Leserpreis 2018

anywayss Bibliothek

317 Bücher, 320 Rezensionen

Zu anywayss Profil
Filtern nach
317 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(31)

60 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

"schweiz":w=4,"verdingkinder":w=2,"roman":w=1,"familie":w=1,"kinder":w=1,"schicksal":w=1,"20. jahrhundert":w=1,"familiengeschichte":w=1,"schwestern":w=1,"adoption":w=1,"schwanger":w=1,"schicksale":w=1,"grausamkeit":w=1,"historische romane":w=1,"vorablesen":w=1

Die verlorene Schwester

Linda Winterberg
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.11.2018
ISBN 9783746634524
Genre: Historische Romane

Rezension:

1968, ein Jahr nach dem Tod des geliebten Vaters, werden die beiden Schwestern Marie(13) und Lena(11), durch die staatlichen Behörden der Schweiz ihrer Mutter entrissen. Lina Flaucher, war nach dem Tod ihres Mannes in eine tiefe Depression gestürzt und konnte die Kinder nicht mehr versorgen. Das hat Marie übernommen. Doch es gibt immer Gerede in der Nachbarschaft, ein missgünstiges Tratschweib konnte ganz leicht die Behörden informieren, und ohne den Sachverhalt zu prüfen, geschweige denn Hilfe anzubieten, wurden die Mädchen unter die Obhut von Nonnen gesteckt. Ein „Kinderheim“ das gewalttätige erzieherische Maßnahmen pflegt und wo die Kinder hart arbeiten müssen. Schulausbildung wird nicht angeboten. Ein Jahr dauert es, die Mädchen können sich nur schwer an ihre neue Umgebung gewöhnen, träumen beide davon das die Mutter wiederkehrt und sie befreit, da greift der Staat erneut in das Schicksal der Mädchen ein. Sie werden „verdingt“, d.h. eine Familie die den geringsten Preis für Kost und Logie verlangt, bekommt ein Kind zum Arbeiten, im Geschäft und auf dem Hof. Sie sind schier verzweifelt als sie erfahren dass sie auseinander gerissen werden. Es sollen 39 Jahre vergehen bis sie sich wieder sehen.

„Ein Verdingkind war schon verurteilt, bevor es etwas sagen konnte.“

Lina Winterbergs Roman „Die verlorene Schwester“ greift das lange unterdrückte Thema der „Verdingkinder“ auf. Wie kann ein solches Verbrechen, nach dem 2. Weltkrieg, im Herzen Europas stattfinden? Es war normal in der Schweiz Kinder als Arbeitssklaven zu verkaufen! Hier muss ganz dringend eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erfolgen! Bis zum Jahr 1981 war dieses Verbrechen in der Schweiz gang und gäbe. Der erfolgte Vergleich vor ein paar Jahren ist ein Witz für diese Menschen die solch ein Martyrium durchleben mussten. Es macht mich unfassbar traurig und wütend. Ich weiß auch, dass diese Praxis in Deutschland (vorwiegend Schwaben) stattgefunden hat, jedoch nur bis zum Jahr 1920. Nicht entschuldbar, aber vergleicht man die Verhältnisse Anfang des 20. Jahrhunderts mit denen zum Ende des 20. Jahrhunderts, doch ein riesengroßer Unterschied.

Die Autorin erzählt in drei verschiedenen Strängen die Geschichte der beiden Geschwister und ihre Odyssee durch Kinder/Erziehungsheime. Ein wirklich unfassbar traurige Geschichte die mir sehr zu Herzen ging. Ich musste das Buch zwischendurch auch immer mal unterbrechen. Solch eine Art der Kindesmisshandlung war mir nur aus diktatorischen Staaten bekannt. Aber vielleicht ist nur die Berichterstattung dieser Länder einen gehörigen Aufschrei wert. Linda Winterberg gibt diesen Kindern mit ihrem Buch die kleine Möglichkeit dass ihre Geschichte nicht vergessen ist. Dafür danke ich der Autorin sehr.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(72)

84 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 71 Rezensionen

"gefängnis":w=4,"joe bausch":w=4,"knast":w=3,"gefängnisarzt":w=3,"justizvollzugsanstalt":w=2,"gangsterblues":w=2,"mörder":w=1,"arzt":w=1,"täter":w=1,"schicksale":w=1,"strafe":w=1,"selbstjustiz":w=1,"reue":w=1,"betrüger":w=1,"true crime":w=1

Gangsterblues

Joe Bausch
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein extra, 12.10.2018
ISBN 9783864930560
Genre: Sachbücher

Rezension:

Joe Bausch, Regierungsmedizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl, plaudert aus seinem Berufsleben. Bis zu fünfzig Patienten versorgt er täglich medizinisch. Sie alle verbindet eine langjährige Haftstrafe und ein breites Spektrum an krimineller Energie. Zwölf Fälle schildert er in einem zu Anfang für mich erst einmal gewöhnungsbedürftigen „Knastjargon“. Anders als der Klappentext jedoch vorgaukelt. Dort steht: „Sie alle vertrauen sich Joe Bausch an und lassen ihn tief in den Abgrund ihrer Seele blicken. Die besten dieser Geschichten hat er hier aufgeschrieben. Wahre Geschichten, die unter die Haut gehen.“ Joe Bausch stellt in seinem Prolog jedoch klar, dass er den Fokus nicht auf Einzelschicksale legt, sondern den Alltag in deutschen Gefängnissen schildert.

„Außergewöhnliche Begegnungen und die Geschichten die mir dabei erzählt wurden, oder Geschichten, von denen ich nebenbei erfuhr, inspirierten mich für dieses Buch. Die Idee, die interessantesten von ihnen zu anonymisieren, zu fiktionalisieren und weiterzuspinnen, trieb mich dabei an.“

Ich finde diese Darstellung hätte doch viel eher auf den Klappentext gehört, als das vorgeben „wahrer“ Geschichten.

Die zwölf Kapitel sind deswegen jedoch nicht minder lesenswert. Ganz großen Einfluss hat auch der unglaublich trockene Humor des Autors. Wirklich erschrocken war ich über Geschichte 5, als Angehörige eines medizinischen Berufstandes ist es mir absolut nicht fremd, wenn Patienten das Personal körperlich verletzten oder es zu mindestens versuchen. Ein ganz anderes Kaliber sind „schwere Jungs“ die dasselbe versuchen, im Knast. Ein gefährlicher Arbeitsplatz.

Es gibt jedoch auch Geschichten die einen zum Schmunzeln bringen, oder deren Verfilmung schon vor dem geistigen Auge abläuft. Hier wäre die Geschichte um die „alten Knochen“ zu nennen. Ich kann förmlich, Bruce Willis, John Malkovich und Tommy Lee Jones in den Hauptrollen sehen.

Professionell, distanziert, mit lockerem Ton, trotzdem spannend und ab und an musste ich auch sehr humorvoll.


Fazit: Absolut lesenswert, obwohl oder gerade weil es nicht wahre Geschichten sind.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

"krimi":w=2,"mystery":w=2,"geister":w=2,"rätsel":w=1,"grusel":w=1,"südstaaten":w=1,"spuk":w=1,"kryptisch":w=1,"sanfter grusel":w=1,"golkonda":w=1,"a la lovecraft":w=1

Mörderische Renovierung

Edgar Cantero , Thomas Görden
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Golkonda Verlag, 26.10.2018
ISBN 9783946503491
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

A. , Student Anfang zwanzig, hat das unverschämte Glück ein riesiges Anwesen in Virginia zu erben. Das Axton House mit einer Vielzahl an Ländereien. Gut den Cousin vierten Grades, Ambrose Wells, hat er nie getroffen, noch nicht einmal von ihm gewusst und das dieser sich dann auch noch als vermögend herausstellt kommt A. doch sehr unwahrscheinlich vor. Aber nun begibt er sich zusammen mit seiner sehr jungen und stummen Freundin Niamh (ausgesprochen Nief) in die Vereinigten Staaten nach Virginia. Kein Studentenleben mehr, er hat ausgesorgt. Na gut etwas anrüchig ist die Geschichte schon, der Cousin hat sich das Leben genommen, genau wie dessen Vater 30 Jahre zuvor. Merkwürdig ist auch, dass der Butler (für A. irrwitzig einen Butler zu haben der mit in der Erbmasse „steckt“) verschwunden ist.

Kaum sind die beiden Europäer in das riesige, düstere Haus eingezogen beginnen A. schreckliche Alpträume zu quälen und er sieht nachts eine Erscheinung im Bad. Niamh, ganz pragmatisch, stattet das Haus mit diversen Kameras und Aufnahmegeräten aus, sie will elektronische Stimmenphänomene aufzeichnen.

A.. untersucht in der Zwischenzeit mal die diversen Arbeitsstätten seines verstorbenen Verwandten, denn dieser hat im gesamten Haus diverse Schreibtische platziert, und stolpert über einen rätselhaften Umschlag mit der Aufschrift „AESCHYLUS“. Nachdem sich A. und Niamh mit diversen manuellen Chiffriermethoden vertraut gemacht haben, entdecken sie dass der Brief dem verschwundenen Butler zugestellt werden sollte. Es bleibt jedoch nicht bei diesem einen Rätsel und bei derselben Dechiffrierung. Ebenso geheimnisvoll ist, dass der Verstorbene, der als Eigenbrötler galt und immer zurückgezogen gelebt hat, jedes Jahr kurz vor Weihnachten ausgesuchte Gäste zu einem großen Bankett eingeladen hat.

Dieses Buch ist rein inhaltlich einfach genial. Zusammengesetzt aus Ambroses Tagebuchaufzeichnungen, seinen und ihren Briefen an die Tante Liz, Niamh’s Notizen, A.‘s Traumjournal, Video- und Tonbandaufzeichnungen und diversem anderen, kreiert Edgar Cantero einen einzigartigen spannenden und gruseligen Mix aus Horror, Mystery und Thriller. Diese Zusammensetzung ist für mich beispiellos und birgt eigentlich die Gefahr, dass der Autor sich verzettelt. Das geschieht jedoch zu keiner Zeit. Mühelos folgt man dem Geschehen. Dabei ist seine Erzählweise so plastisch, das man mit Gänsehaut beladen durch das Labyrinth hinterherschleicht, die unzähligen versteckten Winkel und Ecken dieses Gemäuers durch die Kameraperspektive erspäht und sich natürlich vor dem „Hausgeist“ fürchtet.
Die Ausflüge in die Welt der Kryptographie und den damit verbundenen manuellen Entschlüsselungsverfahren waren für mich persönlich etwas zu langatmig, für die Aufklärung allerdings sinnvoll.
Den ganzen Plot finde ich phantasiereich, kreativ und teilweise auch dezent amüsant, dies äußert sich insbesondere bei den (schriftlichen) Dialogen vom Niamh und A..
Unvorhersehbar und auch verblüffend jedoch mit Glaubwürdigkeit (sofern man das in diesem Genre erwarten kann) ausgestattet ist, ist das Ende.
Eigentlich gibt es überhaupt gar keine Beanstandungen, jedoch muss ich den Geruch des Buches stark kritisieren. Ich liebe druckfrische Bücher, dieses jedoch stank entsetzlich. Ich bin in solchen Dingen überhaupt nicht empfindlich, hier viel es mir wirklich schwer den ersten hundert Seiten zu folgen. Also für alle nachfolgenden Leser, die ein eingeschweißtes Buch besitzen, der Hinweis erst ein zwei Tage auslüften, für den ultimativen Lesegenuss.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

"david baldacci":w=1,"will robie":w=1

Der Feind im Dunkeln

David Baldacci , Rainer Schumacher
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 26.10.2018
ISBN 9783785726396
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

CIA-Agentin Jessica Reel hat bei ihrem letzten Auftrag im Irak ihr komplettes Team während eines Einsatzes verloren. Tief getroffen kehrt sie in die Staaten zurück. CIA-Agent Will Robie’s Auftrag hingegen läuft in London fast planmäßig ab. Die Aushebung einer Terrorzelle die in Besitz einer Kobaltbombe war, läuft planmäßig und ohne Kollateralschäden ab.  Beide werden jedoch kurze Zeit später nach Washington zurück beordert. Ihr Verbindungsoffizier Roger Walton oder „Blue Man“ ist während seines Urlaubes in der kleinen Stadt Grand, spurlos verschwunden. CIA-Direktorin Rachel Cassidy verpflichtet die beiden nach ihrem Boss zu suchen. Doch das ist gar nicht so einfach. Die Gegend ist zwar idyllisch, für Angler, Jäger und Naturliebhaber geradezu ideal, doch rotten sich in solch einer abgeschiedenen Gegend auch immer subversive Elemente zusammen. Die dortige Polizei ist in der Regel unterbesetzt und kann diesen Kriminellen wenig entgegensetzen. Kaum nehmen die beiden Agenten vor Ort die Ermittlungen auf, verschwinden mehr und mehr Leute und es gibt wenig Hinweise auf deren Verbleib.

 

David Baldacci’s Reihe um seine Protagonisten Jessica und Will kannte ich noch nicht. Ich musste mich also zu aller erst mit den beiden Charakteren vertraut machen. Dabei waren die maßlose Übertreibung ihrer physischen sowie psychischen Fähigkeiten und ihr deutlich ausgesprochenes Überlegenheitsgefühl zu Anfang überhaupt nicht hilfreich. Im Gegenteil sie schreckte ziemlich ab. Ich bin kein großer Freund von Selbstbeweihräucherung.

Auch das sich ewig nicht eingestehen, das man für seinen „Kampf“ Partner Gefühle hat, ein so typisch amerikanisches Phänomen, nimmt der Autor hier auch mit auf. Die damit verbundenen Äußerungen oder Missverständnisse sind zwar logisch jedoch nicht unterhaltsam.

 Erst als beide sich auf teilweise unbekanntes Terrain begeben, die Suche nach ihrem Boss und die damit verbundene Ermittlungsarbeit starten, machte mir ihre Charakter etwas sympathischer, einfach weil sie nicht mehr so übermenschlich dargestellt wurden. Für den Autor typische verzwickte Situationen, viel Kampfgeist und ein spektakulärer Showdown runden das Ganze ab.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Killer Blog: Serienkiller-Thriller

Christine Drews
E-Buch Text: 365 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 09.10.2018
ISBN 9783732564200
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Lebendig begraben, so fühlt sich John Caine, der gefährlichste Serienkiller der britischen Inseln, in dem unterirdischen Gefängnis, weitab von jeder Zivilisation. Rockall, auf den ersten Blick ein karger Fels, mitten im Nordatlantik. Unbemerkt vor den Augen der Welt ist es ein Hochsicherheitsgefängnis für die schlimmsten Serienvergewaltiger, Kindermörder, Frauenschlächter und für John. Doch John hat nicht vor hier lange zu bleiben. Es sind genügend Helfer da, die ihm eine Flucht, so unvorstellbar das klingt, zu ermöglichen. Bis dahin vertreibt er sich die Zeit mit Blogeinträgen im Darknet, die er einmal die Woche hochladen kann. Er erzählt aus seiner Zeit bei der British Army in Afgahnistan, seiner Begegnung mit einem alten Mann und die herausbeschworenen Erinnerungen an seine schmerzhafte Familiengeschichte. Die läutet den endgültigen Wendepunkt in seinem Leben ein. Hat er früher nur für Geld getötet kommt jetzt ein neuer Aspekt hinzu….Rache.

 

Killerblog ist das Pendant zu Killerjagd. Der Serienkiller aus Killerjagd erzählt in Killerblog die Geschichte seines Lebens und Tötens aus seiner Sicht. Beide Handlungen sind in sich abgeschlossen, so dass ich dem Geschehen mühelos folgen konnte, obwohl ich Killerjagd nicht kenne.

 

Um herauszustechen aus der Masse guter bis sehr guter Thriller, bedarf es schon einiges. Christiane Drews bekommt das fast spielend hin. Killerjagd hat mich auf der einen Seite angezogen und gleichzeitig abgestoßen. Auf einiges muss man sich gefasst machen, denn es geht vorwiegend blutig zur Sache. Ein sehr guter Schreibstil, der sich durch Einfachheit und Klarheit ausdrückt. Nur manchmal wurde mir die stellenweise verwendete Gossensprache zu viel. Sie ist dem Geschehen jedoch angepasst.

Christiane Drew reiht sich mit Killerblog nahtlos in die Riege erstklassiger deutscher Thrillerautoren wie Arno Strobel, Sebastian Fitzek und Frank Schätzing, ein.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

"krimi":w=2,"mord":w=1,"krimi-reihe":w=1,"wien":w=1,"serienmord":w=1,"österr. krimi":w=1

Weil ihr böse seid: Kriminalroman (Ein-Sarah-Spielmann-Krimi 3)

Thomas Ehrenberger
E-Buch Text: 283 Seiten
Erschienen bei Midnight, 05.11.2018
ISBN 9783958192317
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die National Hockey League, kurz NHL, das ist der Traum des siebzehnjährigen Justin. Dafür trainiert er oft und hart. Auch im Winter läuft er seine übliche Strecke am Donauufer ab. Sie ist um diese Jahreszeit nicht gut beleuchtet, dafür auch weniger frequentiert, so dass sich Justin nicht mit langsameren Joggern abquälen muss. Plötzlich tauchen vier schwarz vermummte Gestalten mit eigenartigen Puppenmasken auf. Alle vier sind auf Rollerblades unterwegs und mit Eishockeyschlägern bewaffnet. Ehe Justin sich einen Fluchtplan zurechtlegen kann, greifen die vier an. Erbarmungslos. Für Justin kommt jede Hilfe zu spät. Ein stiller Beobachter geht zur Leiche macht ein Foto und lässt die Tarotkarte des Teufels liegen.

Profilerin Sarah Spielmann hat ihren letzten Fall noch nicht richtig verarbeitet. Sie leidet unter Schuldgefühlen und schrecklichen Alpträumen. Als sie zum Tatort am Donauufer gerufen wird, ahnt sie noch nicht, dass dieser Fall ähnlich anstrengend werden könnte. Die gefundene Tarotkarte zeigt auf einen Täter mit besonderer Mission hin. Als dann auch noch das Foto der Leiche im Netz auftaucht, mit Hinweisen auf verwerflichen Verfehlungen des  Opfers nimmt das multimediale Echo zu. Eine regelrechte Hetzjagd beginnt.

 

Der Klappentext zu diesem Thriller und die Vita des Autors haben mich neugierig gemacht. Leider steige ich erst zum dritten Teil um die Profilerin Sarah ein. Da der Fall aber in sich geschlossen ist, war es mir möglich ohne große Hindernisse zu folgen.

Die Figur der Sarah gefällt mir ausgesprochen gut, sie ist taff, kämpferisch und nach dem sie in ihrem Privatleben Halt gefunden hat, auch recht bodenständig. Sie wirkt auf mich nicht überzeichnet. Das ist in diesem Genre nicht allzu häufig der Fall. Während mir die „Rebellin“ Sarah und ihr Partner Fred sehr gefallen, ist die Figur der leitenden Staatsanwältin, wie so oft, sehr unsympathisch und in ihren Handlungen nicht immer nachvollziehbar agierend, dargestellt worden.

Mitreißend fand ich den frischen, jugendlichen manchmal ein wenig saloppen Schreibstil des Autors. Dies und seine großzügigen Absätze, lassen einen förmlich durch die Seiten fliegen. Im letzten Drittel steigert sich dies jedoch etwas zu schnell, so dass ich manchmal Mühe hatte dem Geschehen zu folgen. Perfekte gesetzte Spannungsbögen runden das Bild eines gelungen Thrillers ab. Lediglich die ungeheure Vielzahl an Namen/Personen war irritierend.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(2)

5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Tote in den Dünen: Ein Sylt-Krimi

Bodo Manstein
E-Buch Text: 397 Seiten
Erschienen bei Midnight, 05.11.2018
ISBN 9783958192348
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Thies Kleinfeld, Obdachloser auf Sylt ist auf jeden kleinen Zuverdienst angewiesen. So lässt er sich für einen Zwanziger von Vogelwart Jan Rieken anheuern, ihn auf die naturgeschützte Insel Norderoogsand zu begleiten. Der Ausflug beginnt für ihn recht mühsam, erst verheddert er sich im Sand, fällt hin und findet einen kleinen verrosteten Schlüssel und dann entdecken sie noch eine skelettierte Leiche. Zurück auf Sylt versucht er herauszufinden zu welchem Schloss der Schlüssel passen könnte.

Unterdessen recherchiert Robert Benning im Sylter Rotlichtbezirk. Dort gibt es arge Entrüstungsstürme, möchte doch die Besitzerin des Etablissements vom Randbezirk eher zentral ihre „Bar“ betreiben. Dieser geplante Umzug erhitzt die Gemüter doch sehr. Wenig später jedoch wird eine Angestellte des Hauses am Strand tot aufgefunden. Robert Benning und sein Freund, der Kriminalhauptkommissar Michael Hinrichs, ermitteln, nicht immer gemeinsam, diesen Fall.

 

„Die Tote in den Dünen“ ist das erste Buch, das ich von Bodo Manstein gelesen habe. Es ist, soweit ich dies richtig recherchiert habe, der dritte Fall von Robert Benning und Michael Hinrichs. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kam ich ganz gut hinein in diesen Krimi. Allerdings taten sich einige Lücken bezüglich der Vergangenheit der Protagonisten auf, die nur bedingt erklärt wurden. Manche Handlungen der Figur des Roberts, waren mir deshalb nicht immer ganz nachvollziehbar.

Eigentlich liebe ich Regionalkrimis, weil sie in der Regel die Eigenarten ihrer Bewohner so herrlich erfrischend zeichnen und natürlich die landschaftlichen Reize für mich immer sehr interessant sind. Die natürliche Schönheit Sylts, die langen Strände, die milden Sommer und die rauen Herbststürme, lässt der Autor auch ganz gut aufleben. Ich hätte mir vielleicht ein bisschen mehr Kritik hinsichtlich des überbordenden Tourismus und die damit einhergehende drastische Verteuerung für die einheimische Bevölkerung gewünscht. Was ich wirklich ganz stark vermisst habe ist der einheimische Dialekt, nicht einmal lässt der Autor seine Figuren in den plattdüütschen Dialekt fallen. Das fand ich wirklich schade.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

44 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

"krimi":w=7,"schweiz":w=4,"syrien":w=4,"terrorismus":w=3,"kriminalroman":w=2,"geheimdienst":w=2,"zürich":w=2,"nato":w=2,"lenz":w=2,"syrienkrieg":w=2,"liebe":w=1,"krieg":w=1,"reihe":w=1,"serie":w=1,"krimi-reihe":w=1

Lenz

Michael Theurillat
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 26.10.2018
ISBN 9783550081989
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kommissar Eschenbach kehrt nach einer dreimonatigen Auszeit auf Kommissariat zurück. Dass ihm deswegen rote Teppiche ausgerollt werden, hat er gar nicht erwartet, dass aber seine Vertretung Ivy Köhler jetzt auch noch seine Stellvertreterin wird geht ihm gehörig gegen den Strich. Erschwerend kommt hinzu, dass sie den Tod eines Wissenschaftlers sofort als Selbstmord einstuft und sämtliche Ermittlungen boykottieren will. Eschenbachs Neugier ist geweckt. Der Tote, Walter Habicht, hat keine Bekannten, Verwandten oder Freunde. Eine Assistenzprofessur an der Uni Zürich ist ein Hinweis, aber kaum will Eschenbach diesem Hinweis nachgehen, wird er ausgebremst. Die Bundesstaatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet und verhindert die Herausgabe von Informationen seitens der Universität. Nur eins kann Eschenbach noch herausfinden, der Tote war wohl aktiver Teil eines Terrornetzwerkes. Das ist alles höchst mysteriös.

Unterdessen erweist Edward Lenz, langjähriger Kollege und Freund Eschenbachs, einem anderen Freund einen großen Freundschaftsdienst. Lenz möchte doch bitte einer gemeinsamen Freundin, die Lenz jedoch vor über vierzig Jahren das letzte Mal sah, ein Päckchen nach Deutschland überbringen. Lenz soll sich dabei an einen bestimmten Zeitplan und eine bestimmte Reiseroute halten. Für eine lange Zeit verschwindet Lenz von der Bildfläche und Eschenbach kann ihn nicht erreichen. Dabei ist die Lage etwas heikel, denn Eschenbachs Nachforschungen haben ergeben, dass Lenz ein Kommilitone Habichts war. Standen sie eventuell noch in Verbindung? Für Ivy Köhler wird Lenz jetzt zum Hauptverdächtigen.

 

 

„Die Wahrheit – sofern sie sehr unwahrscheinlich erscheint – glaubt einem niemand. Sie ist besser als jede Lüge.“

 

Es ist mein erster Krimi von Michael Theurillat und so brauchte ich ein wenig Zeit, um mich mit seinem Schreibstil vertraut zu machen. Kurze prägnante Sätze, Dialoge denen zu folgen für mich nicht immer ganz einfach waren, unterbrochen von großzügigen Absätzen. Die Gewöhnungszeit nahm ungefähr ein Drittel des Buches ein, dann hatte ich mich mit allen Haupt- und Nebenakteuren bekannt gemacht. Erleichtert haben dies der stetige Spannungsaufbau und die ungemein interessante Entwicklung der Story.

Lenz ist in meinen Augen kein klassischer Krimi, denn hier liegt der Fokus eindeutig auf einer politischen Abhandlung über den Bürgerkrieg in Syrien, seine Entstehung, die Rolle der westlichen, östlichen und nahöstlichen Staaten und seine Auswirkungen auf den weltweiten Terrorismus. Auch die mediale Manipulation wird thematisiert.

Michael Theurillat ist nicht der erste Autor, der den Syrienkonflikt aktiv in seine Handlungen einbezieht.  Für mein politisches Verständnis ist er jedoch der Erste der in seinen Aussagen der Wahrheit ziemlich nahe kommt.

„Im Syrien-Krieg geht es weder um Religion noch um den eruptiven Aufstand eines Volkes gegen seinen Herrscher. Das ist alles Mumpitz. Demokratisierungsüberlegungen spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie der Terrorismus per se…….Beim Konflikt in Syrien geht es im Wesentlichen um die Versorgung Europas mit Erdöl und Erdgas, um die Vormachtstellung Russlands in dieser Sache und um das Interesse einiger Golfmonarchien und der USA, hier ein Wörtchen mitreden zu wollen.“

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

"thriller":w=2,"krimi":w=1,"mord":w=1,"verrat":w=1,"vertrauen":w=1,"korruption":w=1,"prostitution":w=1,"menschenhandel":w=1,"undercover":w=1,"pageturner":w=1,"2. fall von imogen grey und adrian miles":w=1,"ds imogen grey reihe":w=1

Er weiß, wer du wirklich bist - The Secret: Thriller (DS Imogen Grey 2)

Katerina Diamond
E-Buch Text: 359 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 01.10.2018
ISBN 9783732553747
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Verdeckte Ermittlungen können ganz schnell gefährlich werden, das muss auch die junge Polizistin Bridget Reid leidvoll erfahren. Sie findet ihre beiden Mitbewohnerinnen und einen Freier ermordet in ihrer Wohnung vor und die Mörder sind noch drin. Hals über Kopf flieht Bridget vor den Verbrechern und überlegt wer sie verraten haben könnte. Seit dieser Nacht bleibt sie verschwunden.

Detective Adrian Miles und seine Kollegin Imogen Grey werden am nächsten Tag von Bridgets Verbindungsmann Detective Inspektor Sam Brown über das Verschwinden der Kollegin in Kenntnis gesetzt. Sam Brown war bis vor zwei Jahren Imogens Partner, doch bei ihrem letzten gemeinsamen Fall hat er ihr Vertrauen missbraucht, dementsprechend feindselig ist sie ihm gegenüber. Schnell wird Imogen allerdings klar, das ihr letzter Fall in Plymoth mit den Ereignissen hier in Exeter zusammenhängen müssen, denn wieder führt die Spur zu einem griechischen Striplokal. Imogens Vergangenheit, beruflich wie privat holt sie wieder ein.

 

Katerina Diamond hat mit „The Teacher“ mehr als nur Akzente in dem heiß umkämpften Büchermarkt gesetzt, deswegen musste ich den Nachfolger „The Secret“ unbedingt lesen. Ähnlich wie im ersten Buch gibt es klar umrissene Kapitel, die jedoch auf drei verschiedenen Zeitebenen stattfinden. Die Lebensgeschichte des Entführers, Imogens Ermittlungen vor zwei Jahren und die gegenwärtige Suche nach Bridget. Diese drei Erzählstränge wechseln sich stetig ab, es ist nicht immer leicht zu folgen.

War ich vom ersten Buch sehr begeistert, muss ich bei diesem deutlich verhaltener reagieren. Dafür mache ich im Wesentlichen die Figur der Imogen verantwortlich. Die Ermittlungen an denen Imogen vor zwei Jahren beteiligt ist, sind derart stümperhaft das die gesamte Figur irgendwie nicht mehr glaubhaft ist, auch die Familiengeschichte ist irgendwie fast krampfhaft konstruiert. Das hat mir den Lesegenuss ab der zweiten Hälfte des Buches genommen. Dafür sind die Spannungsbögen recht gut gesetzt und die Story einem Thriller entsprechend nervenzerreißend.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(109)

196 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 80 Rezensionen

"überwachung":w=5,"computer":w=4,"weimar":w=4,"nsa":w=4,"thriller":w=3,"historischer roman":w=2,"nationalsozialismus":w=2,"drittes reich":w=2,"fiktion":w=2,"ns-zeit":w=2,"totale überwachung":w=2,"programmstrickerin":w=2,"komputer":w=2,"roman":w=1,"geheimnisse":w=1

NSA - Nationales Sicherheits-Amt

Andreas Eschbach
Fester Einband: 800 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 28.09.2018
ISBN 9783785726259
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Weimar 1942: Es steht hoher Besuch an im NSA (Nationales Sicherheits-Amt). Heinrich Himmler besucht die Institution um sich unter anderem von der Programmstrickerin Helene Bodenkamp und dem Konzepter Eugen Lettke die Auffindung versteckter Juden demonstrieren zu lassen. Anhand von ausgegebenen Lebensmittelmarken und Quittungen von Einkäufen lässt sich ganz einfach erkennen wie hoch der Kalorienverbrauch pro Haushalt und pro der darin lebenden Person ist, liegt er deutlich über dem Tagesschnitt kann man davon ausgehen, das mehr Personen in dem Haushalt leben als angemeldet. Ein Hinweis auf versteckte Juden. Zieht man dann noch die Grundrisse der Wohnung hinzu kann man eventuelle Verstecke sichten. Doch wie ist es zu einer solchen Überwachungstechnologie gekommen? In einer grossen Rückblende wird das Leben der Helene Bodenkamp und des Eugen Lettke aufgerollt, bevor es dann nach dem Besuch des Verbrechers in Nazi-Uniform weiter erzählt wird.

 

Was wäre wenn es unsere heutige Technologie schon vor 100 Jahre gegeben hätte. Wie würde die heutige Weltkarte aussehen? Wie würden wir leben? Andreas Eschenbach greift dieses Thema auf. Die Erfindung und Nutzung der Computertechnologie setzt er achtzig Jahre früher an, ins ausgehende 19. Jahrhundert. Die Entwicklung schreitet voran und Ende des ersten Weltkrieges ist sie ungefähr auf unserem heutigen Stand. Es gibt Fernseher, Komputer, tragbare Telefone, elektronische Post, hat man sich eine Parole (Passwort) zugelegt kann man im Weltnetz ins deutsche Forum gehen und sich mit anderen Nutzern unterhalten. Was weniger Beachtung findet ist der sorglose Umgang mit seinen Daten und das spielt einer Behörde in die Hände die noch unter des Kaisers Zeiten gegründet wurde, dem NSA.

Zwei sehr ungleiche Protagonisten schildern durch ihren Lebensweg die Entwicklung dieser Technologie. Helene Bodenkamp kommt aus einer gut situierten Familie. Der Vater ist angesehener Arzt und Verfechter des aufkommenden Nationalsozialismus. Sie ist emanzipiert (ohne es zu ahnen), sehr intelligent und kommt durch ihre Vorbereitung auf das Abitur und der Wahl ihres Pflichtfaches auf das „Programmstricken“. Eine Arbeit die traditionell von Frauen ausgeübt wird. War doch die erste Programmstrickerin Ada Lovelace eine englische Mathematikerin und Helenes erklärtes Vorbild. Ihr spätere Kollege Eugen Lettke kommt mit dem übergroßen Schatten seines im Weltkrieg gefallenen Vaters  weniger gut behütet durch seine Kindheit, er verlegt sich auch dort schon aufs spionieren. Eine „Begabung“ die ihm schlussendlich einen Job beim NSA verschafft. Hier nutzt er die Technologien auf seine eigene perfide Art.

 

Andreas Eschenbachs Ansatz den heutigen Stand der technologischen Entwicklung fast hundert Jahre früher anzusetzen und den Nationalsozialisten in die Hände zu geben kann nur apokalyptisch enden. Genau das ist mein Problem mit „NSA“. Ich habe die ganze Zeit auf mehr gewartet. Aber das Ende ist völlig vorhersehbar. Die Darstellung diese Technologie sei Allmächtig ist mir einfach zu eindimensional. Hier hätte ich mir mehr Mut vom Autor gewünscht. Mit diesem Fazit hätte das Buch definitiv 200 Seiten kürzer werden können. Es gibt für Eschenbach anscheinend keinen anderen Ausweg. Das ist mir einfach zu wenig für ein Buch das über 500 Seiten dick ist.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(38)

52 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

"schweden":w=4,"schären":w=4,"mord":w=3,"flucht":w=2,"bosnien":w=2,"gewalt in der ehe":w=2,"frauenhaus":w=2,"krimi":w=1,"spannung":w=1,"thriller":w=1,"reihe":w=1,"serie":w=1,"drogen":w=1,"missbrauch":w=1,"skandinavien":w=1

Flucht in die Schären

Viveca Sten , Dagmar Lendt
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 08.11.2018
ISBN 9783462051971
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Staatsanwältin Nora Linde versucht schon seit geraumer Zeit Andreis Kovač, den Kopf der Stockholmer Drogenszene dingfest zu machen. Da die Beweise für den Drogenhandel fehlen, versucht sie ihn wegen Steuerbetrugs dingfest zu machen. Doch ihr Antrag auf Verlängerung der U-Haft wurde gerade abgelehnt. Andreis Kovač ist wieder auf freiem Fuß und lässt seinen Frust über die Demütigung an seiner Ehefrau aus. Diesmal war es der stehengelassene Staubsauger in der Küche, der ihn dazu veranlasste, seine Ehefrau Mina erneut krankenhausreif zu schlagen, wenn die Polizei und der Krankenwagen, alarmiert von einem anonymen Hinweisgeber, nicht so schnell vor Ort gewesen wären, vielleicht hätte Mina diese Tortur nicht überlebt. Diese Körperverletzung ist jedoch aktenkundig, und so erfahren auch Nora und die mit ihr zusammenarbeitende Kriminalkommissarin Leila Kacim davon. Nun hoffen sie darauf, dass sie Andreis Gerichtsakte auch dieses Verbrechen anhaften können. Doch Mina mauert und will nicht gegen ihren Ehemann aussagen. Sie lässt sich lediglich überreden ins Frauenhaus zu gehen. Doch nun eskaliert Andreis Kovač’s Gewalttätigkeit noch mehr, er scheut keine Mittel und Wege um an Mina und ihren gemeinsamen Sohn heranzukommen. Notfalls geht er über Leichen.

 

„Flucht in die Schären“ ist ein äußerst mitreißender Krimi der zwei große Themen miteinander verknüpft, auf der einen Seite wird das Leben der Betroffenen erzählt, die vor dem unfassbar grausamen Krieg Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts im ehemaligen Jugoslawien fliehen und auf der anderen Seite wird sich dem Kernthema „häusliche Gewalt“ gewidmet.

Es ist einfach unfassbar was sich hinter einigen Wohnungstüren zutragen kann. Noch unglaublicher ist das schiere Ausmaß dieser Gewalt und das es rein rechtlich gesehen viel zu wenig Schutz und Hilfe für Betroffene gibt. Viveca Sten durchleuchtet das Kernthema auf vielseitige Weise. Sie beschreibt die Ohnmacht der Ermittler, wenn sie wieder einen gewalttätigen Ehemann nicht dingfest machen können, weil die betroffene Frau nicht aussagen möchte oder kann. Gleichzeitig versucht sie auch das Leben der Frauen zu schildern, die durch diese Hölle gehen, die auch wenn sie sich Hilfe in einem Frauenhaus suchen auf einmal ihres persönlichen Umfeldes beraubt sind, deren normaler Alltag nicht mehr existiert, für sie und ihre beteiligten Kinder. Alles zusammen verpackt die Autorin in einen atemraubenden Krimi.

Es gibt hier nur einige Kleinigkeiten die mich an der Figur der Mina gestört haben, trotz allem Verständnis die ich für ihre geschilderte Situation aufbringen kann, waren mir ihre Handlungen stellenweise zu übersprunghaft. Es ist verständlich, dass man sich in einer solchen Situation nicht rational verhält, aber sich mehr als einmal  in offene Gefahr zu begeben ist nicht nachvollziehbar.

Viveca Sten legt in ihrem neuen Buch mehr den Fokus auf den eigentlichen Fall, das Leben ihrer beiden Protagonisten Nora und Thomas nimmt auch wieder einen Platz ein, jedoch nicht so präsent wie in den Vorgängerbüchern. Dafür beschreibt sie aber wie immer die sehr schöne Landschaft der Schäreninseln die bei mir jedes Mal Fernweh wecken.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(15)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

"politik":w=2,"bürgermeister":w=2,"krimi":w=1,"spannend":w=1,"entführung":w=1,"missbrauch":w=1,"karriere":w=1,"sucht":w=1,"kindesentführung":w=1,"vertauscht":w=1,"familienprobleme":w=1,"wahlkampf":w=1,"ladythriller":w=1,"grundschullehrerin":w=1,"verhaltensauffälligkeit":w=1

Dunkelziffer

Andrea Kane , Barbara Ritterbach
Flexibler Einband: 477 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe
ISBN 9783404152940
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das perfekte Familienidyll: der Vater, Sprössling eines Immobilienmoguls und  Bürgermeister mit Bestrebungen zu einem Senatorenposten, die Mutter selbstständig und der kleine Sohn Brian schon jetzt ein begnadetes Sportass. Doch wie so oft trügt der Schein. Die Veränderungen sieht als Erste die Grundschullehrerin von Brian. Neben seinen Eltern und dem Onkel ist Julia Talbot seine engste Vertraute, und ihr fallen sofort Veränderungen an dem Kleinen auf. Der sonst so aufgeweckte Junge ist in sich gekehrt und still. Auf ihre direkte Art möchte sie mit Brians Eltern Kontakt aufnehmen, doch das will Brians Onkel auf jeden Fall verhindern, denn es gibt Geheimnisse die nicht ans Tageslicht kommen dürfen.

 

Ein wirklich spannender und heißer Krimi, mal abgesehen davon das ich die ersten hundert Seiten etwas genervt war von der Figur der Julia. Eine junge Lehrerin, die absolut keine professionelle Distanz zu ihrem Schützling hält und sich in das Privatleben der Eltern drängt aus übertriebener Fürsorge. Lehrer haben in der Regel ja die Auffassung die Eltern gleich mitzuerziehen, hier war das aber nun wirklich übersteigert dargestellt. Als sich dann noch eine Reporterin einmischt, habe ich ernsthaft überlegt, das Buch beiseite zu legen. Das war wirklich alles überzogen und völlig unglaubwürdig dargestellt. Aber die Autorin mildert die überspitzte Charakterisierung ihrer Akteure ab, so dass sich eine glaubwürdige, fesselnde und auch erotische Story entwickeln kann. Die Spannungsbögen sind perfekt gesetzt und werden auch bis zum Schluss gehalten, der dann jedoch wieder ein wenig kitschig ausfällt. Alles in allem jedoch ein empfehlenswerter Krimi.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Fallen Five - Dunkle Gewissheit: Thriller (Die Lightkeeper-Serie 3)

Erica Spindler
E-Buch Text: 306 Seiten
Erschienen bei beTHRILLED by Bastei Entertainment, 20.09.2018
ISBN 9783732554102
Genre: Fantasy

Rezension:

Gleich zwei mysteriöse Selbstmorde müssen die Detectives Michaela Dare und ihr Kollege Zach Harris aufklären.  Im ersten Fall handelt es sich um eine junge Frau, die sich anscheinend aus Liebeskummer die Pulsadern aufgeschnitten hat. Bei der Besichtigung des Unfallortes haben sowohl Micki als auch Zach das Gefühl das hier mehr dahinter steckt, und es sich nicht um eine Selbsttötung handelt. Aber dem einzigen Verdächtigen ist nichts nachzuweisen. Kurze Zeit später stürzt sich der Immobilienmogul Thomas King während der Eröffnungsfeier seines neuesten Wolkenkratzers vom Balkon des 21. Stockwerks. Keiner kann sich dies erklären, denn eine depressive Verstimmung war an diesem Abend von keinem der Gäste bemerkt worden. Auch hier spürt Zach sofort dass es noch eine weitere Erklärung für diesen Tod gibt.

 

Fallen Five ist der dritte Teil um die sogenannten Lichthüter. Erica Spindler ist mir durch etliche Krimis bekannt und  ich war einfach neugierig wie sie Krimi mit Mystery verbindet. Der erste Teil dieses E-Books ist für mich sehr gut gelungen. Eine nachvollziehbare Story, gut gesetzte Spannungsbögen und auch ein wenig Grusel-Effekt. Ab der Hälfte des Buches kippt dies dann jedoch, es stehen mehr die Protagonisten um die Lichthüter im Vordergrund, der Mord und die Aufklärung rücken fast in den Hintergrund. Da ich die Vorgängerbücher nicht gelesen habe, fehlte mir hier viel Hintergrundinformation und ich wurde mit diesen Teil der Geschichte überhaupt nicht warm, schon gar nicht, als es für mich aufgesetzt romantisch wurde. Diesen Teil fand ich sehr gewollt. Das kannte ich so von der Autorin nicht. Für Kenner und Liebhaber dieses Genres durchaus empfehlenswert. Für mich war es leider nicht das Richtige.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(23)

38 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 21 Rezensionen

"serienmörder":w=2,"prag":w=2,"thriller":w=1,"horror":w=1,"blutig":w=1,"antisemitismus":w=1,"irrenanstalt":w=1,"tschechoslowakei":w=1,"nazideutschland":w=1,"vorkriegszeit":w=1,"<genre-mix>":w=1,"slawische mythologie":w=1

Wo der Teufel ruht

Craig Russell , Wolfgang Thon
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 14.09.2018
ISBN 9783352009174
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Prag- zwischen den Weltkriegen

Dr. Viktor Kosárek ist ein junger ehrgeiziger Psychiater aus Prag. Er verlässt die altehrwürdige und quirlige Großstadt um in der Burg Hrad Orlů, nahe Mladá Boleslav eine neue Stelle anzutreten. Die Burg ist sagenumwittert, von den Einheimischen wird sie gemieden und nun ist sie schon seit ein paar Jahren eine Klinik für extrem Geistesgestörte. Die „satanischen Sechs“ werde hier behandelt. Sechs Schwerverbrecher die so unnatürliche, gewaltsame Taten vollbracht haben, dass sie unter extremen Sicherheitsvorkehrungen gefangen gehalten werden müssen. Hier hofft der junge Wissenschaftler seine These vom Teufels-Aspekt bestätigen zu können. Doch er verlässt Prag zu einer Zeit in der ein weiterer Serienkiller sein Unwesen treibt, „Lederschürze“ wird er schon insgeheim genannt. Seine Taten erinnern an einen Serienmörder der in London vor 60 Jahren sein Unwesen trieb und nie gefasst wurde.

 

Graig Russel ist ein außergewöhnlich spannender Thriller über die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns gelungen. Reichlich gespickt mit mystischem, basierend auf einer wirklich umfassenden Recherche bezüglich der slawischen Sagenwelt. Zusätzlich siedelt er seinen Thriller in einer Zeit an, die kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges spielt, in der die junge Republik Tschechoslowakei ihren Platz in dem sich ständig veränderten Europa erst noch finden muss. Der Wahnsinn hat viele Gesichter, diesen Aspekt setzt der Autor perfekt um.

Prag ist eine der wunderschönsten Städte Europas, anscheinend empfinde nicht nur ich so, denn es ist dieses Jahr schon das vierte Buch, deren Handlung in und um Prag spielt, das ich lesen durfte. Für mich ein weiterer Pluspunkt dieses Buches. Russels Beschreibungen von Prag ähneln zwar sehr dem viktorianischen London, aber es ist der Handlung durchaus angemessen.

Ganz besonders hat mir seine Version einer Nervenklinik gefallen. Sie spielt zwar in einer alten, düsteren Burg in der man , als geneigte Leserin diverser Thriller, ein Horrorhaus vermutet, doch das Gräuel sitzt ganz woanders, nicht in der Behandlung oder Ausstattung der Räumlichkeiten.

Eine kleine Warnung möchte ich dennoch aussprechen, Graig Russells Thriller „Wo der Teufel ruht“ ist nichts für schwache Nerven. Seine Beschreibungen diverser Gräueltaten sind sehr bildhaft und irgendwie plastisch. Da braucht es schon eine gewisse Nervenstärke.

  (5)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(26)

32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

"krimi":w=4,"mord":w=4,"suche":w=2,"lügen":w=2,"kinderstar":w=2,"tod":w=1,"thriller":w=1,"geheimnis":w=1,"geheimnisse":w=1,"unfall":w=1,"eltern":w=1,"wahrheit":w=1,"kind":w=1,"verschwörung":w=1,"intrige":w=1

Alinas Grab

Silke Nowak
E-Buch Text: 209 Seiten
Erschienen bei Viktoria Publishing, 06.07.2018
ISBN B07FBG9J9R
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Juli 2006 in einer  Villa in der besten Wohngegend Ravensburgs,  ist die Geburtstagsparty der 35 jährigen Gastgeberin Kitty Obermatt in vollem Gange. Die Gästeliste ist lang und elitär. Die Odermatts sind begütert und von Erfolg und Glück verwöhnt. Thomas Odermatt ist Geschäftsführer in einer großen Firma, Kitty ist eine ehemalige Eiskunstläuferin , die achtjährige Tochter Alina ein Filmstar, nur der elfjährige Mark kommt mit dem Rummel um seine kleine Schwester nicht ganz so gut klar. Am nächsten Morgen wird die kleine Alina vermisst und zu einem späteren Zeitpunkt tot aufgefunden. Zwölf Jahre später steht Thomas Odermatt in der Privatdetektei Fuchs & Bentwood und engagiert Ruby Fuchs seinen Sohn Mark zu finden, denn Kitty Odermatt ist gesundheitlich stark angeschlagen und möchte ihren Sohn, der mit achtzehn sein zu Hause fluchtartig verlassen hat, noch einmal sehen. Nach den ersten Recherchen ist Ruby klar, das Marks Verschwinden mit dem Verbrechen an seiner Schwester zusammen hängen könnte.

 

 

Silke Nowaks Krimi geht schon sehr unter die Haut. Wir verfolgen die Aufklärung eines Verbrechens, in Folge dessen die Detektivin immer wieder an einer schier unüberwindbaren Mauer aus Lügen und Manipulationen prallt. Jeder der Beteiligten am Mordfall Alina hat eine ganz eigene Wahrheit, das betrifft sowohl die Eltern und die besten Freunde der Familie sowie auch die Ermittler. Ein schier undurchdringliches Geflecht an Wahrem und Falschem. Silke Nowak versteht es ihre Leser zu fesseln. Nie kann man sich ganz genau sicher sein, wer hier falsch spielt. Die Kapitellänge ist genau richtig um die nötige Dramatik zu erzeugen. Die Spannungsbögen sind perfekt gesetzt und die Aufklärung selbst für eingefleischte Krimifans teilweise überraschend.

Der einzige winzige Minuspunkt sind die Liedzeilen, die Ruby immer wieder zum Besten gibt. Ich bin kein Schlagerfan, deshalb hat es mich wohl so gestört.

 

Fazit: Spannendes Verwirrspiel, ungemein fesselnd.

 

 

Nachtrag:

 

Ein Kritikpunkt, den ich fairnesshalber nicht in die Bewertung einfließen lasse, da es nichts mit dem Inhalt als solchen zu tun hat, ist die Qualität dieses E-Books. Es handelt sich hier, für mein Empfinden um gescannte Seiten, die auf meinem E-Reader wirklich extrem schlecht zu lesen waren. Die Schrift war definitiv zu klein, ganz besonders bei dem stellenweise eingefügten kursiven Schriftbild, wenn man die Größe (wie bei einem Smartphone) verändert wollte, passte die Seite nicht mehr ins Bild. Es war wirklich überhaupt kein Vergnügen und für die Augen extrem anstrengend.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

97 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 84 Rezensionen

"schweden":w=13,"krimi":w=9,"mord":w=7,"florenz":w=6,"nordschweden":w=5,"hudiksvall":w=4,"schwedenkrimi":w=3,"weihnachten":w=2,"einsamkeit":w=2,"skandinavien":w=2,"fussball":w=2,"weihnachtsmann":w=2,"kommune":w=2,"jugendfreunde":w=2,"skandinavienkrimi":w=2

Der Schmetterling

Gabriella Ullberg Westin , Stefanie Werner
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.09.2018
ISBN 9783959672054
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein grauenhaftes Verbrechen ereignet sich an Heiligabend in der Norrländischen Stadt Hudiksvall. Die kleine Stadt zählt nur 16.000 Einwohner, einer ihrer prominentesten ist Måns Sandins. Gerade erst hat er seine Fußballkarriere beendet und seinen letzten Verein, den FC Florenz verlassen, um mit seiner Familie in seiner Heimatstadt sesshaft zu werden. An Heiligabend ist er unterwegs um noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen, als er zurückkommt liegt seine Frau erschossen im Badezimmer und seine beiden kleinen Kinder sind völlig verstört.
Auch Kommissar Johan Rokka kehrt in seine Heimatstadt Hudiksvall nach vielen Jahren in Stockholm zurück. Wie das in so einer kleinen Stadt ist, Jeder kennt Jeden. Måns Sandins war sein Freund im Fußballverein, damals als sie noch Kinder und Jugendliche waren. Jetzt muss Rokka den Tod an dessen Frau Henna aufklären und sein ehemaligen Spielerfreund ist als Ehemann klar verdächtig. Keine leichte Sache.

„Der Schmetterling“ ist der Auftakt zu einer Krimiserie um den Kommissar Johan Rokka, den ich für sehr gelungen halte.

Skandinavische Krimis zeichnen sich oft durch sympathische Ermittler mit realistischem Arbeitspensum und nachvollziehbaren privaten Sorgen und Nöten (in der Regel nicht die typischen Alkohol- und/oder drogensüchtigen Ermittler)aus, die sehr bemerkenswerte komplexe Verbrechen aufklären müssen. „Der Schmetterling“ reiht sich da mühelos ein. Aus unterschiedlichen Perspektiven kommen sowohl die Teammitglieder des Kommissariats, Verdächtige, Zeugen und sogar die Verstorbene zu Wort. Nach dem dramatischen Anfang flacht die Story, durch die Vorstellung der vielen Mitwirkenden, erst einmal ab. Lange weiß man, ebenso wie die Ermittler (die fast vollständig im Dunkeln tappen) nicht, in welche Richtung ermittelt wird, da einfach zu wenig Beweise vorliegen. Nach und nach kommt jedoch Bewegung ins Spiel. Die verschiedenen Handlungstränge, die recht vielschichtig aufgebaut sind, laufen am Ende doch zusammen und geben ein schlüssiges Bild ab.

Ein paar Dinge haben mich an diesem Krimi jedoch auch irritiert bzw. gestört. Der Schmetterling, der ja auch namensgebend für den Titel des Buches ist, taucht nur am Rande auf und ist für die Handlung fast irrelevant und Gariella Ullberg Westin hat nicht ganz so viel Geschick in der Charakterisierung ihrer weiblichen Mitwirkenden. Die sind mir allesamt zu launenhaft, wankelmütig, instabil oder karrieresüchtig dargestellt. Keine dieser Frauen sind mir deshalb sympathisch geworden bzw. konnte ich ihre Handlungen nachvollziehen.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

95 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 74 Rezensionen

"krimi":w=7,"england":w=4,"weihnachten":w=4,"mord":w=3,"künstler":w=2,"englischer krimi":w=2,"anne meredith":w=2,"das geheimnis der grays":w=2,"familie":w=1,"klassiker":w=1,"london":w=1,"kunst":w=1,"hass":w=1,"geld":w=1,"geschwister":w=1

Das Geheimnis der Grays

Anne Meredith , Barbara Heller
Fester Einband: 297 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 22.09.2018
ISBN 9783608962994
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

King’s Polar, der Landsitz der Familie Gray. Jedes Jahr zu Weihnachten trifft sich die Familie, auf Weisung ihres Familienoberhauptes Adrian Gray. Kein friedliches und besinnliches Familienfest wird hier zelebriert, sondern es treffen versnobte Egozentriker, darunter ein angehender Politiker, ein Finanzspekulant und ein verarmter Künstler aufeinander, die eins verbindet Macht, Ansehen und Geld. Von letzterem haben einige in der letzten Zeit viel verloren und so hoffen sie auf finanzielle Zuwendung des Alten, doch der ist allgemein als geizig bekannt. Adrian Gray hat sechs lebende Kinder, zusammen mit deren Partnern bzw. Partnerinnen und der Mutter von Adrian Gray sind 11 Personen anwesend, die Überzahl an Bediensteten mal ausgenommen. Am Weihnachtsmorgen wird einer von ihnen nicht mehr leben.

Dieses Buch wurde für Leser von Agatha Christie und Dorothy L. Sayers angepriesen. Da mir beide Schriftstellerinnen nicht unbekannt sind, habe ich mich hier angesprochen gefühlt. Leider war meine Erwartungshaltung wohl zu groß, erfüllt wurde sie von diesem Buch nicht. Das lag zum einen daran, das eine für mich schier unübersichtliche Zahl an Personen agierte, die sich charakterlich, bis auf einzelne Ausnahmen, nicht unterschieden, bis ich die Personen so halbwegs identifizieren konnte waren zwei Drittel des Buches schon gelesen. Auch empfinde ich diesen nicht unbedingt als Kriminalroman, denn zu keiner Zeit trat für mich eine besondere Spannung auf. Nach einem Fünftel des Buches steht schon fest wer der Mörder ist, und dieser Umstand ließ meine Aufmerksamkeit noch weiter sinken. Die Autorin fokussiert sich bewusst auf den Täter, wie man auch dem Nachwort entnehmen kann, das tut sie für mich jedoch zu inkonsequent.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(40)

54 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

"thriller":w=5,"mord":w=2,"polizei":w=2,"liebe":w=1,"familie":w=1,"spannung":w=1,"vertrauen":w=1,"ermittlungen":w=1,"blut":w=1,"jagd":w=1,"journalismus":w=1,"journalistin":w=1,"südstaaten":w=1,"series":w=1,"savannah":w=1

Echo Killer

Christi Daugherty , Inka Marter
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 23.10.2018
ISBN 9783499273360
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jeden Tag, von 16:oo Uhr bis 1:00 Uhr nachts sitzt die Polizeireporterin Harper McClain in der Redaktion der Daily News, einer örtlichen Zeitung in Savannah, und lauscht dem Polizeifunkscanner. Sie wartet auf Codes, die wenn man sie entschlüsseln kann, sich auf Bandenkriminalität, Mord usw. beziehen. Hört sie von so einem Fall, versucht sie zusammen mit ihrem Kameramann Miles so schnell wie möglich zum Tatort zu kommen, denn die Deadline für die Morgenausgabe sitzt ihr jeden Tag im Nacken. Auf ihren nächsten spektakulären Fall wird nicht sie selber aufmerksam, sondern Miles, der beordert sie zu einem Tatort in einer gehobenen Wohngegend, eine junge Mutter wurde brutal erstochen. Sie hinterlässt eine 12 jährige Tochter. Als Harper am Tatort ankommt, hat sie sofort ein Déjà-vu- Erlebnis. Auch sie ist in einer ähnlichen Wohngegend (nicht ganz so luxuriös) aufgewachsen, als sie dann noch hört, das die Tochter ihre ermordete Mutter fand, ist sie alarmiert, denn Harper hat ähnlich grausames durchmachen müssen. Sofort ist sie entschlossen die Grenzen zu übertreten und den Tatort zu inspizieren, sie muss einfach wissen ob der Mörder ihrer Mutter, der nie gefasst wurde, wiedergekehrt ist. Nach über 15 Jahren.

Christi Daugherty „Echokiller“ ist ein absolut spannendes Debüt. Ein Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte, weil er alles beinhaltet was ich an diesem Genre mag. Eine zugkräftige Protagonistin, nicht zu viele, dafür gut skizzierte Nebenrollen, eine kleine Liebesgeschichte und vor allem eine abwechslungsreiche fesselnde Story. Ihre Protagonistin Harper hat für mich viel Ähnlichkeit mit Liza Marklund’s Annika Bengtson und Janet Evanovich‘s Stephanie Plum. Vielleicht war sie mir deshalb sofort sympathisch.
Auf den ersten siebzig Seiten legt die Autorin viel Wert auf die Charakterzeichnung und Arbeitsmethoden von Harper. Da sie dies innerhalb eines anderen spektakulären Falls macht, wirkt es nicht störend oder ausufernd. Danach geht es aber rasant mit dem eigentlichen Mordfall weiter. Mehrfach hat man das Gefühl, Harper verrennt sich in ihrer Fixierung auf den alten, ihr Leben verändernden, Mordfall. Christi Daugherty bekommt jedoch jedes Mal eine Wendung hin die dramatisch und aufregend ist. Gekonnt fängt die Autorin die Atmosphäre der Südstaaten-Stadt Savannah ein und lässt Harper in dieser schwül-heißen Klima agieren. Dabei hat sie jede Menge Verbündete aber auch jede Menge Gegenspieler die teils offensichtlich oder im geheimen operieren. Wie es sich für eine (fiktive) Journalistin gehört, überschreitet sie nicht selten Grenzen und macht sich damit weiter Feinde.

  (3)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(54)

71 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 56 Rezensionen

"england":w=6,"biografie":w=5,"sachbuch":w=3,"biographie":w=3,"19. jahrhundert":w=3,"großbritannien":w=3,"victoria":w=3,"queen victoria":w=3,"königin":w=2,"viktorianisches zeitalter":w=2,"kaiserin":w=2,"albert":w=2,"geschichte":w=1,"kinder":w=1,"frauen":w=1

Queen Victoria

Julia Baird , Hans Freundl , Maria Zettner
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), 01.09.2018
ISBN 9783806237849
Genre: Biografien

Rezension:

Eine Frau, deren Regentschaft als viktorianisches Zeitalter bezeichnet wird, muss einfach außergewöhnlich gewesen sein. Zur damaligen Zeit war der Thron, anders als jetzt, nicht nur ein repräsentatives Amt. Es wurde direkt Einfluss auf das politische und gesellschaftliche Leben genommen und ganz nebenbei, natürlich abgepuffert durch unzählige Bedienstet und Lakaien, wurde eine große Familie gegründet. Frau und Mutter zu sein ist heute schon eine enorme Herausforderung für jede Frau. Für eine Königin die während ihrer Regentschaft fast ausschließlich von Männern begleitet wurde, muss das nicht minder anspruchsvoll gewesen sein.

Julia Bairds Biographie der Victoria ist ein sehr umfangreiches Werk, aufgebaut wie eine Dissertation, allein das Quellenverzeichnis macht ein Fünftel des Buches aus. Die Autorin zeichnet den Lebensweg der Monarchin nach, von der vaterlosen Kindheit und Jugend, über die Krönung, die Heirat mit einem deutschstämmigen Prinzen und die darauf folgende Familiengründung, der Trauer um ihren Mann und ihre Regentschaft in der sie aktiv politisch mitwirkt. Das Buch ist mit reichlich Bildmaterial unterlegt, es kommen jedoch nicht nur engste Vertraute Victorias zu Wort, sondern auch berühmte Zeitzeugen wie Charles Dickens, Winston Churchill, Mark Twain, Florence Nightingale u.v.m. Beindruckend fand ich auch, dass die Autorin viele Entscheidungen, die Victoria während ihrer Regentschaft trifft, recht ausführlich in den geschichtlichen Kontext bringt. Es werden die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen der armen Bevölkerung geschildert. Der hohe Anteil an Kinderarbeit (tlw. sind Vierjährige in den Erzgruben beschäftigt worden), desolate Wohnverhältnisse, grassierende Seuchen, die durch hygienische Missstände immer wieder ausbrechen und ganz besonders hart die ärmere Bevölkerung treffen.

Für mich ist dieses Buch eine umfangreiche Schilderung der politischen Lage Europas des 19.Jahrhunderts. Viele politische (Fehl)Entscheidungen die dort getroffen wurden haben direkte Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert und mittendrin eine emanzipierte Monarchin, die die Macht und Einflussnahme ihrerseits fordert, der weiblichen Bevölkerung aber erst zum Ende ihrer Regentschaft einige Zugeständnisse hinsichtlich ihrer Selbstbestimmung macht. Genau diese Ambivalenz macht Julia Baird mehrfach zum Thema.
„Victoria“ ist eine Biographie, die man nicht so nebenbei durchliest, auf dieses Buch muss man sich bewusst einlassen. Für Leser mit einer Vorliebe für sehr gut recherchierte Geschichte, ein absolutes Muss.

Ein Manko, das ich nicht in die Bewertung mit einfließen lasse (weil ich das der Autorin gegenüber ungerecht empfinden würde), sind die enormen Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik. Ich kann jetzt nicht genau sagen ob das eventuell an der Übersetzung liegen könnte. Es sind jedenfalls so viele, dass ich mich, die sowas sonst gerne überliest, sehr gestört fühlte. Hier sollte vom Verlag noch einmal nachgebessert werden.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(92)

146 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 82 Rezensionen

"auschwitz":w=11,"frankfurt":w=8,"nationalsozialismus":w=5,"auschwitz-prozess":w=5,"schuld":w=4,"prozess":w=4,"auschwitzprozess":w=4,"60er jahre":w=3,"wirtschaftswunder":w=3,"deutsches haus":w=3,"roman":w=2,"familie":w=2,"geschichte":w=2,"nachkriegszeit":w=2,"polen":w=2

Deutsches Haus

Annette Hess
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 21.09.2018
ISBN 9783550050244
Genre: Romane

Rezension:

1963
Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit sind lange vorbei. Das Wirtschaftswunder hat, zumindest in Westdeutschland, für einigen Wohlstand quer durch die Bevölkerungsschichten gesorgt. Da holt Deutschland sein grausigstes Verbrechen wieder ein. Fast 20 Jahr nach Kriegsende kommt es in den Jahren 1963-1965 zum ersten Auschwitzprozess. Hier siedelt die Autorin ihre Geschichte um die junge Dolmetscherin Eva Bruhns an. Die Mittzwanzigerin lebt mit ihrer älteren Schwester, dem viel jüngeren Bruder und ihren Eltern über der elterlichen Gaststätte „Deutsches Haus“ zusammen. Eva fiebert mit viel Aufregung dem Antrittsbesuch ihres Freundes Jürgen entgegen, wird er an diesem Adventssonntag um ihre Hand anhalten? Der Mittagstisch ist gerade aufgehoben, da erreicht Eva ein Anruf ihres Vorgesetzten. Sie wird dringend bei einer deutsch-polnischen Zeugenbefragung benötigt, da es Ausreiseschwierigkeiten beim polnischen Dolmetscher gab. Als reine Wirtschaftsdolmetscherin hat sie zuerst Schwierigkeiten die Erzählungen des Zeugen Josef Gabor richtig zu interpretieren. Als sie das ganze Ausmaß begreift, der Zeuge spricht von Vergasungen, Folter und Erschießungen ist sie entsetzt. Sie möchte gerne mit ihren Eltern und ihrer Schwester über das Erlebte sprechen, doch dort stößt sie auf totales Unverständnis. Der Krieg ist schon so lange her, und alle hatten es schwer. Eva ist irritiert, gibt den Wunsch, diesen Übersetzerjob zu beenden, jedoch nicht nach. Auch nicht als ihr Verlobter gegen sie insistiert.

Während in der DDR schon seit deren Gründung eine gewisse Gleichstellungspolitik gefahren wurde, war dies in den alten Bundesländern nicht so. Die Emanzipation war staatlicherseits nicht gefördert oder gewollt. Für mich ist es deshalb immer etwas befremdlich zu lesen, wenn die Frau ihre Eltern um Erlaubnis fragen muss, ob sie arbeiten gehen darf. Sogar der Verlobte, rein rechtlich eigentlich völlig unverständlich, kann Veto einlegen und seiner Verlobten die Arbeitserlaubnis verweigern. In diesem Jahrzehnt keimt aber so langsam die Emanzipationswelle in den alten Bundesländern auf und unsere Protagonistin verwandelt sich im Laufe dieses Prozesses von einem wohlbehüteten, leicht naivem Mauerblümchen zu einer selbstbewussten jungen Frau.
Die Autorin nimmt sich der dunkelsten und schwärzesten Geschichte Deutschlands an, und das absolut überzeugend. Opfer, Täter, Mitläufer, Wegseher, Denunzianten und Gerechtigkeitsfanatiker alle bekommen eine Geschichte die glaubwürdig (das liegt auch daran, dass die alten Prozessaufnahmen verwendet wurden) ist. Die Täter die jegliche Schuld von sich weisen. Die Opfer die sich den Grausamkeiten nach zwanzig Jahren erneut stellen müssen, ihren Peinigern wieder gegenübersitzen, die sie in der Regel nur verhöhnen. Und Schlussendlich kann man mit den Urteilsverkündungen nicht zufrieden sein. Annette Hess zeigt anhand der Familie Bruhns wie Schwierig die Aufarbeitung dieser Verbrechen sogar in der eigenen Familie sein kann.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(51)

68 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 53 Rezensionen

"prag":w=7,"krimi":w=2,"historisch":w=2,"kaiser":w=2,"mord":w=1,"intrigen":w=1,"ermittlung":w=1,"historisches":w=1,"verdacht":w=1,"geliebte":w=1,"16. jahrhundert":w=1,"hof":w=1,"hist. roman":w=1,"habsburg":w=1,"habsburger":w=1

Alchimie einer Mordnacht

Benjamin Black , Elke Link
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 04.10.2018
ISBN 9783462049190
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Gelehrte Stern schreibt an seinen Memoiren. Von seiner Kinder- und Jugendzeit als unehelicher Sohn des Bischofs von Regensburg. Seine Studienzeit in Würzburg schneidet er nur kurz an, sein größtes Abenteuer ist 1599 die Reise nach Prag. Ein Erlebnis, das ihn am Ende seines Lebens immer noch sehr präsent ist. Nach dem Tod seines Erzeugers erbt er ein wenig Geld um sich einen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen. Er möchte nach Prag, die damalige Hochburg der Alchimisten, reisen um die Gunst des Kaisers Rudolf II zu erlangen und als Wissenschaftler in seinem Hofstaat zu arbeiten. Dieser hat eine Vorliebe für Alchemisten und da die Naturphilosophie, die Stern unter anderem studiert hat, auch ein Teil der Alchemie ist träumt er von einer Anstellung als Gelehrte am Hofe des habsburgischen Kaisers in Prag. Doch in der ersten Nacht findet er die Leiche einer jungen, wahrscheinlich wohlhabenden Frau und wider Erwarten wird er für den Schuldigen gehalten. Seine Träume scheinen sich in Luft aufzulösen…

Cover und Buchgestaltung

Ich bin immer ganz entzückt, wenn ich ein Hardcover in den Händen halte das neben einem ansprechenden Cover über einen Schutzumschlag und ein Lesebändchen verfügt. Es lag diesem Buch auch noch ein Lesezeichen von einem Reiseveranstalter bei. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Prag ist immer eine Reise wert! All die historischen Orte in der Prager Altstadt, die in diesem Buch vorkommen, kann man auch heutzutage noch besuchen. Das „Goldene Gässchen“ (Arbeitsstätte der am Hofe, unter Rudolf  II, eingestellten Alchimisten, die neben dem „Stein der Weisen“ auch künstliches Gold erzeugen sollten) darf dabei unbedingt auf dem Reiseplan stehen.

Schreibstil

Benjamin Black verfügt über einen scharfsinnigen, leicht schelmischen Schreibstil. Ungemein flüssig und spannend zu lesen.

Inhalt

Ein Kriminalfall in einer der schönsten Städte Europas, auch zu Zeiten des Protagonisten Christian Stern. Ein sympathischer Akteur, der leider hoffnungslos, bedingt auch durch seine eigene Selbstverliebtheit in den Strudel kaiserlicher und höflicher Intrigen gerät. Die politische Situation, die am Ende des 16. Jahrhunderts im Heiligen römischen Reich deutscher Nation herrschte, weiß der Autor geschickt einzubauen. Besonders gut gelingt ihm auch die Charakterisierung der historischen Persönlichkeiten.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

91 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 55 Rezensionen

"berlin":w=4,"christian berkel":w=3,"deutschland":w=2,"frankreich":w=2,"flucht":w=2,"zweiter weltkrieg":w=2,"familiengeschichte":w=2,"nationalsozialismus":w=2,"argentinien":w=2,"leipzig":w=2,"madrid":w=2,"liebe":w=1,"roman":w=1,"krieg":w=1,"biographie":w=1

Der Apfelbaum

Christian Berkel
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 12.10.2018
ISBN 9783550081965
Genre: Romane

Rezension:

Die dreizehnjährige Halbjüdin Sala entdeckt in der Bibliothek ihres Vaters den siebzehnjährigen Einbrecher Otto. Zusammen mit ein paar „Freunden“ begibt sich der fast mittellose Otto oft auf Diebestouren. Mit dem Schlimmsten rechnend, muss Otto erstaunt feststellen dass das junge Mädchen ihn versteckt. Seine Freunde haben da weniger Glück. Eine Weile später macht er die zufällige Bekanntschaft mit Sala’s Vater, ein Freigeist der dem eigenen Geschlecht nicht abgeneigt ist. Er nimmt Otto unter seine Fittiche (nicht ohne Hintergedanken), lädt ihn zu sich nach Hause ein, um ihm die Welt der Bücher, denn Otto ist wissbegierig und klug, zu eröffnen. Ein Leben das sich so gänzlich von dem Berliner Hinterhausmilieu unterscheidet, in dem der junge Mann aufgewachsen ist. In der Bibliothek des Vaters, die ihm peinlicherweise nur allzu vertraut ist, trifft er wieder auf Sala, von da an ist ihr beider Schicksal, trotz Unterbrechungen, miteinander verbunden.

 

Christian Berkel ist mir als Schauspieler sehr wohl bekannt, ich schaue seine Filme und Serien ausgesprochen gerne. Ich hatte erst etwas Bedenken dieses Buch zu lesen. Nicht jeder der ein eindrucksvoller und deshalb sympathischer Schauspieler ist, kann dies auf anderen Ebenen auch unter Beweis stellen. Christian Berkel schafft dies, fast mühelos. Ich könnte jetzt nicht sagen wer mich mehr anspricht, der Schriftsteller oder der Schauspieler. Ganz einfach macht der Autor es dem Leser allerdings nicht, sein Roman verläuft auf mehreren unterschiedlichen Vergangenheitsebenen die unterschiedlich schnell wechseln. Parallel zu der Lebens- und Liebesgeschichte seiner Eltern, werden auch deren Eltern und Geschwister porträtiert, ein Wechsel erfolgt ebenso in Berkels Kindheit und in die jüngere Vergangenheit der Mutter, die hochbetagt an demtiellen Veränderungen leidet.

Fasziniert war ich welchen Umgang die Familie Anfang des letzten Jahrhunderts pflegte. Eine Tante Sala’s mütterlicherseits, Modedesignerin in Paris, staffierte die Duchess of Windsor aus. Sala’s Vater hingegen war unter anderem mit Herrmann Hesse bekannt.

Bewegend und aufrüttelnd an diesem Buch ist jedoch zweifellos die Geschehnisse Anfang der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Sala muss als Halbjüdin flüchten, erst über Barcelona und Paris, kommt dann ins Internierungslager Camp de Gurs, Otto hingegen wird in den Krieg eingezogen und gerät sogar in russische Gefangenschaft.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(100)

146 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 92 Rezensionen

"faust":w=12,"historischer roman":w=8,"mittelalter":w=5,"gaukler":w=4,".teufel":w=4,"oliver pötzsch":w=4,"der spielmann":w=3,"reihe":w=2,"historie":w=2,"zauberei":w=2,"goethe":w=2,"pötzsch":w=2,"faustus":w=2,"#derspielmann":w=2,"magie":w=1

Der Spielmann - Die Geschichte des Johann Georg Faustus

Oliver Pötzsch
Fester Einband: 784 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 21.09.2018
ISBN 9783471351598
Genre: Historische Romane

Rezension:

1486 steht ein achtjähriger Junge in dem kleinen Ort Knittlingen im Kraichgau auf dem Marktflecken und schaut zu wie ein Trupp Gaukler am Simonis-Judae-Tag, dem Feiertag der beiden Apostel, in seine kleine Stadt zieht. Mit offenem Mund staunt er über die Jongleure, die Musikanten, die farbenfrohen Gewänder und über den Zauberer. Johann Georg, genannt „Faustus der Glückliche“ ist von dem Magier Tonio del Moravia sofort fasziniert, auch hat er ein wenig Angst vor dessen schwarzen stechenden Augen. Dabei ist es riskant zu dieser Zeit als kleiner Junge ohne Aufsicht durch die Stadt zu stromern, denn es verschwinde auf unerklärliche Weise Kinder. Vier Kinder im Laufe der letzten Wochen. Doch all das interessiert den kleinen Johann nicht, er verfolgt wie gebannt den Zauberkunststücken. Er darf sich sogar nach der Vorstellung mit Tonio unterhalten. Acht Jahre später sieht der nun schon fast erwachsene Johann Georg den Zauberer zum Apostelfeiertag wieder und diesmal begibt er sich mit ihm auf eine unheimliche und abenteuerliche Reise, die ihn weit weg von seiner Heimat bringen wird.

Zeitreisen sind ja leider (noch) nicht möglich. Wie gerne würde ich mal durch die verschiedensten Jahrhunderte streifen, ja auch ins Mittelalter. Oliver Pötzsch schafft es fast mühelos diese Epoche in all seinen Romanen für den Leser erlebbar zu machen. Er legt dabei eine Fülle an Details vor ohne dass sie die eigentliche Geschichte erschweren. In „Der Spielmann“ nimmt er sich der wohl berühmtesten deutschen Sage an, die des Faust. Allen Schülern der neunten und zehnten Klasse Deutschunterricht wohl noch allzu bekannt. Nahm sich doch auch Johann Wolfgang von Goethe dieser Thematik an und beschert mit Faust I und II dem einen oder anderen Schüler seit vielen Jahren schlaflose Nächte. Ich bin, muss ich ehrlicherweise zugeben, nie warm geworden mit Goethes Faust. Pötzsch’s Faustus hingegen hat mich regelrecht gefesselt. Er kombiniert Teile der Faust-Sage mit dem wohl meistbeachteten Prozess in Frankreich Anfang des 15. Jahrhunderts. Er nimmt den Leser mit in die sagenhafte Welt der Gaukler, an die wohl bekanntesten Städte des Mittelalters, gibt dem Aberglauben der damaligen Bevölkerung ein Gesicht und kreiert damit einen Roman der eher als Mysterie-Thriller eingestuft werden könnte.
Seit der „Henkerstochter“ verfolge ich die Werke des Autors, und schon immer konnte er mich sehr gut unterhalten. Ich freue mich jedes Mal über ein neues Buch, denn mit jedem neuen steigert er sich noch mehr. Die Romane werden dabei stetig umfangreicher lassen sich durch seine schöne Erzählkunst jedoch mühelos lesen.
Ich möchte allen Lesern auch das Nachwort ans Herz legen. Hier beschreibt er auf eine sehr amüsante Weise die Entstehungsgeschichte des Faustus.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(144)

236 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 109 Rezensionen

"wien":w=8,"leipzig":w=8,"thriller":w=5,"andreas gruber":w=3,"walter pulaski":w=3,"rache":w=2,"österreich":w=2,"transgender":w=2,"krimi":w=1,"familie":w=1,"spannung":w=1,"reihe":w=1,"angst":w=1,"hass":w=1,"morde":w=1

Rachewinter

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.09.2018
ISBN 9783442486557
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wien im März

Strafverteidigerin Evelyn Meyers und ihr junger Assistent Florian Zock nehmen einen außergewöhnlichen Fall an. Michael von Kotten, jüngster Spross des von Kotten Familienclans, soll eine Woche zuvor seinen Liebhaber in dessen Penthouse umgebracht haben. Die Tat leugnen wird schwer fallen, denn es gibt ein Video und darauf ist Michael zu sehen. Das Opfer ist ein Mitarbeiter von Richard von Kotten, Michaels Vater. Richard von Kotten hingegen ist ein Multimillionär, der seinen immensen Reichtum seinem Schwiegervater und dem Aufbau von unzähligen Spielkasinos zu verdanken hat. Bevor Evelyn Michaels Fall übernimmt, pocht sie auf uneingeschränkte Ehrlichkeit von Michael ihr gegenüber und doch spürt sieinstinktiv, dass ihr ihr neuer Mandat einiges an Lügen auftischt.


Leipzig zur selben Zeit

Unterdessen kommt Walter Pulaski, Kommissar beim Kriminaldauerdienst, an einem Tatort in dem etwas schäbigen und zwielichtigen Motel in einem Leipziger Vorort an. Ein Mann hat sich mit einer Schere im Innenohr verletzt und ist an diesen Verletzungen gestorben. Auffällig sind die Leichenblässe des Mannes und das fast vollständige Fehlen von Totenflecken. An einen Unfall mag Pulaski gar nicht so recht glauben. Schon gar nicht als er den Toten erkennt. Es ist der Vater, der Freundin seiner Tochter Jasmin. Beide Mädchen drängen ihn den Fall weiter zu verfolgen, doch dieser wird schon ans LKA abgegeben. Da versuchen sich die beiden Mädchen, sehr zu Walters Entsetzen, als Detektivinnen.



Dies ist mein erstes Buch um das Duo Evelyn/ Pulaski, obwohl es in diesem Teil wohl eher ein Trio zu sein scheint. Trotzdem ich die anderen beiden Bücher nicht gelesen habe, bin ich von Anfang an gut in die Story reingekommen. Ich hatte nie das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben, wie es ja manchmal sein kann, wenn man mit einer Reihe mittendrin anfängt. Das liegt vielleicht auch daran, dass Gruber ziemlich lange die beiden Schauplätze Wien und Leipzig getrennt laufen lässt. So können sich beide Stränge komplett entfalten. Lange Zeit wird man als Leser auch im Dunkeln gehalten, wie Pulaski/Meyers und Zock zusammen ermitteln sollten, weisen die Verbrechen doch keinerlei Gemeinsamkeiten auf.


Die Charaktere die der Autor kreiert, heben sich aus der Masse der unzähligen Ermittler auch im positiven Sinne ein wenig heraus. Da gibt es zum einen die junge und ehrgeizige Anwältin die aber nicht zu verbissen ihrem Beruf nachgeht, sympathisch ist und einen tollen Musikgeschmack hat. Zum anderen den zwar etwas verknitterten, sturköpfigen und vor Zynismus triefenden alten Hasen Walter, der aber durch seine Vaterrolle und den Problemen die ein solcher mit einer pubertierenden Tochter mitunter hat, ebenfalls sympathisch ist. Es ist auch mal ganz angenehm einem Nicht-Trinker zu folgen.


Auf fast sechshundert Seiten gibt es von Anfang an Spannung pur, die sich im letzten Drittel sogar noch um einiges steigert. Der Schreibstil ist zwar kompakt jedoch flüssig, die Spannungsbögen sind so gut gesetzt, dass man nicht aufhören möchte zu lesen. Das verstehe ich wirklich nicht, warum ich, die dieses Genre ja bevorzugt liest, noch nie ein Buch von Herrn Grube gelesen habe. Dies wird sich nun ändern.

  (2)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(86)

118 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 84 Rezensionen

"thriller":w=7,"mord":w=6,"herz":w=4,"serienmörder":w=3,"frauenhaus":w=3,"reihe":w=2,"häusliche gewalt":w=2,"tania carver":w=2,"spannung":w=1,"frauen":w=1,"serie":w=1,"polizei":w=1,"hass":w=1,"trennung":w=1,"männer":w=1

Er will dein Herz

Tania Carver , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783548290454
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gemma Adderley hat endlich den Mut, zusammen mit ihrer kleinen Tochter Carly, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen. Sie setzt sich telefonisch mit dem „Safe House“ in Verbindung, diese versprechen ihr in zehn Minuten einen Wagen zu schicken. Die Fahrerin soll das Losungswort „Erdbeere“ sagen, damit Gemma weiß, dass dieses Auto sicher ist. Stunden später wird Carly in der Morgendämmerung von einer Gruppe Partygängern, die auf dem Weg nach Hause zur ihren Studentenbuden sind, in einem Hauseingang gefunden. Völlig verängstigt drückt Carly ihren kleinen Stoffteddy fest an sich. Viel kann die junge Studentin Nina dem Mädchen nicht entlocken. Dem zuständigen Detective Sergeant Hugh Ellison wird empfohlen die Kriminalpsychologin Marina Esposito hinzu zu ziehen. Diese wundert sich zwar, vermutet aber dass ihr Mann DI Phil Brennan wohl die Empfehlung ausgesprochen hat. DS Ellison berichtet Marina das Carly ihm erzählt hätte, sie wäre mit ihrer Mutter in den Urlaub gefahren, aber während der Fahrt wurde Carly aus dem Auto geworfen und ihre Mutter ist allein weiter gefahren.

Das Autorenduo unter dem Pseudonym „Tanja Carver“, ist ein Garant für nervenzerreißende Thriller. Seit ihrem ersten Buch verfolge ich die Serie um Phil Brennan und Marina Esposito und es ist immer noch so, dass die Geschichten mich packen und ich das Buch nicht aus der Hand legen kann, bis ich endlich weiß wer der Täter ist und aus welcher Motivation er heraus diese Taten begeht. Fast spektakulär ist ihr Einstieg in den „neuen“ Fall. Eine junge Mutter, die sich und ihre Tochter endlich aus den Klauen des gewalttätigen Ehemannes befreien will, die von einer neuen Chance auf ein glückliches Leben hofft… Warum fällt sie einem Mörder in die Hände? Tania Carver widmet sich in „Er will Dein Herz“ einem sehr verbreitetem und oft verleugnetem Übel in unserer Gesellschaft…häusliche Gewalt. Ein Verbrechen das vielfach ungesühnt bleibt und deren Opfer selten Gerechtigkeit erfahren. Sehr anschaulich wird die Lage der hier misshandelten Frauen geschildert. Die Verzweiflung und scheinbare Ausweglosigkeit erschüttern ebenso wie die Häufigkeit dieser Gewalttaten. Ich bin der festen Überzeugung dass sie sehr realitätsnah sind.


Wie in den vorherigen Büchern gibt es wieder parallel verlaufende Handlungsstränge, auf der einen Seite einen Mörder und seine Rechtfertigung der Taten und auf der anderen Seite das erschütterte Verhältnis vom Marina und Phil. Da ich Marina und Phil schon seit dem ersten Buch folge, nehme ich auch sehr Anteil am Leben der Protagonisten und ihrem Lebensweg. In diesem Buch hatte ich jedoch ein paar Mal das Empfinden, das hier ein wenig zu dick aufgetragen wurde. Dieses Gefühl wurde jedoch durch die Dramatik, die wie immer gut gesetzten Spannungsbögen und einer plausiblen Story gut verdrängt.


Zum Schluss noch ein Wort zu Cover Gestaltung, auch wenn ich diese für „Er will dein Herz“ sehr treffend finde ich, kommt mir einfach zu oft Panzertape in den verschiedensten Versionen auf Büchern diesen Genres vor. Hier wünsche ich mir ein wenig mehr Einfallsreichtum von den Verlagen.

  (2)
Tags:  
 
317 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks

Mit der Verwendung von LovelyBooks erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir und unsere Partner Cookies zu Zwecken wie der Personalisierung von Inhalten und für Werbung einsetzen.