andrea_strickliesel

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123 Bücher, 89 Rezensionen

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118 Bibliotheken, 25 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

geister, nathan hill, usa, chicago, debüt

Geister

Nathan Hill , Werner Löcher-Lawrence , Katrin Behringer
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492057370
Genre: Romane

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86 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

kochen, rezepte, roman, usa, familie

Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

J. Ryan Stradal , Anna-Nina Kroll
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.08.2016
ISBN 9783257069754
Genre: Romane

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49 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

japan, liebe, lebenslüge, paris, schnee

Der Schneekimono

Mark Henshaw , Ursula Gräfe
Fester Einband: 381 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 10.10.2016
ISBN 9783458176824
Genre: Romane

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Tags: japan   (1)
 

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

japan, tod, trauer, geister, nahtoderfahrung

Lebensgeister

Banana Yoshimoto , Thomas Eggenberg
Buch: 160 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 28.09.2016
ISBN 9783257300420
Genre: Romane

Rezension:

Manchmal habe ich das Gefühl, Bücher suchen sich ihre Leser selber aus. “Lebensgeister” kommt mir zu einer passenden Zeit in die Hände,...

Nach einem schweren Unfall und dem Verlust ihres Geliebten, versucht Sayoko wieder in ein normales Leben zurück zu finden. All ihre Pläne sind dahin, ein schönes Leben zu führen. Sayoko blickte kurzfristig in die Welt der Toten, traf ihren Großvater, der sie aber in die reale Welt zurück schickte. Seitdem ist alles anders. Die junge Japanerin kann Geister sehen. Was sie allerdings nicht verschreckt, sondern eher dazu bringt, sich mit dem Leben, der Liebe und den Beziehungen, auseinander zu setzen.


“Es gibt viele Menschen, die sich nach einer radikalen Änderung sehnen, aber nur wenige, die ihr wahres Wesen begreifen.” Seite 86


Banana Yoshimoto schreibt locker vom Tod und den Erfahrungen, die ihre Hauptdarstellerin Sayoko durchleben muss. Mit leichter Feder beschreibt die Autorin das Trauma der Protagonistin und wie sie damit umgeht. Die Gefühle ihrer Hauptfigur sind teilweise so schön beschrieben, dass man immer wieder tief durchatmen muss und einfach nur genießt. Das gesamte Buch strotzt vor Lebensweisheiten und wunderschönen Beschreibungen. Die 160 Seiten sind eine wahre Wonne. Auch wenn es sich um ein schwieriges Thema, wie den Tod und das Leben, für die Zurückgebliebenen handelt, liest es sich sehr schnell und unterhaltsam. Banana Yoshimoto, die eigentlich Mahoko mit Vornamen heißt, zaubert mit ihren Worten lächelnde Gedanken.


“Wenn du zu weit nach vorne schaust, stolperst du. Verweile lieber im Moment, und gehe Schritt für Schritt deinen Weg.” Seite 111


Was mir auch sehr gefallen hat, sind die Fußnoten des Übersetzer. Banana Yoshimoto, benutzt häufig japanische Begriffe, die wir Europäer nicht kennen (können). Thomas Eggenberg, scheint mir ohnehin ein passender Übersetzer, für dieses Buch. 

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Tags: geister, japan, nahtod   (3)
 

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

brühe, suppe, gesund, rezepte, lecker

Brühe

Vicki Edgson , Heater Thomas
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Jan Thorbecke Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783799510981
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dies ist ein Kochbuch nach meinem Geschmack. Normalerweise nehme ich das nicht vorweg, aber dieses mal passt es einfach. Abgesehen davon, dass ich der absolute Suppenkasper bin, trifft dieses Buch einen Nerv bei mir. Aber am Besten fangen wir mal von vorne an:

Auf den ersten Seiten wird, wie fast in allen Kochbüchern, einiges um den Inhalt erklärt. Warum man am Besten genau dieses Buch kaufen soll… Weil es einfach für jede Lebenslage passt. Bist du noch im Wachstum, dann brauchst du (Knochen-) Brühen, weil es dein Wachstum fördert und du groß und stark wirst. Bist du schon sehr alt, dann brauchst du dieses Kochbuch und die (Knochen-) Brühen, weil es dich zwar nicht mehr groß macht, aber stark! Zumindest, was die Kraft gegen Keime und Umwelteinflüsse angeht. Und dazwischen brauchst du eben diese Brühen, weil sie für alles mögliche gut sind. Was mich angeht, brauche ich Brühe, weil ich sie gerne esse und damit koche. Und genau das, findet man dann auch nach wenigen Seiten Einführung. Einfache und sehr leicht nach zu kochende Rezepte, wie man an Brühe herankommt und wie man sie hervorragend weiter verwenden kann. Also Rezepte, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Die Zutaten findet man bei jedem Supermarkt, wobei der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder dem Metzger deines Vertrauens, sicherlich besser ist. Und was mich sehr gefreut hat, die Rezepte schränken dich nicht in deiner Kreativität ein. Sie unterstützen dich noch, in Deinem Erfindungsreichtum, indem die Autoren schreiben, “Probieren sie doch einmal…” mit einigen Alternativen. Wirklich mal was anderes.

Ich habe einige Rezepte ausprobiert. Und habe mir Brühe auf Vorrat gekocht. Damit ich die leckeren Gerichte, Eines nach dem Anderen nachempfinden konnte. Ich habe die Alternativen getestet und finde es wirklich gut. Nicht nur Fleischesser kommen auf ihre Kosten. Auch die Vegetarier und Pescetarier sind hier gut bedient.

Nachdem man sämtliche Rezepte um die Herstellung gekocht hat, findet man in den nächsten Kapiteln, Suppen, Eintöpfe, Reis- und Getreidegerichte, Schmorgerichte und Saucen. Alle sehr ansehnlich fotografiert und wie gesagt, jedes mit “Probieren sie auch einmal…” Ich habe noch nicht alles ausprobiert, bin aber dabei, jeden Tag ein Verwöhngericht auf den Tisch zu bringen

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Tags: brühe, essen, gesund, lecker   (4)
 

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110 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

hannover 96, hooligans, familie, hooligan, freundschaft

Hool

Philipp Winkler
Fester Einband: 310 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783351036454
Genre: Romane

Rezension:

Heiko Kolbe hat zwei Familien. Eine, in die er hineingeboren ist und Eine, die er sich ausgesucht hat. Wo er sich wohl fühlt und glaubt er gehöre dorthin, ist eine Gruppe von Männer, die sich nur um Fußball kümmert. Genauer gesagt, um Hannover 96. Sie treffen sich nach den Spielen auf einer Wiese und hauen sich gegenseitig auf’s Maul. Heiko hofft schon seit längerer Zeit, Anführer dieser Gruppe zu werden, aber sein Onkel Axel, der den Haufen in der Hand hat, gibt das Zepter nicht ab.
Heikos echte Familie steckt in verschiedenen Miseren. Der Vater Alkoholiker (Heiko kann ihm längst das Wasser reichen!), wird von Heikos Schwester zum Entzug in eine Rehaklinik gesteckt. Die Stiefmutter, Heikos richtige Mutter ist verschwunden, stammt aus Thailand und ist nicht in der Familie willkommen. Manuela, die Schwester, ist unglücklich, weil sie andere funktionierende Familien um sich hat und weiß, dass ihre so nie sein wird.

