Leserpreis 2018

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Flâneuse

Lauren Elkin , Cornelia Röser
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei btb, 12.11.2018
ISBN 9783442757732
Genre: Romane

Rezension:

Flanieren und Schreiben gehen Hand in Hand. Das zeigt erneut ein aktuelles Buch aus der Feder von Lauren Elkin. Jedes Kapitel ist einer Stadt gewidmet, durch die die Autorin entweder selbst spaziert oder in der sie sich auf die Spuren von berühmten Schriftstellerinnen, Romanfiguren oder historischen Ereignissen begibt.

Für Virginia Woolf zum Beispiel waren die Straßen von London und die Gespräche von Passanten eine wahre Fundgrube für Geschichten. Nicht nur sie selbst, auch ihre Protagonistinnen lieben es, durch die Stadt zu schlendern, auch wenn dies damals gesellschaftlich verpönt war. George Sand stellte es ganz clever an: Sie schlüpfte einfach in Männerkleidung, um ungehindert Paris erkunden zu können. Flanieren ist in ihrer Autobiografie ein konstantes Thema.

So lesen sich viele Kapitel wie literarische Abhandlungen. Persönlicher wird Lauren Elkin, als sie von ihrem einmonatigen Aufenthalt in Venedig erzählt und eine Kunsthistorikerin als Romanfigur ins Leben ruft. Dass Flanieren nicht nur Freude bereitet, erlebt sie in Tokio, wo sie gezwungenermaßen ihrem Freund folgt. Die Großstadt ist so zerklüftet, dass sie sich nur schwer zu Fuß erkunden lässt.

Lauren Elkin schweift in ihrem Buch sehr weit aus, mäandert durch literarische, historische und politische Themen und beschreibt Schauplätze von Rebellionen und Demonstrationen. Mit Flanieren hat das für mich wenig zu tun. Ist man bereit, auch mal vom Weg abzukommen und sich in unbekannte Seitenstraßen treiben zu lassen, wird man bei der Lektüre auf manch interessante Entdeckungen stoßen.

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Alles ist möglich

Elizabeth Strout , Sabine Roth
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 12.11.2018
ISBN 9783630875286
Genre: Romane

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Das Lager in der Wüste

Yoshiko Uchida , Gerhard Bierwirth
Buch: 220 Seiten
Erschienen bei Iudicium, 01.09.2017
ISBN 9783862055074
Genre: Biografien

Rezension:

Hätte ich dieses Buch nicht gelesen, hätte ich wohl nie etwas über das Schicksal der Issei und Nisei erfahren. Die Eltern der Autorin zählen zu den Issei – so bezeichnet man die erste Generation der Japaner, die in die Vereinigten Staaten auswanderten – und ließen sich in Kalifornien nieder.

Uchida beschreibt zunächst ihre Kindheit und schildert sehr offen ihren Zwiespalt als japanischstämmige Amerikanerin. Sie fühlt sich wie eine Amerikanerin und möchte als vollwertiges gesellschaftliches Mitglied akzeptiert werden, ist aber durch die Erziehung auch durch japanische Werte geprägt. In beiden Nationalitäten fühlt sie sich wegen der ausländerfeindlichen Haltung minderwertig und flüchtet sich in die Gesellschaft und studentischen Aktivitäten der Niseis, um möglichst wenig anzuecken.

Das arglose Leben hat mit dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor 1941 ein jähes Ende. Yoshiko Familie wird – wie weitere etwa 120.000 japanischstämmige Amerikanner/innen– als feindliche Ausländer eingestuft. Innerhalb weniger Tage müssen sie ihre Wohnung ausräumen und werden in ein Sammellager in Tanforan verfrachtet und in Pferdeboxen untergebracht.

Da die Autorin aus erster Hand berichtet, kommt es einem vor, als wäre man selbst vor Ort. Sie schildert die menschenunwürdigen Lebensbedingungen, die dürftigen Lebensmittel, mangelnden Waschplätze und die permanente Wehrlosigkeit. Ich hatte befürchtet, dass mich die Lektüre so schockiert und deprimiert, dass ich nicht mehr weiterlesen kann. Doch das Gegenteil war der Fall: Ich war sehr betroffen, aber auch voller Respekt, wie die Erzählerin es schafft, das Beste aus der Situation zu machen, das Lagerleben so sinnvoll wie möglich zu gestalten und sogar einige glückliche Momente zu genießen.

Man könnte meinen, dass sich die Lage kaum verschlimmern kann, doch genau das trifft ein, als die Internierten von Tanforan in ein anderes Lager in Utah überführt werden. Hier werden sie zusätzlich durch Sandstürme geplagt. Auch hier schreibt Yoshiko Uchida wieder so lebendig, dass ich förmlich die Sandkörner auf meiner Haut spüren konnte.

Die Autorin vermittelt durch ihren Bericht den nachfolgenden Generationen nicht nur eine sehr wichtige historische Begebenheit in der japanisch-amerikanischen Geschichte, sondern verdeutlicht auch, wieviel Menschlichkeit und Gemeinschaftsgeist in größter Not bewirken können.

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Alles fließt: Der Rhein

Elke Heidenreich , Elke Heidenreich
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Random House Audio, 15.10.2018
ISBN 9783837144406
Genre: Romane

Rezension:

Eine Sache haben Elke Heidenreich und ich gemein: Wir sind beide am Rhein aufgewachsen. Was ihre Beobachtungen und Kenntnisse rund um den Fluss betrifft, ist sie mir jedoch weit voraus. Wie schön, dass sie uns in diesem Hörbuch an den vielfältigen Geschichten teilhaben lässt.

Ihre Entdeckungsreise mit dem Fotografen Tom Krausz per Schiff und mit Auto beginnt an den beiden Quellen im Kanton Graubünden und führt über Liechtenstein, den Bodensee, Basel, Straßburg, Speyer, Wiesbaden und Koblenz bis zum Mündungsdelta an der Nordsee. Ihre Beobachtungen, Reflexionen und Hintergrundinformationen über die Städte und Regionen am Rhein und den Fluss selbst sind so abwechslungsreich wie die Landschaft, die an ihnen vorbeizieht.

Mal spannt sie einen geschichtlichen Bogen bis zu den Eroberungszügen der Römer und den Reformationskriegen; dann wieder stellt sie die Bedeutung des Rheins als riesigen Industriezweig und als Touristenattraktion heraus oder wirft einen kritischen Blick auf die Umweltproblematik. Die Tier- und Pflanzenwelt in den Rheinauen finden in ihren Geschichten ebenso Platz wie die vielfältige Architektur von Kirchen, Burgen, Schlössern und Fachwerkhäusern sowie dichterische Zitate.

