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36 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

vieh, dbp 2016, erbstreit, berg, kühe

Fremde Seele, dunkler Wald

Reinhard Kaiser-Mühlecker
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 25.08.2016
ISBN 9783100024282
Genre: Romane

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(74)

148 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 54 Rezensionen

neapel, freundschaft, italien, freundinnen, klassenkampf

Die Geschichte der getrennten Wege

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 540 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 27.08.2017
ISBN 9783518425756
Genre: Romane

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94 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

7 todsünden, neid, sieben nächte, angst, literatur

Sieben Nächte

Simon Strauß
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 08.07.2017
ISBN 9783351050412
Genre: Romane

Rezension:

Schon immer sind junge Menschen ein Sinnbild für die Lust an Neuem und dem Willen, Althergebrachtes in Frage zu stellen und dagegen zu revoltieren. Dafür stehen auch ganze Epochen wie beispielsweise Sturm und Drang oder die '68er. Doch während es in der Vergangenheit noch vergleichsweise leicht fiel, sich gegen die vorhergehenden Generationen aufzulehnen und voller Inbrunst für eine andere und bessere Zukunft zu kämpfen, tun sich die heutigen Jungen eher schwer. Die Eltern sind die besten Freunde; wo man hinkommt, kann man dem umfassenden Verständnis für alles und jeden kaum entkommen - und das Leben der Alten ist ja auch gar nicht so schlecht. Wogegen also seine Energien einsetzen?
Doch genau dieses Lebensgefühl verursacht dem Protagonisten dieses schmalen Büchleins ein enormes Unwohlsein. Wo ist die Intensität des Lebens, die überschäumende Energie mit der man für die Umsetzung seiner Ideale kämpft? Als ihm in Aussicht gestellt wird, genau dies kennenzulernen, indem er sich in sieben Nächten den sieben Todsünden stellt und deren Erlebnisse schriftlich festzuhalten, nimmt er dieses Angebot freudig an.
Wer sich nun auf eine ausdruckvolle, bilderreiche Schilderung intensiv durchlebter Nächte freut, dürfte ziemlich enttäuscht werden. Es sind Gedankenfetzen, die hier notiert sind; die deutlich machen, was zu diesen Nächten führte. Einzelne Bilder, was sich in diesen Nächten abspielte, die jeweils fünf bis sieben Seiten umfassen, aber keine zusammenhängenden Beschreibungen. Doch die Sprache des Autors ist eindringlich und faszinierend. Ihm gelingen beeindruckende Sätze, die die Unzufriedenheit und Angst des Ich-Erzählers den Lesenden nahe bringen: "In dieser Wohnung, die niemand mehr mit besonderen Erwartungen betritt. Die bis oben hin zugestellt war mit Gewohnheit." oder "Kenne nicht einmal meine Nachbarn. Als ich hier eingezogen bin, haben die sich mir nicht vorgestellt. Und ich klingele grundsätzlich nicht an fremden Wohnungstüren." Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man lachen ;-)
Aber im Ernst: Wenn dieses Büchlein tatsächlich das Lebensgefühl der Unterdreißiger darstellt (wie in einer Kritik behauptet wurde), dann haben sie mein volles Mitgefühl. Vielleicht kann ihnen ja diese Leküre helfen - bei was auch immer.

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352 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 79 Rezensionen

jugendbuch, siena, ursula poznanski, thriller, jugendthriller

Aquila

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Loewe, 14.08.2017
ISBN 9783785586136
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Eine junge Frau erwacht eingesperrt in ihrer WG-Wohnung, zwei volle Tage fehlen in ihrer Erinnerung und im Bad liegt ein zerrissenes, blutiges Männer-T-Shirt. Kein schlechter Beginn für einen spannenden Krimithriller, der dazu noch vor dem Hintergrund der schönen Stadt Siena spielt, die mit jeder Menge schmaler Gassen und geheimer Gänge aufwarten kann. Doch leider leider werden die Möglichkeiten nicht genutzt, die sich aus diesen Grundlagen entwickeln lassen könnten.
Die Hauptfigur Nika, 19 Jahre jung und eine deutsche Austauschstudentin, die kaum der italienischen Sprache mächtig ist, widmet sich statt der aktiven Suche nach den Hintergründen ihrer Teilamnesie mehr ihren eigenen Befindlichkeiten: ängstlich, furchtsam und voller Heimweh. Irgendwann ging es mir wirklich auf die Nerven, immer wieder davon zu lesen, wie ihr die fehlenden Erinnerungen zu schaffen machen. Spätestens beim dritten Mal haben es wohl Alle verstanden, wie schlimm sie dran ist, da bin ich mir sicher. Keine Frage, die Geschichte ist grundsätzlich spanned. Aber da Nika sich nur mit vielen Mühen aufraffen kann, etwas zu unternehmen und stattdessen lieber ihr Schicksal beklagt, zieht sich das Ganze recht zäh dahin. Die anfänglich entdeckten Details, von denen es bedauerlicherweise viel zu wenige gibt, die zur Spannung und sicherlich auch zur Lösung beitragen sollen, erfüllen ihren Zweck, doch auch nicht mehr. Und was man über deren Hintergründe erfährt (die grausamen Zeichnungen, die spezielle Münze ...), ist viel zu dürftig; hier hätte sicherlich Vieles ausgeschmückt werden können.
Dennoch: Die Geschichte blieb immer noch spannend, wobei ich mich aber dabei erwischte, teilweise quer zu lesen - noch mehr Selbstmitleid konnte ich einfach nicht mehr ertragen ;-) Doch dann wurde es zum Ende hin nochmal packend, bis - die Auflösung kam. Schon der erste Teil hörte sich mehr nach einer Splatterparodie an, wäre aber wohl noch gerade so gegangen, doch der tatsächliche Schluss: Um Himmels Willen, liebe Frau Poznanski, was war denn da mit Ihnen los? War Ihnen Alles egal? Glaubwürdigkeit hin oder her?
Dass überdies noch eine Liebesromanze miteingebaut werden musste, fand ich völlig unnötig, aber Schwamm drüber. Doch so ein Ende, das hätte nun wirklich nicht sein müssen.
Ich bin mir sicher, es gibt richtig gute Bücher von Ursula Poznanski - 'Aquila' gehört jedoch nicht dazu!

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(23)

31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

recycling, hoffnungsträger, überfluss, konsumwahn, jenssteiner

Mein Leben als Hoffnungsträger

Jens Steiner
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Arche, 04.08.2017
ISBN 9783716027646
Genre: Romane

Rezension:

