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norwegen, thriller, fjord, skandinavien, mord

FJORD: Thriller

Halvar Beck
E-Buch Text: 210 Seiten
Erschienen bei null, 07.08.2013
ISBN B00EE9UOYA
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einer Kleinstadt geschieht ein Mord. Die als Männer verführende bekannte lustgesteuerte Bürgermeisterstochter liegt mit gespaltenem Schädel im Boot des Dorfbäckers. Den Einstieg in den Text bildet der innere Monolog des Mörders.

Der Autor wollte mit dem Titel wohl auf den Zug der beim deutschsprachigen Publikum beliebten skandinavischen Thriller aufspringen. Die Handlung ist ins norwegische Kleinstadtmilieu verlegt. Nach einem spannenden Einstieg schafft Beck es aber nicht, die Spannung zu halten. Der simple aber überaus gültige Leitsatz für die Schriftstellerzunft "show don´t tell" wurde leider nicht beachtet. Immer, wenn eine spannungsgeladene Begebenheit erzählt wird, zerstört der Autor jede aufkommende Spannung sofort damit, dass er Vor- und Nebengeschichten der Figuren in langatmiger Weise einflicht. Die Erzählweise mag für ein Drehbuch geeignet sein, aber nicht für einen Thriller, der unterhalten soll.

Ob der Autor genügend recherchiert hat für seine Geschichte, zweifle ich an. Da wird dann zum Beispiel ein Schockzustand (eigentlich akute Belastungsreaktion) mit Schlafmitteln behandelt. Ob ein realer Mensch das lange überlebt hätte?

Unfreiwillig komisch wird die Geschichte, als der sich im Schockzustand befindende Erik, Bäcker des Dorfes, sich in seiner Not, seiner seelischen Verletztheit und angesichts eines schockierenden Erlebnisses Sorgen darum macht, dass er seinen alltäglichen Verpflichtungen nicht nachkommen und das Dorf mit frischem Brot versorgen kann. Hätte Beck hier einen intellektuell minder begabten Charakter zeichnen wollen, wäre das mit der Figur des Erik so gelungen, doch nun ist es eben nur in den Bereich der Komik entglitten.

Unnütze Wiederholungen lassen vermuten, dass der Autor seinem Leser nichts zutraut, vor allem nicht dessen Merkfähigkeit und Kombinationsgabe traut. Das  Opfer des Mörders ist eine junge Frau, die mit mehreren Männern des Dorfes intim war. Das wird so oft wieder und wieder erzählt und noch mal erzählt und noch mal erwähnt, dass man sich fragt, wofür das wichtig ist oder ob der Autor für eine demente Leserschaft zu schreiben gedachte.

Wenn Beck seine Figuren gestikulieren lässt, wirkt auch das sehr belustigend und wie für ein Kinderbuch geschrieben. Da "droht die Witwe mit erhobener Faust in die Nacht" (was hat die Nacht ihr getan?), als sie von dem Mord an der nymphomanischen Dorfschönheit erfährt, die ja potenziell auch ihren Ehegatten hätte verführen können, wäre der noch am Leben (Ja so sehen Nebengeschichten um Figuren drum herum aus, die einen Text unnötig aufblähen, wenn einem Autor  während des Schreibens die Ideen ausgehen.) Die Leute blicken verängstigt, raunen ungläubig, recken Fäuste drohend in irgendwelche Richtungen (ja schon wieder), reagieren wie man es von ihnen erwartet, lachen böse auf - also ehrlich gesagt, diesen Schreibstil würde ich nicht mal bei Fünftklässlern mit mehr als "ausreichend" bewerten. Einfach einfallslos! Die kurzen, lieblos aneinander gereihten Hauptsätze, die keinerlei Anforderungen an des Lesers Sprachgefühl stellen, sind gerade mal grammatisch korrekt, aber sonst auch nichts.

Dialoge, die das Ganze hätten lebendig wirken lassen, fehlen an entscheidenden Stellen und bekommen insgesamt zu wenig Platz.

Das Ende bietet keine wirkliche Überraschung. Den Täter erahnt man spätestens ab Seite 100, denn da ist bereits die Hälfte des mageren Lesestoffs erreicht, und das bemühte Lenken des Verdachts auf allzu verdächtige Figuren kann nicht funktionieren.

Mein abschließendes Urteil:
Alles in allem kein lesenswertes Buch. Spannung stellt sich nicht ein. Literarisch misslungen.

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