Leserpreis 2018

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

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Vier Stern Stunden

Daniel Glattauer
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 13.09.2018
ISBN 9783552063785
Genre: Romane

Rezension:

Die Erwartungen


Ich habe dem neuen Glattauer mit Sehnsucht entgegengeblickt. Nachdem mich schon viele seiner bisherigen Bücher begeistert hatten (ich zähle sechs Stück im Regal), freute ich mich darauf, auch die Vier Stern Stunden zu meiner Sammlung zählen zu dürfen. Dennoch habe ich von den hundert Seiten im Drehbuchformat nur so viel erwartet, wie hundert Seiten eben tragen können: Kurzweilige Unterhaltung mit dem üblichen Charme und Witz, wie ich es von Glattauer gewohnt bin.

Die Meinung

Glattauer ist ein Meister des Zwischenmenschlichen und begabt im Umgang mit Worten, wie sich auch in Vier Stern Stunden zeigt. Ich habe mich an einem gemütlichen Sonntagnachmittag mit dem Büchlein amüsiert, und es entsprach all meinen Erwartungen. Durch den gewählten Stil kommen die Dialoge zwischen dem ausgeleierten Schriftsteller, seiner aufgedrehten Outdoor-Blogger-Freundin, einer etwas verklemmten Bewunderin und dem unglücklichen Chef des Hotels ungebremst aufs Papier, während es gleichzeitig eine natürlich subtile Überspitztheit erlaubt, die seinen Werken den typischen Witz einflössen. Charaktere und Humor sind wie erwartet durch und durch Glattauer. Eine gelungene, kleine, romantische Komödie.
Trotzdem rauben Form und Länge der Geschichte gezwungenermassen einige Aspekte. Die Umgebung, die Gedankenwelt der Charaktere und nicht zuletzt der Plot werden durch die Komprimierung ins Theaterformat auf ihr Wesentliches destilliert. So bleibt meine einzige Kritik das verlorene Potenzial. Vier Stern Stunden ist das, was es sein will, und dabei so gut, wie ein hundertseitiges RomCom-Theaterstück im Kleinformat eben sein kann. Gerade bei diesem Autor finde ich aber, dass mehr eben doch mehr wäre.

Die Sterne

Vier Stern Stunden ist eine unterhaltsame Lektüre für einen ruhigen Nachmittag und wird bestimmt auch auf der Bühne (und vielleicht erneut auf der Leinwand) einige Mundwinkel in die Höhe ziehen. Für das gelungene Theaterstück, welches alle meine Erwartungen erfüllte, gibt es die zum Namen passenden Vier Sterne.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

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Zwillingsblut - Der Kampf der Zwerge

Hendrik Lambertus
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.06.2018
ISBN 9783404209101
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Erwartungen

Nachdem mich das ansprechende Cover zu einem zweiten Blick verlockt hat, habe ich mich schnell auf «tolkiensche» Fantasy mit Zwergen, Elben, Orks, Zauberern und allem, was dazu gehört gefreut. Die Art Fantasy, die mich stehts auf tolle Welten hoffen lässt, und mir gleichzeitig etwas Angst vor Seitenlangen Erklärungen über die historische Entwicklung der örtlichen Maissorte macht. Schon beim Prolog sind meine Erwartungen an die Geschichte gestiegen, in dem wir einem gefallenen Gott begegnen, der nicht nur ein tolles Worldbuilding ankündigt, sondern auch schon hier auf eine etwas komplexere Geschichte hoffen lässt. Ich bin relativ vorsichtig an das Buch heran gegangen und habe nicht zu viel von Plot, Charakteren und Schreibstil erwartet, habe diese Erwartungen im Verlauf der Geschichte aber stetig nach oben korrigiert. Am Ende vielleicht etwas zu sehr.