Philipp, ein junger Mann Anfang 20, hat seine Lehre abgebrochen und wurde aus seiner WG geworfen - offenbar nicht gerade ein Hoffnungsträger unserer Gesellschaft. Doch Uwe, der Chef eines Recyclinghofes, sieht das anders. Er glaubt in ihm eine verwandte Seele zu erkennen und weiht ihn nach und nach in die Geheimnisse des Recycelns ein (Was ist der Unterschied zwischen Schrott und Altmetall? Altmetall ist nichteisernes Metall, Schrott hingegen eisenreich).
Philipp, der Ich-Erzähler in diesem Buch, ist eine ungewöhnliche Erscheinung in unserer Gesellschaft. Statt sich intensiv seiner Zukunftsplanung zu widmen (Karriere, Familie, Haus), lässt er das Leben geschehen und ist sein interessierter Beobachter. Es ist keine Lethargie, die ihn nicht antreibt, sondern vor allem das genaue Wissen darum, was er will und nicht will: sich und Andere unter Druck setzen. Insbesondere seine Eltern sind ihm, was den Druck betrifft, hierfür ein typisches Beispiel: „… sie (seine Mutter) denkt vielleicht, dass der Vogel es richtig macht, er zieht von Gelegenheit zu Gelegenheit, wachsam und frei, jedenfalls macht er es besser als sie, die diesen Lebensballast immerzu mit sich trägt, diese Ehe, diese Familie, dieses Haus und die tausend Verpflichtungen, weil man sich selbst oder irgendwem vor langer Zeit alles Mögliche versprochen hat …“. Oder sein Vater, der keinen Zwang auf ihn ausübt und nur das Beste für ihn will. Wobei er darunter aber etwas völlig anderes versteht als sein Sohn. „Es muss ihn (den Vater) innerlich zerreißen.“
Es mag so scheinen, als ob Philipp sich einfach durch sein Leben treiben lässt, doch er macht sich über sein Dasein und alles was dazu gehört, vermutlich mehr Gedanken als die meisten Menschen. Beispielsweise über seine Arbeit im Recyclinghof und die Leute, die dorthin kommen: "... es gibt noch jene, die vor Jahren im Ausverkauf 30 m Gartenschlauch ergattert haben, nur für den Fall. Doch der Fall ist nie eingetreten. Endlos viele Fälle treten nie ein. Ware bleibt unbenutzt liegen, Ware gerät in Vergessenheit, genau wie der Grund, weshalb sie einmal angeschafft wurde." Oder als er sich fragt „Doch wann … sind die Dinge nicht mehr die Dinge, die sie einmal waren? Irgendwann sind sie etwas Anderes geworden, aber an welchem Punkt haben sie angefangen, dieses Andere zu werden?“ … „All die Sofas, Bücherregale und Lampen waren auch einmal Hoffnungsträger, waren Teil eines Teams, … Jetzt sind sie hier gelandet, vergessen von der Welt und den Menschen, die sie loswerden wollten.“ Auch macht er sich immer wieder bewusst, wie gut es ihm geht: „Das Geräusch, das meine Stiefel auf dem Matsch machen, fasst die ganze Misere der Welt zusammen. Kein Grund, sich unglücklich zu fühlen, denke ich und schicke abermals ein Grinsen in Richtung Himmel.“ Grauenvolle Nachrichten, die sich irgendwo in der Welt während seines Lebens ereigneten, lässt er wiederholt in die Darstellung seines beschaulichen Daseins einfließen, umso ganz nebenbei die Prioritäten deutlich zu machen: „… und begreife, dass man als Ding über all das, was der Mensch erfindet, nur lachen kann: das Hoffnungsträgertum, Hühnerställe, Dessert-Cocktails, Recyclinghöfe, Kriege, die Kindheit, die Zukunft.“
Ein Mut machendes Buch für all jene, die sich wie Philipp fragen: „Warum muss man immer besser werden, warum immer noch ein Diplom erwerben, warum immer weiter dorthin streben, wo die Luft dünn ist, wo Stressjob und Haushypothek ständig die Hand an deiner Gurgel haben?“ Denn man sollte nie vergessen: „Am Anfang tut jeder, als sei er ein Unikum, am Ende sind wir alle ein einziger Brei.“ 😉

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108 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 71 Rezensionen

sklaverei, afrika, ghana, usa, amerika

Heimkehren

Yaa Gyasi , Anette Grube
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 22.08.2017
ISBN 9783832198381
Genre: Romane

Rezension:

Alex Haley beschrieb in seinem Welterfolg 'Roots' auf mehr als 700 Seiten das Leben von Kunta Kinte und seinen Nachkommen - Yaa Gyasi benötigt für die Geschichte der Halbschwestern Effia und Esi und ihren Nachfahren nur 400 Seiten, ohne dass ich beim Lesen das Gefühl hatte, nur unvollständige Ausschnitte mitgeteilt zu bekommen.
14 Kapitel hat das Buch, jedes ist einem Abkömmling einer Generation gewidmet, beginnend mit Effia und Esi, die sich nie kennenlernten. Während Effia, die die uneheliche Tochter des Hausmädchens Maame ist, das direkt nach ihrer Geburt floh, gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit einem britischen Festungsgouverneur verheiratet wird, wird Esi, Maames eheliche Tochter, ca. zur gleichen Zeit vom Stamme Effias gefangengenommen und als Sklavin verkauft. Sie und ihre Nachkommen werden in den USA leben und aufwachsen unter den erbärmlichsten Bedingungen, die man sich vorstellen kann. Selbst das Verbot der Sklaverei ändert kaum etwas an den gnadenlosen Zuständen, in denen sie sich befinden.
Effias Nachfahren hingegen bleiben in Ghana, profitieren weiterhin vom Sklavenhandel oder entziehen sich ihm auf radikale Weise mit der Hoffnung, so ihr Glück zu finden.
Obwohl von jeder Person stets nur 20 bis 30 Seiten lang erzählt wird, reichen diese vollständig aus, um sich eine Vorstellung von ihrem Lebensweg und dem seiner bzw. ihrer Eltern zu machen. Geschickt werden Erinnerungen und Rückblicke in die laufende Geschichte eingeflochten, sodass ich kontinuierlich der Fortentwicklung dieser Familie folgen konnte, die bis in die heutige Zeit von der Sklaverei gekennzeichnet ist.
Dieses Buch ist beeindruckend und grandios, aber auch entsetzlich grausam, wobei ich keine Grausamkeit im blutrünstigen Sinne meine. Denn was Yaa Gyasi hier erzählt, mag eine fiktive Geschichte sein, aber das wovon sie berichtet, beruht auf realen Geschehnissen.

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87 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

drogen, thriller, london, drohnen, brexit

Die Lieferantin

Zoë Beck , Thomas Wörtche
Flexibler Einband: 324 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.07.2017
ISBN 9783518467756
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

London nach dem Brexit: Die Zeiten sind rauer geworden, die neuen Rechten gewinnen die Oberhand, rigorose Überwachung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gehören zum Alltag. Statt sich aufzuputschen nehmen die Menschen Drogen, um der grauen Wirklichkeit zu entfliehen. Elliot Johnson hat dafür eine perfekte Dienstleistung entwickelt: Ihre Website informiert detailliert und ansprechend über das Angebot, das über eine komfortable App bestellt werden kann. Die Lieferung kommt umgehend per Drohne, ohne dass jedoch Rückschlüsse auf den Absender gezogen werden können. Ihre Konkurrenten, drei alt eingesessene Unterweltchefs, reagieren sauer: So schnell lassen sie sich keine Marktanteile abjagen. Die Jagd auf die Neue beginnt ...
Dieses Buch ist nicht nur ein Krimi, der im Drogenmilieu spielt, sondern auch eine deutliche Abrechnung mit einer Politik, die Populismus schürt und die Schwachen zugunsten der Starken weiter schwächt. Auch wenn es ein Zukunftsszenario darstellt: Die von Zoë Beck beschriebenen Zustände sind bereits jetzt in Ansätzen erkennbar und ohne Gegensteuern wird es sich wohl weiter in diese Richtung entwickeln.
Doch zurück zum Krimi: Durch verschiedene Perspektiven erhält man Einblick in die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche und wie diese trotz ihrer recht großen Unterschiede dennoch zusammenhängen. Ein Kneipenwirt bringt ungeplant einen Schutzgelderpresser um, worauf dessen Chefs erst einmal ein Komplott vermuten. Als Folge wird ein Drogenlieferant ermordet und durch ein einziges Wort, das bis zum Schluss nicht wirklich überzeugend bestätigt wird, gerät ein jahrelang mühsam austariertes Gleichgewicht in der Londoner Unterwelt ins Wanken. Es ist ein geniales Konstrukt, das die Autorin hier aufgebaut hat, denn irgendwie hängt Alles mit Jedem und Allem zusammen. Einiges mag vielleicht etwas zu plakativ sein (die Erklärung für Elliots Handeln oder die Verbindungen der Unterwelt mit der Politik), aber es fügt sich Alles wunderbar wie ein Puzzle zusammen und so manches Teil ist eine wirkliche Überraschung.
Auch wenn es ein bisschen viel an Gesellschaftsthemen sind, die Zoë Beck in diesem Buch anspricht (Rassismus, Überwachung, Gesundheitsversorgung, Zero-Tolerance bei Drogen - auch Nikotin, Alkohol usw.): Durch die schnellen Perspektivwechsel und die Unterschiedlichkeit der Personen wirkt der Krimi nicht überfrachtet, und ich war wirklich gefesselt von dieser spannenden Geschichte in einer Gesellschaft, die ich hoffentlich nie kennenlernen muss.