Das Gefühlsleben des jungen Mannes kommt hervorragend rüber und die brutalen Szenen sind erstklassig beschrieben. Man hat das Gefühl, mittendrin zu stehen. (nicht, dass das mein Wunsch wäre!) Der Text ist einfach und schnell zu lesen. Die Story hat Hand und Fuß. Mich hat eher diese plumpe Clique verschreckt. Die nur auf Schläge aus ist. Die aber ebenfalls voller Komplexe steckt, sich dem echten Leben nicht stellt und dumpf vor sich hin stapft. Verrückte Typen sind dabei vertreten, wie Armin, der Tiere sammelt, wie Tiger und Bartgeier.

Auf den ersten Seiten des Buches konnte ich nicht sagen, ob mich das Buch in seinen Bann gezogen hätte. Fußball ist für mich ein Sport, der mich meistens nur zu den Weltmeisterschaften interessiert. Dass es Hooligans gibt, weiß ich. Was die allerdings antreibt, ist mir ein Rätsel. Was auch durch diesen Roman nicht besser geworden ist. Etwa ab der Mitte des Buches, war ich allerdings tatsächlich gefangen und las mich an einem Nachmittag durch den gesamten Roman. Die Schreibweise von Phillip Winkler erinnerte mich ein bisschen an Sven Regeners “Herrn Lehmann”. Der Roman mutet ab und an auch witzig an, lässt mich aber auch nachdenklich zurück. Welche Wut den jungen Mann antreibt, solche brutalen Ausbrüche zu veranstalten?

Mein Fazit: wenn man sich mit der Schnoddersprache der Hauptdarsteller angefreundet hat und sich über die ersten Seiten hinein gelesen hat, ein sehr unterhaltsamer Roman.

Philipp Winkler hat selber aus seinem Buch vorgelesen. Er wählte hierfür nicht die rauen, brutalen Scenen, sondern eine Nachdenkliche. Eine Stelle, die für Heiko steht. Phillip Winkler wirkt so, als wüsste er wovon er schreibt. Als wäre ihm, die Holliganscene nicht unbekannt.

"Philipp Winkler, 1986 geboren, aufgewachsen in Hagenburg bei Hannover. Studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Lebt in Leipzig. Auslandsaufenthalte im Kosovo, in Albanien, Serbien und Japan. Neben Veröffentlichungen in Literaturmagazinen und -anthologien, erhielt er 2008 den Joseph-Heinrich-Colbin-Preis und 2015 für Auszüge aus Hool den Retzhof-Preis für junge Literatur des Literaturhauses Graz. „HOOL“ ist sein Debütroman." (Autorenprofil vom Aufbau Verlag)

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Tags: fußball, hannover 96, hooligans   (3)
 

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20 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

england, wölfe, beidenwölfen, neuerscheinung, liebeslebe

Bei den Wölfen

Sarah Hall , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaus, 26.09.2016
ISBN 9783813506792
Genre: Romane

Rezension:

Rachel ist eine starke Frau, die weiß was sie will. Sie ist aber auch einsam und wenn es ihr allzu trist wird und sie sich nach ein wenig “Liebe” sehnt, nimmt sie sich einen Kerl und holt sich, was sie braucht. Sie erforscht Wölfe und lebt in Amerika. Aber ihre wirkliche Heimat ist der Norden Englands, kurz vor der Schottischen Grenze. Dort ist sie geboren, als Tochter einer ebenso freien Frau, die ihrer Tochter das Starke mit auf den Weg gegeben hat. Aber Rachel ist auch einsam. Sie hat sich in ihrer Welt in Amerika gegen ihre Familie abgeschottet und lebt ihr eigenes Leben.
Als Wolfsforscherin hat sie sich einen Namen gemacht. Und so will sie ein reicher Engländer für sein Projekt, Wölfe wieder in den englischen Bergen anzusiedeln, für sich gewinnen und lädt Rachel zu sich, auf die Grafschaft ein. Rachel weiß was sie will, und das ist nicht, nach England zurückkehren. Und so wenig Kontakt mit ihrer Familie wie nur möglich. Aber das Angebot ist doch zu verlockend und so springt sie über ihren Schatten und siedelt nach England um.

“Anders, als er es normalerweise tun würde, geht er nicht auf das Geplänkel ein, sondern fixiert sie mit einem Blick, geduldig, schutzlos. Und das überzeugt sie, dass unter dem Schweigen doch mehr ist, etwas sehr Reales. Das Unaussprechliche ist stets lauter als das deutlich Erklärte.”
Seite 80


Es ist mir nicht schwer gefallen, mich in diesem Buch wohl zu fühlen. Ich mag starke Frauen, die ihren Weg gehen, selbstbewusst sind und sich nicht verschrecken lassen, nur weil da so ein Macho auftaucht. Rachel ist eine solche Frau. Die Widrigkeiten, die sie zu so einer Stärke gebracht haben, werden so nach und nach offen gelegt.
Allerdings habe ich mir mehr Wölfe in dem Buch vorgestellt. Wölfe die auf vier Beinen daher kommen. Aber ich habe den Verdacht, es geht hier mehr um die zweibeinigen Wölfe. Denn auch unter den Menschen gibt es solche Exemplare. Sie sind sozialisiert, wissen sich zu benehmen, aber wehe, sie werden losgelassen. In diesem Buch geht es um Konflikte, um soziales Miteinander, um Wildnis und etwas Politik und Sex.

“Das Altwerden ist nicht zum Lachen. Das kann ich dir sagen. Ich hasse es. Das wird dir genauso gehen. Steigt aus dem Bus aus, wenn es soweit ist.”
Seite 54


Ich habe jede Seite genossen und war gerne mit Rachel in ihrem Leben unterwegs. Ein schönes Buch, um mal so richtig abzuschalten und in schönen Gedankenbildern zu schwelgen. Sarah Hall kann schreiben und nimmt auch ihre Leser mit. Sie ist 1974 in Cumbria kurz vor der Schottischen Grenze geboren. Sie kennt also das Land und seine Menschen sehr gut, von denen sie schreibt.

Mir gefallen die originalen Cover allerdings besser.
Übersetzt von Nikolaus Stingl 

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Tags: england, starke frauen, wölfe   (3)
 

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66 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

demenz, pflegeheim, alter, altersheim, schweiz

Hier können Sie im Kreis gehen

Frédéric Zwicker
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Nagel & Kimche, 22.08.2016
ISBN 9783312009992
Genre: Romane

Rezension:

Demenz, ist ein schwieriges Thema. Keiner will sie haben, hat einigermaßen Respekt vor dem Vergessen und sie wird oft totgeschwiegen. Dabei ist es für den alten Menschen fast eine Erlösung, sich in den “Unverstand” zurückziehen zu können. Zumindest für den Schweizer Herr Kehr, der sich vor seiner Familie in ein Pflegeheim für Demenzkranke flüchtet. Er will sich nicht von seiner Familie pflegen lassen, so baut er vor und täuscht eine Demenz vor. Seine 91 Lebensjahre waren so spannend genug, dass er eine Menge zu erzählen hat. Aber er redet nicht mehr, das gehört zu seinem Theater, das er allen vorspielt. Herr Kehr beobachtet verständnisvoll seine Mitinsassen, genießt sogar die “Verrücktheiten” der Mitbewohner und lernt noch von ihnen. Den einzigen Ohren, denen Herr Kehr noch etwas mitzuteilen hat, sind die der Katze, die sich ab und zu, zu dem alten Herren in das Einzelzimmer verläuft. Und dann ist da noch die Enkelin Sophie, die der alte Mann zwar sehr liebt, die ihn auch oft besucht, aber auch darunter leidet, dass der Großvater so anders ist. Dann muss sich der Schweizer Herr Kehr sehr zusammen nehmen, damit seine Tarnung nicht auffliegt.

