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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

entführung, geheimnis, erpressung, privatermittler, undercover reportagen

Dunkle Vergangenheit

Patricia Walter
E-Buch Text: 303 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 01.11.2017
ISBN 9783732552887
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als die TV- Journalistin Kim Jansen eines Abends von einem Unbekannten angerufen wird, der damit droht, sich von einem Dach in den Tod zu stürzen, lässt sie ihre achtjährige Tochter Lilly kurz alleine. Die Babysitterin ist schon auf dem Weg und der Anrufer gibt Kim Jansen nur ein paar Minuten. Also eilt die Journalistin zur ,,Story ihres Lebens“, die ihr der Unbekannte versprochen hat, doch als sie dort ankommt, springt der Mann in den Tod. Seine Abschiedsworte treffen Kim mit aller Wucht: ,,Tut mir leid um ihre Tochter.“

Als sie nach Hause kommt, ist ihre Tochter verschwunden, auch die Babysitterin hat die Achtjährige nicht mehr zu Hause angetroffen. Mit einem Erpresser-Video meldet sich der Entführer bei Kim Jansen. Er verlangt, dass sie ihr dunkles Geheimnis öffentlich macht, ansonsten wird er Lilly töten.

Welche Schuld Kim in der Vergangenheit auf sich geladen hat, erfährt man erst nach und nach durch kurze Rückblenden. Für Kim Jansen ist aber sofort klar, dass sie dieses Geheimnis auf keinen Fall preisgeben kann, da dies sonst ihr Leben und auch das ihrer Tochter zerstören würde. Dass ausgerechnet sie als Undercover- und Enthüllungsjournalistin nun von der Presse gehetzt wird, ist bitter.

Spannend wird der Fall dadurch, dass fast alle Menschen, mit denen Kim zu tun hat, sich merkwürdig oder verdächtig benehmen. Allen voran ihr Freund Julian, der Lilly als seine ,,Prinzessin“ vergöttert, aber auch der Exmann Oliver, der Kim vorwirft, sich nicht genug Zeit für ihre Tochter zu nehmen. Auch eine neidische Exkollegin oder sogar ihre Sekretärin, der sie mehr als allen anderen vertraut, verhalten sich auffällig, sodass man als Leser immer wieder auf falsche Fährten gelockt wird. Und das Ende hält dann noch eine Überraschung bereit.

Die Handlung ist gut konstruiert, die Spannung wird geschickt aufgebaut. Allerdings konnte ich mich mit Kim Jansen nicht anfreunden geschweige denn identifizieren. Ihr Verhalten und ihre Reaktionen fand ich stellenweise nicht nachvollziehbar oder verständlich.

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22 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

cornwall, serie, verschwundene mädchen, apnoetauchen, leistungsdruck .

Das Wüten der Stille

Iris Grädler
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 08.11.2017
ISBN 9783832163778
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:







In einem kleinen Ort an der Küste Cornwalls verschwindet die
sechzehnjährige Carla Wellington, kurz nachdem sie bei einem Schulkonzert als
Solistin aufgetreten ist. Carla ist eine gute, aber auch sehr selbstbewusste
Schülerin, mit zahlreichen Verehrern, aber wenigen wirklichen Freunden. Ihre
Eltern, die beruflich sehr viel reisen und deswegen Carla häufig alleine
lassen, sehen in ihrem Verschwinden zunächst überhaupt kein Problem, da ihre
Tochter ja so selbständig sei. DI Collin Brown dagegen ist in höchster Alarmbereitschaft,
da Carlas Verschwinden beunruhigende Parallelen zu einem acht Jahre
zurückliegenden Fall aufweist. Damals verschwand die sechzehnjährige Jenifer,
ebenfalls sehr begabtes Mitglied des Schulorchesters, spurlos. Der Fall blieb
ungeklärt und ihre Eltern Jory und Heather leben in der quälenden Ungewissheit,
ob ihre Tochter noch lebt oder womöglich ermordet wurde.

DI Collin Brown ist ein sehr geradliniger, sympathischer
Ermittler, der zwar unter der Abwesenheit seiner Frau leidet, die gerade eine
längere Reise nach Thailand unternimmt, weswegen er die Kinder alleine
versorgen muss. Dies gelingt ihm wegen des Falls mehr schlecht als recht.
Allerdings führt die Familie ansonsten ein angenehm ,,normales" Familienleben.
Auch sein sehr direkter und emotionaler Kollege Johnny darf etwas Privatleben
zeigen, die beiden Fälle um die verschwundenen Mädchen bleiben aber stets im
Vordergrund. Geschickt werden weitere Figuren durch Perspektivenwechsel mit
eingebunden, so z.B. Jory, der sich mit einer Affäre tröstet, oder Sowenna, die
nach langer Zeit zu ihren Eltern und ihrem Bruder zurückkehrt, um alte
Konflikte zu klären. Die meisten Figuren wirken sehr authentisch und sprechen
ihre eigene Sprache. Einziger Kritikpunkt ist für mich der Schluss. Die Auflösung
fand ich zu konstruiert, das Ende zu versöhnlich und deshalb für mich nicht
ganz überzeugend. Deshalb nur 4 Sterne für einen ansonsten sehr ansprechenden
Krimi.



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185 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 114 Rezensionen

thriller, dänemark, mord, geheimbund, geheimdienst

Oxen - Das erste Opfer

Jens Henrik Jensen , Friederike Buchinger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 08.09.2017
ISBN 9783423261586
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:



Der ehemalige Elitesoldat Niels Oxen lebt am Rande der dänischen
Gesellschaft, versteckt in einer Kellerwohnung und ernährt sich von dem, was
die Wohlstandsgesellschaft wegwirft.

Seine Einsätze auf dem Balkan und in Afghanistan haben ihm
hohe Auszeichnungen für sein heldenhaftes Verhalten und seinen Einsatz für
Kameraden eingebracht – aber auch schwere Traumata. Der ,,tapferste Kriegsheld
der Nation“ hat sich von allen sozialen Kontakten distanziert und aus dem
gesellschaftlichen System ausgeklinkt. Niemand weiß, wo und wie er wohnt. Doch
seine inneren Dämonen suchen ihn Nacht für Nacht heim, und so zieht er sich mit
seinem Hund in ein großes, abgelegenes Waldgebiet zurück, um zur Ruhe zu kommen.
Doch seine Neugierde beschert ihm das Gegenteil. Bei einem nächtlichen Besuch
in einem Schlosspark hinterlässt er Spuren und wird so zum Hauptverdächtigen in
einem Mordfall. Der Schlossbesitzer Hans-Otto Corfitzen, ehemaliger Botschafter
Dänemarks, wurde in seinem Arbeitszimmer ermordet. Außerdem wurde Corfitzens
Hund erhängt aufgefunden.



Oxen wird zwar verdächtigt und mehrmals verhört, allerdings
wird ihm vom Chef des dänischen Geheimdienstes PET, Axel Mossmann, auch eine
Art Undercover-Job angeboten. Oxen soll im Geheimen, mit allen legalen und
illegalen Mitteln und natürlich auf eigenes Risiko für Mossmann ermitteln.



Zur Seite steht ihm die Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe
Franck, die aber ähnlich misstrauisch veranlagt ist wie Niels Oxen. Nur sehr zögerlich
arbeiten die beiden zusammen und fassen allmählich Vertrauen zueinander, als
sie merken, dass Mossmann vermutlich ein doppeltes Spiel mit ihnen spielt. Wem
können sie vertrauen, wer ist Freund und wer ist Feind?



Sehr eindrücklich werden Oxens alptraumhafte Erinnerungen an
seine Kriegserlebnisse geschildert, die ihn dazu gebracht haben, alle Brücken
hinter sich abzubrechen. Oxen selbst, aber auch Margrethe Franck, sind nicht
unbedingt sympathische, aber ungewöhnliche und interessante Figuren. Die Handlung
ist sehr verwickelt, aber hochspannend und mitreißend erzählt. Da dies der
erste Teil einer Trilogie ist, bleibt das Ende natürlich so offen, dass noch
Luft für Band zwei und drei bleibt. Definitiv lesenswert!