Geschickt verwebt Elke Heidenreich historische, politische, wirtschaftliche und geografische Besonderheiten mit Mythen und Sagen, die sich um den Strom ranken. Dadurch, dass sich Elke Heidenreich von ihrem unmittelbaren Eindruck leiten lässt, sind die Geschichten für den Hörer sehr greifbar. Während der Reise kommt sie selbst ins Staunen, zum Beispiel über die zahlreichen Schleusen oder eine Straße in Straßburg voller Storchennester, und wir staunen mit. Sie erzählt auch von ihrer ganz persönlichen Beziehung zum Rhein und bringt uns mit ihrem gewohnten Witz und Ironie oft zum Lachen. In solchen Momenten dachte ich mir, wie gut, dass die Autorin selbst liest. Und wer die Bilder, die in unseren Köpfen entstehen, noch visuell unterstützen möchte, kann sich im schön gestalteten Booklet die Aufnahmen und vielseitigen Gesichter des Rheins in Ruhe zu Gemüte führen.

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Tags: reise, rhein   (2)
 

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Weich unter meinen Füßen

Cinzia Tanzella
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 19.09.2018
ISBN 9783752885262
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman beginnt mit einer Situation, die einigen Frauen bekannt vorkommen dürfte: Viivi wird von einem Tag auf den anderen von ihrem Freund Lukas verlassen. Kein Wunder, dass sie aus allen Wolken fällt und an nichts anderes denken kann. Besonders schmerzhaft ist ja, dass der Ex-Partner einen anscheinend gar nicht vermisst, während man selber vor Sehnsucht umkommt und bereit wäre, ihn sofort wieder mit offenen Armen aufzunehmen. Dieses Gefühl konnte ich gut nachvollziehen. Allerdings fragte ich mich, wie es zu der Trennung kam und ob es schon vorher Anzeichen einer Krise gab. Die Erklärung folgt erst einige Kapitel später.


Viivi mag keine langen Telefonate und hat ständig mit Problemen im Haushalt zu kämpfen. Auch darin konnte ich mich gut mir ihr identifizieren. Sie lässt sich von einer Psychologin beraten und nimmt Salsastunden, um auf andere Gedanken zu kommen. Aus meiner Sicht wurde es jedoch allmählich Zeit für eine grundlegende Veränderung in ihrem Leben, sei es beruflich oder durch ein erfüllendes Hobby. 


Tatsächlich entdeckt sie eine neue Beschäftigung: die Fotografie. Doch so richtig glücklich kam mir Viivi immer noch nicht vor. Die Einsamkeit bleibt bis zum Schluss. Nicht mal auf der Vernissage, wo sie Grund hätte, ihren Erfolg zu feiern, fühlt sie sich unwohl in der Gesellschaft.


Dramaturgisch hätte ich mir mehr Wendungen gewünscht. So ist der Plot ziemlich geradlinig. Die Protagonistin bleibt bis zum Schluss sehr selbstbezogen und entwickelt sich kaum weiter. Sprachlich gefielen mir die Stellen, in denen Viivi ihre Empfindungen beschreibt, besonders beim Fotografieren in der Natur.


Die Geschichte hinterließ bei mir eine melancholische und traurige Stimmung. Es geht um eine verlassene und enttäuschte Frau, die auf eigene Faust ihr Glück im Leben sucht. Dazu hätte sie jedoch etwas mehr an sich und ihrer Einstellung zu ihren Mitmenschen arbeiten müssen. 

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Eine Frau am Telefon

Carole Fives , Anne Braun
Fester Einband: 128 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 19.02.2018
ISBN 9783552063624
Genre: Romane

Rezension:

Ein nicht enden-wollender Monolog einer jammernden Mutter möchte sich vermutlich keiner freiwillig antun. Es sei denn, es handelt sich um Charlène, Protagonistin dieses Romans. Die 62-Jährige ruft mehrmals am Tag ihre erwachsene Tochter an und hinterlässt auf dem Anrufbeantworter Nachrichten aus ihrem Leben in aller Ausführlichkeit. Das Repertoire reicht von Vorwürfen darüber, dass Tochter und Sohn sie nur an Weihnachten besuchen, über ihre Erfahrungen als Chinchilla_417 in diversen Partnerbörsen bis hin zu ihren Ängsten vor Krankheiten und dem Tod, besonders als Blutkrebs bei ihr festgestellt wird.

Nicht alles, was sie so von sich gibt, ist wohl ernst zu nehmen, zumal Charlène ziemlich wankelmütig ist. Erst schwärmt sie von paradiesischen Zuständen im Krankenhaus, in der nächsten Minute schimpft sie über die fiesen Leute dort und schließlich badet sie in Selbstmitleid. Nach und nach erfahren wir mehr über das vergangene Leben der Mutter, die mit 30 von ihrem Ehemann verlassen wurde. Lebenslustig wie sie ist, gibt sie die Partnersuche trotz mehrerer Fehlschläge nicht auf. Man fühlt sich durchweg bestens unterhalten, was vor allem an Charlènes rabenschwarzem Humor und bissigem Ton liegt. Ich wette, jeder Leser wird sich an der einen oder anderen Stelle an Telefonate mit der eigenen Mutter erinnern und vor sich hin schmunzeln.

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Tags: alter, mutter   (2)
 

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Halbe Arbeit – ganzes Leben

Axel Mengewein
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ariston, 22.10.2018
ISBN 9783424201932
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Titelbild dieses Buches ist sehr treffend: Es zeigt die Silhouette eines Mannes, dessen eine Hälfte einen Anzug und einen Aktenkoffer, die andere Hälfte Shorts und einen Cocktail in der Hand trägt. Hier werden aber nicht etwa Arbeit und Urlaub gegenübergestellt, sondern eine ausgewogene Work-Life-Balance, die Axel Mengewein für erstrebenswert und durchaus realisierbar hält. Wie, das zeigt er in seinem Ratgeber und Plädoyer für mehr Teilzeitarbeit.

Zunächst nennt der Autor und Fernsehredakteur eine Reihe von Gründen, die in unserer heutigen Zeit für diesen Trend sprechen, sowohl aus Sicht des Arbeitnehmers als auch Arbeitgebers: zum Beispiel dass Teilzeitarbeiter laut Studien glücklicher und produktiver leben, dass unsere fortgeschrittene Technik flexible und standortunabhängige Tätigkeiten ermöglicht und dass sich immer mehr Nachwuchsführungskräfte für flexible Arbeitszeitmodelle interessieren. Damit möchte er besonders bei den Lesern, die schon länger damit liebäugeln, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren, sich jedoch aus beruflichen, persönlichen oder finanziellen Gründen nicht trauen, Ängste und Bedenken ausräumen.

