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baby, babypflege, erziehung, mutter

Wenn Mütter rot sehen

Jana König
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Eulenspiegel Verlag, 12.09.2016
ISBN 9783359017165
Genre: Humor

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Das letzte Schweineohr

Dani Baker
Flexibler Einband: 296 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 12.06.2018
ISBN 9783752878615
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dani Bakers Wohlfühlkrimi « Das letzte Schweineohr » ist der vierte Teil der Serie über die deutsche Auswanderin Linn Sommer, die im kanadischen Kitchener-Waterloo in einer Bäckerei arbeitet und dort immer wieder Zeugin des täglichen Tratsches, u.a. über aktuelle Mordermittlungen wird. In diesem Band hat es Linns Tanzlehrerin Kira getroffen und die Stadt spekuliert: war es ein Suizid- oder ein Mordversuch?

Linns Tanzschule steckt in den Vorbereitungen für eine große Aufführung und überall laufen die Gemüter heiß, denn auch die Temperaturen sind sommerlich warm. Ein Dreh- und Angelpunkt, den Linn immer wieder mit ihren Freunden diskutiert, sind die Mütter der jungen Tänzerinnen, die das Hobby ihrer Töchter teilweise sehr ehrgeizig sehen. Dani Baker lässt den Leser hier verstehen, dass Linn so gar nichts davon hält, wenn Eltern ihre Kinder zu einem Hobby zwingen oder dafür Unsummen ausgeben müssen. Oder wenn gar die Kinder unter der sportlichen wie auch finanziellen Konkurrenz, die zwischen den Eltern zu herrschen scheint, leiden.

Gut gefallen hat mir wieder, dass es von Anfang an eine Reihe von Verdächtigen gab, die es theoretisch gewesen sein könnten. Nach und nach tauchen dann immer neue Hinweise auf, die entweder für oder gegen einen Täter sprechen. Da es sich hier um keinen klassischen Krimi handelt, bekommt der Leser wenig bis nichts von den polizeilichen Ermittlungen mit, obwohl Bas, Linns Freund, der leitende Inspektor ist. Natürlich kann die Beziehung zwischen den beiden nicht schon wieder im Mittelpunkt stehen, wie im vorherigen Band („Mörderische Macarons“), jedoch tauchte Bas viel zu selten in der Handlung auf. Im Allgemeinen war es mir zu wenig „drum herum“ und etwas zu viel moralische Meinungsmache. Gut, dass zumindest Linns WG, die aus einer Hand voll lustiger Protagonisten besteht, wieder mit dabei war. Wer die Serie verfolgt hat wird festgestellt haben, dass dieses Buch einen großen Spoiler zum dritten Band enthält, der aber vermutlich überlesen und vergessen wird, sollte man die Bücher in einer anderen Reihenfolge lesen. Außerdem wird das Geheimniss um Norah gelüftet. Sie war vor rund zwei Jahren plötzlich verschwunden, sehr zum Bedauern von ihrem Freund Kyle, einem WG-Mitglied. Das Buch hätte meiner Meinung nach sogar noch etwas mehr von den feschen Sprüchen und bissigen Kommentaren, die in der WG verteilt werden, vertragen können. Setzt man diese in Relation zu der Debatte über die „übermütigen Tanzmütter“, dann nimmt letztere doch recht viel Platz ein. Schön waren auch die wiederkehrenden ironischen Bemerkungen, die Linn von Engelchen und Teufelchen ins Ohr geflüstert werden, und deren Auftreten wohl dosiert war. Genauso wie die Einblicke in den Bäckereialltag, wo mal wieder bei Kaffee und Kuchen über das Abnehmen oder Diabetes diskutiert wird.

Weniger gut rüber kommt das kanadische Lebensgefühl, welches im dritten Teil sehr schon eingebracht worden war, sowie das kritische Hinterfragen des „Canadian Way of Life“. Das heißt aber nicht, dass man nicht auch hier etwas über das Land und dortige Gepflogenheiten erfährt. Leider gelingt die geschickte Verknüpfung dieser Informationen mit dem vorliegenden Mordfall nicht immer. Mir gefällt die Serie, jedoch blieb dieser Band etwas hinter meinen Erwartungen zurück, was die „Ermittlungen“ von Linn angeht. Auch die im Buch eingebauten Rezepte konnten mich nicht so richtig überzeugen, was aber nicht schlimm ist, denn sie sind eher nettes Beiwerk und nehmen nur am Rande Bezug auf die Handlung. Vielleicht hätte ich mich über etwas typisch kanadisches mehr gefreut, als über Obstkuchen, der aber natürlich gut zu den sommerlichen Temperaturen passte.

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Wolfsbrut

Claudia Praxmayer
E-Buch Text: 284 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 05.03.2018
ISBN 9783961481460
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Inhalt
Lea Winter wird von der Environmental Crime Unit von Interpol engagiert, um in Bautzen als Sonderermittlerin mehr über mysteriöse Morde an Wölfen herauszufinden. Ihr Freund Ian, der bei der Behörde arbeitet, beschäftigt sich schon länger mit den kopflosen Tierkadavern, die immer wieder in verschiedenen europäischen Ländern auftauchen. Sein Chef hält zwar wenig von der Sache, doch Ian ist sich sicher, dass er etwas entdeckt hat.


Der Großteil der Geschichte wird aus Leas Perspektive erzählt. Sie lernt verschiedene Akteure der Bautzener Anti-, bzw Pro-Wolfbewegungen kennen, sowie eine nette Geomantikerin, die ihr reichlich Input in Sachen Mythologie und Esoterik gibt. Außerdem verbringt Lea viel Zeit mit dem Jäger Martin, der sie nicht nur zur Wolfspirsch einlädt, sondern auch zu einem romantischen Rendez-Vous. Somit steht am Ende nicht nur der Fall, sondern auch Leas Beziehung zu Ian im Mittelpunkt.


Während Lea sich in Bautzen Umsieht, kommt es bei Ian in London zu ein paar Zwischenfällen, doch auch Lea bleibt nicht verschont. Die beiden scheinen jemandem gehörig auf die Füße getreten zu sein und sind ihm dichter auf den Fersen, als ihnen lieb sein kann.


Was ich noch über das Buch sagen möchte

Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil mich die Kombination aus Krimi und Artenschutz neugierig gemacht hatte. „Wolfsblut“ gehört zu einer Krimireihe über Lea Winter, lässt sich aber auch einzeln lesen. Tatsächlich erfährt man einiges über Wölfe in Deutschland, doch hätte ich mir hier etwas mehr Wissenswertes erhofft. Die Autorin, die auch beim NABU Deutschland engagiert ist, hält sich hier eventuell bewusst etwas zurück, um nicht den Eindruck zu erwecken, den Krimi als Alibi für ein „Sachbuch“ oder als Werbung für den Naturschutz geschrieben zu haben.

Viel mehr erfährt man im Laufe der Ermittlungen hingegen über germanische bzw. nordische Mythologie (die Asen lassen grüßen) und Geomantik, welche uns als Feng-Shui wohl geläufiger ist. Diese Ausführungen waren immer wieder interessant, gingen nicht zu sehr ins Detail und lieferten versteckte Hinweise für den ermittelnden Leser. Wer sich mit dem Thema halbwegs auskennt, wird jedoch nicht überrascht werden. Auch lokaltypische Elemente werden erwähnt. Auch hier hätte ich noch etwas mehr Beschreibungen ertragen können, denn Bautzen blieb etwas blass. Die kulinarischen Eigenheiten hingegen haben mir Hunger bereitet.

Mir gefiel gut, wie von Beginn an verschiedene Namen für den Wolf verwendet wurden und hier und da mal ein „Fachwort“ aus der Biologie eingestreut wurde. Es mag sich auf „mäandern“ und „äsen“ beschränkt haben, nichtsdestotrotz fand ich es sehr passend, da aus der Perspektive einer Biologin und Naturschützerin berichtet wird. Hier scheint die Hauptfigur der Autorin nachempfunden zu sein.

Der Einstieg gelingt problemlos und die kurzen Kapitel bauen flott jede Menge Kontext auf. Auch die verschiedenen Protagonisten bekommen gleich am Anfang ihren persönlichen Anstrich, der sie uns entweder sympathisch macht, oder uns die Nase rümpfen lässt. Die Beziehungskiste rund um Ian und Lea wirkte manchmal leicht gekünstelt und das Auftauchen von Ians Ex-Frau wirkte inszeniert, aber vielleicht bekommt man einen anderen Eindruck davon, wenn man die anderen Bände der Serie kennt. In der ersten Hälfte des Buches liefen die Nachforschungen in Bautzen locker vor sich hin, und es waren eher die kurzen Kapitel, die mich zum Weiterlesen animierten, sowie die Wechsel des Handlungsortes und der Perspektive von Lea in Bautzen, zu Ian in London und einem der Täter. Ab circa der Hälfte fand ich das Buch dann richtig spannend, auch wenn ich mit meinen eigenen Ermittlungen ziemlich richtig lag. Das Ende hält eine klassische Zuspitzung der Ereignisse bereit, die zwar wenig überrascht, aber doch gefällt. Im Abspann werden die letzten offenen Fragen geklärt und es tauchen noch ein paar Elemente auf, die auf eine Fortsetzung hindeuten.


Alles in allem ist „Wolfsblut“ ein Krimi, dessen Autorin ihr Handwerk beherrscht. Ich könnte mir vorstellen, mehr über Lea Winter zu lesen.

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22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Alinas Grab

Silke Nowak
E-Buch Text: 209 Seiten
Erschienen bei Viktoria Publishing, 06.07.2018
ISBN B07FBG9J9R
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Silke Nowaks kürzlich erschienener Kriminalroman „Alinas Grab“ handelt von der Suche nach Alinas Bruder Mark und der Aufklärung eines zwölf Jahre alten Verbrechens. Es geht einerseits um die Rekonstruktion und Aufklärung eines angeblich wahren Kriminalfalls, bei dem die achtjährige Alina Odermatt, ein Filmstar, entführt und ermordet wurde, und andererseits um die Suche nach ihrem heute 23-jährigem Bruder Mark, der schon vor Jahren den Kontakt zu den Eltern abbrach. Silke Nowak spielt dabei mit der Ermittlerphantasie des Lesers.

Alles beginnt mit einem Rückblick in das Jahr 2006: Die sehr wohlhabende Familie Odermatt feiert in ihrem Ravensburger Anwesen pompös den Geburtstag der Mutter Kitty und die Kinder, Mark und Alina, übernachten im Baumhaus. In der Nacht werden sie von einem verkleideten Mann überfallen. Alina wird entführt und ermordet.


Heute, im Jahr 2018, suchen Alinas Eltern Kitty und Thomas die Privatdetektivin Ruby Fuchs auf, um sie zu bitten, ihren Sohn wiederzufinden, der seit seinem 18. Geburtstag jeden Kontakt vermeidet. Sie stellen der Detektivin und ihrem Partner eine satte Belohnung in Aussicht, wenn sie schnell liefern, denn Kitty ist schwer krank und es bleibt ihr nicht mehr viel Zeit.

Schnell erkennen die beiden Detektive, dass Marks Verschwinden mit dem Fall von damals zusammenhängen muss und ihnen wird klar, dass der Polizei 2006 erhebliche Fehler unterlaufen sind. Während sie versuchen, die zwei Fälle zu lösen, kommen immer wieder neue Zeugen ins Spiel, die dem Leser reihum verschiedene Varianten des Ablaufs der Geburtstagsfeier, der Reaktionen auf die Entführung und Gründe für Marks Untertauchen liefern. Der Leser kann mitermitteln und spekulieren. Doch wem kann er glauben, wem muss er misstrauen, wer hat etwas zu verbergen und wer hat das beste Motiv?

