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156 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 80 Rezensionen

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Hologrammatica

Tom Hillenbrand
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.02.2018
ISBN 9783462051490
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Im Jahr 2088 bekommt Galahad Singh den Auftrag, die verschwundene Programmiererin Juliette Perrotte aufzuspüren. Galahad ist Quästor, eine Art Privatdetektiv für verschwundene Personen. Dieser Job ist nicht ganz einfach, denn nach einem Zwischenfall vor vielen Jahren ist das massenhafte Speichern von Daten zur Unsitte erklärt worden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Welt von Hologrammen überdeckt ist und durch die Möglichkeit, das gesamte Gehirn eines Menschen in einen kleinen Kasten zu laden und so den Körper wechseln zu können. Schnell wird Galahad klar, dass es sich hier um keinen Standardfall handelt und eher er sich's versieht, steckt er mittendrin, wird gejagt von seltsamen Menschen mit seltsamen Schwertern, verliebt sich in den Quant Francesco, und gerät immer tiefer in einen Strudel seltsamer Ereignisse, die auf eine geheimnisvolle, vergessene Insel führen.
Das, was Tom Hillenbrand hier abgeliefert hat, ist ziemlich gut, spannend und einfallsreich. Die Geschichte ist ungewöhnlich dicht ohne dabei anstrengend zu sein. Die Technologie ist nachvollziehbar, detailliert ausgearbeitet und konsistent. Die Hauptfiguren allesamt gut ausgearbeitet, dreidimensional, aber auch außergewöhnlich.
Alles in allem ein Buch, dass ich schlecht aus der Hand legen konnte, einerseits, weil es so gut geschrieben war, andererseits, weil die Geschichte konsequent immer weiter vorangetrieben wurde.
Eine große Empfehlung für alle, die spannende und originelle Science-Fiction-Thriller-Lektüre suchen, die sich selbst ernst nimmt, ohne dabei den Humor zu verlieren.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Wir Strebermigranten

Emilia Smechowski
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, 24.07.2017
ISBN 9783446256835
Genre: Biografien

Rezension:

Emilia ist fünf, als ihre Eltern die Koffer für einen Urlaub in Italien packen, sie und ihre kleine Schwester in den Polski Fiat setzen und losfahren. Aber eben nicht nach Italien, sondern nach Deutschland, über die Grenze, erst in die DDR und dann nach West-Berlin. Niemand durfte etwas wissen, im Auto sind Badeanzüge und ein Zelt, das deutsche Wörterbuch haben die Eltern zu Hause vergessen.

In Deutschland angekommen lernen Emilia und ihre Schwester vor allem eins: Nicht auffallen. Und außerdem: Nicht Polnisch sein. So wie die Kinder in der Schule strebsam versuchen, immer die besten zu sein, so werden die Eltern zu Musterdeutschen. Eigenheim, Auto, ein guter Job, drei Kinder. Wenn die Mutter Freunde einlädt, gibt es Tomate mit Mozzarella nach einem Rezept aus der Brigitte, keine Piroggen und keine Żurek. Alles Polnische wird abgestreift, aber weil man eben nicht seine ganze Vergangenheit abstreifen kann, bleibt eine Leere zurück, die auch Emilia spürt. Sie stürzt sich in die Musik, will Sängerin werden, eine Auflehnung gegen die elterlichen Pläne, die Flucht nach vorne in ein eigenes Leben. Bis sie erkennt, dass sie nicht allein ist, dass sie umgeben ist von Menschen mit polnischen Wurzeln, ähnlichen Biographien und auch alle unsichtbar. Strebermigranten, die sich so gut anpassten, dass man sie gar nicht mehr als Migranten wahrnimmt. Erst da macht sich Emilia auf die Suche nach ihrer eigenen polnischen Identität.

Wir Strebermigranten ist ein wunderschönes, aber auch tieftrauriges Buch, denn es handelt von Menschen, die nicht das Glück hatten, einfach sie selbst sein zu dürfen oder es sich selber verboten. Es handelt von verlorener Heimat und dem Gefühl, nie Teil von etwas zu sein. Es handelt von Leuten, die sich so sehr anpassen, dass sie vergessen, wer sie sind und was sie wollen. Es handelt von Eltern und Kindern und Großeltern, vom Wunder des Westens und vom Wunder des Ostens.

Ein Buch, dass ich vielleicht deswegen als so traurig empfand, weil es das Gegenteil von meiner Geschichte ist. Weil ich vermuten muss, dass gar nicht so weit weg von mir genau solche Geschichten stattfanden, ohne dass ich es merkte (das war ja auch genau der Sinn). Weil es tatsächlich ein unsichtbares Stück deutscher Geschichte ist.

Am Ende aber auch ein hoffnungsvolles Buch, weil es auch davon erzählt, wie sich Emilia und die anderen Strebermigranten langsam ihre Identität und damit auch ihre Geschichte zurückerobern.

Nur für den Fall, dass ich das ganze Lob zu subtil verteilt haben sollte, hier also noch mal im Klartext: Lest dieses Buch! Verschenkt dieses Buch! Denn, auch wenn so vieles daran traurig ist, so lässt es einen doch glücklich und satt zurück. Fast so, als hätte man polnische Piroggen im Bauch.

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155 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 44 Rezensionen

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QualityLand

Marc-Uwe Kling
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550050152
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Was machte ich mir Sorgen, dass mir das Buch nicht gefallen könnte. Schließlich gehören die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling zu meinen Lieblingsbüchern, und ich habe die Hörbücher schon so oft gehört, dass ich sie teilweise mitsprechen kann. Aber Kling ohne Känguru? Geht das?
Es stellt sich raus: Es geht. Zwar habe ich etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen, dann fühlte ich mich aber wieder mittendrin in einer typischen Kling-Welt voller Absurditäten, pop- und hochkultureller Anspielungen und natürlich mit viel Witz.
In Klings neuem Buch geht es um Peter Arbeitsloser, der in QualityLand lebt, denn so hat man das Deutschland der Zukunft kurzerhand umbenannt. In QualityLand erkennt man am Nachnamen der Kinder den Beruf der Eltern, werden die Kaufwünsche der Leute von TheShop per Drohne geliefert, bevor man überhaupt wusste, was man sich wünscht, wird der Partner von QualityPartner ausgesucht und entscheidet das persönliche Level, wie gut (oder eben nicht) man behandelt wird.
In dieser Welt bekommt Peter Arbeitsloser ein Paket geliefert, in dem sich ein Produkt befindet, dass er weder will noch gebrauchen kann. So ein Fehler kommt aber nicht vor, schon weil er nicht vorkommen darf. Bei dem Versuch, das Produkt umzutauschen, gerät Peter immer tiefer rein in eine Welt der Androiden, Geheimnisse und Algorithmen. Unterstützt wird er dabei von der Revolutionärin Kiki, einem seltsamen Guru und einer Horde kaputter Roboter.
QualityLand macht einen irren Spaß und ich wurde - puh, Gott sei Dank - nicht enttäuscht. Als Bonusfeature gibt es zahlreiche Anspielungen auf die Känguruchroniken, und auch dieses Buch, da bin ich sicher, werde ich mehr als einmal lesen und hören.

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57 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 45 Rezensionen

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Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Sophie Divry , Patricia Klobusiczky
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 22.09.2017
ISBN 9783550081361
Genre: Romane

Rezension:

Sophie ist arbeitslos. Während ihre Brüder ihr Leben alle irgendwie im Griff haben, fristet sie in Lyon ihr Leben als arbeitslose Journalistin. Die Jobsuche dümpelt vor sich hin, nur die Konversation mit ihrem Leidensgenossen Hector, der ihr von seinen aktuellen amourösen Eroberungen berichtet, heitert sie auf. Doch sonst sieht es eher trist aus, eine einfacher Nachzahlungsforderung der Stadtwerke bringt ihre fragile Finanzplanung durcheinander, ein Espresso im Café wird zum Luxusgut und das Loch im Bauch lässt sie von ihrer kümmerigen Nachbarin stillen. 

Das klingt alles nicht nach vergnüglicher Lesekost, ist es aber eben doch. Denn Sophie Divry, die Autorin, lässt ihre Hauptdarstellerin Sophie nie den Kopf in den Sand stecken. Mit Lust am Leben und Schreiben versuchen die beiden, ihre verzweifelte Situation irgendwie in den Griff zu kriegen, auch dann, wenn ihnen eigentlich zum Heulen zumute ist oder gar ein Teufel aus dem Badezimmer kommt, um sie auf seine Seite zu ziehen. 

"Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" ist keine 08/15-Geschichte, wer einen Spannungsbogen mit Auflösung sucht, wird enttäuscht. Statt dessen experimentiert Divry in ihrem Buch, da fallen Buchstaben von den Seiten oder werden zwei parallele Handlungsstränge in zwei Spalten nebeneinander gesetzt. Auch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen immer wieder. Wer aber ein ungewöhnliches, kraftvolles Buch sucht mit einer unperfekten Heldin und viel Sprachwitz, dem sei dieses Buch dringend ans Herz gelegt.

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39 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

heinz strunk

Jürgen

Heinz Strunk
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 24.03.2017
ISBN 9783498035747
Genre: Humor

Rezension:

In Jürgen erzählt Strunk mal wieder die Geschichte eines Verlierertyps. Jürgen arbeitet als Parkhauswächter, wohnt zusammen mit seiner kranken Mutter und ist Single. Sein einziger Freund Bernd sitzt im Rollstuhl und ist Dauernörgler.

Während ich auch einige kritische Stimmen zu Strunks neuem Buch gehört habe, fand ich es eines seiner besten. Jürgens Optimismus ist nicht totzukriegen, was einige Szenen noch bitterer macht. Während Heinz Strunk als Jürgens Stimme im Hörbuch mit einem amüsierten Ton von seinen täglichen Erlebnissen erzählt, seinen Fantasien, wie er einer Frau im verlassenen Parkhaus hilft und sich daraus eine Romanze entwickelt, wie er seiner Mutter nachts Schnüre mit Rosinen und Nüsschen über das Bett spannt, damit sie etwas zu essen hat, wenn sie Hunger bekommt, das Nachdenken darüber, dass er ja vielleicht ein verborgenes Supertalent hat, und nur noch nicht entdeckt wurde. Dieser grenzenlose Optimismus, eine Nicht-Aufgeben-Haltung, die im krassen Kontrast zu der eindeutig sehr trostlosen Kulisse steht, in der sich Jürgens Leben abspielt.

Schließlich überredet Bernd Jürgen, mit einer Partnervermittlung nach Polen zu fahren, immer auf der Suche nach einer Frau und dem damit einherkommenden vermuteten Glück.

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361 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 127 Rezensionen

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Und es schmilzt

Lize Spit , Helga van Beuningen
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.08.2017
ISBN 9783103972825
Genre: Romane

Rezension:

Eva fährt zum ersten Mal seit Jahren zurück in ihr Dorf. Im Kofferraum liegt ein Eisklotz, der langsam vor sich hin schmilzt, auf dem Dorf erwartet sie eine Gedenkfeier für Jan, den Bruder eines ihrer besten Freunden, der vor vielen Jahren mit 17 durch einen Unfall starb und die Präsentation der neuen Melkmaschinen.
So fängt "Und es schmilzt" an, das Buch der jungen Lize Spit, die mit diesem Debüt in den Top Ten der niederländischen Literaturcharts landete. Gnadenlos arbeitet sie hier Evas Kindheit und Jugend in einem kleinen Dorf irgendwo in Flamen auf. Hier gibt es von allem nur eins, ein Lädchen, eine Metzgerei, eine Schule und in Evas Jahrgang nur drei Kinder, Eva, Pim und Laurens, die so zu einem eingeschworenen Team werden, die Musketiere, wie sie sich selber nennen. 
Doch im Sommer 2002, als die Musketiere langsam und unbarmherzig erwachsen werden, und es auch einmal nicht mehr nur ums Fahrradfahren, Zelten und Herumstreunen geht, sondern auch um Sex, wird alles anders. Dabei hat Eva schon genug zu tun mit ihren suizidalen Eltern und der kleinen Schwester, die die Stimmung zu Hause nur aushält, indem sie zwanghafte Rituale entwickelt. Und dann denken sich Pim und Laurens ein Spiel aus, Eva wird unfreiwillig Komplizin und am Ende des Sommers eskaliert die Situation in einem unverzeihlichen Verrat.
"Und es schmilzt" hat seine Fehler, ist aber vor allem eins: Kompromisslos, packend und mit einem guten Blick für alle Details des schwierigen Schritts vom Kind zur Jugendlichen. Die Schwüle des Sommers 2002 und die Kälte des Winters, als Eva mit dem Eisblock zurückkehrt sind auf jeder Seite fassbar. Dabei bleiben einige Charaktere nicht fassbar, Evas Eltern sind zwar präsent, als Figuren bleiben sie aber unkonkret. Letztlich passt das zwar zu der untergeordneten Rolle, die sie für ihre Kinder spielen, ob das jedoch Absicht der Autorin war, bleibt dahingestellt.
Auch das Rätsel des Eisblocks ist für aufmerksame Leser verhältnismäßig schnell zu lösen, das macht jedoch für die Lektüre einen erfreulich kleinen Unterschied, denn auf den knapp 500 Seiten geht es eben doch vor allem um die Geschichte dieses einen Sommers, der hier seziert und unters Mikroskop geschoben wird. Und so kann man das Buch schlecht aus der Hand legen, wird reingesogen in Evas Erinnerungen und wenn man das Buch zuklappt, kann man mit einiger Erleichterung die eigene Bullerbü-Kindheit streicheln.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Slade House

David Mitchell
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Sceptre, 28.06.2016
ISBN 9781473616707
Genre: Sonstiges

Rezension:

David Mitchell macht wieder das, was er am besten kann, und erzählt in Slade House eine Gruselgeschichte von einem seltsamen Haus, in dem alle neun Jahre Menschen verschwinden, aus der Perspektive der Verschwundenen. Fünf Stimmen, fünf Geschichten, fünf Mal wirklich gruselige Stimmung. Ich wusste ungefähr nichts über das Buch, als großer Mitchell-Fan war mir das aber egal und ich wurde nicht enttäuscht. Vorteil für Mitchell-Einsteiger: Das Buch ist recht kurz, bietet aber trotzdem all das, was den Autor so besonders macht.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

dumont verlag

Das kalte Jahr

Roman Ehrlich
Flexibler Einband: 252 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 03.12.2014
ISBN 9783832162962
Genre: Romane

Rezension:

Ein junger Mann läuft in einem immerwährenden Winter zu Fuß nach Hause zu seinen Eltern. Doch seine Eltern sind fort, statt dessen öffnet ihm ein Junge, der sich dort eingerichtet hat und lässt den Mann etwas widerwillig, aber doch ohne Protest in dessen Elternhaus wohnen.

Das kalte Jahr von Roman Ehrlich ist deutsche Apokalypsen-Literatur und genauso muss man sie vermutlich auch lesen. Nichts wird erklärt, statt dessen findet Alltag statt in einer Welt, die irgendwie stirbt, aber irgendwie auch nicht. Die Personen agieren bisweilen etwas lethargisch, es wird mir insgesamt zu viel hingenommen. Abgesehen davon ist es aber eine stimmungsvolle Geschichte mit sympathischem Personal und schönen Einfällen. Und wenn man wie ich von etwas plotlastigerer SciFi-Apokalypsen-Literatur kommt, dann muss man sich vermutlich auch neu auf Bücher wie Das kalte Jahr einlassen.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

außergwöhnlich, knaus verlag, langatmig, nick harkaway, superheld, tigerman

Tigerman

Nick Harkaway ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaus, 17.08.2015
ISBN 9783813506709
Genre: Romane

Rezension:

Endlich mal wieder ein Buch von Nick Harkaway, dessen Debüt The Gone-Away World ich so verehre. Das Schöne an Harkaway ist, dass man nie weiß, was einen als nächstes erwartet.

In Tigerman geht es auf die Insel Mancreu, eine Insel irgendwo weit ab vom Schuss, britische Kolonie, aber vor allem durch diverse Schlampereien verseucht und dem Untergang geweiht. Jeden Moment könnte der Vulkan ausbrechen und eine neue Wolke toxischer Rätsel ausspeien. Die Evakuierung ist schon geplant, nur wann, weiß niemand so genau und während die einen nach und nach die Insel für immer verlassen, bleiben die anderen hartnäckig, bis man sie aufs Schiff trägt.

Mittendrin Lester Ferris, Veteran der britischen Armee, der irgendwie auf die Insel aufpassen soll, dessen Autorität aber von den Inselbewohnern mindestens angezweifelt wird. Zwischen Drogengeschäften, dem drohenden Untergang, Bandenkriegen und dem gewaltsamen Mord eines seiner wenigen Freunde versucht Lester irgendwie Sinn in die Sache zu bringen und gleichzeitig noch eine Art Vater eines geheimnisvollen Jungen zu sein, der Comicbücher liest und plant, aus Lester einen ganz eigenen Superhelden zu machen.

Man muss ein wenig in Tigerman reinkommen, dann ist aber alles super. Harkaway eben, ich sag’s ja. Lest mehr Harkaway.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fantasy, #frauenlesen

The Fifth Season

N.K. Jemisin
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Orbit, 04.08.2015
ISBN 9780316229296
Genre: Romane

Rezension:

Ganz grandiose Fantasy von N. K. Jemisin. Im Prinzip konnte ich nur deswegen im Zug nach Berlin nicht meinen Vortrag für die re:publica vorbereiten, weil ich wirklich ganz dringend weiterlesen wollte. Dabei beginnt die Geschichte sehr sperrig, durch die ersten Kapitel muss man sich durcharbeiten, dann kommt aber alles in Fahrt, und man versteht, wie diese Welt funktioniert. Die Erde in The Fifth Season ist zerbrochen, ein riesiges Erdbeben ist der Auslöser, man richtet sich auf Jahre oder gar Jahrzehnte harten Lebens ein. Diese fünfte Jahreszeit gibt es immer wieder, Auslöser sind tektonische Ereignisse, die das Gesamtgefüge so durcheinander bringen, dass es in dieser Jahreszeit immer ums nackte Überleben geht.

In diesem Zusammenhang lernen wir Damaya, Syenite und Essun kennen, drei Frauen, orogenes, also Menschen, die die Bewegungen der Erde nicht nur spüren, sondern auch kontrollieren können und von den anderen gefürchtet sind, weil ihre Fähigkeiten unkontrolliert eine Gefahr darstellen. Irgendwo gefangen zwischen Macht und Unterdrückung werden orogenes respektiert und gleichermaßen gehasst.

So schlecht es sich beschreiben lässt, so fesselnd ist dieses Buch, wenn man sich eben erstmal reingelesen hat. Keine leichte Fantasylektüre, dafür umso lohnenswerter.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Niemandsgarten

Michael Ende , Roman Hocke
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.11.2009
ISBN 9783492257176
Genre: Fantasy

Rezension:

Am Grabbeltisch eines Bahnhofsbuchhandlung gefunden, dann lag es relativ lange auf dem Bücherstapel und da ich gerade versuche, eben diesen jetzt abzuarbeiten, habe ich mich mal drangemacht. Das Buch beinhaltet fertige, halbfertige und bruchstückhafte Werke aus dem Nachlass von Michael Ende und ist spannend, aber auch mit Vorsicht zu genießen, denn man merkt einigen Sachen an, dass sie unfertig sind. Es gibt komplett fertige Theaterstücke neben Skizzen für ein Ballett, Briefe an Leser oder kurzen Ideen. Der titelgebende Niemandsgarten ist eine Geschichte, in der sich viele Elemente aus der Unendlichen Geschichte wiederfinden.

Wenn man sich aber ein bisschen durchkämpft, wird man sehr belohnt, da macht es auch nichts, dass ein und die gleiche Geschichte in zwei Theaterstücken in komplett anderen Settings erzählt wird, im Gegenteil, es ist sehr spannend, wenn man sehen kann, wie sich Geschichten entwickeln, welche unterschiedlichen Herangehensweisen man wählen kann und am Ende auch, warum manche Dinge funktionieren, aber andere nicht. Michael Ende, so heißt es, wäre erst fertig gewesen, wenn es bei seinen Geschichten nicht nur um die Geschichte selber, sondern auch um eine Idee gegangen wäre. Der Einblick in seinen Zettelkasten macht deutlich, wie das gemeint ist. Wer sich für Michael Ende interessiert und kein Problem damit hat, Geschichten zu lesen, die einfach mal mittendrin abbrechen, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Ich habe dafür erst mal meine Wunschliste um weitere Ende-Bücher erweitert.

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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Die Stadt der tausend Treppen

Robert Jackson Bennett , Eva Bauche-Eppers
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 16.02.2017
ISBN 9783404208616
Genre: Fantasy

Rezension:

Als Hörbuch gehört, aber vorher schon viel davon gehört, unter anderem, weil es für meinen Onlinebuchclub gelesen wurde, allerdings in einem Monat, wo ich wohl selber nicht so viel Zeit hatte oder etwas anderes lieber lesen wollte oder was weiß ich. Ganz blöder Fehler, so im Nachhinein, das Buch ist super. Es scheint da dieses Genre „Fantasy mit komplexen politischen Systemen und Ränkespielen“ ein, da fallen auch so tolle Bücher wie The Traitor Baru Cormorant und The Goblin Emperor rein, die ich beide sehr geliebt habe, und Die Stadt der tausend Treppen reiht sich da ein. In der Stadt Bulikov, die in der Gunst der (real existierenden) Götter stand, jetzt aber nach dem Fall der Gottheiten nur eine Kolonie des Inselreiches Saypur ist, wird ein saypurischer Wissenschaftler ermordet. Die junge Shara tritt auf und soll als Diplomatin den Fall klären, aber natürlich ist nichts wie es scheint, und vor allem ist Shara keine Diplomatin, sondern eine Agentin. Das ist alles sehr verzwickt und ich habe gelegentlich zurückspulen müssen, weil man sehr gut aufpassen muss, um nicht den Faden zu verlieren. Die bislang einzige Amazon-Rezension der deutschen Übersetzung trägt die Überschrift „Anspruchsvoller politischer Agententhriller im Fantasy-Gewand“ und das trifft es ziemlich genau.

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28 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

1960er, 1970er, autobiographisch, depression, familiengeschichte, fiktion, hamburg-harburg, heinz strunk, historischer roman, jugend, kindheitserinnerung, kindheitserinnerungen, popkultur, pupertät

Junge rettet Freund aus Teich

Heinz Strunk , any.way , Cathrin Günther
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.09.2014
ISBN 9783499266683
Genre: Romane

Rezension:

In Junge rettet Freund aus Teich erzählt Heinz Strunk von seiner Kindheit und Jugend. Aufgewachsen bei seinen Großeltern und seiner Mutter wächst Mathias sehr behütet auf, eine Kindheit zwischen Geborgenheit und Abenteuern, erst recht, als Mathias in den Ferien zur Großtante geschickt wird, wo er erst von einem Bauern übers Feld gejagt und dann mit den Bauernsöhnen am Baggersee die erste Zigarette raucht.

Als bekennender Nostalgiejunkie trifft dieses Buch mein Herz genau an der richtigen Stelle und wärmt es ganz ausgezeichnet. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Fleisch ist mein Gemüsemag, wird wohl auch Junge rettet Freund aus Teich mögen.

Mein Lieblingssatz aus einer Rezension bei Goodreads ist übrigens: „Zum Ende wurde mir allerdings zuviel gewichst.“ Das stimmt aber nicht, es wird gar nicht so viel gewichst.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

familie, jugendliteratur

Mrs. Flax und Töchter

Patty Dann
Fester Einband: 159 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.12.1993
ISBN 9783789122613
Genre: Sonstiges

Rezension:

Im Bücherschrank gefunden. Ich weiß noch, wie ich es 1994 gelesen habe, vor allem aber habe ich den Film (deutscher Titel: Meerjungfrauen küssen besser) wirklich sehr, sehr, sehr oft gesehen. Ich bin dementsprechend quasi unfähig, dieses Buch zu bewerten, weil ich den Film so liebe, und es schwierig ist, Buch und Film auseinanderzuhalten. Die 15-jährige Charlotte zieht im Jahr 1963 zum x-ten Mal mit ihren unkonventionellen Mutter Mrs. Flax und ihrer kleinen Schwester Kate um. Ihren Vater kennt sie nicht, das unstete Leben ihrer Mutter verachtet sie und überhaupt will sie Nonne werden und wartet auf ein Zeichen von Gott.

Zumindest habe ich es jetzt, 23 Jahre, nachdem ich es zum ersten Mal gelesen habe und etliche Male, die ich den Film gesehen habe, später, auch sehr gerne gelesen. Es passiert nicht viel, die Figuren sind ein bisschen weniger ausgearbeitet als im Film, aber es gab ein unangenehmes „Und das fand ich als Teenager gut?“-Gefühl, im Gegenteil. Das ist ein nettes Jugendbuch, ob es heute noch funktioniert, kann ich schlecht beurteilen. Auf jeden Fall muss ich dringend die DVD ausgraben, ich habe akute Nostalgie.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

erinnerungen, familie, junge, kindheit, mutter, oma, tod, verdacht

Pupu und die gelben Briefe

Jan de Zanger
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Beltz, 01.01.2000
ISBN 9783891060735
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich habe bei Goodreads die gelesenen Bücher aus dem Jahr 1994 nachgetragen, weil ich damals ein paar Wochen lang ein Bücherjournal pflegte. Jedenfalls gab es da ein paar Bücher, die ich noch mal lesen wollte. Neu aufgelegt werden diese wohl nicht mehr, so dass ich sie gebraucht bestellt habe.

Pupu ist die junge Großmutter von Abé und tot. Sie ist die Treppe hinunter gestürzt, ein Unfall heißt es, und Abé ist kreuzunglücklich. Dann findet er aber Hinweise von Pupu, die ihn zu den gelben Briefen führen, die sie vor ihrem Tod bekommen hat und die darauf hindeuten, dass es eben kein Unfall war. Das klingt wie schwere Kost, ist aber letztendlich spannungsmäßig ungefähr auf dem Level einer Drei-Fragezeichen-Folge. Das ist aber auch okay, denn es ist ja ein Kinderbuch und genau so sollte man es auch lesen.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

The Roanoke Girls

Amy Engel
Fester Einband
Erschienen bei HODDER & STOUGHTON, 09.03.2017
ISBN 9781473648371
Genre: Sonstiges

Rezension:

Na ja, nu. Das fällt sehr unter guilty pleasure und insgesamt war alles recht vorhersehbar. Die Roanoke-Farm steht irgendwo mitten in Kansas und alle Roanoke-Mädchen sterben oder laufen irgendwann weg. Lane ist die einzige, die zurückkommt, als ihre Cousine Allegra eines Tages verschwindet. Das ist so ungefähr die Prämisse, mit der ich geködert wurde und das erste Rätsel (Was ist los auf der Roanoke-Farm?) wird ziemlich schnell gelöst und ist wenig überraschend. Das zweite Rätsel (Who killed Allegra Roanoke?) braucht dann immerhin noch etwas und ist etwas weniger überraschend.

Dafür ist die Stimmung recht überzeugend eingefangen und die Figuren in all ihrer Stereotypie immerhin erstaunlich wenig schablonenhaft entwickelt. Außerdem liest es sich schnell weg, das ist ja auch was

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humor, reportagesammlung, tiere, tierliebe, verstockt

Saturday Night Biber

Anja Rützel
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 24.05.2017
ISBN 9783596296057
Genre: Humor

Rezension:

Anja Rützel, eigentlich Expertin auf dem Gebiet des Trash-TV, offenbart in Saturday Night Biber ihr anderes kurioses Hobby: Absurde und weniger absurde Tierarten und die absurden Hobbys und Veranstaltungen, die es rund um diese Tiere gibt.

Anja Rützel steigt im Winter auf einen Berg, um zwischen Hirschen zu sitzen, kuschelt mit einer Kuh (50 Euro für eine halbe Stunde), hält sich Schaben als Haustiere, geht zum Kaninhop-Turnier, lernt, wie man Tiere ausstopft und verliebt sich in den Ameisenbären Ernst-Einar und reist ihm bis auf die Isle auf Wight hinterher. Sie lässt sich zum Biberberater ausbilden und lernt, wie man ein Alpaka fängt.

Über das alles schreibt sie mit dem Blick eines Menschen, der zwar Menschen okay, Tiere aber grundsätzlich und in wirklich fast allen Farben, Formen und Eigenheiten um Längen besser findet. Diese Liebe fürs Tier spricht aus jedem Satz und aus jeder detailgefütterten Fußnote, die einem alle wichtigen Fun und Not-so-fun Facts über Biber, Tapire, Ameisenbären, Kühe oder Kaninchen verrät. Man lernt also auch dauernd etwas, es ist kaum auszuhalten. Außerdem ist es witzig und originell geschrieben, es gibt also keinen, wirklich keinen einzigen Grund, dieses Buch nicht zu lesen.

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roman

Cold Comfort Farm

Stella Gibbons , Lynne Truss
Flexibler Einband: 236 Seiten
Erschienen bei Penguin Books Ltd, 22.06.2011
ISBN 0143039598
Genre: Romane

Rezension:

Ein Klassiker, der genremäßig sehr schwer zu packen ist. Gesellschaftssatire mit ein bisschen Science-Fiction vielleicht, aber letztlich ist es ja auch egal.

Flora Poste, Anfang 20 und gerade Waise geworden muss ihr Leben planen. Arbeiten kommt nicht in Frage, denn, so denkt sie, sie hat ausreichend viele Verwandte, die sie sicherlich bei sich unterbringen können. Ihre Wahl fällt auf Cold Comfort Farm, einer düsteren Farm mit seltsamen Bewohnern irgendwo in Sussex. Obwohl Flora dort nicht gerade herzlich empfangen wird, lässt sie sich nicht beirren. Schnell ist sie sich sicher, dass ihre Aufgabe hier sein wird, der Farm und ihren Bewohnern zu helfen, ob sie das wollen oder nicht, da sie alleine offensichtlich nicht dazu in der Lage sind. Es ist ein bisschen wie Austens Emma, nur sympathischer.

Das Buch wurde 1932 veröffentlicht, spielt aber 1946. Das ist für Leser aus dem Jahr 2017 etwas verwirrend, tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Große Empfehlung, als nächstes wird die Verfilmung geguckt.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

deutschland, judaistik, juden, kindheit, nationalsozialismus, pogrom, polen, roman, zweiter weltkrieg

Nahe Jedenew

Kevin Vennemann
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 31.10.2005
ISBN 9783518124505
Genre: Romane

Rezension:

Nahe Jedenew war ein Bücherschrankfund. Ich arbeite ja nebenberuflich an meinem Kunstprojekt „Die gesamte Suhrkamp-Bibliothek aus Bücherschränken zusammenklauben“. Es zieht sich etwas, aber mit viel Geduld denke ich, dass ich schon in ein- oder zweihundert Jahren einen schönen Regenbogen im Schrank stehen habe.

So landete jedenfalls auch Vennemanns Nahe Jedenew bei mir und weil es so schön dünn ist und gerade Wochenende war, habe ich direkt angefangen, reinzulesen. Worum es geht, muss man sich auch als Leser erst erschließen. Ich habe noch während der Lektüre angefangen, dem Buch hinterher zu googeln, um mehr über den Autor und den Hintergrund der Geschichte zu erfahren. Dann aber weiß man: Es geht um zwei Mädchen, Zwillinge, irgendwo in einem polnischen Dorf, in dem die katholische Bevölkerung in einer Nacht ihre jüdischen Nachbarn umbringen, die Höfe plündern und anzünden. Die beiden Mädchen fliehen in ihr Baumhaus und beobachten von da aus, wie die Idylle ihrer Kindheit ein jähes Ende findet. Sprachlich vermischen sich ihre Erinnerungen und die Erzählungen der Erwachsenen mit dem Grauen der Gegenwart. Das ist erst anstrengend, wenn man sich dann aber reingelesen hat, sehr wirkungsvoll. Ungefähr so stelle ich mir einen modernen Klassiker vor, im besten aller Sinne.

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844 Bibliotheken, 41 Leser, 1 Gruppe, 188 Rezensionen

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Die Geschichte der Bienen

Maja Lunde , Ursel Allenstein
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei btb, 20.03.2017
ISBN 9783442756841
Genre: Romane

Rezension:

China im Jahr 2098: Die Arbeiterin Tao arbeitet als Bestäuberin, denn seit die Bienen verschwunden sind, muss diese Arbeit von Menschen erledigt werden. Nahrungsmittel sind kostbar geworden, die großen Städte verfallen, überall auf der Welt. Dann hat ihr Sohn Wei-Wen einen Unfall und in Taos Leben ist nichts mehr wie vorher. 

USA im Jahr 2007: Der Imker George ist stolzer Besitzer einer Bienenzucht. Überall stehen die selbstgezimmerten Bienenkästen, der Hof eine Familientradition, die vermutlich bei ihm enden wird, denn sein Sohn Tom möchte lieber schreiben. Doch damit mag sich George nicht abfinden und so gerät seine Welt zunehmends aus den Fugen. Und dann verschwinden die Bienen. 

England im Jahr 1852: Williams Sauvage liegt im Bett und ist verzweifelt. Als Wissenschaftler hat er versagt, sein Mentor lacht über ihn, sein Lebensmut ist dahin. Dann findet er neue Hoffnung in der Konstruktion eines modernen Bienenstocks und macht sich an die Arbeit. 

Drei Geschichten, die vor allem erst einmal eines gemeinsam haben: Die Bienen. Kleine Tiere, die so wichtig sind für unsere Welt und die für jeden Charakter in diesem Buch eine besondere Bedeutung haben. 

Maja Lunde wechselt zwischen den drei Erzähl- und Zeitebenen relativ flott hin und her, dabei ist jede Geschichte für sich erzählenswert und spannend. Gemein ist Tao, George und William die Verzweiflung über die Welt im Allgemeinen und auch im Konkreten. Die harte Arbeit auf dem Feld und der Unfall des Kindes, die Abkehr des Sohnes von dem Lebenskonzept des Vaters und das Gefühl, im Leben nichts erreicht zu haben. 

Trotz allem ist "Die Geschichte der Bienen" kein pessimistisches oder trauriges Buch. Auch wenn nicht jede Figur am Ende ihr Glück finden kann, so bleibt doch am Ende die Hoffnung und die Einsicht, dass es vielleicht nicht immer jeder alles das bekommen kann, was er gerne möchte, aber die Welt als metaphorischer großer Bienenstock noch nicht verloren ist.

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368 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 149 Rezensionen

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Underground Railroad

Colson Whitehead , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 21.08.2017
ISBN 9783446256552
Genre: Romane

Rezension:

The Underground Railroad von Colson Whitehead habe ich mit Spannung erwartet, weil ich schon viel - eigentlich nur Gutes - von dem Buch gehört habe.
Erzählt wird die Geschichte von Cora, Sklavin auf einer Baumwollplantage in dritter Generation. Coras Mutter verschwand, als Cora noch ein Kind war, eine der wenigen Sklaven, der die Flucht gelang und die nie wieder gesehen wurde. So muss sich Cora alleine durchschlagen, ohne Rückhalt und Sicherheit, immer in Angst vor der Willkürlichkeit und Grausamkeit ihrer Besitzer und deren Aufseher. Der Gedanke an Flucht kommt ihr gar nicht, so absurd ist die Vorstellung, als Schwarze im amerikanischen Süden so lange durchzuhalten, dass man es bis in den Norden schafft, wo auch Schwarze frei sein können. Doch dann fragt sie Caesar, ob sie mit ihm fliehen will und beim zweiten Mal sagt sie ja. Die Flucht gelingt über die Underground Railroad, einem Fluchnetzwerk, das tatsächlich existierte, in Whiteheads Geschichte aber nicht nur eine Metapher ist, sondern ein unterirdisches Schienennetzwerk.
Und so beginnt Coras Reise durch Amerika, verfolgt vom Sklavenjäger Ridgeway, der nie die Schmach überwunden hat, bei Coras Mutter Mabel versagt zu haben.
Gott sei Dank wurde ich nicht enttäuscht. Einzig der Anteil der fantastischen Elemente hätte nach meinem Geschmack etwas größer sein können. Doch das ist Jammern auf höchstem Niveau, denn die Geschichte von Cora, Caesar, ihren Helfern, Leidensgefährten und Feinden ist packend von Anfang bis Ende. Whitehead ist dabei schonungslos, hier wird nichts beschönigt, der Mensch, so lernt man, ist eben oft nicht gut und das Amerika dieses Zeitalters kein grundweg angenehmer Ort.
Dass nach all dem berechtigten Lob und den Preisen, die das Buch bereits bekommen hat, bereits die Verfilmung geplant ist, wundert hier kaum. Ich bin also weiter gespannt.        

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70 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 41 Rezensionen

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Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Jaroslav Kalfar , Barbara Heller
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Tropen, 05.08.2017
ISBN 9783608503777
Genre: Romane

Rezension:


Jakub Procházka ist der einzige Passagier an Bord der JanHus1, dem ersten Raumschiff der tschechischen Geschichte, auf dem Weg zur mysteriösen Choprawolke. Vier Monate hin, Daten und Wolkenstaub sammeln, und dann wieder vier Monate zurück. Jakub ist ein Held, aber gleichzeitig der einsamste Mensch der Welt. Dann verlässt ihn seine Frau Lenka und gleichzeitig entdeckt er ein seltsames spinnenartiges Wesen mit menschlichen Lippen, dass in seinen Erinnerungen wühlt und seinen Nutellavorrat vertilgt.


Das ist die eine Seite der Geschichte von "Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt", die andere Seite ist Jakubs Vergangenheit, seine Kindheit in der sozialistischen Tschechoslowakei, die mit dem Fall des eisernen Vorhangs und gleichzeitig mit dem Tod seiner Eltern endet. Sein Vater, so stellt sich heraus, war ein hoher Regierungsbeamte, der auch vor Folter nicht zurückschrak und schnell holt die Vergangenheit den Jungen ein und wirft sein Leben durcheinander.


Alles das und noch viel mehr findet sich in diesem Buch und auch, wenn mir die Science-Fiction-Anteile ein bisschen zu kurz kamen, war es gerade der Einblick in das Tschechien der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft, der mich begeistert hat. Vielleicht, weil auch meine Familie dort Wurzeln hat, auch wenn das sehr lange her ist, vielleicht auch, weil es so nah und doch so weit weg ist.


Das alles ist angenehm ruhig, beinahe schon anachronistisch, zumindest aber mit viel Nostalgie erzählt, die Figuren sind gut entwickelt und so fügt sich nachher alles zusammen, und mal wieder könnte man die Rolling Stones bemühen, denn auch Jakub bekommt nicht unbedingt das, was er wollte, aber vielleicht genau das, was er brauchte.

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516 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 127 Rezensionen

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Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.08.2018
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Dass ich diesen Satz jetzt direkt wieder schreiben kann, erfreut mich: Alles an diesem Buch ist schön.

Fangen wir aber mit dem Problem, das ich mit Mariana Lekys Büchern habe, direkt an, dann haben wir's hinter uns. Das Problem ist, dass ich bei ihren Büchern irgendwann immer sehr viel und rotzig weinen muss. Das sieht dann sicher nicht schön aus, aber wenn man währenddessen alleine auf der Couch liegt, sieht es ja niemand.

Ansonsten ist wirklich alles an diesem Buch schön. Die Geschichte, die Figuren, die Sprache, die Ideen, alles ist schön. Mariana Leky schafft schon wieder den kaum möglichen Spagat zwischen alten traditionellen Geschichten und moderner Sprache, nichts davon wirkt gekünstelt oder aufgesetzt, alles ist gleichzeitig skurril, magisch und ganz bodenständig.

In einem Dorf mitten im Westerwald lebt Selma, die aussieht wie Rudi Carrell. Immer, wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand im Dorf und diese Nacht hat Selma von einem Okapi geträumt. So fängt alles an, und Selmas Enkelin Luise erzählt, wie es dann weitergeht. Mit dem Optiker, der in Selma verliebt ist und ihr jahrelang Briefanfänge schreibt. Mit Elsbeth, die für alles ein Wundermittel hat. Mit der traurigen Marlies, die ganz allein in dem Haus wohnt, in dem sich ihre Tante erhängt hat. Mit Luises Vater, der einen Hund anschafft, um seinen Schmerz zu externalisieren. Mit Luises Mutter, die nicht weiß, ob sie ihren Mann verlassen soll. Mit Martin, Luises bestem Freund und seinem Vater, der Jäger und Alkoholiker ist und vor dem Selma die Rehe schützen muss.

Das ist alles mit viel Humor und Liebe erzählt und es muss schon ein sehr, sehr gutes Buch kommen, um "Was man von hier aus sehen kann" als meine Lieblingsbuch des Jahres 2017 vom Treppchen zu schubsen.

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267 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 102 Rezensionen

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Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit

Gilly Macmillan , Maria Hochsieder
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.02.2017
ISBN 9783426520567
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

The Perfect Girl ist ein solider Unterhaltungsthriller, der in der Zusammenfassung durchaus vielversprechend klang. Es geht um das Klavierwunderkind Zoe, die Schuld am Tod von drei Mitschülern hat und deswegen auch Zeit abgesessen hat. Die Ehe der Eltern ging darüber zu Bruch, jetzt will ihre Mutter mit neuem Mann, neuem Namen und neuer Stadt auch ein neues Leben beginnen. Bei dem ersten Klaviervorspiel in diesem neuen Leben kommt es aber direkt zu einem unschönen Zwischenfall, so dass die Fassade bröckelt. Am nächsten Tag ist Zoes Mutter tot. 

Die Geschichte entwickelt sich gut, jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive erzählt, man kann recht schon sehen, wie sich die Fäden entspinnen und wieder zusammengeführt werden. Das ist alles keine große Literatur, macht aber Spaß und ist dabei nicht unintelligent. Wer etwas fürs Sofa oder den Liegestuhl sucht, ist bei The Perfect Girl gut aufgehoben.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

entdecken, navigation, sachbuch, verirren

Verirren

Kathrin Passig , Aleks Scholz , Martin Baaske
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rowohlt Berlin, 12.03.2010
ISBN 9783871346408
Genre: Sachbücher

Rezension:

Während der Lektüre war ich vor allem dauertrauig, dass ich Kathrin Passig zur Zeit der Buchentstehung noch nicht kannte. Vielleicht war das aber auch ein Glück für Kathrin, denn so konnte ich sie damals nicht fortwährend mit Verirrungs- und Orientierungsanekdoten nerven.

Kathrin Passig und Aleks Scholz haben hier einen Ratgeber zum professionellen und vor allem absichtlichen Verirren. Mit absichtlichem Verirrenkenne ich mich aus, wobei es bei mir strictly speaking immer eher zielloses Rumlaufen ist, das Verlaufen ergibt sich oder eben nicht. Das Buch zeigt die Vorteile des Verirrens auf, hilft Einsteigern bei den ersten Verirrungsversuchen, nimmt die Angst vorm Verirren, indem es Tipps zum Nicht-beim-Verirren-Sterben gibt und es werden Geschichten des Verirrens anderer Personen erzählt, bei denen man sowohl lernen kann, wie man es macht als auch wie man es besser nicht macht.

Schon während des Lesens hatte ich die ganze Zeit Lust, mich mal ordentlich zu verirren und immerhin habe ich jetzt schon damit angefangen, jenseits des Bürgersteigs zu laufen und mich in der Gegend etwas aufmerksamer umzuschauen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich im Blog noch gar nicht die Geschichte erzählt habe, wie wir mal beim Wandern gescheitert sind und irgendwann ohne Handy, aber dafür bei aufziehendem Gewitter an einer Felswand hingen. Die Geschichte hätte ich auch Kathrin Passig damals erzählen können, aber das Buch wurde einfach zu früh geschrieben.

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