Doch wie kann man sich diesen Wunsch konkret erfüllen? Diese Frage beantwortet Mengewein umfassend, indem er zunächst verschiedenste Formen von Teilzeitarbeit – darunter die Brückenteilzeit, die ab 2019 eingeführt wird – und ihre Besonderheiten erläutert. Da er einige dieser Möglichkeiten selbst erprobt hat, kann er die Fakten durch interessante Erfahrungsberichte bereichern und nennt auch Beispiele aus seinem Bekanntenkreis und aus Großkonzernen. Bei aller persönlicher Begeisterung und Überzeugung weist er auch auf mögliche Nachteile und Gefahren hin, die es zu umschiffen gilt: zum Beispiel als Teilzeit-Trojaner ausgenutzt zu werden, in einen völlig unproduktiven Teilzeit-Müßiggang zu geraten oder die Schwierigkeit, in Teilzeit Karriere zu machen.

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, nicht nur, weil mich das Thema sehr interessiert, sondern weil es so unterhaltsam geschrieben ist. Axel Mengewein vermittelt verständlich und lebendig viel Wissenswertes über Teilzeitarbeit und ermutigt den Leser nicht nur dazu, so frei und selbstbestimmt wie möglich zu leben und zu arbeiten, sondern auch aktiv eine moderne Arbeitswelt mitzugestalten.

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Tags: arbeit, freizeit, teilzeit   (3)
 

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Die Kunst zu lesen

David Trigg
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Prestel, 08.10.2018
ISBN 9783791384788
Genre: Sonstiges

Rezension:

Menschen, die in Bücher vertieft sind, sieht man im Zeitalter von Smartphones und eBook-Readern immer seltener. Umso mehr Freude bereiten Bildbände wie dieser, die die Schönheit der Bücher und den Reiz des Lesens zelebrieren. Über 300 Werke aus verschiedensten Epochen und Stilrichtungen sind darin abgebildet und thematisch locker sortiert. Sie stammen von namhaften Malern wie Botticelli, Spitzweg, Cézanne, Magritte und Lichtenstein, aber auch von unbekannteren Künstlern.

Zunächst erinnerte mich das Buch an Bände wie "Frauen, die lesen, sind gefährlich" oder "Frauen und ihre Bücher". Doch das Themenspektrum ist hier weitaus größer. Dargestellt sind nicht nur Leser, sondern auch das Buch allein in vielfältigen Formen und Arrangements: als brennende Objekte, von der Decke oder von Ästen abgehängt, zu einem Turm aufgestapelt oder als durcheinander geworfener Haufen. Viele Gemälde und Installationen würde man gern einmal live sehen. Genauso interessant ist die Botschaft, die dahinter steckt und bei manchen Werken kurz erläutert wird.

Auch inhaltlich erfüllen Bücher ganz unterschiedliche Zwecke, wie der britische Kunstkritiker durch seine Auswahl verdeutlicht: Sie dienen der Bildung und Aufklärung, der Unterhaltung und Ablenkung vom Alltag, der Kontemplation oder erotischen Fantasien. Am Anfang kam ich mir vor wie in einer Galerie, in der ich ein Bild nach dem anderen mit einer gewissen Distanz wahrnahm, doch im Laufe der Lektüre tauchte ich immer tiefer ein in die einzelnen Bilderwelten, hörte förmlich die spielenden Kinder hinter der lesenden Frau am Strand oder fragte mich, welche Geschichte die Magd wohl derart in Bann zieht.

Der Bildband ist eine spannende Zeitreise quer durch verschiedene Kulturen und Schichten, die uns nicht nur die Bedeutung von Büchern durch die Epochen, sondern auch die Vergänglichkeit menschlichen Wissens vor Augen führt. Das einzige Manko ist die zu klein geratene Schrift, die das Lesevergnügen trübt. Eine etwas großzügigere Gestaltung hätte dem Buch gut getan. 

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Tags: bücher, kunst   (2)
 

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Eine gewöhnliche Familie

Sylvie Schenk
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 23.07.2018
ISBN 9783446259966
Genre: Romane

Rezension:

Ein großes Familientreffen bietet viel Stoff für eine dramatische Geschichte – umso mehr, wenn der Anlass eine Beerdigung ist und die Aufteilung des Erbes in Frage gestellt wird. In Sylvie Schenks Roman trifft sich die Verwandtschaft in Lyon, um den Tod von Tante Tamara und Onkel Simon zu betrauern.

Céline Cardin, eine der Nichten der Verstorbenen, hatte sich auf das Wiedersehen mit ihren drei Geschwistern und Verwandten gefreut, jedoch nicht mit Animositäten gerechnet, die im Laufe der Handlung eskalieren. Grund für die Uneinigkeit ist das Verschwinden des Original-Testaments. Die vier Cardin-Geschwister, die sich als rechtmäßige Erben gesehen hatten, müssen nun befürchten, leer auszugehen.

Ähnlich wie in ihrem Roman „Schnell, dein Leben“ gelingt es Sylvie Schenk auch diesmal meisterhaft, viele Lebensläufe auf nur 160 Seiten zu komprimieren. Den Auftritt verschiedener Familienangehöriger nutzt die Autorin, um einen kurzen Rückblick auf deren Leben zu werfen und sie schlaglichtartig vorzustellen. Hinter den kurzen, prägnanten Sätzen verbergen sich ganze Lebensgeschichten und -dramen. Ihre verknappte Sprache und der spöttische Ton bilden oft einen großen Kontrast zu den schweren Schicksalsschlägen, die die Figuren erlitten haben.

Vordergründig beschreibt Sylvie Schenk einen gewöhnlichen Streit um eine Erbschaft, wie sie in jeder Familie vorkommen könnte. Es geht jedoch um mehr, denn das Zusammentreffen zeigt die Fragilität von Familienbeziehungen und wirft die zentrale Frage auf, der sich jeder Figur stellen muss: „Was ist aus mir und meiner Familie geworden?“

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Tags: familie   (1)
 

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Die Liebenden vom Ende der Welt

Midge Raymond , Astrid Finke
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 10.09.2018
ISBN 9783442714209
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman erzählt die Geschichte einer Biologin, die zwei Berufe unter einen Hut bringen muss: Sie ist Reiseführerin auf einem Kreuzfahrtschiff, das den südlichen Polarkreis überquert und zugleich Naturforscherin, die den Lebensraum von Pinguinen erforscht.

Die Überschrift des ersten Kapitels „Eine Woche vor Schiffsuntergang“ lässt bereits Dunkles erahnen und baut so einen Spannungsbogen auf. In mehreren Rückblenden lässt uns die Ich-Erzählerin Deborah an verschiedenen Phasen ihres Lebens teilhaben: wie nach dem Studium ihr Interesse für Pinguine geweckt wurde, wie sie auf der Forschungsstation in der Antarktis ihre große Liebe Keller Sullivan kennenlernte bis hin zur Gegenwart.