Die Meinung

Das Worldbuilding ist phänomenal und eindeutig das Herzstück der Geschichte. Hinter den altbewährten Elementen der Fantasy, wie den Zwergen, Elben und Orks, verstecken sich viele Auswüchse der Kreativität, die sich perfekt ihrer Umgebung anpassen. Man merkt, dass die elbischen Wälder und zwergischen Höhlen mit Liebe zum Detail geschaffen wurden, auch wenn die meisten dieser Details dem Leser (glücklicherweise) vorenthalten wurden. Das Buch vermittelt Tiefe, ohne in Seitenlange Beschriebe über den Familienstammbaum des Schankwirts abzuschweifen. Dabei ist die Welt nicht nur schön anzusehen, sondern hat stehts sehr reale Konsequenzen für unsere Helden.
Wir begleiten ein elbisches und ein zwergisches Zwillingspaar, die durch einen Orakelspruch als Retter der Welt ausserkoren zu sein scheinen und den bösen Kettenfürsten stürzen sollen. Die Charaktere sind – glaube ich – ganz gut gelungen, aber leider hatten sie kaum Zeit sich dem Leser zu offenbaren. Sie haben durchaus Persönlichkeit, die sich auch in manchen Situationen gezeigt hat, aber der drängende Plot hat beinahe ständig ihre Handlungen und ihr Denken auf eine Art bestimmt, die eine etwas generische Heldenhaftigkeit erforderte. Ich hätte mir ein paar persönlichere Momente mit den Zwillingen gewünscht. So waren es für mich mehr die Nebendarsteller, die mich faszinierten, nicht zuletzt, weil ich von ihnen nicht die gleiche Tiefe erwartete.
Die Reise der Zwillinge bis hier her war durchgehend unterhaltsam, bot einige unerwartete Wendungen und stellte unsere Helden öfters mal vor Probleme, die über «Orks mit Keulen» hinausgingen. Die Geschichte fokussiert sich ganz auf die Aufgabe der Zwillinge und kommt mit einem lobenswerten Tempo voran, trotzdem hätte ich mir noch einen oder zwei zusätzliche Handlungsstränge gewünscht, auch wenn das mehr ein Ausdruck persönlicher Präferenz als ein Kritikpunkt sein soll. Das, was das Buch macht, macht es gut. Der erste Band fühlt sich in sich abgeschlossen an (was bei Trilogien nicht ganz so einfach hinzukriegen ist), aber lässt selbstverständlich noch viele Fragen für das Kommende offen. Ich schaue dem zweiten Band mit einiger Neugierde entgegen.

Die Sterne

Das grossartige Worldbuilding und der schnell vorwärtskommende Plot machen Zwillingsblut zu einem unterhaltsamen Zeitvertreib, auch wenn den Protagonisten ein paar Charaktermomente durchaus gut getan hätten. Hendrik Lambertus hat hier ein starkes Debüt geliefert und dabei vieles richtig gemacht. Mit einem kleinen Stupser kommt das Buch bei mir auf 4 Sterne.

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151 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

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Die Gabe der Könige

Robin Hobb , Eva Bauche-Eppers
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Penhaligon, 28.08.2017
ISBN 9783764531836
Genre: Fantasy

Rezension:

Die Erwartungen

Ich tastete ich mich eher vorsichtig an das Werk, denn sowohl Klappentext, der Einstieg in die Geschichte und auch die Sprache der ersten Sätze zeigten das Muster der allzu generischen Fantasy, an der ich mir bereits einige Male die Finger verbrannt habe. So war es hauptsächlich das Versprechen des inzwischen abgelegten Titels («Der Adept des Assassinen») einen Meuchelmörder begleiten zu dürfen, der mich weiterlesen liess. Meine grösste Angst aber war, wieder einmal einen 600-seitigen Prolog zu lesen, der zwar eine schöne Welt zaubert und herrliche Charaktere vorstellt, aber keinen nennenswerten Plot vorweist und nur Fragen zu Problemen stellt, deren Antworten man sich erst im zweiten oder dritten Teil abholen darf.