Silke Nowak versteht es, vorauszusehen, welche Szenarien der Leser sich ausmalt und untermauert oder verwirft sie dann mit einem neuen Indiz, einer Zeugenaussage etc. Sie spielt mit den Erwartungen erfahrener Krimileser, die es gewohnt sind, dass es immer noch etwas schlimmer kommen kann, als man dachte. Die Autorin hält die Spannung hoch, weiß wann sie das Tempo ein wenig drosseln muss und zu überraschen. Am Ende hat vermutlich jeder irgendwo mal richtig gelegen, wurde gut unterhalten und manch einer wird sich fragen, wieso er das Offensichtliche nicht gesehen hat.

Stilistisch sticht das Werk nicht besonders heraus, lässt aber auch wenig Kritik zu. Die Detektivin Ruby wurde mir durch einige Sätze sympathisch, wie z.B.: „Ravensburg war eine Stadt, von der ich als Kind immer geglaubt hatte, sie wäre das Vorbild für die Playmobil Ritterburg gewesen.“ Außerdem sind mir die vielen Uhrzeitangaben aufgefallen, die den Leser wohl zum Mitermitteln anregen sollen. Jedoch spielen sie nicht immer eine Rolle für die Rekonstruktion der Tat und irritierten mich somit manchmal. Es fällt allerdings nicht schwer, den beiden Handlungssträngen von 2006 und 2018 zu folgen, dafür hat Frau Nowak gesorgt. Nett fand ich auch, dass sie im Nachwort darauf einging, wie ihre Protagonisten ihren Namen kommen. Dabei konnte ich nicht umhin zu bemerken, wie sehr sich ihr Schreibstil der Danksagung und dem Nachwort vom Roman unterscheidet, denn hier geht es ziemlich umgangssprachlich zu.

Die Handlung wird hier und da durch ein paar Extras angereichert, wie z.B. einem journalistischen Text, Ermittlungsakten oder einem Auszug aus einem Drehbuch, da die Tat 2006 in einem Fernsehfilm nachgestellt wurde. Hier weiß die Autorin dieses melodramatische TV-Format auf die Schippe zu nehmen. Kritik am Hype um Kinderstars schwingt gelegentlich auch im Text mit. Und selbst dem Krimileser wird der Spiegel vorgehalten, denn er muss sich eingestehen, dass es in seiner Phantasie viel schrecklicher zugehen kann, als in der Realität. Hält er es hier mit Aristoteles und sucht die Katharsis durch den Roman?

Das Buch lässt sich nur schwer aus der Hand legen, denn schließlich möchte man wissen, ob man mit seinen eigenen Vermutungen richtig liegt. Im Rückblick musste ich jedoch feststellen, dass ich die Lösung hätte sehen müssen und wäre vielleicht auch darauf gekommen, wenn ich mir die Zeit genommen hätte, alles gut zu überdenken. Andererseits gab es so viele Möglichkeiten, dass man sich seiner Theorie nie sicher sein konnte und somit kann ich dieses Buch allen Lesern empfehlen, die selber gerne Kriminalpolizist spielen und die nicht müde werden, die Puzzleteile immer wieder neu zusammenzufügen.

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Belfast Central

A.K. Amherst
Flexibler Einband: 532 Seiten
Erschienen bei Morawa Lesezirkel, 08.04.2018
ISBN 9783990702222
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Belfast 1993: Für den jungen Sanitäter Ryan wird ein nächtlicher Einsatz zum Verhängnis. Er gerät in die Schusslinie der IRA und wird schwer verletzt. Die Polizei legt den Fall schnell zu den Akten. Doch wer war der alte Mann, der wie ein Geist am Tatort auftauchte und Ryan das Leben rettete? Kaum genesen, macht Ryan sich auf die Suche. Dabei wird er immer tiefer in den gewalttätigen Kampf zwischen IRA und militanten Protestanten verstrickt, mit fatalen Folgen …“

„Belfast Central“ berichtet von zwei jungen Schicksalen, einmal im Belfast der 1930er und einmal 1993. In diesem historisch angehauchten Roman geht es unter anderem um die Frage, wie ein junger Mensch in den Sog einer radikalen politischen Gruppe gerät, sowie um die Konflikte rund um die Unabhängigkeit Irlands bzw. das Verbleiben Nordirlands im Vereinigten Königreich.

Die Handlung ist auf zwei Ebenen angelegt, die sich kreuzen. Einerseits ist da Ryan, aus dessen Perspektive über die Gegenwart berichtet wird, auf der anderen sind Adam und seine Schwester Elaine, aus deren Jugend erzählt wird. Einem Wechsel zwischen den zwei Zeitebenen geht eine Jahreszahl voraus, sowie ein Zitat. Die Erlebnisse Adams und Elaines in der Vergangenheit wurden außerdem kursiv abgedruckt, was sie zwar visuell klar kennzeichnet, den Lesekomfort jedoch leicht beeinträchtigt.

Ryans Entscheidung Sanitäter zu werden, war eine ganz bewusste, denn er hat klare moralische Überzeugungen. Sie halten ihn davon ab, im Familienunternehmen mitzuarbeiten, denn seine Mutter lässt Waffen „schmieden“. Allerdings beginnt dieses moralische Konstrukt zu bröseln, als seine alte Freundin Lena, deren Ehemann im Gefängnis sitzt, nach einer längeren Reise nach Belfast zurückkehrt und in Ryans WG zieht, die außerdem noch von „Dok“ bewohnt wird. Dok ist Dozent an der Universität und spioniert für eine protestantische Gruppierung seinen Kollegen nach, die der IRA nahe stehen sollen. Diese diversen Nebenschauplätze der Geschichte lassen die Erzählung sehr Vielschichtig werden und erlauben es, eine sehr plastische Hauptperson zu zeichnen. Allerdings handelt Ryan immer wieder auch impulsiv und für mich nicht nachvollziehbar, und ich als Leser fragte mich bisweilen, wo die Geschichte denn nun hinführen soll.

Nach seiner Genesung sucht Ryan immer wieder den Kontakt zu Adam, dem Mann, der ihm das Leben rettete und der anscheinend Kontakte zur IRA unterhält, obwohl Ryan Protestant ist und somit eigentlich auf der anderen Seite steht. Ganz langsam und immer wieder unverhofft rutscht Ryan mit hinein in die Angelegenheiten von Adam und seinen Freunden.

Die Handlung über Ryan, die Schießerei, die Suche nach seinem Retter, der sich als Adam entpuppt und einigen weiteren Episoden, die ich hier nicht verraten mag, wird immer wieder „unterbrochen“ von kleinen Passagen über Ryans Arbeit als Sanitäter. Sie erlauben Einblicke in seine Arbeit und tragen dazu bei, Ryan als Person besser kennenzulernen. Das medizinische Hintergrundwissen war hier vorhanden und die Szenen sind sehr überzeugend beschrieben.

Hinzu kommen die Kapitel über Adams Jugend, die auch dazu dienen die damaligen sozialen Verhältnisse widerzugeben. Sie werden aus der dritten Person erzählt und es ist nicht ganz klar, wer der Erzähler ist. Vermutlich ist es Adam, aber es könnte auch mal Elaine sein. Die Erlegnisse der beiden Jugendlichen, die sich allein durchschlagen müssen und in Belfast eine Bäckerei eröffnen ist bisweilen spannender und interessanter, als die Haupthandlung und meiner Meinung nach sogar besser gelungen.

Die Passagen aus der Vergangenheit gefielen mir stilistisch besser, wohl auf Grund der Perspektive und einer anderen Erzählstimme. Auch inhaltlich konnten sie mich überzeugen, während ich bei Ryans Erlebnissen in der Gegenwart oft Anstoß an seinen recht plötzlich eingestreuten Gedanken nahm, die sehr umgangssprachlich und teilweise sehr rau rüberkommen. Manchmal passten sie einfach nicht zu dem Bild, das ich mir von der Person gemacht hatte oder zu der Situation, in der sie geäußert wurden. Irgendwann fragte ich mich, wieso die Geschichte in der ersten Person verfasst wurde, wenn diese Perspektive kaum genutzt wird, um die Hauptperson und ihre Gedanken und vor allem ihre Gefühle in den Vordergrund zu stellen. Obwohl man im Laufe des Buches viel über Ryan erfährt und er letzten Endes auch eine gut herausgearbeitete Hauptperson ist, fand ich die Wahl des Erzählers merkwürdig.

Das Buch ist vieles, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Jugendroman, mehr jedoch ein Krimi, bei dessen Ermittlungen ich fast den Faden verlor. Außerdem will es dem Leser ein bisschen (nord)irische Geschichte nahebringen, ohne jedoch viel auf soziale, historische oder politische Hintergründe einzugehen. Zu Beginn gibt es eine kleine Zeittafel, deren Inhalt mir jedoch leider nicht einleuchtete. Es gibt unkommentierte Daten, die mehrere Jahrhunderte zurückliegen und deren Bedeutung für das 20. Jahrhundert nicht erklärt werden. Auch gibt es große Zeitsprünge und einzelne Einträge, deren Auswahl mir nicht schlüssig war. Ich bin kein Spezialist in der Frage, aber auch nicht ganz blauäugig an das Buch herangegangen und konnte mit dieser für den Leser als Hilfe gedachten Zeittafel nicht warm werden.

Nichts desto trotz muss ich festhalten, dass es sich hier um ein gelungenes Debüt handelt, das zeigt, welches Potential in der Autorin steckt. Der historische Schauplatz zählt sicher nicht zu den einfachsten Themen der jüngeren europäischen Geschichte und lädt dazu ein, sich in Details zu verlieren. Diese Gefahr wird weitgehend um schifft, indem nur wenig von praramilitärischen Gruppen die Rede ist und auch die Politik außen vor bleibt. Für meinen Geschmack hätte es hiervon etwas mehr sein können, um die Bedeutung der Handlung einzelner Personen besser einordnen zu können und dem Leser auch einen kleinen „Aha“-Effekt zu gönnen, aber die Geschichte funktioniert auch ohne diese historische Note.

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28 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

A Clash of Kings

George R. R. Martin
Flexibler Einband: 1.009 Seiten
Erschienen bei Random House, 06.03.2012
ISBN 9780345535429
Genre: Fantasy

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

afghanistan, krieg, soldaten, taliban, terro

Der erste Stein

Carsten Jensen , Ulrich Sonnenberg
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Knaus, 13.03.2017
ISBN 9783813507416
Genre: Romane

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158 Bibliotheken, 15 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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A Game of Thrones

George R. R. Martin
Flexibler Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Harpercollins Publishers, 06.09.2011
ISBN 9780006479888
Genre: Fantasy

Rezension:

George R.R. Martins Fantasy-Reihe „A Song of Ice and Fire“ („Das Lied von Eis und Feuer“) und ihre Umsetzung als Fernsehserie dürften mittlerweile hinlänglich bekannt sein und es wurden auch schon viele Rezensionen dazu veröffentlicht. Deshalb will ich auch nicht allzu sehr auf die Handlung eingehen. Die Hauptpersonen sind die Mitglieder der Familie Stark von Winterfell. Eddard Stark wird von seinem Freund, Robert Baratheon, der vor einigen Jahren eine blutige Rebellion gegen das Königshaus Tagaryen gewann und seither König ist, gebeten, als sein Berater an den Hof zu kommen. Der aufrichtige Eddard kommt dort mit seinen Prinzipien und seinem Hang zu Gerechtigkeit nur schwer zurecht, denn er ist es nicht gewohnt, Intrigen zu schmieden oder zu durchschauen. Seine Töchter sind ebenfalls mit an den Hof gekommen. Während es der artigen Sansa, die dem Kronprinzen versprochen wurde, dort gut gefällt, möchte die eher wilde Arya am liebsten wieder nach Hause. Doch Eddard hat Zweifel an der Legitimität des Thronfolgers und als der König stirbt, kommt es zur Katastrophe.

