sich morgen wieder zu treffen, einen Treffpunkt auszumachen. Schnell findet er sie am nächsten Tag und eine wunderbare Zeit beginnt für die beiden, mit treffen an jedem Abend. Bruno sehnt sich danach, Lisa einmal zu berühren doch er traut sich nicht. Als er andere Freunde erwähnt, ist Lisa eingeschnappt und verschwindet mit den Worten: „Dann lass mich doch in Ruhe und geh zu deinen Panther-Freunden!“

Nächtelang durchstreift Bruno den Dschungel auf der Suche nach Lisa und wird dabei von anderen Tieren unterstützt. Seine Mutter spürt, dass ihn etwas quält und sie erklärt ihm das für ihn unverständliche Verhalten Lisas: „Weil sie dich mag.“

Als sie sich wieder begegnen tut sich ein tiefer Abgrund zwischen ihnen auf, doch mit einem mutigen Sprung überwindet Bruno dieses Hindernis. Als Lisa zu weinen beginnt, weil sie glaubt, schwarze Panther und Leoparden seine zu unterschiedlich um sich liebzuhaben, da „drückte Bruno sie, ohne lange nachzudenken fest an sich. Und sie spürten, wie lieb sie sich hatten.“

Wie die Geschichte wohl weitergeht? Am Ende des berührenden Bilderbuchs werden die Kinder eingeladen, sie weiter zu erzählen.



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Der kleine Bär braucht eine Brille

Bernd Penners , Christine Faust
Pappbuch
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 02.01.2017
ISBN 9783473436101
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Dem kleinen Bär in diesem schönen Bilderbuch, zu dem Bernd Penners den Text und Christine Faust lustige Illustrationen beigesteuert haben geht es so, wie so manchem Kind in frühem Alter. Er kann nicht gut sehen und damit das irgendwann wieder besser wird mit seinen Augen muss eine Brille her. Doch die Brille des Hundes, der ihm helfen will, ist ihm zu bunt und die der ebenfalls hilfsbereiten Maus viel zu klein.

Er braucht also eine eigene. Hase, Kuh und Schwein wollen helfen, aber irgendwas passt dem Bär immer nicht. Da kommt das kleine Kind ab zwei Jahren, dem dieses schöne Buch vorgelesen wird gerade recht und kann dem kleinen Bär mit den dem Buch beiliegenden abwaschbaren und immer wieder verwendbaren Spielbrillen helfen und ausprobieren, wem welche Brille nach seinem Geschmack am besten steht.

Ein lustiger Spielspaß auch für Kinder ab zwei Jahren, die (noch) keine Brille tragen müssen.

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Guten Morgen, kleine Straßenbahn!

Julie Völk
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Gerstenberg Verlag, 18.07.2016
ISBN 9783836959124
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Vor zwei Jahren hat sie das preisgekrönte Buch „Das Löwenmädchen“ von Kim Fupz Aakeson illustriert. Nun legt Julie Völk ein eigenes Bilderbuch vor, das ganz auf die Ausdruckskraft und die in den Bildern versteckten Geschichten ihrer Illustrationen vertraut und ganz ohne Worte auskommt.

Es erzählt den Tagesablauf einer Straßenbahn. Wer steigt da alles zu? Wer kommt mit wem in Kontakt?  Wer hat welches Ziel? Durch welche Straße und Gegenden führt der Weg der Straßenbahn und ihres Fahrers?

Kinder, die dieses Buch betrachten, können ähnlich einem Wimmelbuch zahlreiche Geschichten entdecken und selbst weiterspinnen.

Ein schönes Bilderbuch mit Illustrationen im Retrostil. So sah die Welt vor fünfzig oder sechzig Jahren aus.

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körper, vorgänge, rülps, bilderbuch, kinderbuch

Fräulein Hicks und die kleine Pupswolke

Eva Dax , Sabine Dully
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 22.08.2016
ISBN 9783789103681
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Kennt ihr die unaufhaltsamen fünf?  Nein ?  Sie sind mitten in dir drin, und sie wettstreiten darum wer von ihnen am unaufhaltsamsten ist.  Darf ich vorstellen: Professor Hatschi, der Gähn-Män, Fräulein Hicks, der Rülps und die kleine Pupswolke.

Eva Dax und Sabine Dully lassen sie einen verrückten Wettstreit miteinander ausfechten, lustig dargestellt in Wort und Bild.

Doch als sie sich, müde geworden durch den Eifer, darauf einigen:
„Keiner ist besser oder unaufhaltsamer als der andere, Jeder von ihnen ist auf seine eigene Weise unaufhaltsam. Jeder ist anders. Und das ist auch gut so.“

Da taucht noch einer auf und stört ihren Schlaf. Wer das wohl ist und wie er heißt?

Auf der letzten Seite können die Kinder nachlesen, wie die offizielle Erklärung für die Unaufhaltsamen lautet.

Ein lustiges Bilderbuch mit einer verrückten Reise durch den Körper.



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genmanipulation, elefant, obdachloser, zirkus, glowing animals

Elefant

Martin Suter
Fester Einband
Erschienen bei Diogenes, 18.01.2017
ISBN 9783257069709
Genre: Romane

Rezension:



Als der obdachlose Schoch an einem Junitag des Jahres 2016 aus seinem Rausch in seiner Höhle am Ufer der Limmat in Zürich erwacht, sieht er etwas leuchten. Ein kleines rosa Wesen, das aussieht wie ein Spielzeugelefant, streckt seinen Rüssel ihm entgegen. Er denkt, er habe einen Drehrausch und wendet sich um, um noch einmal einzuschlafen. Als er wieder aufwacht, liegt einer seiner beiden Schuhe außerhalb der Höhle und nicht an dem Platz, wo er sie immer hinstellt, und sei er noch so betrunken. Er bringt den rosa Elefanten zu Valerie, einer Tierärztin , die sich kostenlos um die Tiere der Obdachlosen kümmert, weil er, wohl durch die Butterblumen, die er ihm gefüttert hat, fürchterlichen Durchfall bekommen hat und zu sterben droht.

Schnitt. Im April, 2013 entnimmt der heruntergekommene Tierarzt Harris einem Elefantenbaby im Busch von Ceylon die Ovarien und bringt sie in einer Kühlbox auf einer langen Flugreise in die Schweiz.