Die Meinung

Das Buch gibt sich zuerst einmal Mühe, die üblichen Klischees abzudecken: Uns wird die Geschichte als die Memoiren des Protagonisten verkauft - ein namenloser Junge, der als Bastard eines Prinzen beinahe zufällig in den Adelshof stolpert. Wir begegnen Burrich, dem fürsorglichen Stallmeister, einem netten Mädchen, in das man sich verlieben könnte und einer Königsfamilie, deren charakteristischen Eigenschaften (mehr oder weniger) durch ihre Namen definiert werden. Erst die Ausbildung zum Meuchelmörder hob die Geschichte ab von der sonst so generischen Fantasy und gab der Story den von mir so verzweifelt ersehnten frischen Wind. Nach diesen anfänglichen Zweifeln stelle sich Der Plot der Geschichte aber als ganz in Ordnung heraus, auch wenn ich mir hier ein unbestimmtes mehr gewünscht hätte. Trotzdem ist das Buch nicht der befürchtete ewige Prolog und auch falls ich mir den zweiten Teil nie holen sollte, war das Lesen des Ersten durchaus befriedigend und in sich abgeschlossen.

Die Stärke der Charaktere variierte. Die Mitglieder der Königsfamilie haben Namen wie Listenreich und Veritas und verhalten sich zum grössten Teil ihren Namen entsprechend. Sie hätten auf mich wesentlich glaubhafter und echter gewirkt, wenn sie etwas neutralere und undurchsichtigere Namen gehabt hätten, so hat diese kleine Spielerei meiner Meinung nach dem Buch etwas geschadet. Die Antagonisten haben mich nicht überzeugt, sie wirkten Flach, eindimensional und lediglich wie Werkzeuge um den Plot voranzutreiben. In ziemlich krassen Gegensatz dazu wirkten besonders die Mentor-Figuren real und gut ausgearbeitet. Der Ich-Erzähler überzeugt wie man es von ihm erwartet und ist schon durch die Erzählform die stärkste Figur des Romans.

Die Geschichte spielt zum grössten Teil in Bocksburg, die dem erwartet klassischen Mittelalter entspricht, aber hie und da schnappt man einen schwachen Hauch von fremden, ungewöhnlicheren Kulturen auf, die eine wesentlich tiefere Welt versprechen, als sie hier grösstenteils gezeigt wurde. Auch die gelgentliche Geschichtsstunde, die von der Vergangenheit der Welt erzählt, bestätigt diese Annahme. Bei der «Gabe», der Magie der Magie der Welt, gab es für mich noch zu viele offene Fragen um wirklich überzeugt zu sein, trotzdem wirkt sie interessant und hat für die Geschichte angemessen funktioniert, was mich hoffen lässt.

Die Sterne

In jedem Bereich gab es Dinge, über die ich mich gefreut habe, und Dinge, die ich mir etwas anders gewünscht hätte. Auch wenn meine Hoffnungen von einem komplexeren Plot, stärkeren Antagonisten und einer etwas weniger generischen Welt nicht erfüllt wurden, meine grössten Ängste wurden es auch nicht. Die Gabe der Könige bietet einen starken Ich-Erzähler, der geschickt durch einen gut geschriebenen, plotholefreien ersten Teil führt, der mehr als nur eine schön dekorierte Bühne bot. Dafür gibt es von mir 4 Sterne.