Nachdem ich die TV-Serie „Game of Thrones“ gesehen hatte, beschloss ich, mir auch die Bücher einmal zu Gemüte zu führen. Natürlich im Original, auf Englisch. Ich hatte die Hoffnung, hier und da noch etwas mehr über die Protagonisten zu erfahren und auch die ein oder andere im Film ausgelassene Szene zu entdecken… Was für ein Reinfall! Bis auf ein paar Kleinigkeiten, in denen der Handlungsort einer Szene minimal verlegt worden ist oder ein paar wenige Wortwechsel, wurde in der Serie wirklich alles 1:1 aus dem Buch übernommen. Und diese Abweichungen lassen sich auch noch an einer Hand abzählen. Das lässt die Herzen der Buchfans natürlich höher schlagen, wenn sie nach der Lektüre den Film sehen. Wie oft ärgert man sich bei solchen Verfilmungen, dass die Lieblingsszene fehlt oder ein Charakterzug einer Person nicht ausreichend hervorgehoben wird. Nicht so bei „A Game of Thrones“.

Obwohl ich also nichts (oder kaum) Neues zu entdecken hatte, habe ich die Lektüre genossen. George R.R. Martin lässt sich nicht in langen Beschreibungen aus, das Buch ist geballte Handlung und erfordert vom Leser keine besonderen Kenntnisse was das englische Vokabular angeht. Natürlich sollte man mit ein wenig Jargon rund um eine eher mittelalterliche Gesellschaft und ihre Armee zurechtkommen, aber das Wörterbuch habe ich nur selten gezückt, um noch etwas dazuzulernen. Das Buch ist aber auch ohne nachzuschlagen durchgehend verständlich.

Warum ich auch die folgenden Bände lesen werde, obwohl ich wohl kaum eine Überraschung erwarten kann? Einfach aus Spaß an den Intrigen, an den vielen Wendungen, an den Protagonisten, an Sätzen wie "His smile was apologetic. 'I did warn you not to trust me, you know.' " (S.529) und weil ich die Geschichte so mag, dass ich die Bücher auch noch ein zweites Mal lesen könnte.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

flucht, frankreich, frantösische revolution, französische revolution, freundschaft, geschichtsträchtige ereignisse, großbürgertum, hass, historisch, hungersnot, huren, liebe, liebe und vertrauen, napoleon, schwestern

Die Töchter des Sturms

Sibylle Baillon
E-Buch Text: 316 Seiten
Erschienen bei dotbooks, 01.03.2017
ISBN 9783958249462
Genre: Historische Romane

Rezension:

Es ist 1783 und Frankreich plagt der Hunger. Um sie vor dem Verhungern zu schützen, werden Jeanne, Madelaine und Marianne von ihrem Vater in Paris untergebracht, wo er ihnen verschiedene Anstellungen beschafft hat. So werden die Schwestern voneinander getrennt und tauchen am Vorabend der Revolution in ihre neuen Leben ein, jede in einer anderen Gesellschaftsschicht und getrieben von zwei Wünschen: Es im Leben zu etwas zu bringen und die Geschwister wieder zu sehen.

Zu Beginn wird besonders viel aus Sicht der erst 10-jährigen Jeanne erzählt. Sie soll einem Krämer zur Hand gehen, doch der hat sie bereits als Hure an seine Freunde verkauft. Sie flieht und wird, von einer Prostituierten, Claire, aufgenommen, die mit ihr in ein stadtbekanntes Freudenhaus zieht. Wie das Schicksal es so will, wollte der Krämer sie eben dort unterbringen. Claire hingegen achtet besonders darauf, dass Jeanne einen richtigen Beruf lernt und den Freiern fern bleibt. So baut sich das Mädchen nach einigen Jahren als Straßenverkäuferin und langen Abenden, die sie mit ihrer Chefin über der Buchhaltung verbrachte, ihr eigenes Geschäft auf.

Madelaine arbeitet als Näherin in einem der angesagtesten Modehäuser Paris und bekleidet auch das Königshaus. Es fällt ihr anfangs schwer, sich zurecht zu finden, denn sie muss viel Fachjargon lernen und kann nicht lesen. Sie wird von ihrer Kollegin Louisa unter die Fittiche genommen und auch die Chefin ist von ihrer Arbeit angetan, sodass sie später eine gehobene Stellung unter den Angestellten genießt.

Marianne kommt bei der Familie Necker unter, die beste Verbindungen zum Hof unterhält. Sie wird der Tochter Anne-Louise-Germaine, der späteren Mme de Stael, als Gesellschafterin zur Seite gestellt und lernt von ihr, sich wie eine Dame zu benehmen, verkehrt auf Bällen und in literarischen Salons.

Im Roman steht das Leben der drei Schwestern im Vordergrund. Dem Leser werden die drei Wohnorte und die gesellschaftlichen Umstände, unter denen die drei leben, näher gebracht. Außerdem steht ihr Liebesleben immer wieder im Rampenlicht. Die Ereignisse der Revolution werden nur hin und wieder erwähnt und haben meistens nur einen indirekten Einfluss auf das Leben der Schwestern. Es sind viel mehr ihre Arbeitgeber, die von den politischen Entwicklungen betroffen sind. Am Rande tauchen einige historische Persönlichkeiten auf, was teilweise recht amüsant ist, denn man muss schon wissen, was Fiktion und was historisch belegt ist. Freundlicherweise stellt die Autorin im Anhang einige Informationen über die historischen Figuren bereit. So freundet sich Jeanne z.B. auf dem Weg nach Paris mit Napoleon an und trifft ihn dann sogar in Paris wieder. Nur ein Aufeinandertreffen der Schwestern wird tunlichst vermieden, obwohl sie manchmal schon quasi mit der Nasenspitze aufeinander stoßen. Ob es ein Happy End gibt, sei hier nicht verraten.

Insgesamt wusste das Buch mich gut zu unterhalten und insbesondere die Gesellschaftsskizzen der Autorin haben mir gefallen. Dass die drei Schwestern trotz mehrerer guter Gelegenheiten nicht zueinander finden, fand ich etwas übertrieben und unlogisch, aber das kann ich hier nicht ausdiskutieren, ohne zu viel über die Handlung zu verraten. Die eine sucht jahrelang hartnäckig nach den anderen und gibt im entscheidenden Moment eine Sekunde zu früh auf, eine andere vergisst, wie das Haus aussah, in dem ihre Schwester untergekommen ist, obwohl sie wusste, was ihr bevor stand. Der einzige Außenstehende, der die Verbindung zwischen Madelaine und Marianne erkennt und sogar die Eltern ausfindig macht, beschließt, es für sich zu behalten. Und zu guter Letzt hätten sich Marianne und Madelaine treffen können, wenn sie nur etwas mehr mit ihren Mitmenschen über sich und ihre Schwestern gesprochen hätten… 


Der Roman ist etwas für alle, die ein wenig über die Lebensbedingungen der einfachen, aber doch erfolgreichen Leute Ende des 18. Jahrhunderts in Paris lesen möchten. Stilistisch sticht die Autorin nicht besonders heraus, aber ihr Stil ist flüssig und sie arbeitet mit vielen Perspektivwechseln. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht der drei Schwestern erzählt, was für einen regelmäßigen Wechsel des Erzählers sorgt und immer wieder erfrischend ist. Wer viele Details über die Revolution erwartet, wird von diesem Buch sicher enttäuscht sein.

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

The Moonstone

Wilkie Collins
Flexibler Einband: 462 Seiten
Erschienen bei Arcturus Publishing Ltd, 01.06.2010
ISBN 9781848376168
Genre: Sonstiges

Rezension:

Da ich ein großer Krimi-Fan bin, war es bei mir nur eine Frage der Zeit, bis ich zu diesem Klassiker griff, der zu den ersten richtigen Detektivgeschichten in englischer Sprache zählt. In „The Moonstone“ geht es um einen geheimnisvollen Diamanten, beziehungsweise die Aufklärung seines Verschwindens. Die junge englische Lady Rachel Verinder bekommt zu ihrem Geburtstag eben jenen sagenumwobenen und leider auch „verfluchten“ Mondstein vermacht. Er stammt aus dem Besitz eines verstorbenen Onkels, der ihn während seiner Zeit bei der Armee in Indien aus einem Schrein entwendet hatte. Deshalb setzt eine Gruppe von Brahmanen alles daran, den Stein zurückzubekommen. Während ihrer Geburtstagsfeier trägt Rachel das kostbare Juwel. In der folgenden Nacht wird der Diamant dann gestohlen und von nun an stehen die Ermittlungen im Mittelpunkt der Geschichte.

Das Geschehen wird aus der Perspektive unterschiedlicher Personen erzählt, in Form von Briefen oder tagebuchartigen Einträgen, und greift neben der Suche nach dem Diamanten auch verschiedene Themen der damaligen Zeit auf: indische Kolonien und Kritik am britischen Kolonialismus, Fortschritte in der Medizin, Opiumkonsum... Die verschiedenen Erzähler kommen mit mehr oder weniger Humor daher und Collins nimmt sie und ihres Gleichen teilweise ganz schön auf die Schippe, wie zum Beispiel die religiös engagierte Miss Clack, die immer ein moralanpreisendes Flugblatt zur Hand hat und es jedem ungefragt zusteckt. Der Roman enthält eine ordentliche Portion an Gesellschaftskritik und vertauscht klassische Rollen. So sind es die armen, einfachen Leute, wie das junge Dienstmädchen Rosanna, die der Lösung des Mysteriums um den Diebstahl am nächsten kommen, und nicht etwa die dilettantische örtliche Polizei oder der renommierte Ermittler aus London.

Mir hat vor allem die humorvolle, ironische Erzählweise des Gabriel Betteredge, dem Gutsverwalter der Familie Verinder, gefallen, aber auch über Miss Clack konnte ich mich gut amüsieren. Der Roman enthält viele typische Elemente des Genres, das er ja auch mit begründete, und weiß auch den heutigen Leser zu unterhalten und zu überraschen, denn es ist nichts wie es scheint und die Verdächtigen stehen Schlange. Während des Lesens kann man ordentlich miträtseln, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hatte immer mal wieder eine neue Theorie und konnte das Ende auch nicht vorhersehen. Das Buch ist etwas dicker, aber es lohnt sich, einen Blick hineinzuwerfen. Ich konnte es kaum mehr aus der Hand legen, vor allem, als es mit den Ermittlungen erstmal so richtig losging. Im Mittelteil gab es zwar ein paar Längen, die der Veröffentlichungsform in mehreren Episoden in einer Zeitung geschuldet sind, da im Nachhinein ein paar Kapitel hinzugefügt worden sind, um die Geschichte noch ein bisschen in die Länge zu ziehen, aber die hat man schnell überwunden. Mich haben sowohl die kriminalistischen als auch die humoristischen Elemente überzeugt.

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hitorischer roman, judenverfolgung, morde, spannung

Der Teufel von Straßburg

Heidrun Hurst
E-Buch Text: 372 Seiten
Erschienen bei dotbooks Verlag, 28.02.2018
ISBN 9783961481446
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Er lauert in der Dunkelheit. Seine Opfer sind jung, wehrlos und vollkommen allein. Ein grausamer Mörder treibt im Jahr 1348 in Straßburg sein Unwesen – doch niemand schert sich darum, denn er tötet nur namenlose Kinder der Gasse.
Selbst dem Schicksal einer solchen Kindheit nur knapp entronnen, fühlt sich die Klosterschülerin Adelheid mit den Opfern verbunden und beschließt, sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Mörder zu machen. In Martin, dem Henkerssohn, der mit seiner blutigen Bestimmung hadert, findet sie einen unerwarteten Verbündeten. Und auch das Kräuterweib Gertrudis scheint auf ihrer Seite zu sein…“

In diesem Roman von Heidrun Hurst begeben wir uns ins mittelalterliche Straßburg und begleiten Adelheid, Martin und Gertrudis bei ihren Ermittlungen. Es ist nicht nur ein historischer Roman und Krimi, sondern auch eine Coming-of-Age Geschichte, in der sich Adelheid und Martin mit ihren Gefühlen auseinandersetzen und wichtige Entscheidungen für ihre Zukunft treffen müssen.