“Das Frühstück ist die Zeit zwischen dem Nichts und dem Nichts. Auf dieses Zweite Nichts folgt das Mittagessen, gefolgt von dem nichts bis zum Abendessen. Und danach das mächtigste Nichts, das bis zum Frühstück dauert” Seite 19

Frédéric Zwicker hat als Zivi in einem Altenheim in der Schweiz gearbeitet. Eine Nebenfigur, die in dem Buch vorkommt, könnte seine Rolle sein. Er hatte Einblicke in das verwirrende Leben der “Übriggeliebenen”. Ohne Schnörkel beschreibt er das Leben zwischen den Bewohnern, Angehörigen und dem Pflegepersonal. Gemein sind sie untereinander, die Alten und verständnislos, nehmen sich gegenseitig das Beste weg und beschimpfen sich. Die Angehörigen sind hilflos und überfordert. Das Personal gelassen und ausgleichend, bzw.manchmal auch ignorierend.

“Verschlissenes Menschenmaterial, das seiner Entsorgung harrt. Und dann sind da noch die Pflegerinnen auf Nachtschicht, die mit müden Blicken über die Müllhalde wachen.” Seite 55

Ich fand, dieses Buch bietet einen tollen Einblick in das Pflegeheim und in das Leben des Herrn Kehr. Die Mitspieler waren gut gezeichnet. Der Text knapp gehalten und die Kapitel so kurz, wie die Episoden aus dem Leben der Alten. Ständig wechselt die Erzählperspektive, was anfangs schon etwas verwirrend sein kann. Manch einem könnten auch die Beschreibungen des Herrn Kehr auf den Magen schlagen. Aber so und nicht anders, sieht es in solchen Heimen aus, verhalten sich die Bewohner und spielt das Leben. Ich musste oftmals schmunzeln und manchmal haben mich die Gedanken des alten Herren traurig und nachdenklich gemacht. Zum Verständnis für die Dementen mag dieses Buch bestimmt einen Teil beitragen. Mir hat der Schreibstil des Autors sehr gefallen und ich kann dieses Buch nur empfehlen.

“Früher konnte man noch rechtzeitig sterben. Irgendwann hat man das verlernt. Man hatte keine Zeit mehr für den Tod, weil man noch Direktor, Millionärin oder vierfacher Ehemann werden wollte. Man hat angefangen, sich selbst so wichtig zu nehmen, das man vergessen hat, nur das zu bedeuten, was man jenen bedeutet, die einem was bedeuten…” Seite 90

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Tags: alter, altersheim, demenz   (3)
 

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

erinnerungsbuch, mutter-tochter-beziehung, trauerbewältigung, krankheit, roman

Für alle Tage, die noch kommen

Teresa Driscoll
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 02.09.2015
ISBN 9783426435601
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags: liebe   (1)
 

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62 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

heilerin, teufel, hexe, mittelalter, könig

Die Schattenschrift

Dana Carpenter , Beate Brammertz
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453317277
Genre: Fantasy

Rezension:

Dana Carpenter entführt uns in das 13. Jahrhundert. Maus, so heißt ihre Hauptfigur, ist ein Mädchen, dass in einem Kloster in Böhmen aufwächst und ihren wahren Namen nicht kennt. Maus weiß auch nicht wer ihre Eltern sind, sie ist mit einem Intellekt und einer  Auffassungsgabe gesegnet, dass die Menschen um sie herum dazu verleitet, sie als Hexe zu bezeichnen. Die Nonnen bilden Maus aufgrund ihrer besonderen Begabung,  zu einer Heilerin aus. Erst als die 14- Jährige den König rettet, der durch einen Pfeil in der Brust lebensgefährlich verletzt wurde, bekommt sie Anerkennung. Sie zieht mit dem König Richtung Prag, darf an dem Königshof als das Mündel des Königs leben. Aber den Makel als Hexe verliert sie die ganze Zeit über nicht. Keiner kennt ihre Abstammung, das macht sie für die Adligen unheimlich. Maus spürt eine Macht in sich, die sie sich selber nicht erklären kann.


Hier habe ich eigentlich einen Historischen Roman erwartet. Die ersten Seiten waren auch ganz nach meinem Geschmack, doch als  die Sequenzen mit Dämonen und Schattengeister auftauchten, war es mir eine Nummer zu viel. Manches mal blieb ich in der Geschichte stecken und fand, dass ich scheinbar eine Seite überblättert habe und den Anschluss verloren haben muss. Dana Carpenter schreibt trotzdem spannend, die Geschichte liest sich sehr schnell und unterhaltsam. Auch die Historischen Hintergründe scheinen mir an die Realität des 13 Jahrhunderts angepasst. Doch ab der Mitte des Buches hatte ich das Gefühl, dass die Autorin noch schnell, das restliche Leben ihrer Hauptfigur erzählen muss.


Ehrlich gesagt, kann ich nicht sagen, ob mir dieser Roman gefallen hat. Erfreulich fand ich die Geschwindigkeit, mit der ich diese Fantasterei verschlungen habe. Denn das war unbestreitbar, ein schnelles Buch. Es hat mich gestört, dass die Geister so präsent waren und dass ich öfter den Faden verloren habe  Erwartet hatte ich etwas Anderes, als ich den Klappentext gelesen habe. So las ich ein unterhaltsames Fantasiebuch, mit einigen Abstrichen. Für absolute Fantasiefans, bestimmt ein spannendes Buch. Für jemanden wie mich, der einen Mittelalterroman erwartet hat, der wird unterhalten aber nicht überzeugt.



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Tags: heilerin, hexe, mittelalter   (3)
 

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Montana

Smith Henderson , Walter Ahlers , Sabine Roth
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 25.04.2016
ISBN 9783630874401
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

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131 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 81 Rezensionen

adenauer, schwarzwald, israel, bühlerhöhe, nachkriegszeit

Bühlerhöhe

Brigitte Glaser
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351260
Genre: Romane

Rezension:

1952, Konrad Adenauer besucht mit seiner Tochter, die Bühlerhöhe im Schwarzwald. Er ist gefährdet, denn einigen Leuten gefällt der Gedanke nicht, dass er für das “Wiedergutmachungsgesetz” ist. Einem Gesetz, das den geschundenen Juden nach dem Krieg Geld zu spricht. Nicht nur den Deutschen widerspricht dieser Gedanke. Auch Gruppen aus anderen Ländern, ist der Kanzler ein Dorn im Auge. So schickt der Mossad eine junge Frau aus Israel ebenfalls in den Schwarzwald, um den Kanzler zu schützen. Denn sie hoffen auf das Geld, das dem jungen Jüdischen Staat Unterstützung verspricht. Rosa, war schon als Kind, auf der Bühlerhöhe. Sie kennt sich in dem Schwarzwald aus. Eigentlich ist sie keine Agentin, aber sie kann mit einer Waffe umgehen und hat einen wachen Blick. Ihr kleiner Sohn, bleibt im Kibbuz, bei den anderen Kindern. Rosa soll nicht alleine für den Schutz des Kanzlers nach Deutschland reisen, ein “Ehemann” soll sie in Baden-Baden treffen, doch dieser taucht erstmal nicht auf. Alleine fährt sie weiter auf die Bühlerhöhe und gerät in einigen Schlamassel.
Auf der Bühlerhöhe gibt es die Hausdame Sophie Reisacher, eine Person die von allen 150% verlangt. Sie ist eine sehr neugierige Person, die überall herumschnüffelt und auch nicht davor zurückschreckt, fremde Telefonate abzuhören und Briefe zu öffnen. Sie glaubt, jeden Menschen der in ihrem Hotel zur Tür hereinkommt, genau einschätzen zu können. Bei Rosa irrt sie allerdings und zeigt der Jüdin gegenüber auch einen Hauch von Hass und Widerwillen. Sophie hofft auf eine Erlösung aus dem Hotelgewerbe, denn eigentlich ist sie Straßburgerin und erwartet von ihrem Geliebten endlich geheiratet zu werden und in den Elsass zurückzukehren, den sie als Deutschenliebchen verlassen musste. Sie ist Witwe und ihr gefallener Mann war bei der SS, was ihr die Elsässer nicht verzeihen wollten.