Dort will der Genforscher Roux in einem Experiment einen kleinen rosa leuchtenden Elefanten züchten, mit dem er das große Geld machen will. Gut recherchiert und auf dem Stand der Wissenschaft, erzählt Martin Suter nun die spannende Geschichte, wie mit Hilfe eines Zirkus und dem dort arbeitenden burmesischen Elefantenflüsterer Kaung ein solches Wesen durch eine künstliche Befruchtung zur Welt kommt.

Er ist der Meinung, etwas so Besonderes habe etwas Göttliches und müsse unbedingt versteckt werden. Nun erzählt Martin Suter gekonnt eine immer stärker werdende Spannung aufbauend, die Geschichte, wie Sabu Barisha, wie der Elefant genannt wird, zwischen 2013 und Juni 2016 seinen Weg zu dem Obdachlosen Schoch und der Ärztin Valerie gefunden hat. Als sich die beiden Zeitstränge treffen in der Gegenwart, ist die Geschichte aber noch lange nicht zu Ende, sondern nimmt erst richtig Fahrt auf.

Martin Suter berichtet in einem Nachwort, wie ihn  ein Satz des Hirnforschers Mathias Juncker nicht mehr losgelassen habe, den er vor zehn Jahren bei einem Kongress zum Thema Alzheimer traf und der ihm sagte, es wäre gentechnisch möglich, einen winzigen rosaroten Elefanten zu erzeugen. Suter hat weiter recherchiert, sich über das Phänomen des primordialen Zwergwuchses informiert und sich über das Wesen und Verhalten von  Elefanten im Zoo Zürich kundig gemacht.

Herausgekommen ist ein typischer Suterroman, spannend geschrieben, mit einer hintergründigen Botschaft (Gentechnik und ihre Möglichkeiten), ganz besonderen Charakteren und deren Lebensgeschichte und einem überraschenden Ende.

Eine wunderbare Lektüre.


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Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

Anne-Laure Bondoux , Jean-Claude Mourlevat , Ina Kronenberger , Thomas Sarbacher
Audio CD
Erschienen bei Hörbuch Hamburg, 01.08.2016
ISBN 9783957130556
Genre: Romane

Rezension:



Dieser in Frankreich 2015 erschienene und von der erfahrenen  Ina Kronenberger ins Deutsche übersetzte E-Mail-Roman erinnert den  Leser sofort an den berühmt gewordenen Roman Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ aus dem Jahr 2006. Dennoch ist der Roman „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean Claude Mourlevat keine einfache Kopie, sondern nutzt lediglich die Form der E-Mail, in der heute tausendfach mehr Menschen miteinander kommunizieren als noch vor zehn Jahren, als ein Mittel, um auf eine unterhaltsame und auch spannende Weise zu beschreiben, wie zwei Menschen sich einander näher kommen.

Denn man kann den Roman durchaus in die Rubrik der anspruchsvollen Liebesromane einordnen. Er beginnt damit, dass der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto in seinem Briefkasten ein dickes Kuvert findet. Natürlich vermutet er, jemand habe ihm ein unverlangtes Manuskript geschickt. Weil er die prinzipiell nicht liest (obwohl er Zeit dafür hätte, denn für einen neuen Roman fällt ihm seit schon längere Zeit überhaupt nichts ein, wie wir später erfahren), will er das dicke Kuvert sofort zurückschicken. Weil aber die Absenderin, eine Adeline Parmelan, auf der Rückseite des Kuverts lediglich ihre E-Mail-Adresse hinterlassen hat, schreibt Sotto ihr eine Mail und bittet sie freundlich, aber bestimmt um ihre Adresse für die Rücksendung.

Noch am selben Tag antwortet Adeline nicht weniger freundlich und erlaubt sich darauf hinzuweisen, „dass der Inhalt des Umschlags eher außergewöhnlicher Natur ist.“ Es entwickelt sich nun in den folgenden Tagen und Wochen ein reger E-Mail-Kontakt, zu dessen Anfang sich Adeline als groß, brünett und dick beschreibt. Irgendetwas an ihrer Sprache und Direktheit fasziniert den Schriftsteller, wobei es einige Zeit dauert, bis er zunächst sich selbst und dann auch seiner Mailpartnerin dies eingestehen kann. Die Mails werden persönlicher, sie lernen sich kennen, so wie andere das tun, wenn sie die ersten Male zusammen ausgehen und sich aus ihrem Leben erzählen.

Schon bald spürt Sotto, dass er ohne diese Mails nicht mehr sein kann. Zögernd gestehen sie sich ihre Zuneigung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich treffen werden.

Doch was ist mit dem Inhalt des Kuverts, mit dem die ganze Geschichte begonnen hat? Diese Spannung wird lange aufrechterhalten, und als es endlich seinen Inhalt preisgibt, bleibt die Frage, wie es mit diesem außergewöhnlichen Liebespaar weitergehen wird.

Eine ebenso spannende wie unterhaltsame Lektüre. Ein Liebesroman ohne Kitsch mit vielfältigen Bezügen zu Themen der Literatur.

Ein siuebenköpfiges Srecherteam Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat, Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben, Deuticke 2016, ISBN 978-3-552-06325-9

Dieser in Frankreich 2015 erschienene und von der erfahrenen  Ina Kronenberger ins Deutsche übersetzte E-Mail-Roman erinnert den  Leser sofort an den berühmt gewordenen Roman Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ aus dem Jahr 2006. Dennoch ist der Roman „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean Claude Mourlevat keine einfache Kopie, sondern nutzt lediglich die Form der E-Mail, in der heute tausendfach mehr Menschen miteinander kommunizieren als noch vor zehn Jahren, als ein Mittel, um auf eine unterhaltsame und auch spannende Weise zu beschreiben, wie zwei Menschen sich einander näher kommen.

Denn man kann den Roman durchaus in die Rubrik der anspruchsvollen Liebesromane einordnen. Er beginnt damit, dass der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto in seinem Briefkasten ein dickes Kuvert findet. Natürlich vermutet er, jemand habe ihm ein unverlangtes Manuskript geschickt. Weil er die prinzipiell nicht liest (obwohl er Zeit dafür hätte, denn für einen neuen Roman fällt ihm seit schon längere Zeit überhaupt nichts ein, wie wir später erfahren), will er das dicke Kuvert sofort zurückschicken. Weil aber die Absenderin, eine Adeline Parmelan, auf der Rückseite des Kuverts lediglich ihre E-Mail-Adresse hinterlassen hat, schreibt Sotto ihr eine Mail und bittet sie freundlich, aber bestimmt um ihre Adresse für die Rücksendung.

