alice14072013s Bibliothek

412 Bücher, 61 Rezensionen

Zu alice14072013s Profil
Filtern nach
412 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

40 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

a court of frost and starlight, feyre, highfantasy, high lord of the night court, liebe

A Court of Frost and Starlight (A Court of Thorns and Roses)

Sarah J. Maas
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Bloomsbury YA, 01.05.2018
ISBN 9781408890325
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

14 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

monsternanny, band 1 der reihe monsternanny, band 1 der reihe monsternanny reihenfolge, band 1 monsternanny reihenfolge, band 1

Monsternanny - Eine ungeheuerliche Überraschung

Tuutikki Tolonen , Anu Stohner , Pasi Pitkänen
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 14.05.2018
ISBN 9783446258808
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

124 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

rebecca ross, die fünf gaben, fantasy, könig, carlsen verlag

Die fünf Gaben

Rebecca Ross , Anne Brauner , Susann Friedrich
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 28.02.2018
ISBN 9783551583635
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

dämonen, drachen, dunkelelben, dunkelelfen, band 1

Königszorn

Mandy Gleeson
Flexibler Einband
Erschienen bei Talawah Verlag, 13.10.2017
ISBN 9783981858679
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

26 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

fantasy, finale, freundschaft, gestaltwandler, barden

Mederia 3: Die versiegelten Hallen

Sabine Schulter
E-Buch Text: 410 Seiten
Erschienen bei null, 30.03.2018
ISBN B07B661B42
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(158)

611 Bibliotheken, 30 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

staubchronik, lin rina, bücher, bibliothek, liebe

Animant Crumbs Staubchronik

Lin Rina
Flexibler Einband: 550 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 20.11.2017
ISBN 9783959913911
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(168)

485 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 88 Rezensionen

verlust, trauer, tod, zwillinge, die stille meiner worte

Die Stille meiner Worte

Ava Reed , Alexander Kopainski
Fester Einband
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 09.03.2018
ISBN 9783764170790
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

bren, brendan und louisa, entführung, finale, grey

Entführt - Wohin die Träume uns tragen

Mila Olsen
E-Buch Text
Erschienen bei Independently Published, 31.03.2018
ISBN B07BKT4685
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

alaska, bren, entführt zwischen himmel und wind, entführung, lou

Entführt - Zwischen Himmel und Wind

Mila Olsen
E-Buch Text
Erschienen bei Independently published, 11.03.2018
ISBN B07BDRNBTG
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

78 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

fantasy, dämonen, laura labas, eine krone aus herz und asche, dark romance

Eine Krone aus Herz und Asche

Laura Labas , Anja Uhren
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Drachenmond-Verlag, 01.03.2018
ISBN 9783959912952
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(237)

542 Bibliotheken, 20 Leser, 2 Gruppen, 159 Rezensionen

fantasy, liebe, elly blake, eis, feuer

Fire & Frost - Vom Eis berührt

Elly Blake , Yvonne Hergane
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 14.02.2018
ISBN 9783473401574
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

valor, fantasy, abenteuer, buchverlosung gewonnen, familienzusammenhalt

Valor. Die Verschwörung im Königreich

Ruth Lauren , Maren Illinger
Fester Einband
Erschienen bei Julius Beltz GmbH & Co. KG, 14.05.2018
ISBN 9783407748522
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

Sommer, Schwester

Jerker Virdborg , Wolfgang Butt
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Arctis Verlag, 09.02.2018
ISBN 9783038800125
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(55)

109 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

fantasy, intrigen, krieg, götter, highfantasy

Der Mond des Vergessens

Brian Lee Durfee , Andreas Heckmann
Fester Einband: 880 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 10.03.2018
ISBN 9783608961416
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

90 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

liebe, königreiche, kampf, könig, königin

Die Legende der vier Königreiche - Vereint

Amy Tintera , Milena Schilasky
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959672085
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

161 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 52 Rezensionen

fantasy, finsterirdische, liebe, fantasy buch, fantasie

Königreich der Schatten - Rückkehr des Lichts

Sophie Jordan , Barbara Imgrund
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 05.02.2018
ISBN 9783959671729
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(189)

432 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 100 Rezensionen

wie die stille unter wasser, brittainy c. cherry, liebe, stumm, trauma

Wie die Stille unter Wasser

Brittainy C. Cherry , Katja Bendels
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.01.2018
ISBN 9783736305502
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(44)

66 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 41 Rezensionen

magdeburg, kathedrale, bau, dom, 13. jahrhundert

Die Kathedrale des Lichts

Ruben Laurin
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176366
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Ich baue und baue immer weiter, und mein Leib, meine Kraft und mein Leben verwandeln sich in ein Gebet aus Stein und Glas. Ein Gebet, das bleiben wird.“
Zitat aus dem Buch


Der Bau eines gewaltigen Gotteshauses, das einem  Märtyrer und einem deutschen Kaiser gewidmet ist, führt die Wege von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Stände zusammen und verändert ihr Schicksal entscheidend. Verlust, Schmerz, Wut, Rache, Neid und Sünde, treiben die einen, während tiefer Glaube, die Hingabe an ihre Berufung, Liebe, Heldentum und aufrichtige Freundschaft die anderen leitet.

Ruben Laurin schreibt eine faszinierende Darstellung darüber, wie die Entstehung des Magdeburger Wahrzeichens vor viele hundert Jahren vonstatten gegangen sein könnte und verknüpft dabei fiktives Geschehen und geschichtliche Fakten geschickt zu einer spannenden Handlung, die uns ein Stück Zeitgeschehen auf unterhaltsame Weise näher bringt.
 
In „Die Kathedrale des Lichts“ erzählt er uns eine Geschichte über den Bau des Magdeburger Doms im 13. Jahrhundert und der Liebe zur Bildhauerei die auf sehr anschauliche Weise begreiflich macht, dass das Schicksal mitunter lange und steinige Wege gehen kann, deren Ende nicht immer zur erhofften Erfüllung der eigenen Träume und Vorstellungen führt. So, wie die Entstehung einer solch gewaltigen Kathedrale, die uns auch heute noch ehrfürchtig staunen lässt, Jahrzehnte und Jahrhunderte an körperlicher, kräftezehrender Arbeit, menschlicher Entbehrung, tagtäglichem Einsatz und bedingungsloser Hingabe erfordert, so ist auch das Leben oft von schmerzlichen Erfahrungen, Verzicht, Verlust und einem ständigen Kampf geprägt, der nicht selten viele Jahrzehnte andauert. Einige finden wonach sie suchen, andere verirren sich und scheitern. Und nur einige wenige schaffen es, dass ihnen durch ihre selbstlosen Taten ein Denkmal gesetzt wird, das ewig bleiben wird.

Inhalt:

Eine Kathedrale, die zum Himmel wächst. Ein Steinmetz, der seiner Bestimmung folgt. Und eine Liebe, die nicht sein darf.

Anno 1215. Dem Waisenjungen Moritz widerfährt großes Leid. Nur, wenn er Skulpturen aus dem Stein haut, vergisst er alle Schmerzen. Jahre später erkennt ein reisender Baumeister Moritz' Talent und nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo eine Kathedrale gebaut wird. Rasch macht sich Moritz einen Namen unter den Steinmetzen. Doch nicht jeder auf der riesigen Baustelle bewundert den jungen Künstler. Vor allem Gotthart, ein bekannter Bildhauer, neidet Moritz den Erfolg. Als Moritz sich ausgerechnet in die Frau verliebt, um die auch Gotthart wirbt, verfolgt dieser nur noch ein Ziel: die Vernichtung seines Rivalen, um jeden Preis.

Meinung:

„Das tut elend weh, wenn auch nur kurz“, sagte Mechthild. „Doch manchmal führt der Weg zum Leben durch Schmerzen und der Weg zum Himmel durch eine enge Pforte.“ Zitat aus dem Buch

Das Leben schlägt oft auf grausame Weise zu und unterwirft uns vielen Prüfungen. Manchmal verlieren wir dabei unseren Weg aus den Augen und manchmal auch ein Stück von uns selbst. Ob wir scheitern, oder unser Glück und unsere Bestimmung finden, liegt dabei nicht selten an unserer Persönlichkeit. An der Art und Weise, wie wir mit dem Schicksal und den Gegebenheiten unseres Lebens umgehen.
Liebe und Hass, Tugendhaftigkeit und Sünde, Ehrgefühl und Hochmut liegen dabei oftmals sehr nahe beieinander. Wie wir uns letztendlich entscheiden und dementsprechend verhalten, führt in der Regel zu „Sieg“ oder „Fall“.