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35 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Schulter des Riesen

Raffael Rauhenberg
E-Buch Text: 438 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 08.11.2017
ISBN B076B7FC9H
Genre: Romane

Rezension:

Das erste was ich erwähnen möchte, ist die raffinierte Sprache, mit der Rauhenberg Gregors Geschichte erzählt. Er zaubert herrliche Analogien und weiss, wann er sie einzusetzen hat. Er schafft es beeindruckende Wortgemälde zu kreieren, ohne sich in seitenlangen Szenenbeschrieben zu verirren, die den Lesefluss stören würden. Der Anfang des Buches zeigt Gregor am Rande einer Klippe und bereit zum Selbstmord, nur ein paar Seiten entfernt von Gregor der (einige Monate früher) glücklich und wild mit seinen Kindern im Wald spielt. Das ist ein vielversprechender Einstieg und weckte bei mir zweifellos das Bedürfnis «das Dazwischen» zu füllen. Gleichzeitig hatte ich Angst vor einem passiven Protagonisten, der einfach von den Umständen niedergeknüppelt wird und sich wehrlos ergibt - diese Klippe hat Rauhenberg aber geschickt umschifft. Meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.


Die Schulter des Riesen zeigt einen Teil unserer Welt, dem viele von uns instinktiv mit gerümpfter Nase aus dem Weg gehen; das Leben jener Menschen, die wir gerne mit abschätzigem Blick und wegwischender Handbewegung als «Unterschicht» jeglicher Relevanz berauben. Die Schritte, die Gregor von seinem stabilen Leben zum Rand der Klippe führen, sind erschreckend nachvollziehbar, auch wenn einige Stellen möglicherweise ab und zu für den kafkaesken Effekt etwas überspitzt dargestellt wurden. Dennoch: Ein unglücklicher Zufall hier, eine kleine Fehlentscheidung, deren Folgen unmöglich abzusehen sind, da, und schon steht ein Leben am Rand des Abgrunds.

Was mich besonders an der Geschichte begeistert hat, waren die philosophischen Gespräche und Momente, und davon gibt es einige. Sei es Rado, der Koch, der gegen das Kapitalistische System wettert oder Nirwana, der betrunkene Möchtegernbuddhist, es fehlt nicht an Momenten, wo über die grossen und kleinen Fragen des Lebens sinniert wird. Dabei nimmt das Buch aber keine predigende Haltung ein und lässt den Leser zu eigenen Schlüssen kommen. Die Schulter des Riesen lässt sich durchaus als reiner Unterhaltungsroman lesen und wird auch da den Erwartungen gerecht, trotzdem empfehle ich das Buch hin und wieder aus der Hand zu legen und über das Geschriebene nachzudenken.

Auch wenn der grobe Handlungsverlauf vorweggenommen wird, bietet die Geschichte einige Überraschungen und Wendungen, strotzt vor Menschlichkeit und überzeugt mit Charakteren, die eine Echtheit und Lebendigkeit, eine Tiefe und Vielschichtigkeit aufweisen, die dafür sorgt, dass sie mich noch eine ganze Weile begleiten werden. 5 Sterne.

Vielen Dank an den Autor, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, was meine Bewertung jedoch in keinster Weise beinflusst hat.

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

afrika, boot, flucht, flüchtlingspolitik, flüchtlingsunterkunft, helfer, mord, parabelstück, politik

Der gute Mensch von Assuan

Peter S. Kaspar
Fester Einband: 408 Seiten
Erschienen bei Carpathia Verlag, 13.04.2017
ISBN 9783943709155
Genre: Romane

Rezension:

Auch wenn ich mit falschen Erwartungen an das Buch heran getreten bin und zwischenzeitlich nur mit Skepsis weiter gelesen habe, konnte mich das Buch mit den zwischen den Zeilen geschriebenen Geschichte überzeugen.

Das Buch beginnt mit der Schilderung der Flucht aus Afrika, die grausig und erschreckend realistisch klingt. Danach schwenkt die Kamera zu dem Schwerreichen Mansur in Deutschland, der versehentlich Souliman anfährt. Der Ägypter beschliesst kurzerhand Souliman – und vielen anderen Flüchtlingen – zu helfen. Er will ihnen eine Stadt bauen, denn mit Städte bauen kennt er sich aus. Hier lernen wir unter anderem auch Silke Sperling kennen und die Bürgermeisterin kann sich durchaus für das Projekt begeistern. Die Bühne steht und das Gezeigte macht neugierig.