Noch am selben Tag antwortet Adeline nicht weniger freundlich und erlaubt sich darauf hinzuweisen, „dass der Inhalt des Umschlags eher außergewöhnlicher Natur ist.“ Es entwickelt sich nun in den folgenden Tagen und Wochen ein reger E-Mail-Kontakt, zu dessen Anfang sich Adeline als groß, brünett und dick beschreibt. Irgendetwas an ihrer Sprache und Direktheit fasziniert den Schriftsteller, wobei es einige Zeit dauert, bis er zunächst sich selbst und dann auch seiner Mailpartnerin dies eingestehen kann. Die Mails werden persönlicher, sie lernen sich kennen, so wie andere das tun, wenn sie die ersten Male zusammen ausgehen und sich aus ihrem Leben erzählen.

Schon bald spürt Sotto, dass er ohne diese Mails nicht mehr sein kann. Zögernd gestehen sie sich ihre Zuneigung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich treffen werden.

Doch was ist mit dem Inhalt des Kuverts, mit dem die ganze Geschichte begonnen hat? Diese Spannung wird lange aufrechterhalten, und als es endlich seinen Inhalt preisgibt, bleibt die Frage, wie es mit diesem außergewöhnlichen Liebespaar weitergehen wird.

Eine ebenso spannende wie unterhaltsame Lektüre. Ein Liebesroman ohne Kitsch mit vielfältigen Bezügen zu Themen der Literatur.
Ein insgesamt siebenköpfiges Sprecherteam mit den beiden Schauspielern Tessa Mittelstaedt und Thomas Sarbacher in den Hauptrollen hat diese ganz besondere Liebesgeschichte auf eine ansprechende und charmante Weise in dem vorliegenden Hörbuch ungekürzt eingelesen.

Durch den permanenten Wechsle der Stimmen wird hier die Realität einer Email-Kommunikation noch plastischer als beim Lesen.





 






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Wir sind immer für Dich da

Harriet Grundmann , Marc-Alexander Schulze
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 01.06.2010
ISBN 9783815795200
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Dieses wichtige im Jahr 2010 zum ersten Mal erschienene und nun in der sechsten Auflage vorliegende Bilderbuch erzählt in einer sensiblen Geschichte von Harriet Grundmann die Geschichte von Ole und seinen Eltern. Marc-Alexander Schulze hat die Geschichte ebenso zart und feinfühlig illustriert.

OIe hat früher mit seiner Mama und seinem Papa zusammengewohnt. Es ging ihm gut, alles war in Ordnung, er hat nicht viel nachgedacht darüber. Er war glücklich mit seiner Mama und seinem Papa. Doch irgendwann waren diese beiden offenbar nicht mehr glücklich miteinander. Immer häufiger fangen sie an miteinander zu streiten, und  die großen, schwarzen Worte, die sie aussprechen, bleiben in Oles Kopf stecken.

Die Zeiten, wo sie sich vordergründig wieder versöhnt haben, werden immer kürzer und irgendwann teilen sie ihrem Sohn Ole mit, dass sie sich trennen werden, Papa ausziehen wird, und Ole alle 14 Tage ein Wochenende bei ihm verbringen wird.

Ole braucht eine Zeit; bis er sich daran gewöhnt hat. Was ihm  hilft, ist die Tatsache, dass seine Eltern ihm immer wieder versichern, wie lieb sie ihn haben. Und er spürt, da diese gemeinsame Liebe zu ihrem Kind, wird sie für immer verbinden. Das tröstet ihn.

Ein schönes Bilderbuch, das einen guten Einstieg geben kann in Gespräche von getrennten Eltern mit ihrem Kind. Der Gestalttherapeut Wolfgang Braukmann hat in einem Nachwort diese Eltern angesprochen und ihnen wertvolle Hinweise gegeben auf das, was ihre Kinder und auch sie selbst in einer solchen Lebenssituation brauchen.

Wenn Eltern ihrem Kind das Gefühl geben können „Mama und Papa haben mich beide gut im Blick“, wenn sie es schaffen , immer wieder über ihr Kind zu sprechen oder Regeln zu vereinbaren, dann können sie ihrem Kind wesentlich helfen, mit der Situation umzugehen.


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Gefrorener Schrei

Tana French , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 656 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 29.12.2016
ISBN 9783651024472
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



Tana French gehört mit ihren tiefgründigen und extrem spannenden Kriminalromanen aus der Welt der Dubliner Kriminalpolizei mittlerweile zu den bekanntesten und auch besten Kriminalautorinnen der Welt.

Ich persönlich habe ihre Bücher bislang nicht zur Kenntnis genommen, was ich nach der Lektüre ihres neuen Buches „Gefrorener Schrei“ aufrichtig bedaure.

Zugegeben: es hat einige Dutzend Seiten gedauert, bis ich mich an die lockere und wenig literarische Sprache der Ich-Erzählerin Antoinette Conway gewöhnte, dann aber konnte ich mehr und mehr begeistert eintauchen in die Mikrowelt einer Ermittlung mit sehr langen detaillierten Beschreibungen von Verhören, einer fantastischen Darstellung der Soziologie eines Dezernats und seiner Gruppendynamik und einer mehr und mehr deutlich werdenden Charakteristik einer Protagonistin, die überall und von jedem damit rechnet, dass man ihr übel mitspielen will.

Ihr Partner bei der Ermittlung, Steve Moran, der einzige, der offensichtlich noch zu ihr hält, wirft ihr das mit folgenden Worten vor: „Weil du so wild darauf bist, spektakulär unterzugehen, dass du sogar dann dafür sorgen würdest, wenn die ganze Dubliner Polizei dich lieben würde. Notfalls würdest du dich selbst in den Abgrund stürzen. Und dann kannst du dir auf die Schulter klopfen und sagen, du hast es ja von Anfang an gewusst.“

Schon die Tatsache, dass sie und Steve nach einer langen Nachtschicht vom Boss den Auftrag bekommen, den Tod einer jungen Frau aufzuklären und ihnen der erfahrenen Kommissar Breslin  zugeordnet wird, erregt ihren Verdacht. Erst recht, als offensichtlich wird, dass irgendjemand die Ermittlungen behindern will. Soll sie, die das Opfer schon einmal gesehen hat, aber sich zunächst nicht erinnert, wo und wann das war, scheitern und dann aus der Abteilung entfernt werden? Ist ein Kollege in die Tat verwickelt?