Obwohl ich mich mehr für Geistes- als für Naturwissenschaften interessiere, konnte ich mich sofort mit der Hauptfigur identifizieren. Ihre Begeisterung für die Schönheit der Antarktis und ihr Zwiespalt sind allgegenwärtig und gut nachvollziehbar: Einerseits möchte sie die Touristen für den Naturschutz sensibilisieren, andererseits ist ihr bewusst, dass trotz größter Vorsicht auch diese Schiffsreisen die Tier- und Naturwelt gefährden.

Mit viel Sachkenntnis stellt uns die Autorin die Eigenheiten verschiedener Pinguinkolonien und die ökologischen Veränderungen des Lebensraums vor. Zwischenmenschliche Krisen unter den Passagieren, die sich zuspitzen, und Deborahs Bemühen, ihre Beziehung und ihren Beruf in Einklang zu bringen, sowie die unbarmherzige Härte der Natur, die sich gegen den Eroberungsdrang der Menschen rächt, haben mich bis zum Schluss in Bann gehalten und zutiefst berührt.

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Tags: antarktis   (1)
 

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83 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

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Die Gesichter

Tom Rachman , Bernhard Robben
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423289696
Genre: Romane

Rezension:

Kinder von gefeierten Künstlern haben es nicht leicht, besonders wenn sie ein Leben lang im Schatten eines egomanischen Malers stehen. Um eine tragikomische Vater-Sohn-Beziehung und den Wunsch nach Liebe und Anerkennung geht es in diesem Roman von Tom Rachmann.

Sohn Charles wächst in Rom auf, buhlt um die Liebe und Anerkennung seines Vaters Bear und eifert ihm nach. Als ihn Bear nach New York einlädt, kann der Elfjährige es kaum erwarten, ihm sein erstes Bild zu zeigen. Bears Kommentar fällt jedoch niederschmetternd aus: Aus ihm werde niemals ein Künstler. Charles’ tiefe Enttäuschung und Wut auf seine Mutter, die ihn so stark zur Malerei ermutigt hat, vermittelt Rachman hautnah durch sprachliche Brillanz und mitreißende Erzählkraft.

Charles gibt die Malerei auf, lebt eine Weile in Toronto, später in London als Italienischlehrer. Der Dominanz seines Vaters kann er sich jedoch weiterhin nicht entziehen. Als er mit seiner Freundin Barrows seinen Vater im Cottage besucht, kommt es zu einer Diskussion und Auseinandersetzung, bei der er sich wieder einmal ausgeschlossen fühlt. Nie kann er seinen Mann stehen, und so scheint das Leben an Charles vorbeizuziehen. Im Laufe der Handlung erleben wir jedoch so manch raffinierte Wendung.

Tom Rachmann, der sich in „The Imperfectionist“ die Presse- und Buchwelt vorknöpfte, lässt den Leser diesmal in die Kunstszene eintauchen. Es ist faszinierend, wie facettenreich er das Thema beleuchtet. Er deckt das ganze Spektrum ab, von der Eitelkeit und dem Wunsch nach Unsterblichkeit über den absurden Personenkult und die Wichtigtuerei von Galeristen und Kritikern bis hin zu der Frage, inwieweit Genialität rücksichtsloses Verhalten rechtfertigt. Ob Charles oder Bear Bavinskys Werke künstlerisch wertvoll sind, sei dahingestellt – dieser Roman ist es definitiv!

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Tags: kunst   (1)
 

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

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Das Vogelhaus

Eva Meijer , Hanni Ehlers
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei btb, 27.08.2018
ISBN 9783442757947
Genre: Romane

Rezension:

Drops, Putzi, Sternchen – so lauten die niedlichen Namen der Nebenfiguren dieses Romans. Beschrieben werden sie wie Menschen, doch es handelt sich um Vögel, die die Protagonistin Gwendolen („Len“) Howard in ihrem Cottage in Sussex erforscht. Wie es dazu kam, erzählt diese fiktionalisierte Lebensgeschichte über eine ungewöhnliche Aussteigerin und Ornithologin.

Lens Interesse für Vögel wurde schon als Kind durch ihren Vater geweckt, der verletzte Vögel zu Hause gesund pflegte. Sie wächst in einer wohlhabenden Familie auf, die sich mit Literatur- und Musikabenden die Zeit vertreibt, spielt mit großer Leidenschaft Geige und bekommt die Chance, in London in einem Orchester zu spielen. Das städtische Leben und die Konflikte und Machtkämpfe im Orchester nerven sie jedoch zunehmend. Auch in der Beziehung zu ihrem Freund Thomas findet sie keine Erfüllung.

Das einzige, was ihr am Herzen liegt, sind die heimischen Vögel, deren Gesang und Verhalten sie studiert. 1939 macht sie den entscheidenden Schritt, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen: Sie kauft ein Cottage im ländlichen Ort Ditchling und erforscht die wilden Vögel der Gegend, ihre Sprache, Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften.

Lens Lebensgeschichte wird immer wieder unterbrochen durch die Studie über ihre Lieblingskohlmeise „Sternchen“. Durch den Wechsel zwischen den zwei Erzählsträngen vergleicht man ganz unwillkürlich das Verhalten von Lens Familie und Freunden mit denen der Vögel. Eva Meijer ist sehr talentiert darin, sowohl den individuellen Charakter der Menschen als auch der Tiere sehr treffend zu beschreiben. Ich konnte mir bildhaft vorstellen, wie Kohlmeisen und Spatzen, Rotkehlchen und Drosseln in ihrem Haus ein- und ausfliegen und sich in Kartonverpackungen einnisten.

Ich war vor allem fasziniert von Lens Geduld, mit der sie das Vertrauen der Vögel gewinnt und ihrer Entschlossenheit, das Terrain vor unerwünschten Besuchern und Baumaßnahmen zu schützen. Von der Kritik, ihre Arbeit sei nicht wissenschaftlich fundiert, ließ sie sich nicht beirren und schrieb zahlreiche Artikel und Bücher über ihre Beobachtungen. Eva Meijers rhythmischer Erzählstil, der sich stellenweise wie ein Gedicht liest, passt wunderbar zu dieser Hommage an die bemerkenswerte Naturforscherin und an die Vogel- und Musikwelt.

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

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Sofia trägt immer Schwarz

Paolo Cognetti , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Penguin, 24.09.2018
ISBN 9783328600275
Genre: Romane

Rezension:

Ich war sehr gespannt darauf, Sofia kennenzulernen, die immer schwarz trägt. Gemeint ist die Protagonistin dieses Romans, die in Mailand aufwächst, nach Rom zieht, um Schauspielerin zu werden und schließlich in Brooklyn landet. Hinzu kommt, dass mich der Roman „Acht Berge“ so begeistert und meine Erwartungen an den italienischen Autor entsprechend hochgeschraubt hatte. Nun habe ich das Buch ausgelesen und weiß nicht so recht, was ich von den Erzählungen halten soll.

