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debüt, hörbuch

Und es schmilzt

Lize Spit
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Erschienen bei Lübbe Audio, 25.08.2017
ISBN B074CGBR5M
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das flämische Bovenmeer ist kein Ort, an den es einen groß zurückzieht, wenn man ihm einmal entronnen ist. In Bovenmeer hießen der Bäcker, der Metzger, der Krämerladen mangels Konkurrenz schlicht „Der Bäcker“, „Die Schlachterei“, „Das Lädchen“, solange, bis irgendwann ein Bordell  eröffnete, dem man den lyrischen Namen „Das Glück“ angedeihen ließ. Ab da änderten sich auch die Namen der alteingesessenen Geschäfte – was aber auch nichts daran änderte, dass Bovenmeer das Kaff blieb, das es immer war. Folgerichtig erhält Eva, die inzwischen in Brüssel lebt, nicht nur eine Einladung zum Gedenken an  einen lange zurückliegenden Todesfall, sondern gleichzeitig zur Einweihung einer vollautomatischen Melkmaschine. Eva beschließt, der Einladung zu folgen, packt einen Eisblock in den Kofferraum ihres Wagens und fährt zurück in den Ort ihrer Kindheit.

Eva ist ein mittleres Kind, mit älterem Bruder und jüngerer Schwester. Die drei wachsen in den 1990-er- und Nullerjahren auf. Die Geschwister erleben, wie der Vater den ersten PC nach Hause bringt, die Hysterie um den vermeintlichen Millenium Bug. Eine behütete Kindheit in einer Art belgischem Bullerbü ist das offensichtlich nicht: Wenn die Mutter dreimal am Tag in den Stall geht, dann nicht, um nach den Hühnern zu sehen, sondern um ihren Alkoholpegel stabil zu halten. Der Vater indes erklärt Eva, wie man einen Henkersknoten knüpft, damit der die erzielte Wirkung auch entfaltet – und gibt ihr im selben Atemzug den Rat, ihre Frisur zu ändern. Ungeheuerlichkeiten und Banalitäten liegen eng beieinander im Leben der drei Kinder. Evas Schwester Tessje entwickelt nicht von ungefähr zahlreiche Zwangsneurosen, die die älteren Geschwister schließlich zwingen, ärztlichen Rat einzuholen; die Eltern haben dafür kein Auge.

Die Eltern leben immer noch in Bovenmeer, als Eva zurückkehrt. Genauso wie die beiden inzwischen erwachsenen Jungen, mit denen Eva einst eine enge Freundschaft verband: Pim und Laurens. Der eine Bauern-, der andere Metzgerssohn. Als die drei in die Pubertät kommen, ändert sich alles. Man erfindet ein Spiel: eine Art Strip-Poker, nur nicht mit Karten, sondern mit einem Rätsel verknüpft. Allein Eva kennt die Lösung. Eva wird gleichzeitig als Köder von den Jungen ausgenutzt, um die Mädchen anzulocken, und sie macht sich mitschuldig. Die Jungen werden immer übergriffiger. Bald ist man bei sexuellen Nötigungen angelangt. Eva ist nicht wohl dabei, gleichzeitig weiß sie nicht, wie sie sich dem entziehen soll, ohne ihre Freundschaft mit den Jungen aufs Spiel zu setzen.  

Letztendlich fallen alle Hemmungen. Das „Spiel“ kulminiert in einem Akt roher und brutaler Gewalt. Dieser Wendepunkt lässt Eva Jahre später den Eisblock in den Kofferraum packen und in den Ort ihrer schlimmsten Demütigung zurückkehren.

Wie diese Zeit- und Handlungsebenen ineinander verwoben werden, gehört zu den klaren Stärken des Buches. In den Handlungsablauf der Reise Evas zurück nach Bovenmeer, das Fest, das sie vom Rande aus beobachtet, flicht die Autorin die Ereignisse der Vergangenheit gekonnt ein. Dabei hält sie manches erst einmal zurück, macht Andeutungen, erzählt einen Teil, enthüllt die ganze Geschichte aber erst am Schluss.

Der Roman war in Belgien ein Bestseller, die Autorin – zumal mit einem Debüt! – von jetzt auf gleich in aller Munde. „Ein Buch, das alles gibt und alles verlangt“, ist auf der deutschen Ausgabe zu lesen. Das könnte pures Werbegeklingel sein. Eine Verlockung, die gleichzeitig Warnung sein soll – vorgeblich. Der farbige Buchschnitt, die erhabenen Buchstaben auf dem Cover, Lesebändchen – wertige Aufmachung, ein bisschen zu verspielt, könnte man meinen. Denn Lize Spit hält nichts von Andeutungen. Sie schont ihre Leser nicht. In dieser Hinsicht erinnert mich das Buch an „Ein wenig Leben“, das seinen Lesern auch einiges abverlangt. Man kann sich fragen, ob das sein muss. Ob nicht weniger mehr ist. Ob man sich das antun will. Alles zurecht! Es ist harter Stoff, zweifellos, man muss kein zartes Gemüt haben, um das zu finden. Eine weitere Stärke des Buches ist aber gerade, dass die Ich-Erzählerin Eva diese Geschichte, mit allen grausamen Details, so lakonisch erzählt, ohne Pathos. Das ist manchmal wie ein Schlag ins Gesicht – und anderswo einfach nur beneidenswert gute Prosa. Lize Spit kann erzählen. Man verzeiht ihr, dass das Rätsel so schwierig nicht ist, man nimmt ihr die Story ab, bis hin zu den Übertreibungen. Sind die Jungen nicht doch arg monströs gezeichnet? Eva zu nobel, zu selbstlos, auch in der Sorge um ihre Schwester? Aber es ist eine Geschichte, und als solche hat ein Autor/eine Autorin jedes Recht, sie auch so zu erzählen. In diesem Fall: so schonungslos. Es ist auf jeden Fall ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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Tags: debüt, hörbuch   (2)
 

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Gott, du kannst ein Arsch sein!