Kurz darauf treffen wir auf ein paar Neonazis. Die Zwielichtige Kameradschaft wird als unsympathische, dumme Bande vorgestellt. Auch ein Holländer taucht auf, der als reicher Schweinefarm-Besitzer davon lebt, Scheisse zu Geld zu machen. Diesen Figuren der Gegenseite fehlte mir eine Menschlichkeit, wie sie zuvor so hervorragend mit Souliman gezeigt wurde. Je weiter ich las, desto mehr sank die Hoffnung auf einen ernst zunehmenden Charakter auf der anderen Seite. Mir fehlte ein Gegenpol, eine Person, die die Gegenseite vertreten konnte, ohne dabei wie ein Strohmann zu wirken. Diese Person kam nicht.

Erst als ich mich nicht mehr als stiller Beobachter in einer realistischen Welt, sondern als Zuschauer in einem Theater gesehen habe, konnte ich das Buch wirklich geniessen. Viele Szenen sind bewusst überspitzt dargestellt, reihen sich aber in eine durchaus echt wirkende Handlung ein. Einige der Charaktere stehen mehr für Ideologien als für echte Menschen, und das war für mich gewöhnungsbedürftig. So ernst man die Thematik des Werks auch nehmen sollte, muss man die Geschichte selbst, glaube ich, als ein Schauspiel betrachten, als lehrreiches Theater und nicht als Schilderung von fiktiv-realen Ereignissen – denn dann ist es ein lesenswertes Stück Gegenwartsliteratur.


Es hat bei mir etwas länger gedauert, bis ich das Buch so verstehen konnte, wie es verstanden werden wollte. Auch wenn ein starker Charakter mit konservativen Ansichten fehlt und damit Fronten wohl eher verhärtet als aufweicht, so zeigt es doch wie viel Potenzial wir doch durch unsere Engstirnigkeit vergeuden. Für die Stadt, die gebaut werden müsste, gibt es aufgerundete 4 Sterne.

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74 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

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Der Stier und das Mädchen

Stefán Máni , Karl-Ludwig Wetzig
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Edition M, 14.11.2017
ISBN 9781542049696
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Stier und das Mädchen ist brutal und unnachgiebig, eine harte Geschichte die gnadenlos auf den Magen des Lesers zielt und zuschlägt. Das gute Tempo und der spannende Plot der Geschichte werden durch schablonenhafte Charaktere abgeschwächt.

Nach dem ersten Zeitsprung – und vor vielen weiteren – finden wir uns bei Rikki und Hanna wieder. Sie sind die eigentlichen Protagonisten; Das drogensüchtige, geliebte Spielzeug eines Gangsterbosses und einer seiner Dealer. Hanna und Rikki wirkten auf mich nicht nur unsympathisch, sondern schlichtweg flach. Der Rest der Besetzung hat dieses Gefühl noch verschärft. Vergleicht man Mánis Welt mit einem kunstvoll gearbeiteten, mit Liebe erschaffenem Spielbrett, dann sehe ich seine Figuren als billiges Plastik direkt vom Laufband. Teilweise ist bestimmt die Kürze des Romans daran schuld, der mit den verschiedenen Perspektiven und den Zeitsprüngen nicht viel Platz für die Figurenentwicklung lässt. So spielt man halt gezwungenermassen mit Plastikfiguren.

Mánis Umgang mit Worten hingegen ist beneidenswert. Er zaubert imposante Bilder und erzählt eine wunderschön grausam-widerliche Geschichte. Plot und Tempo bekommen die Note «sehr gut» von mir, das ungewohnte isländische Setting war zudem auf seine ganz eigene Weise faszinierend.