Der Anfang las sich sehr vielversprechend. Mir gefiel, wie Sofia ihre Erinnerungen an die Kindheit in Mailand und in der Neubausiedlung Lagobello beschrieb. Schöne Erlebnisse wie wilde, fantasievolle Piratenspiele mit Freunden zählten ebenso dazu wie leidvolle Phasen, bedingt durch den ständigen Ehestreit der Eltern, den Depressionen der Mutter und Verlustängste. Doch dann verliert sich zunehmend der rote Faden – nicht nur durch die vielen Zeitsprünge, sondern auch inhaltlich.

Der Autor beleuchtet beispielsweise die Ehe der Eltern, die Arbeitsbedingungen des Vaters bei Fiat oder das Verhältnis zu Sofias Tante, die sich politisch engagiert. Ich hatte gehofft, dass durch die fast eigenständigen Erzählungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven Sofias Persönlichkeit allmählich Gestalt annimmt, doch sie spielt meist nur am Rande eine Rolle. So blieben für mich viele interessante Charaktere wie die fürsorgliche Caterina in ihrer WG in Rom oder die Geliebte ihres Vaters nur an der Oberfläche, und auch zu der Hauptfigur konnte ich bis zum Schluss keinen richtigen Zugang finden.

Interessant fand ich dagegen, wie Paolo Cognetti durch seinen ungewöhnlichen Erzählstil Schlaglichter auf die italienische Gesellschaft der 80er Jahre und die typischen Konflikte in einer bürgerlichen Familie wirft. Auch sprachlich versteht er sein Handwerk und schafft es, mit scharfer Präzision die Dinge auf den Punkt zu bringen.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

Walking in the Rain

Dept.store for the Mind , Rasha Khayat
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag, 12.03.2018
ISBN 9783832199401
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich komme gerade von einem Spaziergang und habe einmal versucht, einige Anregungen aus diesem Buch umzusetzen. Ganz bewusst einen Schritt nach dem anderen setzen, sich mit allen Sinnen auf die Umgebung einlassen, Geräusche, Stimmen und Gerüche wahrnehmen… dies und vieles mehr empfehlen die Autoren in dem kleinen, aber feinen Büchlein.

Dass Gehen an der frischen Luft den Körper in Schwung bringt, den Kopf freimacht und die Gesundheit fördert, ist allgemein bekannt. An diesem Buch gefiel mir vor allem, wie vielseitig die Erfahrungen der Autorinnen und Autoren zu diesem Thema sind. Kate Peers zum Beispiel lässt sich beim Gehen am liebsten von der Natur ermutigen, die ihr den ewigen Kreislauf des Lebens vor Augen führt und ihre alltäglichen Probleme nichtig erscheinen lässt. Für die Künstlerin Antonia Thompson ist das regelmäßige Gehen wie Tagebuch führen und ein Weg zur kreativen Freiheit. Eine sehr extreme Form des Gehens ist das Pilgern, das auch Blinden ermöglicht wird. Gert-Jan de Horn berichtet, wie er den „Camino Walking Blind“ ins Leben rief und lässt einzelne Teilnehmer von ihren persönlichen Eindrücken berichten.

Als Stadtmensch konnte ich mich am meisten mit der Geschichte von Clare Barry identifizieren. „Switched on but disconnected“ – so beschreibt sie den Zustand vieler Großstadtmenschen, die bestens vernetzt und erreichbar, aber nicht mehr empfänglich sind für sinnliche Eindrücke in unmittelbarer Nähe. Tatsächlich laufen einem in der Stadt ständig Leute über den Weg, die auf ihr Handy starren. Barry möchte Abhilfe schaffen und bietet in London „Urban Curiosity Walkshops“ an, bei denen man mit Gleichgesinnten eine Stadttour zu Fuß unternimmt.

Ob in der Stadt oder Natur – das Buch macht Lust, von der Couch aufzuspringen, in bequeme Schuhe zu schlüpfen und sich auf den Weg zu machen.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Mit kleinem Gepäck

Tamina Kallert
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Gütersloher Verlagshaus, 24.09.2018
ISBN 9783579087207
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Reihe „Wunderschön“ im WDR zählt zu den Reisesendungen, die ich mir besonders gern ansehe. Das liegt auch an der sympathischen Moderatorin Tamina Kallert, die so eine natürliche und herzliche Ausstrahlung hat. Ich hätte nicht gedacht, dass sich mein Eindruck durch ihr Buch derart bestätigt.

Als Zuschauer fragt man sich ja, wieviel in der Sendung gespielt und wieviel „echt“ ist. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Reisejournalistin ständig in den Genuss leckerer Süßwaren und regionaler Spezialitäten kommt und werde ganz neidisch. Da ahne ich natürlich nicht, wieviel mühsame Arbeit dahinter steckt, bis ein gedeckter Tisch in einer heimeligen Teestube perfekt in Szene gesetzt und ein kurzes Gespräch mit der Gastgeberin im Kasten ist.

Tamina Kallert berichtet von berührenden Begegnungen mit Einheimischen, abenteuerlichen Dreharbeiten, von typischen Konflikten im Filmteam und dem anstrengenden Wechsel zwischen ständiger Präsenz und Stand-By-Modus. Die Autorin gewährt dabei nicht nur einen vielfältigen Blick hinter die Kulissen, sondern auch in ihr persönliches Leben und ihre berufliche Entwicklung. Besonders gut gefiel mir, dass sie immer wieder selbstkritisch ihre Einstellung und ihr Verhalten reflektiert, sich mit ihren Schwächen auseinandersetzt und versucht, aus ihren Erfahrungen dazuzulernen.

Ihre Gedanken und Einsichten dürften nicht nur für ihre Berufssparte, sondern für jeden eine Bereicherung sein, der sich mit der Frage beschäftigt, wie er seinen Berufs- und Lebenstraum verwirklichen kann. Ich fühlte während der Lektüre eine immer stärkere Verbundenheit mit Tamina Kallert, nicht nur, weil sie so lebendig, sprachlich einnehmend und leidenschaftlich aus ihrem aufregendem Alltag erzählt, sondern dem Leser auch eine sehr wichtige Empfehlung mit auf den Weg gibt: mit Neugier, Offenheit und unvoreingenommen, also „kleinem Gepäck“, durchs Leben zu gehen.

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Wunder warten gleich ums Eck

Barbara Pachl-Eberhart
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Integral, 01.10.2018
ISBN 9783778792896
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer in der heutigen Zeit an Wunder glaubt, wird schnell für verrückt erklärt oder naiv gehalten. Und wer sich aktiv auf die Suche nach Wundern begibt wahrscheinlich erst recht. Trotzdem wagte Barbara Pachl-Eberhart vor fünf Jahren ein Experiment: Statt auf ein Wunder zu warten, ging sie auf Entdeckungstour und schrieb ein Buch darüber. „Man findet jederzeit ein Wunder, wenn man mit offenen Augen spazieren geht“, so ihre Überzeugung.