Frank Pape
Fester Einband: 136 Seiten
Erschienen bei Tour des Lebens, 14.02.2015
ISBN 9783981699807
Genre: Biografien

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Tags: jugendbuch, krebs, lungenkrebs, sterben, tod   (5)
 

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hunde

Alter Hund

Tina Ehmke
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Oertel u. Spörer, 29.01.2016
ISBN 9783886278725
Genre: Sachbücher

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alter, eltern, gesellschaft, sachbuch, sachbuch gesundheit

Nicht mehr wie immer

Katja Werheid
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Piper, 13.10.2017
ISBN 9783492060929
Genre: Sachbücher

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Tags: alter, gesellschaft   (2)
 

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agoraphobie, beklemmend, filmisch, hörbuch, new york, thriller, usa

The Woman in the Window - Was hat sie wirklich gesehen?

A. J. Finn , Christoph Göhler , Nina Kunzendorf
Sonstiges Audio-Format
Erschienen bei Random House Audio, 19.03.2018
ISBN 9783837141481
Genre: Krimi und Thriller

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china, chinesischer alltag, humor, kultur, reise, reiseinfo, reisen

Darum nerven Chinesen

Heike Barai
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.02.2013
ISBN 9783492300698
Genre: Humor

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Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
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Erschienen bei tacheles! / Roof Music, 27.07.2017
ISBN B07417SHZP
Genre: Romane

Rezension:

Luises Großmutter Selma hat das zweite Gesicht: Immer, wenn sie von einem Okapi träumt, stirbt jemand. Und weil alle um die Wahrhaftigkeit dieser Gabe wissen, versetzen diese Träume die ganze Westerwälder Dorfgemeinschaft in Aufruhr.

Ich frage mich, warum mir das Buch nicht gefallen hat. An der Sprache kann’s nicht liegen. Leky schreibt originell und humorvoll. Am Inhalt kann’s nicht liegen. Die Buchbeschreibung hat mich sofort für sich eingenommen. An den Personen? Alle sind skurril in diesem Buch, durch die Bank, oder haben skurrile Eigenschaften. Selma, die wie Rudi Carrell aussieht, der Vater, der durch die Welt gondelt, die Mutter mit ihrem Eismann, die abergläubische Elsbeth, die schlecht gelaunte Marlies, der Optiker, mit seinen Stimmen im Kopf und der nie eingestandenen Liebe zu Selma. (Überhaupt, dieses gebetsmühlenartige Wiederholen, der Optiker, der Optiker, der Optiker …) Die Ich-Erzählerin selber, die einen buddhistischen Mönch liebt, der im fernen Japan lebt und Briefe in den Westerwald schreibt. Obwohl für mich Figuren eines Buches nicht sympathisch sein müssen (sie sollen gut geschrieben sein, das reicht): Kaum einer wird mir lange in Erinnerung geblieben. Ihre Marotten überdecken alles. Alles ist krampfhaft originell. Und da begann es dann wahrscheinlich auch für mich zu kippen, konnte ich die Sprache nicht mehr so schätzen, wie man sie wahrscheinlich schätzen sollte: Wenn alle und alles außergewöhnlich ist, wird’s auch wieder beliebig.

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hörbuch

Die Vegetarierin

Han Kang
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Erschienen bei Finch&Zebra, 09.12.2016
ISBN B01MTXODC7
Genre: Sonstiges

Rezension:

An Yong-Hye ist alles durchschnittlich. Nicht hübsch, nicht hässlich. Ihr Ehemann hegte, als er sie kennenlernte, keine besondere Zuneigung für, aber auch keine Abneigung gegen sie, was sie in seinen Augen zur perfekten Heiratskandidatin machte. Sie bekocht ihren durchschnittlichen Ehemann und ist ihm eine durchschnittlich gute Frau, unauffällig und still, ohne mit ihrer Persönlichkeit groß in Erscheinung zu treten oder mit Eigenheiten für Unmut zu sorgen. Bis sie eines Tages aufhört, Fleisch zu essen. Diese eigentlich als persönliche Freiheit anzunehmende Entscheidung gerät selbst in einem Land, in dem Konformität über allem steht, nicht automatisch zu einem Skandal. Yong-Hyes Entscheidung ist allerdings nicht rein verstandes- und auch nicht rein gefühlsmäßig zu erklären. Yong-Hye driftet zunehmend in eine Parallelwelt ab. Sie meidet bald alles Fleischliche – konsequenterweise schließlich auch den Verkehr mit ihrem Ehemann. Als sie der dominante Vater bei einem gemeinsamen Essen dazu zwingen will, Fleisch zu essen, kippt die Situation vollends. Yong-Hye wird in ein Krankenhaus eingewiesen, in dem sie unangenehm auffällt, indem sie in der Öffentlichkeit ihren Oberkörper entblößt und der Sonne entgegenreckt – wie eine Pflanze, die Photosynthese zum Leben braucht. Yong-Hye will nicht nur kein Fleisch mehr zu sich nehmen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes am liebsten selbst eine Pflanze sein. Für ihren Mann ist sie bald untragbar, er lässt sich von ihr scheiden. Dafür entwickelt der Mann ihrer Schwester eine im Keim immer vorhanden gewesene, bis dato in ihrer Wucht aber nie geahnte sexuelle Obsession für seine Schwägerin. Als Video-Künstler auf eingetretenen Pfaden unterwegs, beginnt ihn ihm eine Vision zu entstehen, die darin gipfelt, Yong-Hyes Körper mit Blumenmotiven zu bemalen und sich mit ihr vor der Kamera zu vereinigen. Eine Art Folie à deux bricht sich Bahn – ohne die zumindest im Ansatz wahnhaften Anwandlungen des einen wären die des anderen nicht aus dem Ruder gelaufen.