Viele meiner Erwartungen wurden erfüllt, teilweise auch übertroffen, aber die Charaktere konnten einfach nicht zu mir durchdringen. Dafür schrammt Der Stier und das Mädchen an einer Vier-Sterne-Wertung vorbei und landet im gemütlichen Mittelmass. Auch wenn es nur drei Sterne dafür gibt, werde ich den Autor Stefán Máni im Auge behalten.

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(1.355)

2.303 Bibliotheken, 13 Leser, 14 Gruppen, 270 Rezensionen

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Die Therapie

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2006
ISBN 9783426633090
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Therapie ist ein wahrer Page-Turner. Auch wenn es mich nicht gleich vom Stuhl gehauen hat, so sass ich doch fast die ganze Zeit ganz vorne auf der Kante meines Lesesessels und fieberte den Antworten zu den vielen Fragen entgegen, die die Geschichte aufwirft.

Viktor Larenz als Hauptfigur fand ich wahnsinnig spannend; Der Psychiater der schon in einer der ersten Szenen in einer Anstalt ans Bett gefesselt ist, um einem anderen Psychiater seine Geschichte zu erzählen, verfehlte die Wirkung bei mir nicht. So pendelt die Geschichte zwischen der Gegenwart in der Anstalt und seiner Geschichte, die auf der kleinen Insel Parkum spielt fröhlich hin und her und wirft dem Leser fleissig Fragen vor die Füsse.

Zeit um über diese Fragen nachzudenken und Antworten zu suchen findet man aber kaum, zumindest wenn man wie ich Mühe damit hat, dass Buch aus der Hand zu legen. Das Erzähltempo ist auf den 336 Seiten durchgehend hoch und jedes Kapitel kann man ganz angespannt (tut mir leid, entspannen gibt’s hier nicht) in zehn Minuten oder weniger durchlesen. Da liest man doch gerne noch ein Kapitel mehr, bevor man das Buch wieder weglegt. Und noch eins. Und noch eins.

Der Plot ist ganz gut gelungen, offensichtliche Löcher sind mir keine aufgefallen, trotzdem hätten ein paar bestimmte Szenen, durchaus noch etwas mehr Potenzial gehabt. Über das Ende des Buches lässt sich bestimmt streiten. Mir persönlich hat das Ende des Plots ganz gut gefallen, trotzdem wäre hier ein besserer Abschluss durchaus möglich gewesen – wer mit zu hohen Erwartungen den letzten Seiten entgegen fiebert könnte durchaus enttäuscht werden. Alles in allem hat das Buch aber erreicht, was ich von einem Thriller erwartet habe: Kurzweilige Unterhaltung, fröhliches Raten und die Erfüllung einiger Klischees. Die Geschichte hielt aber auch ein paar nette Überraschungen bereit und bietet durchaus etwas mehr als «nur» Hochspannung.

Mit vier Sternen empfehle ich den Doktor Viktor Larenz gerne weiter.

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1.555 Bibliotheken, 84 Leser, 1 Gruppe, 186 Rezensionen

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Das Lied der Krähen

Leigh Bardugo , Michelle Gyo
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.10.2017
ISBN 9783426654439
Genre: Fantasy

Rezension:

Das Lied der Krähen hat mich trotz einigen Zweifel auf den ersten Seiten ganz in seine Welt gesogen. Es wird dem gelungenen Cover auf jeden Fall gerecht und beeindruckt auf ganzer Linie.

Das Buch lässt einen schon früh spüren, dass dies nicht nur Kaz’ Geschichte ist, sondern die seiner Mannschaft. Bardugo spart nicht mit Perspektivenwechseln, was mich zuerst erschrak, mich dann zweifeln liess, aber schon bald begeisterte. Es ist sehr einfach diese Sache falsch anzugehen und den Leser in den Perspektiven ertrinken zu lassen. Bardugo macht es richtig und lässt einen fröhlich dahinsegeln. Nicht nur sind die Charaktere sehr unterschiedlich, sie sind auch ziemlich Klischeefrei, haben ihre eigenen Stimmen, Träume und ihre eigene Geschichte. Obwohl Bardugo eigentlich beide Hände voll zu tun haben müsste uns die Charaktere näher zu bringen, hält die Geschichte durchgehend ein gutes Tempo. Das ist schon beinahe Magie. Nur schon dafür ziehe ich meinen Hut mit grösstem Respekt.