Mit jeder Seite wird dieser für einen Kriminalroman mit 652 Seiten ordentlich dicke Fall spannender und verzwickter. Immer wieder mit außergewöhnlich dringlicher Sprache eine enorme atmosphärische Dichte herstellend, jagt Tana French ihren Leser durch diesen Fall. Immer wieder neue Fäden werden ausgelegt und verfolgt, verworfen  und dann wieder neu verwoben, sodass die Spannung unerträglich wird. Und auch die Frage, ob es Antoinette Conway gelingen wird, einen neuen Zugang zu ihrem Beruf und ihren Kollegen zu finden.

Sehr zu empfehlen. Tana Frenchs nächstes Buch werde ich nicht mehr übersehen.

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ch: niveau 2016, kauzigkei, individuen, lebensglück

Menschenseele

Véronique Bizot , Tobias Scheffel , Claudia Steinitz
Fester Einband: 146 Seiten
Erschienen bei Steidl, 23.05.2016
ISBN 9783958291362
Genre: Romane

Rezension:



Veroniques kurze Romanen ähneln Novellen. So wie in ihren bisherigen Werken legt sie auch in „Menschenseele“, ihrem neuen, in Frankreich 2014 erschienenen Roman, den inhaltlichen und auch sprachlichen Fokus auf Figuren, die vorsichtig gesprochen eher seltsam sind, nicht hineinpassen in die Welt, sich mit ihrem Leben und Handeln geradezu dagegen sperren. Sie scheinen einfach nicht hineinzupassen.

Da ist der namenslose Ich-Erzähler, der nicht spricht und von seiner Umwelt als geistig behindert angesehen wird. Zusammen mit seinem älteren Bruder lebt er in den französischen Bergen auf einem alten, verfallenen Hof. Sie befinden sich in einer „Haltung unbestimmten Wartens“, wie Bizot das nennt.

Sie haben nur mit zwei anderen Menschen wirklichen Kontakt, dem misanthropischen Theaterautor Adrien Fouks und dem geheimnisvollen Montoya. Der von seinem Bruder total unterschätzte Erzähler nennt Montoya einen Mann, der „eine recht verblüffende Zahl von Sprachen beherrschte, sehr dünne jamaikanische Zigarren rauchte und dass er, auch wenn er zumindest vorerst scheinbar nichts mit der Welt zu tun haben wollte, ihre Regeln offenbar kannte.“

Die vier treffen sich regelmäßig, sprechen über manches, über vieles aber schweigen sie. Auch als sie miteinander nach Turin reisen, bleibt in stiller Rätselhaftigkeit, was mir als Leser schon nach den ersten Seiten als immer lautere Frage aufkam:  was will Veronique Bizot mit ihrem poetisch und literarisch sehr anspruchsvollen Text überhaupt ausdrücken?

Der Roman bleibt genauso geheimnisvoll dunkel, wie seine Figuren.



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italien, krimi

Die Zeitungsfrau

Veit Heinichen
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492057585
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



Wohl in keiner anderen Region des nach 1989 zusammenwachsenden Europas kann man die aufeinanderprallenden Gegensätze zwischen den ehedem westlichen und den osteuropäischen, ehemals staatssozialistischen Staaten und die daraus entstehenden neuen Konflikte und Widersprüche besser spüren und beobachten als in Triest, der Heimat der mittlerweile auch einem großen deutschsprachigen Fernsehpublikum bekannt gewordenen Commissarios Proteo Laurenti.

Sein Schöpfer Veit Heinichen hat ihn in den Jahren seit seinem  ersten  Buch 2001 mit dem vorliegenden in insgesamt neun Bänden an Kriminalfällen arbeiten lassen, die alle in diesem historisch bewegten Spannungsfeld angesiedelt waren. Oft waren Heinichens Bücher regelrecht lehrreich, denn er hat seine aktuellen Fälle immer wieder eingebettet in aktuelle politische Zusammenhänge und verbunden mit vielen aufschlussreichen Hintergrundinformationen über deren historische Entstehung in einer Gegend Europas, die auch schon in früheren Zeiten bestimmt war von der Vielfalt von verschiedenen Völkern, Sprachen und Kulturen.

In seinem neuen Fall nach dem Wechsel des Autors von Zsolnay zu Piper hat mir das, obwohl es durchaus aktuelle politische Bezüge gibt, wie schon beim letzten Band ein wenig gefehlt.

In seinem neuen Fall für Proteo Laurenti spannt Veit Heinichen den Bogen über ein Viertel Jahrhundert. 1991, der Commissario war noch ein junger Beamter, hatte er zu tun mit eine Diego Colombo, einen italienisch-stämmigen Argentinier, der um dem Falklandkrieg zu entgehen, in einer spektakulären Aktion, bei dem ihm die Engländer behilflich waren, auf einen Segelboot mit Zwischenstationen in Brasilien bis in den Hafen von Triest segelte, wo seine Familie herstammte.

In der Folge mausert er sich zu einem gewieften Kunsträuber, dem niemals einer auf die Spur kommen kann und der mit einem Maresciallo La Rosa krumme Geschäfte macht. 1991 kommt er bei einer Explosion im Hafen von Triest ums Leben, doch weder wird seine Yacht Esperanza, die verschwunden ist gefunden, noch irgendwelche sterblichen Überreste von ihm. Auch dass seine Frau Teresa Fonda nach seinem Tod noch zwei Kinder bekommt, die ihm wie aus Gesicht geschnitten sehen, nährt Zweifel, doch man kann ihr , die als Zeitungsfrau einen Kiosk betreibt, in dem auch Laurenti täglicher Gast ist, nichts nachweisen.

Als jedoch ein großer Raubzug im Freihafen von Porto Vecchio, bei dem wertvolle Bilder bestohlen werden, ganz deutlich Colombos Handschrift trägt, beginnt Laurenti neu zu ermitteln. Eine wichtige Rolle spielen dabei der mittlerweile pensionierte Maresciallo La Rosa, seine zwielichtige Tochter, die private Altenheime betreibt, in denen unsägliche Zustände herrschen.