Der Roman ist in drei Teile geteilt, von denen jeder von einem anderen Ich-Erzähler erzählt wird: dem Ehemann, dem Schwager, der Schwester. Der Ehemann führt in die Geschichte ein, der Schwager gibt ihr eine entscheidende Wendung, die Schwester erzählt das dramatische Ende, unterfüttert mit Ausflügen in die gemeinsame Kindheit, die zumindest ahnen lassen, wie es in ihrer Schwester aussieht. In Südkorea erschienen diese drei Teile zunächst als separate Novellen. Yong-Hye, die Frau, um die sich alles dreht, an der sich alle reiben, die alle mehr oder weniger in ihre eigenen Abgründe stürzt, hat keine Stimme. Sie selbst kommt nur mit einer Handvoll Sätze zu Wort.

 „Die Vegetarierin“ (ein eher unglücklicher Titel, da zum einen ungenau, zum anderen in eine falsche Richtung deutend) kann im Ansatz als Gesellschaftssatire verstanden werden, sprengt diese Grenze aber sehr schnell.  So weist „Die Vegetarierin“ nicht nur skurrile, überspitzte, sondern auch durchaus verstörende Elemente auf. Yong-Hye ist weniger eine Individualistin als eine Getriebene. Der im Original bereits 2007 erschienene Roman der 1970 geborenen Autorin wurde mit dem internationalen Man Booker Prize ausgezeichnet.

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Leinsee

Anne Reinecke
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.02.2018
ISBN 9783257070149
Genre: Romane

Rezension:

Ein junger Mann beugt sich über die Kloschüssel in einem ICE und kotzt sich die Seele aus dem Leib – eher gesagt, irgendetwas Gelbes. Kanarienvogelgelb und Silbern, eigentlich ganz hübsch.

So beginnt der Debütroman von Anna Reinecke.

Karl, ein aufstrebender Künstler, ist auf dem Weg in seinen Heimatort Leinsee. Entfremdet von seinen Eltern, dem berühmten Künstlerehepaar Ada und August Stiegenhauer, steht ihm nun nach Jahren ein Wiedersehen bevor, wie man es sich dramatischer kaum ausmalen könnte: August hat sich erhängt, weil er sich ein Leben ohne seine Frau nicht vorstellen konnte, und Ada – ein Wunder, an das kaum jemand geglaubt hat – überlebt die Operation eines komplizierten Hirntumors. Und meint fortan, in Karl ihren Mann zu erkennen.

Das könnte nun sehr, sehr kitschig werden. Kitschig und schräg. Schräg ist es auch. Kitschig nicht.

Karl nistet sich in der verwaisten Villa seiner Eltern ein, und das ist wörtlich zu nehmen. Er baut sich buchstäblich ein Nest, eine Schlafhöhle. Schon als Kind in ein Internat gegeben, hat er nie eine Beziehung zu seinen Eltern aufbauen können. Die waren sich eigentlich immer einander genug, haben niemanden in ihre Welt gelassen, auch ihren Sohn nicht. So ist aus Karl ein reichlich willfähriger Mensch geworden. Künstler, ja, aber so richtig ernst kann er das alles nicht nehmen. In der Beziehung mit der älteren Mara gibt sie den Ton an. Überhaupt, Frauen: Ab und an legt sich ihm eine ins Bett. So auch Alexandra, Krankenschwester, während Mara im fernen Berlin geblieben ist. Und dann ist da das Mädchen im Kirschbaum: Tanja, acht Jahre alt. Eigentlich kann Karl mit Kindern nichts anfangen. Die Schar, die sich in den Garten der Villa einschleicht, verjagt er kurzerhand mit einem Gewehrschuss in die Luft – was ihm den Besuch der örtlichen Polizei beschert. Aber eigentlich sind alle, auch die Polizisten, wie gelähmt vom Stiegenhauer-Nimbus. Nur Tanja nicht. Zunächst wortlos, beginnen die beiden miteinander zu kommunizieren, nähern sich an, entfernen sich voneinander, finden sich, nach Jahren, wieder.

 "Leinsee“ ist ein Entwicklungsroman, am Rande eine Satire auf den Kunstbetrieb, eine Liebesgeschichte fernab gängiger Klischees, mit Brüchen und Sprüngen, sprachlich gekonnt, innovativ, humorvoll, bildgewaltig, mal poetisch, mal derb.

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hörbuch

Das Leben des Vernon Subutex 1

Virginie Despentes
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Erschienen bei Der Audio Verlag, 15.11.2017
ISBN B077G84Q3H
Genre: Sonstiges

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bahn, deutsche bahn, verspätung

Der Anschlusszug kann leider nicht warten

Mark Spörrle , Lutz Schumacher
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 12.12.2011
ISBN 9783442157112
Genre: Sachbücher

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angst, bdsm, danach, entführung, folter, gefangenschaft, grausamkeit, keller, krimi, mord, sekte, spannend, spannung, thriller, usa

Danach

Koethi Zan ,
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 22.04.2013
ISBN 9783651000452
Genre: Krimi und Thriller

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biografiearbeit

Das Spiel mit der Identität: Biografiearbeit am Beispiel faszinierender Persönlichkeiten

Doris Tropper
E-Buch Text: 161 Seiten
Erschienen bei Komplett-Media, 01.10.2016
ISBN 9783831257706
Genre: Sonstiges

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hunde

Verspielte Hundekinder.