Dabei ist alles eine Frage der Definition, wie der Leser bald feststellen wird. Dass sie es sich bei dem Experiment nicht zu einfach machen will und nicht jede Kleinigkeit als Wunder durchgehen lässt, macht sie sympathisch. Sie zeigt aber auch, dass Eigenschaften wie Offenheit, Neugier und Achtsamkeit das Unterfangen wesentlich erleichtern.

Das Spektrum an Wundern, von denen uns die Autorin erzählt, reicht von herzerwärmenden Beobachtungen in der U-Bahn über Staunenswertes in der deutschen Sprache bis hin zu Phänomenen in der Natur. Manches ist nur schwer nachvollziehbar wie ihr spirituelles Erlebnis beim Tod ihrer Tochter – manch anderes Beispiel schien mir etwas weit hergeholt. ‚Wunder‘ hat einen magischen Klang, ist aber auch ein dehnbarer Begriff, der schnell schwammig werden kann.

Staunend durch die Welt zu gehen, ist eine Haltung, die ich sehr schätze und gern viel öfters einnehmen würde, doch der auf Effizienz getrimmte Alltag macht es einem nicht leicht. Das Büchlein hat mich wieder daran erinnert, im Alltag den Blick für die Kostbarkeiten im Leben zu schärfen und nicht alles als selbstverständlich anzusehen.

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Sommer in Super 8

Anne Müller
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.08.2018
ISBN 9783328600152
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman hat mich stark an meine Kindheit erinnert. Klavierunterricht, Pyjamaparties, Tanzstunden und ein humorvoller, aber launischer Vater, nach dem man seine Antennen ausrichten muss – das alles kam mir sehr bekannt vor. Ob man nun in Schallerup nahe der Ostsee oder in Düsseldorf aufwächst – als Teenager macht man eben ganz ähnliche Dinge durch.

Die Ich-Erzählerin Clara König, mittleres Kind von fünf Geschwistern, beschreibt anfangs viele Szenen, die das Bild einer perfekten Familienidylle vermitteln. Man musiziert gemeinsam, verbringt unbeschwerte Tage an der Ostsee, sieht sich abends die vom Vater aufgenommenen Super-8-Filme an und feiert sich als glückliche Familie. Jedes Kind spielt die ihm zugeschriebene Rolle und buhlt um die Anerkennung der Eltern. Die titelgebenden Filme hatten für mich einen Symbolcharakter, denn schon da stellte sich die Frage, was in der Familie real und was gespielt ist.

Anne Müller weiß genau, was im Kopf einer Vierzehnjährigen vorgeht. Unbefangen und charmant erzählt ihre Hauptfigur von Mädchenträumen und dem ersten Schwarm, von großen Erwartungen und Enttäuschungen. Nebenbei entsteht ein lebendiges Bild der Dorfgemeinschaft mit ihren wenigen Höhepunkten wie der jährliche Markt oder der Klatsch und Tratsch im Friseursalon, der sich bald um Claras eigene Familie drehen wird.

Das Besondere an dieser Erzählung ist, dass sich mit zunehmendem Alter Claras Blick für die Welt hinter der bröckelnden Fassade schärft. Der heitere und beschwingte Ton schlägt allmählich in eine ernste und wehmütige Stimmung um und markiert das Ende einer unbeschwerten Kindheit. Ich habe den feinsinnigen Roman, der den Zeitgeist der 70er Jahre aufleben lässt, mit Empathie und Begeisterung gelesen.

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Calypso

David Sedaris , Georg Deggerich
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Blessing, 27.08.2018
ISBN 9783896676351
Genre: Romane

Rezension:

Diese Essay-Sammlung von David Sedaris hätte ich gern als Stand-up-Comedy erlebt. An einer Stelle heißt es, dass er auf einer Lesereise 45 Städte in 47 Tagen abgeklappert hat. Die Reise inspirierte ihn sicher zu der Geschichte „Ihr Englisch ist so gut“, bei der ich mich schlapp gelacht habe. Die Frage "Wie war Ihr Flug?", die er zu den überflüssigsten hält, bekam er wohl oft zu hören. Zu gern würde ich wissen, was er von der hierzulande überstrapazierten Floskel „Alles gut“ hält.

Das zentrale Thema des Buches ist das Reisen und seine Familie, die sich regelmäßig in einem Strandhaus auf Emerald Isle in North Carolina trifft. Zu seiner Schwester Amy scheint er ein besonders inniges Verhältnis zu haben. Doch auch alle anderen Familienmitglieder kommen zum Zuge und werden in seinen Anekdoten karikaturhaft gezeichnet: zum Beispiel sein eigenwilliger Vater, der eine Taschenlampe benutzte, um Strom zu sparen, oder seine Mutter, die sich stets stilvoll kleidete und mit ihren Geschichten alle zum Lachen brachte. 

Manchmal blieb mir jedoch das Lachen im Hals stecken, denn mit Galgenhumor seziert Sedaris sehr ernstzunehmende Themen wie die Alkoholsucht seiner Mutter oder den Selbstmord seiner Schwester Theresa. Ihn beschäftigt nicht nur das Altern im Allgemeinen, sondern auch wie schräg oder fanatisch einige Menschen in seinem Umkreis mit zunehmendem Alter werden. Abgesehen von ein paar unappetitlichen Geschichten habe ich Sedaris’ sehr persönliche Erinnerungen und Gedanken mit Vergnügen gelesen.

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How Proust Can Change Your Life

Alain De Botton
Audio-Kassette
Erschienen bei Csa Word, 01.03.2000
ISBN 9781901768343
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mir fallen einige Schriftsteller ein, deren Bücher mein Leben verändert haben. Marcel Proust gehörte bisher nicht dazu, zumal ich seinen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ immer noch nicht ausgelesen habe, aber das kann sich ja noch ändern – vielleicht nach der Lektüre dieses Büchleins. Alain de Botton hat sich intensiv mit Proust und seinen Werken auseinandergesetzt und die Essenz in einem kompakten Ratgeber zusammengefasst. Er ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert – zum Beispiel wie man sich Zeit nimmt oder Gefühle zum Ausdruck bringt – und zeigt auf, welche Ratschläge und Weisheiten sich aus Prousts Romanen ableiten lassen.

Um die Romane zu verstehen, sind Details über sein Leben sehr hilfreich und diese liefert Alain de Botton denn auch in jedem Kapitel. Man erfährt, welchen starken Einfluss seine Mutter auf ihn hatte, mit der er bis an sein Lebensende zusammenlebte, und dass er einen Großteil seines Lebens wegen verschiedenster Krankheiten im Bett verbrachte. Alles, was seine tägliche Routine durchbrach, bereitete ihm große Schwierigkeiten.