“Durch den Regen dampfte der Wald vor Feuchtigkeit und roch intensiv nach Holz und Moos. Über dem Wasserlauf schwebten Nebelschwaden, so leicht und luftig, dass ein Windhauch sie vertreiben konnte. Für ein paar Minuten zeigte sich die Abendsonne und ließ Wassertropfen auf Tannenspitzen und Farnen wie Edelsteine glitzern. Rosa schien es, als ob der Wald sie mit seiner Schönheit nach diesem aufwühlenden Tag trösten wollte…” Seite 130

Ich war schnell begeistert von diesem Buch. In einer unglaublich schönen Sprache schreibt die Autorin ihren Roman. Man kann förmlich den Duft der Schwarzwaldtannen riechen und ist mit den Akteuren in den Wäldern unterwegs. Brigitte Glaser hat eine Art, den Leser in ihren Bann zu ziehen, die mir sehr gefällt. Innerhalb kürzester Zeit war ich in diesem Buch gefangen und musste einfach jede Minute lesen. Die Hauptfiguren träumen in vergangene Zeiten weg und nehmen den Leser mit. Zeigen die Abgründe, ihrer Gedanken und die Höhenflüge ihrer Wünsche. Ganz nebenbei, ist man Zeuge eines Mordes und einer Verschwörung. Kichernde Zimmermädchen und undurchsichtige ältere Herren, machen dieses Buch für jeden spannend. Nie ist man sicher, ob die zusammengesetzten Teilchen wirklich zusammengehören. Denn wenn man denkt der Lösung nahe zu sein, wird wieder neu gemischt. Aber so nach und nach versteht man die Hauptfiguren und weiß warum sie so handeln, wie sie handeln. Am Ende war ich mir nicht schlüssig, ob ich nun einen Roman oder einen Krimi gelesen habe. Die 445 Seiten waren viel zu schnell ausgelesen. Alles fand das richtige Ende. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, zu lesen. Aber bitte nur, wenn du die nächsten zwei Tage nichts vor hast, denn alles andere wird liegen bleiben.

Brigitte Glaser hat noch mehr Bücher geschrieben. Dieses hier gehört zu den Kopfkinobüchern. Wie die anderen Krimis sind, die sie geschrieben hat, kann ich nicht beurteilen, werde ich aber prüfen, denn der Schreibstil dieser Autorin ist dermaßen mitreißend, das ich mir das Kino schenken kann.

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Tags: konrad adenauer, schwarzwald   (2)
 

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262 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

sekte, 1969, mord, kalifornien, roman

The Girls

Emma Cline , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 25.07.2016
ISBN 9783446252684
Genre: Romane

Rezension:

Evir Boyd ist 1969 Vierzehn Jahre alt und wird von ihren Eltern eher vernachlässigt. Nicht, dass es dem Mädchen schlecht geht. Aber aber ihre Eltern sind mit sich selber so sehr beschäftigt, dass sie gar nicht darüber nachdenken, was ihre Tochter den ganzen Tag über so anstellt oder wo sie die Nacht verbringt. Auch in der Schule wird Evie übersehen, ebenso die beste Freundin, so unscheinbar sind die Mädchen. Als Evie eines Tages, während der Ferien, im Park zwischen den Familien sitzt, sieht sie dort drei völlig verrückte junge Frauen, die sie magisch anziehen. Ungekämmt, etwas frivol und aufmüpfig, machen die Drei sich über die Parkbesucher lustig. Evie ist fasziniert, besonders von der einen jungen Frau. So möchte sie auch sein, gesehen und wahrgenommen werden.

In diesem Alter fühlte sich Traurigkeit so wie eine angenehme Gefangenschaft an: Man schmollte und bäumte sich gegen die Fesseln von Eltern, Schule und Alter auf, die Dinge, die einen an dem sicheren Glück hinderten, das einen erwartete. (Seite 141)

Der Sommer ist heiß und langweilig. Evie wird das interessante Mädchen, Suzanne, wiedertreffen, sich von der jungen Frau mitnehmen lassen, auf eine Ranch. Dort leben die Bewohner in trautem Beisammen sein, voller Liebe, ohne Regeln und mit einer Menge Drogen. Evie möchte hier nicht mehr weg, denn hier wird sie in der Mitte aufgenommen, hier wird sie von Allen geliebt. Blind, wie die Jugendlichen manchmal sind, stolpert sie in eine gefährliche Geschichte.

Ich würde in ihrer Erinnerung verblassen - die Frau mittleren Alters in einem vergessenen Haus -, bloß eine geistige Fußnote, die in dem Maße schrumpft, wie ihr eigentliches Leben sich geltend macht. Mir war bis dahin nicht klar gewesen, wie einsam ich war. Oder etwas weniger Drängendes als Einsamkeit: Vielleicht das Fehlen eines auf mich gerichteten Blicks. (Seite 134)

Die Story ist an die wahre Begebenheit Charles Manson angelehnt. Vieles ist „kopiert“, aber aus der Sicht der erwachsenen Evie erzählt. Sie fühlt sich schuldig und ist immer noch auf der Suche nach Anerkennung.
Wie uns Emma Cline in das Jahr 1969 bugsiert, ist schon gut durchdacht. Ich hatte allerdings öfter das Problem, mich nicht in den Zeiten zurecht zu finden oder in den wirren Gedanken einer 14 Jährigen. Allerdings war dieser Roman eine einzige Sucht, die 352 Seiten sehr schnell gelesen. Kopfschüttelnd, habe ich die Verlorenheit und den Drogenkonsum Evie’s aufgenommen. Selbst die Hitze, die im Sommer 69 in Kalifornien herrschte, waberte aus den Seiten und lähmte das Denken, schien die Sinne zu benebeln.
Wer sich nicht mehr an Charles Manson erinnern kann, >HIER< findest du mehr über die Sekte. Auch bei Cline, ist es brutal. Allerdings läßt sie uns die Geschichte oft selber weiterspinnen, gibt uns nur den Einstieg, der Rest geschieht von alleine: Kopfkino! Sehr gelungen.
Ich brauchte nach diesem Roman erst einmal einige Verschnaufer, um die Lebensgeschichte zu verdauen. Ich kann es nur empfehlen.

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Tags: 70er, amerika, kalifornien   (3)
 

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 31 Rezensionen

berlin, musik, klarstein, band, mord

Der kalte Saphir

Michael Düblin
Fester Einband: 340 Seiten
Erschienen bei Verlag Johannes Petri, 02.06.2016
ISBN 9783037840986
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hin und her gerissen, war ich von diesem Buch. Habe ich nun einen Krimi gelesen oder einen Roman? Soll ich diese Geschichte ernst nehmen, ist sie wirklich passiert oder ist reine Fiktion? Die Straße in Berlin existiert wirklich und die Schauplätze, nahe dieser Straße sind absolut real. Beim googeln, nach der Rockband aus den 1980 Jahren, bin ich auf eine Seite gestoßen, die mir sogar Musikdownloads angeboten hat. Und in dem Buch fand ich die passenden Codes dazu. Ich blieb weiterhin verwirrt, denn ansonsten fand ich nichts über die “Kommune des Schreckens” oder die Band Klarstein…

Aber erst einmal will ich dir etwas über das Buch erzählen:
Die forsche und neugierige Jule Sommer, eine Musikjournalistin, die bei der Zeitung “Schall” arbeitet, fährt nach Griechenland, um den ehemaligen Tontechniker der Band Klarstein, zu interviewen. Nachdem der Sänger der Band, in Berlin, in der Villa in der Kopischstraße erschossen wurde, hat sich Sebastian Winter (der Tontechniker) auf eine der griechischen Inseln zurückgezogen und noch nie über den Mordfall mit jemanden geredet. Jule schafft es dem ehemaligen Bandmitglied, die wahre Geschichte ab zuluchsen. Denn Sebastian war damals dabei. Aber was verschweigt er? Und unter welchen Bedingungen kommt Jule an die Story.

Der Roman liest sich außerordentlich leicht. Auf jeder Seite findet man etwas mehr über die Band und ihre Mitglieder heraus. Jule ist eine sympathische Person und man hofft, dass ihr bei dem psychopathisch wirkenden Sebastian, nichts passiert. Auch die anderen Bandmitglieder sind toll beschrieben. Obwohl viel über Musik gesprochen wird, ist es nicht langweilig für Nichtmusiker. Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt. Gleich zu Anfang des Kapitels, findet man den Text zu dem Song aus der Zeit, die das Kapitel beinhaltet. Zudem bekommt man einen Downloadcode für die drei großen Hits der Musikgruppe. Natürlich habe ich sie mir heruntergeladen und kann nur sagen, nicht schlecht. Passt in die Zeit. Ich fand das Buch wirklich spannend geschrieben. Und wie gesagt, ich kann mich immer noch nicht entscheiden Roman oder Krimi. Michael Düblin hat mich auf jeden Fall mit seinem Schreibstil überzeugt. Er findet wunderbare Worte, die überzeugen. Ein sehr unterhaltsames Buch, das sich ziemlich schnell lesen lässt. Interessante Einblicke in das Musikbusiness lockern die Erzählung von dem Tontechniker auf. Aber auch Jule kommt in dem Roman zu Wort und man spürt mit ihr eine leichte Angst und eine kleine Überlegenheit. 

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Tags: berlin, kreuzberg, mord, musik   (4)
 

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82 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 57 Rezensionen

provence, krimi, roger blanc, frankreich, capitaine roger blanc

Brennender Midi

Cay Rademacher
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 07.06.2016
ISBN 9783832198190
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Über einem Olivenhain, mitten in der Provence, stürzt eine Propellermaschine der nahegelegenen Militärbasis ab. Capitaine Roger Blanc wird mit seinen Kollegen zum Unfallort gerufen und stellt fest, dass es wohl nicht nur ein Unfall war. Der Polizist wird mit seltsamen Begebenheiten konfrontiert, wie zum Beispiel einer Hexe und dass die Kollegen des abgestürzten Piloten, nicht um diesen trauern. Blanc hat so schon den Kopf voll, wenn es um seine Scheidung geht. Auch muss er mal endlich sein neues Domizil auf Vordermann bringen. Er ist noch nicht lange von Paris in die Provence versetzt worden. Aber diesen Fall, lässt ihn auch nicht kalt.

Capitaine Roger Blanc, ist die Hauptfigur in diesem Krimi aus Frankreich. Warum er aus der Hauptstadt auf das Land versetzt wurde, wird in diesem Buch nicht klar, aber irgendetwas muss vorgefallen sein. Ob es etwas mit seiner Affäre zu tun hat? Dieses Buch ist der dritte Fall, den Cay Rademacher sich ausgedacht hat. Aktuelle Themen, wie der Absturz des Airbus in den französischen Alpen, oder die Bedrohung durch Terroristen im eigenen Land, werden hier mit eingewoben. Spannend versucht der Flic, die Geheimnisse aufzulösen und lernt dabei seltsame Gestalten kennen. Cay Rademacher zeichnet ein schönes Bild von der Provence, das dazu verleitet die Koffer zu packen und dort hin zu reisen. Doch zeigt er auch die Probleme, die wie überall in Europa, in den Städten und wohl auch auf dem Land, existieren. Junge Leute, die verblendet durch ihre Armut oder Langeweile, radikal werden. Sich Gruppen zuwenden, die nichts Gutes im Sinn haben.

Wenn du denkst, du müsstest erst die anderen Bände lesen, um mit der Geschichte des Kommissar klarzukommen, dann kann ich dich beruhigen. Es ist nicht nötig, die Story ist in sich schlüssig und die wenigen Andeutungen, die vorkommen weben sich in die Geschichte ein, so das kein Bedarf besteht. Allerdings werde ich bestimmt die beiden ersten Bände lesen. Denn Cay Rademacher schreibt angenehm leicht und unterhaltend, teilweise auch recht komisch. Die 300 Seiten sind schnell gelesen und reißen mit. 

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Tags: frankreich, provence   (2)
 

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

schweden, alter, katze

Ein Mann namens Ove

Fredrik Backman , Stefanie Werner , Heikko Deutschmann
Audio CD
Erschienen bei Argon, 23.07.2015
ISBN 9783839892770
Genre: Romane

Rezension:

Manchmal höre ich auch Bücher. Und dieses hier hat mich sehr amüsiert.
Ove ist ein 59 jähriger Mann, der in einem Vorort in Schweden wohnt. Er ist gradlinig, akkurat, nimmt kein Blatt vor den Mund und macht seine Meinung klar. Er kann es sich auch leisten. Er ist breitschultrig und groß, eben Imposant. Er lebt in einem kleinen Reihenhaus in einer Siedlung von Eigenheimbesitzern und dort muss es korrekt zugehen. Er unternimmt an jedem Morgen, wenn sein Kaffee durchläuft, einen Rundgang durch sein Viertel, um den korrekten Zustand der Garage, des “In dem Wohngebiet kein Autoverkehr”-Schild und des Müllplatzes zu kontrollieren. Aber seit einiger Zeit läuft etwas in dem Leben von Ove schief. Seine geliebte Frau, die das ganze Gegenteil von Ove war, ist vor kurzem gestorben und Ove durfte außerdem in den Ruhestand. Er fühlt sich zu nichts mehr nütze und möchte nur zu seiner Frau. Ove unternimmt einige Versuche, um sich das Leben zu nehmen. Aber immer kommt irgendetwas dazwischen. Sei es, die neuen Nachbarn, eine kleine Familie, wo die Frau hochschwanger und der Ehemann ein “Trottel” ist, mit ihren 2 Kindern. Einer neugierigen Dreijährigen und der verschlossenen Siebenjährigen. Oder die Katze, mit dem Stummelschwanz und dem zerroppten Fell, die ständig auf der Flucht ist vor dem Nachbarshund, der von Ove der “Winterstiefel” genannt wird. Ove hat sowieso für jeden Nachbarn einen Spitznamen und kennt sich sehr genau aus, was in den Häusern so vor sich geht. Nicht das er schnüffeln würde.

“Jeder Mensch muss wissen, für was er kämpft”...