De Leser wird bis zum Ende im Unklaren gelassen, ob dieser sagenhafte Diego Colombo tatsächlich noch am Leben ist (vgl. die verschwundene Yacht und die zwei weiteren Kinder), oder ob es eine ganz andere Lösung des neuerlichen Kunstraubs gibt. Das erzeugt eine wohltuende Spannung, aber ich jedenfalls hatte weite Teile des Buches über den Eindruck, dass mit seinem Commissario Laurenti auch sein Schöpfer ein wenig in die Jahre gekommen ist. Die früheren Bücher hatten mehr Pep, und mehr kritischen Gehalt.

Das vorliegende Spiel um Illusion, Wahn und Täuschung ist unterhaltsam zu lesen, ein fesselnder Krimi ist es leider nicht.


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Ben und die Wale

Ingrid Mennen , Irene Berg
Fester Einband
Erschienen bei Kunstanstifter Verlag, 01.08.2016
ISBN 9783942795463
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Dieses 2012 in Südafrika zuerst erschienene Bilderbuch besticht durch seinen zarten und poetischen Text und durch wunderbare und tief beeindruckende Illustrationen von Irene Berg. Es verbindet auf magische Weise die Trauer eines kleinen Jungen um seinen verstorbenen Großvater mit vielen Informationen über das Leben von Walen.

Es beginnt damit, dass Ben zusammen mit seinem naturkundigen Großvater auf einem Küstenpfad entlanggeht, wo er mit ihm die Wale beobachtet, die dort an der südafrikanischen Küste ihre Kälber zur Welt bringen. Einen ganzen Winter lang studieren die beiden Bücher über Wale und sie besuchen auch ein Museum. Doch dann, als es Frühsommer wird, wird der Großvater krank und stirbt.

Ben ist traurig, Es fällt ihm schwer, von Opa Abschied zu nehmen. Bens Vater spürt, was in seinem Sohn vorgeht und nimmt  ihn mit auf den Küstenpfad. Oben an dem alten knorrigen Milchholzbaum angekommen, setzten sie sich in Gras und der Vater erzählt er zählt seinem Sohn die Geschichte von einem kleinen Wal, dessen Großvater irgendwann kurz vor der Rückreise in die Antarktis an der Küste strandet und stirbt. Ben spürt, dass er Ähnliches spürt wie das Walkind in Papas Geschichte. Daher kann er sich auch mit dem Walkind identifizieren, das in den Geschichte bald wieder zusammen mit den anderen singt und sich von den Wellen in seine Heimat tragen lässt.
„Du wirst auch deinen eigenen Weg finden“, sagt der Vater zu seinem Sohn, „und du wirst die Zeit mit Opa in guter Erinnerung behalten wie die schönsten Bilder in deinen Lieblingsbüchern.“

Ich bin sicher, dass dieses wunderbare Bilderbuch zu einem Lieblingsbuch werden kann für die Kinder, denen man es schenkt, denn seine faszinierenden Bilder gehen einem nicht aus dem Sinn.

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2017 Jahrbuch rechte Gewalt

Andrea Röpke
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 10.01.2017
ISBN 9783426789049
Genre: Sachbücher

Rezension:



Andrea Röpke ist eine mutige Journalistin, die seit Jahren sich mit ihrer aufklärerischen Arbeit und ihrem beeindruckenden Engagement der immer mehr zunehmenden rechten Gewalt in unserem Land entgegenstellt. Es ist eine beängstigende Entwicklung, die sie für das vergangene Jahr 2016 konstatiert.

Hatten die Gewalttaten durch rechtsextreme Täter schon in der vergangenen Jahren jährlich zugenommen, sind sie durch den Zustrom von Flüchtlingen in großer Zahl geradezu explodiert.

Andrea Röpkes Recherchen beschreiben nicht nur die Hetze und die Mobilisierung rechter Gewalttäter in den „sozialen“ (ich finde sie zunehmend asozial) Netzwerken, sondern sie zeigt auch die Verbindungen auf zwischen  Hooligans und Pegida.

Das Jahrbuch ist chronologisch geordnet und berichtet von rechten Gewalttaten seit dem Oktober 2015 bis zum September 2016. Es ist nicht nur die rasant gestiegene Summe der Gewalttaten, sondern auch die zunehmende Selbstverständlichkeit, mit der die Öffentlichkeit darauf mit rituellen Formeln reagiert, die beängstigend ist.

Und die weitere Entwicklung lässt nicht hoffen. Andrea Röpke befürchtet für 2017 eine nochmals steigende rechte Kriminalität.

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schriftsteller, frankreich, liebe, email, briefroman

Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

Anne-Laure Bondoux , Jean-Claude Mourlevat , Ina Kronenberger
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.07.2016
ISBN 9783552063259
Genre: Liebesromane

Rezension:



Dieser in Frankreich 2015 erschienene und von der erfahrenen  Ina Kronenberger ins Deutsche übersetzte E-Mail-Roman erinnert den  Leser sofort an den berühmt gewordenen Roman Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ aus dem Jahr 2006. Dennoch ist der Roman „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean Claude Mourlevat keine einfache Kopie, sondern nutzt lediglich die Form der E-Mail, in der heute tausendfach mehr Menschen miteinander kommunizieren als noch vor zehn Jahren, als ein Mittel, um auf eine unterhaltsame und auch spannende Weise zu beschreiben, wie zwei Menschen sich einander näher kommen.

Denn man kann den Roman durchaus in die Rubrik der anspruchsvollen Liebesromane einordnen. Er beginnt damit, dass der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto in seinem Briefkasten ein dickes Kuvert findet. Natürlich vermutet er, jemand habe ihm ein unverlangtes Manuskript geschickt. Weil er die prinzipiell nicht liest (obwohl er Zeit dafür hätte, denn für einen neuen Roman fällt ihm seit schon längere Zeit überhaupt nichts ein, wie wir später erfahren), will er das dicke Kuvert sofort zurückschicken. Weil aber die Absenderin, eine Adeline Parmelan, auf der Rückseite des Kuverts lediglich ihre E-Mail-Adresse hinterlassen hat, schreibt Sotto ihr eine Mail und bittet sie freundlich, aber bestimmt um ihre Adresse für die Rücksendung.

Noch am selben Tag antwortet Adeline nicht weniger freundlich und erlaubt sich darauf hinzuweisen, „dass der Inhalt des Umschlags eher außergewöhnlicher Natur ist.“ Es entwickelt sich nun in den folgenden Tagen und Wochen ein reger E-Mail-Kontakt, zu dessen Anfang sich Adeline als groß, brünett und dick beschreibt. Irgendetwas an ihrer Sprache und Direktheit fasziniert den Schriftsteller, wobei es einige Zeit dauert, bis er zunächst sich selbst und dann auch seiner Mailpartnerin dies eingestehen kann. Die Mails werden persönlicher, sie lernen sich kennen, so wie andere das tun, wenn sie die ersten Male zusammen ausgehen und sich aus ihrem Leben erzählen.

Schon bald spürt Sotto, dass er ohne diese Mails nicht mehr sein kann. Zögernd gestehen sie sich ihre Zuneigung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich treffen werden.

Doch was ist mit dem Inhalt des Kuverts, mit dem die ganze Geschichte begonnen hat? Diese Spannung wird lange aufrechterhalten, und als es endlich seinen Inhalt preisgibt, bleibt die Frage, wie es mit diesem außergewöhnlichen Liebespaar weitergehen wird.

Eine ebenso spannende wie unterhaltsame Lektüre. Ein Liebesroman ohne Kitsch mit vielfältigen Bezügen zu Themen der Literatur.






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regen, mädchen, neubeginn, verlust, freundschaft

Für immer Freunde

Roald Kaldestad , Nora Pröfrock , Björn Rune Lie
Flexibler Einband: 48 Seiten
Erschienen bei Die Gestalten Verlag, 20.09.2016
ISBN 9783899557725
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Da, wo der namenslose Junge in diesem feinen Bilderbuch lebt, regnet es an 269 Tagen im Jahr. Und immer dann, wenn es regnet, vermisst er seine beste Freundin am meisten. Lena hieß sie und irgendwann ist sie mit ihrer Mutter weggefahren. Sie sind in die Stadt gezogen.
Er vermisst sie sehr. Sie schickt ihm Päckchen und Nachrichten, was ihn immer wieder neu an gemeinsame erlebte Tage und Abenteuer denken lässt.  Er sucht die Orte auf, an denen sie gemeinsam gespielt und gelacht haben. „Mit ihr hatte er immer das Gefühl, etwas Gutes würde geschehen.“

Eines Tages trifft er ihre Mutter, die das Haus wohl für den Verkauf vorbereitet und erfährt, dass es Lena gut geht. Das macht ihn froh. Und als kurz darauf eine Familie mit einem Mädchen und einer Katze in das Nachbarhaus einzieht, da spürt er, dass er bereit ist für eine neue Freundschaft.

Björn Rune Lie hat mit seiner Illustrationen die zunächst sehr traurige Verfassung des Jungen ebenso gut eingefangen, wie er dessen Welt zunehmend heller werden lässt.

Das Buch thematisiert das Thema Veränderung und wie man mit ihnen umgehen kann. Kinder sind in der heutigen sehr mobilen Welt oft davon betroffen, dass gute Freunde während ihrer Kindergartenzeit wegziehen und sie verlassen.

Für sie und ihre Eltern, die ihnen verständnisvoll helfen wollen, mit diesen Veränderungen umzugehen, hat Roald Kaldestad die zuerst in Norwegen erschienene Geschichte geschrieben.

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Psychotherapie-Leichtfaden

Claudia Christ , Ferdinand Mitterlehner
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Schattauer, 01.06.2015
ISBN 9783794530700
Genre: Sachbücher

Rezension:



Ihr Buch „Männerwelten. Männer in Psychotherapie und Beratung“, das 2013 ebenfalls bei Schattauer erschien, war so etwas wie ein  Meilenstein für das Verständnis einer immer größeren Gruppen von Klienten der Psychotherapie, den Männern.

Nun legen die beiden erfahrenen Therapeuten Claudia Christ und Ferdiand Mitterlehner ein neues Buch für professionelle Therapeuten vor, dem sie den Titel „Lei(ch)tfaden“ gegeben haben. Es geht darum, wie ausgebildete und auch durchaus erfahrene Therapeuten schwierige Situationen in der Therapie gut und professionell meistern können.

Sie verwenden dabei das Bild der Therapie als einem Wanderweg, den der Therapeut mit dem Patienten geht. In insgesamt 36 sogenannten „Fallvignetten“ beschreiben sie unterschiedliche Fragestellungen, die sie therapeutische Stolpersteine nennen. Jeden Fall beleuchten sie unter drei Fragestellungen ausführlich:
•    Blickwinkel Patient
•    Blickwinkel Therapeut
•    Blickwinkel Theorie und Methodik

Für junge aber auch für erfahrene Therapeuten ist dieser Band sicher ein sehr hilfreiches Buch.

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Munkeln im Dunkeln

Daniela Kulot , Daniela Kulot
Fester Einband: 32 Seiten
Erschienen bei Thienemann ein Imprint der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, 19.08.2016
ISBN 9783522458252
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Daniela Kulots Bilderbücher sind für eine große Fangemeinde aus Kindern und vorlesenden Eltern oder Erzieherinnen wegen ihres fröhlichen und eigenwilligen Humors in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland zu großer Beliebtheit gelangt. Oft in lustigen Reimen verfasst, bestechen sie vor allen Dingen durch ihre witzig und originell gezeichneten Figuren.

So auch im hier vorliegenden neuen Buch, in dem Hermine Hase und Ringo Regenwurm bei Baldo Bär übernachten und schon vor dem Schlafengehen allerlei spannende und lustige Dinge miteinander erleben.

Doch nachdem Papa Bär nach eine Gutenacht-Geschichte das Licht ausgemacht hat, munkeln sie in Dunkeln und entdecken ein Gespenst.
Doch wenn sich einer im Dunkeln fürchtet, dann halten die drei Freunde erst recht zusammen…

Ein witziges Bilderbuch, das sich hervorragend eignet als Gute-Nacht-Buch.