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14 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

eigenartige reaktionne, streit, oldenburger münsterland, messer, ebook

(Oldenburger-Münsterland-Krimi) / Der Tote vom Stoppelmarkt

Marcus Ehrhardt
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei epubli, 25.11.2017
ISBN 9783745057539
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der städtische Beamte Johann Müller, der als Marktmeister
seine Machtposition ziemlich ausgenutzt hat, wird in den frühen Morgenstunden erstochen in der Nähe des Vechtaer Stoppelmarktes gefunden. Offenbar war Müller ein sehr unsympathischer und unliebsamer Zeitgenosse und vielen Menschen verhasst. Nicht einmal seine eigene Ehefrau weint ihm eine Träne nach.

Mit den Ermittlungen wird ein Team der Kripo Cloppenburg betraut: die modebewusste und toughe Kriminalhauptkommissarin Maria Fortmann und ihr behäbiger und übergewichtiger Kollege Peter Goselüschen. Die beiden bilden ein gutes Gespann und liefern sich unterhaltsame Schlagabtausche. Auch haben beide privat nicht das ganz große Los gezogen, allerdings erfährt man noch nicht allzu viel aus ihrem Privatleben. Schnell kristallisiert sich ein langjähriger Rivale des Opfers als möglicher Täter heraus. Er lag mit dem toten Johann Müller seit Jahren im Clinch - und er hatte konkrete Schritte gegen ihn geplant, wie eine Zeugin bestätigen kann. Doch schon bald ergeben sich neue Verdächtige und neue Motive, da sich der Tote sehr viele Feinde gemacht hatte. So wird der Leser immer wieder auf neue Fährten gelenkt. Das Ende ist dennoch überraschend.

Der Kurzkrimi weist viel Lokalkolorit auf, der zum Teil wohl
eher für Einheimische unterhaltsam ist, wie z.B. diverse Straßennamen usw. Das Ermittlerteam wirkt sympathisch und erfrischend ,,normal", allerdings erfährt man noch zu wenig über ihre Gedanken oder ihre Vorgeschichte. Mit etwas knapperen Dialogen und etwas mehr Innenperspektive würden die Figuren in meinen Augen noch mehr Charakter bekommen. Aber da ,,Der Tote vom Stoppelmarkt" der 1. Fall um Maria Fortmann und ihren ewig hungrigen Kollegen Goselüschen ist, kann dies in einem nächsten Band ja noch kommen.

Ein Krimi-Appetithäppchen, das durchaus Lust auf eine
Fortsetzung macht.



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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Crimson Lake: Thriller (suhrkamp taschenbuch)

Candice Fox
E-Buch Text: 380 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp Verlag, 09.10.2017
ISBN 9783518740286
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ted Conkaffeys Leben wird plötzlich zu einem Alptraum, als er verdächtigt wird, ein Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Obwohl er selbst Detective ist, gerät er in die Mühlen der Justiz und der Vorverurteilung, seine eigenen Kollegen misstrauen ihm und wenden sich von ihm ab. Selbst seine Frau ist sich unsicher, ob sie ihm die Tat zutrauen soll und trennt sich von ihm, als er in Untersuchungshaft sitzt.

Wieder auf freiem Fuß aus Mangel an Beweisen, geht für Conkaffey die Hölle aber weiter. Wird er auf der Straße erkannt, sehen die Menschen in ihm weiterhin den Täter. So zieht er sich in die Kleinstadt Crimson Lake im Norden Australiens zurück, wo er auf Ruhe und Anonymität hofft. Doch auch hier wird er bald erkannt und sein Haus mit Steinen und Farbe beworfen. Als ihm sein Anwalt rät, die Privatdetektivin Amanda Pharrell zu kontaktieren, ahnt er nicht, dass dies sein Leben ändern wird. Amanda ist eine verurteilte Mörderin und ziemlich schräg. Für ihren aktuellen Fall, die Suche nach dem verschwundenen Erfolgsautor Jake Scully, heuert sie Ted Conkaffey als Mitarbeiter an, der sich zunächst nur widerstrebend darauf einlässt. Als er dann aber beginnt, in Amandas eigener Geschichte zu recherchieren, merkt er, dass die Detektivarbeit das einzige Mittel für ihn ist, seiner Lethargie und Einsamkeit zu entfliehen.

Die von Candice Fox geschaffenen Figuren sind sehr eigen, kontaktscheu oder exzentrisch, sympathisch oder abstoßend. Man kann sich nicht unbedingt mit ihnen identifizieren. Sie werden aber sehr eindrücklich und charakteristisch beschrieben, sodass sie unverwechselbar werden. Erstaunlich finde ich, wie sowohl Amanda als auch Ted mit der Aggression und der Verachtung, die ihnen entgegengebracht wird, leben können. Während der Fall von Amanda Pharrell einen ziemlich mitnimmt und betroffen macht, wirkt die Lösung des Falls Scully in meinen Augen etwas zu konstruiert.

Dennoch ein unterhaltsamer und spannender Krimi mit teils derben, aber witzigen Dialogen.

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142 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

thriller, lügen, tick tack, psychothriller, krimi

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?

Megan Miranda , Elvira Willems , Cathrin Claußen
Flexibler Einband
Erschienen bei Penguin, 13.11.2017
ISBN 9783328101628
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nicolette Farell kehrt nach 10 Jahren in ihre Heimatstadt Cooley Ridge zurück, um ihr Elternhaus instand zu setzen und es verkaufen zu können. Ihr Vater, der an Demenz leidet, lebt seit einem Jahr in einem Heim. Ihr Bruder Daniel, der mit seiner Frau Laura in Cooley Ridge lebt und sich um den Vater kümmert, drängt aus finanziellen Gründen auf den Hausverkauf.

Nic hatte damals von einem Tag auf den anderen ihre Heimatstadt verlassen. Kurz zuvor war ihre beste Freundin Corinne spurlos verschwunden und Nic hat nach wie vor mit den Erinnerungen daran zu kämpfen.

Zu Beginn kann man sich gut mit Nic identifizieren, die nach langer Abwesenheit und nur gelegentlichen Kurzbesuchen mit schlechtem Gewissen ihrem Vater und ihrem Bruder gegenüber zurückkehrt. Auch ihre widersprüchlichen Gefühle angesichts alter Erinnerungen, früheren Bekannten und Freunden kann man gut nachempfinden. Beim Zusammentreffen mit ihrer Jugendliebe Tyler knistert es gewaltig, obwohl Nic in Phidalephia mit dem korrekten Anwalt Everett liiert ist.

Als kurz nach Nics Ankunft ein weiteres Mädchen verschwindet – ausgerechnet Tylers derzeitige Freundin Annaleise – setzt dies bei allen Beteiligten einiges in Gang. Allerdings wird die Handlung von da an nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern von Tag 15 an rückwärts bis zum Verschwinden Annaleises erzählt, die Motive der einzelnen Beteiligten kristallisieren sich allmählich heraus und man erfährt, was damals vor zehn Jahren mit Corinne geschah. Diese Erzählkonstruktion ist an sich originell und könnte raffiniert sein, hier hat sie sich in meinen Augen allerdings nicht bewährt. Die Spannung hat sich dadurch nicht erhöht, eher wurde der Erzählfluss unnötig verkompliziert. Zu viele Andeutungen, zu viel Reden um den heißen Brei nehmen Tempo und Spannung raus. Durch den verräterischen Untertitel weiß man auch schon von Beginn an, dass es um Lügen und Verdrängung geht, nur noch nicht, wer wen belügt. Das Ende, nun wieder chronologisch erzählt, bietet noch eine kleine Überraschung.

Ein solider Thriller, etwas zu konstruiert, aber das Etikett ,,Megaseller“ halte ich für übertrieben.