Sonstige Formate: 64 Seiten
Erschienen bei null, 01.01.1992
ISBN B002PN2X6Y
Genre: Sonstiges

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dystopie, hörbuch

Leere Herzen

Juli Zeh
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Erschienen bei Der Hörverlag, 13.11.2017
ISBN B0772T69K7
Genre: Sonstiges

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hörbuch

Ich, Eleanor Oliphant

Gail Honeyman
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Erschienen bei Lübbe Audio, 24.04.2017
ISBN B06XYNSPZB
Genre: Sonstiges

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hörbuch

Baba Dunjas letzte Liebe

Alina Bronsky
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Erschienen bei tacheles! / Roof Music, 20.08.2015
ISBN B0123WUP48
Genre: Sonstiges

Rezension:

Baba Dunja steht mit dem Vorsatz auf, dem Hahn von nebenan den Hals umzudrehen, weil der ihr den Schlaf raubt. Das muss sie dann nicht tun, aber Hühnersuppe gibt’s an dem Tag dennoch. Die teilt sie mit der – eigentlich untröstlichen – Nachbarin Marja und mit Petrov, der vor einiger Zeit schon zum Sterben gekommen ist und der – eigentlich – nicht nur auf Zucker, sondern auch auf Salz und Fett und sonstige ungesunde Nahrungsmittel verzichtet. Dunja, die ehemalige Melkerin Marja und Petrov, drei alte Herrschaften, leben mit einer Handvoll anderer Alter in einem verschlafenen Straßendorf mit dreißig Häusern, von denen nur gut die Hälfte bewohnt ist. Der Rest steht leer, von ihren ehemaligen Bewohnern verlassen mit allem, was darinnen war, mit Möbeln, Büchern, Fotos, Kleidung – kurz, mit sämtlichem Hab und Gut. Mitnehmen konnte damals niemand etwas davon. Aber zurückgekommen sind manche. Dunja, die einmal Hilfskrankenschwester war und deren Tochter Ärztin bei der Bundeswehr im fernen Deutschland ist, war die Erste. Die anderen folgten ihr nach. So leben sie in Tschernowo, im Dunstkreis des Reaktors nach dem GAU.


Dunjas Tschernowo ist zudem von Geistern der Vergangenheit bevölkert, die sich unter die Lebenden mischen, wie ihrem Mann Igor, der lange tot ist, so lange, dass es Dunja peinlich berührt, wenn er sie ansieht, ist sie doch schließlich unterdessen alt geworden, er aber nicht. Es könnte fast ein beschauliches Leben sein in Tschernowo. Es gibt Strom, aber kein fließendes Wasser. Ab und an kommt einer auf seltsame Ideen, wie die, dass Tschernowo ans Mobilfunknetz angeschlossen werden sollte. Aber die Handy-Strahlung …! Darüber hinaus lebt jeder mehr oder weniger für sich, pflegt seinen Garten, in dem Gemüse und Obst üppig gedeihen, sitzt auf der Bank vorm Haus oder schaukelt in der Hängematte und liest Gedichte. Wenn es unbedingt sein muss, z. B. um seine Post abzuholen, begibt man sich ein paar Kilometer außerhalb zur Haltestelle bei der ehemaligen Pralinenfabrik und fährt mit dem Bus in die Stadt Malyschi, wo die Menschen sich – außerhalb der Todeszone – in einem trügerischen Gefühl der Sicherheit wiegen.

 

Eines Tages erhält Dunja einen Brief von ihrer Enkelin Irina, den sie nicht lesen kann, und ein Mann mit einem kleinen Mädchen kommt nach Tschernowo. Und dann haben die Bewohner plötzlich ein gemeinsames Problem – eines, auf dem sich bald die Fliegen niederlassen …

 

„Babas Dunja letzte Liebe“ ist ein Beleg dafür, dass Endzeitromane nicht in einer fernen Zukunft spielen müssen – in Tschernowo ist „das Ende“ schon da. Alina Bronsky hat mit Baba Dunja eine wunderbare Ich-Erzählerin geschaffen, unerschrocken im verstrahlten Niemandsland, aber ohne die Augen zu verschließen, lakonisch, knochentrocken. Ausdrücklich keine komische Alte! Auch die anderen Bewohner sind psychologisch fein erdacht und erzählt. Herrlich auch das einzige Paar des Ortes. Da sitzt jeder Satz, jedes Wort. Es ist ein reines Vergnügen, diesen Roman zu lesen (ausdrücklich auch: zu hören) – man lacht, trotzdem das Lachen einem manchmal im Halse stecken bleiben müsste.

 

„Baba Dunja“ stand 2015 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Für mich war es einer der Romane, die neugierig aufs Gesamtwerk des  Autors machen. Von daher wird es nicht mein einziges Buch dieser Autorin bleiben.

 

Alina Bronsky wurde 1978 in der Sowjetunion geboren. Mit ihrer Familie siedelte sie in den 1990-er Jahren als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland über.

 

Das gut viereinhalb Stunden dauernde Hörbuch wird meisterhaft (und preisgekrönt) gelesen von Sophie Rois.

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hörbuch

Glücklich die Glücklichen

Yasmina Reza
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Erschienen bei HörbucHHamburg HHV GmbH, 10.02.2014
ISBN B00HWBTBSW
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vorweg: Yasmina Reza ist eine französische Autorin, aus deren Feder u. a. das (auch verfilmte) Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ stammt.

 

Der Titel des Romans leitet sich ab von einem Zitat von Jorge Luis Borges, das dem Roman vorangestellt ist: „Glücklich die Geliebten und die Liebenden und die auf die Liebe verzichten können. Glücklich die Glücklichen.“

 

Damit ist schon gesagt, wovon der Roman handelt: von den Beziehungen von Menschen untereinander, dem Jagen nach dem Glück, dem Scheitern, von Sackgassen, Sehnsüchten, Neuanfängen, Unmöglichkeiten. Einen Handlungsabriss zu erstellen, wie man ihn sonst üblicherweise an dieser Stelle findet, fällt mir schwer. Der Grund ist die Struktur des Romans.

 

21 Kapitel sind jeweils mit dem Namen einer handelnden Person überschrieben. 18 der handelnden Personen kommen in diesen Kapiteln als Ich-Erzähler zu Wort. 21 Monologe. Selbstgespräche? Oder an ein Publikum gewandt? Wenn ja, an welches? An eine andere Romanfigur? An den Leser? Ich weiß es nicht. Erst nach und nach wird deutlich, in welcher Beziehung die Figuren miteinander stehen. Dies verlangt jedoch – besonders, wenn man das Hörbuch hört (in dem die einzelnen Figuren von jeweils anderen Sprechern gelesen werden) – ein gutes Namensgedächtnis. 18 Personen – 18 selbst erzählende Personen; daneben gibt es weitere, *über* die nur gesprochen wird – ich finde das nicht ganz so trivial. Da gibt es Ehepaare, Seitensprünge, Verhältnisse, Eltern und andere Verwandte, Freunde. Fast wünscht man sich ein Schema: Robert ist der Ehemann von Odile, Schwiegersohn von Ernest und Jeanette, Freund von Luc und Lionel … Dass es das nicht gibt, wird seinen Grund haben: Man soll die Beziehungen untereinander erst mit Fortschreiten des Romans ergründen – oder man will’s den Lesern bloß nur nicht allzu leicht machen.

 

Die Handlung, ja. Das ist schwierig, weil es etliche Kapitel gibt, in denen keine klassische Handlung stattfindet. Stattdessen wird man Zeuge von alltäglichen (und besonderen) separaten Geschehnissen, auch erinnerten. Robert und Odile kriegen sich in einem Supermarkt über die Wahl eines Käses in die Haare – vorgeblich. Szenen wie diese sind von absurdem Humor und einer unterschwelligen Boshaftigkeit, zugespitzt, sicher, aber dennoch möglicherweise dem Leser doch nicht ganz unbekannt. Da gibt es ein befreundetes Paar, dessen Sohn sich für Celine Dion hält. Den Sohn, der seine Mutter in die onkologische Ambulanz begleitet und sich vor ihrem Mundwerk fürchtet. Das sind kleine Scharmützel, angetrieben von unerfüllten Sehnsüchten, Selbstbetrug, Bitterkeit; etliche Personen muten irgendwie narzisstisch an, wie sie um sich selbst kreisen, sich selbst bespiegeln. Das war mir zugegeben teils etwas viel. Aber: Einmal nicht aufgepasst, schon hat man vielleicht was Entscheidendes verpasst, eine Verbindung, die von Bedeutung ist, ein Ereignis, das das Vorhergehende in anderem Licht erscheinen lässt.

 

Erst gegen Ende treffen mehrere der Personen bei einem Ereignis zusammen. Erst die beiden vorletzten Kapitel haben – abgesehen von Einzelheiten, die, eingestreut in die anderen Kapitel ebenfalls einen Fortgang der Handlung beschreiben – eine Handlung, wie man sie von einem „herkömmlichen“ Roman erwartet. Das Ende? Ja …

 

Meine Meinung zu diesem Roman ist nicht eindeutig. Interessant war er zweifellos, in der Struktur, die mir so noch nicht untergekommen ist. Ich glaube, um den Roman wirklich beurteilen zu können, muss ich ihn mir ein zweites Mal zu Gemüte führen. Was ich bei anderen Romanen schon aus Vergnügen getan habe, wäre hier aber eher der Neugier geschuldet: Was mag mir alles entgangen sein …? Und warum stehe ich beim Ende so auf der Leitung.

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autobiographischer roman, befreiung, chassidim, emanzipation, hörbuch, judentum, new york, sekte

Unorthodox

Deborah Feldman
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Erschienen bei Audiobuch Verlag OHG, 16.09.2016
ISBN B01LXUO02N
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Leben unterliegt strengen Regeln in der ultraorthodoxen Gemeinde der Satmarer Juden in Williamsburg, Brooklyn, New York. Von vornherein als Außenseiterin in diese Gemeinde geboren, möchte Deborah nichts lieber, als dazuzugehören. Ihr Vater leidet an einer psychischen Krankheit, ihre Mutter hat die Gemeinschaft verlassen, weshalb Deborah bei ihren Großeltern aufwächst. Da diese geachtete Leute sind und sie sich alle Mühe gibt, sich anzupassen, gelingt ihr dies auch, wenn auch manche hinter vorgehaltener Hand über sie sprechen. Je älter sie wird, desto mehr fallen ihr Unstimmigkeiten auf, fällt es ihr schwerer, innerhalb der engen Grenzen, die die chassidische Sekte gerade den Mädchen und Frauen auferlegt, nach den religiösen und gesellschaftlichen Regeln zu leben. Früh entdeckt sie das Lesen für sich, muss die entliehenen Bücher aber verstecken, damit sie nicht dabei ertappt wird. Manche der Regeln unterliegen Reformen. Einmal wird erlassen, dass schon die Mädchen ab der 9. nicht erst der 10. Klasse Nahtstrümpfe tragen sollen. Die Naht – anderswo ein modischer Hingucker – dient dazu, jedem klarzumachen, dass er Stoff sieht, nicht nackte Haut. Dann wieder gilt es als unschicklich, die Perücke, die jede verheiratete Frau zu tragen hat, ohne zusätzliche Bedeckung zu tragen – irgendwer könnte ja meinen, es sei ihr echtes Haar. An Sabbat ist es, bis jemand eine Art Lücke im Gesetz findet, jeder Frau verboten, etwas zu tragen – was gerade die Mütter an Heim und Herd bindet, da so etwas wie ein Kinderwagen ebenfalls tabu ist. Als die Luft an einem bis dahin strahlend sonnigen Tag im September trübe vor Staub wird, schickt man die Schülerinnen nach Hause, ohne ihnen zu sagen, was passiert ist. Der Holocaust, heißt es, konnte nur geschehen, weil eine Mehrheit der Juden assimiliert war, und somit schwach.

 

Deborah wächst innerhalb dieser rigiden Regeln und Gesetze heran. Wie es der Brauch will, bemüht sich die Familie früh um einen Ehemann für sie. Sie selbst hat hierbei nur wenig Mitspracherecht. So lernt Deborah den Auserwählten kennen und willigt innerhalb einer halben, einer Stunde ein, ihr Leben zukünftig mit diesem Mann zu teilen. Als Braut lernt sie die für sie demütigende Zeremonie in der Mikwe kennen, dem rituellen Bad, das sie in Zukunft jeden Monat, nach „sieben sauberen Tagen“, aufzusuchen hat. Ultimatives Ziel jeder Ehe ist es, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen. Auch Deborah wird – nach quälenden ersten Monaten, in denen es ihr nicht möglich ist, die Ehe zu vollziehen – bald schwanger und bekommt einen Sohn. Sie unterwirft sich immer noch den meisten Regeln, sucht sich aber auch kleine Schlupflöcher, die ihr zumindest ein bisschen Freiheit schenken. Sie liest weiterhin, macht sogar den Führerschein. Ein Schwager setzt durch, dass er eine sephardische Jüdin heiraten darf, was in der Gemeinde ebenfalls verpönt ist. Dass beileibe nicht alles so ideal ist, wie man es gerne hätte, dass Dinge totgeschwiegen werden, merkt sie immer wieder: Es gibt eine Krankenversorgung, aber schwerwiegende Krankheiten können auch als Strafe Gottes betrachtet werden und entziehen sich demnach jeder Behandlung. Da gibt es einen Mann, der seinen Sohn umgebracht hat, nachdem er ihn offenbar beim Masturbieren ertappt hat, und einen, der Kinder missbraucht – einem weltlichen Gericht werden sie nicht überantwortet. Über solche Dinge hüllt man lieber den Mantel des Schweigens, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Immer stärker beginnen in Deborah der Wunsch und der Plan zu keimen, diese Gemeinde zu verlassen. Sie schreibt sich – heimlich – in einer Hochschule ein, gestattet sich immer mehr Dinge, die für andere selbstverständlich sind. Schließlich verlässt sie ihren Mann, ihre Familie, die Gemeinde, und nimmt – bei weitem keine Selbstverständlichkeit – den gemeinsamen Sohn mit sich.

 

„Unorthodox“ ist (angeblich schlecht übersetzt?) klar und unaufgeregt erzählt, und vielleicht gerade deshalb so eindringlich. Es erlaubt mehr als nur einen Einblick in eine ansonsten streng abgeschottete Gemeinschaft. Es ist mehr als nur ein literarisches Werk, sondern auch Ausdruck einer Emanzipation, die, wie üblich, nicht ohne Opfer daherkommt. Deborah Feldman wurde 1986 in New York geboren und lebt heute in Berlin.

 

Das Hörbuch hat eine Laufzeit von fast 12 Stunden. (Sollten im vorstehenden Text Fehler oder Ungenauigkeiten zu finden sein, sind es meine Fehler.) Ein Vorteil des Hörbuches ist es, dass man sämtliche Eigennamen in jiddischer Sprache – Feiertage, Vornamen, Namen von Kleidungsstücken, Gebote und Verbote … - in der (ich denke) phonetisch richtigen Aussprache vorgelesen bekommt. (Es fängt schon mit dem Vornamen der Autorin und Ich-Erzählerin an.) Eine pdf-Datei mit einem Glossar rundet diese Version des Buches ab.

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bundeskanzler, hörbuch, willy brandt

Raumpatrouille: Geschichten

Matthias Brandt
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Erschienen bei tacheles! / Roof Music, 21.09.2017
ISBN B0757MF927
Genre: Sonstiges

Rezension:

Zitat: „Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt. Manches von dem, was ich erlebt habe, hat stattgefunden.“


Der Schauspieler Matthias Brandt ist nicht der einzige Politikersohn, der über seinen Vater geschrieben hat, aber er tut es zum einen nicht in erster Linie  und zum anderen, indem er seine Kindheitserlebnisse in die Form von Erzählungen gießt und so mehr tut als „nur“ zu berichten.