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Die Nacht, die Deutschland veränderte

Gerhard Voogt , Christian Wiermer
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei riva, 12.12.2016
ISBN 9783742301895
Genre: Sachbücher

Rezension:



Das vorliegende Buch über die Silvesternacht 2015 in Köln, die in Deutschland einen regelrechten Schock ausgelöst hat und mannigfaltige Strategien der Verdrängung des Geschehenen und seiner Ursachen und Folgen an den Tag brachte, war wohl gerade im Druck oder in der Auslieferung, als am 31.12.2016 in Köln nur durch ein so vorher noch nicht erlebtes massives Aufgebot an Polizei eine Wiederholung verhinderte. Große Gruppen von nordafrikanischen jungen Männer kamen gezielt in die Domstadt um zu provozieren. Doch die Art und Weise, wie insbesondere die Vorsitzende der Grünen, Peter, den Polizeieinsatz als „racial profling“ denunzierte, erinnert sehr stark an die Verharmlosungen zu Beginn des Jahres 2016, als von vielen Grünen, Linken und Feministinnen die sexuellen Übergriffe mit Hinweisen auf das Oktoberfest relativiert wurden und die Opfer (Frauen!!) damit erneut verhöhnt wurden.

Vieles, was in dieser Nacht geschah, eine „Nacht die Deutschland veränderte“ kam erst nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit. Die Angst vieler Verantwortlicher und Medien, es könnte das Ende der Willkommenskultur einläuten und Wasser auf die Mühlen der AfD sein, war groß. Tatsächlich aber haben der Umgang und die laschen und verharmlosenden Reaktionen auf das Geschehen den rechten Populisten erst recht Auftrieb gegeben.

In diesem Buch haben Christian Wiermer und Gerhard Voogt detailliert aufgelistet und beschrieben, was man heute ein Jahr danach über die damaligen Vorgänge weiß. So kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden.
Sie legen genau dar, wie groß das Versagen des Staats tatsächlich gewesen ist und welche Folgen das hatte: für die Opfer, die Täter, für ein ganzes Land.


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99 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

freundschaft, neapel, roman, studium, italien

Die Geschichte eines neuen Namens

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.01.2017
ISBN 9783518425749
Genre: Romane

Rezension:


Die Geschichte zweier ungewöhnlicher Frauen aus Neapel geht weiter. Die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft, wie sie nur unter Frauen möglich ist.
Eine Freundschaft, die seit Kindesbeinen bestimmt ist nicht nur von gegenseitiger Liebe und Wertschätzung, sondern immer wieder auch von Konkurrenz, Neid und Missgunst.

Elena Ferrante erzählt von den Jugendjahren der beiden Freundinnen Elena und Lila, wobei der Fokus dieses Mal sehr stark auf dem Schicksal von Lila liegt, die aus ihrer unglücklichen und früh geschlossenen Ehe(damit endete der Band 1) flieht und am Ende fast zugrunde geht als ausgebeutete Arbeiterin, die mit ihrem neuen Partner und ihrem Kind in einem regelrechten Loch lebt.

Elena hingegen geht mit einem Stipendium nach Pisa, wo sie eine Beziehung mit einem Mitstudenten hat und auch in ihren Leistungen recht erfolgreich ist, ja, sie entwickelt sich geradezu zu einer Vorzeigeschülerin. Dennoch spürt sie immer wieder, dass sie anders ist als ihre Kommilitonen. Sie hat eben nicht den gebildeten Stallgeruch der wohlhabenden Schichten, aus denen die meisten Studenten stammen. Immer wieder kommt sie sich dumm vor und glaubt, nur durch viel Fleiß dieses von ihr als beschämend erlebte Manko ausgleichen zu können.

Gleichzeitig muss sie, wenn sie in den Ferien nach Hause zurückkehrt, erleben, dass ihre Bildung, ihre Leistungen und Abschlüsse dort, wo sie herkommt, nichts zählen. Ja, sie entfremden sie regelrecht von dem, was sie dereinst als ihre Heimat bezeichnete.

Entfremdet ist auch ihre Beziehung zu Lila, zu der sie lange keinen wirklichen Kontakt hat und der es richtig dreckig geht. Sie spürt, dass ihre Liebesbeziehung zu dem jungen Studenten keine wirkliche Zukunft hat, als sie am Ende des Buches überraschend einem Mann gegenübersteht, den sie schon fast vergessen hatte…

Perfekte Spannung für den dritten Band, der im Frühjahr 2017 erscheinen wird.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Suchbild mit Katze

Peter Henisch
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 26.09.2016
ISBN 9783552063273
Genre: Biografien

Rezension:



Der neue sehr stark autobiographisch geprägte Roman  von Peter Henisch knüpft wie ein weiterer Teil einer mehrbändigen Familiengeschichte an an seine beiden Romane „Die kleine Figur meines Vaters“ (1975) und „Eine sehr kleine Frau“ (2007).

Er gibt seinen Erinnerungen an seine Kindheit einen Rahmen, der ihn immer wieder in seinen unterschiedlichen Wohnungen, in denen er als Kind lebte und die er später mit seinen Partnerinnen teilte, an einem Fenster sitzend, neben sich seine jeweilige Katze, träumend hinaus in die Welt schauen lässt.

Er erinnert sich an seine Familie, nimmt in etlichen (fiktiven?) Gesprächen mit einer Journalistin immer wieder Bezug auf schon in anderen Büchern Beschriebenes aus seinem Leben.

Das, was ihn eigentlich sein ganzes Leben beschäftigte, das, was er in zahllosen Büchern, die alle einen mehr oder weniger autobiographischen Bezug haben, beschrieben hat, dem er sich in immer wiederkehrenden Erinnerungsschleifen und Selbstreflexionen zu nähern suchte, sind Fragen:
„Woher kommen wir, wohin gehen wir, was wird aus uns werden? Wer sind wir, wer waren wir, wer werden wir sein?“

Sich erinnernd, versichert er sich, dass er lebt. Sich träumend seiner Vergangenheit annähernd, verleiht er seiner Gegenwart Sinn. Er tut das mit einer vordergründig leichten Sprache, die aber, lässt man sie auf sich wirken, eine große menschliche Tiefe offenbart. Da schaut einer heiter und melancholisch zugleich auf sein Leben zurück, dessen einziger und größter Wunsch es immer war, zu schreiben und so zur Welt zu kommen.

Ein wunderbares literarisches Kleinod.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

philipp blom, roman, bei sturm am meer

Bei Sturm am Meer

Philipp Blom
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 25.07.2016
ISBN 9783552057937
Genre: Romane

Rezension:



Seinen nunmehr dritten Roman hat der in Wien lebende gebürtige Hamburger Philipp Blom hier vorgelegt. Es erzählt sprachlich anmutig und ambitioniert die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg, eine Geschichte von zerplatzten Träumen und lebenslangen Lügen.

Ben heißt die 44- jährige Hauptfigur dieser durchaus spannenden Familiengeschichte voller Täuschungen  und Selbsttäuschungen. Er befindet sich in Amsterdam. Dorthin ist er gegen den Widerstand seiner Frau gereist, um dort die Urne seiner verstorbenen Mutter Marlene zu bestatten. Aber weil die Urne irgendwo auf ihrem Postweg verschollen ist, muss er mehrere Tage warten. Er nutzt diese Zeit, um seinem vierjährigen Sohn Ben einen Brief zu schreiben, den dieser lesen soll, wenn er erwachsen geworden ist. Für Ben selbst wird dieser Brief zu einer erschütterten Reise zu sich selbst:
"Ich will Dir alles erzählen und kann nur hoffen, dass du, wenn du in meinem Alter bist, selbst genug gelebt und gesehen hast, um jemanden zu verstehen, der gerade am Punkt des Scheiterns steht, der Protagonist einer absurden und improvisierten Familienkomödie."

Immer wieder taucht eine Metapher auf, die für seine eigene Lebenswahrnehmung gilt, wie auch für die seiner Großmutter Elly und seiner Mutter Marlene, das Gefühl „bei Sturm am Meer“, übrigens auch der Titel eines Gemäldes, das bei seiner Mutter in der Wohnung hing.

Ben hat all die Jahre seines Lebens seiner Mutter geglaubt, die ihm erzählte, sein Vater sei als Spiegelreporter in Kolumbien verschwunden. Ob entführt oder umgebracht, bleibt unklar, aber sie lässt ihn für tot erklären. Doch Ben findet in der Unterlagen seiner verstorbenen Mutter Hinwies die ihn zu einer Frau führen, die die wahre Geschichte kennt und sie ihm auch ausführlich erzählt, als er sie aufsucht.

Die Lebenslügen, die hier zum Vorschein kommen, stellen Bens ganzes bisheriges Leben in Frage und es bleibt ihm keine andere Wahl, als sich ihnen zu stellen. Doch er selbst spürt mehr und mehr, dass er dazu neigt, sich beim Aufschreiben seiner Geschichte an seinen Sohn selbst etwas vorzumachen, die Lebenslügen seiner Eltern zu wiederholen.

Ob ihm das gelungen wird, ob er sein Leben und seine Ehe und sein Familienleben noch einmal auf die Reihe bekommen wird, lässt Philipp Blom offen.

Weil Blom die Vergangenheit häppchenweise und sukzessive für Ben und somit auch für den Leser offenlegt, ist der Roman spannend zu lesen. Und er fordert heraus. Wie sieht es in deinem eigenen Leben aus? Wie hast du dir es zurechtgelegt, welche Phasen und Geschehnisse lässt du liebe im Dunkeln?

Eine gekonnt und mit frischer Sprache erzählte Geschichte.




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iRules

Janell Burley Hofmann
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Bananenblau, 18.10.2016
ISBN 9783942334723
Genre: Sachbücher

Rezension:



Smartphones, Tablets und PC`s sind schon seit vielen Jahren aus der Lebenswelt von Kindern nicht mehr wegzudenken. Immer früher bekommen Kinder ihr erstes Gerät. Und es zeigt sich, dass ein frühes Training an den PC`s auch sinnvoll ist, denn schon im ersten Jahr an der weiterführenden Schule müssen sie damit umgehen können, denn viele Aufgaben und Übungen sind nur zu schaffen, wenn man digital alphabetisiert ist.

In vielen Familien helfen mittlerweile die Kids ihren Eltern, wenn bei deren Geräten irgendetwas nicht funktioniert oder sie nicht wissen, wie sie was tun müssen.

Die Aufgeregtheit über den Nutzen und den Schaden von Handys und PC`s hat nachgelassen und auch die Weckrufe von Prof. Spitzer nehmen in ihrer Übertreibung viele schon lange nicht mehr ernst.

Dennoch bleiben Risiken für junge Menschenkinder, wenn sie sich in der Welt des Internet bewegen. Als die Autorin des vorliegenden Buches, ihrem 13- jährigen Sohn an Heiligabend ein IPhone einpackt, da stellen sich ihr viele Fragen, Fragen, die viele andere Eltern auch bewegen.

Und sie schreibt sie auf, die IRules, die sie in einer Art Vertrag mit ihrem Sohn zusammen vereinbart und stellt sie selbst ins Internet. Der ungeahnte Erfolg dort lässt sie ihre IRules zu einem umfangreichen Buch ausarbeiten, das Bananenblau in einer deutschen Übersetzung vorlegt.

Unzählig viele Tipps gibt sie anderen Eltern, verrät ihnen, „was sie über Selfies, Sexting und Gaming wissen müssen“ und hilft ihnen beim Erreichen des Ziels, das Gleichgewicht zwischen Digitalisierung und menschlichen Beziehungen beizubehalten.

Das Buch belehrt nicht, es nimmt betroffene Eltern mit in eine Welt, in die sie ihren Kindern oft nicht mehr folgen können, hilft ihnen zu verstehen und gibt ihnen dennoch die nötige elterliche Autorität zurück. Auch Themen wie Cyber-Mobbing und Internetsex werden ausführlich behandelt.

Bei allen Details leidet das Buch aber an einem für einen praktischen Ratgeber zu großen Umfang.


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Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten wunderbar geborgen

Udo Hahn
Buch
Erschienen bei Butzon & Bercker, 01.09.2016
ISBN 9783766622914
Genre: Sachbücher

Rezension:



Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten“ ist ein beeindruckendes Zeugnis der Stärke, des Mutes und der Selbstlosigkeit. Geschrieben kurz vor seiner Ermordung in der aussichtslosen Situation der Haft als Weihnachtsgruß an seine Familie, wurde es zum Ausdruck beispielloser Hoffnung und Kraft für viele Menschen.

Der Leiter der Ev. Akademie in Tutzing, Pfarrer Udo Hahn hat mit dem vorliegenden kleinen Büchlein mit eigenen Gedichten, Gebeten und Reflexionen diesen reichen Gedankenschatz von Dietrich Bonhoeffer für heutige Leser aufgeschlossen und erfrischend lebendig und ermutigend interpretiert.

Auch in diesem Jahr an Weihnachten ist mir deutlich geworden, was Udo Hahn an einer Stelle des Buches so formuliert:
„Die Liebe Gottes ist der Gegenentwurf zu Chaos und Tod.“

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