Nicht nur die Charaktere, auch die Welt um Ketterdam hat mich sehr beeindruckt. Ich habe vielleicht ein paar Mittelalter-Fantasy Romane zu viel gelesen, aber Bardugos Welt, die Ritter und Könige hinter sich lässt und stattdessen Börsen und Revolver regieren lässt, war bei mir herzlichst Willkommen.

Was den Plot betrifft, so ist Lied der Krähen keine Neuerfindung des Rades, aber es ist trotzdem ein sehr solides und gut gebautes Rad. Bardugo sorgt dafür, dass die Geschichte nicht zu durchschaubar und zu vorhersehbar wird und erzählt einfach eine verdammt gute Geschichte von ein paar Dieben und Verbrechern, die das grosse Geld machen wollen. Kein Geniestreich, aber gute Handwerkskunst.

Tolle Charaktere, eine faszinierende Welt und ein Solider Plot verhelfen dem Buch zu vier von fünf Sternen, den letzten gibt’s aus purer Begeisterung für die Perspektivenvielfalt. Volle Punktzahl.

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178 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

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QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050152
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Qualityland ist bissige Gesellschaftskritik auf höchstem Niveau. Es zeigt auf herrlich verspielte Art wie unsere Zukunft aussehen könnte, wenn wir die schon eingeschlagenen Wege unbeirrt weitergehen.

Die ersten Seiten darf man sich in Qualityland einfach zurücklehnen, über Peter Arbeitslosers Schulter gucken und diese wunderbar schreckliche Zukunft bestaunen, die Kling hier geschaffen hat. Alles scheint so viel leichter in dieser Zukunft. Um das Einkaufen braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen, Amazons 1-click-buy wurde von TheShop um einen ganzen Klick verbessert. QualityPartner macht den sonst so anstrengenden Dating-Prozess zu einer Formalität. Und wenn man mal wieder nicht sicher ist, wen man zum Präsidenten wählen sollte, übernimmt der digitale Assistent gerne die Meinungsbildung. Praktisch.

Der Plot der Geschichte ist zwar beinahe Nebensache während man sich in dem zauberhaften Setting verliert, trotzdem ist er amüsant, stimmig und treibt die Geschichte in angenehmen Tempo voran. Die Charaktere sind sehr gelungen und fügen sich fabelhaft in die Welt und die Geschichte ein. Das Buch ist wie schon beim Känguru aus Marc-Uwes…. Erm, ich meine aus Peters Sicht im Präsens geschrieben und hat den selben unverwechselbaren Stil.

Qualityland beschränkt sich aber nicht nur auf die Auswirkungen des technischen Fortschritts sondern zeigt auch wohin uns unsere gesellschaftliche und kulturelle Struktur führen könnte. Marc-Uwe Klings Überzeugungen und Ideale werden hierbei durchaus deutlich, deshalb möchte ich vorsichtshalber politisch eher empfindliche Leser zumindest vorwarnen. Alle anderen dürfen sich blind nach meinem Urteil richten - lasst mich heute euer digitaler Assistent sein.

Ich vergebe die vollen zehn Sterne an dieses kleine Meisterwerk, auch wenn lovelybooks nur fünf anzeigt. Zur Feier des Tages zählen die heute doppelt. Da Amazon leider noch nicht ganz das TheShop-Niveau erreicht hat, wird euch das Buch aber leider nicht ohne eigene Bestellung zugestellt – ansonsten hättet ihr bestimmt schon alle euer Exemplar bekommen.

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Tags: dystopie, humor, zukunft   (3)
 
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