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

krimi, berlin, havelland, profiler, strichermilieu

Dunkel Land

Roxann Hill
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671385
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Als Verena Hofer im Havelland ankommt, wo sie für die nächsten drei Monate einen Babysitter-Job antritt, ist sie mehr als erstaunt. Der Ort Wuthenow entpuppt sich als altehrwürdiges Gut, der Neffe der Hausherrin, um den sie sich kümmern soll, ist Mitte 30 und überaus attraktiv. Dr. Carl von Wuthenow ist Kriminalist, der erst kürzlich im Dienst angeschossen wurde und seitdem unter Störungen des Kurzzeitgedächtnisses leidet. Verena Hofer soll Carl von Wuthenow beschäftigen und ihn im Alltag begleiten. Da Verena Hofer dringen Geld braucht, nachdem sie für ihre Nichte Amelie das Sorgerecht übernommen und ihren Job an der Uni verloren hat, nimmt nach kurzem Zögern das finanziell sehr lockende Angebot an. Carl von Wuthenow nutzt Verenas Hilfe geschickt, indem er sie sofort in seine nächste Ermittlung einbezieht, die die beiden nach Berlin führt. Die übel zugerichtete Leiche eines jungen Mannes, vermutlich eines Strichers, wird gefunden und erste Hinweise deuten auf einen Täter in der rechten Szene hin.

Das erste Drittel des Krimis liest sich durchaus spannend. Das ungleiche Ermittlerpaar bietet interessanten Zündstoff. Besonders die Szene, als Carl von Wuthenow Verena am nächsten Tag nicht mehr erkennt, da er sich ja nicht mehr an sie erinnern kann, und sie bedroht, ist wirklich originell. Auch die Konflikte, die sich mit dem zuständigen Hauptkommissar ergeben, der von außen stehenden Beratern natürlich gar nichts hält, sind zunächst unterhaltsam.

Dann flacht die Handlung allerdings ziemlich ab. Der Fall wird zunehmend spannungsärmer und vorhersehbar, dafür rücken Verenas Gefühle ihrem Schützling gegenüber in den Vordergrund, was aber eher klischeemäßig und vorhersehbar daherkommt. Die Nichte Amelie, für die Verena Mutterersatz sein soll, ist nur noch eine Randfigur, die Dialoge mit ihr für ein Kind im Kindergartenalter dagegen doch recht ungewöhnlich. Die Konflikte mit dem Hauptkommissar lösen sich in allseitiges Wohlgefallen und harmonische Zusammenarbeit auf.

Schade. Diesem Ermittlerduo wäre eigentlich mehr Potential zu gönnen gewesen. Wer weiß, vielleicht ist der nächste Fall ja weniger gefühlsbetont und dafür kriminalistisch interessanter.


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69 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 28 Rezensionen

dresden, nachkriegszeit, krimi, max heller, historischer krimi

Tausend Teufel

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423261708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wie schon der Vorgängerband ,,Der Angstmann“ spielt auch ,,Tausend Teufel“ in Dresden. Dieses Mal jedoch ist der Krieg schon seit fast zwei Jahren vorbei und die Stadt gehört zur sowjetischen Besatzungszone. Auch jetzt, 1947, liegen noch große Teile der Stadt in Trümmern, die Bevölkerung hat sich mehr schlecht als recht in den Ruinen eingerichtet, leidet aber nach wie vor unter Hunger, Krankheiten und der klirrenden Kälte.

Max Heller, nun aufgestiegen zum Oberkommissar, ist immer noch der geradlinige, ehrliche und prinzipientreue Ermittler, der aber gerade durch kleine menschliche Schwächen erst recht sympathisch und authentisch wirkt. So ist zwar auch für ihn als Polizist die sowjetische Bevormundung schwer zu ertragen, das Pajok, eine Art sowjetisches Carepaket, das ihm ein sowjetischer Oberst anbietet, lehnt er dann aber trotz Gewissensbisse doch nicht ab. Nur den Eintritt in die neu aufkommende SED lehnt er kategorisch ab, so wie er sich während des Krieges auch der NSDAP verweigert hat. Allerdings bekommt er auch von allen Seiten Druck, und es ist fraglich, wie lange er diesem Druck standhalten wird.

Als Heller zu einem Tatort an der Elbe gerufen wird, wird der ermordete russische Offizier gerade von den russischen Streitkräften abtransportiert. Offenbar soll die deutsche Volkspolizei möglichst wenig in den Fall involviert werden. Als kurz darauf ein weiterer Rotarmist ermordet wird, versucht Max Heller trotz aller möglichen Steine, die ihm von den sowjetischen Besatzern in den Weg gelegt werden, zu ermitteln.

Wie schon in ,,Der Angstmann“ erlebt man aus der Perspektive Max Hellers die Not und die Ungerechtigkeiten der Nachkriegsjahre hautnah mit. So fühlt man mit ihm und seiner Frau Karin mit, erlebt äußerst eindrücklich, wie der Sohn aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt und Heller ihn im ersten Moment nicht erkennt. Auch in diesem Band rückt die Kriminalhandlung zwischendurch fast etwas in den Hintergrund, was aber der Spannung keinerlei Abbruch tut, da man von den sehr real geschilderten Ereignissen gefangen ist.

Für historisch interessierte Leser, die Geschichte gerne anschaulich verpackt bekommen, auf jeden Fall empfehlenswert.


 

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55 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

tagebücher, schweden, ungelöster fall, schule, auflösung erst ganz zum schluss

Der Fall Kallmann

Hakan Nesser
E-Buch Text: 576 Seiten
Erschienen bei btb Verlag, 30.10.2017
ISBN 9783641208172
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer bei diesem Buch einen spannenden Krimi oder gar Thriller erwartet, wird ziemlich enttäuscht sein. Zwar ist der Autor für kriminalistische Literatur bekannt, doch ,,Der Fall Kallmann“ ist eher ein ruhiger Roman, ein literarisches Puzzle rund um den Tod des Lehrers Kallmann.

In einer Art Tagebuchform erzählen verschiedene beteiligte Personen aus der Ich-Perspektive, wie sie der Fall Kallmann beschäftigt.

Zunächst steht der Lehrer Leon Berger im Mittelpunkt. Er verlor seine Frau und seine Tochter bei einem Schiffsunglück und zieht, auf Anraten seiner früheren Studienkollegin Ludmilla, in die schwedische Kleinstadt K., um dort ein neues Leben zu beginnnen. Dort tritt er die Nachfolge des sehr beliebten, doch auch sehr exzentrischen Lehrers Eugen Kallmann an. Dieser war am Ende des letzten Schuljahres tot in einem verlassenen Haus aufgefunden worden. Ein Unglücksfall?

Als Leon Berger im Pult seines Vorgängers Tagebücher findet, die erkennen lassen, dass Kallmann sich mit alten und ungelösten Kriminalfällen beschäftigte und sogar behauptet, als Elfjähriger seine eigene Mutter ermordet zu haben, beginnt Berger zu recherchieren. Dabei wird er von Ludmilla Kovacs und seinem Kollegen Igor Masslind unterstützt, was die drei einander näher bringt.

Eine weitere involvierte Figur ist die fünfzehnjährige Schülerin Andrea Wester, die Leon Berger stark an seine verschollene Tochter erinnert. Andrea vermutet schon lange, dass ihr Vater nicht ihr biologischer Vater ist. Auch ihre Suche hängt in irgendeiner Form mit Kallmann zusammen. Interessant ist, wie der Autor jeder Figur eine ganz eigene Sprache gibt. So sind die Kapitel aus Sicht des Lehrers Igor sehr intellektuell, fast schon gestelzt, während die Schülerin Andrea im jugendlichen Jargon erzählt. Dabei wirken alle Figuren authentisch und unverwechselbar. Die Geschichten der verschiedenen Figuren kreisen zwar um den Fall Kallmann, schweifen aber auch gelegentlich weit ab, sodass nicht der Kriminalfall im Mittelpunkt steht, sondern eher die verschiedenen Perspektiven der Beteiligten. Für diese klärt sich ,,Der Fall Kallmann“ erst 20 Jahre später tatsächlich auf.

Für geduldige und literarisch interessierte Leser empfehlenswert.


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114 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 69 Rezensionen

thriller, blind, berlin, jenny aaron, behinderung

Niemals

Andreas Pflüger
Fester Einband: 475 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 09.10.2017
ISBN 9783518427569
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer den ersten Band ,,Endgültig“ gelesen hat, weiß, was einen erwartet: Harte Krimikost in jeglicher Hinsicht.

Jenny Aaron ist eine ganz besondere Heldin, denn sie ist blind. Als Mitglied einer Spezialeinheit des Bundeskriminalamtes nahm sie sechs Jahre lang an höchst riskanten und meist geheimen Einsätzen teil. Ihre überragenden Fähigkeiten in physischer und psychischer Hinsicht waren ausschlaggebend dafür, dass sie als einzige Frau dieser Sondereinheit angehörte. Bei einem Einsatz wurde sie so schwer verletzt, dass sie seitdem blind ist. Doch Jenny Aaron will sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden und kämpft darum, auch blind genauso gut zu sein wie früher.  