 

Er erzählt über einen Jungen, der in einem großen Haus (in dem die Bewohner „sich leicht verpassen“) mit bewaffneten Sicherheitsleuten/Polizisten aufwächst. Im Jahr der ersten Mondlandung gehören zum Alltag der Kinder Begegnungen mit Soldatenwitwen und Kriegsversehrten. Er erzählt vom Urlaub mit seiner Mutter Rut in deren Heimatland Norwegen, einem Kirmesbesuch mit den Eltern, der weniger dem Vergnügen als dem „sich Zeigen“ dient, über das Außenseitertum eines Mitschülers, den Gruppenzwang, wenn man nichts lieber will als so zu sein wie die anderen, von Gewissensentscheidungen, Träumen, Blamagen, Irrtümern, Niederlagen. Wie es ist, als Torwart glänzen zu wollen, wenn da, abgesehen vom fehlenden Talent, die verflixte Kappe nicht wäre, oder als Zauberer, aber stattdessen das Zimmer abfackelt.

 

Der Junge will Astronaut werden oder Briefträger. Wie der, der täglich die Post ins Haus auf dem Venusberg bringt und wie Walter Spahrbier im Fernsehen. In diesem Setting der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre fallen Namen, die man kennt, wenn man selbst zu dieser Generation zählt; Markennamen von Produkten, Titel von Fernsehsendungen durchziehen die Geschichten – Bananensattel, Welthölzer und Tritop Mandarine. Fast sieht man die blaue Schachtel mit den zwei roten Punkten im Schriftzug, schmeckt die klebrige Süße, hört die Stimme von „Pa“ aus „Bonanza“; der „Frittenpitter“ aus dem Buch hieß in meiner Stadt „Frittenhein“. „Genauso war’s!“, denkt man – oder „ach, so war das!“. Das macht die Geschichten vielseitig. Es sind nicht nur launige Erzählungen – humorvoll, auf jeden Fall, aber nicht platt, sondern auch feine Beobachtungen, auch des rückblickenden Erwachsenen auf sich als Kind, aber meistens aus der Zeit heraus. Dieser Junge, der viel allein ist, „aber nicht einsam“, durchstreift den parkartigen Garten eines Zuhauses, wie es den meisten Menschen fremd ist, träumt sich genauso in ferne Galaxien wie er den Lebensalltag der „ganz normalen“ Menschen erkundet, trinkt Kakao mit dem ehemaligen Bundespräsidenten und ist schwer beeindruckt vom Fernsehabend mit Fischlis und „Drei mal Neun“ im Zuhause eines Freundes.

 

Am besten gefallen haben mir die Geschichten „Welthölzer“ um eine missglückte Radtour mit Herbert Wehner, „Nirgendwo sonst“ über den schon erwähnten Übernachtungsbesuch, „Was ist?“ um eine zarte Annäherung zwischen Vater und Sohn. Ob’s erlebt ist oder erfunden spielt dabei keine Rolle.

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dystopie, hörbuch, phantastik, verfilmt

Der Report der Magd

Margaret Atwood
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Erschienen bei HörbucHHamburg HHV GmbH, 10.10.2017
ISBN B0761Y3VLZ
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: dystopie, hörbuch, phantastik, verfilmt   (4)
 

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dystopie, endzeit-thriller, heldenreise, hörbuch, postapokalypse, uve teschner

Am Ende aller Zeiten

Adrian J Walker
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Erschienen bei Argon Verlag, 25.08.2016
ISBN B01JLTUL8G
Genre: Sonstiges

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Tags: dystopie, endzeit-thriller, heldenreise, hörbuch   (4)
 

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chaplin, churchill, der große diktator, hörbuch

Zwei Herren am Strand

Michael Köhlmeier
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Erschienen bei Der Hörverlag, 25.08.2014
ISBN B00M8FW8VE
Genre: Sonstiges

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Tags: chaplin, churchill, der große diktator, hörbuch   (4)
 

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alter, alzheimer, autor, demenz, familie, gefühl, hörbuch, krankheit, krieg, kriegserinnerungen, liebe, pflege, sachbuch, schriftsteller, vater

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger , Matthias Brandt
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 01.01.2011
ISBN 9783899030365
Genre: Romane

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Tags: alter, demenz, familiengeschichte, hörbuch   (4)
 

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dorf, drittes reich, falsche anschuldigung, gesellschaft, historie, judenverfolgung, justizirrtum, kriminalistik, missbrauch, mord, nationalsozialismus, provinz, verbrechen, verleumdung, zweiter weltkrieg

Das Böse von nebenan

Sibylle Tamin
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 25.07.2013
ISBN 9783596189205
Genre: Biografien

Rezension:

Es gibt ein – der reinen Anzahl an Publikationen nach zu urteilen – sehr erfolgreiches Genre, wahre Kriminalfälle abzubilden: die True Crime. Nicht nur in der Literatur, sondern auch in Film und Fernsehen. Oft genug haben diese Bücher reißerische Titel und berichten auch genau davon: Von den grauenhaftesten aller grauenhaften Taten, die man sich vorstellen kann. Wenn das im Vordergrund steht, ist der Thrill zwar da, aber an der Umsetzung kann’s schon mal hapern. Das Buch „Das Böse von nebenan – Wahre Kriminalfälle aus der Provinz“ der – lt. Klappentext preisgekrönten – Journalistin Sibylle Tamin ist eine bemerkenswerte Ausnahme. Jeder einzelnen der vier Geschichten merkt man an, dass sie ausgesprochen gründlich recherchiert sind und von Tamin bezeichnend, nicht wertend, aber trotzdem entlarvend (Dummheit, Dünkel, Geltungssucht …), reflektiert werden. Außerdem hat die Journalistin nicht nur Fälle ausgesucht, in denen möglichst viel – oder überhaupt – Blut fließt. Böses geschieht auch, wenn keine Kettensägen im Spiel sind. Ein besonderer Aspekt ist außerdem der des Schauplatzes, der Provinz. Vielleicht wäre manche Tat auch in der Großstadt möglich – das besondere Gefüge einer Kleinstadt oder gar eines Dorfes, die Strukturen, die Abhängigkeiten, letztendlich auch die Reaktion der Nachbarn nach der Enthüllung der Tat, sind jedoch verschieden.

Das Buch beginnt konventionell mit dem wohl spektakulärsten Fall: Ein Sohn bringt, zusammen mit einem Freund, seine Eltern und seine beiden Schwestern um. Eine unvorstellbare Tat, scheinbar im schönsten Frieden. Missbrauch mag man da vermuten, oder einen zumindest despotischen Familienvater. Warum aber dann die Mutter, warum die Schwestern? Eine Bilderbuchfamilie war das, scheint es – aber auch ein Blick hinter die Fassade bringt keine eindeutigen Antworten. Ein strenger Vater, war das, aber kein Despot, dem man sich nur durch seine Ermordung erwehren konnte. Manche Motive und Mechanismen, die einen Menschen befähigen, eine solche Tat zu begehen (und einen Dritten in seine Tat miteinzubeziehen, ihn dazu zu bringen zu töten), heißt es, bleiben, abgesehen von dem Offensichtlichen, für immer im Dunkeln.

Im zweiten Fall geht es tatsächlich um sexuellen Missbrauch: begangen von mehreren Männern, über Jahrzehnte, an zig Mädchen. Als eine Frau nach Jahrzehnten aus Amerika zurück in ihr Heimatdorf kommt (solche Dinge geschehen also offenbar tatsächlich nicht nur im Roman!), bricht sich die Erinnerung an den erlittenen Missbrauch Bahn. Sie fährt in die Kreisstadt, zeigt an – und mehrere andere, inzwischen längst erwachsene Frauen, tun es ihr gleich. Ein beschuldigter Großbauer, ein Mann von Einfluss, hängt sich auf. Und das Dorf? Erklärt sich solidarisch mit den Tätern. Ausgegrenzt werden nicht die, die Kinder missbraucht haben, sondern die, die den Missbrauch erlitten haben. Wenn’s tatsächlich so gewesen wäre, warum haben sie nicht längst den Mund aufgemacht? Aber selbst wenn: So dramatisch wird’s nicht gewesen sein! Was ist denn dabei, einem Madl unter den Rock zu fassen! Szenen geradezu hysterischer Natur entspinnen sich: Männer mit Mikrophonen. Ja, natürlich: Irgendwo war schon was dran. Aber das hat man immer „unter sich“ geregelt. Und dabei hätte man es doch bitte belassen sollen! Dem schließt sich auch die Pfarrerin des Ortes an: Das Dorffest solle doch trotz der Vorwürfe stattfinden – und die und die und die doch bitteschön der Beerdigung des Großbauern fernbleiben. Stattdessen läuten eine halbe Stunde die Kirchenglocken.

Die dritte Geschichte erzählt von einem Justizirrtum: Ein Lehrer wird für die Vergewaltigung einer Kollegin schuldig gesprochen und eingesperrt. Der Lehrer, ein Außenseiter, die Lehrerin, eine blendende Erscheinung. Seltsamerweise – oder auch nicht – werden die Stimmen, die Zweifel an der Tat hegen, meist erst im Nachhinein laut. Diese Geschichte ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie Verleumdung, trotz offenbar eklatanter Unstimmigkeiten, gar Unmöglichkeiten, begleitet von Weisungen politischer Natur, funktionieren kann, durch alle Instanzen.

Der letzte Fall beleuchtet das Ansinnen, einer Schule einen Namen zu geben. Nach zwei Personen soll sie benannt werden, die in der Geschichte des Ortes eine Rolle gespielt haben: nach dem ehemaligen Dorfpolizisten und einer Bäuerin. 13 jüdische KZ-Häftlinge hat jener Polizist Ende April 1945 im Stall der Bäuerin untergebracht, entgegen seines Befehls, versteht sich, denn die Häftlinge sollten nach Dachau gebracht werden. Am nächsten Morgen sind die Amerikaner da. Und dann wird 2001 also der Antrag gestellt, die Schule, die bisher keinen Namen hat, nach diesen beiden Personen zu benennen. Immerhin, 1997 hatte es eine Gedenkfeier im Pfarrsaal gegeben, als man die beiden als Gerechte unter den Völkern in Yad Vashem gewürdigt hat. Das mit der Schule aber ist ein Politikum, weil: Wo man wusste, dass die Amerikaner doch eh kommen würden, dann noch schnell was Gutes  tun, also nein! Da kann man ja gar nicht wissen, war das Menschlichkeit oder doch Eigennutz! Dann doch lieber Benediktinergymnasium (für eine Grund- und Hauptschule)! Und die Kinder! Hat jemand an die Kinder gedacht? Denen kann man so eine Geschichte doch nicht zumuten! In 20 Jahren redet sowieso keiner mehr davon! Eine Tafel im Rathaus, ja, eine Schule nach ihnen benennen: ausgeschlossen! Irgendwann muss Schluss sein mit dem Krampf!

Ich halte diese Fallgeschichten, jede einzelne, für ausgesprochen lesenswert – nicht nur für die, die in ähnlichen kleinstädtischen oder dörflichen Strukturen leben und vielleicht schon einmal ähnliche Vorgänge menschlichen Miteinanders, wenn auch im nicht ganz so spektakulären Maßstab, beobachten konnten.

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