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

schottland, mord, krimi, thriller, ermittler

Totenkalt

Stuart MacBride , Andreas Jäger
Flexibler Einband
Erschienen bei Goldmann, 17.07.2017
ISBN 9783442485666
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Im winterlichen Schottland wird ein übel misshandelter Toter aufgefunden - offensichtlich ein Verbrechen im Drogenmilieu, das abschrecken soll. Oder ist der Geschäftspartner des Ermordeten dafür verantwortlich, der seit Tagen spurlos verschwunden ist? Ein Sonderermittlungsteam übernimmt den Fall, geleitet von Detective Chief Inspector Roberta Tiberius Steel, eine frühere Chefin von Sergeant Logan McRae. Auf ihren Wunsch und gegen seinen Willen wird er ihrem Team zugeteilt ...
Es ist der 10. Band um Sergeant Logan McRae, für mich war es jedoch der erste dieser Reihe. Im Großen und Ganzen bereitet es keine Schwierigkeiten mit diesem Teil einzusteigen; bei aufmerksamem Lesen werden bald die besonderen Beziehungen klar, die zwischen den Protagonisten bestehen. McRae ist der Vater der beiden Kinder seiner Chefin, wobei er vermutlich eher als Samenspender für die ostentativ bekennende Lesbe diente. Es herrscht ein derber, teilweise in die Fäkalsprache abrutschender Gesprächston zwischen den Beiden, wobei in erster Linie Steel dafür verantwortlich zeichnet; ein Charakter, bei dem ich beständig zwischen Zu- und Abneigung hin und her schwankte.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Es ist ein Regionalkrimi bzw. -thriller. Doch während bei vielen Büchern dieser Art die Landschaft, in der sie spielen, meist nur als touristische Kulisse missbraucht wird, ist Schottland hier ein fester Bestandteil der Geschichte. Schottische Namen, Bräuche, Riten usw. werden hier wie selbstverständlich genutzt und führten zumindest bei mir gelegentlich zu kleinen Verwirrungen, da sie für deutsche Ohren doch ungewöhnlich klingen: Wee Hamish Mowat oder Cthulhu beispielsweise oder Ausdrücke wie 'Foos yer doos...' - keine Ahnung, was sie bedeuten. Aber egal, ich habe mich Schottland selten so nah gefühlt wie bei dieser Lektüre.
Die Sätze sind meist sehr knapp gehalten, es wirkt, als ob man McRae direkt beim Denken zusieht. Seine Neigung zu Selbstgesprächen mag auf den ersten Blick skurril wirken, doch wer ist davon gänzlich frei? Insbesondere dann, wenn es darum geht, schwierige Entscheidungen zu treffen bzw. sich zu Dingen aufzuraffen, die man eigentlich lieber vermeiden möchte. Und davon hat er mehr als genug. Obwohl sein Hang, sich den übelsten Situationen auszusetzen, fast schon etwas überzogen wirkte (er muss sein Freundin im Koma 'abschalten'; er wird Testamentsvollstrecker eines verstorbenen 'Mafia'bosses; er soll für die Innere Abteilung gegen eine Kollegin spionieren; wenn er nicht jemanden umbringt, wird er umgebracht bzw. korrupt), wurde mir Sergeant McRae immer sympathischer. Wohl auch deshalb, weil das Alles nicht ohne Witz passiert. Es hat schon fast etwas Slapstickhaftes an sich, wenn der Held halbtot unverschuldet schon wieder in die nächste lebensgefährliche Situation hineingerät und noch lädierter daraus hervorgeht. Auch sonst finden sich immer wieder Szenen, die mich zumindest zum Grinsen brachten: Wie der Polizeineuling Tufty seinem Chef die Zeit erklärt ('Die Zeit ist eine sekundäre Eigenschaft eines entropischen Feldes.') oder als Steel für die Mutter McRaes gehalten wird.
Der eigentliche Fall wirkte auf mich eher nebensächlich, in der Hauptsache ging es um McRae und seine Schwierigkeiten, die wirklich lebensbedrohlich sind. Die Klärung des Mordes war zwar überraschend, wirkte aber fast schon banal. Dass damit so ganz nebenbei noch mehr geklärt wurde, machte das Ganze auch nicht besser. Trotzdem: Es hat mir gefallen, weniger wegen der Lösung des Verbrechens, sondern wegen der Figuren und ihrer Verwicklungen, die erfrischend anders auf mich wirkten.

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107 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

freundschaft, hautfarbe, rassismus, london, großbritannien

Swing Time

Zadie Smith , Tanja Handels
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462049473
Genre: Romane

Rezension:

Zwei kleine Mädchen, die die Liebe zum Tanz und zur Musik verbindet, werden die besten Freundinnen. Doch obwohl sich ihre Leben in gegenläufige Richtungen entwickeln, kreuzen sich ihre Wege immer wieder.
Berichtet wird die Geschichte der namenlosen Ich-Erzählerin, die von Beginn an in den Bann der dominanten, tanztalentierten Tracey gezogen wird. Zwar leben beide in einem eher ärmlichen Vorort Londons, doch ihr familiäres Umfeld unterscheidet sich deutlich. Während Tracey in einem sozial schwierigen Elternhaus groß wird (Mutter alleinerziehend, Vater kriminell, Bildung (außer Tanz) zweitrangig), entspricht die Familie der Ich-Erzählerin eher dem bildungsbürgerlichen Ideal. Insbesondere ihre Mutter, die aus Jamaica stammt, ist politisch interessiert und voller Wissensdurst und versucht diese Neigungen ihrer Tochter zu vermittlen, während ihr britischer Vater mehr für die emotionalen Belange zuständig ist.
Tracey macht Tanzen zu ihrem Beruf, ihre Freundin geht auf's College. Durch einen Zufall wird sie die persönliche Assistentin einer weltberühmten Sängerin und jettet fortan mit dieser durch die Welt, sodass die Freundinnen sich aus den Augen verlieren.
Tja, und mein Resümee? Ich tat mich schwer mit dieser Geschichte, die so nüchtern und sachlich erzählt wurde, als würde es sich um eine Dokumentation handeln. Nur war das Thema bei Weitem nicht so fesselnd wie man es von einer Solchen erwarten würde. Die Ich-Erzählerin ist ein eher farbloser Charakter, der sich sein Leben lang von Anderen sagen lässt, was zu tun ist: zuallererst die Mutter, dann Tracey und am Ende Aimee, die Sängerin. Auch die anderen Figuren hinterließen keinen großen Eindruck bei mir - vielleicht liegt es an der nüchternen Darstellungsweise, mit der sie beschrieben werden. Obwohl es in diesem Buch auch viel um Freundschaft geht, ist davon nur wenig zu spüren; Wärme und Nähe zu den ProtagonistInnen sind Mangelware.
Es gibt viele wichtige Themen, die in diesem Buch angesprochen werden, keine Frage: Rassendiskriminierung, Kindesmissbrauch, Verhältnis Arm-Reich undundund. Doch gemeinhin geht es nur einen Schritt in diese Richtung, das Meiste wird nur angedeutet, nichts mutet wirklich so wichtig an, dass es eine intensivere Betrachtung wert wäre. Vielleicht liegt es an dem, was die Protagonistin gegen Ende sagt: "Ich will nur für mich selbst verantwortlich sein." Dieser Satz scheint das Motto zu sein, das das ganze Buch durchzieht. So liest man diese durchaus gut geschriebene Lebensbeschreibung, die einen mit kaum einer Gefühlsregung zurücklässt und kann nur hoffen, dass der offene Schluss zu einem besseren Weiterleben der Ich-Erzählerin führt.

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(142)