Während die Sondereinheit mit der neuen Chefin Inan Demirci sie nun nach fünf Jahren unbedingt zurückholen will, ist Aaron verunsichert, ob sie sich dieser Herausforderung wirklich stellen kann. Da erfährt sie, dass ihr Feind Ludger Holm, der im ersten Band eine wichtige Rolle spielt, ihr zwei Milliarden hinterlassen hat. Um an das Geld zu kommen, muss sie allerdings nach Marrakesch. Dort erwartet sie der gefährlichste Mann der Welt und Aaron muss sich ihrer Vergangenheit und ihrer größten Angst stellen.

Andreas Pflügers Stil ist äußerst knapp, fast schon telegrammstilartig. Die Szenen wechseln rasant, die Dialoge sind oft radikal verkürzt, sodass man als Leser ständig aufs Neue herausgefordert ist. Jenny Aaron mit ihrem absoluten Willen und ihrer extremen Risikobereitschaft ist nicht unbedingt sympathisch. Dafür wirkt sie zu stark und unnahbar. Nur ganz zu Beginn, als sie an sich zweifelt, und am Ende, als sie endlich loslassen kann, kommt man ihr etwas näher.

Die Handlung wird sehr tempo- und actionreich geschildert, dem Leser sind nur wenige Verschnaufpausen vergönnt. Allerdings verliert man angesichts der zahlreichen Figuren, die teils auch noch ein Doppelleben führen, und angesichts der vielen Verwicklungen gelegentlich etwas den Überblick, was der Spannung aber keineswegs abträglich ist.

Ein hoch spannender Thriller, der dem Leser einiges abverlangt.

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 55 Rezensionen

südtirol, brenner, mord, krimi, commissario grauner

Nachts am Brenner

Lenz Koppelstätter
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 05.10.2017
ISBN 9783462050080
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der dritte Fall für Commissario Grauner führt ihn und seinen neapolitanischen Kollegen Saltapepe an den Brenner, in das Niemandsland zwischen Österreich und Italien, ein Ort, an dem keiner verweilt.

Sehr poetisch beginnt der Roman mit der Schilderung der Nacht, die alle Menschen gleich macht, die Geschehenes ungeschehen, Gesehenes ungesehen macht. Umso stärker ist dann der Kontrast zum grausigen Fund einzelner Körperteile, die wie in einer Schnitzeljagd zur Leiche führen. Der Tote ist ein 87-jähriger Mann, der allein auf seinem Hof lebte und regelmäßig mit anderen alten Männern im Dorfgasthof Karten spielte. Er wurde offenbar zu Tode geschleift. Während Grauner und Saltapepe sich erst einmal gegen die örtliche Polizei durchsetzen müssen und die ersten Befragungen stattfinden, wird ein weiterer Mann aus der Kartenspielerrunde tot aufgefunden.

Als Grauner Hinweise findet, dass die Toten auch mit dem immer noch ungeklärten Mord an seinen Eltern zu tun haben könnten, ermittelt er in eigener Sache.  Damit setzt er sich dem Zorn des Staatsanwaltes Belli aus und riskiert sogar seinen Job. Dafür kommt sein sympathischer Kollege Saltapepe etwas mehr zum Zug. Neben dem jungen Ispettore, der in Sachen Autos und Technik sehr bewandert ist, wirkt Grauner manchmal ziemlich behäbig und altmodisch. Er trauert seinem alten Fiat Panda nach und kann sich noch nicht einmal mit der Zentralverriegelung per Fernbedienung am neuen Auto anfreunden.

Irgendwie wirkt Grauner mit seiner Vorliebe für Mahler-Symphonien und seinen ,,Viechern“ auf seinem kleinen Bauernhof etwas aus der Zeit gefallen, urig, ja fast schon schrullig, aber dennoch authentisch und sympathisch. Dass dieser Fall ihn auch sehr persönlich betrifft, trägt besonders zur Spannung bei.

Lenz Koppelstätter beschreibt Regionaltypisches ohne ins Klischeehafte abzudriften. Seine

bildhafte, ausdrucksstarke Sprache, die den Südtiroler Einschlag erkennen lässt, bietet neben der Spannung der Kriminalhandlung auch noch literarischen Genuss.

Ein Krimi, für den man sich Zeit nehmen sollte.



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(142)

228 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 113 Rezensionen

harry hole, norwegen, oslo, thriller, krimi

Durst

Jo Nesbø , Günther Frauenlob
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 15.09.2017
ISBN 9783550081729
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als eingefleischter Harry-Hole-Fan musste man ein paar Jahre ungeduldig auf den nunmehr 11. Fall warten. Nach dem letzten, starken Band ,,Koma“ fällt ,,Durst“ aber etwas enttäuschend aus.

Harry Hole hat sich aus dem Polizeidienst zurückgezogen, hält an der Polizeihochschule Vorlesungen und genießt sein privates Glück mit seiner großen Liebe Rakel und deren Sohn Oleg, der als Polizeianwärter in Harrys Fußstapfen treten will. Noch immer gilt Hole in Polizeikreisen als wahre Legende, seine Vergangenheit sucht ihn aber in Alpträumen immer wieder heim.

Als eine junge Frau zu Tode gebissen aufgefunden wird und der Täter offenbar von ihrem Blut getrunken hat, holt Polizeipräsident Mikael Bellmann Harry Hole zurück. Kurz darauf verschwindet eine weitere junge Frau und Hole steigt in den ,,Vampiristenfall“ ein, zunächst widerwillig und nur, weil Bellmann ihn unter Druck gesetzt hat. Als der Täter dann aber offenbar bewusst Spuren hinterlässt, wird Harry Hole klar, dass er den Mörder kennt und seine absolute Berufung zur Mörderjagd erwacht.

Holes frühere Kollegin Katrine Bratt ist nun die Leiterin des Ermittlerteams, man trifft weitere ,,alte Bekannte“ wie Truls Berntsen und Bjørn Holm. Allerdings dauert es eine ganze Weile, bis Harry tatsächlich die Bühne betritt und bis dahin plätschert das Geschehen etwas dahin. Mit Holes Auftreten nimmt die Handlung allmählich Fahrt auf, man wird, wie bei Nesbø üblich, immer wieder geschickt auf falsche Fährten gelockt. Und man ahnt allmählich, dass der Täter in Harry Holes nächstem Umfeld zu suchen ist. So steigert sich die Spannung bis zu einem regelrechten Showdown am Ende. Insgesamt aber konnte mich dieser 11. Fall nicht so mitreißen und begeistern. Manche Dialoge wirken etwas hölzern und künstlich, manches wirkt überkonstruiert. Es scheint, als seien Harry Hole und sein Schöpfer etwas eingerostet. Schade!


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153 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

island, thriller, mord, rache, sog

SOG

Yrsa Sigurdardottir , Tina Flecken
Fester Einband: 500 Seiten
Erschienen bei btb, 18.09.2017
ISBN 9783442756643
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Wie auch im Vorgängerband ,,DNA“ werden in ,,Sog“ brutale und grausame Morde begangen, die in der Form im beschaulichen Island normalerweise nicht vorkommen. Auch hier spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle. In Reykjavik wird eine Zeitkapsel mit Schüleraufsätzen gehoben. Die Schüler beschrieben im Jahre 2006 darin, wie sie sich Island im Jahr 2016 vorstellen. Neben kindlichen Wünschen und Vorstellungen findet sich auch ein verstörender Text, der den Tod von 6 Personen vorhersagt. Allerdings werden nur Initialen genannt, weswegen die Polizei den Brief zunächst nicht besonders ernst nimmt. Als dann allerdings in einem Hot Tub zwei abgeschnittene Hände gefunden werden und es kurz darauf einen weiteren Toten gibt, wird die Polizei aktiv. Kommissar Huldar, der nach dem letzten Fall degradiert worden ist und nun seine frühere Kollegin Erla als Chefin hat, sieht eine Chance, sich durch diesen Fall rehabilitieren zu können. Außerdem bietet sich so für ihn die Möglichkeit, die Kinderpsychologin Freyja in den Fall einzubinden und so den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen. Seit dem letzten Fall zeigt sie ihm die kalte Schulter, dennoch ist Huldars Interesse an ihr nach wie vor groß.

Die Brutalität der Morde, die auf Racheakte schließen lassen, wird etwas aufgelockert durch Huldar und Freyja, die wie Katz und Maus umeinander herumschleichen. Huldar mit all seinen Fehlern und Schwächen hat einen ganz besonderen Charme. Über seine beruflichen Misserfolge grämt er sich nicht besonders, auch seiner früheren Kollegin Erla gönnt er den Chefposten. Allerdings hat er weiterhin mit ihren Annäherungsversuchen zu kämpfen und tritt in fast jedes Fettnäpfchen, das sich irgendwo auftut. Freyja dagegen hat mit ihrem nicht  existierenden Privatleben zu kämpfen und kümmert sich um ihren Bruder im Gefängnis, der allerdings nicht besonders unter dieser Situation zu leiden scheint.

,,Sog“ ist wie auch der Vorgängerband sehr unterhaltsam, absolut spannend und zieht den Leser in seinen Bann. Yrsa Sigurdardóttir versteht ihr Handwerk meisterhaft!



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(70)

96 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 64 Rezensionen

krimi, norwegen, frankreich, mord, munch

Kreuzschnitt

Øistein Borge , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.09.2017
ISBN 9783426306048
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bogart Bull: was für ein Name! Er ist Kommissar bei der Osloer Kriminalpolizei und durchlebt nach dem Unfalltod seiner Frau und seiner kleinen Tochter eine tiefe Krise. Hinzu kommt, dass der Unfall durch einen von Bogart vor Jahren gefassten Kriminellen absichtlich verursacht wurde. Trauer und Schuld hat Bull durch Alkohol zu verdrängen versucht, bis er nun zwar endlich trocken, aber immer noch tief gezeichnet ist.

Von seiner Chefin wird Bogart Bull zu Europol versetzt, wo er in Sainte-Maxime in Südfrankreich den Mord an dem norwegischen Unternehmer und Kunstsammler Axel Krogh aufklären soll. Kroghs Leiche weist auf dem Rücken ein mit dem Messer eingeschnittenes Kreuz auf. Ein Symbol? Obwohl die ganze Villa voller wertvoller Kunstgegenstände ist, fehlt nur ein kleines Bild, das vermutlich von Edvard Munch stammt. Nur kurze Zeit später wird eine zweite Leiche gefunden, ähnlich zugerichtet wie Axel Krogh. Doch das Vorgehen ist nicht ganz identisch. Handelt es sich also um einen oder um mehrere Täter?

Bulls Ermittlungen, die er zusammen mit dem französischen Kollegen Jean Moulin durchführt, führen ihn in die Vergangenheit, in die Zeit der Résistance und der deutschen Besatzung Frankreichs. In eingeschobenen Kapiteln wird aus der Perspektive der damals Beteiligten erzählt, was die Vergangenheit lebendig und anschaulich vermittelt. Auch die Zeit, als das gestohlene Gemälde entstand, lässt der Autor aus Sicht der Maler bildhaft auferstehen.

Diese Kapitel stören zwar etwas den Erzählfluss der Gegenwart, verdeutlichen aber dadurch auch die Komplexität der Handlung. Bogart Bull gibt einen überaus sympathischen Ermittler ab, der durch seine Recherchen und vielleicht auch durch die angenehme Atmosphäre an der Côte d’Azur wieder zu neuem Lebensmut zurückfindet.

Die Auflösung des Falls erscheint mir allerdings am Ende doch etwas zu konstruiert. Hier wäre eine weniger komplexe Lösung in meinen Augen überzeugender gewesen.

Insgesamt ist ,,Kreuzschnitt“ aber ein spannender, unterhaltsamer und empfehlenswerter Roman und Bogart Bull sollte unbedingt weiter ermitteln!



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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

ermittler, kriminalroman, norwegen, bernhard stäbe, callmeabookaholic

Kein guter Ort

Bernhard Stäber
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe Ag, 15.08.2017
ISBN 9783741300431
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


 

Orte können einen Menschen beeinflussen, im positiven wie auch im negativen Sinne. Das hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. In diesem Fall ist die Rabenschlucht ein solcher Ort, der die Menschen das Fürchten lehrt. Der Deutschnorweger Arne Eriksen arbeitet als Psychiater an einer Klinik, u.a. für Suchtkranke. In der Nähe befindet sich die Rabenschlucht, in der vor zehn Jahren ein junges Mädchen vor den Augen seiner Schwester von einem unbekannten Täter umgebracht wurde. Bei dem Versuch, das Mädchen zu retten, ist auch der Vater der beiden Schwestern in die Schlucht gestürzt. Doch schon früher galt die Rabenschlucht als ein Unheil bringender, düsterer Ort. Arne Eriksens Neugier ist geweckt und er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Tempo und Dynamik kommen auf, als seine Patientin Janne im Drogenrausch das alte Hotel in der Rabenschlucht aufsucht, ein altes Tagebuch findet und dort auf eine vermummte Gestalt trifft. Hat sie der Unbekannte wirklich bedroht oder hat sie sich die Gefahr in ihrem vernebelten Gehirn nur eingebildet?

Der Krimi ist durchaus spannend, allerdings werden für meinen Geschmack zu viele Handlungsfäden und zu viele Personen eingeführt, was die Geschichte zu wenig rund werden lässt. So wird zu Beginn das private Verhältnis zwischen Eriksen und der Polizistin Kari Bergland thematisiert, dann aber erst spät wieder aufgegriffen. Zwischendurch spielt die drogenabhängige Janne eine tragende Rolle. Sie wird von Kari Bergland im Zuge einer Ermittlung aufgegriffen, es stellt sich heraus, dass sie die Tochter ihres Chefs ist und nicht nur mit Drogenproblemen zu kämpfen hat. Kari vermittelt Janne an die Klinik, in der Arne Eriksen arbeitet, doch Janne ist nicht sofort willens, sich helfen zu lassen. Janne selbst wirkt äußerst schwierig und unsympathisch, ihre Freundschaft zu dem syrischen Flüchtling Saman eher aufgesetzt. Arne Eriksens Methoden der Bewusstseinserweiterung mithilfe von Trommelmusik oder Fliegenpilzen ist interessant, aber für die Lösung des Falls in meinen Augen zu wenig überzeugend.

,,Kein guter Ort“ ist unterhaltsam, mehr Konzentration auf das Wesentliche würde die Spannung aber sicherlich erhöhen.

 



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57 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

norwegen, krimi, missbrauch, serie, gebetshäuser

Das Mädchen, das schwieg

Trude Teige , Gabriele Haefs , Andreas Brunstermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.07.2017
ISBN 9783746632919
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ohne langes Vorgeplänkel steigt man gleich auf der ersten Seite mitten ins Geschehen ein. Die Journalistin Kajsa Coren, gerade mit dem Kinderwagen im Dorf unterwegs, kommt hinzu, als die 33-jährige Sissel von ihrer Nachbarin tot aufgefunden wird. Kajsa, die seit Kurzem mit ihrem Mann Karsten und ihren Kindern auf einer kleinen norwegischen Insel lebt, ist nicht nur von Natur aus neugierig. Ihr Mann Karsten arbeitet bei der Kripo und so weiß Kajsa, wer zu informieren ist und was es an einem Tatort zu beachten gilt. Kurze Zeit später verschwindet das Mädchen Tone spurlos. Hängen die beiden Fälle zusammen?

Ein bisschen erinnert das Setting an Erika Falck und ihren Mann Patrick aus den Camilla Läckberg-Romanen. Dennoch haben die Figuren einen ganz eigenen Charakter. Karsten wurde bei einem Einsatz schwer verletzt und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Er ist depressiv und grenzt sich völlig von der Außenwelt ab, auch von Kajsa, die zunehmend darunter leidet. Kajsa ist zwar Ehefrau und Mutter, allerdings überwiegt deutlich ihre journalistische Neugier und ihr Wille, etwas zu bewegen. So wittert sie sofort eine gute Story, versucht aber dennoch das Menschliche und die Grenzen dessen, was man veröffentlichen kann, im Blick zu behalten. So ,,ermittelt“ sie teils mit, teils ohne die Polizei und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Für ihren Ehemann Karsten ist der Fall die Chance, aus seinem Selbstmitleid und seiner Lethargie herauszukommen und seine ermittlerischen Fähigkeiten trotz seiner physischen Einschränkungen zu beweisen. Private Konflikte und Krimihandlung werden geschickt miteinander verwoben und stehen in einer guten Balance.