Die angehende Nonne Adelheid genießt ihre seltenen Ausflüge in die Stadt, die sie oft zum Kräuterweib Gertrudis führen, die in ärmlichen Verhältnissen im Gerberviertel lebt. In der alten Frau findet sie eine Freundin und Lehrerin, was ihre moralischen Vorstellungen betrifft. Adelheid hegt wie die meisten ihrer Zeitgenossen große Vorurteile gegenüber Menschen jüdischen Glaubens oder auch gegenüber dem Henker und seinem Sohn. Von Nonnen erzogen, fühlt sie sich moralisch überlegen und erst Gertrudis kann ihr nach und nach vor Augen führen, dass die Realität manchmal vielschichtiger ist, als Adelheits schwarz-weiß Denken es zulässt. Schließlich muss sie sich eingestehen, dass sie sich zu Martin hingezogen fühlt, dabei ist sie fest davon überzeugt, dass ihr Leben sich eigentlich hinter den Mauern des Klosters abzuspielen hat.

Heidrun Hurst gelingt es, der Handlung immer wieder kleine historische oder kulturelle Details beizumischen, die das Ihre zur Geschichte beitragen. Insbesondere das jüdische Viertel spielt dabei eine Rolle. Adelheid und Gertrudis verschlägt es ins jüdische Viertel, als die junge Frau ihr Augenlicht zu verlieren droht und einen jüdischen Medikus um Hilfe bittet. Auch Martin ist öfter dort, denn seine wenigen Freunde sind Juden, die vom Rest der Gesellschaft genauso ausgeschlossen sind wie er. So kreuzen sich die Wege der Protagonisten und es entstehen gegenseitige Verpflichtungen und Versprechen, deren Einlösung am Ende nicht gewiss ist.

Mir haben besonders die historischen Hintergründe gefallen, die in dieser Geschichte mitschwingen. Der Schreibstil der Autorin ist einfach zu lesen, jedoch kann man manchen historischen Details anmerken, dass sie gewollt in der Geschichte untergebracht werden sollten. Auch der Plot ist gelungen, wenn ich auch am Ende ein wenig Kritik äußern muss. Martin handelt in dieser Situation nicht konsequent genug, was einem weiteren Jungen in große Gefahr bringt und sogar das Leben Kosten könnte… mehr sei nicht gesagt. Dieser erzählerische Kniff soll die Spannung erhöhen, wirkte auf mich jedoch zu konstruiert und unglaubwürdig.

Ein paar Mal wird der Leser mit treffenden, fast poetischen Naturbeschreibungen überrascht.

„Das überschäumende Erwachen der Natur zeigte sich in den jungen Trieben der Pappeln und Silberweiden mit ihren pelzigen Blütenkränzchen. In den Gräsern, Blumen und Kräutern, die den feuchten Boden unter ihren Füßen begrünten. Ein leichter Wind strich über die zarten Pflanzen und trieb winzige Samen durch die Luft“

Als fleißige Krimileserin hatte ich den Täter schnell entlarvt, aber mein Lesevergnügen wurde dadurch nicht getrübt. Neben der Suche nach dem Mörder geht es auch um die Freundschaft zwischen den Protagonisten. Die Wechsel der Erzählperspektive ermöglichen es, die Figuren besser kennen zu lernen und machen die Geschichte noch dynamischer. Meiner Meinung nach entsteht so ein recht vollständiges Gesellschaftsbild, dem lediglich noch ein wenig die politischen Aspekte fehlen, um die Entscheidungen des Stadtrats und der Kirche zu erklären. Einiges kann vermutlich als bekannt vorausgesetzt werden, aber an anderen Stellen wäre eine Erklärung der Beweggründe interessant gewesen.

Wer historische Romane mag, dem sei diese kurzweilige Erzählung empfohlen. 

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familiengeschichte, werwolf

Der Fluch der Wölfe

Emanuel Müller
Flexibler Einband: 206 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 09.01.2018
ISBN 9781983535161
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Geschichten über Werwölfe und Vampire verbuche ich gerne als Jugendroman mit einer romantisch verklärten Sicht auf das Thema, weil diese sich immer wieder mal großer Beliebtheit erfreuen und auch im Kino groß raus kommen. Der klassische Dracula ist dabei eher seltener zu finden, wenn man nicht gerade ein Kenner des Genres ist. Da das nicht mein Fall ist, bin ich nur durch Zufall auf das Buch von Emanuel Müller gestoßen, im Stöberbereich von lovelybooks. Die Beschreibung des Autors zu seinem Buch hat mich neugierig gemacht und da es nicht schaden kann, auch mal über den Tellerrand zu gucken, habe ich mich darauf eingelassen.

Und was für ein Lesespaß das war!


Klappentext

Belgien, 1880. Der junge Pariser Anwalt Mathéo Leclerc reist in die Ardennen, um das Erbe seines überraschend verstorbenen Onkels Alain anzutreten: ein abgelegenes Gebirgsschloss. Als er vor Ort erfährt, dass Alain ermordet wurde, sich aber niemand darum kümmert, beginnt er, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Nach und nach kommt er mit Hilfe seiner neuen Freunde Pierre und Lene hinter die düstere Vergangenheit seines Onkels und hört Gerüchte über Geisterbeschwörungen und Werwölfe. 


Nachdem er sich aufgrund seiner Erkundungen nicht gerade in der Umgebung beliebt macht, kommt es zu einem weiteren Mord.


Meine Meinung zum Buch

Der Stil des Autors ist dem Genre des Schauerromans angepasst. So wird die Handlung recht schnell vorangetrieben und umfasst typische Elemente wie die Ankunft eines Fremden, ein geheimnisvolles Schloss voller mysteriöser Gegenstände, einen dunklen Keller, unerklärliche Ereignisse und ein paar wilde Tiere. Auch der Aufbau der Geschichte hat mir zugesagt. Neben einem relativ vorhersehbaren Ablauf, der alles bietet, was man von dem Genre gemeinhin erwartet (fremder Erbe aus der Großstadt kommt in ein kleines Dorf und erbt ein geheimnisvolles Schloss, alle reden von schwarzer Magie, der Fremde verliebt sich in das Mädchen, sie bedienen sich der dunklen Künste und ziehen den Zorn der Dorfbewohner auf sich… auch der aufgebrachte Mob darf nicht fehelen...) gibt es auch schöne stilistische Kniffe, wie die Spiegelung des ersten und letzten Kapitels, bei denen es je um eine Bahnreise von Paris nach Belgien und wieder zurück geht.

Der Leser folgt Mathéo, dem jungen Erben aus Paris, ab seiner Ankunft in Belgien. Dieser steht den Dorfbewohnern und ihrem Lebensstil recht abschätzig gegenüber, freundet sich jedoch mit Pierre und Lene an. Gemeinsam nehmen sie die Ermittlungen auf. Lene und Mathéo kommen sich dabei näher und sie zieht zu ihm ins Schloss, das sie gemeinsam erkunden. Dabei stoßen sie auf einen angsteinflößenden, dunklen Keller, in dem sie scheinbar nicht allein sind.

Mir haben die immer wieder gut eingebauten Gruselelemente gefallen, die zum Beispiel bei einer Begegnung mit einem Wolfsrudel im Wald oder der Erkundung des Schlosskellers zum Einsatz kamen. Sie halten die Spannung hoch. Das Handeln der Hauptpersonen ist nicht immer ganz schlüssig, jedoch betrifft dies eher nebensächliche Handlungsstränge. Zum Beispiel ist Mathéo gelernter Jurist, lässt bei der Überschreibung des Schlosses durch den Notar jedoch seine beruflichen Kenntnisse vermissen und wirkt ihm gegenüber geradezu eingeschüchtert. Auch haben Mathéo und Lene für meinen Geschmack wenig Ehrfurcht vor der schwarzen Magie, auf die sie jedoch angewiesen sind, da Lene sich schwer verletzt. Nichtsdestotrotz ist die Erzählung schlüssig. Natürlich darf man bei diesem Genre keine rationalen Erklärungen für alles erwarten, sondern muss akzeptieren, dass Zauberei mit im Spiel ist. Deren Regeln und Wirkungskraft werden ausreichend erklärt, um sich zurecht zu finden.

Ich war positiv überrascht, wie spannend ein Schauerroman sein kann. Wenn am Ende auch ein paar Fragen offen bleiben (es handelt sich ja auch um die Vorgeschichte zu anderen
Büchern des Autors) und es ein Kapitel gibt, in dem es um ein Portal zu einer Parallelwelt geht, dessen Funktion für die Geschichte sich mir nicht vollends erschlossen hat, muss ich doch sagen, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe. 

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19. jahrhundert, 2018, annis bell, band 3, die orlow-diamanten, england, lady jane, london, russland, viktorianischer krimi

Die Orlow-Diamanten

Annis Bell
Flexibler Einband: 334 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 28.03.2017
ISBN 9781611097344
Genre: Historische Romane

Rezension:

Klappentext


„Die unkonventionelle Lady Jane und ihr Mann Captain Wescott freuen sich auf ihre Reise nach Indien. Das Gepäck ist schon an Bord, am nächsten Morgen soll das Schiff in See stechen. Doch dann werden in London die berühmten Orlow-Diamanten gestohlen und ein russischer Attaché fällt einem heimtückischen Mord zum Opfer. Rasch verhaftet man einen ersten Verdächtigen: Es ist ausgerechnet Wescotts Diener Levi, der regelmäßigen Kontakt hatte zu russischen Emigranten-Kreisen. Notgedrungen verschieben Lady Jane und der Captain ihre Reise, um Levi zu entlasten und an der Aufklärung des Falles mitzuwirken.
Als der Captain plötzlich selbst unter Verdacht gerät, stellt Lady Jane sich mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein der Aufgabe, ihren Mann aus seiner schwierigen Lage zu befreien. Die Suche nach dem wahren Drahtzieher des Mordes von London führt sie mitten in die revolutionären Kreise von St. Petersburg …“


Mein Hörerlebnis


Annis Bells Roman „Die Orlow-Diamanten“ wurde von Sabina Godec eingelesen und entführt zuerst ins viktorianische London und dann nach St. Petersburg. Ich musste mich an den Lesestil der Sprecherin zu Beginn erst gewöhnen, empfand ihn dann aber als angenehm. Auch kommen im ersten Kapitel schon viele Namen vor, die auch für den weiteren Verlauf der Geschichte wichtig sind, und so habe ich es mir zweimal angehört, um sicher zu sein, der Handlung folgen zu können. Das war dann auch kein Problem. Der Roman ist durchweg interessant und spannend, so dass ich das Hörbuch zügig durchgehört habe. Die 23 Kapitel haben eine angenehme Länge von ca. 30 Minuten, lassen sich aber auch einfach an passenden Stellen unterbrechen. Da ich fast täglich weitergehört habe, habe ich den Faden nicht verloren.

Annis Bell schafft von Beginn an eine wunderbare Atmosphäre. Man kann sich das London Ende des 19. Jahrhunderts sehr gut vorstellen und taucht mit Jane und David ein in die gehobene britische Gesellschaft ein, in der es gilt, den guten Namen zu wahren und Kontakte spielen zu lassen. Durch Dialoge und gesellschaftliche Zusammenkünfte bringt die Autorin uns die Gepflogenheiten dieser Gesellschaftsschicht und das damalige Weltbild der Briten nahe. Das alles wird in die inoffiziellen Ermittlungen Janes bezüglich des Raubüberfalls auf den russischen Botschafter Orlow eingebettet. Sie ist persönlich vom Fall betroffen, da einer ihrer Angestellten und später sogar David verdächtigt werden. So beginnt ihre Suche nach den Drahtziehern hinter dem Überfall. Dabei bewegt sie sich nicht nur, aber doch hauptsächlich, in den gehobenen Kreisen der Londoner Gesellschaft und reist später nach Russland. In Sankt Petersburg erhofft ihr Mann sich Beistand von seinen Verwandten und Jane begegnet einer Gruppe Intellektueller, die die Revolution vorbereiten.

Dieser historische Roman ist gleichzeitig ein Krimi und ein Dokument, das den Geist einer Zeit einzufangen vermag. Sowohl Führsprecher der Kolonisation als auch Revolutionäre kommen zu Wort. Neben der Aufklärung des Raubüberfalls und der Wahrung von Captain Wescotts Ruf geht es auch um die Beziehung zwischen Jane und ihrem Mann, dessen Vergangenheit ihn immer wieder einzuholen scheint und von der sie Stück für Stück etwas erfährt. Insbesondere seine Erfahrungen während des Krimkriegs spielen eine Rolle, denn das Viktoriakreuz soll verliehen werden und David wird als einer der Anwärter gehandelt. So geht es nebenbei auch um das Gefühl und Verständnis von Ehre, vor allem im militärischen Sinn, nach damaligen Vorstellungen.

Für Geschichtsfans lassen sich die historischen Persönlichkeiten und Geschehnisse sicher leicht einordnen und erlauben ein paar spannende Stunden, denn dieser Roman weiß zu unterhalten. 

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43 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Herrscher des Nordens - Die letzte Schlacht

Ulf Schiewe
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2018
ISBN 9783426520048
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ulf Schiewes "Die letzte Schlacht", dritter und abschließender Teil der "Herrscher des Nordens"-Trilogie, bietet einen interessanten Erzählstil und überzeugt die Fans der Serie.

Inhalt:

Harald Sigurdsson ist als Söldner in Konstantinopel und erlebt dort den Volksaufstand gegen den Basileus, dessen Absetzung und die Thronbesteigung der rechtmäßigen Kaiserinnen. Trotz seiner Beziehungen zu Kaiserin Zoe muss Harald schließlich mit samt seiner Mannschaft und seines über Jahre gehorteten Schatzes aus der Stadt fliehen. Es zieht ihn heimwärts und so begibt er sich nach Norden, wo er in Kiew erst ein Heiratsversprechen einlöst und von dort dann weiter nach Sithun segelt und schließlich auch nach Norwegen, wo er nicht unbedingt willkommen ist, denn sein Neffe ist König und wenn Harald ehrlich zu sich ist, würde er gerne selber auf dem Thron sitzen…

Meine Meinung:

Ich habe das Buch hier bei lovelybooks gewonnen und mich sehr darüber gefreut, weil ich mich für Skandinavien, damals wie heute, interessiere. Leider hatte ich die Bände 1 und 2 nicht gelesen, weshalb ich einige Probleme mit dem Buch hatte. Es ist ganz klar für Fans der Serie geschrieben und bietet sich nicht unbedingt dazu an, einzeln gelesen zu werden. Viele Figuren und Orte bleiben recht blass, weil sie als schon bekannt vorausgesetzt werden oder um Wiederholungen zu vermeiden nicht näher beschrieben werden. Je mehr man liest, desto mehr neue Ereignisse und Personen treten in den Vordergrund, weshalb mir besonders das letzte Drittel des Buches gut gefallen hat. Auch die Schilderungen der Schlachten oder Szenen des Aufstands waren gelungen.

Das Buch basiert auf der überlieferten Biografie Haralds und lässt hier und da ein wenig Spielraum für künstlerische Freiheiten. Der Autor greift dieses Thema im Nachwort auf. Dazu gibt es einen Glossar über Ortsnamen, eine Karte und ein Verzeichnis der historischen und fiktiven Personen. Im Text werden damalige Ortsnamen und Fachbegriffe auf alt Norwegisch verwendet, was ich sehr schön fand, weil es eine gewisse Atmosphäre aufkommen ließ und teilweise die Verbundenheit der Männer zu ihrer Ausrüstung widerspiegelt, z.B. in Bezug auf die Schiffe. Auch hier kann man hinten im Buch nachschlagen, sollte man vergessen haben, was gemeint ist.

Da es sich um den dritten Band der Trilogie handelt, wurde viel zu Ende erzählt, liefen ältere Handlungsstränge zusammen und es gab viele Wiedersehen, deren Stellenwert man als Neuleser/ Quereinsteiger schwer einschätzen kann. Das irritiert zu Beginn, macht aber auch neugierig auf die zwei anderen Büchern. Da es aber auch neue Personen gibt, die man besser kennenlernt, wird das Buch von Seite zu Seite besser. Vielleicht hat mir deshalb gerade das Ende sehr gut gefallen. Nicht nur, als Harald noch einmal ins Feld zieht und schließlich in England stirbt, sondern auch sein Überfall auf Roskilde, das Thing nach Magnus Tod oder Haralds zweite Hochzeit.

Der Erzählstil ist interessant, doch gewöhnungsbedürftig, wie ich fand. Der Ich-Erzähler, Harald, ist sich des Lesers sehr bewusst und so springt er zwischen seinen Gedanken und nützlichen Infos für den Leser hin und her. Teilweise könnte es ein Tagebuch oder Reisebericht sein, in der ersten Person verfasst, aber klar an einen Leser adressiert. Viele Ereignisse werden nur erzählt und nicht gezeigt. Der Erzähler berichtet oft recht nüchtern, schildert was er sieht. Die Schilderungen von Konstantinopel lassen manchmal an einen Stadtplan denken, während die skandinavische Natur viel bildhafter beschrieben wird. Andererseits folgt der Leser auch Haralds Gedanken, weshalb der Text auch umgangssprachlich sein kann und Ellipsen enthält. Für einen Ich-Erzähler ist Harald allerdings sehr emotionslos, gar abgebrüht und beschreibt das Geschehen manchmal telegrammartig, seltener mit Witz oder gar etwas Poesie.

Ein paar Beispiele:

Vor dem Sturm auf den Palast:
"Die Männer wollen ihren Anführer sehen. Doch in Wirklichkeit bin ich voller Zweifel. Ich fühle mich wie ein Seiltänzer über dem Abgrund. Nichts an unserem Vorhaben ist gesichert." (S. 57)
"Und ob wir nach Eroberung des Tors den Mob unter Kontrolle halten können, auch das ist ungewiss"
. (S. 57)

Bei der Begutachtung neuer Schiffe:
"Seine schwielige Hand fährt mit solcher Zärtlichkeit über die Planken der Außenhaut, als würde er ein geliebtes Weib streicheln. Wie ich Ragnar kenne, hat er mehr Zärtlichkeit für ein schönes Schiff im Herzen als für jede Frau." (S. 259)

Harald befragt seine Söldnertruppe, ob sie ihren Eid brechen und den Basileus stürzen sollen:
„Ich bemerke, wie der eine oder andere sich unsicher zu seinen Freunden umsieht. Ich warte, will ihnen Zeit zum Nachdenken geben. Dabei versuche ich, in den vielen Gesichtern zu lesen, was in ihren Köpfen vorgeht. Unsere Truppe besteht, mit Ausnahme einiger Rus, vollständig aus Nordmännern. Es sind harte, kampferfahrene Krieger. Gut die Hälfte ist schon in Kiew bei mir gewesen, einige kommen ursprünglich aus Schweden, viele sind Norweger. Auch Dänen sind darunter, eine Handvoll Isländer wie Halldor und Thjodolf. Aber inzwischen dienen sie seit Jahren im Reich der Griechen. Sie haben sich eingelebt. Und darauf baue ich.“ (S. 82)

Abschließend möchte ich sagen, dass mich das Buch, welches sich irgendwo zwischen historischem Roman, Abenteuergeschichte und Biografie bewegt, immer wieder gut zu unterhalten wusste, obwohl mir Stellenweise etwas Vorwissen fehlte. Insbesondere die historische Fundiertheit hat mir gefallen, aber auch gerade die erfundenen Abschnitte sind Ulf Schiewe gut gelungen. Ich habe meine Bücherwunschliste um einige Bücher des Autors erweitert und freue mich schon auf die Bände 1 und 2.

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Flammender Schnee

Thomas Manderley
Flexibler Einband: 148 Seiten
Erschienen bei epubli, 24.10.2017
ISBN 9783745034219
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thomas Manderleys kleiner Roman „Flammender Schnee“ zieht mit seinem Cover den Blick des Stöberers an. Schwarz-rot-gelb ziehen sich Rauch und Feuer über einen großen Teil des Covers, aus denen eine Straße heraus führt, links und rechts davon liegt Schnee. Aus dem Feuer heraus fährt ein kleiner, alter VW-Bus. Einen Klappentext sucht man vergebens und wird so dazu angehalten, die ersten paar Seiten zu lesen, ein bisschen zu blättern und sich dann vielleicht für den Kauf zu entscheiden.

Der Ich-Erzähler Tobias, der mit Verbrennungen an den Beinen aus dem Koma erwacht, berichtet von seinem Krankenhausbett aus, wie er in ein abgelegenes Bergdorf gelangte und auf die dortigen Bewohner traf. Er erzählt, wie er sich in die Gastwirtin Anna verliebte und wieso es dort, in mitten des Schnees und der absoluten Abgeschiedenheit und Abgeschnittenheit von der Welt, zur Katastrophe kam. Wegen eben dieser Katastrophe bekommt der Patient immer wieder Besuch von einem Inspektor, der ihn für verdächtig hält…

Der Autor versucht eine unheimliche Atmosphäre zu erschaffen, doch gelingt ihm dies nicht ausreichend, so dass sich im besten Fall ein paar merkwürdige, vielleicht verdächtige Ereignisse aneinanderreihen, auf die sich der Leser keinen Reim machen kann. Anscheinend liefern sich die zwei Dörfer einen brutalen Kleinkrieg, den der Rheinländer Tobias manchmal mit der Rivalität zwischen Köln, seiner Heimatstadt, und Düsseldorf vergleicht – wenn nicht gar der Kalte Krieg als Vergleich herhalten muss! Wir befinden uns schließlich im Jahre 1960, wie der Autor betont. (Der Inspektor: „Wir haben zwar schon 1960, aber trotzdem hat keines der kleinen Dörfer hier einen Anschluss.“ S.14. Oder verschiedene Hinweise auf die Musik im Radio etc.)

Der Stil des Autors konnte mich leider nicht überzeugen, genauso wie einige Elemente der Geschichte. So folgt man dem Fluss der Zeit z.B. durch die Kommentare Tobias über das Krankenhausessen, und es wird keine Mahlzeit ausgelassen! Außerdem bleibt der Erzähler, der immerhin schwer verletzt ist, augenscheinlich etwas Schreckliches erlebt hat, dessen Freundin Anna im Koma liegt und der obendrein eines Verbrechens verdächtigt wird, äußerst gefühlskalt, geradezu emotionslos. Dadurch bleibt es auch unklar, wie er sich in Anna verliebte und ob es sich dabei um gegenseitige Liebe handelte. Auch die Gründe seines Suizidversuchs im Krankenhaus erschließen sich mir nicht. Ebenso überraschend wie unschlüssig ist das Ende des Buches, das ich hier aber nicht verraten möchte. Es sei nur gesagt, dass es im Buch zuvor einfach viel zu wenige Hinweise (vielleicht einen!) dazu gab. Auch Tobias Verhalten im Krankenhaus ließ mich verwundert zurück. Warum versucht er nicht, zu seiner Familie Kontakt aufzunehmen? Warum verlangt er keinen Anwalt, bzw. verwirft diese Optionen vorschnell? Erzähltechnisch wie stilistisch war es also leider nicht so meins. Teilweise habe ich mich gefragt, ob Tempus und Modus richtig verwendet wurden. Und dann gab es viele Fehler, wie es nun mal häufiger vorkommt, wenn es sich um ein um ein Projekt in Eigenregie handelt.

Für ein Debüt war es eine gute Story, an der der Autor aber noch ein wenig hätte arbeiten können. So wurde das Potential der Geschichte durch eine vielleicht zu schnelle und nicht ausreichend ausgefeilte Umsetzung verschenkt.

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Das dunkle Netz

Silvia Stolzenburg
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 07.02.2018
ISBN 9783839222805
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


„Als Mark Becker einen Anruf von einem ehemaligen Kameraden erhält, ahnt er nicht, in welche Gefahr er sich begibt, indem er ein Treffen mit dem Anrufer vereinbart...“

Schon vor Beginn der eigentlichen Handlung baut die Autorin Spannung auf, denn Kai Jäger, Mark Beckers ehemaliger Kollege bei den Feldjägern, stiehlt bei seinem Arbeitgeber sensible Daten. Er glaubt unbemerkt davon gekommen zu sein, doch dann hält spät nachts ein Auto in seiner Straße... Während ihrer Ermittlungen, die mal mehr, mal weniger an klassische Polizeiarbeit erinnern, nehmen Mark Becker und Lisa Schäfer, von der Kriminalpolizei, diesen Arbeitgeber, einen etwas anderen Sicherheitsdienst, genauer unter die Lupe. Sie bringen dabei ihre Freunde und auch sich selbst in Schwierigkeiten. Als sie endlich begreifen, dass sie es tatsächlich mit einem Gegner von größerem Kaliber zu tun haben, ist es fast schon zu spät…

Die Charaktere in diesem Buch haben mir gut gefallen. Man findet schnell einen Zugang zu ihnen, insbesondere zu Mark Becker, der Hauptperson. Der Feldjäger kann sich bei seinen Ermittlungen auf ein paar gute Freunde verlassen, die ihm z.B. mit ihren enormen Informatikkenntnissen weiterhelfen. Allerdings gehen sie dabei leider einmal auch etwas zu blauäugig vor, was fatale Folgen hat. Hier fand ich das Buch nicht ganz glaubwürdig, weil das Handeln von Mark und seinem Freund mir zu unüberlegt, zu unvorsichtig schien. Da Mark es mit den internen Regeln nicht so genau nimmt, startet er ein paar gewagte Aktionen, die sehr spannend zu lesen sind. Er ist bei den Ermittlungen eher der Typ Superheld, während Lisa mit gesunder Skepsis zu Werke geht.

Für mich war es der erste Krimi, bei dem es um die Zusammenarbeit von Kripo und Feldjägern ging, was ich sehr interessant fand. Die Handlung wird aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, weshalb man ihnen allen näher kommt. Natürlich sind Mark und Lisa dabei die Hauptpersonen. Trotzdem sind sie nicht alle reine Sympathieträger, sondern haben auch Ecken und Kanten, die man als Leser vielleicht nicht so anziehend findet. Dadurch wirken sie meiner Meinung nach authentisch. 


Am Ende wird der Fall zwar gelöst, der Gegner jedoch nicht besiegt, denn die Fädenzieher halten sich im Hintergrund. Das lässt vermuten, dass die Krimi-Reihe hiermit noch nicht abgeschlossen ist. Der Band lässt sich übrigens problemlos einzeln lesen, ohne Vorkenntnisse, auch wenn es auf Grund der Entwicklung der Figuren natürlich meistens besser ist, eine Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. 

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The Handmaid's Tale

Margaret Atwood
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Vintage, 29.06.2011
ISBN 9780099511663
Genre: Romane

Rezension:

The Handmaid’s Tale”, zu Deutsch “Der Report der Magd”, ist ein 1985 erschienener Roman, in dem es um die Republic of Gilead geht. Dabei handelt es sich um eine separatistische, patriarchalische Gesellschaft auf dem Gebiet der USA, die sich in einem Krieg befindet. Eine nukleare Katastrophe hat viele Menschen unfruchtbar gemacht. Um das Überleben der Menschheit in diesem Teil der Welt zu sichern, hat die Republic of Gilead verfügt, dass die Fortpflanzung zur Staatsräson wird. Gebärfähige Frauen werden zur Ressource erklärt. So lebt die Ich-Erzählerin in einem Kastensystem, in dem sie einem Mann der höchsten Gesellschaftsschicht zugeteilt wird, um Kinder zu zeugen. 

Wie alle Frauen wird sie streng überwacht. Als Handmaid (Magd) erledigt sie Einkäufe (immer mit einer festgelegten Partnerin, damit sie sich gegenseitig kontrollieren) und die monatliche Beischlafzeremonie. Dazwischen hat sie viel Zeit zum Überlegen in ihrem sterilen Zimmer, das einem Gefängnis gleicht. So erinnert sie sich: An das Leben, wie es einmal war. Sie war frei, durfte lesen, arbeiten, Geld verdienen, eine eigene Familie haben… Sie berichtet, wie sie ihren Job verlor, wie sie versuchte zu fliehen, wie sie von ihrem Freund und ihrer Tochter getrennt und in ein Umerziehungscamp gebracht wurde. Dort musste sie u.a. die neuen Regeln erlernen und Abbitte leisten, z.B. dass Frauen die Schuld an sexuellen Übergriffen trugen, da sie sich zu freizügig kleideten – weshalb die Handmaids nun eine rote Uniform tragen, die nur das Gesicht frei lässt und ihren sozialen Status verkündet. 

Die Erzählung zeichnet das Bild einer indoktrinierten, totalitaristischen, patriarchalischen Gesellschaft, aus der es für die Handmaids nur einen Ausweg gibt: den Tod. Doch auch er soll ihnen verwehrt bleiben.

Das Buch schneidet viele aktuelle Fragen an, insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Aber auch Religion, Überwachung oder staatlich organisierter Terror und Propaganda spielen eine Rolle. Neben den Parallelen zu aktuellen Debatten (#meeToo lässt grüßen) hat mir der leicht protokollartige Stil der Autorin sehr gut gefallen. Auch das Zurückhalten von Informationen, durch das aneinanderreihen unterschiedlicher Episoden, ist gelungen. Die Spannung nährt sich durch die Neugierde über die Entstehung dieser Gesellschaft, das Schicksal der Familie der Erzählerin, die Funktionsweise der neuen Kastengesellschaft und ob es ein Entkommen geben kann. 

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The Handmaid's Tale (Vintage Classics)

Margaret Atwood
E-Buch Text: 370 Seiten
Erschienen bei Vintage Digital, 15.05.2012
ISBN 9781446485477
Genre: Sachbücher

Rezension:

The Handmaid’s Tale”, zu Deutsch “Der Report der Magd”, ist ein 1985 erschienener Roman, in dem es um die Republic of Gilead geht. Dabei handelt es sich um eine separatistische, patriarchalische Gesellschaft auf dem Gebiet der USA, die sich in einem Krieg befindet. Eine nukleare Katastrophe hat viele Menschen unfruchtbar gemacht. Um das Überleben der Menschheit in diesem Teil der Welt zu sichern, hat die Republic of Gilead verfügt, dass die Fortpflanzung zur Staatsräson wird. Gebärfähige Frauen werden zur Ressource erklärt. So lebt die Ich-Erzählerin in einem Kastensystem, in dem sie einem Mann der höchsten Gesellschaftsschicht zugeteilt wird, um Kinder zu zeugen. 

Wie alle Frauen wird sie streng überwacht. Als Handmaid (Magd) erledigt sie Einkäufe (immer mit einer festgelegten Partnerin, damit sie sich gegenseitig kontrollieren) und die monatliche Beischlafzeremonie. Dazwischen hat sie viel Zeit zum Überlegen in ihrem sterilen Zimmer, das einem Gefängnis gleicht. So erinnert sie sich: An das Leben, wie es einmal war. Sie war frei, durfte lesen, arbeiten, Geld verdienen, eine eigene Familie haben… Sie berichtet, wie sie ihren Job verlor, wie sie versuchte zu fliehen, wie sie von ihrem Freund und ihrer Tochter getrennt und in ein Umerziehungscamp gebracht wurde. Dort musste sie u.a. die neuen Regeln erlernen und Abbitte leisten, z.B. dass Frauen die Schuld an sexuellen Übergriffen trugen, da sie sich zu freizügig kleideten – weshalb die Handmaids nun eine rote Uniform tragen, die nur das Gesicht frei lässt und ihren sozialen Status verkündet. 

Die Erzählung zeichnet das Bild einer indoktrinierten, totalitaristischen, patriarchalischen Gesellschaft, aus der es für die Handmaids nur einen Ausweg gibt: den Tod. Doch auch er soll ihnen verwehrt bleiben.

Das Buch schneidet viele aktuelle Fragen an, insbesondere in Bezug auf die gesellschaftliche Stellung von Frauen. Aber auch Religion, Überwachung oder staatlich organisierter Terror und Propaganda spielen eine Rolle. Neben den Parallelen zu aktuellen Debatten (#meeToo lässt grüßen) hat mir der leicht protokollartige Stil der Autorin sehr gut gefallen. Auch das Zurückhalten von Informationen, durch das aneinanderreihen unterschiedlicher Episoden, ist gelungen. Die Spannung nährt sich durch die Neugierde über die Entstehung dieser Gesellschaft, das Schicksal der Familie der Erzählerin, die Funktionsweise der neuen Kastengesellschaft und ob es ein Entkommen geben kann. 

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Aisha

Jesper Stein , Patrick Zöller
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 26.01.2018
ISBN 9783462050783
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jesper Steins vierter Axel Steen-Krimi hat mich begeistert. Ich hatte bisher noch kein Buch des Autors gelesen und werde demnächst wohl zu den Vorgängern aus der Reihe greifen.


Axel Steen, Ermittler bei der Kopenhagener Kriminalpolizei, hat eine schwere Zeit und sein altes Ich hinter sich gelassen. Nach einem Dasein als verdeckter Ermittler im Bandenmilieu, einer Schussverletzung sowie Alkohol- und Drogenexzessen ist er auf dem Weg der Besserung, was nicht nur seinen körperlichen Zustand betrifft, sondern auch den Umgang mit seinen Mitmenschen. Gut gefallen haben mir in diesem Zusammenhang Axels Kommentare zu seinem neuen Selbst, wie z.B.:

"Aber er hatte geschwiegen und sich bemüht, der angeblich gar nicht so neue Axel Steen zu sein, der die Dinge beiseiteschob und der Welt vorurteilsfrei gegenübertrat." (S.168)


Im Krimi „Aisha“ geht es um die Aufklärung der Morde an ehemaligen Mitarbeitern des dänischen Geheimdienstes PET. Axel muss sich dabei mit einem neuen Kollegen arrangieren, der ihm von eben jenem Geheimdienst zur Seite gestellt wird. Auch seine Freundin Henriette arbeitet dort. Der Schlüssel zum Ermittlungserfolg scheint in einem alten Fall der beiden zu liegen und so hat der Autor die Geschehnisse von damals, 2007, und die aktuellen Ermittlungen, die 2011 spielen, gekonnt miteinander verflochten. Im ersten Teil des Buches geht jedem Kapitel eine Jahreszahl voran, damit der Leser sich richtig orientieren kann. Doch durch das Geschehen ist eigentlich auch so schon klar, über welche Zeit und welchen Fall man liest.

Während der Erzählstrang über die aktuellen Ermittlungen die verschiedenen Ermittlungsansätze verfolgt und auch einiges über Axel Steens Privatleben offenbart, konzentriert sich die Erzählung über das Jahr 2007 auf die damaligen Anti-Terror-Ermittlungen und hält die Spannung besonders hoch. Es ist schnell klar, dass damals etwas schrecklich schief gegangen sein muss… 


Auch für Neuleser gelingt der Einstieg problemlos. Die Figuren sind sehr plastisch und der Stil des Autors überzeugt, v.a. durch die inneren Monologe von Axel Steen, die hier und da auch etwas ironisch sind. Außerdem führt uns Jesper Stein zielstrebig durch Kopenhagen und gibt Details über Stadtviertel und Hauptverkehrsadern Preis. Und auch die Meerjungfrau ist mit von der Partie. Die Beschreibungen der Umgebung spiegeln die Stimmung des Ermittlers wider oder tragen zum Aufbau einer meiner Meinung nach typischen skandinavischen Atmosphäre bei: 

"Ein koksgraues Grummeln aus kilometerhoch am Horizont aufgetürmten Wolken hatte den Regen abgelöst. Einmal mehr verschluckten ihn Ørestadts Steinkuben und Glasfassaden mit ihrem vollständigen Fehlen weicher Formen und alles Organischen." (S.125)

Ich fand es toll, wie die Namen der Stadtviertel und Straßen mich durch Kopenhagen geführt haben. Es hätte hier aber noch etwas mehr sein können, wie z.B. ob es bestimmte Geschäfte gibt oder noch mehr über die Leute, die dort leben, wie es aussieht etc. Bei mir sind zwar viele Namen hängengeblieben, aber eher weniger Wissen dazu. Gefallen hat mir auch, dass moralische Themen mit eingebaut wurden, wie Rassismus am Arbeitsplatz oder der Wert des Einzelnen gegenüber der nationalen Sicherheit.

Alles in allem ist „Aisha“ ein solider Krimi, der auf guter Ermittlungsarbeit aufbaut und in einem typischen Show-down endet, der noch einmal Spannung aufkommen lässt. Allerdings kann man relativ früh wissen, wer der Täter ist und auch ahnen, was er letzten Endes vor hat. Vieles hätte, wie sich herausstellt, auch leicht verhindert werden können, wenn alle ihre Arbeit gemacht, die Augen offen gehalten und einander gut zugehört hätten. Letzten Endes bleiben ein paar Fragen offen und der Roman schließt mit einem wunderbaren Cliff-Hanger, der neugierig auf die Fortsetzung der Reihe macht.

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70 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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Die Kathedrale des Lichts

Ruben Laurin
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.01.2018
ISBN 9783404176366
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der im 13. Jahrhundert spielende Roman „Die Kathedrale des Lichts“ von Ruben Laurin überzeugt durch die präzise Recherchearbeit des Autors und eine geballte Ladung an Action. Über viele Jahre hinweg begleiten wir die Erbauer des Magdeburger Doms und ihre Familien.

Die Erzählung ist in mehrere Bücher unterteilt und zu jedem Kapitel gibt es eine Angabe zu Ort und Datum, was auch mal größere Zeitsprünge erlaubt. Im ersten Teil lernen wir die Hauptprotagonisten kennen, deren Schicksale aufeinander zu driften um schließlich in Magdeburg anzukommen. Der junge Moritz entkommt als einziger seiner Familie einem Angriff der Sachsen auf sein Dorf. Auf sich allein gestellt, widerfährt ihm viel Unrecht und er verbringt mehrere Jahre als Sklave. Er ist der soziale Aufsteiger des Romans, der durch sein künstlerisches Talent, sein Trauma und seine Tollpatschigkeit das Herz des Lesers erobert. Sein beruflicher Werdegang und seine heimliche Liebe zur Tochter des Baumeisters sind der dreh und Angelpunkt des Romans, der abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Protagonisten erzählt wird.

Auf der Baustelle des Magdeburger Doms herrscht Rivalität zwischen den Steinmetzen. Sie konkurrieren nicht nur um die prestigeträchtigsten Aufträge, sondern auch um die Hand der schönen Helena, der Tochter des Baumeisters Bohnsack. Helena fühlt sich jedoch zum Ritter Ansgar hingezogen… In dieser Geschichte zwischen Steinstaub und Turnierplätzen wird vor dem Tod gerettet und gestorben, gestohlen und geliebt, so dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.

Der Roman, immerhin fast 600 Seiten stark, erschien als handliches Taschenbuch mit gestärktem Rücken. Die gesamte Aufmachung hat mir sehr gefallen. Das Buch liegt gut in der Hand, das Papier ist angenehm dünn und das Cover, das stark an Ken Folletts Kingsbridge-Romane erinnert, zeigt ein Portal des Doms im Sonnenlicht, passend zum Titel. Gut gefallen haben mir auch die Hilfestellungen für den Leser, wie z.B. ein Namensregister (das ich persönlich aber nicht brauchte), eine Zeittafel zu historischen Ereignissen, die aufgegriffen werden, und ein kleiner Glossar zum Thema Dombau und katholische Kirche.

Die Beschreibungen des Doms und der Arbeiten daran sind gekonnt mit der Handlung verflochten und oft sehr lebendig dargestellt, da sie durch direkte Rede präsentiert werden. Für meinen Geschmack hätte es hier auch noch etwas mehr sein können – die Geschichte ist also keineswegs von baulichen Details überfrachtet. Die ein oder andere Erklärung im Fließtext hätte ich mir trotz des Glossars gewünscht, weil man sonst öfter mal nachschlagen muss.

Die Handlung ist manchmal sehr gerafft, und auch einige Ereignisse, von denen ich gerne direkt gelesen hätte, werden nur knapp mündlich wiedergegeben, was ein bisschen schade ist, der Geschichte jedoch nicht weh tut. Eine kleine Episode jagt hier die andere und treibt auch den Leser vor sich her. Es gibt kleine Hinweise auf zukünftige Ereignisse, die die Spannung steigern sollen, doch da eigentlich ständig etwas Neues passiert und das aus unterschiedlichen Erzählsträngen (werben um Helena, Dombau, Wettstreit der Bildhauer…), flaut die Spannung manchmal etwas ab, da sich die verschiedenen Intrigen gegenseitig unterbrechen oder überschneiden. Das diese fliegenden Übergänge gelingen, spricht für die Erzählkunst des Autors, doch wäre ich manchmal gerne bei einem Thema geblieben, um mich so richtig in die Figuren hineinzuversetzen. Die Sympathien sind hier schnell verteilt und auch die Nebenfiguren wachsen dem Leser ans Herz. Auf den ersten Blick etwas zu sehr in gut und böse unterteilt, sind die Protagonisten auf den zweiten ÄBlick oft vielschichtiger, als man denkt.

Der Stil ist sehr flüssig und angemessen mit zeitgemäßem Vokabular angereichert. Auch Bemerkungen eines leicht auktorialen Erzählers haben mir gefallen, wie z.B. in der eingeschobenen Legende um den heiligen Mauritius: „“Rhône“ nennt man den Strom heute; damals hieß er „Rhodanus““ (S.51), „Lugdulum am Rhodanus nannten spätere Generationen „Lyon““ (S.20). Die Religion oder Kirchenpolitik nimmt keinen besonderen Platz in dieser Geschichte ein, spielt aber für die Bildhauer eine Rolle. So erfährt der Leser so einiges über den heiligen Mauritius und die heilige Katharina, denen der Dom gewidmet ist, und über das Gleichnis der Zehn Jungfrauen, deren Statuen ebenfalls im Dom zu bewundern sind. Ihre Entstehung sorgt in der Geschichte für so einiges „auf und ab“, wie es die fromme, für verrückt gehaltene Mechthild ausdrücken würde, die den Leser und alle Bauarbeiter stets daran erinnert, dass ihr Leben in Gottes Hand liegt.

Ruben Laurins Roman hat mich bestens unterhalten, wenn ich auch ein paar kleine Kritikpunkte nennen muss. Zum einen die bereits genannte Raffung von Teilen der Geschichte, zum anderen wird es für meinen Geschmack manchmal etwas gefühlsduselig. Diese Abschnitte sind jedoch vertretbar, oder zumindest hinnehmbar und häufen sich auch nicht im Buch. Wer historische Romane mag und gekonnt verflochtene Handlungsstränge liebt, kann hier einen tollen Zeitvertreib finden. 

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eisfläche, erpressung bayrischer dialekt, fahrenheit, first nation, friedenspfeife, geheimnisse, gestöhlene gegenstände, heilige birkenrinde, kanada, konkurrent, läsion, mittelnerv, mord, rezepte, versteigerung

Mörderische Macarons

Dani Baker
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 31.07.2017
ISBN 9783744886314
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext

Bei 'Hansel & Pretzel' liegt Liebe in der Luft: Passend zum Valentinstag werden leckere französische Backwaren angeboten, und Linn Sommer hat endlich ihr langersehntes Date mit Bas van de Groot. Alles läuft perfekt - bis der attraktive Polizeiinspektor zu einem Mordfall gerufen wird ...
Das Opfer entpuppt sich als Maurice Woodard, Linns Friseur. Äußerlich gab er sich so locker und leicht wie ein Macaron, doch unter seiner glatten Fassade schien er es faustdick hinter den Ohren gehabt zu haben. Er hat seinen Kunden offenbar nicht nur die Spitzen geschnitten, sondern auch einige dunkle Geheimnisse entlockt. Linn beginnt sich umzuhören, und das äußere Erscheinungsbild der ehemals schillernden Persönlichkeit bröckelt wie das Baisergebäck in sich zusammen ...



Rezension

„Mörderische Macarons“ ist der dritte Band der Hansel & Prezel Krimireihe rund um Linn Sommer, Café-Angestellte und Hobbyermittlerin. Der Roman spielt in Kitchener-Waterloo, Kanada.

Während Linn sich bei ihrem Valentinstags-Date mit Inspektor Bas van de Groot im siebten Himmel wähnt, wird Maurice Woodart ermordet. Dabei hatte er wenige Stunden zuvor noch Linns Haare für das Date hergerichtet. Da Linn ihrem Freund den Friseurbesuch nicht gestehen will, schließlich bevorzugt er einen natürlichen Look, ermittelt sie auf eigene Faust, denn früher oder später wird man ihre Haare an der Leiche entdecken. Dabei kommen ihr die Mitbewohner ihrer WG zu Hilfe, sowie jede Menge redselige Café-Besucher. Der Friseur war ein kleiner Star am Haarschneidehimmel und stadtbekannt, so dass nun jeder seine eigene Theorie zum Mordfall hat und glaubt etwas darüber zu wissen. So kommt ein dunkles Geheimnis ans Licht und Linn kann sich vor Verdächtigen kaum noch retten.

In diesem Wohlfühlkrimi geht es nicht um klassische Polizeiarbeit, sondern vorrangig um die Hauptperson Linn, die mit ihren Freunden ermittelt und sich fleißig umhört. Im Café hat sie einen strategisch günstigen Posten und auch sonst bekommt sie allerlei Informationen zugesteckt. Außerdem hat sie über ihren Freund Bas einen heißen Draht zur Polizei, den sie meiner Meinung nach aber viel zu wenig nutzt. Hier hätte ich es realistischer gefunden, wenn die zwei sich häufiger austauschen würden. Die Multiplikation der Verdächtigen ist leider der einzige spannungsaufbauende Kniff, den die Autorin anwendet und so plätschert die Geschichte von einem Hinweis zum nächsten. Für hart gesottene Krimi-Fans ist das sicher nichts, aber das sagt ja schon das Genre Wohlfühlkrimi, weshalb ich diesen Punkt auch nicht wirklich kritisieren kann. Letzten Endes bleibt lange genug offen, wer der Mörder ist. Außerdem gibt es parallel zum Mordfall noch einen Diebstahl aufzuklären. Dani Baker versucht sich an einem Show-Down, der leider wenig überzeugt und dessen Ausgang sehr vorhersehbar ist.

Die Autorin versteht es auch Neuleser abzuholen und die Vielzahl der Protagonisten verwirrt keineswegs. Einzig das Wiederauftauchen von Norah, der Freundin eines WG-Mitglieds, stellte für mich einen handfesten Bezug zu den vorangegangenen Bänden dar. Obwohl ich Norah nicht kannte, wollte ich wissen, warum sie auf mysteriöse Weise verschwand und was ihr in der Zwischenzeit widerfahren ist. Leider wird dieses Rätsel wohl erst im folgenden Band gelöst werden, was ein wenig frustrierend ist. Besonders gut gefallen hat mir der Besuch eines bayrischen Auswanderers im Café, denn ganz nebenbei wird dem Leser auch ein wenig kanadisches Lebensgefühl und die multikulturelle Gesellschaft des Landes näher gebracht.

Stilistisch spielt der Roman in keiner besonderen Liga. Anzumerken ist, dass Linn sich gerne von „Engelchen und Teufelchen“ beraten lässt und die zwei reichlich Kommentare zum Geschehen abgeben. Teilweise geschieht dies wohl dosiert und gibt dem Buch eine humoristische Note, aber manchmal könnten die beiden etwas schneller wieder Ruhe geben. Besonders am Anfang fand ich es irritierend, wie die zwei sich über Linns Liebesleben äußern und dass so die Charakterzüge der Hauptfigur vorgestellt werden.

Der Roman lebt von Linns Beziehungen zu ihren Mitmenschen und ihrer Kunst, ihnen Informationen zu entlocken. Die Idee, Backrezepte zu den im Café angebotenen Köstlichkeiten in das Buch mitaufzunehmen hat mir sehr gut gefallen und macht Lust, schnell mal eine „Tarte au chocolat“ zu zaubern. 

Wer das Genre mag, kann sich mit diesem Buch die Zeit vertreiben. Wer einen „richtigen“ Krimi möchte, sollte lieber zu etwas anderem greifen.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

achtsamkeit, entschleunigung, geheimnis, hektik, roman, ruhe, schnelllebigkeit, skulptur, traum, vorbereitungen, winterschlaf

Herr Jakob träumt

A.S. Dowidat
Flexibler Einband: 180 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 22.11.2017
ISBN 9783746015903
Genre: Romane

Rezension:

Herr Jakob ist wissenschaftlicher Bibliothekar, doch reizt ihn seine Arbeit wenig. In seiner Freizeit stellt er Skulpturen her, die er manchmal auch verkauft. Als ihm seine beruflichen sowie privaten Verpflichtungen über den Kopf wachsen, sucht er Zuflucht vor der Hektik des Alltags und findet diese im (Winter-) Schlaf, oder besser gesagt: im Traum.

Herr Jakobs Träume muten sehr surreal an. Da sind z.B. das Huhn, das ihm die Traumwelt halbwegs erklären kann und das Eichhörnchen, das sich ganz und gar der Entschleunigung hingibt. Abseits der Schnelligkeit unserer modernen Gesellschaft lernt Herr Jakob, sich auf die kleinen Dinge im Leben einzulassen und ihre Schönheit zu erkennen, ja sie als Bereicherung zu empfinden. Doch stellt sich die Frage, ob sich jemand, der sich der Muße verschreibt, in unserer Welt noch zurecht finden kann.

Nachdem es mir zuerst etwas schwer fiel, in die Geschichte einzutauchen, offenbarten sich mir viele wichtige Fragen, die im Text mitklingen. Mal lustig, mal tiefsinnig, lädt der Roman von A.S. Dowidat tatsächlich dazu ein, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Das erfordert eine gewisse Konzentration, da es viele Schachtelsätze gibt und auch der Wechsel zwischen Traum und Realität nicht speziell gekennzeichnet ist. Leider bin ich in der Traumwelt nie so richtig angekommen. Der Roman bleibt durchgehend verständlich, auch wenn ich mir an ein paar Stellen ein paar Worte mehr gewünscht hätte, welche dem Gesamtbild nicht geschadet hätten. Meistens haben wir es mit einer Erzählung in der dritten Person zu tun, doch hin und wieder wechselt die Perspektive zu einem hypothetischen, außenstehenden Betrachter. Der Schreibstil hält den Leser auf Distanz und gibt ihm die Möglichkeit, eigene Interpretationen anzustellen oder die Figuren als Projektionsfläche zu nutzen: Ist Herr Jakob am Rande eines Burn-outs, depressiv oder gar dement? Ist er einfach nur einsam und müde?

Die Autorin schafft mit wenigen Worten eine Atmosphäre, die die Fantasie des Lesers anregt. Die Winteratmosphäre z.B. lädt richtig zum Schlafen ein, mit der Stille, die vom unberührten Schnee noch unterstrichen wird. Ich stelle mir einen schönen Kontrast vor: Herr Jakobs stilles Haus und Grundstück mit der glatten Schneedecke und die Straße mit Schneematsch und Spuren von Autoreifen etc. Man sieht so richtig dass da einer wohnt, der sich abgemeldet hat, der nicht mehr mitmacht und sich um sich selber kümmert.

Trotz einiger schöner Szenen (z.B. immer dann, wenn sich Traum und Realität durch ein Geräusch o.ä. überschneiden) und einem philosophisch ruhigem Grundton konnte mich die Geschichte um Herrn Jakob nur mäßig begeistern. Der Schreibstil hält den Leser zu sehr auf Distanz, vor allem durch die indirekte Rede. Die Protagonisten, die immer nur beim Nachnamen genannt werden, und Herr Jakob, wirken dezent kühl und blühen eigentlich erst in der Fantasie des Lesers so richtig auf, sofern er sich die Mühe macht, über das Gelesene nachzudenken. „Herr Jakob träumt“ ist nicht als spannende Ablenkung gedacht und die Handlung plätschert eher lautlos dahin. Ein paar skurrile bis absurde Episoden lockern das Geschehen etwas auf und erzeugen Spannung, die sich letzten Endes jedoch wieder recht leise im Sande verläuft.

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bergen- belsen, berlin, besatzungszone, gedächtniskirche, london, nachkriegsroman, tiergarten, westdeutschland

Zurück in Berlin

Verna B. Carleton , Ulrike Draesner , Verena von Koskull , Ulrike Draesner
Fester Einband: 391 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 19.09.2016
ISBN 9783351036423
Genre: Romane

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

eva pattum, geheime zutat, punsch

Madame Flavicaus zauberhafter Punsch

Eva Pattum
E-Buch Text: 142 Seiten
Erschienen bei null, 25.06.2016
ISBN B01HL8DRAS
Genre: Romane

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Die Schulter des Riesen

Raffael Rauhenberg
E-Buch Text: 438 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 08.11.2017
ISBN B076B7FC9H
Genre: Romane

Rezension:

Inhaltsangabe hier auf Lovelybooks

„Als Gregor Bach, Silberschmied und Liebhaber schöner Dinge, an einem heißen Septembernachmittag seine Wohnung betritt, trifft er nicht nur seine zwei kleinen Söhne an, sondern auch eine verwahrloste junge Frau, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen hat. Er reagiert jähzornig, ja gewalttätig, und löst damit eine Kettenreaktion aus, der er nichts entgegenzusetzen hat: Unaufhaltsam frisst sich von diesem Tag an ein zerstörerisches Feuer in seine Beziehungen und seine materielle Existenz.

Es folgen panische Versuche, den Sturz ins Leere abzuwenden, ein Intermezzo in der brodelnden Atmosphäre einer Restaurantküche, aber schließlich landet Gregor doch in den Kellergewölben der Wohlstandsgesellschaft und damit in einem Milieu, für dessen Bewohner er bislang nur Verachtung empfunden hat. Bald wird Gregor in ein Geflecht von undurchsichtigen Beziehungen und persönlichen Geheimnissen hineingezogen, und als selbst die Menschen, die ihm nahestehen, von den bedrohlichen Verwicklungen erfasst werden, trifft er eine radikale Entscheidung, um der Situation zu entkommen …

Die Schulter des Riesen ist ein spannender Roman aus dem Deutschland der Gegenwart, der das Thema der sozialen Gerechtigkeit mit einer Frage verknüpft, die persönlich und philosophisch zugleich ist: Was bleibt einem, wenn man alles verloren hat?“

Meine Rezension

Die Erzählung beginnt mitten in der Nacht, mitten in der Natur. Gregor Bach steht am Rande einer Schlucht und will sich hinabstürzen. Und wäre die Nacht nicht so anmutig, die Luft so mild, die Natur so wunderschön – er hätte es längst getan. So gibt er dem Leser die Gelegenheit zu erfahren, warum er sich dort oben wiederfindet. Zwischen den langen Flashbacks kehrt die Erzählung immer wieder zurück an den Rand der Schlucht, wo Gregor sitzt und die letzten Monate Revue passieren lässt. Raffael Rauhenberg zeichnet den Weg vom trauten Familienleben in die Obdachlosigkeit und Armut. Ein Weg, gepflastert mit der Antriebslosigkeit des Verzweifelten, der Inertie des Resignierten, ungünstigen Zufällen und dem Versagen des Sozialstaates. 

Gregor Bach, Silberschmied, zwei Söhne im Grundschulalter, lebt mit seiner Frau Beatrice in der fiktiven deutschen Stadt Querra. Nachdem sich eine Drogensüchtige das Vertrauen der Kinder erschlichen und die Familie bestohlen hat, gerät Gregor zufällig in das Visier der Justiz... Und plötzlich findet er sich auf der Straße wieder, deren Bewohner er zuvor so verachtete.

Nun bekommt er die soziale Kälte unserer Gesellschaft persönlich zu spüren. Sein geschulter Blick des Kunstliebhabers nimmt noch immer architektonische Meisterwerkle wahr und lässt ihn auch in menschliche Abgründe blicken. Noch das kleineste Detail der Armut und Verwahrlosung nimmt er wahr. Er beschreibt „die Gruft“, eine in einem Kellergewölbe gelegene Suppenküche und Notunterkunft :

„Es war recht kühl hier, vielleicht ein wenig feucht. Die Luft war gesättigt mit üblen Gerüchen. Es roch nach lange getragener Kleidung, es roch nach Alter, es roch nach saurem, käsigem Schweiß. Es roch nach Schnaps, nach kaltem Rauch und nach Suppe. Ein wenig roch es nach Urin. Selbst wenn man Gregor mit verbundenen Augen hergeführt hätte, er hätte gewusst, worum es sich handelte: Es war der Geruch der Armut.“ (1)

Der Autor macht das Elend greifbar. Mit Naturbeschreibungen erzeugt er sehr poetische und eindringliche Stimmungsbilder. Dabei bedient er sich dem Fachvokabular eines Botanikers und eines Künstlers, mit präzisen Farbbezeichnungen und Pflanzennamen, die nicht jedem geläufig sein dürften.

„Der Spiegel mit dem handgeschnitzten balinesischen Rahmen zeigte ein trauriges Bild: Die linke Wange war immer noch grünlich gelb, sein halber Körper hatte dieselbe Farbe. Er war abgemagert, wirkte alt. Selbst Egon Schiele hätte ihn nicht hässlicher malen können.“ (2)

„Der Himmel war von einer Schicht dünner, fasriger Wolken überzogen, sie sahen aus wie gekämmtes Tierfell. In der Nacht hatte Gregor auf der linken Seite gelegen, und nun war dort alles taub, von der Schulter bis zum Knie. Er konnte sich kneifen, und es fühlte sich an wie totes Fleisch. Mit einem Mal war ein großer Schwarm Krähen am Himmel, wogte für einige Sekunden hin und her wie ein schwarzes Tuch im Wind, um sich dann auf den Park herabzusenken. Zeisige, Spatzen, Meisen flogen auf, schwirrten ins Gebüsch, in Deckung, und schon hingen die Krähen in einer Trauerweide wie dämonische Früchte“ (3)

So erwachen die Stadt Querra und ihre Bewohner zum Leben. Vom philosophierenden Nirwana bis hin zum perversen Neonazi begegnet Gregor vielen Obdachlosen, die ihm nicht immer wohlgesonnen sind. Doch es kann auch so etwas wie Freundschaft entstehen. Gregor ist nicht immer eine sympathische Hauptfigur, doch wünscht man ihm, irgendwie wieder Fuß zu fassen. Während Gregor lernt, mit der Trostlosigkeit und Angst der Straße zu leben, verliert er nach und nach den Kontakt zu seinen Kindern, seine frau will sich scheiden lassen und Freunde hat er keine mehr. Sein Dasein erscheint ihm immer weniger lebenswert, doch als er sich des Schicksals eines Jungen vom Straßenstrich annimmt, sieht Gregor weder einen Sinn in seinem Leben. Doch kann es für ich ein Happy End geben?

Das Thema Armut in Deutschland berührt den Leser. Raffael Rauhenberg schafft es, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln, ohne uns zu sehr ins Gewissen reden zu wollen, Empathie für Bedürftige zu wecken. „Die Schulter des Riesen“ ist ein spannender Roman über die Abgründe unserer Gesellschaft, eine fiktive Biographie des sozialen Abstiegs, erzählt mit Präzision und Poesie.

(1) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen2980-2983). Eigenverlag. Kindle-Version.
(2) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen1039-1041). Eigenverlag. Kindle-Version.
(3) Rauhenberg, Raffael. Die Schulter des Riesen: Gegenwartsroman (German Edition) (Kindle-Positionen3579-3583). Eigenverlag. Kindle-Version.

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