Doch aus der Not machte Proust eine Tugend: Statt über seine schwache körperliche Verfassung zu jammern, eignete er sich möglichst viel Wissen darüber an, um einen Nutzen daraus zu ziehen. Erst dann versteht man auch den ungewöhnlichen Titel dieses Kapitels „How to suffer successfully“. Und von leidenden Menschen wimmelt es nur so in Prousts Romanen wie Alain de Botton feststellt, zum Beispiel Frauen, die in die High Society aufsteigen wollen oder Köchinnen, die unter ihrer mangelnden Bildung leiden.

Angesichts der eingeschränkten Lebensumstände ist es umso interessanter, dass Proust seine Leser dazu anspornt, aus dem Vollen zu schöpfen und den Reichtum, den die Welt zu bieten hat, sei es in der Natur oder Kunst, so intensiv wie möglich zu erleben. Das erklärt wohl auch die Länge seiner Romane und die Fülle der Details. Auch wenn ich in de Bottons Lebensratgeber keine Aha-Effekte erlebte, fand ich den Unterricht in Proustschem Sehen unterhaltsam und anregend.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

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Heimat

Nora Krug
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Penguin, 27.08.2018
ISBN 9783328600053
Genre: Biografien

Rezension:

Der Begriff Heimat löst bei einigen nicht nur positive Gefühle aus. Die Schriftstellerin und Illustratorin Nora Krug zum Beispiel ist nach Brooklyn ausgewandert und tut sich noch heute schwer mit ihrer deutschen Herkunft. Was genau bedeutet Heimat für sie? Wie hat ihre Familie im Zweiten Weltkrieg gelebt und welche Verantwortung trägt sie für ihre familiären Wurzeln? Das wollte die Autorin genau wissen, begab sich auf Spurensuche und verarbeitete ihre Fundstücke, Erkenntnisse und Gedanken zu einem illustrierten Tagebuch.

Der ungewöhnlich gestaltete Text- und Bildband enthält sowohl persönliche Erinnerungsstücke wie Fotos und Briefe als auch zeitgeschichtliches Material aus Archiven. Immer wieder ist ihr Gefühl von deutscher Schuld zu spüren, das in ihrer Jugend durch Erlebnisse im Ausland ausgelöst und sich mit den Jahren verstärkt hat. Dann wieder gibt es heitere Abschnitte wie einen Katalog deutscher Dinge, an die sich die „heimwehkranke Auswanderin“ gern erinnert, zum Beispiel Hansaplast Pflaster, die Gallseife oder Wärmflasche.

Parallel erfahren wir Details, die Nora Krug nach und nach über ihre Familiengeschichte herausfindet. Hier interessiert sie vor allem die Frage nach Schuld und Unschuld von Mitläufern. Anhand der Erzählungen ihrer Mutter versucht sie, den Lebensweg ihres Großvaters zu rekonstruieren, der in Karlsruhe als Chauffeur eines jüdischen Textilhändlers arbeitete und später eine Fahrschule eröffnete. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin bei ihren Recherchen von der Hoffnung getrieben wurde, „entlastendes“ Material zu finden, das die Schuld der eigenen Familie mindert.

Am meisten bewegt haben mich ihre illustrierten und handgeschriebenen Geschichten im Comic-Stil. In den gezeichneten Gesichtern und Kommentaren spiegelt sich mal das Grauen der Verbrechen, mal das Gefühl von Befangenheit oder Wehmut wider. Ich bewundere die Autorin, die sich in dieser Form der Vergangenheit ihrer Familie gestellt hat, keinen Fragen ausgewichen ist und ein kleines Kunstwerk geschaffen hat.

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 62 Rezensionen

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Weit weg von Verona

Jane Gardam , Isabel Bogdan
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 23.07.2018
ISBN 9783446260405
Genre: Romane

Rezension:

"Nicht verrückt, aber auch nicht ganz normal." So beschreibt sich die Ich-Erzählerin Jessica Vye in diesem Debütroman von Jane Gardam. In der Tat fügt sich die 12-Jährige, die in dem kleinen englischen Küstenort Cleveland Sands aufwächst, so gar nicht in das Bild einer braven Pfarrerstochter. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und eckt sowohl bei den Schulkameradinnen als auch Lehrerinnen an. Das macht ihr aber herzlich wenig aus – viel wichtiger ist für sie, dass ein Schriftsteller, der vor einigen Jahren zu einer Lesung in die Schule kam, ihr schriftstellerisches Talent bezeugte. Nach diesem einschneidenden Erlebnis ist sie versessen darauf, Geschichten zu erzählen und verschlingt einen englischen Klassiker nach dem anderen.

Ihre Kindheit ist überschattet vom Zweiten Weltkrieg und den Luftangriffen der Deutschen, doch sie trotzt den Nöten und Ängsten durch ihre eigenwillige, mutige und zielstrebige Art. Jane Gardam schreibt so frech, erfrischend und authentisch, dass ich mich fast an meine eigene Teenagerzeit erinnert fühlte. Ich bin gespannt, wieviel sich von diesem Stil in ihren aktuellen Romanen wiederfindet.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

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Nacht über Tanger

Christine Mangan , Irene Eisenhut
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blessing, 13.08.2018
ISBN 9783896676030
Genre: Romane

Rezension:

Der Roman handelt von zwei sehr gegensätzlichen Frauen, die in der Collegezeit eng befreundet waren und nach einem tragischen Vorfall getrennte Wege gingen. Die psychisch labile Alice Shipley ist nach einer überstürzten Heirat ihrem Mann John McAllister nach Marokko gefolgt, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Lucy Mason dagegen hat die Trennung nie überwunden und sucht ihre ehemalige Zimmergenossin im Jahr 1956 in Tanger auf.

Gleich zu Beginn schafft die Autorin viele Spannungsmomente, indem sie mehrere Fragen aufwirft: Was für eine Art von Freundschaft verband damals die Studentinnen, was steckt hinter dem immer wieder angedeuteten Unglück in Vermont, das die beiden endgültig entzweite, und wie wird Alice auf Lucys Überraschungsbesuch reagieren?

Genau genommen gibt es neben Alice und Lucy noch eine dritte Hauptfigur in der Geschichte und zwar die Stadt Tanger. Während Alice es auch nach mehreren Jahren nicht geschafft hat, mit der Umgebung und den Einheimischen warm zu werden, fühlt sich Lucy schon nach wenigen Tagen zugehörig. Sehr anschaulich und sinnlich beschreibt die Autorin Lucys erste Eindrücke und Empfindungen in der pulsierenden Stadt, die auf die Figuren eine ganz unterschiedliche Wirkung ausüben: Für Lucy verkörpert sie Freude und Neuanfang, für Alice Angst und Einsamkeit.