Sissels Geschichte erschließt sich durch Rückblenden in die Vergangenheit auf berührende, aber auch sehr bedrückende Weise. Nach und nach fügen sich die Puzzlesteinchen zusammen und so werden die Gründe für Sissels Mutismus deutlich. Auch das Schicksal der adoptierten Tone, die aufgrund ihrer Hautfarbe in der Schule gemobbt wird, bewegt den Leser. Interessant ist auch, dass in einer so kleinen Inselgemeinde, wo jeder jeden zu kennen glaubt, doch so mancher seine privaten Geheimnisse und Probleme mit sich herumträgt.

Dies ist der 2. Fall mit Kajsa Coren, den man aber auch gut ohne Vorkenntnis des 1. Bandes lesen kann. Der Krimi bietet gute und spannende Unterhaltung bis zum dramatischen Showdown am Schluss. Deshalb gebe ich eine klare Leseempfehlung!



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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

krimi, steiermark, martin schult, kriminalroman, berlin

Dem Kroisleitner sein Vater

Martin Schult
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.07.2017
ISBN 9783550081743
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Frassek, Polizeiobermeister in Berlin, hat mehr als nur eine Pechsträhne. Vor kurzem ist erst die Mutter gestorben, jetzt der Vater, die Frau hat ihn verlassen und seine pubertierende Tochter findet ihn ,,sowas von alt“. Die Beerdigung des Vaters schwänzt er einfach und fährt stattdessen weiter in die Berge, wo er in dem kleinen Dorf St. Margarethen in der Steiermark landet. Zurück in Berlin muss er sich um abzuschiebende Asylanten kümmern, die auf geheimnisvolle Weise jedes Mal vorgewarnt werden und rechtzeitig verschwinden. Als Frassek und sein Kollege Sprotz versuchen, den Täter, genannt der ,,Robin Hood vom Humboldthain“, durch eine List zu fassen, blamieren sie sich grandios. Und dann erfährt Frassek auch noch, dass er als Verdächtiger in einem Mordfall in St. Margarethen gesucht wird. Der 104-jährige Alois Kroisleitner wurde ermordet, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als sich Frassek dort aufhielt. Da hilft nur noch die Flucht nach vorn. Frassek begibt sich samt seiner Tochter ins idyllische St. Margarethen und ermittelt selbst. Dabei kommen nicht nur lange gehütete Dorf- und Familiengeheimnisse zutage, auch die Ereignisse im und nach dem 2. Weltkrieg spielen eine Rolle.

Die Gattung ,,Kriminalroman“ beschreibt den Charakter des Buches nur bedingt. Zwar gibt es Tote, Verdächtige und Mörder, die Spannung ergibt sich aber eher aus der Mischung von Regionalem, Historischem, allgemein Menschlichem und Witz. Klamauk ist durchaus vorhanden, wenn Berliner Schnauze auf Steiermark trifft. Doch hat das Buch weit mehr als so mancher humorige Regionalkrimi zu bieten. Wenn Frassek und der ,,junge“ Kroisleitner sich über das Sterben unterhalten, geht es schon fast ins Philosophische.

Die häufigen Orts- und Perspektivenwechsel fordern die Aufmerksamkeit des Lesers. So einiges muss man sich wie ein Puzzle zusammensuchen, auch in die Sprache der St. Margarethener muss man sich erst einfinden. Doch gerade das macht den besonderen Reiz dieses Buches aus. Mich hat das Buch gut unterhalten, gerade weil es sich eher um eine Mischung aller möglichen Gattungen und Stile als um einen Krimi im eigentlichen Sinne handelt.



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(87)

121 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

thriller, schweden, skandinavien, wolf, drogen

Zack Herry / Die Fährte des Wolfes

Mons Kallentoft , Markus Lutteman , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei Tropen, 07.09.2017
ISBN 9783608503715
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Getrieben und gejagt sind in diesem Roman nicht nur die Opfer, asiatische Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden, oder die Täter, die von ihrem Hass und ihren Trieben gesteuert werden. Auch der junge Kommissar Zack Herry ist getrieben – von seiner Drogensucht, von der Vergangenheit und von den Erinnerungen, die ihn immer wieder einholen. Wie so manch andere skandinavische Ermittler ist auch Zack Herry eine sehr widersprüchliche und facettenreiche Figur. Jung, attraktiv, brillant als Polizist, aber auch aggressiv und unberechenbar, exzessiv und unkontrolliert. Sein bester und wohl auch sein einziger Freund ist Abdula, ein Drogendealer. Zack steht eigentlich ständig mit einem Bein über dem Abgrund. Damit wirkt er nicht unbedingt sympathisch, auf jeden Fall aber interessant.

 

Als in einer Stockholmer Wohnung vier thailändische Masseurinnen auf brutalste Weise hingerichtet werden, tappen Zack Herry und seine Kollegen zunächst im Dunkeln. Geht es um Rassismus und Frauenhass, oder gibt es eventuell einen Bandenkrieg im Frauenhandelmilieu? Als eine Zeugin schwer verletzt und noch weitere Frauen getötet werden, wird deutlich, dass der Täter äußerst brutal, grausam und menschenverachtend vorgeht.

Unterstützt wird Zack Herry von seiner Kollegin Deniz, einer Kurdin, die als Zwölfjährige mit ihrem kleinen Bruder aus ihrer Heimat geflohen ist. Sie wurde Polizistin, um gegen das Böse und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Interessant ist auch der blinde Kollege Rudolf Gräns, ein Verhörspezialist, da er häufig mehr wahrnimmt als seine sehenden Kollegen. Nach einem Dienstunfall ist die Kollegin Sirpa nur noch innendiensttauglich, dafür aber umso ausgefuchster, was PC-Fragen legaler und illegaler Art angeht. Eine etwas undurchsichtige Figur ist Douglas Juste, der glattgebügelte Chef der Truppe. In einzelnen Kapiteln wird das Geschehen aus der Perspektive dieser Figuren geschildert, was zwar nicht unbedingt die Handlung vorantreibt, aber die Menschen hinter den Polizisten erkennbar werden lässt und so das Besondere und Unverwechselbare dieses Krimis ausmacht.

Zack selbst mit seinen inneren und äußeren Konflikten jedoch ist der unbestrittene Held oder eher Antiheld dieses spannenden und temporeichen Krimis. Für mich ein absolut gelungener Auftakt einer neuen Reihe!

 



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(88)

98 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 87 Rezensionen

hugenotten, frankreich, krimi, cevennen, südfrankreich

In tiefen Schluchten

Anne Chaplet
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

,,In tiefen Schluchten“ erzählt eine interessante Geschichte in einer interessanten Gegend. Die raue und wilde Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen bildet den Hintergrund für das Geschehen. Die ehemalige Anwältin Victoria Godon, genannt Tori, lebt in dem Dörfchen Belleville, wo sie mit ihrem Mann Carl ein Haus gekauft hat. Seit dem Tod ihres Mannes lebt sie allein im Maison Sarrasine und versucht, mit ihrer Trauer fertig zu werden. Ihre näheren Kontakte im Dorf beschränken sich auf andere Deutsche, die mehr oder weniger lang schon dort leben. So z.B. die nun 75-jährige Eva, die als Hippie in die Gegend kam, blieb und nun ihren Lebensunterhalt als Vermieterin von Ferienappartements verdient. Als einer ihrer Feriengäste, ein holländischer Höhlenforscher, verschwindet, macht sich Tori ein wenig Sorgen. Als dann auch noch der alte Didier Thibon tot aufgefunden wird, kurz nachdem er Tori von Schätzen und Schmuggel-Verstecken in den zahlreichen Höhlen der Gegend erzählt hat, ist Tori mehr als beunruhigt und macht sich auf die Suche. Unterstützt wird sie dabei von Nico, einem ehemaligen deutschen Polizisten. Wie Eva ist auch Nico eine sympathische, aber eher blass bleibende Figur, deren Vergangenheit und deren Gründe, sich im Vivarais anzusiedeln, nur knapp angedeutet werden. Hier würde man gerne mehr erfahren. Auch die Integration in den französischen Bevölkerungsteil des Dorfes ist sicher noch ausbaufähig.

Tori stößt bei ihren Recherchen auf die Spuren der Hugenotten, die im 18. Jahrhundert in der Gegend Zuflucht fanden. Auch die Résistance gegen die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg hat die Region und ihre Bewohner bis heute nachhaltig geprägt. Dieser historische Hintergrund wird recht ausführlich erklärt, dadurch wirkt die Handlung aber etwas zu überfrachtet und die Spannung leidet. 

Die Auflösung des Falls ist etwas unbefriedigend, da einige Fragen unbeantwortet bleiben. Vielleicht werden diese ja in einem Folgeband aufgegriffen? Auch die Figuren hätten das Potenzial für eine Fortsetzung.



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99 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

england, krimi, geheimnisse, dorf, geheimnisvoll

Eine von uns

Harriet Cummings , Walter Goidinger
Fester Einband
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 24.07.2017
ISBN 9783552063358
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In einem kleinen Dorf in der englischen Provinz, wo jeder jeden zu kennen glaubt, kommt es zu merkwürdigen Einbrüchen. Dabei wird aber meist nichts gestohlen, sondern nur kleine Spuren hinterlassen oder Dinge an einen anderen Platz gestellt. Doch die Betroffenen bemerken, dass jemand in ihrem Haus oder ihrem Schlafzimmer war. Der geheimnisvolle ,,Einbrecher“, bald der ,,Fox“ genannt, bringt die Dorfbewohner dazu, sich gegenseitig zu verdächtigen und zu misstrauen. Jeder verschließt Fenster und Türen, einige bewaffnen sich, und dennoch dringt der Fox in die Häuser ein. Eines Tages verschwindet Anna, die sich jahrelang um ihre Mutter gekümmert hat. Sie ist eine unscheinbare, freundliche junge Frau, die jeder kennt, aber niemand weiß etwas Genaueres über sie. Hat der Fox Anna entführt oder sogar getötet? Die Atmosphäre im Dorf spitzt sich zu, alte Geschichten und verborgen geglaubte Geheimnisse werden durch die zunehmend aggressiver werdenden gegenseitigen Verdächtigungen ans Licht gezerrt.

Die einzelnen Kapitel mit teils so merkwürdigen Titeln wie ,,Foto“, ,,Handschuh“ oder ,,Hautcreme“, die jeweils einen Gegenstand von Bedeutung in den Fokus stellen, werden aus der Sicht verschiedener Beteiligter erzählt. Da gibt es Deloris, die jung verheiratete und zunehmend frustrierte Ehefrau, oder Brian, der sympathische Dorfpolizist, der sich um seinen behinderten Bruder kümmert, Jim, der neue Seelsorger des Dorfes, der mit einer dunklen Vergangenheit zu kämpfen hat oder Stan, der mit Anna ein sehr privates Geheimnis geteilt hat. Diese Geschichten sind interessant, allerdings hält sich die Spannung doch eher in Grenzen, da alle Figuren sehr passiv und unentschlossen wirken. Die Spannung steigt etwas gegen Ende des Romans, als man auf Spuren von Anna stößt und sich die Schlinge um den Fox allmählich enger zieht. Die Schilderung der tiefen Abgründe der Dorfidylle ist durchaus lesenswert, allerdings sollte man keine Hitchcock-Spannung erwarten, wie im Klappentext angekündigt.



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(57)

76 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 50 Rezensionen

oliver pötzsch, historischer roman, krimi, band 7, historisch

Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf

Oliver Pötzsch
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 14.07.2017
ISBN 9783548288376
Genre: Historische Romane

Rezension:

Im Jahre 1672 reist der Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl mit seiner Familie nach München. Endlich wurde er zum Rat der Zwölf eingeladen – ein Ehre, auf die er schon lange gewartet hat. Mit auf den Weg machen sich seine Töchter Barbara und Magdalena mit deren Ehemann Simon Fronwieser, dem Stadtmedicus. Auch er hat große Erwartungen in die Reise nach München, hofft er doch, dort bei einem bekannten Arzt vorsprechen und sein medizinisches Traktat über ihn veröffentlichen zu können. Für die 18-jährige, noch ledige Tochter Barbara, will Jakob Kuisl unter den Ratsmitgliedern endlich einen Ehemann finden. Doch die ansonsten lebenslustige Barbara ist ungewollt schwanger. In ihrer Verzweiflung vertraut sie sich nur ihrer Schwester Magdalena an, nicht aber ihrem Vater. Ein uneheliches Kind ist eine zu große Schande, nicht nur für Barbara, sondern für die ganze Familie Kuisl.

Gleich am Tag ihrer Ankunft zieht Jakob Kuisl ein totes Mädchen aus dem Bach. Sie wurde offenbar ertränkt. Der Spürsinn des Schongauer Henkers erwacht, als noch mehr junge Frauen ermordet aufgefunden werden. Bei allen wird ein kleines Medaillon gefunden, und alle Morde tragen die Handschrift eines Henkers. Ist der Mörder einer aus dem Rat der Zwölf? Doch nicht nur Jakob Kuisl ,,ermittelt“ auch seine Tochter Magdalena begibt sich auf die Suche und gerät dabei in tödliche Gefahr.

Der historische Roman verknüpft sehr anschaulich und spannend historisches Wissen mit der Suche nach einem Serienmörder. Die Schilderung der aggressiven Stimmung in den rauch- und biergeschwängerten Wirthausstuben wirkt genauso lebendig wie die pompösen Szenen am Hof. Das Schicksal aller Mitglieder der Kuisl-Familie erlebt und erleidet man hautnah mit. Besonders die Situationen, in denen die Familie als Henkersleute erkannt und als Ehrlose behandelt wird, stimmen nachdenklich und betroffen.

Die Suche nach dem Mörder gestaltet sich zunehmend spannend und rasant und endet sehr überraschend. Einzig der Schluss ist vielleicht etwas zu versöhnlich gestaltet.

Auch wenn dies der 7. Band um die Henkersfamilie ist, kann man den Roman getrost ohne Vorkenntnis der anderen Bände lesen.



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(71)

116 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 68 Rezensionen

krimi, norwegen, oslo, serienmor, brutal

Teufelskälte

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783471351499
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Tommy Bergmann, Kommissar in Oslo, wird in diesem Band mit der Vergangenheit und abgrundtiefer Gewalt konfrontiert. Bergmann wirkt eigentlich sympathisch, hat aber wenig soziale Kontakte und eine sehr dunkle Seite. Seine Freundin Hege hat ihn verlassen und wegen häuslicher Gewalt angezeigt. Tatsächlich neigt Bergmann zu Gewaltausbrüchen, in denen er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat. Da er in eine Therapie eingewilligt hat, hat Hege die Anzeige zurückgezogen. Dennoch ist Bergmann nur bedingt bereit, sich den Gründen für seine Aggressionen zu stellen, da er dazu tief in seine eigene Vergangenheit eintauchen muss, die er bisher offenbar erfolgreich verdrängt hat.

Der Roman beginnt mit einem Rückblick auf den Winter 1988, als der junge Polizist Tommy Bergmann zu einem grausigen Leichenfund gerufen wird. Im Wald liegt, in Müllsäcke verpackt, die brutal verstümmelte Leiche einer jungen Frau. Ihr folgen eine Reihe weiterer, brutal zugerichteter junge Frauen, bis der Täter Anders Rask schließlich gefasst wird. Er gesteht die Taten und wird in die geschlossene Psychiatrie in Ringvoll eingeliefert, wo er bis heute einsitzt. Doch nun hat Rask die Wiederaufnahme seines Verfahrens beantragt, während eine junge Prostituierte brutal ermordet wird. Alles deutet auf denselben Täter wie damals hin. Gibt es einen Nachahmer oder hatte Anders Rask einen Komplizen? Oder ist Rask womöglich gar nicht der psychopathische Mörder, sondern sitzt seit Jahren unschuldig hinter Gittern? Der Fall ist sehr komplex und doppelbödig. Zahlreiche Figuren kommen vor, die sich aber häufig als sehr viel facettenreicher herausstellen, als sie auf den ersten Blick erscheinen. So muss man als Leser konzentriert bei der Sache sein, um den Anschluss nicht zu verlieren. Die Atmosphäre ist stellenweise sehr unheimlich und düster. Wenn Tommy Bergmann das Gefühl hat, dass er beobachtet und verfolgt wird, beschleicht den Leser ein sehr ungutes Gefühl. Als Bergmann dann noch bemerkt, dass jemand in seiner Wohnung war, stehen einem schon die Haare zu Berge. Unheimliche und rätselhafte Spannung ist in diesem Krimi garantiert. Am Ende wird der Leser allerdings nur teilweise erlöst, da der Fall nicht ganz abgeschlossen ist. Dafür muss man sich wohl bis zum Erscheinen des 3. Bandes um Tommy Bergmann gedulden.



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(90)

117 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 86 Rezensionen

krimi, münchen, mord, gewalt, misshandlungen

Tiefe Schuld

Manuela Obermeier
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783548288635
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jugendliche Geocacher finden im Wald eine Frauenleiche. Alles deutet auf ein Sexualdelikt hin, aber der Körper weist zahlreiche Verletzungen und Narben auf, die darauf hindeuten, dass die tote Julia Krämer schon jahrelang misshandelt wurde.

Hauptkommissarin Toni Stieglitz, die sich erst vor kurzem von ihrem gewalttätigen Freund Mike getrennt und ihn endlich angezeigt hat, übernimmt mit ihren Kollegen den Fall. Für sie steht sehr schnell fest, dass nur der Ehemann Martin Krämer als Täter in Frage kommt. Doch es finden sich keine konkreten Beweise. Und je tiefer Toni Stieglitz sich mit dem Fall befasst, desto mehr andere Spuren tun sich auf. Offenbar führte Julia Krämer ein Doppelleben, der Sohn Sebastian verhält sich äußerst merkwürdig, die Nachbarin hat mehr als nur ein nachbarschaftliches Interesse an Martin Krämer, die Exfrau ist psychisch krank......

Auch Toni Stieglitz selbst hat im Privatleben zu kämpfen. Ihr Exfreund Mike hält sich zwar nach der Anzeige von ihr fern, macht ihr aber deutlich, dass er sie immer unter Beobachtung hat. Und dann sind da noch die zarten Bande zu Rechtsmediziner Tom Mulder, die massiv auf die Probe gestellt werden.

Der 2. Band um Toni Stieglitz ist unterhaltsam und spannend. Die knappen 55 Kapitel, die jeweils aus verschiedenen Perspektiven die Handlung beleuchten, bringen Dynamik und Tempo in Spiel. Tonis Geplänkel mit ihren Kollegen und so manche Situation mit dem ,,Doc“ lassen auch die humoristische Seite nicht zu kurz kommen. Allerdings leiden für meinen Geschmack zu viele Beteiligte an massiven psychischen Problemen, was etwas übertrieben wirkt.

Nicht unbedingt notwendig, aber sicherlich sinnvoll ist es, zuvor den ersten Band ,,Verletzung“ zu lesen, um so manche Andeutungen und Entwicklungen besser verstehen zu können.



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(80)

114 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 70 Rezensionen

freundschaft, liebe, leben, england, london

Als wir unbesiegbar waren

Alice Adams , Eva Kemper
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 19.06.2017
ISBN 9783832198411
Genre: Romane

Rezension:

Alice Adams erzählt die Geschichte einer Freundschaft über zwei Jahrzehnte.

1995 stehen die Geschwister Sylvie und Lucien und ihre Freunde Benedict und Eva kurz vor dem Abschluss ihrer Studienzeit. In den letzten Jahren waren sie unzertrennlich, sehen aber völlig unterschiedliche Lebensentwürfe vor sich. Während die zurückhaltende Eva von einer Karriere im Finanzwesen träumt und der unerwiderten Liebe zu Lucien entfliehen will, sieht die lebenslustige Sylvie sich als angehende Künstlerin. Lucien will vor allem das Leben und seine Freiheit genießen. Er will alles ausprobieren, Sex, Alkohol, Drogen, Hauptsache ihn überkommt keine Langeweile. Benedict dagegen liebt schon lange Eva, ist aber zu schüchtern, um sich ihr zu öffnen.

Im Lauf der folgenden Jahre finden sich die Freunde immer wieder in wechselnder Besetzung zusammen - und nicht immer verstehen sie sich. Es kommt zu Differenzen, sogar zu Konflikten, in denen verletzende Wahrheiten ausgesprochen werden, an denen die Freundschaft fast zerbricht. Doch selbst nach jahrelangem Schweigen bringt ein Zufall oder eine Notsituation die Freunde wieder zueinander.

Die 33 Kapitel erzählen einzelne Abschnitte aus den Jahren 1995 bis 2015 in wechselnder Perspektive, häufig  aber aus Evas Sicht. Dadurch lernt man Eva am intensivsten von allen vier Figuren kennen und kann ihre Sichtweise am besten nachvollziehen. Lucien oder auch Sylvie dagegen bleiben einem eher fremd und etwas distanziert.

Der Roman erzählt über Freundschaft, Liebe und Treue, allerdings ohne Rührseligkeit. Die Höhen und Tiefen des Lebens führen, zumindest bei Eva, zu der Erkenntnis: Glück ist nicht, wenn alles perfekt ist, sondern dann, wenn es sich ,,richtig“ anfühlt, wenn man ,,angekommen“ ist.

Poetisch, berührend, ohne jeglichen Kitsch.



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(29)

33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

krimi, ostfrieslandkrimi, fremder, moa graven, ostfriesland

FREMDER

Moa Graven
Flexibler Einband: 268 Seiten
Erschienen bei cri-ki-Verlag, 01.04.2017
ISBN 9783946868026
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf dem Heimweg von der freitäglichen Einkaufstour findet das Ehepaar Schmees einen Müllsack auf der Fahrbahn – vollgepackt mit abgesägten Händen, Armen und Füßen! Und kurz darauf wird an einem Nordseestrand rötlicher Schaum gefunden, offenbar organischer und menschlicher Art! So gruselig und spannend der Krimi beginnt, so schnell geht die Dynamik und Spannung leider auch wieder verloren.

Jan Krömer und Lisa Berthold ermitteln in dem grausamen Fall. Doch leider reden und grübeln sie mehr, als dass sie tatsächlich ermitteln. Von der eigentlichen Polizeiarbeit bekommt man nur am Rande etwas mit. Sehr schnell haben die beiden ,,Profiler“ ein Täterbild entwickelt, das aber recht klischeehaft wirkt. Ein Mann, der noch im Erwachsenenalter bei den Eltern oder der Mutter lebt, eventuell ein Landwirt! Und so fahren sie mehr oder weniger zufällig die Höfe ab....

Jan und Lisa wohnen zusammen auf Jans Hof, sodass sie auch nach Feierabend über die Fälle reden können, was sie auch ausgiebig tun. Dabei wird auch klar, dass beide mit sich und dem anderen so ihre Probleme haben. Lisa erhofft sich offenbar etwas mehr Nähe, Jan hadert mit der Sinnlosigkeit seines Berufs. Dann wird ihnen ein afrikanischer Praktikant zugewiesen, der bei ihnen vorübergehend einzieht. Halif ist ein freundlicher und sympathischer Zeitgenosse, ihm schlägt aber mehr oder weniger offen Aggression und Hass aus der Bevölkerung entgegen. Dies führt zu Gesprächen über Fremdenhass, Vorurteile, Flüchtlingsproblematik, Gleichgültigkeit usw. Doch leider wirken diese Dialoge oft recht konstruiert und lenken vom eigentlichen Fall nur ab. Am Ende wird der Täter zwar gefasst, was überraschend schnell geht. Auch hier erfährt man noch so manches grausige und unappetitliche Detail. Doch die eigentlichen Motive des Täters bleiben ziemlich im Dunkeln. Hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Als Lektüre für zwischendurch geeignet, aber nichts, was man unbedingt gelesen haben müsste.



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