249 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 97 Rezensionen

okapi, tod, westerwald, liebe, leben

Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 13.09.2017
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Dieses Buch ist wie eine Wundertüte, voller geheimnisvoller Dinge und Überraschungen, mit denen niemand rechnet. Denn eigentlich erzählt es die Geschichten der Menschen eines kleinen Dorfes im Westerwald, das von außen betrachtet wohl eher öde und langweilig wirkt. Doch die Menschen und deren Leben sind alles andere als öde und langweilig. Da ist Selma, die Großmutter der Erzählerin Luise, die Rudi Carrell ungeheuer ähnlich sieht und gelegentlich von einem Okapi auf einer Wiese träumt, woraufhin innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand stirbt. Der Optiker, der eine ganze Wohngemeinschaft von Stimmen in sich beherbergt und unsterblich in Selma verliebt ist, ihr es aber nie gesteht. Dafür schreibt er ihr Liebesbriefe, die aber immer nach spätestens dem zweiten Satz enden und die er nie abschickt. Elsbeth, die abergläubische Schwägerin von Selma, die gegen Alles ein Heilmittel weiß und hat: Gicht, ausbleibende Liebe und ausbleibenden Kindersegen, unausgebliebene Hämorrhoiden und quer liegende Kälber. Und natürlich Luise, die Ich-Erzählerin, die bereits ihr ganzes Leben zwischen und mit diesen und noch mehr Menschen verbringt und in diesem Buch davon berichtet.
Nun könnte man meinen, was gibt es da schon groß zu berichten, aus einem kleinen Dorf im Westerwald, was vermutlich auch Luises Vater so sieht (sein Lieblingssatz: "Ihr müsst dringend mal ein bisschen mehr Welt hereinlassen."), denn er verschwindet eines Tages um zu reisen. Doch hier gibt es Alles, was es auch in der großen weiten Welt gibt: es wird gelebt, geliebt und gestorben, Glück und Drama, Freude und Leid. Und Mariana Leky lässt Luise so wunderbar liebevoll, heiter und bildhaft von dieser kleinen Welt in der großen erzählen, dass ich am liebsten sofort aufgebrochen wäre, um all diese Menschen kennenzulernen. Wunderschöne Sätze folgen einer nach dem andern und ich schwelgte so richtig in dieser herrlichen Sprache: "Er sah ihn (den Hund) nur selten, das vereinfachte die Liebe, denn Abwesende können sich nicht danebenbenehmen."; "Es schien, als habe er (der Hund) mehrere Leben, die er alle hintereinander weglebte, ohne zwischendurch zu sterben."; "Marlies' Tante hatte sich umgebracht, im Alter von 92 Jahren hatte sie sich in der Küche erhängt, wofür Marlies kein Verständnis hatte, denn mit 92, fand sie, lohne das Aufhängen ja kaum noch."
Ein Buch über das Leben, die Liebe und den Tod - wunderschön!

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

meer, trennung, roman, frau, belletristik

Wellen

Eduard von Keyserling
Fester Einband: 174 Seiten
Erschienen bei Steidl, 01.01.1998
ISBN 9783882435498
Genre: Romane

Rezension:

Vor über 100 Jahren ist dieses Buch das erste Mal erschienen, aber in vielem liest es sich auch wie ein Bild unserer Zeit und wirkt hochaktuell.
Generalin Palikow hat für ihre Familie einen Sommerurlaub organisiert - und selbstverständlich sind alle gekommen: ihre Tochter Bella mit ihrem Ehemann Baron Buttlär, deren Kinder Lolo, Nini und Wedig ebenso wie Lolos Bräutigam Hilmar. Ein Haus direkt am Meer wurde gemietet, nur wenige kleine Fischerhäuser befinden sich in der Umgebung. Doch in einem davon logiert das Ehepaar Grill, das 'berühmtberüchtigt' ist. Denn Doralice Grill, eine wunderschöne junge Frau, war zuvor mit dem Grafen Köhne verheiratet und verließ ihn für den Maler Grill - welch ein Skandal! Insbesondere Bella ist darüber verstimmt, eine solche Person in unmittelbarer Nachbarschaft zu wissen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie um die Schwäche ihres Ehemannes Bescheid weiß - schöne Frauen.
Etwas altertümlich klingt die Sprache, aber Eduard von Keyserling beschreibt sehr bildhaft und ausdrucksvoll den Strand mit der ihn umgebenden Landschaft sowie die daran angrenzende See; seine Begeisterung über die Schönheit der Natur und die Kraft des Meeres waren für mich durch seine Worte hindurch regelrecht spürbar. Doch noch bestechender empfand ich seine Darstellung der Personen, die in ihrer Gesamtheit beinahe schon eine Welt für sich darstellten: Auf der einen Seite die adlige Familie, deren jüngere Generationen gegen die Einhaltung der überkommenen Konventionen, für die die Generalin steht, rebellieren. Und auf der anderen Seite der Maler Grill sowie die Fischer, die scheinbar ohne Zwänge ihr Leben leben dürfen wie sie wollen. Dazwischen steht Doralice, die es zwar wagte, die Welt dieser Zwänge zu verlassen, sich aber trotzdem immer wieder nach dem Komfort dieses Lebens sehnt und sich in ihrer neuen Welt noch immer nicht heimisch fühlt. Sie ist eine Ausgestossene ebenso wie der Geheimrat Knospelius (der ebenfalls dort in einem Fischerhaus residiert), der zwar eine geachtete Stelle in der Reichsbank innehat, aber aufgrund seiner Missbildung dennoch nicht dazu gehört.
Es ist überdeutlich, dass von Keyserling diesem ländlichen Adel nicht viel Sympathie entgegenbrachte, was vermutlich aus ähnlichen Erfahrungen resultierte wie sie der Geheimrat erfahren musste. Vieles ist mit einer derart spitzen Feder geschrieben, dass das Buch bei seinem ersten Erscheinen in bestimmten Kreisen vermutlich nicht gelesen wurde. Oder falls doch, nur, um sich aufzuregen ;-) Beispielsweise die Beschreibung von Bella: 'Aufgebraucht von Mutterschaft und Hausfrauentum war sie sich ihres Rechtes bewußt, kränklich zu sein und nicht mehr viel auf ihr Äußeres zu geben.' Oder als die Generalin ihrer Tochter das Wesen der Männer erklärt: 'Es ist immer dieselbe Geschichte, wenn ihr heiratet, wollt ihr hübsche Männer haben, aber ein hübscher Mann konserviert sich länger als unserein, der bringt keine Kinder zur Welt, der schont sich mehr ...' und 'Die Ehe, meine Liebe, ..., ist vielleicht sehr heilig, aber unsere Männer sind es nicht.' Es gibt viele solcher kleiner Bösartigkeiten, sehr zur Freude der heute Lesenden, vermute ich. Darüber hinaus hatte der Autor ebenso einen überaus guten Blick für diverse andere gesellschaftliche Probleme, die auch heute noch aktuell sind.
Ein schönes, witziges und nachdenklich machendes Buch, das in Manchem wohl seiner Zeit voraus war.

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(70)

114 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 67 Rezensionen

krimi, norwegen, oslo, serienmor, brutal

Teufelskälte

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783471351499
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

16 Jahre nach dem Mord an einem 15jährigen Mädchen, der der Auftakt zu einer ganzen Serie von grausamen Tötungen junger Frauen war, geschieht wieder eine solche Tat. Doch der Täter sitzt sicher verwahrt in einer psychiatrischen Klinik, sodass die alten Fälle, insbesondere der erste, wieder neu aufgerollt werden. Wurde der Falsche verurteilt? Oder hatte der Mörder einen Komplizen? Oder ein Nachahmungstäter? Bei der Suche nach neuen Indizien stößt Kommissar Bergmann auf Spuren, die in seine eigene Vergangenheit führen ...
Dieser Krimithriller gestaltet sich trotz der offenbar brutalen Verbrechen bemerkenswert unblutig. Zwar wird immer wieder deutlich darauf hingewiesen, wie grausam der Täter vorgeht, doch es bleibt der eigenen Phantasie vorbehalten, sich das vorzustellen (was manchmal ja schlimmer sein kann als die 'besten' Beschreibungen ;-)). Im Gegensatz dazu ist die Beschreibung des 'Innenlebens' des ermittelnden Kommissars Bergmann und seiner Mitarbeiterin Bech recht ausführlich gehalten, für meinen Geschmack etwas zu ausführlich. Beide haben unabhängig voneinander Ängste die sich ähneln, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Immer wieder treten diese massiv in den Vordergrund und werden so umfassend beschrieben, dass ich zeitweilig richtiggehend genervt davon war. Natürlich ist es spannender, wenn die Protagonisten ihre eigenen Probleme haben; aber kann man das nicht subtiler schreiben?
Der Fall selbst entwickelt sich zu einem Puzzlespiel mit unüberschaubar vielen Teilen. Glaubt man endlich halbwegs einen Überblick bekommen zu haben, kommen neue verwirrende Details hinzu. Ich habe selten einen Krimi gelesen, der mich mit fortschreitender Seitenzahl eher mehr verwirrte, als ich dass ich der Lösung näher kam. Erst im letzten Fünftel begannen sich dann die Nebel zu lichten, die in einem verblüffenden Ergebnis aufgingen. Was aber wirklich fies ist (und das ist jetzt eher positiv gemeint ;-)), ist das offene Ende. Geschickt gemacht, denn natürlich will man wissen, was hinter dem mysteriösen Gedicht von Gustaf Fröding steckt (und noch ein bisschen mehr). Und kauft sich deshalb den dritten Band ;-)
Alles in allem ein spannender, aber etwas ausufernder Krimithriller, dem meiner Meinung nach eine kleine Straffung gut getan hätte.

