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familiengeschichte, geister, künstlerroman, rockmusik, vater-sohn

Auf Probe

Volker Kaminski
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 01.05.2018
ISBN 9783903091443
Genre: Romane

Rezension:

Kann ein Buch gut sein, obwohl der Autor von Jazz keine Ahnung hat? War geneigt, die Frage zu verneinen, bis ich das Buch „Auf Probe“ von Volker Kaminski gelesen habe.

Es schönes Buch, vor allem sprachlich. Mit diesem Buch hat mir meine Freundin Dulcinea, die für ihren exquisiten literarischen Geschmack und für ihre Blaubeermuffins stadtbekannt ist, eine große Freude gemacht. Ich wurde beim Lesen wie durch einen Zauberstab erlöst von Arbeitsstau und Alltagstrübsinn.

Die Story ist schnell erzählt. Nicht mehr ganz junger Mann (Philipp Gaudi) wagt den Ausstieg aus seinem stressigen Beruf. (Werbebranche). Genug von der Terminhetze, genug von dem aufgeblasenen Getue der Chefs, den Worthülsen, genug von der Jagd nach Marge und Quote. Sehnsucht nach wirklichem Inhalt.

Aber was ist wirklicher Inhalt? Als erstes muss man sich die Zeit nehmen. Am besten man hört zu arbeiten auf und lebt eine Weile von der Abfindung. Philipp, der neben dem Brotberuf in einer Rockband Gitarre spielt, will endlich ernst machen mit der Musik. Musik soll nicht mehr bloß Hobby sein, sie soll Daseinszweck werden. Philipp will sein Spiel verfeinern, er will komponieren, er glaubt, dass sich beim unermüdlichen Üben und Komponieren die Tore ins Himmelreich öffnen, gattungsübergreifend das Himmelreich von Hendrix, von Mozart, von Goethe und Michelangelo.

Und nun sind wir genau an dem Punkt angelangt, weshalb dieses Buch großartig ist. Die Geschichte von der Mutter und dem heimlichen Liebhaber, der sich im weiteren Verlauf als Philipps richtiger Vater erweist, ist schön und versetzt zurück in die Stimmung der frühen Sechziger Jahre, als Italienurlaube für die Deutschen noch etwas ganz Besonderes waren. Aber das Außerordentliche besteht in der visionären Sprache, in der Philipps Erfahrungen mit der plötzlichen Freiheit geschildert werden. Das Antlitz der Stadt verändert sich, die gewohnte Stadt wird zur geheimnisvollen Stadt, nun, da niemand mehr drängt, Meetings und Abgabefristen festsetzt, und Philipp genau das machen kann, was er schon immer gewollt hat. Das Kopfsteinpflaster, die Hauswände und Fenster, die Fahrzeuge,, stehende und fahrende, ein Rockkonzert mit Tausenden von Teilnehmern, und immer wieder die Wolken am Himmel und ihr verändertes Antlitz, jedes Detail des großen Zusammenhangs aus Stadt und Lebenswelt fügt sich neu zusammen, wie sich im schöpferischen Prozess eine Komposition zusammenfügt. Der Autor riskiert an diesen Stellen viel. Seine Schilderungen suchen die Nähe zur Rockmusik, die in ihren Songtexten das große Pathos nie gescheut hat. Es existiert aber auch eine Nähe zum literarischen Expressionismus, zu den Autoren der Gedichtsammlung „Menschheitsdämmerung“ und ihren eruptiven Metaphern, mit denen sie dem Lebensgefühl der ruhelosen neuen Zeit vor Anbruch des ersten Weltkriegs Ausdruck verliehen haben.

Zum Schluss gerät Philipp an einen echten Profi, eine erfolgreiche Jazz-Vokalistin und Bandleaderin, und es scheint nicht ausgeschlossen, dass ihm der große Sprung in ein neues, von der Kunst bestimmtes Leben gelingt.

Ich verzeihe Kaminski sein Jazz-Banausentum und fordere möglichst viele potentielle Leser zur Lektüre auf. Nicht nur „Auf Probe“, sondern bis zum letztem Satzzeichen, in diesem Fall einem Punkt.


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malerei, vater, vergangenheit

Rot wie Schnee

Volker Kaminski
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 05.09.2016
ISBN 9783903091184
Genre: Romane

Rezension:

Ich lese normalerweise keine zeitgenössische deutsche Literatur, aber jemand, der es gut mit mir gemeint hat oder mich wachrütteln wollte, ich kenne den genauen Grund nicht, hat mir dieses Buch geschenkt. Ich soll es lesen, ist klasse.

Ich war zuerst skeptisch, ich mag ferne Gegenden, spannende Krimis, fantastische Literatur und nicht deutsche Gegenwart, aber schon nach den ersten beiden Seiten war ich angenehm überrascht. Der Roman ist wirklich klasse, der Bekannte hat Recht. Es ist kein Krimi, aber ein Krimi könnte nicht spannender sein. Und mein Verlangen nach Phantastik kommt überhaupt nicht zu kurz.

Der Roman handelt von dem in eine Schaffenskrise geratenen Maler Tom Lautenschläger und seinem neuesten Werk. Eine Person auf dem Gemälde, ein junger Mann, verändert sich über Nacht und ohne Toms Zutun. Man denkt sofort an Oskar Wilde und „Das Bildnis des Dorian Gray“. Der Maler ist unschlüssig, wer die Person ist. Ist es sein Vater, hat er den eigenen Vater gemalt oder jemand anderes? Wer die Person in Wirklichkeit ist, das erfährt man in dem Roman, das macht die Spannung der Handlung aus.

Die Spannung ist hoch, es gibt tolle Dialoge, es ist eine Kunst, so leicht zu schreiben und doch so viel Nachdenkliches und Philosophisches damit zu erfassen und auszudrücken.

Nachdenklich wird das Ganze durch das Verhältnis von Vater und Sohn. Was der Vater an Kriegserlebnissen und Nachkriegsschrecken erlebt hat und nicht verarbeiten konnte, verarbeitet der Sohn in seiner Kunst. Das Buch reiht sich ein in eine Reihe von Büchern der letzten Jahre, in denen das Thema Traumatisierung in der zweiten Generation verhandelt wird. Außerdem geht es um das faszinierende Verfahren der historischen Erinnerung. Was wir erinnern, ist nie exakt, darf gar nicht exakt sein, wenn wir erfahren wollen, was gewesen ist. Schummeln, Täuschen, Ausweichen, Verfremden, Verschieben gehört zum Erinnern dazu, nur so kommt es zum Verstehen und wird Verzeihen möglich.


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