Leider ließ meine Begeisterung nach dem vielversprechenden Anfang stark nach. Zum einen ist die Handlung vorhersehbar, zum anderen wirken die Nebenfiguren wie Alice’s Ehemann John oder Lucys Verbündeter Youssef zu schablonenhaft. Hinzu kommt, dass die Autorin sehr bemüht ist, jede Gefühlsregung so präzise und ausführlich wie möglich zu beschreiben, so dass für die eigene Vorstellungskraft kein Spielraum bleibt. Ich fragte mich auch, wie oft die Figuren denn noch die Stirn runzeln. Aus dem explosiven Stoff rund um Obsession, Eifersucht und Kulturschock hätte man mehr machen können.

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Die Büglerin

Heinrich Steinfest
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492056632
Genre: Romane

Rezension:

Ich kenne so einige, die das Bügeln als Strafarbeit ansehen. Tonia Schreiber jedoch nimmt dies im neuesten Roman von Heinrich Steinfest durchaus wörtlich. Sie gibt sich die Schuld für ein tragisches Unglück, dass bei einem gemeinsamen Kinobesuch ihrer Nichte Emilie zustößt, und beschließt, ihr restliches Leben damit zu verbringen, Buße zu tun – indem sie die Wäsche reicher Heidelberger Kunden bügelt.

Allein diese Romanidee hat mich derart fasziniert, dass ich dieses Buch unbedingt lesen musste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Denn es gibt noch viele andere Aspekte, die den Roman zu etwas ganz Besonderem machen. Der Autor erzählt zum Beispiel von der ungewöhnlichen Freundschaft, die die Tonia mit dem Gemüsehändler Karl Dyballa schließt. Mit welcher Hinwendung beide ihrer Arbeit nachgehen und wie sie trotz ihrer tragischen Vergangenheit gemeinsam einige Glücksmomente im Alltag finden, erzählt Heinrich Steinfest in einem schwebenden, poetischen Ton.

Das Ganze ist eingebettet in eine intelligent komponierte Handlung, denn eines Tages stößt Tonia beim Bügeln auf eine Stickerei, die auf einen Zusammenhang mit Emilies Tod hinweist. Bei ihrer Spurensuche zeigt der Autor sein volles Repertoire an aberwitzigen Ideen, klugen Gedanken, gesellschaftspolitischen Themen und wunderbaren Formulierungen.

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The Wife

Meg Wolitzer
Flexibler Einband: 328 Seiten
Erschienen bei Vintage, 05.08.2004
ISBN 9780099478195
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das verspricht keine angenehme Reise zu werden. Joan Castleman, Ich-Erzählerin dieses Romans, begleitet ihren Ehemann Joe nach Helsinki zur Verleihung eines renommierten Literaturpreises und hat den Entschluss gefasst, ihn zu verlassen. Natürlich möchte der Leser wissen, wie es dazu gekommen ist. Damit baut die Autorin einen Spannungsbogen auf und navigiert uns durch Höhen und Tiefen von vierzig Ehejahren.

Joan zählt zu jenen Frauen, die ihr eigenes Leben zurückstellen, um die Karriere ihrer Männer zu fördern. Der Stoff ist nicht neu, doch das Besondere an dieser Geschichte ist, wie minuziös die Erzählerin den Charakter und das Verhalten ihres Mannes auseinandernimmt. Genauso gründlich geht sie aber auch mit sich selbst ins Gericht und macht sich klar, dass sie von Anfang kein anderes Leben wollte.

Als 19-jährige Studentin war sie talentierter als ihr Literaturprofessor, den sie in einem Seminar für Kreatives Schreiben kennenlernte. Trotzdem konnte sie sich keine Karriere als Schriftstellerin vorstellen, erfreute sich an den Erfolgen ihres Mannes und Einladungen zu Verlagsparties und Preisverleihungen und ging in der Rolle als treusorgende Ehefrau und Mutter von drei Kindern auf. Doch auch ihre Opferbereitschaft und ihr Verständnis für seine Eskapaden und Affären hat ihre Grenzen.

Wolitzers bissige Seitenhiebe gegen den elitären Literaturbetrieb, der von egozentrischen Männern dominiert wird, sind einerseits ein großes Lesevergnügen, andererseits ernüchternd, wenn man bedenkt, das sie ein typisches Frauenschicksal in den Sechziger Jahren beschreibt.

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Tags: ehe, literatur   (2)
 

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

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Arthur und die Farben des Lebens

Jean-Gabriel Causse , Nathalie Lemmens
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei C. Bertelsmann, 10.04.2018
ISBN 9783570103463
Genre: Romane

Rezension:

Man malt sich im Leben so manche Horrorszenarien aus, doch selten eines wie in diesem Roman. Der Autor und Farbdesigner Jean-Gabriel Causse konfrontiert uns darin mit einer Welt ohne Farben! Die Protagonisten Arthur Astorg und Charlotte da Fonseca müssen mit ansehen, wie eine Farbe nach der anderen verschwindet und eine Tristesse in schwarz, weiß und grau hinterlässt. Das heißt, auf Charlotte trifft dies nicht ganz zu, denn sie ist blind. Die Radiomoderatorin und Expertin auf dem Gebiet der Farbwahrnehmung ist jedoch genauso besorgt wie alle anderen und sucht nach einer wissenschaftlichen Erklärung für das Phänomen.

Arthur wohnt gegenüber von Charlotte und ist ihr heimlicher Verehrer. Bis vor kurzem arbeitete er noch in der Buntstiftfabrik Gaston Cluzel, die jedoch wegen Konkurs schließen musste. Ein pinker Buntstift, den er eines Tages Charlottes kleiner Tochter Louise schenkt, bringt ihn nicht nur seiner Auserwählten näher, sondern scheint auch der Schüssel dazu zu sein, die Farben wieder in die Welt zurückzuholen. Während der Lektüre wurde mir erst richtig bewusst, welche immense Bedeutung Farben in verschiedensten Lebensbereichen haben. Sie stellen den Verkehr sicher, regen unseren Appetit an, kurbeln den Konsum an und tragen wesentlich zur Lebensfreude bei. 

Ein Ex-Mitarbeiter einer Buntstiftfabrik, eine blinde Farbexpertin, ein indischer Taxifahrer und Synästhetiker – Jean-Gabriel Causse hat ein witziges Ensemble für seine schöne Romanidee erschaffen. Als jedoch die chinesische Mafia ins Spiel kommt und sich die Ereignisse überstürzen, wirkt die Handlung und Auflösung etwas zu bemüht und konstruiert. So habe ich mich lieber vom typisch französischen Charme, dem humorvollen Schreibstil und den interessanten Anekdoten über die Symbolik der Farbe unterhalten lassen.

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