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(90)

121 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 67 Rezensionen

thriller, eden, candice fox, sydney, mord

Eden

Candice Fox , Thomas Wörtche , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 476 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.09.2016
ISBN 9783518467145
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Beinahe nahtlos macht 'Eden' dort weiter, wo 'Hades' endete: Nach der erfolgreichen Jagd auf den Serienmörder Jason, der kurz zuvor auch Frank Bennetts Geliebte ermordet hatte, ist Frank in ein tiefes Loch gestürzt, das er mit Alkohol und Tabletten zu füllen versucht. Eden, seine Partnerin, reißt ihn gnadenlos heraus, denn ein, nein, eigentlich zwei neue Fälle stehen an. Zum einen benötigt Hades, der Vater von Eden, die inoffizielle Hilfe von Frank. Zum anderen sind drei junge Mädchen verschwunden, die alle kurz zuvor auf der Farm von Jackie waren. Eden wird dort undercover eingeschleust und von einer Minute auf die andere ist Franks volle Aufmerksamkeit notwendig.
Wie auch beim ersten Teil gibt es mehrere Erzählstränge. Während aus Edens Sicht der Fortgang ihrer Undercover-Ermittlungen geschildert wird, ermittelt Frank neben der Überwachung von Edens Einsatz auch für Hades, der wissen möchte, was aus seiner Jugendliebe Sunday geworden ist. Denn deren Neffe ist davon überzeugt, dass Hades für den Tod seiner Tante verantwortlich ist und will Antworten. Antworten, was wirklich passiert ist. Im dritten Erzählstrang wird Hades Lebensweg geschildert bis zum Zeitpunkt von Sundays Verschwinden.
Die Spannung ist dieses Mal deutlich verhaltener, obwohl die zu klärenden Fälle im Gegensatz zum ersten Band tatsächlich erst kurz vor dem Ende mit wirklichen Überraschungen aufwarten können. Vielleicht weil es keine weiteren Verbrechen gibt bzw. das Ganze weit in der Vergangenheit liegt, entwickelt sich die Geschichte mehr zu einem Psychogramm des Ermittlers sowie einer Gruppe von Personen, die fern am Rande der Gesellschaft leben. Insbesondere Letzteres liest sich schrecklich, wenn sich Menschen schlimmer als Tiere verhalten: wie sie im Dreck hausen, bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und zudröhnen, aus Freude Menschen und Tiere quälen und vielleicht noch Schlimmeres.
‚Eden‘ ist zwar weniger spannend als Band 1, aber dennoch fesselnd. Band 3 werde ich also auch noch lesen ;-)

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106 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

england, geburt, flut, flucht, naturkatastrophe

Vom Ende an

Megan Hunter , Karen Nölle
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei C.H.Beck, 18.05.2017
ISBN 9783406705076
Genre: Romane

Rezension:

Während draußen England in den Fluten versinkt, bringt die namenlose Ich-Erzählerin ihr Kind zu Welt. Es herrscht Panik, die Krankenhäuser sind überfüllt und schon nach kurzer Zeit müssen Mutter und Kind das Krankenhaus verlassen. Gemeinsam mit dem Vater brechen sie auf zu den Schwiegereltern, die in höheren Lagen leben. Doch der Friede ist nur von kurzer Dauer. Die Auswirkungen der Katastrophe hinterlassen auch bei ihnen Spuren und zwar so schlimme, dass sie weiterziehen müssen.
Wer jetzt glaubt, eine Endzeit-Dystopie vor sich zu haben, hat sich getäuscht. Das ganze Buch (besser Büchlein, es hat gerade mal 157 Seiten. Und wenn man die Leeren abzieht, bleiben noch 127.) wird von der 'geriatrischen Erstgebärenden', wie sie sich selbst bezeichnet, aus deren Sicht erzählt. Allerdings nicht im herkömmlichen Erzählstil, der sich chronologisch durch die Zeit bewegt und gegebenenfalls noch Erinnerungen zulässt. Stattdessen sind es einzelne Sätze, die das Wichtigste widergeben: was ihr widerfährt, sowohl in der Gegenwart, Vergangenheit oder Wünsche und Träume, wobei ihr Kind klar im Mittelpunkt steht. Schlägt man das Buch auf, wirkt es wie eine Art Tagebuch, das jedoch weitestgehend emotionslos geschrieben wurde. Als ob sie zwischen sich und dem Erzählten die größtmögliche Distanz bringen will; selbst Personen werden nur mit Buchstaben statt mit Namen benannt. Doch trotz dieser scheinbar eher kargen Darstellungsweise war ich mir ihrer Situation stets vollkommen bewusst, denn die Autorin hat eine unglaublich bildreiche Sprache mit wunderbaren Neologismen (beispielsweise schmetterlingsflügelzarte Tritte). Vielleicht gerade deshalb berührten mich ihre Sätze so stark, dass ich die Liebe und die Furcht, die sie für und um ihr Kind und ihren Mann empfindet, fast schon zu spüren vermeinte.
Es ist ein wirklich überraschendes Büchlein, das trotz seines eher leidenschaftslosen Tonfalls jede Menge Gefühle zu wecken versteht, die mich die Lektüre nicht so schnell wieder vergessen lassen. Vielleicht auch, weil die eigenen Emotionen intensiver sind als die angelesenen ;-)

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180 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 72 Rezensionen

thriller, hades, australien, mord, candice fox

Hades

Candice Fox , Thomas Wörtche , Anke Caroline Burger
Flexibler Einband: 341 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.05.2016
ISBN 9783518466735
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Szenario wie aus einem Albtraum: Auf einer Müllkippe werden die Leichen zweier Kinder angeliefert, denn Alle wissen, dass dort ‚Entsorgungen‘ völlig rückstandsfrei erfolgen sollen. Doch Hades, der Herr über diesen Ort, hat sein eigenes Rechtssystem. Und Mord an Kindern geht überhaupt nicht. Als sich herausstellt, dass die Beiden noch leben, nimmt er sie an Kindes statt an. Beide, Eden und Eric, werden Polizisten bei der Mordkommission, wo Frank Bennett ihnen begegnet.
Ich fand es schon ziemlich widersinnig, dass ich beinahe atemlos Seite um Seite las (mehr oder weniger alle 340 Seiten am Stück), obwohl Täter, Opfer und auch Motiv praktisch schon von Anfang an bekannt sind. Natürlich nicht in allen Details, aber schon der Beginn macht klar, was den beiden Kindern geschah und dass es ihr Leben bestimmen wird. Der Thriller ist in zwei Hauptstränge und diverse Nebenstränge aufgeteilt, was zumindest zu Beginn vielleicht kurz für Verwirrung sorgen könnte. Der Eine wird von Frank Bennet erzählt, der frisch zur Mordkommission kommt und der neue Partner von Eden wird. Im zweiten Strang erfährt man die Geschichte der beiden Kinder, wie sie zu dem wurden, wer und was sie jetzt sind. Dazwischen liest man teils vom Täter, teils von den Opfern. Wie ich schon geschrieben habe: Es ist praktisch klar, was geschehen wird (bis auf ein paar eher wenige Überraschungen). Doch trotzdem sind die Details hinter diesem Fall (bzw. eigentlich sind es zwei, wenn nicht sogar drei Fälle) so packend und fesselnd erzählt, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Was macht Hades mit den Kindern? Was geschah mit dem verschwundenen Mädchen? Was trieb den Täter? Zeitweise hatte ich das Gefühl, mehrere spannende Geschichten gleichzeitig zu lesen, die in eine ebensolche Rahmenhandlung gepackt wurden. Und kaum die war die Eine beendet, kam die Nächste und die Rahmenhandlung hielt mich zudem noch gefangen.
Ein rundum gelungener klasse Thriller, der Wahnsinnslust macht auf den nächsten Band.