Die Geschichte wird von Heikko Deutschmann gelesen. Einfach ganz wunderbar. Er liest mit den passenden Betonungen, genauso trocken, wie Ove es selber nicht besser gekonnt hätte. Das Hörbuch ist wunderbar unterhaltsam und so nach und nach lernt man Ove so richtig kennen. Warum er so geworden ist. Wie er zu so einer zauberhaften Frau kam. Wie er in diese Siedlung zog… Die Menschen um Ove nehmen ihn, wie er ist und schauen über seine manchmal recht depressive Art hinweg. Bringen ihn dazu, das Leben wieder etwas positiver anzunehmen. Ein komisches und auch nachdenkliches Buch. Manchmal auch mit einer Träne vermengt. Ich kann die fast 8 Stunden Hörvergnügen auf jeden Fall empfehlen.

“Zeitoptimisten…”

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Tags: alter, katze, schweden   (3)
 

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96 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

zeit, trauer, schweiz, mord, tod

Die Zeit, die Zeit

Martin Suter
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 23.10.2013
ISBN 9783257242614
Genre: Romane

Rezension:

Die Zeit existierst gar nicht. Sie ist ein, von den Menschen erfundenes Ding, dass die Veränderungen einfangen soll. Dem Leben einen Rhythmus geben soll. Ein Gerät, mit Zahnrädern und Federn, das dem Menschen vorrechnet, wie der Lauf der Veränderungen vor sich geht. So zumindest der Gedanke von Albert Knupp, einem schrulligen Alten,der Peter Taler gegenüber wohnt und 1991 seine Frau an den Krebs verloren hat. Knupp tut alles um die “Zeit”, oder besser die Veränderungen, rückgängig zu machen. Denn er hofft, so seine Frau wieder zurück zu bekommen. Peter Taler, jünger und selber seit einem Jahr Witwer, ist empfänglich für die verrückte Idee des Alten. Auch Peter ist über den jähen und gewaltsamen Tod seiner Frau längst nicht hinweg. Peter macht sich zudem den Vorwurf, nicht rechtzeitig da gewesen zu sein, um seine Frau retten zu können. Immer noch ist er auf der Suche nach dem Mörder.

Das war das erste Buch, das ich von Martin Suter gelesen habe und bin wirklich sehr angetan. Die Handlungsstränge sind klar und deutlich. Die Geschichte mit den vielen Figuren verständlich und man kann sich die Situation der beiden Hauptcharaktere sehr gut vorstellen. Die Verzweiflung, die beide Männer verspüren, welche sich an jede Möglichkeit klammern, um die Vergangenheit aufzuheben. Suter schaffte es den Roman für mich nie langweilig werden zu lassen. Die 297 Seiten sind recht schnell gelesen. Es ist bestimmt kein Meisterwerk, aber ein Buch, das sehr unterhaltsam ist. Wenn du glaubst, der Lösung nahe zu sein, dann dreht sich wieder alles. 

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Tags: einsamkeit, trauer, vergangenheit, zeit   (4)
 

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54 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

konzentrationslager, holocaust, biographie, ghetto, auschwitz

Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

Robert Scheer
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei MARTA PRESS, 11.03.2016
ISBN 9783944442402
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als mich vor einiger Zeit der Schriftsteller Robert Scheer anschrieb, ob ich sein Buch rezensieren möchte, habe ich gerne zugesagt. Er erzählte mir in seiner Email kurz um was es ging. Er hatte die Geschichte seiner Großmutter Elisabeth Scheer, geborene Meisels aufgeschrieben. Elisabeth, genannt »Pici« (die Kleine), wurde 1924 in Ungarn geboren und bekam den Wahnsinn des Nationalsozialismus am eigenen Leib zu spüren, denn sie war Jüdin. Nachdem Ungarn im März 1944 eine neue Regierung bekam, wurden den Juden in ihrer Heimat sämtliche Rechte entzogen. Pici wurde mit ihrer Familie deportiert und trat eine grauenvolle Odyssee durch verschiedene Ghettos und Konzentrationslager an. Robert Scheer, der inzwischen in Deutschland lebt, hatte seine Großmutter in Israel besucht und ihre Geschichte festgehalten. Ihrem eigenen Sohn konnte sie ihre Lebensgeschichte nicht erzählen, wie so viele Andere, die die Konzentrationslager überlebt haben. Erst ihren Enkelkindern können sie ihre Erlebnisse schildern.

“Jetzt, zurückdenkend, gab es in meinem Leben reichlich erschütternde Momente, aber irgendwie fand ich immer einen kleinen Schutz, einen Strohhalm, mit dem ich aus der Grube heraussteigen konnte, um weiter zu schreiten und um zu hoffen” Seite 43

Als das Buch dann einige Wochen später eintraf, war ich etwas enttäuscht von der Aufmachung. Der Titel war mir etwas zu lang. Die Bilder sagten mir nichts. Noch nichts. Die ersten Seiten lasen sich auch eher wie eine schlichte Familiengeschichte. Es wurden sehr viele Personen erwähnt und die Familienverhältnisse erklärt. Die meisten Namen verwirrten mich, da sie in ihrer ungarischen Schreibweise für mein Verständnis zu kompliziert waren. Aber daran gewöhnte ich mich bald. Irgendwann verstand ich auch, dass Robert Scheer den originalen Text, den seine Großmutter gesprochen hat, niedergeschrieben hatte. Zwischendurch gibt es Bilder der Familie und ich entwickelte einen Bezug zu Pici und ihren Angehörigen.

“Die Überlebenden bezahlen mit einer nie nachlassenden Tortur dafür, dass sie ihre am meisten Geliebten überlebt haben. Dieses Gefühl wird bleiben, solange ich lebe - oder solange, wie ich mit klarem Kopf denken und fühlen kann.” Seite 125

Ich habe schon lange keine Bücher mehr über den Holocaust gelesen. Vor langer Zeit, als ich in der Oberschule war (und das ist schon eine lange Weile her!), kauten wir dieses Thema Jahr für Jahr durch. Wir haben uns Plätze angesehen, die daran erinnern sollen, dass so etwas nie wieder geschiet. Aber dieses Buch hat mich in die Erinnerungen einer Frau mitgenommen, die genau an diesen Plätzen »gelebt« hat. Die das alles gesehen hat. Gequält und geschunden wurde. Das war etwas ganz anderes. Das fühlte sich an, wie daneben stehen und machtlos zuschauen. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Buch im Unterricht mehr bewegen würde. Am Ende des Buches findet man noch ein Nachwort der Verlegerin, indem sie die Angaben der alten Frau größtenteils bestätigt, was mir ebenfalls eine Gänsehaut bescherte.
Ich möchte mich bei dem Autor Robert Scheer noch einmal bedanken, dass ich dieses Buch lesen durfte. Es freut mich, dass seine Großmutter, trotz dieser Erlebnisse, ein so herzlicher Mensch geblieben ist.  

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Tags: familiengeschichte, ghettos, holocaust, konzentrationslager   (4)
 

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104 Bibliotheken, 3 Leser, 4 Gruppen, 10 Rezensionen

musik, rassismus, usa, physik, familie

Der Klang der Zeit

Richard Powers , Manfred Allié , Gabriele Kempf-Allié
Flexibler Einband: 768 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.10.2005
ISBN 9783596159710
Genre: Romane

Rezension:

Ich wollte dich nach New York entführen und dir ein Stück schöne Literatur vorstellen.
Mein Buchdealer hat mir “Der Klang der Zeit” empfohlen und so habe ich mich an die 768 Seiten gewagt.

Ich habe ein klangvolles Buch voller Musik gefunden. Einem Buch, randvoll mit bezaubernden Worten, melodiösen Sätzen. Ich habe Abhandlungen über die Zeit gelesen, die mich mehr verwirrt haben, als mir die Zeit zu erklären. Physikalische Belehrungen, die mich ermüdeten. Ich habe von New York gelesen. Von den Kämpfen zwischen Schwarz und Weiß, den Rassenunruhen in den Sechziger Jahren. Habe über die Geschichte zweier Jungen gelesen, deren Eltern nicht unterschiedlicher sein konnten. Die Mutter aus einer gebildeten schwarzen Familie und der Vater ein jüdischer Physiker, der aus dem Nazideutschland geflohen ist. Gegen allen Verstand heiraten die Beiden und bekommen drei sehr musikalische Kinder. Die Kinder Milchkaffeebraun / -weiß, mit so viel Musik in den Adern, dass der Ältere ein Stipendium an einer Musikschule bekam, wo seine Stimme Engelsgleich ausgebildet wurde. Obwohl es für schwarze Kinder ganz und gar nicht üblich war, eine solche Ausbildung zu bekommen. Geschweige denn, auf eine solche Schule zu gehen. Auch der Mittlere wurde auf diese Schule geschickt und erhielt eine Klavierausbildung. Stets im Schatten des Älteren, dazu verdammt immer nur der Diener, Schlichter und Kindermädchen für die Familie zu sein. Die viel jüngere Schwester, noch musikalischer als die Brüder, entschied sich, nach dem gewaltsamen Tod ihrer Mutter, für einen ganz anderen Weg. Einen Weg, der mit Musik nichts zu tun hatte, aber auch den Klang der Zeit verdeutlichte. Einen Weg durch die Unruhen ...
Die Kinder wachsen in einer Scheinwelt der so verschiedenen Eltern auf. Sie bekommen den Krieg zwischen den Hautfarben, der überall in Amerika brodelt, nur am Rande mit. Die Eltern unterrichten die Jungen zu Hause in New York, am Rande von Harlem, wo sich Schwarz und Weiß vorsichtig vermischen. Die Tochter wird später auf eine “normale” Schule gehen, nicht so weltfremd wie die Brüder. Die Kinder spielen lieber im Haus, als auf der Straße, wo die anderen Kinder schon darauf warten, die Mischlinge zu quälen. Als die Jungen in ein Internat umziehen, werden sie von fast allen Kindern akzeptiert, es sind wieder die weißen Eltern, die es zu verhindern wissen, dass engere Kontakte entstehen.
Die Story wird größtenteils von Joseph, dem mittleren der Kinder erzählt. Nur wenn es in die Vergangenheit geht, als der Junge noch nicht geboren war, übernimmt ein Erzähler das Wort.

Wo kommt bloß dieser Titel her? Ja, es handelt von Musik. Von den Schwierigkeiten der Schwarzen in einem Land, in das sie nicht freiwillig eingewandert sind. Es handelt von dem Niemandsland der Kinder von gemischten Partnerschaften. Aber der eigentliche Titel entstammt einem Abschnitt von Seite 191, wo der Vater seinen Jungen Noten aus einer Zeit zeigt, als es noch keine Notenschlüssel und Tonarten gab. Er erklärt ihnen das Geheimnis der Töne in der Zeit, als die Welt noch in einem anderen Rhythmus schlug. In einem Kloster an der Nordspitze von Manhatten, auf einem Hügel oberhalb des Hudson River. “The Cloisters” einer Zweigstelle des Metropolitan Museum of Art. (Einem Kloster, das aus verschiedenen Klöstern zusammengetragen wurde. Niemals in der Vergangenheit einen echten Sinn gehabt hatte.)

Ich habe dieses Buch wirklich gerne gelesen, nur manchmal war ich von den vielen Eindrücken, physikalischen und zeitlichen Ergüssen, den vielen Musikstücken und Komponisten und Sängern erschlagen. Ich war froh, auf den letzten Seiten des Buches eine Zeittafel der Geschichte und die für dieses Buch relevanten Momente zu finden. Einige Sänger und Komponisten habe ich mir im Internet zusammengesucht und auch da wieder einiges dazugelernt. Ich habe mir die Musik angehört, die auf den Seiten erwähnt wurde.

Die Grundgeschichte hat mich gefesselt, hat mir ein Lesevergnügen bereitet, das mich die trägen Momente in dem Buch meist vergessen ließ.

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Tags: amerika, new york   (2)
 

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181 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 79 Rezensionen

zauberer, zauberei, magie, juden, prag

Der Trick

Emanuel Bergmann
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 24.02.2016
ISBN 9783257069556
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe diese Woche ein Buch über einen alten Zauberer gelesen. Ein schöner Roman, der einen auf jeden Fall auf seinem Leseplätzchen fesselt und man versucht ist, es in einem Rutsch durchzulesen.

Die Geschichte beginnt in Prag. Laibl, ein Rabbi, muss sein Land im ersten Weltkrieg verteidigen und als er wieder fast unversehrt nach Hause kommt, verkündet ihm seine Frau, dass sie ein Kind bekommen. Ein Wunder ist geschehen. Obwohl Laibl vor vier Monaten doch noch keine Möglichkeit hatte Rifka, seiner Frau den Samen für dieses Wunder zu spenden. Da sie aber schon vor dem Krieg fleißig geübt haben, nimmt Laibl das Kind als ein Wunder an. Er versucht dem Jungen, der Mosche genannt wird, ein guter Vater zu sein. Mosche ist nicht unbedingt das perfekte Kind, das sich Laibl gewünscht hat. Aber schlau genug ist der Junge allemal. Als der richtige Augenblick gekommen ist, läuft der fünfzehnjährige Mosche weg und schließt sich einem Zauberzirkus an.

Gleichzeitig, liest man die Geschichte von Max in Los Angeles 2007. Max ist ein Zehnjähriger, der zeitweise ziemlich altklug daherkommt, der sich mit der Scheidung seiner Eltern auseinander setzen muss. Er gibt sich selber die Schuld an der Trennung der Eltern, denn er hat sich mit einem gefundenen Penny, das Verschwinden seines Vaters gewünscht. Was liegt da näher, als sich auf die Suche nach einem geeigneten Zauberer zu machen, der diesen Wunsch wieder rückgängig machen kann. Zufällig findet Max in den Sachen seines Vaters eine Langspielplatte von dem “Großen Zabbatini” einem Magier aus Europa. Nachdem er sich einen ausgiebigen Streit mit seiner Mutter geliefert hat, läuft Max weg und findet tatsächlich den Magier. Ob der ihm allerdings helfen kann, das möchte ich hier nicht erzählen.

Emanuel Bergmann verpackt eine schreckliche Geschichte in einem Mantel aus vielen lustigen Momenten, so dass man erst gar nicht merkt, wie dramatisch das Leben der beiden Hauptdarsteller eigentlich ist. Mosche hat es nicht leicht und wird zu einem knurrigen und egoistischen Menschen, der auch über Leichen gehen würde. Der sich durch eine schreckliche Zeit im Nationalismus schlägt und so tut, als ginge ihn das alles nichts an. Und am Ende eine Tat vollbringt, die man diesem selbstgerechten Menschen gar nicht zugetraut hätte. In der Moderne leidet Max so sehr unter der Trennung der Eltern, dass er zu unkonventionellen Mitteln greift, um seine heile Welt wieder herzustellen.
Auch die Nebenfiguren sind von Herrn Bergmann so wunderbar gezeichnet, dass es eine wahre Freude ist dieses Buch zu lesen. Da ist das Omchen, das ihre Geschichte nie zu Ende erzählen durfte. (Manchmal sollte man eben zuhören!) Julia, die Freundin von Mosche, die das Leben des Magiers prägte und einen hässlichen Abgang hatte, um aus dem Leben Mosches zu verschwinden. Die Eltern von Max, die sich in ihrer Scheidung verloren haben und veränderten. Und so viele Andere, die diesen Roman sehr lebendig machen. Der Autor hat mich amüsiert und zugleich nachdenklich gemacht. Was macht unser Zusammenleben aus? Mal wieder zuhören, sich und mein Gegenüber wahr nehmen und auch den Illusionen hingeben, die das Leben einem präsentiert.

“Der Trick” ist der erste Roman von Emanuel Bergmann. Ich hoffe sehr, dass das nicht sein letzter Roman gewesen ist. Wenn es seine Zeit als Lehrer und Übersetzer erlaubt, würde ich mir noch mehr solcher unterhaltsamen und tiefgründigen Romane von ihm wünschen.

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Tags: drittes reich, hoffnung, magie, scheidung, zauberer   (5)
 

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110 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

weingut, spanien, frauen, familie, mord

Die Frauen von La Principal

Lluís Llach , Petra Zickmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458176725
Genre: Romane

Rezension:

Eine starke und eigenständige Frau ist Maria geworden, nachdem ihr Vater und ihre Brüder sie auf dem Weingut in Katalonien sich selber überließen. Maria sollte das Gut verwalten, während die Brüder ihren Studien nachgingen und ein angenehmes Leben in Barcelona führen konnten. Sie hat das Weingut verwaltet, gegen die drohende Reblaus gekämpft, sich bei der Bevölkerung einen Namen gemacht und großes Ansehen erworben. 1893 war es nicht üblich, dass sich Frauen einen Mann aussuchten und ein eigenständiges Leben führten. Doch Maria stand mit beiden Beinen fest auf ihrem Land und setzte sich eigensinnig durch. Sie nahm sich einen Mann und bekam eine Tochter, der sie ihren Anspruch auf das Land übertrug.

Seite 45:”Ich weiß, es wird am Anfang schwer für dich sein. Ärgerlich vielleicht. Doch trotz deines jugendlichen Alters halte ich dich für die richtige Person, der Principal vorzustehen. Du bist willensstark und charakterfest, was ich von keinem deiner Brüder behaupten kann....”

Der Roman setzt sich aus drei Hauptfiguren zusammen, die verwirrender Weise alle Maria heißen. Drei Frauen der La Principal, die in ihrer Zeit für Aufruhe sorgten, weil sie sich nicht anpassten und sich nahmen, was sie wollten. Drei Generationen von starken Frauen, die einem Weingut in Katalonien ein Gesicht gaben. Nebenher wird noch ein Mordfall aufgeklärt, der am Anfang des spanischen Bürgerkrieges geschah. Eine Leiche in einem Sack wird vor der Eingangstür des Gutshauses abgelegt. Ein junger Inspektor ermittelt und erfährt Dinge, die ein besonderes Licht auf den Frauenhaushalt werfen.

Seite 216: “...ständig bin ich mit den Marias und den Epochen durcheinandergekommen und musste zurückblättern um mich zurechtzufinden…”

Ich mag Bücher über starke Frauen. Frauen, die die Welt in Aufruhr bringen, die sich nicht von den gegebenen Verhältnissen verschrecken lassen und sich durchsetzen. All das, fand ich in diesem Buch. Lluís Llach hat einen schönen Roman mit einem besonderen Blick für das Weibliche geschrieben. Mit einer Prise Humor versehen und mit kritischen Worten in Richtung Franco und Kirche, hatte die Geschichte eine besondere Note. Ich habe einen wunderbaren Eindruck von dem Weinanbaugebiet und den Menschen in Katalonien erhalten und mich ernsthaft gefragt, warum ich dort noch nie war. Durch den ermittelnden Inspektor, wurde die Geschichte der drei Marias erzählt. Ein Knotenpunkt bildete dabei die Figur der Amme Ursula, welche die drei Frauen der Principal begleitete. Allerdings fand ich den letzten Teil der Geschichte nicht besonders schön zu lesen. Der Mord wurde zwar aufgeklärt, aber die Handlung empfand ich als zu oberflächlich. Der Schwung des Romans hat sich auf den letzten Seiten verloren und vieles wurde wiederholt. Schade, denn sonst war das ein toller Roman der nichts offen ließ. 

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Tags: frauen, spanien, starke frauen   (3)
 

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

frankreich, familie, freundschaft, london, roman

This is not a love song

Jean-Philippe Blondel , Anne Braun
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 01.02.2016
ISBN 9783552062931
Genre: Romane

Rezension:

Vincent, in England ein erfolgreicher Geschäftsmann und Familienvater, wird von seiner Frau in seine Heimat nach Frankreich, zu seinen Eltern geschickt. In Frankreich fühlt er sich in die alten Muster seiner Kindheit zurückgedrängt. Er sieht seine ehemaligen Freunde wieder und beurteilt sie, obwohl er sie schon seit Jahren nicht gesehen hat. Er kritisiert das Leben, das seiner Eltern und das seines jüngeren Bruders. Und doch sind alle miteinander sprachlos, reden nicht über die Dinge, die gesagt werden sollten. Seine Schwägerin ist ihm schon immer etwas schwierig vorgekommen, doch wird sie die Einzige sein, die ihm endlich die Wahrheit sagt.

Jean-Philippe Blondel schreibt, wie sein Protagonist denkt. In kurzen, knappen Sätzen werden wir mit in die Vergangenheit genommen, bekommen einen Überblick woher Vincent stammt und was ihn dazu brachte nach England zu gehen. Blondel hat eine sehr unterhaltsame Art zu schreiben. Sarkastisch, nachdenklich, humorvoll, tragisch. Er lässt eigentlich nichts aus. Selbst die Liebe hat einen kleinen Platz in diesem Buch gefunden, obwohl es hier hauptsächlich um Freundschaft geht.

Was mich fasziniert hat, Blondel beschreibt nicht haarklein, sondern deutet nur an, was sofort zu Kopfkino führt und die fehlenden Worte damit aufgefüllt werden. Er beschreibt in knappen Sätzen ganze Gefühlswelten.
In einem Interview mit ihm habe ich gelesen, woher er die Ideen nimmt. Am liebsten sitzt er in Cafés und “belauscht” die Gespräche an den Nachbartischen. Am Ende sucht er ein Musikstück, das er während des Schreibens in Endlosschleife hört. Es wäre vielleicht auch für den Leser ein Versuch wert, wie sich das Buch mit diesem Song liest…”This is not a love song” 

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Tags: brüder, england, frankreich, freundschaft   (4)
 

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130 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

kurzgeschichten, liebe, erzählungen, tromsø, gegenwartsliteratur

Nichts als Gespenster

Judith Hermann
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.05.2004
ISBN 9783596157983
Genre: Romane

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77 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 3 Rezensionen

deutschland, berlin, kurzgeschichten, emanzipation, alltagsleben

Sommerhaus, später

Judith Hermann
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 01.11.2007
ISBN 9783596510238
Genre: Historische Romane

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313 Bibliotheken, 13 Leser, 3 Gruppen, 17 Rezensionen

suche, amsterdam, kindheit, john irving, tattoo

Bis ich dich finde

John Irving , Dirk van Gunsteren , Nikolaus Stingl
Flexibler Einband: 1.139 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 22.05.2007
ISBN 9783257236217
Genre: Romane

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