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vater, vergangenheit, malerei

Rot wie Schnee

Volker Kaminski
Fester Einband: 248 Seiten
Erschienen bei Verlag Wortreich, 05.09.2016
ISBN 9783903091184
Genre: Romane

Rezension:

Ich lese normalerweise keine zeitgenössische deutsche Literatur, aber jemand, der es gut mit mir gemeint hat oder mich wachrütteln wollte, ich kenne den genauen Grund nicht, hat mir dieses Buch geschenkt. Ich soll es lesen, ist klasse.

Ich war zuerst skeptisch, ich mag ferne Gegenden, spannende Krimis, fantastische Literatur und nicht deutsche Gegenwart, aber schon nach den ersten beiden Seiten war ich angenehm überrascht. Der Roman ist wirklich klasse, der Bekannte hat Recht. Es ist kein Krimi, aber ein Krimi könnte nicht spannender sein. Und mein Verlangen nach Phantastik kommt überhaupt nicht zu kurz.

Der Roman handelt von dem in eine Schaffenskrise geratenen Maler Tom Lautenschläger und seinem neuesten Werk. Eine Person auf dem Gemälde, ein junger Mann, verändert sich über Nacht und ohne Toms Zutun. Man denkt sofort an Oskar Wilde und „Das Bildnis des Dorian Gray“. Der Maler ist unschlüssig, wer die Person ist. Ist es sein Vater, hat er den eigenen Vater gemalt oder jemand anderes? Wer die Person in Wirklichkeit ist, das erfährt man in dem Roman, das macht die Spannung der Handlung aus.

Die Spannung ist hoch, es gibt tolle Dialoge, es ist eine Kunst, so leicht zu schreiben und doch so viel Nachdenkliches und Philosophisches damit zu erfassen und auszudrücken.

Nachdenklich wird das Ganze durch das Verhältnis von Vater und Sohn. Was der Vater an Kriegserlebnissen und Nachkriegsschrecken erlebt hat und nicht verarbeiten konnte, verarbeitet der Sohn in seiner Kunst. Das Buch reiht sich ein in eine Reihe von Büchern der letzten Jahre, in denen das Thema Traumatisierung in der zweiten Generation verhandelt wird. Außerdem geht es um das faszinierende Verfahren der historischen Erinnerung. Was wir erinnern, ist nie exakt, darf gar nicht exakt sein, wenn wir erfahren wollen, was gewesen ist. Schummeln, Täuschen, Ausweichen, Verfremden, Verschieben gehört zum Erinnern dazu, nur so kommt es zum Verstehen und wird Verzeihen möglich.


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