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244 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 36 Rezensionen

london, magie, krimi, fantasy, peter grant

Der Galgen von Tyburn

Ben Aaronovitch , Christine Blum
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 05.05.2017
ISBN 9783423216685
Genre: Fantasy

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

freundschaft, krieg, ungarn, 2. weltkrieg, liebe

Im Frühling sterben

Ralf Rothmann
Flexibler Einband: 233 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.08.2016
ISBN 9783518466803
Genre: Romane

Rezension:

Deutschland, Frühling 1945, das Ende des Krieges ist bereits zu ahnen. Doch die Waffen-SS rekrutiert gnadenlos jeden, dessen sie habhaft werden kann. So müssen die beiden 17jährigen Melker Walter und Fiete, beste Freunde, in die Kommandantur in Hamburg-Langenhorn einrücken, von wo aus sie nach drei Wochen Ausbildung nach Ungarn abkommandiert werden. Walter, der einer der Wenigen mit Führerschein ist, landet als Fahrer bei einer Versorgungseinheit der Waffen-SS, während es Fiete an die Front verschlägt.
Der Inhalt dieses Buches ist so grauenvoll, dass es mir nicht möglich war, mehr als 40 bis 50 Seiten am Stück zu lesen; danach musste das Gelesene erst mal verdaut werden. Das bedeutet nicht, dass hier die Grausamkeiten des Krieges bis ins kleinste Detail beschrieben werden - es existieren Krimis, die wesentlich blutrünstiger und brutaler sind. Es ist eher das Gegenteil: Fast schon poetisch (Ist das nicht ein Widerspruch? Kann man Entsetzliches poetisch erzählen?) wird Walters Leben in dieser Kriegszeit geschildert, so präzise und sorgfältig, als würde man neben ihm stehen. Gefühle oder Stimmungen werden ausgespart, was keinen Mangel darstellt, denn der Autor verfügt über eine derart ausdrucksstarke Sprache, dass es keine zusätzlichen Beschreibungen braucht, um zu wissen, wie es in Walter aussieht. Rothmann nutzt eigene Wortkreationen (‚Überdunkelt von seiner Vergangenheit, …‘) und Begriffe, die so selten genutzt werden, dass sie wohl nur den Wenigsten geläufig sein dürften, dafür aber umso präziser sind (beispielsweise Vulkanfiber = Werkstoff, der auch beim Schild der Mützen der Waffen-SS zum Einsatz kam; oder Kalvarienhügel = religiöse Andachtsstätten der Katholiken, die umfangreiche Nachbildungen der Kreuzigung Christi und seines Leidensweges darstellen.).
Ein wirklich grandioses Buch, das den Krieg in all seiner Schrecklichkeit zeigt, ohne dass dazu in irgendeiner Form irgendwelche Extreme genutzt werden mussten.

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81 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

daniel kehlmann, betrug, spannend, thriller, kurzgeschichte

Du hättest gehen sollen

Daniel Kehlmann
Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 21.10.2016
ISBN 9783498035730
Genre: Romane

Rezension:

Ein kleiner Kurzurlaub soll es für das junge Ehepaar mit ihrem Kind sein, ein paar Tage in den Bergen in einem einsam gelegenen Haus. Der Vater schreibt an einem neuen Drehbuch und wie selbstverständlich hält er auch Alles fest, was sich während ihres Aufenthaltes ereignet. Die Streitereien zwischen ihm und seiner Frau, die Versöhnungen, die Beschäftigung mit dem Kind, seine Träume undundund. Eigentlich ganz alltäglich, doch es liegt ein seltsamer Missklang über den Dreien, der sich mit jedem Tag, jeder Stunde verstärkt.
Das Seltsame, das Mysteriöse schleicht sich ganz allmählich ein, es ist nicht greifbar, es sind kleine Geschehnisse, die bei wiederholtem Nachdenken sich wohl auch rational erklären lassen. Aber vielleicht auch nicht ... Doch sobald das Ungewisse zu stark wird, treten reale Ereignisse in den Vordergrund, die die Aufmerksamkeit beanspruchen und alles Andere verblassen lassen; doch nicht für lange.
Es sind nur 86 Seiten, doch wenn man sich voll und ganz auf die Geschichte einlässt, sie liest, als wäre man selbst der Schreibende, beginnt einen das Unheimliche nach und nach selbst zu ergreifen. Ein tolles Stück Gruselliteratur, das die volle Sternezahl verdient hätte, wenn, ja wenn der Preis nicht wäre. So viel Geld für so ein kleines Büchlein finde ich schlicht unverschämt - dafür gibt es Abzug.

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295 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 100 Rezensionen

liebe, freundschaft, ruth hogan, england, verlorene dinge

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Ein alter Mann, Anthony, trauert noch immer um seine Liebe, die kurz vor der Hochzeit vor 40 Jahren starb. Am selben Tag verlor er nicht nur seine Braut, sondern auch das Liebespfand, das sie ihm schenkte. Seither sammelt er, was Andere verloren haben und schreibt darüber Geschichten. Unzählige Dinge sind es, die er in seinem Arbeitszimmer aufbewahrt und als er merkt, dass sein Leben dem Ende entgegengeht, vermacht er seinen ganzen Besitz Laura, die sich seit einigen Jahren um ihn und den Haushalt kümmert. Allerdings mit der Auflage, dass sie versuchen muss, die Dinge ihren früheren Besitzern zurückzugeben. Zwischen diese Geschichte sind immer wieder einzelne von Anthonys Erzählungen über die gefundenen Dinge eingestreut, die er früher als Buch veröffentlichte.
Daneben gibt es einen zweiten Erzählstrang, der über das Leben der jungen Eunice berichtet, die an jenem Schicksalstag Anthonys Weg kreuzte, der im Gegensatz zu seinem Tag wesentlich glücklicher für sie verlief. Parallel zu Lauras Geschichte begleitet man Eunice durch die Zeit, die immer näher an die Gegenwart heranrückt, bis ...
Es ist ein sehr gefühlvolles Buch, das ich jedoch nicht als kitschig oder rührselig empfunden habe. Auf allen Ebenen dreht es sich um Freundschaft, Mut, die Liebe zum Leben und (natürlich) die Liebe. Eine wirklich schöne Lektüre, wobei ich insbesondere von Anthonys Erzählungen angetan war. Sie sind nicht lang, ein bis drei Seiten, doch es reichte, um die Situation der beschriebenen Personen deutlich darzustellen.
Doch nun kommt ein recht großes Aber, das mich fast dazu gebracht hätte, nur drei Sterne zu geben. Denn im letzten Drittel bzw. Viertel driftet das Ganze fast schon ins Esoterische ab. Plötzlich gibt es Geister, Dinge geschehen ohne menschliches Zutun und eine der Hauptfiguren (oder auch zwei) haben offenbar magische Kräfte. Ich bin solchen Themen nicht grundsätzlich abgeneigt (Der Freund der Toten -  dieses Buch finde ich einfach klasse, obwohl Tote hier eine wichtige Rolle spielen - als Personen, nicht als Objekte), aber hier passt es einfach nicht. Es wirkte auf mich wie ein Bruch zur ursprünglichen Geschichte und ich war nur noch am Kopf schütteln. Schade, dieses Ende hätte nicht sein müssen. Gerade ohne Geister und scheinbar Übersinnliches wäre es ein richtig, richtig gutes Buch geworden. So sind es 3,5 Sterne, die ich wohlwollend aufrunde ;-)

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194 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

krimi, duisburg, polizeiseelsorger, ruhrgebiet, seelsorger

Glaube Liebe Tod

Peter Gallert , Jörg Reiter
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548288918
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Martin Bauer ist ein Polizeiseelsorger, dessen Verhalten nicht so ganz zum herkömmlichen Bild eines Theologen passt, wie so mancher seiner Vorgesetzten leidgeprüft feststellen musste. Doch davon lässt er sich nicht beirren und so springt er beispielsweise von einer Rheinbrücke, um einen Selbstmörder von seinem Tun abzuhalten - was ihm auch gelingt. Doch kurz darauf findet man diesen (einen Polizisten) tot nach einem Sturz vom Deck eines Parkhauses - für seine Kollegen ist der Fall klar: Selbstmord. Doch Bauer zweifelt und beginnt auf eigene Faust, Nachforschungen anzustellen.
Es ist der Beginn einer neuen Regionalkrimireihe, die im Ruhrgebiet angesiedelt ist. Man merkt der Geschichte an, dass das Autorenduo Gallert/Reiter vom Fach ist: Beide schreiben seit Jahren Drehbücher, unter anderem auch für Krimis, was diesem Buch zugute kommt. Die Örtlichkeiten sind gut beschrieben, sodass DuisburgerInnen sicherlich viele Aha-Erlebnisse haben werden ;-) Die Geschichte, die zu Beginn recht schlicht daherkommt, entwickelt sich zusehends zu einem stets komplexeren Gebilde, in dem aber am Ende alles aufgeklärt wird. Es gibt eine Reihe Actionszenen, die sich bestimmt auch in einem Film gut machen würden. Und nicht zuletzt Figuren, die jede Menge Entwicklungspotential bieten. An erster Stelle selbstredend Seelsorger Bauer mit seinen Zweifeln; aber auch Kommissarin Dohr, die nicht nur beruflich mit Intrigen und Neidern zu kämpfen hat, sondern auch in ihrem Privatleben ziemlichen Problemen gegenübersteht.
Also ein rundum gelungener Krimi? Ich fand, nicht ganz. Obwohl Martin Bauer jede Menge ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag legt, hatte er mir dennoch zu wenig Ecken und Kanten, irgendwie kam er mir nicht so nahe wie beispielsweise Harry Hole (der 'Held' bei Jo Nesbö). Vielleicht lag es an den häufiger zitierten Bibelsprüchen (was ich nicht glaube) oder an seiner Tätigkeit als Seelsorger - auf jeden Fall verringerte sich die Distanz zu dieser Figur bis zum Ende des Buches nicht. Aber das könnte sich ja im nächsten Band noch ändern... ;-)

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73 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 70 Rezensionen

kochbuch, kochen, einfach, gemüse, fleisch

Smart Cooking

Björn Freitag , Hubertus Schüler
Fester Einband: 168 Seiten
Erschienen bei Becker Joest Volk Verlag, 21.04.2017
ISBN 9783954531288
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Versprechen haben ja schon mehrere Kochbücher gegeben: 'Kochen ohne Einkaufsstress und ohne Küchenchaos' (Untertitel). Doch halten können es nur wenige, denn meist tauchen Zutaten auf, die wohl nur in den wenigsten Küchen als Basis vorhanden und eher schwierig zu beschaffen sind oder die Zubereitung stellt sich als deutlich aufwendiger heraus als angekündigt.
In diesem Buch wird gleich zu Beginn aufgelistet, was als Basis vorhanden sein soll. Zwar gibt es auch hier Exoten, doch es beschränkt sich sich wirklich auf ein, zwei wenige wie beispielsweise Kokosessig oder Ahornsirup (wobei letzteres ja nicht sooo exotisch ist ;-)). An weiteren Zutaten werden meist drei bis vier zusätzliche benötigt, sodass sich der Einkaufsstress tatsächlich in Grenzen hält. Auch die Angaben für die Zubereitung sind nicht sehr umfangreich: zehn bis zwanzig großgedruckte Zeilen reichen aus und gekocht wird meist mit einem einzigen Topf oder Pfanne. Auch der Praxistest fällt gut aus :-) : Die von mir gekochten Gerichte (beispielsweise Rindfleisch in Rotwein mit Baguette, Paprika-Brokkoli-Eier, gebeizter warmer Lachs auf Kartoffelpuffer mit Dillschmand und ein paar andere) waren durchweg schmackhaft und schnell und unkompliziert zubereitet.
Trotzdem, ein paar kleine Mankos bleiben ;-) Zum Einen sind nicht alle Gerichte vollständig selbst gekocht, denn es wird wiederholt auf Fertig- oder Convenianceprodukte zurückgegriffen, um den Aufwand klein zu halten. Beispielsweise fertige Kartoffelpuffer (wobei hierfür auch ein extra Rezept aufgeführt wird), Blätterteig oder frische Kloßmasse. Auch sind manche Rezepte eher einfallslos, wie zum Beispiel die Maultaschen mit Feldsalat oder der Blumenkohl mit Senfsoße mit gekochten Eiern. Nicht zuletzt finde ich den Preis ziemlich enorm: Die Aufmachung ist zwar recht hochwertig, großes Format, gebunden und hochwertiges Papier - doch dafür gerade mal 74 recht schlichte Rezepte (es können auch ein, zwei mehr oder weniger sein) zu erhalten, ist nicht gerade üppig.
Alles in allem ein gutes Kochbuch für einen stolzen Preis - am besten lasst ihr es euch schenken ;-)

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44 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

boxen, usa, working class, kalifornien, armut

Fat City

Leonard Gardner , Gregor Hens
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 11.04.2017
ISBN 9783351050399
Genre: Romane

Rezension:

Kalifornien in den 50er Jahren, es gibt kaum Arbeit. Die Männer drängen sich um schlecht bezahlte, beschwerliche Erntearbeiten, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Der Boxsport scheint da zumindest für Einige das große Los zu sein: Hat man Erfolg, steht man im Rampenlicht und verdient gutes Geld, ein wahrhaft besseres Leben als das eines Erntehelfers. Billy Tully, Ende Zwanzig, versuchte es und hatte Erfolg. Doch als seine Frau ihn verließ, begann er zu trinken und ging nicht mehr zum Training; seitdem schlägt er sich mit solch schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Ernie Munger, 18 Jahre, verdient seinen Lebensunterhalt an einer Tankstelle. Auf Empfehlung Tullys geht er zu dessen früheren Box-Manager, der ihn unter seine Fittiche nimmt.
Leonard Gardners Buch ist keine Geschichte im herkömmlichen Sinn, mit Anfang und Ende und zwischendrin einer Entwicklung. Es ist eher eine Art Zustandsbeschreibung aus dem Leben mehrerer Menschen aus dem Boxermilieu. Gardner gibt schnörkellos, fast schon roh den Tonfall der Menschen dieses Milieus und dieser Zeit wieder und stellt anschaulich die damaligen Lebensbedingungen dar. Es ist dreckig, laut, brutal, vulgär und man mag kaum glauben, dass so das sonnige Kalifornien gewesen sein soll, gerade mal 60 Jahre früher. Dennoch ist es kein Buch, das einen trostlos zurücklässt, trotz der abgerissenen Gestalten und beklagenswerten Verhältnisse. Denn so erbärmlich es Billy, Tully und all den anderen auch gehen mag; ihren Lebensmut haben sie noch immer. Selbst wenn sie ins Jammern verfallen, kommt früher oder später der Punkt, an dem sie wieder daran glauben, dass es besser werden wird. Irgendwann…

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

liebe, liebesgeschichte, tschingis aitmatow, kirgisistan, klassiker

Dshamilja

Tschingis Aitmatow , Hartmut Herboth , Tschingis Aitmatow , Louis Aragon
Fester Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 17.02.2012
ISBN 9783293004450
Genre: Liebesromane

Rezension:

Dshamilja ist eine wunderbare Geschichte, die ich vor einigen Jahren während meiner Reise durch Kirgisistan mit Begeisterung gelesen habe. Sie erzählt von der Liebe zweier Menschen, die eigentlich nicht sein durfte, aber noch mehr von der Liebe zu Kirgisistan, zum Leben an sich. Obwohl oder vielleicht gerade weil die Beschreibungen sehr poetisch sind, hatte ich während des Lesens ständige Aha-Erlebnisse. Die Menschen, die Pferde in den Luzernenfeldern, die Berge, die Weite, die Steppe - durch Aitmatows Darstellungen erblickte ich schon Alles in meiner Vorstellung, bevor ich die Gegend mit meinen eigenen Augen betrachtete, um Alles bestätigt zu finden. Ja, ich weiß, das hört sich jetzt superkitschig an, aber so war es.
Als ich dann die neue Ausgabe des Insel-Verlages mit der wirklich schönen Covergestaltung und neuer Übersetzung entdeckt habe, war klar: Dieses schmale Büchlein muss ich haben. Gesagt, getan - und das Cover hat mich nicht enttäuscht. Die Zeichnungen, viele in schwarz-weiß oder in diversen Rottönen coloriert, passen wunderbar zu dieser gefühlvollen Geschichte. Was mich jedoch völlig ernüchtert hat, ist die meiner Ansicht nach misslungene Übersetzung.
Ich habe das Buch ebenfalls in der Ausgabe mit Hartmut Herboth als Verantwortlichem. Und auch wenn Manches darin durchaus etwas angestaubt klingen mag (immerhin ist sie mindestens 30 Jahre alt) - die Atmosphäre, die Stimmung hat er überzeugend ins Deutsche übertragen. Denn genau so ist es: die Menschen und das Land. Aus Interesse habe ich die beiden Fassungen dann parallel gelesen und bin schlicht entsetzt, was aus Dshamilja gemacht wurde. Um eines klarzustellen: Nein, ich kann kein Russisch. Aber die neue Fassung enthält ausser schlechtem Deutsch ebenso sachliche Fehler, die auch ohne Russisch-Kenntnisse festzustellen sind. Beispielsweise trägt in der neuen Fassung die Mutter des Erzählers einen Turban (S. 14), in der alten ein Kopftuch. Fakt ist, dass in Kirgisistan die Frauen Kopftuch und keinen Turban tragen. Oder die Beschreibung "… glühte die müde Junisonne wie die runde Öffnung eines Backofens …" (S. 28), wo bei Herboth statt Backofen Tandyr steht, ein neben dem Haus in die Erde gebauter Ofen mit runder Öffnung, in dem Fladen gebacken werden. Darüber verfügt in Kirgisistan praktisch jedes Haus, während Backöfen (insbesondere in der Zeit, in der die Geschichte spielt), Mangelware sind. Auch die Ausdrucksweise ist in der neuen Ausgabe stellenweise sehr gewöhnungsbedürftig: Auf Seite 27 "…; es lohnte nicht, mit ihm anzubinden.", hingegen in der alten Fassung "Sie wusste, dass es nicht lohnte, mit ihm Streit anzufangen, …", was auch im Zusammenhang gelesen wesentlich besser klingt. Oder Seite 7 (neu) "… damals noch Buben von fünfzehn, sechzehn Jahren .." gegenüber "Wir Halbwüchsigen, etwa fünfzehn Jahre alt…". Ich möchte die Fünfzehnjährigen sehen, die sich noch Buben nennen lassen ;-)
Dinge dieser Art ziehen sich durch den gesamten Text hindurch und viel von der Poesie dieser Geschichte ist einfach verloren gegangen. So schön ich die Illustrationen auch finde, ich werde das Buch verkaufen und dafür die alte Ausgabe behalten. Denn letztendlich ist es der Text, der Dshamilja ausmacht.
PS: Und um Bücher dieser Übersetzerin werde ich zukünftig einen riesigen Bogen machen.
PPS: Eben erst habe ich gesehen, dass es sich bei der Insel-Ausgabe um eine ältere Übersetzung des Suhrkamp-Verlages handelt. Tja, auch dort scheint an allen Ecken und Enden gespart werden zu müssen.

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

glück, ch: niveau 2016, bhutan, sprachkunst, dbp 2016

Weshalb die Herren Seesterne tragen

Anna Weidenholzer
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Matthes & Seitz Berlin, 29.08.2016
ISBN 9783957573230
Genre: Romane

Rezension:

Der Titel dieses schmalen Büchleins fiel mir gleich ins Auge: Ja weshalb tragen denn die Herren Seesterne? Wenn es dazu noch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises steht, dann muss sich die Lektüre doch lohnen, oder ;-) ?
Um es kurz zu machen: eher nicht. Die Hauptfigur ist Karl, ein pensionierter Lehrer, der im Gegensatz zu seiner Ehefrau Margit nicht so recht etwas mit sich anzufangen weiß. Er möchte die Welt verstehen, die Menschen, "... woher diese Unzufriedenheit kommt, diese Angst, die manche in die falsche Richtung treibt." Auf der Grundlage des Fragebogens zum bhutanischen Bruttonationalglück will er seine eigene Befragung starten und fährt los, ohne Margit zu informieren. In einem kleinen Dorf quartiert er sich in einem Gasthof ein und versucht, sein Projekt umzusetzen. Doch es geht nur stockend voran...
Der Aufbau der Geschichte ist anders als meine Zusammenfassung es hier vermutlich suggeriert. Es wird konsequent Alles aus Karls Sicht berichtet und zwar nicht chronologisch, sondern mit Sprüngen in diverse Vergangenheiten. Zu Beginn ist Karl bereits wieder auf der Rückreise, auf der er sich das Geschehene nochmals durch den Kopf gehen lässt. Dabei springt er in seinen Erinnerungen auch in Zeiten davor, sodass man Margit und ihren Sohn Helmut kennenlernt (ohne ihnen im Buch als realistische Figuren zu begegnen), seine Nachbarn daheim, aber auch eine Jugendliebe.
Eine richtige Geschichte ist es eher nicht, denn der Aufenthalt im Dorf plätschert so dahin und die weiteren Erinnerungen sind eher Stückwerk. Auf mich wirkte es wie die Darstellung eines furchtsamen Mannes, der versucht zu erfahren, wie man glücklich, besser: zufrieden leben kann. Denn auch wenn er seine Frau Margit offensichtlich liebt, machte er auf mich während der ganzen Lektüre weder einen glücklichen noch zufriedenen Eindruck. Zwar ist es deutlich, dass sie die Dominante in der Ehe ist, es wird aber nie explizit dargestellt und Karl scheint nicht darunter zu leiden (oder wenn, dann nur still und leise). Vielmehr hatte ich das Gefühl, als hätte er stets Angst, seine Frau zu verärgern oder zu verlieren, ohne dass es dafür einen konkreten Hinweis gibt.
Die Autorin versteht es durchaus, eine Atmosphäre aufzubauen und schöne Sätze zu schreiben ("Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die so gut ist, dass keine Hoffnungen auf ein Leben nach dem Tod aufgespart werden müssen."), doch sie alleine machen ein Buch noch nicht lesenswert. Es fehlt einfach eine Geschichte, ein Ansatz, an dem sich die eigene Phantasie entlanghangeln könnte. Karl, sein Umfeld und auch sein Projekt bleiben derart farblos, dass ich vermute, dass ich Alles beim nächsten Buch schon wieder vergessen haben werde.
Und weshalb tragen die Herren nun Seesterne? Hm, tja, ich befürchte, ich weiß es schon nicht mehr so genau. War auch nicht so wichtig.

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149 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 85 Rezensionen

irland, geister, mord, tote, roman

Der Freund der Toten

Jess Kidd , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 04.09.2017
ISBN 9783832198367
Genre: Romane

Rezension:

Irgendwo an der Küste Irlands, im kleinen Dorf Mulderrig, taucht im Jahre 1976 ein junger Mann auf, der vielen Einheimischen merkwürdig bekannt vorkommt. Kein Wunder, denn der 26jährige Mahony ist seiner Mutter Orla wie aus dem Gesicht geschnitten, die in Mulderrig lebte und kurz nach seiner Geburt verschwand. Mahony wuchs in einem Waisenhaus in Dublin auf und ist nun auf der Suche nach Orla, was offensichtlich Vielen überhaupt nicht gefällt. Doch er bekommt auch Unterstützung - und nicht nur von den Lebenden.
Wer sich mit übersinnlicher, eher etwas weniger realitätsgetreuer Lektüre schwertut, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen. Denn hier spielen beispielsweise Tote eine wichtige Rolle: "Die Toten zieht es zu den Verwirrten und Ungeschriebenen, den Beschädigten und Gebrochenen.... Denn die Toten haben gebrauchte Geschichten für dich, wenn du sie hereinlassen würdest." Mahony lässt sie herein (wenn auch wohl eher unfreiwillig), während die meisten von uns sie übersehen, denn wir sind "... mit einem beruhigenden Mangel an Visionen gesegnet." Die Toten haben sich ihre Eigenheiten bewahrt, vermutlich sind sie sogar noch verstärkt, sodass die Beschreibungen herrlich skurril und gleichzeitig liebenswert wirken (wie zum Beispiel Johnnie, der immer wieder nur halb bekleidet toten Zimmermädchen nachstellt). Trotzdem erscheinen sie wie auch andere übernatürliche Erscheinungen (seltsame Wetterphänomene, eine plötzliche Quelle in einem Bibliothekszimmer incl. Fröschen, ...) hier weniger mystisch als einfach dazugehörend; ein Teil von Irland, der etwas schräg und einnehmend ist wie viele der Figuren.
Was dem Ganzen zudem etwas Phantastisches verleiht, ist der wunderbare Sprachstil der Autorin. Unbelebten Dingen verleiht sie eine Seele, in dem sie sie zu handelnden Subjekten werden lässt: "Bald wurde der Regen selbstbewusster, platschte auf Kopfsteinpflaster, hüpfte durch die Traktorspuren in der festgebackenen Erde." oder "Und natürlich wussten auch die Bäume Bescheid, aber sie trieben ihre Pfahlwurzeln einfach tiefer in die Erde und behielten ihre Meinung für sich."
Doch was nicht vergessen werden sollte: spannend ist die Suche nach Orla zudem. Alles in Allem ein durchweg tolles Lesevergnügen!

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