Hier setzt Ruben Laurin in seinem Roman an und webt eine genial konzipierte und sehr stimmige Geschichte um seine sehr unterschiedlichen Charaktere, deren Erleben wir über mehrere Jahrzehnte folgen.

Alles beginnt im Jahre 1215, in dem sich das Leben des sechsjährigen Wenden Moritz für immer verändern wird.

„Hähne krähten, Hunde schlugen an, aus allen Hütten tönte Kampflärm und Geschrei. Die Sachsen tobten durchs nächtliche Dorf. Keiner hatte vor ihnen gewarnt – kein Wächter, kein Zeichen, kein Traum. Nicht einmal der Dorfnarr.... Moritz kauerte stocksteif in der Fensteröffnung. Der Vollmond warf seinen Schatten auf das Nachtlager im Inneren der Hütte – auf Decken, Felle und Strohsäcke, auf die bleichen Gesichter der anderen...“ Zitat aus dem Buch.

In dieser Nacht verliert Moritz alles. Seine Heimat, seine Familie und das, was er glaubte zu sein. Nur sein Leben bleibt ihm und seine immer wiederkehrenden schmerzvollen Alpträume, die fortan sein Leben bestimmen würden. Auf der Flucht gerettet und später verkauft, arbeitet er zwölf lange Jahre in Bergwerk, Wald und Steinbruch, gefürchtet und gehasst für seine Raserei in Vollmondnächten, in denen der Schmerz und die Angst ihn in seinen Träumen überwältigen, aber geschätzt für seine Kraft und Ausdauer. Nur die Arbeit an einer Skulptur aus Stein lässt ihn sein Leid für kurze Zeit vergessen.

„Moritz fürchtete sich vor der Nacht. Wenn er wieder außer sich geriet, würden sie sich nicht scheuen, ihn zu prügeln und einzusperren. Er ballte die Fäuste und stampfte laut auf den Bohlen auf, als er die Zugbrücke überquerte. Weg mit der Angst! Weg mit den Gesichtern! Weg mit den Stimmen und Gerüchen!“ Zitat aus dem Buch

„Seinen wichtigsten Lehrer jedoch traf Moritz auf keinem Markt, in keinem Dom, den trug er immer bei sich: Die Liebe zu seiner Mutter und das Heimweh tief drinnen in der breiten Brust.“
Zitat aus dem Buch


Diese Arbeit an seiner Skulptur und eine zufällige Begegnung in einer ausweglosen Situation führen schließlich dazu, dass Moritz' Talent als Steinmetz entdeckt wird und sein Weg ihn an die Dombaustelle nach Magdeburg führt.

Doch nicht nur Moritz Reise führt nach Magdeburg. Auch Helena, die Tochter des Baumeisters Bohnsack muss sich von ihrer geliebten Heimat verabschieden und ihrem Vater folgen. Dabei erfährt die bis dahin sehr selbstbewusste junge Frau von einem Familiengeheimnis, das ihre bis dahin heile Welt erschüttert. Mehr und mehr fokussieren ihre Gedanken um die Frage, welchen Platz sie in diesem Leben einnehmen wird und vor allem, wem sie ihre Liebe schenken soll.

An anderer Stelle begegnen wir dem selbstbewussten dänischen Ritter Ansgar von Lund, der zwar von adliger Herkunft ist, aber dennoch von Turnier zu Turnier erfolgreich seinen Besitz und Ruf mehrt, bis ihm seine Schwäche für das weibliche Geschlecht fast zum Verhängnis wird.

Und schließlich treffen wir auf den französischen Bildhauer Gotthart, der Paris verlassen muss, weil sein dunkles Geheimnis droht aufgedeckt zu werden.

Sie alle hadern mit den Ereignissen früherer Jahre, die sie nachhaltig geprägt haben und kämpfen mehr oder weniger gegen ihre inneren Dämonen an. Während die einen an ihrem inneren Zwiespalt und falschen Wertvorstellungen scheitern, scheinen die anderen ihren Weg in Empathie und Ehrgefühl zu suchen.

„Und Moritz stürzte.
Andere stürzten auch. Manche sogar zur selben Zeit.
So vieles geschieht ja in einem einzigen Augenblick an unterschiedlichen Orten – Gutes und Böses, Hässliches und Schönes. Und denen es geschieht, die wissen nichts voneinander.
Noch nicht.“
Zitat aus dem Buch


Hier setzt der Autor mehrere Handlungsstränge an sehr unterschiedlichen Orten im Geschehen an und lässt sie dann wie zufällig nach einigen Jahren zusammenlaufen und zu einer Einheit verschmelzen, deren Wendungen mich so manches Mal überraschen konnten. Obwohl ich Ruben Laurin die ein oder andere Wendung  nur sehr schwer verzeihen kann. Über den Verlust zweier besonders liebgewonnener Charaktere werde ich nicht so schnell hinweg kommen.
Eingebettet in die historisch verbürgten Hintergründe des Magdeburger Dombaus entwickelt sich eine grandios durchdachte Geschichte aus Liebe und Freundschaft, Rache, Verrat und Intrige, inneren und äußeren Kämpfen, Sehnsucht und Schmerz, Lüge und Wahrheit, die mich auf vielen Ebenen begeistert hat.
Die Handlung schreitet konsequent voran und liest sich trotz ihrer Länge von fast sechshundert Seiten sehr flüssig und abwechslungsreich. Im Verlauf finden wir immer wieder Höhepunkte in deren Szenerie wir um geliebte Protagonisten zittern müssen und uns über deren Ausgang nur selten gewiss sein können. Dadurch wird die Spannungskurve konsequent aufrecht erhalten. Besonders zum Ende hin wird es noch einmal sehr emotional und nervenaufreibend. Die gewählte Lösung fand ich mehr als gelungen. Denn es geht hier nach all dem Leid, dem Schmerz und der nie überwundenen Wut vor allem um das Vergeben. Das ist ein wunderschöner Ansatz. Unterstrichen wird alles in einem sehr versöhnlichen Ausblick nach einem Zeitsprung von mehreren Jahrzehnten, der die Geschichte wundervoll abrundet.
 
„Was glaubst du – wird sie mir verzeihen?“
„Gewiss, wenn du aufrichtig bist.“ „Doch wird sie mich dann noch lieben?“
„Die Liebe glaubt alles, die Liebe duldet alles, die Liebe hört niemals auf.“
Zitat aus dem Buch


Es gab so vieles, was mir an diesem Buch unglaublich gut gefallen hat und die Fähigkeiten des Autors seine Geschichten auf ganz besondere Art und Weise zu Papier zu bringen sehr eindrucksvoll unterstreichen.

Ich liebe den Wechsel zwischen ernsthaften, teils sehr emotionalen und schmerzhaften Passagen und den Momenten, in denen immer wieder der einzigartige, trockene Humor des Autors durchblitzt. Dadurch ist die Geschichte sehr facettenreich und wird an vielen Stellen aufgelockert. Besonders Ansgars Passagen und sein teils verqueres Denken zwischen Ehrgefühl und seiner besonderen Schwäche haben es mir sehr angetan.
Ruben Laurin schafft es auf sehr außergewöhnliche Weise Emotionen auf den Leser zu übertragen. Sei es durch die inneren Kämpfe, die die Protagonisten mit sich fechten, durch deren Träume, Zweifel, Ängste, Hoffnungslosigkeit oder Wut oder auch im übertragenen Sinne, indem er die Gefühle der Charaktere in den Kunstwerken und Statuen, die sie schaffen versinnbildlicht. Diese Art, Gefühle in Stein zu meißeln, wo keine Worte gefunden werden,  hat mich sehr beeindruckt.
Besonders Moritz, dem es so schwerfällt, seine Emotionen in Worte zu fassen wurde mir auf diese Art sehr nahe gebracht. Es gab Szenen, da wollte ich ihn am liebsten in den Arm nehmen.

Die Vielschichtigkeit und der Facettenreichtum der Charaktere hat mir sehr gut gefallen. Moritz ist nicht nur der leidende Mann, der sich in einer eigentlich aussichtslosen Liebe verliert. Seine Figur umfasst unendlich viel mehr. Manchmal ist es seine ungelenke Art sich auszudrücken, die mich schmunzeln ließ oder sein aus dem Herzen kommender Gerechtigkeitssinn, der mich im Sturm eroberte. Dann wieder waren es die schonungslosen Taten, die Art Vergeltung an seiner Vergangenheit zu üben, die mich erschreckt haben und einen ganz anderen Charakterzug an ihm zeigten. Letztendlich war es die Mischung aus Unsicherheit, aufrichtiger Empathie, tiefer Liebe, Verletzlichkeit und einer inneren schwelenden Wut und Angst, die ihm sofort einen Platz in meinem Herzen eingeräumt haben.
Ähnlich erging es mir mit Ansgar von Lund. Der Ritter hat eigentlich so viele Fehler, die ihn normalerweise schon fast unsympathisch machen würden. Ob es sein übersteigerter Hochmut ist, oder seine Art sich die Frauen ohne Gewissen zu nehmen. Dennoch hat er so viele, ihm vielleicht unbewusste, liebenswerte Seiten, dass er für mich schon fast zu meiner Lieblingsfigur avancierte.
Die Atmosphäre die jeden Protagonisten auf seine ganz eigene Art begleitet ist faszinierend. Das ist eine Kunst, die der Autor beherrscht. Obwohl ich hier leider an der Figur der Helena verzweifelte, die zwar anfangs sehr selbstsicher und für ihre Zeit sehr verantwortungsvoll wirkte, sich aber im späteren Verlauf in eine gewisse Naivität und viel zu oberflächlich in Bezug auf auf die Gedanken, die sie im Inneren beschäftigen, entwickelt. Es war wahrscheinlich beabsichtigt, genau dieses Bild von ihr zu entwerfen, aber es hat bei mir bewirkt, dass ich nicht mit ihr fühlen konnte und mir dadurch die Liebesgeschichte leider auch ein wenig zu einseitig erschien. Ich habe Helena ihre Liebe nicht so ganz abgekauft. Das ist ein Kritikpunkt, den ich hier sehe. Der aber durch die vielen positiven Attribute des Buches sehr gut aufgefangen wird.

Wundervoll fand ich die liebevolle Beschreibung der Künste des Steinmetzes und die vielen baulichen  Details, die wir auch heute noch im Magdeburger Dom bewundern können. Ich hatte manchmal das Gefühl inmitten der mittelalterlichen Baustelle zu stehen und die Kunstwerke staunend zu betrachten. Auch die Einbettung der historischen Fakten war sehr stimmig in das Geschehen eingefügt und für die Geschichte genau passend. Ich denke mehr zeitliches Geschehen hätte an dieser Stelle eher verwirrt. Einige historische Abweichungen verzeiht man gerne, da der Autor sie im Sinne seiner Handlung verändert und im Nachwort sehr gut begründet hat. Man sollte das sehr interessante Nachwort demnach unbedingt lesen, weil es die Intention des Autors wunderbar in Szene setzt und uns einen tieferen Einblick in die Hintergründe der Entstehung seines Romans gibt.

Und dann gab es noch die vielen versteckten Anspielungen und kleinen Hinweise, die bezüglich auf das Schicksal der Charaktere in die Geschichte gestreut werden. Sei es durch Anmerkungen des Erzählers, oder durch die Schlüsselfunktion der Figur Mechthild, die obwohl oftmals nicht ernstgenommen, immer mehr zu wissen scheint.

„Mechthild drückte seine Hand. „Sieh doch hin, hör doch zu.“
Zitat aus dem Buch


Dieses Stilmittel hat bei mir immer eine gewisse Grundspannung erzeugt und mich oft auf Situationen mit einer unterschwelligen Gänsehaut hin fiebern lassen. Auch die Parallelen zwischen Glauben und eigentlichem Leben, zwischen Historie und Fiktion fand ich einfach großartig und genial gegenübergestellt.

„Ist es nicht ein Abbild unseres kurzen Lebens?“, murmelte sie flüsternd. „Das Lebensrad weiterziehen und -treten, Runde um Runde, immer dieselbe mühselige Plage. Was hast du uns da aufgebürdet?“ … „Vorüber“, murmelte Mechthild. „Irgendwann ist die Plage vorüber, und das Lebensrad wird sich nicht mehr weiterdrehen. Und wir werden nach Hause gehen, zu dir...“ Zitat aus dem Buch

Das machte den Roman zu etwas Rundem und Greifbaren. So auch die in Prolog und zwei Intermezzi eingefügte mögliche Geschichte des Mauritius von Theben um 285 n. Chr., die die Aussage des Buches wunderbar unterstreicht. Das alles macht diese Erzählung so großartig. Hätte ich nicht meine Probleme gehabt, mit der weiblichen Protagonistin zu fühlen und ihr Glauben bezüglich ihrer beteuerten Liebe zu schenken, würde ich dem Buch die volle Punktzahl geben. Manchmal waren mir auch die Zeitsprünge zu schnell, wo ich gerne mehr gelesen hätte. Besonders in einigen sehr emotionalen Momenten, deren Schrecken man noch viel deutlicher hätte darstellen können, wenn man sie weiter ausgeführt hätte. An anderer Stelle werden gerade die seelischen Schmerzen von Moritz viel detaillierter ausgearbeitet und erreichen bei mir deutlich ihr Ziel.

Dennoch hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Sie zeigt, dass sie von einem Autor geschrieben wurde, der es versteht eine nicht nur sehr komplexe Handlung zu konstruieren, sondern sie auch auf seine eigene, großartige Art so darzustellen, dass sie den Leser nachhaltig beschäftigen kann. Selbst mit den teilweise überspitzten Zeichnungen der Figuren und der manchmal ein wenig zu vielen Zufälle in der Handlung schafft der Autor es seine besondere Intention zu unterstreichen. Denn nicht anders darf man sie sehen, als ein Stilmittel, besondere Effekte zu erzielen.

Lassen wir Moritz das letzte Wort, denn kein anderes Zitat untermalt so schön die Aussage der Geschichte und ist mir so nachhaltig im Gedächtnis geblieben.

„Wir alle kommen und gehen“, sagte Moritz. „So ist das Leben.“ Er deutete hinüber zum Chorumgang, wo in einer Kranzkapelle sein Schwarzer Ritter stand. Dann blickte er zu den Gewölben des Mittelschiffs hinauf, deutete auf die bunten Fenster des Hochchors und schlug schließlich mit der Faust gegen den wuchtigen Vierungspfeiler, neben dem er stand.
„Wie gut, dass es auch Dinge gibt, die uns überleben und bleiben“, sagte er und lächelte.
Zitat aus dem Buch


Fazit:

Ein wundervoller, facettenreicher und sehr komplexer historischer Roman, der mit einer intensiven Geschichte und einer tiefgründigen Aussage begeistert.

  (40)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(62)

182 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 41 Rezensionen

wintersong, fantasy, erlkönig, ivi, booksbuddy

Wintersong

S. Jae-Jones , Diana Bürgel
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.12.2017
ISBN 9783492704588
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

anregend, emotional, mitreißend

Blaubunte Schmetterlinge

Regina Meißner
E-Buch Text: 375 Seiten
Erschienen bei null, 15.11.2017
ISBN B076WZC8ZT
Genre: Sonstiges

Rezension:

„In diesem Moment kam es mir vor, als würde die Welt aufhören sich zu drehen und als wäre Zeit nur noch ein Konzept, das nicht mehr funktionierte.“ Zitat aus dem Buch S. 12

Manchmal ist man gefangen in einem wundervollen Traum, verliebt in eine scheinbar vollkommene und strahlende Welt. Man fühlt sich unbesiegbar, unbeschwert und glücklich. Alles strahlt in den berauschendsten Farben. Doch was passiert, wenn man so sehr gefangen ist in diesem Traum, dass man die Schatten und die verborgenen Wahrheit dahinter nicht erkennen will? Was geschieht, wenn sie dann unerwartet die Farben durchbricht? Man stürzt tief, ins bodenlose Grau, in einen unendlichen Abgrund, der alles zerstört und mit sich nimmt, was einen ausmacht. Ist es dann noch möglich ins Leben zurückzufinden? Und vor allem, ist es möglich sich selber wiederzufinden, wenn doch fast nichts mehr übrig ist, was einen je ausgemacht hat?

„Blaubunte Schmetterlinge" ist eine Geschichte, die uns mit dieser Problematik konfrontiert. Die uns  den Höhenflug einer Liebesgeschichte schildert, die beflügelt, die scheinbar unbesiegbar macht und deren Farben alles zu überstrahlen scheinen. Bis der schonungslose Fall kommt und nichts mehr übrig bleibt, als die Scherben einer verletzten Seele, Schmerz, Wut, Trostlosigkeit und dem Wunsch nur noch zu vergessen. Sie berichtet von dem verzweifelten Kampf sich den Erinnerungen, die sich tief im Innersten verankert haben, nicht stellen zu müssen und doch schildert sie die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens, denn die Vergangenheit holt uns immer ein.

Ich hatte viele Erwartungen an das Buch, als ich die Inhaltsangabe gelesen habe. Vielleicht hatte ich einen typischen New Adult im Kopf, der mit mal mehr, mal weniger Dramatik aufwartet und mich auf eine emotionale Fahrt schickt, die zwangsläufig auf ein bestimmtes Ende zusteuert.
Weit gefehlt. Es war so viel mehr als das.
Ich musste mich mehrfach beim Lesen sammeln, so sehr war ich persönlich betroffen. Ich habe mich in dieser Geschichte wiedergefunden, habe eigene Erfahrungen aus längst vergessenen Zeiten neu und schmerzlich durchlebt. Dadurch habe ich nicht nur das Handeln der Protagonisten reflektiert, sondern auch mich selber. Ich war in einem Strudel aus gegensätzlichen Gefühlen gefangen, die mich durch völlig konträre Stimmungen geworfen haben und das unvorbereitet im Wechsel von wenigen Minuten. Mal habe ich gedacht, ich wüsste wohin alles laufen würde, nur um dann eines völlig Besseren belehrt zu werden und am Ende sprachlos mit einem Kloß im Hals zurückzubleiben. Nicht wissend, ob meine Tränen aus Schock, Trauer oder doch Freude bestanden oder alles auf einmal.
Die Geschichte war genial aufgebaut, zugleich berührend wie erschreckend und schockierend. Sie hat mich vor allem sehr zum Nachdenken angeregt, und ich habe lange gebraucht um meine eigenen und auf die Handlung bezogenen Emotionen zu sortieren, bevor ich mich daran gewagt habe, meine Eindrücke niederzuschreiben.
So ist auch dieser Text aus meinem Bauchgefühl entstanden und geprägt vom unmittelbaren Erleben dieser großartigen Geschichte.

„Weißt du, was mein Lebensmotto ist? Ich will jeden Tag von mir selbst überrascht werden.“ Zitat aus dem Buch

Inhalt:

„Wir können uns nie selbst besiegen.
Am Ende bleiben wir, wer wir sind.“

Sie ist Malerin, er Musiker.
Sie will sich selbst verwirklichen, er die Welt sehen.
Als Zoe und Hayden aufeinandertreffen, ist es Liebe auf den ersten Blick.
Er inspiriert sie zu ihren schönsten Bildern und sie lässt ihn die außergewöhnlichsten Lieder schreiben.
Schon bald sind die beiden unzertrennlich.
Dennoch lässt Hayden Zoe vor dem Altar stehen.

Zwei Jahre später versucht Zoe in einer neuen Stadt immer noch ihren früheren Verlobten zu vergessen. Sämtliche Gedanken an Hayden sind verboten. Doch dann taucht plötzlich dessen Bruder Seth auf – mit einer Nachricht, die Zoe dazu bringt, nach Marywels zurückzukehren.
Zurück an den Ort, an dem alles begonnen hat und an dem sie sich ihrer Vergangenheit stellen muss.

„Blaubunte Schmetterlinge“ ist eine Geschichte über Aufopferung, Niederlage und den Moment, in dem man sich verliert. Aber es ist auch eine Geschichte über das Träumen, das Loslassen und das Zurückfinden. ( Klappentext „Blaubunte Schmetterlinge )

Meinung:

Unendliche, bedingungslose Liebe
oder Trugschluss und tiefer Schmerz über Verrat und Verlust?

Das Gefühl des absoluten Glücks und der Selbstverwirklichung
oder Selbstzerstörung aus Selbstzweifeln und Wertlosigkeit?

Wo fängt das eine an und hört das andere auf? Oder verwischen irgendwo die Grenzen?
Was führt zu einer plötzlichen Niederlage, oder hätte man Anzeichen erkennen können?
Warum? Was habe ich falsch gemacht? Wer bin ich? Wohin mit all den Gefühlen?

So viele Fragen, die bestimmt jeder von uns sich irgendwann gestellt hat, dessen Glück und Liebe gescheitert sind. Aber wie wir letztendlich damit umgehen, das kann ganz unterschiedlich aussehen. Verarbeitung sieht bei jedem anders aus. Manche trauern, manche schreien und schlagen um sich und einige verletzen sich selber. Das Gefühl nach einem Verlust ist ähnlich, aber der Weg hinaus sehr differenziert. Regina Meissner konfrontiert uns auf sehr feinfühlige Weise mit eben diesem Erleben an dem Punkt, an dem eine Liebe unerwartet zerbricht und lässt uns tief in innere Dämonen ihrer verletzten Protagonistin blicken, die wir hautnah und schonungslos miterleben dürfen.

„Man sagt, Zeit sei das beste Mittel gegen ein gebrochenes Herz. Zeit heile die Wunden, Zeit mache das wieder ganz, was auf den ersten Blick irreparabel erscheint. Zeit sei es, die über Schmerz Gras wachsen lässt, die Erinnerungen nicht mehr ganz so verletzend darstellt.
Damals hatte ich die Hoffnung, dass es stimmt. Dass nur genug Zeit vergehen muss, bis ich wieder ich selbst bin. Bis das zurückgelassene Mädchen zu der jungen Frau wird, die es in sich trägt.“ Zitat aus dem Buch

Sie zeigt uns den inneren Kampf und das seelische Sterben einer verlassenen, jungen Frau, die versucht zu verdrängen, zu vergessen und nicht mehr zu fühlen. Die einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben gezogen hat und einen Neuanfang sucht.

„Zu Hause - das ist eine Einzimmerwohnung in einem Mehrfamilienhaus, das mitten in der Stadt steht. Zu Hause - das ist Essen, Schlafen, Anziehen, Wegfahren - immer in dieser Reihenfolge, weil Routine wichtig ist. Zu Hause - das ist möglichst wenig Nachdenken, möglichst wenig Damals, immer Jetzt und Hier. Zu Hause - das ist gut, wenn keine Post kommt.“ Zitat aus dem Buch

„Ich wollte den alten Ballast nehmen und ihn durch etwas Schönes, Besseres ersetzen. Ich wollte neue Blumen pflanzen, sodass ich die alten nicht mehr vermisse.
Nein, eigentlich wollte ich nur vergessen.“ Zitat aus dem Buch


Gleichzeitig verdeutlicht sie uns die Aussichtslosigkeit dieses Vorhabens. Die Vergangenheit holt einen immer ein, wenn man sie nicht bewältigt hat. Man kann vor allem fortlaufen, aber nicht vor sich selber.

„Immer, wenn jemand mit mir redet, immer wenn jemand wissen will, wer ich bin, woher ich komme und was mit mir los ist, schweifen meine Gedanken ab. Und dann schaffe ich es nicht länger, die Erinnerung hinter Schloss und Riegel zu halten. Dann prasselt sie auf mich ein wie der Regen bei einem Gewitter. Ich sehe Bilder, die ich nie mehr sehen wollte, ich höre Stimmen, an die ich mich nicht mehr erinnern möchte und spüre etwas, das ich mir nicht mehr erlaube, zu fühlen.“ Zitat aus dem Buch

„Ich hasse mich für die Tränen, die meine Wangen hinunterlaufen, ich hasse mich dafür, dass ich immer noch so viel fühle, obwohl ich alles getan habe, um taub zu werden. Doch am meisten hasse ich mich dafür, dass ich die Erinnerung nicht mehr länger unterdrücken kann..“ Zitat aus dem Buch


Dann steht man vor einem riesigen Scherbenhaufen. Hervorgerufen durch einen Moment, der die scheinbare Seifenblase um uns zerplatzen lässt, und fängt an, die einzelnen Splitter aufzufegen und durch Erinnerungen zusammenzusetzen, damit man heilen kann. Oder man geht daran endgültig zugrunde.

„Aber nichts von alldem stimmt. Ich belüge mich, so wie ich es mein ganzes Leben lang getan habe. Die Wahrheit ist: Ich bin nicht stark, ich bin schwach. Ich verschließe meine Augen vor der Realität, weil Lügen manchmal schöner sind als Wahrheiten. Ich bin ein Häuflein Elend, das zurückgelassen wurde, weil es nicht genug wert war.“ Zitat aus dem Buch

Genau an diesem Punkt setzt die Autorin an. Verknüpft geschickt das Erleben in der Gegenwart nach dem entscheidenden Moment, der das sorgfältig aufgebaute Kartenhaus der Verdrängung zum Einsturz bringt, mit den Erinnerungen aus der Vergangenheit, als sich die Protagonistin Zoe noch unbeschwert und unbesiegbar gefühlt hat. Momente des Kennenlernens, des Findens, der Freiheit. Momente der Verspieltheit, von Abenteuer und Selbstentdeckung. Momente tief empfundener  Liebe und Inspiration. Alles war möglich, die Welt grenzenlos und farbenfroh.

„Wenn ich mit Hayden zusammen war, wurde ich zu einem anderen Menschen. Einer besseren Version von mir selbst. Ich musste mich nicht aufgeben, sondern gewann jede Menge dazu. Ich behielt, was mir an mir selbst gefiel und bekam all das dazu, was ich mir immer gewünscht hatte: Zuversicht, Mut und ein bisschen Leichtsinn.“ Zitat aus dem Buch

„Hayden machte mich so viel besser. Vollständiger. Er zeigte mir all die Farben, die ich nie gekannt hatte. Jeder Kuss. War ein neuer Ton. Immer, wenn seine Lippen meine berührten, explodierte eine neue Farbe. Jedes Mal, wenn unsere Zungen miteinander sprachen, bekam das Wort bunt eine neue Bedeutung. Nun gab es hellbunt, blaubunt, gelbbunt und buntgestreift. Es gab so viel mehr und das nur durch ihn. Er machte mich zur besten Version meiner selbst. Auf einmal fühlte sich Lachen wie ein Gefühl an, Liebe wie ein Geschmack und Glück wie etwas Greifbares. Ich war nicht kaputt gewesen, als er mich traf. Ich hatte ihn nicht gebraucht. Aber mit ihm war alles so viel besser.
Er sah mich genau so, wie ich gesehen werden wollte.“ Zitat aus dem Buch

„Nie zuvor hatte ich so etwas Gigantisches gespürt, so etwas Großes. Ich wollte es festhalten, es aufheben - für eine Zeit, die weniger Licht hatte als diese.“ Zitat aus dem Buch

Dieser Aufbau aus erlebter Gegenwart und Vergangenheit, der immer nur aus der Sicht Zoes geschildert wird, ist so genial wie stimmig. Denn er lässt uns sehen, lässt uns verstehen. Wir beginnen die Emotionen Zoes zu fühlen, als wären sie unsere eigenen. Damit wird Liebe und Glück, aber auch der tiefe Schmerz und die Selbstzweifel transparent und wir gelangen an den Rand der eigenen Verzweiflung.
Ich war überrascht, welche Flut an Emotionen beim Lesen auf mich eingestürzt sind. Sie holten alles aus mir hervor. Den kichernden Teenager, der sich über kindische Aktionen freute und sich vor Lachen nicht halten konnte, die tanzenden Schmetterlinge im Bauch und die Euphorie. Ich fühlte mich stark und besonders, war glücklich. Doch im nächsten Augenblick überwältigte mich der Schmerz. Ich bekam keine Luft mehr, wollte schreien und weglaufen. Ich habe gehasst und versuchte jegliches Gefühl in mir zu ersticken. Ich verfiel in Lethargie und alles wurde farblos, trostlos und stumpf. Bis der Funken Hoffnung kam, auf Leben, auf einen Anfang und wieder in Tränen ertrank. Diese Gefühle prasselten auf mich ein, immer im Wechsel. Schonungslos, unbarmherzig und vor allem so real. Ich wollte eine Pause, weil ich mich darin in Ansätzen wiedergefunden habe und doch konnte ich mich dem nicht entziehen. Ich wollte Antworten, eine Lösung und habe gehofft bis zu letzten Zeile. Es war definitiv ein Marathonlauf, aber es war ein grandioses Erlebnis, denn während ich mich mit der Geschichte der Protagonistin auseinandergesetzt habe, war es auch eine Reise zu mir selbst und meinen eigenen Erfahrungen. Vielleicht auch ein Stück Selbstheilung.

Und doch, gerade weil wir Zoes Erleben folgen und Haydens Sicht der Dinge uns verwehrt bleibt, sehen wir vielleicht auch Anzeichen auf unserer Suche nach Antworten, die der naiv liebenden Zoe verborgen geblieben sind. Oder wollen wir sie nur sehen, weil wir nach Erklärungen suchen um unseren eigenen Frieden damit zu machen? Eine Art von Selbstschutz?

„Nein. Ich hasse es. All diese Formalitäten, diese Regeln, die Konventionen, die überall herrschen. Ich fühle mich eingezwängt, beengt und nicht mehr frei. Als ich eben am Klavier saß, ist alles von mir abgefallen. Da habe ich für einen Moment das Leben in seiner reinsten Form gespürt.“ Zitat aus dem Buch

Es gab diese Momente, da hätte ich Zoe gerne geschüttelt. Da hätte ich am liebsten gerufen: „Wach' auf, dein Weg ist falsch!“ Aber dann habe ich wieder gezweifelt, war verwirrt, weil die Charakterzeichnung doch eben nur den subjektiven Empfindungen Zoes geschuldet waren.
Die unterschiedlichen Gefühle haben mich bis zur letzten Zeile an das Geschehen gefesselt, bis ich zum Schluss meine eigene Entscheidung getroffen habe und hoffte, dass Zoe genauso handeln würde. Es ist mir bisher selten passiert, dass ich mich so sehr in meinen Gefühlen beim Lesen verloren habe. Man hätte die Handlung und die Sichtweise nicht besser wählen und aufbauen können.

Die Umsetzung der Emotionalität und der konträren Gefühle durch den Schreibstil war für mich grandios. Während wir die glücklichen Zeiten durch farbenfrohe und verspielte Schilderungen erleben, die unsere Schmetterlinge  im Inneren tanzen ließen, wurden die Gegenwartserlebnisse durch kurze Satzfetzen schmerzvoll und verstörend, und die Welt wurde durch monotone Wiederholungen trostlos und grau. Eindrucksvoller hätte man die Veränderung der Protagonistin von einer fröhlichen und starken, zur zerstörten und hoffnungslosen jungen Frau nicht beschreiben können. Bilder wurden in meinem Kopf sofort lebendig und die Kluft war so gewaltig, dass sie mich schockiert hat. Es war nahezu unmöglich nicht betroffen zu reagieren. Es hat mir das Herz zerrissen und ich habe mir nichts mehr gewünscht, als es wieder zusammenzusetzen.

„Ich war verrückt geworden. Ich lief mit einem Dauergrinsen im Gesicht herum und konnte meine Freude nicht verstecken....Ich fühlte mich beschwingt, unbesiegbar, triumphierend.
Und ich malte.
Leidenschaftlich.
Inbrünstig.
Unverbesserlich.
Mein Inneres trat nach außen, meine Gefühle schwappten auf die Leinwand über und ließen sich nicht ordnen, ergaben keine Struktur, sondern ein Meer aus Farben, das nie bunt genug sein konnte. Ich hatte nie gewusst, dass da Töne in mir lebten, die ich nicht malen konnte, weil sie zu hell und zu leuchtend waren. Mein Kopf wurde zu einer eigenen Leinwand, die ich mit dem bemalte, was ich fühlte....“ Zitat aus dem Buch

„Mein Inneres verwandelt sich in eine Uhr, die jedes Ticken direkt an mein zentrales Nervensystem schickt und mich zum Ausrasten bringt.
Ich.will.nicht.hier.sein...Wie lange will er noch reden, ohne etwas zu sagen? Wie sehr möchte er mich quälen, bevor er mich in Ruhe lässt?....Zeit dehnt sich unnatürlich aus, bis wir in einem Vakuum existieren, das ich nicht ertrage.“ Zitat aus dem Buch

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich die Charaktere dieser Geschichte beschreibe. Ich denke ein ungefähres Bild von Zoe dürfte jetzt jedem im Kopf entstanden sein. Doch ich habe mich bewusst entschlossen dieses Mal auf die Zeichnung der männlichen Charaktere zu verzichten. In meinem Kopf ist ein sehr klares Bild entstanden und ich hatte den Eindruck es sollte auch gewollt so entstehen. Damit habe ich für mich zum Ende hin eine ganz klare Stellung bezogen und meine Hoffnung darin gelegt, dass ich das Buch zufrieden zur Seite legen könnte. Meine Einschätzung hier darzulegen, würde unter Umständen nicht nur spoilern, sondern auch jeden Leser davon abhalten, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Ich muss gestehen, ich habe mir manche Entwicklung zum Ende hin ausgemalt und erhofft. Ich hatte unterschwellige ungute Vorahnungen und Wünsche. Aber nichts hat mich auf die eine Wendung vorbereitet, die letztendlich auf mich einstürzte. Dies war der Moment, als ich drohte an meinem Kloß im Hals zu ersticken und meine Tränen hemmungslos liefen. Das Ende war gleichzeitig wundervoll und doch bedrückend. Selten war ich mir so unschlüssig, was ich gerade empfinden sollte, weil irgendwie ein Wunsch in Erfüllung ging und trotzdem ein bitterer Geschmack blieb. Wie nahe doch Traurigkeit und Glück beieinander liegen...
Aber perfekter hätte man diese Geschichte nicht abschließen können. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Eine wichtige Erkenntnis habe ich für mich mitgenommen. Es ist nicht möglich einen Neuanfang auf Vergessen und Verdrängen aufzubauen. Man kann nicht heilen, wenn man sich nie mit seinem Schmerz auseinandersetzt. Die Zeit kann keine Wunden schließen, denen man sich nicht stellt, denn sie bleiben unter der Oberfläche und drohen wieder aufzubrechen. Manchmal muss man einfach durch alle Phasen von Wut, Trauer und Schmerz gehen, um zu erkennen und sich selber wiederzufinden. Man kann nur leben, wenn man mit dem, was einen zerstört hat wirklich abschließt, wenn man loslässt und vielleicht muss man manchmal auch einfach nur verzeihen - anderen und sich selbst.

Fazit:

„Blaubunte Schmetterlinge“ zu lesen ist wie das Gefühl einen Marathon zu laufen. Es vereint das Hochgefühl und den Fall, die humorvollen Seiten und den Schmerz, das pure Glück und die tiefste Depression. Es ist vor allem eine wirklich berührende, aufwühlende emotionale Reise zwischen Zerstörung und Heilung, zwischen Verlieren und dem sich Suchen und Finden, die in wundervollen Worten geschrieben wurde und einen so schnell nicht mehr loslässt. Und irgendwie ist es auch eine Reise zu sich selbst, der mein absoluter Respekt für diese Feinfühligkeit gilt, die der Geschichte zugrunde liegt. Ich bin immer noch ergriffen und ich kann nur jedem empfehlen, sich auf dieses Erlebnis einzulassen.

„Ich kann nicht in der Vergangenheit bleiben, denn diese gibt es nicht mehr. Ich habe nur den Moment und all das, was vor mir liegt....manchmal muss man Schmetterlinge fliegen lassen.“ Zitat aus dem Buch

  (45)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(583)

1.014 Bibliotheken, 31 Leser, 0 Gruppen, 213 Rezensionen

laura kneidl, liebe, verliere mich nicht, new-adult, luca

Verliere mich. Nicht.

Laura Kneidl
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei LYX, 26.01.2018
ISBN 9783736305496
Genre: Liebesromane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

304 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

märchen, fantasy, magie, jugendbuch, feen

Almost a Fairy Tale - Verwunschen

Mara Lang , Alexander Kopainski
Fester Einband
Erschienen bei Ueberreuter Verlag , 15.09.2017
ISBN 9783764170684
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

liebe, kupferzeit, abenteuer, eltern, fantasie

Ljuba und der Reiter der Steppe

Julia Lalena Stöcken
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei dp DIGITAL PUBLISHERS, 24.11.2017
ISBN 9783960872368
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

fantasy, drachen, legende, liebe, mira valentin

Die Wächter von Enyador (Enyador-Saga 2)

Mira Valentin
E-Buch Text: 406 Seiten
Erschienen bei null, 18.12.2017
ISBN B078HFX5QV
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ein Land seit Jahrhunderten im Krieg. Versunken in Grausamkeit und Leid.
Vier Völker, die sich gegenseitig bekämpfen und versklaven.
Ein König, der seit zweihundert Jahren versucht die Völker zu vereinen und an seinen eigenen Gefühlen scheiterte.
Bis ein neues Zeitalter beginnt, das Zeitalter der Wächter.
Und damit die Hoffnung auf Frieden....

»Wir haben es nicht geschafft, die Völker zu vereinen. Ich habe es nicht geschafft. Und deshalb ist nun eure Zeit angebrochen, das Zeitalter der Wächter.«  Zitat aus dem Buch

Doch werden die Wächter den ersehnten Frieden bringen? Werden sie die Hoffnungen, gestützt auf eine uralte Prophezeiung erfüllen können? Und welche Opfer müssen sie bringen, um ihre Aufgabe zu meistern? Wie viel von sich selbst werden sie aufgeben und verlieren auf ihrem Weg? Überzeugungen, Persönlichkeit, ihre Liebe...

Das sind die Fragen, mit denen sich „Die Wächter von Enyador“ beschäftigt. Eingebettet in eine faszinierende Handlung aus Kampf, Schmerz, Trauer, Hass, viel Gefühl und eine zugleich grausame, erschreckende wie wunderschöne Welt, die uns den Atem raubt. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint und nie kann man sich sicher sein. Der zweite Band um die Saga von Enyador lebt von unerwarteten Ereignissen und Wendungen, von emotionalem Handeln und zweifelhaften Entscheidungen, die wir nicht immer verstehen möchten und die uns manchmal sprachlos zurücklassen. Charaktere entwickeln sich weiter, verändern sich durch die Last und das Leid, das sie erfahren. Und der Leser wird dazu gezwungen sich ein Urteil über sie zu bilden, denn innere Zerrissenheit, Verlust, Intrigen, Misstrauen, Verrat, Mitgefühl, Liebe, Aufopferung oder bedingungslose Loyalität  werden ihm schonungslos durch ihr Erleben offenbart. Selten hat eine Geschichte mich so sehr in meinem Inneren erschüttert und getroffen wie diese Fortsetzung. Ich war nicht vorbereitet, konnte keine Entwicklung vorhersehen und war so sehr persönlich ins Geschehen einbezogen, dass mich jegliche Gefühle wie ein Hammerschlag getroffen haben, dem ich nicht ausweichen konnte. Die Spannung schraubt sich unaufhörlich in die Höhe, gönnt uns nur selten die Zeit aufzuatmen. Und ich wage es zu sagen, dass „Die Wächter von Enyador“ den ersten grandiosen Band noch einmal übertroffen hat.
Die Handlung schreitet unbarmherzig fort. Nebel lichten sich und Fragen finden scheinbar Antworten.
Und dennoch musste ich am Ende feststellen, dass ich nichts weiß und doch eine furchtbare Ahnung habe....
„Lass nicht zu, dass sie dich brechen.“ Wie kann der Leitspruch aus dem ersten Band eingehalten werden, wenn doch alle Erlebnisse in seiner Fortsetzung etwas anderes vermuten lassen?

»Furcht vor dem Unbekannten schafft keine Freunde« , Zitat aus dem Buch

Inhalt:

Vier Wächter.
Vier Völker.
Eine zerstörerische Liebe.

***

Die Prophezeiung hat sich offenbart und die Wächter sind auf dem besten Weg, Enyador zu einen. Doch Tristans Liebe zu der Elbenprinzessin Isora steht dem Frieden im Wege. Nicht nur die zerbrechlichen Bündnisse der vier Völker drohen daran zugrunde zu gehen, sondern auch die Einheit der Menschen untereinander. So stehen Tür und Tor offen für Verrat aus den eigenen Reihen – und die Schicksalsgöttin spinnt ihre dunkelsten Fäden.

Meinung:

„Der Wald hatte sich auf unbestimmbare Art verändert, seit sie ihn zum letzten Mal durchquert hatten. Istariel merkte es an der Gänsehaut auf seinen Armen, noch bevor sein Geist registrierte, dass etwas Seltsames um sie herum vorging(....) Es war, als hielte alles um sie herum den Atem an – das undurchschaubare Dickicht neben ihnen, die fast schwarzen Baumkronen über ihnen, das Getier zu beiden Seiten des Weges. Nirgendwo rauschte ein Bach, keine Vögel zwitscherten, nicht einmal eine Grille zirpte in diesem Wald. Im Grunde, redete sich Istariel ein, war das nichts Außergewöhnliches. Der Schattenwald war von Grund auf böse und lebensfeindlich. Es war ein verfluchter Wald, der nur verfluchte Kreaturen hervorbrachte.“ Zitat aus dem Buch

Ein Jahr ist es her, dass ich die düstere Welt Enyadors betreten habe, die mich damals in ihren all ihren detailliert beschriebenen Facetten sowohl schockiert als auch fasziniert hat. Und schon nach wenigen Zeilen wusste ich, Enyador hat nichts von seiner Faszination auf mich verloren. Obwohl sich schon sehr früh das bekannte Zittern wieder einstellte, war es wie Nachhause kommen, an einen Ort den ich gleichzeitig sowohl fürchte, als auch liebe. Die Welt, die Mira Valentin zum Leben erweckt ist gewaltig, gewinnt immer mehr an düsterer Schönheit, lässt uns staunen und schaudern zugleich. Es ist erstaunlich, wie sich vor unserem geistigen Augen immer wieder neue Landschaften und Lebensräume erschließen, Kreaturen und Schreckensgestalten unseren Weg kreuzen, denen niemand je begegnen möchte und deren Bann man sich dennoch nicht entziehen kann. Enyador nimmt durch Mira Valentins schier grenzenlose Kreativität ein immer gewaltigeres und bis ins Detail beschriebene Ausmaß an, das sich in grandiosen Bildern in meinem Kopf entfaltete, als würden wir einen Film schauen. Auf unbeschreibliche Art erwachte Enyador zum Leben. Offenbarte die grausamen Kriegslager der Dämonen mit ihren mittelalterlichen Hinrichtungsmethoden und ihrer bedrückenden Lebensform, in der unterworfene Drachen und versklavte Menschen ihren skrupellosen Herren unter würdelosen Bedingungen dienen müssen. Zeigte die verarmten Dörfer der Menschen, die in ihrer Not nicht davor zurückschrecken, das zu verraten und zu verkaufen, was ihnen lieb ist. Wenn man von Liebe sprechen darf. Denn Verzweiflung und permanenter Überlebenskampf machen hart und unberechenbar. Und schließlich führen sie uns in eine an Schönheit kaum zu überbietende Welt der Elben, unter deren Fassade jedoch kein Herz schlägt, sondern Kälte und Hass lauert. Furcht, Schrecken, Bedrückung und eine ständige Angespanntheit verfolgen den Leser auf seinem Weg. Lassen hinter jeder Biegung einen neue Gefahr befürchten und keinen Raum beruhigt auszuatmen. Und doch hat Enyador eine magische Anziehungskraft und entfaltet seine ganz eigene düstere Schönheit, die uns überwältigt. Mir fehlen schon fast die Worte, um zu beschreiben, warum diese Welt in ihrem immer gigantischeren Umfang eine solche Faszination auf mich ausübt. Es scheint, als würde sie stetig wachsen und hat noch lange nicht all ihre Schauplätze offenbart. Und immer wieder zeigt sich hinter all dem Grauen ein kleines Licht, wunderbare Naturereignisse, und ein Funke Hoffnung, der im Verborgenen schlummert und uns zeigt, was uns erwarten würde, wäre Enyador nicht in Krieg und Hass zerrissen.  

»Todfeinde werden einander zeichnen.
Und die Gezeichneten werden Wächter sein.
Denn die Wächter werden über die Lande herrschen.
Dämon, Drache, Mensch und Elb, vereint im Blute der Wahrhaftigkeit«  

»Menschen sind feige, doch ihr Wächter nicht.
Drachen sind beugsam, doch ihr Wächter nicht.
Elben sind kalt, doch ihr Wächter nicht.
Dämonen sind hässlich, doch ihr Wächter nicht.«


Die Handlung setzt nahezu unmittelbar im Anschluss an „Die Legende von Enyador“ an. Ein Teil der im Verborgenen bewahrten Prophezeiung  scheint sich zu erfüllen. Unter fast aussichtslosen Bedingungen finden sich die Wächter, die zuvor einige Gefahren und innere wie äußere Kämpfe überstehen mussten, die sie gezeichnet und geprägt haben. Doch können sie auch tatsächlich zueinander finden? Gehen ihre eigenen Ziele und Werte in die gleiche Richtung und dienen ihrer gemeinsamen Aufgabe, oder schwelen verborgen in ihrem Inneren die ureigenen Sehnsüchte, Selbstzweifel, Neid, widersprüchliche Gefühle, Misstrauen, Wut und Hass, die es erschweren sich einem gemeinsamen Ziel zu unterwerfen? Und wie können sie dann die Völker einen, deren Jahrhunderte alter Hass tiefe, unüberwindliche Gräben gezogen hat?

„Mit einem Mal war die Atmosphäre zwischen ihnen so vergiftet, dass sie das Gefühl, neben dem hochexplosiven, unsterblichen Hexerkönig zu reiten, beinahe schon genoss. Zumindest war Eliyah der Einzige in ihrem Kreis, der seinen Gefühlen noch freien Lauf ließ.“ Zitat aus dem Buch

Oder liegt die Wahrheit in einer Aussage, die schon Frankfort Moore (1855-1931) traf?
„Das stärkste Band der Freundschaft ist ein gemeinsamer Feind“

Ihr Weg führt sie über einen schmalen Grat zwischen dem Wunsch nach Frieden, dem Stolz etwas bewirken zu können, Loyalität und Liebe, aber auch der Angst vor dem Ungewissen, der eigenen Unsicherheit, der inneren Unzufriedenheit sich Entscheidungen beugen zu müssen und Opfer zu bringen. Er ist geprägt von Kampf, Schmerz und Verlust und manch einer wird sich dadurch verändern.

„Ein düsterer Schatten zog sich über ... Gesicht, so finster, wie sie es selten bei ihm erlebt hatte. Was auch immer ihm in den letzten Wochen widerfahren war, es hatte seine Seele verdunkelt, sie konnte es ganz deutlich sehen.“ Zitat aus dem Buch

Manchmal scheint es die Verantwortung als schwere Last auf den Schultern zu sein, die den einen zu zerbrechen droht. Der Verlust und das Leid, das die Seele verdunkelt. Oder liegen die Gründe viel tiefer verborgen?
Manch einer kämpft mit dem Wunsch seinen erlernten Werten zu folgen und dennoch etwas anderes zu empfinden. Widersprüchliche Gefühle, die er sich nicht eingestehen will und die Angst nicht dazuzugehören, schaffen eine innere Zerrissenheit, lassen ihn aus plötzlichem Gefühl und Trotz handeln und verursachen Misstrauen.

„»Magie folgt ihren eigenen Gesetzen. Und wie es aussieht, ist sie der Meinung, Menschlichkeit wäre doch nicht das Schlechteste, was unserem Land widerfahren konnte. Ihr Wächter habt all die Eigenschaften, die Beltain euren Vorfahren geraubt hat. Elben können lieben, Drachen werden unbeugsam, Dämonen schön. Und darüber hinaus verfügt ihr über jene Fähigkeiten, die euch voreinander schützen: Drachenfeuer und Dämonenblicke können euch nichts anhaben. Aber die Waffen eurer Feinde – Feuer, Mondstahl und tödliche Blicke – habt ihr nicht bekommen. Ihr seid dafür gemacht, Frieden zu schaffen, nicht Krieg zu führen.«“ Zitat aus dem Buch

Und dennoch versucht ein unsterblicher König sie auf den richtigen Weg zu führen, der den Frieden bringen soll. Wenn auch nicht immer ganz verständlich für mein lesendes Herz. Ich kann nicht sagen, wie oft ich ihn verflucht und gehasst habe für seine Entscheidungen und Taten, aber gleichzeitig auch bewunderte für seine Konsequenz.

„»Aber immer wenn ich kurz davor war aufzugeben, habe ich mir den Wahlspruch des Hauses Dornstrang in Erinnerung gerufen. So habe ich mich Tag für Tag weitergeschleppt.«
»Auf ewig ungebrochen!«“ Zitat aus dem Buch

„Unsere Soldaten hatten einen Kodex damals, als das Reich der Menschen noch in voller Blüte stand«, sagte er. »Darin hieß es, jede edle Tat sei eine edle Tat, unabhängig davon, ob sie erfolgreich war oder nicht.«
»Die Elben sagen, nur diejenige Tat sei edel, die auch ein glorreiches Ende nach sich zieht«“ Zitat aus dem Buch


Die Handlung ist gespickt mit schockierenden Momenten, dramatischen Kampfszenen und Verrat. Hinzu kommt der innere Kampf der Charaktere, der im ersten Band noch nicht so vordergründig war. Dadurch wirkt die Geschichte fast noch düsterer als vorher. Wir erleben Wendungen, die wir nie vorausahnen konnten und halten vor Furcht den Atem an. Manche Szenen bringen uns an den Rand der Verzweiflung und lassen die Tränen fließen. Dadurch schraubt sich die Spannung in den Bereich der Schmerzgrenze und lässt uns kaum die Zeit zu Atem zu kommen. Und nie können wir uns sicher sein, dass unsere Fragen zur Gänze beantwortet werden. Die Autorin wirft uns die Häppchen gekonnt zu, nur um uns dann wieder vor neue Rätsel zu stellen. Denn eigentlich wissen wir noch lange nicht, wohin uns die Reise führt. Dieser Aufbau ist so geschickt wie genial, denn in dem Moment, an dem das Wort „Ende“ erscheint, verflucht man die Tatsache, dass man an dieser Stelle nicht weiterlesen kann. Denn während die Wächter für ihre Bestimmung kämpfen und Opfer bringen müssen, scheinen die Völker nicht tatenlos zuzusehen und in all den vagen Anzeichen von Bündnissen und Verrat, scheint sich eine weitaus dunklere und gefährlichere Macht zu erheben, die droht alles zu vernichten.

„Es war eine uralte Macht gewesen, gegen die Kay nichts ausrichten konnte, voll zerstörerischer Kraft, das hatte er genau gespürt. Eine grausame Gewissheit überkam ihn: Das Zeitalter der Wächter brachte einen Feind mit sich. Einen Feind, der aus dem Norden kam und die Uneinigkeit der vier Völker nutzen würde, um die Macht an sich selbst zu reißen. Wenn sie jetzt auch nur eine falsche Entscheidung träfen, könnte sie das alle ins Verderben führen.“ Zitat aus dem Buch

Nichts fasziniert beim Lesen mehr, als die eigene Angst.
Angst um liebgewonnene Charaktere, Angst um erhoffte Beziehungen, Angst vor ungewollten Entwicklungen.
Mira Valentin beherrscht das Spiel mit dem Phänomen der Angst auf erschreckende, wie begeisternde Weise. Man will innehalten, die Augen verschließen, möchte lieber keine Gewissheit und kann doch nicht aufhören, ehe man genau diese bekommt. Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt und Fluch und Liebe für das Geschehen liegen hier sehr dicht beieinander.
Dies wird auf großartige Weise verstärkt, indem sie uns vielen verschiedenen Charakteren aus deren  Sicht und Erleben folgen lässt. Dadurch laufen nicht nur die Fäden auseinander, schaffen phasenweise Cliffhanger, die uns verzweifeln lassen, um dann wieder stimmig und geschickt zusammengeführt zu werden. Sondern sie öffnet uns zudem die Seele ihrer Protagonisten und lässt es nicht einmal im Ansatz zu, dass sie uns nicht nahe gehen. Denn sie schreibt so eindringlich, bildhaft und tiefgründig, dass die Emotionen uns überfluten beim Lesen. Wir wollen uns die Haare raufen für Entscheidungen, können nicht verstehen und sind dennoch im Innersten so berührt und erschüttert, dass wir mit jedem einzelnen leiden und zittern. Egal wie sehr ein Protagonist polarisiert, wie viele Fehler er macht, wir verzeihen sie alle, weil das Menschliche in den Vordergrund rückt und wir sie alle in unserem Herzen fest einschließen. Sie leben, werden zu realen Gefährten, die wir begleiten und niemals kampflos aufgeben werden. Selbst diejenigen nicht, die sich zu verlieren scheinen.

„Wenn du mich fragst, ist das zu viel des Guten. Vielleicht ist er gar nicht so unbrechbar, wie wir alle denken. Womöglich ist es genau das, was ihn eines Tages brechen wird.“ Zitat aus dem Buch

Ich bin tatsächlich überrascht, dass die Autorin es geschafft hat neben meinen favorisierten Protagonisten Istariel und Tristan, die ich in Band 1 näher beleuchtet habe, klammheimlich einen weiteren in meinem Herzen fest zu verankern.
Thul der Dämon, der auf so herrlich trotzige und sture Weise innerlich zerrissen ist und einfach nicht wahrhaben will, dass er doch eigentlich das Herz am richtigen Fleck trägt. Was hat das Kerlchen mich Nerven und Haare gekostet. Gleichzeitig zum Lachen gebracht und zu Tränen gerührt. Ich bewundere es, wie man so facettenreiche Charaktere schaffen kann, denen man immer wieder verzeiht.

„Das Gefühl, das Thul bei diesen Worten überkam, war abgrundtiefe Zerrissenheit. Sein Leben lang hatte er sich nichts anderes gewünscht, als ein Krieger der Schreckensarmee zu sein, ein Teil des Clans, kein Ausgestoßener, mit dem niemand sich abgeben wollte, aus Angst, selbst verstoßen zu werden. Und nun dachte er wahrhaftig darüber nach, all das aufs Spiel zu setzen. Für einen Drachen, der ihm noch nicht einmal gehorchte.“ Zitat aus dem Buch

„»Aber jetzt sind wir am richtigen Ort, das denkst du doch, oder? Hier in diesem Schutthaufen, wo alle mir misstrauen und man von mir verlangt, mit einem Schwert gegen Schattenkreaturen zu kämpfen, das eigentlich den Drang verspürt, seine Klinge in mein Herz zu versenken.«“ Zitat aus dem Buch


Wenn ich eines aus diesem überragenden Buch mitgenommen habe, dann ist es die Tatsache, dass manche Dinge, die eigentlich gegensätzlich sein sollten, doch sehr nahe beieinander liegen. Der Weg vom Hochgefühl zum Schmerz ist nie sehr weit. Richtig und falsch gehen oft miteinander einher und auch die Begriffe gut und schlecht lassen sich nicht immer eindeutig definieren. Oft sind es Grauzonen und vieles wird von Emotionen bestimmt, die uns überwältigen und gegen die wir einfach machtlos sind. Ich denke die Autorin wollte uns in ihrer Geschichte mitteilen, dass das Leben selten einem Plan folgt. Dennoch sollten wir nie unser Ziel aus den Augen verlieren und vor allem sollten wir eines nicht tun:
Wir sollten niemals uns selbst verlieren!

„Von der höchsten Spitze des Elfenschlosses aus starteten sie ihren Erkundungsflug gen Westen, ließen die Schlucht von Aelfstan und die Wälder des Feengebirges hinter sich, wo hunderte von Geisterwölfen, Harpyien und Wyvern darauf warteten, in den Krieg zu ziehen. Bei diesem Anblick überkam den Wächter der Dämonen ein sonderbares Gefühl, fast so als durchflute ihn die Wärme einer eigenen kleinen Sonne in seinem Herzen. Er musste sehr genau in sich hineinfühlen, bis er begriff, dass es Stolz war, der ihn durchdrang. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er das Gefühl, dass es sich tatsächlich lohnte, für etwas zu kämpfen.“ Zitat aus dem Buch

Fazit:

Ich kann „Die Wächter von Enyador“ mit vielen Schlagworten beschreiben und es würde dennoch nicht ausreichen, meine Gefühle auszudrücken.
Das Buch ist faszinierend, bildgewaltig, komplex und wahnsinnig emotional. Es wurde in wundervollen Worten geschrieben, die unsere Eindrücke fest in unseren Köpfen verankern. Die Geschichte zeigt uns das gesamte schriftstellerische Können seiner Autorin, die es schafft, Gegensätze zu vereinen. Grauen und Schönheit, Licht und Schatten, Liebe und Hass, Angst und Hoffnung, traurige und humorvolle Momente. „Die Wächter von Enyador“ ist eines der wenigen Bücher, die ich als „magisch“ bezeichnen würde und die mit der Gewalt eines Orkans über uns kommen.

  (53)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

fantasy, bürde, das dreizehnte zeichen, freundschaft, jugendbücher

Das Dreizehnte Zeichen - Die Wandlung

K. T. Meadows
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Independently published, 17.11.2017
ISBN 9781973217008
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 
412 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks