anna_ms Bibliothek

30 Bücher, 19 Rezensionen

Zu anna_ms Profil
Filtern nach
30 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Der Teufel von Straßburg

Heidrun Hurst
E-Buch Text: 372 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 28.02.2018
ISBN 9783961481446
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

familiengeschichte, werwolf

Der Fluch der Wölfe

Emanuel Müller
Flexibler Einband: 206 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 09.01.2018
ISBN 9781983535161
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Geschichten über Werwölfe und Vampire verbuche ich gerne als Jugendroman mit einer romantisch verklärten Sicht auf das Thema, weil diese sich immer wieder mal großer Beliebtheit erfreuen und auch im Kino groß raus kommen. Der klassische Dracula ist dabei eher seltener zu finden, wenn man nicht gerade ein Kenner des Genres ist. Da das nicht mein Fall ist, bin ich nur durch Zufall auf das Buch von Emanuel Müller gestoßen, im Stöberbereich von lovelybooks. Die Beschreibung des Autors zu seinem Buch hat mich neugierig gemacht und da es nicht schaden kann, auch mal über den Tellerrand zu gucken, habe ich mich darauf eingelassen.

Und was für ein Lesespaß das war!


Klappentext

Belgien, 1880. Der junge Pariser Anwalt Mathéo Leclerc reist in die Ardennen, um das Erbe seines überraschend verstorbenen Onkels Alain anzutreten: ein abgelegenes Gebirgsschloss. Als er vor Ort erfährt, dass Alain ermordet wurde, sich aber niemand darum kümmert, beginnt er, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Nach und nach kommt er mit Hilfe seiner neuen Freunde Pierre und Lene hinter die düstere Vergangenheit seines Onkels und hört Gerüchte über Geisterbeschwörungen und Werwölfe. 


Nachdem er sich aufgrund seiner Erkundungen nicht gerade in der Umgebung beliebt macht, kommt es zu einem weiteren Mord.


Meine Meinung zum Buch

Der Stil des Autors ist dem Genre des Schauerromans angepasst. So wird die Handlung recht schnell vorangetrieben und umfasst typische Elemente wie die Ankunft eines Fremden, ein geheimnisvolles Schloss voller mysteriöser Gegenstände, einen dunklen Keller, unerklärliche Ereignisse und ein paar wilde Tiere. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir zugesagt. Neben einem relativ vorhersehbaren Ablauf, der alles bietet, was man von dem Genre gemeinhin erwartet (fremder Erbe aus der Großstadt kommt in ein kleines Dorf und erbt ein geheimnisvolles Schloss, alle reden von schwarzer Magie, der Fremde verliebt sich in das Mädchen, sie bedienen sich der dunklen Künste und ziehen den Zorn der Dorfbewohner auf sich… auch der aufgebrachte Mob darf nicht fehelen...) gibt es auch schöne stilistische Kniffe, wie die Spiegelung des ersten und letzten Kapitels, bei denen es je um eine Bahnreise von Paris nach Belgien und wieder zurück geht.

Der Leser folgt Mathéo, dem jungen Erben aus Paris, ab seiner Ankunft in Belgien. Dieser steht den Dorfbewohnern und ihrem Lebensstil recht abschätzig gegenüber, freundet sich jedoch mit Pierre und Lene an. Gemeinsam nehmen sie die Ermittlungen auf. Lene und Mathéo kommen sich dabei näher und sie zieht zu ihm ins Schloss, das sie gemeinsam erkunden. Dabei stoßen sie auf einen angsteinflößenden, dunklen Keller, in dem sie scheinbar nicht allein sind.

Mir haben die immer wieder gut eingebauten Gruselelemente gefallen, die zum Beispiel bei einer Begegnung mit einem Wolfsrudel im Wald oder der Erkundung des Schlosskellers zum Einsatz kamen. Sie halten die Spannung hoch. Das Handeln der Hauptpersonen ist nicht immer ganz schlüssig, jedoch betrifft dies eher nebensächliche Handlungsstränge. Zum Beispiel ist Mathéo gelernter Jurist, lässt bei der Überschreibung des Schlosses durch den Notar jedoch seine beruflichen Kenntnisse vermissen und wirkt ihm gegenüber geradezu eingeschüchtert. Auch haben Mathéo und Lene für meinen Geschmack wenig Ehrfurcht vor der schwarzen Magie, auf die sie jedoch angewiesen sind, da Lene sich schwer verletzt. Nichtsdestotrotz ist die Erzählung schlüssig. Natürlich darf man bei diesem Genre keine rationalen Erklärungen für alles erwarten, sondern muss akzeptieren, dass Zauberei mit im Spiel ist. Deren Regeln und Wirkungskraft werden ausreichend erklärt, um sich zurecht zu finden.

Ich war positiv überrascht, wie spannend ein Schauerroman sein kann. Wenn am Ende auch ein paar Fragen offen bleiben (es handelt sich ja auch um die Vorgeschichte zu anderen
Büchern des Autors) und es ein Kapitel gibt, in dem es um ein Portal zu einer Parallelwelt geht, dessen Funktion für die Geschichte sich mir nicht vollends erschlossen hat, muss ich doch sagen, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe. 

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

11 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

19. jahrhundert, 2018, annis bell, band 3, die orlow-diamanten

Die Orlow-Diamanten

Annis Bell
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 28.03.2017
ISBN 9781611097344
Genre: Historische Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

36 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

norwegen, wikinger, historisch, historischer roman, byzanz

Herrscher des Nordens - Die letzte Schlacht

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2018
ISBN 9783426520048
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ulf Schiewes "Die letzte Schlacht", dritter und abschließender Teil der "Herrscher des Nordens"-Trilogie, bietet einen interessanten Erzählstil und überzeugt die Fans der Serie.

Inhalt:

Harald Sigurdsson ist als Söldner in Konstantinopel und erlebt dort den Volksaufstand gegen den Basileus, dessen Absetzung und die Thronbesteigung der rechtmäßigen Kaiserinnen. Trotz seiner Beziehungen zu Kaiserin Zoe muss Harald schließlich mit samt seiner Mannschaft und seines über Jahre gehorteten Schatzes aus der Stadt fliehen. Es zieht ihn heimwärts und so begibt er sich nach Norden, wo er in Kiew erst ein Heiratsversprechen einlöst und von dort dann weiter nach Sithun segelt und schließlich auch nach Norwegen, wo er nicht unbedingt willkommen ist, denn sein Neffe ist König und wenn Harald ehrlich zu sich ist, würde er gerne selber auf dem Thron sitzen…

Meine Meinung:

Ich habe das Buch hier bei lovelybooks gewonnen und mich sehr darüber gefreut, weil ich mich für Skandinavien, damals wie heute, interessiere. Leider hatte ich die Bände 1 und 2 nicht gelesen, weshalb ich einige Probleme mit dem Buch hatte. Es ist ganz klar für Fans der Serie geschrieben und bietet sich nicht unbedingt dazu an, einzeln gelesen zu werden. Viele Figuren und Orte bleiben recht blass, weil sie als schon bekannt vorausgesetzt werden oder um Wiederholungen zu vermeiden nicht näher beschrieben werden. Je mehr man liest, desto mehr neue Ereignisse und Personen treten in den Vordergrund, weshalb mir besonders das letzte Drittel des Buches gut gefallen hat. Auch die Schilderungen der Schlachten oder Szenen des Aufstands waren gelungen.

Das Buch basiert auf der überlieferten Biografie Haralds und lässt hier und da ein wenig Spielraum für künstlerische Freiheiten. Der Autor greift dieses Thema im Nachwort auf. Dazu gibt es einen Glossar über Ortsnamen, eine Karte und ein Verzeichnis der historischen und fiktiven Personen. Im Text werden damalige Ortsnamen und Fachbegriffe auf alt Norwegisch verwendet, was ich sehr schön fand, weil es eine gewisse Atmosphäre aufkommen ließ und teilweise die Verbundenheit der Männer zu ihrer Ausrüstung widerspiegelt, z.B. in Bezug auf die Schiffe. Auch hier kann man hinten im Buch nachschlagen, sollte man vergessen haben, was gemeint ist.

Da es sich um den dritten Band der Trilogie handelt, wurde viel zu Ende erzählt, liefen ältere Handlungsstränge zusammen und es gab viele Wiedersehen, deren Stellenwert man als Neuleser/ Quereinsteiger schwer einschätzen kann. Das irritiert zu Beginn, macht aber auch neugierig auf die zwei anderen Büchern. Da es aber auch neue Personen gibt, die man besser kennenlernt, wird das Buch von Seite zu Seite besser. Vielleicht hat mir deshalb gerade das Ende sehr gut gefallen. Nicht nur, als Harald noch einmal ins Feld zieht und schließlich in England stirbt, sondern auch sein Überfall auf Roskilde, das Thing nach Magnus Tod oder Haralds zweite Hochzeit.

Der Erzählstil ist interessant, doch gewöhnungsbedürftig, wie ich fand. Der Ich-Erzähler, Harald, ist sich des Lesers sehr bewusst und so springt er zwischen seinen Gedanken und nützlichen Infos für den Leser hin und her. Teilweise könnte es ein Tagebuch oder Reisebericht sein, in der ersten Person verfasst, aber klar an einen Leser adressiert. Viele Ereignisse werden nur erzählt und nicht gezeigt. Der Erzähler berichtet oft recht nüchtern, schildert was er sieht. Die Schilderungen von Konstantinopel lassen manchmal an einen Stadtplan denken, während die skandinavische Natur viel bildhafter beschrieben wird. Andererseits folgt der Leser auch Haralds Gedanken, weshalb der Text auch umgangssprachlich sein kann und Ellipsen enthält. Für einen Ich-Erzähler ist Harald allerdings sehr emotionslos, gar abgebrüht und beschreibt das Geschehen manchmal telegrammartig, seltener mit Witz oder gar etwas Poesie.

Ein paar Beispiele:

Vor dem Sturm auf den Palast:
"Die Männer wollen ihren Anführer sehen. Doch in Wirklichkeit bin ich voller Zweifel. Ich fühle mich wie ein Seiltänzer über dem Abgrund. Nichts an unserem Vorhaben ist gesichert." (S. 57)
"Und ob wir nach Eroberung des Tors den Mob unter Kontrolle halten können, auch das ist ungewiss"
. (S. 57)

Bei der Begutachtung neuer Schiffe:
"Seine schwielige Hand fährt mit solcher Zärtlichkeit über die Planken der Außenhaut, als würde er ein geliebtes Weib streicheln. Wie ich Ragnar kenne, hat er mehr Zärtlichkeit für ein schönes Schiff im Herzen als für jede Frau." (S. 259)

Harald befragt seine Söldnertruppe, ob sie ihren Eid brechen und den Basileus stürzen sollen:
„Ich bemerke, wie der eine oder andere sich unsicher zu seinen Freunden umsieht. Ich warte, will ihnen Zeit zum Nachdenken geben. Dabei versuche ich, in den vielen Gesichtern zu lesen, was in ihren Köpfen vorgeht. Unsere Truppe besteht, mit Ausnahme einiger Rus, vollständig aus Nordmännern. Es sind harte, kampferfahrene Krieger. Gut die Hälfte ist schon in Kiew bei mir gewesen, einige kommen ursprünglich aus Schweden, viele sind Norweger. Auch Dänen sind darunter, eine Handvoll Isländer wie Halldor und Thjodolf. Aber inzwischen dienen sie seit Jahren im Reich der Griechen. Sie haben sich eingelebt. Und darauf baue ich.“ (S. 82)

Abschließend möchte ich sagen, dass mich das Buch, welches sich irgendwo zwischen historischem Roman, Abenteuergeschichte und Biografie bewegt, immer wieder gut zu unterhalten wusste, obwohl mir Stellenweise etwas Vorwissen fehlte. Insbesondere die historische Fundiertheit hat mir gefallen, aber auch gerade die erfundenen Abschnitte sind Ulf Schiewe gut gelungen. Ich habe meine Bücherwunschliste um einige Bücher des Autors erweitert und freue mich schon auf die Bände 1 und 2.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

tote ziege, schneetreiben, spital, schweizer dorf, übergriffig

Flammender Schnee

Thomas Manderley
Flexibler Einband: 148 Seiten
Erschienen bei epubli, 24.10.2017
ISBN 9783745034219
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thomas Manderleys kleiner Roman „Flammender Schnee“ zieht mit seinem Cover den Blick des Stöberers an. Schwarz-rot-gelb ziehen sich Rauch und Feuer über einen großen Teil des Covers, aus denen eine Straße heraus führt, links und rechts davon liegt Schnee. Aus dem Feuer heraus fährt ein kleiner, alter VW-Bus. Einen Klappentext sucht man vergebens und wird so dazu angehalten, die ersten paar Seiten zu lesen, ein bisschen zu blättern und sich dann vielleicht für den Kauf zu entscheiden.

Der Ich-Erzähler Tobias, der mit Verbrennungen an den Beinen aus dem Koma erwacht, berichtet von seinem Krankenhausbett aus, wie er in ein abgelegenes Bergdorf gelangte und auf die dortigen Bewohner traf. Er erzählt, wie er sich in die Gastwirtin Anna verliebte und wieso es dort, in mitten des Schnees und der absoluten Abgeschiedenheit und Abgeschnittenheit von der Welt, zur Katastrophe kam. Wegen eben dieser Katastrophe bekommt der Patient immer wieder Besuch von einem Inspektor, der ihn für verdächtig hält…

Der Autor versucht eine unheimliche Atmosphäre zu erschaffen, doch gelingt ihm dies nicht ausreichend, so dass sich im besten Fall ein paar merkwürdige, vielleicht verdächtige Ereignisse aneinanderreihen, auf die sich der Leser keinen Reim machen kann. Anscheinend liefern sich die zwei Dörfer einen brutalen Kleinkrieg, den der Rheinländer Tobias manchmal mit der Rivalität zwischen Köln, seiner Heimatstadt, und Düsseldorf vergleicht – wenn nicht gar der Kalte Krieg als Vergleich herhalten muss! Wir befinden uns schließlich im Jahre 1960, wie der Autor betont. (Der Inspektor: „Wir haben zwar schon 1960, aber trotzdem hat keines der kleinen Dörfer hier einen Anschluss.“ S.14. Oder verschiedene Hinweise auf die Musik im Radio etc.)

Der Stil des Autors konnte mich leider nicht überzeugen, genauso wie einige Elemente der Geschichte. So folgt man dem Fluss der Zeit z.B. durch die Kommentare Tobias über das Krankenhausessen, und es wird keine Mahlzeit ausgelassen! Außerdem bleibt der Erzähler, der immerhin schwer verletzt ist, augenscheinlich etwas Schreckliches erlebt hat, dessen Freundin Anna im Koma liegt und der obendrein eines Verbrechens verdächtigt wird, äußerst gefühlskalt, geradezu emotionslos. Dadurch bleibt es auch unklar, wie er sich in Anna verliebte und ob es sich dabei um gegenseitige Liebe handelte. Auch die Gründe seines Suizidversuchs im Krankenhaus erschließen sich mir nicht. Ebenso überraschend wie unschlüssig ist das Ende des Buches, das ich hier aber nicht verraten möchte. Es sei nur gesagt, dass es im Buch zuvor einfach viel zu wenige Hinweise (vielleicht einen!) dazu gab. Auch Tobias Verhalten im Krankenhaus ließ mich verwundert zurück. Warum versucht er nicht, zu seiner Familie Kontakt aufzunehmen? Warum verlangt er keinen Anwalt, bzw. verwirft diese Optionen vorschnell? Erzähltechnisch wie stilistisch war es also leider nicht so meins. Teilweise habe ich mich gefragt, ob Tempus und Modus richtig verwendet wurden. Und dann gab es viele Fehler, wie es nun mal häufiger vorkommt, wenn es sich um ein um ein Projekt in Eigenregie handelt.

Für ein Debüt war es eine gute Story, an der der Autor aber noch ein wenig hätte arbeiten können. So wurde das Potential der Geschichte durch eine vielleicht zu schnelle und nicht ausreichend ausgefeilte Umsetzung verschenkt.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(27)

28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

thriller, silvia stolzenburg, bundeswehr, mord, darknet

Das dunkle Netz

Silvia Stolzenburg
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839222805
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

18 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

feminismus, dystopie, aufwühlend, einfaches bis mittelschweres englisch, aufrüttelnd

The Handmaid's Tale

Margaret Atwood
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Vintage, 29.06.2011
ISBN 9780099511663
Genre: Romane

Rezension:

The Handmaid’s Tale”, zu Deutsch “Der Report der Magd”, ist ein 1985 erschienener Roman, in dem es um die Republic of Gilead geht. Dabei handelt es sich um eine separatistische, patriarchalische Gesellschaft auf dem Gebiet der USA, die sich in einem Krieg befindet. Eine nukleare Katastrophe hat viele Menschen unfruchtbar gemacht. Um das Überleben der Menschheit in diesem Teil der Welt zu sichern, hat die Republic of Gilead verfügt, dass die Fortpflanzung zur Staatsräson wird. Gebärfähige Frauen werden zur Ressource erklärt. So lebt die Ich-Erzählerin in einem Kastensystem, in dem sie einem Mann der höchsten Gesellschaftsschicht zugeteilt wird, um Kinder zu zeugen. 

Wie alle Frauen wird sie streng überwacht. Als Handmaid (Magd) erledigt sie Einkäufe (immer mit einer festgelegten Partnerin, damit sie sich gegenseitig kontrollieren) und die monatliche Beischlafzeremonie. Dazwischen hat sie viel Zeit zum Überlegen in ihrem sterilen Zimmer, das einem Gefängnis gleicht. So erinnert sie sich: An das Leben, wie es einmal war. Sie war frei, durfte lesen, arbeiten, Geld verdienen, eine eigene Familie haben… Sie berichtet, wie sie ihren Job verlor, wie sie versuchte zu fliehen, wie sie von ihrem Freund und ihrer Tochter getrennt und in ein Umerziehungscamp gebracht wurde. Dort musste sie u.a. die neuen Regeln erlernen und Abbitte leisten, z.B. dass Frauen die Schuld an sexuellen Übergriffen trugen, da sie sich zu freizügig kleideten – weshalb die Handmaids nun eine rote Uniform tragen, die nur das Gesicht frei lässt und ihren sozialen Status verkündet. 

Die Erzählung zeichnet das Bild einer indoktrinierten, totalitaristischen, patriarchalischen Gesellschaft, aus der es für die Handmaids nur einen Ausweg gibt: den Tod. Doch auch er soll ihnen verwehrt bleiben.

Das Buch schneidet viele aktuelle Fragen an, insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Aber auch Religion, Überwachung oder staatlich organisierter Terror und Propaganda spielen eine Rolle. Neben den Parallelen zu aktuellen Debatten (#meeToo lässt grüßen) hat mir der leicht protokollartige Stil der Autorin sehr gut gefallen. Auch das Zurückhalten von Informationen, durch das aneinanderreihen unterschiedlicher Episoden, ist gelungen. Die Spannung nährt sich durch die Neugierde über die Entstehung dieser Gesellschaft, das Schicksal der Familie der Erzählerin, die Funktionsweise der neuen Kastengesellschaft und ob es ein Entkommen geben kann. 

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

24 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

dystopie, feminismus klassiker, #frauenlesen, gehirnwäsche, feminismus

The Handmaid's Tale (Vintage Classics)

Margaret Atwood
E-Buch Text: 370 Seiten
Erschienen bei Vintage Digital, 15.05.2012
ISBN 9781446485477
Genre: Sonstiges

Rezension:

The Handmaid’s Tale”, zu Deutsch “Der Report der Magd”, ist ein 1985 erschienener Roman, in dem es um die Republic of Gilead geht. Dabei handelt es sich um eine separatistische, patriarchalische Gesellschaft auf dem Gebiet der USA, die sich in einem Krieg befindet. Eine nukleare Katastrophe hat viele Menschen unfruchtbar gemacht. Um das Überleben der Menschheit in diesem Teil der Welt zu sichern, hat die Republic of Gilead verfügt, dass die Fortpflanzung zur Staatsräson wird. Gebärfähige Frauen werden zur Ressource erklärt. So lebt die Ich-Erzählerin in einem Kastensystem, in dem sie einem Mann der höchsten Gesellschaftsschicht zugeteilt wird, um Kinder zu zeugen. 

Wie alle Frauen wird sie streng überwacht. Als Handmaid (Magd) erledigt sie Einkäufe (immer mit einer festgelegten Partnerin, damit sie sich gegenseitig kontrollieren) und die monatliche Beischlafzeremonie. Dazwischen hat sie viel Zeit zum Überlegen in ihrem sterilen Zimmer, das einem Gefängnis gleicht. So erinnert sie sich: An das Leben, wie es einmal war. Sie war frei, durfte lesen, arbeiten, Geld verdienen, eine eigene Familie haben… Sie berichtet, wie sie ihren Job verlor, wie sie versuchte zu fliehen, wie sie von ihrem Freund und ihrer Tochter getrennt und in ein Umerziehungscamp gebracht wurde. Dort musste sie u.a. die neuen Regeln erlernen und Abbitte leisten, z.B. dass Frauen die Schuld an sexuellen Übergriffen trugen, da sie sich zu freizügig kleideten – weshalb die Handmaids nun eine rote Uniform tragen, die nur das Gesicht frei lässt und ihren sozialen Status verkündet. 

Die Erzählung zeichnet das Bild einer indoktrinierten, totalitaristischen, patriarchalischen Gesellschaft, aus der es für die Handmaids nur einen Ausweg gibt: den Tod. Doch auch er soll ihnen verwehrt bleiben.

Das Buch schneidet viele aktuelle Fragen an, insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Aber auch Religion, Überwachung oder staatlich organisierter Terror und Propaganda spielen eine Rolle. Neben den Parallelen zu aktuellen Debatten (#meeToo lässt grüßen) hat mir der leicht protokollartige Stil der Autorin sehr gut gefallen. Auch das Zurückhalten von Informationen, durch das aneinanderreihen unterschiedlicher Episoden, ist gelungen. Die Spannung nährt sich durch die Neugierde über die Entstehung dieser Gesellschaft, das Schicksal der Familie der Erzählerin, die Funktionsweise der neuen Kastengesellschaft und ob es ein Entkommen geben kann. 

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

47 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 34 Rezensionen

krimi, kopenhagen, geheimdienst, axel steen, dänemark

Aisha

Jesper Stein , Patrick Zöller
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 26.01.2018
ISBN 9783462050783
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jesper Steins vierter Axel Steen-Krimi hat mich begeistert. Ich hatte bisher noch kein Buch des Autors gelesen und werde demnächst wohl zu den Vorgängern aus der Reihe greifen.


Axel Steen, Ermittler bei der Kopenhagener Kriminalpolizei, hat eine schwere Zeit und sein altes Ich hinter sich gelassen. Nach einem Dasein als verdeckter Ermittler im Bandenmilieu, einer Schussverletzung sowie Alkohol- und Drogenexzessen ist er auf dem Weg der Besserung, was nicht nur seinen körperlichen Zustand betrifft, sondern auch den Umgang mit seinen Mitmenschen. Gut gefallen haben mir in diesem Zusammenhang Axels Kommentare zu seinem neuen Selbst, wie z.B.:

"Aber er hatte geschwiegen und sich bemüht, der angeblich gar nicht so neue Axel Steen zu sein, der die Dinge beiseiteschob und der Welt vorurteilsfrei gegenübertrat." (S.168)


Im Krimi „Aisha“ geht es um die Aufklärung der Morde an ehemaligen Mitarbeitern des dänischen Geheimdienstes PET. Axel muss sich dabei mit einem neuen Kollegen arrangieren, der ihm von eben jenem Geheimdienst zur Seite gestellt wird. Auch seine Freundin Henriette arbeitet dort. Der Schlüssel zum Ermittlungserfolg scheint in einem alten Fall der beiden zu liegen und so hat der Autor die Geschehnisse von damals, 2007, und die aktuellen Ermittlungen, die 2011 spielen, gekonnt miteinander verflochten. Im ersten Teil des Buches geht jedem Kapitel eine Jahreszahl voran, damit der Leser sich richtig orientieren kann. Doch durch das Geschehen ist eigentlich auch so schon klar, über welche Zeit und welchen Fall man liest.

Während der Erzählstrang über die aktuellen Ermittlungen die verschiedenen Ermittlungsansätze verfolgt und auch einiges über Axel Steens Privatleben offenbart, konzentriert sich die Erzählung über das Jahr 2007 auf die damaligen Anti-Terror-Ermittlungen und hält die Spannung besonders hoch. Es ist schnell klar, dass damals etwas schrecklich schief gegangen sein muss… 


Auch für Neuleser gelingt der Einstieg problemlos. Die Figuren sind sehr plastisch und der Stil des Autors überzeugt, v.a. durch die inneren Monologe von Axel Steen, die hier und da auch etwas ironisch sind. Außerdem führt uns Jesper Stein zielstrebig durch Kopenhagen und gibt Details über Stadtviertel und Hauptverkehrsadern Preis. Und auch die Meerjungfrau ist mit von der Partie. Die Beschreibungen der Umgebung spiegeln die Stimmung des Ermittlers wider oder tragen zum Aufbau einer meiner Meinung nach typischen skandinavischen Atmosphäre bei: 

"Ein koksgraues Grummeln aus kilometerhoch am Horizont aufgetürmten Wolken hatte den Regen abgelöst. Einmal mehr verschluckten ihn Ørestadts Steinkuben und Glasfassaden mit ihrem vollständigen Fehlen weicher Formen und alles Organischen." (S.125)

Ich fand es toll, wie die Namen der Stadtviertel und Straßen mich durch Kopenhagen geführt haben. Es hätte hier aber noch etwas mehr sein können, wie z.B. ob es bestimmte Geschäfte gibt oder noch mehr über die Leute, die dort leben, wie es aussieht etc. Bei mir sind zwar viele Namen hängengeblieben, aber eher weniger Wissen dazu. Gefallen hat mir auch, dass moralische Themen mit eingebaut wurden, wie Rassismus am Arbeitsplatz oder der Wert des Einzelnen gegenüber der nationalen Sicherheit.

Alles in allem ist „Aisha“ ein solider Krimi, der auf guter Ermittlungsarbeit aufbaut und in einem typischen Show-down endet, der noch einmal Spannung aufkommen lässt. Allerdings kann man relativ früh wissen, wer der Täter ist und auch ahnen, was er letzten Endes vor hat. Vieles hätte, wie sich herausstellt, auch leicht verhindert werden können, wenn alle ihre Arbeit gemacht, die Augen offen gehalten und einander gut zugehört hätten. Letzten Endes bleiben ein paar Fragen offen und der Roman schließt mit einem wunderbaren Cliff-Hanger, der neugierig auf die Fortsetzung der Reihe macht.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

65 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

magdeburg, kathedrale, bau, dom, 13. jahrhundert

Die Kathedrale des Lichts

Ruben Laurin
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176366
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der im 13. Jahrhundert spielende Roman „Die Kathedrale des Lichts“ von Ruben Laurin überzeugt durch die präzise Recherchearbeit des Autors und eine geballte Ladung an Action. Über viele Jahre hinweg begleiten wir die Erbauer des Magdeburger Doms und ihre Familien.

Die Erzählung ist in mehrere Bücher unterteilt und zu jedem Kapitel gibt es eine Angabe zu Ort und Datum, was auch mal größere Zeitsprünge erlaubt. Im ersten Teil lernen wir die Hauptprotagonisten kennen, deren Schicksale aufeinander zu driften um schließlich in Magdeburg anzukommen. Der junge Moritz entkommt als einziger seiner Familie einem Angriff der Sachsen auf sein Dorf. Auf sich allein gestellt, widerfährt ihm viel Unrecht und er verbringt mehrere Jahre als Sklave. Er ist der soziale Aufsteiger des Romans, der durch sein künstlerisches Talent, sein Trauma und seine Tollpatschigkeit das Herz des Lesers erobert. Sein beruflicher Werdegang und seine heimliche Liebe zur Tochter des Baumeisters sind der dreh und Angelpunkt des Romans, der abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Protagonisten erzählt wird.

Auf der Baustelle des Magdeburger Doms herrscht Rivalität zwischen den Steinmetzen. Sie konkurrieren nicht nur um die prestigeträchtigsten Aufträge, sondern auch um die Hand der schönen Helena, der Tochter des Baumeisters Bohnsack. Helena fühlt sich jedoch zum Ritter Ansgar hingezogen… In dieser Geschichte zwischen Steinstaub und Turnierplätzen wird vor dem Tod gerettet und gestorben, gestohlen und geliebt, so dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.

Der Roman, immerhin fast 600 Seiten stark, erschien als handliches Taschenbuch mit gestärktem Rücken. Die gesamte Aufmachung hat mir sehr gefallen. Das Buch liegt gut in der Hand, das Papier ist angenehm dünn und das Cover, das stark an Ken Folletts Kingsbridge-Romane erinnert, zeigt ein Portal des Doms im Sonnenlicht, passend zum Titel. Gut gefallen haben mir auch die Hilfestellungen für den Leser, wie z.B. ein Namensregister (das ich persönlich aber nicht brauchte), eine Zeittafel zu historischen Ereignissen, die aufgegriffen werden, und ein kleiner Glossar zum Thema Dombau und katholische Kirche.

Die Beschreibungen des Doms und der Arbeiten daran sind gekonnt mit der Handlung verflochten und oft sehr lebendig dargestellt, da sie durch direkte Rede präsentiert werden. Für meinen Geschmack hätte es hier auch noch etwas mehr sein können – die Geschichte ist also keineswegs von baulichen Details überfrachtet. Die ein oder andere Erklärung im Fließtext hätte ich mir trotz des Glossars gewünscht, weil man sonst öfter mal nachschlagen muss.

Die Handlung ist manchmal sehr gerafft, und auch einige Ereignisse, von denen ich gerne direkt gelesen hätte, werden nur knapp mündlich wiedergegeben, was ein bisschen schade ist, der Geschichte jedoch nicht weh tut. Eine kleine Episode jagt hier die andere und treibt auch den Leser vor sich her. Es gibt kleine Hinweise auf zukünftige Ereignisse, die die Spannung steigern sollen, doch da eigentlich ständig etwas Neues passiert und das aus unterschiedlichen Erzählsträngen (werben um Helena, Dombau, Wettstreit der Bildhauer…), flaut die Spannung manchmal etwas ab, da sich die verschiedenen Intrigen gegenseitig unterbrechen oder überschneiden. Das diese fliegenden Übergänge gelingen, spricht für die Erzählkunst des Autors, doch wäre ich manchmal gerne bei einem Thema geblieben, um mich so richtig in die Figuren hineinzuversetzen. Die Sympathien sind hier schnell verteilt und auch die Nebenfiguren wachsen dem Leser ans Herz. Auf den ersten Blick etwas zu sehr in gut und böse unterteilt, sind die Protagonisten auf den zweiten ÄBlick oft vielschichtiger, als man denkt.

Der Stil ist sehr flüssig und angemessen mit zeitgemäßem Vokabular angereichert. Auch Bemerkungen eines leicht auktorialen Erzählers haben mir gefallen, wie z.B. in der eingeschobenen Legende um den heiligen Mauritius: „“Rhône“ nennt man den Strom heute; damals hieß er „Rhodanus““ (S.51), „Lugdulum am Rhodanus nannten spätere Generationen „Lyon““ (S.20). Die Religion oder Kirchenpolitik nimmt keinen besonderen Platz in dieser Geschichte ein, spielt aber für die Bildhauer eine Rolle. So erfährt der Leser so einiges über den heiligen Mauritius und die heilige Katharina, denen der Dom gewidmet ist, und über das Gleichnis der Zehn Jungfrauen, deren Statuen ebenfalls im Dom zu bewundern sind. Ihre Entstehung sorgt in der Geschichte für so einiges „auf und ab“, wie es die fromme, für verrückt gehaltene Mechthild ausdrücken würde, die den Leser und alle Bauarbeiter stets daran erinnert, dass ihr Leben in Gottes Hand liegt.

Ruben Laurins Roman hat mich bestens unterhalten, wenn ich auch ein paar kleine Kritikpunkte nennen muss. Zum einen die bereits genannte Raffung von Teilen der Geschichte, zum anderen wird es für meinen Geschmack manchmal etwas gefühlsduselig. Diese Abschnitte sind jedoch vertretbar, oder zumindest hinnehmbar und häufen sich auch nicht im Buch. Wer historische Romane mag und gekonnt verflochtene Handlungsstränge liebt, kann hier einen tollen Zeitvertreib finden. 

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

rezepte, versteigerung, mittelnerv, orientalischer tanzstock, tubing

Mörderische Macarons

Dani Baker
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 31.07.2017
ISBN 9783744886314
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext

Bei 'Hansel & Pretzel' liegt Liebe in der Luft: Passend zum Valentinstag werden leckere französische Backwaren angeboten, und Linn Sommer hat endlich ihr langersehntes Date mit Bas van de Groot. Alles läuft perfekt - bis der attraktive Polizeiinspektor zu einem Mordfall gerufen wird ...
Das Opfer entpuppt sich als Maurice Woodard, Linns Friseur. Äußerlich gab er sich so locker und leicht wie ein Macaron, doch unter seiner glatten Fassade schien er es faustdick hinter den Ohren gehabt zu haben. Er hat seinen Kunden offenbar nicht nur die Spitzen geschnitten, sondern auch einige dunkle Geheimnisse entlockt. Linn beginnt sich umzuhören, und das äußere Erscheinungsbild der ehemals schillernden Persönlichkeit bröckelt wie das Baisergebäck in sich zusammen ...



Rezension

„Mörderische Macarons“ ist der dritte Band der Hansel & Prezel Krimireihe rund um Linn Sommer, Café-Angestellte und Hobbyermittlerin. Der Roman spielt in Kitchener-Waterloo, Kanada.

Während Linn sich bei ihrem Valentinstags-Date mit Inspektor Bas van de Groot im siebten Himmel wähnt, wird Maurice Woodart ermordet. Dabei hatte er wenige Stunden zuvor noch Linns Haare für das Date hergerichtet. Da Linn ihrem Freund den Friseurbesuch nicht gestehen will, schließlich bevorzugt er einen natürlichen Look, ermittelt sie auf eigene Faust, denn früher oder später wird man ihre Haare an der Leiche entdecken. Dabei kommen ihr die Mitbewohner ihrer WG zu Hilfe, sowie jede Menge redselige Café-Besucher. Der Friseur war ein kleiner Star am Haarschneidehimmel und stadtbekannt, so dass nun jeder seine eigene Theorie zum Mordfall hat und glaubt etwas darüber zu wissen. So kommt ein dunkles Geheimnis ans Licht und Linn kann sich vor Verdächtigen kaum noch retten.

In diesem Wohlfühlkrimi geht es nicht um klassische Polizeiarbeit, sondern vorrangig um die Hauptperson Linn, die mit ihren Freunden ermittelt und sich fleißig umhört. Im Café hat sie einen strategisch günstigen Posten und auch sonst bekommt sie allerlei Informationen zugesteckt. Außerdem hat sie über ihren Freund Bas einen heißen Draht zur Polizei, den sie meiner Meinung nach aber viel zu wenig nutzt. Hier hätte ich es realistischer gefunden, wenn die zwei sich häufiger austauschen würden. Die Multiplikation der Verdächtigen ist leider der einzige spannungsaufbauende Kniff, den die Autorin anwendet und so plätschert die Geschichte von einem Hinweis zum nächsten. Für hart gesottene Krimi-Fans ist das sicher nichts, aber das sagt ja schon das Genre Wohlfühlkrimi, weshalb ich diesen Punkt auch nicht wirklich kritisieren kann. Letzten Endes bleibt lange genug offen, wer der Mörder ist. Außerdem gibt es parallel zum Mordfall noch einen Diebstahl aufzuklären. Dani Baker versucht sich an einem Show-Down, der leider wenig überzeugt und dessen Ausgang sehr vorhersehbar ist.

Die Autorin versteht es auch Neuleser abzuholen und die Vielzahl der Protagonisten verwirrt keineswegs. Einzig das Wiederauftauchen von Norah, der Freundin eines WG-Mitglieds, stellte für mich einen handfesten Bezug zu den vorangegangenen Bänden dar. Obwohl ich Norah nicht kannte, wollte ich wissen, warum sie auf mysteriöse Weise verschwand und was ihr in der Zwischenzeit widerfahren ist. Leider wird dieses Rätsel wohl erst im folgenden Band gelöst werden, was ein wenig frustrierend ist. Besonders gut gefallen hat mir der Besuch eines bayrischen Auswanderers im Café, denn ganz nebenbei wird dem Leser auch ein wenig kanadisches Lebensgefühl und die multikulturelle Gesellschaft des Landes näher gebracht.

Stilistisch spielt der Roman in keiner besonderen Liga. Anzumerken ist, dass Linn sich gerne von „Engelchen und Teufelchen“ beraten lässt und die zwei reichlich Kommentare zum Geschehen abgeben. Teilweise geschieht dies wohl dosiert und gibt dem Buch eine humoristische Note, aber manchmal könnten die beiden etwas schneller wieder Ruhe geben. Besonders am Anfang fand ich es irritierend, wie die zwei sich über Linns Liebesleben äußern und dass so die Charakterzüge der Hauptfigur vorgestellt werden.

Der Roman lebt von Linns Beziehungen zu ihren Mitmenschen und ihrer Kunst, ihnen Informationen zu entlocken. Die Idee, Backrezepte zu den im Café angebotenen Köstlichkeiten in das Buch mitaufzunehmen hat mir sehr gut gefallen und macht Lust, schnell mal eine „Tarte au chocolat“ zu zaubern. 

Wer das Genre mag, kann sich mit diesem Buch die Zeit vertreiben. Wer einen „richtigen“ Krimi möchte, sollte lieber zu etwas anderem greifen.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

winterschlaf, achtsamkeit, entschleunigung, traum, roman

Herr Jakob träumt

A.S. Dowidat
Flexibler Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 22.11.2017
ISBN 9783746015903
Genre: Romane

Rezension:

Herr Jakob ist wissenschaftlicher Bibliothekar, doch reizt ihn seine Arbeit wenig. In seiner Freizeit stellt er Skulpturen her, die er manchmal auch verkauft. Als ihm seine beruflichen sowie privaten Verpflichtungen über den Kopf wachsen, sucht er Zuflucht vor der Hektik des Alltags und findet diese im (Winter-) Schlaf, oder besser gesagt: im Traum.

Herr Jakobs Träume muten sehr surreal an. Da sind z.B. das Huhn, das ihm die Traumwelt halbwegs erklären kann und das Eichhörnchen, das sich ganz und gar der Entschleunigung hingibt. Abseits der Schnelligkeit unserer modernen Gesellschaft lernt Herr Jakob, sich auf die kleinen Dinge im Leben einzulassen und ihre Schönheit zu erkennen, ja sie als Bereicherung zu empfinden. Doch stellt sich die Frage, ob sich jemand, der sich der Muße verschreibt, in unserer Welt noch zurecht finden kann.

Nachdem es mir zuerst etwas schwer fiel, in die Geschichte einzutauchen, offenbarten sich mir viele wichtige Fragen, die im Text mitklingen. Mal lustig, mal tiefsinnig, lädt der Roman von A.S. Dowidat tatsächlich dazu ein, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Das erfordert eine gewisse Konzentration, da es viele Schachtelsätze gibt und auch der Wechsel zwischen Traum und Realität nicht speziell gekennzeichnet ist. Leider bin ich in der Traumwelt nie so richtig angekommen. Der Roman bleibt durchgehend verständlich, auch wenn ich mir an ein paar Stellen ein paar Worte mehr gewünscht hätte, welche dem Gesamtbild nicht geschadet hätten. Meistens haben wir es mit einer Erzählung in der dritten Person zu tun, doch hin und wieder wechselt die Perspektive zu einem hypothetischen, außenstehenden Betrachter. Der Schreibstil hält den Leser auf Distanz und gibt ihm die Möglichkeit, eigene Interpretationen anzustellen oder die Figuren als Projektionsfläche zu nutzen: Ist Herr Jakob am Rande eines Burn-outs, depressiv oder gar dement? Ist er einfach nur einsam und müde?

Die Autorin schafft mit wenigen Worten eine Atmosphäre, die die Fantasie des Lesers anregt. Die Winteratmosphäre z.B. lädt richtig zum Schlafen ein, mit der Stille, die vom unberührten Schnee noch unterstrichen wird. Ich stelle mir einen schönen Kontrast vor: Herr Jakobs stilles Haus und Grundstück mit der glatten Schneedecke und die Straße mit Schneematsch und Spuren von Autoreifen etc. Man sieht so richtig dass da einer wohnt, der sich abgemeldet hat, der nicht mehr mitmacht und sich um sich selber kümmert.

Trotz einiger schöner Szenen (z.B. immer dann, wenn sich Traum und Realität durch ein Geräusch o.ä. überschneiden) und einem philosophisch ruhigem Grundton konnte mich die Geschichte um Herrn Jakob nur mäßig begeistern. Der Schreibstil hält den Leser zu sehr auf Distanz, vor allem durch die indirekte Rede. Die Protagonisten, die immer nur beim Nachnamen genannt werden, und Herr Jakob, wirken dezent kühl und blühen eigentlich erst in der Fantasie des Lesers so richtig auf, sofern er sich die Mühe macht, über das Gelesene nachzudenken. „Herr Jakob träumt“ ist nicht als spannende Ablenkung gedacht und die Handlung plätschert eher lautlos dahin. Ein paar skurrile bis absurde Episoden lockern das Geschehen etwas auf und erzeugen Spannung, die sich letzten Endes jedoch wieder recht leise im Sande verläuft.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(9)

43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

berlin, nachkriegsroman, london, tiergarten, besatzungszone

Zurück in Berlin

Verna B. Carleton , Ulrike Draesner , Verena von Koskull , Ulrike Draesner
Fester Einband: 391 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783351036423
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

punsch, eva pattum, geheime zutat

Madame Flavicaus zauberhafter Punsch

Eva Pattum
E-Buch Text: 142 Seiten
Erschienen bei null, 25.06.2016
ISBN B01HL8DRAS
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

35 Bibliotheken, 7 Leser, 2 Gruppen, 20 Rezensionen

drogen, gewalt, obdachlosigkeit, armut, gefängnis

Die Schulter des Riesen

Raffael Rauhenberg
E-Buch Text: 438 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 08.11.2017
ISBN B076B7FC9H
Genre: Romane

Rezension:

Inhaltsangabe hier auf Lovelybooks

„Als Gregor Bach, Silberschmied und Liebhaber schöner Dinge, an einem heißen Septembernachmittag seine Wohnung betritt, trifft er nicht nur seine zwei kleinen Söhne an, sondern auch eine verwahrloste junge Frau, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen hat. Er reagiert jähzornig, ja gewalttätig, und löst damit eine Kettenreaktion aus, der er nichts entgegenzusetzen hat: Unaufhaltsam frisst sich von diesem Tag an ein zerstörerisches Feuer in seine Beziehungen und seine materielle Existenz.

Es folgen panische Versuche, den Sturz ins Leere abzuwenden, ein Intermezzo in der brodelnden Atmosphäre einer Restaurantküche, aber schließlich landet Gregor doch in den Kellergewölben der Wohlstandsgesellschaft und damit in einem Milieu, für dessen Bewohner er bislang nur Verachtung empfunden hat. Bald wird Gregor in ein Geflecht von undurchsichtigen Beziehungen und persönlichen Geheimnissen hineingezogen, und als selbst die Menschen, die ihm nahestehen, von den bedrohlichen Verwicklungen erfasst werden, trifft er eine radikale Entscheidung, um der Situation zu entkommen …

Die Schulter des Riesen ist ein spannender Roman aus dem Deutschland der Gegenwart, der das Thema der sozialen Gerechtigkeit mit einer Frage verknüpft, die persönlich und philosophisch zugleich ist: Was bleibt einem, wenn man alles verloren hat?“

Meine Rezension

Die Erzählung beginnt mitten in der Nacht, mitten in der Natur. Gregor Bach steht am Rande einer Schlucht und will sich hinabstürzen. Und wäre die Nacht nicht so anmutig, die Luft so mild, die Natur so wunderschön – er hätte es längst getan. So gibt er dem Leser die Gelegenheit zu erfahren, warum er sich dort oben wiederfindet. Zwischen den langen Flashbacks kehrt die Erzählung immer wieder zurück an den Rand der Schlucht, wo Gregor sitzt und die letzten Monate Revue passieren lässt. Raffael Rauhenberg zeichnet den Weg vom trauten Familienleben in die Obdachlosigkeit und Armut. Ein Weg, gepflastert mit der Antriebslosigkeit des Verzweifelten, der Inertie des Resignierten, ungünstigen Zufällen und dem Versagen des Sozialstaates. 

Gregor Bach, Silberschmied, zwei Söhne im Grundschulalter, lebt mit seiner Frau Beatrice in der fiktiven deutschen Stadt Querra. Nachdem sich eine Drogensüchtige das Vertrauen der Kinder erschlichen und die Familie bestohlen hat, gerät Gregor zufällig in das Visier der Justiz... Und plötzlich findet er sich auf der Straße wieder, deren Bewohner er zuvor so verachtete.

Nun bekommt er die soziale Kälte unserer Gesellschaft persönlich zu spüren. Sein geschulter Blick des Kunstliebhabers nimmt noch immer architektonische Meisterwerkle wahr und lässt ihn auch in menschliche Abgründe blicken. Noch das kleineste Detail der Armut und Verwahrlosung nimmt er wahr. Er beschreibt „die Gruft“, eine in einem Kellergewölbe gelegene Suppenküche und Notunterkunft :

„Es war recht kühl hier, vielleicht ein wenig feucht. Die Luft war gesättigt mit üblen Gerüchen. Es roch nach lange getragener Kleidung, es roch nach Alter, es roch nach saurem, käsigem Schweiß. Es roch nach Schnaps, nach kaltem Rauch und nach Suppe. Ein wenig roch es nach Urin. Selbst wenn man Gregor mit verbundenen Augen hergeführt hätte, er hätte gewusst, worum es sich handelte: Es war der Geruch der Armut.“ (1)

Der Autor macht das Elend greifbar. Mit Naturbeschreibungen erzeugt er sehr poetische und eindringliche Stimmungsbilder. Dabei bedient er sich dem Fachvokabular eines Botanikers und eines Künstlers, mit präzisen Farbbezeichnungen und Pflanzennamen, die nicht jedem geläufig sein dürften.

„Der Spiegel mit dem handgeschnitzten balinesischen Rahmen zeigte ein trauriges Bild: Die linke Wange war immer noch grünlich gelb, sein halber Körper hatte dieselbe Farbe. Er war abgemagert, wirkte alt. Selbst Egon Schiele hätte ihn nicht hässlicher malen können.“ (2)

„Der Himmel war von einer Schicht dünner, fasriger Wolken überzogen, sie sahen aus wie gekämmtes Tierfell. In der Nacht hatte Gregor auf der linken Seite gelegen, und nun war dort alles taub, von der Schulter bis zum Knie. Er konnte sich kneifen, und es fühlte sich an wie totes Fleisch. Mit einem Mal war ein großer Schwarm Krähen am Himmel, wogte für einige Sekunden hin und her wie ein schwarzes Tuch im Wind, um sich dann auf den Park herabzusenken. Zeisige, Spatzen, Meisen flogen auf, schwirrten ins Gebüsch, in Deckung, und schon hingen die Krähen in einer Trauerweide wie dämonische Früchte“ (3)

So erwachen die Stadt Querra und ihre Bewohner zum Leben. Vom philosophierenden Nirwana bis hin zum perversen Neonazi begegnet Gregor vielen Obdachlosen, die ihm nicht immer wohlgesonnen sind. Doch es kann auch so etwas wie Freundschaft entstehen. Gregor ist nicht immer eine sympathische Hauptfigur, doch wünscht man ihm, irgendwie wieder Fuß zu fassen. Während Gregor lernt, mit der Trostlosigkeit und Angst der Straße zu leben, verliert er nach und nach den Kontakt zu seinen Kindern, seine frau will sich scheiden lassen und Freunde hat er keine mehr. Sein Dasein erscheint ihm immer weniger lebenswert, doch als er sich des Schicksals eines Jungen vom Straßenstrich annimmt, sieht Gregor weder einen Sinn in seinem Leben. Doch kann es für ich ein Happy End geben?

Das Thema Armut in Deutschland berührt den Leser. Raffael Rauhenberg schafft es, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln, ohne uns zu sehr ins Gewissen reden zu wollen, Empathie für Bedürftige zu wecken. „Die Schulter des Riesen“ ist ein spannender Roman über die Abgründe unserer Gesellschaft, eine fiktive Biographie des sozialen Abstiegs, erzählt mit Präzision und Poesie.

(1) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen2980-2983). Eigenverlag. Kindle-Version.
(2) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen1039-1041). Eigenverlag. Kindle-Version.
(3) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen3579-3583). Eigenverlag. Kindle-Version.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

rentier, schweden, tod, ahnen, nordlichter

Malin and the White Reindeer

Ingrid Zellner
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei tredition, 13.11.2017
ISBN 9783743977297
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ingrid Zellers kleines Kinderbuch „Malin and the White Reindeer“ (zu Deutsch: Malin und das weiße Rentier) kommt mit einem wunderbaren Cover daher, das nicht nur ein Eye-Catcher ist, sondern auch zum Träumen einlädt. Das schmale Büchlein handelt von Malin, 6 Jahre alt, und ihrem zauberhaftem Freund Dalvi, dem weißen Rentier. Es führt in fünf Kapiteln durch das Jahr und geht auf die Kultur der Sami sowie verschiedene schwedische Traditionen ein.

Malin lebt in einem für Schweden typischen roten Holzhaus am Waldrand und hat vor kurzem ihre Großmutter verloren. Dalvi hilft ihr mit der Trauer umzugehen, indem sie ihr erzählt, dass ihre Großmutter nun in den Nordlichtern ist und von dort über sie wacht. Malin winkt den Lichtern zu und schon kann sie die Stimme ihrer Großmutter vernehmen und den Duft ihrer Kuchen riechen. Sie schließt das Tier in ihr Herz und trifft es zu verschiedenen Anlässen, die sich über das Jahr verteilen.

Malin und ihre Familie geben kleine Einblicke in die bekanntesten schwedischen Traditionen: Mittsommer, schwedische Geburtstagsfeier, Lucia Fest… Und Dalvi erzählt Malin von den Mythen der Samen. Das Buch schneidet verschiedene Themen an, wie z.B. die Entstehung der Welt, den Tod oder den Respekt vor der Natur. Es zeigt in sehr malerischen Bildern, dass die Welt in einer anderen Kultur sehr anders wahrgenommen werden kann, als wir es gewohnt sind. So unterteilen die Sami das Jahr z.B. in acht, statt nur vier Jahreszeiten. Auch kann man sehr schön sehen, dass Legenden verschiedener Kulturen sich gegenseitig beeinflussen können. Unser Weihnachtsmann, der aus seinem fliegenden Schlitten heraus Geschenke den Kamin hinunterwirft, taucht bei den Sami als Schamane auf usw. Ziemlich philosophische Fragen fließen kindgerecht in den Text ein und Malins Reaktionen laden hier und da zum Schmunzeln ein.

Ich habe die englische Übersetzung des Buches gelesen und empfand den Text manchmal als etwas holprig. Das deutsche Original scheint doch stellenweise sehr deutlich durch das Englische hindurch. Allerdings muss ich ehrlicher Weise auch sagen, dass ich es nicht gewohnt bin, die Übersetzungen deutschsprachiger Literatur zu lesen und dass ich somit keine Vergleichswerte habe. Wer die Wahl hat, sollte meiner Meinung nach lieber zur deutschen Ausgabe greifen, die vermutlich noch einen Tick schöner ist.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

35 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 18 Rezensionen

debüt, schuld, familie, phantasie, abgründe

Die Einsamkeit der Schuldigen

Nienke Jos
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Jos, Nienke, 20.01.2017
ISBN 9783000553844
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In Nienke Jos Debütroman „Die Einsamkeit der Schuldigen“ behält niemand eine weiße Weste, alle sind schuldig, wenn auch nicht unbedingt vor dem Gesetz. Der Roman wartet mit einer Handvoll Protagonisten auf, die man sich alle gut merken sollte.


Das Trio Thies, Ruben und Isa gibt dem Leser Rätsel auf. Isa und This sind unglücklich verheiratet. Er möchte sie gerne loswerden, sie stellt Bedingungen um in die Scheidung einzuwilligen. Ruben hat ein Verhältnis mit Isa. Und Isa scheint etwas gegen die beiden in der Hand zu haben…



Junia ist überdurchschnittlich sportlich und arbeitet seit Kurzem in einem Hotel im Allgäu als Animateurin. Sie ist nach Deutschland zurückgekehrt um sich endlich ihren Herzenswunsch zu erfüllen – ein zu Hause zu finden. Sie verliebt sich in den Arzt Thies und kann es kaum abwarten, mit ihm in die eigenen vier Wände zu ziehen, nachdem sie jahrelang in Hotels gelebt hat. Doch die Beziehung wird immer wieder auf die Probe gestellt, denn Junias Entschlossenheit und ihr Tatendrang wollen nicht richtig zu Thies passen. Getrieben von der Sehnsucht nach einer Heimat, verschließt die junge Frau ihre Augen vor so manchem Hindernis.



Die Urlauberin Ann Beck vertraut sich Junia auf einer Mountainbiketour an: Auch sie ist unglücklich verheiratet und würde gerne den Neuanfang wagen, als Konditorin, jedoch besitze sie nicht den nötigen Mut dazu. Sie leidet unter der mangelnden Wertschätzung, die ihr Mann ihr entgegenbringt und sehnt sich nach einer Freundin. Kurz darauf verschwindet Ann. Ist sie Opfer eines Verbrechens geworden oder ist sie tatsächlich untergetaucht?



Theodor Stein ist ein erfolgreicher Psychologe und träumt davon, seinen Lebensabend mit seiner Frau Wiebe in Panama zu verbringen. Sein anscheinend perfektes Leben und sein ausgeglichener Charakter werden durch das Auftauchen einer mysteriösen Frau, Elenor Moos, ein wenig aufgemischt. Wieso verfolgt sie ihn? Plötzlich findet er sich in einer heiklen Mission wieder.



„Die Frau“ wird von „dem Mann“ gekidnappt, gefangen gehalten und missbraucht.



Die Erzählperspektive wechselt immer wieder zwischen den Protagonisten und somit lernen wir sie alle gut kennen, auch den Täter, in dessen Kopf uns Nienke Jos zu blicken zwingt. Nach und nach verflechten sich die Schicksale der Personen und wer den Titel im Kopf behält kann sehen, wer hier ganz unterschiedliche Arten von Schuld auf sich nimmt. Schuld, der Umgang damit und auch die Einsamkeit der Schuldigen, wie der Titel so passend lautet, geben dem Krimi Tiefe, wenn man sich diese Fragen denn stellen will. Mir persönlich waren es etwas zu viele Einblicke in den kranken Kopf des Täters, sein scheußliches Frauenbild und seine widerliche Tat. Der Leser benötigt manchmal einen starken Magen, doch wird darauf schon vor Beginn der Handlung hingewiesen, in einem knappen Text, der sensible und junge Leser vorwarnt. Das habe ich so noch nicht häufig gesehen und finde es begrüßenswert.

Dier Protagonisten werden alle sehr plastisch dargestellt. Genauso rund wie die Figuren ist auch der Aufbau des Buches. Ein Prolog nimmt ein lange zurückliegendes Ereignis vorweg, ein zweiter Prolog erlaubt einen Ausblick auf das Ende des Buches und somit wird die Handlung gekonnt eingerahmt.



Aufgrund der Gewaltszenen kann ich das Buch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Auch hätte ich mir ein mehr Anhaltspunkte gewünscht, was den Zeitfluss betrifft, denn je nach Erzählperspektive werden sehr unterschiedlich große Zeitabschnitte abgedeckt. Aber es hat auch viele positive Seiten, wie die gut geformten Protagonisten und die gekonnt aufrecht gehaltene Spannung. Man kann etwas ahnen und im letzten Drittel des Buches eigentlich fast wissen, wer „der Mann“ ist, doch nährt sich die Neugierde auch aus der Frage nach den Reaktionen der Protagonisten. Und schließlich möchte man wissen, wie die Autorin den Fall löst.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Chanson douce

Leïla Slimani
Geheftet: 240 Seiten
Erschienen bei Gallimard, 18.08.2016
ISBN 9782070196678
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

Die Einsamkeit der Schuldigen

Nienke Jos
herunterladbare Audio-Datei: 592 Seiten
Erschienen bei Jos, Nienke, 21.08.2017
ISBN 9783000562075
Genre: Romane

Rezension:

In Nienke Jos Debütroman „Die Einsamkeit der Schuldigen“ behält niemand eine weiße Weste, alle sind schuldig, wenn auch nicht unbedingt vor dem Gesetz. Der Roman wartet mit einer Handvoll Protagonisten auf, die man sich alle gut merken sollte.


Das Trio Thies, Ruben und Isa gibt dem Leser Rätsel auf. Isa und This sind unglücklich verheiratet. Er möchte sie gerne loswerden, sie stellt Bedingungen um in die Scheidung einzuwilligen. Ruben hat ein Verhältnis mit Isa. Und Isa scheint etwas gegen die beiden in der Hand zu haben…



Junia ist überdurchschnittlich sportlich und arbeitet seit Kurzem in einem Hotel im Allgäu als Animateurin. Sie ist nach Deutschland zurückgekehrt um sich endlich ihren Herzenswunsch zu erfüllen – ein zu Hause zu finden. Sie verliebt sich in den Arzt Thies und kann es kaum abwarten, mit ihm in die eigenen vier Wände zu ziehen, nachdem sie jahrelang in Hotels gelebt hat. Doch die Beziehung wird immer wieder auf die Probe gestellt, denn Junias Entschlossenheit und ihr Tatendrang wollen nicht richtig zu Thies passen. Getrieben von der Sehnsucht nach einer Heimat, verschließt die junge Frau ihre Augen vor so manchem Hindernis.



Die Urlauberin Ann Beck vertraut sich Junia auf einer Mountainbiketour an: Auch sie ist unglücklich verheiratet und würde gerne den Neuanfang wagen, als Konditorin, jedoch besitze sie nicht den nötigen Mut dazu. Sie leidet unter der mangelnden Wertschätzung, die ihr Mann ihr entgegenbringt und sehnt sich nach einer Freundin. Kurz darauf verschwindet Ann. Ist sie Opfer eines Verbrechens geworden oder ist sie tatsächlich untergetaucht?



Theodor Stein ist ein erfolgreicher Psychologe und träumt davon, seinen Lebensabend mit seiner Frau Wiebe in Panama zu verbringen. Sein anscheinend perfektes Leben und sein ausgeglichener Charakter werden durch das Auftauchen einer mysteriösen Frau, Elenor Moos, ein wenig aufgemischt. Wieso verfolgt sie ihn? Plötzlich findet er sich in einer heiklen Mission wieder.



„Die Frau“ wird von „dem Mann“ gekidnappt, gefangen gehalten und missbraucht.



Die Erzählperspektive wechselt immer wieder zwischen den Protagonisten und somit lernen wir sie alle gut kennen, auch den Täter, in dessen Kopf uns Nienke Jos zu blicken zwingt. Nach und nach verflechten sich die Schicksale der Personen und wer den Titel im Kopf behält kann sehen, wer hier ganz unterschiedliche Arten von Schuld auf sich nimmt. Schuld, der Umgang damit und auch die Einsamkeit der Schuldigen, wie der Titel so passend lautet, geben dem Krimi Tiefe, wenn man sich diese Fragen denn stellen will. Mir persönlich waren es etwas zu viele Einblicke in den kranken Kopf des Täters, sein scheußliches Frauenbild und seine widerliche Tat. Der Leser benötigt manchmal einen starken Magen, doch wird darauf schon vor Beginn der Handlung hingewiesen, in einem knappen Text, der sensible und junge Leser vorwarnt. Das habe ich so noch nicht häufig gesehen und finde es begrüßenswert.

Dier Protagonisten werden alle sehr plastisch dargestellt. Genauso rund wie die Figuren ist auch der Aufbau des Buches. Ein Prolog nimmt ein lange zurückliegendes Ereignis vorweg, ein zweiter Prolog erlaubt einen Ausblick auf das Ende des Buches und somit wird die Handlung gekonnt eingerahmt.



Aufgrund der Gewaltszenen kann ich das Buch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Auch hätte ich mir ein mehr Anhaltspunkte gewünscht, was den Zeitfluss betrifft, denn je nach Erzählperspektive werden sehr unterschiedlich große Zeitabschnitte abgedeckt. Aber es hat auch viele positive Seiten, wie die gut geformten Protagonisten und die gekonnt aufrecht gehaltene Spannung. Man kann etwas ahnen und im letzten Drittel des Buches eigentlich fast wissen, wer „der Mann“ ist, doch nährt sich die Neugierde auch aus der Frage nach den Reaktionen der Protagonisten. Und schließlich möchte man wissen, wie die Autorin den Fall löst.



  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(33)

38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Lebenslinien

Jan Holmes
Flexibler Einband: 412 Seiten
Erschienen bei epubli, 23.07.2017
ISBN 9783745005745
Genre: Romane

Rezension:

„Schafe in der Armee von Kläusen“


Spannend und humorvoll beginnt der Roman „Lebenslinien“ von Jan Holmes, in dem es um die jungen Softwareentwickler Clemens und Ferdi geht – und natürlich um ihr Softwareprojekt „Exil“. Die zwei haben es geschafft, den Dachboden der Eltern zu verlassen, ihre Ideen voranzutreiben, zu finanzieren und eine Firma zu gründen. Dabei gleitet ihnen das Projekt jedoch zunehmend aus den Händen.

Während Ferdi sich dem Big Business der Branche anzupassen versucht, kämpft Clemens, der Kopf hinter dem Computerspiel, als eigenbrötlerischer Entwickler mit seiner wachsenden Abneigung gegenüber den Geldgebern, die mittlerweile die Entscheidungen treffen. So wird „Exil“ zum Beispiel umgetauft und soll unter dem Namen „Lifelines“ auf den Markt kommen. Theo, ein Freund aus Studienzeiten, arbeitet erst in seiner Freizeit als Softwaretester für das Projekt, wird dann aber fest angestellt und macht Karriere bei Finally Development. Die Firma seiner Freunde ist allerdings eine verhängnisvolle, wenn auch notwendige Partnerschaft mit dem Unternehmen Inter-View eingegangen, das sich „um alles kümmert, wo wir keine Lust drauf oder keine Ahnung von haben“, wie Ferdi erklärt.

Ohne viel Branchenjargon stellt Holmes die drei Freunde vor, deren Ideale und Privatleben durch ihre Arbeit auf die Probe gestellt werden. Dabei beweist er sein stilistisches Können und lässt seine Protagonisten auch wunderbar naturgetreu so sprechen, wie es die „Nerds“ der Computerbranche eben tun.

Nach und nach lernt der Leser mehr über das Privatleben der drei Freunde kennen. Spieletester Theo steht im Mittelpunkt. Spätestens, als neue Updates im Spiel anfangen, nach persönlichen Vorlieben, Erlebnissen, Ängsten etc. zu fragen, wird der Leser argwöhnisch. Was ist das für ein geheimnisvolles Puzzlespiel rund um erfundene Biografien, an dem da programmiert? Tester Theo beantwortet diese Fragen der Einfachheit halber wahrheitsgetreu, um weiterspielen zu können, was den Leser unweigerlich über die eigene Nutzungsweise von sozialen Netzwerken und Co nachdenken lässt, wenn auch nur am Rande. Die gesellschaftskritische Frage nach dem Umgang mit unseren persönlichen Daten taucht hin und wieder auf, aber im Mittelpunkt stehen die Gründer und deren geringer Einfluss auf ihr Herzensprojekt, sowie die moderne Arbeitswelt. Wie geht der Mensch damit um? Welcher Platz bleibt für den Einzelnen und sein persönliches Schicksal? Hin und wieder werden diese Themen von den Protagonisten mit einer Prise „Nerdhumor“ kommentiert.

Die Spannung wird unter anderem dadurch gehalten, dass der Leser nicht weiß, was sich mit „Lifelines“ anbahnt. Ein Spiel, um sich in eine virtuelle Welt zu flüchten? Ein Spiel, das sensible Daten über das Leben der Spieler sammelt und sie analysiert? Zu statistischen Zwecken? Um Vorhersagen zu treffen? Eine Goldgrube für die Archäologen der Zukunft? Von einem Schicksalsschlag getroffen und etwas niedergeschlagen philosophiert Theo: „Wird der Mensch nicht nur durch seine Erinnerungen bestimmt, sondern auch durch seine Familie, deren Geschichte und die Geschichte aller Vorfahren bzw. der Menschheit? […] Dann würde das Wissen um die Geschichte den Unterschied machen, nicht der Umstand, dass die Geschichte passiert ist. […] Sein letzter Gedanke war: „Schade, bei „Lifelines“ wüsste ich, was zu tun wäre.“ Dann brach er in hysterisches Gelächter aus.“ (S. 207)

Clemens Mistrauen mündet schließlich in einen Streit mit den Leuten von Inter-View. Er scheint unter Paranoia zu leiden. Dann verschwindet er plötzlich, zum Erstaunen und Entsetzen seiner Freunde. Theo und Ferdi müssen sich fragen, in wie fern sie vielleicht für das Verschwinden ihres überarbeiteten Freundes verantwortlich sind, was sie für ihn tun können und in wie weit sie sich schuldig fühlen.

Und dann müssen sie auch noch entdecken, was wirklich aus ihrem Computerspiel geworden ist…

Hier geht es um Freundschaft, Partnerschaft, ein wenig Datenschutz und das harte Business in der PC-Spiele-Branche. Und George Orwell lässt grüßen.

Der Roman hat mich äußerst gut unterhalten, auch weil ich dank des willentlichen Aussetzens der Ungläubigkeit beim Lesen über einige ungeklärte Punkte hinwegsehen kann. Es muss nicht immer eine Antwort auf alles geben. Und gerade weil die Geschichte zeitlich und räumlich nicht festgelegt ist – man weiß z.B. nicht um welche Städte es sich handelt – muss es auch nicht auf jedes Wenn und Aber eine Antwort geben. Allein, all die Fragen, die sich die Protagonisten am Ende Stellen, bringen in etwa auf den Punkt, was ich vor dem Lesen vom Buch erwartet hatte. Eine Dystopie, die genau diese Auswirkungen beschreibt, über die Theo und Ferdi sich den Kopf zerbrechen.

Die Lektüre von „Lebenslinien“ kann ich nur weiterempfehlen. Es ist ein Buch, das länger im Kopf bleibt. „Mal was anderes“, wenn man sonst gerne Krimis, historische Romane und „die Klassiker“ liest.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Madame Bovary

Gustave Flaubert
Geheftet: 477 Seiten
Erschienen bei Editions Flammarion, 29.01.2014
ISBN 9782081295278
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

xenia hügel, glück, natur, liebe, lyrik

Bruchstücke des Glücks

Xenia Hügel
Flexibler Einband
Erschienen bei PYRAMIDIS Audio, 11.10.2017
ISBN 9783950395631
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.165)

1.918 Bibliotheken, 48 Leser, 1 Gruppe, 176 Rezensionen

kreuzfahrt, thriller, sebastian fitzek, selbstmord, mord

Passagier 23

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 29.10.2015
ISBN 9783426510179
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

psychatrie, mord, deutscher krimi, forensische psychiatrie, forensik

Patient 211

Silke Nowak
E-Buch Text: 185 Seiten
Erschienen bei Viktoria Publishing, 18.09.2017
ISBN B075RPSY7B
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Thriller „Patient 211“ von Silke Nowak wird aus der Perspektive des Psychiaters und gerichtlich bestellten Gutachters Dr. Julian Kraft erzählt. Dr. Kraft wurde in die Klinik Marienberg gerufen, um über den psychischen Gesundheitszustand von Linda Fallersleben zu urteilen, die des Mordes an ihrem 25 Jahre älteren Ehemann Benjamin beschuldigt wird. Er ist bereits der dritte Psychiater, der im Fall Fallersleben beauftragt wird. Parallel muss aufgeklärt werden, wieso aus der Klinik immer wieder Patientinnen verschwinden. Einige scheinen ein neues Leben beginnen zu wollen und freiwillig unterzutauchen, einige Selbstmord zu begehen.
Zu Beginn steht Lindas Gesundheitszustand im Mittelpunkt und der Ich-Erzähler Dr. Kraft berichtet von seinen Begegnungen mit der Tochter des Ehepaares Fallersleben, Delphine, dem Klinikleiter Dr. Sombra, dem Pfleger Tom, der Krankenschwester Helen, dem pensionierten Kommissar Hanta, einigen Patientinnen der sehr offen geführten Klinik und natürlich Linda. So ziemlich jeder hätte ein Interesse daran, Linda für unzurechnungsfähig zu erklären und in Marienberg behandeln zu lassen, außer vielleicht Linda selbst. Dr. Sombra müsste der Witwe den Anteil Benjamins an der gemeinsam geführten Klinik nicht auszahlen, die Tochter könnte der Mutter den Gefängnisaufenthalt ersparen wollen etc. Aber auch was das Verschwinden der Patientinnen betrifft, werden dem Leser viele mögliche Szenarien angeboten. Linda vermutet einen bestimmten Serientäter hinter diesen Fällen, einen ehemaligen Patienten ihres Mannes, dessen Patientenakte, Nr. 211, sie vertrauensvoll an Dr. Kraft übergibt.
Der Thriller ist stilistisch nicht sehr anspruchsvoll, sprachlich dem Genre angepasst und ein sehr kritischer, mitermittelnder Leser wird der Autorin einige Ungereimtheiten vorhalten, die an der Glaubhaftigkeit des Geschehens zweifeln lassen. Ein paar Perspektivwechsel, die Protokolle aus der Patientenakte von Patient 211 und das Einbauen einiger Zeitungsartikel lockern den Text angenehm auf.
 
Das Spiel mit der Vielzahl an möglichen Motiven und Tätern sowohl im Mordfall Fallersleben als auch in den Vermisstenfällen haben mir sehr gut gefallen und die Spannung hoch gehalten. Die verschiedenen Personen geben immer wieder neue Elemente preis, die sie selber oder jemand anderes verdächtig erscheinen lassen. Allerdings kann man das Rätsel relativ schnell lösen, oder ahnt es zumindest sehr früh im Buch bereits, wenn auch die endgültige Auflösung auf sich warten lässt. So bleibt Raum für ein paar Zweifeln an der eigenen Theorie. Um nicht zu viel zu verraten ist es schwer, etwas zur Glaubhaftigkeit der Geschichte zu sagen, als Beispiel sei jedoch angeführt, dass es u.a. eine Polizeibeamtin gibt, die nach dem Fund einer toten Patientin in einem Keller nachts dorthin zurückkehrt und um Hilfe schreit, um zu testen ob die Schreie von jemandem gehört werden. Außerdem gibt es eine ausgefeilte Videoüberwachung auf dem Klinikgelände, die es aber anscheinend nicht ermöglicht, die Morde zu verhindern, aufzuklären (sofern das im Interesse des Klinikleiters liegt) oder zumindest die richtigen Schlüsse aus den Bildern zu ziehen.
Ein wichtiger Punkt noch zum Schluss: Trotz allem ist und bleibt das Buch spannend! Auch wenn die Auflösung leider etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Einerseits, weil man einiges schon ahnen kann, andererseits, weil auch Offensichtliches erst sehr spät geschieht.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

berlin, rätsel, säuremord, krimi, extravaganz

Elsa P.

Daniela Schneiderheinze
Flexibler Einband: 451 Seiten
Erschienen bei Independently published, 24.08.2017
ISBN 9781549579844
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein spannender, humorvoller und auch überraschender Debütroman


In Berlin wird eine alte Frau, Elsa P., ermordet und die Kommissare Kevin (eigentlich Chantal) Latzke und Köpke stehen vor einem Rätsel. Da hilft es ihnen auch nicht, dass Kevin über ihren Vater eine direkte Verbindung in die Rechtsmedizin hat, denn die mit Chemikalien übergossene Leiche zersetzt sich zusehends zu einer undefinierbaren Suppe. Rund um die Tote herum wurden mehrere Gegenstände platziert, denen anscheinend eine besondere Bedeutung zukommt. Es beginnt die klassische, solide Ermittlungsarbeit zweier liebenswerter Kommissare. 


Nach den Befragungen der Nachbarn und der Durchsuchung der Wohnung des Opfers steht auch bald ein erster Tatverdächtiger fest, doch nicht nur die Kommissare, sondern auch die Leser, zweifeln an seiner Schuld. Geschickt gesetzte Hinweise und Indizien lassen so manchen Zeugen verdächtig erscheinen. Das größte Rätsel bleibt jedoch Elsa, das Opfer selbst! 


Der Wunsch des Rätsels Lösung zu erfahren erhält die Spannung über das gesamte Buch, so dass es schwer fällt, es aus der Hand zu legen. Aufbrausende Anwälte, Kleinverbrecher und immer wieder die Nachbarn mischen mit, in einem undurchschaubaren Spiel rund um die Identität der Toten. Der eher elegante, durch und durch organisierte Köpke und die eigenwillig gekleidete Kevin lassen uns an ihren Ermittlungen teilhaben und gehen dabei teils sehr methodisch vor, sodass man auch gleich etwas über das gekonnte präsentieren von Ergebnissen lernen kann. Letztendlich liegt die Lösung des Rätsels in der Frage nach der ewigen Jugend.



Das Cover des Romans, ein tief roter Blickfang, irgendwo zwischen sterilem Leichensack und dessen Teppichvariante à la Mafia, die man aus Comics kennt, machte mich auf das Buch aufmerksam. Auch der Klappentext macht neugierig und fordert sogar den Leser heraus: „Geschichtsliebhaber können herausfinden oder gar wissen, was hier erstunken und erlogen ist oder, was der Wahrheit entspricht.“ Der Debütroman von Daniela Schneiderheinze überzeugt durch dezente Gesellschaftskritik, eine Prise Humor und spannende Ermittlungsarbeit, gepaart mit originellen Recherchen zu unerwarteten Themen. 


Ich musste mich erstmal an die Ermittlerin Kevin gewöhnen, die ja eine Frau ist. Die Beschreibung der Kommissare fließt nach und nach in den Text ein und wird mit der Zeit immer natürlicher. Zuerst wirken die Beschreibungen von Kevin noch etwas verkrampft, was aber auch an ihrer wirklich ausgefallenen Art liegt. Man weiß nie, worauf man sich gefasst machen muss. Ihre Gedanken und kleine Einblicke in ihr Familienleben ermöglichen es, gesellschaftspolitische Themen anzusprechen. Manchmal könnten diese noch direkter mit dem Fall verwoben sein, da das Familienleben und die Ermittlungsarbeiten sonst wie zwei separate Blöcke nebeneinander stehen, aber dieser Eindruck entsteht zum Glück nur sehr selten. Ein leichter Hang zur Umgangssprache und eine teils eigenwillige Kommasetzung stören den Lesefluss in keiner Weise. Da es ein Selfpublish-Projekt ist, sollte man bedenken, dass eventuell kein professioneller Lektor vor der Veröffentlichung alle Fehler gefunden und ausgebessert hat. 



Ich würde die Autorin auf jeden Fall wieder lesen und mich freuen, die ermittelnden Kommissare erneut zu treffen.

  (0)
Tags:  
 
30 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks